Adonai als Gottestitel

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Hallo allerseits,
gerade habe ich beim Übersetzen (klingt für manche vielleicht banal, aber ich wusste es noch nicht. Kann auch erst seit einigen Monaten Hebräisch...) herausgefunden, dass Adonai im AT für Gott reserviert ist. Adonai ist ein Plural mit Personalsuffix der 1. Person. Eine Übersetzung als "Mein Herr" ist also falsch.
Im Gegensatz dazu werden Menschen (und an manchen Stellen auch einmal Gott) als Adon ("Herr", gewöhnliche Form) bezeichnet.
Sollen wir dafür eine spezielle Konvention finden, um den Titel hervorzuheben? Die nächstliegende wäre wohl die Schreibung als "HERR" (meinethalben auch "HErr") analog zu unserer Großschreibung des Tetragramms ("JHWH").
 
P.S.: Interessantes Detail: Hermann Menge übersetzt mit "Allherr".

Hallo Ben, dieses Detail war mir auch nichst so bewusst. Ich habe gerade mal kurz geschaut, אֲדֹנָי kommt im AT 603x vor. Daher würde es sich durchaus lohnen, ähnlich wie bei JHWH vielleicht einen Tooltip zu erstellen. Ich wäre denn für HERR, denn HErr kommt meines wissens daher, dass man den allerersten Buchstaben als geschmückte Initiale geschrieben hat und dann den zweiten Buchstaben als ersten "normalen" Buchstaben groß.
 

"HERR" ist irreführend. Wenn in einer unbekannten Bibelübersetzung "HERR" steht, dann steht im Urtext eigentlich immer יהוה. Wenn dort "Herr" steht, dann steht im Urtext bei den meisten Übersetzungen אֲדֹנָי, bei manchen kann dort aber auch יהוה stehen.

Eine gute Lösung weiß ich spontan nicht. Eine Lösung mit Fußnbote oder Tooltip halte ich jedenfalls für sehr sinnvoll, auch um zu dokumentieren, dass sich dass "Herr" an dieser Stelle eben nicht auf den Gottesnamen bezieht.

Olaf

Bis jetzt gibt es 20x "Herr" in der Offenen Bibel, also ein überschaubarer Aufwand zum Ändern. (Genau nachgeschaut, ob sich da ein versehentliches JHWH drunter ist, habe ich nicht.) Von diesen 20 Herren sind zwei mit Fußnote erklärt.  Ich sehe 2 Möglichkeiten:

  1. wir lassen wie bei JHWH das Hebräische stehen (diesmal mit Vokalen): Adonaj oder Adonai (auch mit Tooltip)
  2. wir lassen Herr stehen und Tooltippen ebenfalls

Beides gilt natürlich wieder nur für die Studienfassung, für die Lesefassung kann meiner Meinung nach erst entschieden werden, wenn wir uns  auf eine Schreibung für den Gottesnamen geeinigt haben (damit nicht Herr Herr entsteht) und Adonai einfach nicht Lesefassungstauglich ist.
Version 2 hat einen Nachteil, denn es kommt durchaus auch "Herr" als Adon (also normale Anrede eines Menschen) vor, was dann aber auch automatisch getooltipt wird, was nicht zu verhindern sein dürfte. Vielleicht ist es hier angebracht über die Auszeichnung des Gottesnamens in der Bibel in gerechter Sprache nachzudenken. Vielleicht umschließen wir Herr (von Adonai) mit irgendwelche Zeichen?

Ich denke das ist total die Geschmackssache. Deswegen werde ich hier nicht begründen, sondern einfach schreiben was ich mag :-)
Ich bin bei Eigennamen (im speziellen wenn's um Gottes Namen geht) für das was da stand. Also JHWH und Adonai/Adonaj so hinschreiben.
Ich bin gegen Jehova. Weil ich da immer an die Zeugen Jehovas denken muss. Das ist ein negativer Beigeschmack (das ist ein persönliches Gefühl ich werde hier hoffentlich dadurch keine Diskussionen anfachen), den möchte ich eigendlich nicht mit Gottes Namen verbinden.
Wenn's um das gewöhnliche Herr geht (Andrede von Menschen) würde ich normal "Herr" schreiben, ist ja kein Eigenname.

@Patrick: Hier ist es wichtig zwischen Name (JHWH) und Titel (Adonai) zu unterscheiden. Der Name Gottes wurde schon seit der Frühzeit immer wieder übersetzt; wir haben uns vorerst dagegen entschieden. Adonai sollte als Titel aber schon zu übersetzen versucht werden. Ein Titel beinhaltet im Gegensatz zum Namen (der hat höchstens eine Etymologie) semantische Informationen.
Eine typographische Auszeichnung sollten wir meiner Meinung nach vermeiden. Wenn man alle vorgebrachten Argumente zusammenfasst, ist bisher kein Vorschlag zufriedenstellend. Obwohl Johannes dagegen ist (und ich die Lösung auch nicht optimal finde), bietet sich vielleicht doch HErr an. Die Abweichung vom Urwort wäre wie im Hebräischen gering, trotzdem wäre eine Auszeichnung vorhanden. Ein Tooltip könnte den Rest erklären. Hermann Menge hat mit seiner Formulierung "Allherr" ebenfalls versucht, diesen Titel hervorzuheben und dabei auch seine Höherstellung nicht zu übersehen.

Hm, das ist echt schwierig.

In der hebräischen Bibel gibt es eine ganze Reihe verschiedener Gottesbezeichungen:

- יהוה (Aussprache wahrscheinlich "Jahu", "Jaho", "Jachwä" oder "Jawä") ist der Eigenname des biblischen Gottes. Im jüdischen Gottesdienst wird statt des Namens das hebräische Wort אֲדֹנָי ("Adonai") gelesen. Außerhalb des Gottesdienstes verwenden sehr viele Juden die Erstzbezeichnung הַשֵׁם ("Ha-Schem", der Name). Wiedergabe in anderen deutschen Übersetzungen: HERR, HErr, Herr, JHWH, Jahwe, Jehowa, Gott, Ewiger, Lebendiger, Adonai, ...

- אָדוֹן ("Adon": Herr, Gebieter) wird sowohl für Menschen als auch für den biblischen Gott verwendet. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: Herr.

- אֳדֹנִי ("Adoni": mein Herr, mein Gebieter) wird ebenfalls sowohl für Menschen als auch für den biblischen Gott verwendet. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: mein Herr.

- אֲדֹנָי ("Adonai") ist eine Plural-Sonderform von אֳדֹנִי ("Adoni") und wird nur für den biblischen Gott verwendet. Eine wörtlich-kreative Übersetzung wäre "mein Herre" oder "mein Gebietere", was natürlich sehr seltsam klingt. Eine funktionale Übersetzung von "Adonai" ins aktuelle Deutsch wäre "unser Herr". Interessanterweise unterscheidet sich אֲדֹנָי ("Adonai") von אֳדֹנִי ("Adoni") nicht in den hebräischen Buchstaben, sondern nur in den (späteren) Vokalpunkten. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: Herr.

- אֵל ("El", Gott) wird oft für den biblischen Gott verwendet, selten aber auch für eine heidnische Gottheit. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: Gott, Gottheit.

- אֱלוֹהַּ ("Elocha", Gottheit) wird manchmal für den biblischen Gott verwendet, selten auch für eine heidnische Gottheit. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: Gott, Gottheit.

- אֱלֹהִים ("Elohim", Gottheiten) sehr oft für den biblischen Gott verwendet, manchmal aber auch für mehrere heidnische Gottheiten. Häufigste Wiedergabe anderen deutschen Übersetzungen: Gott, Götter/Gottheiten.

Ich habe den Eindruck, dass wir diese verschiedenen Gottesbezeichnungen gemeinsam anschauen sollten. Auch denke ich, dass unsere Lösung für die Studienfassung mit der Lösung für die Lesefassung zusammenpassen sollte. (Sie sollte aber nicht identisch sein, denn die für die Studienfassung sehr gute Wiedergabe des Gottesnamens als "JHWH" funktioniert in einer zum Vorlesen gedachten Fassung nicht.)

Olaf

Ich hatte noch vergessen zu erwähnen: "HErr" wird in alten (unrevidierten) Ausgaben der Lutherbibel für den Gottesnamen JHWH verwendet. Ich halte es deshalb für extrem verwirrend, wenn wir es plötzlich für ein anderes Wort verwenden.

Olaf

Also doch eine typographische Auszeichnung? Oder wir halten uns an die einfachste Möglichkeit und heben "Adonai" gar nicht hervor, sondern übersetzen mit "Herr"...

Als typografische Auszeichnung favorisiere ich °Herr°.

Ich habe mich mal hingesetzt und versucht, für alle Gottesbezeichnungen der hebräischen Bibel ein in sich stimmiges System von Übersetzungen zu überlegen: siehe die Wiki-Seite Gottesnamen.

Zum Lesefassungs-Äquivalent von JHWH sind natürlich auch die Wiki-Seiten JHWH und Diskussion:JHWH relevant. Das Gespräch ist damals ohne konkretes Ergebnis eingeschlafen.

Ich schlage vor, dass wir die Diskussion darüber hier fortsetzen, um das Gespräch nicht in mehrere Fäden zu zersplittern.

Olaf

Eigentlich hatten wir das Gespräch damals mit dem vorläufigen Ergebnis abgeschlossen, JHWH beizubehalten, bis eine breitere Diskussion mit größerer Community in einem fortgeschritteneren Projekt stattfinden kann.
Ich freue mich, dass du dir die Mühe mit der Seite und dem System gemacht hast! Ich finde deine Vorschläge der typographischen Auszeichnung eigentlich ganz gut, da wir noch keine überzeugende Alternative gefunden haben. Vor allem gefällt mir, dass das Auszeichnungssystem sich universal anwenden lässt. Über die konkrete Umsetzung würde ich allerdings gerne noch diskutieren. Ich würde z.B. auf Possessivpronomina verzichten (in deiner Liste etwa "mein Herr" für Adonai, "unser GOTT" für JHWH). Das wirkt gekünstelt und macht die Übersetzung schwerfällig; es müssten für viele Verwendungen Sonderregeln gefunden werden. Außerdem implizieren sie, dass die Besitzanzeige Teil der Bedeutung ist - womit ich vorsichtig wäre. Mir ist keine Übersetzung bekannt, die dieser Meinung wäre (auch nicht bei Adonai). Obendrein scheinen die Namen ohne sie und mit Auszeichnung völlig ausreichend wiedergegeben.
Spezifischeres, wenn ich deine Interpretationen noch genauer untersucht habe. Derweil haben sich andere Übersetzer hier sicherlich auch schon Gedanken gemacht...
 EDIT: Mich würde noch interessieren, ob es schon Übersetzungen gibt, die mit typographischen Auszeichnungen Erfahrungen gesammelt haben. Vielleicht könnte dein nächster Artikel ja einen Überblick über die Vorgehensweise bei anderen (deutschen) Übersetzungen liefern? ;-)

Adonai wird zumindest an einigen Stellen manchmal mit "mein Herr" übersetzt in der Neuen Evangelistischen Übersetzung, der Guten Nachricht und der alten Zürcher (1931). Ich finde, wir können das in jedem Fall von der Einzelstelle abhängig machen.

Beim Gottesnahmen finde ich in der Studienfassung immer noch JHWH sehr sinnvoll. Beim Lesefassungs-Äquivalent hat das dem Personalpronomen Vor- und Nachteile. Vielleicht könnte man es hier ebenfalls von der Einzelstelle abhängig machen, je nachdem, was am besten in den Duktus des Textes passt?

Olaf

Welche Vorteile siehst du denn? Ich wäre mit der Einführung von Einzelffallentscheidungen eher vorsichtig.
 
Beachte auch noch mein EDIT meines letzten Posts. Ich hatte nicht gesehen, dass du schon geantwortet hattest...

Inzwischen habe ich Recherche in der wissenschaftlichen Literatur betrieben und im Lexikon-Artikel Adonai zusammengefasst.

Das Ergebnis in zwei Sätzen: Wahrscheinlich gibt es linguistisch gar keinen echten Unterschied zwischen Adonai und Adoni, und beides ist normalerweise mit „mein Herr“ zu übersetzen.

Zur Frage nach den typographischen Kennzeichnungen für den Gottesnamen: Es gibt sie sowohl in der Lutherbibel (Kapitälchen) als auch in der Bibel in gerechter Sprache.

Da wir inzwischen mehrere Lesefassungen haben, wird die Frage nach einer vorlesbaren Alternative zu JHWH zunehmend wichtiger.

Einen ausführlichen Vorschlag dazu habe ich im Laufe des vergangenen Jahres auf der Seite Gottesnamen gemacht (und ihn nach Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, siehe JHWH und Adonai, nochmal überarbeitet).

Leider gab es wenig bis keine Resonanz auf meine Arbeit. Ich möchte darum noch einmal darum bitten, dass diejenigen, die bei meinem Vorschlag Probleme sehen, sich zu Wort melden.

Ich hoffe, dass wir die Diskussion hierzu in absehbarer Zeit abschließen können. Es ist wichtig, Grundsatzfragen nicht zu überstürzen, aber irgendwann muss es auch mal konkret werden.

Ich übersetze bei der Verstehbibel durchgängig "Gott", weil die Zielgruppe, die ich im Auge habe, stärkere Differenzierungen der verschiedenen Gottesnamen bzw. -bezeichnungen kaum nachvollziehen kann.

