Diskussion:Amos 4

Aus Die Offene Bibel

Version vom 24. September 2021, 17:21 Uhr von Sebastian Walter (Diskussion | Beiträge) (→‎zitierte Literatur)
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Checkliste für die Studienfassung Erläuterung (Welche Verse durch wen?)
A. Wer hat welche Verse aus dem Urtext übersetzt? Auf welche Quelle zur Einteilung in Sinnabschnitte wurde zurückgegriffen?
Beispiel: Vers 1–12: Anton
Einteilung nach Wolter 2007, S. 145 (Anton)

1-3: Sebastian Walter
4: Maike Dreesmann
5-13: Sebastian Walter

B. Wer hat welche Verse noch mal am Urtext überprüft?
Beispiel: Vv. 1-3: Philipp

4: Sebastian Walter

C. Alternativen: Häufig können Wörter in einem bestimmten Kontext mehrere denkbare Bedeutungen haben. Sind diese Übersetzungsalternativen möglichst vollständig berücksichtigt?
Beispiel: Vv. 1-17: Daniel

Sebastian Walter

D. Manchmal erlauben Textüberlieferung und Satzbau mehrere Übersetzungen,a oder sie sind nicht direkt übersetzbar.b Sind solche Zweifelsfälle mit einer Fußnote dokumentiert, und steht die wahrscheinlichste Deutung im Haupttext?
Beispiel: Vv. 1-12: teilweise (Emil)

Sebastian Walter

E. Ist der Studienfassungstext mit Anmerkungen und Fußnoten für die Zielgruppen verstehbar? Braucht es noch erläuternde Fußnoten/Anmerkungen?
Beispiel: V. 6: „nach dem Fleisch“ ist noch unklar (Friedrich)

Sebastian Walter

F. Für jeden Sinnabschnitt: Wurden zentralen Anliegen (bzw. Gattungen) unterhalb der Studienfassung dokumentiert? (Beispiel für Länge und Stil: Markus 1#Anliegen) Falls hilfreich, können sie hier kurz zusammengefasst eintragen werden.
Beispiel: Vv. 1-13: Ja; Vv. 14-20: Vollmacht wird betont (Vera)

Sebastian Walter. Vv. 1-5 sind ein Strafspruch, Vv. 6-12 ein Urteilsspruch und V. 13 ein Hymnus.

G. Welche wissenschaftlichen Kommentare wurden zur Kontrolle der Punkte A bis F eingesehen?
Beispiel: Vv. 13-17: Bovon 1990 (Heinrich)

Andersen/Freedman 1989, Dahl 1795, Eidevall 2017, Garrett 2008, Hitzig 1881, Jeremias 1995, Justi 1820, Kessler 2021; Koch 1976; Mays 1969, Niehaus 1992, Paul 1991, Rudolph 1971, Schröder 1829, Snaith 1956, Soggin 1987, Vater 1810, Wolff 1969 (Sebastian)

H. Mit welchen anderen Übersetzungen wurde verglichen, um alternative Deutungen oder ggfs. Urheberrechtsprobleme zu finden?
Beispiel: Vv. 1-17: , NeÜ (Juliett)

B-R, de Wette 1858, ELB, , GN, H-R, HER05, LUT, MEN, Michaelis 1782, MSG, NeÜ, NL, PAT, Phillips 1963, R-S, Schegg 1862, SLT, Struensee 1773, TAF, TEXT, TUR, van Ess, ZINK, ZÜR (Sebastian)

I. Wann wurden die folgenden Punkte überprüft? - Rechtschreibung; Namen (Loccumer Richtlinien, Gottesname); übrige Kriterien; Detailregelungen; Anführungszeichen; geschlechtergerechte Sprache
Beispiel: Rechtschreibung: 1.1.2015 (Philipp)

--Sebastian Walter (Diskussion) 17:05, 6. Feb. 2021 (CET)

J. Welche Arbeitsschritte, Verbesserungen oder Anmerkungen fehlen noch?
Beispiel: Vv. 1-17: Anmerkung fehlt (Ludwig)

V.a. Zweitleser von Vv. 1-3.5-13.
Kommentarcheck mit Carroll 2020. Mach ich aber noch, wenn ich bis Am 9 durch bin. (Sebastian)

az.B. mehrdeutige Tempora oder Präpositionen, Aspekte, manche Partizipien (Zurück zum Text: a)
bz.B. Textkorruption, figurae etymologicae, Genitiv- und Dativverbindungen, historisches Präsens, Einleitungsformeln von Satzfolge (Zurück zum Text: b)

