Kriterien Studienfassung

Liebe Mitbibler, 
Wie hier schon angekündigt, wollen wir uns so langsam mal an die Überarbeitung der Studienfassungs-Kriterien machen. Ich habe mich angeboten, das mal anzuleiern, und hiermit nehme ich es in Angriff (verstehe mich dabei aber nur als Leiermann, nicht als Diskussionführer - um rege Beteiligung wird daher gebeten :) ). 
Wir haben beschlossen, hier in etwa so vorzugehen wie bei der Lesefassung. D.h.:
(1) Wir sammeln zuerst mögliche Verwendungszwecke und gewichten dann diese Verwendungszwecke nach Wichtigkeit.
(2) Wir fragen: Welche Eigenschaften muss demzufolge eine SF haben?
(3) Welche Kriterien können wir daraus für eine gute Studienfassung ableiten?
(4) Welche Methoden der Qualitätssicherung wenden wir an (diese Diskussion steht auch für die LF noch aus; ich würde aber vorschlagen, dass wir das in einem Abwasch erledigen). 
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Beginnen wir also mit (1) Verwendungszwecke. (Weitere Vorschläge nehme ich peu à peu auf, achte aber vorerst nicht sehr auf die Formulierung)
(a) Die Sprachgestalt der biblischen Text soll an der Studienfassung nachvollziehbar sein.
(b) Die SF soll Übersetzungshilfe für die biblischen Text sein und daher z.B. alle nicht-offensichtlichen grammatischen Konstruktionen erklären.
(c) Lesefassungsübersetzer und Übersetzer der Fassung in Leichter Sprache mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen und mit und ohne theologische Bildung sollen auf ihrer Basis möglichst gut Lesefassungen und Fassungen in Leichter Sprache erstellen können [ohne dafür noch mal zusätzliche Sekundärliteratur lesen zu müssen?]
(d) Lesefassungsleser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen und mit und ohne theologische Bildung sollen anhand der Studienfassung die Übersetzungsentscheidungen der Lesefassung nachvollziehen können.
(e) Die Studienfassung will eine Übersetzung möglichst auf dem neuestem Stand der exegetischen Diskussion sein und dokumentieren, wo in der wissenschaftlichen Diskussion bisher kein Konsens erreicht werden konnte [Sollten wir die beiden Punkte besser trennen?]
(f) Die Studienfassung will besagte wissenschaftliche Diskussion auch nachvollziehbar präsentieren
(g) Die Studienfassung will ihre Positionierung in der wissenschaftlichen Diskussion auch rechtfertigen/erklären
 
Schritt 1: Fallen jemandem noch weitere Verwendungszwecke ein (gewichtet wird erst nach dem Zusammentragen)?
 

Kommentare

Hallo Sebastian,
Danke, dass du das anstößt! Ich finde es eine sehr gute Idee, erst einmal Verwendungszwecke zu sammeln und erst dann zu gewichten.
Mit fallen noch die folgenden Zwecke ein, die alle mal so oder ähnlich in die Diskussion geworfen wurden. (Ich formuliere mal bewusst stark überspitzt, so dass auch die Konflikte zwischen diesen Zwecken deutlich werden.)

  • Für Nicht-Theologen problemlos verständliche Vorlage für die Bibel in Leichter Sprache
  • Fokus auf semantische Details (auf Kosten einer verständlichen Übertragung der Aussage des Gesamttextes)
  • Fokus auf sprachliche Details (auf Kosten einer genregerechten Übertragung der Sprachgestalt des Gesamttextes)
  • Urtext-Verständnis-Hilfe für Studienanfänger (extrem wörtlicher Satzbau auch aus Kosten von Verständlichkeit und inhaltlicher Angemessenheit; Erklärung aller nicht-offensichtlichen grammatikalischen Eigenheiten in Fußnoten)
  • Materialsammlung für theologische Hausarbeiten im Hauptstudium (in korrekter Fachsprache, um direkte Übernahmen zu erleichtern)
  • Mehr oder weniger vollständige Rechtfertigung der Studienfassung aus sich selbst heraus (Fußnoten) gegenüber Kritik durch exegetische Experten
  • Fast vollständige Dokumentation der exegetischen Recherche der Übersetzer

Ah, das gibt Hoffnung, dass gleich am nächsten Tag (und um diese Uhrzeit!) jemand antwortet :)
Ich habe das da oben jetzt mal gewaltig erweitert; danke für die Punkte.
(1) habe ich bei (c) ergänzt (war vorher (b).) (2) und (3) sind Eigenschaften, nicht Ziele. Bei (4) dachte ich zuerst, es entspräche (a), aber siehe das "edit".  (5)-(7) habe ich ergänzt, aber nicht überspitzt formuliert  - man sollte das ja nicht schon von vornherein nur wegen der Formulierung ausschließen oder davon ausgehen, dass da notwendig ein Konflikt besteht.
Kannst du mal schaun, ob das so ungefähr passt? (e) soll eine gemäßigte Variante deines letzten Punktes sein; ich habe es aber an die Formulierung auf "Über uns" angepasst; (f) eine gemäßigte Formulierung deines fünften und (g) eine gemäßigte Formulierung deines sechsten Punktes.
Wenn die beiden Punkte in (e) aufgeteilt werden sollen, vielleicht besser:
(e) Die SF will eine Übersetzung möglichst auf dem neuesten Stand der exegetischen Diskussion sein
(f) Die SF will dokumentieren, wo in der wissenschaftlichen Diskussion bisher kein Konsens erreicht werden konnte
(g) Die Studienfassung will möglichst die gesamte wissenschaftliche Diskussion nachvollziehbar präsentieren
(h) Die Studienfassung will ihre Positionierung in der wissenschaftlichen Diskussion (siehe e) auch rechtfertigen/erklären.
 edit: Nein, (4) fällt nicht unter (a), fällt mir gerade auf. Man muss differenzieren zwischen "Will eine möglichst wörtliche Übersetzung sein" und "will diese Sprachgestalt auch für Studienanfänger erklären und daher z.B. auch alle nicht-offensichtlichen grammatischen Konstruktionen erklären". Das ist ja interessant; das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass (4) gar nicht selbstverständlich für die SF ist. Wenn das abgelehnt würde, müssten wir z.B. bei griechischen Partizipialkonstruktionen gar nicht auf die entsprechende Seite verlinken etc. - Wow. Danke, dass du den Punkt genannt hast. 

Hallo Sebastian,
danke!
So gemäßigt, wie die Zwecke formuliert sind, sieht man möglich Konflikte zwischen den Zielen nicht.
Ich würde darum vorschlagen:
(A) Leser ohne Kenntnis der biblischen Sprachen und ohne exegetisches Fachwissen sollen
(A1) sprachliche und inhaltliche Details der biblischen Text nachvollziehen können;
(A2) die wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte verstehen können, ohne dabei durch unwichtige Details verwirrt zu werden – und dann auf dieser Basis Lesefassungen und Fassungen in Leichter Sprache erstellen können [ohne dafür noch mal zusätzliche Sekundärliteratur lesen zu müssen?] – ;
(A3) anhand der Studienfassung die Übersetzungsentscheidungen der Lesefassung sowie Unterschiede zu (und zwischen) anderen Übersetzungen nachvollziehen können;
(A4) hilfreiche Informationen zum vertieften Bibelstudium aufbereitet bekommen (gut verständliche Darstellung besonders wichtiger Forschungsfragen; Querverweise zu anderen relevanten Bibelstellen).
(B) Leser mit ein wenig Kenntnis der biblischen Sprachen und ein wenig exegetischem Fachwissen (Studienanfänger; Leute, deren Sprachkenntnisse „eingerostet“ sind) sollen
(B1) sich mit Hilfe der Studienfassung den Urtext erschließen können;
(B2) gutes Material für Studienarbeiten finden (z.B. Textkritik, Querverweise zu anderen relevanten Bibelstellen) und die Forschungslage verstehen können (Bibliographie, strittige Fragen, Forschungsgeschichte, aktueller Stand);
(B3) gutes Material für Predigten finden.
(C) Leser mit guter Kenntnis der biblischen Sprachen und exegetischem Fachwissen sollen
(C1) sich einen fachlich fundierten Überblick über die Forschungslage zu einer Bibelstelle verschaffen können (Bibliographie, strittige Fragen, Forschungsgeschichte, aktueller Stand);
(C2) nachvollziehen können, wie sich die Studienfassung in der wissenschaftlichen Diskussion positioniert.
Letztlich werden wir uns entscheiden müssen, welchen dieser Zwecke wir als Hauptzweck definieren (eventuell konfliktfrei kombiniert mit 2 oder 3 anderen). Alles gleichzeitg geht nicht.

Ich würde das ungern nach Zielgruppen gliedern. Wenn wir deinen letzten Vorschlag übernehmen würden, müssten wir automatisch auch sagen (egal, was davon ausgeschlossen wird), dass die SF z.B. "eher für Leser mit guter Kenntnis der biblischen Sprachen als für Leser ohne Kenntnis der biblischen Sprachen" (oder umgekehrt) gedacht ist.
Aber du hast mich auf eine gute Idee gebracht. Ich wandle deinen Vorschlag mal ab und mache zu einzelnen Überpunkten (A und E) graduell unterschiedliche Unterpunkte, dann lassen sich bestimmte Grade leichter ausschließen:

  • (A) Nachvollziehbarkeit der biblischen Textgestalt (als Selbstzweck)
    • (A1) Die SF will selbst für Leser ohne biblische Sprachkenntnisse die biblische Textgestalt in Gänze nachvollziehbar machen und ihnen daher möglichst vollständig erklären.
    • (A2) Die SF will etwas kompliziertere Textstellen erklären, damit z.B. Leser mit ein wenig Kenntnis der biblischen Sprachen sich mit ihrer Hilfe den Urtext erschließen können
    • (A3) Die SF will "nur" eine möglichst wörtliche Übersetzung sein; Erläuterungen unumstrittener Stellen, die nicht für das Erstellen der Lesefassung (s. B) oder die wissenschaftliche Diskussion (s. E) relevant sind, sind unnötig.
  • (B) SF als Übersetzungsgrundlage der LF
    • (B1) LF-Übersetzer und LS-Übersetzer sollen die für die LF und LS wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte möglichst gut nachvollziehen können.
  • (C) SF als Fußnotengrundlage der LF
    • (C1) LF-Übersetzer sollen anhand der SF die für die LF nötigen Fußnoten formulieren können (siehe LF-Kriterium 2b: FN zu biblischem SpezialVokabular, kulturgeschichtlichem Kontext, bibelkundlischen Zusammenhängen, Mehrdeutigkeiten im Urtext...")
  • (D) SF als "Referenzübersetzung" der LF
    • (D1) LF-Leser sollen anhand der Studienfassung die Übersetzungsentscheidungen der Lesefassung und die Unterschiede zu (und zwischen) anderen Übersetzungen nachvollziehen können.
  • (E) SF als "wissenschaftliche Übersetzung"
    • (E1) Die SF will exegetisch auf dem neuesten Stand sein und daher zu jeder Stelle möglichst die gesamte wissenschaftliche Exegese diskutieren und kommentieren
    • (E2) Die SF will exegetisch auf dem neuesten Stand sein; daher dokumentieren und erklären, wo die wissenschaftliche Diskussion zu keinem Konsens gekommen ist und nachvollziehbar machen, warum die SF gerade dieser Position folgt.
    • (E3) Die SF entspricht in ihrer Wissenschaftlichkeit in etwa einer Studienbibel à la Echter-Bibel und erwähnt daher nur die allerwichtigsten strittigen Fragen möglichst kurz.
  • (F) SF als Materialsammlung
    • (F1) Die SF will gutes Material für Studienarbeiten bieten, etwa zitierbare Diskussionen exegetischer Fragen, bibliographische Verzeichnisse etc.
    • (F2) Die SF will gutes Material für Predigten bieten

Wahrscheinlich kann man B-D zusammenfassen zu einem Punkt.
Was meinst du - ist das gut? (Es ist ja erst mal v.a. dafür gedacht, dass möglichst leicht bestimmte Zwecke ausgefällt werden können)

(E) ist Eigenschaft, nicht Verwendungszweck.
Die Unterpunkte von A sind zwar Verwendungszwecke, aber A selbst ist auch als Eigenschaft formuliert.
Gute Diskussion, weiter so! Ich hab sonst nicht viel zu ergänzen. :-)

Das Fettgedruckte sollen eigentlich auch nur Überschriften sein.
E ist wirklich eine Eigenschaft. Hm... - das ist ja doof. Das sollte das Pendant sein zu "Eine Übersetzung ohne gleichzeitige Interpretation des Ausgangstexts ist aus methodischen Gründen nicht möglich. In Zweifelsfällen ist daher der wissenschaftliche Diskurs unsere Richtschnur. Die verwendete Sekundärliteratur (Kommentare, Übersetzungen, ...) wird in den Fußnoten zur Studienfassung sowie in der Checkliste auf der Diskussionsseite vermerkt." (Übersetzungskriterien) und zu "Die konsequente Berücksichtigung des wissenschaftlichen Forschungsstandes ist eines der Hauptziele der Offenen Bibel." (Über uns) sein. 
Was wäre denn das Verwendungszweck-pendant zu diesen Eigenschaften? Ich versuche mal umzuformulieren, bin aber etwas müde. Ich fasse auch B-D mal zu einem Punkt zusammen; dann könnt ihr sagen, was für die weitere Diskussion hilfreicher wäre - B-D aufgeteilt oder B-D zusammengefasst.

  • (A) Nachvollziehbarkeit der biblischen Textgestalt (als Selbstzweck)
    • (A1) Die SF will selbst für Leser ohne biblische Sprachkenntnisse die biblische Textgestalt in Gänze nachvollziehbar machen und ihnen daher möglichst vollständig erklären.
    • (A2) Die SF will etwas kompliziertere Textstellen erklären, damit z.B. Leser mit ein wenig Kenntnis der biblischen Sprachen sich mit ihrer Hilfe den Urtext erschließen können
    • (A3) Die SF will "nur" eine möglichst wörtliche Übersetzung sein; Erläuterungen unumstrittener Stellen, die nicht für das Erstellen der Lesefassung (s. B) oder die wissenschaftliche Diskussion (s. C) relevant sind, sind unnötig.
  • (B) SF als LF-"Komplement"
    • (B1) Die SF will LF- und LS-Übersetzern die für die LF- und LS-Übersetzung wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte präsentieren. Umgekehrt sollen LF- und LS-Leser die Übersetzungsentscheidungen der LF und der LS an der SF nachvollziehen können.
  • (C) SF als "wissenschaftliche Übersetzung"
    • (C1) Die SF will dem Leser den wissenschaftlichen Forschungsstand möglichst vollständig präsentieren und ihn diskutieren
    • (C2) Die SF will für den Leser nachvollziehbar machen, wenn und warum zu einer Stelle auch andere Deutungen möglich wären
    • (C3) Ein Leser soll die SF möglichst unbehelligt von exegetischen Streitfragen lesen können.
  • (D) SF als Materialsammlung
    • (D1) Die SF will gutes Material für Studienarbeiten bieten, etwa zitierbare Diskussionen exegetischer Fragen, bibliographische Verzeichnisse etc.
    • (D2) Die SF will gutes Material für Predigten bieten

 

Morgen ist es eine Woche her, dass wir mit der Sammlung angefangen haben; ich würde daher vorschlagen, dass wir uns morgen mal an das Ausfällen von und Gewichten der Verwendungszwecke machen. Daher am Besten noch mal die Frage: Fallen jemandem noch weitere Verwendungszwecke ein? Und fällt jemandem eine bessere Weise ein, die bisher vorgeschlagenen Zwecke zu gliedern, um über sie diskutieren zu können?
Vielleicht noch ein Wort zu Olafs Gliederung  nach Zielgruppen: Ich fand das deshalb nicht gut, weil klar ist, dass die Studienfassung auch für LF-Übersetzer geeignet sein muss - und da sind zumindest potentiell auch Menschen dabei, die keine einzige Fremdsprache beherrschen, sich mit Grammatik und Semantik nicht auskennen und von Exegese keine Ahnung haben. Auch für die muss also die SF lesbar sein.
Wenn wir jetzt nach Zielgruppen gliedern würden und primär danach fragen, für welche Zielgruppen die SF geeignet sein kann, müssten wir dann automatisch von dieser Zielgruppe ausgehen. Dabei ist es aber ja nicht ausgeschlossen (und vermutlich sogar recht leicht möglich), Fußnoten z.B. zu markieren als solche, die auch für diese Zielgruppe relevant ist und solche, die z.B. nur für hebräisch bewanderte Leser interessant ist. Faktisch könnten wir also durchaus sagen, dass die SF zwar auch für die genannte Zielgruppe rezipierbar sein muss, aber darüber hinaus auch Informationen für, hm, exegetisch gebildetere Zielgruppen enthalten kann - aber eine solche Mehrfach-Zielgruppen-Ausrichtung wäre von vornherein ausgeschlossen, wenn wir gleich zu Beginn von den Zielgruppen ausgingen.
Wärt ihr alle einverstanden mit der letzten Gliederung als Ausgangspunkt? Und einverstanden damit, dass wir uns ungefähr morgen an den nächsten Schritt wagen?
 