Frohe Weihnachten!
 Wie ist denn das genau im Judentum? Habe ich das richtig im Kopf: Der Eigenname Gottes darf nur in besonderen Situationen ausgesprochen werden (ich glaube, ich habe das sogar hier noch mal gelesen)? Wenn das richtig ist, dann, zweitens: Wie genau versteht ihr denn Ökumene? Nur interkonfessionell oder auch interreligiös - d.h., sind z.B. auch Juden die Zielgruppe des AT? Denn wenn dies der Fall ist, sollte JHWH oder Jahwe in der Lesefassung keine Alternative sein, denke ich.
Zur Tabellarischen Übersicht auf der JHWH-Seite / zu deinem Beziehungsdenken-argument:
Wieso gibst du denn bei ICH / DU / ER an, dass hierin der Beziehungsaspekt nur zum Teil ausgedrückt sei? Soviel ich weiß, ist die prominenteste Bibelübersetzung, in der diese Übersetzung verwendet wird, die von Buber und Rosenzweig. Und die wählten diese Übersetzung gerade wegen ihrer Eignung für den Ausdruck des Beziehungsaspekt; sie sind in ihrem Übersetzen nämlich u.a. auch geprägt von Bubers dialogischer Philosophie in "Ich und Du". Wenn das also schon geprägt worden ist, dann bin ich mir nicht sicher, wie sinnvoll es ist, NOCH eine Ersatzlesung einzuführen, die das selbe zum Ausdruck bringt. Andererseits wäre das °mein / dein / sein / unser / euer / ihr Gott° natürlich aufgrund dieser pronominalen Variabilität evt. kontextgerechter übersetzbar. Und noch mal andererseits hat aber gerade diese Betonung des Pronomens einen exklusiv(istisch)en Beigeschmack, der vielleicht zum Gottesbild des Judentums, aber weniger zu dem des Christentums passt. 
Ich muss noch mal gründlicher darüber nachdenken, bevor ich mir da eine Meinung gebildet habe.
[Spoken aside:] Ganz unabhängig davon: Persönlich muss ich sagen, dass ich auf amen-online z.B. in der Fußleiste das "Es segne dich °unser Gott° usw." schön finde. Da liest man im quantitativ größten Teil der Bibel immer wieder, wie die Israeliten diesen Gott als Unser-Gott immer wieder als ihren persönlichen Volks-gott in Anspruch nehmen - und dann stößt man auf einer christlichen Seite auf einmal auf eine christliche Übersetzungsweise, die ebenso unverblümt und selbstverständlich das selbe tut; der es nämlich selbstverständlich ist, dass dieser jüdische Unser-Gott tatsächlich auch der christliche Unser-Gott und überhaupt ganz allgemein eine Unser-Gott ist. Spirituell gesehen mag ich das. 

Olaf meinte, dass es zwischen Adoni und Adonai linguistisch keinen Unterschied gebe, beides sei als "mein Herr" übersetzbar. Das würde ich gerne noch genauer differenzieren, auch wenn es Haarspalterei ist. Aus linguistischer Perspektive müsste man die beiden allein schon unterscheiden, weil sie nicht exakt gleich verwendet werden. Auch wortsemantisch ist klar: Wenn Adoni dasteht, ist der Adressat nicht selbstevident. Wenn Adonai gebraucht wird, wissen wir: Die Rede ist von Gott. Insofern können beide Begriffe referenzidentisch gebraucht werden (können also stellenweise austauschbar dasselbe Konzept bezeichnen), sindern aber nicht synonym (=absolut deckungsgleich). Das nur, um die Zusammenhänge zu klären. Danke, Olaf, für deine Forschungsarbeit! 
Im Hinblick auf die Seite mit deinen Ergebnissen zu Gottesnamen möchte ich auch nochmal meinen Dank ausdrücken. Bei dir merke ich immer wieder, dass du sehr systematisch vorgehen k und in sich stimmige, konsistente Vorschläge machst. Du hast Zeit und Kraft investiert und dir ein cleveres System ausgedacht, das funktioniert. Deine Vorschläge finde ich sehr brauchbar und stimme allen Prinzipien zu, die du am Anfang formuliert hast. Und ich muss sagen: Sebastian hat recht, mit den Kringeln liest sich das gar nicht schlecht.
Allerdings hätte ich auch einen Einwand: Du sagst, die Lesefassung sollte vorlesbar sein, schlägst aber gleichzeitig eine nur optisch kommunizierbare Kennzeichnung für Gottestitel vor. Wie würdest du das Problem für's Vorlesen lösen wollen?
Wie schon gesagt, finde ich deine Vorschläge durch die Bank akzeptabel, würde aber dennoch ein System vorziehen, das ebenso einheitlich ist wie deines, aber ohne besondere Markierungen auskommt. Wenn ein solches System gefunden werden könnte. Denn die Kringel-Markierungen sind ein neues Konzept, das nicht intuitiv verständlich ist und für manche störend wirken könnte. Das sollte man auch berücksichtigen.
An anderer Stelle hatte ich schon einmal einen Versuch gemacht, der sich vielleicht als Alternative neben Olafs etablieren kann. Mein Vorschlag bezog sich zunächst direkt auf die Studienfassung. In der Lesefassung müsste man dann eine Lösung finden, die mit der Studienfassung konsistent ist und gleichzeitig das Nötige flexibel kommunizieren kann (ich befürworte bei der Lesefassung ja eine stark kontextuelle Übersetzung auch wichtiger theologischer Begriffe). Die Lesefassung wäre aber meiner Meinung nach Teil 2 der Aufgabe, der erst angegangen werden muss, wenn Teil 1 in trockenen Tüchern ist.
Mein Vorschlag für die Studienfassung würde sich das bewährte Klammersystem zunutze machen: 
Adonai (mein Herr, Herr), JHWH Zebaot (Herr der Heerscharen, allmächtiger Herr), Eljon (Höchster)
Wichtig ist mir dabei nicht der genaue Wortlaut (also bitte keine Kommentare über meine hemdsärmelige Übersetzung), sondern nur das Konzept, die Vorgehensweise. Dabei wird ein Begriff wird dadurch als Gottestitel gekennzeichnet, indem sowohl der eingedeutschte hebräische Name/Titel als auch eine annähernde Übersetzung angegeben werden, und zwar einer von beiden als erste Wahl vor der Klammer, der/die andere(n) als Alternativen in der Klammer. (Ich möchte vorerst auch bewusst offen lassen, ob nun das hebräische oder das deutsche Wort erste Wahl werden sollte, mir geht es zunächst nur um das Konzept. an sich Es wäre aber vielleicht konsistenter mit unseren Übersetzungskriterien, wenn in der SF tatsächlich der hebräische Titel vor der Klammer stünde.) Ohne mich damit gezielt von Olafs - ebenfalls sehr gutem - Vorschlag abgrenzen zu wollen, sind die Vorteile für mich:

  • Kommt ohne besondere Marker aus
  • Kommuniziert sehr deutlich, sogar noch besser, wenn es ein zusätzliches Tooltip gibt
  • Nutzt bereits vorhandene und bekannte Paradigmen; es muss kein neues Konzept verstanden werden. Wer also verstanden hat, wie wir Alternativübersetzungen in Klammern angeben, wird diese Kennzeichnung intuitiv verstehen.

Gerade den letzten Punkt halte ich übrigens für nicht zu unterschätzen.

@Sebastian: Das „Unser Gott“ wird von Berthold Klappert, der im jüdisch-christlichen Dialog eine zentrale Rolle hat, häufig in Gebeten verwendet. Wir haben es uns für Amen-online also nicht völlig neu ausgedacht, sondern nur in den Bereich der Bibelübersetzung übertragen. Zu Deiner Frage nach der jüdischen Praxis: Im Gottesdienst wird sehr häufig Adonai (mein Herr) oder Elohim (Gott) verwendet als Ersatzlesung, außerhalb des Gottesdienstes häufig andere Ersatzlesungen wie z.B. Haschem (der Name).  Die Praxis ist aber wohl eher als Ausdruck von Respekt zu verstehen und nicht im eigentlichen Sinn als Verbot. In jüdischen Übersetzungen gibt es sehr viele verschiedene Ersatzlesungen.
@Ben: Die These von M.Rösel ist nicht, dass Adonai und Adoni identisch verwendet werden, sondern dass diese Unterscheidung sekundär durch die Masoreten erfolgte, und dass (von einzelnen verdorbenen Stellen angesehen) immer „mein Herr“ zu übersetzen ist. Zu Deinem Vorschlag mit den Klammern: Die Idee ist in dem Konzept längst eingeplant bei Wörtern, die übersetzbar sind.
Zur Frage der Eindeutigkeit und der Verwendung neuer Ersatzlesungen schreibe ich in den nächsten Tagen mehr.

So, jetzt komme ich dazu, Euch ausführlicher zu antworten.

Zunächst einmal: Frohe Weihnachten! Und herzlichen Dank an Aaron, Sebastian und Ben für Eure Kommentare.

Ich habe die Tabelle auf der Seite JHWH jetzt noch einmal gründlich umsortiert und erweitert, weil ich viele meiner Überlegungen in der bisherigen, starren Struktur schlecht verständlich machen konnte. Wahrscheinlich habe ich manche meiner Überlegungen, die ich mir beim Ausarbeiten des Vorschlags gemacht habe, noch immer nicht aufgeschrieben, und werde sie gegebenenfalls ergänzen, sobald sie mir einfallen. Und wenn Ihr noch weitere Gedanken dazu habt oder die Vor- und Nachteile anders bewertet, dann schreibt das bitte!

Zum Einführen einer neuen Ersatzlesung: Ich hab jetzt als Nachteil in der Tabelle vermerkt.

Zum Beziehungsaspekt: Mir ging es konkret um das Personalsuffix von Adonai (mein Herr) und um die darin enthaltete Bekenntnis-Aussage. Anders formuliert: Dass Gott in der Bibel einen Eigennamen hat, zeigt, dass Gott nicht nur ein theologisches Konstrukt oder ein abstraktes Prinzip irgendwo im Himmel ist, sondern dass Gott in der Geschichte konkret wird. Gottes Bund mit Israel, durch den er personal auftritt und erfahrbar wird, geht einher mit der Offenbarung eines Eigennamen. Diese besondere Beziehung zwischen Gott uns Israel spiegelt sich auch in der Ersatzlesung mein Herr. Christen nehmen diese besondere Beziehung ebenfalls für sich in Anspruch (ohne dabei die bleibende Beziehung zwischen JHWH und dem Judentum verneinen zu müssen). Das hat dann vielleicht tatsächlich „einen exklusiv(istisch)en Beigeschmack“, den ich aber für biblisch fundiert halte. Ob das zum Gottesbild des CHristentums weniger passt, bezweifel ich, denn auch die christliche Theologie geht vom einem sehr konkreten Wirken Gottes (und des Heiligen Geistes) in der Geschichte aus, und nicht von einem über-den-Dingen-schwebenden, ewig-ungeschichtlichen Gott, der allen Menschen und Orten gleich nah und gleich fern ist.

Zu ICH/DU/ER: Ich sehe hier vor allem praktische Probleme beim Erstellen einer Vorlesefasung, bei der auch akustisch klar sein muss, wo Gott gemeint ist und wo jemand anderes.

Zur generellen Frage der Eindeutigkeit beim Vorlesen: Mir ist keine Lösung bekannt, die ganz ohne typographische Hinweise auskommt, die in allen Fällen funktioniert und die vorlesbar und verständlich ist. Wenn Ihr eine findet, dann nennt sie bitte! (In der überarbeiteten Tabelle auf der Seite JHWH habe ich die zentralen Probleme fett gemacht. Andere Meinungen und Ergänzungen sind sehr willkommen!) Immerhin ist die Zahl der Bibelstellen, wo unser Gott oder unser Herr im hebräischen Text bereits selbst vorkommen, deutlich geringer als bei Gott oder bei der Herr.

Zur Bens Klammerlösung: Wie bereits erwähnt, habe ich die Idee für die Studienfassung bereits übernommen, mit folgender Verfeinerung: Was übersetzbar ist, wird vor der Klammer übersetzt. (Adonai hatte ich übersehen. Das habe ich gerade ergänzt. Danke für den Hinweis!) Außerdem schlage ich vor, dass alle hebräischen Gottesbezeichnungen einen Tooltip wie bei JHWH bekommen, also z.B.: Höchster (Oberster, Eljon) oder Herr (Gebieter, Adon). Dann brauchen wir aber leider immer noch eine Lösung für die Lesefassung.

Zur Verständlichkeit: Es wäre möglich, mit Großbuchstaben (°unser GOTT°) zu schreiben und so einen optischen Zusammenhang mit JHWH herzustellen. Wenn wir dann noch eine Unterstreichung und einen Tooltip haben (siehe Beispiel im vorangehenden Satz), dann sollte es zumindest schriftlich eindeutig und auch intuitiv verständlich sein.

@ Olaf - Die Intention, die du mit der Ersatzlesung und speziell mit dem Ausdruck des Beziehungsaspekts verfolgst, ist mir schon klar. Und bei dem Hinweis auf den exklusiven Beigeschmack ging es mir weniger um das "Unser-Gott", sondern v.a. in das "unser" in Unser-Gott. Denn dieses "Unser" wird im Verlauf des ATs ja mit Bedeutung aufgeladen - gemeint mit "unser" ist Israel. Wenn das aber etwas ist, dass v.a. im interreligiösen Dialog verwendet wird, hat das natürlich eine andere Bei-bedeutung.
Aber unabhängig davon: Mir kommt gerade ein anderer Gedanke. Und ich glaube, ich war sehr dumm, dass ich das vorher nicht bemerkt habe. 
Wir suchen ja nach einer Alternative für JHWH in der Lesefassung. Denn JHWH ist ein Eigenname, aber man weiß nicht, wie er ausgesprochen wird. Richtig? So. Und also wird angedacht, die Tradition des Einführens von Ersatzlesungen noch mal zu steigern - "JHWH" soll nur noch durch Ersatzleistungen ausgedrückt werden. 
Aber warum suchen wir denn dann überhaupt nach einer "neuen" Ersatzlesung? Zum Beispiel basteln wir mit "°unser Gott°" eine Ersatzlesung, die den Beziehungsaspekt ausdrücken soll und damit ersatzweise für den Eigennamen JHWH deutlich machen soll, dass es sich hier um einen persönlichen Gott handelt. 
"Jahwe" dagegen scheint mehr oder weniger aus der Diskussion, weil es Spekulation ist, dass JHWH tatsächlich so ausgesprochen worden wäre. Aber etwas wie °unser Gott° wäre ja nicht mal Spekulation, sondern einfach komplett arbiträr. Wäre es da nicht sinnvoller, lieber eine spekulative Vokalisierung von JHWH - wie "Jahwe" - zu verwenden, bei dem (1)  zumindest die Chance besteht, dass dieser Ausdruck der richtige sein könnte, die (2) direkt die Form eines Eigennamens haben und mit der (3) ein Leser direkt etwas anfangen kann? Der Nachteil - es ist nicht sicher, dass es sich hier um die richtige Vokalisierung handelt - wäre ja in einer Vorwortzeile behoben, oder?

