Urheberrecht der Bibel – was Sie beim Zitieren aus der Heiligen Schrift beachten müssen

Ein wesentliches Motiv für die Geburt der Offenen Bibel war die Beobachtung, wie mühsam es war, aktuelle Bibelübersetzungen in den Schranken des Urheberrechts privat zu verwenden, zu zitieren oder in irgendeiner Form öffentlich wiederzugeben.

Egal, ob Sie Bibelverse in Ihrem Buch veröffentlichen wollen, auf Ihrem Blog besprechen oder gerade an einem Lied arbeiten, das Teile der Bibel übernimmt – wollen Sie dabei eine bekannte Bibelübersetzung verwenden, sind Sie gezwungen, eine Lizenz zu erwerben. Wie Sie sich die Lizenzgebühren ersparen können und welche anderen Möglichkeiten Sie haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Warum ist die Bibel überhaupt urheberrechtlich geschützt?

Ein uraltes Buch. Texte, die nach eigenem Anspruch von Gott selbst stammen – man sollte meinen, es dürfte nicht so kompliziert sein mit der Bibel und dem Urheberrecht. Die Werke Luthers, Goethes oder Karl Mays sind ja gemeinfrei und unterliegen nicht mehr dem Urheberrecht – warum dann die Bibel? Und sollten Christen nicht ein Interesse daran haben, dass ihre Heilige Schrift möglichst einfach und kostenlos verbreitet wird? Solche Fragen sind verständlich.

Tatsächlich sind es nicht die Originaltexte der Bibel, die urheberrechtlich geschützt sind – es sind die modernen Übersetzungen, die urheberrechtlich als kreative Erzeugnisse ihrer Übersetzer gelten. Und dass die von ihrer Arbeit leben wollen, und dass die Verlage ihre Druckkosten usw. ausgleichen wollen, ist ja auch irgendwie verständlich.

Urheberrechtlich geschützt sind außerdem – unter Einschränkungen – die modernen Urtextausgaben des Alten und Neuen Testaments. Es gibt ja nicht den ursprünglichen Bibeltext. Den Urtext des Neuen Testaments rekonstruieren Experten aus einigen tausend uralten Handschriften. Diese überliefern uns einen größtenteils stabilen Text, der aber an vielen Stellen meist unbedeutende Variationen aufweist. Die dafür verantwortliche deutsche Organisation beansprucht darum volles Urheberrecht auf den rekonstruierten Urtext des Neuen Testaments (den "Nestle-Aland-Text"). Soweit mir bekannt, ist dieser Anspruch bisher allerdings noch nicht durch ein Gericht bestätigt worden.

Die modernen Ausgaben des Alten Testaments (Biblia Hebraica Stuttgartensia bzw. Biblia Hebraica Quinta) beruhen zurzeit dagegen im Wesentlichen auf einer einzigen mittelalterlichen Handschrift (dem "Codex Leningradensis"). Deren Text ist gemeinfrei. Die modernen Ausgaben gelten nach deutschem Urheberrecht allerdings als "wissenschaftliche Ausgaben" (UrhG §70) und unterliegen einer verminderten urheberrechtlichen Schutzfrist von 25 Jahren nach ihrer Veröffentlichung. (Das heißt beispielsweise, dass die ältere "Biblia Hebraica Kittel" (BHK), aber auch die bis 1977 veröffentlichte "Biblia Hebraica Stuttgartensia" (BHS) inzwischen gemeinfrei sein dürften, aber das ist eine Einschätzung dieses Autors, der ein juristischer Laie ist.)

Welche Optionen habe ich?

Wollen Sie nur ein paar Verse zitieren, ist das durch das Zitatrecht (UrhG §51) abgedeckt. (Im Zweifelsfall sollten Sie sich an einen Fachanwalt wenden.) Wenn es jedoch um längere Abschnitte aus der Bibel geht, haben Sie mehrere Möglichkeiten. Die erste ist die offensichtlichste:

1. Eine Lizenz erwerben

Sie beißen in den sauren Apfel: Mit dem klassischen Weg nehmen Sie Lizenzgebühren und weiteren Aufwand in Kauf, um rechtlich abgesichert eine moderne Bibelübersetzung verwenden zu können. Ihr Vorteil: So können Sie auf bekannte, zuverlässige Texte zurückgreifen.

