Offene Bibel und Crowd Funding

In aller Kürze: Ich überlege seit einigen Wochen ernsthaft, welche Erfolgschancen wir wohl hätten, wenn wir in den nächsten Monaten eine Crowd-Funding-Kampagne starten.
Ich habe diesen Herbst einige Monate Spielraum, wo ich übersetzen könnte, aber nicht für lau. Wenn wir als Verein auf diese Weise etwas Geld zusammen bekommen könnten, könnte ich z.B. zwei Monate lang halbtags Studienfassungen erstellen und Korrektur lesen. Ich muss wohl nicht erst erwähnen, dass ein professioneller Schub langfristig vielleicht die einzige Möglichkeit ist, diese Projekt noch zu unseren Lebzeiten fertigzustellen.
Nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda kriegen wir die Community m.M.n. nicht in die Größenordnung der kritischen Masse, die nötig wäre, um ernsthaft Nägel mit Köpfen zu machen. Mit einer Crowd-Funding-Kampagne hätte jeder die Möglichkeit, uns finanziell zu unterstützen, der uns nicht mit seiner Zeit oder Expertise unterstützen kann. Die kritische Masse würde auf anderem Wege erreicht.
Crowd Funding ist eine relativ junge und viel versprechende Finanzierungsmöglichkeit beispielsweise für Firmengründer oder Bands, aber auch wohltätige Projekte, Geld zu sammeln. Wer sich auf einer speziellen Webseite (die größte ist kickstarter.com) zu einem bestimmten Geldbetrag verpflichtet, der bekommt im Gegenzug eine Belohnung: Wer eine Band für ihre neue CD beleiht, bekommt dann also, wenn die nötige Summe erreicht und das Projekt verwirklicht ist, z.B. die CD - samt T-Shirt, Autogramm o.ä. Verschiedene Preisstufen und Belohnungen (etwa 25€: CD, 500€: CD und eine Gitarre der Band) sowie den benötigten Gesamtbetrag kann die Projektleitung selbst festlegen. Der Verein Offene Bibel e.V. könnte also auf das Interesse der Bibelleser bauen und versuchen, eine bestimmte Summe zu bekommen - mit der dann ein Übersetzer bezahlt wird.
Das Problem, das ich noch sehe, ist dass ich nicht weiß, ob wir über das Netzwerk verfügen. Haben wir die Reichweite, finden wir so viel Gehör, dass wir tatsächlich einen vierstelligen Betrag zusammen bekommen können? 
Eine andere Frage wäre, welche Belohnungen man für die Spenden in Aussicht stellt.
Folgt man meinen Überlegungen, dann müsste die Kampagne im Frühsommer anlaufen, wenn im Herbst - grob Okt-Dez - alles entschieden sein und die eigentliche Arbeit beginnen soll. Entsprechende Vorbereitungen müssten bald starten.
 
Was haltet ihr von der Idee, liebe Leser? Sagt mir ruhig ehrlich, was ihr denkt. Ich weiß selbst noch nicht, wie realistisch diese Überlegungen sind. Oder vielleicht habt ihr noch ganz andere Einwände? 
Ein Schritt in den nächsten Tagen könnte sein, dass wir mal bei Facebook, Twitter und G+ und durch den Newsletter die Wassertiefe testen. Wir könnten die Leute einfach mal bitten, sich kurz zu melden, wenn sie sich vorstellen könnten, ein solches Projekt finanziell zu unterstützen. So bekämen wir einen Eindruck davon, welches Potenzial wir mit den vorhandenen Ressourcen schon entfalten könnten.

 Hey,

  • Was für ein Betrag wäre denn nötig? 4 stellig hört sich nicht sehr hoch an.
  • Willst nur du übersetzen, oder hast du auch daran gedacht, noch andere (Berufs-?)übersetzer mit in's Boot zu ziehen?
  • Falls du Dritte mit dazu nehmen willst: Sind unsere Übersetzungskriterien gut genug, dass, egal wem man sie gibt, ähnliche Ergebnisse rauskommen?
  • Wer gibt vor was übersetzt wird? Die Spender, der Verein, der Übersetzer, das Plenum hier?
  • Bist du selbst eher ein griechisch oder hebräisch Fan? (Frage ich nicht ohne Hintergedanken :-)

Patrick

Ich finde die Idee gut, mir schwebte schon lange sowas wie eine studentische Hilfskraft-Stelle vor.
Was wir zurück geben könnten? Ein übersetztes Kapitel! Man könnte Kapitel-Patenschaften verkaufen /Kapitelübersetzungen sponsorn lassen. Je nach Betrag könnte es eine Lesefassung dazu geben. Die Idee mal über unsere Netzwerke inkl. Mailinglsite nachzufragen finde ich gut. (Sorry, mehr Hirnkapazität habe ich grad nicht, das Examen ruft)

Hey :)
Ich weiß nicht, wie klug das wäre. Denn auch die Kapitel, die momentan schon eine vergleichsweise gute und gründliche Studienübersetzung haben - und SO viele sind das ja nicht - sind ja nicht der Weisheit letzter Schluss. An den allermeisten könnte man ja weiterfeilen und weiterfeilen ohne Ende (was ja bei jeder Übersetzung immer und überall der Fall ist, ich weiß schon), und vor Allem der Abgleich mit wissenschaftlicher Literatur ist ja theoretisch eine endlose Aufgabe. "Fertig" werden wir hiermit sowieso nie.
Und da bin ich mir eben auch nicht ganz sicher, wie viel das bringen soll, wenn wir es tatsächlich erzwingen sollten, die restlichen Kapitel in ähnlicher Qualität fertigzustellen - dann hätten wir zwar eine online verfügbare und v.a. gemeinfreie Bibelübersetzung, die dafür aber uneinheitlich und von Mitgliedern mit geringerer Kompetenz (keine Beleidigung - ich übersetze ja selber mit) als professionellen Bibelübersetzern übersetzt ist.
Aber vielleicht bin ich nur gerade am Grübeln, weil ich mich gerade im Heiligen Land befinde und so naturgemäß etwas größeren Abstand vom Projekt habe als sonst, außerdem bin ich müde (andere Zeitzone). Denn andererseits, wenn es schon keinen anderen Effekt hätte, dann doch zumindest den, dass wir schneller vorankämen - und das wäre ja immerhin schon viel.
Liebe Grüße aus Israel,
Sebastian

@Sebastian: Das sehe ich anders. Die Übersetzungskriterien und die Statusvergabe sind genau dafür da um abgrenzen zu können wie gut eine Übersetzung ist.

Wenn das Ergebnis einer solchen Aktion eine uneinheitliche Übersetzung ist, dann sind die Kriterien nicht gut genug. Das können andere aber besser beurteilen, ich selbst bin ja kein Übersetzer.

