Diskussion:Jakobus 1: Unterschied zwischen den Versionen

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<code>Vv. 5-11 bieten nacheinander zwei Gegenüberstellungen. In V. 5-8 ist zunächst die Rede von jenen, die Gott „im Glauben bitten, keinesfalls gespalten.“ - diese werden von Gott stets erhört werden. Nicht erhören wird Gott dagegen die „Gespaltenen“ und die „Zweiseeligen“, denn der Gespaltene gleicht einer vom Wind hin- und hergeworfenen Meereswoge und der Zweiseelige ist wankelmütig auf all seinen Wegen. Kontrastiert werden hier also die „ungespalten Glaubenden“ und die „Gespaltenen und Zweiseeligen“. In Vv. 9-11 dann werden kontrastiert der „arme/demütige/unterdrückte Mitbruder“ und der „Reiche“. Der eine nämlich kann sich „seiner Erhöhung rühmen“, der andere „seiner Erniedrigung“. Um wen also handelt es sich beim „ungespalten Glaubenden“ einerseits und dem „Gespaltenen und Zweiseeligen“ andererseits; um wen auch beim „armen/demütigen/unterdrückten Mitbruder“ und beim „Reichen“?<br />
 
<code>Vv. 5-11 bieten nacheinander zwei Gegenüberstellungen. In V. 5-8 ist zunächst die Rede von jenen, die Gott „im Glauben bitten, keinesfalls gespalten.“ - diese werden von Gott stets erhört werden. Nicht erhören wird Gott dagegen die „Gespaltenen“ und die „Zweiseeligen“, denn der Gespaltene gleicht einer vom Wind hin- und hergeworfenen Meereswoge und der Zweiseelige ist wankelmütig auf all seinen Wegen. Kontrastiert werden hier also die „ungespalten Glaubenden“ und die „Gespaltenen und Zweiseeligen“. In Vv. 9-11 dann werden kontrastiert der „arme/demütige/unterdrückte Mitbruder“ und der „Reiche“. Der eine nämlich kann sich „seiner Erhöhung rühmen“, der andere „seiner Erniedrigung“. Um wen also handelt es sich beim „ungespalten Glaubenden“ einerseits und dem „Gespaltenen und Zweiseeligen“ andererseits; um wen auch beim „armen/demütigen/unterdrückten Mitbruder“ und beim „Reichen“?<br />
 
Vielsagend ist die Nennung des „'''Armen/Demütigen/Unterdrückten'''“. Es ist dies ein sehr ähnliches Konzept wie das des „Zerstreut-seins“ in V. 1 (s. dazu [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Jakobus_1#note_b FN b]): Ähnlich, wie für das „zerstreute Israel“ erhofft wurde, dass Gott es am Ende der Zeiten von allen Enden der Erde zusammensammeln werde, wurde für die „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ erhofft, dass Gott sie am Ende der Zeiten „erhöhen“ würde; den Reichen dagegen vernichten würde (s. z.B. [[1Samuel 2#s8 |1Sam 2,8]]; [[2Samuel 22#s26 |2Sam 22,26-29]]; [[Ijob 5#s8 |Ijob 5,8-11]]; [[Psalm 12#s6 |Ps 12,6]]; [[Psalm 35#s26 |Ps 35,26f]]; [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10f]]; [[Psalm 69#s30 |Ps 69,30.34.36]]; [[Lukas 1#s51 |Lk 1,51-53]]; [[Lukas 6#s20 |Lk 6,20f]] u.ö.). Man nennt das das „Motiv der eschatologischen Umkehrung“, und dieses Motiv findet sehr deutlich auch in Vv. 9-11 ihren Ausdruck. Mit diesen „Armen“ sind aber seltener die Armen ''als Arme'' gemeint, sondern die Armen sind oft ein Wechselbegriff für ganz Israel (s. z.B. [[2Sam 22 |2Sam 22]]; [[Psalm 9 |Ps 9-10]]; [[Psalm 14 |14]]; [[Psalm 69 |69]]; [[Psalm 147 |147]]; [[Psalm 149 |149]]; [[Lukas 1#s46 |Lk 1,46-55]] u.ö.; vgl. z.B. Horsley 2006, S. 67f): Ganz Israel wurde als eine Gemeinde von Armen und Unterdrückten gesehen, und für diese wurde erhofft, dass sie einst wieder erhöht werden würde. Das ist auch der Grund, warum diese „Armen/Unterdrückten“ so häufig als die wahren Gläubigen vorgestellt werden - es handelt sich nicht um Arme im wörtlichen Sinn, sondern um Israel; Gottes erwähltes Volk. So müssen die Armen sehr wahrscheinlich auch hier verstanden werden; die '''Reichen''' sind dann im Gegenteil die ''Gegner'' Israels - was damit übereinstimmt, wie sie im Brief sonst noch geschildert werden: Gott hat die Armen „erwählt“, die Reichen dagegen nicht ([[Jakobus 2#s5 |Jak 2,5]]), denn sie sind es, die die Armen „unterdrücken“ ([[Jakobus 2#s6 |Jak 2,6]]) und selbst Gottes Namen „lästern“ ([[Jakobus 2#s7 |Jak 2,7]]).<br />
 