Die Frage, ob wir überhaupt eine Ersatzlesung brauchen, ist tatsächlich wichtig.
Meine Überzeugung, dass wir eine brauchen, fußt auf folgenden Erfahrungen: 1. Ich habe mal in einem Übungsgottesdienst an der Uni konsequent eine vokalisierte Form des Gottesnamens verwendet, und festgestellt, dass das selbst für einen Kreis von Leuten, die den Namen kennen und in wissenschaftlichen Texten oft lesen (und in Diskussionen hören) sehr befremdend ist. 2. Die Lesefassung soll auch ohne Vorwort gelesen und zitiert werden. Die freie Lizenz hat ja gerade den Zweck, viele weitere Verwendungen zu ermöglichen. 3. Alle jüdischen Übersetzungen verwenden Ersatzlesungen. Bei den christlichen Übersetzungen wird der Name nur im wissenschaftlichen Kontext abgedruckt. Für eine Vorlese-Fassung wäre das Ausschreiben des Namens also völlig unüblich.
Insgesamt bin ich mir sicher, dass wir ohne Ersatzlesung die Anwendungsmöglichkeiten erheblich reduzieren.

Ich habe die Tabelle jetzt noch um diejenigen Vor- und Nachteile ergänzt, die für die von Dir angesprochenen Fragen wichtig sind.

Über den „exklusiven Beigeschmack“ habe ich jetzt noch ein wenig nachgedacht. (Es war mir schon klar, dass Du damit das „Unser“ meintest.) Die Formulierung „Unser Gott“ kann man auf zwei Arten hören: 1. JHWH ist unser Gott (und kein anderer Gott!) 2. JHWH ist unser Gott (und nicht der Gott der anderen!)

Beide Deutungen sind für verschiedene Bibelstellen angemessen. Deshalb habe ich diese Mehrdeutigkeit bisher eher als Vorteil gesehen. Es geht ja schließlich um eine Lösung für unsere Übersetzung der hebräischen Schriften, wo diese zwei Seiten (Gott der Welt und Gott Israels) tatsächlich im Bibeltext vorhanden sind.

Ich habe dann noch ein wenig weitergedacht und mich an die Beobachtung erinnert, dass sehr viele Ersatzlesungen nicht oder nur sehr schlecht funktionieren, wo Ungläubige von JHWH sprechen (z.B. Jona 1) oder wo die Treue zu JHWH und das Anbeten anderer Götter voneinander abgegrenzt werden. Das habe ich jetzt ebenfalls in die Tabelle aufgenommen, die nun deutlich länger ist, aber eben auch vollständiger.

Bisher finde ich Eure Rückfragen alle sehr zielführend, weil sie viel zur Klärung beitragen. Danke!

 Gut, das leuchtet mir ein. Danke für die schnelle Rückmeldung.

Ich versuche es mal wie in der Diskussion zu Psalm 1: Die Diskussion hier ist aufgesplittet auf mehrere Orte und erfordert viel zu lesen. Ich versuche mal, das ein bisschen zu sammeln, um es übersichtlicher zu machen. Ich fasse hier keinen einzigen Gedanken von mir zusammen, sd. hauptsächlich die von Olaf - also, 

 
@ Olaf: wenn ich irgend etwas falsch geschrieben habe oder ausgelassen habe, und du einen solchen Übersichtsversuch sinnvoll findest, dann antworte doch einfach direkt. Ich habe den Text noch auf dem Desktop und kann relativ schnell Änderungen und Hinzufügungen vornehmen, obwohl das hier ein Forum-text ist.
 
Das JHWH-Problem 
 
Gründe für eine Ersatzlesung
- Weil es sich bei "JHWH" um ein sprachliches Zeichen handelt, von dem wir nicht wissen, wie es lautlich zu füllen ist, ist es ungeeignet für die Lesefassung; es bedarf also einer Ersatzlesung. 
- In Lesefassungen ist es "üblich", auf Ersatzlesungen zurückzugreifen.
- Für Juden ist es außerhalb der Liturgie unerwünscht, diesen Namen auszusprechen. 
 
(Ideale) Bedingungen für eine gelingende Ersatzlesung
 
- (1) Vorlesbarkeit
- (2) Unverwechselbarkeit I (=> schon beim Hören identifizierbar (<=> z.B. "ER" vs. "er")
- (3) Unverwechselbarkeit II (eindeutige Referenz (<=> z.B. "Herr": Gott als Herr vs. Mensch als Herr)
- (4) biblische Ableitung / Fundierung ("Ihn so zu bezeichnen, ist gerechtfertigt, denn in der Bibel heißt es ja z.B. an der einen Stelle...")
- (5) übersetzungstechnische Brauchbarkeit (das ist nach einigem Nachdenken das Hauptproblem, das ich bei Olafs "°unser Gott°" sehe: heißt es "JHWH", wäre die Übersetzung "°unser Gott°", heißt es JHWH Elohim, wäre die Übersetzung nicht mehr "Gott, °unser Gott°" sondern "Gott, °unser Herr°" und bei "JHWH Zewaot" gar "°Herr° der Heerscharen". Also wäre "JHWH" einmal zu übersetzen mit °unser Gott°, einmal mit °unser Herr° und einmal °Herr°. Das würde erstens die Arbeit für Gelegenheitsstilisten erschweren und zweitens den ursprünglichen Wortlaut des Urtextes verschleiern. - Ah, ich sehe gerade, Olaf schreibt das sogar selbst.)
- (6) direkte Verständlichkeit
 
Abgleich mit Olafs Ersatzlesungs-übersicht der JHWH-Seite:
 
- JHWH: 2, 3, 4, 5, (6 (?))
- Jahwe u.Ä.: 1, 2, 3, (4), 5, (6)
- mein Herr: 1, 4, 
- der HERR: 1, 4,
- GOTT: 1, 2, 3, 4, 6
- °Unser Gott°: 1, 2, 3, 4, 6
- °Unser Herr°: 1, 4, 6
- Ich-bin-da: 1, 2, 3, 4, (6(?))
- ICH, DU, ER: 1
- der Ewige u.Ä.: 1, 2, 3, 6
- Adonaj u.Ä.: 1, 2, 3,  
 
Ist das so richtig?
Dann, so wie ich das sehe, sind die drei Spitzenreiter hier wohl "Jahwe", °Unser Gott° und interessanteweise "Ich-bin-da". Aber da Olaf ja oben (zumindest meiner Meinung nach) überzeugend gegen "Jahwe" argumentiert hat und bei "Ich-bin-da" die übersetzungstechnischen Schwierigkeiten wohl richtig schwer wiegen würden, liefe es wohl hinaus auf °unser Gott°, wenn nicht noch ein anderer Vorschlag für die Lesefassung kommt. Oder?

 Ah, und "GOTT" natürlich. 
Überhaupt - jetzt, wo ich das geschrieben habe, kommen mir Zweifel. Übersetzung ist u.a. deswegen so schwierig, weil der Wortvorrat zweier Sprachen nie identisch ist. Deswegen ist Übersetzung der Transport von Bedeutung von einer Sprache in die andere. 
Wenn im AT von JHWH gesprochen wird, dann reden sie von niemand Anderem als von dem, den wir heute als "Gott" bezeichnen. Und auch, wenn dort von "El" oder "Elohim" gesprochen wird, bezeichnet das ja kein philosophisches, leeres Gedankenkonstrukt, sondern gleichfalls den, den wir Christen meinen, wenn wir "Gott" sagen. "El", "Elohim" und "JHWH" bezeichnen das selbe Wesen, das bei uns bezeichnet wird mir "Gott". "El" und "Elohim" sind Beschreibungen und "JHWH" sein Eigenname; "Gott" ist im Deutschen beides.  Im Deutschen Sprachsystem wären "JHWH" und "El" und "Elohim" Synonyme.
Wenn der Grundsatz des Übersetzens der ist, Bedeutungen von der einen in die andere Sprache zu übertragen, dann wäre die Übertragungsweise, die dem Grundsatz am Gerechtesten würde, wohl die durch "Gott". Jedenfalls gibt es keine natürlichere Übersetzung.
Und auch die Probleme, die die Übersetzung mit "Gott" mit sich bringt, sind so groß doch nicht, oder? Olaf führt an:
1) "Für JHWH Elohim (JHWH, Gott) braucht man eine Alternative wie z.B. „Herr, Gott“."; und: "verwechselbar mit den sehr häufigen GottesbezeichnungElohim und El" 
Stimmt das wirklich? Zu sagen "JHWH Elohim" ist nichts anderes als das, worauf referiert wird, auch zu benennen. Etwa, wenn ich sagen würde "Der Mensch Olaf". Wenn aber im Wesen des Wortes "Olaf" schon stecken würde, dass es sich hier notwendigerweise um einen Menschen handelt - wie eben im Deutschen im Namen "Gott" enthalten ist, dass es sich hier um einen Gott handelt - dann wäre "Der Mensch Olaf" doppelt gemoppelt und man könnte einfach übersetzen mit "Olaf". Gleichfalls, wenn im Wesen des Wortes "Mensch" stecken würde, dass ich hiermit nur auf ein spezielles Individuum - nämlich auf Olaf - verweisen könnte; in beiden Fällen bedeutete die Wörtliche Übersetzung "Der Olaf-Mensch Olaf-Mensch". Weil "Gott" im Deutschen Wesensausdruck UND Name ist, wäre die Übersetzung von "JHWH Elohim" mit "Gott" bedeutungsmäßig keine Verfälschung, oder?
2) "funktioniert nicht, wo von mehreren Göttern die Rede ist (z.B. [Jona 1|Jona 1])"
Wenn ich nicht ganz schief gewickelt bin, ist auch das Problem leicht aus der Welt geschafft: z.B. wäre es ob der krass monotheistischen Ausrichtung der Bibel keine (große?) bedeutungsmäßige Verfälschung, "andere Götter" einfach mit "Götzen" zu übersetzen. Oder: Entweder Tertullian oder Origines haben einmal eine sprachliche Regel vorgeschlagen, "Gott" zu sagen, wenn man von Gottes Substanz, und "der Gott", wenn man von einer der drei Personen spricht. Das wäre auch ohne Probleme übertragbar in die Übersetzung, etwa, wenn man beim Verweis auf "Gott" von "Gott" oder "dem Gott" spricht, beim Verweis auf andere Götter dagegen von "Göttern" oder "einem Gott".
Wenn das richtig ist, dann würde "Gott" alle 6 Kriterien erfüllen und wäre damit absoluter Spitzenreiter.

Danke für Deine systematische Auswertung. Ich habe noch einmal in Ruhe darüber nachgedacht. Ich sehe weiterhin größere Probleme mit der Ersatzlesung „GOTT“, die ich auf Grundlage Deines gründliches Vorgehens vielleicht sogar halbwegs verständlich erkläten kann.

Ich also ähnlich vor wie Du und sammle zunächst einmal Kriterien:

  • 1. Vorlesbarkeit: Kann vorgelesen werden, ohne dass die Aussprache geklärt werden muss
  • 2. Unverwechelbarkeit:
    • a) Ist auch beim Hören eindeutig als der Gott der Bibel identifizierbar (oder zumindest wenn man die Konvention kennt)
    • b) Ist auch beim Hören nicht identisch mit den anderen (häufigen) biblischen Gottesbezeichnungen
  • 3. Erfüllt den Zweck:
    • a) Funktioniert in der Rede über Gott
    • b) Funktioniert in der Gottesrede
    • c) Funktioniert in der Rede an Gott
    • d) Funktioniert an Bibelstellen, wo – teilweise durch Andersgläubige – auch von anderen Gottheiten die Rede ist (Jona 1, Jeremia 2,8, 1. Könige 18,21), ohne dass diese aus sprachlichen Gründen inhaltlich verändert werden müssen.
    • e) Gut (oder einigermaßen) geeignet für Bibelstellen, wo Gott als Schöpfer und Herr der Welt gesehen wird
    • f) Gut (oder einigermaßen) geeignet für Bibelstellen, die von einer besonderen Beziehung zu einzelnen Menschen ausgehen (mein Herr, dem ich diene und der für mich sorgt)
    • g) Gut (oder einigermaßen) geeignet für Bibelstellen, die von einer besonderen Beziehung zum Volk Israel ausgehen (der Gott Israels im Gegensatz zu den Göttern anderer Völker)
  • 4. biblische Ableitung / Fundierung I:
    • a) "Ihn so zu bezeichnen, ist gerechtfertigt, denn in der Bibel heißt es ja z.B. an der einen Stelle..."
    • b) biblische Ableitung / Fundierung II: Es ist in der Ersatzlesung keine Aussage über Gott enthalten, die an der konkreten Bibelstelle vielleicht gar nicht beabsichtigt ist.
  • 5. Einfache Regeln:
    • a) Die Ersatzlesung kann ohne weitere Zusatz-Regeln auch in Kombination mit anderen biblischen Gottestiteln verwendet werden (oder es gibt zumindest eine stimmige Lösung)
    • b) Einfache Regeln I: Es ist insgesamt nur eine sprachliche Form von Ersatzlesung nötig (oder es gibt zumindest ein einheitliches System)
  • 6. direkte Verständlichkeit

Dann ergibt sich in der Auswertung:

JHWH: - (2a)b 3abcdefg 4ab 5ab -
Jahwe: - (2a)b 3abcdefg (4a)b 5ab -
mein Herr: 1 (2-) 3a-c-efg 4a- (5ab) 6
der HERR: 1 (2a-) 3abc-efg 4a- (5ab) 6
GOTT: 1 2a- 3abc-e(f)- 4ab (5a)b 6
°Unser/Euer Gott°: 1 2a(b) 3abcdefg 4ab (5ab) 6
°Unser/Euer Herr°: 1 (2ab) 3abcdefg 4a- (5ab) 6
Ich-bin-da: 1 (2a)b 3-b--(e)fg - 5ab -
ICH-DU-ER: 1 2- 3abc-e-- 4-b 5a(b) -
Der Ewige: 1 (2a)b 3abc-e-- - 5ab -
Der Lebendige: 1 (2a)b 3abc-e(fg) - 5ab -
Der Eine: 1 (2a)b 3abc-e-- - 5ab -
Adonai: - (2a-) 3abcdefg (4a-) - -
Ha-Schem: - (2ab) 3abcdefg (4-b) 5ab -
Ha-Makom: - (2ab) 3abcdefg - 5ab -

Erklärungen zu meiner Auswertung:

  • Bei Kriterium 2.b) geht es darum, in wie weit die Ersatzlesung zur Vielfalt der biblischen Gottesbezeichnungen passt. Wenn die Ersatzlesung mit einer der häufigsten Gottesbezeichnungen identisch ist, dann geht hier (inhaltlich und sprachlich-poetisch) etwas von dieser Viefalt verloren.
  • Bei Kriterium 3.d) bezieht sich auf Bibelstelle, wo explizit von verschiedenen Göttern die Rede ist – teilweise mit wörtlicher Rede von Andersgläubigen. Diese würden ihren eigenen Gott nicht „Götze“ nennen und den von ihnen abgelehnten Gott nicht „der Gott“ oder „mein Herr“ (sondern höchstens „euer Gott“). Die Überzeugung, dass es sowieso nur einen Gott gibt, war in biblischer Zeit noch nicht vorhanden.
  • Bei Kriterium 3.g) geht es darum, ob Aussagen der Bibel abgeschwächt bzw. für moderne Ohren „zurechtgebogen“ werden, wenn die mit dem Namen JHWH zusammenhängende besondere (teilweise sogar exklusiv verstandene) Beziehung zum Volk Israel durch ein sehr allgemeines „der Gott“ ersetzt wird.
  • Bei Kriterium 5 bin ich jeweils davon ausgegangen, dass sich GOTT als Alternative zu HERR verwenden lässt (wie in den biblischen Handschriften und in der Lutherbibel).