Olaf war mit der letzten Sammlung noch nicht ganz zufrieden, weil dort nichts von Zielgruppen steht. Ich werde hier jetzt noch mal Zielgruppen einarbeiten (zu A1 fällt mir keine ein); der nächste Schritt wäre dann, erst mal aus diesen Verwendungszwecken die auszuwählen, die unserer Meinung nach die SF tatsächlich haben soll. Das würde dann quasi ineins gehen mit der Entscheidung, welche Zielgruppen uns wichtig sind und warum.
Deine Punkte in Brainstorm II finde ich gut, nur bei (3) würde ich meinen, dass das eher zu Schritt II "Eigenschaften" gehört.
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Verwendungszweck-Brainstorm:
Ich hänge hier noch mal die gesammelten möglichen Verwendungszwecke der SF an, in die ich auch die entsprechenden Zielgruppen noch einarbeite.

  • (A) Nachvollziehbarkeit der biblischen Textgestalt (als Selbstzweck)
    • (A1) Die SF will selbst für Leser ohne biblische Sprachkenntnisse die biblische Textgestalt in Gänze nachvollziehbar machen und ihnen daher möglichst vollständig erklären.
    • (A2) Die SF will etwas kompliziertere Textstellen erklären, damit z.B. Leser mit ein wenig Kenntnis der biblischen Sprachen sich mit ihrer Hilfe den Urtext erschließen können (Zielgruppe: "Amateur-Übersetzer")
    • (A3) Die SF will "nur" eine möglichst wörtliche Übersetzung sein; Erläuterungen unumstrittener Stellen, die nicht für das Erstellen der Lesefassung (s. B) oder die wissenschaftliche Diskussion (s. C) relevant sind, sind unnötig. (Zielgruppe: "wörtlichkeits-gläubige" Leser, die kein Interesse an den ursprachlichen Texten selbst haben*)
  • (B) SF als LF-"Komplement": Die SF will LF- und LS-Übersetzern die für die LF- und LS-Übersetzung wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte präsentieren. Umgekehrt sollen LF- und LS-Leser die Übersetzungsentscheidungen der LF und der LS an der SF nachvollziehen können. (Zielgruppen: LF- & LS-Übersetzer, die möglicherweise in Ursprachen unbewandert sind; interessierte, möglicherweise aber in Ursprachen unbewanderte LF- & LS-Leser)(C) 
  • SF als "wissenschaftliche Übersetzung" 
    • (C1) Die SF will dem Leser den wissenschaftlichen Forschungsstand möglichst vollständig präsentieren und ihn diskutieren (Zielgruppen: Profi-Exegeten; fortgeschrittene Studenten; "Ultra-Interessierte", die möglicherweise in Ursprachen unbewandert sind)
    • (C2) Die SF will für den Leser nachvollziehbar machen, wenn und warum zu einer Stelle auch andere Deutungen möglich wären (Zielgruppen: interessierte LF- & LS-Leser, die möglicherweise in Ursprachen unbewandert sind)
    • (C3) Ein Leser soll die SF möglichst unbehelligt von exegetischen Streitfragen lesen können. (Zielgruppe: "wörtlichkeits-gläubige" Leser, die kein Interesse an Hintergründen und Ursprache haben.)(D) 
  • SF als Materialsammlung
    • (D1) Die SF will gutes Material für Studienarbeiten bieten, etwa zitierbare Diskussionen exegetischer Fragen, bibliographische Verzeichnisse etc. (Zielgruppen: fortgeschrittene Studenten)
    • (D2) Die SF will gutes Material für Predigten bieten (Zielgruppen: Pfarrer, Prediger)

 * So formuliert ist das schon fast ein Paradoxon. Witzig :)
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Auswahl-Brainstorm:
Der nächste Schritt ist es, aus obigen Verwendungszwecken die auszuwählen, die unserer Meinung nach der SF tatsächlich eignen sollen. Ben hat heute Nacht einige sehr gute Anhaltspunkte genannt, an denen wir uns in der Diskussion orientieren sollten; zwei füge ich noch hinzu:

  • (1) wollen und können wir ein eher breites oder ein eher schmales Verwendungsspektrum anstreben? (D.h.: Eher viele oder eher wenige Verwendungszwecke?)
  • (2) Gibt es bestimmte Zielgruppen, die uns sozusagen a priori wichtiger sind als andere?
  • (3) welche der obigen Verwendungszwecke stimmt überein mit der bisherigen SF-Konzeption?
  • (4) Praktikabiliät/Machbarkeit einer entsprechend konzipierten SF:
    • (4.1) Ist ein Verwendungszweck von der dafür nötigen Textmenge und dem dafür nötigen Forschungsaufwand her realisierbar?
    • (4.2) Ist ein Verwendungszweck vom "durchschnittlichen SF-Übersetzer" realisierbar (=> Verfügbare Arbeitszeit, nötiges sprachliches, biblisches und technisches Spezialwissen)
    • (4.3) Wie stark müssten die bisherigen SFf für den jeweiligen Verwendungszweck umgearbeitet werden?

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Start der Auswahldiskussion:
(1) B - Mir scheint ganz evident, dass Verwendungszweck (B) ganz oben rangieren muss; entweder an der Spitze der Zweck-liste oder auf einem gemeinsamen ersten Platz mit einem zweiten Zweck. 
(2) A1 - Steht aktuell tatsächlich so in den Übersetzungskriterien: "Leser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen können die Sprachgestalt der biblischen Texte nachvollziehen." Ich glaube aber, dass das unrealistisch ist. Wollte man das konsequent umsetzen, müsste letztendlich für jeden Vers (a) eine Interlinearübersetzung mit Urtext, Transkription und Wort-für-Wort-Übersetzung und (b) eine syntaktische Analyse z.B. in Form eines zwei-sprachigen Baumgraphen (so zum Beispiel) geboten werden. Dafür gibt es gute Software; technisch wäre das sogar realisierbar und auch kein zeitlich großer Aufwand. Trotzdem ist das unrealistisch (Unzumutbarkeit für Übersetzer, sprachwissenschaftliches Spezialwissen von Übersetzer und Leser; Umarbeitung sämtlicher SFf usw.). 
Es sei denn, natürlich, man interpretierte diesen Verwendungszweck so, dass er nur bedeutet, dass die SF eine formal äquivalente Übersetzung sei - aber dann besagte die Eigenschaft ja das selbe wie A3. Ich denke deshalb schon, dass man den Zweck in etwa so verstehen muss, wie z.B. die "Baylor-Handbooks" (s. z.B. hier) oder die "Hebräisch-deutschen Präparationen zu X" konzipiert sind - und das er deshalb als nicht realisierbar abzulehnen ist.
(3) A2 vs. A3 - Hier fällt mir eine Entscheidung schwer. Die Denkarbeit für A2 muss ein SF-Übersetzer ja ohnehin machen - A2 ist daher auch realisierbar und kein großer Mehraufwand. Ich glaube außerdem, A2 stimmt ein bisschen mehr überein mit der bisherigen Konzeption der SF und den bisherigen SFf; deswegen würde ich intuitiv glauben, dass A2 näher liegt als A3.
Andererseits würde aus A3 folgen (s.o.), dass man nur zwei Fußnoten-"gattungen" benötigt, nämlich für B und C. Das würde erstens die Fußnotenzahl reduzieren und zweitens die SF zugänglicher für die Zielgruppen von B und C machen (die die A-Fußnoten ja nicht interessieren). Deswegen bin ich persönlich ein bisschen mehr A3 zugeneigt, lasse mich da aber gern überzeugen: Ich glaube, mit A3 statt A2 ergäbe das eine in sich stimmigere Übersetzung als mit A2.
(4) C: C1 ist unrealistisch; da wird mir, glaube ich, jeder zustimmen. Bei C2 vs. C3 neige ich stark C2 zu. Erstens entspricht das dem bisherigen SF-Übersetzungskriterium 3 ("Falls es in der wissenschaftlichen Diskussion keinen Konsens gibt, dann verwenden wir die Deutung mit der größten Plausibilität. In Fußnoten dokumentieren wir die wichtigsten wissenschaftlich diskutierten Übersetzungsmöglichkeiten und (falls abweichend) wesentliche konfessionelle Traditionen."), zweitens entspricht das unserer bisherigen Praxis. 
Allerdings muss natürlich anerkannt werden, dass C2 einen starken Mehraufwand bedeutet, was Forschung und Zeit angeht. 
Trotzdem; aus C3 würde folgen, dass unser bisheriges Ziel "Zugänglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse" (s. Über uns) verschwindet - und da dieses Ziel mit der Hauptgrund ist, warum ich OfBi so liebe, bin ich natürlich stark für C2. 
(5) D1 und D2 halte ich beide vom Mehraufwand her für ganz unrealistisch. Ergänzend kann man diese Dinge ja sammeln und das wird teilweise sogar schon gemacht und ist andernteils zumindest schon angedacht (=> Predigtsammlung), aber als Verwendungszweck der SF selbst steht das für mich fast außer Frage.
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Meine (Anfangs-)Meinung ist daher, dass die Verwendungszwecke der SF folgende sein sollten (gleichgewichtet): 

  • (1) Die Studienfassung interessierten Bibellesern eine "möglichst wörtliche Lesefassung" bieten.
  • (2) Die Studienfassung will für LF- und LS-Übersetzer auch ohne bibelsprachliche und bibelwissenschaftliche Kenntnisse die für die Übersetzung wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte präsentieren.
  • (3) Interessierte Leser auch ohne bibelsprachliche und bibelwissenschaftliche Kenntnisse sollen anhand der SF nachvollziehen können, wenn und warum zu einer Stelle auch andere Deutungen möglich wären und in der Forschung vertreten werden und warum in LF und LS gerade diese Übersetzungsentscheidungen getroffen wurden. 

Konflikte sähe ich da v.a. zw. (1) einerseits und (2)+(3) andererseits und in (1) selbst, weil jede Auslassung, Einfügung, Alternative und Fußnote ja den Lesefluss dieser "möglichst wörtlichen Lesefassung" stört. Evt. sollten daher vielleicht in dieser Variante (2) und (3) auf Platz 1 und (1) auf Platz 2 rangieren. 

Hallo,
ganz großen Dank an Sebastian für die exzellente Zusammenfassung!
Ich würde gerne stärker von echten Verwendungszwecken her denken und weniger von Eigenschaften. Im Ergebnis bin ich damit ganz eng bei Sebastian (in eckigen Klammern vermerkt):
Zweck Z1 – Persönliches Bibelstudium: Die Studienfassung liefert zu jeder Bibelstelle weitere Informationen zu Sprache und Inhalt (Zielgruppe: Nicht-Theologen ohne Ursprachen-Kenntnisse – die anderen haben bereits einen direkteren Zugang und brauchen die Offene Bibel hier weniger). Dies ließe sich noch weiter unterteilen nach:
a) Präsentation der wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte [B]
b) die Übersetzungsentscheidungen der Lesefassung nachvollziehen können [B]
c) Unterschiede zu (und zwischen) anderen Übersetzungen nachvollziehen können (einschließlich übersetzungsrelevanter Textvarianten) [B]
d) Querverweise zu anderen relevanten Bibelstellen
e) gut verständliche Darstellung besonders wichtiger Forschungsfragen [C2]
f) nachvollziehbar machen, wenn und warum zu einer Stelle auch andere Deutungen möglich wären [C2]
Zweck Z2 – OfBi-internes Arbeitsmittel: Die Studienfassung muss als Grundlage für die anderen Fassungen geeignet sein.
a) Die Studienfassung will für LF- und LS-Übersetzer auch ohne bibelsprachliche und bibelwissenschaftliche Kenntnisse die für die Übersetzung wichtigen sprachlichen und inhaltlichen Aspekte präsentieren. [B]
b) Die Studienfassung will für andere SF-Übersetzer sprachlich schwierige Stellen kurz erklären [A2].
Zweck Z3 – Arbeitsmittel für Theologiestudenten: Studenten sollen nützliche Informationen für ihr Studium finden.
a) ausführliche Diskussion von allen textkritischen Varianten
b) mehr oder weniger vollständige Darstellung aller exegetischen Streitfragen
c) möglichst vollständige Bibliographie
Den aktuellen Kriterien kommt Z1 am nächsten. Die aktuelle Praxis dagegen ist teilweise am nächsten an Z3. Und Z2 ist zwingend nötig für LF und LS.
Zum Glück lassen sich Z1 und Z2 relativ konfliktfrei kombinieren – anders als Z3. Zudem entsprecht Z1+Z2 in etwa Sebastians (2)+(3).
Daher würde ich vorschagen, dass wir nur Z1+Z2 bzw. (2)+(3) nehmen und Z3 weglassen. Das „möglichst wörtlich“ aus Sebastians (1) ist eigentlich kein konkreter Verwendungszweck, sondern eine Eigenschaft – und könnte daher in der Eigenschaftsliste für Z1+Z2 vorkommen (wenn auch nicht an oberster Stelle).

Danke für die Antwort :)
Einen großen Dank auch für den Hinweis darauf, dass die Studienfassung natürlich auch für andere SF-Übersetzer da ist (Z2b) - das habe ich oben nicht bedacht.
Den Zweck "persönliches Bibelstudium" finde ich aber schwierig. Ich habe mich da jetzt mal schlau gemacht: "Persönliches Bibelstudium" hat mit den sprachlichen Aspekten des Urtextes eher wenig zu tun. Merill C. Tenney z.B. hat in seinem Buch "Galatians: The Charter of Christian Liberty" 10 Weisen des Bibelstudiums aufgelistet. An sprachlichen Aspekten ist keine dieser Weisen interessiert. Und es ist ja kein Zufall, dass Studienbibeln recht selten überhaupt auf den Urtext eingehen. Selbst die NKJV Study Bible, die "Wortstudien" ins Zentrum des Bibelstudiums stellt, hat durchschnittlich alle 20-30 Seiten ein kleines Kästchen am Seitenfuß, in dem ein Wort kurz erklärt wird (im Stil "torah wird meist als "Gesetz" übersetzt, heißt aber eigentlich "Lehre"", und dann folgen noch 5 Querverweise). Olesberg's (in "The Bible Study Handbook") Erklärung von "Wortstudien" lässt mich aber ohnehin vermuten, dass mit "Wortstudie" beim persönlichen Bibelstudium gar nicht die Klärung des Konzeptes gemeint ist, das eine bestimmte ursprachliche Vokabel ausdrückt, sondern was ein deutsches Wort in einer Bibelübersetzung genau bedeutet ("Wo verwendet die Einheitsübersetzung sonst noch den Begriff "Feigenbaum" und wofür steht er?", "Wie viel ist eigentlich ein Dinar wert?" usw.). Dann wären nicht einmal die Wortstudien im persönlichen Bibelstudium am Urtext interessiert.
Und dann ist auch die ausschließliche Bestimmung der Zielgruppe als "nicht-Theologen" schwierig, denn wenn diese nicht mal zu Zwecken des persönlichen Bibelstudiums an sprachlichen Aspekten des Urtexts interessiert sind - wann sind sie es denn dann?
Den aktuellen Kriterien - und auch der aktuellen Praxis (wie du ja selbst gesagt hast) - entspricht aber ja auch nicht am nächsten "persönliches Bibelstudium von nicht-Theologen", sondern eben dieses "Zugänglich-machen von (für die Übersetzung relevanten?) sprachlichen Aspekten des Urtextes". 
An sich ist das nicht problematisch, dass das ein anderer Zweck ist, denn das ist ja unser das Thema -wie der Zweck der SF zu bestimmen ist. Aber  "persönliches Bibelstudium von nicht-Theologen" wäre eine ziemlich krasse Umbestimmung des Zwecks und würde eine starke Überarbeitung gerade der fast guten und sehr guten SFf erforderlich machen (s. "Auswahl-Brainstorm"-Punkte (2), (3) und (4.3)).
Vielleicht verstehst du "persönliches Bibelstudium" aber auch nur anders?

