Was mir die Offene Bibel bringt - als Bibelleser, Prediger, im Theologiestudium

Ja, was bringt mir die Offene Bibel eigentlich? Bislang haben wir auf der Startseite viel davon gesprochen, dass die Offene Bibel eine NEUE Übersetzung UNTER FREIER LIZENZ ist. Nur - die meisten Christen juckt das nicht in einer Zeit, wo eh jede moderne Übersetzung in kostenlosen Apps oder auf Webseiten ganz einfach gelesen werden kann. Höchstens Open-Source-Enthusiasten und Hobby-Übersetzer konnten wir so bisher ansprechen.
Dabei sollte die Offene Bibel eigentlich für jeden Bibelleser und -ausleger etwas zu bieten haben. Für Bibelleser als wertvolle Studienhilfe. Für Prediger und Hauskreisleiter, um tiefer in den Text einzutauchen. Für Theologiestudenten, die hier einen Grund bekommen, ihre Sprachkenntnisse auch mal praktisch anzuwenden, anstatt sie nach drei Semestern zu vergessen - und denen die Studienfassung im besten Fall als Sprungbrett für Predigten und Exegesen dienen kann. Und manchen Menschen, für die es bisher noch keine geeignete deutsche Bibel gab, werden wir hoffentlich irgendwann eine zuverlässige Bibel in leichter Sprache präsentieren können, die in ihr Herz spricht.
Den Text auf der Startseite haben wir zum Glück vor kurzem geändert. Es ist ja nicht so, dass es nicht mehr wichtig wäre, dass die Offene Bibel eine neue Übersetzung mit eigener Exegese unter freier Lizenz ist. Aber es ist doch weiterhin so, dass die Offene Bibel sich nach außenhin nicht gerade als spannender Leckerbissen für Bibelliebhaber präsentiert. Warum ist das so? Haben wir vielleicht Mühe, zu erklären, was an unseren Projekt so besonders ist? 
Für das Markusprojekt ist es mein Anliegen, unsere Außendarstellung einmal zu generalüberholen. Wenn wir im Rahmen des Projekts Menschen für die Mitarbeit begeistern wollen, dann gehen spröde Sprüche über freie Lizenzen nicht an (Sorry Leute! :-) ). Beispiel: Vor einigen Tagen habe ich meiner Großmutter erklärt, was ich hier mache. Das Stichwort freie Verwendung bedeutete ihr nicht viel. In ihrer Generation ist es normal, dass man eine einzige Übersetzung und über Jahre hinweg dasselbe gedruckte Buch benutzt - andere Übersetzungen sind dann höchstens zum Vergleich oder für Sammler interessant. Dass sie neu ist, handelte mir nur ein "Aber es gibt doch schon so viele?" ein. Ich habe dann erklärt, dass die Studienfassung so ähnlich wie eine Studienbibel bei der persönlichen Bibellese helfen kann. Das ging dann zwar als Argument in Ordnung, aber hat sie auch nicht persönlich angesprochen. Was also macht die Offene Bibel tief relevant, warum ist sie eine Revolution, was bietet sie mir hier und jetzt (oder höchstens in naher Zukunft) als spürbaren persönlichen Vorteil, den ich nirgendwo sonst bekomme? Nur mit der Antwort auf diese Frage wird es uns gelingen, weitere Mitübersetzer ins Boot zu holen. Ich gebe mal ein Beispiel.
Mir hilft die Offene Bibel zum Beispiel unheimlich bei der Predigtvorbereitung. Zugegeben, die Texte, über die ich predige, existieren momentan in aller Regel noch nicht. Schadet nicht, dann mache ich meine eigene Studienfassung! Ihr Format erlaubt mir die übersichtliche Anordnung meiner Ergebnisse. Olafs Kniffe in unserem Wiki erlauben es mir, den Textfluss meines Abschnitts gleichzeitig mit Übersetzungsalternativen und Parallelstellen anzuzeigen. Die Fußnoten, die ich für die Studienfassung kurz und verständlich formulieren muss, sind schon verfügbar, wenn ich mit der Maus an der entsprechenden Textstelle auf das Fußnotensymbol drücke - genau wo ich sie brauche. Und was ich in stundenlanger Kleinarbeit erarbeitet habe, bleibt mir auf unserem Server zur späteren Verwendung erhalten. Dass andere auch von meiner Arbeit profitieren können, kommt noch dazu. Das i-Tüpfelchen ist aber, dass sie meine Übersetzung durch ihr Feedback oder noch gründlichere Arbeit  verbessern oder um weitere Fassungen erweitern können. Das ist es, was es ganz konkret für mich bedeutet, dass Menschen hier zusammen die Bibel erforschen.
Und jetzt kommt ihr ins Spiel: Ich erwarte von jedem einzelnen Leser dieses Blogs (ja, Sie, und Du, und Du, und SIE) einen Kommentar über die Offene Bibel. Beantwortet in eurem Kommentar die Frage: Was ist toll an der Offenen Bibel? Was fasziniert euch daran? Wie hilft sie euch in der Praxis? Oder auch: Was hofft ihr, dass die Offene Bibel einmal leisten können wird? 
Muss nicht lang sein, nur überzeugen. Man muss auch kein Exeget, Prediger oder Bibelübersetzer sein, um eine gute Antwort zu geben. Schießt los! Und KEINE DRÜCKEBERGER! :-)

Kommentare

Ich liebe die Bibel. 
Lieben gelernt habe ich die Bibel über die Einheitsübersetzung. Als ich dann aber immer mehr merken musste, wie viele der Übersetzungsentscheidungen, die ich mit der Einheitsübersetzung lieben gelernt habe, problematisch sind, hat mich das ein wenig verunsichert. Und als ich mit diesem neu gewonnenen kritischen Blick auch noch realisieren musste, wie wenig kommunikativ meine Einheitsübersetzung ist, hat mich das traurig gemacht.
Die Bibel ist schwierig. Selbst - und vielleicht sogar: vor allem - als übersetzter Text. Das hat mich die Einheitsübersetzung gelehrt.
Ich glaube daher heute nicht mehr, dass man sagen kann, man habe ein Kapitel wirklich verstanden, wenn man sich den Text in der Originalsprache nicht selbst etwas genauer angesehen - und bestenfalls sogar selbst durchforscht und übersetzt - hat. Daher ist das Übersetzen bei Offene Bibel meine Weise, mir die Bibel von Neuem anzueignen. Und selbst dort, wo ich noch keine Gelegenheit hatte, mir das Kapitel genauer anzusehen, hilft mir die Studienfassung, den zugrundeliegenden Text besser einzuschätzen. Die Lesefassung dagegen gibt mir Gelegenheit, das, was ich verstanden habe, auch wirklich zu kommunizieren.
Die Offene Bibel hilft mir, die Bibel besser zu verstehen und sie hilft mir dabei, auch anderen Lesern zu diesem besseren Verstehen zu verhelfen. Daher ist die Offene Bibel heute meine Bibel.
Ich liebe die Offene Bibel.
 