 Wie´s scheint, kann ich mich in Sachen Systematik nicht ganz mir dir messen :)
Ich hoffe, ich erscheine dir nicht als zänkisch oder rechthaberisch (und ich habe ja selbst schon zugegeben, dass dein °unser Gott° mir eigentlich ziemlich sympathisch ist), aber die Frage scheint mir zu wichtig, als dass ich noch mal auf Rückfrage verzichten könnte. Die Frage nach den Gottesbezeichnungen ist eine derjenigen, mit denen die Akzeptabilität einer Bibelübersetzung steht und fällt. 
Zunächst: Dass einige Mängel des Gottesnamens "Herr" durch die typographische Auszeichnung in °unser Herr° hinfällig werden, habe ich irgendwie übersehen - da gebe ich dir recht, das ist weiter vorn. Ebenso das durch Großschreibung ausgezeichnete "HERR". Was das "mein Herr" angeht, bin ich mir nicht sicher, ob ich dir zustimme. Aber das hat ja bisher offensichtlich ohnehin noch niemand unterstützt.
Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich deine Abwertung des Gottesnamens "Gott" wirklich völlig verstehe. Das ist das erste. Folgendes: "Gott" bekommt von dir kein
* 2b: "Ist auch beim Hören nicht identisch mit den anderen (häufigen) biblischen Gottesbezeichnungen." Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das greift. Denn wenn ich recht habe und die beiden Bezeichnungen JHWH und El aus dem Hebräischen Sprachsystem zu der einen Bezeichnung "Gott" des deutschen Sprachsystems verschmolzen ist, dann weiß ich nicht, wie sinnvoll es in der Lesefassung ist, hier so "hebräisch" statt "deutsch" zu übersetzen. Das heißt, ich bin mir nicht sicher, ob das Kriterium in diesem Fall angebracht ist; ist es aber angebracht, stimme ich dir bei der Bewertung natürlich zu. Aber das können wir wahrscheinlich noch gar nicht beantworten, weil die Kriterien für die Lesefassung ja noch nicht geklärt sind. 
* 3d: "Funktioniert an Bibelstellen, wo – teilweise durch Andersgläubige – auch von anderen Gottheiten die Rede ist (Jona 1, Jeremia 2,8, 1. Könige 18,21), ohne dass diese aus sprachlichen Gründen inhaltlich verändert werden müssen." Schauen wir uns die Bibelstellen doch mal an:
1 Kön 18,21: Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort. (EÜ)
Möglich wäre:
"Wenn Gott der wahre Gott ist, dann folgt ihm. Wenn aber Baal es ist...", oder "Wenn °unser Gott° der wahre Gott ist, dann folgt ihm [...]", oder "Wenn °unser Herr° der wahre Gott ist [...]." Zunächst wird ja aus dem Kontext klar, dass hier der Beziehungsaspekt eigentlich keine Rolle spielt. Der hier ausgehandelte Streit ist ein ontologischer: Welcher ist der wahre Gott? Dass JHWH nebenbei auch noch der Gott Israels und unser Gott ist, ist hier ja sekundär. Gegen "Gott" spricht hier aber wiederum, dass hier schon durch den Namen in Anspruch genommen wird, was ja erst erstritten werden muss, nämlich, wer "der wahre Gott" ist. Mit Jahwe wäre man hier am Besten bedient, denke ich. Aber inhaltlich habe ich den Eindruck, dass "°unser Gott° hier mehr verändern würde als "Gott", da ja die Möglichkeit offengelassen wird, dass die Israeliten auch Baal zu ihrem Gott küren könnten. 
Jer 2,5-8: So spricht der Herr: Was fanden eure Väter Unrechtes an mir, dass sie sich von mir entfernten, nichtigen Göttern nachliefen und so selber zunichte wurden? Sie fragten nicht: Wo ist der Herr, der uns aus Ägypten heraufgeführt, der uns in der Wüste den Weg gewiesen hat, im Land der Steppen und Schluchten, im dürren und düsteren Land, im Land, das keiner durchwandert und niemand bewohnt? Ich brachte euch dann in das Gartenland, um euch seine Füchte und Güter genießen zu lassen. Aber kaum seid ihr dort gewesen, da habt ihr mein Land entweiht und mir mein Eigentum zum Abscheu gemacht. Die Priester fragen nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu. Die Propheten traten im Dienst des Baal auf und liefen unnützen Götzen nach." (EÜ)
Worum geht es hier? Es geht um Abtrünnige, die von JHWH abgefallen sind. Es wäre möglich, dass JHWH hier im Nicht-zitat von den Israeliten beansprucht, dass sie ihn als Ihren-Gott sehen müssen, da er es ja war, der sie aus Ägypten führte usw. Aber es handelt sich hier ja um ein Zitat, und ein Ausspruch derjeniger über JHWH, die eben von JHWH abgefallen sind, beinhaltet relativ unwahrscheinlich den besonderen Bezug. Es ist in dem Falle eben nicht ihr Unser-Gott. Dagegen "Gott" - gesetzt, dies Wort würde vom Durchschnittsdeutschen als Eigenname gelesen werden (als Theologie-student bin ich ja kein Durchschnittsdeutscher, was das angeht; ich weiß es nicht) - wäre hier weniger problematisch und hübe sogar Gott zusätzlich von denen ab, "die doch nichts helfen" (EÜ: "Götzen"). Auch hier wäre Jahwe die sinnvollste Alternative. Aber Jahwe fällt ja offenbar raus, also scheint mir auch hier "Gott" auch inhaltlich passender als "°unser Gott°". 
Jona 1,5-9: Die Seeleute bekamen Angst und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Sie warfen sogar die Ladung ins Meer, damit das Schiff leichter wurde. Der Kapitän ging zu [Jona] und sagte: Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, sodass wir nicht untergehen. [...] Jona [sprach] zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und verehre Jahwe, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat. usw. (EÜ)
Auch hier passt der Beziehungsaspekt nicht. Denn auch hier ist das Kapitel ontologisch gewendet: Aus der Vielzahl der verschiedenen Götter ragt JHWH als Urschöpfer heraus. "Ich bin Hebräer und verehre °unseren (/meinen?) Herrn°, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat" trifft das nicht. JHWH ist nicht ein "Unser-Gott", sondern der Gott schlechthin; derjenige nämlich, der Himmel und Erde gemacht hat. "Ich bin Hebräer und verehre den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat" verknappt den Ausspruch zwar, belässt  aber den Inhalt eher als das °unser Gott°. 
Wenn das alles richtig ist, dann müsste, wenn überhaupt, bei °unser Gott° 3d abgezogen werden, weniger dagegen bei "Gott". Und ohnehin ist ja der Witz an diesen Stellen zumeist, dass hier JHWH als einer unter vielen mit anderen möglichen Göttern konfrontiert wird. Wenn sie alle als "Gott" bezeichnet werden, kommt das ja noch besser heraus und es wird noch treffender, dass am Ende als der Gott nur Gott, nicht aber ein anderer Gott erweist.
* Du klammerst bei "Gott" 3 f ein, und g gibst du ihm überhaupt nicht. Das halte ich eindeutig für falsch. Wenn es um Stellen geht, bei denen "von einer besonderen Beziehung JHWHs zu einzelnen Menschen oder zum Volk Israel ausgehen", dann basiert dies sicher nicht auf "JHWH". JHWH ist ja ein Name - wenn es also an diesen Stellen besonders um die Beziehung geht, dann macht das der Kontext klar, in dem hier JHWH vorkommt, aber nicht der Name selbst. Und da wäre es dann unerheblich, ob "JHWH" übersetzt wird mit °unser Gott° oder "Gott". 
Das Zweite ist: Bei 5 a und b schließlich werde ich das Gefühl nicht los, dass du bei der Kriterienformulierung ein bisschen geschummelt hast. Ob eine Ersatzlesung "ohne weitere Zusatzregeln auch in Kombination mit anderen biblischen Gottestiteln verwendet werden kann" oder ob es "zumindest eine stimmige Lösung" gibt, ist ja ein Unterschied (ja, teilweise sogar das Gegenteil). Ebenso bei der Frage, ob "insgesamt nur eine sprachliche Form von Ersatzlesungen nötig ist" oder ob "es zumindest ein einheitliches System" gibt. An den Problemen, die die beiden Subkategorien von 5 mit sich bringen, krankt "Gott" genau so wie °unser Gott°, das ist mir klar. Aber bei °unser Gott° scheint mir die Krankheit weiter fortgeschritten (vgl. o.).
Wenn du mir diese Bedenken auch noch wiederlegen kannst, dann bekehrst du auch mich zu einem °unser Gott°-Fan und ich werde an deiner Seite kämpfen :)
(auch, wenn ich insgesamt der Meinung wäre, dass ein zweizeiliges Vorwort in Kombination mit "Jahwe" als Gottesname immer noch das günstigste wäre. Aber da lasse ich mich überzeugen; ich habe noch nie mit Nicht-Theologen über "Jahwe" gesprochen)

Sebastian, ich finde deine Argumentation sehr hervorragend. Wir sehen, dass die Einheitsübersetzung einen sehr guten Weg gewählt hat, und zwar einen, der jeder kommunikativen Übersetzung offensteht: Sie übersetzt kontextabhängig.
Wie deine Beispiele zeigen, ist das vielleicht die einzige Möglichkeit, den Gottesnamen immer angemessen darzustellen. Warum deshalb nicht einige Möglichkeiten zur Wahl stellen und sehen, welche am besten passt? Genau das schlägt N.T. Wright z.B. für die Übersetzung von "Christus" vor.
Ich hätte noch einige Anmerkungen zur Diskussion, muss diese aber auf ein Andermal verschieben. Nur möchte ich anmerken: Die Ausschrift "Jahwe" ist vielen Christen nicht so ungewohnt, wie sie hier dargestellt wird. Olaf hatte schon einige Übersetzungen gelistet, die sie (oder JHWH)  verwenden. Im deutschen Sprachraum hat in den letzten Jahren v.a. die Neue evangelistische Übersetzung sich für diesen Weg entschieden, die sich in manchen (hauptsächlich freikirchlichen?) Kreisen wachsender Beliebtheit erfreut. Im Englischen hat die ebenfalls noch recht neue Holman Christian Standard Bible einen sehr guten Ruf. Ihr Hauptwerbespruch war "The Name is Yahweh!" (Bleibt hängen ;-) ) Und selbst wer den Namen noch nicht aus seiner Bibelübersetzung gewohnt ist, wird ihn vielfach trotzdem als den eigentlichen Gottesnamen kennen. Aber egal wie gewohnt der Name ist, er wird vielen als bekannt anklingen. Und wenn wir ein Tooltip oder eine Fußnote setzen, wann immer wir ihn verwenden (bzw. unsere Strategie im Vorwort erklären), dann sollte das Argument der Gewohnheit und Verbreitung eigentlich vom Tisch sein. Die Aussprache ist nicht so schwer bzw. ist auch ohne betontes "h" und weiches "w" noch verständlich (und unterscheidet sich kaum). Auch die anderen Einwände aus Olafs (wirklich sehr hilfreicher) Zusammenstellung sind vernachlässigbar oder wären zu rechtfertigen, wenn es ansonsten die beste Wahl wäre.

Hallo Sebastian, hallo Ben,

danke für Eure ausführlichen Antworten!

Dem Einwand, dass wir in der Lesefassung immer auch schauen sollten, was für die konkrete Bibelstelle die sinnvollste Lösung ist, stimme ich zu. Auch ich hatte nicht vor, unsere Regel im Stil einer strukturtreuen Übersetzung ohne Rücksicht auf Verständlichkeit durchhalten zu wollen. Dennoch bleibt die Frage, wie wir die verschiedenen Möglichkeiten bewerten. Und wenn es uns gelingt, durch eine gute Entscheidung eine recht große Einheitlichkeit in der Lesefassung zu erreichen, dann ist das nur von Vorteil.

Leider muss ich die Diskussion weiter in die Länge ziehen, weil ich nach wie vor den Eindruck habe, dass ich mein wichtigstes Anliegen so schlecht erkläre, dass es Euch unverständlich bleibt.

Ben hatte ja schon vor längerer Zeit geschrieben, dass ihm mein „Beziehungskriterium“ unklar ist. Ich habe darauf dann noch einmal ausführlich Literatur-Recherche betrieben und auf den Wiki-Seiten JHWH und Adonai zusammengefasst. Dennoch taucht das Kriterium in Sebastians Zusammenfassung überhaupt nicht auf, und mein Versuch, es in seine Zusammenfassung einzuarbeiten, ist offensichtlich auch misslungen.

Jedenfalls ist mir hierdurch klar geworden, dass ein einfaches Ja-Nein für die Kriterien zu einfach ist, und auch mein Versuch, mit Klammern eine mittlere Position zu ermöglichen, ist erstens noch immer sehr unflexibel und zweitens nicht sehr verständlich. (Siehe Sebastians Vorwurf des „Schummelns“.) Ich werde deshalb versuchen, die meine ursprüngliche Auswertungs-Liste auf der Seite JHWH übersichtlicher zu gestalten, so dass wir keine verkürzende Fassung hier mehr brauchen.

Es gibt noch vieles weitere, auf dass ich antworten möchte, aber das mache ich später.

