Lesefassung: Translationswissenschaft und Übersetzungsmethodik

Der folgende Vorschlag für die Kriterien der Lesefassung systematisiert unsere Methodik (unter Berücksichtigung der bisherigen Entscheidungen und translationswissenschaftlicher Erkenntnisse.) 

Auf dem Offene-Bibel-Treffen vor anderthalb Jahren haben wir die Übersetzungskriterien für unsere Lesefassung definiert. Diese Kriterien waren uns seithwer eine Hilfe bei unseren Gesprächen um den richtigen „Weg“ für die Lesefassung – zugleich mussten wir jedoch auch feststellen, dass insbesondere der Begriff „funktional äquivalent“ sehr unterschiedlich verstanden wurde ([1], [2]). Nun wusste ich zwar noch recht gut, wie ich den Begriff auf dem Treffen damals erklärt hatte, aber ein „Ich weiß es besser. Basta.“ erschien mir nicht wirklich als zielführender und respektvoller Diskussionsbeitrag. ;-)

Ein weiteres Problem, auf das wir in der praktischen Arbeit an Lesefassungen gestoßen sind: Wir haben zwar recht allgemein die Ziele unsere Lesefassungen definiert, nicht aber das methodische Vorgehen zum Erreichen der Ziele.

Ich habe daher in translationswissenschaftlicher Literatur noch einmal nachgelesen, wie funktionale Äquivalenz definiert wird, und welche Erkenntnisse es allgemein über Übersetzungsmethodik gibt. Das erste Ergebnis war der Wiki-Artikel Funktionales Übersetzen. (Herzliche Einladung, diesen Artikel jetzt noch einmal zu lesen.)

Für mich ist die wichtigste Erkenntnis aus dem übersetzungswissenschaftlichen Diskurs der letzten Jahre: Es gibt nicht die eine richtige Übersetzung, sondern es kommt immer auf die angestrebten Verwendungszwecke und Adressaten an. Diese haben wir für die Lesefassung bereits definiert, was gut ist:

  1. Menschen ohne theologische Vorbildung (aber eventuell mit theologischen Fragen)

  2. Menschen, die eine schöne, gut verständliche Übersetzung zum Vorlesen suchen (für Gottesdienste, Andachten, andere Veranstaltungen und für private Zwecke)

  3. Menschen, die eine frei lizenzierte (CC-BY-SA), moderne und solide Übersetzung für ihre Website suchen

Wenn wir außer den Menschengruppen auch die Verwendungszwecke formulieren, dann können wir daraus eine konkrete, translationswissenschaftlich fundierte Übersetzungsmethodik ableiten: 

  1. Hauptzweck: Menschen ohne theologische Vorbildung (aber eventuell mit theologischen Fragen) sollen die Anliegen der Bibeltexte verstehen können.

  2. Eine Verwendung der Übersetzung für Gottesdienste und Andachten soll möglich sein (Vorlesbarkeit; schöner Wortklang; Gebete und Segenstexte funktional äquivalent*)

  3. Einzelne Abschnitte sollen in anderen Texten und auf Websites ohne weitere Klarstellungen verwendet werden können (moderne und solide Übersetzung ohne Anachronismen; Orientierung an den etablierten Versgrenzen; so weit wie möglich sprachliche Verständlichkeit der Abschnitte aus sich selbst heraus; freie Lizenz).

Übersetzungsmethodik (Sterne verweisen auf translationswissenschaftliche Konzepte, siehe Funktionales Übersetzen):

Analyse Übersetzung

Welches Kommunikationsziel* hat der zu übersetzende Abschnitt im Gesamttext?

Wer soll mit dem Gesamttext angesprochen werden (Adressat* des Textes)?

Wie lässt sich das Kommunikationsziel* im aktuellen Hochdeutsch wiedergeben?

Hilft es der Verständlichkeit, wenn der Text so übersetzt wird, wie ein Text mit ähnlicher Funktion* und ähnlichen Adressaten* heute formuliert würde?

Welche Teil-Funktionen* haben die einzelnen sprachlichen Elemente?

Wie kommuniziert man die Teil-Funktionen in der heutigen Sprache am besten?

Welche historischen und kulturellen* Zusatzinformationen sind für ein Verständnis des Textes wichtig?

Können die Zusatzinformationen ohne größere Eingriffe in der Übersetzung selbst genannt werden, oder braucht es hierfür eine (seltene) Fußnote?

 

Nach der translationswissenschaftlichen Recherche schlage ich außerdem vor, den ersten Unterpunkt unserer konkreten Kriterien für die Lesefassung etwas abzuändern:

Eher funktional äquivalent* („kommunikativ“) als formal äquivalent („strukturtreu“): Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes. Die Verständlichkeit der biblischen Kommunikationsabsichten ist entscheidend für die Frage, ob eine formal-sprachliche Nähe zum Urtext beibehalten wird. Hierfür verwenden wir auf der sprachlichen Ebene geeignete Äquivalente: Zu Wortwahl, Metaphern, Rhetorik und Gattung der Ausgangstexte suchen wir jeweils allgemein verständliche Entsprechungen. (So erhöht es z.B. die Verständlichkeit, wenn poetische Texte als solche erkennbar bleiben. Die formalen Kriterien für poetische Texte sind im Deutschen aber anders als im Hebräischen. Ähnliches gilt allgemein für Wortwahl, Metaphern, Rhetorik und Gattung.)

Etwas weiter unten sollten wir außerdem den Satz „Besonders leicht verständlich soll die geplante Fassung in leichter Sprache werden.“ ändern in „(Für besonders gute Verständlichkeit gibt es unsere Bibel in leichter Sprache.)“

Trifft mein Vorschlag eure Zustimmung?

Kommentare

Ich finde es gut. Vor allem, dass so die Kommunikationsabsicht drin ist, finde ich gut.
Trotzdem, drei Dinge: 
1: Bei "Leichte Sprache" fände ich "leicht verständlich" besser als "gut verständlich".
Ich hab den Eindruck, dass dieses "gut" statt "leicht" aus der Lesefassung nur irgendwie ein Zwischending zwischen Studienfassung und dem Non-plus-ultra an Verständlichkeit (- der Fassung in leichter Sprache -) macht. Dabei sind die Profile der beiden Übersetzungen ja ganz unterschiedlich. Ich glaube, bei "leicht" statt "gut" wird das deutlicher.
2: Das meiste ist recht stark, finde ich. Vielleicht fehlt da noch ein Korrektiv?
Ich nehme mal ein krasses Beispiel: In den Lobpsalmen gibt es ja häufig Abschnitte, in denen positive Eigenschaften des Gepriesenen ausgeführt werden. Besonders in neuerer Literatur werden diese Abschnitte häufig nicht als Worte an die Glaubensgemeinde gedeutet, sondern als Textsortenbestandteil der Textsorte "Lobpsalm". Wenn das wahr wäre, würde mit diesen Abschnitten ebenfalls gepriesen. Z.B. im Magnificat: Da gibt es Abschnitte wie "Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten." Im heutigen Deutsch würde das niemandem einfallen, einen Gepriesenen SO zu preisen (=> andere rhetorische Kriterien). Müsste man das dann paraphrasieren? Wenn die obige Deutung dieser Abschnitte richtig ist (ich hoffe, es entzündet sich jetzt hieran keine Diskussion über die richtige Deutung dieser Abschnitte. Spielt einfach mal mit und nehmt an, dass diese Deutung die sinnvollste wäre), müsste man das nach obigen Kriterien tun, oder? 
Wollen wir das? Mal überspitzt: Wollen wir wirklich statt mit "Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten" übersetzen mit "Du Erbarmungsvoller, ich danke dir!"? - da fehlt doch noch ein Korrektiv, oder?
3: Ich glaube, es fehlt eine Entscheidungshilfe zwischen formale Äquivalenz vs. Eleganz.
Meistens muss man sich ja nicht entscheiden zwischen formaler Äquivalenz und Verständlichkeit (denn wenn die formal äquivalente Übersetzungsvariante unverständlich wäre, stünde sie ja gar nicht zur Debatte), sondern zwischen formaler Äquivalenz und Eleganz
Ich nehm mal Gen 11 als Beispiel, weil du oben schon drauf verwiesen hast und wir das da schon durchexerziert haben: Da muss ich mich nicht entscheiden zwischen (A) formal äquivalent + unverständlich vs. (B) nicht formal äquivalent + verständlich, sondern zwischen (A') stärker formal äquivalent + weniger elegant,  (B') formal recht äquivalent + recht elegant, (C') nicht formal äquivalent + elegant. 
Z.B.:
(A'): „Lasst uns Ziegeln ziegeln indem wir sie brennen mit Brand.“
(B'): "Lasst uns im brennenden Brennofen Backsteine backen!"
(C'): „Lasst uns Backsteine backen!“
(A') scheidet aus - aber kann man sich mit obiger Formulierung zwischen (B') und (C') entscheiden? Da fehlt noch was, oder?

Hi Sebastian,
danke für dein Weiterdenken!
Zu 1: Zustimmung. Also: „Für besonders leichte Verstehbarkeit gibt es unsere Bibel in leichter Sprache.“
Zu 2: Ich habe zwecks Klärung zwei Gegenfragen:
a) Warum müsste man nach den von mir vorgeschlagenen Kriterien so frei übersetzen? Ergibt sich dies für dich aus der Definition der Hauptzielgruppe, oder aus der genannten Methodik?
b) Wird das Korrektiv für die Haupt-Zielgruppe benötigt, und lässt es sich so formulieren, dass es die Interessen dieser Zielgruppe optimal bedient?
Zu 3: Für solche Fälle hatte ich die folgenden Fragen formuliert: 

Welche Teil-Funktionen* haben die einzelnen sprachlichen Elemente?

Wie kommuniziert man die Teil-Funktionen in der heutigen Sprache am besten?

Ist das zu unverständlich? 

Hey Olaf,
2a: Gerade wegen dem Teil, den du in deiner antwort noch mal zitierst: "Welche (Teil-)Funktionen haben die einzelnen sprachlichen Elemente? - Wie kommuniziert man die Teil-Funktionen in der heutigen Sprache am besten". 
Wenn das wahr wäre, dass diese Er-Prädikationen Lobpreisungen sind, müsste man das nach diesem Kriterium eigentlich besser auch in Form einer Preisung übersetzen.
2b: Weiß ich nicht. Ich weiß ja nicht mal, was das richtige Korrektiv wäre.
Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass es auch bei Vertretern der funktionalen Übersetzungstheorie trotz allem immer noch als eigener Wert gesehen wird, wenn in einer noch so freien Übertragung trotzdem die Struktur der Propositionen mehr oder weniger erhalten bleibt. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, ob das ein geeignetes Korrektiv wäre und ob das etwas ist, was wir wollen sollten; aber vielleicht wäre das ein Beispiel für ein mögliches derartiges Korrektiv. 
3. Verständlich ist das schon, nur wüsste ich nicht, wie sich das auf Fälle wie den Geschilderten anwenden lassen soll. Vielleicht machst du das einfach mal, so als Beispiel? :)

Amen! Ich freue mich über deine Initiative. Es sieht so aus, als könnte uns das einen Schritt weiter bringen. Die Zweck-Orientierung liegt mir ja ebenfalls am Herzen. Die Analyse-abhängige Übersetzung, die du vorschlägst, entspricht professionellen Ansprüchen und ich glaube, dass du auch (die) richtige(n) Fragen stellst. Deine vierte Analyse-Ebene finde ich besonders interessant, weil sie mir so noch nicht begegnet ist.

Gleichzeitig fehlt deinem Vorschlag aber immer noch ein konkreter Ansatz, den Text anzugehen. (Verständlich, denn du willst zunächst die richtige Methodik finden.) Auf metaphorischer Ebene ausgedrückt, hast du dir eine Vorgehensweise überlegt, wie du das Auto bauen möchtest. Jetzt musst du die passenden Werkzeuge finden (oder entwickeln), mit denen du deinen Plan umsetzen kannst.

Ich kann nur erahnen, wie die sich entwickelnde methodische Diskussion ausgehen wird. Allerdings erwarte ich, dass wir uns - quasi als zweckdienliche analytische Werkzeuge - einheitliche Methoden der Textanalyse aneignen müssen, wenn wir die von dir gestellten Fragen für jeden Text argumentativ fundiert beantworten wollen. Ich glaube, wir werden dazu (zunächst) auf Textebene eine (teilweise ausführlich ausfallende) Form- und Gattungsanalyse und (dann) auf Diskursebene eine diese berücksichtigende, unserem Zweck angemessene Diskursanalyse durchführen müssen. Deren Ergebnisse bringen wir dann ein, um die Kommunikationsabsicht des Autors auf Textebene sowie seine genaue Argumentation auf Diskursebene zu erfassen. Wir wir das anstellen, ist eine ganz andere Frage. Denn es gibt keine einheitliche Vorgehensweise. So etwas ist kein leichtes Unterfangen und dazu eins, das leicht ausarten könnte. Wir wollen uns ja nicht in Details verlieren, sondern eine Methode entwickeln, die auch für eine begrenzte Anzahl von Hobbyübersetzern noch nachvollziehbar ist. Es gibt aber ganze Kommentarreihen, die sich nur diesem Ziel widmen (z.B. FOTL)! Ich möchte euch nun wirklich nicht enteilen, aber kann mir gleichzeitig nicht helfen und will das jetzt noch kurz ein Stück weiterdenken. Ich denke, dass es helfen könnte, wenn wir 1. detaillierte Analysen den anspruchsvolleren Texten vorbehalten und 2. nur die strittigsten Punkte systematisch schriftlich ausarbeiten, wobei wir uns eher auf Peer Review verlassen. (Freilich heißt das wieder nicht, das wir ohne analytische Instrumente auskommen können. Es heißt nur, dass ich es für möglich halte, dass manche Arbeitsschritte eben quasi auch von Hand und ohne komplexe Werkzeuge ausgeführt werden können.)

Das führt mich zu einer weiteren Lücke, die ich in deinem Vorschlag sehe. Es geht in dieselbe Richtung wie Sebastians Anfrage nach einem Korrektiv, auch wenn ich unabhängig von ihm dieselbe unbeantwortete gesehen habe.
Es ist die ewig offene Frage der Einheitlichkeit, bei der es sich allerdings um eine praktische Frage und wieder nicht um eine theoretische handelt. Einheit einerseits zwischen verschiedenen Abschnitten der Lesefassung, die ja irgendwelche erkennbaren Einheitsmerkmale aufweisen sollte (z.B. gemeinsame Textformen und semantische Referenten,die ja auch die Urbibel aufweist). Denn Hochdeutsch ist nicht gleich Hochdeutsch, man kann nicht einmal sagen: Ein hochdeutscher Brief oder Roman folgt demselben Muster wie andere hochdeutsche Briefe oder Romane. Das Beispiel ist vielleicht nicht das beste. Ich möchte sagen: Wie stellen wir sicher, dass wir gerade bei der Übertragung von Teil-Funktionen (deine dritte Frage) in zwei vergleichbaren Fällen nicht völlig unterschiedlich urteilen oder vorgehen? Wir erreichen wir, dass wir "einheitlich" kontextualisieren, "einheitlich" Äquivalente finden? (Das zielt in dieselbe Richtung wie Sebastians Gattungsfrage.)
Andererseits vergleichbare Einheitlichkeit zwischen der Lesefassung und ihren beiden wichtigsten Referenzen, dem Urtext und der Studienfassung. Wie erreichen wir, dass jemand, der den Urtext liest, die Studienfassung liest und die Lesefassung liest, die drei Texte ohne Mühe möglichst auch auf syntaktischer Ebene miteinander vergleichen kann? Dass die Lesefassung eine Neuformulierung der vorhergehenden Texte zu einem bestimmten Zweck ist, sollte meiner Meinung nach bitte an mehr als nur identischer (ähnlicher) Themenwahl und Argumentation zu erkennen sein. (Das zielt in etwa auf Sebastians Anmerkung zur Wiedererkennung der Struktur der Propositionen, ist aber ebenfalls unabhängig entstanden. Vielleicht hilft es ja, das Problem zu erkennen, wenn zwei Menschen es unabhängig von einander sehr ähnlich beschreiben.)
Das sind für mich die beiden Aspekte dieser Lücke. Genau hier brauchen wir das von Sebastian als noch fehlend herausgestellte Korrektiv.
Wieder will ich die Antwort auf meine Fragen nicht vorwegnehmen. Ich glaube aber, dass andere Bibelübersetzer ebenfalls mit dieser Frage gerungen und eine Lösung gefunden haben, weswegen wir vielleicht eine finden werden, indem wir auf ihre Arbeit schielen. Neben vielen kleinen Einzelfall-Regelungen scheint dort immer wieder besonders die zentrale Entscheidungskraft eines Redaktionsgremiums oder eine anderen Art der Endkorrektur eine wichtige Rolle zu spielen.
P.S.: Deine Vorschläge zur Änderung der Übersetzungskriterien sollten wir vielleicht getrennt diskutieren. Sonst behandeln wir hier zwei Themen gleichzeitig. Die Zielgruppe würde ich unbedingt in einen Zweck umwandeln (s. meine vorherigen Anregungen auf der Diskussionsseite) oder um einen solchen ergänzen. Bezüglich deiner weiteren Vorschläge würde ich erstens den Ausgang dieser Diskussion abwarten und zweitens etwas einfacher formulieren.

Ich stimme Ben zu, dass ein schrittweises Diskutieren wohl am besten ist. Dabei sehe ich drei Schritte:
1. Was sind die Verwendungszwecke?
2. Welche Eigenschaften ergeben sich daraus für die Übersetzung?
3. Wie entwickeln wir eine Methode, diese Eigenschaften sicherzustellen?
Sebastians Frage nach einer begrenzten formalen Äquivalenz gehört zu 2. Aus funktionaler Sicht ist sie genau dann anzustreben, wenn unsere angestrebte „Funktion“ (Verwendungszweck) davon profitiert. Anderenfalls ist sie unnötig bzw. (wenn sie notwendigen Eigenschaften im Weg steht) sogar negativ. Deshalb möchte ich nach dem Festlegen der Zwecke noch einmal nachhaken, was er genau meint.
Die Frage nach den Methoden der Textanalyse gehört zu 3. Hierbei müssen wir das Rad natürlich nicht neu erfinden, sondern können in unseren Kommentaren und Grammatiken nachlesen.
Als erstes müssten wir also Konsens bei den Anwendugszwecken erreichen. Danach sollten wir das festhalten und die genauen Eigenschaften diskutieren, und erst danach die einzelnen Aspekte der Umsetzung in den Blick nehmen. Ich schlage vor, dass wir die Anwendungszwecke als beschlossen ansehen, wenn bis Mittwoch kein Widerspruch kommt.

Ich habe noch einmal über die Verwendungszwecke nachgedacht und festgestellt, dass der Haupt-Zweck in der übernommenen Formulierung noch sehr unterschiedlich gedeutet werden kann: Wie hoch oder niedrig sollen wir die Messlatte für das „verstehen können“ anlegen? Es erscheint mir hier sinnvoll, neben durchschnittlicher Sprachkompetenz auch eine normale Allgemeinbildung vorauszusetzen.
Mit Entferung der Eigenschaften schlage ich darum den folgenden, etwas klareren Wortlaut vor:

  • Hauptzweck: Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben, aber über die Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen.
  • Die Übersetzung soll gut vorlesbar sein (z.B. für Gottesdienste und Andachten). Wo Bibeltexte als Gebete oder Segenstexte geeignet sind, soll unsere Übersetzung diesen Gebrauch ermöglichen.
  • Einzelne Abschnitte sollen in anderen Texten und auf Websites verwendet werden können (so weit möglich ohne weitere sprachliche Erklärungen).

Also, dann machen wir das doch so schrittweise.
1: Zu (1) noch eine Rückfrage: Wieso "Anliegen der Bibeltexte" statt "Bibeltexte"? Wieso "die Interesse an biblischen Inhalten haben" statt "Interesse an der Bibel haben"? - Das klingt so, als wollten wir mit dieser "Be-zweckung" unter der Hand Paraphrase statt Übersetzung ermöglichen.
P.S.: Ach so, ich stimme Ben zu: Über die Änderung der Kriterien sollten wir gesondert diskutieren. Aber weil ich glaube, dass da deine vorherigen Überlegungen miteingeflossen sind, sollten wir das vielleicht zum vierten Punkt machen?
P.P.S. Vielleicht wäre es für Schritt 2 ganz gut, wenn du mal an ein paar Versen vorführen würdest, wie sich deine Methodik konkret auf einen Übersetzungsvorgang auswirkt (am Besten Verse, die grammatisch klar, aber übersetzungstechnisch umstritten sind)?

