Kriterien Studienfassung

Liebe Mitbibler, 
Wie hier schon angekündigt, wollen wir uns so langsam mal an die Überarbeitung der Studienfassungs-Kriterien machen. Ich habe mich angeboten, das mal anzuleiern, und hiermit nehme ich es in Angriff (verstehe mich dabei aber nur als Leiermann, nicht als Diskussionführer - um rege Beteiligung wird daher gebeten :) ). 
Wir haben beschlossen, hier in etwa so vorzugehen wie bei der Lesefassung. D.h.:
(1) Wir sammeln zuerst mögliche Verwendungszwecke und gewichten dann diese Verwendungszwecke nach Wichtigkeit.
(2) Wir fragen: Welche Eigenschaften muss demzufolge eine SF haben?
(3) Welche Kriterien können wir daraus für eine gute Studienfassung ableiten?
(4) Welche Methoden der Qualitätssicherung wenden wir an (diese Diskussion steht auch für die LF noch aus; ich würde aber vorschlagen, dass wir das in einem Abwasch erledigen). 
--------------------------
Beginnen wir also mit (1) Verwendungszwecke. (Weitere Vorschläge nehme ich peu à peu auf, achte aber vorerst nicht sehr auf die Formulierung)
(a) Die Sprachgestalt der biblischen Text soll an der Studienfassung nachvollziehbar sein.
(b) Die SF soll Übersetzungshilfe für die biblischen Text sein und daher z.B. alle nicht-offensichtlichen grammatischen Konstruktionen erklären.
(c) Lesefassungsübersetzer und Übersetzer der Fassung in Leichter Sprache mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen und mit und ohne theologische Bildung sollen auf ihrer Basis möglichst gut Lesefassungen und Fassungen in Leichter Sprache erstellen können [ohne dafür noch mal zusätzliche Sekundärliteratur lesen zu müssen?]
(d) Lesefassungsleser mit und ohne Kenntnis der biblischen Sprachen und mit und ohne theologische Bildung sollen anhand der Studienfassung die Übersetzungsentscheidungen der Lesefassung nachvollziehen können.
(e) Die Studienfassung will eine Übersetzung möglichst auf dem neuestem Stand der exegetischen Diskussion sein und dokumentieren, wo in der wissenschaftlichen Diskussion bisher kein Konsens erreicht werden konnte [Sollten wir die beiden Punkte besser trennen?]
(f) Die Studienfassung will besagte wissenschaftliche Diskussion auch nachvollziehbar präsentieren
(g) Die Studienfassung will ihre Positionierung in der wissenschaftlichen Diskussion auch rechtfertigen/erklären
 
Schritt 1: Fallen jemandem noch weitere Verwendungszwecke ein (gewichtet wird erst nach dem Zusammentragen)?
 

Kommentare

Hi,
War noch nicht in den Social Media; aber ich kann da auch nur als Gast posten, was ja fast unsichtbar ist - ich würde da einen von denen bitten, die auf Facebook &Co Moderatoren sind.
Ich habs nicht eilig. Dann mach ich jetzt einfach so lang mit Mk 14 weiter, bis hier der nächste Post auftaucht (und es geht eh auf Prüfungszeit zu), also kein Stress.  

Ich habe Anfang letzter Woche in den SN darauf hingewiesen. Aber allgemein ist das "öffentliche" Interesse an solchen Diskussionen ja eher gering. 
Ich werde so schnell wie möglich antworten, muss aber erst meinen "Genesis 1"-Fluch brechen und nach Wochen endlich dazu kommen, die Diskussion dort fortzusetzen! 

Wie siehts aus - machen wir mal weiter? Ich hab gerade Ferien und daher ein bisschen Zeit. 

Bei mir ist es zeitlich eher so lala.
Was folgt denn als Nächstes? Ich sehe keinen Sinn darin, die einzelnen Vorschläge jetzt noch genauer zu gliedern. Ein Brainstorming lebt ja nicht gerade davon, dass es perfekt durchdacht oder sortiert ist. Also weiter im Text?
Wir haben ja kein Mittel, um die verschiedenen Möglichkeiten objektiv zu bewerten. Wir könnten dann also direkt an die Diskussion gehen - oder uns erstmal überlegen, ob es nicht doch ein paar mögliche Kriterien gibt, nach denen wir gewichten könnten.
Wenn wir dazu einen Brainstorm Nr. 2 aufmachen und einfach mal sammeln, komme ich auf folgende Aspekte: 
 - eher breites oder eher schmales gewünschtes Verwendungsspektrum der SF
 - Ähnlich: Welche Zielgruppen sind uns wichtig und warum?
 - Gewünschter Grad der allgemeinen Zugänglichkeit von Übersetzung und sonstigen Informatiionen
 - Praktikabilität/Machbarkeit einer entsprechend konzeptionierten SF
 -- Resultierende Textmenge sowie Korrektur- und Forschungsaufwand
 -- nötiges Spezialwissen der Mitarbeiter
 -- evtl. technologische Hürden, die mit bestimmten Verwendungszwecken einhergehen

Hi Olaf, 
Gute Umformulierungen. Ich habe eigentlich keine Einwände, will aber noch schnell zwei Dinge in den Raum werfen: 
(1) Dein Kriterium 6 ist eigentlich überflüssig. Für Kriterien 1-2 ist das irrelevant, bei Kriterien 3-5 steht jeweils schon "allgemeinverständlich" dabei - das impliziert doch eigentlich schon die Vermeidung von biblischen und theologischen Fachbegriffen? Würde mich nicht groß stören, wenns trotzdem dabei stünde, aber man verlöre nichts, wenn man dieses Kriterium weglassen würde und gewönne Übersichtlichkeit.
(2) Zu dem ursprünglichen Vorschlag von mir, den du hier abgewandelt hast, hast du damals angemerkt, dass das von der Gewichtung her nicht stimmt und Kriterium 3 eigentlich Kriterium 1 sein müsste. Das war eigentlich richtig und meine Reihenfolge sollte ursprünglich gar nicht die Gewichtung, sondern die unterschiedlichen grammatischen Ebenen nachzeichnen (Wort => Idiom => Satz => Sinnabschnitt). Würdest du jetzt trotzdem diese Reihenfolge beibehalten wollen?
Eins noch: Kriterium 3 habe ich bei meinen letzten 4 Übersetzungen (Rut 1, Psalm 6, Psalm 19, Obadja) schon mal vorläufig umzusetzen versucht, indem ich entsprechende Anmerkungen verfasst habe (statt FNn zum Anliegen). Das ist zwar nur ein Versuch, aber ich finde das mittlerweile sehr gut: Erstens sehe ich nicht, was sonst in dieses Anmerkungsfeld hineinkommen sollen könnte und zweitens gefällt mir, dass auf diese Weise die Anmerkungen zu den Anliegen der einzelnen Abschnitte nicht zwischen die restlichen Fußnoten verstreut sind, sondern gesammelt an einem Platz behandelt werden. Ich finde es sogar so gut, dass ich meinen würde, dieser Weg ist der FN-Lösung weit überlegen (Besonders gelungen finde ich die Anmerkungen zu Obadja und Psalm 6; die Anmerkungen zu Ps 19 könnten noch etwas kompliziert sein, aber man sieht sehr schön, wie sich einzelne Aspekte hier bündeln lassen, und die Anmerkungen zu Rut 1 sind zwar wahrscheinlich zu lang, aber man sieht sehr gut, wie die Zusammenstellung struktureller Merkmale zur Offenlegung des Anliegens eines Kapitels beitragen kann - das wären in FN-Form bestimmt 10 verschiedene Fußnoten, die zwischen weitere Fußnoten verstreut wären). Daher frage ich lieber noch mal nach: Geht das auch anderen ähnlich, oder bin ich da schief gewickelt? Und wenn es euch ähnlich geht - wollen wir nicht lieber dies als (Alternativ-)Weg wählen?