  • Ich kann kein Hebräisch oder Griechisch und bin schon sehr oft an die "was steht denn da nun wirklich" Grenze gestoßen. Verschiedene Übersetzungen helfen da meiner Erfahrung nach oft nicht wirklich. Typisch im Hauskreis: Es sind 4 verschiedene Übersetzungen da und jede sagt's etwas anders. Am Ende bleibt's meistens bei Elberfelder vs Schlachter hängen. Ich will endlich ein Buch, das ich aufschlagen kann und ganz einfach genau gucken was man aus einem Vers rauslesen kann und eigentlich wichtiger, was man nicht rauslesen kann. Strongs Nummern haben ein kleines bisschen Abhilfe geschafft. Damit kann man alle Stellen raussuchen an denen das fragliche Wort im Urtext steht und dann schlussfolgern was wohl der Sinn des Wortes im Original ist. Aber mit der Studienfassung ist das weder in der Handhabung, noch in der Qualität vergleichbar.
  • Ich bin ein Fan von Wikipedia in Simple English. Leichte Sprache hat es mir angetan. Das könnte ein Informatikerspleen sein, alles so einfach wie möglich haben zu wollen. Selbst von dem bisschen, was wir jetzt schon in Leichter Sprache haben bin ich begeistert.  Wenn es die Bibel in Leichter Srache jetzt schon gäbe, würde ich meiner kleinen Schwester sofort eine kaufen. Und meinen Eltern. Und noch einer ganzen Reihe von Leuten von denen ich glaube, dass sie Lust hätten auf eine Bibel die man einfach verstehen kann. Bibel in Leichter Sprache ist wie Bibel für Faule. Lesen ohne Nachdenken. Einfach sofort verstehen. Besser geht's nicht.
  • Als letztes weil nicht so wichtig. Ich habe ein Smartphone ohne Internet. Ist etwas ausergewöhnlich, aber ist so. Da würde ich gerne eine deutsche Übersetzung die jünger als 30 Jahre ist drauf lesen können. Aktuell ist die beste Wahl ESV oder BBE (Leichte Sprache!) in Englisch.

Vor zweieinhalb Jahren auf dem Kirchentag in Dresden hatten wir zum ersten Mal einen eigenen Stand. Dort habe ich den Leuten erzählt, warum Studienfassung und Lesefassung so spannende Übersetzungen sind:
1. Die Studienfassung zeigt Aspekte des Urtextes, die sich nicht so einfach 1:1 abbilden lassen. Dazu verwenden wir Klammern und Fußnoten. Sie ermündigt die Leser·innen dazu, dass sie verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten etwas besser verstehen und einschätzen können. 
2. Die Lesefassung verwendet eine gute Schriftsprache, ohne dabei in theologisches Fachvokabular zu fallen. Sie will weder vereinfachend formulieren noch am traditionellen Wortgebrauch festhalten, sondern sie geht neue Wege in gehobener, aktueller Sprache.
Andere Übersetzungen gehen in der Regel Kompromisswege, weil sie mehrere sich eigentlich wiedersprechende Anliegen gleichzeitig versuchen ("immer sehr genau am Urtext, und immer gut verständlich"; "den Wortklang von Luther perfekt bewahren und gleichzeitig auf Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnisse"). Eine solche "Quadratur des Kreises" versuchen wir bewusst nicht, und das macht die einzelne Fassung besser.
Die Resonanz hierauf war fast immer großes interesse. Wenn ich dann noch erzählt habe, dass die Offene Bibel frei verfügbar ist, dann waren sie begeistert.
Der umgekehrte Weg (erst über die freie Lizenz reden) hat sehr schlecht funktioniert, denn dann war man sofort in einer Negativ-Auseinandersetzung über die Bibelverlage und kam dann gar nicht mehr zu den spannenden Inhalten.
Seither habe ich die Darstellung der Offenen Bibel schrittweise überarbeitet:

  • neuer Text auf der „Über Uns“-Seite (seit Mai 2011)

Was mir persönlich besonders wichtig ist, steht dort in den Abschnitten „Zugänglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse“, „Mehrere Fassungen“, „Bedeutungsvarianten“, „In ökumenischer Offenheit“ und „Ein gemeinsamer Weg“. 

  • neuer Text in den Werbeflyern
  • Einarbeitung der neuen Bibel in Leichter Sprache:

3. Die Bibel in Leichter Sprache spricht Menschen an, für die selbst kommunikative Übersetzungen zu kompliziert sind. Sie macht die Bibel damit wirklich jedem Menschen zugänglich.

  • neuer Text auf der Startseite

Es freut mich sehr, dass sich Ben diesem "Projekt" nun angeschlossen hat und bin gespannt, ob er die vielen von mir genanntne Punkte „komprimieren“ kann. (Der neue Text auf der Startseite ist ja schon ein Versuch.) 

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die o.g. neue Ausrichtung für einen Schritt in die falsche Richtung halte, und zwar aus folgendem Grund: es gibt gegenwärtig keine einzige frei lizenzierte moderne Bibelübersetzung in deutscher Sprache, was das Alleinstellungsmerkmal und der eigentliche Grund für die Existenz des "Offene Bibel"-Projekts ist. Wenn es nur darum ginge, exegetische Hilfestellungen zu bieten oder sprachlich andere Formulierungen zu finden, dann böte das Projekt, wenn es restriktiv lizenziert wäre, kaum einen durchschlagenden Mehrwert im großen Angebot der modernen Übersetzungen. Es mag zwar sein, dass sich diese besondere und herausragende Eigenschaft dem normalen desinteressierten Nutzer schlecht vermitteln lässt, ganz wie der normale Nutzer von Software oder von digitalen Medien sich nicht um die Rechtesituation groß schert oder ein Autofahrer nicht unbedingt etwas von der Funktionsweise eines Motors wissen will oder uns arg interessiert, woher eigentlich unsere billige Kleidung und die ganze Consumer-Elektronik kommt. Nichtsdestotrotz sollte es ein elementarer Bestandteil des Projekts sein, auf die gegenwärtigen Missstände hinzuweisen und beim Nutzer ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Selbst wenn dieser pädagogische Auftrag ohne Effekt bleiben sollte, so ist es doch in erster Linie die freie Lizenzierung, welche die vielfältige Nutzung des Bibeltextes ermöglicht und ihn daher für viele weitere Projekte interessant macht, zunächst auch erstmal unabhängig von seiner Qualität. Sofern nämlich dann eine weitere Verbreitung und vielfältige Nutzung stattfinden würde, bietet das eine großartige Möglichkeit, den Lesern auch gleich mitzuteilen, was die Intention hinter dem Projekt war/ist und dass die allgemeine Öffentlichkeit unveräußerliche digitale Rechte und Freiheiten verdient, welche mit großem Schaden für die Gesellschaft aus nichtigen und ethisch fragwürdigen Gründen von selbiger ferngehalten werden - und das erst recht, wenn es um den Bibeltext geht, dessen ganzer Sinn primär darin besteht, gelesen und verbreitet zu werden.
Womöglich mag dieser Auftrag gegenwärtig für das Projekt "Offene Bibel" unmöglich oder unattraktiv erscheinen, womöglich fehlt es auch an einer konkreten Vorstellung, wie man dieses Ziel erreichen könnte. Ich allerdings schreibe diesen Kommentar hier aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich aus der des Nutzers und Verwerters. Unser Projekt "Freie Bibel" arbeitet nämlich mit sämtlichen frei lizenzierten und gemeinfreien deutschen Bibeltexten, worunter insbesondere auch deren (Re)produktion fällt. Für uns ist die Offene Bibel allein deshalb relevant, weil wir sie mit unserer Software verarbeiten und die Ergebnisse für uns und jedermann frei verwenden können. Die Aufbereitung der Offenen Bibel für den Druck, die Bereitstellung und Verbreitung von gedruckten Exemplaren, der automatisierte Vergleich mit anderen Bibelübersetzungen, die automatische Erzeugung von vollständigen Wortkonkordanzen, die Nutzung in Bibelsoftware und kollaborativer Bibelstudien-Software, die Nutzung auf Webseiten, die automatische Erzeugung von Parallelbibeln mit anderen deutschen oder fremdsprachigen Übersetzungen, die Bereitstellung in Form von E-Books für Mobilgeräte, die Ermöglichung von Studienbibel-Fassungen usw. usf. sind Themen, die dabei in Frage kommen. Ein Teil davon wäre bereits heute möglich, ein anderer Teil wäre noch je nach Bedarf zukünftig zu realisieren, jedoch wird hoffentlich wenigstens ungefähr klar, was mit einem frei lizenzierten Bibeltext jedermann möglich ist, was bei restriktiv lizenzierten neuen Übersetzungen freilich grundsätzlich verwehrt bleibt. Von daher kann es sein, dass sich bisher eben noch nicht die Vorteile einer frei lizenzierten Übersetzung für den gewöhnlichen Leser erschlossen haben, spätestens wenn er aber auf ein reichhaltiges Angebot an Verwertungen desselben Textes stößt, dürfte er erkennen können, was bisher durch die miserable rechtliche Situation und künstliche technische Beschränkung zum Zwecke von Protektionismus an vieler guter Arbeit erfolgreich verhindert worden ist. Daher hoffe ich, dass die "Offene Bibel" durchaus auch eine "Freie Bibel" ist, um mal die Analogie zwischen "Open Source" und "Freier Software" zu bemühen. Anderenfalls könnte sich die geleistete Arbeit letztendlich als eine unnötig verschenkte Chance herausstellen, wenn die Offene Bibel als eine neue moderne Übersetzung neben den vielen anderen neuen modernen Übersetzungen aufgefasst wird und gar keine Diskussion angestoßen wird über die dringenden Erfordernisse auf dem Gebiet der digitalen Bibeltexte und -software.
Zuletzt möchte ich noch ein Buch empfehlen, welches sich mit freier Lizenzierung christlicher Medienwerke beschäftigt: http://distantshoresmedia.org/thechristiancommons - "The Christian Commons" von Tim Jore. Das Hauptaugenmerk liegt zwar eher auf christlichen Studienhilfen für die dritte Welt, jedoch stehen wir in der westlichen Welt vor denselben Problemen, die sich nur nicht so deutlich zeigen, weil wir von einem Überangebot über die tatsächlichen Zustände hinweggetäuscht werden. Sofern es mir zeitlich erlaubt sein wird, würde ich davon eine Übersetzung ins Deutsche beginnen, die natürlich ebenfalls wie ein "Freie Software"-Projekt organisiert sein wird. Außerdem könnte noch diese Blog-Artikelserie von Interesse sein: http://thelibrarybasement.com/2011/06/15/christianity-and-copyright/ - da geht es tendenziell mehr um die Urheberrechtsproblematik im Kontext der christlichen Wissenschaft.