Hallo, es ist mir wichtig, dass wir in allen Schritten konkret auf Änderungen der Kriterien hinarbeiten. Bei einem separaten vierten Schritt ist mir die Gefahr zu groß, dass die geleistete Arbeit im Sande verläuft. Wir sollten schon darauf achten, dass wir in sinnvollen Einzelschritten die Ergebnisse festhalten.
Wenn wir uns dazu entscheiden, statt Zielgruppen Zwecke zu nennen, dann können diese so in die Übersetzungskriterien übernommen werden, ohne dass die geplante Methodik bereits fertig ist. Ähnliches gilt für den zweiten Schritt mit den angestrebten Eigenschaften.
Zum „Anliegen“: Das habe ich aus dem aktuellens den gemeinschaftlich fedtgelegten Kriterien für die Lesefassung übernommen. Es harmoniert aber auch sehr gut mit dem translationswissenschaftlichen Begriff der Textfunktion bzw. Kommunikationsabsicht des zu übersetzenden Textes. Für Studien zu sprachlichen Details des Urtextes gibt es parallel dazu die Studienfassung.
Ich verstehe unter „Paraphrase“ eine ungenaue und eventuell sinnentstellende Zusammenfassung. Andere Leute verwenden das Wort für jede Übersetzung, die sich aus Gründen des Verstehbar-Machens von der formalen Struktur des Urtextes so weit löst, dass sie nicht mehr der Konkordanz-Ideologie entspricht. Wer aus translationswissenschaftlicher Sicht korrekt übewird also immer von irgendjemandem den Vorwurf der Paraphrase zu hören bekommen. Sicherstellen, dass der Vorwurf unberechtigt ist, kann man nur über eine saubere Analyse der Textfunktionen von Ausgangstext und Übersetzung - und der erste Schritt dazu muss die Festlegung der angestrebten Verwendungszwecke sein.

Absatz 1+2: Zustimmung.
Absatz 3: Ist mir nur aufgefallen, weil du in der Neuformulierung auch noch von "biblischen Inhalten" statt der "Bibel" gesprochen hast. Und weil es mir aufgefallen ist, sind mir jetzt doch Bedenken gekommen. Wenn es einem Bibelleser nur um die "Inhalte und Anliegen" gehen würde, würde er nicht zu einer Bibel greifen, sondern zu einer Bibelkunde. Die ist erstens kürzer und zweitens gefälliger strukturiert. 
Würde etwas verloren gehen, wenn man anstatt von "Anliegen der Bibeltexte" von "Bibeltexte" und anstatt von "Inhalten der Bibel" von der "Bibel" spricht?
Absatz 4: Vorwarnung: Vielleicht schätze ich deine Antwort falsch ein und bewerte außerdem über, dass du diese beiden Begriffe gewählt hast. In dem Fall kannst du das folgende ignorieren :)
"Aus translationswissenschaftlicher Sicht korrekt" vs. "Konkordanz-Ideologie"? - Übertreibst du da nicht ein bisschen? Es ist ja nicht so, als wäre die Übersetzungstheorie der funktionalen Äquivalenz die einzige heute vertretbare. "Indeed, the last few years have seen a resurgence in formal equivalence as a translation theory, a trend D. A. Carson calls "the rise of linguistic conservatism."" (Strauss 2005, S. 3 - der in seinem Aufsatz seinerseits die Übersetzungstheorie der formalen Äquivalenz kritisiert). 
Ich mag funktional äquivalente Bibelübersetzungen. Aber bin gleichzeitig der Meinung, dass viele der Vorwürfe aus diesem Lager gegen die formal äquivalenten Übersetzungen das formale Übersetzungsprinzip nicht treffen. "Formal" heißt nicht gleich "Wort für Wort" (- siehe die [eher] formal-äquivalenten Übersetzungen wie EÜ, Menge, Schlachter...), und wenn bei formalen Übersetzungen schlechtes Deutsch rauskommt, liegt das nicht daran, dass sie "formal übersetzt" hätten, sondern dass sie überhaupt nicht übersetzt haben (Aber ohnehin ist ja dieses "schlechtes Deutsch" eher ein Strohmann-Argument; den wenigsten der formal äquivalenten Übersetzungen würde man ja schlechtes Deutsch vorwerfen).
Ich würde mir deshalb nicht schon von vornherein den Weg verbauen, im Übersetzen nicht nur dem Textsinn, sondern auch der Textform treu bleiben wollen zu können. Funktional-äquivalentes und formal-äquivalentes Übersetzen stehen einander ja nicht diametral gegenüber, sondern setzen an verschiedenen Dimensionen des Übersetzungsgeschehens an. Die Frage ist nur, welche Dimension wir stärker betonen wollen. Und das haben wir ja schon festgelegt: "Eher funktional äquivalent als formal äquivalent". Das heißt aber nicht, dass wir gleich zu einem Rundumschlag ansetzen müssen und nur noch Anliegen und Inhalte transportieren wollen.
Lieber Gruß,
Sebastian

Ich mag Olafs Vorschlag, das Ganze der Reihe nach anzugehen. Die Zwecke, die du formulierst, finde ich eine gute Grundlage, die können wir m.E. so festhalten.
Eine Paraphrase ist nicht unbedingt ungenau, sondern es ist eine sinngemäße, zweckorientierte Neuformulierung. Auch da (wie schon bei der formtreuen Übersetzung) ist es viel eher die Frage, wie gut man übersetzt (s. z.B. die angesehene NGÜ).
Ich stimme Sebastian zu und würde schon wegen der besseren Vergleichbarkeit mit der Studienfassung dafür plädieren, Satzbau und Formulierungen nur soweit anzupassen, wie nötig, um unser Ziel zu erreichen. Können wir dieses Prinzip nicht vielleicht auch noch in die Übersetzungskriterien aufnehmen? In den Abschnitt zur funktionalen Äquivalenz. Du hast das zwar schon in dem Satz zur Verständlichkeit, den du vorschlägst, und der trifft es auch, aber er ist abstrakt formuliert und nicht gleich verständlich. Zudem betrifft er nur den Urtext. Deshalb ist es vielleicht eine gute Ergänzung, die Abweichung von der Studienfassung dem Kriterium als praktische Leitlinie hinzuzufügen.

Hallo Sebastian, hallo Ben!
Mir scheint, dass wir uns bei den Zwecken der Lesefassung inhaltlich weitgehend einig sind, und ich hoffe, dass Sebastians Bedenken gegenüber „Anliegen“ und „Inhalt“ ausräumen kann. Mir geht es keinesfalls darum, die Dimension der formalen Äquivalenz völlig zu ignorieren, sondern darum, die Priorität eindeutig zu definieren. Dabei gehe ich von der Hauptthese der neueren Translationswissenschaft aus: Eine Übersetzungsmethode ist genau dann angemessen, wenn sie den Zweck des Übersetzungsprojektes erfüllt.
Aber der Reihe nach:
A. Verwirrenderweise bezeichnen „functional equivalence“ und „funktionale Äquivalenz“ völlig unterschiedliche Konzepte. Der englische Begriff „functional equivalence“ lautete ursprünglich „dynamic equivalence“ (Wirkungstreue) und bezeichnet in der amerkanischen Bibel-Übersetzungstheorie eine von Eugene Nida (1914–2011) entwickelte Übersetzungsmethode. Sie stellt die Treue zum Inhalt über die Treue zur Form und grenzt sich von der „formal equivalence“ (Strukturtreue) ab: Die Formulierungen der Übersetzung sollen in der Zielsprache dieselbe Wirkung auf den Leser bzw. Hörer haben wie die ausgangssprachlichen Formulierungen. – Der deutsche Begriff „funktional äquivalent“ dagegen ist ein analytischer Begriff aus der allgemeinen Translationswissenschaft (siehe Funktionales Übersetzen: „Eine Übersetzung ist adäquat, wenn sie den angestrebten Zweck erfüllt (Verwendungszweck, Zielgruppe). Sie ist darüber hinaus auch äquivalent, wenn die Funktion des Ausgangstextes und der Übersetzung übereinstimmen (Funktionskonstanz).“ – Leider hat Nida seine Methode später in „functional equivalence“ umbenannt, was im deutschsprachigen Raum zu Verwirrungen führt. So spricht die Website der Neuen Genfer Übersetzung von „funktionaler Äquivalenz“ wo sie offensichtlich die Methode von Nida meinen. (Den funktionalen Ansatz der Translationswissenschaft kennen sie offensichtlich nicht, denn sie definieren weder Zielgruppe och Anwendungszweck.) Eine noch krassere Begriffswirrung haben wir in unseren aktuellen Lesefassungs-Kriterien, denn als wir sie definiert haben, hatten wir den Unterschied zwischen „functional equivalence“ (Methode) und „funktionaler Äquivalenz“ (analytisch) noch nicht voll urchschaut. In unserem Satz „Eher funktional äquivalent als formal äquivalent“ meinen wir daher ein Mittelding zwischen beiden begriffen. Dies ist der Hauptgrund, warum ich eine Neuformulierung vorschlage.
B. Die Opposition von „dynamic equivalence“ und „formal equivalence“ wird in der neueren Translationswissenschaft als zu schematisch kritisiert. Das Konzept der „equivalence“ ist inzwischen zu „Adäquatheit“ und „Äquivalenz“ ausdifferenziert worden (siehe oben). „Äquivalenz“ in der Wirkung ist für zahlreiche Bibelstellen kein realistisches Ziel, was Nidas Methode der Wirkungstreue ins Leere laufen lässt. (Beispiel von der Seite Funktionales Übersetzen: „Beispielsweise hatte der Philemonbrief historisch das Ziel, die gütliche Wiederaufnahme eines entlaufenen Sklaven in den Haushalt seines Besitzers zu bewirken. Es wäre absurd, bei einem heutigen Bibelleser dasselbe bewirken zu wollen.“)
C. Bei aller berechtigen Kritik an Nidas Ansatz ist jedoch auch sein Verdienst zu würdigen: Er hat klar benannt, dass Strukturtreue und inhaltliche Treue in Konflikt zueinander stehen können. Dass diese Erkenntnis bis heute nicht vollständig rezipiert worden ist, zeigt sich in der häufig vertretenen, irreführenden Unterscheidung zwischen extrem strukturtreuen „Übersetzungen“ einerseits und freien „Übertragungen“ bzw. „Paraphrasen“ andererseits. Strukturtreue Übersetzungen werden viel seltener für die inhaltliche Verzerrung der biblischen Inhalte kritisiert als wirkungstreue Übersetzungen – obwohl die Häufigkeit inhaltlicher Verschiebungen viel größer ist, wenn man der Form gegenüber dem Inhalt Priorität einräumt.
D. Eine weitere Erkenntnis, die für die neueren Translationswissenschaft (und vermutlich zuvor auch bereits für Nida) wesentlich ist: Die inhaltliche Bedeutung ist nicht nur von Semantik und Syntax abhängig. Beispielsweise bedeutet der Satz „Die Abwahl des Vorstandes erfolgt mit einfacher Mehrheit“ in einer Vereinssatzung etwas völlig anderes als im Newsticker der Vereinswebsite, in einem Erpresserbrief oder in einem melancholischen Gedicht. In manchen Fällen können Kontext und Stil der Sprache sogar inhaltlich wichtiger sein als die semantische Bedeutung eines Wortes: Für das korrekte Verständnis eines Schöpfungspsalm kann es unwesentlich sein, ob „Rohrdommel“ oder „Pelikan“ übersetzt wird – aber die Verwendung einer majestätischen, lobenden Sprache kann für das Verständnis wichtig sein.
E. Leser können sich der Bibel mit sehr unterschiedlichen Motivationen nähern. Man kann sie als literarisches Werk der Weltgeschichte genießen; man kann sie als historische Quelle lesen (politische Geschichte, linguistische Geschichte, Literargeschichte, Sozialgeschichte, Rechtsgeschichte, …); man kann unterhaltsame Zitate für einen Vortrag suchen; man kann die Bibel als Orakel benutzen; man kann ein kabalistisches Interesse an der Häufigkeit der verschiedenen Buchstaben haben; oder man kann verstehen wollen, was die Bibel inhaltlich sagen will. Wenn die Definition des Haupt-Verwendungszweck nicht nutzlos sein soll, dann müssen wir uns hier entscheiden. Deshalb mein Beharren darauf, dass wir „Anliegen der Bibeltexte“ beibehalten. Das „Interesse an biblischen Inhalten“ ist eine Umformulierung von „theologische Fragen“.
F. Ich stimme Sebastian zu, dass eine Treue zur Textform sinnvoll ist, soweit der Kommunikation des Inhalts nicht im Weg steht. Dies ergibt sich sogar aus den von mir vorgeschlagenen Verwendungszwecken: Beide Nebenzwecke profitieren davon, wenn die Übersetzung nicht unnötig frei ist. Es muss aber klar sein, dass die inhaltliche Dimension im Zweifelsfall Priorität hat (Hauptzweck).
Sebastian, könntest du dich mit diesen Erläuterungen damit abfinden, den Hauptzweck doch in der von mir vorgeschlagenen Formulierung zu lassen? Keine Angst, dein Anliegen kommt nicht unter die Räder!

Nachtrag: Wenn ich von extrem strukturtreuen Übersetzungen rede, dann meine ich weder Luther noch EÜ noch Elberfelder noch Menge. Luther und EÜ gehen einen Mittelweg zwischen Strukturtreue und Wirkungstreue. Elberfelder und Menge verwenden jeweils Strukturtreue mit einem Korrektiv. Extrem strukturtreu sind Interlinearübersetzungen sowie streng konkordante Übersetzungen (Münchener NT, KNT, KAT).

Hallo,
für Schritt 2 habe ich jetzt ausgehend von den definierten Zwecken eine Liste mit Eigenschaften erstellt. Bei manchem kann man sich streiten, ob es nun als „notwendig“, „wichtig“, „hilfreich“ oder unwichtig einzusortieren ist. Aber es geht ja hier auch nicht um eine definitive Festlegung, sondern um eine relative Betrachtung der Prioritäten, damit wir die Kriterien entsprechend formulieren können.
Rückfragen, Ergänzungen und konstruktive Kritik sind natürlich sehr willkommen.
Gruß, Olaf

 

Hauptzweck:
Verstehen der Anliegen

Zweck 2:
Gottes–dienst

Zweck 3:
Verwendung in anderen Texten

1. Die Anliegen der Bibeltexte werden kommuniziert.

notwendig

notwendig

wichtig

2. Die Übersetzung orientiert sich an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung.

notwendig

wichtig

wichtig

3.a) Die Übersetzung vermeidet anachronistische Formulierungen, damit der kulturelle Hintergrund des Originaltextes nicht verstellt wird.

notwendig

wichtig

wichtig

3.b) Notwendiges Hintergrundwissen zu Kultur und Geschichte wird im Text oder in Fußnoten gegeben.

notwendig

hilfreich

hilfreich

4.a) Die Übersetzung ist ohne Kenntnis von biblisch-theologischer Fachsprache verständlich.

notwendig

hilfreich

hilfreich

4.b) Falls sich biblisches Spezial-Vokabular nicht vermeiden lässt, wird es in Fußnoten erläutert.

notwendig

4.c) Die Abschnitte sind sprachlich aus sich selbst heraus verständlich.

wichtig

wichtig

notwendig

5.a) Der Text klingt nicht wesentlich holpriger als das Original.

wichtig

wichtig

hilfreich

5.b) Die Übersetzung verwendet aktuelles Hochdeutsch.

wichtig

hilfreich

hilfreich

5.c) Die Übersetzung lässt sich ohne Probleme vorlesen.

hilfreich

notwendig

5.d) Der Satzbau ist nicht komplizierter als im gehobenem Hochdeutsch üblich.

hilfreich

wichtig

hilfreich

6.a) Stil und Gattung der Übersetzung stimmen mit den Anliegen der Bibeltexte überein.

wichtig

hilfreich

hilfreich

6.b) Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen in etwa Stil und Gattung des Urtextes.

hilfreich

hilfreich

hilfreich

6.e) Die Übersetzung hat einen schönen Wortklang.

hilfreich

hilfreich

7. Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.

notwendig

8. Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen.

hilfreich

wichtig

wichtig

9.a) Die Übersetzung ist sprachlich nicht all zu frei.

wichtig

wichtig

9.b) Mehrdeutige Bibelstellen sind in der Übersetzung auf möglichst ähnliche Art deutungsoffen.

hilfreich

hilfreich

hilfreich

9.c) Wichtige Mehrdeutigkeiten im Bibeltext werden mit einer Fußnote kurz erläutert.

hilfreich

10. Es gibt Kapitel- und Zwischenüberschriften

hilfreich

Im IRC haben Olaf und ich über die Eigenschaftslisten diskutiert. Zwei Anmerkungen müssen deshalb noch gemacht werden, ansonsten hat die Liste meinen (und natürlich auch Olafs) Segen:
(1) 3a: Muss umformuliert werden; es könnte dahingehend missverstanden werden, dass man "anachronistisch" auf unseren aktuellen Sprachgebrauch bezieht. Dabei ist die Formulierung eigentlich so gemeint, dass die Bibeltexte nicht ungerechtfertigt "verheutigt" werden.
(2) 9b: (a) fand ich die Anzielung dieser Eigenschaft recht illusorisch und auch Olaf findet sie zu stark formuliert. (b) gibt es bei allen drei Zwecken Szenarien, in denen dies nicht nur hilfreich, sondern sogar wichtig sein könnte, gleichzeitig aber auch Szenarien, in denen es einem adäquaten Verständnis eher hinderlich wäre. Über diese Eigenschaft sollte daher noch mal nachgedacht werden.

Danke für das Mitdenken!

Bei 3a geht es mir vor allem darum, dass der kuturelle Kontext der Texte in der Übersetzung nicht verstellt wird. So wie es da steht, ist es in der Tat missverständlich. (Die Liste enthält ja noch keine Formulierungsvorschläge, aber wenn wir ein Kriterium daraus formulieren, dann brauchen wir etwas Besseres.)

Zu 9b: Eine Eigenschaft kann sowohl wichtig als auch sehr schwer umzusetzen sein. Es geht mir hier ja um eine relative Gewichtung von Zielen, die mit Sicherheit nicht immer alle gleichzeitig erfüllt werden können. Von daher ist es auch durchaus realistisch, dass diese Eigenschaften miteinander in Konflikt stehen können. Die Tabelle soll ja gerade dabei helfen zu entscheiden, was im Zweifelsfall Priorität hat.

Das Gespräch mit Sebastian hat aber noch einen anderen Aspekt aufgedeckt, der in der Tabelle noch fehlt: Es gibt Mehrdeutigkeiten, die zur Aussage des Textes mitbestimmen (z.B. in der Poesie, wo Anspielungen auf mehreren Ebenen intendiert sein können). In anderen Fällen ist die Mehrdeutigkeit nicht unabsichtlich und steht der Verständlichkeit der Textaussage entgegen. In beiden Fällen könnte es sein, dass ein Pfarrer genau über diese Mehrdeutigkeit predigen möchte.

Daher schätze ich es jetzt so sein:

- Wenn die Mehrdeutigkeit für die Textaussage egal ist oder ihr entgegensteht: - / hilfreich / -
- Wenn die Mehrdeutigkeit die Textaussage unterstützt: wichtig / wichtig / wichtig

Finde den Inhalt deines Posts insgesamt gut. Aus dem letzten Abschnitt würde ich aber machen:

  • 9b1: Wenn die Mehrdeutigkeit für ein adäquates Textverständnis irrelevant oder hinderlich ist: - / - / -
  • 9b2: Wenn die Mehrdeutigkeit bewusst gestalteter, integraler Bestandteil des Textsinnes ist: wichtig / hilfreich / wichtig.

9b1 ist die Änderung, glaube ich, direkt einleuchtend; denn in welcher Weise sollte eine irrelevante oder gar hinderliche Mehrdeutigkeit auch noch hilfreich sein für eine Verwendung im Gottesdienst? ("Textverständnis" statt "Textaussage" hier natürlich deshalb, weil wir ja offensichtlich vom kommunikativen Paradigma ausgehen)
9b2 ging es mir v.a. um die Formulierung; aber auch da finde ich "wichtig" für "Verwendung im Gottesdienst" eigentlich zu stark, weil eine solche Mehrdeutigkeit ja ohne weiteres noch von einem Pfarrer erläutert werden könnte, wenn sie ihm wichtig ist (und dazu hat er ja Studienfassung und Fußnoten); ist sie ihm nicht wichtig, ist es auch dort eher hinderlich für ein einfaches Textverständnis.

Danke!
So abgeändert, können wir 9b1 auch wieder weglassen, denn eine Zeile, die überall „–“ hat, ist überflüssig.
Bei 9b2 tue ich mich mit dem „bewusst gestaltet“ etwas schwer, denn in vielen Fällen können wir nicht rekonstruieren, wer die Autoren eines Textes genau waren und wie genau sie beim Erstellen ihres Textes vorgegangen sind. Manche Poeten entscheiden sich bewusst für jedes einzelne Wort. Andere lassen sich von einem Bild im Kopf leiten, dass sie dann relativ intuitiv in Worte umsetzen.
Da wir hier von der Textfunktion ausgehen, ist vielleicht das folgende am klarsten:

  • 9b2: Wenn ein Text Mehrdeutigkeiten enthält, die eine Funktion für das Kommunikationsziel haben (z.B. ein Psalmlied, das von Menschen in verschiedenen Lebensituationen gut gemeinsam rezipierbar ist): wichtig / hilfreich / hilfreich

Gibt es noch von anderen Feedback zu unserem Vorgehen, die Kriterien der Lesefassung zu überarbeiten?