Hallo,
das Anmerkungen-Tag ist ein Überbleibsel aus der Frühzeit der Offenen Bibel und ich hatte überlegt, es in Rente zu schicken. Nun bin ich mir unsicher, weil ich Sebastians Beispiele sehr gelungen finde, aber auch extrem präsent. Was denken die anderen?
Das mit der Reihenfolge hatte ich übersehen– danke für die Erinnerung!
Das Kriterium (6) ist jetzt (2) und erläutert, wie „soweit möglich“ und „soweit nötig“ zu verstehen sind und was man tun muss, falls der Ausnahmefall eintritt. Es gilt allgemein (nicht nur für die Fußnoten). Auch geht es den übrigen Hinweisen auf die Kommentarseite ja vor allem um die Länge und nicht so explizit um die Wortwahl. Auch möchte ich den Hinweis, auf das Bibellexikon oder andere Erklärung zu verlinken, nur ungern weglassen.
Jetzt habe ich das Folgende, wobei die Anmerkungen-Frage noch offen ist.
 
Unsere Studienfassung soll primär den folgenden drei Zwecken dienen. Das schließt eine Verwendung für andere Zwecke natürlich nicht aus.
1. Hauptzweck: Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.
2. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fußnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.
Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Lesefassung gemessen werden kann:

  • (1) Die Studienfassung zeigt Bedeutungsalternativen. Wenn die biblischen Wörter mehrere passende Bedeutungen haben oder der Satzbau mehrdeutig ist, dann folgen diese Alternativen in runden Klammern ( ) oder in Fußnoten.
    • (a) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation.
      In einer Fußnote wird die Existenz mehrerer möglicher Deutungen benannt und (soweit sinnvoll) möglichst allgemeinverständlich erklärt. Für eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Positionen gibt es die Kommentarseite.
    • (b) In Fällen, in denen wir aus textkritischen Gründen vom Haupttext der wissenschaftlichen Standard-textausgaben abweichen, kommt die Übersetzung der Textvariante, der wir folgen, in den Fließtext; die Übersetzung der Haupttextvariante wird in runden Klammern () ergänzt. Durch eine Fußnote wird kurz und allgemeinverständlich darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Die genauen Hintergründe dieser textkritischen Entscheidung werden auf der Kommentarseite erläutert.
  • (2) Die Studienfassung ist allgemeinverständlich. Fachgriffe werden nur verwendet, wenn sich keine alternative, allgemeinverständliche Formulierung finden lässt. In diesen Fällen muss übergeprüft sein, dass dies nicht zu Missverständnissen oder zu einem Nicht-Verstehen bei den Lesern führen wird. In Ausnahmefällen kann auf separate Erklärungen (z.B. Bibellexikon, Kommentarseite) verlinkt werden.
  • (3) Zu Beginn eines jeden Sinnabschnitts werden Anliegen und der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund (so weit nicht offensichtlich) in einer Fußnote allgemeinverständlich kurz erläutert. Falls nötig, so werden zu einzelnen Formulierungen weitere erläuternde Fußnoten gesetzt.
  • (4) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht. 
    • (b) Auch Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres übersetzen lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz und allgemeinverständlich erläutert werden. 
      Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll beibehalten werden, soweit dies sinnvoll ist.
    • (e) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.

EDIT von Ben: Habe in der ersten Zeile des Entwurfs aus "Lesefassung" "Studienfassung" gemacht.
EDIT2 von Ben: 1x "Fussnoten" zu "Fußnoten"

Finde ich gut. Könnten wir meintwegen so übernehmen.
3 Erwägungen:
1) Ich würde aber bei (1) die Bedeutungsalternativen nicht nur auf Wörter oder Satzbau beschränken und einfach unbestimmt lassen. Vielleicht einfach "wo der Text mehrdeutig ist..."? Ich bin auch nicht sicher, ob "zeigt Bedeutungsalternativen" genügt. "Bedeutungsalternative" ist bei uns ja eine Art terminus technicus für die Alternativbegriffe /-auflösungen in den Klammern; auch dies sind also nur Alternativen auf Wort- und Satzebene. Vielleicht einfach: "Die Studienfassung zeigt Mehrdeutigkeiten im Text auf. Wo der Text mehrdeutig ist,..."?
2) In "Falls nötig, so werden zu einzelnen Formulierungen weitere erläuternde Fußnoten gesetzt." würde ich das "so" streichen.
3) Wenn die allgemeinverständlichkeit ein eigenes Kriterium ist, können wir das die folgenden 3 Male streichen, dann ist nur noch von "kurzen Erläuterungen" die Rede.
Übrigens bin ich jetzt für eine Woche auf Exerzitien, wird also wieder größtenteils Funkstille von mir herrschen.

Entschuldigt, dass es ein paar Tage gedauert hat bei mir! Die Teilnahme an dieser Diskussion erfordert bei mir immer Ruhe und Konzentration, und beides habe ich dieser Tage zu selten...
Das mit den Anmerkungen würde ich ebenfalls gesondert klären und dann ggfs. ergänzen. Da würde ich Sebastians Entwürfe gerne noch studieren.
Habe in Olafs Entwurf gerade einen offensichtlichen Fehler verbessert und das dokumentiert; ganz am Anfang stand statt "Studienfassung" "Lesefassung":
Die Reihenfolge der Kriterien ist letztlich egal. Ich hätte vielleicht eher eine Reihenfolge vom Grundsätzlichen zum Spezifischen gewählt, aber die Diskussion lohnt sich wirklich nicht. Der Inhalt zählt, die Reihenfolge ist belanglos.
Zu Sebastians Vorschlägen
1) Ich verstehe noch nicht ganz, inwiefern dein Anliegen den Sinn besser treffen würde und inwieweit es ungenügend ist, dass der Text sich auf die Wort- und Satzebene bezieht? Ich stehe gerade sicher auf dem Schlauch, deshalb würde es mir helfen, wenn du erklären könntest, an welche weiteren Mehrdeutigkeiten du gedacht hast.
Mein Problem mit "Mehrdeutigkeiten" ist, dass diesem Begriff das doch sicher zentrale Element der Alternativen fehlt. In deiner Formulierung wird nicht klar, wie die Studienfassung mit Mehrdeutigkeiten umgeht.
Ändern müssen wir die Formulierung aber auf jeden Fall. Gerade weil "Bedeutungsalternativen" ein interner Begriff ist, aber auch weil er recht schwammig ist, würde ich vorschlagen, ihn beispielsweise durch "Alternativübersetzungen" zu ersetzen. Wenn man den Begriff "Bedeutungsalternative" ernst nimmt, dann bezeichnet er ja eine "Alternative zur Bedeutung" und nicht eine "alternative Bedeutung" oder "Alternativbedeutung". Die jetzige Wortwahl beizubehalten, wäre daher schlechter Stil unsererseits.
2) Gute editoriale Kürzung.
3) verstehe ich nicht, entschuldige vielmals.
 