Und wenn es nicht möglich ist, "fertig" zu werden, sind die Kriterien unerreichbar und damit auch nicht gut genug. Aber da es schon Kapitel mit der Wertung "Sehr gute Studienfassung" gibt, denke ich schon, dass es möglich ist einen sehr brauchbaren Status Quo zu erreichen.

Wenn es nicht möglich sein sollte in dem Rahmen den die Offene Bibel bietet sehr brauchbare, gute und mit Kaufbibeln konkurenzfähige Übersetzungen zu produzieren (wenn auch erstmal nur für einzelne Kapitel und hoffentlich bald Bücher), dann zweifle ich dieses Projekt an...

Bitte nicht böse sein wenn das etwas hart formuliert ist... Ist schon spät und hab keine Energie mehr den Kommentar glatt zu polieren.

Patrick, ich glaube, wir verstehen dich. Du versuchst einfach logisch zu argumentieren, und ich glaube, du hast recht.
Sebastian ist wohl gerade in Grübler-Stimmung. Es ist natürlich richtig, dass man theoretisch immer noch etwas zu verbessern finden könnte - aber dazu haben wir ein Wiki, und aus diesem Grund sind auch die fertigen Fassungen noch zu leichten Bearbeitungen freigegeben.
Sebastian hat natürlich auch insofern recht, dass unsere philologische Arbeit nicht empirisch ist, sondern in gewisser Weise literarische Kunst (wie ich vor kurzem in einem ähnlichen Zusammenhang sinngemäß gelesen habe). Das heißt eben auch, dass wir keine objektiv und prüfbar perfekte Übersetzung schaffen können. Dennoch ist die Qualität nicht unser Problem. Zudem haben wir gerade bei der Studienfassung sehr viele Methoden entwickelt, sie möglichst objektiv zu prüfen.
Was wir auf jeden Fall erreichen können, auch wenn bei uns "nur" Theologen übersetzen und keine Übersetzer, die gleichzeitig Theologen und Linguisten sind, sind "sehr brauchbare, gute und mit Kaufbibeln konkurenzfähige Übersetzungen", wie Patrick treffend formuliert. den Studienfassungen eine relativ erprobte Methode, die es uns durchaus möglich macht, ein kohärentes Ganzes zu erreichen. Dazu wird aber nicht nur sehr viel editoriale Arbeit, sondern auch sehr viel theologische Forschung notwendig sein. Bei den anderen beiden Fassungen wird es schwieriger, weil wir verschiedene Anliegen vereinbaren müssen (Stil, Verständlichkeit, zeitgemäße Ausdrucksweise). Daher versuchen wir das in der aktiven Diskussion zu erreichen. Diese Subjektivität ist der Hauptgrund, warum wir für Lesefassung und leichte Fassung noch keine verbindlichen Abläufe festgesetzt haben, die an diejenigen der Studienfassung heranreichen.
Was wir auf jeden Fall erreichen können, auch wenn bei uns "nur" Theologen übersetzen und keine Übersetzer, die gleichzeitig Theologen und Linguisten sind, sind "sehr brauchbare, gute und mit Kaufbibeln konkurenzfähige Übersetzungen", wie Patrick treffend formuliert. Und diesem Ziel können wir mit einer Crowd-Funding-Kampagne ein gutes Stück näher kommen.
Lasst mich im nächsten Post wieder etwas zum Thema zurückkehren und auf eure Fragen eingehen. Wenn noch Bedarf besteht, die Qualität weiter zu diskutieren, kann das sicher in einem separaten Thread aufgenommen werden.

Sebastian, mein Vorschlag hätte nicht das Ziel, die Übersetzung in einem STück fertig zu bekommen. Wenn es nur um Rohübersetzungen aller Kapitel unterschiedlicher Qualität ohne Qualitätskontrolle geht, werden wir das m.E. auch ohne einen solchen Vorstoß innerhalb der nächsten Jahre früher oder später verwirklichen. Aber das kann nicht unser Ziel sein.
Qualität ist jedoch arbeitsintensiv. Und noch dazu handelt es sich um eine Arbeit, die man nicht nebenbei macht. Für unsere Qualitätskontrollen, unser Peer Review, ist gezielte exegetische Arbeit notwendig. Was bei Wikipedia schon kaum funktioniert, werden wir hier jedoch nie schaffen, wenn wir mit einem harten Kern von mehr oder weniger 4-5 Leuten versuchen, eine professionelle, wissenschaftlich erschlossene Übersetzung auf die Beine zu stellen.
Was ich deshalb überlege: 
 - Ich stelle einige Monate meiner Zeit zur Verfügung, abhängig davon, welche Summe zur Verfügung steht.
 - Ich mache einen Vorschlag, was ich gezielt übersetzen werde. Es wird aber sicher besonders gut ankommen, wenn wir die Unterstützer in irgendeiner Form mitbeteiligen. Das ist ja der Charme an solchen Projekten. Zudem würde ich etwas "ausmisten" und einige Kapitel (etwa von Olaf und Sebastian) zu Ende korrigieren, sodass sich der Ertrag vervielfachen würde. Das wäre eben Arbeit, die einfach ist, aber sonst liegen bleibt.
 - Im Anschluss haben wir einige solide Übersetzungen mehr. Der eigentliche Wert liegt aber in der Öffentlichkeitswirkung. Wir testen damit unser Potenzial. Wir feilen an unserer Bekanntheit. Wir laden weitere Menschen zur Werbung und aktiven Mitarbeit ein. Und nicht zuletzt wird es sicher etliche geben, die uns langfristig unterstützen wollen, wovon auch der Verein profitiert.
Im Lichte dessen kann ich jetzt noch konkreter auf eure Fragen eingehen (während ihr meine Überlegungen natürlich gerne kommentieren und zerpflücken dürft!).
1. Patrick fragt: 

  • Was für ein Betrag wäre denn nötig? 4 stellig hört sich nicht sehr hoch an.
  • Willst nur du übersetzen, oder hast du auch daran gedacht, noch andere (Berufs-?)übersetzer mit in's Boot zu ziehen?
  • Falls du Dritte mit dazu nehmen willst: Sind unsere Übersetzungskriterien gut genug, dass, egal wem man sie gibt, ähnliche Ergebnisse rauskommen?
  • Wer gibt vor was übersetzt wird? Die Spender, der Verein, der Übersetzer, das Plenum hier?
  • Bist du selbst eher ein griechisch oder hebräisch Fan? (Frage ich nicht ohne Hintergedanken :-)