Vielsagend ist die Nennung des „'''Armen/Demütigen/Unterdrückten'''“. Es ist dies ein sehr ähnliches Konzept wie das des „Zerstreut-seins“ in V. 1 (s. dazu [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Jakobus_1#note_b FN b]): Ähnlich, wie für das „zerstreute Israel“ erhofft wurde, dass Gott es am Ende der Zeiten von allen Enden der Erde zusammensammeln werde, wurde für die „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ erhofft, dass Gott sie am Ende der Zeiten „erhöhen“ würde; den Reichen dagegen vernichten würde (s. z.B. [[1Samuel 2#s8 |1Sam 2,8]]; [[2Samuel 22#s26 |2Sam 22,26-29]]; [[Ijob 5#s8 |Ijob 5,8-11]]; [[Psalm 12#s6 |Ps 12,6]]; [[Psalm 35#s26 |Ps 35,26f]]; [[Psalm 37#s10 |Ps 37,10f]]; [[Psalm 69#s30 |Ps 69,30.34.36]]; [[Lukas 1#s51 |Lk 1,51-53]]; [[Lukas 6#s20 |Lk 6,20f]] u.ö.). Man nennt das das „Motiv der eschatologischen Umkehrung“, und dieses Motiv findet sehr deutlich auch in Vv. 9-11 ihren Ausdruck. Mit diesen „Armen“ sind aber seltener die Armen ''als Arme'' gemeint, sondern die Armen sind oft ein Wechselbegriff für ganz Israel (s. z.B. [[2Sam 22 |2Sam 22]]; [[Psalm 9 |Ps 9-10]]; [[Psalm 14 |14]]; [[Psalm 69 |69]]; [[Psalm 147 |147]]; [[Psalm 149 |149]]; [[Lukas 1#s46 |Lk 1,46-55]] u.ö.; vgl. z.B. Horsley 2006, S. 67f): Ganz Israel wurde als eine Gemeinde von Armen und Unterdrückten gesehen, und für diese wurde erhofft, dass sie einst wieder erhöht werden würde. Das ist auch der Grund, warum diese „Armen/Unterdrückten“ so häufig als die wahren Gläubigen vorgestellt werden - es handelt sich nicht um Arme im wörtlichen Sinn, sondern um Israel; Gottes erwähltes Volk. So müssen die Armen sehr wahrscheinlich auch hier verstanden werden; die '''Reichen''' sind dann im Gegenteil die ''Gegner'' Israels - was damit übereinstimmt, wie sie im Brief sonst noch geschildert werden: Gott hat die Armen „erwählt“, die Reichen dagegen nicht ([[Jakobus 2#s5 |Jak 2,5]]), denn sie sind es, die die Armen „unterdrücken“ ([[Jakobus 2#s6 |Jak 2,6]]) und selbst Gottes Namen „lästern“ ([[Jakobus 2#s7 |Jak 2,7]]).<br />
Weiter zu den '''Gespaltenen und Zweiseeligen''': Wie Vv. 5-8 und 9-11 zusammenhängen, ist in der Jakobusexegese umstritten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass die beiden Abschnitte überhaupt nicht zusammenhängen, da es sich beim Jakobusbrief nur um eine Spruchsammlung handle (Dibelius 1964) - diese Gattungsbestimmung wird aber in der neueren Exegese fast nicht mehr vertreten, (2) dass Vv. 9-11 auf Vv. 2-4 zurückgreifen und das „arm sein“ dann als die „Versuchung schlechthin“ darstellen würden (McCartney 2009; Ropes 1916) - aber dann würden Vv. 5-8 den Gedankengang stören, (3) dass Vv. 9-11 Elaboration von Vv. 5-8 sind und die sowohl dem armen Christen als auch dem reichen Christen die „weise Lebenshaltung“ anempfiehlt (Taylor 2006) - aber dann würden Vv. 6-8 den Gedankengang stören. Sinnvoller ist es daher, davon auszugehen, dass Vv. 9-11 direkt an Vv. 5-8 anschließen und die „Armen“ mit den „Gespaltenen und Zweiseeligen“ kontrastiert, die ja vorher schon mit den „ungespalten Glaubenden“ kontrastiert wurden. Versteht man die „Armen“ wie oben vorgeschlagen, macht das auch Sinn: Die „Armen“ stehen dann für Israel und die „ungespalten Glaubenden“ - die „wahren Gläubigen“ - ebenfalls; die „Gespaltenen und Zweiseeligen“ und die „Reichen“ dagegen sind ihre Gegner. Geht man davon aus, dass sich diese drei Begriffe auf die selbe Gruppe beziehen, ergibt sich ein relativ klares Profil: Die Begriffe „gespalten“ und „zweiseelig“ werden nach [[Jakobus 4#s4 |Jak 4,4.8]] meist so verstanden, dass die „Gespaltenen“ und „Zweiseeligen“ zwar durchaus gottgläubig sind, aber gleichzeitig weltlichen Interessen folgen (vgl. z.B. Burchard 20; Cheung 2003; Hartin 2003; McCartney 2009; Moo 1985; Mußner 1964; Ropes 1916). Dahin weist auch, dass man sie zwar in der Synagoge findet ([[Jakobus 2#s2 |Jak 2,2]]), sie sich vor den anderen Synagogengängern aber durch goldene Ringe und prächtige Kleidung auszeichnen (ebd.). Und sie sind jene, die die Adressaten des Jakobusbriefes unterdrücken und vor Gericht bringen ([[Jakobus 2#s6 |Jak 2,6]]). Vermutlich handelt es sich bei ihnen also nicht um die Besatzermächte, sondern um jüdische oder christliche Sympathisanten der Besatzermächte, die von der Besatzung Israels profitieren.</code>
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Weiter zu den '''Gespaltenen und Zweiseeligen''': Wie Vv. 5-8 und 9-11 zusammenhängen, ist in der Jakobusexegese umstritten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass die beiden Abschnitte überhaupt nicht zusammenhängen, da es sich beim Jakobusbrief nur um eine Spruchsammlung handle (Dibelius 1964) - diese Gattungsbestimmung wird aber in der neueren Exegese fast nicht mehr vertreten, (2) dass Vv. 9-11 auf Vv. 2-4 zurückgreifen und das „arm sein“ dann als die „Versuchung schlechthin“ darstellen würden (McCartney 2009; Ropes 1916) - aber dann würden Vv. 5-8 den Gedankengang stören, (3) dass Vv. 9-11 Elaboration von Vv. 5-8 sind und die sowohl dem armen Christen als auch dem reichen Christen die „weise Lebenshaltung“ anempfiehlt (Taylor 2006) - aber dann würden Vv. 6-8 den Gedankengang stören. Sinnvoller ist es daher, davon auszugehen, dass Vv. 9-11 direkt an Vv. 5-8 anschließen und die „Armen“ mit den „Gespaltenen und Zweiseeligen“ kontrastiert, die ja vorher schon mit den „ungespalten Glaubenden“ kontrastiert wurden. Versteht man die „Armen“ wie oben vorgeschlagen, macht das auch Sinn: Die „Armen“ stehen dann für Israel und die „ungespalten Glaubenden“ - die „wahren Gläubigen“ - ebenfalls; die „Gespaltenen und Zweiseeligen“ und die „Reichen“ dagegen sind ihre Gegner. Geht man davon aus, dass sich diese drei Begriffe auf die selbe Gruppe beziehen, ergibt sich ein relativ klares Profil: Die Begriffe „gespalten“ und „zweiseelig“ werden nach [[Jakobus 4#s4 |Jak 4,4.8]] meist so verstanden, dass die „Gespaltenen“ und „Zweiseeligen“ zwar durchaus gottgläubig sind, aber gleichzeitig weltlichen Interessen folgen (vgl. z.B. Burchard 2000; Cheung 2003; Hartin 2003; McCartney 2009; Moo 1985; Mußner 1964; Ropes 1916). Dahin weist auch, dass man sie zwar in der Synagoge findet ([[Jakobus 2#s2 |Jak 2,2]]), sie sich vor den anderen Synagogengängern aber durch goldene Ringe und prächtige Kleidung auszeichnen (ebd.). Und sie sind jene, die die Adressaten des Jakobusbriefes unterdrücken und vor Gericht bringen ([[Jakobus 2#s6 |Jak 2,6]]). Vermutlich handelt es sich bei ihnen also nicht um die Besatzermächte, sondern um jüdische oder christliche Sympathisanten der Besatzermächte, die von der Besatzung Israels profitieren.</code>
 