Noch einige Beobachtungen von mir. Ich führe mal Sebastians Nummerierung fort.
4) Die Einleitung
 
"Unsere Studienfassung soll primär den folgenden drei Zwecken dienen. Das schließt eine Verwendung für andere Zwecke natürlich nicht aus."
Der zweite Satz ist eigentlich banal. Kann der nicht weg? 
 
5) Der Hauptzweck ist nicht als Zweck formuliert
1. Hauptzweck: Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.
Ich glaube, das hatten wir schonmal. Der erste Satz bezeichnet eine Zielgruppe. Die anderen beiden charakterisieren die Übersetzung, aber geben keinen Zweck an. Aus diesen Informationen kann man einen Zweck formulieren.
(Das will ich aber anderen überlassen, weil ich bisher Stunden um Stunden mit Formulierungsvorschlägen verschwendet habe, von denen keiner angenommen wurde. Das ist nicht als Vorwurf gemeint, ich will es aber gerade nicht noch einmal riskieren.)
 
6) Ein Verbesserungsvorschlag zu 1a). Der erste Absatz dazu besagt: 
"(a) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Bei mehreren ungefähr gleich plausiblen Deutungen bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation."
Der von mir kursiv hervorgehobene Satz hat noch Potenzial. Die unnötige wörtliche Wiederholung am Anfang macht ihn zu lang. Dasselbe wäre ausgesagt mit Ist die Bedeutung des Urtextes unklar, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung. Ich nehme alles zurück, wenn ihr mir einen realen Fall nennen könnt, in dem in Fachkreisen tatsächlich angezweifelt wird, ob die Bedeutung eines Worts unklar ist.
 
7) Ein Kommentar zur in 1a) beschriebenen Vorgehensweise
Ich mag die grundsätzliche Richtung, die dieser Absatz einschlägt. Allerdings muss uns auch klar sein, dass diese Richtlinie völlig subjektiv ist. Das Leitwort unserer Übersetzungsentscheidungen im 1. und 2. Satz ist Plausibilität. Doch wer bestimmt, was plausibel ist? Plausibilität hängt nicht nur von der eigenen Hermeneutik, sondern auch von zahllosen anderen subjektiven und oft unterbewussten Vorentscheidungen ab. Plausibilität läuft darauf hinaus, dass ich die Lösung suche, die ich am besten in meinen Denkrahmen fügen kann. Das muss aber bei anderen nicht die gleiche Lösung sein.
Ein Beispiel wäre das historische Israel: Archäologischer Minimalismus (also die These, dass ein Großteil der atl. Geschichtsbücher 100% fiktiv und nachexilisch ist und Israel in der Bronzezeit noch nicht existierte) mag einigen (und vielleicht auch euch) plausibel erscheinen. Mir nicht. Wer hätte recht? Es gibt hunderttausend andere potenzielle Streitfälle: Paulusperspektiven, Sitz im Leben der Offenbarung, Wunder, Einleitungsfragen, Fragen der Historizität, um nur ein paar Stichwörter zu nennen, und ihr wisst sicher, was ich meine. Keine ernsthafte exegetische Auseinandersetzung kann (völlig) anhand der Frage der Plausibilität gelöst werden. Plausibilität kann als hilfreiches Kriterium dienen, wird aber in vielen Fällen nicht ausschlaggebend sein, weil sie ganz und gar von der Einschätzung jedes Beteiligten abhängt. Nur wo die Beteiligten sich einig sind, wird Plausibilität auch funktionieren.
Was machen wir jetzt damit? Meinetwegen können wir diesen Abschnitt so übernehmen, solange uns klar ist, dass der Abschnitt keine objektiven Entscheidungen ermöglichen kann. Dagegen hätte ich keine Einwände, wenn uns nicht noch ein Mittel einfällt, dass das Problem beheben könnte. Das wäre vielleicht auch angemessener, weil das letztlich eher eine Frage der QS und weniger der Übersetzungkriterien ist. Bei der ersten Übersetzung ist ja genau das plausibel, was der Übersetzer für plausibel hält. Später das, was wir QMs für plausibel halten.
Dann wäre mein Vorschlag, dass wir die Frage, wie wir bei solchen Entscheidungsprozessen nun tatsächlich vorgehen und nach welchen Maßstäben wir Plausibilität und andere Aspekte beurteilen, ein andermal getrennt führen. Und dann eben nicht mehr davon überrascht sind, dass unsere Kriterien uns dabei nicht helfen können.

1) Ich denke da z.B. an Obadja, wo im ersten Satz viermal unklar ist, wo der Beginn und wo das Ende einer wörtlichen Rede anzusetzen ist, oder wo am Ende des Buches die Rede von "dieser Vormauer" ist, wo nicht die Wortbedeutung unklar ist, sondern worauf sich dieses "Vormauer" bezieht. Mehrdeutig ist der Bibeltext auf wesentlich mehr Ebenen als nur der Wort- oder Satzebene, und wir wollen diese unterschiedlichen möglichen Deutungen ja nicht nur für diese zwei Ebenen anführen.
3) Olaf hat das "allgemeinverständlich", das in meinem Entwurf in drei verschiedenen Kriterien extra genannt wurde, zu einem eigenen Kriterium gemacht. Deshalb ist das bei diesen drei Kritierien dann überflüssig, weil es ja ein eigenes Kriterium ist (Kriterium 2: "Die SF ist allgemeinverständlich"; Kriterium 3: "X wird erklärt, und zwar auf allgemeinverständliche Weise" - da ist das "auf allgemeinverständliche Weise" überflüssig)
4) ist wortwörtlich so von den LF-Kriterien übernommen. Versteht sich von selbst, ist aber kurz genug, dass es nicht stört, wenn es extra noch mal betont wird. Habe ich kein Problem mit, auch, wenn man es genau so gut (und stilistisch vielleicht wirklich besser) streichen könnte.
5) An der Formulierung sind wir wirklich schon ewig gesessen. Am Ende sind wir glaube ich nur deshalb bei der Formulierung rausgekommen, weil "Die Studienfassung will Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext, inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne aufzeigen" ein so langer Satz wäre. Dass der zweite Satz nicht wie ein Zweck klingt, liegt daran, dass wir irgendwann alle Zwecke der SF derart "indikativisch" ("zeigt auf" statt "will aufzeigen") formuliert haben. Ich werde das Fass sicher nicht noch mal aufmachen; wenn du also keinen Vorschlag machen willst, wirds so durchgehen :)
6) Es gibt viele Stellen, wo die aktuelle Mehrheitsmeinung ist, dass die Bedeutung dieser Stelle sich wahrscheinlich nie endgültig klären lassen wird. Wenn du ein konkretes Beispiel willst - gerade sitze ich an Rut 2,7, wo recht viele mit Campbell 1975 sagen, dass die Bedeutung der Stelle wohl im Dunkeln bleiben wird.
Besagt allerdings diese plausibelste wissenschaftliche Deutung, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung" meint eigentlich nur: "Ist keine Deutung plausibel, verwenden wir...", aber soll das Urteil darüber, ob sich wirklich keine Deutung plausibel ist, nicht dem Belieben des Übersetzers, sondern wiederum der Exegese überantworten.
7) Zustimmung: Wir brauchen noch eine Richtschnur, wie bei "Deutungskonflikten" vorzugehen ist. Aber das ist eine Sache für die QS, nicht für die Kriterien selbst. Ich bin mir recht sicher, dass das dann auf Abstimmung rauslaufen wird - das wäre immerhin befriedigender, als wenn eine Stelle totdiskutiert werden muss und die beiden Diskutanten dennoch einander nicht überzeugen können.