 Tut mir leid, wenn das so auf dich wirkt, dass ich dein Beziehungskriterium ignoriere. Aber, so, wie ich dich verstehe, willst du damit zum Ausdruck bringen, dass es sich hier nicht um eine philosophische Entität, sondern um einen konkreten Gott, zu dem in der Bibel die Israeliten und Frühchristen und heute wir in direktem Bezug stehen. Teil 1 - der konkrete Gott - ist aber im "Unverwechselbarkeits"-kriterium enthalten, denke ich, und der besondere Fokus auf den Bezug zu Gott ist ein theologisches Thema, nicht ein primär exegitisch-bibelwissenschaftliches. Das heißt, in einer Bibelübersetzung nach einer Möglichkeit zu suchen, unseren Gott als einen konkreten Gott auszuzeichnen (wie es eben auch JHWH tut) finde ich sinnvoll; hier aber noch zusätzlich durch eine besondere sprachliche Gestaltung gesondert den Beziehungsaspekt ausdrücken geht (finde ich) zumindest teilweise über die reine Textauslegung hinaus und würde manchmal sogar Zusätzliches in den Text hineinlegen. Auf der Diskussionsseite zu JHWH schreibst du auch selbst, dass °unser Gott° zunächst dem im "Adonaj" enthaltenen Beziehungsaspekt Rechnung tragen willst. Aber hier geht es ja momentan darum, wie das JHWH, das eben nicht durch die Ersatzlesung "Adonaj" ersetzt wurde, zu übersetzen sei. Und hier schreibst wieder du selbst, auch auf derselben Seite, dass bei "JHWH" der Beziehungsaspekt keine Rolle spielt: "Natürlich spielt der Beziehungsaspekt keine Rolle mehr, wenn wir JHWH als Eigenname in den Text schreiben (was wir zumindest in der Studienfassung weiterhin machen sollten)"
Wenn jetzt sogar du schon so weit bist, zuzugeben, dass es besser wäre, JHWH nicht durchgängig, sondern nur kontextabhängig mit °unser Gott° zu übersetzen, dann wird es mir noch fraglicher, wie sinnvoll es ist, nur an manchen Stellen auf eine gesonderte und auf sonst unvergleichliche Weise typographisch ausgezeichnete Übersetzungsweise zurückzugreifen.
Aber vielleicht warte ich erst einmal deine spätere Antwort ab :)
(Frohes Neues übrigens auch an dich)

Hallo Sebastian!

Danke für die Erklärung, dass Du GOTT nicht als Übersetzung der biblischen Ersatzlesung siehst, sondern als als Übersetzung von JHWH. Dann geht der Einwand des Beziehungskriteriums tatsächlich an der Sache vorbei, und andere Einwände werden relevant. (Dazu aber später.)

Um ein Missverständnis zu vermeiden: Ich bin nicht dafür, an einigen Stellen JHWH zu vokalisieren und an anderen die Ersatzlesung der biblischen Handschriften zu übersetzen. Wir sollten uns hier schon entscheiden, denn sonst sieht es so aus, als würde der Gottesname nur an einigen wenigen Stellen stehen. Und ich bin auch noch nicht überzeugt worden, dass °unser/euer GOTT/HERR° nicht überall funktioniert.

Ich wollte sagen, dass ich die Treue zu den Aussagen der einzelnen Bibelstellen im Zentrum sehe und gerade deshalb nach einem Vorgehen suchen möchte, bei dem möglichst wenig Einzelfall-Abweichungen nötig sind.

Olaf

Hallo!

So, jetzt habe ich die Seite JHWH endlich so überarbeitet, dass sie meinen persönlichen Erkenntnis-Stand zu den Ersatzlesungen zusammenfasst. Dabei sind die von Euch aufgeworfenen Fragen natürlich zentral mit eingeflossen. Die von Euch genannten Einschätzungen habe ich versucht, alle mit aufzunehmen, so weit wir übereinstimmen. Wenn ich noch etwas übersehen habe oder mir ein Fehler unterlaufen ist oder Ihr anderer Meinung seid, dann benennt es bitte! Ich schlage nämlich vor, dass wir zunächst auf der Seite JHWH die Vor- und Nachteile dokumentieren und erst dann eine Entscheidung treffen.

Trotzdem möchte ich schon einmal benennen, in welche Richtung meine Überlegungen laufen. Die biblische Handschriften enthalten sowohl den Gottesnamen als auch eine Ersatzlesung. Beim Übersetzen gibt es darum drei für mich prinzipiell vertretbare Wege:

1. Man schreibt irgendeine Form des Gottesnamens in den Text. Dann trägt man inhaltlich garantiert nichts in den Text ein, stellt sich aber gegen die Tradition der Ersatzlesungen, die sich bereits in alttestamentlicher Zeit entwickelt hat und die zur Zeit des Neuen Testaments fest etabliert war. Zugleich erhält man einen nicht vorlesbaren („JHWH“) oder vermutlich falsch vorlesbaren („Jahwe“) Text.

2. Man übersetzt die Ersatzlesung des Bibeltextes. Dann macht man den Gottesnamen weniger sichtbar. Außerdem macht man im Text Aussagen über Gott, die in der biblischen Entstehungsgeschichte erst etwas später in den Text gewandert sind. Einige Formen der Übersetzung sind dabei missverständlicher („der HERR“) als andere („unser GOTT“).

3. Man sucht eine Ersatzlesung, die möglichst wenig in den Text einträgt („GOTT“, „ICH/DU/ER“). Dabei entscheidet sich zugleich gegen die biblische Ersatzlesung und unterdrückt jeden Hinweis auf den Gottesnamen.

Diese Einschätzung geht davon aus, dass man El/Elohim nicht einfach als synonym mit JHWH betrachten kann. Im heutigen Sprachgebrauch sind sie zwar in dem Wort „Gott“ zusammengefallen, aber gerade deshalb müssen wir hier besonders sorgfältig sein. Beim Bibel-Übersetzen ist es unsere Aufgabe, die biblischen Aussagen über Gott in das heutige Deutsch zu übertragen, ohne sie durch vorschnelles Für-Selbstverständlich-Halten späterer Entwicklungen zu verändern. Die christliche Theologie hat die Existenz des Gottesnamens sehr, sehr lange verdrängt. Erst das Erschrecken über die Folgen des christlichen Antijudaismus haben zu einer Rückbesinnung auf Gottes Bund mit Israel und auf den mit ihm verbundenen Namen geführt. Ich gebe aber zu, dass meine intensive Beschäftigung mit dem christlich-jüdischen Gespräch möglicherweise bewirkt, dass ich hier übervorsichtig bin.

Trotz dieses Einwandes halte ich „Gott“ jedoch immer noch für die bei weitem beste Ersatzlesung aus der dritten Gruppe. Für Bibelübersetzungen, die die biblischen Inhalte vereinfachend darstellen (also z.B. Aarons Schul-Übersetzung) ist es vermutlich eine der besten oder die beste Vorgehensweise. Unsere Lesefassung soll aber (wie unsere bisherige Diskussion immerhin ergeben hat) den Bibeltext gerade nicht auf das Einfach-Verständliche reduzieren, sondern ein hohes sprachliches und inhaltliches Niveau anzielen.

Da es im hebräischen Bibeltext eine Schriftform des Namens und eine Lese-Alternative gibt, halte ich es für angemessen, dass wir in der Studienfassung den schriftlichen (unvokalisierten) Namen nehmen und in der Lesefassung die biblische Ersatzlesung zum Vorlesen. Wenn wir aber feststellen, dass alle Varianten aus Gruppe 2 ungeeignet sind, dann bin ich gerne bereit, auch in den anderen Gruppen nach einer Lösung zu suchen.

Nun zu meinen Antworten auf Einzelfragen der Diskussion. Sebastians Einschätzung, dass °unser/euer GOTT° die diskutierten Bibelstellen inhaltlich verändert, beruht vermutlich darauf, dass er die Ersatzlesung nicht als eigentlichen Teil des Bibeltextes betrachtet hat. Oder irre ich mich?

Zu 1 Kön 18,21: Es spricht an dieser Stelle ja Elia, der auf jeden Fall von „unser Gott“ sprechen kann, unabhängig davon, wie sich die übrigen Israeliten entscheiden. Und das „wahrer Gott“ aus der EÜ ist etwas frei übersetzt – wörtlicher wäre: „Wenn JHWH Gott ist.“ Ich bin mir nicht sicher, wie ich das „wahrer“ bewerten soll. Die Formulierung „wahrer Gott“ höre ich sonst nur von Leuten, die bestimmte Formen des christlichen Glauben (teils berechtigt, teils unberechtigt) als schädlich kritisieren.

Zu Jer 2,8: Mir geht es darum, dass die von JHWH abtrünnigen Propheten sich ja gerade nicht gegen jeden Gottesglauben stellen, sondern nun einem anderen Gott folgen. Man kann also nicht übersetzen: „Sie fragen nicht: Wo ist GOTT?“, und auch schlecht: „Sie fragen nicht nach GOTT.“, wohl aber: „Sie fragen nicht nach °unserem GOTT°.“

Zu Jona 3,9: „Ich bin ein Hebräer und verehre °unseren HERRN°, den Gott des Himmels“ funktioniert sprachlich und inhaltlich besser als „Ich bin ein Hebräer und verehre GOTT, den Gott des Himmels“. Ich stimme Dir zu, dass „Ich bin ein Hebräer und verehre den Gott des Himmels“ noch flüssiger klingt, aber flüssiger ist nicht in allen Fällen besser. Ich habe gerade eben im meinem Jona-Kommentar (F.W. Golka) nachgelesen, dass „Gott des Himmels“ die amtliche persische Bezeichnung für den Gott der Juden war. Zusammen mit dem Wort „Hebräer“ enthält der Vers also tatsächlich sehr deutliche Bezüge auf den Gott Israels – und nicht nur einen allgemeineren Verweis auf den Schöpfer der Welt.

Zur Frage der Aussprache von „Jahwe“: Mit sind mindestens sechs verschiedene Arten begegnet, den Namen im Deutschen auszusprechen, aber Ben hat natürlich Recht, dass das kein sehr zentrales Problem ist.

Es bleibt noch die Frage, ob der Vorschlag „°unser/euer GOTT/HERR°“ komplexer ist als „GOTT“.

Wenn wir GOTT oder °unser/euer GOTT° als Ersatzlesung nehmen, dann müssen wir uns darauf verständigen, was in den 1453 Bibelversen geschehen soll, wo JHWH zusammen mit El oder Elohim steht:

  • Der Gottesname wird in der Regel mit „unser GOTT“ bzw. „euer GOTT“ wiedergegeben. Wo es sprachlich oder inhaltlich sinnvoller ist, kann davon z.B. mit der Variante „unser/euer HERR“ abgewichen werden.
  • Der Gottesname wird in der Regel mit „GOTT“ wiedergegeben. Wo das zu sprachlichen oder inhaltlichen Problemen führt, wird der Satz (z.B. durch Auslassung des Gottesnamens) angemessen umformuliert.

Einen wesentlichen Unterschied in der Komplexität sehe ich hier nicht. In einem Fall erkennt man am Satzinhalt, ob es „unser“ oder „euer“ heißen muss. Im anderen Fall muss man in 1453 Versen nach geeigneten Formulierungen suchen, was aber beim Übersetzen sowieso der Fall ist.

Olaf

PS: Wenn drei Perfiektionisten um eine wichtige Frage ringen, dann macht das Arbeit, führt aber zu einer beeindruckend intensiven Betrachtung der verschiedenen Aspekte.

Von wegen Anmerkungen: Eine hätte ich noch. Ich kann es gerade nicht verifizieren, weil bibelwissenschaft.de nicht erreichbar ist, aber iirc hat der Autor des Wibilex-Artikels "kyrios" als die bei weitem häufigste Übersetzung der LXX bezeichnet. In deiner Aufstellung wirkt es dagegen so, als sei "o theos" noch etwas häufiger zu finden.
Zudem hatte ich den (vielleicht subjektiven) Eindruck, dass in deiner Behandlung von "Adonai" etwas vernachlässigt wird, dass es sich dabei zunächst um einen eigenständigen biblischen Gottestitel handelt. Es klingt eher so, als wäre es nur eine verbreitete Ersatzlesung. Aber das täuscht vielleicht.
Ach ja: Gestern hatte ich den sehr kühnen und vielleicht auch etwas scherzhaften Gedanken, dass man das Konzept der Ersatzlesung ja auch direkt kontextualisieren (und nicht nur übersetzen) und eine spezifisch deutsche Ersatzlesung finden könnte. Wie wäre es mit "Gottesname" statt "JHWH"? Sicher wäre das ein gewagter Schritt. Aber es hätte den Vorteil, dass semantisch keine Missverständnisse bestünden (der Bedeutungsinhalt ist klar, die Funktion als Lückenfüller auch). Zudem könnte man die Lesung, weil sie so offensichtlich nur eine Lücke füllt, auch als Namen verwenden wie JHWH. Noch einmal: Das war vorerst nur ein Einfall mit Augenzwinkern, aber reizvoll fände ich den Ansatz schon. Was meint ihr? 

Die Idee, selbst geeignete Übersetzungen für problematische Hebraismen zu finden, unterstütze ich nachdrücklich. Einen solchen eigenständigen (stilistischen) Stil (Edit: Sorry für den Pleonasmus) hat sich schon Güntzel im thread Kriterien der Lesefassung gewünscht. Welche Variante in diesem Fall sich dann durchsetzt, muss man sehen. "Gottesname" wäre dann schon mal der erste Anwärter. Weiter so!

 Oder wir übersetzen JHWH einfach mit "Uli" oder so.
Nein, Spaß beiseite - den Reiz der Idee sehe ich auch. Aber (ich bin mir aber nicht ganz sicher): Die Bibelübersetzung hier soll ja so wissenschaftlichen Wert haben. Die Studienfassung zumindest. Und die Lesefassung wäre dann eine Übersetzung, die ebenfalls zitierfähig ist, weil sie sich in ihrer Übertragung ganz explizit auf einer solchen wissenschaftlichen "Ausgabe" beruht. 
Könnte es dann nicht sein, dass, wenn wir bei so etwas Zentralem wie dem Gottesnamen zu eher unkonventionellen Lösungen greifen wie "Gottesname", wir uns ein stückweit selbst das Ziel verbauen, eine zitierfähige und akzeptable Bibelübersetzung zu kreieren? Was meint ihr? 
Denn wenn nicht, dann wäre eine neue offensichtliche Ersatzlesung für die Lesefassung vielleicht wirklich eine Alternative.
Zu Olafs Post:
Ich glaube, ich könnte zu deinen Ausführungen zu den drei Bibelstellen jetzt noch einmal Stellung beziehen. Aber dann könntest du wieder dagegen argumentieren, und ich wieder dagegen... Sparen wir uns das lieber für die Diskussion auf, wenn sie übersetzt werden?
Auf der Diskussionsseite gezielt über die Vor- und Nachteile zu diskutieren und auf dieser Basis zu einer Entscheidung zu kommen, fände ich an sich schon ganz sinnvoll. Nur sieht man ja hier an den letzten Beiträgen, dass das teilweise ganz schön in die Länge gehen kann. Wäre es dann nicht besser, doch hier im Forum über die neue JHWH-Seite zu diskutieren und dann, wenn eine Entscheidung getroffen ist, die einzelnen Diskussionsschritte in Kurzform auf die Diskussionsseite von JHWH zu übertragen?
Und wie gehen wir weiter vor, wenn wir uns jetzt mal gezielt darauf stürzen wollen? Irgendwelche "Mängel" hätte ja jede Übertragung. Müssten wir also nicht zunächst einmal zu Potte kommen bei der Diskussion über die Lesefassung, um entscheiden zu können, welche dieser Mängel im Kontext der Lesefassung höher einzustufen wären als andere?
Übrigens ist die JHWH-Seite jetzt inhaltlich richtig gut geworden, finde ich. Formal muss ich sie mir aber noch mal anschauen. Ich habe mir das gestern durchgelesen, aber nicht kritisch. Aber es hat sich bei mir der Eindruck festgesetzt, dass durch das Aufteilen von Vor- und Nachteilen auf Einzel- und Sammelspalten das ein bisschen unübersichtlicher geworden ist. Aber ich muss es mir noch mal ansehen, bevor ich das "wirklich schreiben" kann.