In dieser Tabelle bitte knapp den aktuellen Stand eintragen. Auf der übrigen Diskussionsseite kann bei Bedarf ausführlicher dokumentiert/diskutiert werden. Siehe auch: Qualität



LF[Bearbeiten]

SF[Bearbeiten]

V. 2[Bearbeiten]

Ich finde die "Dorngestrüpp"-Deutung eigentlich am wahrscheinlichsten; ich traue mich nur nicht, mich hier eigenmächtig einer derart alten (veralteten?) Deutung anzuschließen. Wäre hier für eine zweite Meinung dankbar. --Sebastian Walter (Diskussion) 23:01, 20. Feb. 2021 (CET)

Vv. 4f.[Bearbeiten]

Ich habe hierzu eine viel zu lange FN verfasst. Die habe ich jetzt zwar wieder gestrichen, will sie aber hier archivieren, da dort viele Infos zum Zehnt zusammengetragen sind - mehr eigentlich, als ich sonst irgendwo gefunden habe.

Was hier am Zehnt und den anderen Opfern in Vv. 4f. kritikwürdig erscheint, ist schwierig zu erschließen, da sich sehr schwer rekonstruieren lässt, was zur Verfassungszeit des Amosbuches der übliche Zehntbrauch war. Dennoch ist der Zehnt das stärkste Indiz dafür, was hier insgesamt kritisiert wird. In der Amos-Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass damit auf eine Praxis angespielt werde, einen Zehnt-Teil aus den Erträgen seiner Felder und seiner Viehwirtschaft auszusondern und diesen dann bei einem rauschenden Fest in einem Heiligtum vor Gott zu verzehren, weshalb viele Israeliten dies um dieses Fests willen „liebten“ – und dies würde hier also kritisiert (so z.B. Rudolph 1971, S. 175). Es ist so wahrscheinlich, dass diese Mehrheitsmeinung falsch ist, dass dieser Frage gleich eine etwas ausführlichere FN gewidmet werden wird. Tatsächlich ist es u.a. gerade dieser Vers, der nahelegt, dass ein solches Fest, wie es des Öfteren im Deuteronomium beschrieben wird, zur Verfassungszeit des Amosbuches noch gar nicht vorausgesetzt werden darf (s.u.). Wahrscheinlicher daher die Erklärung von Koch 1976b, S. 24: „So wird wahrscheinlich das Darbringen von Opfer und Zehntem gerügt, weil es aus Gütern besteht, die von den Armen erpreßt sind [...]. So jedenfalls ist der Sinn im jetztigen Zusammenhang.“: Aus diesem Grund wird ein derartiges Opfern dann selbst zur Sünde. Am 4,4 ist dann ein sehr früher Vorläufer von Mt 23,23-28 einerseits und 1 Kor 11,21.27-29 andererseits.
Genauer: Im rabbinische Judentum der Mischna und teilweise auch schon im hellenistischen Judentum wurden insgesamt drei verschiedene Zehntabgaben unterschieden: (1) Der „ersten Zehnt“ (ma'aser rischon) zur Verpflegung der Leviten, die kein eigenes Vieh und keine eigenen Ländereien besaßen und daher auf diese Abgaben angewiesen waren. Die Leviten wiederum hatten von diesem ersten Zehnt ein Zehntel als terumah an die Priester abzutreten. (2) Den „zweiten Zehnt“ (ma'aser scheni). Nach den rabbinischen Bestimmungen musste auch dieser bei der Ernte und/oder Schlachtung ausgesondert werden; von ihm wurde (a) die Pilgerfahrt zu einem Heiligtum bestitten, von ihm wurde (b) am Heiligtum geopfert, um es dann aber (c) selbst in Jerusalem zu verspeisen. In der Amos-Exegese geht mal also unausgesprochen davon aus, dass in Am 4,4 nur von diesem zweiten Zehnt die Rede ist. Die Aussonderung von ma'aser rischon und ma'aser scheni wird übrigens symbolisch noch heute im Judentum durchgeführt und ist eine Bedingung dafür, dass Speisen als koscher eingestuft werden können. (3) Alle drei Jahre hatte ein Israelit außerdem den „Armen-Zehnt“ (ma'aser ani) beiseite zu legen. Binnen der