Ich gehe die Fragen der Reihe nach ab.
a) Was für ein Betrag wäre denn nötig? 4 stellig hört sich nicht sehr hoch an.
Das hängt stark davon ab, wie wir planen: Was wir dem Übersetzer bezahlen (und wie lange er beschäftigt wird), welche Nebenkosten notwendig werden (Gebühren, Steuern, Werbung...), und am Ende natürlich auch, wie viel Geld zusammen kommt. Von unserer Einschätzung, wie viel wir erwarten könnten, hängt ganz maßgeblich ab, in welcher Größenordnung wir planen. Wenn andererseits die Spenden unsere Erwartungen deutlich übertreffen, könnten wir nachträglich noch größer planen. Aber ein Beispiel (und da mögt ihr vielleicht besser schätzen können als ich): Wenn wir einen Übersetzer zwei Monate lang teilzeit beschäftigen, würde ich mit 3000-5000€ aufwärts kalkulieren.
b) Willst nur du übersetzen, oder hast du auch daran gedacht, noch andere (Berufs-?)übersetzer mit in's Boot zu ziehen?
Das muss der Verein entscheiden, der das ganze ja finanziell verantworten muss. Zu meiner Person können ja durchaus persönliche, fachliche oder konfessionelle Vorbehalte bestehen. Ich weiß aber nicht, wie sinnvoll es wäre, gleich mehrere Übersetzer für einen bestimmten Zeitraum anzuheuern. Die wachsen ja sozusagen auch nicht auf Bäumen. Denkbar wäre vielleicht noch, zusätzlich einen erfahrenen Profi für die QS zu bezahlen, der dann deswegen nicht noch andere Verbindlichkeiten aufgeben müsste. Aber wie gesagt: Der Verein entscheidet.
Zu meiner Person: Wenn die Mitgliederversammlung mich für geeignet hält, wäre das optimal, weil ich im Herbst eben einige Monate zu füllen hätte. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich werde im Herbst ein abgeschlossenes 5-jähriges Theologiestudium mit zwei Abschlüssen (B.A., M.A.) mit Schwerpunkt Bibelwissenschaften/Neues Testament vorweisen können. Auch sonst wäre ich m.M.n. gut qualifiziert. Was mich von einem Profi unterscheidet, ist das Grundlagentraining, aber vieles davon zielt auf den Interkulturellen Kontext, anderes habe ich durch mein Studium und eigene Arbeit auch schon.
c) Falls du Dritte mit dazu nehmen willst: Sind unsere Übersetzungskriterien gut genug, dass, egal wem man sie gibt, ähnliche Ergebnisse rauskommen?
Kurz: Ja, meiner Meinung nach schon - etwas Einarbeitung vorausgesetzt. Unsere Kriterien sind im Ganzen solide und nachprüfbar. Ein Beispiel: Beim Vergleich von Olafs und meinen Übersetzungen stelle ich immer wieder fest, dass wie die Kriterien sehr ähnlich verstehen. Individuelle Eigenheiten müssen dabei noch nicht bedeuten, dass die Ergebnisse nicht zusammen passen. Am Ende (irgendwann, wenn die Übersetzung in einem wirklichen Endstadium ist) muss sowieso ein editorialer Prozess stattfinden: Der Satz und bestimmte Formulierungen müssen angeglichen werden. Man muss sich einigen, wie man bestimmte theologische (oder einfach: häufige) Begriffe übersetzt. Dazu wäre u.U. vielfach weitere Forschung nötig (deshalb haben wir auch ein Bibellexikon und den Kommentar). Aber diese Arbeit können wir jetzt noch nicht leisten, und sie ist auch och nicht notwendig, wenn es lediglich um zuverlässige Übersetzungen geht.
d) Wer gibt vor was übersetzt wird? Die Spender, der Verein, der Übersetzer, das Plenum hier?
Der Verein könnte mit dem Übersetzer einen Vorschlag machen. Die Spender könnte man zur Diskussion & Abstimmung mit einladen. Am Ende spielt auch der erreichte Betrag eine Rolle. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass als Teil des Belohnungssystems weitere Übersetzungen stattfinden oder Entscheidungen gefällt werden (wie auch Wolfgang vorgeschlagen hat). Nach dem Motto: 500€ und du bestimmst einen Abschnitt von bis zu 25 Versen, der übersetzt wird. Schön wäre es natürlich, wenn man am Ende ein ganzes (kurzes) Buch fertig hätte, das man dann vorveröffentlichen und als Teil der Belohnung für die Unterstützer drucken könnte.
e) Bist du selbst eher ein griechisch oder hebräisch Fan? (Frage ich nicht ohne Hintergedanken :-)
Jein. ;-) Ich beherrsche beide Sprachen recht gut, aber das Griechische im Zweifelsfall etwas besser. Um dir einen Begriff zu geben: Beim Griechischen hab ich i.d.R. wenig Probleme, einen Text direkt beim Lesen verstehen zu können (ausgenommen seltene Begriffe). Da habe ich auch ein gewisses Sprachgefühl. Beim Hebräischen ist das weniger ausgeprägt, auch der Wortschatz ist etwas rostiger. Aber dafür hat man ja die nötigen Hilfsmittel. Ich könnte wahrscheinlich effektiver arbeiten, wenn man mich auf's NT ansetzt. Aber letztlich wird es nur beim Aramäischen schwierig. :-)
 
Wer hat noch weitere Fragen, Anregungen, Einschätzungen, Kritikpunkte? 
 

Du hast recht, ich war gestern wohl wirklich merkwürdig gestimmt. Es gibt ja eigentlich nichts, was dagegen spricht, aber vermutlich so und so einiges, was dafür sprechen würde - von daher bin ich dafür.
@Patrick: Ich habe auch nicht gemeint, dass wir nicht mit kommerziellen Bibeln mithalten könnten, wenn wir mit unseren Kriterien so weiter übersetzen wie bisher; nicht mal, dass wir nicht mithalten könnten, wenn wir jetzt auf einmal so einen Turbogang einlegen würden. Aber gesetzt den Fall, dass wir so einen Turbogang einlegen würden, würden wir damit einen ganz großen Bereich des Potentials, das noch in OfBi steckt, nicht ausreizen - zumindest für die Zeit, die der Booster wirkt. Und weil zusätzlich wegen der Rahmenbedingungen (online-Projekt, Laien-mitarbeiter usw.) aus externer Sicht doch einiges gegen das Projekt sprechen muss, habe ich gedacht, dass, wenn wir das tun, wir eben damit auch das Plus aufgeben könnten, das wir in dem noch erfüllbaren Potential hätten - nämlich z.B., dass unendlich viele Menschen hier mitarbeiten könnten und dadurch Qualität und wissenschaftliche Absicherung auf ein neues Niveau heben könnten (zumindest theoretisch).
Aber die Möglichkeiten bestehen ja alle weiterhin, daher: Meine Stimme hat Ben.

