ס und פ am Versende

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In der BHS findet man nach bestimmten Versen ja immer Mal ein ס oder פ am Versende. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Beide scheinen eine Art Zeilenumbruch zu markieren, aber ich kann den Unterschied nicht ganz ausmachen. Kann da jemand weiterhelfen? 
Meine nächste Frage: Sollte man diese Symbole in der Übersetzung berücksichtigen, und wenn ja, wie? 

Ich schätze mal, damit hat sich noch niemand befasst... :-) 

Da mir gerade ein ס (Samech) mitten im Text untergekommen ist, habe ich kurzfristig eine kleine, oberflächliche Recherche dazu gemacht. In meiner Grammatik in Logos 4 habe ich wenigstens schon mal die Bezeichnungen gefunden: Petûḥâ und Setûmâ. Google hat dann nachgeholfen. Allerdings habe ich nur gesucht, bis ich eine Antwort hatte, vielleicht kommt dazu ein andermal eine ausführlichere Untersuchung mit wissenschaftlichen Quellen.
Bisher habe ich herausgefunden, dass eine Petûḥâ (neuer Absatz beginnt auf neuer Zeile) einen neuen Absatz einleitet, während eine Setûmâ (neuer Absatz beginnt nach Lücke auf derselben Zeile) einen neuen Unterabschnitt einleitet. Inwieweit das mit dem Textsinn zu tun hat und ob eine Petûḥâ etwa grundsätzlich eine neue Sinneinheit beginnt, konnte ich noch nicht feststellen. Allerdings scheint es so, als wäre der Bruch beim פ stärker als beim ס. Ihr könnt euch ja schon mal Gedanken darüber machen, ob wir das irgendwie berücksichtigen wollen (etwa durch tatsächliche Absätze im Fließtext). Dazu evtl. bald mehr von mir.

Im Vorwort zur BHS steht, dass beide Symbole ergänzt wurden, d.h. sie stehen nicht im Codex Leningradensis. Wo genau sie herkommen und ob sie auf eine alte Handschriftentradition zurückgehen oder ob sie eine relativ moderne Erfindung sind, bleibt in dem kurzen Satz leider offen.

Ich weiß zumindest sicher, dass sie eine masoretische Tradition darstellen, die in gängigen Handschriften zu finden ist (vielleicht gerade nicht im Leningradensis? Wer weiß...). Schon Maimonides (12. Jh.) hat Regeln für ihre Verwendung aufgestellt; so ganz durchgeblickt habe ich da noch nicht. Das kommt dann vielleicht in ein paar Wochen, denn im Moment muss ich erstmal meine Hebräischklausur hinter mich bringen.

Ich habe mich mal noch etwas umgehört (v.a. bei Dozenten). Leider habe ich noch keine ausführliche Literatur dazu in die Finger bekommen.
Petuchot und Setumot gehören, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wohl zu den protomasoretischen Markern, waren vielleicht schon in den ersten Versionen der Texte enthalten. Ihre genaue Bedeutung war selbst den Masoreten nicht mehr klar. Alles, was heute noch sicher gesagt werden kann, ist dass es sich dabei um Zäsurmarker zur Unterteilung des Textes handelt. Der reale semantische Unterschied kann nicht wirklich definiert werden.
Die Unterteilung durch Petuchot und Setumot folgt nicht immer unserem deutschen Empfinden, wie ein Text in Absätze unterteilt werden soll. 1 Sam 3 etwa wird durch die Marker feiner eingeteilt (hier die Übersetzung). Es scheint, als sei schon jeder kleinste Bruch markiert (etwa im Dialog jedes Mal, wenn der Sprecher wechselt).
Es wäre zu überlegen, ob man auf Grundlage dieser Marker im AT eine Absatzeinteilung erlaubt. Dabei sollte aber nicht jeder Marker durch einen Absatz wiedergegeben werden.