kommenden drei Jahre wurden hiervon Almosen an Bedürftige gegeben, die bei ihnen zuhause vorstellig wurden. Diskutiert wurden im rabbinischen Hebräisch die beiden Varianten, dass der Armenzehnt zusätzlich zum zweiten Zehnt entrichtet werden musste und die, dass er alle drei Jahre als Ersatz für den zweiten Zehnt entrichtet wurde. Diese erste Variante findet sich deutlich schon in JosAnt xxiii 8,22 (1. Jhd. n. Chr.): „Außer den beiden Zehnten, die ihr jährlich abgeben sollt – den einen für die Leviten, den anderen für die Gastmähler – soll in jedem Dritten Jahre ein dritter entrichtet werden für die Verteilung an Witwen und Waisen.“ So auch schon Tob 1,6-8 (2. Jhd. v. Chr.) nach dem Mehrheitstext. Noch häufiger ist in den rabbinischen Schriften aber die zweite Variante, die sich auch schon in Tobit 1,6-8 nach dem Wortlaut des Codex Sinaiticus findet: „Ich ging öfter nach Jerusalem, nahm die Erstlingsfrüchte und die Erstlinge und ein Zehntel des Viehs und die erste Schur der Schafe mit. Diese gab ich den Priestern, den Söhnen Aarons, vor dem Altar, und auch den Zehnt vom Wein, Korn, Olivenöl, den Granatapfeln und dem Rest der Baumfrüchte gab ich den Leviten, die in Jerusalem ihren Dienst taten. Ich pflegte außerdem, innerhalb der sechs Jahre (in denen man anders als in jedem siebten Jahr – dem „Jubeljahr“ – einen Zehnt zu entrichten hatte) einen zweiten Zehnt in Geld umzuwandeln; jedes Jahr ging ich und gab es in Jerusalem aus. Und ich gab davon den Waisen und Witwen und [Besitzlosen]: Ich gab es ihnen in jedem dritten Jahr.“ Eine dritte Variante aus etwa der selben Zeit steht in Dtn 26,12 LXX; hier ist aber unsicher, ob man wirklich von anderen rechtlichen Hintergründen oder von einer falschen Übersetzung der LXX ausgehen muss. Nach dieser nämlich sind der erste Zehnt – der Levitenzehnt – und der Armenzehnt - beide als ein Zehnt alle drei Jahre zusätzlich zum zweiten Zehnt – dem Kultzehnt – zu entrichten: „Wenn du im dritten Jahr alles Verzehnten deiner Früchte vollendet hast, sollte du (weiterhin) einen zweiten Zehnt dem Leviten, dem [Besitzlosen], der Witwe und der Waise geben; sie sollen es in deinen Städten essen und fröhlich sein.
Der hebräische Text dagegen lautet anders, denn im Pentateuch findet sich mindestens eine vierte, vielleicht und eine fünfte und vielleicht eine sechste Variante: Entweder wird hier von jeweils der selben rechtlichen Regelung jeweils nur ein bestimmter Aspekt ausgeführt, oder den Texten liegen wirklich zwei oder drei unterschiedliche Regelungen zugrunde. Erstens nämlich die deuteronomischen Regelungen: Danach wäre in jedem ersten und zweiten Jahr nur der „zweite Zehnt“ und in jedem dritten Jahr nur der „Leviten- und Armenzehnt“ zu entrichten. Von diesem dritten Jahr ist in Dtn 26,12 die Rede, der im Heb. leicht anders lautet: „Wenn du im dritten Jahr, dem Zehntjahr, alles Verzehnten deiner Früchte vollendet hast, und [ihn (den Zehnt, s. Dtn 14,28)] dem Leviten, dem [Besitzlosen], der Waise und der Witwe gegeben hast, damit sie in deinen Toren essen und sich sättigen...