@alle: Ich finde die Idee spannend, frage mich aber, wie sich das zur bisherigen Community-Identität der Offenen Bibel verhält. Können wir später zu der Struktur als Mitmachprojekt zurückkehren, wenn die ersten Schritte in Richtung professioneller Bezahlung einmal gemacht sind? Wie beantworten wir in drei Jahren die Frage, welchem Übersetzer ein Stundenlohn als professioneller Übersetzer zusteht (z.B. 3000–5000 € / Monat Vollzeit), oder wer als studentische Hilfskraft bezahlt wird (8,56 € / Stunde) oder wer gar nichts bekommt? Müssten wir dann nicht auch das Technik-Team komplett bezahlen? Mir geht es dabei nicht um irgendeine „Neiddebatte“, sondern schlicht darum, dass die Offene Bibel weiterhin ein echtes Gemeinschaftsprojekt bleibt.
@Ben: Du bist ja selbst lange Kassierer des Offene Bibel e.V. gewesen. Hast du dadurch Erfahrung mit den rechtlichen „Pferdefüßen“ gewinnen können? Ich denke da nicht nur an die Regeln zur Gemeinnützigkeit (und die damit verbundenen Buchführungsbestimmungen), sondern auch an Dinge wie Angestelltenrecht (notwendiges Finanzpolster für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) bzw. Gesetz gegen Scheinselbständigkeit. Schließlich hat der Verein nur ein sehr kleines Finanzpolster zum Auffangen unvorhergesehener Probleme. Wir wollen nicht, dass ein formaler Fehler den Verein aus der Gemeinnützigkeit  oder gar in den Konkurs treibt.

Ich kann die Bedenken von Olaf gut verstehen. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Fragestellung von Ben und bin unabhängig von meiner eigenen Entscheidung, meine Zeit und Kraft Gott unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, doch weit davon entfernt, das nun zum Maßstab für andere zu machen.
Deshalb würde ich mir einen Entscheidungsfindungsprozess mit einem win/win Ausgang wünschen, der die Anliegen aller Beteiligten zufriedenstellt. Das würde imho dem Projekt am meisten dienen. Immerhin sind es nach wie vor nicht zu viele, die dieses Riesenprojekt mit ihren bescheidenen Mitteln stemmen sollen.

Norbert, danke für deine Unterstützung. Es ist schön, dass sich so viele an dieser Diskussion beteiligen.
Olaf hat zwei Themen angesprochen. Beide sind wichtig, und wenigstens das zweite hätte ich demnächst ebenfalls angesprochen. Ich gehe zuerst auf das erste ein.
Du machst dir Sorgen, ob diese Aktion nicht den Charakter eines Mitmachprojekts beschädigen würde. Zunächst zur Bezahlung: Die 3000-5000€ waren als vielleicht nötiger Gesamtaufwand berechnet, also Brutto und samt möglicher Auslagen, die sonst noch anfallen.  Ich hatte jetzt keine so hohe Bezahlung angestrebt. ;-) Ich denke bei eventuell weiteren Kosten etwa an
 - Steuern, die auf den Verein zukommen könnten
 - Weitere Unkosten, die der Verein tragen müsste, z.B. steuerrechtliche Beratung, eventuelle bezahlte Arbeiten, die der Kampagne indirekt helfen würden, oder sogar PR. (zusammen u.U. 10-15%)
 - Unkosten für Belohnungen (u.U. 5-10%)
Ob mein Vorstoß aber langfristig den Charakter als Mitmachprojekt schädigen würde, das kann ich gar nicht sagen. In diese Richtung hatte ich noch nicht gedacht. Mir geht es auch nur darum, dem Projekt einen Schub zu versetzen, weil ich gerade ein günstiges Zeitfenster hätte. Ich würde daraus auch keine Autoritätsansprüche ableiten. Auch die Bezahlung muss die Vereinsversammlung festlegen. Meine Unkostenschätzung war eben eine vage Schätzung, aber ich werde nicht kommen und dem Verein sagen, welches Vertragsangebot er macht - falls er mich überhaupt in Erwägung zieht. Da ich aber ein akademisches Studium abgeschlossen haben werde, hatte ich gar nicht an die Kategorie "Studentische Hilfskraft" gedacht. All das liegt im Ermessen des Vereins. Vielleicht geht diese Antwort etwas an der geäußerten Befürchtung vorbei. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass ich nicht ganz zum Kern des Problems vorgestoßen bin; ich weiß nicht ganz, was diese Befürchtung begründet. 
Zweitens: Welche administrativen Herausforderungen dadurch auf uns zukommen könnten. Ich habe in meiner Zeit als Kassierer dem Thema wenig Beachtung geschenkt, weil der Vorstand ja unentgeltlich Arbeitet und auch sonst niemand bezahlt wird, wir ja auch noch nicht mal einen Geschäftsbetrieb haben. Bisher haben wir nur einen Zweckbetrieb - d.h. wir arbeiten nicht kommerziell auf unser Vereinsziel hin. Beginnen wir aber damit, kommerziell Kuchen zu verkaufen, um unsere Server zu bezahlen (oder so ;-) ), dann ist das ein Geschäftsbetrieb, für den wir ab einer bestimmten Grenze m.W. auch als gemeinnütziger Verein Steuern zahlen müssten. Details sollten in Online-Vereinsleitfäden relativ leicht recherchierbar sein.
Für einen einmaligen Auftrag muss man eine bezahlte Kraft aber nicht gleich voll anstellen, sondern es müsste reichen, wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Der Verein sollte damit keine Arbeitgeber-Verantwortung haben, aber ich weiß nicht, ob das genau so stimmt oder die ganze Wahrheit ist. Aber stellt euch vor, wir beauftragen jemanden, ein Bild für unseren Vereinssitz zu malen - wäre diese Person angestellt? Nein, wir würden sie nur für diesen Auftrag bezahlen. Ähnliches träfe zu, wenn wir jemanden beauftragen würden, unsere Webseite zu überholen o.ä. Ich weiß auch nicht, ob eine solche Auftragsarbeit - oder eine Crowd-Funding-Kampagne - schon unter Geschäftsbetrieb läuft. Ich weiß, dass die Teilnehmer beim Crowd-Funding ihre Belohnungen aus rechtlicher Hinsicht offenbar tatsächlich von uns erwerben (und nicht als Gegenleistung auf eine Spende erhalten), von daher wäre da die Grenze zum Geschäftsbetrieb wohl erreicht.
Das wäre für Kornelius also ein Haufen Arbeit, von dem ich persönlich unter allen Umständen die Finger gelassen hätte. Ein Laie sieht da als Kassierer einfach sehr schlecht aus. Aber meine Meinung ist, dass das kein Hinderungsgrund zu sein braucht. Wir müssten die gegebenenfalls anfallenden Mehrkosten für professionelle Hilfe in diesem Bereich ganz einfach in die Nebenkosten der Kampagne einrechnen. (Diese professionelle Hilfe könnte gegen Jahresende in jedem Fall für uns nötig werden, weil dann, soweit ich weiß, unsere erste Kontrolle durch das Finanzamt ansteht. Auch das erwähne ich, um diesen etwas bedrohlichen Gedanken in ein nüchterneres Licht zu rücken.) Genau das war auch der Grund, warum ich die Mindest-Gesamtsumme in meiner ersten Schätzung relativ großzügig geschätzt habe.
Ganz sicher ist aber: Wenn wir dieses Projekt durchziehen wollen, dann werde ich die Organisation nicht alleine schaffen. Nur wenn mehrere von uns sich bereit erklären, nebenbei bei der Planung zu helfen und etwas Zeit zu investieren, kann das was werden. Schaffen wir das nicht, dann wird das Ziel unrealistisch. Ich erwarte aber nichts, was ich nicht selber tun würde. Ich habe schon etliche Stunden mit der Recherche verbracht und wäre bei der Planung ganz vorne dabei.
EDIT: P.S.: Wenn ihr den Vorschlag weiter verfolgen wollt, kann ich gerne mal einen Aktionsplan erstellen. Ich freue mich sehr über eure bisherige Offenheit und Bereitschaft, das Ganze mit mir kritisch zu durchdenken.

