Benutzer Diskussion:Ben/Freie Bibelsoftware: Unterschied zwischen den Versionen

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Was sicherlich auch zum Erfolg von theWord (und vermutlich auch e-Sword) beigetragen hat, ist die Unterstützung für restriktiv lizenzierte, kommerzielle Module, die mit DRM und Restriction Policies (z. B. maximal 20 Verse auf einmal kopierbar) versehen werden können.
 
Was sicherlich auch zum Erfolg von theWord (und vermutlich auch e-Sword) beigetragen hat, ist die Unterstützung für restriktiv lizenzierte, kommerzielle Module, die mit DRM und Restriction Policies (z. B. maximal 20 Verse auf einmal kopierbar) versehen werden können.
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: Na, das ist aber halt die Frage, wie denn der „Erfolg“ von theWord dann definiert ist. Wenn es um die reine Verbreitung geht, haben besagte Aspekte bestimmt zum „Erfolg“ nicht unwesentlich beigetragen, insgesamt gesehen ist theWord aber gerade wegen der restriktiven Lizenzierung und der DRM-Unterstützung ein fataler Fehlschlag für die Bibel-Welt insgesamt. Wenn selbst heute noch, wenn auch nur beispielhaft, nicht mehr als 20 Verse einer Übersetzung auf einmal kopiert werden dürfen, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass wir die letzten ca. 300 Jahre an der Stelle keinen Fortschritt gemacht haben, sondern einen signifikanten Rückschritt. In der Zeit des Buchdrucks, des Mittelalters und der Antike war der Bibeltext freier als im Zeitalter der Digitaltechnologie.
  
 
Dies stellt natürlich ein Dilemma für freie, quelloffene Software unter liberalen Lizenzen dar, da einerseits Verlage Bedenken haben könnten, dass die Restriction Policies "durchsetzbar" sind (ok, das sind sie bei closed-source-Software auch nicht, sobald ein Jugendlicher die paar Stunden Zeit gefunden hat dem Programm mit einem Debugger auf den Leib zu rücken, aber das ist ein anderes Thema); andererseits schreckt allein der Support für DRM-basierte Inhalte einige "extremistische" oder "ideologische" Free-Software-Verfechter ab, so dass sie die Software dann gar nicht erst benutzen wollen/würden (auch nicht mit freiem Content).
 
Dies stellt natürlich ein Dilemma für freie, quelloffene Software unter liberalen Lizenzen dar, da einerseits Verlage Bedenken haben könnten, dass die Restriction Policies "durchsetzbar" sind (ok, das sind sie bei closed-source-Software auch nicht, sobald ein Jugendlicher die paar Stunden Zeit gefunden hat dem Programm mit einem Debugger auf den Leib zu rücken, aber das ist ein anderes Thema); andererseits schreckt allein der Support für DRM-basierte Inhalte einige "extremistische" oder "ideologische" Free-Software-Verfechter ab, so dass sie die Software dann gar nicht erst benutzen wollen/würden (auch nicht mit freiem Content).

Version vom 15. Februar 2015, 23:43 Uhr

Konzept[Bearbeiten]

Wie könnte der Plan einer Community-getragenen, innovativen freien Bibelsoftware aufgehen?

Ideen, mögliche Funktionen[Bearbeiten]

Was wünschen sich Theologen mögliche Nutzer, also Laien wie Theologen?

Wer ist überhaupt die Zielgruppe? Sind es nur Theologen? Oder primär Theologen? Was ist mit "normalen" Gläubigen, die kritisch denken und die gehörten Sonntagslesungen nochmals in einer anderen Bibelausgabe nachlesen und vergleichen möchten? --mihi 16:39, 15. Feb. 2015 (CET)

Völlig richtig. Mann, war das chauvinistisch von mir. Der Denkfehler war: Normale Leser sind mit grundlegenden Funktionen gut bedient oder können dieselben Funktionen benutzen wie "Theologen". Aber das muss ja nicht stimmen. Und noch wichtiger: Es sind wohl die normalen Leser (von denen es einfach mehr gibt), die den Grundstock einer Community bilden würden.

Da wir hier bisher nicht mehr tun, als zusammen nachzudenken (und im besten Fall etwas Schwung zu sammeln), muss die Frage frei diskutiert werden. Für mich wären fortgeschrittene Funktionen schon deshalb wünschenswert, weil es bisher noch nichts vergleichbares gibt. Zu MS Office, zu Photoshop, Browsern oder Programmierumgebungen gibt es hoch komplexe Open-Source-Alternativen. Bei der Bibelsoftware sieht es im Vergleich dazu relativ düster aus. Mein Leitgedanke wäre also: Komplexität muss Zugänglichkeit nicht ausschließen, Zugänglichkeit darf aber kein Nachgedanke sein. --Ben 21:16, 15. Feb. 2015 (CET)

Kanonbeschränkung[Bearbeiten]

Was mich als Katholik persönlich am meisten stört, ist die Beschränkung vieler Bibelprogrammme (auch theWord fällt, trotz des Erfolgs, darunter) auf den protestantischen Kanon. Aus protestantischer Sicht deuterokanonische Schriften sind in theWord-Modulen nicht enthalten, und lassen sich (aufgrund technischer Beschränkungen) auch nicht bei selbst konvertierten Bibeln ergänzen. Da diese Schriften aus katholischer Sicht nicht "besonders" sind und auch wie andere Schriften in Sonntagslesungen zu etwa 3% (und auch in Werktagslesungen) vorkommen, fällt das beim Vergleich mit anderen Bibelausgaben besonders auf (auch wenn diese Bibelausgaben im Original die deuterokanonischen Schriften enthalten haben, sind sie in Versionen, die man im Internet findet, häufig nicht mehr vorhanden).