2. Sie entscheiden sich für eine gemeinfreie Übersetzung

Auch für Bibelübersetzungen gilt im deutschen Urheberrecht nur eine Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. Zum 1. Januar nach dessen 70. Todestag ist diese Schutzfrist abgelaufen.

Die Auswahl an brauchbaren gemeinfreien Übersetzungen ist jedoch mager. Die wichtigsten:

 - Die Lutherbibel 1912 ist gemeinfrei. Eine Internetsuche führt zu zahlreichen Webseiten, die den Text anbieten.

 - Die Menge-Bibel ist seit 2010 ebenfalls gemeinfrei.*

 - Ältere Ausgaben der Elberfelder Bibel. Die jüngste gemeinfreie Ausgabe dürfte die unrevidierte Elberfelder 1927 oder 1934 sein.**

Bei gemeinfreien Bibeln ersparen Sie sich zwar die Lizenzkosten, müssen aber mit einigen Einschränkungen leben:

 - Diese Texte sind seit über 70 Jahre nicht mehr aktualisiert worden. Die Sprache wird also teils veraltet, klobig oder sogar unverständlich klingen.

 - Die Übersetzungen beruhen zudem auf veralteten Forschungsergebnissen. Das betrifft einerseits den zugrunde liegenden Urtext, aber auch konkrete Übersetzungsentscheidungen. Machen Sie sich darauf gefasst, dass einige Stellen aus heutiger Sicht anders und auch besser zu übersetzen sind.

Wem es dabei nicht auf den Klang der vertrauten Luther-Übersetzung ankommt, dem würde ich für solche Zwecke Hermann Menges Übersetzung ans Herz legen.

3. Sie arbeiten mit der Offenen Bibel

Ihre Vorteile mit der Offenen Bibel: Es handelt sich um eine moderne Übersetzung, deren Texte auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten sind und (im fertigen Stadium) auf eine sorgfältige, von dritten kontrollierte Erforschung des Bibeltexts zurückgehen. Eine Lizenz oder Erlaubnis ist dabei nicht nötig, darauf ist die Offene Bibel ganz bewusst ausgelegt. Sie dürfen den Text sogar an Ihre Bedürfnisse anpassen! Einige Kleinigkeiten sind jedoch auch mit dem Text der Offenen Bibel zu beachten (s. unsere Seite Urheberrecht).

Allerdings haben wir noch lange nicht die ganze Bibel übersetzt. Welche Texte schon in der Version "Studienfassung" übersetzt sind, erkennen Sie in der Übersicht auf dieser Seite.

Wir empfehlen, dass Sie ausschließlich Texte benutzen, die wir mit dem Status "Zuverlässige Studienfassung" oder "Sehr gute Studienfassung" als zuverlässig übersetzt eingestuft haben!

Des Weiteren sollten Sie beachten, dass wir auch als fertig eingestufte Abschnitte gelegentlich noch verbessern oder aktualisieren. Alles Wissenswerte zur Arbeitsweise der Offenen Bibel finden Sie auf der Seite Über uns.

4. Weitere Möglichkeiten

Im Internet finden sich einige moderne Übersetzungen von Teilen oder der ganzen Bibel, deren Autoren Ihnen möglicherweise kostenlose (oder günstige) Nutzungsrechte einräumen.

 - Hervorzuheben wäre die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ), deren Übersetzer vielen Internetseiten Nutzungsrechte eingeräumt hat.

 - Der Macher der Leonberger Bibel will wie die Offene Bibel eine frei lizenzierte Bibelübersetzung verwirklichen und folgt dabei einem recht ähnlichen Ansatz. Das Neue Testament ist fertig übersetzt.

 - Das Neue Testament von Herbert Jantzen wird ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich weiß nichts über Nutzungsrechte. Die Textgrundlage bildet der zweifelhafte "Textus Receptus". Diese Übersetzung würde ich daher nicht empfehlen.

 - Nur für besondere Zwecke geeignet wäre wohl die Volxbibel. Nutzungsrechte werden aber offenbar freizügig gewährt.