1) Verstehe! Vorschlag: Von "Die Studienfassung zeigt Bedeutungsalternativen." zu "Die Studienfassung zeigt alternative Übersetzungen, wo der Text mehrdeutig ist."
3) Da hast du recht! Der Text enthält momentan ganze 6x das Wort "allgemeinverständlich". Lustigerweise abgesehen von den zweimal in Abschnitt zwei immer dann, wenn Fußnoten erwähnt werden. Lieber Olaf, hat da jemand einen Fußnotenkoller? Ich würde vorschlagen, wenigstens 3 dieser "allgemeinverständlich" zu kürzen. Überhaupt reicht es auch, die Fußnoten nur an einer Stelle zu charakterisieren. Dazu könnte man dann in (2) noch das Stichwort "Fußnoten" unterbringen, falls das noch nicht klar ist. Kürzen könnte man wie folgt: 
 - In 1a "möglichst allgemeinverständlich" zu "in Kürze"
 - 1b kann so bleiben
 - In 3 fällt "allgemeinverständlich kurz" weg
 - in 4b fällt "und allgemeinverständlich" weg
 
4) und 5) scheinen dann doch auf eine leichte Umstrukturierung der EInleitung hinauszulaufen. Weil wir am Kerntext nichts mehr ändern wollen, ändern wir doch den Kontext! 
So liest sich der erste Teil bisher: 
Unsere Studienfassung soll primär den folgenden drei Zwecken dienen. Das schließt eine Verwendung für andere Zwecke natürlich nicht aus.
1. Hauptzweck: Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.
2. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung.
3. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fussnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.
 
Das wäre meine Empfehlung: 
"Die Studienfassung richtet sich an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.
Zudem verfolgt sie zwei spezifische Anliegen: 
1. Die Studienfassung dient den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung.
2. Die Studienfassung macht ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen und allgemeinverständlichen Fußnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer."
 
Es wäre ja albern, an einem Hauptzweck festzuhalten, der gar kein Hauptzweck ist! Daher fällt nun neben der (ohnehin obsoleten) Einleitung auch "1. Hauptzweck" weg. Dafür werden die beiden weiteren Anliegen durch einen neuen Satz eingeleitet.
 
6) Ok, aber ist es an diesen Stellen tatsächlich so, dass einige Exegeten von einer gesicherten Wortbedeutung ausgehen und andere sie für rätselhaft halten? Spricht etwas gegen die Kürzung? 
 
Leute, ich vermisse gerade Google Docs. Es wäre doch schön, wenn wir den Text kollaborativ bearbeiten und einzelne Stellen in Echtzeit kommentieren könnten. Versprecht mir, dass wir beim nächsten Mal nicht wieder einen gemeinsamen Text im Forum schreiben... ;-)

1) Ah, ich habe gute Beispiele ausgesucht :) - Auch die Formulierung "alternative Übersetzungen" greift nicht bei solchen Mehrdeutigkeiten.
3) Die vielen zusätzlichen "allgemeinverständlich" gehen auf meine Kappe. Bens Kürzungen sind sinnvoll, in 3 müsste aber "kurz" nicht wegfallen.
4+5) Wenn man aus "zudem" "darüber hinaus" machte, wäre das in meinen Augen gut möglich. Olaf?
6) Wieso konzentrierst du dich denn so auf "gesichterte Wortbedeutung", Ben? In Olafs Vorschlag steht "Bedeutung des Urtextes".
Strenggenommen spräche schon was gegen die Kürzung. Gibt es zu einer Stelle unterschiedliche mögliche Deutungen, heißt auch das, dass die Bedeutung des Urtextes unklar ist. Dann wäre das mit deiner Kürzung sinngemäß: "Ist die Bedeutung des Textes unklar, orientieren wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutung. Ist die Bedeutung des Urtextes unklar, verwenden wir eine unauffällige und gut etablierte Übersetzung". Der zweite Satz ist eigentlich dafür gedacht, zur eräutern, was in einem Ausnahmefall dessen, was im ersten Satz steht, zu tun ist: 1) Text ist unklar, mehrere Deutungen wurden vorgeschlagen. => 2a) Eine dieser Deutung ist deutlich plausibler als die anderen => wir nehmen diese. 2b) Keine dieser Deutungen ist wirklich plausibel => Wir nehmen eine etablierte Verlegenheitsübersetzung (ist richtig so, oder, Olaf?). Und dann der dritte Satz: Mehrere Deutungen sind gleich-plausibel => Wir nehmen eher eine vorsichtige Detutung als eine inhaltlich zugespitzte.
...
Hm, aber das lässt sich wirklich besser formulieren^^
Ich denke mal nach, ob mir was einfällt.
edit: Vielleicht wirklich einfach so: Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Existieren mehrere ungefähr gleich plausible Deutungen, bevorzugen wir tendenziell eher die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation. Lässt sich keine wirklich plausible Deutung ausmachen, greifen wir zu einer unauffälligen und gut etablierten Übersetzung.

1) Mach einen Vorschlag.
6) Danke, so hatte ich das nicht verstanden. Dein Formulierungsvorschlag ist zwar etwas verschraubt, aber macht das immerhin klar! 

1) Hab ich doch (?) Als ganzer Satz vielleicht so:
 "Die Studienfassung zeigt Mehrdeutigkeiten im Text auf. Wo der Text mehrdeutig ist, wird im Fließtext zunächst die Deutung angegeben, der die Studienfassung folgt; die alternativen Deutungen folgen in runden Klammern () oder in Fußnoten"?
Und danach dann die Spezifizierung in 1a.

Hallo,

danke für Eure Umformulierungen - sehr gut! Das ist echt eine Riesen-Verbesserung.

Ich habe auch noch einmal an einigen Stellen gefeilt. Statt „Bedeutungsalternativen“ habe ich jetzt das genommen, was wir weiter oben im Zweck schon definiert hatten. Die Textkritik habe ich sprachlich eleganter und inhaltlich allgemeiner formuliert.