@Ben: Danke für deine sehr ausführliche Antwort!
Die Frage der rechtlichen Situation und zum damit verbundenen Zeitaufwand überlasse ich mal den anderen, weil es im Zweifelsfall Kornelius (als Kassierer), Wolfgang (als Projektleiter und 1. Vorsitzender) bzw. diejenigen betrifft, die die beiden bei diesem Thema durch Mithilfe entlasten wollen.
Du erwähnst, dass du meine inhaltlichen Anfrage nicht verstehst. Deshalb habe ich noch ein wenig darüber nachgedacht. Zum Hintergrund: Ich bin bei KDE aktiv, wo der KDE e.V. als Vertretung der Mitwirkenden keinerlei Programmierarbeit bezahlt, sondern eine rein unterstützende und repräsentierende Funktion hat. Davon ausgehend stelle ich mir die Frage, was mit der Offenen Bibel langfristig passiert, wenn wir hier auf ein anderes Modell umschwenken. Fertige Antworten habe ich nicht – und ich will auch keine Antworten nicht alleine entwickeln, denn die Offene Bibel ist im Kern ein Gemeinschaftsprojekt und soll es, finde ich, auch bleiben.
Inzwischen ist mir aber ein wenig klarer, welche Fragen für mich zentral sind:

  • Wie können wir den Verein als Mitmach-Projekt nachhaltig voranbringen? Welche Hürden gibt es für „Neulinge“, und wie können wir diese Hürden verringern? Besteht bei einer Bezahlung von einigen Übersetzern die Gefahr, dass die Mitmach-Hürden weiter steigen? Falls ja – welche konkreten Gegenmassnahmen sind denkbar, und wie effektiv wären sie vermutlich?
  • Ist die erwähnte Idee eines bezahlten Tutors realistisch? Was hält Ben davon?
  • Wäre es realistisch, per Crowd-Funding jemanden zu finanzieren, der uns auf der Website mit „Hausmeister-Arbeiten“ entlastet (z.B. Umsetzung der nicht-technischen Verbessungen, die wir auf dem letzten Offene-Bibel-Treffen angedacht haben)?
  • Langfristig und unabhängig von Ben: Haben wir Bücher in einer Qualität, dass man ein professionelles Lektorat bezahlen könnte?
  • Wie schultert die Offene-Bibel-Community den zusätzlichen administrativen Zeitaufwand, der mit bezahlten Arbeitsaufträgen verbunden ist?

Gruß, Olaf

Folgendes alles @Ben:
 Sorry für die späte Antwort.
Ich unterstütze deinen Vorschlag. Ich selbst habe in 2012 auch Kapazitäten frei um mich einzubringen. Da ich "nur" ein Techniker bin, weis ich allerdings nicht was ich konkret beitragen kann.
Was ich aber für unabdingbar notwendig halte (hast du so ähnlich auch schon geschrieben, aber ich schreib's lieber nochmal weil ich es für total wichtig halte):
Damit dieser Versuch nicht scheitert sind verbindliche Verantwortlichkeiten und jemand der das Ganze verantwortet und das letzte Wort hat wenn Entscheidungen gefällt werden müssen notwendig. Es braucht halt jemand, der den Überblick behält was alles getan werden muss, Dinge in die Wege leitet, Leute anfragt und Leuten auf die Schlappen tritt, wenn es nicht vorwärts geht. Momentan sieht es so aus, wie wenn du der jenige werden würdest, weil du momentan am ehesten einen Plan und ein Ziel hast wie das Ganze laufen soll.
Dann noch ein paar Fragen zur Umsetzung:

  • Die Idee war ja kickstarter.com oder ähnliches zu benutzen. Wenn ja, brauchen wir jemand mit guten PR Fähigkeiten um die Seite und eventuell ein Video zu machen. Geld eintreiben läuft im Endeffekt auf PR raus. Es ist auf der einen Seite notwendig um genug Geld zu sammeln und führt anderer Seits dazu, dass die Offene Bibel wieder mehr in's Rampenlicht rückt. Wer ist denn unser PR Mensch? Wolfgang?
  • Ist es möglich einen Geld - übersetzte Verse Quotienten anzugeben? Also "mit 5000 Euro können wir 500 Verse übersetzen" oder 5000 Euro = Römerbrief oder so?
  • Es ist schon sinnvoll möglichst große zusammenhängende Textpassagen zu übersetzen, oder? Einfach von der Übersetzungsarbeit her. Wenn ja, dann ist es wenig sinnvoll wenn man sich Verse wünschen darf.
  • Wenn ich richtig verstehe, läuft es vermutlich darauf raus, dass du in den paar freien Monaten die du hast übersetzt. Wieviel Zeit hast du denn genau? Kannst du abschätzen was in dieser Zeit machbar ist?
  • Kommst du mit dem Leistungsdruck den kickstarter zwingend mit sich bringt klar? Leidet da die Übersetzung drunter?
  • Was machen wir, wenn viel zu viel Geld reinkommt?
  • Und am aller wichtigsten: Wann und vom wem wird entschieden ob wir das tun und wer der Verantwortliche sein wird?