Und schließlich mag es in bestimmten Fällen vielleicht auch sinnvoll sein, selbst einen fachkundigen Übersetzer zu engagieren. Diese Möglichkeit könnte für Sie zum Beispiel interessant sein, wenn Sie gerne die volle Kontrolle haben und andere Möglichkeiten für Ihr Projekt nicht infrage kommen. Aus rechtlicher Sicht liegt das nicht übertragbare Urheberrecht zwar beim Übersetzer, aber die Nutzungsrechte können Sie vertraglich beliebig regeln.

Fazit

Wenn Sie Texte aus modernen Bibelübersetzungen in irgendeiner Form öffentlich zitieren wollen, stehen Ihnen gewisse urheberrechtliche Hürden im Weg. Viele Fälle deckt das deutsche Zitatrecht ab. Wer Lizenzgebühren für die bekannten Übersetzungen vermeiden möchte, hat immer noch einige andere Möglichkeiten.

Am ehesten kommt für Sie wohl eine der folgenden beschriebenen Optionen in Frage:
 - Sie arbeiten mit einer gemeinfreien Übersetzung, nehmen aber Einschränkungen in Form altmodischer Sprache und des veralteten Forschungsstands in Kauf. Am ehesten eignen sich vielleicht die Menge-Bibel oder die Lutherbibel 1912.
 - Sie verwenden Texte der Offenen Bibel. Es ist bei weitem noch nicht die ganze Bibel übersetzt, dafür fallen andere Hindernisse unter Umständen weg.

Wir empfehlen Ihnen natürlich, als erstes zu prüfen, ob die Offene Bibel für Ihre Zwecke infrage kommt.

Wenn Sie die Arbeit der Offenen Bibel unterstützen möchten, besuchen Sie doch diese Seite.

Anmerkung: Der Autor ist kein ausgebildeter Jurist und kann deshalb nicht garantieren, dass seine Angaben zuverlässig sind. Er kann nicht für juristische Fehlentscheidungen seiner Leser verantwortlich gemacht werden.

Fußnoten

* Fußnote zur Menge-Bibel: Die Deutsche Bibelgesellschaft verlegt die Übersetzung weiter, nach eigenen Angaben als unveränderte Neuauflage der 11. Auflage von 1949. Ich weiß allerdings, dass die Bibelgesellschaft einigen Aufwand in die Digitalisierung und Anpassung des Texts an moderne Rechtschreibregeln unternommen hat. Nach meiner Einschätzung als Laie kann die DGB für ihren Menge-Text zwar leistungsschutzrechtliche Ansprüche gegenüber einer kommerziellen Nutzung geltend machen, aber keinen eigenen urheberrechtlichen Schutz. Der gilt nämlich nur für kreative Erzeugnisse, aber nicht Leistungen, die von unabhängigen Dritten in gleicher Form vorgenommen werden könnten (wie eine Aktualisierung der Rechtschreibung, oder die Digitalisierung und Korrektur eines Texts). Es sollte also zumindest in einem nichtkommerziellen Rahmen in Ordnung sein, den aktuellen Menge-Text zu benutzen. Das hat ich mir eine zuständige Mitarbeiterin der Bibelgesellschaft einmal indirekt bestätigt. In anderen Fällen, gerade sofern sie mit den wirtschaftlichen Interessen der DGB konkurrieren würden, sollten Sie sich für eine Einschätzung an einen Fachanwalt wenden.

** Fußnote zur Elberfelder Bibel: Das hängt davon ab, ob Rudolph Brockhaus (gest. 1932) noch für die Revision 1934 verantwortlich war, oder ob dabei noch ein anderer Bearbeiter zu berücksichtigen ist.

Kommentare

Habe gerade den Beitrag auf den neusten Stand gebracht und sprachlich und formattechnisch aktualisiert. Ich hatte bei Veröffentlichen definitiv ein paar Tippfehler übersehen. ;-)
Auslöser war mein neuer Text Die Bibel sollte frei zugänglich sein, angefangen mit der Einheitsübersetzung, in dem ich hierher verlinke. Ich weise einfach mal darauf hin, passt ja zum Thema.

Viele Grüße.