Hi Olaf (, Hi Ben):
Durchaus. Dann habe ich das wirklich überbewertet. Wenn du das so erklärst, kann ich damit leicht d´accord gehen. Dass es einen Unterschied zwischen funktionaler Äquivalenz und functional equivalence gibt, wusste ich gar nicht; ich vertraue dir da einfach mal. Ich ernenne dich hiermit zu unserem Übersetzungstheorie-Fachmann, dann muss ich mich in dem Bereich nicht mehr umtun :)
Wir müssten halt bereit sein, das zu erklären, falls ein neuer Übersetzer das ähnlich missversteht, aber ich denke, dazu ist ja hier auch jeder bereit.
Gut, dann von meiner Seite kein Widerspruch mehr gegen Schritt (1).
Lieber Gruß
Sebastian
P.S.: Ich laufe in letzter Zeit sehr oft in Offene-Bibel-T-Shirts rum. Lang geht das nicht mehr, weil es immer kälter wird, aber trotzdem: Herzliche Empfehlung dazu. Ich stelle fest, dass die Shirts deutliches Interesse in theologischen Fakultäten weckt. Ist gute Werbung, wenn der Träger auch noch in der Lage ist, einigermaßen begeistert von der Offenen Bibel zu schwärmen.

Hallo Sebastian,
danke für die schnelle Antwort!
Ich habe die Zwecke jetzt auf die Kriterienseite gestellt.
Was den Begriff „funktional äquivalent“ angeht, sollten wir ihn vermutlich in den Kriterien besser vermeiden und das damit gemeinte allgemeinverständlich ausdrücken.
Liebe Grüße, Olaf
PS: Die Beobachtung mit dem T-Shirt haben wir auch shcion gemacht. 

Hi, Leute :)
Der Vorgehensschritt (3) "Wie entwickeln wir eine Methode, diese Eigenschaften sicherzustellen" wird gerade in Bens neuem Forenbeitrag diskutiert. Allerdings momentan noch ohne Rekurs auf Olafs hierige Eigenschaftsliste. Wenn wir diese mal dorthin übernehmen würden, könnten wir jetzt vielleicht diese Diskussion dort zu Ende führen (denn ich hatte eigentlich gehofft, das wir vor Ende des Markusprojekts auch diese Diskussion beendigt haben könnten).
Ich habe daher jetzt noch mal über Olafs Eigenschaftsliste nachgedacht und überlegt, wie man sie übersichtlicher machen könnte.
Ich denke (a), dass man die verschiedenen Eigenschaften grob nach 4 Kategorien kategorisieren könnte; außerdem denke ich, dass man (b) die Liste noch ein wenig eindampfen könnte, indem man einige Eigenschaften kombiniert (Denn ich würde einem Neuling eigentlich eher ungern eine 20-teilige Eigenschaftsliste vorlegen, die seine Übersetzung zu haben hat).
Ich habe mal einen Versuch gemacht: 

  • (1) Kommunikative Äquivalenz: Die Anliegen der Bibeltexte werden kommuniziert. (1)
    • (1a) Stilistische Äquivalenz und Gattungsäquivalenz: Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen dabei in etwa Stil und Gattung des Urtextes. (6a-b)
    • (1b) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstext sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können. (7)
  • (2) Studienfassungstreue: Die Lesefassung folgt den Deutungen der Studienfassung. (2, 9a)
  • (3) verständliche Formulierung:
    • (3a) Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch (=5a-d, 6e)
    • (3b) Verständlichkeit: Die Sinnabschnitte sind auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbst heraus verständlich (4c)
      • (3b1) Wo nötig, werden daher kulturgeschichtlicher Kontext, biblisches Spezial-Vokabular und wichtige Mehrdeutigkeiten durch Fußnoten erläutert. (3b, 4a-b, 9c)
  • (4) Sonstiges:
    • (4a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen (8)
    • (4b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert. (10)
    • (4c) Keine Verheutigung: Die Lesefassung "verheutigt" den Urtext nicht derart, dass damit der kulturelle Hintergrund des Urtextes verstellt würde (3a)

Evtl. noch nicht untergebracht ist 9b (bzw. 9b2): "Wenn ein Text Mehrdeutigkeiten enthält, die eine Funktion für das Kommunikationsziel haben, werden diese beibehalten". Wenn man das explizit aufnehmen will, gehört das wahrscheinlich als (1c) aufgenommen, aber ich denke, dass das in (1) und (3b1) schon zu genüge aufgehoben wäre, oder?
Was meint ihr? Reicht das aus als Eigenschaftsliste, die man als Grundlage für eine Lesefassungs-methodologie machen könnte? Sind Olafs Eigenschaften ausreichend hierin enthalten? (Wenn ihr diese Eindampfung nämlich gut findet, würde ich sie dann im Forum posten, dann könnten wir nämlich anfangen, Nägel mit Köpfen zu machen.)
Liebe Grüße,
Sebastian

Hallo Leute,
Olafs Eigenschaftenliste habt ihr definitiv in meinem Sinn diskutiert, ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Es ist gut, dass wir jetzt versuchen, das weiter zu kondensieren, aber als genauer Leitfaden hinter unserer Definition hat die Tabelle definitiv einen eigenen Wert. Können wir sie noch als Referenz im Wiki unterbringen? Vielleicht einsweilen auf "Wegweiser Lesefassung" oder "Lesefassung".
Sebastian, deine Kondensierung ist gelungen. Ich weiß aber nicht, ob die Gliederung schon die bestmögliche ist. Es könnte sich lohnen, verschiedene Gliederungsvorschläge zu erarbeiten und dann den besten auszuwählen. Zur Liste selbst: 
Punkt 2 Studienfassungtreue sollten wir um den Urtext ergänzen. Wir dürfen nie vergessen, dass auch die Studienfassung eine Übersetzung ist. Die Leser der Lesefassung werden wissen wollen, ob die Lesefassung nur einen deutschen Text umarbeitet oder auch aus dem Urtext kommt. Um diesem berechtigten Anliegen gerecht zu werden, sollte der Text der Lesefassung mit dem Urtext abgeglichen werden (allerdings nicht unbedingt vom Erstübersetzer).
Wozu genau soll diese Liste eigentlich führen? Soll sie die Kriterien ersetzen und erweitern? Soll sie in irgendeiner Form neben den Kriterien stehen? Oder ist es nur eine Hilfe für Schritt 3 ohne Einfluss auf die Kriterien? 
So wie ich unser Vorhaben verstehe, erarbeiten wir in Schritt 2 gerade im Wesentlichen akkuratere, zweckbestimmte Übersetzungskriterien. Das folgere ich zumindest aus den bestehenden Kriterien, die ebenfalls schon durch die vorher aufgezählten Zwecke bestimmt und in deren Licht zu lesen sind. Die bestehenden Kriterien sind dabei in Teilen eher Folgerungen aus oder Detailentscheidungen zum Erreichen des Zwecks, aber auch sie machen wesentlich den Charakter der Lesefassung aus (und einige
In diesem Fall sollten die bestehenden Übersetzungskriterien mit in diese Liste aufgenommen werden. Von den bestehenden Kriterien fehlt m.E.
 - die konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese (Punkt 2) kommt in deiner Formulierung noch nicht explizit zum Ausdruck. Es kann m.M.n. nicht schaden, das explizit beizubehalten.
 - "Gut vorlesbar und dichterisch schön" ist in Olafs Liste etwa 5c, d, 6e und 7. Sebastians Kondensierung (auf 1b und 3a) ist angemessen. Ich frage mich aber, ob wir die Ästhetik in 3a noch erwähnen können? 
Zur Gliederung an sich: An den Überschneidungen zwischen 1 und 3 sowie 3 und 4 erkennen wir, dass man keine ganz klaren Linien ziehen kann. Ich überlege noch, ob es nicht ein besseres Gliederungsmuster gibt. Die bestehenden Kriterien fallen aus, weil sie zu unsystematisch formuliert sind. Die drei Hauptzwecke ebenfalls, weil viele der Eigenschaften mehrere erfüllen (was ja auch der Sinn von Olafs Liste war). Unter Umständen wäre das KANA-Prinzip hilfreich, aber auch das stellt eher Merkmale einer guten Übersetzung (nützlich für die QS) dar, als eine sinnvolle Gliederung. Die vier Prinzipien lohnen sich aber (als Ergänzung zu unseren spezifischen Zwecken) jederzeit als Kontrollfragen, ob die Übersetzung gelingt und die Kriterien vollständig sind.
Vielleicht kann ich anders einsetzen: Meines Erachtens bewegt sich die Lesefassung und bewegen sich diese Eigenschaften zwischen drei Polen, die wir immer wieder gewichten müssen. Es sind: 
 - Sinntreue
 - Verständlichkeit und sprachliche Eleganz
 - Nähe zur Aussageform/Textgestalt des Urtexts/der Studienfassung
Lohnt es sich, die Eigenschaften nach diesen Kriterien zu gliedern? Sebastians Gliederung tut das ja schon im Wesentlichen (unter Vertauschung von 2. und 3.; zu Punkt 4 s.u.). Aber vielleicht kann man ausgehend von diesen Stichpunkten noch einmal nachforschen, ob die einzelnen Unterpunkte das Spektrum wirklich erfüllen.
Einzelne dahingehende Vorschläge: 
 - Könnte man 4c (keine Verheutigung) nicht als Einschränkung zu Punkt 3 ziehen? 
 - Auch 4b (Überschriften) scheint mir hauptsächlich im Dienst der Verständlichkeit zu stehen. Aber auch wenn 4b mit 4a den Punkt 4 bildet, hätte man ohne 4c einen Punkt 4 "Formales", der die ersten drei ergänzt. Dann wären Anmerkungen und Erklärungen (letzter Punkt der jetzigen Übersetzungskriterien, momentan am ehesten in 3b1) noch ein heißer Kandidat für diesen Punkt 4: Formales.
 - 3b (Verständlichkeit von Sinnabschnitten) ist m.M.n. unnötigerweise auf Sinnabschnitte beschränkt, ohne solche zu definieren. So verstanden, könnte man auch einfach sagen: Die Zwischenüberschriften können das auch erledigen, weil sie den Text unterteilen. Meiner Meinung nach sollte der Punkt eher lauten: Verständlichkeit der Aussageabsicht bzw. Argumentation.
Dieser Gliederungsvorschlag hat drei Vorteile: 
1. Er erfindet Sebastians Arbeit nicht gleich neu, sondern passt ihn in System, das Sebastian wohl selbst schon in Ansätzen gesehen hat.
2. Er baut eine m.E. sinnvolle Rangfolge zwischen den Kriterien, wie sie die drei Pole repräsentieren.
3. Er vermeidet zwar keine Dopplungen, aber lässt es zu, doppelte Aspekte unter ihrem jeweilien "Pol" in jeweils spezifischer Form auszuführen (Beispiel: Anmerkungen als Verständlichkeitshilfe (2) und Anmerkungen als Formalie (4)).
Punkt 2 macht diesen Gliederungsvorschlag besonders interessant. Denn wir müssen einen Weg finden, zwischen verschiedenen Möglichkeiten der deutschen Wiedergabe einer bestimmten Stelle zu entscheiden. Für mich ist das die wichtigste Ergänzung, die zur momentan diskutierten Liste und zu den Kriterien überhaupt noch notwendig ist. Die Übersetzer müssen bewerten können, welcher Aspekt wichtiger ist, sie sollten mögliche Formulierungen einschätzen und anhand von Kriterien gegeneinander abwägen können. Die drei Pole sind dazu meines Erachtens alles, was nötig ist. Nur so erreichen wir, dass die Übersetzung diskutierbar wird - was wir in der QS unbedingt brauchen. 
Alle drei Pole sind relevant und müssen in der Übersetzung berücksichtigt werden (daher haben wir auch für alle Pole Kriterien). Daraus folgt auch, dass beim Abwägen/in der Diskussion nur Übersetzungsmöglichkeiten infrage kommen, die alle drei Pole berücksichtigen. Wichtiger als die genaue Gewichtung ist die Wahl der drei Pole selbst.
Es ist jedoch die Gewichtung, die wir zusätzlich in den Kriterien festhalten sollten. Mit dem klaren Bild, das wir inzwischen haben, sollte das nicht zu schwer sein. Ich glaube, die Gewichtung der drei Pole sollte in etwa folgendermaßen ausfallen: 
1. Sinntreue
2. Verständlichkeit und sprachliche Eleganz
3. Nähe zu Aussageform/Satzbau des Urtexts/der Studienfassung
Selbstverständlich unter Vorbehalt weiterer Abwägungen oder Detailregelungen. Evtl. auch als
1. Sinntreue = 2. Verständlichkeit und sprachliche Eleganz > 3. Nähe zur Form von SF und Urtext.
Dann wären 1. und 2. primäre und 3. sekundäre Kriterien (während 4. nicht im Konflikt zu den drei Polen steht und leichter anzuwenden sein sollte).

Zu "Punkt 2 Studienfassungstreue sollten wir um den Urtext ergänzen":
Du hast schon im Forum vorgeschlagen, als Kontroll-Element für die Lesefassung jetzt doch wieder den Urtextvergleich einzuführen. Das finde ich nicht gut, offengestanden. Wenn das da oben Eigenschaften sein sollen, an denen die Qualität einer Lesefassung bemessen werden soll und wenn diese Qualität auch von Menschen bemessen werden können soll, die nicht in den Urtext schauen können, dann ist das nicht sinnvoll, doch wieder den Urtext da mit reinzubringen, wenn die Urtexttreue - das ist ja auch eine der Intentionen hinter der Zweigleisigkeit der OfBi-Übersetzungen - gerade durch die Studienfassungstreue gewährleistet werden soll.
Zu "Wozu genau soll diese Liste eigentlich führen?":
In der Diskussion zu Olafs Blog schien Konsens zu bestehen, dass wir für die Überarbeitung der Kriterien drei Fragen in drei Schritten klären müssen: (1) Was sind die Verwendungszecke (geklärt), (2) Welche Eigenschaften ergeben sich daraus für die Übersetzung (s. hier), (3) Wie entickeln wir eine Methode, diese Eigenschaften sicherzustellen (das würde sich nach der fertigen Eigenschaftsdiskussion ergeben). 
Also sind diese Eigenschaften wohl wirklich die überarbeiteten Kriterien, für deren Überprüfung im folgenden noch die Methode entwickelt werden muss. Am Ende müsste man in das Konzept der Lesefassung einführen können mit: (1) Die LF soll folgenden Verwendungszecken dienen ...; (2) Ihr müssen daher folgende Eigenschaften eignen ...; (3) Dies soll gewährleistet werden durch ....
"Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese" würde ich ebenso wie Urtexttreue eher als Kriterium für die Studienfassung sehen. Der Lesefassungsübersetzer soll ja gerade nicht noch Exegese betreiben müssen.
"Ästhetik" ist eigentlich aufgehoben in 1a und 1b, hätte ich gedacht. Denn das ist ja nur relevant für auch im Urtext ästhetische Texte.
4c als 3c fände ich genau so gut möglich. 3b1 als 4c/d aber nicht, denn der Schwerpunkt liegt ja nicht auf Formalem, sondern auf der durch Fußnoten gewährleisteten Verständlichkeit.
Sinnabschnitte: Natürlich hast du recht. Aber ich würde stattdessen einfach "Lesefassung" daraus machen: "Die Lesefassung ist auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbst heraus verständlich."
Zur Gewichtung hatten wir es ja oben schon; dazu diente ja Olafs Tabelle mit der Scheidung in "notwendig / wichtig / hilfreich / -". Das habe ich eigentlich berücksichtigt in der Reihenfolge (1)-(4). Aber du hast recht, wenn man von der Eindampfung ausgeht, sollte man vielleicht 2 und 3 vertauschen, und natürlich noch mehr, wenn man Studienfassungstreue definieren würde als "Treue zur Aussageform und Textgestalt" (s. nächter Punkt).
Überschriften: "Kommunikative Äquivalenz" ist, denke ich, ein etablierteres Schlagwort als "Sinntreue". "Verständlichkeit und Eleganz" finde ich auch besser. Über Studienfassungstreue müssen wir noch mal reden, denn du hast (wohl bewusst) statt "Deutungen der Studienfassung" "Aussageform und Textgestalt der Studienfassung" geschrieben. Da bin ich mir auch noch unsicher; aber das ist wohl ein eigener Diskussionspunkt. 
Mich würde aber v.a. mal interessieren, was Olaf dazu sagt.
Trotzdem, so sicherheitshalber: Mit diesem aktualisierten Versuch wärst du einverstanden?:

  • (1) Kommunikative Äquivalenz: Dei Anliegen des Bibeltextes werden kommuniziert
    • (1a) Stilistische Äquivalenz und Gattungsäquivalenz: Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen dabei in etwa Stil und Gattung des Urtextes.
    • (1b) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.
  • (2) Verständlichkeit und Eleganz:
    • (2a) Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch.
    • (2b) Verständlichkeit: Die Lesefassung ist auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbt heraus verständlich.
      • (2b1) Erläuternde Fußnoten: Wo nötig, werden daher kulturgeschichtlicher Kontext, biblisches Spezial-Vokabular und für die Aussage des Textes wichtige Mehrdeutigkeiten durch Fußnoten erläutert.
    • (2c) Keine Verheutigung: Dennoch darf die Lesefassung den Urtext nicht derart "verheutigen", dass damit der kulturelle Hintergrund des Urtextes verstellt würde.
  • (3) Studienfassungstreue (/Urtexttreue?): ?
  • (4) Formales:
    • (4a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen
    • (4b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.

Zu "Punkt 2 Studienfassungstreue sollten wir um den Urtext ergänzen": Bisher war nicht davon die Rede, dass auch bei der QS der Lesefassung keine Sprachfertigkeiten notwendig sein werden. Ausdrücklich sollte der Urtext-Check nur ein Korrektiv sein. Ansonsten wird es kritische Stimmen geben, denen ich mich sogar anschließen würde. Anders ausgedrückt: Das Vorhandensein der Studienfassung soll niemandem als Ausrede dienen, nicht auch mal selbst nochmal exegetisch aktiv zu werden. Siehe diesen Blogpost von mir aus einer ganz anderen Ära, der, obwohl wir inzwischen viel weiter sind, m.E. gut belegt, dass die Studienfassung alleine wohl nicht genug sein kann. 
"Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese": Da hast du wohl Recht, allerdings ist das momentan ausdrücklich Kriterium der Lesefassung, das wir deshalb nicht einfach fallen lassen dürfen. Wir müssten das schon vorher diskutieren.
"Ästhetik": Meines Erachtens ist das gegenwärtige Kriterium noch nicht ausdrücklich genug in den angeführten Punkten berücksichtigt. 
"Sinnabschnitte" zu "Lesefassung": Super, das ist sogar noch besser.
"Über Studienfassungstreue müssen wir noch mal reden, denn du hast (wohl bewusst) statt "Deutungen der Studienfassung" "Aussageform und Textgestalt der Studienfassung" geschrieben." Es war offen gestanden wohl nicht ganz bewusst. Das Kriterium der Deutungen hängt für mich nicht unmittelbar im Spannungsfeld der drei von mir angeführten Pole. Von daher könnte man es auch separat in Punkt 4 verschieben. Bei der Einteilung habe ich den Aspekt dann leider übergangen.
Aber zur strukturellen Treue zumindest als Aspekt kann ich mich in Olafs Liste auf 5a und d und besonders auf 9a berufen, und noch wichtiger, auf unser erstes Übersetzungskriterium der Lesefassung. Und schon weiter oben sind wir ebenfalls auf dieses Spannungsfeld zu sprechen gekommen. Für mich ist dieser Pol ein Korrektiv zu den übrigen Anliegen, das uns prüfen hilft, ob wir den Sinn nicht auch "weniger frei übersetzt" genauso gut ausdrücken können. Er wäre für mich allerdings kein Argument, das die Kontextualisierung von Sinn und Form (1a, b) beeinträchtigt.
Beim Formulieren fällt mir auf: Wenn diese Liste die Kriterien ersetzen soll, dann muss Kriterium #1 ausdrücklich mit aufgenommen werden: 
Eher funktional äquivalent („kommunikativ“) als formal äquivalent („strukturtreu“): Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes. Hierfür verwenden wir auf der sprachlichen Ebene geeignete Äquivalente: Zu Wortwahl, Metaphern, Rhetorik und Gattung der Ausgangstexte suchen wir jeweils allgemein verständliche Entsprechungen. (Es erhöht die Verständlichkeit, wenn z.B. poetische Texte als solche erkennbar bleiben.)
Mit Ausnahme vielleicht des ersten Satzes in der gegenwärtigen Form ist dieser ganze Abschnitt unbedingt notwendig, und zwar m.E. als erster Unterpunkt zu (1) Kommunikative Äquivalenz.
Abgesehen davon bin ich mit der Liste einverstanden, auch wenn vielleicht der letzte Punkt meines letzten Eintrags etwas untergegangen ist: Meiner Meinung nach muss in den Kriterien eine Richtschnur vorgegeben sein, wie wir zwischen den drei Polen Kommunikative Äquivalenz, Verständlichkeit und Eleganz sowie Strukturtreue verfahren. So vermeiden wir es, dass in der Diskussion Kriterien einfach gegeneinander zitiert werden. Wir geben eine Möglichkeit, unter verschiedenen Optionen zu wählen, eine Stelle wiederzugeben. Andersist eine Diskussion m.E. schwer möglich. Die Balance der Pole muss also explizit erwähnt werden.