Hallo ihr beiden, entschuldigt wiederum meine späte Antwort. Ich habe gerade sehr viel zu tun. Ich hoffe, in Hamburg ist es schön! 
Olaf, das klang jetzt noch nicht so, als hättest du sehr konkrete Befürchtungen - eher so, als hast du Angst vor zu schnellen Vorstößen und möchtest die möglichen negativen Folgen genau durchdenken. Vielleicht kommen wir einander inhaltlich näher, wenn wir bei der Analogie KDE e.V. bleiben. DIe KDE-Community hat sehr viele freiwillige, aber auch einige (von Firmen) bezahlte Entwickler. Inwiefern siehst du dabei, dass sich die bezahlte Arbeit negativ auf die freiwillige auswirkt? 
Wenn wir eine Crowd-Funding-Kampagne starten, dann hat das zwei Haupteffekte für uns: 1. Wir gewinnen an Bekanntheit. Alleine, dass noch nie eine Bibelübersetzung so (teil-)finanziert wurde, wird uns (für unsere Verhältnisse) beachtliche Berichterstattung einbringen - was Interessenten und hoffentlich Unterstützer anlockt. 2. Wir geben all denen eine Möglichkeit, sich zu beteiligen, die das nötige Knowhow oder die Zeit dazu nicht haben. Und sind wir mal ehrlich, dass unser Projekt von den Helfern in vielen Teilen so spezielle Fähigkeiten erfordert, ist wohl seine vielleicht größte Bremse. (Und auch wenn ihr das anders seht, mir geht es um das Argument und nicht den Beleg. :-) )
Andererseits würde ich es nicht als einen Haupteffekt der Kampagne sehen, dass jemand bezahlte Arbeit leistet: Es ist klar, dass das ein Novum für uns wäre - andererseits würde das nichts an unserer Zielsetzung oder unserem Charakter ändern. Das Zauberhafte am Crowd-Funding (gegenüber der Suche nach Investoren, Spendern oder Sponsoren im klassischen Sinn) ist gerade die enge Bindung an die Unterstützer. Was ich bisher noch nicht sehen kann, ist wie sie ein zeitlich befristetes und bislang als einmalig ausgerichtetes Projekt in anderer Weise als durch einen Schub auf unser Übersetzungsprojekt auswirken könnte. Mir geht es ja auch nicht um einen langfristigen Paradigmenwechsel, sondern darum, gezielt etwas Arbeit in die Übersetzung stecken zu können. Aber du bist derjenige mit der Open-Source-Erfahrung. Du merkst sicher schon, dass ich da noch nicht aufschließen kann.
Ich weiß nicht, ob du deine zentralen Fragen in erster Linie geschrieben hattest, um meine Einschätzung darüber zu erhalten - oder nicht einfach, um einen Denkanstoß zu geben. Ich will sie jedenfalls nicht ignorieren.
Wie können wir den Verein als Mitmach-Projekt nachhaltig voranbringen? Ein Hauptanliegen, das wir verfolgen können, ist bessere Öffentlichkeitsarbeit. Wir können momentan noch keine Verbindung zu großen Teilen unserer relevanten Zielgruppe aufbauen. Momentan sehe ich uns hauptsächlich als Hoffnungsschimmer für diejenigen, die gerne was Aktuelles in ihrem kostenlosen Bibelprogramm sehen würden, sowie als interessantes Versuchsobjekt für Theologiestudenten. (Ist das zu zynisch?) Dabei hat unser Projekt so viel Potenzial! Niemand macht den Text so transparent und liefert die Vergleichsmöglichkeiten und Hintergrundinfos so wie wir. Wir müssen dem bibellesenden Christen da draußen begreiflich machen, dass seine Bibellese direkt von der Offenen Bibel profitieren kann.
Ist die erwähnte Idee eines bezahlten Tutors realistisch? Was hält Ben davon? Ich finde die Idee erwägenswert. Momentan hat sie m.M.n. aber wenig Erfolgsaussichten, weil es praktisch niemanden gibt, der den Tutor in Anspruch nehmen würde. Unsere Erfahrung hat bisher ja auch gezeigt, dass die wenigsten Erstübersetzer sich aktiv dafür interessieren, was nach dem Einstellen mit ihren Texten passiert.
Wäre es realistisch, per Crowd-Funding jemanden zu finanzieren, der uns auf der Website mit „Hausmeister-Arbeiten“ entlastet (z.B. Umsetzung der nicht-technischen Verbessungen, die wir auf dem letzten Offene-Bibel-Treffen angedacht haben)? Wäre toll! Und unbedingt nötig! Was ich hier als Problempotential sehe, ist der mangelnde Appeal von rein technischen Arbeiten. Die meisten Leute werden technische Arbeiten einfach noch langweiliger finden als Übersetzungsarbeit (die ja auch nicht gerade eine Abenteuerreise ist). Man müsste den Leuten spürbare Ergebnisse liefern, die ihr Geld auch wirklich wert sind. Das wird für die Offene Bibel aber in jedem Fall eine große Herausforderung, auch wenn es um die FInanzierung der Übersetzung geht.
Langfristig und unabhängig von Ben: Haben wir Bücher in einer Qualität, dass man ein professionelles Lektorat bezahlen könnte? Hängt m.M.n. vor allem davon ab, welche Aufgaben der Lektor/die Lektorin wahrnehmen soll. Wir könnten ganz verschiedene Ansprüche haben: z.B. reine Stilkontrolle. Oder einschließlich Zuverlässigkeit der Übersetzung. Alles darüber hinaus gleitet schon in echte redaktionelle Arbeit ab: etwa letzte Entscheidungen über die Übersetzung strittiger Stellen, oder das Festlegen einheitlicher Übersetzungsmuster bei einigen hundert Kernbegriffen. Das ist bei professionellen Übersetzungen gewöhnlich die Aufgabe von Expertenkommitees. Aber das ist nur meine Einschränkung der Frage, keine Antwort. :-) Momentan haben wir eh nur ein halbes Dutzend Kapitel, die wir als fertig einstufen.
Wie schultert die Offene-Bibel-Community den zusätzlichen administrativen Zeitaufwand, der mit bezahlten Arbeitsaufträgen verbunden ist? Es gibt m.E. drei Möglichkeiten: 1. Die vorhandenen Engagierten übernehmen noch mehr Arbeit. 2. Wir finden weitere Helfer (etwa unter den Vereinsmitgliedern oder unter unseren Freunden an den Fakultäten). 3. Je nach Aufgabe holen wir uns bezahlte Hilfe. Möglichkeiten 1 und 2 müssen wir ausloten, und wenn sie nicht ergiebig genug sind, entweder Möglichkeit 3 mit einbeziehen oder den Plan einmotten. Zuerst müssen wir uns aber mal klar machen, welche Aufgaben es zu erledigen gilt. Dazu wird bald von mir ein Entwurf kommen.
 
Patrick, die Zuständigkeiten muss m.E. das Plenum der MItglieder klären. Ich stünde definitiv als Organisator zur Verfügung. Der Verein muss jedoch das Projekt tragen und den Auftrag erteilen. Ich gebe dir aber recht: Es geht nur, wenn wir geklärt haben, wie wir Entscheidungen treffen.