Ich denke mal ebenfalls von den Eigenschaften her, teils weil wir mit einem schon vorhandenen Produkt arbeiten, teils weil ich Sebastians Gedanken zuerst gelesen und dabei meine eigenen festgehalten habe. So kann ich auf eure unterschiedlichen Denkrichtungen nacheinander eingehen.

B: Tatsächlich ein unverzichtbares Element. Die Zielgruppe steht damit dann auch schon fest: OfBi-Übersetzer.
A: Zwischen einer machbaren und einer wahnwitzigen Auslegung von A1 und A2 müssten wir schon differenzieren. Von A1 (und den bisherigen Kriterien) würde ich vor allem das Stichwort: nachvollziehbar hervorheben. Eine vollständige Dokumentation des Urtexts bis in den letzten Winkel haben wir noch nie angestrebt. Es ging immer um die Nachvollziehbarkeit der Übersetzung – ein ganz wichtiges Relevanzkriterium. Von der Zielgruppe und Konzeption liegt mir am ehesten A2. Ganz wichtig: A können wir nicht diskutieren, ohne B zu berücksichtigen. B legt als Zielgruppe OfBi-Laienübersetzer fest. Daraus folgt, dass in A mindestens die wichtigen Erklärungen allgemeinverständlich sein sollten. Die drei Unterpunkte sind noch zu unpräzise formuliert, um eine finale Entscheidung zu gestatten – aber A2 klingt am ehesten nach dem aktuellen etablierten Usus und wäre meine Präferenz. Mein Verdacht ist zudem, dass A2 am besten zu Zweck B passt (d.h. die Dokumentation die größte Deckung hat). In Sachen Zielgruppe wäre die Studienfassung dann auch weiter gefasst als nur die Laienleser – die ja, wenn man darüber nachdenkt, auch jederzeit zu einer Studienbibel greifen könnten. Sie wäre dann auch für Bibelübersetzer (teils B) und zur Auslegung interessant. 
C: Hier würde ich gerne noch genauer zwischen C2 und 3 differenzieren. Die Festlegung hängt hier meines Erachtens ganz stark von unseren Entscheidungen zu A und B ab. Meines Erachtens sind C2 & 3 nicht von A und B unabhängig, sondern logische Folgen. (Im Kontrast wäre C1 ein Selbstzweck, den sich wohl niemand wünscht.) Ich würde also dafür stimmen, C zunächst genauer auszudifferenzieren und währenddessen bis zur Entscheidung in A und B aufzuschieben.
D: Letztendlich bildet D eine mögliche Hintertür zu unserem Relevanzkriterium der Nachvollziehbarkeit (A) und der Dokumentation für Übersetzer (B). Die Frage ist eigentlich eher: Wollen wir noch für relevant erklären, das es nicht schon in A oder B geschafft oder spätestens mit C noch eingefiltert wurde? Sinnvoller erscheint es mir, D als reine Beschränkung der Relevanz auf A, B und C und nichts weiter festhalten.

Ich finde Olafs Ausformulierung hilfreich, aber sie liefert noch keine befriedigende Antwort (im Ganzen finde ich die Überlegungen aber richtig). Die Zielgruppen, und was sie erwarten, sind sehr sauber aufgelistet (abgesehen davon, dass ich "persönliches Bibelstudium" als Bezeichnung ebenfalls missverständlich finde). In der Praxis macht das aber noch nichts klar. Wir müssten etwa wirklich praktisch definieren, was für Eigenschaft B/Zweck Z2 nützlich und akzeptabel ist.
Wir haben also Zielgruppen und grobe Anforderungen, aber noch nicht erfasst, was diese Zielgruppen hilfreich fänden.
Wie Sebastian meine ich z.B:: Auch Nichttheologen können sich für ursprachliche Details interessieren, aber auch andere Leser, die sich nicht strikt in die Gruppe der OfBi-Mitarbeiter einfügen lassen. Olaf bewertet zudem den Nutzen von Textkritik oder den Bedarf von Theologen an einer Bibel mit fortgeschrittenen Erklärungen sehr subjektiv und ohne stichhaltige Argumente.
Ich frage mich daher, ob es der richtige Ansatz ist, bei den Zielgruppen zu beginnen. Es scheint mir, dass die Zielgruppen vielleicht eher als Begrenzung unserer Definition geeignet sind. Und in diesem Rahmen müsste man sich dann auf etwas einigen, das sich mit unserer Auslegung der Bewertungskriterien (von Sebastian und mir formuliert) deckt.

Ich will gern erst mal abwarten, was Olaf antwortet, denn vielleicht ist ja wirklich nur der Begriff "persönliches Bibelstudium" unglücklich. Aber ich kann jetzt schon sagen: Olafs Hinweis darauf, dass die SFf ja auch für andere SF-Übersetzer da sind, hat mich überzeugt, dass unter Überschrift (A) wirklich (A2) sinnvoller ist. 
Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Sache eigentlich ganz klar ist: Wenn ich mal von den Zwecken in meinem Post ausgehe, dann ist (B) ein Muss, (A1), (C1) und (D) fallen als unrealistisch raus. Bleiben (A2) vs. (A3) und (C2) vs. (C3), und die Entscheidung zwischen diesen Punkten hängt nur von den Punkten im Auswahl-Brainstorm ab und von der persönlichen Vision, die ein jeder von uns von der SF hat - andere Orientierungspunkte für die Entscheidung gibt es nicht. Das Auswahl-Brainstorm legt (A2) und (C2) nahe, unsere Visionen sind indiskutabel, daher keine gute Diskussionsgrundlage und sollten daher ausgeblendet werden.
Und damit haben wir eigentlich schon alles - es sei denn, man will die Trennlinie zwischen A2 und A3 und C2 und C3 woanders ziehen (Ben) oder die zur Auswahl stehenden Zwecke anders bestimmen (Olaf). Mir wenigstens bleibt damit jetzt nur, auf alternative Vorschläge zu warten. Auch ein schöner Job :)
Und mir ist aufgefallen, dass Olaf in seinem Vorschlag ja 11 Zwecke angibt (?). Würdest du aus denen 2-3 auswählen wollen?

Vor einiger Zeit habe ich von einer Übung für Designer gelesen, die Kreativität fördert: Nämlich die, nicht nach dem ersten befriedigenden Entwurf aufzuhören, sondern wenigstens 10 verschiedene anzufertigen. Man ist so gezwungen, nach weiteren Lösungen zu suchen, und es ist gut möglich, dass der beste Entwurf am Ende nicht der zuerst angefertigte ist.
Auch ich versuche gerade, unser Anliegen etwas weiterzudenken – was nicht heißt, dass es keine besseren Methoden gibt oder dass wir nicht auch anderswo weitermachen können. Kreativität lebt vom freien Sammeln und Äußern der Gedanken ohne Druck.
Am Ende meines letzten Beitrags war ich ja skeptisch, was wir mit Zielgruppendenken erreichen können, möchte zumindest das jetzt aber im Kontext meiner weiteren Gedanken relativieren. Was wir bisher gesammelt haben, ist hilfreich, aber es zeigt m.M.n. vor allem, dass

  • wir schon ziemlich gute Kriterien haben, die wenn überhaupt zu ergänzen wären, weil sie unsere Vision schon gut wiederspiegeln, und dass
  • Sebastian ein Stück weit recht hat, wenn er sagt, dass diese Diskussion vor allem von unserer Vision abhängt und damit bisher ein Stück weit ins Leere gelaufen ist. (Vielleicht ist das auch der Grund, dass wir uns nicht auf eine Vorgehensweise einigen können.)

Das Positive daran: Wir haben eigentlich nicht so viel zu tun, wie vorher bei der Lesefassung. Es reicht, wenn wir uns auf Details verständigen. Die bisherigen Überlegungen sind in jedem Fall wertvoll, weil sie sicher stellen, dass wir nichts übersehen.
Wie wäre es, wenn wir uns auf Grundlage der bisherigen Diskussion als Nächstes auf Zielgruppen verständigen und die bisherigen Kriterien und die bisherige Praxis aus Sicht dieser Zielgruppen bewerten. (Olaf war auch schon bei diesem Schritt. :-) ) Denn die Kriterien, die wir haben, sind solide und gut formuliert, und m.E. besteht höchstens Anlass zu einzelnen Ergänzungen. Dabei steht es uns frei, die Kriterien aus Sicht der Zielgruppen nicht nur zu ergänzen, sondern auch nochmal abzuklopfen. Das passt zu der oben formulierten Erwägung, dass unsere Entwicklung nicht zu sehr vom Bestehenden abweichen sollte. 
Ich denke, wir wollen mit dieser Diskussion im Wesentlichen lediglich
a) unsere Übersetzerpraxis vereinheitlichen, wo Auslegungsspielraum bislang zu unterschiedlichen Ergebnissen führt
b) sicherstellen, dass die Studienfassung für unsere Zielgruppen (nicht mehr oder weniger) geeignet ist.
Wie ich schon angedeutet habe, halte ich es dabei für besser, die Zielgruppen nicht zu genau zu definieren. Das erspart uns einerseits einigen Hickhack, der sonst in dem Versuch entstünde, die Kriterien genau an eine (vielleicht sogar etwas künstlich) festgelegte Zielgruppe anzugleichen, und verhindert zudem, dass wir uns bei diesen Zielgruppen verschätzen und an deren Wünschen (oder einer übersehenen Nutzergruppe) vorbeidefinieren. Es ist ja wohl eher so, dass wir eine Zielgruppe (als eine Gruppe von Lesern, die unsere Übersetzung verwenden würden) anerkennen, als dass wir bestimmen könnten, wer unsere Übersetzung hilfreich finden wird. Die bisherigen Kriterien sind insofern vorbildlich, indem sie die Studienfassung nicht auf eine Zielgruppe beschränken. Das passt zu dem ebenfalls (zumindest indirekt) oben formulierten Ideal, dass die Studienfassung relativ breit anwendbar sein sollte. Korrekturen sind allerdings notwendig, um die Relevanz zu erhalten und Auswüchse bis ins Hunderste einzudämmen. (Dieser Ansatz ist selbstverständlich von meiner Vision der Studienfassung geprägt, ebenso wie Olafs von seiner gezeichnet ist.)
Anstelle Olafs gut durchdachter, aber auch genau definierter Zielgruppen würde ich zwei grobe Zielgruppen anpeilen und lediglich Rahmenbedingungen formulieren, mit deren Hilfe wir die Eignung bestimmter Eigenschaften der SF bestimmen können.
Die Zielgruppe der modernen Leser, d.h. solcher Leser, die v.a. "passiv" an Informationen interessiert sind. Rahmen: Erfordern allgemeinverständliche und aktuelle Sprache in Text und Dokumentation. Sind zumindest an bündigen Zusammenfassungen von Hintergrundinformationen interessiert, die notwendig oder hilfreich sind, um den deutschen Bibeltext zu verstehen. Der moderne Leser will zudem ggfs. Übersetzungsentscheidungen nachvollziehen können (eine inhärente Tugend der OfBi, die nicht zur Debatte steht, oder?).
Und die der "Weiterverarbeiter", d.h. solcher Leser, die, etwa im Rahmen der Offenen Bibel, auch ein "aktives" Interesse an den Informationen haben. Rahmen: Ihnen dient die Studienfassung als wichtige Quelle eigener Arbeiten am Text. Gemeint ist nicht der faule Theologiestudent, sondern in erster Linie Menschen, die mit der Bibelübersetzung zu tun haben. Erfordern für die eigene Arbeit vollständige Dokumentation von nicht unmittelbar nachvollziehbaren Übersetzungsprozessen, einschließlich getroffener textkritischer sowie Übersetzungsentscheidungen oder vorhandener Mehrdeutigkeiten/Unsicherheiten bei der Deutung des Texts. Für die Kontextualisierung (ich denke gerade auch an die Leichte Sprache) sind in vielen Fällen weitere Informationen nötig (z.B. zur Diskursentwicklung, Gattung, Stilmitteln oder historische/kulturelle Fakten).
Ob dieser beiden groben Gruppen sinnvoll definiert sind oder ob sie als Zielgruppen ausreichen, lässt sich diskutieren; ich nehme sie jetzt einfach mal als Grundlage für weitere Gedanken. Die Relevanz einer Eigenschaft bzw. eines Kriteriums für die Zielgruppen können wir prüfen, indem wir sie jeweils mit "ja", "bedingt" und "nein" bewerten.
Ausgehend von diesen beiden Zielgruppen, wäre es schon möglich, testweise einige Anforderungen an Fußnoten zu formulieren. Beispielsweise: 

  • Relevante Fußnoten sind solche, die für eine der beiden Zielgruppen relevant wären. (Allerdings wären hier ggfs. weitere Festlegungen nötig. Gerade im Fall der Lesergruppe streiten wir ja schon länger darüber, was relevant ist.)
  • Aus Sicht der Leser sollten Fußnoten unkompliziert und verständlich gehalten sein, der Text insgesamt sollte in zeitgemäßer Sprache gehalten sein.
  • Wie schon ausgeführt, ist der Leser zumindest an Informationen interessiert, die notwendig oder hilfreich sind, um den deutschen Bibeltext zu verstehen.
  • Bedingt relevant ist für den Leser die Nachvollziehbarkeit der Übersetzungsentscheidungen.
  • Aus Sicht der Weiterverarbeiter sind bei allen nicht nach Schema F übersetzbaren Konstruktionen dokumentierende Fußnoten erwünscht (Nachvollziehbarkeit). Das betrifft beispielsweise auch (meist adverbiale) Partizipien, die sich theoretisch auf mehrfache Weise auflösen lassen. 
  • Ich wage mal die Aussage: Aus Sicht der "Weiterverarbeiter" wird in vielen Fällen auch die Dokumentation textkritischer Entscheidungen dienlich sein, soweit sie sich auf die Übersetzung auswirken. Auch für Weiterverarbeiter ist dabei Nachvollziehbarkeit eine Tugend.

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Tabelle ähnlich Olafs genialer Auflistung zur Lesefassung hier weiterhelfen würde. Darin könnten wir analysieren und definieren, welches Kriterium und welche Eigenschaft für die beiden Zielgruppen in welcher Ausführung relevant wäre. Soweit meine Überlegung.

Ich fand eigentlich unser Vorgehen bei der LF-Kriteriendiskussion ziemlich gut, weil das theoretisch so sauber war. Aber vielleicht können wir das ja wirklich abkürzen; nur als Versuch teste ich daher mal aus, was Ben vorgeschlagen hat:
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Es folgen unsere aktuellen Kriterien. Ich sortiere sie mal um nach grammatischen Ebenen: Wort => Morphosyntax => Idiome => Syntax => Textstruktur => Bedeutung. Außerdem trenne ich auf, wo mehrere Themen in einem Punkt stehen. Aus den "Zeitaspekten" habe ich natürlich "Verbtempora" gemacht, als "Überschriften verteilt" natürlich "Überschriften gesetzt" - das sollte auch auf der Kriterienseite unbedingt geändert werden. In (8) habe ich außerdem nach "Konsens" eingefügt: "über die Deutung einer Stelle".

  • (1) Wortwahl: Es wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils eine angemessene Übersetzung der Worte für den Zusammenhang der Stelle gesucht. Wenn die biblischen Wörter mehrere passende Bedeutungen haben, folgen diese als Alternativen in runden Klammern ( ) oder in Fußnoten.
  • (2) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen als solche per Fußnote gekennzeichnet werden. Die beste Übersetzung wird in den Fließtext integriert. Andere Übersetzungsmöglichkeiten werden in runden Klammern bzw. Fußnoten ergänzt. Auch bei der Auflösung von Partizipien sollten nach Möglichkeit mehrere sinnvolle Übertragungen angegeben werden. Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
  • (3) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt, die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnoten erklärt. Nur wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
  • (4) Der Satzbau soll nach Möglichkeit in grammatikalisch gleichartige/-wertige Konstuktionen übersetzt werden. Die Satzstellung des Urtextes sollte beibehalten werden, wo dies sinnvoll ist [1] [2]. Wo die Syntax mehrdeutig ist, folgen alternative Auflösungen in runden Klammern (); Einfügungen werden in eckige Klammern [ ] gesetzt, Auslassungen werden mit geschwungenen Klammern { } markiert.
  • (5) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt.
  • (6) Anmerkungen und Beobachtungen zum Verständnis und zur Übersetzung der Bibelstellen können der Studienfassung in den Fußnoten folgen.
  • (7) In Fällen, wo die die Textüberlieferung unklar ist, folgen die Übersetzungen alternativer Textvarianten in runden Klammern () oder Fußnoten.
  • (8) Bei unterschiedlichen wissenschaftlichen Deutungen gilt: Falls es in der wissenschaftlichen Diskussion keinen Konsens über die Deutung einer Stelle gibt, verwenden wir die Deutung mit der größten Plausibilität. In Fußnoten dokumentieren wir die wichtigsten wissenschaftlich diskutierten Übersetzungsmöglichkeiten und (falls abweichend) wesentliche konfessionelle Traditionen.