Du hast mit der Betonung des Open-Source-Gedankens völlig recht. Fraglos ist die freie Verfügbarkeit einer der größten Trümpfe dieser Übersetzung und der mit ihr verbundenen Materialien. Es ging mir auch ausdrücklich nicht darum, die Beschaffenheit der Offenen Bibel zu ändern - die Offenheit der Lizenz ist schon im Namen verankert.
Es ist doch so, dass ein gutes Produkt gar nicht zu viele Stärken, Alleinstellungsmerkmale oder Vorteile haben kann. Eine freie Lizenz allein nützt nichts, wenn das entsprechende Produkt langweilig, kompliziert oder einfach ein bisschen schlechter ist als das kommerzielle oder unfreie. Als Open-Source-Fan wirst du mehr Beispiele kennen als ich: Jabber, Diaspora, freie Bibelsoftware, ein Stück weit auch Linux. Als Bibelübersetzungsprojekt haben wir einen besonders harten Konkurrenzkampf zu führen: Denn Konkurrenzprodukte sind a) professionell erstellt, längst vollendet sowie weitaus bekannter als wir, b) in den meisten Fällen kostenlos verfügbar und c) im Überangebot vorhanden.
Wie schwer sich da eine unabhängige neue Übersetzung tut, für die es scheinbar keinen Bedarf mehr gibt, merken wir an dem bisher generell eher mäßigen Interesse der Zielgruppe. Auch wenn einige andere Aspekte für viele verlockend klingen werden, sind sie Zukunftsmusik. Genau wie der größte Teil der Übersetzung. Wir müssen also gerade die Faszination einfangen, die die Leute mit der Offenen Bibel erleben, die schon aktiv mitarbeiten und das Material vielleicht schon nutzen. Und wir müssen vermitteln, was der praktische, greifbare Vorteil der Übersetzung sein wird (und vielleicht jetzt schon ist), den andere nicht bieten. Da können wir nicht bei Open Source anfangen und stehen bleiben.

Nein, genau dieser Punkt ist das Problem. Jabber, Diaspora, freie Bibelsoftware, ein Stück weit auch Linux sind exakt deshalb zu einem Schattendasein verdammt, weil vor einiger Zeit manche Leute angefangen haben, das ganze unter dem Begriff "Open Source" in der Öffentlichkeit zu bewerben, dabei das Hauptaugenmerk auf technische Vorteile und einen besseren Entwickungsprozess gelegt haben und von der zentralen, maßgeblichen Eigenschaft der Freiheit plötzlich keine Rede mehr war. Der Grund für ein solches Vorgehen war ziemlich identisch zu deiner Argumentation - man wollte den Firmen entgegenkommen und meinte, den Verbreitungsgrad höher achten zu müssen als die ethische Problematik bei unfreier Software, und nicht nur jene Firmen tragen jetzt zu einer falschen, schädlichen Pseudo-Freiheit frei, sondern auch die allgemeine Öffentlichkeit nimmt "Open Source"-Software unter rein technischen Gesichtspunkten wahr, das ursprüngliche Anliegen und der erhoffte Umdenk-Prozess hinsichtlich digitaler Grundrechte ist dabei beinahe gänzlich auf der Strecke geblieben.
Dieses Thema betrifft in gleicher Weise auch die Offene Bibel, denn bei " wir müssen vermitteln, was der praktische, greifbare Vorteil der Übersetzung sein wird (und vielleicht jetzt schon ist), den andere nicht bieten" könnte jederzeit ein Verlag unter restriktiver Lizenzierung ebenfalls Exegese, gemeinschaftliche Übersetzungsarbeit etc. bieten und die Offene Bibel würde damit obsolet werden. Dem Nutzer würde sich nicht erschließen, weshalb er denn die Offene Bibel benutzen sollte, wenn die proprietäre Alternative des Verlags irgendwie besser erscheint, sei es hinsichtlich der Übersetzungsqualität, der Ausstattung, der Verbreitung oder der Werbemaßnahmen dafür. Der Konkurrenzkampf entfällt aber gänzlich, wenn sich die Offene Bibel in der Wahrnehmung der Leute als eine Initiative für eine freie Bibelübersetzung etabliert, da freie Materialien nicht untereinander konkurrieren, sondern kooperieren, während die restriktiv lizenzierten Alternativen dagegen sich stets im Nachteil befinden, weil ihre Nutzbarkeit grundsätzlich auf die eine oder andere Weise eingeschränkt ist. Der Blick sollte nicht so sehr auf den jeweils gegenwärtigen Umfang an Features gelegt werden, sondern auf das mögliche zukünftige Potential, welches im proprietären Bereich von vornherein nicht gegeben ist, sodass sich letzteres zum Nachteil für den Nutzer entwickelt, wenn er sich an das proprietäre Angebot bindet, davon abhängig macht und sich dementsprechend des Potentials beraubt. In einer idealen Software-Welt wäre frei lizenzierte Software die Regel und nicht die Ausnahme, Nutzer wären ihrer Freiheit bewusst und würden sie auch einfordern, und zweifellos würde dann die technische Entwicklung noch auf ganz andere Art den proprietären Sektor überholen, wenn dort dann der Hauptanteil der Entwicklerkapazitäten einfließen würde.