  • Wer macht PR: Gute Beobachtung, so sehe ich das auch. Wolfgang ist bisher unser hauptsächlicher Repräsentant in der Öffentlichkeit gewesen. Wir haben aber auch mindestens eine Mediendesignerin (oder so ähnlich) im Verein. Und wir haben Sebastian mit der schönen Stimme. ;-) Es lohnt sich wahrscheinlich, für diesen Bereich zunächst mal die Beziehungen spielen zu lassen und die Community zu aktivieren. Texte und Konzepte allein könnten wir wahrscheinlich auch zusammen im Wiki entwickeln. Wir müssen sicher keine professionelle PR-Agentur beschäftigen ;-) Nur: Es müssen sich eben auch einige beteiligen.
  • Geld/Vers-Quote: Solche Gedanken müssen wir uns vor Beginn der Kampagne machen. Bis der Verein entscheidet, ob er einen Übersetzer möchte und wie er den ggfs. bezahlen möchte, kann ich aber nur eine Quote für Verse pro Stunde angeben. Wenn wir dabei eine wirklich gründliche Übersetzung wollen, die die exegetische Forschung berücksichtigt, dann würde ich erstmal mit der Arbeitsquote von grob 1 Vers/Stunde oder u.U. sogar deutlich darunter rechnen. (Theologen, korrigiert mich!) Das ist (je nach Text) noch keine ganze Exegese, aber wird gründliche Arbeit i.S. unserer Qualitätskriterien ermöglichen. Zudem wäre man dann so flexibel, dass der Übersetzer vielleicht noch einige andere liegengebliebene Fleißarbeiten wahrnehmen könnte (allein das Korrekturlesen im Wiki könnte uns etliche "fertige" Kapitel einbringen). Aber auch das ist bisher nur meine persönliche Meinung und ich will da nicht vorpreschen.
  • Sinn zusammenhängender Passagen: Es ist sinnvoll, ja. Erstens erspart es dem Übersetzer etwas Arbeit, zweitens wäre ein sorgfältig übersetzter Brief o.ä. ein wichtiger Meilenstein, der auch öffentlichkeitswirksam wäre. Man könnte das aber sicher auch mischen. Eine Variante: "Wir beginnen bei Matthäus 1 und schauen mal, wie weit wir kommen!" Eine andere wäre, dass wir die etwaige Belohnung, sich den Text selbst aussuchen zu können, so hoch ansetzen, dass die Arbeit in jedem Fall davon profitiert. Sprich: "Bezahle zwei Kapitel und such dir eins davon aus!" (natürlich etwas kaschiert :-) Ich meine jetzt nur den Kostenpunkt.)
  • Mein Zeitfenster läge in den 3-4 Monaten Oktober-Dezember/Januar. Allerdings fällt da auch ein transatlantischer Umzug an. Ich glaube, wir können dabei schon von wenigstens 200 Stunden möglicher Arbeitszeit ausgehen, vielleicht deutlich mehr. Die genauen Umstände stehen eben noch nicht fest. Momentan stecken wir noch in den grundlegenden Vorbereitungen.
  • Leistungsdruck: Ich glaube, der Schlüssel liegt in vorausschauender Planung. Beantwortet das die Frage? :-)
  • Bei zuviel Geld: Entweder "Wir fangen bei Matthäus 1 an und schauen, wie weit wir kommen!", oder wir rufen andere weitere Meilensteine aus. Vieles wäre denkbar. Auch etwas, das wir uns gut überlegen müssen.
  • Wann fällt die definitive Entscheidung: Diese Frage ist von entscheidender Wichtigkeit. Wenn unsere ersten Sondierungen ergeben, dass wir dieses Projekt schultern wollen, dann muss der Verein das offziell beschließen, und zwar zeitnah. Ich würde sagen: Spätestens Ende Mai. In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, für welchen Monat der Vorstand dieses Jahr unsere Mitgliederversammlung ansetzen möchte. Beschlussfähig wären wir aber auch jederzeit per Online-Abstimmung.

 

@Ben
Nur zu meinem besseren Verständnis: Hab ich es richtig verstanden bzw. zitiert, dass du arbeitstechnisch von
1 Vers/Stunde oder u.U. sogar deutlich darunter ausgehst?
Sehe ich es dann bzw. zitiere ich es dann richtig, dass wir
dabei schon von wenigstens 200 Stunden möglicher Arbeitszeit ausgehen?
Wenn wir nun so vorgehen, wie du schreibst:
Wir fangen bei Matthäus 1 an und schauen, wie weit wir kommen!
So kämen wir, angefangen in Matthäus 1 (25 Verse) Matthäus 2 (23 Verse) Matthäus 3 (17 Verse) Matthäus 4 (25 Verse) Matthäus 5 (48 Verse) Matthäus 6 (34 Verse) Matthäus 7 (29 Verse) Matthäus 8 (34 Verse), Matthäus 9 (37 Verse) Matthäus 10(42 Verse) Matthäus 11 (30 Verse) Matthäus 12 (50 Verse) auf 394 Verse.
Wenn ich davon die 133 in diesen Kapiteln bereits rohübersetzten Verse abziehe, blieben 261 noch zu übersetzende Verse bei Matthäus Kapitel 1 bis 12.
Dann wäre aber am Ende von Matthäus 12 u.U. im worst case das Limit von wenigstens 200 Stunden mit dann 261 Stunden (wenn ich mich nicht verrechnet habe) erreicht.
Falls das, was ich da gerechnet habe, völlig verpeilt ist, lasse ich mich gerne korrigieren.
Gruß Norbert

Ich bin sicher, du hast richtig gerechnet! Es ging mir aber nicht darum, eine mathematisch korrekte Aussage zu machen, sondern einen Eindruck zu vermitteln. Ich würde im Zweifelsfall von 1-2 Stunden pro Vers ausgehen. Die Maxime "Wir fangen bei Mt 1 an" war auch nur ein Vorschlag. Beides muss noch diskutiert werden. :-)

Hallo Ben,
danke für eine sehr ausführliche Antwort und für den Blog-Eintrag!
Es ist tatsächlich so, dass es mir vor allem darum geht, die Folgen zu sauber zu durchdenken.
Auf dem Kirchentag habe ich mit Wolfgang und Kornelius sprechen können. Dadurch (und durch deine gute Antwort oben) haben sich zumindest einige Teil-Aspekte etwas geklärt:

  1. Da du schon sehr lange bei der Offenen Bibel dabei bist, können wir tätsächlich davon ausgehen, dass deine Arbeitsweise und der spätere Umgang mit deinen „Leistungen“ in vollem Einklang mit dem Community-Aspekt der Offenen Bibel stehen werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir tatsächlich sehr lohnend, die Idee des Crowd-Funding von dieser Warte her mal auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Natürlich sind hier noch jede Menge Fragen offen, aber die sind voraussichtlich lösbar.
  2. Deutlich spektischer bin ich bei der angedachten Rolle für den Verein. Bisher ist der Offene Bibel e.V. repräsentativer Verein für die aktivsten Mitglieder der Community und rechtlicher Rahmen für das Projekt.* Der e.V. ist bisher weder Arbeitgeber noch Auftraggeber seiner Mitglieder. Dieses Prinzip können wir nicht aufgeben, ohne den e.V. und die Offene Bibel insgesamt in ihrer Struktur massiv zu verändern. Ich kann mir zwar sehr gut Ausnahmen vorstellen, wenn es um die Kernbereiche der Unterstützungsrolle des Vereins geht (Büro, Finanzen, Technik, organisatorische Unterstützung, Publikation einschließlich Lektorat). Diese alle müssten dann aber sehr gut auf mögliche Interessenkonflikte hin untersucht werden, und wären inhaltlich etwas sehr anderes als Übersetzungstätigkeit.
  3. Wolfgang steckt zur Zeit im Examen und Kornelius als Kassierer hat ebenfalls sehr wenig Zeit. Da ich bereits sehr viele Aufgaben bei der Offenen Bibel ausstehen habe und demnächst Nachwuchs bekomme, kann ich sie bei einer Crowdfunding-Aktion nicht entlasten. Unabhängig von dem Rollenkonflikt ist also im Vorstand schlicht und einfach keine Kapazität da, um die rechtliche Seite des Crowdfunding zu prüfen.