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Zunächst mal zu den Kriterien selbst:
In (1) würde ich die "mehreren passenden Bedeutungen" genauer bestimmen. Ich habe beim Übersetzen festgestellt, dass es oft keinen Sinn macht, bloße Synonyme aufzulisten und mache das mittlerweile so, dass ich nur alternative in der Forschung vorgeschlagene Wortbedeutungs-deutungen als Alternativen liste. Andere listen dagegen v.a. Synonyme. Hier besteht also Uneinheitlichkeit.
Wenn Ben recht hat - und ich glaube das auch - dass es eine der größten Tugenden der OfBi ist, dass sie Übersetzungsentscheidungen nachvollziehbar macht, müsste außerdem noch ausgeführt werden, dass in einer Fußnote die Hintergründe dieser unterschiedlichen Deutungen erklärt werden. Das selbe bei (4).
In (2) würde ich den Satz "Auch bei der Auflösung von Partizipien sollten nach Möglichkeit mehrere sinnvolle Übertragungen angegeben werden." streichen - das ist redundant, weil das ja nur ein Sonderfall von "nicht ohne Weiteres ins Deutsche übersetzbarer Konstruktionen" ist - das Participium conjunctum wird ja sogar schon in der Klammer genannt. 
In (4) ist "gleichartige/-wertige Konstruktionen" missverständlich; ich würde aus (4) einfach machen: "Der Satzbau des Urtextes sollte nach Möglichkeit beibehalten werden. Wo die Syntax mehrdeutig ist...". 
Außerdem fehlt eine Erklärung, wann eine Einfügung und wann eine Auslassung gesetzt wird. Ich mache mal einen Vorschlag basierend auf der "Einführung": Wegen der unterschiedlichen stilistischen Normen und der unterschiedlichen Sprachstrukturen der biblischen Ursprachen und des Deutschen sind dabei bisweilen Einfügungen oder Auslassungen notwendig. Einfügungen werden mit eckigen Klammern [], Auslassungen mit geschweiften Klammern {} markiert
Außerdem bin ich mir unsicher, ob die Links so sinnvoll sind. Der verlinkte Blogeintrag Olafs enthält zum Thema "Satzbau beibehalten, wo dies sinnvoll ist" eigentlich so gut wie keine Infos, sondern will ja explizit unterschiedliche Übersetzungskonzepte vorstellen. Und Bens Blog ist eine Vorstellung der modifizierten Interlinearmethode, und die ist ja keine Vorgabe der SF, was Olaf schon auf der Diskussionsseite zum "Wegweiser Studienfassung" angemerkt hat. Die Links würde ich daher eigentlich eher löschen; kann aber sein, dass ich da schief gewickelt bin.
(6) ist ziemlich sicher zu kurz: Was für ein "Verständnis" ist damit gemeint? Meint das das selbe wie "wissenschaftliche Deutungen", oder soll das eher Informationen liefern, die man auch in einer Studienbibel finden würde? Wahrscheinlich eher letzteres, oder? Dann ist vielleicht zu bedenken: Wenn die "für das Verständnis wichtigen Informationen (z.B. biblisches Spezial-Vokabular, kulturgeschichtlicher Kontext, bibelkundliche Zusammenhänge, Mehrdeutigkeiten im Urtext...) [schon in der LF] in Fußnoten erläutert werden", dann wäre das in der SF theoretisch überflüssig und man sollte stattdessen vielleicht bestimmen, dass diese Informationen hier so dargeboten werden, dass ein LF-Übersetzer daraus möglichst gut die entsprechenden LF-Fußnoten erstellen kann. Dann wäre quasi nicht die SF, sondern die LF unsere "Studienbibel" und die SF in dieser Hinsicht nur die Hilfestellung zum Erstellen dieser Studienbibel.
Außerdem ist das "zur Übersetzung" zu unspezifisch; ich denke, dass damit Informationen für das sinngemäße Übersetzen in der LF gemeint sind, oder? Dann würde ich diese beiden Teile aber lieber auftrennen und das "für das sinngemäße Übersetzen der LF" zw. (4) und (5) einfügen. 
Diesen Punkt setze ich unten mal noch nicht um, weil ich mir noch unsicher bin, wie das zu lesen ist.
(7) entspricht nicht unserer Praxis, sonst müsste bei jeder in BHS/BHQ und NA27 aufgeführten Textvariante eine Klammer gesetzt werden. Ich glaube, am sinnvollsten wäre etwas wie "In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote..." - und darüber, wie es weitergeht, besteht wohl auch noch Diskussionsbedarf.
(8) Hier würde ich an "mit der größten Plausibilität" die FN a der LF-Kriterien anfügen, die dann in den LF-Kriterien gestrichen werden könnte. Die Festlegung auf eine Deutung ist ja Aufgabe der SF, nicht der LF. 
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Ich hänge noch mal die Eigenschaftsliste inkl. meiner Vorschläge an; wo ich glaube, dass noch etwas fehlt, markiere ich das durch Unterstriche. 

  • (1) Wortwahl: Es wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils eine angemessene Übersetzung der Worte für den Zusammenhang der Stelle gesucht. Wenn ________________ , folgen diese als Alternativen in runden Klammern ( ) oder in Fußnoten. _____________________
  • (2) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen als solche per Fußnote gekennzeichnet werden. Die beste Übersetzung wird in den Fließtext integriert. Andere Übersetzungsmöglichkeiten werden in runden Klammern bzw. Fußnoten ergänzt. Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
  • (3) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt, die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnoten erklärt. Nur wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
  • (4) Der Satzbau soll nach Möglichkeit beibehalten werden, wo dies sinnvoll ist. Wo die Syntax mehrdeutig ist, folgen alternative Auflösungen in runden Klammern (). __________________ Wegen der unterschiedlichen stilistischen Normen und Sprachstrukturen sind dabei bisweilen Einfügungen und Auslassungen nötig. Solche Einfügungen werden in eckige Klammern [ ] gesetzt, Auslassungen werden mit geschwungenen Klammern { } markiert. 
  • (5) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt.
  • (6) Anmerkungen und Beobachtungen zum Verständnis und zur Übersetzung der Bibelstellen ________________ können in den Fußnoten folgen.
  • (7) In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote _____________________
  • (8) Bei unterschiedlichen wissenschaftlichen Deutungen gilt: Falls es in der wissenschaftlichen Diskussion keinen Konsens über die Deutung einer Stelle gibt, verwenden wir die Deutung mit der größten Plausibilität [FN: Besagt diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass das Anliegen des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation.]. In Fußnoten dokumentieren wir die wichtigsten wissenschaftlich diskutierten Übersetzungsmöglichkeiten und (falls abweichend) wesentliche konfessionelle Traditionen.  

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Was mir zunächst mal auffällt: Von diesen Eigenschaften her hätte die SF in der Tat auch einfach eine Online-Studienbibel mit Schwergewicht auf sprachliche Fragen werden können; dass sie das nicht geworden ist, liegt nur daran, wie wir sie ausgelegt haben. Das nur nebenbei, weil ich das spannend finde. 
Schauen wir also jetzt mal, was wir daraus machen können. (1)-(5) sind Selbstzwecke, die unabhängig von Verwendungszwecken oder Zielgruppen sind. Für (6)-(8) aber müsste sicher definiert werden, welchen exegetischen Bildungsstand bei den Lesern dafür vorausgesetzt werden darf; bei (6) + (8) wäre außerdem der Zweck zu klären.
Wenn wir also nach Bens Vorschlag vorgehen würden, müssten wir erstens die obigen Leerstellen füllen, zweitens für (6)-(8) den erwarteten exegetischen Bildungsstand der Leser definieren und drittens die Zwecke dieser "Verständnis-Fußnoten" von (6) und der "Wissenschafts-Fußnoten" von (8) definieren, die dann wie bei den Übersetzungskriterien der LF den Übersetzungskriterien vorausgeschickt werden müssten. Viertens habe ich bei diversen Diskussionen mit Ben gemerkt, dass wir vielleicht mal bestimmen müssten, wo zwischen "flüssig lesbar" und "formal äquivalent" die SF stilistisch stehen soll. Ben übersetzt in der Regel eher flüssiger und daher bisweilen nicht streng grammatisch äquivalent, ich dagegen lasse meine SFf gerne auch etwas holpriger klingen, wenn sie dafür die Lexik und Syntax des Urtextes genauer abbildet.
Ein Vorgehen nach Bens Vorschlag würde in der Tat weniger Zeit in Anspruch nehmen als eine Diskussion nach dem Schema der LF-Kriteriendiskussion, und ich könnte mir auch gut vorstellen, dass das reicht. Nur ist es eben theoretisch nicht so sauber wie die LF-Kriteriendiskussion; aber wenn das wirklich reichen würde, wäre das ja nicht schlimm - das Ergebnis wäre das selbe. Ich bin daher unsicher, was ich vorziehen würde, aber da die Diskussionsbeteiligung hier ja eher gering ist und ich die Kriteriendiskussion zum OfBi-Treffen im Oktober gerne fertig hätte, würde ich fast vorschlagen, wir versuchen mal, nach dem Schema weiterzumachen. 

Ich mache auch gleich mal einen ersten Vorschlag, um das ein bisschen voranzutreiben :)  
Ich gehe dabei jetzt mal davon aus, dass unter (6) mit "Verständnis" tatsächlich das gemeint ist, was man typischerweise in einer Studienbibel erwarten würde, und mache deshalb daraus "Grundlagen für die entsprechenden Fußnoten in der LF" (wie oben angemerkt). 
Bei "flüssig lesbar" vs. "formal äquivalent" setze ich das Gewicht jetzt mal bei "formal äquivalent, solange dies nicht zu ungrammatischem Deutsch führen würde" und ergänze das bei (4).
Bei (7) bin ich mir noch unsicher; das wird wahrscheinlich v.a. ein Fight zwischen Ben und Olaf ;)
 

  • (1) Wortwahl: Es wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht.
    Wenn verschiedene Deutungen eines Wortes möglich sind, wird die plausibelste Deutung (s.u.) in den Fließtext übernommen; die Alternativen werden in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote werden die Hintergründe dieser Alternativen allgemeinverständlich erläutert und es wird kurz angegeben, warum die Primärübersetzung als plausibelste Deutung angesehen wird.
  • (2) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz und allgemeinverständlich erläutert werden.
    Bei mehreren möglichen Auflösungen wird die plausibelste Auflösung (s.u.) in den Fließtext übernommen; alternative Auflösungen werden in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote werden die Hintergründe dieser Alternativen allgemeinverständlich erläutert und es wird kurz angegeben, warum die Primärübersetzung als plausibelste Auflösung angesehen wird.
    Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
  • (3) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
  • (4) Der Satzbau soll nach Möglichkeit beibehalten werden, solange dies nicht zu ungrammatischem Deutsch führen würde.
    Wo die Syntax mehrdeutig ist, wird die plausibelste Auflösung (s.u.) in den Fließtext übernommen und alternative Auflösungen in runde Klammern () ergänzt. In einer Fußnote werden die Hintergründe dieser Alternativen allgemeinverständlich erläutert und es wird kurz angegeben, warum die Primärübersetzung als plausibelste Auflösung angesehen wurde.
    Wegen der unterschiedlichen stilistischen Normen und Sprachstrukturen sind dabei bisweilen Einfügungen und Auslassungen nötig. Solche Einfügungen werden in eckige Klammern [] gesetzt, Auslassungen werden mit geschwungenen Klammern {} markiert.
  • (5) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt.
  • (6) Informationen, die für das Formulieren der LF-Fußnoten zum nötigen Hintergrundwissen nötig sind (s. dort), werden in einer Fußnote allgemeinverständlich erläutert; ebenso Informationen, die für das sinngemäße Übertragen in die LF nötig sind.
  • (7) In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote _________________
  • (8) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation.
    In Fußnoten dokumentieren wir allgemeinverständlich die wichtigsten wissenschaftlich diskutierten Übersetzungsmöglichkeiten und (falls abweichend) wesentliche konfessionelle Traditionen.

Zum exegetischen Bildungsstand: Zuerst habe ich gedacht, dass man den nicht wesentlich höher ansetzen darf als auf Allgemeinbildungsniveau, weil die SF ja Grundlage für das Erstellen der LF ist und für die LF ja keine exegetische Vorbildung vorausgesetzt wird. Aber dann ist mir aufgefallen, dass LF- und LS-Übersetzer ja sehr wahrscheinlich nur Menschen sein werden, die sich schon etwas intensiver mit der Bibel beschäftigt haben; ein Minimum an Vorbildung wird man daher vielleicht doch voraussetzen dürfen. Aber ganz allgemein ist ja Allgemeinverständlichkeit ein stilistisches Ideal auch in wissenschaftlichen Texten; ich habe daher oben jetzt auch ganz oft "allgemeinverständlich" eingefügt.
Ich zweifle aber auch daran, ob sich Textkritik-Fußnoten wirklich allgemeinverständlich formulieren lassen, so dass sie noch sinnvoll sind; eine Einführung dieser Fußnoten mit "Textkritik: " - sozusagen als Warnung - finde ich daher eine ganz gute Lösung.* 
Den Zweck von (6) habe ich jetzt ja schon oben mal versuchsweise definiert - weiß aber noch nicht, ob ich damit die aktuellen Kriterien ganz richtig verstanden habe -, der Zweck von (8) ist offensichtlich erstens die wissenschaftliche Absicherung von SF und LF und die allgemeinverständliche Einführung in die wissenschaftliche Diskussion einer Stelle.
Darauf aufbauend könnte man davor also einfügen:
Die Studienfassung ist eine formal äquivalente Übersetzung direkt aus dem Urtext. Sie will vor Allem

  • Möglichst viele sprachliche Details des Ausgangstextes abbilden
  • Grundlage für das Erstellen der Lesefassung sein
  • Die Übersetzungsentscheidungen der Studienfassung und der Lesefassung wissenschaftlich absichern
  • Interessierten Lesern eine kurze und allgemeinverständliche Einführung in die wissenschaftliche Diskussion einer Stelle bieten.

Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Studienfassung gemessen werden kann:
 
* Ich muss aber gestehen, dass ich Bens Textkritik-FN z.B. in Mk stellenweise auch stark übertrieben finde; in den ersten drei Kapiteln sind die meisten mehr als dreimal so lang wie die in Metzgers "Textual Commentary"! (Ich darf das schreiben, weil ich selbst zu zu langen FNn neige). Vielleicht könnte man da eine Zusatzregelung in den Kriterien treffen: Dass besonders komplexe Fragen - also nicht nur Textkritik-Fragen -, die daher besonders lange FNn erforderlich machen, in einem entsprechenden Abschnitt auf der Kommentarseite diskutiert werden müssen. Das gefällt mir zwar nicht besonders, aber für den Durchschnittsleser ist das wohl die beste Lösung. Gleichzeitig würde ich dann aber auch gern die Zusatzregelung treffen, dass bei Problemen, die einer ausführlichen Diskussion bedürften, diese Diskussion nicht einfach ausgespart werden und dann ersatzweise einfach auf einen Kommentar o.Ä. verwiesen werden darf (Ich denke z.B. an Olafs FN t zu Jes 53.), sondern dass auch dies dann z.B. auf die Kommentarseite diskutiert werden muss. 