Bitte nicht verärgern lassen von folgendem Kommentar. Ist zu später Stunde geschrieben worden und ist warscheinlich etwas ungefiltert aus meinem Kopf hier rein gekommen.
Ich bin lange Zeit auch dem Gedanken angehangen, dass freie Software pauschal die bessere Software ist. Inzwischen sehe ich das nicht mehr so pauschal.
Aus der Sicht der Software: Wenn Software eine Persönlichkeit hätte würde sie gerne freie Software sein, weil die das größt mögliche Potential der Nutzung bietet. Die größtmögliche Anzahl an Menschen kann die Software nutzen, weil kostenlos und (je nach Lizenz) nicht von Nutzungsbedingungen eingeschränkt. Auch kann die Software von jedem der will für die eigenen Zwecke angepasst werden. Letzteres ist bei Software nur sehr selten eine tragbare Alternative. Wenn einem was in KDE nicht gefällt zu sagen: "kein Problem, kannst du ja selbst einprogrammieren", in der Praxis unmöglich.
Aus der Sicht des Herstellers: Dem Hersteller ist es isoliert betrachtet erst mal egal, ob Software nun Open Source ist oder nicht. Wichtig ist, dass man damit genug Geld verdienen kann um die Entwicklung damit bezahlen zu können. Das finde ich soweit auch richtig und gut. Problem dabei: Es gibt keinen faktischen Zusammenhang zwischen Entwicklerleistung und dem Produkt was der Kunde am Ende hat. Software ist kopierbar. Und: Softwareentwicklung ist teuer. Geschätzte Entwicklungskosten für Google Chrome: $ 113,112,174. Jeden der eine Software nutzt also bezahlen zu lassen und das auf die riesigen Entwicklungskosten umzulegen liegt also nahe. Auch wenn ein direkter Leistungszusammenhang zwischen der Kopie und dem Preis nicht besteht. Die Kopie selbst kostet in Internetzeiten (Umlagen für Rechenzentrumsbetrieb mal beiseite gelassen) nichts mehr. Dieser Zusammenhang existiert nicht nur bei Software. Elektronikgeräte, Saatgut, Kleider, Musik, ... Es gibt Alternativen:
-Werbefinanzierung (z.B. Google (und alle Googleprodukte wie Chrome) oder Facebook). Dabei werden die Kosten implizit auf den Kunden umgelegt, das halte ich nicht für eine gute Variante, alle werden genervt und jeder der Kauft (also "Opfer" der Werbung wurde) bezahlt für alle anderen.
-Software ist frei, aber der Support nicht. Oftmals propagiertes Paradigma. Manchmal hat dieser Ansatz geklappt (z.B. RedHat, SuSE), oft aber auch nicht.
-"Frei für nicht kommerzielle Nutzung." (z.B. TeamViewer, Avira AntiVir). Finde ich an sich keine so dumme Idee. Wenn auch nicht mehr so richtig frei.
Aus der Sicht des Kunden: Den Kunden interessiert einzig und allein die Leistung. Leistung hängt von Kundenwünschen ab. Leistung kann sein:
-Geringer Preis
-Funktionalität
-Flexibilität (z.B. Lieder sowohl im Auto, auf dem Smartphone als auch auf dem Computer hören Oder mein Programm sowohl unter Windows als auch Linux einsetzen können. Oder meine Nikon Kameraobjektive nicht mit Canon Kameras benutzen können. Oder Einen Liedtext in der Gemeinde projezieren zu dürfen (private Nutzung vs Vorführung). Oder einen Bibeltext auf dem Smartphone haben zu können.)
-Vertrauen (z.B. Kann ich glauben, dass mich eine Software nicht abhört, wenn mir das der Hersteller verspricht? Kann ich der Software mehr vertrauen, wenn der Quellcode offen ist? Kann ich der Software weniger vertrauen wenn die Server die den Quellcode halten offen im Internet stehen? Kann ich der Software weniger vertrauen, wenn sie von vielen manchmal anonymen Entwicklern und Firmen produziert wird?)
Unter dieser Betrachtung spricht sehr oft garnichts gegen die Nutzung von proprietärer und/oder kommerzieller Software. z.B. Windows (Preis irrelevant, weil Windows muss man normalerweise so wie so bezahlen wenn man einen Computer kauft, Funktionalität eher > Linux, Flexibilität aktuell > Linux weil mehr Support von Drittanbietern, Vertrauen < Linux (auch wenn "Die NSA kann ja so wie so überall reinschauen.")). Oder Photoshop (Preis > Gimp, Features > Gimp, Flexibilität = Gimp, Vertrauen unerheblich).
 
Diese Überlegungen kann man größten Teils auch auf nicht Software Produkte übertragen.
Bei der Hoffnung für alle sieht das aus Kundensicht (Durchschnittskunde, der die Bibel primär zum Lesen haben will und auch im Gottesdienst am Beamer eine gescheite Übersetzung haben will) für mich so aus:
-Geringer Preis (15 Euro für das Buch (normaler Preis für ein Buch), Smartphone + Internet kostenlos)
-Funktionalität geht so (ich bin kein Fan der Hoffnung für alle).
-Flexibilität ganz ok (Powerpoint in der Gemeinde mit Hoffnung für alle Texten sind erlaubt. Auf meinem Smartphone haben geht, wenn ich Internet habe via biblesrever.com oder youversion. Wenn die Übersetzung mal alt wird und ich mich nicht schon dran gewöhnt habe gibt's entweder eine Neuauflage oder ich wechsel zu einer anderen Übersetzung.)
-Vertrauen (Bei Bibel nicht anwendbar)
Es gibt nicht viele Dinge die mich persönlich (also mich als Kunden) ganz praktisch tangieren an einer proprietären Bibel. Eines der Dinge die mich tatsächlich tangieren ist, dass ich immer wieder ein schlechtes Gefühl habe, wenn ich denke, dass es doch nicht sein kann, dass Gottes Wort nicht wirklich frei ist und ich finde, dass in einer guten Welt doch Gottes Wort wirklich frei sein sollte. (Für das Verhältnis: Der Gedanke, dass das T-Shirt was ich gerade an habe 20 Euro gekostet hat, aber der Mensch der es hergestellt hat unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten muss und Wort wörtlich einen Hungerlohn dafür bekommt, macht mir ein schlechteres Gefühl.)
Die Bibel aus der Sicht der Bibel ist denke ich analog zu "Aus der Sicht der Software" oben.
 