--[[Benutzer:Sebastian Walter|Sebastian Walter]] 12:40, 28. Aug. 2014 (CEST)
 
--[[Benutzer:Sebastian Walter|Sebastian Walter]] 12:40, 28. Aug. 2014 (CEST)
  

Version vom 28. August 2014, 11:45 Uhr

Checkliste für die Studienfassung Erläuterung (Welche Verse durch wen?)
A. Wer hat welche Verse aus dem Urtext übersetzt? Auf welche Quelle zur Einteilung in Sinnabschnitte wurde zurückgegriffen?
Beispiel: Vers 1–12: Anton
Einteilung nach Wolter 2007, S. 145 (Anton)

B. Wer hat welche Verse noch mal am Urtext überprüft?
Beispiel: Vv. 1-3: Philipp

C. Alternativen: Häufig können Wörter in einem bestimmten Kontext mehrere denkbare Bedeutungen haben. Sind diese Übersetzungsalternativen möglichst vollständig berücksichtigt?
Beispiel: Vv. 1-17: Daniel

Ja; einige textkritische Varianten habe ich vielleicht übersehen, z.B. in 17.19 (Ben)

D. Manchmal erlauben Textüberlieferung und Satzbau mehrere Übersetzungen,a oder sie sind nicht direkt übersetzbar.b Sind solche Zweifelsfälle mit einer Fußnote dokumentiert, und steht die wahrscheinlichste Deutung im Haupttext?
Beispiel: Vv. 1-12: teilweise (Emil)

Ja (Ben)

E. Ist der Studienfassungstext mit Anmerkungen und Fußnoten für die Zielgruppen verstehbar? Braucht es noch erläuternde Fußnoten/Anmerkungen?
Beispiel: V. 6: „nach dem Fleisch“ ist noch unklar (Friedrich)

F. Für jeden Sinnabschnitt: Wurden zentralen Anliegen (bzw. Gattungen) unterhalb der Studienfassung dokumentiert? (Beispiel für Länge und Stil: Markus 1#Anliegen) Falls hilfreich, können sie hier kurz zusammengefasst eintragen werden.
Beispiel: Vv. 1-13: Ja; Vv. 14-20: Vollmacht wird betont (Vera)

G. Welche wissenschaftlichen Kommentare wurden zur Kontrolle der Punkte A bis F eingesehen?
Beispiel: Vv. 13-17: Bovon 1990 (Heinrich)

Blomberg/Kamell, häufig Dibelius, Johnson, teils Mußner (Ben)

H. Mit welchen anderen Übersetzungen wurde verglichen, um alternative Deutungen oder ggfs. Urheberrechtsprobleme zu finden?
Beispiel: Vv. 1-17: , NeÜ (Juliett)

LUT, , Menge, REB, SLT, NGÜ, NIV, NASB, ESV, NET (Ben)

I. Wann wurden die folgenden Punkte überprüft? - Rechtschreibung; Namen (Loccumer Richtlinien, Gottesname); übrige Kriterien; Detailregelungen; Anführungszeichen; geschlechtergerechte Sprache
Beispiel: Rechtschreibung: 1.1.2015 (Philipp)