“ (ebenso in Dtn 14,27-29). Der „zweite Zehnt“ dagegen ist in Dtn 12,17f.; 14,22f. geregelt; s. dort. Zweitens in Lev 27,30-32, wo es nur heißt, dass jeder Zehnt-Teil der eigenen Feldfrüchte und Viehwirtschaft „JHWH heilig“ sei. Einige Forscher nehmen dies mit 2 Chr 31,11f.; Neh 12,44; 13,4f.; Jdt 11,13; Mal 3,10 zusammen und gehen davon aus, dass hier eine andere rechtliche Regelung vorausgesetzt sei: Der Zehnt sei hier ausschließlich der Vorläufer des rabbinischen „ersten Zehnts“, der also komplett an die Leviten zu entrichten sei und nicht selbst verzehrt oder an Bedürftige abgegeben werde. Und drittens Num 18,21.24, wo offenbar der rabbinische erste und zweite Zehnt mindestens teilweise miteinander identisch sind: „den Zehnten der Israeliten, den sie JHWH als Hebopfer darbringen, habe ich den Leviten als Erbteil bestimmt.“ (V. 24). Möglicherweise ist dies eine dritte (bzw. sechste) Regelung, die wieder nicht den anderen beiden biblischen entspricht, möglicherweise wird aber eben auch in jeder dieser drei Regelungen – Dtn 12,16f.26f.; 14,22f.27-29; 26,12 zum Ersten, Lev 27,30-32 zum Zweiten und Num 18,21.24 zum Dritten – jeweils nur ein Aspekt einer einheitlichen Praxis näher geregelt (wie z.B. auch m.MS v 9 nur vom ersten Zehnt und Armenzehnt spricht, der zweite Zehnt hier aber sicher ebenfalls vorausgesetzt ist), die dann insgesamt so aussah:
Im jeweils dritten und sechsten Jahr eines Siebenjahres-Zyklus musste jeder Israelit einen Zehnt-Teil seines Ertrags als Almosen für Bedürftige und für Leviten, die nicht an einem Heiligtum bedienstet war, beiseite legen (Dtn 14,28f.; 26,12; ähnlich Tob 1,8). Im jeweils ersten, zweiten, vierten und fünften Jahr dagegen (s. Neh 10,36; Jub 32,10) legte er ihn für sich und für die Leviten und Priester, die an einem Heiligtum Dienst taten, beiseite. Diesen brachte er nach der Ernte zum Heiligtum. Den größten Teil davon trat er an die Leviten ab (Num 18,21.24; Neh 10,38f.; vgl. auch 2 Chr 31,19; Neh 12,44; 13,5.10), die davon wiederum einen Teil an die Priester abtraten (Num 18,26-31; vgl. auch Ex 29,27f.; Lev 7,14; 2 Chr 31,19; Neh 12,44; 13,5). Diese Teile für die Leviten und Priester wurden daher in speziellen Lagerhäusern gelagert (2 Chr 31,5-12; Neh 12,44; 13,4f.12f.; Mal 3,10; die Mischna bestimmt daher, dass nur lagerbare Speisen zehntpflichtig waren: m.Maas i 1. In Masada wurden auch wirklich Gefäße gefunden, die mit ț für țebel („Der Zehnt muss hieraus noch ausgesondert werden“) oder t für terumah („Priesterhebe“) beschriftet sind; für eine Abbildung s. hier). Einen kleinen Teil davon aber opferte er direkt: Das Blut wurde vor dem Altar ausgeschüttet, Fleisch, Brot etc. dagegen durfte er selbst essen (Dtn 12,6f.16f.26f.; 14,23; Tob 1,8; Jub 32,7.14). Will man diese verschiedenen Stellen zusammenlesen, ist es wirklich mindestens wahrscheinlich, dass man die Regelungen aus Lev 27 und Num 18 bei den Deuteronomium-Stellen mitdenken muss: andernfalls müsste ja der gesamte Zehnt-Teil eines Jahres-Ertrags binnen der kurzen Zeit, die man am Heiligtum verbrachte, nur von den Opfernden und den anwesenden Leviten und Priestern verspeist werden. So scheint es auch in Jub 32,5-9 geschildert zu werden: Jakob opfert seinen Zehnt, isst dann selbst mit seinem Haushalt davon und gibt außerdem einen Teil an seinen Sohn Levi ab, den Vorfahren aller Leviten.