Zu "Punkt 2 Studienfassungstreue sollten wir um den Urtext ergänzen": Ich dachte eigentlich, dass das ein ganz zentraler Aspekt der OfBi-Philosophie ist, dass Schritt 2 "Erstellen der Lesefassung" auch von Menschen getan werden kann, die der Ursprachen nicht mächtig sind. In dem Fall wäre die Einführung eines solchen Korrektivs - selbst, wenn es "nur" Korrektiv sein soll - ein Schritt in die falsche Richtung. Aber vielleicht bin ich da ja schief gewickelt. Vielleicht sollte da besser Wolfgang was zu sagen.
Zu "Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese": Kriterium der Lesefassung ist: "

  • An wissenschaftlichen Deutungen orientiert und überkonfessionell: Die bereits für die Studienfassung relevante Orientierung an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung gilt auch für die Lesefassung."

Die Intention dieses Kriteriums sollte durch ein wie auch immer geartetes Studienfassungstreue-kriterium erledigt sein, oder? (Übrigens war das Kriterium einer der Gründe, warum ich überlegt habe, ob man statt von der Treue zu den "Übersetzungsentscheidungen" der Studienfassung besser von der Treue zu den "Deutungen" der Studienfassung sprechen sollte)
"Ästhetik": Mach mal nen Vorschlag :)
Kriterium #1: Ist mir klar, dass du den ersten Satz rauslassen würdest, wo du gerade für Strukturtreue argumentierst ;) Aber, ernsthaft: Was davon ist denn deiner Meinung noch nicht in Olafs Eigenschaftsliste / der Eindampfung enthalten? "Eher funktional äquivalent („kommunikativ“) als formal äquivalent („strukturtreu“): Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes." = 1; "Hierfür verwenden wir auf der sprachlichen Ebene geeignete Äquivalente: Zu Wortwahl, Metaphern, Rhetorik und Gattung der Ausgangstexte suchen wir jeweils allgemein verständliche Entsprechungen." = 1b - Was fehlt denn da noch?
Reihenfolge: Ja, man müsste halt was vor die Liste schreiben wie "Die Wichtigkeit der Kriterien nimmt von oben nach unten ab, also z.B. 1 vor 2, 3 vor 4, 2a vor 2b usw. Im Falle des Konflikts zweier Kriterien ist dem jeweils oberen Kriterium der Vorzug zu geben."
Stukturtreue: Ich denke, du kannst dich nur auf Olafs Eigenschaft 9a berufen. 5a ist "Der Text klingt nicht wesentlich holpriger als das Original", 5d ist "Der Satzbau ist nicht komplizierter als im gehobenen Hochdeutlch üblich". Das hat mit Strukturtreue nichts zu tun. Das Kriterium #1 ist gerade eine Entscheidung gegen Strukturtreue und für Sinntreue (Es wird ja sogar expliziert mit "Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes."). 
Bleibt 9a "Die Übersetzung ist sprachlich nicht allzu frei". Das ist schon hier als Korrektiv zur kommunikativen Äquivalenz formuliert ("nicht allzu"), deswegen würde ich es als Unterpunkt von (1) setzen. Wegen der Gewichtung (s. Olafs Tabelle) als "(1c) Dennoch sollte die Lesefassung dabei nicht unnötig frei formulieren". Würde dir das reichen?
Dann wäre Hauptkriterium 3 "Studienfassungstreue" nur noch die Entsprechung von Olafs Eigenschaft 2 - "Die Übersetzung orientiert sich an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung". Das könnten wir als Hauptkriterium 3 lassen (und dann wegen obigem Punkt "Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese" wohl wirklich umformulieren zu "folgt den Deutungen der Studienfassung"), oder aber wir verstehen es als Spezifikation von Punkt (1) und machen es (wieder: wg. der Gewichtung) zu "(1a) Dabei folgt sie den Deutungen der Studienfassung."
Das wäre dann entweder:

  • (1) Kommunikative Äquivalenz: Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes.
    • (1a) Dabei folgt sie den Deutungen der Studienfassung.
    • (1b) Stilistische Äquivalenz und Gattungsäquivalenz: Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen in etwa Stil und Gattung des Urtextes.
    • (1c) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.
    • (1d) Dennoch sollte die Lesefassung dabei nicht unnötig frei formulieren.
  • (2) Verständlichkeit und Eleganz:
    • (2a) Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch.
    • (2b) Verständlichkeit: Die Lesefassung ist auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbt heraus verständlich.
      • (2b1) Erläuternde Fußnoten: Wo nötig, werden daher kulturgeschichtlicher Kontext, biblisches Spezial-Vokabular und für die Aussage des Textes wichtige Mehrdeutigkeiten durch Fußnoten erläutert.
    • (2c) Keine Verheutigung: Dennoch darf die Lesefassung den Urtext nicht derart "verheutigen", dass damit der kulturelle Hintergrund des Urtextes verstellt würde.
  • (3) Formales:
    • (3a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen
    • (3b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.

oder: 

  • (1) Kommunikative Äquivalenz: Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes.
    • (1a) Stilistische Äquivalenz und Gattungsäquivalenz: Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen in etwa Stil und Gattung des Urtextes.
    • (1b) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.
    • (1c) Dennoch sollte die Lesefassung dabei nicht unnötig frei formulieren.
  • (2) Verständlichkeit und Eleganz:
    • (2a) Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch.
    • (2b) Verständlichkeit: Die Lesefassung ist auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbt heraus verständlich.
      • (2b1) Erläuternde Fußnoten: Wo nötig, werden daher kulturgeschichtlicher Kontext, biblisches Spezial-Vokabular und für die Aussage des Textes wichtige Mehrdeutigkeiten durch Fußnoten erläutert.
    • (2c) Keine Verheutigung: Dennoch darf die Lesefassung den Urtext nicht derart "verheutigen", dass damit der kulturelle Hintergrund des Urtextes verstellt würde.
  • (3) Die Lesefassung folgt den Deutungen der Studienfassung.
  • (4) Formales:
    • (4a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen
    • (4b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.

Ich würde die erste Möglichkeit bevorzugen, denn dann könnte man als Gewichtung erklären: 1=2; a>b>c>d.

Ich würde mich ebenfalls über Kommentare von Wolfgang und Olaf freuen! 
Kriterium #1: Nein, das hätte eher stilistische Gründe. Es geht mir wirklich nicht darum, dieses Kriterium zu ändern. Ich halte den Wortlaut für wichtig, weil er mehr ins Detail geht als der momentane Neuentwurf. Die Auflistung, wie wir was ersetzen, ist für unsere Methode zentral und macht unsere Vorgehensweise nicht nur für Neueinsteiger explizit.
Zur Stukturtreue: Du hast recht, da habe ich zu eilig nach dem Bestätigungstext in den Kriterien gesucht. Es geht offenbar wirklich nur aus Olafs Liste hervor. Dennoch - als Korrektiv (in der von mir beschriebenen Weise) kann es m.M.n. nicht schaden. Ja, deinen Vorschlag finde ich nicht schlecht (zumindest als ersten Schritt oder weitere Verhandlungsgrundlage, s.u.).
Ästhetik: Das Kriterium lautet momentan: "Gut vorlesbar und dichterisch „schön“: Wir streben für die Lesefassung eine hohe literarische Qualität an und verwenden daher eine gut vorlesbare Sprache, aber keine Umgangssprache."
Ich glaube, das könnte man am einfachsten bei 2a ergänzen. Wie wäre es mit einem zweiten Satz "Auf hohe literarische Qualität legen wir dabei wert."? 
Reihenfolge: Wenn man die wirklich auch anhand der Unterpunkte festmachen kann (oder sollte), wäre das eine Möglichkeit. Mir würden schon die Oberbegriffe reichen.
Es fällt mir schwer, zwischen deinen beiden Gliederungsvorschlägen zu entscheiden. Wenn wir von Deutungen der Studienfassung sprechen, ist Punkt 1a besser, Punkt 3 in dieser Formulierung nicht sinnvoll.
Ich suche aber immer noch nach einem Mittelweg, der vielleicht doch darin bestehen könnte, Punkt 1d/c als Punkt 3 aufzunehmen - momentan lautet er "Dennoch sollte die Lesefassung dabei nicht unnötig frei formulieren." Dieser Punkt ist zwar wichtig, aber geht nicht so weit wie die (und ist vielleicht auch nicht ganz identisch mit der) Forderung, Urtext und Studienfassung noch einmal als Gradmesser für die Genauigkeit heranzuziehen. Beispielsweise eine methodische Eingrenzung, die den ersten Satz von Kriterium #1 mit expliziten Aussagen darüber verbindet, in welcher Hinsicht die Übersetzung genau ist. Bei Eigenschaft 9a hat Olaf ja richtig festgestellt, dass sie sowohl für den gottesdienstlichen Gebrauch als auch für die zitatmäßige Verwendung in anderen Texten wichtig ist. Ich argumentiere, dass 9a auch für viele Bibelleser als Tugend gelten wird.
"(3) Die Lesefassung ist als Übersetzung eher funktional äquivalent („kommunikativ“) als formal äquivalent („strukturtreu“): Sie versucht, die Aussagen des Urtexts inhaltlich so genau wie möglich wiederzugeben. Doch auch "wörtliche Genauigkeit" (ihr wisst schon...) ist ein erstrebenswertes Gut: Anders als eine Paraphrase berücksichtigt sie die grundsätzliche Textgestalt/Form und will, soweit es im Rahmen von Punkt (1) Kommunikative Äquivalenz (und wohl irgendwie auch Punkt (2) Verständlichkeit und Eleganz) zweckdienlich und möglich ist, in deren Bahnen bleiben. (Im Rahmen der Qualitätskontrolle wird die Lesefassung mit dem Urtext [und der Studienfassung] verglichen, um größtmögliche Genauigkeit [d.h. bzgl. Sinn, i.R.der Kriterien zweitrangig auch der Struktur[ sicherzustellen.)"
Das ganze könnte man ganz sicher auch noch viel eleganter ausdrücken und die ganzen Klippen umschiffen, die ich jetzt (für einen Text, der nur die Stoßrichtung demonstrieren soll) noch mit eingebaut habe. Der letzte, eingeklammerte Teil hängt natürlich von unserer Entscheidung zum Vorschlag der Urtextkontrolle ab. Deshalb ist er auch eingeklammert. Das Beispiel soll auch nicht unsere Kriterien umformulieren! Ich versuche, die Kriterien so gut wie möglich zu verarbeiten. Wo das missverständlich oder falsch ist, lasst es uns ändern. Es geht mir hier eher um die Stoßrichtung. Denkhilfe erwünscht!
Eine andere Möglichkeit wäre, einen vergleichbaren, Text mit grundsätzlichen Angaben zu Sinn- und Strukturtreue als (Teil der) Einleitung oder Zusammenfassung der Kriterien verwenden. Der erste Satz von Kriterium #1 (selbst wenn man dieses Kriterium übernimmt) könnte nämlich durchaus noch etwas spezifiziert werden. 
Noch eine Kleinigkeit: Können wir uns auf zwei Gliederungsebenen beschränken, wenn es möglich ist? (2b1) klingt nach nem Gesetzestext. ;-)
Ich hoffe, ich mache nicht immer alles nur noch schlimmer. -.-

Kriterium #1: War ja nur ein Scherz :) 
Aber ist ja klar; Über die genaue Formulierung müssten wir uns am Ende selbstverständlich noch mal Gedanken machen.
Ästhetik: Gut, wird übernommen.
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Gut, dann übernehme ich noch mal die überarbeitete (u.a. muss ich auch aus "nicht unnötig frei" 1c statt 1d machen; habe noch mal in Olafs Tabelle geschaut) Variante 1; danach liste ich noch mal zwecks Übersichtlichkeit die noch offenen Diskussionspunkte. Dann könnten - wenn sie wollen - Wolfgang und Olaf leichter einsteigen.

  • (1) Kommunikative Äquivalenz: Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes.
    • (1a) Dabei folgt sie den Deutungen der Studienfassung.
    • (1b) Stilistische Äquivalenz und Gattungsäquivalenz: Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen in etwa Stil und Gattung des Urtextes.
    • (1c) Dennoch sollte die Lesefassung dabei nicht unnötig frei formulieren.
    • (1d) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.
  • (2) Verständlichkeit und Eleganz:
    • (2a) Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch. Auf literarische Qualität legen wir dabei Wert.
    • (2b) Verständlichkeit: Die Lesefassung ist auch für Menschen ohne bibelkundliches oder theologisches Vorwissen aus sich selbt heraus verständlich.
    • (2c) Erläuternde Fußnoten: Wo nötig, werden daher kulturgeschichtlicher Kontext, biblisches Spezial-Vokabular und für die Aussage des Textes wichtige Mehrdeutigkeiten durch Fußnoten erläutert.
    • (2d) Keine Verheutigung: Dennoch darf die Lesefassung den Urtext nicht derart "verheutigen", dass damit der kulturelle Hintergrund des Urtextes verstellt würde.
  • (3) Formales:
    • (3a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen
    • (3b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.

 
Offene Diskussionsfragen:
(1) Qualitätssicherung: Ben würde gerne (zur Absicherung?) für die Qualitätssicherung auch der Lesefassung noch einmal den Urtextcheck einführen.
Ich dagegen habe die Intuition, dass das ein falscher Schritt wäre, weil dann die Lesefassung doch wieder nicht von Menschen, die der Ursprachen mächtig sind, vollendet werden könnte. 
Ich glaube, hierauf wird nur Wolfgang endgültig antworten können.
(2) Strukturtreue: Ben würde gerne die Strukturtreue als Korrektiv zur kommunikativen Äquivalenz noch höher gewichten; am Liebsten als Punkt (3) extra in die Eigenschaftsliste eintragen.
Ich glaube auch, dass das ein wichtiges Korrektiv wäre, aber ich glaube, als (1c) ist das von der Gewichtung her recht gut positioniert. Im Kriterienkonfliktfall hätten bei der aktuellen Gewichtung nur "(1) Inhaltlich so nah an den Aussagen des Urtexts wie möglich", (2a) aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch" und "(2b) Verständlichkeit" den Vorzug vor der Strukturtreue, und ich denke, dass ist ganz sinnvoll, denen in solchen Konfliktfällen den Vorzug zu geben. Außerdem stimmt das überein mit Olafs Eigenschaftsgewichtung oben und wir müssten die Diskussion nicht noch mal von vorne aufrollen.
Das hängt wohl v.a. davon ab, was genau Olaf unter dem Punkt "(9a) Die Übersetzung ist sprachlich nicht allzu frei" verstanden hat und ob er womöglich anders verstanden werden müsste.
(3) Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese: Ben würde gerne von den aktuellen Kriterien das "konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese" irgendwo in der Liste explizit zum Ausdruck bringen.
Ich denke, dass die Intention des Kriteriums ("An wissenschaftlichen Deutungen orientiert und überkonfessionell: Die bereits für die Studienfassung relevante Orientierung an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung gilt auch für die Lesefassung.") mit "(1a) Dabei folgt sie den Deutungen der Studienfassung" zu Genüge in die Liste aufgenommen ist.
Auch darauf wird wohl endgültig nur Wolfgang antworten können.
(4) Mehrdeutigkeiten: Ich bin mir außerdem nicht ganz sicher, ob Olafs Punkt 9b2 schon zu Genüge in der Liste enthalten ist. Meine Intuition ist, dass er in (1) und (2c) ausreichend enthalten ist, aber vielleicht sollte man daraus doch einen Punkt (1e) machen. 
Die Eigenschaft war Olaf sehr wichtig; hier hängt der Diskussionsfortgang wohl v.a. von Olaf ab.

Danke für Euer Weiterarbeitennan den Kriterien! Ich bin begeistert.
Im Großen und Ganzen stimme ich euch zu. Dennoch habe ich fünf Anmerkungen. (Ich fasse mich kurz, weil ich nur wenig Zeit habe.)
1. Es wird häufig nicht möglich sein, alle diese genannten Eigenschaften gleichzeitig zu erfüllen. Deshalb ist es sehr wichtig, unsere Liste nicht als Gesamt-Forderung zu formulieren, sondern als Hilfe zum Gewichten. Ein bisschen machen wir das schon in den bestehenden Kriterien („eher … als“).
2. Ich finde es sehr wichtig, unser Ziel festzuhalten, dass die Lesefassung am Urtext und an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung orientiert ist. Dass wir dazu die Studienfassung als Hilfmittel verwenden, ist eine untergeordnete, methodische Frage. Mit Hilfe dieser Methodik können auch Leute ohne Ursprachen-Kenntnis mitarbeiten – aber für eine sehr gute Lesefassung sollte auf jeden Fall geprüft worden sein, dass kein Stille-Post-Problem entstanden ist. (Die genaue Umsetzung ist aber Thema für die QS, und nicht für die Kriterien.)
3. Bei „Die Abschnitte sind sprachlich aus sich selbst heraus verständlich“ ging es mir darum, dass man aus der Lesefassung zitieren kann, ohne dass sie unverständlich wird. Wenn z.B. für ein korrektes Verständnis von Mk 12 die Lektüre von Mk 1 vorausgesetzt wird, dann wäre dieses Kriterium nicht erfüllt. In der Praxis wir die Erfüllung dieses Kriteriums nicht immer absolut möglich sein, und deshalb habe ich „Abschnitt“ auch nicht genauer definiert.
4. Ich sehe die Frage der Mehrdeutigkeiten als wichtiges Korrektiv zu unserem Versuch, die Anliegen des möglichst gut verständlich zu machen. Unsere Übersetzung soll es nicht „besser wissen“ als der Bibeltext, vor allem wo Mehrdeutigkeiten im Bibeltext Teil der Funktion sind. (Wir haben auf einem OfBi-Treffen gemeinsam entschieden, diese Eigenschaft aufzunehmen, und sie hat in unserer Liste eine mittlere Gewichtung, deshalb sollten wir sie beiubehalten.)
5. Ich finde eure Vorschäge sehr gut lesbar und praktikabel. Leider gewichten sie aber anders als unsere Eigenschaftenliste. Ich setze mich gleich mal hin und versuche sie so abzuändern, dass die Gewichtung passt.
Im ersten Schritt hierzu habe die Tabelle selbst noch einmal überarbeitet. Außer dem geänderten Mehrdeutigkeits-Kriterium habe ich nur umsortiert und neu nummeriert. Die Tabelle ist jetzt streng nach Priorität geordnet:

 

Hauptzweck:
Verstehen der Anliegen

Zweck 2:
Gottes–dienst

Zweck 3:
Verwendung in anderen Texten

A. Die Anliegen der Bibeltexte werden kommuniziert.

notwendig

notwendig

wichtig

B1. Die Übersetzung orientiert sich an der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung.

notwendig

wichtig

wichtig

B2. Die Übersetzung vermeidet „verheutigende“ Formulierungen, damit der kulturelle Hintergrund des Originaltextes nicht verstellt wird.

notwendig

wichtig

wichtig

C1. Notwendiges Hintergrundwissen zu Kultur und Geschichte wird im Text oder in Fußnoten gegeben.

notwendig

hilfreich

hilfreich

C2. Die Übersetzung ist ohne Kenntnis von biblisch-theologischer Fachsprache verständlich.

notwendig

hilfreich

hilfreich

C3. Falls sich biblisches Spezial-Vokabular nicht vermeiden lässt, wird es in Fußnoten erläutert.

notwendig

D1. Die Abschnitte sind sprachlich aus sich selbst heraus verständlich.

wichtig

wichtig

notwendig

D2. Der Text klingt nicht wesentlich holpriger als das Original.

wichtig

wichtig

hilfreich

E1. Die Übersetzung verwendet aktuelles Hochdeutsch.

wichtig

hilfreich

hilfreich

E2. Stil und Gattung der Übersetzung stimmen mit den Anliegen der Bibeltexte überein.

wichtig

hilfreich

hilfreich

E3. Wenn ein Text Mehrdeutigkeiten enthält, die eine Funktion für das Kommunikationsziel haben (z.B. ein Psalmlied, das von Menschen in verschiedenen Lebensituationen gut gemeinsam rezipierbar ist), dann ist die Übersetzung auf möglichst ähnliche Art deutungsoffen.

wichtig

hilfreich

hilfreich

F1. Die Übersetzung lässt sich ohne Probleme vorlesen.

hilfreich

notwendig

F2. Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können.

notwendig

G1. Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen.

hilfreich

wichtig

wichtig

G2. Der Satzbau ist nicht komplizierter als im gehobenem Hochdeutsch üblich.

hilfreich

wichtig

hilfreich

G3. Die Übersetzung ist sprachlich nicht all zu frei.

wichtig

wichtig

H1. Stil und Gattung der Übersetzung entsprechen in etwa Stil und Gattung des Urtextes.

hilfreich

hilfreich

hilfreich

H2. Wichtige Mehrdeutigkeiten im Bibeltext werden mit einer Fußnote kurz erläutert.

hilfreich

H3. Es gibt Kapitel- und Zwischenüberschriften

hilfreich

H4. Die Übersetzung hat einen schönen Wortklang.

hilfreich

hilfreich

 

So, ich habe jetzt Sebastians Vorschlag (unter stärkerer Verwendung der aktuellen Kriterien) umformuliert und in die Reihenfolge gebracht, die sich aus unserer Verwendungszweck-Analyse ergeben hat. Vorraussichtlich habe ich die nächsten Tage sehr wenig Zeit zum Antworten, aber ihr könnt gerne weitermachen. Ich hoffe, dass es nicht zu massiven Verzögerungen kommt, falls ihr meine Umformulierung nicht mögt und ich nicht genug Zeit zur Diskussion habe. Danke euch für die sehr gute Basis! Ich bin noch immer begeistert, wie weit wir dank eurer Arbeit inzwischen sind.