J. Welche Arbeitsschritte, Verbesserungen oder Anmerkungen fehlen noch?
Beispiel: Vv. 1-17: Anmerkung fehlt (Ludwig)

az.B. mehrdeutige Tempora oder Präpositionen, Aspekte, manche Partizipien (Zurück zum Text: a)
bz.B. Textkorruption, figurae etymologicae, Genitiv- und Dativverbindungen, historisches Präsens, Einleitungsformeln von Satzfolge (Zurück zum Text: b)

In dieser Tabelle bitte knapp den aktuellen Stand eintragen. Auf der übrigen Diskussionsseite kann bei Bedarf ausführlicher dokumentiert/diskutiert werden. Siehe auch: Qualität



Abgrenzung[Bearbeiten]

Bisher habe ich zwei Abgrenzungen gefunden:

  • 1,1 // 1,2–11 // 1,12–18 // 1,19–27
    http://www.soniclight.com/constable/notes/pdf/james.pdf
    Schnelle, Udo: Einleitung in das Neue Testament, Göttingen 31999, S. 403
    Westermann, Claus / Ahuis, Ferdinand: Calwer Bibelkunde, Stuttgart 142001, S. 330
  • 1,2–12 // 1,13–27
    Preuß, Horst Dietrich / Berger, Klaus: Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments, Band 2: Neues Testament, Wiesbadem 51997, S. 457

Wenn die anderen Jakobus-Kommentare, die in den denen Fußnoten zitiert sind, kein anderes Bild ergeben, dann schlage ich die erste Abgrenzung vor.

--Olaf 10:59, 28. Aug. 2011 (CEST)

Wenn ich das aus dem Seminar noch richtig in Erinnerung habe, ist die Gliederung des ganzen Briefes, aber ganz besonders der Einleitung sehr umstritten und gibt den Forschern große Rätsel auf. Das Problem ist die Abgrenzung zwischen Gliederung und Korpus: Man geht gewöhnlich offenbar davon aus, dass die Einleitung in V. 11 oder 12 vorbei ist. Mein Dozent hatte jedoch eine gute gefunden und zitiert, die er für vernünftig hielt. Wenn ich das meinen Aufzeichnungen noch richtig entnehmen kann, war das wohl die Gliederung von Davids (NIGNT). Davids geht basierend auf Entsprechungen zwischen Einleitung und Korpus davon aus, dass das gesamte erste Kapitel die Einleitung ist.

Die deutsche Jakobusforschung war wohl über Jahrzehnte von Dibelius' Kommentar bestimmt, der ein "Kontextverbot" postuliert hatte - also offenbar, dass der Jakobusbrief kein geschlossener Text sei (wenn ich das richtig in Erinnerung habe; meine Aufzeichnungen sind eher rar). In neuerer Zeit (und schon etwas früher in der internationalen Forschung) ist man davon aber abgekommen. --Ben 17:17, 28. Aug. 2011 (CEST)

Udo Schnelle schreibt zu diesem Thema: „Fehlender Kontextbezug und Situationslosigkeit sind nach Dibelius sowohl für die meisten Abschnitte des Jak als auch für die Paränese allgemein charakteristisch. Allerdings fehlt beim Jak der gedankliche Zusammenhang gerade nicht! […] Einzelsprüche werden durch gemeinsame Stichworte zusammengestellt und durch den Autor interpretiert.“ (S. 404) Und weiter: „Die literarische Integrität des Jakobusbriefes ist unbestritten“ (S. 406). In der neuesten Forschung bestehe „Einigkeit […] über die literarische und thematische Geschlossenheit“ (S. 410). Dennoch nennt er eine Unterteilung in Unterabschnitte. Für unsere Übersetzung ist es übrigens unerheblich, ob man Kapitel 1 nun „Einleitung“ nennt oder man einen anderen Namen dafür findet. Die wichtige Frage für uns ist nur, wo wir in der Lesefassung wissenschaftlich vertretbar Zwischenüberschriften setzen können. Auch wenn man das gesamte erste Kapitel als Einleitung sieht, kann man ja Unterabschnitte identifizieren. --Olaf 20:55, 28. Aug. 2011 (CEST)

Studienfassung[Bearbeiten]

Vers 1[Bearbeiten]

Sklave Gottes[Bearbeiten]

Merke: Wir brauchen dringend mal eine Standard-FN zu "Sklave/Knecht Gottes". --Sebastian Walter 19:17, 19. Aug. 2014 (CEST)

Grüßen[Bearbeiten]

@Sebastian: Wenn du "charein" schon wörtlich übersetzt, musst du das in der Fußnote erklären. Die Leser wird das verwirren. Übrigens: Wir übersetzen doch funktional, nicht schablonenmäßig, von daher bin ich verwirrt, dass du das überhaupt in Betracht ziehen würdest. --Ben 22:19, 19. Aug. 2014 (CEST)