Patrick hat viele gute Argumente gemacht. Ich will noch ein paar Ergänzungen machen. Ich bin auch ziemlich müde, aber fühle mich geistig gerade ziemlich klar. Trotzdem, es kann sein, dass am Ende nur Stuss bei rauskommt. ;-)
Ich sehe weder eine grundsätzliche ethische Problematik im Konzept proprietärer Software noch in proprietär erstellten Texten im Allgemeinen oder Bibelübersetzungen im Besonderen. Eine so grundsätzliche ethische Problematik, wie du sie offenbar vermutest, käme der ethischen Verdammung der Marktwirtschaft gleich. Ich möchte die Diskussion jetzt nicht in diese Dimension hinein ausweiten; ich will nur sagen, dass es aus der Sicht christlicher Ethik keine grundsätzlichen Einwände dagegen gibt, in einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft zu leben oder zu partizipieren.
Wir können also nicht grundsätzlich ethisch argumentieren, dass ein freies Produkt besser ist als unfreies, weil das unfreie per se verwerflich wäre. Beim Vergleich von freien und unfreien Produkten komme ich zu dem folgenden Schluss: Das freie Produkt hat sicherlich größeres theoretisches Potenzial und kommt einigen Idealen näher als das unfreie, aber das unfreie Produkt erfüllt dieses Potenzial in der Praxis häufig besser, einfach dadurch, dass es planvoll finanziert und produziert wurde, während das freie Produkt nur selten die richtige Dynamik entwickelt, um sein theoretisches Potenzial zu entfalten. Es muss viel passieren (etwa wie die unglaubliche Verbreitung von Linux als Unterbau aller möglicher Computersysteme), bis das theoretische Potenzial freier Produkte sich so weit entfaltet, dass es das große reale Potenzial der unfreien, marktwirtschaftlich hergestellten Produkte angreift.
Texte sind nicht Software. Texte liest man. Vielleicht einmal, vielleicht mehrmals -oder vielleicht mag man einfach nur das Gefühl, sie lesen zu können, wenn man nur möchte, ohne sie jemals tatsächlich zu lesen. Andere Bibelübersetzungen gibt es zu erschwinglichen Preisen, und beinahe alle kann man auch relativ einfach kostenlos lesen. Und dieser Kostenaspekt wäre schon das, was die meisten Leser überhaupt bemerken werden. Die wenigsten Leser werden von der Möglichkeit Gebrauch machen, den Text zu verändern oder in anderer Form zu speichern oder zu verteilen. Und dann werden sie in den meisten Fällen dazu auch noch einen "proprietären" Bibeltext vorziehen, den sie kennen und mit dem sie privat all diese Dinge tun dürfen. Der durchschnittliche Leser macht keinen unmittelbaren Gebrauch von der Freiheit der Offenen Bibel, sondern er zieht seinen Nutzen daraus, was andere aus dieser Freiheit gemacht haben.
Das ist doch das grundsätzliche Problem der freien Kultur, und daher ist der ideologische Wert freier Inhalte den meisten Konsumenten nicht vermittelbar und sie werden sich auch nicht darum kümmern, weil sie mit dem auf marktwirtschaftlicher Grundlage bereitgestellten Angebot ebenso gut zurechtkommen wie mit dem frei und kollaborativ zustande gekommenen. Es zählt nur, wie sie unmittelbar von dem Produkt profitieren. Sie partizipieren nicht, sie konsumieren nur. Wenn dazu die Freiheit gehört, umso besser. Im Fall von Texten, wo es i.d.R. sehr wenige Produzenten und viel mehr Konsumenten und dazwischen fast keine Partizipationsmöglichkeit gibt, geht es noch drastischer in erster Linie um den Konsum.
Was ich sagen will: Ich sehe eben nicht, wie der durchschnittliche Leser auf eine Art unmittelbar von der Freiheit der Offenen Bibel profitieren wird, die nicht auch von anderen in ähnlicher Weise ermöglicht wird. Besonders da all das nichts zählen wird, wenn nicht auch die Qualität stimmt. Oder in anderen Worten: Die freie Lizenz gibt uns in diesem Fall kaum mehr Potenzial, als eine marktwirtschaftlich erstellte und vermarktete Bibelübersetzung hätte. Bisher steht noch der Beweis aus, dass sie überhaupt ausreicht, um an das proprietäre Produkt heranzureichen! Denn es ist nicht absehbar, ob die Dynamik überhaupt ausreichen wird, um die Übersetzung jemals fertigzustellen. Nur sehr viel Dynamik würde uns noch darüber hinausbringen. Die Dynamik, die dieses Projekt trägt, ist zwar unbedingt auf die freie Lizenzierung und die so ermöglichte Zusammenarbeit angewiesen. Sie wird sich aber nicht entfalten, wenn wir auf die Vorteile einer freien Lizenz hinweisen, sondern nur, wenn wir die Konsumenten ansprechen und diese Vorteile als einen Teil dessen präsentieren können, was die Offene Bibel für den Bibelleser hier und jetzt, persönlich und am besten emotional zu einem lohnenswerten Produkt macht, das die Konkurrenz aussticht. Der Leser schaut dabei eben nur auf das, was er selbst mit der Übersetzung tun wird, und für die meisten bedeutet das in erster Linie: Konsumieren - Lesen, und erst in zweiter Linie: davon profitieren, was andere aus der freien Lizenz gemacht haben. Was wir schaffen müssen, ist Konsumenten zu gewinnen, die so von den Vorteilen des konsumierten Produkts überzeugt werden, dass sie zu partizipieren beginnen. Einer dieser Vorteile ist die freie Lizenz, aber der alleine wird uns weder Konsumenten gewinnen und sie noch viel weniger zu Mitarbeitenden werden lassen. Also lasst uns die anderen Vorteile definieren.

@patrick:

Das Argument mit dem Beispiel KDE, dass man sich, wenn einem etwas nicht gefalle, man es selbst einprogrammieren könne, spielt in der Praxis keine große Rolle, denn neben der möglicherweise wenig tragbaren Option, Programmieren zu lernen, hat man immer noch die Möglichkeit, sich jemanden zu suchen (bezahlt oder unbezahlt), der das für einen übernimmt. Wenn der Bedarf groß genug ist, wird vielleicht auch jemand aus der Entwickler-Community die Anfrage bearbeiten.

Bei der Finanzierung hast du Recht, zwischen der Erzeugung einer Kopie und der Entwicklung der Software besteht kein Zusammenhang. Restriktiv lizenzierte Software neigt dazu, die Verfügbarkeit rechtlich oder technisch künstlich zu verknappen, um daraus dann die Einnahmen zu generieren - wie gesagt ganz entkoppelt von dem eigentlich geleisteten Aufwand, was kontraproduktiv ist, weil dadurch weniger Kopien verfügbar sind von Arbeit, die bereits geleistet wurde, während gleichzeitig der Entwickler nicht direkt für seine Arbeit bezahlt wird. Bei Freier Software ist ein übliches Modell, pauschal eine Summe für die Entwicklung der Software zu verlangen (womit dann der Entwickler direkt für seine Arbeit bezahlt wird) und erst nach Fertigstellung die Software unter freier Lizenz zu veröffentlichen (siehe z.B. Markusprojekt der Offenen Bibel). Dass das Bezahlen für Support als Modell nicht aufginge, kann ich mir nicht vorstellen - vielleicht im privaten Bereich, im geschäftlichen jedoch sind Wartungsverträge gang und gäbe.