Außerdem habe ich mir Sebastians Anmerkungsbeispiele noch einmal genau angesehen, und wir sollten das definitiv erlauben.

zu 7.: Der Begriff „Plausibilität“ steht ja im Kontext der wissenschaftlichen Diskussion. Das impliziert, dass der Mehrheitsmeinung der wissenschaftlichen Diskussion im Zweifelsfall der Vorrang zu geben ist – oder der aktuellsten und gründlichsten Studie, je nach Forschungslage. Wenn sich die Beteiligten bei der Beurteilung dieser Kriterien nicht einigen können, dann ist es Aufgabe der Qualitätsmoderatoren, hier zu vermitteln und im Notfall die Einhaltung des wissenschaftlich fundierten Verfahrens durchzusetzen. Wenn sich die QMs nicht einigen können, dann kann Wolfgang als Projektleiter ein Machtwort sprechen. Dieser muss wiederum dem Verein Rechenschaft ablegen.    

zu Google Docs: Wir hätten das natürlich auch auf einer Wiki-Seite machen können. Aber eigentlich mag ich es, dass wir die Vorschläge übereinander stehen haben und vergleichen können. Das ist natürlich ermüdend. Aber weil die Kriterien so extrem wichtig und zentral sind, übernehmen wir nicht einfach die Notizen vom Treffen, sondern feilen sehr gründlich an jedem Wort.

 

Die Studienfassung richtet sich in erster Linie an Menschen, die neugierig sind auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird soweit möglich und soweit nötig verzichtet.

Darüber hinaus dient die Studienfassung den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung. Auch macht sie ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen Fußnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.

Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Studienfassung gemessen werden kann:

  • (1) Die Studienfassung zeigt in runden Klammern () und Fußnoten, wo mehrere sprachliche Deutungen möglich oder relevante Zwischentöne vorhanden sind. Im Haupttext selbst wird dabei zunächst die Deutung angegeben, der die Studienfassung folgt.
    • (a) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen orientieren. Existieren mehrere ungefähr gleich plausible Deutungen, bevorzugen wir tendenziell die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation. Lässt sich keine wirklich plausible Deutung ausmachen, greifen wir zu einer unauffälligen und gut etablierten Übersetzung.
      In einer Fußnote wird auf die Existenz mehrerer möglicher Deutungen hingewiesen und diese (soweit sinnvoll) möglichst allgemeinverständlich erklärt. Für eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Positionen gibt es die Kommentarseite.
    • (b) In der Studienfassung ist dokumentiert, wo wir aus textkritischen Gründen einer anderen Überlieferung folgen, als eine der wissenschaftlichen Standard-Textausgaben. Durch eine Fußnote wird kurz darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Die von uns nicht gewählte Variante steht in runden Klammern () oder in der Fußnote. Die genauen Hintergründe werden auf der Kommentarseite erläutert.
      Entsprechendes gilt, wenn uns von einer wichtigen deutschen Übersetzung eine abweichende textkritische Entscheidung bekannt ist.
  • (2) Die Studienfassung ist allgemeinverständlich. Fachbegriffe werden nur verwendet, wenn sich keine alternative, allgemeinverständliche Formulierung finden lässt. In diesen Fällen muss überprüft sein, dass dies nicht zu Missverständnissen oder zu einem Nicht-Verstehen bei den Lesern führen wird. In Ausnahmefällen kann auf separate Erklärungen (z.B. Bibellexikon, Kommentarseite) verlinkt werden.
  • (3) In Anmerkungen zur Studienfassung werden die Anliegen des Bibeltextes und der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund (so weit nicht offensichtlich) jeweils kurz erläutert. Gegebenenfalls setzen wir zu einzelnen Formulierungen weitere erläuternde Fußnoten.
  • (4) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht.
    • (b) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres wiedergeben lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz erläutert werden. Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt, die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll beibehalten werden, soweit dies sinnvoll ist.
    • (e) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.

EDIT Ben: In 4c ein überflüssiges Komma bei "Nur wenn" entfernt. Aus dem Semikolon nach "übersetzt" ein Komma gemacht. In 4b aus "übersetzen" "wiedergeben", damit der Satz inhaltlich funktioniert. In 1b) nach "folgen" ein Komma gesetzt. In 2) aus "übergeprüft" "überprüft". In 1a) aus "In einer Fußnote wird die Existenz mehrerer möglicher Deutungen benannt" "auf ... hingewiesen". 

EDIT2 Ben: In 1a) das redundante "eher" bei "tendenziell eher" entfernt. In 3) aus passiv "werden gesetzt" 1. Pl. aktiv.

EDIT3 Ben: In 1a) vor der Klammer "diese" ergänzt; es ist durch meine frühere Verbesserung nötig geworden.

Danke, dass du unsere Vorschläge angenommen hast. Ich bin zu 97% zufrieden! 
Kurz zu 7.: Ich bezog mich in erster Linie auf Fragen, in denen die exegetische Forschung zersplittert ist oder wo es hermeneutische Unterschiede gibt, die eben nicht einfach durch eine weitere Untersuchung geklärt werden können. Klar, dass wir QMs am Ende die Entscheidung treffen. Zum Glück fallen solche Probleme in einer (auch kommentierten) Bibelübersetzung wenig ins Gewicht, wenn wir es richtig anstellen. Dennoch packt mich die Vorahnung weiterer sehr, sehr langer Diskussionen...
1a) hast du gut gelöst! An dieser Stelle musste ich aber dreimal lesen: "an der plausibelsten der in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutungen"
Ich schlage vor, daraus "an der plausibelsten in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutung" zu machen.
 
8. Ich entschuldige mich dafür, noch ein zweites Fass aufzumachen: Können wir zu 2) kurz bestätigen, dass Grundbegriffe der Grammatik nach wie vor erlaubt sind und wir nur bei Phänomenen, verlinken oder kurz erklären, die so nicht aus dem Deutschen bekannt sind? Dieses Thema eignet sich vielleicht für eine Ausführung in der FAQ.
In 2) springt mir noch unangenehm das "Nicht-Verstehen" ins Auge. Das würde ich lieber umformulieren, habe aber noch keinen konkreten Vorschlag.
 
9. Zweiter Absatz: "in kurzen Fußnoten" ist irreführend. Schon eine Studienbibel hat nicht immer kurze Fußnoten. Eine kurze Fußnoten besteht für mich aus einem kurzen Hauptsatz – Fußnoten, wie man sie aus gewöhnlichen Übersetzungen kennt. Wie wäre es mit "prägnant"? 
 
10. Soll 1b) textkritische Fußnoten absichtlich auf Abweichungen von textkritischen Editionen oder wichtigen deutschen Übersetzungen reduzieren? Lacht mich nicht als Textkritik-Freak aus, aber ich hätte gedacht, dass es durchaus wichtige Varianten gibt, die möglicherweise bisher nicht im Text einer wissenschaftlichen Edition oder wichtigen deutschen Übs. vorkommen. Als erstes Beispiel kommt mir "orgistheis" aus Mk 1,41 in den Sinn, das vermutlich erst seit dem SBLGNT in einer wissenschaftlichen Edition vertreten ist. Ich will die Relevanz einer Variante ganz einfach nicht verbindlich an diesen doch nicht ganz zuverlässigen Indikatoren festmachen.
Ich könnte auch darauf verweisen, dass nach unserer bisherigen Praxis laut Übersetzungs-FAQ "alle übersetzungsrelevanten Varianten berücksichtigt sein [müssen]." Ich glaube nicht, dass wir diese Änderung schriftlich diskutiert haben.
Mein Plädoyer wäre also: Den Text ein ganz klein wenig offener gestalten. "Übersetzungsrelevant" gefällt mir besser, weil es unseren Bedürfnissen besser entspricht.
 
Ich verbessere in dem Entwurf noch rasch ein Komma. EDIT: Und einige weitere sachliche Korrekturen, alle dokumentiert. Außerdem hier die Punkte 9 und 10 ergänzt. Danke für euren Willen zum Perfektionismus! 