Ich hab auch ein bisschen drüber nachgedacht vorher (daher die Viertel Stunde nur für die FN :) )
(1) Es ist in der FN erklärt.
(2) Allerdings ist das schon vereinfachend. Es gibt offenbar tatsächlich einen imperativischen Infinitiv, nämlich ausschließlich in Röm 12,15 und Phil 3,16. In Jak 1,1; Apg 15,23; Apg 23,26 dagegen handelt es sich um eine formelhafte Wendung, die ausschließlich in Briefanfängen verwendet wird - wie gesagt, es gehört zum Briefkopf, sozusagen. Nicht zum Fließtext - das ist nicht der erste Satz des Briefes.
Weil wir in der SF eben nicht funktional äquivalent übersetzen, dachte ich, das wäre vielleicht sinnvoll (und wegen Sprachbilder und Redewendungen bleiben erhalten und werden genau übersetzt, die Bedeutung bei Unklarheiten in einer Fußnoten erklärt. Nur wenn Grammatik oder Wortwahl dies unmöglich machen, kann eine andere Lösung gefunden werden. - aber deswegen gar nicht so sehr); v.a. wegen dem Kontrast, der erst so zu den anderen Briefen sichtbar wird (die tauschen diese Standardformel durch eine andere aus).
Wenn du meinst, dass es übertrieben ist, kannst du's gern wieder ändern; ist dein Brief. (Dann aber doch vielleicht wenigstens: "Grüße!" (so z.B. CEB - übrigens stark gedruckt: s. hier) /"einen Gruß (so MNT)). --Sebastian Walter 00:23, 20. Aug. 2014 (CEST)

Hab wieder "Grüße" draus gemacht. Du hast schon recht; das war übertrieben. --Sebastian Walter 15:41, 20. Aug. 2014 (CEST)

Schön, dass wir einer Meinung sind. :-) --Ben 20:15, 20. Aug. 2014 (CEST)

Vers 2[Bearbeiten]

Olaf, schön, dass du dich an den Urtextcheck gewagt hast! :-) Du hast hier die folgende Fußnote ergänzt: "Das Wort „ἀδελφοῖς“ bezeichnet hier einen Menschen, der sich Christus zugehörig fühlt (Generisches Maskulinum)". Kannst du das belegen? Die Erklärung kommt mir etwas kompliziert vor. Ist es nicht eher klar, dass der Autor Glaubensgeschwister anspricht, also solche, die Geschwister in Bezug auf seine Religion sind? --Ben 17:17, 28. Aug. 2011 (CEST)

Ja, die Übersetzung als „Glaubensgeschwister“ oder „Christen“ ist für diese Stelle wohl treffender und lässt sich ebenso wie die komplizierte Formulierung mit dem Bauer/Aland-Wörterbuch belegen. Wie wäre es mit: „Das Wort ‚ἀδελφοῖς‘ (Brüder, Geschwister) bezeichnet hier Geschwister im Glauben, d.h. männliche und weibliche Christen (Ggenerisches Maskulinum).“? --Olaf 20:55, 28. Aug. 2011 (CEST)

Hab ganz vergessen, hier zu antworten. Das klingt ganz gut, aber ich frage mich, ob man nicht noch weiter kürzen kann. Würde der Link auf Generisches Maskulinum (wie in V. 5) nicht schon alles sagen? Die Klammer sagt ja schon den Rest. Oder meinst du, das müsste man noch klarer verdeutlichen? --Ben 18:48, 4. Sep. 2011 (CEST)

FN e[Bearbeiten]

Dibelius habe ich überprüft (hier online); ich finde das schwer haltbar. "Wer 1,2 unbefangen ansieht", denkt doch durchaus nicht nur an Christenverfolgungen. Eigentlich weist dahin sogar überhaupt nichts, es sei denn, man würde im Präskript das diaspora lokal deuten und dann mit V. 2 zusammenlesen und außerdem davon ausgehen, dass der Brief so sehr Spruchsammlung ist, dass seine Teile überhaupt nicht miteinander zusammenhängen. Aber schon von der Textstruktur her ist ja V. 1 unabhängig von V. 2 zu lesen (Präskript <=> Briefkorpus), dagegen hängt V. 2 aber deutlich mit V. 13-15 zusammen, nämlich über den Zhg. "Versuchung" + "Standhaftigkeit" (s. Vv.3.12). Wie die "Versuchung" sonst näher bestimmt ist, wird nicht ausgeführt und muss das ja auch gar nicht, denn der Zhg. Versuchung + Standhaftigkeit ist eine Idee "eigenen Rechts" unabhängig von zeitgeschichtlichen Hintergründen; dahinter steht nämlich die Vorstellung, dass der Mensch fortwährend Bewährungsproben ausgesetzt wird, und wenn er sich bewährt, irgend etwas Gutes mit ihm passiert - hier wohl: er wird dafür dann den "Siegeskranz" (V. 12) empfangen, der darin besteht, zu jenen zu gehören, die Gott aus der Zerstreuung zusammenführt (V. 1). Ich würde als FN eher etwas vorschlagen wie:

Hinter dem Begriff πειρασμός Versuchung steht die altjüdische Vorstellung, dass Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen bringt, damit dieser sich in diesen Bewährungsproben als rechter Gottesdiener bewähren kann (s. z.B. Gen 22,1; Ex 16,4; Ri 3,1-4; Ps 26,2; Sir 2,1; vgl. auch Mt 6,12 FN m). Jakobus führt weiter aus: Wer diese Bewährungsproben besteht, gewinnt damit „Standhaftigkeit“, und impliziert ist wohl: Wer standhaft bleibt, wird dann am Ende der Zeit auch aus der Zerstreuung gesammelt werden (s.o.; s. z.B. auch Mk 13,13; 1Pet 1,6f; ähnlich Röm 5,3-5). In Vv. 13-15 wandelt Jakobus diese Vorstellung jedoch ab: Es ist gerade nicht Gott, der diese Versuchungen über einen Menschen bringt; sie erwachsen allein aus den sündhaften Begierden des Menschen (vgl. z.B. Kloppenborg 2010, S. 68f; Wilson 2002, S. 159). Entsprechend wird Jakobus dann im Folgenden auch v.a. vor menschlichen Schwächen warnen (z.B.: Impulsivität (1,19-21), Voreingenommenheit (2,1-9), lose Zunge (3,2-12), Streitsucht (3,13-18), Liebe zur Welt (4,1-4) usw.) und ihnen tugendhaftes Verhalten entgegenstellen. Besonders wichtig: Es ist gerade nicht allein die Standhaftigkeit im Glauben (V. 3), die gerecht macht (wie z.B. Mk 13,4-13.21-23 das nahelegen könnte) - unabdingbar sind außerdem die Werke des Glaubens (2,14-26).