  • Diese konkreten Kriterien für die Lesefassung sind aus den Verwendungszwecken abgeleitet. Sie sind nach abnehmender Relevanz sortiert.
  • (1) Inhaltliche Korrektheit: Die Lesefassung ist inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes. [A]
    • (1a)Dabei folgen die Lesefassung und die Studienfassung gemeinsam der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung [B1]
    • (1b) Eine vereinfachende oder zu einseitige Interpretation der Texte versuchen wir zu vermeiden.[aus den aktuellen Kriterien]
  • (2) Verständlichkeit: Die Lesefassung soll für Menschen mit normaler Allgemeinbildung verständlich sein.
    • (2a) Biblisch-theologische Fachsprache wird, so weit möglich, vermieden. [C2]
    • (2b) Erläuternde Fußnoten: Wo nötig, werden für die Aussage des Textes wichtige Informationen in Fußnoten erläutert (biblisches Spezial-Vokabular, kulturgeschichtlicher Kontext, bibelkundliche Zusammenhänge, Mehrdeutigkeiten im Urtext). [C1, C3, H2]
    • (2c) Es hilft der Verständlichkeit, wenn der kulturelle Kontext sichtbar bleibt (keine anachronistischen Modernisierungen, wie z.B. „Euro“ statt „Drachmen“). [B2]
    • (2d) Um Kleinzitate aus der Lesefassung zu ermöglichen, ist es hilfreich, wenn die einzelnen Abschnitte aus sich selbst heraus sprachlich verständlich sind. [D1]
  • (3) Aktuelles Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch. [E1, F1]
    • (3a) Stil und Gattung der Übersetzung sind so gewählt, dass sie die Aussagen des Urtextes möglichst gut unterstützen. [E2] Eine zusätzliche Übereinstimmung mit Stil und Gattung des Urtextes ist eventuell ebenfalls möglich. [H1]
    • (3b) Eine hohe literarische Qualität ist erstrebenswert [G2, H4] – insbesondere bei Bibelstellen, die auch im Urtext in gehobener Sprache formuliert sind. [D2]
    • (3c) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können. [F2]
    • (3d) An einigen Stellen ist es angemessen, dass die Übersetzung inhaltliche Deutungsoffenheiten des Urtextes abbildet (z.B. in einem Psalmlied, das von Menschen in verschiedenen Lebensituationen gut gemeinsam rezipierbar ist). [E3]
    • (3e) Wenn sich die anderen Kriterien mit einer relativ wörtlichen Übersetzung und ohne freie Umformulierungen erfüllen lassen, dann ist das hilfreich. [G3]
  • (4) Formales:
    • (4a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen. [G1]
    • (4b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.[H3]

EDIT Ben: Bei Formales habe ich aus der falschen Nr. 3 eine Nr. 4 gemacht. In 2c "Euro" ergänzt, da die Anführungszeichen leer waren. Bei (3e) aus "mit relativ wörtlich und ohne freie Umformulierungen" "mit einer relativ wörtlichen Übersetzung und ohne freie Umformulierungen". 

Olafs Vorschlag finde ich sehr, sehr gut (natürlich schade, dass es doch wieder mehr Kriterien sind, aber ich sehe jetzt auch keine Möglichkeit mehr, wie man da weiter einschmelzen könnte). Damit würde ich eigentlich jetzt schon d'accord gehen; drei Bedenken habe ich trotzdem noch:
(a) Zu 1b: So, wie es da steht, scheint es mir Kriterium 1a zu widersprechen. Die "plausibelste wissenschaftliche Deutung" ist eine Deutung, die z.B. meist auch mehrdeutige Stellen auf eine Weise ausdeutet. In diesem Sinne wäre eine "Vereinfachung" durch Kriterium 1a schon impliziert. Entweder müsste man deshalb das "vereinfachend" wie aktuell das "einseitig" einschränken ("Eine zu sehr vereinfachende Interpretation"), oder aber es ist missverständlich formuliert und braucht ein Beispiel o.Ä., dass vor diesem Missverständnis schützt.
(b) Zu 3a + 1: Es könnte sein, dass die Umsetzung von H1 zu sehr abgeschwächt ist ("eventuell", "möglich"). Aber mir fällt kein Szenario ein, wo das zum Problem werden könnte, deswegen ist das wohl unproblematisch.
Allerdings bin ich mir recht sicher, dass die Engführung auf den Inhalt in 3a zu weit geht. Im aktuellen Vorschlag ist schon die funktionale Äquivalenz, die wir am Anfang hatten, zur "inhaltlichen Korrektheit" geworden. Wenn jetzt auch noch 3a (das 1 ja deutlich untergeordnet ist und daher eh schon nur Korrektiv-Funktion für dieses hat) ebenfalls Stil und Gattung dem Inhalt unterordnet und die Treue zu Stil und Gattung nur noch als "eventuell möglich" angibt, dann ist in unseren Kriterien fast gar kein Anlass mehr zur Stil- und Gattungstreue. Das finde ich zu stark. Wahrscheinlich geht außerdem schon in (1) das "inhaltliche Korrektheit" ein wenig in die falsche Richtung.
(c) Ben hatte vorgeschlagen, in der Gewichtung die Gruppe "(4) Formales" außer Konkurrenz zu lassen. Ich glaube, das müssen wir sogar: aktuell sind die etablierten Versgrenzen das vorletzte Kriterium. Das heißt, wenn es z.B. der Verständlichkeit oder der angenehmen Vorlesbarkeit (sehr) dienlich ist, könnten wir nach aktueller Gewichtung die Versgrenzen außer Kraft setzen. Das ist mir eigentlich sogar sympathisch, aber wir hatten mal beschlossen, das nicht zu tun.
Dann noch zu den offenen Diskussionsfragen:
In (1) Urtextcheck bei LF-Qualitätssicherung ist Olaf auf Bens Seite. Damit bin ich von zwei Moderatoren überstimmt und ich denke, wir können den Punkt abschließen und uns das für Diskussionsschritt (3): Methodik vormerken.
Zu (2) Höhergewichtung der Strukturtreue sieht Olaf ebenso wie ich keinen Anlass. Ben wollte aber eh noch mal drüber nachdenken, vielleicht bringt er ja demnächst noch Argumente, die uns umstimmen.
(3) Explizite Aufnahme des Kriteriums "konfessionsungebundende, wissenschaftliche Exegese" hat Olaf jetzt einfach gelöst, indem er (1a) ein wenig umformuliert hat. Ich würde meinen, dass wir damit auch den Punkt schließen können, aber es war Ben, der das vorgeschlagen hat, deswegen muss er das letzte Wort haben.
(4) Mehrdeutigkeiten hat Olaf durch Punkt 3d auch gelöst und diesen auf eine Weise formuliert, mit der ich gar kein Problem mehr habe (s. ganz weit oben). Damit würde ich auch diesen Punkt schließen, wenn keine Einwände bestehen.
Sehr schön, es geht voran :)

Noch ein paar Ergänzungen, die seit meiner letzten Antwort nötig geworden sind: 
Konfessionsungebundene, wissenschaftliche Exegese: Da haben wir uns missverstanden! Ich habe nicht mehr zu dem Punkt geantwortet, weil ich Sebastians Einwand überzeugend fand, dass das Sache der Studienfassung ist. Ich bin ebenfalls mit Olafs Lösung zufrieden.
Höhergewichtung der Strukturtreue: Deshalb schätze ich es, wenn Olaf sich einbringt. Sein Punkt 3e macht mein Anliegen ganz deutlich. Ich frage mich aber, ob die Bedingung nicht schon so sehr abschwächt, dass man in der Folge auch "erstrebenswert" statt "hilfreich" formulieren könnte. (Zur Gewichtung werde ich mich gleich noch äußern.)
Zu (1a und b) Möglicher Konflikt von wissenschaftlicher Deutung und Mehrdeutigkeit: Nach meiner Erfahrung ist die Exegese heutzutage oft frei genug um anzuerkennen, dass eine Stelle nicht final zu deuten ist. Was wir wollen, ist wissenschaftlich abgesichert zu arbeiten. Was wir nicht wollen, ist dass wir an jeder Stelle, wo sich zwei Exegeten uneins sind, zweideutig formulieren müssen. Es gilt also, das Anliegen zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig die Gefahr zu vermeiden - da hat Sebastian recht. Wir müssen zwischen mehreren Deutungen und Mehrdeutigkeit unterscheiden. Übrigens finde ich, dass das Stichwort "Mehrdeutigkeit" in 1b zu erheblich mehr Klarheit führen würde, denn bisher ist der Punkt fast etwas zu allgemein.
Übrigens: Ein weiterer für das Mehrdeutigkeitskriterium wichtiger Aspekt kommt vom Reader-Response-Criticism (oder dem, was ich darunter verstehe), gerade in den Evangelien, aber auch z.B. in der Offenbarung: Nicht selten ist an einer Stelle im Kontext und von ihrer Tradition her offernsichtlich das eine gemeint. Für den Leser (und höchstwahrscheinlich auch den Verfasser) hat der Begriff inzwischen jedoch nach Jahrzehnten eine weitere Bedeutung bekommen, sodass offensichtlich auch eine andere (teils offensichtlich sekundäre) Bedeutung mit anklingt, die den Leser auch mit beeinflusst (Beispiel: Die nicht-technische Verwendung von Apostel in Mk 6,30, in der für den Leser auch der nachösterliche Begriff mitschwingt).
(2d) aus D1 Abschnitte sind aus sich selbst heraus verständlich: Jetzt wird auch klar, was damit gemeint war! Was ich jetzt noch gerne mit einer vielleicht doch etwas präziseren Formulierung vermeiden würde: Dass wir dem Leser auch nicht mehr zumuten, zum richtigen Verständnis ein paar Verse im Kontext zu lesen.
Beispiel: In Mk ist immer wieder vom "See" bzw. "Meer" die Rede. Klar: Es ist der See Gennesaret gemeint, das geht aus der Gesamterzählung hervor. Unklar: Wie explizit muss das werden? Ich habe in der Studienfassung beispielsweise in den ersten Kapiteln stets mit einer Fußnote darauf hingewiesen, das aber später nicht mehr durchgehalten. 1. Wie sollen wir in der Lesefassung vorgehen? Die meisten anderen Übersetzung halten den ständigen Hinweis nicht für nötig. 2. Was folgt daraus für die Studienfassung bzw. als grundsätzliche Vorgehensweise? 
Ein weiteres Beispiel, in dem diese Regelung schon greifen (und helfen) würde: In Mk 3,21 ist von "denen bei ihm" die Rede. Da hat der Evangelist sehr missverständlich formuliert, denn der Leser wird meinen, er bezieht sich auf die Jünger! Erst zehn Verse später (V. 31), nach einem thematisch verwandten EInschub, wird aufgeklärt, dass Jesu Verwandtschaft gemeint ist. Hier ist die einzig sinnvolle Vorgehensweise, die Mehrdeutigkeit (gegen die entsprechenden Kriterien) in V. 21 zu eliminieren.
Was die Entwürfe von Olaf und Sebastian angeht, bin ich zwiegespalten. Olafs Entwurf hat den Vorteil, umfassender, systematischer zu sein. Sebastians Gliederung ist kernig und prägnant. Ich muss offen sagen: Im Zweifelfall würde ich die kürzere, klarere Version vorziehen. Andererseits hat Olaf einige Dinge klarer ausformuliert und eine taugliche alternative Gliederung ausgearbeitet, die ich als Fortschritt sehe. Doch ich finde auch, dass man in den Punkten 2 und 3 einiges zusammenlegen könnte. Obwohl ich die Formulierungen wertvoll finde und die Trennung von Verständlichkeit und Stil nachvollziehen kann, fand ich Sebastians Punkt 2 "Verständlichkeit und Eleganz" besser und prägnanter gegliedert.
Bei den Punkten, wo dann noch das Gefühl besteht, dass man sie separat ansprechen muss, könnte man sich überlegen, in welcher Form man sie an anderer Stelle noch voller ausführen kann (Übersetzungs-FAQ oder durch die Eigenschaften-Tabelle, die man irgendwo zusätzlich offiziell verfübar macht).
Anderes Thema: Lasst mich nochmal ausführen, warum ich den Punkt "Genauigkeit" (ein wichtiges, aber eher nachgeordnetes Korrektiv) und den Urtextvergleich (einen Aspekt der Qualitätssicherung) ausdrücklich mit in die Kriterien aufnehmen möchte. Mir ist klar, dass die Übersetzung auch ohne ihre Erwähnung funktionieren wird und die Kriterien ausreichend eingegrenzt sind. Doch die Beschreibung der Übersetzungstheorie ist nicht der einzige Zweck unserer Übersetzungskriterien. Wir werden nicht wenige potenzielle Leser haben, die sich anhand der Kriterien ein Bild von der Qualität der Übersetzung machen wollen.
Diese Leser werden wissen wollen, wie genau die Übersetzung noch ist, wenn in den Kriterien hauptsächlich von (inhaltlicher) Verständlichkeit und moderner Ausdrucksweise die Rede ist. Für viele gibt es einen Unterschied zwischen Übersetzungen a la Hoffnung für Alle oder Gute Nachricht, die recht frei sind und auch mal "sinngemäß" etwas ergänzen, und anderen "kommunikativen" Übersetzungen, die verständlich fomulieren, aber dabei nicht unnötig frei vorgehen.
Die Leser werden wissen wollen, ob die Übersetzung auch vertrauenswürdig ist, wenn sie nicht aus dem Urtext entsteht, sondern aus einem Zwischentext formuliert wird.Wie Olaf sagte: Es ist ein methodisches Detail, dass die Lesefassung aus der Studienfassung entsteht. Für uns ist sie dennoch eine vollwertige Übersetzung, und für den Leser soll sie das auch sein.
Wir schaffen zusätzliches, notwendiges Vertrauen, indem wir in den Kriterien darauf eingehen, wie verlässlich und genau die Lesefassung ist. Ob wir zusätzliche Angaben machen, ist also eine Frage der Textfunktion.

Ah, mist, jetzt gabs nen Bearbeitungskonflikt. Ich wollte eigentlich noch mal meinen obigen Post überarbeiten.
Na gut, dann kommt das neue jetzt eben hier hinein.
Noch mal zu (3a) + (1)
Den Punkt zu Eigenschaft 1 (nicht aber 3a) habe ich falsch gesehen. Olaf hat (weit) oben die funktionale Äquivalenz zur "Methode" erklärt und damit aus den Eigenschaften ausgefällt. Dann bleibt von dem ursprünglichen Kriterium natürlich nur die inhaltliche Korrektheit. In dem Fall müssten wir aber (a) die funktionale Äquivalenz schon mal als Methode zur Umsetzung von (1) vormerken, (b) überlegen, ob, wenn funktionale Äquivalenz ausgefällt wurde, konsequenterweise nicht ineins damit auch 3a und evt. 3c als Bestandteile der funktionalen Äquivalenz an Schritt 3 "Methodik" überwiesen werden müsste. Außerdem sollten wir (c) trotz obiger Diskussion vielleicht noch mal über die Betonung des Inhalts sprechen, denn das geht wohl auf ein Missverständnis zurück und hat sich im Laufe der Diskussion so reingemogelt: 
Es geht los bei unserer Gleichsetzung in den aktuellen Kriterien von "funktionaler Äquivalenz" mit "inhaltlich so nah wie möglich an den Aussagen des Urtextes" - was falsch ist, denn inhaltliche Äquivalenz ist ein Aspekt der funktionalen Äquivalenz, nicht das selbe.* 
Wegen dieser Gleichsetzung ist dann im Verlauf der Diskussion aus dem Hauptzweck "Menschen ohne theologische Vorbildung (aber eventuell mit theologischen Fragen) sollen die Anliegen der Bibeltexte verstehen können" irgendwann "Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben." Olaf erklärt das als Umformulierung von "mit theologischen Fragen", aber dann müsste man ja genau so gut schreiben können "Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die theologisches Interesse an der Bibel haben" - und das ist wohl doch etwas anderes (das hatte ich oben übersehen).
Dann habe ich das selbst weiter forciert, indem ich als Eigenschaft 1 Kriterium #1 falsch zitiert habe, aus der funktionalen Äquivalenz "kommunikative Äquivalenz" gemacht habe und das ebenfalls mit "Treue zum Inhalt" gleichgesetzt habe.
Und jetzt hat Olaf noch mal einen draufgesetzt und auch noch aus "kommunikative Äquivalenz" "inhaltliche Korrektheit" gemacht.
Dabei ist ja hier wahrscheinlich jedem klar, dass Interesse am Inhalt nicht die (alleinige) Hauptsache sein kann, die eine Bibelübersetzung befriedigen muss. Zum Beispiel können "Menschen ohne theologische Vorbildung (aber eventuell mit theologischen Fragen)" auch zur Bibel greifen, um in das Gebetsgeschehen der Psalmen mit-heineingenommen zu werden (sprich: um mit den Psalmen zu beten). Oder um sich an der Poesie Jesajas zu berauschen, oder... , und dass es gerade in der Bibel viele Texte gibt, wo der Inhalt nicht im Vordergrund steht (Klagepsalmen...)
Ich denke deshalb, dass man (1) umformulieren muss. Wie, weiß ich noch nicht. Vielleicht, indem man umgekehrt nicht 3a und 3c ausfällt, sondern die funktionale Äquivalenz wieder zu / als 1 hineinnimmt. (Das käme auch Ben entgegen, weil die Textstruktur ebenfalls ein wichtiger Aspekt für funktionale Äquivalenz ist und deshalb nicht als Korrektiv als vorletzter Punkt in der Eigenschaftsliste auftauchte, sondern schon im ersten Punkt mitenthalten wäre. Außerdem würde sich bei Texten, bei denen das wichtig ist, ja nichts ändern, denn bei Texten, bei denen die Kommunikationsfunktion der Inhaltswidergabe im Vordergrund steht, wäre ja dann das die Kommunkationsfunktion, zu der die Übersetzung Treue wahren muss. Und 3a und 3c könnten wieder eingedampft werden, weil sie sich dann aus Kriterium 1 ergeben würden - damit wäre die Liste wieder kürzer. Je länger ich drüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee.). Vielleicht gibt es auch bessere Vorschläge, aber ich stehe hier gerade auf dem Schlauch. Vielleicht ist ja auch einfach "Inhalte" missverständlich formuliert und es geht bei dem Punkt gar nicht um "Inhalte"... 
Ich würde das mal zur offenen Frage 5 machen: (5) Inhalt vs. funktionale Äquivalenz. (Und, als Beteiligungsanreiz: Ich glaube, das ist der aktuell wichtigste offene Punkt).
Zu Zu (1a und b) Möglicher Konflikt von wissenschaftlicher Deutung und Mehrdeutigkeit:
1b bezieht sich aber wahrscheinlich nicht auf Mehrdeutigkeiten. E3 Mehrdeutigkeit ist als 3d in Olafs Eigenschaftsliste aufgenommen. Olaf hat mir mal in einem Chat (zum Thema Gen 1, genauer zu ruah haelohim) erklärt, wie er diese "vereinfachende oder zu einseitige Interpretation" versteht, nämlich wirklich so, dass die Übersetzung sich nach Möglichkeit nicht auf eine Deutung festlegen sollte, wo mehrere Deutungen bestehen (deswegen ist ja auch die Platzierung in Punkt 1 ja auch sinnvoll, aber deswegen glaube ich auch, dass sich das mit 1a widerpricht). 
Zu Bens Unentschiedenheit zwischen meiner und Olafs Variante: Olafs Variante hat noch einen Vorteil: Die 3 ersten Gruppen entsprechen den translatologischen Konzepten Akkuratheit, Natürlichkeit, Klarheit (kennst du ja :) ). Vielleicht wirken die Kriterien mit diesem Gliederungsprinzip noch ein bisschen mehr wissenschaftlich fundiert?
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* Um Missverständnisse vorzubeugen, sei bei der Gelegenheit auch noch darauf hingewiesen, dass auch Olafs Differenzierung in "functional equivalence" und "funktionale Äquivalenz" ein Missverständnis ist. Wendland hat darüber letztes Jahr einen Artikel geschrieben: Die Gleichsetzung von Nidas "functional equivalence" mit "inhaltlicher Treue" - die recht verbreitet ist - resultiert daraus, dass als "Nida" immer noch meist eine über-vereinfachte Lesart von Nida/Taber 1969: The Theory and Practice of Translation" läuft (schon hier war eine Gleichsetzung von "dynamic equivalence" und "inhaltliche Treue" aber falsch) und nicht der "aktualisierte Nida" in de Waard/Nida 1986: From One Language To Another: Functional Equivalence in Bible Translating. Tatsächlich bedeutet auch Nidas "functional equivalence" exakt das selbe wie "Olafs" "funktionale Äquivalenz", nämlich die Über-setzung der kommunikativen Funktionen des Ausgangstextes in den Zieltext. Und wenn man in der Linguistik von "funktionaler Äquivalenz" spricht, meint man damit eigentlich eine Variante à la Nida (, die auch die Skopostheorie übernommen hat) - denn die Skopostheorie ist momentan zwar en vogue, aber immer noch umstritten (s. z.B. Rüth 2010: Die Skopostheorie nach Reiß/Vermeer: Ein Überblick)