Fazit: Wenn wir Crowdfunding für Übersetzungen machen wollen, dann können wir das nicht als Vereins-Aktion machen, wohl aber als Bens Aktion innerhalb der Offene-Bibel-Community.
Liebe Grüße, Olaf
 
* Dieselbe Rolle hat KDE e.V. für KDE als Community. Bei KDE ist es so, dass der e.V. keine Sub-Unternehmer und auch – mit Ausnahme von Claudia Rauch im Sektretariat – keine Angestellten hat. Einzelne Entwicker haben bereits vor etlichen Jahren privat Crowdfunding-Versuche unternommen (bevor es dieses Wort gab), mit eher mäßigem Erfolg. Diejenigen, die beruflich an KDE arbeiten, tun dies für Firmen, die selbst KDE einsetzen oder supporten. Bei anderen Open-Source-Projekten ist das teilweise anders, aber dort ist der Trägerverein oft auch nicht die Vertretung der Community, sondern eher ein Industrie-Verband der interessierten Firmen. Jedenfalls kenne kein anderes Open-Source-Projekt, das das Alter, die Größe und gleichzeitig eine so gesunde Community mitbringt wie KDE.
 

@Olaf
Zitat: und demnächst Nachwuchs bekomme
Da freue ich mich sehr für euch! Ich wünsche euch einen guten, unkomplizierten Verlauf mit dem erhofften Ausgang.
Gruß auch an Barbara
Norbert

Olaf, auch ich möchte euch zum Nachwuchs gratulieren.
Obwohl ich an einigen Stellen ansetzen könnte, sieht es so aus, als müssten wir diese Diskussion gar nicht weiter führen. Du hast angeführt, dass die Vorstandsmitglieder des Vereins keinen zeitlichen Spielraum zur Mithilfe haben. Die 0 Reaktionen auf meinen Blog-Post (oder auf die Testballons in den sozialen Netzwerken) zeigen ebenfalls, dass zwar vielleicht bei vielen Interesse besteht, aber kein zeitlicher Spielraum, oder dass das Interesse dann doch nicht so groß ist. Das kann ich auch niemandem verübeln.
So gerne ich die Aktion auch alleine aufziehen würde, geht das auch über meine Kräfte. Ich habe nebenbei noch so viel, dass das einfach nicht geht.
Damit wird der Plan erstmal verschürt. Die Idee bleibt m.E. eine gute, aber das Timing war schlecht.

Ich finde die Idee gut und würde auch was spenden bzw. funden, da ich zur Zeit kaum Zeit finde.
Rechtlich müsste es auch ohne Geschäftsbetrieb gehen, kenne das sowohl vom Sportverein als auch Chor-Förderverein (gemeinnützige e.V.s), dass Traniner/Chorleiter vom Verein bezahlt werden. Entscheidend ist doch, dass Ben nicht mit Gewinnabsicht handelt, sondern aus dem gemeinnützigen Zwecks des Vereins, eine freie Bibelübersetzung der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Zum Thema "Belohnung" könnte ich auch bei einer technischen Weiterentwicklung ein "lifetime API-Key" vorstellen.
 
 

Was du meinst Johannes, ist eine Übungsleiterpauschale im Ehrenamt. Die wird nicht vom Verein versteuert.
Bis zu einem gewissen Betrag jährlich bleibt das steuerfrei, d.h. es wird steuerlich erst gar nicht berücksichtigt.
Und was vom Betrag her darüber hinaus geht, wäre dann Angelegenheit nicht der Steuererklärung des Vereins sondern von Ben.
P.S.: Wie du richtig bemerkst, ist dabei bestimmt nicht unbedeutend, dass Ben keine eigenen Urheberrechte erwerben würde, sondern die Rechte an seinem geistigen Werk im Sinne der Vereinssatzung beim Verein verbleiben.
Hier auch ein link dazu:
www.finanztip.de/recht/steuerrecht/uebungsleiterfreibetrag.htm
Ben könnte dabei (das wäre rechtlich bei der Konstruktion Übungsleiter am einfachsten) als eine Art Mentor und Lehrer fungieren, indem er den Autoren von unvollständig für die Studienfassung eingestellten Texten zu einer Vervollständigung, Verbesserung und finalen Fassung verhilft.
Den Autoren von Texten der verschiedenen Lesefassungen könnte er helfen, indem er ihre Texte in Zusammenarbeit mit ihnen auf die in der Studienfassung herausgearbeiteten Bedeutungen des Urtextes hin überprüft.

Gibt es denn noch grundsätzliche Anfragen? Gerade Patrick und Olaf hatten ja welche geäußert.
Ansonsten: Wer könnte sich vorstellen, eventuell ein bisschen Zeit zu investieren? Natürlich unter Vorbehalt. Es geht mir erstmal um ein grundsätzliches Meinungsbild darüber, was ich erwarten kann.
Danke euch!
Ben
EDIT: P.S.: Norbert, ich glaube nicht, dass die genaue Tätigkeit eine Rolle dabei spielt, um welches Beschäftigungsverhältnis es sich handelt. Aber was du vorschlägst, wäre selbstverständlich ebenfalls eine Option.

@Ben
Unabhängig von der Fragestellung, ob die genaue Tätigkeit für die Übungsleiterpauschale von jährlich 2400€ eine Rolle spielt, bin ich der Meinung, dass das Zuendebringen von allen bruchstückhaften und angefangenen Kapiteln der Studien- und der Lesefassung vordringliche Aufgabe noch vor derjenigen, neue Kapitel anzufangen, sein sollte.
@alle
Eine Mentorentätigkeit in Form eines Übungsleiters als Hilfe für Übersetzer würde auch am ehesten der bisherigen Diktion und Zielsetzung der Offenen Bibel entsprechen. Soviel als letzte grundsätzliche Anfrage und dann überlass ich euch wieder euren Überlegungen.
@Ben
Nicht ich sondern Johannes hatte den Vorschlag mit dem Übungsleiter. Ich habe seinen Vorschlag lediglich präzisiert.