Hallo!

@Ben: Danke für die Anmerkungen und Anregungen – ich habe sie auf der Seite JHWH eingefügt.

@Aaron: Gottesname ist der zweite Anwärter für den Versuch, „selbst geeignete Übersetzungen für problematische Hebraismen zu finden“. Der erste ist „unser/euer GOTT“.

@Sebastian: Die drei Bibelstellen brauchen wir jetzt in der Tat nicht zu Tode zu diskutieren. Stimmst Du mir denn zu, dass man die bsiherige Diskussion vorläufig so zusammenfassen kann: „Bei ‚GOTT‘ braucht man für diese Stellen eine kreative Lösung. Bei ‚unser/euer GOTT/HERR‘ sind diese Stellen genau dann als unbefriedigend anzusehen, wenn man die Übersetzung der biblischen Ersatzlesung generell für kein gutes Vorgehen hält.“

Außerdem hast Du Recht, dass eine Verlagerung des Diskussionsortes unnötig ist. Wir haben auf der Diskussionsseite ja einen Link. Mir ging es es nur um die Reihenfolge: Lasst uns zunächst die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten sauber beschreiben und dann schauen, welche Vor- und Nachteile für unsere Lesefassung wie relevant sind.

Dabei ist mir vor allem wichtig, dass wir nicht Äpfel mit Biren vergleichen. Eine Übersetzung der biblischen Ersatzlesung „will“ nicht den Gottesnamen selbst übersetzen und braucht deshalb nicht an diesem Anspruch gemessen zu werden. Ebenso ist die Anwendung des Beziehungskriteriums bei Ersatzlesungen der ersten oder dritten Gruppe unsinnig.

Die für mich noch offenen Fragen sind:

  • Ist „Jahwe“ die beste Variante aus Gruppe 1, oder läge hier – im Anschluss an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand – eher das noch nicht genannte „Jaho“ vorne?
  • Hat „°unser/euer GOTT/HERR°“ gravierende Nachteile, die sich nicht einfach nur prinzip-bedingt aus der Entscheidung ergeben, überhaupt die Ersatzlesung zu übersetzen? Oder anders formuliert: Ist unser Vorschlag die beste funktionale Übersetzung der biblischen Ersatzlesung in das heutige Deutsch?
  • Habe ich die Vor- und Nachteile von „GOTT“ fair zusammengefasst?

Zur Übersichtlichkeit der Seite JHWH: Ja, leider ist es mit nicht gelungen, es wesentlich übersichtlicher zu machen. Es war mir vor allem wichtig, dass die generellen Vor- und Nachteile der drei Gruppen von den individuellen Vor- und Nachteilen der einzelnen Ersatzlesungen zu unterscheiden.

@Sebastian: Oben habe ich folgende Fragen gestellt, die wichtig ist, um °unser/euer GOTT/HERR° einzuschätzen: „Sebastians Einschätzung, dass °unser/euer GOTT° die diskutierten Bibelstellen inhaltlich verändert, beruht vermutlich darauf, dass er die Ersatzlesung nicht als eigentlichen Teil des Bibeltextes betrachtet hat. Oder irre ich mich?“

Liebe Grüße,

Olaf

Um die Darstellung der Vor- und Nachteile ausgewogener zu machen, nenne ich nun nicht nur das „Entfernen“ des Gottesnamens durch Ersatzlesungen sondern auch, wo die biblische Ersatzlesung unberücksichtigt bleibt.

 Hallo!
Ich arbeite mich mal durch die einzelnen Punkte - von hinten nach vorne.
Du irrst dich nicht. Hier ist, was ich missverstanden habe: Mir war nicht ganz klar, wie der Zusammenhang zwischen Ketiv und Qere ist; ich habe die "Punktation" immer gelesen wie eine deutsche Vokalisation. Als stände in einem deutschen Text "pfl" und durch spätere Bearbeitung würde daraus "Apfel". pfl entspricht JHWH, Apfel entspricht Adonay; d.h., ich dachte aufgrund der Tatsache, dass dennoch offenbar immer wieder JHWH auftaucht, dass nur ein kleiner Bestandteil der pfl´s "apfelisiert" worden ist und du also vorschlägst, einfach alle pfl´s zu apfelisieren. (Lag ws. daran, dass ich zumeist englische Sachen lese und hier, wenn ich mich recht entsinne, immer von "vowels" statt von "Punktationen" gesprochen wurde).
Was mir nicht klar war, war, dass diese Vokalisation wenn, dann ablaufen würde als aPFeL (oder vielleicht sogar besser PiFLe als Mix aus dem pfl von "Apfel" und ie aus "Birne"). [1] Liege ich jetzt endlich richtig? Dann hat Robert Carroll aber schon die Entscheidung namhaft gemacht und Brenner in ihrer Diskussion von Carrolls Aufsatz noch mal zusammengefasst, die wir hier primär zu treffen haben: (Siehe du): "Folgen wir dem Geschriebenen oder dem zu Sprechenden?"  heißt in Wirklichkeit - gesetzt, dass es gesichert ist, dass die Punktierung auf eine nachträgliche Bearbeitung aufgrund von "Frömmigkeit" zurückgeführt werden kann - folgendes: "In referring to the Tetragrammaton, as well as to other matters in Bible translations, what is the balance to be struck between piety/ideology - of any kind - and philology?" [2]
Was die Studienfassung angeht, ist die Entscheidung da ja ganz klar, denke ich. Aber was die Lesefassung angeht, wird das kompliziert. Wir haben da zunächst einmal nicht einfach einen profanen Text vor uns, sondern einen Text, von dem wir glauben, er sei von Gott inspiriert. Und wenn dieser Text ganz offensichtlich "will", dass er mit einer Ersatzlesung gelesen wird, dann hätten wir sogar die Pflicht, "Birne" zu übersetzen, und nicht "Apfel".
So weit war ich, als ich angefangen habe, diese Antwort zu schreiben. Aber dann kam mir (Danach geht es aber noch weiter, nur zur Vorwarnung :) ): Wir wissen gleichzeitig, dass dieser inspirierte Text nicht unantastbar, sondern "Gotteswort im Menschenwort" ist. Und bei "PiFLe" scheint recht klar trennbar, was hier Gotteswort und was Menschenwort ist, wenn wir wissen, dass "ie" das ursprüngliche "PFL" "zurechtgeschustert" hat für ein bestimmtes, geschichtlich bedingtes Frömmigkeitsempfinden einer bestimmten, historisch und kulturell situierten Volksgruppe. Und wenn wir das berücksichtigen und dieser inspirierte Text uns dann auch noch den Gefallen tut, uns klar erkennen zu lassen, was hier was ist - dann sind wir wieder auf "Apfel" verpflichtet, nicht? Denn was diese historisch und kulturell bedingte Frömmigkeitsform den Bibel-editoren zu editieren gebot, betrifft uns nicht mehr, nicht wahr?
Und jetzt das Dritte: Andererseits - und jetzt lehne ich mich an eine Argumentation Karl Rahners an - haben die selben Editoren ja noch viel mehr editiert als dies, und das ist dann nicht mehr erkennbar. Wenn wir also erst einmal damit anfangen würden, zu sagen "DAS da ist aber nicht mehr Gotteswort, sondern Menschenwort, und wir entscheiden uns für das Gotteswort", dann relativieren wir im Prinzip die ganze Schrift. Das geht natürlich nicht, und also müssen wir gläubig Vertrauen haben, dass auch in der Editierung durch die Editoren Gottes Geist am Walten war. Und das heißt dann: Wir können uns gar nicht entscheiden zwischen Apfel und Birne, sondern unsere Entscheidung muss genau auf PiFLe fallen. Und DA müssen wir uns dann etwas ausdenken. Richtig? Oder ist hier jetzt immer noch irgendwo ein Denkfehler?
...
Gott, ist das jetzt wieder ein langer Text... Deswegen noch schnell zum anderen: Meinen Unübersichtlichkeitskommentar nehme ich zurück. Ich habe mir das jetzt noch mal angeschaut - die vorherige Version war besser für unser aktuelles Problem, weil hier sehr übersichtlich für jede einzelne Entscheidungsmöglichkeit die Pros und Contras erkennbar waren. Aber die Seite ist ja nicht (allein) für unser aktuelles Problem bestimmt, und wenn man das berücksichtigt, ist die aktuelle Fassung wohl wirklich die bessere Lösung. Ich war da noch "verfangen im Netz der Gottesnamens-frage", als ich mir die Seite gestern angeschaut habe. Ist wirklich schön geworden.
Was die drei von dir angesprochenen Fragen angeht, lasse ich erst mal Ben den Vortritt. Ich fühle mich gerade ein bisschen leergeschrieben :-)
Liebe Grüße
Sebastian
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[1] Klar geworden ist mir das übrigens durch diesen Aufsatz hier:
Carroll, Robert P.: Between Lying and Blasphemy or On Translating a four-letter Word in the Hebrew Bible: Critical Reflections on Bible Translation, in: Brenner, Athalya & van Henten, Jan Willem: Bible Translation on the Threshold of the Twenty-First Century. Authority, Reception, Culture and Religion (=JSOT Supplement Series 353). London, 2002.
Das Buch ist ein Konvolut von Vorträgen, das anlässlich der holländischen Bibel-Neuübersetzung "Nieuwe Bijbelvertaling" gehalten wurden, und einer der am heißesten umkämpften Punkte (in der Tat der einzige so heiß umkämpfte, dass letztendlich einzig hier das Gremium und nicht die Übersetzer und Berater entschieden haben) war die Frage nach der JHWH-Übersetzung. Und jetzt passt auf, wie sie sich entschieden haben: 
"The decision about the rendering of the name of God in the project of the Nieuwe Bijbelvertaling (New Bible Translation) has been made. It will be HEER ('LORD'). The boards of the Nederlands Bijbelgenootschap (NBG, Dutch Bible Society) in Haarlem and the Katholieke Bijjbelstichting (KBS, Catholic Bible Foundation) in Den Bosch have announced this during a press conference in Amsterdam on March 14. This decision goes toghether with the commission, by the NBG and KBS boards, of their directors to investigate the possibility of publishing a popular study Bible version of the Niewe Bijbelvertaling, in which the name of God will be rendered by the actual Tetragrammaton (YHWH)." 
Brenner, Athalya & van Henten, Jan Willem: Bible Translation on the Threshold of the Twenty-First Century. Authority, Reception, Culture and Religion (=JSOT Supplement Series 353). London, 2002. S. 6
[2] Brenner, Athalya: 'Between Lying and Blasphemy': Responding to Robert Carroll, in: Brenner, Athalya & van Henten, Jan Willem: Bible Translation on the Threshold of the Twenty-First Century. Authority, Reception, Culture and Religion (=JSOT Supplement Series 353). London, 2002. S. 68.