Ich bin sogar zu 99 % zufrieden :) 
Zu Bens Anmerkungen:
1a: Support.
8: Machst du mal nen Vorschlag, wie du dir das genau vorstellen würdest, Ben?
Nicht-Verstehen: Was haltet ihr einfach von "Verständnisschwierigkeiten" statt "Missverständnissen oder zu einem Nicht-Verstehen"?
9: "Kurz" ist relativ; wäre für mich kein Problem. "Prägnant" wäre vielleicht auch möglich, aber da z.B. auch längere Exkurse prägnant formuliert sein können, würde ich "kurz" doch deutlich vorziehen.
10: Stammt aus drei meiner Beiträge hier im Thread, s. hier, hier und hier. Ist kommentarlos so übernommen worden. Die Änderung habe ich gerade deshalb vorgeschlagen, weil fast jede Variante, bei der es nicht nur um die Schreibung eines Wortes geht, irgendwo "übersetzungsrelevant" ist. Heute beginne ich mit dem Einstellen von Rut 2; wenn ich jede übersetzungsrelevante Variante kommentieren würde, müsste ich schätzungsweise zu jedem Vers zwei Textkritik-Fußnoten verfassen.
Umformulieren würde ich aber von "wenn uns von einer wichtigen deutschen Übersetzung eine abweichende textkritische Entscheidung bekannt ist" nach "Entsprechendes gilt, wenn uns eine abweichende textkritische Entscheidung einer wichtigen deutschen Übersetzung bekannt ist". Und auch hier würde ich "(soweit sinnvoll)" ergänzen: "Die genauen Hintergründe werden (soweit sinnvoll) auf der Kommentarseite erläutert."
Letzter stilistischer Schliff:

  • Die Satzzeichenedits von Ben in (1b) und (4c) sind falsch. In (1b) ist das Komma zu streichen (da "als eine der wissenschaftlichen Standard-textausgaben" kein Nebensatz ist); bei "nur, wenn" wird hier schon ein Komma gesetzt (Nebensatz; ersetzt z.B. das Satzglied "montags" in "Nur montags kann eine andere Lösung gefunden werden" - und solche Nebensätze immer mit paarigem Komma); das "werden" regiert eher nicht auch das "erklärt" im zweiten Satz, da "Bedeutung" Singular ist, daher besser schon Semikolon und dann Ergänzung von "wird".
  • in (3) "soweit" statt "so weit". Das "jeweils" ist eigentlich überflüssig.
  • (4a) ist wegen der Doppelung des "jeweil-" etwas unschön ("Es wird keine Konkordanz angestrebt, sondern jeweils für ein Wort eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht."). Besser: "Es wird kein Konkordanz angestrebt, sondern für jedes Wort wird eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht."

Ich setze das gleich mal um:
=====
Die Studienfassung richtet sich in erster Linie an Menschen, die neugierig auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext sind. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird - soweit möglich und nötig - verzichtet.
Darüber hinaus dient die Studienfassung den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung. Auch macht sie ihre Übersetzungsentscheidungen in kurzen Fußnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar - auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.
Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Studienfassung gemessen werden kann:

  • (1) Die Studienfassung zeigt in runden Klammern () und Fußnoten, wo mehrere sprachliche Deutungen möglich oder relevante Zwischentöne vorhanden sind. Im Haupttext selbst wird dabei zunächst die Deutung angegeben, der die Studienfassung folgt.
    • (a) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutung orientieren. Existieren mehrere ungefähr gleich plausible Deutungen, bevorzugen wir tendenziell die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation. Lässt sich keine wirklich plausible Deutung ausmachen, greifen wir zu einer unauffälligen und gut etablierten Übersetzung.
      Eine Fußnote weist auf die Existenz mehrerer möglicher Deutungen hin und erklärt sie (soweit sinnvoll) möglichst allgemeinverständlich. Für eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Positionen gibt es die Kommentarseite.
    • (b) In der Studienfassung ist dokumentiert, wo wir aus textkritischen Gründen einer anderen Überlieferung folgen als eine der wissenschaftlichen Standard-Textausgaben. Durch eine Fußnote wird kurz darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Die von uns nicht gewählte Variante steht in runden Klammern () oder in der Fußnote. Die genauen Hintergründe werden (soweit sinnvoll) auf der Kommentarseite erläutert.
      Entsprechendes gilt, wenn uns eine abweichende textkritische Entscheidung einer wichtigen deutschen Übersetzung bekannt ist.
  • (2) Die Studienfassung ist allgemeinverständlich. Fachbegriffe werden nur verwendet, wenn sich keine alternative, allgemeinverständliche Formulierung finden lässt. In diesen Fällen muss überprüft sein, dass dies nicht zu Verständnisschwierigkeiten bei den Lesern führen wird. In Ausnahmefällen kann auf separate Erkärungen (z.B. Bibellexikon, Kommentarseite) verlinkt werden.
  • (3) In Anmerkungen zur Studienfassung werden die Anliegen des Bibeltextes und der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund (soweit nicht offensichtlich) jeweils kurz erläutert. Gegebenenfalls setzen wir zu einzelnen Formulierungen weitere erläuterende Fußnoten.
  • (4) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern für jedes Wort wird eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht.
    • (b) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres wiedergeben lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz erläutert werden. Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung wird bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll beibehalten werden, soweit dies sinnvoll ist.
    • (e) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.

EDIT Ben: In 1a) aus "In einer Fußnote wird..." zu "Eine Fußnote weist..." (passiv zu aktiv)

Zur Rechtschreibung: Oh Mann, jetzt habe ich das verschlimmbessert! Das ist mir auch noch selten passiert! :-) 
Das Semikolon ist wohl Ermessenssache. Für mich ist der zweite Satz eine einfache "Fortsetzung" des ersten und daher reicht ein Komma. Aber das kann auch bleiben.
Komma bei "nur, wenn": Wie unterscheidet sich das denn dann von "auch wenn"? Da wäre das Komma ja sicher falsch. Daher war ich mir sicher, dass "nur" ebenfalls die Konjunktion modifiziert und folglich (auch weil vor dem Komma kein eigenes Verb steht) kein Komma nötig ist.
Das bei "als" habe ich gesetzt, weil ich fälschlich gelesen hatte, dass der Satz mit einem Verb endete.
 
8. "Verständnisschwierigkeiten" ist geeignet. Danke für die Verbesserung!
 
9. "Kurz" ist nur begrenzt relativ. Im Kontext von Fußnoten erwartet man, dass eine kurze Fußnote nicht länger als ein Satz ist, vielleicht sogar stichwortartig/elliptisch formuliert. Daher ist "kurz" m.E. sogar sachlich falsch. Und tatsächlich ist unser Anliegen ja nicht, kurze Fußnoten zu verfassen, sondern sie vergleichsweise kurz zu halten: uns also prägnant auszudrücken. Daher der Vorschlag "prägnant".
 