Noch besser stimmt aber mit den biblischen Texten die folgende dritte Deutung derselben zusammen: Dass nämlich die Abgabe des „zweiten Zehnts“ und „Armenzehnts“ statt dem „ersten Zehnt“ für die Leviten eine Innovation im Deuteronomium war und man also bei Lev 27 und Num 18 noch keinen Brauch voraussetzen darf, nach dem der Zehnt auch nach dem Opfer selbst verspeist wurde und/oder als Almosen diente. Dann wären die Regelungen aus Lev 27 und Num 18 die älteren (die dann in Neh 12,44; 13,4f.; 2Chr 31,11-12 erst wieder instituiert werden mussten). Das ließe sich auch geschichtlich gut erklären: Das Dtn setzt voraus, dass der Kult in allen Heiligtümern außer dem Jerusalemer Tempel aufgegeben worden war. Der Zehnt, der für den Unterhalt dieser Heiligtümer und ihre Bediensteten nötig gewesen war, war damit zu einem großen Teil nicht mehr erforderlich und wurde so frei für eine andere Verwendung, nämlich eben für Opferfeste am Jerusalemer Tempel, an den die Israeliten nunmehr enger gebunden werden sollten, und/oder für Almosen für Bedürftige, zu denen das Dtn auch die nunmehr arbeitslos gewordenen Leviten zählt (s. Dtn 14,29; 16,14; 26,12f.; vgl. gut Ajah 2012, S. 29). Diese Situation setzt auch Neh 13,10 voraus, wo berichtet wird, dass in nachexilischer Zeit an die Leviten kein eigener Zehnt mehr gegeben wurde.
Es gibt noch drei weitere und noch ältere Stellen in der Bibel, die vom Zehnt sprechen, nämlich die beiden Ätiologien in Gen 14,17-20 und Gen 28,22 einerseits und eben Am 4,4 andererseits. Diese machen diese dritte Möglichkeit ebenfalls wahrscheinlicher: In Gen 14,20 ist nur davon die Rede, dass der Priester Melchisedek den Zehnten von Abrahams Gewinn erhält, in Gen 28,22 nur davon, dass Jakob (in Bethel!) den Zehnt seines Ertrags an das Gotteshaus in Bethel abtreten will (auch m.Zeb xiv 8 legt nahe, dass der Zehntbrauch auch auf Kulthöhen gepflegt wurde: „Nachdem Kulthöhen verboten wurden, ... durften allerheiligste Opfer (nur noch) hinter den Vorhängen (des Tempels) gegessen werden, weniger heilige Opfer und der zweite Zehnt innerhalb der Mauern (Jerusalems)“. Dass 2 Chr 31 den Erlass der genaueren Jerusalemer Zehnt-Regelungen in die vordeuteronomische Zeit Hiskijas, des judäischen Königs zur Zeit Tiglat-Pilesers, datiert, muss also kein Anachronismus sein). Von einem selbst verzehrten Zehnt oder einem Almosenzehnt ist also auch hier noch nicht die Rede. Und dann eben Am 4,4: Wenn wir uns die deuteronomische Variante des Zehntgebrauchs schon für die Verfassungszeit des Amosbuches zu denken haben, würde hier ja eine Institution kritisiert, die zumindest teilweise der Armenfürsorge diente - was gerade im Amosbuch nur schwer denkbar ist.
Wenn das aber richtig ist und der Zehnt nach Am 4,4 nicht für den eigenen Genuss gedacht werden darf – was ist dann so kritikwürdig am Zehnt? Offenbar das Selbe, was am Schlachtopfer, am Dankopfer und am freiwilligen Opfer kritikwürdig ist. Denkbar wäre, dass diese Opfer kritikwürdig sind, weil in Bethel und Gilgal nicht (nur) JHWH verehrt und geopfert wurde (so Barstad 1984, S. 57). Aber von anderen Göttern spricht das Amosbuch ja nirgends sonst. Denkbar wäre auch, dass speziell das Opfern in Bethel und Gilgal als nicht-Jerusalem kritikwürdig waren (so z.B. Stuart 1987, S. 337f.). Das könnte auch der Beginn von V. 4 nahelegen, aber Am 5,6 macht wahrscheinlich, dass im Amosbuch anders als im Hoseabuch der Kult in Bethel (und Gigal) an sich gar nicht kritikwürdig ist, sondern dass die Vernichtung Bethels etwas Schlimmes ist, weshalb dann ja auch in Am 3,14 damit gedroht werden kann. Den Alternativvorschlag von Eidevall 2017 verstehe ich nicht; anscheinend soll er eine Präzisierung von Stuart sein, die aber so schlecht zu V. 4 passt, dass ich hoffe, Eidevall falsch zu lesen. Als wahrscheinlichste Deutung dürfte daher die Deutung von Koch bleiben.

--Sebastian Walter (Diskussion) 02:32, 3. Feb. 2021 (CET)

zitierte Literatur[Bearbeiten]