Puh, wenn wir jetzt noch die Inspiration berücksichtigen, können wir die Diskussion gleich in die Tonne treten. Da könnten wir vielleicht, eventuell zu dritt (viert, fünft...) einen Konsens erreichen, aber niemals einen, der in einem so vielsträngigen ökumenischen Projekt tragbar wäre. Aber klar ist: Wenn wir eine ökumenisch tragbare Entscheidung treffen, dann muss das Empfinden aller Beteiligten eine Rolle spielen.
Aber was ich an deinen ganzen Ausführungen noch nicht verstanden habe: Wo liegt für dich der Streitpunkt, wo kommt die Inspiration ins Spiel? Sorry, vielleicht stehe ich auf der Leitung, aber ein Beispiel oder eine konkrete Problembeschreibung hätten mir echt geholfen.
So, jetzt wurde ich ganz subtil dazu aufgefordert, Olafs Fragen alleine zu beantworten. Dabei fühle ich mich dem gar nicht gewachsen. Ich mache einfach mal wieder einen Vorstoß, und ihr denkt das dann weiter oder sagt mir, dass ich mal wieder einen Denkfehler gemacht habe.
1. Für mich wäre Jahwe schon der Favorit. Erstens klingt es moderner und deutscher als Jehova oder JHWH, es ist sozusagen die verbreitetste Eindeutschung. Das Argument "Jaho" würde ich zunächst mal weiter beobachten, und wenn sich in der Forschung herauskristallisiert, dass das die richtige Aussprache ist, dann können wir unsere Regel immer noch relativ leicht anpassen. Nichts ist endgültig! Hier wäre außerdem der Vergleich mit dem historischen Übergang Jehova -> Jahwe sehr interessant - über den ich leider nicht im Entferntesten genug weiß. Ich glaube zu wissen, dass Jehova Jahrhunderte lang der Standard war, und dass es vermutlich zumindest jahrzehnte gedauert hat, bis sich diese offensichtlich falsche Aussprache verflüchtigt und Jahwe durchgesetzt hat - auch heute ist der Prozess ja noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig ist die Entscheidung zwischen Jahwe und Jaho keineswegs so klar, wenn ich Olaf richtig gefolgt bin. Wenn wir anhand von alten griechischen Interpretationen argumentieren, die deutlich jünger sind und über deren Hintergrund wir fast nichts wissen, dann ist klar, dass wir hier zwischen zwei Hypothesen abwägen wollen. Und da würde ich sagen: Bleiben wir bei der verbreiteteren (Stichwort Akzeptabilität, siehe mein nächster Blogeintrag).
2. Für meine Ohren klingt dieser Vorschlag sehr fremdländisch ("outlandish", wie man auf English so schön sagen kann). Unabhängig davon, wie geeignet er sein könnte. Dass man einen in der Konnotation der Ersatzlesung indirekt vorhandenen Beziehungsaspekt direkt und vordergründig in die Übersetzung des Namens integriert, dass man eine typographische (Versalien) UND eine symbolische Auszeichnung (Kringel) für die Kennzeichnung benutzt, das ist für mich als guten deutschen Bibelleser zu viel des Guten. Und ich schätze, vielen anderen wird der Vorschlag ebenfalls zu fremd sein, um ihn gut zu finden. Von einer meiner Meinung nach methodisch etwas unsauberen Herleitung abgesehen, hier wieder der Verweis auf die Akzeptabilität. Mein Blogeintrag dazu kommt bald, wäre schon da, wenn wir hier nicht immer alle so aktiv wären, und hängt nur noch daran, dass ich zuerst die semantische Funktion von "oun" in einem Grammatikartikel untersuchen muss, bevor ich mein letztes Beispiel fertigstellen kann. – Dazu kommt übrigens, dass diese Lösung vergleichsweise aufwendig zu tippen ist.
Mir ist klar, dass ich mit diesem Vorstoß ein weiteres Mal die gesamte stattgefundene Diskussion ignoriere (das ist so eine schlechte Eigenschaft von mir), aber die Lösung wäre für mich als Bibelleser nur dann akzeptabel, wenn man eine der Auszeichnungsarten weglässt und die Personalpronomina auf Stellen reduziert, wo sie klar Teil der Konnotation und nicht nur eines theologischen Konzepts einer Ersatzlesung wären. Mit °Gott° oder °Herr° könnte ich leben und fände das sogar noch ganz patent. Aber mehr würde vom Lesen ablenken und zu den gleichen Problemen führen, die Sebastian klugerweise schon für meinen Vorschlag "Gottesname" thematisiert hat. Die Vorlesbarkeit wäre dann zweitrangig; ein guter Vorleser könnte die Betonung durch Kringel dann auch stimmlich vermitteln.
3. Ich finde die Differenzierung zwischen "Gott", "(der) GOTT" und evtl. "°unser GOTT°" sehr schwammig. Hier werden nach meinem Empfinden verschiedene Auszeichnungsmethoden kombiniert (denn wirkliche andere Unterschiede gibt es m.M. nicht, bitte nicht steinigen), aber nicht zu jeder möglichen Kombination, und dann noch künstlich differenziert. Dabei müssten die drei Aspekte meiner Meinung nach auf einander aufbauen (den Ansatz würde ich zumindest verfolgen). D.h. alle drei müssten auf den Vor- und Nachteilen von "Gott" aufbauen. Dann muss man sich die verschiedenen Auszeichnungsmöglichkeiten anschauen: Was ändert die Großschreibung GOTT an der Deutung, hilft sie bei der Differenzierung, treten neue Schwierigkeiten durch Titelkombinationen mit Elohim auf o.ä. Schließlich kommt "°unser GOTT°". Es kommen Kringel und ein Personalpronomen dazu. Was wäre ein möglicher Grund für diese Hinzufügungen? Wie wird das im Unterschied zu den beiden anderen Lösungen wahrgenommen, welche neuen Vor- und Nachteile gibt es? Bei JHWH und den Varianten Jahwe und Jehova hast du dieses Konzept ja schon in Ansätzen verfolgt. Mehr davon! 
Bitte versteh das nicht als Fundamentalkritik. Aber mir fällt einfach auf: Momentan sind bei "Gott" Nachteile gelistet, die durch simple Großschreibung nicht vorhanden wären. Gleichzeitig ist "GOTT" ls Alternative zu "HERR" gelistet, aber die Argumentation ist eigentlich vollständig auf "HERR" zugeschnitten.
 
Und was ich eigentlich schreiben wollte, bevor ich mir 5 Absätze zu Olafs Fragen aus den Fingern saugte: Ich glaube nicht, dass wir diese Diskussion durch einen Konsens beenden können. Und ich weiß auch nicht, ob das die optimale Lösung wäre. Sehr gut ist es jedoch, dass wir (bzw. ihr beiden) zunächst versucht haben. Alle Argumente auf den Tisch zu legen. Doch bei euch beiden hat sich schon eine Pattsituation herauskristallisiert. Hier wäre m.M.n. ein Reality Check nötig, nicht nur für frischen Wind, sondern auch, damit wir diese Entscheidung nicht durch zu abstraktes Denken ad absurdum führen. Damit meine ich: Wir lassen die Gemeinschaft entscheiden. Wir präsentieren verschiedene Meinungen gleichbereichtigt nebeneinander (sobald der momentane Prozess mit der Sammlung aller Möglichkeiten beendet ist) und geben Raum zur Diskussion. Nach einem gewissen Zeitraum analysieren wir, welche Meinung den meisten Zulauf bekommt (oder stimmen wir ab).
Praktisch sähe das so aus:

  • Sebastian bekommt ein Blog (und auf Wunsch auch andere bisherige Diskussionsteilnehmer, die eine ausgeprägte Meinung dazu haben)
  • Wir drei (und jeder andere, der teilnehmen möchte) verwenden einige Zeit darauf, unsere jeweils eigene Meinung in einem oder mehreren Artikeln klar darzulegen
  • Am Ende entscheidet, wie immer, Wolfgang ganz alleine. Spaß! Am Ende machen wir eine öffentliche/breit angesetzte Wahl.

Gut möglich, dass wir als Gemeinschaft auf eine öffentliche Wahl noch nicht vorbereitet sind. Das war auch der Grund, warum die Diskussion ursprünglich im Sande verlaufen war. Aber jetzt im Moment diskutieren wir. Jetzt haben wir alle Argumente auf dem Tisch. Ich glaube, die Entscheidung sehnt sich danach, zeitnah getroffen zu werden.
Und jetzt bin ich schon wieder viel zu lange aufgeblieben.

Hallo Sebastian,
die Artikel sind bestimmt spannend. Danke für den Hinweis!
Deine Beispiele zur Punktierung sind tatsächlich zutreffend. Es ist nur noch etwas komplizierter. Nehmen wir an, das Wort „Quitte“ wäre ursprünglich „QT“ geschrieben worden, dann „QWJT“ und schließlich „QWuJiT.e“. Entsprechend für „Birne“: „BRN“, „BJRNH“ und „BJiR:NeH“, und es gäbe eine Kombination „QiWTe“, bei der sich die Leute später streiten, ob es „Kiwate“, „Quitta“ oder „Qujott“ auszusprechen sei.
Auch Deine Frage nach dem verbindlichen Text für unsere Übersetzung ist wichtig und Deine Überlegungen hierzu sehr tiefgehend. Das Problem ist, dass die Bibel über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrtausend entstanden ist (von den ersten Texten bis zum Abschluss der Kanonbildung gerechnet). Während dieser Zeit sind viele Texte mehrfach erweitert und überarbeitet worden. Zugleich sind viele Schreibfehler passiert. Was davon ist jetzt „echter“ Bibeltext - vor allem, wenn man von mehreren Fassungen Handschriften hat? Das ist oft Ansichtssache. Bei diesen Unsicherheiten tut mir dann der folgende Gedanke gut: Ich glaube nicht an die Bibel, und schon gar nicht an eine bestimmte Handschrift, sondern an Gott. Die Bibel erzählt nur von ihm und tut dies in fast allen Fassungen mehr oder weniger übereinstimmend, was die Kern-Aussagen betrifft.

Hallo!
 @ Ben: Weil es mir beim Lesen wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Ich verstehe jetzt z.B., wie Olaf darauf kommt, dass man sich notwendig entscheiden muss zwischen Ketiv-"übersetzung" und einer Quere-übersetzung, und ich verstehe, dass das eigentlich gar nicht die Wunsch-alternativen sind, sondern dass die beste Lösung eine wäre, die sowohl Ketiv als auch Quere beinhaltet, weil in dem, was wir in der Studienfassung mit "JHWH" übersetzen, immer schon beides miteinander verschwurbelt ist. Diese ganzen Ausführungen sind mir während dem Verstehen durch den Kopf gegangen (allein schon, weil ich, seit ich hier mitarbeite, die Inspiration immer im Hinterkopf habe), denn, ebenso wie die sprachliche Fassung des "JHWH" gleichzeitig Ketiv und Qere nahelegt, legen auch diese beiden Grundpfeiler der biblischen Theologie je eine der beiden Alternativen nahe. Und Rahner zeigt dann wiederum, dass ein Entweder-Oder hier eigentlich das Falsche ist. Die ideale Übersetzung würde nicht entweder das QWJT oder das ui.e übersetzen, sondern das QWuJiT.e (danke übrigens für die Richtigstellung, Olaf).
Prinzipiell glaube ich schon, dass man sich im Laufe einer Bibelübersetzung mal Gedanken über die Inspiration machen muss. Aber hier wahrscheinlich wirklich nicht, das war eher eine Nebenwirkung, dass ich jetzt das Inspirations-fass geöffnet habe.
Und jetzt bin ich mir endgültig sicher: Meiner Meinung nach ist von den bisher genannten Übersetzungsalternativen "GOTT" die Beste. Was genau wir uns bei der Wahl einer bestimmten Alternative gedacht haben, wird dem Leser eh nur klar, wenn er einen diese Frage klärenden Artikel liest; aber mit "GOTT" könnten wir uns zumindest sicher sein, dass wir sowohl dem QWJT (Gott als Eigenname) als auch dem ui.e (Gott als Klassifikation) Rechnung tragen (Hat übrigens schon mal jemand an "Herrgott" gedacht? Fällt mir gerade so ein), ohne dabei an den speziellen Problemen des °Unser Gott°s zu kranken.
Und jetzt mal die restlichen Punkte abarbeiten:
"Stimmst Du mir denn zu, dass man die bsiherige Diskussion vorläufig so zusammenfassen kann: „Bei ‚GOTT‘ braucht man für diese Stellen eine kreative Lösung. Bei ‚unser/euer GOTT/HERR‘ sind diese Stellen genau dann als unbefriedigend anzusehen, wenn man die Übersetzung der biblischen Ersatzlesung generell für kein gutes Vorgehen hält.“
GOTT: Zustimmung. Unser Gott: Nein. Spätestens jetzt halte ich Übersetzungen durch Ersatzlesungen für gerechtfertigte, wenn auch nicht optimale Möglichkeiten. Das Problem bei den drei Bibelstellen war, dass hier die gesonderte Betonung des Beziehungsaspekts durch das generelle "unser" und die typographische Auszeichnung mir nicht zu passen schien. Die Ersatzlesung war ursprünglich für den Vorgang des Laut-Lesens gedacht und sollte nicht den Sinn des Textes verändern. Ein damaliger Jude hat das gewusst. Wenn wir dagegen den Beziehungsaspekt immer und überall in die Übersetzung mit einfließen lassen und der Text wird von einem Durchschnittschristen gelesen, dann verändert sich für ihn der Sinn, und eben auch an Stellen, wo es wirklich gar nicht passt. (Das heißt auch "Die Übersetzung macht eine inhaltliche Aussage über Gott, die in den hebräischen Handschriften nur in der Punktierung belegt ist." scheint mir im Mindesten Bedenkenswert. 
Zu den offenen Fragen
1) Dazu will ich noch nichts sagen. Ich erinnere mich an ein Buch über die Gotteslehre von Herbert Vorgrimler, in dem dieser auch von der Entwicklung des Gottesbildes der Einwohner Israels schreibt, bevor unser Gott verehrt wurde. Und hier erzählt er auch von einer "Vorform" unseres Gottes, der Jahu oder Jaho hieß. Ich würde zu dieser Vorform lieber noch mal informieren, bevor ich hier Stellung beziehe.
2.1) s.o;
2.2) Nachteile: Erklärungsbedürftig und evt. nicht so akzeptabel in versch. Bereichen wie andere Alternativen (entspr. "unüblich", was ein bisschen schwach formuliert ist). Zudem: Was ich vorher als Vorteil gesehen habe - dass diese Übersetzung durch ihr Pronomen flexibel zu gebrauchen ist, scheint mir jetzt eher ein Nachteil zu sein. Wenn JHWH bei uns °Unser Gott° heißt, dann wäre das in der Rede von Nichtchristen nicht °Euer Gott°, sondern "Euer °Unser Gott°". Ansonsten würden wir nicht ernst machen damit, dass in der biblischen Niederschrift der (positive!) Beziehungsaspekt im Namen schon enthalten ist.
edit: Also, nur um das klarzustellen: Ich mag °unser Gott°. Ich halte das für eine sinnvolle und vor Allem schöne Übersetzung. Aber ich habe ein Problem damit, eine Lese-anweisung ganz generell zu einem "ordentlichen Textbestandteil" zu transformieren, dass dann genau so wie alle anderen ordentlichen Textbestandteile "im Spiel der Signifikanten mitmischt", wenn das u. U. sinn-verfäschend sein könnte. Außerdem damit, dass dadurch, dass dies "°Unser°" eben nicht immer passt, evt. gelegentlich zurückgegriffen werden müsste auf Übersetzungsweisen, die sich radikal von dem °Unser Gott° unterscheiden. Und ich habe Angst, dass eine so ausgefallene Übersetzungsweise evt. "schädlich" für die Offene Bibel sein könnte. 
3) Den Rest finde ich fair
@ Ben: Ja... Was das "Wir lassen die Gemeinschaft entscheiden" angeht, wollte ich eh mal etwas fragen. Seit ich dabei bin, haben Herr Güntzel, Aaron, du, Wolfgang und Olaf hier geschrieben. Wie viele sind denn hier eigentlich aktiv dabei? Denn wenn dann eine Abstimmung abgehalten wird und 10 Leute stimmen mit - dann ist das ja auch nicht der Sinn der Sache, oder?
Zum Blog: Obwohl es reizvoll wäre, einen eigenen Blog zu bekommen - erstens habe ich das Gefühl, ich müsste mir den - wenn überhaupt - erst noch "verdienen", und zweitens fände ich besser, wenn die verschiedenen Argumentationen alle an einer Stelle gesammelt werden. Wenn das denn wirklich per Abstimmung entschieden werden sollte, dann geht einer auf die entsprechende Forenunterseite, liest sich das durch, gibt seine Stimme und kann evt. seinen Eindruck auch noch so artikulieren, dass andere davon beeinflusst werden können, wenn sie seinen Beitrag sinnvoll finden. (Obwohl das dann natürlich wieder die Diskussion von Neuem anfachen könnte. Abhilfe könnte schaffen, wenn zuoberst eine kurze Gesamtdarstellung der zu beachtenden Aspekte und der bereits zurückgewiesenen Übersetzungsalternativen incl. Begründung eingefügt würde).
Gute Nacht allerseits, 
Sebastian