Hallo Ben, hallo Sebastian,
danke für Eure sehr guten Überlegungen!
Ich merke, dass ich inhaltlich ganz eng bei euch bin. Zugleich möchte ich aber noch einmal eine Lanze für die Festlegung einer Zielgruppe brechen.
In den jetzigen Kriterien haben wir ja definiert, dass die Studienfassung für Menschen mit und ohne theologische Ausbildung nützlich sein soll. Die Praxis sieht dann aber so aus, dass zwar viele von meinen Fußnoten halbwegs allgemeinverständlich sind, andererseits sich aber die von Ben oder Sebastian erstellten sprachlich ausschließlich an Leute mit theologischer Ausbildung richten.
Nun habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich überzeuge euch davon, dass wir im Hauptzweck eine eindeutige Festlegung auf Nicht-Theologen brauchen. Oder ich scheitere mit dem Versuch, und dann sollten wir ehrlicherweise schreiben: „Die Offene Bibel richtet sich an ausgebilderte Theologen sowie an Theologiestudierende ab Ende des Grundstudiums.“
Das fände ich schade, denn ich sehe eine Gruppe von Nicht-Theologen, die von der Studienfassung noch viel mehr profitieren könnte als die ausgebildeten Theologen: Nicht-Theologen, die es genau wissen wollen, die wirklich verstehen wollen, was die Bibel an einer bestimmten Stelle sagt und warum das so ganz verschieden übersetzt und ausgelegt wird. Wenn ich solche Leute treffe, dann sind es meistens Anhänger von Interlinear-Übersetzungen oder konkordanten Übersetzungen – was einerseits verständlich ist, andererseits aber traurig. Schließlich übertragen solche strukturtreuen Übersetzungen ja ganz viele sprachliche Aspekte nicht ins Deutsche, sondern behalten die ursprachliche Satzbau-Denke bei. Dadurch setzen sie für ein korrektes Verständnis Kenntnisse über diesen ursprachlichen Satzbau voraus – den die Leute aber ja gerade nicht haben.
In unserer Studienfassung sehe ich die Chance, hier einen besseren Weg zu gehen. Das geht aber nur, wenn die Fußnoten halbwegs allgemeinverständlich sind.
Wenn wir den Hauptzweck für eine solche Zielgruppe definieren, dann ergeben sich daraus Eigenschaften, die gut mit den Notwendigkeiten für die Mitarbeiter an Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache einhergehen. Außerdem wären die Eigenschaften dann ganz eng an dem, was ihr ohne Definition einer Zielgruppe bereits vorgeschlagen habt.
Die Frage wäre dann nur, ob wir die Theologen dann noch in einem Nebenzweck aufnehmen oder nicht. Inzwischen tendiere ich eher für einen klaren Fokus – auch, weil das zu euren Überlegungen besser passt.

Ah, Olaf,
schön, dass du schreibst :)
Ja, das hab ich mir gedacht - es wird v.a. auf eine Diskussion über Sinn und Formulierung der FNn hinauslaufen. Die sind in der Tat aktuell von jedem von uns unterschiedlich konzipiert. Das liegt aber daran, dass von einer Konzeption der Studienfassung ausschließlich (! - warum würdest du aus "mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen" nun "Nichttheologen" machen wollen?) für Nichttheologen bisher nicht die Rede war. Auch von "für Nichttheologen nützlich" war bisher nicht die Rede, und da die FNn nach den aktuellen Kriterien dafür da sind, (a) alternative Wortbedeutungen aufzulisten - was aber ja mittlerweile fast komplett in die Klammern verlagert wurde, (b) grammatische Konstruktionen zu kennzeichnen und (c) die wichtigsten wissenschaftlich diskutierten Übersetzungsmöglichkeiten zu dokumentieren, und weder (b) noch (c) typischerweise "nützlich für Nichttheologen" sind, ist auch das nichts, woran man gut die bisher verfassten FNn messen könnte.
Aber wir sind ja gerade dabei, die Kriterien neu zu bestimmen; gehen wir also mal davon aus, dass das keine große Änderung des Studienfassungszwecks wäre. Gehen wir außerdem mal davon aus, dass dieser Zweck sinnvoll ist, d.h., dass es diese Zielgruppe - Nichttheologen, die extra im Internet nachschauen, warum eine Bibelstelle in zwei verschiedenen Bibelübersetzungen unterschiedlich übersetzt ist - wirklich gibt und dass sie groß genug ist und häufig genug dieses Anliegen hat, dass es sich lohnen würde, die Studienfassung ausschließlich für diese Zielgruppe und für diesen Zweck zu konzipieren (und schon daran habe ich meine Zweifel). Dann bleibt trotzdem noch die Frage, ob das realistisch ist, und daran habe ich noch größere Zweifel. Kann man Nichttheologen wirklich stets leicht verständlich erklären, (a) welche verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten es zu jeweils einer Bibelstelle gibt, (b) warum diese Übersetzungsmöglichkeiten existieren und (c) warum die eine Möglichkeit der anderen vorzuziehen ist?
Ich habe, um das rauszufinden, mal sämtliche fast gute Studienfassungen durchgeguckt. Bei deinen SFf (Jes 53; Mt 28, Lk 3) machen das in etwa die FNn a und l zu Mt 28; sonst ist keine Fußnote dabei, die (b) oder (c) erklären würde. Bei Bens FNn finde ich nur die Textkritik-FNn nicht allgemeinverständlich, die meisten anderen würde ich nicht als "für Nichttheologen unverständlich" einschätzen. Auch da sind aber einige dabei, die (b) und (c) nicht machen. Bei meinen FNn sind wirklich einige dabei, die für Nichttheologen nicht verständlich sind; v.a. bei den Psalmen, glaube ich. Aber das sind dann gerade die, die versuchen, diese Dinge zu erklären. Da gibt es sicher noch Raum zur Optimierung, aber trotzdem muss man ja, um die Hintergründe von verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten zu erklären, auf grammatische, stilistische, lexikologische etc. Fragen eingehen und erst recht auf den Bibeltext selbst, und wenn dann auch noch erklärt werden soll, warum die eine wahrscheinlicher ist als die andere, muss zur exegetischen Diskussion Stellung genommen werden. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich das sicher auch auf auch für Nichttheologen verständliche Weise machen und es wäre auf jeden Fall gut, alle Fußnoten, bei denen das möglich ist, auch so zu formulieren, aber geht das wirklich immer? Ansonsten sind auch bei mir einige dabei, die (b) und (c) nicht machen. Komisch. Ich müsste direkt noch mal überprüfen, was wir jeweils mit den FNn erreichen wollten, die das nicht machen.
Das sollen gar keine Gegenargumente gegen deinen Vorschlag sein; ich finde, eine Bestimmung der SF für Nichttheologen ist schon was, was man zumindest ernsthaft in Erwägung ziehen kann. Aber ich habe wirklich meine Zweifel, ob das in der Form realisierbar ist. Könntest du mal ein paar Fußnoten raussuchen, die deiner Meinung nach unverständlich sind, und wir versuchen dann gemeinsam, ob das möglich ist - (1) sie allgemeinverständlich zu verfassen, aber sie gleichzeitig (2) verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten dokumentieren zu lassen, (3) die Hintergründe dieser Übersetzungsmöglichkeiten erklären zu lassen und (4) sie darlegen zu lassen, warum die eine Variante wahrscheinlicher ist als die andere? (Am besten aber so, dass hier auf die Fußnoten hingewiesen und das Formulierungsexperiment auf den dazugehörigen Diskussionsseiten gemacht wird, oder?)
Und kennst du da wirklich so viele Nichttheologen, die an den Gründen für unterschiedliche Übersetzungen von Bibelstellen interessiert sind und dafür sogar grammatische Diskussionen dieser Stellen lesen würden? Ich kenne da keinen einzigen; ich kenne sogar sehr wenige Theologen oder Theologiestudenten, die das interesseren würde.
Abgesehen davon hat Mohij vorgestern was im Chat geschrieben, womit er natürlich recht hat: Wenn die Zielgruppe nicht exklusiv als "Nicht-Theologen" bestimmt würde, folgt daraus ja noch lange nicht, dass damit die Zielgruppe automatisch zu "Theologiestudenten im Hauptstudium" würde. Genau so gut wäre z.B. eine inklusive Zielgruppenbestimmung denkbar (wie sie aktuell in den Kriterien steht), z.B. "Sowohl für Theologen als auch Nicht-Theologen", und da müssten dann halt Wege gefunden werden, wie die SF nicht ausschließlich auf Nicht-Theologen hinkonzipiert werden könnte, aber trotzdem auch für diese zugänglich bliebe.
 

Kurzer Einwurf (vielleicht lebt dadurch ja sogar der Rest der Diskussion wieder auf - würde mich freuen; das Treffen rückt immer näher):
Ich habe mir jetzt mal ein paar SFf angesehen und überprüft, warum diverse FNn, die u.U. überflüssig sein könnten, gesetzt wurden. Ich habe dabei erleichtert festgestellt, dass die meisten FNn gar nicht so überflüssig sind, wie ich das jetzt im Kopf hatte :)  - Aber viele sind in der Tat so schwierig formuliert, wie ich das im Kopf hatte; wir sollten uns bei Gelegenheit wirklich mal darüber machen, die FNn der besseren Kapitel zu vereinfachen.
Aber mir ist dabei oft aufgefallen, dass viele FNn dabei sind, die extra Übersetzungsalternativen befußnoten, deren grammatische Hintergründe man auch in jeder Standard-Grammatik oder deren lexikalische Hintergründe man auch in jedem Standard-Lexikon finden kann - und die daher für jemanden, der die Ursprachen nicht kann, uninteressant und für jemanden, der sie kann, doch irgendwie überflüssig sind. Bspp. sind z.B. allein in Mk 13 folgende (ich habe mal dieses Kapitel gewählt, weil ich das selbst geschrieben habe und mich jetzt also selbst angreife): FN b, FN c, FN d, FN h, FN ae, FN ag; FN bm; FN bo;  vielleicht außerdem FN k; FN z; FN bx; FN cb. Eher nicht FN ah; FN bn; FN ca. (Zu diesen würde ich übrigens auch viele der Partizip-FNn von Ben rechnen).
Nach meinem letzten Vorschlag sind diese FNn sinnvoll wegen den jeweiligen FN-Abschnitten in den Kriterienvorschägen (1) und (2):

  • (1) Wortwahl: Es wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht. Wenn verschiedene Deutungen eines Wortes möglich sind, wird die plausibelste Deutung (s.u.) in den Fließtext übernommen; die Alternativen werden in runden Klammern () ergänzt. In einer Fußnote werden die Hintergründe dieser Alternativen allgemeinverständlich erläutert und es wird kurz angegeben, warum die Primärübersetzung als plausibelste Deutung angesehen wird.
  • (2) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz und allgemeinverständlich erläutert werden. 

Aber wenn ich mir jetzt diese FNn anschaue und überlege, für wen diese FNn sinnvoll wären, sind das in den meisten der obigen Fälle nur Menschen, die nur über ganz minimale Ursprachenkenntnisse verfügen und trotzdem übersetzen wollen; und das entspräche ja mehr oder weniger dem obigen Intentions-vorschlag (A1): Die SF will selbst für Leser ohne biblische Sprachkenntnisse die biblische Textgestalt in Gänze nachvollziehbar machen und ihnen daher möglichst vollständig erklären.
Dass das illusorisch ist, haben wir ja schon geklärt. Deswegen kam mir jetzt die Idee: Wäre es sinnvoll, vielleicht ein Kriterium, das in etwa den beiden oben zitierten entsrechen - und die es so oder ähnlich ja recht sicher irgendwann geben wird  - eine Klausel einzubauen, die diese FNn nur auf nicht-selbstverständliche gramm. Phänomene und lexikalische Fragen beschränkt? Was meint ihr? Nehmen wir doch einfach mal die FNn, die ich oben gesammelt habe. Ich würde die mittlerweile wieder streichen. Was meint ihr - würdet ihr sie streichen?
Ich fand das sinnvoll, diesen Einwurf jetzt zu machen, denn irgendwie hängt das auch ein wenig mit Olafs Vorschlag, die SF ausschließlich für Nicht-Theologen zu konzipieren, zusammen: Wenn ich jetzt einfach mal "Nicht-Theologen" mit "Menschen ohne Kenntnisse der biblischen Ursprachen" gleichsetze - würde daraus nicht sogar folgen, dass diese obigen FNn nicht nur nicht überflüssig sind, sondern dass sogar noch mehr derartige FNn verfasst werden müssen, weil solche Nicht-Theologen ja auch solche Hintergründe unterschiedlicher Übersetzunge nicht verstehen?
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P.S.: Wenn jemand interessiert ist an dem Experiment, ob sich sämtliche FNn wirklich allgemeinverständlich verfassen lassen: Ps 5 ist dafür das ultimative Kapitel. Ich habe das zufällig gerade noch mal gelesen, und, großer Gott!, selbst ich musste manchmal erst kurz überlegen, wie genau ich das jetzt gemeint habe. 
 

Wir haben ja auf dem OfBi-Treffen die Übersetzungskriterien der SF aktualisiert. Ich füge mal die aktualisierte Verwendungszweck-Bestimmung der Studienfassung hier ein und aktualisiere darauf und auf den konkreten Einzelentscheidungen vom Treffen (s. hier) aufbauend meinen letzten Vorschlag:
1. Verwendungszwecke der SF:
HauptzweckDie Studienfassung will Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext und die mehr über ihn wissen wollen, als eine klassische Übersetzung bieten kann, auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen die Möglichkeit bieten, ihm in senen inhaltlichen Anliegen, in seiner sprachlichen Vielfalt und in seinem historischen Hintergrund nahezukommen.
Nebenzweck 1Die Studienfassung will Übersetzern der Lesefassung und der Fassung in Leichter Sprache ermöglichen, die biblischen Texte möglichst gut auf der Basis der Studienfassung in ihre Fassungen zu übertragen.
Nebenzweck 2Die Studienfassung will zur Qualitätskontrolle und für andere Studienfassungsübersetzer ihre Übersetzungsentscheidungen nachvollziehbar machen
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=>
2. Eigenschaften der SF:

  • (1) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht. 
    • (b) Auch Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz und allgemeinverständlich erläutert werden. 
      Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll nach Möglichkeit beibehalten werden, solange dies nicht zu ungrammatischem Deutsch führen würde. 
  • (2) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.
  • (3) Zu jede Formulierung und jedem Sinnabschnitt, deren Anliegen und bei denen der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund nicht offensichtlich ist, wird in einer Fußnote allgemeinverständlich erläutert.
  • (4) In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. Die Hintergründe dieser textkritischen Entscheidung werden ____________________________ (auf der Kommentarseite? In einer als "technische Fußnote" getaggte Fußnote? ...) erläutert.
  • (5) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation. 
    Die Hintergründe dieser unterschiedlichen möglichen Deutungen werden in einer Fußnote möglichst allgemeinverständlich erklärt, so dass sie auch für Leser jenseits von Hebräisch-, Griechisch- oder Lateinkenntnisse angenehm lesbar sind. Wo das nicht möglich ist oder die Fußnote überdurchschnittlich lang würde, wird sie_____________________ (ausgelagert auf die Kommentarseite? Als "technische Fußnote" getaggt? ...)

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Bei der Gelegenheit: Ich habe jetzt zwei- oder dreimal in einer Übersetzungsempfehlung in einer FN auf ein bestimmtes LF-Qualitätskriterium verwiesen. Es wäre sehr hilfreich, wenn die Kriterien nummeriert wären, dann müsste man in solchen Fällen nicht das ganze Kriterium in der FN zitieren. Können wir eine solche Nummerierung noch einbauen?

1. Eigenschaften
Die Eigenschaften finde ich bombastisch und solide. Ich merke keine besonders großen Änderungen bei gleichzeitiger gefühlter größerer Klarheit, was ich positiv einschätze. Besonders Punkt 1 scheint noch verständlicher geworden zu sein.
Die Platzhalter könnte man für den Moment einfach durch "gesondert" ersetzen.
Ich glaube, was wir neben dem (jetzt erledigten) Verwendungszweck vor allem noch brauchen, ist eindeutig eine genauere Regelung, wie Fußnoten, Klammern, Kommentare, Einleitungen und sonstige Verständnishilfen zu gestalten sind. Das sollten wir unbedingt als nächstes erarbeiten. Aber in einem neuen Thread.
 
2. Verwendungszwecke
Auch die Verwendungszwecke gehen prinzipiell in die richtige Richtung. Ganz toll, dass das endlich gelungen ist! Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Bei der Formulierung und einigen Inhalten würde ich noch einige Kleinigkeiten verbessern.
2.1 Formales:
1. In allen Zweckdefinitionen ist die Formulierung mit "will" unnötig. Die Studienfassung tut das entweder, oder sie tut es nicht, und wenn sie es nicht tut, müssen wir sie dahingehend verbessern. Die Formulierung ist auch deshalb nicht nötig, weil alle drei Sätze bereits mit "...zweck" eingeleitet werden, sodass der eigentliche Satz gar keine finale Stoßrichtung mehr benötigt. Ich würde die Hilfsverben entfernen und Indikative setzen. Will man eine ähnliche Formulierung aber beibehalten, wäre besser: "hat das Ziel"
2. Im Hauptzweck ist die ellenlange Einschränkungsformel unnötig. Sie enthält keine echten Zusatzinformationen und verschleiert das Anliegen des Satzes völlig. Das Anliegen ist doch sicher, den Zweck auf den Punkt zu bringen!
"Die Studienfassung will Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext und die mehr über ihn wissen wollen, als eine klassische Übersetzung bieten kann, auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen die Möglichkeit bieten"
Dieses Monster von einem Konvolut enthält doch tatsächlich vier verschlungene qualifizierende Nebensätze! Wollten wir unsere manisch-bürokratischen Neigungen nicht zugunsten leichter Verständlichkeit ablegen? ;-) So ein Satz bringt nicht zum Ausdruck, dass wir das geschafft haben.
Dabei kann man doch ganz einfach schreiben: "Die Studienfassung macht [die Informationen] allgemeinverständlich zugänglich."
3. Auch, dass der eigentliche Satzgehalt ganz am Ende in einen langatmigen Infinitiv-Nebensatz gepackt wird, ist nicht optimal.
 