In eine ähnliche Richtung geht die (Un-)Fähigkeit vieler Bibelprogramme, mit umsortierten Versen umzugehen (z. B. 2.Kön 20 hat in der Einheitsübersetzung die Verse in der Reihenfolge ..., 6, 8, 9, 10, 11, 7, 12, ...). Da die (für Katholiken aus dem Gottesdienst bekannte) Einheitsübersetzung in insgesamt 68 verschiedenen Kapiteln [wenn jemand Details will, kann ich die gerne nachliefern] davon Gebrauch macht, fällt es doch relativ bald auf, wenn man in Onlinebibeln wie bibleserver.com liest, die diese Umsortierungen "zurücksortieren". Hier gibt es einen einfachen Workaround (die Verse in die falschen Verse zu packen und davor als Text die richtigen Nummern zu setzen), was in der Praxis ausreichend gut funktioniert und höchstens beim Vergleich mehrerer Bibelausgaben auffällt (und da wiegt die unterschiedliche Versifikation unterschiedlichsprachiger Bibelausgaben definitiv schwerer als diese paar umsortierten Verse), daher ist mir der Punkt nicht so wichtig wie der vorherige.

--mihi 16:55, 15. Feb. 2015 (CET)

Das mit der Kanonbeschränkung ist tatsächlich frustrierend! Auch wer ernsthaft mit Septuaginta oder Vulgata (alten griechischen und lateinischen Bibeln) arbeiten will, braucht mehr als nur den protestantischen Kanon. Das müsste man wohl gleich im Modulformat berücksichtigen, oder? SWORD hat übrigens die gleichen Einschränkungen für Bibelmodule.

Umsortierte Verse sind nur ein Aspekt der ganzen Situation mit abweichenden Verssystemen. Die gibt es zwischen englischen und deutschen sowie im AT zwischen den hebärischen und griechischen Schriften. Das einzubauen, wäre vermutlich eine ziemliche Herausforderung, oder? Mir ist kein freies Projekt bekannt, das das wirklich geschafft hat. (Den Versuch hat mal Verity unternommen, aber das war ziemlich schnell tot. Auch TheWord macht das m.W. noch nicht!) --Ben 21:16, 15. Feb. 2015 (CET)

Naja, freie Software ist nichtdiskriminierend, sodass allerlei verschiedene Kanons und Verszählungen nicht verhindert werden können. Gleichzeitig müssen sie aber auch nicht aktiv unterstützt werden von Leuten, die einen anderen Kanon oder eine andere Verszählung bevorzugen. Nach meiner Einschätzung wäre es darum nicht verkehrt, Module einfach neutral zu sammeln und dafür zu sorgen, dass seitens verarbeitender Software genügend Flexibilität vorhanden ist, damit keine Abspaltungsprojekte entstehen, welche Kapazitäten zerstreuen und ultimativ zu inkompatibler Entwicklung, gar zu einem Verlust der Arbeit eines ganzen Abspaltungszweigs führen können, nur weil z.B. die Verszählung unterschiedlich ist. Man könnte das alternativ auch datengetrieben organisieren, oder hinter APIs verbergen/wegabstrahieren, oder formale Definitionen der verwendeten Einteilung und Bestandteile sowie Mappings zwischen verschiedenen Definitionen vorsehen, die aber dann freilich auch von den jeweiligen Interessensgruppen selbst hervorgebracht und gepflegt werden müssen. Sofern sie aber da sind, gibt es keinen Grund, weshalb sie nicht unterstützt werden sollten. Die digitalen Grundrechte des Nutzers erlauben diesem jedenfalls, Programme den eigenen Anforderungen gemäß anzupassen, und davon muss man schließlich selbst oft genug oder kollektiv Gebrauch machen können, wie andere Leute das eben auch tun werden.

Skreutzer 23:30, 15. Feb. 2015 (CET)

DRM[Bearbeiten]

Was sicherlich auch zum Erfolg von theWord (und vermutlich auch e-Sword) beigetragen hat, ist die Unterstützung für restriktiv lizenzierte, kommerzielle Module, die mit DRM und Restriction Policies (z. B. maximal 20 Verse auf einmal kopierbar) versehen werden können.