Zur Inspiration (Rest evtl. anschließend): Hm, entweder gibt es jetzt schon wieder ein Missverständnis, oder ich verstehe dich falsch. Entscheidend (und inspiriert) sind eigentlich die nur Konsonanten. Die Vokale sind späte Hilfsmittel, damit man sich die stellenweise nicht eindeutige Leseweise besser merken konnte. Die Ersatzlesung - die Vokalisation Adonai - gibt uns also nur und ausschließlich den Hinweis darauf, wie dieser Text laut vorgelesen werden sollte. Sie verändert nichts an der Bedeutung oder an der Tatsache, dass hier der Name JHWH steht. JHWH ist also in jedem Fall primär, Adonai sekundär.
EDIT: Ich sehe, dass du das später in deinem Post auch so differenziert hast. Ich entschuldige mich. :-)

Die Größe der Gemeinschaft ist eher klein und wechselt ständig. Manchmal gibt es zwei Wochen lang einen neuen Aktiven, von dem man später nie wieder hört. Gleichzeitig sind viele Kernteammitglieder fast gar nicht mehr aktiv (das könnte man vllt. mal ausmisten). Ich fürchte, die Gemeinschaft besteht momentan tatsächlich fast nur aus den Menschen, von denen du schon gehört hast, plus einiger Vereinsmitglieder, die hin und wieder mal aktiv sind, und einiger Nutzer, die in regelmäßigen Abständen etwas beitragen, aber ansonsten nichts von sich hören lassen. So ist das und es wächst hoffentlich noch mehr! Aber genau deshalb hatte ich meine Zweifel auch schon gleich angesprochen. (Gleichzeitig hat es schon früher Besucherentscheide gegeben, die auch mit unter 20 Teilnehmern funktioniert haben, z.B. über das Logo und den Namen.)
Dein eigenes Blog musst du dir nicht erst verdienen. Es zeichnet sich ab, dass du langfristig aktiv sein wirst und sehr großes Interesse hast. Ich wurde von Wolfgang nach 2 Wochen Aktivität (noch ohne irgendwelche Übersetzungstätigkeit) mit dem Newsposten beauftragt und war damit offizielles Kernteammitglied. Vergleichbare Leistungen hast du auch schon erbracht. Deshalb hätte ich gar kein Problem damit. Aber unabhängig davon: Du könntest jederzeit einen Gastartikel schreiben, den dann ein anderer veröffentlicht.
P.S.: Olaf, kurz vor deinem letzten Beitrag hatte ich etwas Längeres gepostet. Bitte übersieh das nicht! :-) 

 @ Olaf: Ah, wenn du noch Artikel suchst:
Ich weiß nicht genau, ob ich hier reinkomme, weil ich über das Uni-Netzwerk eingeloggt bin, aber schau mal:
http://www.ubs-translations.org/tbt/1984/02/TBT198402.html?num=201&x=0&y=0&num1=

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass wir die Diskussion in einem falschen Medium führen. Wenn selbst Ben nicht mehr durchblickt, dann brauchen wir ein anderes Vorgehen.

Die Schwierigkeit ist, dass wir 4–5 Themen gleichzeitig diskutieren, und dabei ständig die Ebenen vermischen. Mit der Kategorisierung von Umschriften und Ersatzlesungen hatte ich vergeblich versucht, hier etwas mehr Systematik in der Diskussion zu erreichen. Wenn ich Ben richtig verstanden habe, dann sieht er gerade bei diesem Versuch der Systematisierung methodische Probleme.

Interessanterweise wirft Ben einige der Fragen erneut auf, die mich vor einem Jahr dazu veranlasst haben, überhaupt mit der wissenschaftlichen Literaturrecherche zu beginnen und mir per Fernleihe die Monograhpie zu Adonai zu besorgen. Nachdem ich versucht habe, alles noch einmal methodisch gründlich durchzugehen und die Ergebnisse im Wiki zu dokumentieren, wird nun deutlich, dass von meiner Arbeit im letzten Jahr eigentlich gar nichts verständlich geworden ist. Grumpf.

Für mich ist offentlichlich, dass wir ein anderes Vorgehen brauchen, und damit meine ich nicht, die bisherigen Arbeit an dem Thema in die Tonne zu kloppen und einfach eine Internet-Abstimmung zu machen.

Ich würde mich mit Euch gerne persönlich treffen, und an einem Wochenende in aller Ruhe alle Fragen durchgehen, die für unsere Entscheidung relevant sind:

1. Was bedeutet es theologisch, dass Gott in der Bibel einen Namen hat?
2. Was bedeutet es theologisch, dass dieser Name im NT, in späten AT-Schriften und im Qere durch die Ersatzlesung Adonai / Ho Kyrios ersetzt wird?
3. Wie wäre es theologisch zu bewerten, den Namen durch einen anderen zu ersetzen?
4. Was bedeuten die 10 Gebote (Bilderverbot, Name nicht „unnütz gebrauchen“) für die Frage der Ersatzlesungen?
5. Ist die Übersetzungstradition positives Kriterium oder eher störend?
6. Welche Anwendungszwecke und welche Konfessionen schließen wir mit welcher Entscheidung aus?

Ich stelle mir das so vor, dass wir im Vorfeld zu jeder Frage die relevanten Bibelstellen und wissenschaftliche Literatur sammeln. Mindestens eine Person müsste sich jeweils bereit erklären, die relevante Literatur zu dem Thema durchzugehen und kurz zusammenzufassen.

Wir könnten dieses Treffen mit unserer nächsten Vereinsversammlung verbinden, damit wir die Fragen in einem möglichst großen Kreis diskutieren. Vielleicht könnten wir sogar überlegen, einige kompetente Gäste einzuladen.

Was haltet Ihr davon?

Olaf

PS: Sebastian, wo wohnst Du?

Nachtrag zur Frage der „Inspiration“: Ben hat Recht, dass die Offene Bibel ökumenisch offen sein soll. Deshalb ist es uns nicht möglich, eine bestimmte Variante des evangelikalen Bibelverständnisses für verbindlich zu erklären (z.B. „Nur die Konsonanten sind inspiriert“). Aber selbst wenn man es täte: Um ein Ernst-Nehmen von Adonai kommt man schon allein wegen des Neuen Testaments und der späten AT-Schriften nicht herum. Genauso wenig darf man natürlich JHWH einfach für identisch erklären mit Adonai oder Elohim.

 Ich wohne in Kürnach (bei Würzburg (in Bayern)).
Hm - ich weiß nicht recht. Was versprichst du dir davon, die Diskussion vom Forum auf einen face2face-Diskurs zu verlagern? Der Vorteil hier ist ja (1) dass man nicht gezwungen ist, binnen eines Wochenendes zu einer Entscheidung zu kommen und (2) dass man relativ unkompliziert Wissen sammeln und Meinungen ausbilden kann, bevor man einen Beitrag schreibt. Es kann hier sehr viel gründlicher diskutiert werden.
Für eine Mehrheitsentscheidung wäre ich auch höchstens unter der Vorraussetzung, dass (a) die Gewichtung der Bewertungskriterien der Übersetzungsalternativen geklärt ist und (b) auf dieser Grundlage trotzdem keine Einigung erzielt werden konnte. Dann wäre der Mehrheitsentscheid eine Notlösung; wünschenswert wäre er nicht, denke ich.
Die ganze Themenfülle hier einmal zu reduzieren auf vorgegebene, zu beantwortende Fragen finde ich gut. Bei (4), (5) und (6) bin ich mir aber nicht sicher, ob sie lohnen. Wenn im Urtext der Name JHWH zumindest angeschrieben wird, dann wüsste ich nicht, wie man von den 10 Geboten her kommend die Berücksichtigung des Namens in Bibelübersetzungen sanktionieren könnte. Er steht ja schon. Auch Übersetzungstraditionsberücksichtigung - das ist eine Grundlagenfrage, die sicher einmal geklärt werden müsste. Aber ob sie relevant ist für die Frage nach der Übersetzung des Gottesnamens? Denn es gibt ja sowohl die Tradition, ihn zu übersetzen, ihn als Tetragrammaton zu übernehmen oder die Ersatzlesung zu übersetzen. [Übrigens habe ich im DDD gelesen, dass die Vokalisation mit "Jahwe" selbst eine Tradition hat, die bis zu Clemens von Alexandriens "Stromata und Theodoretus of Cyrrhus "Quaest. in Ex." zurückreicht.] Und schließlich (6); das würde wohl v.a. mit Bezug auf jüdische Leser Sinn machen. Aber den ausgesprochenen Namen von JHWH können wir in der Lesefassung ohnehin nicht bieten, weil wir ihn nicht wissen; und JHWH scheidet ja als nicht-vorlesbar aus.  Auch das ist eine Grundlagenfrage, die nach Klärung ruft. Aber wenn sie nicht im direkten Zhg. mit der Frage nach der Gottesnamens-übersetzung steht, würde ich diese schwere Frage nicht noch zusätzlich damit belasten. 
 
edit: zu (6): Ich bin zwar gerade am Recherchieren, aber ich schreibe lieber gleich, bevor das so berücksichtigt wird, wie es steht. In The Bible Translator 4/92 gibt es ein Statement der ""Names of God" Study Group" zur Übersetzung von "JHWH". Und hier wird unter dem Punkt "Transliteration" empfohlen: 
"Where the intended readership includes a significant number of Jews, consultation with Jewish leaders is advisable before adopting this option." (S. 403). 
Da dies hier ja ein offenes Projekt ist und die Möglichkeit, dass viele Juden diese Übersetzung lesen werden, wenn sie erst mal fertig ist, auf jeden Fall besteht, sollte man das vielleicht doch nicht so leichtfertig abtun, wie ich es gerade getan habe. Was meint ihr - sollten wir vielleicht einfach mal eine E-mail an den Zentralrat schreiben oder so? Oder steckt dafür das Projekt noch zu sehr in den Kinderschuhen?
 
Was dagegen eigentlich geklärt sein sollte (glaube ich), wären die Kriterien der Lesefassung. Zumindest, wenn wir bei der Diskussion über die Gottesnamenübersetzung zu einer spruchreifen Entscheidung kommen wollen. Aber dass das an einem Wochenende geklärt werden könnte, scheint mir wenig wahrscheinlich.
Was ich auf jeden Fall gut finde an deinem Vorschlag ist der Sabbatjahr-aspekt - eine Diskussionspause einzulegen um erst einmal von Neuem möglichst tief in die Sekundärliteratur einzudringen. Die Hintergründe des Gottesnamens hast du schon ganz gut herausgestellt, denke ich. Aber die Theologie hinter dem Gottesnamen (dein (1)-(3)) ist mir selbst auch noch weitgehend unklar. 
Ich weiß ja noch nicht, was Ben davon hält, das in einer face2face-Diskussion zu klären. Aber falls er die selben Bedenken hat, könnten wir es ja z.B. so machen: Wir klären, welche Fragen im Vorfeld eines Neueinstiegs in die Diskussion geklärt werden müssen. Dein (1)-(3) wäre imho auf jeden Fall dabei. Wenn das gelärt ist, legen wir einen Sabbatmonat in dieser Diskussion ein (Eine Sabbatwoche? 2 Sabbatwochen?) und recherchieren, nachdem die einzelnen Fragebereiche aufgeteilt worden sind. Und zu einem festgesetzten Zeitpunkt stellen wir dann gesammelt unsere Ergebnisse ein.
Was meiner Meinung zu den zu klärenden und (unkomplizierter) klärungsfähigen Fragen gehört, ist
(1) Was bedeutet es theologisch, dass Gott in der Bibel einen Namen hat?
(2) Was bedeutet es theologisch, dass dieser Name im NT, in späten AT-Schriften und im Qere durch die Ersatzlesung Adonai / Ho Kyrios ersetzt wird?
(3) Wie wäre es theologisch zu bewerten, den Namen durch einen anderen zu ersetzen?
(4) Bewertungskriterien und ihre Gewichtung
(5) Was sagt die Bibel?
(6) Gibt es hier Aussagen von Kirchenvätern? Von bedeutender Theologen?
((evt. 7) (ws. nicht notwendig, aber evt. hilfreich) Was sagen denn eigentlich die Kirchen? Gibt es entsprechende Äußerungen oder gar Empfehlungen in Dekreten u. Ä.?)
Aber ihr wisst ja mittlerweile, dass ich meinungsmäßig flexibel bin. Wenn Ben auch der Meinung ist, dass wir uns besser treffen sollten, dann würde ich sogar das Geld für ein Bahnticket investieren :)
P. S. @ Olaf: Falls du auch noch nach "Beziehungs-literatur" suchst: Ich habe in der Bib gesehen, dass Clines in "The Theme of the Pentateuch" als eines der Grundthemen des Pentateuch Gottes Versprechen des In-Beziehung-Stehens sieht. Habe es noch nicht gelesen, aber vielleicht kann ich dich ja dafür begeistern.
P. P. S.: Ich habe mir natürlich wieder eine kleine Literaturliste zusammengestellt. Wen es interessiert: http://springpadit.com/ideengeschichte/0cca7b28/e2ab/4152/ab99/c4d10c8fec41

Guter Hinweis Sebastian! Von meiner Arbeit an der Verstehbibel her würde sich nicht nur die Frage nach der Akzeptanz der Lesefassung bei gläubigen Juden (den Namensjuden ist das eh egal) sondern auch der Reaktion von muslimischen Lesern stellen, wobei es da sicherlich schwieriger ist, authorisierte Ansprechpartner zu finden. Gruß Norbert

Ich müsste mir noch überlegen, wie sinnvoll ich ein persönliches Treffen finde. Reizvoll klingt der Gedanke allgemein schon, aber ob ich mich auf den Arbeitsaufwand der Vorbereitung einlassen möchte? Zudem klingt es, als hättet ihr beide deutlich mehr Ahnung von dem Thema als ich. Ich könnte höchstens aus übersetzungsmethodischer Sicht etwas beitragen, und das ist schnell getan.
Sebastian, wenn man sich die Zahlenverhältnisse in Deutschland anschaut, weiß ich nicht, wie viele Juden unsere Übersetzung tatsächlich lesen werden. Zudem müssen wir auch keine Eier legende Wollmilchsau produzieren. Die andere Frage ist nämlich, ob Juden überhaupt auf christliche Übersetzungen zurückgreifen - und wenn ja, ob sie die christlichen Konventionen dann nicht einfach eh in Kauf nehmen.