Bei Freeware stellt sich die Frage, ob das wirklich der einzigste Unterschied zu Freier Software wäre, denn oftmals ist auch technischerseits der Quelltext nicht veröffentlicht. Dessen aber ungeachtet ist die Möglichkeit der kommerziellen Verwertung ein wichtiger Aspekt für die Weiterentwicklung der Software und ebenso für die Verbreitung (indem monetäre Anreize geschaffen werden). Hinzu kommt, dass gar nicht so einfach festzustellen ist, was noch unter kommerzielle Nutzung fällt und was nicht (Einsatz in Firmen wäre somit schonmal komplett ausgeschlossen - eine unnötige Diskriminierung. Wenn es bei dualem Lizenzierungsmodell dann eine Alternative für Unternehmen gibt, kommen diese aber wiederum meistens nicht in den Genuss der übrigen Freiheiten, die ein Privatmensch genießt).
Was das Vertrauen und die Sicherheit von Software angeht, ist die einzigste Option überhaupt nur Freie Software. Der Quellcode muss unbedingt offengelegt sein, damit geprüft werden kann, ob er sicher ist oder nicht. Wenn der Quelltext offenliegt und trotzdem keine Angriffsmöglichkeiten auf denselben gefunden werden können, nur dann kann er als sicher gelten. Wenn Angriffsmöglichkeiten oder Spionagevorrichtungen gefunden werden, ist jedermann in die Lage versetzt, diese auszubauen, und in der Praxis wird das dann auch jemand machen und seine Korrektur der Community zur Verfügung stellen, sodass alle von dem Problem befreit werden. Wenn die Sicherheit nur auf der Geheimhaltung des Quellcodes beruht, ist grundsätzlich überhaupt keine Sicherheit vorhanden, weil niemand wirklich sagen kann, ob der Code denn nun sicher ist oder nicht. Das betrifft nicht nur absichtlich eingebaute Spionagevorrichtungen und Sicherheitslücken, sondern auch sämtliche versehentliche Programmierfehler, die bei Geheimhaltung des Quelltextes weder identifiziert noch korrigiert werden können. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass ein Angreifer bei jeder beliebigen Software mit geheimem Quellcode von substantiellem Umfang genügend Sicherheitslücken finden wird, die vor ihm noch nie jemand anders gefunden hat, und diese als Zero-Day-Exploit ausnutzen kann, dem jeder Kunde schutzlos ausgeliefert ist, weil er auf einen Patch des Herstellers warten muss.

Zwar mag der gewöhnliche Leser einer restriktiv lizenzierten Bibelübersetzung ignorant sein über die Beschränkungen, die er sich stillschweigend einhandelt, weil sie für ihn kaum relevant sind, unsereins aber doch sicher nicht, oder? Gerade deswegen sollte man stets auf die Auswirkungen seiner Wahl hinweisen und welche Schwierigkeiten selbige uns bereitet, dass ihr viele Stunden in eine freie Alternative investieren müsst, weil man die Hoffnung für Alle einfach nicht anpassen darf oder mit Studienhinweisen versehen darf oder auf seiner Webseite veröffentlichen darf oder selbst drucken darf etc. Letztendlich kommen alle diese Aktivitäten ja dem Leser zugute, und umgekehrt kommen mehr Leser dem Projekt zugute. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Leser verstehen, worin der eigentliche Vorzug der Offenen Bibel besteht und wieso derartige Anstrenungen unterstützenswert sind, weil er sonst jederzeit wieder zu einer restriktiv lizenzierten Bibelübersetzung zurückkehren könnte, sobald die ihm ein von der Ausstattung her ähnliches Angebot macht.

@Ben:

Das ethische Problem besteht darin, dass Abhängigkeiten aufgebaut und Zwänge ausgeübt werden. Der Hersteller von Software oder Medien bekommt eine ungerechtfertigte Entscheidungsgewalt über das Geschick des Nutzers, was aus der Missachtung von unveräußerlichen digitalen Grundrechten resultiert. Die konkrete Problematik äußert sich darin, dass es gegenwärtig nicht eine einzige moderne deutsche Bibelübersetzung gibt, die jedermann frei nachdrucken und an die Leute verteilen darf oder öffentlich lesen dürfte. Wenn man bedenkt, dass der Text der Bibel selbst derartige Nutzungen ausdrücklich wünscht, wenn nicht gar fordert, kann man sich schon einmal fragen, inwiefern hier eine spezifisch christliche Auffassung zugrundegelegt wurde. Auch Freie Software bewegt sich innerhalb der Marktwirtschaft, worin proprietäre Angebote allerdings ein unethisches Geschäftsmodell zugrundelegen.

Dass der Leser in erster Linie Konsument ist, ist zwar zunächst richtig, aber das sollte nicht so bleiben in der Beziehung, dass er unterrichtet werden muss über den Umstand, dass er jederzeit Opfer des Bibeltext-Anbieters werden kann. Firmen gehen insolvent, Übersetzungsprojekte werden eingestellt, der Druck lohnt sich nicht mehr, aus politischen Gründen ist die Bereitstellung von Bibeltexten für Unternehmen nicht mehr tragbar, ein Anbieter räumt einer Person oder einer Gruppe von Personen kein Nutzungsrecht ein oder es werden nützliche Ergänzungen und Überarbeitungen verhindert. Mit einem proprietären Text, der schonmal initial nicht digital vorliegt und dann auch noch an allerlei rechtliche Einschränkungen gebunden ist, wird es ziemlich schwierig, all diese Szenarien zu kompensieren.

Unabhängig davon: wenn du die Freiheit als wesentliche Eigenschaft des Projekts für einen untergeordneten Aspekt hältst und darüber hinaus auf qualitativer Ebene jetzt und vielleicht auch in Zukunft davon ausgehst, dass die Offene Bibel nicht zu den proprietären Alternativen konkurrenzfähig werden könnte, inwiefern ist dann das Projekt insgesamt eine sinnvolle Unternehmung? Du hast im initialen Artikel geschrieben, dass es für dich in erster Linie eine Hilfe für die Predigtvorbereitung darstellt. Nur: gibt es dafür denn keine existierenden propritären Werkzeuge? Wenn solche neu bereitgestellt werden würden, ist damit dann das Projekt obsolet geworden? Gut, ich verstehe schon, dass man an dem einen teilnehmen kann und an dem anderen nicht, was einen Unterschied hinsichtlich der persönlichen Verbundenheit mit den Projektergebnissen macht, jedoch wenn man das gegen den Zeitaufwand rechnet, könnte man selbigen besser in neue, andere Projekte investieren, wo es noch nichts vergleichbares gibt. Was auch immer als Alleinstellungsmerkmal der Offenen Bibel identifiziert werden mag und was davon dann auch aktiv beworben werden soll, könnt ihr ja freilich euch selbst überlegen, für mich ist der entscheidende Teil die freie Lizenzierung, weil sonst ganz unabhängig von allen anderen Aspekten die Projektergebnisse für mich und jeden anderen nicht in vollem Umfang nutzbar wären, was in dieser Zeit eine sehr wichtige Eigenschaft ist. Falls ihr keinen Wert darauf legen wollt, die potentiellen und tatsächlichen Leser auf die ethische, technische, rechtliche Problematik hinzuweisen, dann bleibt davon ungeachtet euer Fortschritt ob der freien Lizenzierung trotzdem nutzbar, auch wenn es eine unnötig vertane Chance wäre, die mir und euch in der Folge das Leben nicht gerade erleichtern, sondern stattdessen erschweren wird.

Für weitere Informationen zu den Grundsätzen und Implikationen von Freier Software sowie freier Lizenzierung siehe zur Entstehungsgeschichte:
http://www.youtube.com/watch?v=iqdGp-lI44Y&list=PLZQMfWBUelIjOU2vJ929n0n...