Na, das ist aber halt die Frage, wie denn der „Erfolg“ von theWord dann definiert ist. Wenn es um die reine Verbreitung geht, haben besagte Aspekte bestimmt zum „Erfolg“ nicht unwesentlich beigetragen, insgesamt gesehen ist theWord aber gerade wegen der restriktiven Lizenzierung und der DRM-Unterstützung ein fataler Fehlschlag für die Bibel-Welt insgesamt. Wenn selbst heute noch, wenn auch nur beispielhaft, nicht mehr als 20 Verse einer Übersetzung auf einmal kopiert werden dürfen, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass wir die letzten ca. 300 Jahre an der Stelle keinen Fortschritt gemacht haben, sondern einen signifikanten Rückschritt. In der Zeit des Buchdrucks, des Mittelalters und der Antike war der Bibeltext freier als im Zeitalter der Digitaltechnologie.

Dies stellt natürlich ein Dilemma für freie, quelloffene Software unter liberalen Lizenzen dar, da einerseits Verlage Bedenken haben könnten, dass die Restriction Policies "durchsetzbar" sind (ok, das sind sie bei closed-source-Software auch nicht, sobald ein Jugendlicher die paar Stunden Zeit gefunden hat dem Programm mit einem Debugger auf den Leib zu rücken, aber das ist ein anderes Thema); andererseits schreckt allein der Support für DRM-basierte Inhalte einige "extremistische" oder "ideologische" Free-Software-Verfechter ab, so dass sie die Software dann gar nicht erst benutzen wollen/würden (auch nicht mit freiem Content).

Eine Möglichkeit, diesen Spagat zu bewerkstelligen, wäre möglicherweise ein "Open Core"-Modell: es gibt eine quelloffene Basisversion und eine davon abgeleitete proprietäre Version, die dann die entsprechenden DRM-Möglichkeiten bietet.


Allein die Möglichkeit von DRM reicht aber auch nicht, es müsste auch einen funktionierenden und für Normalsterbliche bedienbaren Store geben, wo die Module erworben und aktiviert werden können. (SWORD bietet auch DRM, aber bisher weiß ich gerade mal von einem kommerziellen Modul, "Hoffnung für alle", und wenn man in diverse Foren sieht, scheinen die mehr Probleme zu machen als zu funktionieren).

Ganz konkret möchte ich auch noch anmerken (damit das ganze keine theoretische Spekulation bleibt) dass ich, als ich mir 2007 das MfChi-Modul der Einheitsübersetzung gekauft hatte, vor hatte, meine anderen (freien) Bibelmodule dort auch zu importieren. Zumindest damals gab es aber keine (einfache) Möglichkeit dafür, so dass ich meine anderen Bibeln dort nicht importieren konnte. Hätte es diese gegeben, würde ich heute vermutlich immer noch MfChi nutzen (wenn es unter Windows 7 noch zum Laufen zu bekommen ist). --mihi 17:53, 15. Feb. 2015 (CET)

Fang mir gar nicht erst an mit SWORD. Das ist furchtbar. :-) DRM könnte auch, machen wir uns nichts vor, ein wichtiger Baustein zur Finanzierung sein, und zum Erfolg des Projekts sowieso. Dein Vorschlag ist echt interessant. Das müsste man mal durchdenken, wie man das Dilemma lösen kann. Ich glaube, es gibt tatsächlich noch kein besseres FOSS-Beispiel als SWORD. --Ben 21:16, 15. Feb. 2015 (CET)

Funktionen, die bibelübersetzende Theologen interessant fänden[Bearbeiten]

Freie Bibelsoftware beherrscht bis auf wenige Ausnahmen genau drei Funktionen: 1. Lesen/Betrachten (von Karten, Bildern), einzelner oder mehrere Module; 2. Durchsuchen der Bibel; 3. Lexikalische Informationen erforschen (meist nur rudimentär).

Das ist zum "einfachen" Lesen der Bibel auch häufig ausreichend, aber in einigen Fällen bräuchte man als Theologe einige tiefer gehende Analysemöglichkeiten.

  • Wortstudienfunktionen (morphologische Analyse, Parallelstellen, tiefer gehende Lexika; vielleicht sogar Konzeptstudien und Verwendungsanalyse)
  • Erweiterter Textvergleich sowohl von verschiedenen Übersetzungen als auch von verwandten Bibelstellen.
  • Vielleicht sogar eine Syntax-Suche, aber das wäre äußerst aufwendig.

Dazu inhaltliche Funktionen, bei denen man überlegen könnte, ob eine Umsetzung irgendwie machbar wäre:

  • Wenn nicht aktuelle, dann zumindest brauchbare Schlüssel-Sekundärliteratur, d.h. Wörterbücher, Grammatiken und Kommentare.
  • Äußerst hilfreich wären Datenbanken mit Parallelstellen, Perikopenabgrenzungen, synoptischen Passagen usw. usf. und deren Integration in den Text, die Suche oder ein Exegese-Werkzeug.
  • Für Theologen unschätzbar wäre die Möglichkeit, eine Art integrierter, durchsuchbarer Aufsatzdatenbank für PDFs anlegen zu können. So könnte man PDFs mit relevanten Aufsätzen direkt im Programm mitbenutzen. Die Umsetzung wäre zweifellos eine Herausforderung.

Das sind erstmal meine Gedanken dazu. --Ben 21:16, 15. Feb. 2015 (CET)