2.2 Inhaltliches
Auf inhaltlicher Ebene hätte ich auch noch Verbesserungsvorschläge.
3. "Sprachliche Vielfalt" (Hauptzweck) ist zu vage. "Vielfalt" ist ein ganz schwammiges Abstraktum, das den Sachverhalt auch ungenügend ausdrückt. Im Bibeltext ist eine sprachliche Komplexität, vielleicht eine Tiefe, das war sicherlich gemeint. Lasst uns ein besseres Wort finden. Sowas wie "Hintergründe" wäre z.B. immer möglich.
4. Nebenzweck 1 könnte man deutlich einfacher und unspezifischer formulieren. Gleichzeitig ist er zu vage. Was bedeutet "ermöglichen" und "möglichst gut"? Unausgereiftes Beispiel einer Verbesserung: "Die Studienfassung enthält die richtigen Informationen, damit Dritte auf dieser Grundlage andere Bibelübersetzungen entwickeln können."
Da habe ich einen Standard verankert, an dem man eine Studienfassung zumindest grob messen kann. Wie gesagt: Ist nur ein Beispiel, das kann man sicher noch durchdenken.
Gleichzeitig habe ich unnötige Spezifizierungen wie die anderen Fassungen oder "möglichst gut" entfernt. Wenn man solche unwesentlichen Zusätze entfernt, kann man den Satz entschlacken.
5. Nebenzweck 2 finde ich wiederum etwas zu spezifisch. Wir müssen ja nicht unbedingt ausschließlich festlegen, zu welchem Zweck die Entscheidungen nachvollziehbar gemacht sind. Und sind die beiden Szenarien wirklich alle möglichen Szenarien? Zudem ist "für andere Studienfassungsübersetzer" eine recht vage Festlegung (wozu dann eine Festlegung?). Eine einfache Lösung, die diese beiden Hauptszenarien festhält, aber etwas öffnet, bestünde darin, die beiden Präpositionalphrasen stattdessen als Beispiele (bzw. einfach als die einzigen explizit angeführten) anzuführen:
"Die Studienfassung dokumentiert notwendige Übersetzungsentscheidungen nachvollziehbar, beispielsweise (oder "namentlich"? "unter anderem"?) zur Qualitätskontrolle oder zum Nutzen anderer Studienfassungsübersetzer."
 
3. Nummerierung
Ich bin auch dafür, dass wir die Übersetzungskriterien nummerieren. Machen wir das doch einfach, es spricht ja wirklich rein gar nichts dagegen.

Nur kurz; eigentlich will ich ins Bett:
2.1.: Das meiste, was da unglücklich formuliert ist, geht auf meine Kappe. Ich hatte Olafs Notizen, als ich das alles zusammengefasst hatte, und der hat teilweise keine ganzen Sätze notiert, so dass ich einfach alles in einen Satz zusammengequetscht habe. Z.B. bei "will" - da war ich einfach doof; ich wollte das in der Formulierung an die LF-Zwecke anpassen und dachte, dort stehe "will". Dabei steht da "soll"; besser das. Oder bei beiden ändern, "soll" fände ich aber besser. 
Was du da zitierst enthält zwei Nebensätze. Das ist eigentlich nicht überdurchschnittlich viel, aber sicher geht das stilistisch besser (v.a., weil direkt darauf noch ein dritter folgen würde :) ). Diese Formulierung habe ich aber wörtlich wiedergegeben; da saßen wir länger drüber, bis alle zufrieden waren. 
Infinitiv: Typisch deutscher Satzbau. Ich denke nicht, dass wir jetzt auch noch unsere Syntax amerikanisieren müssen, wenn schon unsere ganze Kultur amerikanisiert wird... Aber auch hier - wenns stilistisch besser geht, dann immer her mit Vorschlägen.
2.2.3: Finde ich auch. 
 

Hallo,
danke an Sebastian für seine gründliche  Arbeit vor, während und nach dem Treffen!
Laut meinen Notizen hatten wir uns als sprachlich unfertigen Rohbau auf folgendes geeinigt:
 
Hauptzweck: Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext und die mehr ihn über wollen, als eine klassische Übersetzung bieten kann – auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen. Sie haben die Möglichkeit, ihm in seinen inhaltlichen Anliegen, in seiner sprachlichen Vielfalt und in seinem historischen Hintergrund nahezukommen.
Nebenzweck: Übersetzer von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache
Nebenzweck: Andere Übersetzer der Studienfassung zwecks Qualitätskontrolle – Wichtig ist, dass die Leser der Studienfassung dabei nicht mit langer Diskussion übersetzungstechnischer Eigenarten verwirrt werden.
Ich schlage die folgende sprachliche Bereinigung vor:
1. Hauptzweck: Die Studienfassung bietet Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext sind, mehr als eine klassiche Übersetzung. Sie ermöglicht es, ihm in seinen inhaltlichen Anliegen, seiner sprachlichen Vielfalt und seinem kulturellen Hintergrund nahezukommen.
2. Die Studenfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Hilfmittel und inhaltliche Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer. Wo sich die relevanten übersetzungstechnischen Detailfragen nicht kurz und allgemeinverständlich zusammenfassen lassen, werden sie ausgelagert.
Sebastians Vorschlag für die Überarbeitung der Kriterien geht in die richtige Richtung. Ich habe aber den Eindruck, dass die drei Punkte „inhaltliche Anliegen, sprachliche Vielfalt und historische Hintergrund“ noch alle drei deutlich mehr Gewicht bekommen müssen gegenüber Einzelfragen der Wörtlichkeit. So sollte zum Beispiel der Inhalt des aktuellen Kriteriums „ Wenn die biblischen Wörter mehrere passende Bedeutungen haben oder der Satzbau mehrdeutig ist, dann folgen diese Alternativen in runden Klammern ( ) oder in Fußnoten“ auf keinen Fall verschwinden.
 
 
 

Umgewichtung: Ah, das ist wahr; ich habe nicht daran gedacht, dass die Eigenschaften ja nach Priorität sortiert sind; habe einfach die Sortierung nach Sprachregistern beibehalten. Würde es genügen, aus Kriterium (3) Kriterium (1) zu machen?
Mit der Beibehaltung des ()-Satzes hast du auch recht. (Allerdings könnten wir die "Fußnoten" da mittlerweile rausnehmen, oder?). Am sinnvollsten wäre es wohl, einen ()-[]-{}-Satz zwischen " Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde." und "Das heißt [im Speziellen]:..." einzufügen. 
Sprachliche Bereinigung: Bei (1) ist ein "sind" zuviel; bei (2) würde ich aus "Hilfsmittel" "Übersetzungshilfe" o.Ä. machen, außerdem statt "und inhaltliche Orientierung" besser "und zur inhaltlichen Orientierung". Und der zweite Satz von (3) ist kein Zweck. Sonst sehr viel besser als mein Zusammenschrieb. Dann würde ich aber auch bei den LF-Zwecken mit Indikativ statt mit "soll"-Sätzen arbeiten.

Sebastian, warum würdest du die Fußnoten herausnehmen? 
 
EDIT: Hier stand eigentlich: "Olaf, welchen Sinn hast du bzw. die Leute, die die Notiz festgehalten haben, der langen Einleitung des Hauptzwecks zugedacht? "Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext und die mehr ihn über wollen, als eine klassische Übersetzung bieten kann – auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen." " und noch mehr, das jetzt nicht mehr relevant ist, weil ich irgendwie verblödelt habe, zwischen Entwurf vom Treffen und Olafs Neufassung zu unterscheiden. Irgendwie alles gelesen, aber am Ende das Falsche zum Besprechen kopiert. Die nächste Bemerkung bleibt aber relevant: 
 
Ich würde den zweiten Satz von (3) ebenfalls entfernen. Das kann in die Übersetzungskriterien, weil es zum Konzept gehört, aber nicht zum eigentlichen Zweck. Wenn wir, wie von mir vorgeschlagen, uns noch genauer überlegen, wie die Fußnoten auszusehen haben, könnte ein entsprechender Hinweis in den Übersetzungskriterien dann in der Übersetzungs-FAQ ausgeführt werden.

Ben hat zwar die falsche Formulierung zitiert, gerade deshalb aber recht: wenn man von der Formulierung "Die Studienfassung bietet Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext sind, mehr als eine klassiche Übersetzung. Sie ermöglicht es, ihm in seinen inhaltlichen Anliegen, seiner sprachlichen Vielfalt und seinem kulturellen Hintergrund nahezukommen." ausgeht, könnte man genau so gut verkürzen zu "Die Studienfassung ermöglicht Menschen, die neugierig auf den Bibeltext sind, ihm in seinen inhaltlichen Anliegen, seiner sprachlichen Vielfalt und seinem kulturellen Hintergrund nahezukommen." 
War das bewusst, dass du das "jenseits von usw." wieder rausgenommen hast, Olaf?
@Ben: Weil Übersetzungsalternativen in die Alternativenklammern kommen, nicht in die FNn. Wo ich Alternativen-Fußnoten sehe, bekomme ich immer den Drang, das zu bereinigen, weil das seltenst sinnvoll ist. Habe nur 2-3 Fälle gesehen, wo es Sinn gemacht hat, die Alternativen in die FNn auszulagern.

Ach du meine Güte. Bin ich heute unkonzentriert. Sorry! 
Ich würde die Zielgruppe ganz rauslassen. Die Zielgruppe ergiebt sich aus dem Verwendungszweck. Genau wie man bei einem Topf nicht dazuschreiben muss, dass er für Leute da ist, die kochen wollen. Oder? 
Also: Die Studienfassung ermöglicht es, dem Bibeltext in seinen inhaltlichen Anliegen, seiner sprachlichen Vielfalt und seinem kulturellen Hintergrund nahezukommen.
Aber nochmal: "Vielfalt" ist unpräzise. Ich wäre eher für etwas im Sinne von "Komplexität". "Kultureller Hintergrund" ist bei genauerem Hinsehen ebenfalls nicht optimal. Es gibt mehr relevante Hintergründe des Bibeltexts, die wir berücksichtigen, z.B. historische und teils auslegungs- und rezeptionsgeschichtliche.
Im Wegweiser Studienfassung habe ich die folgenden Inhalte ausgemacht, die wir (damals noch: in Fußnoten) dokumentieren: 

  • Übersetzungsentscheidungen
  • Kontext und Textstruktur
  • Umwelt und Geschichtlichem
  • Wortwahl: v.a. bei Stilmitteln, Idiomen
  • schwer verständlichen Inhalten

Das ist vielleicht nicht perfekt, und nicht alles davon ist direkt relevant für den Hauptzweck, aber die Liste ist vielleicht hilfreich.
Und schließlich ist auch "nahe kommen" denkbar nichtssagend.
Ich würde dann eher vorschlagen: Die Studienfassung macht den Bibeltext zugänglich, indem sie Hintergrundinformationen zu seiner Botschaft, seinen sprachlichen Eigenarten und dem historischen und kulturellen Kontext bietet.
Diesen Satz habe ich gerade zusammen mit Sebastian entworfen (der allerdings nur formuliert hat. Vielen Dank!). Ich überlege, ob man vor dem ersten Komma noch irgendwie die Wörter "(Bibel)Übersetzung" und "transparent/Transparenz" einbauen kann. Letzteres ist, richtig formuliert, wohl besser als "zugänglich machen", weil man ein "zugänglich machen" schwer beschreiben oder bewerten kann. Wieder ein vages Wort, und diesmal habe ich es selber eingeführt. ;-) 

Die SF eröffnet interessierten Lesern den Bibeltext, indem sie...?
Finde alles cool, wo "offen" drin steckt :-)

Hallo,

ich finde es schade, dass das sehr gelungene Ergebnis des Treffens jetzt schon wieder in Frage steht.

Ich fand die Idee mit dem Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext als Zielgruppe und mit dem mehr, als eine klassische Übersetzung liefern kann als Hinweis auf das sehr spezielle Profil sehr gelungen. Deshalb möchte nur darauf verzichten, wenn es zwingende Gründe dafür gibt. Generell finde ich, dass wir die Beschlüsse des Treffens nicht leichtfertig über den haufen werfen sollten. Wenn wir die Arbeit auf dem Treffen nicht ernst nehmen, dann zerstören wir damit das einzige Instrument, dass wir gegen ein Sich-online-endlos-im-Kreis-drehen haben.

Und ich habe den Eindruck, dass es das neugierig auf den Bibeltext und das mehr als eine klassische Übersetzung braucht. Sie fassen den Sinn der Studienfassung sehr gut zusammen, auch wenn sie alleine noch nicht konkret genug sind. Sie geben mir ein Bild von der Zielgruppe, die ich allein aus der Aufzählung nicht habe. Und dieses Bild einer Zielgruppe ist notwendig: Nach funktionaler Übersetzungstheorie ergibt sich die Zielgruppe nicht automatisch aus dem Verwendungszweck, da sehr verschiedene Leute dasselbe Anliegen haben können.

Was die zweite Hälfte von 3 angeht: Sie ist notwendig, weil dieser Zweck ohne den Nachsatz in inhaltlichem Konflikt zu den vorangehenden steht. Das jenseits vonhabe ich harausgenommen, weil es durch eben diesem Nachsatz vermutlich impliziert wird – aber vielleicht auch nicht. Ich bin mir nicht sicher.

Ich möchte nun eure Vorschläge für eine sprachliche Verbesserung aufgreifen, ohne inhaltlich an dem Beschluss zu rütteln:

1. Hauptzweck: Die Studienfassung öffnet den Bibeltext für Menschen, die neugierig sind auf mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann. Sie bietet Informationen zu inhaltlichen Anliegen, sprachlicher Vielfalt und kulturellem Hintergrund.
2. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Hilfmittel und inhaltliche Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen nachvollziehbar in kurzen und allgemeinverständlichen Fussnoten oder in einer separaten Dokumentation – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.

Hallo,
Wenn ich das richtig sehe, hat bisher eigentlich niemand etwas in Frage gestellt. Das sind ja bisher alles Formulierungsvorschläge, die sinnvoll sind, weil wir noch keine finale Formulierung haben.
Haupzweck: "die neugierig sind auf mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann" ist etwas anderes als "die neugierig sind auf den Bibeltext", und nach dieser Formulierung würden die beide Näherbestimmungen ("neugierig" + "mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann") endgültig inhaltslos. "Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext" gibt eine Richtung vor, in die die zusätzlichen Informationen der SF informieren, nämlich den Bibeltext. "Neugierig auf mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann" sagt nichts. Es sei denn, man würde aus dem Punkt einen Doppelpunkt machen - dann würde dieses "mehr" zu "Informationen zu inhaltlichen Anliegen" + "Informationen zur sprachlichen Vielfalt" + "Informationen zum kulturellen Hintergrund", und das wäre dann erstens sogar noch spezifischer als die ursprüngliche Formulierung und zweitens wahrscheinlich auch noch näher an dem, was wir uns unter der SF vorstellen - oder?
=> "Die Studienfassung öffnet den Bibeltext für Menschen, die neugierig sind auf mehr, als eine klassiche Übersetzung bieten kann: Sie bietet Informationen zu inhaltlichen Anliegen, sprachlicher Vielfalt und kulturellem Hintergrund des Textes."
Nebenszweck 1:
(a) Ich bleibe dabei: Etwas dient eher nicht "als inhaltliche Orientierung", sondern "zur inhaltlichen Orientierung", denn Orientierung ist etwas psychisches, nichts materielles. 
=> "... und zur inhaltlichen Orientierung"
(b) Auch hierbei bleibe ich: "Hilfsmittel" müsste schon präziser sein, obwohl der Sinn ja schon impliziert wird. Was besseres als "Übersetzungshilfe" fällt mir nach wie vor nicht ein.
(Mir ist außerdem gerade aufgefallen, dass das sogar falsch sein könnte (?). Die Studienfassung ist ja kein Hilfsmittel zur Übersetzung, sondern nach dem OfBi-Konzept Grundlage der Übersetzungen LF und LS. Sehe ich das falsch?)
Nebenzweck 2:
Natürlicher: "Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fussnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer."
Ich würde das "jenseits von..." lieber drin lassen. Es könnte wirklich sein, dass das durch den Nachsatz von Nebenzweck 2 abgedeckt ist, aber die Kriterien sollen ja etwas sein, auf das man sich später berufen kann - ich würde da lieber nicht so viel Interpretationsspielraum lassen.