10. Oh ja, danke für den Hinweis auf die Diskussion; diese Entwicklung habe ich völlig übersehen. Ich glaube, du machst einen Denkfehler. Relevant ist nicht automatisch jede Variante, die sich auf den übersetzten Text auswirken würde. Übersetzungsrelevant wäre nur eine Variante, die eine vernünftige Bezeugung hat UND die sich auf den übersetzten Text auswirken würde. So haben wir das meines Erachtens schon immer gehandhabt. Hätte dagegen jemand Einwände? 
 
Weitere stilistische Vorschläge: 

  • Abs. 1 "soweit möglich und nötig" ist schon eine Verbesserung; "nötig" ist aber immer noch das Stiefkind des Satzes. Wie wäre es mit "zum Verständnis nötig"?
  • In 2) gefällt mir "In diesen Fällen" noch nicht. Besser wäre "In solchen Fällen" oder "gegebenenfalls" (vgl. 3)). Oder wir verbessern den ganzen schnurpseligen Satz "In diesen Fällen muss überprüft sein, dass dies nicht zu Verständnisschwierigkeiten bei den Lesern führen wird." zu "Auch dann ist zu gewährleisten, dass der Text gut verständlich ist." In der Kürze liegt die Würze. 
  • In 1) wäre statt "zeigt" "gebraucht" oder "verwendet" ("...um zu zeigen") die geeignetere Formulierung. "zeigt" passt jedenfalls nicht ganz.

"nur, wenn": Bei "auch" gilt das gleiche, auch wenn es auch "auch wenn"s gibt, bei denen zwischen "auch" und "wenn" kein Komma gesetzt wird :)
Vgl.: Bei Offene Bibel arbeiten wir auch sonntags! vs. Bei Offene Bibel arbeiten wir auch, wenn wir Kopfweh haben! (=auch in den Fällen, in denen wir Kopfweh haben - konditionaler Nebensatz) vs. Bei Offene Bibel arbeiten wir, auch wenn wir Kopfweh haben (=obwohl wir Kopfweh haben; konzessiver Nebensatz) vs. Bei Offene Bibel arbeiten wir auch, auch wenn wir Kopfweh haben (Wir arbeiten bei X; zusätzlich arbeiten wir bei Offene Bibel, obwohl wir Kopfweh haben). Nicht möglich ist aber Bei Offene Bibel arbeiten wir auch wenn wir Kopfweh haben.
Oder die amtliche Rechtschreibregelung gibt auch ein schönes Beispiel:  "Ich freue mich, auch wenn du mir nur eine Karte schreibst." (=obwohl es nur eine Karte ist, die du mir schreibst) vs. "Ich freue mich auch, wenn du mir nur eine Karte schreibst. (=auch in dem Fall, dass es nur eine Karte sein sollte) . 
9. "Kurz". Hm. Das mit dem FN-Kontext kann sogar sein. Olaf? :)
10. "Übersetzungsrelevant": Also, nach den ursprünglichen Kriterien hätte bei jeder textkritischen Variante eine Fußnote gesetzt werden müssen ("in Fällen, wo die Textüberlieferung unklar ist"); das musste klar geändert werden und das ist eigentlich das einzige, das hinter dem Vorschlag stand. Aber "übersetzungsrelevant" heißt rein von der Wortbedeutung "für die Übersetzung relevant", d.h. "derart, dass es sich auf die Übersetzung auswirken würde", und das ist auch nahezu jede Variante. Zumindest kann man das Wort so verstehen; das ist mir zu missverständlich. Vielleicht fällt dir ja was besseres ein?
(Aber ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass es so reicht, wie es aktuell steht: Danach übersetzen wir nach dem Text der kritischen Standardausgaben und setzen dort eine erläuternde Fußnote, wo entweder wir oder eine wichtige deutsche Übersetzung zu einer anderen textkritischen Entscheidung kommt. Alle anderen Fälle sind solche, in denen wir (a) von unserer Quelle nicht abweichen - was sicher nicht per se schon kommentierungswürdig ist^^ - und (b) wo auch keine andere Übersetzung zu einer anderen Entscheidung kommt; d.h. wo eine textkritische Entscheidung erstens durch den wissenschaftlichen Standard gedeckt und zweitens in der deutschen Übersetzungslandschaft fraglos ist. Das wäre, als müsste man in einer Fußnote belegen, dass ab an einer Stelle "Vater" heißt, obwohl das in jedem Lexikon so steht und von jeder deutschen Übersetzung so übersetzt wird. Bist du sicher, dass bei dieser Formulierung dort Textkritik-Fußnoten rausfallen würden, wo sie nötig wären?)
Änderungsvorschläge: Dein Vorschlag zu Abs. 1 ist in meinen Augen möglich, aber nicht nötig :) 
(2) ist deins besser. In (1) auch, wobei "verwendet" wiederum besser ist als "gebraucht".

Zum Komma: Vielen Dank, sehr lehrreich!
10. Ok, also der bisherige Stand zur Textkritik ist tatsächlich, wie du gesagt hast, dass alle Abweichungen, die sich auf die Übersetzung auswirken würden, aufgeschrieben werden sollten. In den Kriterien selbst steht dazu bisher allerdings gar nichts; der vage formulierte Absatz, aus dem das hervorgeht, steht in der Übersetzungs-FAQ. Und eben diese Frage ist eine, die wir beide schon vor längerer Zeit andiskutiert, aber mangels weiteren Feedbacks nie abgeschlossen hatten.
Ich hatte dabei schon darauf hingewiesen, dass die bisherige Regelung unrealistisch ist (ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, dass die jemals von irgendjemandem befolgt wurde) und mein hier schon dargelegtes Verständnis von "übersetzungsrelevant" beschrieben. Ich glaube, ich hatte dich auf meiner Seite.
Ich spreche eben speziell von bedeutsamen Varianten, die möglicherweise richtig, aber vielen zu gewagt sind, um sie in den Haupttext zu übernehmen. Nimm die Lesart ohne "den Sohn Gottes" in Mk 1,1. Meinst du, es gibt eine einzige Übersetzung, die es sich leisten möchte, sich hier für die ganz leicht stärkere kürzere Variante zu entscheiden? Die Leser würden Tod und Teufel schreien. Nimm Mk 1,41, wo die internen Kriterien ganz für eine Lesart sprechen, die aber extern grottig bezeugt ist;  oder die erst kürzlich in NA28 eingeführte Lesart in Judas, wonach Jesus das Volk aus Ägypten geführt hat. Solche Lesarten werden teilweise in Kommentaren wohlwollend besprochen, aber Übersetzer sind in dieser Hinsicht ein konservatives und ängstliches Pack. Und dann ist die Textkritik eh im Wandel; plötzlich kommen für einige Ausleger auch byzantinische Lesarten in Frage oder richtig abenteuerliche, die nur aus internen Gründen überzeugen können (diesen Einfluss bemerkt man z.B: im SBLGNT).
Aber ich schweife ab (und aus ;-) ). Ich könnte mit der gegenwärtigen Formulierung leben, wenn sie als Prinzip und nicht als Gesetz gemeint ist. Genau wie bei allen anderen Sachverhalten auch sollte es am Ende im Ermessen der Übersetzer liegen, ob eine textkritische Variante, die weder von uns noch von einer Edition noch von einer wichtigen Übersetzung in den Haupttext gesetzt wird, nicht doch relevant ist (die dominante Lesart mit Konjunktiv in Röm 5,1 könnte beispielsweise so eine Lesart sein).
Wie wäre es mit folgendem Vorschlag zur Güte: Wir ergänzen zur Sicherheit noch ein viertes Kriterium, nämlich die wissenschaftliche Diskussion? Damit hätten wir mindestens Röm 5,1 und wohl auch jeden anderen denkbaren Fall abgedeckt.
Änderungsvorschläge: Lasse ich gerne so stehen.