Hallo, danke für eure Antworten!
Zum „Inhalt“: Ich bin gerne damit einverstanden, hier ein anderes, etwas allgemeineres Wort zu nehmen. Wichtig ist mir nur, dass es nicht so klingt, als hätte das korrekte inhaltliche Verständnis nur eine nachgeordnete Bedeutung. Die Form ist weniger wichtig als der Inhalt! (Zur funktionalen Äquivalenz siehe unten.)
Zu 1a und 1b: Ich will mal ein konkretes Beispiel versuchen. In Jesaja 52–53 ist vom Gottesknecht die Rede. Es gibt in der Literatur zahlreiche verschiedene Theorien, wer damit gemeint sein könnte (z.B. das Volk Israel, Jesaja, der intendierte Leser, Jesus Christus, der heilige Rest von Israel, Deuterojesaja, eine andere einzelne Person aus der Vergangenheit, eine Gruppe von Leuten aus der Vergangenheit, ein anderer jüdischer Messias, …). Die „plausibelste wissenschaftliche Deutung“ ist dann z.B. Israel – mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 15%. Es wäre aber hoch problematisch, hier jetzt explizit „der Gottesknecht, d.h. Israel“ in den Text zu schreiben, obwohl es bei Wahl dieser Deutung eine gut verständliche Übersetzung wäre. Um dies zu verhindern, hätte ich gerne ein Korrektiv. Es wäre aber besser, dass direkt in 1a zu integrieren. (Nebenbemerkung zu ruach elohim: Dort brauchen wir dieses Korrektiv nicht. Meiner Auffassung nach widerspricht es sowohl 1a als auch 1b, ohne absolut zwingenden Grund dasselbe Wort an derselben Stelle zweimal völlig unterschiedlich zu übersetzen. Ich glaube nämlich nicht, dass ein Autor absichtlich verwirrende Sprache wählt, obwohl er andere Formulierungsmöglichkeiten hat.)
Zu 3e: Ich stimme euch zu, dass man es etwas stärker formulieren kann. Außerdem muss es, da es sich ja selbst zurücknimmt, nicht zwingend unten stehen. Wir wäre es, wenn wir (1) von „Inhaltliche Korrektheit“ zu „Genauigkeit“ umbenennen und 3e hier anordnen?
Zu 2d und 3a: Danke für eure Überlegungen. Ich habe mal verbesserte Formulierungen versucht.
Zu 4a: Wir können ein striktes Einhalten der Versgrenzen nicht erzwingen, wenn mitten im Satz das Kapitel wechselt oder wenn Subjekt und Prädikat drei Verse voneinander entfernt stehen. (Ja, beides gibt es.) Von daher halte ich es für richtiger, diese formalen Kriterien an letzter Stelle zu haben, und nicht an erster. (Wie gesagt, die Form ist weniger wichtig als der Inhalt.)
Zur Kürzung: Ich hab einige Punkte zusammengelegt, sehe aber nichts, was man in die FAQ verschieben kann. 
Konkreter Vorschlag:

  • (1) Genauigkeit: Die Lesefassung soll die Anliegen des Urtextes möglichst genau kommunizieren.
    • (1a+b) Hierbei folgen Lesefassung und die Studienfassung gemeinsam der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung.[Fußnote: Wenn sich die Übersetzung oder das genaue Anliegen einer Bibelstelle nicht mehr zuverlässig rekonstruieren lassen, dann verwenden wir eine wissenschaftlich gut etablierte Übersetzung und vermeiden zugespitzte Interpretationen.]
    • (1c=3e) Eine relativ wörtliche Übersetzung ohne freie Umformulierungen wird angestrebt, so lange die anderen Kriterien dem nicht entgegenstehen (z.B. Verständlichkeit, inhaltliche genaue Wiedergabe im heutigen Deutsch, gute Vorlesbarkeit).
  • (2) Verständlichkeit: Die Lesefassung soll für Menschen mit normaler Allgemeinbildung verständlich sein.
    • (2a+c) Biblisch-theologische Fachsprache wird, so weit möglich, vermieden. [C2] Der kulturelle Kontext soll aber sichtbar bleiben (keine anachronistischen Modernisierungen, wie z.B. „Euro“ statt „Drachmen“). [B2]
    • (2b) Wo nötig, werden für das Verständnis des Textes wichtige Informationen in Fußnoten erläutert (z.B. biblisches Spezial-Vokabular, kulturgeschichtlicher Kontext, bibelkundliche Zusammenhänge, Mehrdeutigkeiten im Urtext) [C1, C3, H2]
    • (2d) In sich abgeschlosseneTextabschnitte sollen nach Möglichkeit so übersetzt werden, dass sie aus sich selbst heraus sprachlich verständlich sind. Dies erleichtert das Zitieren aus der Lesefassung. [D1]
  • (3) Aktuelles Hochdeutsch: Die Lesefassung verwendet aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch. [E1, F1]
    • (3a) Stil und Gattung der Übersetzung sind so gewählt, dass sie die Anliegen des Urtextes möglichst gut kommunizieren. [E2] Eine direktere Übereinstimmung mit Stil und Gattung des Urtextes wird angestrebt, falls sie ohne Konflikt mit den anderen Kriterien möglich ist. [H1]
    • (3b) Eine hohe literarische Qualität ist erstrebenswert [G2, H4] – insbesondere bei Bibelstellen, die auch im Urtext in gehobener Sprache formuliert sind. [D2]
    • (3c) Liturgische Verwendbarkeit: Gebete und Segenstexte sind so übersetzt, dass sie liturgisch verwendet werden können. [F2]
    • (3d) An einigen Stellen ist es angemessen, dass die Übersetzung inhaltliche Deutungsoffenheiten des Urtextes abbildet (z.B. in einem Psalmlied, das von Menschen in verschiedenen Lebensituationen gut gemeinsam rezipierbar ist). [E3]
  • (4) Formales:
    • (4a) Versgrenzen: Die Übersetzung orientiert sich an den etablierten Versgrenzen. [G1]
    • (4b) Überschriften: Die Sinnabschnitte sind durch Zwischenüberschriften markiert.[H3]

 
Zur funktionalen Äquivalenz: In den funktionalen Translationstheorien wird funktionale Äquivalenz wie folgt definiert: Eine Übersetzung ist adäquat, wenn sie den angestrebten Zweck erfüllt (Verwendungszweck, Zielgruppe). Sie ist darüber hinaus auch äquivalent, wenn die Funktion des Ausgangstextes und der Übersetzung übereinstimmen [Prunč 2 2002, 168] (Funktionskonstanz) (siehe Funktionales Übersetzen). Das Kommunikationsziel des Textes ist hierbei nur ein Teil der Funktion neben den Adressaten und dem kulturellen Hintergrund. Aus der Divergenz von Kultur und Adressaten folgt, dass eine Bibelübersetzung nach dieser Definition niemals vollständig funktional äquivalent sein kann (konkrete Beispiele siehe Funktionales Übersetzen). Dies unterscheidet sich also deutlich von Nidas „functional equivalence“. Nach dem funktionalen Ansatz wird Adäquatheit angestrebt (in Abhängigkeit von der frei gewählten Funktion der Übersetzung) und nur in Sonderfällen funktionale Äquivalenz.
 
Änderung des Hauptzwecks: Ich möchste darum bitten, dass wir die Diskussion um die Verwendungszwecke nicht erneut öffnen. Sebastian hat zwar recht, dass der Hauptzweck nicht alle möglichen Verwendungen abdeckt – aber genau das haben wir ja mit der Definition des Zwecks erreichen wollen. Aus translationswissenschaftlicher Sicht kann die Qualität einer Übersetzung nur beurteilt werden, wenn wir ihren Haupt-Verwendungszweck klar definieren. Wir haben uns damals dazu entschieden, das Verstehen-Wollen der Anliegen der Bibeltexte ins Zentrum zu rücken. Wenn wir statt dessen die Betbarkeit der Psalmen als Hauptzweck definiert hätten, dann bräuchten wir andere Kriterien. Und wenn wir das Verstehen-Wollen der sprachlichen Eigenschaften des Bibeltextes als Hauptanliegen hätten, dann hätten wir wieder andere Kriterien. Wir müssen uns entscheiden, was wir ins Zentrum stellen. Dass wir damit anderes nicht gleichzeitig ins Zentrum stellen können, haben wir damals ausführlich diskutiert.
Wenn wir die Verwendungszwecke wieder in Frage stellen, dann steige ich aus der Überarbeitung der Kriterien aus. Dafür habe ich schon zu viel Arbeit investiert, und mir fehlt die Zeit für eine Diskussion, die sich um Kreis dreht.
 
Ich hoffe aber, dass ich mit meiner Überarbeitung oben bereits die wichtigsten Bedenken ausgeräumt habe. 

Danke, dass du trotz knapp bemessener Zeit geantwortet hast - das war wichtig.
Inhalt: Die Lösung finde ich gut, für mich ist keine Diskussion mehr nötig.
Ich würde trotzdem noch vorschlagen, dass wir aus den fett gedruckten Ausdrücken wirklich "Akkuratheit, Klarheit, Natürlichkeit" machen, weil das in der Übersetzungswissenschaft recht etablierte Begriffe sind. Aber es würde am Sinn nichts ändern, deswegen wäre auch das wohl nur nice-to-have und fast genau so gut so möglich, wie es aktuell steht.
1a und 1b: Bei dem Beispiel gebe ich dir recht. Ich wäre auch mit der aktuellen Formulierung zufrieden. Ich hatte jetzt ein Beispiel formuliert, um zu zeigen, dass es trotzdem nicht ganz ungefährlich ist. Aber beim Formulieren habe ich gemerkt, dass das Kriterium so sogar ziemlich hilfreich und gut ist, deswegen würde ich das wirklich so annehmen :) 
Ich gebe das Beispiel trotzdem noch, vielleicht ist das auch für andere hilfreich.
In Mk 13,14 geht es um etwas, dass fast durchweg übersetzt wird mit "das Gräuel der Verwüstung, das steht, wo es nicht darf." (=etablierteste Übersetzung). Was dieses "Gräuel der Verwüstung" ist, darüber besteht keine Einigkeit. (1) ist im Griechischen "Gräuel" Neutrum und "das steht" maskulinisches Partizip, also eigentlich "das Gräuel, der steht, wo er nicht darf". Deswegen sagen die meisten, dass "Gräuel der Verwüstung" wohl personal zu verstehen ist und wohl ein Ausdruck für den Antichristen ist. (2) Aber es gibt auch die Deutung, dass es sich um eine "sächliche" Entweihung des Tempels handeln könnte; denn die Formulierung "Gräuel der Verwüstung" kommt aus dem Danielbuch und steht dort für ein Götzenbild, das im Tempel aufgestellt wurde; entsprechend könnten hier z.B. die römischen Feldzeichen, die im Tempel aufgestellt wurden, gemeint sein. Das ist eine Minderheitenmeinung, aber theoretisch auch möglich.
Wenden wir die Kriterien an: "Gräuel der Verwüstung" ist nicht verständlich. Deswegen widerspräche eine einfache Widergabe als "Gräuel der Verwüstung" sowohl Kriterium (1) und (2). Also müssen wir etwas machen: Entweder formulieren wir um oder wir arbeiten mit einer Fußnote. Kammermeyer hat z.B. "das abscheuliche Götzenbild" übertragen - das widerspräche aber "plausibelste wissenschaftliche Deutung" und "keine zugespitzte Interpretation". Branscomb hat vorgeschlagen "der Gräuliche, der verwüstet und steht...". Das stimmte überein mit "plausibelste wissenschaftliche Deutung", aber nicht mit "keine zugespitzte Interpretation", weil, so formuliert, Deutung (2) nicht mehr einsichtig wäre. Also müssen wir allgemein formulieren und mit einer Fußnote arbeiten, die dem Leser beide Deutungen erschließt. Also z.B. "das Gräuel der Verwüstung, das steht, wo es nicht darf"[FN: Das könnte sich beziehen auf... (wahrscheinlicher) oder auf...]. Und weil damit Kriterien 1 und 2 erfüllt sind, greift Kriterium 3:  "Gräuel der Verwüstung" ist kein aktuelles Hochdeutsch, also müssten wir uns ein ähnlich allgemeines, aber aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Äquivalent überlegen. Da habe ich noch keine Idee, aber wenn das gelingt, dann dürfte das die ideale Lösung dieser Stelle sein. 
Daher: Das Kriterium hat meinen Segen. Vielleicht sollten wir es in der Formulierung aber trotzdem noch abschwächen, denn es gibt ja zu mindestens jedem zweiten Vers unterschiedliche Deutungen. Selbst, wenn wir nur bei jedem dritten von denen zu einer Fußnote greifen müssten, hätten wir so bei jedem sechsten Vers eine Fußnote mit einer abweichenden Deutung. Nehmt dazu noch Kriterium 2b - dann sind wir schnell bei eine Fußnote alle vier Verse. Das könnten wir vermeiden, wenn wir die Fußnote in 1a beschränken auf Fälle, in denen es keine etablierte opinio communis gibt. Also z.B. 
"Hierbei folgen Lesefassung und die Studienfassung gemeinsam der plausibelsten wissenschaftlichen Deutung.[Fußnote: Hat sich zu einer Stelle in der Wissenschaft keine deutliche Mehrheitsmeinung etabliert, vermeiden wir in der Lesefassung nach Möglichkeit eine zugespitzte Interpretation oder weisen z.B. in einer Fußnote auf bestehende alternative Deutungen hin.]
2d+3a+3e: Die Lösungen finde ich sehr gut. Für mich ist keine Diskussion mehr nötig.
4a hat meine volle Sympathie. Aber es ist gut möglich, dass das anderen nicht gefällt, deswegen lasse ich auch hier mal die Diskussion offen und lasse sie jemand anderen schließen.
Eine Änderung des Hauptzwecks hatte ich nicht beabsichtigt - es sei denn, du würdest mittlerweile als Hauptzweck nicht "Menschen ohne theologische Vorbildung (aber eventuell mit theologischen Fragen) sollen die Anliegen der Bibeltexte verstehen können" sehen, sondern als "Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben...". Aber aus deiner Umformulierung von Kriterium 1 und deiner Anmerkung zum Punkt "Inhalt" schließe ich, dass das nicht so ist. Von daher können wir von meiner Seite aus auch diesen Punkt schließen.
Sind damit noch Fragen offen? Ich denke nicht, oder? Dann könnten wir nämlich jetzt wirklich mit Schritt drei beginnen!
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Zur funktionalen Äquivalenz: Das ist für die Frage nach den Kriterien wohl nicht relevant (vielleicht aber für Schritt 3). Trotzdem, damit wir nicht schon zwiegespalten in Schritt 3 einsteigen: "Sie ist darüber hinaus auch äquivalent, wenn die Funktion des Ausgangstextes und der Übersetzung übereinstimmen" ist das, was auch Nida als funktionale Äquivalenz versteht. Es ist daher nicht nötig, das auseinanderzudividieren. Der neue Beitrag der Skopostheorie besteht nicht darin, funktionale Äquivalenz anders zu verstehen, sondern auch noch "Adäquatheit" mit eingeführt zu haben und Adäquatheit höher zu gewichten als funktionale Äquivalenz (bzw. den Skopos der Übersetzung höher zu gewichten als die Funktion des Textes). 
Das ist zwar in der wissenschaftlichen Diskussion immer noch (ich glaube sogar: sehr) umstritten*, aber das kann uns ja wurscht sein, weil unsere Diskussion ja gezeigt hat, wie produktiv das war, zuerst Leserschaft und Hauptzweck zu bestimmen. Deswegen braucht auch das für uns kein Problem zu sein. Deswegen können wir auch das als abgeschlossen betrachten, oder?

EDIT: Irgendwie ist mir beim Schreiben Sebastians letzter Post gar nicht aufgefallen. Das meiste, was ich hier erarbeite, erübrigt sich dann! Ich war versucht, es zu löschen, aber vielleicht ist es ja doch noch irgendwie hilfreich.
Ich habe das Gefühl, ihr beiden redet aneinander vorbei! Sebastian argumentiert m.M.n. auf Ebene der Eigenschaften, nicht der Hauptzwecke. Das Beispiel der Psalmen als Gebete usw. fasst Olaf als Kritik am Hauptzweck auf. Soweit ich Sebastian verstehe (und wir haben im Chat darüber diskutiert), findet er die Hauptzwecke aber voll in Ordnung. Es geht vielmehr darum, dass die Eigenschaftenliste nicht vollständig ist. Diese Liste muss eben nicht nur aus den drei Hauptzwecken heraus entworfen werden, sondern aus der Perspektive des Übersetzungsansatzes, den wir uns ausgewählt haben, um diese Zwecke zu verwirklichen. Passt der Ansatz nicht zum Übersetzungsziel, muss man einen anderen Ansatz wählen.
Es führt für mich kein Weg daran vorbei, dass Sebastian uns genau erklärt, was in seinen Augen wie korrigiert werden sollte. Leider ist Sebastian in seinem Post auch nicht so systematisch gewesen, dass man neben der Kritik noch die Kontur seiner Korrektur erkennen kann (sorry!). Sebastians Schlüsselsatz ist m.E. "Dabei ist ja hier wahrscheinlich jedem klar, dass Interesse am Inhalt nicht die (alleinige) Hauptsache sein kann, die eine Bibelübersetzung befriedigen muss." Dazu kommt, dass "die Textstruktur ebenfalls ein wichtiger Aspekt für funktionale Äquivalenz ist". Wir beide haben schon über Definitionen von funktionaler Äquivalenz gesprochen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, gehört für dich auch die Funktionstreue auf der Textebene, in der Makro- und Mikrostruktur, zur funktionalen Äquivalenz. Das lässt sich ja auch aus der von Olaf zitierten Definition ableiten. Der Text ist Mittel zur Übertragung des Inhalts. Die Textfunktion ist dabei äquivalent zu übertragen. Optimalerweise stimmen in beiden Sprachen und Kulturen die textlichen Kommunikationswege überein, um das Kommunikationsziel zu erreichen. Dann kann man sie größtenteils beibehalten, und wir erreichen in solchen Fällen eine (evtl. begrenzte) formale Äquivalenz - teils nur auf Makro- (Form-), aber nicht auf der Mikroebene (Diskurs), teils umgekehrt, teils in beiden. In anderen Fällen ist die Übertragung in eine äquivalente Textform nötig. Auf der Diskurs- bzw. eher der Propositionsebene praktizieren wir das schon begrenzt in der Studienfassung. Ich glaube, wir sind uns auch einig, dass wir das in der Lesefassung beibehalten wollen. Auf der Formebene relativiert Olafs Entwurf etwas, indem 3a Formäquivalenz anstrebt, soweit die anderen Kriterien das zulassen. Sebastian dagegen spricht von foller Form-Äquivalenz.
Habe ich euch so richtig verstanden? Sebastian, gehe ich gerade voll in die falsche Richtung? Ich muss sagen, dass ich Sebastians Anliegen grundsätzliche begrüße, aber Olafs Kriterienliste nicht verkehrt finde. Die Formulierung in 3a zu Form und Gattung finde ich vernünftig. Für die Diskursebene ist der zusammenfassende Satz von Hauptpunkt 1 da zwar tatsächlich noch nicht optimal, aber der zweite Unterpunkt regelt das so, wie ich mir das vorstellen würde.
Jetzt möchte ich gerne an euch beide appellieren, dass ihr weiterhin konstruktiv zusammenarbeitet. Olaf, ich verstehe, dass du frustriert bist. Du hast viel Arbeit investiert und fürchtest jetzt, dass Sebastian nochmal von vorne anfangen möchte. Gleichzeitig schätze ich auch Sebastians Anliegen, die Theorie von vornherein richtig umzusetzen. Ich glaube, keiner von euch beiden ist daran interessiert, jetzt das Handtuch zu werfen. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir die Lesefassung gemeinsam formen können. Machen wir sie doch gemeinsam fertig! Wir brauchen euch beide.