Wilson findest du hier.

Wenn du zustimmst, würde ich außerdem die Reihenfolge von "Prüfungen (Versuchungen)" umdrehen und "Versuchungen" als primär-Üs. für die SF wählen. Vgl. Burchard 2000, S. 55: "Wie nun übersetzen? Will man ein Wort mit zugehörigem Verb, das V. 13-15 gerecht wird, geht 'Prüfung, Erprobung' nicht. 'Versuchung' und 'Anfechtung' passen; ich wähle das zweite, weil hier das Widrige stärker mitklingt, das Jak m.E. ausdrücken will." --Sebastian Walter 11:51, 20. Aug. 2014 (CEST)

"Versuchung" klingt mir zu geistlich, und ich glaube, die meisten Christen würden hier eben genau geistliche Versuchungen verstehen, wo keine besonders geistlichen gemeint sind – wie du selbst ausgeführt hast. Daher hatte ich bewusst "Prüfung" gewählt. Die Assoziation mit einem Verb ist aus linguistischer Sicht natürlich problematisch ;-) , deshalb habe ich das auch gar nicht versucht.

Deine Fußnote finde ich wunderbar! Danke für die genaue Recherche. --Ben 20:15, 20. Aug. 2014 (CEST)

Gesetzt. Ich habe jetzt mal "Prüfung" stehen lassen, finde es aber nach wie vor nicht die beste Lösung. --Sebastian Walter 13:25, 21. Aug. 2014 (CEST)

V. 3[Bearbeiten]

da ihr wisst[Bearbeiten]

Davies 1955: Paul and Rabbinic Judaism und McCartney 2009 denken, dass das Partizip hier ein imperativisches Partizip ist (dazu z.B. Dana/Mantey, S. 229; Wallace, S. 650f; so auch LUT und TAF) und also V. 3 als Explikation von V. 2 dient: "Betrachtet als Anlass zur Super-Freude, wenn ihr auf verschiedenste Weisen versucht werdet: Wisst, dass die Bewährung im Glauben Standhaftigkeit hervorbringt." Liegt das nicht näher?
Ansonsten wäre der Sinn von Vv. 2f mehr oder weniger: "Ihr wisst ja, das Bewährung im Glauben Standhaftigkeit hervorbringt. Daraus folgt, dass ihr euch freuen müsst, wenn ihr auf verschiedenste Weisen versucht werdet." - aber dieses, dass "Bewährung im Glauben Standhaftigkeit hervorbringt", scheint ja gerade das Zentrale an unserem Absatz zu sein (und wird daher in V. 4 weitergeführt). Sinngemäß ist doch daher die Aussage wohl eher: "Wisst, dass die Bewährung im Glauben Standhaftigkeit hervorbringt. Darum freut euch, wann immer ihr auf verschiedenste Weisen versucht werdet."

Unabhängig davon ist die FN falsch, denn du selbst deutest in der Üs. ja gar nicht als temporales, sondern als kausales Ptz. --Sebastian Walter 12:56, 20. Aug. 2014 (CEST)

Ich glaube, "da" ist hier temporal gemeint; dennoch läge die kausale Sinnrichtung näher.

Mit dem Imperativ "wisst!" habe ich Probleme. Er ist ja nicht ohne Grund unüblich geworden: Man kann jemanden nicht dazu auffordern, etwas zu wissen.

Der wesentliche Unterschied zwischen imperativischer und kausaler Auflösung wäre, dass der Imperativ Wissen vermitteln würde – während der kausale Nebensatz im Indikativ das Wissen voraussetzt. Richtig?

In diesem Fall ließe sich inhaltlich ganz einfach erkennen, ob es sich um vorausgesetztes oder noch unbekanntes Wissen handelt. Ich bin der Meinung: V. 3 kann man beim Leser als ziemlich nahe liegende Kausalität eher voraussetzen. Die Belehrung per Imperativ wäre dann doch sehr oberlehrerhaft. Was meinst du? --Ben 20:40, 20. Aug. 2014 (CEST)

Ja, das wäre einer der Unterschiede. Der wichtigere wäre, dass nach diesem Vorschlag diese Tatsache zum eigenständig vermitteltem Wissensinhalt würde, während er kausal gedeutet nur als bekannt vorausgesetzter Hintergrund des Befehls, Versuchung als Anlass zur Super-freude zu betrachten, wäre. Nur die Tatsache, dass im nächsten Vers dann nicht der Freude-befehl, sondern der "Wissens-vers" fortgeführt wird, lässt mich ein wenig mehr Davies und McCartneys Vorschlag zuneigen.
Dass das einleitende "Wisst!" unüblich geworden ist, heißt aber ja nicht, dass er im NT nicht so gesetzt werden kann - siehe etwa Mt 24,43; Lk 10,11; Lk 12,39; Gal 3,7; 2Tim 3,1; Jak 5,20. Auch gegen das "oberlehrerhaft" würde ich entschieden einwenden, dass es in den obigen Beispielen 3 von 5 Mal Jesus ist, der dieses einleitende "Wisst!" verwendet.
Wichtig ist ja wieder nicht die Übersetzung, sondern zunächst die Deutung, welche Sinnrichtung das Partizip hier vermutlich im Griechischen hat. Ob das imperativisches Partizip wäre, ist ja unabhängig davon, ob es auch ins Deutsche am Besten als Imperativ zu übertragen wäre.
Ich glaube nicht, dass sich das ganz einfach erkennen lässt, ob man das Wissen als bekannt voraussetzen kann. Sowohl Adressat als auch Datierung sind ja zumindest umstritten, und also auch der "christlicher Bildungsstand", den man beim idealen Leser des Jakobusbriefs voraussetzen kann. Dass Jakobus im Folgenden auch viele Gemeinplätze bringt, lässt mich eigentlich eher glauben, dass dieser "christliche Bildungsstand" des idealen Lesers nicht allzu hoch anzusetzen ist. Aber genau so gut wäre ja möglich, dass Jakobus einfach noch mal Bekanntes zu einer Art "Summa ethica" zusammentragen will; denn er nennt ja gar keinen wirklichen Anlass für seinen Brief. --Sebastian Walter 22:13, 20. Aug. 2014 (CEST)