Über das Wesen und die Funktionsweise von Freier Software:
http://www.youtube.com/watch?v=4m3jk3jKzH0&list=PLCF6361325FD8B8F2

Copyright vs. Community (besonders relevant im Zusammenhang mit Bibelübersetzungen):
http://www.youtube.com/watch?v=urTypSY7k_w&list=PL6220B732CFB0ED21

Für mich ist die freie Lizenz die entscheidende Motivation zum Mitmachen bei der Offenen Bibel. Was die praktischen Vorteile der freien Lizenz betrifft, so möchte ich noch einmal auf die Über-uns-Seite verweisen (Abschnitt „freie Verfügbarkeit“) und ergänzen, dass Übersetzungen in Leichter Sprache im Idealfall möglichst gut an die konkrete Zielgruppe angepasst werden sollten – und auch dafür braucht es eine freie Lizenz.
Eine zweite, entscheidende Voraussetzung für mein Mitmachen ist unser Qualitätsanspruch. Ein Projekt, dass die Lutherübersetzung von 1545 ein wenig moderner formuliert, ohne den Urtext und die Forschungsergebnisse der letzten fast 500 Jahre zu beachten, würde mich nicht zum Mitwirken motivieren (und würde meine Mitarbeit auch nicht brauchen).
Von daher lasse ich mir weder einreden, dass allein die freie Lizenz entscheidend und alles andere egal ist, noch umgekehrt dass die freie Lizenz nicht wirklich interessiert.
@patrick und Ben: In euren Kommentaren oben redet ihr vom „Kunden“ und vom „Konsumenten“. Dabei vergesst ihr aber einen weiteren Aspekt der Offenen Bibel, der für mich im Zentrum des Projektes steht: Offen zum Mitmachen / ein gemeinsamer Weg – siehe wiederum die Über-uns-Seite. (Ich verweise auch deshalb so oft auf diese Seite, weil Ben sie bei seiner Zusammenfassung unserer Selbst-Darstellung nicht berücksichtigt hat und auch meinen Kommentar oben übersehen hat. Wir haben bereits sehr viel Arbeit in die Selbst-Darstellung investiert, und ich bin mit dem Ergebnis immer noch sehr zufrieden.)
@Ben: Du hast am Beginn dieses Gesprächs gefragt, was anderen Leuten an der Offenen Bibel wichtig ist. Es war gut, dass du diese Frage gestellt hast, denn du schlägst ja eine „Generalüberholung der Außendarstellung“ vor. Wenn die Antworten teilweise in eine andere Richtung gehen, als du dir erhofft hast, dann solltest du das respektieren.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Antworten der verschiedenen Leute in ihrer Vielstimmigkeit ganz gut mit dem übereinstimmen, was wir auf der Über-uns-Seite bereits formuliert haben. Eine Richtungsänderung bei der Offenen Bibel im Sinne einer „Generalüberholung“ sehe ich daher extrem kritisch.

Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass es bei der Außendarstellung ganz davon abhängt, mit wem man gerade redet ;-) Sicher werden für verschiedene Leute verschiedene Aspekte wichtig sein und andere wiederum unverständlich oder irrelevant. In der Summe allerdings wird es wohl für jeden mehr oder weniger überzeugende Argumente geben, warum die Offene Bibel anderen Angeboten überlegen ist oder doch zumindest eine Existenzberechtigung hat.

@Olaf: Ich habe ausdrücklich davon gesprochen, dass aus Konsumenten möglichst Mitarbeiter werden sollen. Aber sehen wir der Realität doch ins Auge: Die meisten werden passive Nutzer bleiben. Und nur darum ging es mir. Das Beispiel war ja gerade meine Großmutter! Und solche passiven Nutzer müssen wir noch viel mehr anlocken als bisher. Die interessiert die freie Lizenz nur am Rande und der Mitmach-Aspekt nur, wenn sie die Offene Bibel wirklich gut finden. Dieser Post war nie als Diskussion gedacht. Von der Sammlung subjektiver EIndrücke habe ich mir ganz einfach neue Impulse erhofft. Ich habe mich dann verteidigt, weil mein Gesamtansatz angegriffen wurde. Es hilft doch nicht, wenn wir einander dann Starrsinn oder die Nichtberücksichtigung bestimmter Seiten vorwerfen. An der "Über uns"-Seite habe ich selbst eifrig mitformuliert, und den Mitmach-Aspekt habe ich in meiner eigenen Darstellung ausdrücklich erwähnt. Du warst aber andererseits bei unserem Treffen zum Markusprojekt im Juni der einzige, der meinen Vorschlag, die Außendarstellung etwas anzupassen und relevanter für jeden Bibelleser zu machen, nicht gut fand. Ich bin weiter davon überzeugt, dass wir effektivere Werbung machen müssen, die nicht nur Bibel-Enthusiasten und freie-Software-Ideologen anspricht (denn die erreichen wir schon effektiv!), sondern gerade auch den normalen Bibelleser, der vielleicht mal etwas tiefer in den Text eintauchen möchte, als er es mit seiner Elberfelder oder Wuppertaler Studienbibel kann. Den werden unsere kleinen, aber feinen methodischen Alleinstellungsmerkmale oder die freie Lizenz weniger interessieren als die Frage, ob der Text in sein Herz spricht, oder ob er den Text mit unserer Arbeit besser verstehen kann als ohne. Wenn wir für diese weitaus größte Zielgruppe nichts Relevantes zu bieten haben, dann weiß ich auch nicht.
@skreutzer: Auf die ethischen Aspekte will ich im Moment nicht weiter eingehen, auch wenn es da noch einiges anzumerken gäbe. Ich halte sowohl deine ethische als auch deine biblische Argumentation für vertretbar, aber auch hinterfragbar.
Ich will aber unbedingt deinen Eindruck korrigieren, dass mir die freie Lizenz nicht wichtig ist oder dass ich nicht an den Erfolg der Offenen Bibel glaube! Zumindest ersteres meine ich auch ganz ausdrücklich betont zu haben. Die freie Lizenz ist doch, was unser unabhängiges Projekt erst ermöglicht und das Potenzial hat, so viele Mitarbeiter zusammenzubringen. Sie hat auch eine Menge praktische Aspekte, indem sie eben die Weiterverarbeitung und freie Verwendung erlaubt und so sicherstellt, dass sie bleibenden Wert hat. Für mich ist der Gedanke eine große Ermutigung: Selbst wenn die Offene Bibel morgen aufgegeben würde, gäbe es doch etliche Bibeltexte, zu denen irgendwo eine sehr gründliche exegetische Übersetzung und teils sogar ein Kommentar existiert, die irgendjemand anderes weiterverarbeiten oder neu veröffentlichen könnte, auch wenn er nichts mit der Offenen Bibel zu tun hat. Also: Jeder "fertig" übersetzte Vers zählt! Was für eine Motivation, wenn man gerade wieder merkt, wie viel man noch vor sich hat, und wie wenig ein einzelner übersetzter Vers für sich dazu beisteuert.
Den Erfolg sehe ich gerade nicht, ich glaube, da können wir realistisch sein. Das hält mich aber nicht davon ab, nach Mitteln zu suchen, wie wir ihn erreichen können. Ich bin zu sehr Idealist, um nicht die Hoffnung zu haben, dass wir eines Tages nicht doch noch eine ganz fertige Offene Bibel vorlegen werden können. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen: Die Dynamik ist noch nicht vorhanden, und wir müssen hart arbeiten und sehr kreativ werden, wenn wir wollen, dass sich noch mehr bewegt als jetzt.
Eines noch: Deinem letzten Absatz an Patrick würde ich mich voll anschließen. Du hast das klasse formuliert. Meine Stoßrichtung war mit diesem Blog einfach eine andere.