Hallo,

dann hatte ich euch das Anliegen eures radikalen Kürzens falls verstanden, und außerdem Sebastians gute Hinweis zu zum ersten Nebenzweck überlesen. Entschuldigung!

Ich bin mir noch nicht sicher, wie sich das „jenseits von“ einbauen lässt, ohne einen schrecklichen Bandwurmsatz zu produzieren. Was haltet ihr von dem folgenden Versuch?

1. Hauptzweck: Die Studienfassung öffnet den Bibeltext für Menschen, die neugierig sind auf mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann: Sie bietet Informationen zu inhaltlichen Anliegen und kulturellem Hintergrund. Sie zeigt die sprachliche Vielfalt – auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen.
2. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fussnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.

Hallo,
(2) + (3) finde ich gut. (2) vielleicht noch "Übertragungsgrundlage" statt "Grundlage"? Oder fällt jemandem vielleicht noch etwas verständlicheres ein?
Das mit dem "jenseits von" ist wirklich schwierig. Das soll ja den Kenntnisstand des idealen SF-Lesers näher bestimmen, nicht eine Einschränkung der Leistungen der SF sein - von daher gefällt mir ehrlich gesagt auch Olafs neuer Vorschlag nicht so gut. Aber gleichzeitig macht es das wirklich schwierig, da ohne Schlangensatz rauszukommen.
Vielleicht einfach so? -
Die Studienfassung wendet sich an Menschen auch jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen, die neugierig sind auf mehr, als eine klassische Übersetzung bieten kann. Sie bietet ihnen Informationen zu inhaltlichen Anliegen und kulturellen Hintergründen der Bibeltexte und zeigt ihre sprachliche Vielfalt auf.
Da wäre dann auch das "erschließen" / "zugänglich machen" / "eröffnen" / "öffnen" raus.
Wenn das gut wäre, bliebe immer noch das "Vielfalt", wo ich einfach nicht fassen kann, dass mir da partout nichts besseres einfällt... :/
Besser treffen würde es "Unschärfe", aber das klingt so negativ.

Auch ich finde den jetzigen Stand von 2 und 3 ganz gut. Es stimmt tatsächlich, was Olaf gesagt hat, dass es in Punkt 3 hilfreich wäre, den Umfang anzusprechen.
An Sebastians Vorschlag zum Hauptzweck gefällt mir die Formulierung mit "wendet sich an". Das ist elegant!
Um noch einmal auf Olafs Einwand gegen Änderungsvorschläge einzugehen: Ich wäre sehr enttäuscht, wenn in diesem Kreis mit dem Argument, dass auf dem Treffen ein Beschluss gefasst wurde, inhaltliche Vorschläge abgeschmettert würden. Wir diskutieren hier ja gerade deshalb, weil das Treffen keine finale Form erreicht hat - und das ist m.E. auch besser so. Ich finde es super, dass auf dem Treffen mit einer Lösung gerungen wurde, aber das darf inhaltlich nicht als letztes Wort festgeschrieben werden. Egal, ob es mal länger dauert - die Offene Bibel wäre nicht die Offene Bibel, wenn sie Diskussionen nicht transparent und online führen würde. Weil es uns um Qualität geht.
Zum Thema Zielgruppe: Eine Zielgruppe anzugeben, ist nur dann hilfreich, wenn die Zielgruppe tatsächlich jenseits des Verwendungszwecks definiert ist. Die einzige Zielgruppeneinschränkung, die wir jenseits des Verwendungszwecks haben, ist aber: Die Studienfassung ist für theologische Laien verständlich. Die Zielgruppe, wie wir sie jetzt haben, sagt ja auch nichts weiter aus. Das kann man auch kürzer und anders sagen, ohne sich an der langen Einleitung festzuklammern.
Diesbezüglich sehe ich gerade keine bessere Lösung, als eine i.S.v. "ohne besondere Sprachkenntnisse" dem "jenseits von"... vorzuziehen. "Negative" Aussage hin oder her. Ich glaube nicht, dass diese Aussage wirklich negativen Sinn hat. Biblische Sprachkenntnisse haben nun einmal gewöhnlich nur ausgebildete Spezialisten, das ist ja klar, dass wir das niemandem vorwerfen, oder? 
 
Ich würde es gerne doch noch mal mit einem anderen Ansatz probieren, ohne dass ich die bisherigen Vorschläge geringschätzen möchte. Ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass meine Einwände entkräftet wurden, und kann mir den aktuellen Hauptzweck noch nicht als finale Version vorstellen.
Die Studienfassung eröffnet den Bibeltext mit relevanten inhaltlichen, sprachlichen, historischen und kulturellen Zusatzinformationen. Sie wendet sich an Leser mit und ohne Kenntnisse der biblischen Sprachen.
Nein, mit dem ersten Satz bin ich auch noch nicht glücklich. Er formuliert aber genauer als euer letzter Vorschlag die Inhalte der Anmerkungen. Er umgeht das Problem, die sprachliche Eigenart (hey, wäre das ein gutes Substantiv?) näher bestimmen zu müssen, da "Vielfalt" das nicht ganz schafft. Und "kulturelle Hintergründe" sind eben auch nicht die einzigen Hintergründe, auf die wir eingehen. So haben wir vier recht gute Rahmen-Eigenschaften, auf deren Grundlage wir meinetwegen auch ganz anders formulieren können.
Der letzte Satz liefert eine nüchterne Zusatzinformation, was die Zielgruppe angeht. Mehr wäre Ballast.
EDIT: Sebastian hat gerade im Chat den auf den ersten Blick wirklich sinnvollen Vorschlag angebracht, das Thema "sprachlich" in den Zweck 2 einzubinden. In meinem Vorschlag oben würde das Adjektiv "inhaltlich" für Laienleser dasselbe erreichen, sodass "sprachlich" ausfallen kann.
EDIT 2: Sind inzwischen wieder davon abgerückt, der Vorschlag bleibt also bestehen.

Ich will gerne erst mal warten, was Olaf sagt; nur so viel (zum Verständnis): Ich habe nicht wirklich "vorgeschlagen", das Thema "sprachlich" in Nebenzweck 2 einzubinden, sondern darauf hingewiesen, dass "sprachlich" ohnehin durch Nebenzweck 2 abgedeckt ist und deshalb im Hauptzweck theoretisch nicht eiges genannt werden müsste. Aber nun, nach einer gut durchgeschlafenen Nacht (guten Morgen allerseits :) ), glaube ich, dass das falsch war; einfach von der Gewichtung: Die "sprachliche Vielfalt" aufzuzeigen ist ganz klar einer der Hauptzwecke der SF; Nebenzweck 2 diente dazu zu gewährleisten, dass auch technische Informationen geliefert werden können, ohne dass das störend ist für den "durchschnittlichen" SF-Leser. Der Zweck ist sozusagen ein Korrektiv, und einen Hauptzweck komplett in dieses Korrektiv auszulagern, wäre nicht gut.

Dann müssen wir vielleicht mal definieren, welche sprachlichen Informationen wir überhaupt im Sinn haben. Ich denke dabei vor allem an die von uns gewünschte Dokumentation des Urtexts. Also: Sprachliche Informationen, die nicht direkt in die Übersetzung passen. Sind wir da auf Augenhöhe? Die überschneiden sich in beträchtlichem Umfang mit denen, die auch für Weiterübersetzer relevant sind.
Aber es stimmt: Nicht alle sprachlichen Informationen für den Leser sind auch für Weiterübersetzer relevant - und umgekehrt. Und die Transparenz der Übersetzung ist ein Hauptanliegen.
Und im Prinzip spricht ja auch nichts dagegen, das gesondert im Hauptzweck anzuführen, gell? 

Hallo Ben,

inzwischen ist mir klarer, wo wir aneinander vorbei geredet haben.

Du geht davon aus, dass der überwiegende Teil des Hauptzweckes nur inhaltsleere Worthülsen sind. Das ist aber nicht der Fall – wir haben mit 8 Leuten lange nach Worten versucht, etwas in Worte zu fassen, was nur sehr schwer zu formulieren ist.

Das Problem bei unseren aktuellen Kriterien ist: Es steht da zwar „Leser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen“, aber jede·r stellt sich da etwas anderes darunter vor (oder auch gar nichts), mit dem Ergebnis, dass sehr viele Fußnoten eigentlich nur für Theologen mit Kenntnis der biblischen Sprachen relevant sind. Wir haben daher versucht, ein Bild derjenigen Leute zu malen, die wir erreichen wollen:

  • Menschen, die neugierig sind auf den Bibeltext sind: Es geht um Menschen, die es genau wissen wollen, die bereits sind, sich in den Text einzulesen. Die Studienfassung braucht also nicht flüssig vorlesbar zu sein.
  • jenseits von griechischen oder hebräischen Sprachkenntnissen: Die Studienfassung soll allgemeinverständlich sein.
  • mehr als eine klassische Übersetzung: Die Studienfassung weicht von den klassischen Übersetzungskonventionen ab, wo das ihrem Ziel hilft. Sie braucht sich also nicht zu beschränken auf Text + einige Fußnoten, sondern kann eben auch so ungewöhnliche Dinge enthalten wie die vielen Klammern mit Alternativbegriffen.

Bens zweiter Vorschlag ist viel besser als der erste, aber er sagt noch immer inhaltlich etwas anderes als das, was wir auf dem Treffen formuliert haben:

  • inhaltliche Zusatzinformationen: Das ist viel allgemeiner und unkonkreter als inhaltliche Anliegen.
  • sprachliche Zusatzinformationen: Auch hier ist unklar, was genau damit gemeint ist. Die Formulierung sprachliche Vielfalt ist ebenfalls schlecht, aber gemeint ist ein Hinweis auf unsere Alternativbedeutungen.
  • Leser mit und ohne Kenntnisse der biblischen Sprachen: Damit stehen die Fachleute mit Sprachkenntnissen an erster Stelle im Hauptzweck, und die anderen Leser folgen an zweiter Stelle. Auf dem Treffen hatten wir aber verabredet, im Hauptzweck eindeutig die Nicht-Experten zu benennen.

So, ich hoffe, dass die inhaltliche Richtung, die wir auf dem Treffen verabredet haben, jetzt klarer ist.

Natürlich können wir die wieder verwerfen, falls es wirklich wichtige Gründe dafür gibt. Und neue Formulierungen finden müssen wir sowieso.

Es ist mir halt nur wichtig, dass wir uns nicht ewig im Kreis drehen, indem jeder inhaltliche Forschritt unter dem Motto „brauchen wir nicht“ und „geht kürzer“ dann gleich wieder gestrichen wird.

Hallo,
ich fass mich kurz:
Ich gebe Olaf recht bei "inhaltliche Zusatzinformationen vs. inhaltliche Anliegen" und "sprachliche Zusatzinformationen vs. sprachliche Vielfalt"; außerdem bin froh, dass offenbar niemand hier zufrieden ist mit "Vielfalt", aber auch noch niemand etwas besseres gefunden hat - da komme ich mir nicht mehr so dumm vor :)
Aber zu "Leser mit und ohne Kenntnisse der biblischen Sprachen": Korrigiert mich, wenn ich mich irre, aber erstens drückt Koordination keine Gewichtung aus (d.h., wenn ich schreiben würde "Sebastian und Olaf", würde ich damit "Sebastian" nicht höher gewichten als "Olaf"), zweitens hatten wir uns darauf geeinigt, die SF so zu konzipieren, dass auch Nicht-Experten was damit anfangen können; nicht, dass sie primär oder gar ausschließlich für Nicht-Experten bestimmt ist. Deswegen war die Formulierung, auf die wir uns geeinigt hatte, auch "auch jenseits von biblischen Sprachkenntnissen", nicht "<s>auch</s> jenseits von biblischen Sprachkenntnissen". Wenn mich mein Sprachgefühl nicht täuscht, würde dieses "auch" sogar noch eher Gewichtung ausdrücken als die bloße Koordination (=> "[Nicht nur für Menschen mit biblischen Sprachkenntnissen, sondern] auch für Menschen jenseits von biblischen Sprachkenntnissen"). 
Deshalb - und weil's einfach einfacher ist :) - finde ich das "mit und ohne" auch nach dem Treffen immer noch besser als "jenseits von"; wenn ihr mich fragt, hat es einzig gegen sich, dass in diesem "jenseits" 20 min Denkarbeit von 8 Mann stecken und dass mit der "ohne"-Formulierung die Kriterien nicht den Regeln der Leichten Sprache entsprechen ("Keine negativen Formulierungen"), was die Kriterien aber ja ohnehin nicht sollen.* Ich bin Ben deswegen eigentlich ganz dankbar dafür, dass er dieses Fass noch mal aufgemacht hat - ich hätte mich das nicht getraut, weil ich ja weiß, wie lange wir über diesem "jenseits" gesessen sind.
Liebe Grüße,
Sebastian
 
*Ich habe jetzt außerdem mal nach der Phrase "jenseits von Kenntnissen" gegoogled, weil ich mir schon auf dem Treffen unsicher war, ob man "jenseits" so verwenden kann. In den ersten 30 Ergebnissen ist "jenseits" keine Entsprechung von "ohne" - und wenn es eine Entsprechung von "ohne" wäre, wäre es ja als Alternativformulierung ohnehin sinnlos, weil es dann einfach eine ungebräuchlichere, aber ebenso negative Formulierung wäre -, sondern von "unabhängig von": Man stellt Leute "jenseits von Kenntnissen" ein, d.h. unabhängig davon, ob sie diese Kenntnisse besitzen; oder ein Buch erklärt etwas "jenseits von bestimmten Kenntnissen", d.h. es ist so formuliert, dass irrelevant ist, ob ein Leser diese best. Kenntnisse besitzt oder nicht. Qualifikationen, die "jenseits von bestimmten Kenntnissen liegen", sind Qualifikationen, die mit diesen Kenntnissen nichts zu tun haben usw. D.h., ein Mensch kann gar nicht "jenseits von biblischen Sprachkenntnissen" "sein"; - das ist im Deutschen nicht idiomatisch. Man könnte höchstens "jenseits von [ihren] biblischen Sprachkenntnissen" etwas mit ihnen anfangen oder so.
Texte dagegen könnten "jenseits von biblischen Sprachkenntnissen [ihrer Leser formuliert]" sein, aber das wäre dann weder eine Ziel- noch eine Zielgruppen-, sondern eine Eigenschaftsbestimmung. 

Hallo Sebastian, hallo Ben,

ich habe lange überlegt, wie ich antworten soll, und finde einfach keine angemessenen Worte. Deshalb hoffe ich, dass die folgenden Vorbemerkungen ihren Zweck erfüllen:

1. Es ist klar, dass keine neuen SF-Kriterien möglich sind, die einer von euch nicht akzeptieren kann.

2. Wir hatten beim Offene-Bibel-Treffen eine gute Mischung aus Autoren und Nutzern der Studienfassung. Bei den Nutzern hatten wir teilweise Theologen und teilweise Nicht-Theologen. Diese gesunde Mischung haben wir hier im Online-Forum nicht.

3. Ich glaube zu verstehen, was euch an der Studienfassung wichtig ist, und vermute stark, dass es im Ergebnis des Treffens vollständig berücksichtigt ist.

4. Ich interpretiere eure Aussagen so, dass ihr nicht das Ergebnis des Treffens inhaltlich in Frage stellen wollt, sondern nach eleganteren Formulierungen sucht.