δοκίμιον[Bearbeiten]

δοκίμιον scheint nicht primär die Probe, sondern das Mittel, mit dem geprobt wird, zu meinen: Burchard 2000: "Läuterungsmittel"; Hartin 2003: "a means or instrument of testing"; McCartney 2009: "test or means of testing". Fällt jemandem etwas besseres ein als "Läuterungsmittel"? "dass das, was euren Glauben auf die Probe stellt"? --Sebastian Walter 19:29, 20. Aug. 2014 (CEST)

Ja, "Prüfung". :-) --Ben 20:15, 20. Aug. 2014 (CEST)

Das Problem bei "Prüfung" ist, dass es da immer jemanden geben muss, der die Prüfung stellt, hier aber ja ausgeführt wird, dass es die aus der sündhaften Begierlichkeit des Menschenherzens erwachsenden Versuchungen sind, die den Menschen "proben" und denen er widerstehen muss. --Sebastian Walter 21:16, 20. Aug. 2014 (CEST)

Wenn es tatsächlich so ist (und da bin ich mir noch nicht sicher), dann wäre es bei "Versuchung" genau das Gleiche oder noch Stärker.

Beispielsatz: "Der Gottesdienst gestern war eine echte Prüfung für meine Nerven." Hier ist doch sicher kein "Prüfer" hinzuzudenken? --Ben 21:34, 20. Aug. 2014 (CEST)

Andere Vorschläge wären natürlich "Erprobung" (stand das da irgendwann mal?) oder einfach "Test". --Ben 21:47, 20. Aug. 2014 (CEST)

Beispielsatz 2: "Ihr wisst ja, dass die Prüfung eures Glaubens Durchhaltevermögen hervorbringt". Da denkt man doch schon automatisch an einen Prüfer? Ebenso bei "Erprobung" (das immer noch Primärübersetzung ist) und erst recht bei "Test". Für die LF gefällt mir ganz gut die Lösung von BB, B/N, BigS, GN, GREB: "Ihr wisst ja: Wenn (Je mehr) euer Glaube erprobt wird / sich euer Glaube bewährt, führt das zu Standhaftigkeit" (ähnlich WIL, NGÜ). Aber in der SF müsste schon ein Substantiv her. Vielleicht "Bewährungsprobe" (HfA, KAM, NeÜ)? --Sebastian Walter 14:46, 21. Aug. 2014 (CEST)

Hm, aber "Bewährungsprobe" haben Olaf und du in euren Üss. ab V. 12 für "Versuchung", was ich ziemlich gut finde. Mist, dann geht das auch nicht. P.S.: Warum ist das denn nicht auch die Übersetzung von peirasmos in V. 2? --Sebastian Walter 20:42, 24. Aug. 2014 (CEST)

Durchhaltevermögen[Bearbeiten]

ist zwar allgemein eine bessere Alternative zu Standhaftigkeit; aber ich glaube, im Zusammenhang damit, dass man sich nicht von seinem Glauben abbringen lässt, würde man auch heute eher von "Standhaftigkeit" sprechen, oder? --Sebastian Walter 19:29, 20. Aug. 2014 (CEST)

Meinetwegen! Mit der Option, ggfs. irgendwann noch ein noch besseres Wort zu finden. :-) --Ben 20:15, 20. Aug. 2014 (CEST)

Ungesetzt. --Sebastian Walter 14:49, 21. Aug. 2014 (CEST)

Zhg Vv. 4.5[Bearbeiten]

ist kompliziert. Ich habe mal für FN m einen Fußnotenentwurf gemacht, der aber wohl zu lang ist. Welche der drei die wahrscheinlichste Möglichkeit ist, musst du entscheiden :) (Ich persönlich würde - v.a. angesichts des in FN p dargelegten Weisheits-konzepts - Möglichkeit 2 für die wahrscheinlichste halten)