Hallo Sebastian, hallo Ben,
danke für Eure hilfreichen Antworten!
Wenn ich den Eindruck erweckt habe, dass ich frustriert bin, dann habe ich das schlecht formuliert. Ich war von der Infrage-Stellung unseres Vorgehens weder überrascht, noch ernsthaft frustriert. Ich hatte sogar mehr oder weniger mit ähnlichen Reaktionen von euch auf meinen Vorschlag gerechnet. Wir hatten damals während der Ersatzlesung-Diskussion schließlich immer wieder ähnliche Situationen. Der Unterschied zu damals ist zum einen, dass ich deutlich weniger Zeit habe, und zum anderen, dass euch inzwischen gut genug kenne, um rechtzeitig „Stopp“ zu sagen – bevor es mir alle Kräfte raubt.
Ben schreibt: „Gleichzeitig schätze ich auch Sebastians Anliegen, die Theorie von vornherein richtig umzusetzen“. Genau das ist jedoch auch mein Anliegen, und genau das sehe ich im Moment in Gefahr.
Ich würde gerne einen Versuch machen, um trotz meiner geringen Zeit produktiv weiterzugehen: Ich lege noch einmal die Systematik unseres Vorgehens dar, wie ich sie sehe. (Zum einen habe ich den Eindruck, dass Ben sie nicht ganz vor Augen hat. Und zum anderen hat Sebastian hierzu Rückfragen geäußert, die ich vor dem Schreiben des Blog-Posts oben bereits durchdacht hatte und wo ich schon mehrfach versucht hatte, meine Überlegungen hierzu mit euch zu teilen.)
Ich möchte euch bitten, zu zweit über diese Systematik nachzudenken – und zwar nicht hier im Forum, sondern an anderer Stelle, damit die Diskussion hier nicht ausufert. Wenn es euch gelingt, euch gemeinsam auf eine alternative Systematik zu einigen, dann schreibt sie bitte als Antwort unter diesen Kommentar.
OK, jetzt beschreibe ich schrittweise unser Vorgehen, wie ich es verstehe:

  • 1. Ich gehe davon aus, dass die Autoren nicht nur aus Lust an Sprachspielen geschrieben haben, sondern dass sie mit ihren Texten etwas sagen wollten. Für dieses „etwas“ kann man verschiedene Begriffe verwenden wie z.B. „das Anliegen“, „das Kommunikationsziel“, die „Funktion“ oder „die Inhalte der Bibel“. Da das Wort „Inhalt“ mehrdeutig ist und von Sebastian anders verstanden wird als von mir, werde ich im Folgenden den translationstheoretischen Begriff „Funktion“ verwenden.
  • 2. Die Funktion der biblischen Texte ist immer eingebettet in einen kulturellen Zusammenhang und in einen Adressatenbezug. Sie kann nicht unabhängig von diesen betrachtet werden. Beim Philemonbrief z.B. ist für das Verständnis der Funktion sowohl die römische Rechtslage zur Sklavenhaltung wichtig als auch die Tatsache, dass Paulus und Philemon sich kannten und beide Christen waren.
  • 3. Die Funktion ist uns nicht direkt zugänglich, sondern nur indirekt über eine Analyse der verschiedenen formalen Texteigenschaften (Wortwahl, Satzbau, Stil, Gattung, …). Dabei ist es unterschiedlich, welche dieser Eigenschaften besonders wichtig sind für die Textfunktion. In einem Schöpfungspsalm können z.B. Gattung und Stil wichtiger sein als die Frage, welcher Vogel genau mit einem bestimmten Wort gemeint ist. An anderen Stellen ist Wort-Bedeutung wesentlich zentraler. In allen Fällen aber hat die Form eine dienende Rolle gegenüber der Funktion.
  • 4. Nida hat deshalb zu Recht darauf hingewiesen, dass eine Übersetzungsmethodik problematisch ist, die die Treue zur Form über die Treue zur Funktion stellt. Sein Konzept sieht vor, das Kommunikationsziel des Textes in die heutige Sprache und Zeit zu übertragen.
  • 5. Leider funktioniert ein unverändertes Beibehalten des Kommunikationszieles bei sehr vielen Bibelstellen nicht gut, wenn man den kulturellen Kontext und den Adressatenbezug ernsthaft berücksichtigt. Beispiel Philemonbrief: Eine direkte Übertragung des Kommunikationszieles in unsere Kultur hieße, moderne Opfer von Menschenhandel dazu zu ermutigen, zu ihren „Besitzern“ zurückzukehren, und gleichzeitig die „Besitzer“ dazu aufzufordern, mit ihren „Slaven“ gut umzugehen.
  • 6. Die funktionale Translationswissenschaft lenkt aber den Blick nicht nur auf die Funktion des Ausgangstextes, sondern auch auf die Funktion der Übersetzung selbst. Aus dieser Perspektive können Bibelübersetzungen adäquat sein, wenn sie ihrer angedachten Funktion gerecht werden – ohne die Notwendigkeit, das ursprüngliche Kommunikationsziel des Philemonbriefes zu übernehmen. (Ich bitte euch, an dieser Stelle den Abschnitt „Adäquatheit und Äquivalenz“ der Wiki-Seite Funktionales Übersetzen zu lesen.)
  • 7. Die funktionale Translationstheorie definiert nicht, welche Funktionen für eine Übersetzung angemessen sind, sondern überlässt dies der Entscheidung der Übersetzer. Auf Grund der „Beliebigkeit“ ist dieser Ansatz, wie Sebastian zu Recht angemerkt hat, stark umstritten. Diese Kritik braucht uns aber nicht wirklich zu interessieren, so lange wir uns über unsere Verwendungszwecke Rechenschaft ablegen und sicher sind, dass diese schriftgemäß sind. (Ich bitte euch, an dieser Stelle das Fazit der Wiki-Seite Funktionales Übersetzen zu lesen.)
  • 8. Auf Basis dieser übersetzungstheoretischen Grundlage haben wir uns für drei Verwendungszwecke entschieden. Der Hauptzweck, auf den wir uns geeinigt haben und der seither in den Kriterien steht, lautet: „ Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben, aber über die Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen.“ – Wir hätten aber genau so gut auch formulieren können: „ Unsere Übersetzung soll das Kommunikationsziel der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die sich für dieses Kommunikationsziel interessieren und die über die Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen haben.“
  • 9. Mit der Definition dieses Hauptzweckes stellen wir klar, dass wir nicht die Quadratur des Kreises versuchen. Wenn es möglich ist, aus einem Psalm zusätzlich zu diesem Hauptzweck noch ein brauchbares Gebet zu machen, dann ist das gut – aber wir werden den Psalm nicht umschreiben, wenn uns die Freude über die Vernichtung von Nichtjuden heute als Gebetsinhalt unpassend erscheint. Schließlich ist das Beten-Können nicht unsere Hauptfunktion.
  • 10. Die Qualität einer Bibelübersetzung bemisst sich nach funktionaler Translationswissenschaft daran, wie gut sie die angestrebte Funktion erfüllt. Die angestrebten Eigenschaften der Übersetzung ergeben sich also direkt aus der Funktion. Aus diesen angestrebten Eigenschaften wiederum ergeben sich direkt die Übersetzungskriterien. Und hieraus wiederum die Methodik.
  • 11. Wenn wir nun umgekehrt von der Methodik her die Kriterien und die Eigenschaften definieren, dann passt das nicht mehr zu unserer angedachten Funktion. Die Übersetzung würde also entweder ihre Funktion verfehlen, oder wir müssten die Funktion anders definieren.
  • 12. Dasselbe gilt, wenn wir aus sprachlichen Gründen die Gewichtung innerhalb der Übersetzungskriterien verändern. Wenn Ben also meinen Vorschlag für seine Systematik lobt, aber im Ergebnis dennoch ablehnt, dann muss er neue Verwendungszwecke definieren.
  • 13. Wenn wir die Äquivalenz mit Stil und Gattung der Urtexte deutlich höher gewichten als von mir vorgesehen, dann müssen wir den Hauptzweck ebenfalls ändern. Schließlich dient die Form unserer Übersetzung dann nicht mehr dazu, die Funktion des Urtextes verständlich zu machen, sondern richtet sich stärker auf die Form des Urtextes. 

Wenn ihr euch auf neue Verwendungszwecke einigt, dann wär auch der Arbeitsschritt der Eigenschaften-Tabelle zu wiederholen. Wenn ihr euch bereit erklärt, diese Arbeit systematisch durchzuführen, dann wäre eine deutlich begrenzte Korrektur des Haupt-Verwendungszwecks für mich unter Umständen akzeptabel. Wichtig ist mir nur, dass wir uns nicht im Kreis drehen.
Ich schlage, wie gesagt, vor, dass ihr gemeinsam an anderer Stelle eine Antwort auf diese Systematik ausarbeitet. Der Grund für diese Bitte ist, dass mir das systematische Vorgehen zu wichtig ist, als das ich es in einer endlosen Forumsdiskussion mit dauernd neuen Themen zerreden möchte. Außerdem fehlt mir die Zeit, die unter Umständen sehr langwierige Diskussion zu begleiten. Wenn ihr gleich mit einem konkreten Vorschkag kommt, kann ich mich besser darauf einlassen.
PS: Sind die Begriffe „Akkuratheit, Natürlichkeit, Klarheit“ aus dem Englischen übersetzt? Das Wort „accurateness“ bedeutet nämlich nicht „Akkuratheit“, sondern „Genauigkeit/Richtigkeit/Sorgfalt“.

Ich kann gerade nicht gut antworten, weil ich auf Schweigeexerzitien bin. Ich merke auch, dass mich die Offene Bibel dabei ganz schön ablenkt, deshalb werde ich mich nach diesem Post für die kommende Woche zurückziehen, ok?

Hab ich ja schon gesagt: Ich habe weder ein Problem mit unserem Vorgehen noch mit den Zwecken, die wir bestimmt haben. Ich habe nicht mal ein Problem damit, dass wir uns in unserem Vorgehen von der Skopostheorie leiten lassen. Problematisch fand ich nur, dass wir im Verlauf dieser Diskussion wegen terminologischer Ungenauigkeit unseren Hauptzweck wieder umbestimmt haben, aber das hat sich ja jetzt auch erledigt. Von daher: Von meiner Seite grünes Licht für Schritt 3.

P.S. Ja, dass ist aus dem Englischen. Aber ich habe das so übersetzt, weil ich mir eingebildet habe, dass auch Ben das in seinem KANA-Blog so übersetzt hat.

P.P.S. Ich kann 4 und 5 so einfach nicht stehen lassen; vergib mir diese Schwäche. Kommunikationsziel ist etwas anderes als Kommunikationsfunktion. Dass ein Text eine Kommunikationsfunktion realisiert, heißt, dass er auf die Kommunikation dieser Funktion hin-strukturiert ist, und nicht, dass er sie intendiert - denn Texte können ja gar nichts intendieren. Nur Menschen können das. Ein Mensch hat ein Kommunikationsziel, ein Text eine Kommunikationsfunktion. Deswegen würdest ja auch du ein Gesetz, nach dem Ehebrecherinnen zu töten sind, auch dann so übersetzen, indem du so formulierst, wie heute ein Text mit dieser Funktion formuliert wäre; gleichgültig, ob du mit dieser Übersetzung intendierst, dass sich jemand an dieses Gesetz hält, oder nicht. 4 und 5 sind kein Argument gegen funktionale Äquivalenz. Aber du musst ja auch gar nicht gegen die f.Ä. argumentieren, weil die ja sogar ein Bestandteil de Skopostheorie und und weil daher die S.T. keine Kontraposition ist, sondern einfach eine Theorie eigenen Rechts, die einfach noch mehr in den Blick nehmen will als z.B. Nida.

Olaf, danke für die Klarstellung. Mir ging es allerdings lediglich darum, zwischen euren Positionen zu vermitteln. Wenn
Meine Frage an Olaf ist: Siehst du einen Unterschied zwischen funktionalem Übersetzen und funktionaler Äquivalenz? 
Nach meinem Verständnis ist die funktionale Äquivalenz eine Übersetzungsmethode, die von dem Grundsatz des funktionalen Übersetzens abgeleitet ist. Funktionales Übersetzen heißt, die Funktion eines Textes in der Ursprungs- und Zielsprache zu bestimmen und dementsprechend zu übersetzen. Doch nicht jede Übersetzung hat auch das Ziel, auch die Funktion äquivalent zu übertragen. Beispiel: Eine philologische Übersetzung wie die Studienfassung hat eine andere Funktion. Genauso eine Jargon-Übersetzung wie die Volxbibel. Funktionale Äquivalenz heißt nach meinem Verständnis, dass Ausgangsfunktion und Zielfunktion möglichst übereinstimmen.
Allerdings hast du gerade nicht differenziert zwischen diesen beiden Ansätzen, sondern beschreibst (wie schon im Wiki) lediglich das funktionale Übersetzen. Gerade aus Punkt 6 und 7 wird das deutlich. Die Methode, die wir für die Lesefassung gewählt haben, ist jedoch die der funktionalen Äquivalenz.
Jetzt sagt mir mal: Verstehe ich das richtig oder falsch? (Ansonsten können wir den Thread gerne für die Dauer von Sebastians Auszeit ruhen lassen.)

Da ich damals auf der OfBi Tagung mit dabei war, als es um den Verwendungszweck der Lesefassung ging, hier eine kurze Randnotiz. Olaf schrieb: Der Hauptzweck, auf den wir uns geeinigt haben und der seither in den Kriterien steht, lautet: „ Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben, aber über die Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen.
Müsste da nicht der Anspruch der Lesefassung sein, diesen Hauptzweck der Lesefassung besser und gründlicher zu erfüllen als bisherige Übersetzungen? Meiner unmaßgeblichen Meinung nach, bräuchte es aber dafür ein Konzept für die systematische Ersetzung spezieller bibelkundlicher und theologischer Begriffe durch allgemein verstehbare Begriffe, damit die Lesefassung nicht doch den Verwendungszweck erleidet, von den 5% mit bibelkundlichem und theologischem Vorwissen belasteten Menschen gelesen zu werden anstatt von einigen der 95% anderen ohne diesen Balast.
Falls mein Beitrag so gar nicht nicht in die allgemeine Diskussion hineinpassen sollte, dann ignoriert ihn bitte einfach.
Gruß Norbert

Aaron, danke für dein Einwurf! Wie wir diese Begriffe verständlich machen, müssen wir uns noch überlegen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass wir für jeden nur Christen verständlichen Begriff eine adäquate Ersatzformulierung finden. Ich erwarte, dass wir den Text gegebenenfalls mit Fußnoten erklären müssen. Wegen der Zielsetzung der Lesefassung gehört diese Frage aber auf jeden Fall zu den Aspekten, die wir uns überlegen müssen. Für den Moment finde ich es angemessen, dass diese Frage anhand der Kriterien zwar im Prinzip beantwortet werden kann, aber wir keine verbindliche Regelung für alle Fälle haben. Die wird sich in der Praxis entwickeln.

@ Ben Wenn es so ist, wie du schreibst: Ich kann mir schwer vorstellen, dass wir für jeden nur Christen verständlichen Begriff eine adäquate Ersatzformulierung finden. müsste der Hauptzweck an diese Einschränkung angepasst werden, etwa so: Unsere Übersetzung soll die Anliegen der Bibeltexte wenigstens teilweise verstehbar machen für Menschen, die Interesse an biblischen Inhalten haben, aber über die Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen.
Diese  Vollzugslücke ließe sich nicht durch einen noch so anspruchsvoll formulierten Überbau kompensieren. Entscheidend ist doch nicht, wie gut wir einen Hauptzweck formulieren. Entscheidend ist, ob sich der Hauptzweck in der Übersetzung wiederfindet. Alles andere wäre nur Reklame. Das bedeutet: Wir müssen für jeden nur Christen verständlichen Begriff eine adäquate Ersatzformulierung finden oder den Hauptzweck an unsere bescheidenen Fähigkeiten anpassen.
Man würde nämlich sonst nicht theologisch belasteten Menschen einen Text zumuten, den sie teilweise verstehen dort, wo wir einen verstehbaren Begriff gefunden haben, der aber teilweise für sie wie chinesisch daherkommt, weil darin für sie völlig unverständliche Begriffe verwendet werden.
Denkbar wäre allerdings eine didaktische Vorgehensweise, wo zunächst ein theologischer Begriff allgemeinverständlich formuliert wird, um ihn dann vorsichtig durch den kirchlich gebräuchlichen Begriff zu ersetzen. Das ganze stattdessen in Fußnoten zu erklären, geht für Theologiestudenten aber ganz gewiss nicht für normal (also kirchenfern) gebildete Mensche;, abgesehen von der Frage, wie das dann vorgelesen klingen soll.
Ich will hier aber ganz gewiss keine Verwirrung stiften. Wenn ihr mit mittelmäßiger Umsetzun hoher Ziele zufrieden seid, will ich euch mit meinen Ansprüchen auf konsequenter Umsetzung selbst gesteckter Ziele nicht weiter stören.
Gruß Norbert

@Aaron: Das ist ja nur eine Schätzung. Wie realistisch die ist, weiß ich noch nicht, aber aus meiner Erfahrung gibt es Schwierigkeiten a) sowohl dabei, eine vernünftige Grenze zu ziehen (ist "Sünde" ein Begriff, den wir ersetzen müssen? "Sohn Gottes"? "Christus"? "Evangelium"?), als auch b) mit manchen Begriffen überhaupt - beispielsweise in Röm 3 ("Sühnemittel") oder Markus 13 "Greuel der Verwüstung", das sind noch ganz andere Kaliber, die man nicht ohne größere Freiheiten wird übertragen können.
Die Frage ist dann, wie man das Ziel der Übersetzung erfüllt. Unternimmt man den - vielleicht illusorischen - Versuch, die Übersetzung restlos aus sich selbst heraus verständlich zu machen? Ein anderer Weg wäre, dem Leser andere Informationskanäle zu bieten, die er nutzen kann, wenn er wirklich Bescheid wissen möchte. Ich habe neulich davon gelesen, dass manche Bibelübersetzer diese zweite Möglichkeit inzwischen empfehlen, weil sie leichter zu realisieren ist. Also: Anstatt "Sohn Gottes" ganz verständlich zu übersetzen, klärt man lieber mit Unterricht und Infomaterial darüber auf, was das bedeutet. 
Ich kann nicht für das Projekt sprechen und weiß auch gar nicht, ob wir nicht noch eine bessere Lösung finden werden. Aber wir arbeiten eh schon an dem Infomaterial (Studienfassung, Bibellexikon, seit neuestem Hintergrundinfos für Weiterübersetzer), da werden einige Fußnoten vielleicht auch keinen Schaden mehr anrichten. Klar ist natürlich, dass man immer einen Kompromiss finden muss zwischen dem Anliegen der Verständlichkeit und dem, nicht zu weit von der Argumentationsstruktur abzuweichen.
@Sebastian: Danke, sehr informativ! Das macht Sinn, wenn ich darüber nachdenke. Wenn das stimmt, dass das zwei verschiedene Ansätze sind, sehe ich das als ein Problem, was die Kontinuität mit den bisherigen Kriterien betrifft. Wobei das vermutlich schon darauf beschränkt ist, dass wir damals einfach nicht präzise genug formuliert haben. Ich glaube, um den gegenwärtigen Weg führt bei einem Gemeinschaftsprojekt kein Weg herum.
Ich finde "Inhalt" auch zu vage.

Wenn wir nicht für jeden nur Christen verständlichen Begriff eine adäquate Ersatzformulierung finden und damit teilweise für die Leser unverständliche Begriffe aus der Studienbibel in die Lesefassung transportueren, wäre es so, als würden wir in der Studienbibel nur solche griechischen Vokabeln ins Deutsche übersetzen, die leicht übersetzt werden können. Die schweren griechischen Worte würden wir aber in griechisch stehen lassen und sie gegebenenfalls in Fußnoten erklären.
Wenn wir wirklich die Lesefassung für die Zielgruppe nicht theologisch gebildete Menschen planen, dann müssen wir wissen, dass theologische Worte, die uns zwar normal erscheinen, ihnen "griechisch" vorkommen.
Gruß Norbert
P.S.: Es wäre ja auch eine Möglichkeit, als Zielgruppe Theologiestudenten und theologisch interessierte Laien zu definieren. Dann hätten wir die erwähnten Probleme nicht. Es wäre in diesem Zusammenhang mal interessant herauszufinden, wie viele nicht theologisch gebildete Menschen zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt die Offene Bibel wahrgenommen haben. Meiner unmaßgeblichen Wahrnehmung nach sind es zu 90% Theologiestudenten und zu 10% sonstige theologisch interessierte Laien wie zum Beispiel ich, die sich für dieses Projekt interessieren und später eventuell lesen bzw. benutzen.
 