5. Gegen ein derartiges Feilen an der Sprache habe ich nichts einzuwenden.

Nun zum Inhaltlichen: Wir haben auf dem Treffen beschlossen, dass die Übersetzung sowohl für Experten als auch für Nicht-Experten funktionieren soll. Wir haben dann mehrere Gruppen von Nutzern konkret diskutiert. In meinen Notizen finde ich:

A. Übersetzer der Lesefassung und der Bibel in Leichter Sprache

B. Andere Übersetzer der Studienfassung zwecks Qualitätskontrolle

C. Pfarrer, deren Ursprachenkenntnisse zurückgegangen sind

D. Ehrenamtliche, die Andachten oder Bibelabende machen

E. Menschen, die einfach neugierig sind auf einen Text, der nahe am erhaltenen Urtext ist

Außerdem kann ich mich erinnern an (z.T. oben enthalten):

F. Prädikanten

G. Pfarrer mit guten Ursprachenkenntnissen

H. Religionslehrer

I. Mitarbeiter in diakonischen Einrichtungen, Jugendleiter

J. Studierende zwecks Vorbereitung von Lehrveranstaltungen (Soll nach Vorschlag von Wolfgang nicht mehr Zielgruppe des SF sein – Vorschlag wurde ohne Widerspruch akzeptiert)

Wir haben dann kurz überlegt, welche Eigenschaften die SF haben müsste, damit sie alle diese Nutzer erreicht. Dabei kam schnell heraus, dass wir die SF nicht für Gruppe B optimieren können, weil fast alle anderen Gruppen eine viel bessere Übersichtlichkeit und Allgemeinverständlichkeit brauchen. (Das habe ich auch im Protokoll festgehalten.)

Mehrere Anwesende haben dann die Beobachtung geäußert, dass sie die Fußnoten der Studienfassung generell nicht lesen. Die Fußnoten seien nämlich kaum inhaltlich relevant für das erstellen einer Lesefassung (Gruppe A) und für Nicht-Theologen unverständlich (Gruppe A und E). Damit war klar, dass wir in sehr vielen bisherigen SF-Kapiteln an der Hälfte unserer Zielgruppe („Leser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen“) vorbeiübersetzen.

Ich habe dann eine Vermutung geäußert, warum das so ist: „Leser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen“ ist ja inhaltlich ein Synonym zu „alle und jeder“ – und wenn ich beim Übersetzen keine konkrete Zielgruppe vor Augen habe, dann übersetze ich automatisch für Leute wie mich selbst.

Wir brauchen also eine gute Haupt-Zielgruppe. Diese braucht nicht alle potentiellen Nutzer zu enthalten, sondern sollte so gewählt sein, dass eine auf die optimierte Übersetzung auch für die anderen angesprebten Nutzer passt. (So wie eine Persona ein sehr konkreter Beispiel-Nutzer ist, der viel mehr Leute repräsentiert.)

Deshalb habe ich dann vorgeschlagen, dass wir uns eine eine konkrete Haupt-Zielgruppe suchen. Diese Zielgruppe sollte so gewählt sein, dass eine daran orientierte Übersetzung auch für die anderen Zielgruppen wertvoll nutzbar ist. Eine für Nicht-Theologen erstellte SF kann problemlos auch für Theologen wertvoll sein. Umgekehrt gilt das nicht. Mein Vorschlag war dann, dass wir Gruppe E nehmen, weil diese von keinerlei theologischer oder ursprachlicher Ausbildung ausgeht (im Gegensatz zu Religionslehrern, Prädikanten, Diakonen oder Pfarrern). Es gab hierzu vielfaches Nicken und keinen Protest.

Leider hat sich nun die Beschreibung dieser Gruppe als sehr ungünstig erwiesen. Nachdem ich eure Deutung der auf dem Treffen besprochenen Formulierungen gelesen habe, ist mir klar, dass wir die benötigte Klarheit nicht haben.

Wir müssen also auf jeden Fall nach besseren Worten suchen.

Vermutlich bedeutet Sebastians Bestehen auf einem expliziten Orientieren des Haupt-Zweckes an Ursprachen-Experten außerdem, dass der vermeintliche Durchbruch gar keiner war.

Ich bin völlig ratlos, wei wir jetzt weitermachen sollen.

Klar ist für mich, dass ich keine Kriterien akzeptieren kann, die eine Nutzung der SF durch Nicht-Theologen in Frage stellen. Klar ist für mich auch, dass die Nicht-Theologen in der Praxis zu kurz kommen, wenn wir weiterhin als Theologen für andere Theologen plus unkonkrete andere Leute übersetzen.

Meine Fragen zur weiteren Klärung sind nun:

α. Welche „Leute mit Kenntnis der biblischen Sprachen“ sind euch als Nutzergruppe so wichtig, das s sie auf jeden Fall im Hauptzweck vorkommen müssen? An was für Leute denkt ihr konkret?

β. Wie würden sich die Eigenschaften der SF ändern, wenn man sie aus dem Hauptzweck in einen Nebenzweck verschiebt?

γ. Welche Leser stellt ihr euch vor, wenn ihr übersetzt oder Fußnoten formuliert?

Sebastian schrieb (Der Beitrag wurde vom System ebenfalls gelöscht, als ich den leeren Beitrag entfernt habe – seltsam).

Hallo,

Olaf, ich sehe dein Problem nicht. Für die konkrete Gestaltung der SFf würde es keinen Unterschied machen, ob in den Kriterien "mit und ohne" oder nur "ohne" steht, denn dass eine SF allgemeinverständlich sein muss, ist nach beiden Formulierungen klar. Der Unterschied ist einzig, dass nach der Formulierung "ohne Sprachkenntnisse" sämtliche Menschen mit Sprachkenntnissen explizit als Hauptzielgruppe der SF ausgeschlossen würden, ohne dass das für die konkreten SFf einen Unterschied machen würde. Und wenn dann die Formulierung "mit und ohne" auch noch näher an der Formulierung ist, auf die wir uns geeinigt haben, scheint mir ziemlich klar, welche von beiden Formulierungen vorzuziehen ist.

Aber weil auch ich das nicht bis in alle Ewigkeit weiterdiskutieren will (eigentlich hätte ich erwartet, dass die Kriterien zu diesem Zeitpunkt schon längst stehen. Und jetzt sitzen wir immer noch über der Formulierung der Ziele...) und es eben letztendlich zu keinem Unterschied für die SFf führen würde, gebe ich jetzt hiermit einfach mal den Formulierungen "jenseits von", "auch jenseits von", "ohne Kenntnis" und "mit und ohne Kenntnis" meinen Segen und ho:ffe, dass wir das so vielleicht ein wenig abkürzen können. Ich würde euch lediglich bitten, dass ihr noch mal eure Einschätzung dazu abgeben könntet, ob "jenseits" so sprachlich richtig verwendet ist, wie wir es hier verwenden.

Wenn das das geklärt wäre und ihr zwei euch hinsichtlich "jenseits" "auch jenseits" "ohne" "mit und ohne" geeinigt habt, fehlt eigentlich nur noch ein guter Begriff für "Vielfalt", dass wir das unter Dach und Fach bringen können, oder?

P.S.: Könnte ein Mod evt. meinen letzten leeren Post löschen? Aus irgendeinem Grund hat mir dieser Beitrag nicht erlaubt, Absätze zu machen.

P.P.S.: Dass nach den aktuellen Kriterien nicht allgemeinverständlich übersetzt wurde, liegt übrigens natürlich nicht an der Formulierung "mit und ohne Kenntnisse", sondern erstens daran, dass nach den aktuellen Kriterien explizit die Sprachgestalt erläutert werden sollte, zweitens daran, dass wir nie irgendwo festgehalten hatten, was dieses "mit und ohne" eigentlich impliziert - nämlich Gemeinverständlichkeit - und drittens (mindestens bei mir, jedenfalls), dass teilweise einfach auch an diesem Vordersatz vorbei-übersetzt wurde. Daran, dass du auf dem Treffen diese Vermutung geäußert hast, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich hätte mir doch ausführlicher Notizen machen sollen... :/

Hallo,

Sebastians Hinweis darauf, dass „mit und ohne …“ eigentlich Gemeinverständlichkeit impliziert, enthält für mich eine elegante Lösung: Warum sprechen wir nicht einfach von „allgemeinverständlich“? Das ist zwar eine Eigenschaft, erfüllt aber auch seinen Zweck als Näherbestimmung der Zielgruppe.

In euren Vorschlägen weiter oben sind außerdem einige andere ganz gute Formulierungen drin, mit denen ich sehr gut leben kann, so lange wir die Beschreibung der Zielgruppe im Text lassen.

Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. In allgemeinverständlicher Sprache zeigt sie inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf.

Liebe Grüße, Olaf

Könnte ich sehr gut mit leben. Ich hätte aber sogar mit meinem furchtbaren Gestöpsel am Anfang der Diskussion leben können; mal sehen, ob Ben das gut findet - der ist da schärfer als ich :)
Könntest übrigens du, Olaf, auch damit gut leben? Bei der Durchsicht der Diskussion kommts mir ein bisschen so vor, als würden Ben und ich die ganze Zeit Formulierungsforderungen machen und du müsstest die ganze Zeit Zugeständnisse machen. Ist wohl nicht so (dass die Beschlüsse des Treffens Bestand haben, ist mir ja genau so wichtig wie dir - ich hoffe, das ist rausgekommen), aber ich habe jetzt trotzdem ein schlechtes Gewissen. 
P.S.: Obadja ist so schwierig. Ich laufe gerade wie ein Doofer durch mein Zimmer und jongliere fluchend mit Lösungsmöglichkeiten. Ein schönes Hobby haben wir uns da ausgesucht...
 

Hallo Sebastian,

ich mache nur selten Vorschläge, mit denen ich nicht gut leben kann!

Einige der vorgeschlagenen Formulierungen sind ja echt gut. Und die Formulierung noch genauer auszuarbeiten, hatten wir ja auf dem Treffen abgesprochen.

Wichtig ist mir nur, dass die inhaltliche Linie gleich bleibt, und nach deinen letzten Antworten habe ich da keine Sorge mehr – falls Ben zustimmen kann.

Liebe Grüße, Olaf

Hallo,

inzwischen haben Ben und Wolfgang per E-Mail gesagt, dass sie mit dem Vorschlag leben können.

Eine letzte Änderung hat sich aber aus Wolfgangs Feedback noch ergeben: Statt „in allgemeinverständlicher Sprache“ sollten wir besser von „allgemeinsprachlich“ reden, denn es geht ja um eine Abgrenzung zur Fachsprache und nicht zwingend um eine Verständlichkeit für wirklich alle Menschen völlig unabhängig von ihrer Allgemeinbildung.

Dann hätten wir:

„Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche, allgemeinsprachliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf.“

Danke, Olaf, dass du Wolfgang und mich per eMail um Stellungnahme gebeten hast. So habe ich doch endlich mal wieder diesen Thread aufgerufen und auch die weitere Diskussion gelesen.
Für alle, die mit- oder nachlesen: Wolfgang und ich haben uns beide mit dem Vorschlag einverstanden erklärt, wobei Wolfgang "allgemeinverständlich" als zu allgemein bemängelt. Hier scheint der Teufel wirklich im Detail zu stecken! Im Folgenden kam dann stattdessen die Idee zu "allgemeinsprachlich" auf und Sebastian hat das aus linguistischer Sicht für valide erklärt.
Ein zweites Mal: Danke, Olaf, dass du die Mühe investiert hast, mir den Hintergrund zu erklären. Ich kann nun besser verstehen, wie die Einleitung gemeint war. Und nach dieser Erklärung kann ich mir auch besser vorstellen, warum sie nötig wäre. Zwar lässt sich der Zweck der SF doch recht gut an ihrer Gestalt ablesen, aber es wäre schon wertvoll, das einmal definiert zu haben, auch wenn es banal klingt. Zunächst zur Information gerade für nichttheologische potenzielle Leser, dass sie hier richtig sind – aber auch für Übersetzer, gerade weil wir momentan wieder merken, dass wir mit kurzen Formulierungen wenig erreichen.
Da wir mit "allgemeinverständlich/-sprachlich" nun auch die Sprachkenntnisse nicht mehr explizit erwähnen, wäre es vielleicht auch eine Überlegung wert, ob wir nicht schon die Zielgruppe im ersten Satz so deutlich beschreiben können, dass das Sprachniveau klar wird. Ich rege das gleich auch nochmal per eMail an.

Hallo,

ist ist noch einmal ein Versuch, das Problem endlich zu lösen.

Es ist ja nicht so, dass die Studienfassung für alle Menschen verständlich sein wird – denn sie ist ja nicht in Leichter Sprache und auch nicht in Einfacher Sprache. Das Wort „allgemeinverständlich“ ist also problematisch.

Gemeint ist ja vor allem, dass wir auf Fachsprache so weit wie möglich verzichten. Dann können wir das auch explizit machen:

Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird bis auf wenige Ausnahmen verzichtet.

In den Kriterien selbst würden wir dann festlegen, dass Fachsprache nur verwendet werden darf, wenn es keine sinnvollen Alternativen gibt und wenn der Fachbegriff nachschlagbar ist (z.B. auf Lexikon verlinkt). Außerdem wäre die Verwendung von Fachsprache explizit verboten, wo sie mit gewisser Wahrscheinlichkeit durch Nicht-Experten falsch verstanden würde.

Finde ich sehr gut. Ich würde stark dafür plädieren, dass wir das jetzt so übernehmen; bis auf das "allgemeinverständlich" kam jetzt seit 2 Monaten kein Einwand mehr. Wir müssen das ja wirklich nicht tot-diskutieren; wenn uns irgendwann auffällt, dass das mit der SF wegen dieser Formulierung oder Zweckbestimmung nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, können wir das immer noch auf dem nächsten Treffen noch mal ansprechen und dann nachjustieren - aber ich sehe aktuell nicht, was da nicht funktionieren können sollte.
Formulierung: statt "bis auf wenige Ausnahmen" vielleicht "soweit möglich", "wenn irgend möglich" o.Ä.?
P.S.: Nächste Woche habe ich Prüfungswoche. Ich mach jetzt noch Rut 1 fertig, dann ist erst mal eine Woche Funkstille von mir.

Abgemacht, Stempel drauf, in die Post damit! 
Zum Formulierungsvorschlag: Von mir aus gerne "soweit möglich". Letztlich entscheiden wir ja selber (und unabhängig von diesem Satz), wo Fachsprache noch erscheinen darf.

Hallo,
um das jetzt endlich mal einzutüten: Hat jemand noch Einwände gegen Folgendes?
(Ich habe Sebastians Vorschlag zu den Kriterien mit kleineren Änderungen übernommen und mich dabei für die Variante mit der Kommentarseite entschieden, weil zahllose lange, technische Fußnoten die Bibeltexte beim Bearbeiten extrem unübersichtlich machen würden.)

Unsere Lesefassung soll primär den folgenden drei Zwecken dienen. Das schließt eine Verwendung für andere Zwecke natürlich nicht aus.
1. Hauptzweck: Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.
2. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fussnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.
Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Lesefassung gemessen werden kann:

  • (1) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht. 
    • (b) Auch Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz und allgemeinverständlich erläutert werden. 
      Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll beibehalten werden, soweit dies sinnvoll ist.
  • (2) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.
  • (3) Zu Beginn eines jedem Sinnabschnitts werden Anliegen und der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund (so weit nicht offensichtlich) in einer Fußnote allgemeinverständlich kurz erläutert. Falls nötig, so werden zu einzelnen Formulierungen weitere erläuternde Fußnoten gesetzt.
  • (4) In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. Durch eine Fußnote wird kurz und allgemeinverständlich darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Die genauen Hintergründe dieser textkritischen Entscheidung werden auf der Kommentarseite erläutert.
  • (5) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation.
    In einer Fußnote wird die Existenz mehrerer möglicher Deutungen benannt und (soweit sinnvoll) möglichst allgemeinverständlich erklärt. Für eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Positionen gibt es die Kommentarseite.

Ich hatte noch vergessen:

  • (6) Biblische oder theologische Fachgriffe werden nur verwendet, wenn sich keine alternative, allgemeinverständliche Formulierung finden lässt. In diesen Fällen muss übergeprüft sein, dass dies nicht zu Missverständnissen oder zu einem Nicht-Verstehen bei den Lesern führen wird. In Ausnahmefällen kann auf separate Erklärungen (z.B. Bibellexikon) verlinkt werden.

Ja? Nein? Wär schön, wenn ihr zumindest schreiben könntet, falls ihr keine Zeit oder Lust habt - dann muss ich nicht jeden Tag hier drauf schauen :)

Hallo Sebastian,
leider hatte ich gestern Abend kurzfristig doch keine Zeit zum Antworten …
Bitte gib mir noch das Wochenende. (Nur kurz: Ich finde deine letzte Zusammenfassung sehr gut, aber noch zu allgemein. Wir können die Zielgruppen nicht weglassen, wenn wir tragfähige Kriterien entwickeln wollen. Das schließt eine Kombination mehrerer Zwecke für verschiedene Zielgruppen nicht aus, solange wir den Konfliktfall regeln.) 
Ich würde außerdem vorschlagen, dass wir auf den Mailinglisten noch einmal auf das Thema hinweisen. und ist es schon in den Social Media gewesen?
Das Thema ist so wichtig, da können wir jede weitere Beteiligung gebrauchen. 
Liebe Grüße, Olaf