@Ben: Durch deine letzte Antwort ist mir aufgefallen, dass man das Wort „generalüberholen“ sehr verschieden deuten kann:
1. Die Substanz unserer Außendarstellung ist sehr gut, aber manches ist ein wenig aus dem Lot geraten. In einer Generalüberholung schaue ich mir alles noch einmal genau an, justiere nach und poliere, damit das bisher gemachte richtig zur Geltung kommt.
2. Die bisherige Außendarstellung ist so schlecht, dass eigentlich alle Bestandteile dringend überarbeitet werden müssen. Da hilft nur noch die Radikalkur einer Generalüberholung. Ich mache das alles besser.
Ich habe (und hatte) nichts dagegen, unsere Außendarstellung etwas anzupassen – im Gegenteil. Mir geht es nur darum, dass wir dabei nicht „das Kind mit dem Bade ausschütten“. Schrittweise Verbesserungen sind viel sinnvoller, als wenn wir in einer Hau-Ruck-Aktion die alten Probleme durch neue Probleme ersetzen. Solche Hau-Ruck-Aktionen haben nämlich nicht nur die Tendenz, die Probleme zunächst einmal zu vergrößern, sondern sie gehen auch respektlos mit der bisher geleisteten Arbeit um. Darum ging es mir damals, und darum geht es mir heute.
Nun hast du natürlich niemals gesagt oder geschrieben, dass du eine Hau-Ruck-Aktion willst, und ich habe auch nie geglaubt, dass du für eine solche eintrittst. Da du unsere bisherige Arbeit an der Selbstdarstellung aber ausschließlich mit negativen Aussagen kommentierst, habe ich aus Bauch heraus gegen einen vermeintlichen Angriff auf unsere gemeinsame Arbeit reagiert. Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Übrigens hatte ich den Eindruck, dass nicht nur du dich durch skreutzer angegriffen gefühlt hast, sondern dass skreutzer umgekehrt eines der Fundamente der Offenen Bibel (freie Lizenz) gegen einseitige Kritik verteidigen wollte. Man konnte deinen Blogeintrag nämlich so missverstehen, als hättest du nicht nur die Außendarstellung ändern wollen, sondern auch unsere inhaltliche Ausrichtung. Vielleicht verstehe ich skreutzer aber auch falsch.
 

Erst jetzt habe ich deine Antwort gesehen.
Du hast recht, mein Blog klingt etwas einseitig. Das habe ich beim Lesen jetzt auch nochmal festgestellt. Das war aber nur meinem Anliegen geschuldet und lag nicht daran, dass ich tatsächlich alles, was wir bisher an Außendarstellung haben, für schlecht halte. Ich merke das besonders, weil ich wieder neu auf unsere alten Argumente zurückgreife, wenn ich jetzt in den Werbetexten erklären möchte, was an der Offenen Bibel so toll ist. Vor diesem Hintergrund werden eure Reaktionen für mich verständlich.
Ich glaube, mein größtes Problem war, dass wir uns zwar vieler Vorteile bewusst sind, aber die Menschen beim ersten Aufeinandertreffen eher diejenigen mitbekommen haben, die sie nicht so wirklich interessieren. Gleichzeitig haben wir uns vielleicht auch nicht genug Mühe gegeben, unser Produkt so würzig und verlockend darzustellen, dass ein "Muss ich haben, muss ich mitmachen!"-Effekt eintritt. Das ist eine ungüngstige Kombination, denn beide Faktoren zusammen verhindern, dass das Interesse entsteht, das wir eigentlich verdienen. Wenn ich mit meinen gegenwärtigen Werbetexten fertig bin, werde ich vielleicht auch die Vorstellung auf der Startseite noch einmal zur Diskussion stellen, die zwar persönlicher und konkreter geworden ist, aber sich immer noch sehr brav liest.

Mein Anliegen war und ist in erster Linie, auf den wichtigen Bildungsauftrag der Offenen Bibel hinzuweisen, der ihr aufgrund des historischen Moments zukommt. Auch beim Endnutzer muss die Botschaft ankommen, dass es bisher keine einzige (!) deutschsprachige moderne Bibelübersetzung gibt, die frei verwendet werden kann, und dass diesem Zustand dringend ein Ende gemacht werden muss, möglichst auch allgemein ein Umdenken bei den Verlagen und Übersetzern stattfinden sollte. Unabhängig davon, wie man nun die Wahrnehmung dieses Problems seitens des Endanwenders einschätzt, so gibt es doch laufend neue Opfer dieser Situation und viel gute Arbeit wird verhindert. Daher bekommt der Leser am Ende auch gar nicht mit, was möglich wäre mit frei lizenzierten Materialien. Wenn die Bewerbung der Offenen Bibel zukünftig nur unter praktischen Gesichtspunkten stattfinden sollte, wäre dies eine unnötig vergebene Chance, den elementaren Grundgedanken der Zusammenarbeit, des Teilens und des ethischen Umgangs miteinander (freiwilliger Verzicht auf die Ausübung von Zwängen und Einschränkungen) weiterzutransportieren, und letztendlich wird die Offene Bibel einfach in die Reihe der anderen restriktiven Übersetzungen eingereiht werden. Die Offene Bibel gehört jedermann, sie ist als Gemeingut Eigentum der Öffentlichkeit und jedes einzelnen Individuums, während eine restriktiv lizenzierte Übersetzung nur einem Einzelnen gehört, der nach Gutdünken und Willkür Leuten die Nutzungserlaubnis gewähren und entziehen kann. Für diesen Umstand ein Bewusstsein zu wecken, halte ich für sehr wichtig und längerfristig auch für durchaus lohnend.

Auch für mich spielt die Frage nach der Lizenz eine sehr große Rolle. Als Informatiker hab ich ja ständig mit Software-Lizenzen zu tun und kenn mich zumindest ansatzweise aus mit BSD und MIT und GPL und LGPL und Apache 2.0 und hassenichtgesehen. Und bei der einen Lizenz sollte ich nur statisch linken und bei der anderen darf ich soundso. Viele Endnutzer kennen nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Copyleft- und Copyright-Lizenz. Das finde ich manchmal ziemlich frustrierend, aber ist mir mittlerweile auch ein bisschen egal.
Mir geht es so ähnlich wie Ben. Ich hab meiner Mama von diesem Projekt erzählt und sie war sogar auf der Internetseite und war auch ziemlich verwirrt: „Warum wollt ihr die Bibel übersetzen: Das gibt's doch schon? Ach, ihr wollt eine Übersetzung in diese leichte Sprache machen, oder?“ Daraus ergeben sich für mich folgende Konsequenzen:

  • Die Vorteile bezüglich der Lizenz sind Menschen, die nicht im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, quasi nicht vermittelbar. (Etwas harsch und nur meine Privatmeinung: Der Versuch, es trotzdem zu tun, ist Zeitverschwendung)
  • Die Vorteile bezüglich der Lizenz sind Menschen, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, nur schwer vermittelbar.
  • Die Offene Bibel hat einige sehr coole Features (und ich finde durchaus, dass man die betonen und benennen darf):
    • Fassung in leichter Sprache
    • Studienfassung für Theologen ohne Ursprachenkenntnisse (die Situation, wie patrick sie aus dem Hauskreis beschrub, oder die Predigtsituation wie Ben sie beschrub oder so)

Was in der Diskussion noch nicht so oft genannt wurde, ist der Mitmachaspekt. Wikipedia ist natürlich das typische Beispiel. Sie ist nicht nur gut, weil sie frei ist (in Bezug auf Lizenzen), aktueller als jede andere Enzyklopädie, in mehr Sprachen verfügbar als jede andere Enzyklopädie und so weiter, sondern ist sie extrem gut, weil man da mitmachen kann! Es kling ein bisschen blöd, aber ich finde tatsächlich: „Übersetzen macht mehr Spaß als Übersetztes lesen.“
(Ich weiß wohl, dass es einige Extremautoren bei Wikipedia gibt, die mehrere Tausend Artikel geschrieben haben, und einige Extrem-Nichtautoren, die noch nie was geschrieben haben... Und ja, bei der Volxbibel kann man auch mitmachen...)