@ Norbert: Ja, dass das teil der Kriterien wird, ist so gut wie sicher. Wenn du ein bisschen weiter hoch schaust, ist da ein Beitrag von Olaf mit einer Kriterienliste, die wohl fast genau so, wie sie da formuliert ist, veröffentlicht werden wird. Die Vermeidung von bibl. Spzialvokabular ist da auch irgendwo dabei.

@Ben: (Ich hab gerad n bisschen spirituellen Overload, darum hab ich doch mal wieder hier draufgeschaut :-) )
1. Ich glaube, da gibts nix zu vermitteln und alle scheinbaren Differenzen haben sich mow. daraus ergeben, dass ich Olaf mit „Inhalt” falsch verstanden habe. Deswegen auch: Lasst das nicht pausieren! Vielleicht gehts ja besser voran, wenn ich weg bin?
(Trotzdem, mal so in die Runde gefragt: Bin ich der einzige, der den Begriff „Inhalt” missverständlich finde? Wenn ja, dann passts, aber wenn nicht sollten wir vielleicht besser zu einer von Olafs Alternativformulierungen greifen, oder?)
2. nehm ich Olaf mal ein bisschen Arbeit ab: „Funktionales Übersetzen” ist ein bisschen missverständlich, weil es mit funktionaler Äquivalenz nicht direkt etwas zu tun hat. Funktionales Übersetzen ist ein anderer Begriff für „funktionale Ansätze”, und unter den Begriff fasst man die Übersetzungstheorien von a) Reiss/Vermeer, b) Mänttäri (wird er so geschrieben?) und c) Nord zusammen. Treffender wäre eigentlich ein Ausdruck wie „handlungstheoretische Ansätze” (manche benutzen daher auch den), denn gemein ist den 3 Theorien, dass sie Übersetzen als Handlung beschreiben - z.B., dass man sich für jeden Übersetzungsvorgang ein best. Ziel (z.B. i.S.v.: Übersetzungsprofil) setzen muss. Zur Verwirrung trägt auch noch bei, dass die funktionale Äquvalenz trotzdem ein Teil der Theorien (a) und (c) ist, dass im Titel der letzten sogar „funktional” vorkommt und dass sowohl (a) als auch (c) öfter nicht sehr sauber differenzieren zwischen „Funktion”, „Zweck”, „Ziel” u.s.w. (auch das ist ein häufigerer Kritikpunkt) - aber trotzdem, eigentlich sind das zwei Paar Stiefel.
a) ist die Skopostheorie - und wenn man der folgt, dann schaut das in etwa so aus wie das Vorgehen, das Olaf oben skizziert hat. Mit funktionaler Äquivalenz hat das ZUNÄCHST erst mal nichts zu tun.

(Reicht das, Ben? Mehr schaff ich aus dem Stand nicht, da bräucht ich Sekundärliteratur. Wenns nicht reicht, muss halt doch Olaf noch mal ran :-) )

Und jetzt tauch ich wieder ab :-)

@Olaf (vielleicht der lösende Post):

Ich glaube ja eigentlich, dass überhaupt kein Diskussionsbedarf mehr da ist, weil eigentlich sogar wir zwei uns in den entscheidenden Fragen einig sind. Aber ich hatte in den letzten Tagen viel Zeit und habe daher immer wieder unsere Posts gelesen, um herauszufinden, worin eigentlich jetzt unsere Uneinigkeit bestand. Ich glaube, ich habe es herausgefunden, daher würde ich gerne meine Vermutung hier posten. Wenn ich richtig liege, müssten wir wirklich nur über zwei Dinge kurz reden und dann könnten wir mit Schritt 3 beginnen: Der Bestimmung der Methoden.

Ich glaube folgendes: Es gab bei uns begriffliche Missverständnisse nicht bei einem (Inhalt), sondern bei zwei Begriffen (Inhalt & Funktion).

„Inhalt” ist erledigt. Trotzdem, zur Erklärung: Ich habe auf „Inhalt” so allergisch reagiert, weil der Begriff in der Linguistik vorbelastet ist: Ganz früher ging man in Sachen Sprache von einer Inhalt-Träger-vorstellung aus: Ein Text ist nur ein Medium, in das der „Inhalt” einer Botschaft „verpackt” ist, und wenn es erst gelungen ist, diesen Inhalt „auszupacken”, ist damit die Verpackung - nämlich der Text selbst - irrelevant geworden. Diese Vorstellung ist schon lange passé: Man weiß jetzt, dass der Text selbst eben nicht irrelevant für die Botschaft ist, sondern die Botschaft mitkonstituiert. Einfachstes Beispiel: Sarkastischer Tonfall. Wenn man davon absieht, hat man ganz evident auch die „Botschaft” missverstanden.
Du aber hast „Inhalt” gar nicht in diesem Sinne gemeint, sondern i.S.v. „Skopos des Ausgangstextes”: Du willst, dass die Lesefassung den Lesern verständlich macht, was der Ausgangstext den historischen Lesern sagen wollte.
Ich glaube, da ist sich jeder einig, dass die LF das natürlich will. Hier habe ich dich einfach missverstanden.

Das zweite begriffliche Missverständnis herrschte bei „Funktion”. Und auch das liegt aber nur daran - glaube ich - dass wir „Funktion” unterschiedlich verstehen. Ich verstehe das so: Funktion ist etwas anderes als „Ziel”. „Kommunikationsfunktion” ist eine STRUKTURELLE Eigenschaft eines Textes. Ein Mensch hat ein bestimmtes Kommunikationsziel. Also greift er zu einer bestimmten Textsorte, die ob ihrer Struktur dazu geeignet ist, dieses Kommunikationsziel zu kommunizieren, z.B. greift er zur Textsorte „Beleidigung”, wenn er das Kommunikationsziel „Beleidigen” hat, und er greift deshalb zu dieser Textsorte, weil sie eben die Textstruktur hat, die sich zum Beleidigen eignet. Die „Kommunikationsfunktion” ist die (strukturelle) „Dienlichkeit” eines Textes zur Kommunikation eines best. Kommunikationszieles.
Solche Textstukturen (Textsorten, Formulierungsgepflogenheiten...) unterscheiden sich aber von Sprache zu Sprache, und hier kommt der Begriff der „funktionalen Äquivalenz” ins Spiel. Wenn ich einen Text übersetze, darf ich nicht einfach die Textstruktur des Ausgangstextes übernehmen, sondern ich muss zum strukturellen Äquivalent - zum Textsortenäquivalent - der Zielsprache greifen. Eine typisch griechische Beleidigung z.B. darf ich nicht einfach Wort für Wort übersetzen, sondern ich muss sie in Form einer typisch deutschen Beleidigung übersetzen.
So jedenfalls wird „Kommunikationsziel” und „Kommunikationsfunktion” meist (oder zumindest oft) z.B. in der Textlinguistik verstanden und so versteht auch Nida seine „Wirkungstreue” und seine „funktionale Äquivalenz”. Ich nenne das jetzt mal „funktionale Äquivalenz I”.
Wenn du dagegen von „Funktion” sprichst, scheinst du nicht die Textstruktur, sondern das Kommunikationsziel des Textproduzenten zu meinen (s.o., s.a. „Funktionales Übersetzen”), und wenn du von „funktionale Äquivalenz” bzw. „Funktionskonstanz” sprichst, scheinst du damit zu meinen, dass bei Funktionskonstanz Ausganstext und Translat mit dem selben Kommunikationsziel geäußert würden - also z.B. dass eine biblische Beleidigung nicht mit dem Ziel übersetzt würde, um dem Leser diese Äußerung verständlich zu machen, sondern um ihn zu beleidigen. Ich nenne das jetzt mal „funktionale Äquivalenz II”. Ist das richtig, dass du das so verstehst? (Das wäre übrigens offenbar nicht mal falsch, weil „Funktionskonstanz” in der Skopostheorie anscheinend tatsächlich in diesem doppelten Sinn verwendet wird (ich habe im letzten Monat ziemlich viel Skopostheorie gelesen.))
Dann: Dass funktionale Äquivalenz II natürlich nicht unsere Intention ist, darüber ist sich hier wohl jeder einig. Aber zu Funktionale Äquivalenz I hätte ich jetzt eigentlich schon gesagt, dass das sogar eine notwendige Bedingung dafür ist, dem Leser das Kommunikationsziel des Autors des Ausgangstextes verständlich zu machen. Würdest du das anders sehen?

@Norbert: Danke für deinen Hinweis – das ist in der Tat sehr wichtig. In meinem Vorschlag für die neuen Kritierien versuche ich einen Mittelweg. Einerseits ist explizit die Suche nach besser verständlichen Alternativen zu Fachbegriffen als Kriterium genannt. Andererseits ist mir aber auch klar, dass das in manchen Fällen nur über Fußnoten funktionieren kann. (Beispielsweise spielt Paulus sprachlich mit den vielen verschiedenen Bedeutungen von „Fleisch / menschlicher Körper / sündige Existenz / Vergänglichkeit / …“, „Geist / Verstand / Haltung / …“ und „Gesetz / Prinzip / Weisung / …“.) Nun hast du recht, dass Fußnoten nicht für alle Menschen gleich gut funktionieren. In unserem Haupt-Verwendungszweck setzen wir deshalb „Allgemeinbildung“ und ein „Interesse an den biblischen Inhalten“ voraus. Du erwähnst als alternative Formulierung „theologisches Interesse“, was das Problem mit der Mehrdeutigkeit von „Inhalt“ nicht hat. Leider kann das Wort „theologisch“ aber auch missverstanden werden als eine hohe Verständnis-Hürde. Theologie ist ja schließlich eine Wissenschaft.
@Norbert, @Sebastian, @Ben: Was haltet ihr von der folgenden Umformulierung? „Unsere Übersetzung richtet sich an Menschen mit einem aktiven Interesse daran, die Anliegen der Bibeltexte zu verstehen. Eine normale Allgemeinbildung wird vorausgesetzt, aber darüber hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen.“
@Sebastian, @Ben: Das hat Sebastian sehr schön erklärt – danke! Ich hatte in den letzten Tagen regelmäßig gelesen, aber noch keine Zeit zum Schreiben gehabt. Und nun hat Sebastian fast genau das geschrieben, was ich auch geantwortet hätte. Wir haben also wirklich eine sehr weitgehende Übereinstimmung. Sehr weitgehend und nicht komplett, weil ich zu beiden Definitionen von „funktionaler Äquivalenz“ noch eine Einschränkung benennen möchte.
Die funktionalen Translationstheorien beruhen, wie Sebastian korrekt beschrieben hat, auf der Kommunikationsintention. Dieser Ansatz zwingt uns also, diese Intention zu ermitteln. Prinzipiell ist das gut, weil es die Basis unserer Übersetzung klärt. Gleichzeitig wollen wir aber natürlich nicht, dass die Anwendung dieses Ansatzes uns zu einer einseitigen Brille auf den Urtext zwingt. Wenn unsere Kriterien auf der Annahme einer eindeutigen Kommunikationsintention beruhen, dann laufen wir Gefahr, deutungsoffenen Texten künstlich eine eindeutige Intention zuschreiben. Ich habe daher an zwei Stellen ein Korrektiv in den Kriterien vorgesehen, was einem künstlichen Zu-Eindeutig-Machen entgegenwirkt.
Meine zweite Einschränkung betrifft das Anstreben von äquivalenten Formen. Ich halte das zwar in den meisten Fällen für sehr wichtig für die Verständlichkeit – aber nicht ungeprüft und ausnahmslos. Beispiel: Die Weisungen der Thora haben eine völlig andere Intention als moderne Strafgesetzbücher. Es wäre also zu prüfen, ob ein Übersetzen in moderne Gesetzes-Formen hier tatsächlich die Verständlichkeit erhöht, oder ob so ein notwendiger Hinweis auf den fremden kulturellen Kontext verloren geht. Sind die 10 Gebote wirklich besser verständlich, wenn man so formuliert: „ °Jahwe° ist Israels Gott, der dieses Volk aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt hat, und er erlässt das folgende Gesetz: §1 Es ist verboten, andere Götter zu verehren. Als andere Götter gelten Götzenbilder und zur Verehrung gefertige Bilder sowie Figuren von himmlischen oder irdischen Gegenständen oder Personen. Diese Liste nicht abschließend. Als Verehrung gilt es, sich aus religöser Motivation niederzuwerfen, …“ ?

Mit dieser Umformulierung wäre ich sehr glücklich.
Damit keine Missverständnisse aufkommen, @Ben: Ich finde das sehr gut, wie Olaf vorgegangen ist. Ich sehe davon auch die ursprünglichen Kriterien nicht gefährdet und ich habe jetzt zwar einiges an Kritik ggü der Skopostheorie gelesen, aber die betrifft i.d.R. (1) Terminologisches - und das kann uns egal sein und (2) den Textsonderfall „Literatur” und auch das kann uns egal sein.
@Olaf: (1) Ja, die Sinnigkeit des Korrektivs sehe ich.
(2) Schönes Beispiel :-) Nein, natürlich nicht. Aber wenn wir erst zu diesen Texten kommen, könnten wir ja z.B. darüber reden, ob es der Verständlichkeit förderlich ist, wenn man nicht übersetzt „Du sollst nicht töten”, sondern „Töten ist verboten” o.Ä.
Gut. Die zwei Dinge, bei denen ich dachte, dass wir darüber kurz noch reden müssen, waren (a) die Formulierung „Inhalt” - aber das hat Olaf ja jetzt gemacht - und (b) was wir jetzt mit f.Ä. I machen. Ich glaube, das meiste dürfte durch den Gattungspunkt und den Punkt „aktuelles, angenehm (vor-)lesbares Hochdeutsch” abgedeckt sein, und würde daher meinen, dass das bei den Kriterien so reicht und wir eben noch die Methoden so erarbeiten müssten, dass wir das dabei im Blick haben. Aber ihr - was meint ihr? Reicht das?
P.S. @ Olaf: Pfuh; bin ich froh, dass wir das klären konnten. Das hätte noch ein paar Monate so weiter gehen könne... :-)
 

@Olaf
Ist mir schon klar, dass die Offene Bibel ein Projekt ist, das zweigleisig fährt mit Studienfassung und Lesefassung. Das schränkt natürlich die Verwendungszwecke stark ein. Übrig blieben in vollem Umfang nur Studienzwecke, weil nur dort parallel Studienfassung, Lesefassung und Fußnoten beachtet werden können.. Man kann ja kaum im Gottesdienst oder beim Beten oder beim Vorlesen Fußnoten mit verwenden.
Ich persönlich strebe einen Lesefassungsext an, der aus sich selbst heraus für theologisch und bibelkundlich nicht vorbelastete Menschen verständlich ist. Das geht auch aus den knappen Kriterien der Verstehbibel unter 3. und 5 eindeutig hervor, die ich bei allen Übersetzungen mit veröffentliche.
3.so weit wie möglich verstehbare Begriffe
5.Übersetzung als verstehbare Erzählung
ohne Übertragung und erklärende Zusätze
Ich sehe durchaus die große Schwierigkeit ja geradezu Herausforderung, wirklich für alle den Theologen gebräuchlichen Fachbegriffe eine Entsprechung innerhalb unserer säkularisierten Kultur zu finden. Deshalb ist selbst in den Kriterien der Verstehbibel die Einschränkung verankert "so weit wie möglich verstehbare Begriffe". Nur suche ich dabei so weit wie möglich viel intensiver nach Entsprechungen im normal verwendeten Deutschen als das bei der Offenen Bibel die Regel ist, da ich mir laut 5. einen anderen Weg (Übertragung und erklärende Zusätze) bewusst zugebaut habe. Mitunter sitze ich mehrere Stunden an einem heutzutage nicht mehr aus sich heraus vermittelbaren biblischen Begriff, um eine Entsprechung im heutigen Hochdeutsch zu finden.
Deshalb ist meine Mitwirkungsmöglichkeit bei Offene Bibel naturgemäß eingeschränkt, was ich eine Zeit lang sehr bedauert habe. Inzwischen komme ich aber gut damit zurecht und arbeite zielstrebig anhand der für die Verstehbibel festgelegten Kriterien an Texten -und nicht an den Kriterien- genau wie auch ihr seit dem Markusprojekt wieder mit zunehmendem Tempo an Texten arbeitet, worüber ich mich freue und euch das Beste wünsche.
Gruß Norbert
Edit: Du schreibst:  "@Norbert, @Sebastian, @Ben: Was haltet ihr von der folgenden Umformulierung? „Unsere Übersetzung richtet sich an Menschen mit einem aktiven Interesse daran, die Anliegen der Bibeltexte zu verstehen. Eine normale Allgemeinbildung wird vorausgesetzt, aber darüber hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen."   Ist sehr gut formuliert. Allerdings hatte ich nie Probleme mit der Formulierung der Kriterien für die Lesefassung nur mit deren konsequenter Umsetzung.
Hier dazu ein Beispiel für die Vorgehensweise in der Verstehbibel, einen theologischen Begriff Dämonen erst einmal mit entsprechenden Begriffen zu benennen, um ihn dann quasi erklärt zum Schluss zu benutzen.
Kurzzitat aus dem Markusevangelium der Verstehbibel: "Plötzlich trat in ihrer Kirche ein Mann in Erscheinung. Der war besessen von einem unheiligen Gedanken. Er brüllte wild herum. Seine Sprüche waren dabei diese: Ha! Was willst du überhaupt bei uns, Jesus? Du bist doch aus Nazareth. Weshalb bist du gekommen? Willst du uns kaputt machen? Ich kenn dich nur zu gut. Du bist der Heilige von Gott! Jetzt fuhr Jesus ihm ins Wort: Lass die Sprüche! Mach dich weg von ihm.

Auf der Stelle bekam der Mann Schüttelkrämpfe. Der unheilige Gedanke schrie dabei lauthals. Dann verließ er den Mann. Tief erschüttert fragten sich alle untereinander: Was war das? Ist das die neue Art zu predigen? Der erteilt mit Vollmacht den unheiligen Gedanken Befehle. Und die gehorchen ihm. Das sprach sich sofort überall herum. Das ganze Gebiet von Galiläa erfuhr davon.

Sie aber hatten die Kirche schon wieder verlassen. Jakobus und Johannes kamen mit. Gemeinsam gingen sie mit Simon und Andreas zu deren Elternhaus. Die Schwiegermutter von Simon lag nämlich mit Fieber krank im Bett. Umgehend gab man ihm Bericht über ihren Zustand. Schon trat er auf sie zu. Er nahm sie bei der Hand und zog sie hoch. Das Fieber verschwand auf der Stelle. Sie konnte nun ihre Gäste sogar bewirten.

Inzwischen war es Abend geworden. Die Sonne war schon am untergehen. Und doch brachte man noch zu ihm alle Elenden und alle von unheiligen Gedanken Besessenen. Ja, die ganze Stadt versammelte sich vor der Haustür. Dort heilte er viele Kranke und Elende. Auch verscheuchte er jede Menge unheiliger Gedanken. Er ließ diese Dämonen aber nicht zu Wort kommen. Sie kannten ihn nämlich nur zu gut. Schließlich war er ja der Christus."
 

 

@Olaf, Sebastian: Super, dann können wir jetzt fortfahren.
@Norbert: Ich glaube, keiner von uns würde sich beschweren, wenn du (im Wiki, z.B. in deinem Namensraum oder so?) eine Liste mit Vorschlägen anlegst! Wenn du Stunden deiner Zeit investierst, stehen die Chancen doch gut, dass du einige Lösungen findest, die wir hier weiterverwenden können.
Deinen Beispieltext finde ich interessant, will hier aber nicht weiter kommentieren, weil es hier ja um die Lesefassung geht. Ich wünsche dir alles Gute mit deinem Projekt! 

Eine solche Liste hätte nur dann Sinn, wenn sich alle daran beteiligen, die nach Ersatzformulierungen für Außenstehende sowohl unverständliche als auch als zu kirchlich (Kirchensprech, Sprache Kanaans) und damit nicht zumutbare Termini technici suchen. Auch müsste für diesen Fall in den Kriterien darauf hingewiesen werden in der Weise etwa:
Damit Menschen, die aktives Interesse an Bibeltexten aber über eine normale Allgemeinbildung hinaus kein bibelkundliches oder theologisches Vorwissen haben, die Inhalte der Lesefassung verstehen können, benutzen wir so weit wie möglich verstehbare Ersatzformulierungen für sonst unverständliche theologische und bibelkundliche Fachbegriffe anhand der Liste (hier käme dann Name und Ort der Liste).
Im andern Fall würde ich hier leider wieder einmal Zeit und Kraft für den Papierkorb vergeuden. Ich bin ja nicht mehr ein junger Spund und muss daher die Kosten überschlagen, was ich zu leisten in der Lage bin. Wenn also jemand, der solche Ersatzformulierungen tatsächlich benutzen will, eine solche Liste anlegen will, würde ich mich daran beteiligen durch Vorschläge. In meinem Namensraum geht das nicht. Der ist belegt mit persönlichen Bemerkungen eines Mitglieds über mich.