Also, ist dann nur noch Bens Textkritik-Anfrage zu klären? Ich würde mich über eine Rückmeldung von Olaf (und auch anderen) freuen, bevor ich antworte :)

Hallo,
Fälle, in denen die Textkritik umstritten ist, fallen für mich unter die allhgemeine Regeln, dass strittige Fragen dargestellt werden – aber es sit gut, dass noch einmla explizit zu machen.
Zu 7: Ja, ich verstehe, was du meinst. Trotzdem möche ich ungern ein Konkurrenz-Verfahren zur wissenschaftlichen Orientierung etablieren. Im Zweifelsfall bleibt uns QMs natürlich immer noch die Möglichkeit, intern die Entscheidungsfindung per Mehrheit zu machen

Textkritik: Da hat Olaf recht, würd ich sagen.

Dann haben wir jetzt ja alles geklärt, oder? (Eben abgesehen davon, die letzten Beiträge noch umzusetzen.)
Kommt als nächstes die --> Status-Reform. ;-)

Halleluja. Also finale Zusammenfassung:
Die Studienfassung richtet sich in erster Linie an Menschen, die neugierig auf zusätzliche Informationen zum Bibeltext sind. Sie zeigt inhaltliche Anliegen, den historischen und kulturellen Kontext sowie unterschiedliche sprachliche Deutungsmöglichkeiten und Zwischentöne auf. Auf Fachsprache wird – soweit möglich und nötig – verzichtet.
Darüber hinaus dient die Studienfassung den Übersetzern von Lesefassung und Bibel in Leichter Sprache als Grundlage und zur inhaltlichen Orientierung. Auch macht sie ihre Übersetzungsentscheidungen in prägnanten Fußnoten oder in einer separaten Dokumentation nachvollziehbar – auch zwecks Überprüfbarkeit durch andere Übersetzer.
Daraus ergeben sich folgende Kriterien, an denen die Qualität einer Studienfassung gemessen werden kann:

  • (1) Die Studienfassung verwendet runde Klammern () und Fußnoten, um zu zeigen, wo mehrere sprachliche Deutungen möglich oder relevante Zwischentöne vorhanden sind. Im Haupttext selbst wird dabei zunächst die Deutung angegeben, der die Studienfassung folgt.
    • (a) Allgemein gilt bei unterschiedlichen möglichen Deutungen, dass wir uns an der plausibelsten in der wissenschaftlichen Diskussion vertretenen Deutung orientieren. Existieren mehrere ungefähr gleich plausible Deutungen, bevorzugen wir tendenziell die vorsichtigere Deutung vor einer inhaltlich zugespitzten Interpretation. Lässt sich keine wirklich plausible Deutung ausmachen, greifen wir zu einer unauffälligen und gut etablierten Übersetzung.
      Mit einer Fußnote weisen wir dabei auf die Existenz mehrerer möglicher Deutungen hin und erklären diese (soweit sinnvoll) möglichst allgemeinverständlich. Für eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Positionen gibt es die Kommentarseite.
    • (b) In der Studienfassung ist dokumentiert, wo wir aus textkritischen Gründen einer anderen Überlieferung folgen als eine der wissenschaftlichen Standard-Textausgaben. Durch eine Fußnote wird kurz darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Die von uns nicht gewählte Variante steht in runden Klammern () oder in der Fußnote. Die genauen Hintergründe werden (soweit sinnvoll) auf der Kommentarseite erläutert.
      Entsprechendes gilt, wenn uns eine abweichende textkritische Entscheidung einer wichtigen deutschen Übersetzung bekannt ist.
  • (2) Die Studienfassung ist allgemeinverständlich. Fachbegriffe werden nur verwendet, wenn sich keine alternative, allgemeinverständliche Formulierung finden lässt. In solchen Fällen muss überprüft sein, dass dies nicht zu Verständnisschwierigkeiten bei den Lesern führen wird. In Ausnahmefällen kann auf separate Erkärungen (z.B. Bibellexikon, Kommentarseite) verlinkt werden.
  • (3) In Anmerkungen zur Studienfassung werden die Anliegen des Bibeltextes und der zum Verständnis nötige kulturelle oder historische Hintergrund (soweit nicht offensichtlich) jeweils kurz erläutert. Gegebenenfalls setzen wir zu einzelnen Formulierungen weitere erläuterende Fußnoten.
  • (4) Die Studienfassung ist eine möglichst wörtliche Übersetzung ohne unnötige Umformulierungen, solange das nicht zu unnatürlichem Deutsch führen würde. Das heißt:
    • (a) Bei der Wortwahl wird keine Konkordanz angestrebt, sondern für jedes Wort wird eine angemessene Übersetzung für den jeweiligen Kontext gesucht.
    • (b) Konstruktionen, die sich im Deutschen nicht ohne Weiteres wiedergeben lassen (Gen. abs., Part. conj., Inf. abs., ...), sollen in natürliches Deutsch aufgelöst und mit einer Fußnote kurz erläutert werden. Besondere Sorgfalt gilt beim Übersetzen der Verbtempora.
    • (c) Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt; die Bedeutung wird bei Unklarheiten in einer Fußnote erklärt. Nur, wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden.
    • (d) Der Satzbau soll beibehalten werden, soweit dies sinnvoll ist.
    • (e) Es werden strikt nach Original keine Überschriften gesetzt. Einzelne Sinnabschnitte innerhalb eines Kapitels werden aber durch einen Absatz voneinander getrennt.

EDIT Ben: In 1) aus "runden Klammern" "runde Klammern". Bei Gedankenstrichen aus "-" "–". In 1a), 2. Abs. den ersten Satz ins Aktiv (1. Pl.) umgeformt, um dem zweiten Teilsatz seine Schwammigkeit zu nehmen.

Herzlichen Dank, hat meinen Segen!

Danke!
Zu 1.b) hatten Ben und ich noch vorgeschlagen, die wissenschaftlich umstrittenen Fälle allgemein explizit aufzunehmen.
Mein Vorschlag einer entsprechenden Formulierung:
Textkritik: In der Studienfassung werden alle Fälle dokumentiert, wo der Wortlaut des Urtextes in der Forschung stark umstritten ist (sofern dies Auswirkungen auf die Übersetzung hat). Durch eine Fußnote wird kurz darauf hingewiesen, dass es verschiedene Überlieferungen gibt. Dort wird auch vermerkt, falls wir einer anderen Überlieferung folgen als eine der wissenschaftlichen Standard-Textausgaben. Die von uns nicht gewählte Variante steht in runden Klammern () oder in der Fußnote. Die genauen Hintergründe werden (soweit sinnvoll) auf der Kommentarseite erläutert.
Entsprechendes gilt, wenn uns eine abweichende textkritische Entscheidung einer wichtigen deutschen Übersetzung bekannt ist.

Finde ich gut. Ediert es jemand mit Admin-Rechten ein und setzt es auf die Übersetzungskriterien-Seite?