Darüber, wie Vv. 2-4 mit Vv. 5-8 zusammenhängen, besteht in der Forschung kein Konsens.
(1) Dibelius 1964 betrachtet die Abschnitte Vv. 2-4 und 5-8 als zwei voneinander unabhängige Perikopen. Grammatisch wäre das durchaus möglich: δέ aber markiert nicht nur Gegensätzlichkeit, sondern kann auch zwei voneinander unabhängige Textabschnitte voneinander abgrenzen (vgl. z.B. Muraoka, S. 140; Reiser 1983, S. 99f.160f; Thrall 1962, S. 59). Auch die Tatsache, dass Vv. 4.5 durch das Wort λείπω mangeln miteinander verknüpft ist, muss nichts heißen, da Jakobus in seinem Brief noch öfter voneinander unabhängige Textabschnitte durch Stichworte miteinander verknüpft. Und auf den ersten Blick scheinen die beiden Abschnitte wirklich nicht viel miteinander zu tun zu haben. Zu übersetzen wäre dann: „Diese Standhaftigkeit soll zu vollkommenem Handeln führen: Ihr sollt vollkommen und vollständig sein, in nichts sollt ihr mangelhaft sein. / Wenn es aber jemandem an Weisheit mangelt, soll er [diese] von Gott erbitten...“.
Blickt man etwas weiter, ergeben sich aber doch zwei Möglichkeiten, einen Zusammenhang zwischen den beiden Abschnitten herzustellen:
(2) Die σοφία Weisheit wird in Kapitel 3 noch einmal zum Thema werden, und dort wird sie offenbar (entsprechend dem frühjüdischen Weisheits-konzept; s. FN p) als eine weitere Vorbedingung für gutes Handeln vorgestellt (s. Jak 3,13.17) - ebenso, wie in Vv. 2-4 die Standhaftigkeit im Glauben Vorbedingung guten Handelns ist. Die Vorstellung hinter Vv. 2-8 scheint also zu sein: Standhafter Glaube ist die Vorbedingung für Weisheit (Vv. 5-8); beide gemeinsam (s. eben V. 4 und Jak 3,13.17) sind die Vorbedingungen für vollkommenes Handeln, und diese drei zusammen - standhafter Glaube, Weisheit und vollkommenes (d.i. gläubiges und weises) Handeln - machen den Menschen zu einem „ganzen“ Menschen, nämlich „vollkommen und vollständig“ (V. 4). Der Zusammenhang von Vv. 4.5 wäre dann dieser: Vv. 2-4 haben die beiden Glieder „standhafter Glaube“ und „vollkommenes Handeln“ eingeführt, in V. 5 soll das erweitert werden um das dritte Glied „Weisheit“. Vv. 4.5 wären dann zu übersetzen: „Diese Standhaftigkeit soll zu vollkommenem Handeln führen, damit ihr vollkommen und vollständig seid: in nichts sollt ihr mangelhaft sein. / Wenn es aber jemandem [dafür] an Weisheit mangelt, soll er [diese] von Gott erbitten...“. Vgl. ähnlich McKnight 2011, S. 84; Ropes 1916, S. 138.
(3) Einen weiteren Vorschlag hat Taylor 2006, S. 102 gemacht: Weil in 2-4 der standhafte Glaube als Vorbedingung für das „Vollkommen- und Vollständig-sein“ und in 5-8 als Vorbedingung für die „Weisheit“ dargestellt wird, sind für Taylor Weisheit und Vollkommen- und Vollständig-sein gleichzusetzen; Vollkommen sein ist weise sein. Die Struktur von Vv. 2-8 wäre dann beinahe konzentrisch: Man soll standhaft glauben, um vollkommen zu sein (=weise zu sein) (Vv. 2-4). Ist man nicht weise, muss man standhaft gläubig darum bitten (Vv. 5-8). Zu übersetzen wäre hier ähnlich wie in (1).
--Sebastian Walter 20:57, 22. Aug. 2014 (CEST)

holokläros - dipsychos - haplos - tapeinos - plousios[Bearbeiten]

müssen gesammelt behandelt werden. Ich biete mal zwei verschiedene Deutungen an - die eine nach dem klassischen Verständnis; eine weitere nach dem Verständnis von "Die Armen/Demütigen" nach Richard Horsley (s. unter Üs. 9):

Deutung 1: holokläros - dipsychos - haplos[Bearbeiten]

Jakobus entwickelt in den ersten acht Versen seines Briefes sehr kondensiert eine ganze Mikro-anthropologie und Mini-ethik. Er tut dies v.a. über das Spiel mit verwandten Begriffen, deren Deutung und Übersetzung schwierig ist, weil sie ihre Bedeutung erst im Wechselspiel miteinander entfalten.
Auf der einen Seite stehen die Menschen, die „gespalten“ (V. 6 bis) und „zweiseelig“ (V. 8) sind - vermutlich gehört hier hinein sogar auch die Rede von der „Zerstreutheit“ der zwölf Stämme (V. 1). Für sie ist kennzeichnend, dass sie der „vom Wind hin- und hergeworfenen Meereswoge gleichen“ (V. 6) und „auf all ihren Wegen wankelmütig sind“ (V. 8). Auf der anderen Seite steht Gott, der „ein-ig/ein-fach“ gibt (V. 5). Er hat die Menschen zur „Vollkommenheit, Vollständigkeit und nicht-Mangelhaftigkeit“ (V. 4) berufen; und für solche Menschen ist kennzeichnend, dass sie „standhaft“ sind und so den „Versuchungen [ihres Herzens]“ (Vv. 2f) widerstehen können.
Jakobus spielt also hier mit Begriffen aus den Wortfeldern „gespalten“ und „ganz, vollständig“; die kritischen Begriffe sind (1) διακρινόμενος gespalten, (2) δίψυχος zweiseelig und (3) ἁπλῶς einfach.
(1) διακρινόμενος gespalten wird meist übersetzt mit „zweifelnd, zögernd“. Das ist aber nicht sehr glücklich, da der Zusammenhang mit Vv. 4f und der Rede von der Standhaftigkeit im Glauben recht deutlich zeigt, dass es hier nicht um zauderndes Beten geht, sondern um die Entschiedenheit des „gehabten Glauben[s]. Der Beter muß Christ sein, und zwar ein entschiedener, wie das Partizip präzisiert.“ (Burchard 2000, S. 60; ebenso McCartney 2009, S. 91). Cheung hat in seiner Dissertation (Cheung 2003) schön herausgearbeitet, dass diese Rede von der „Gespaltenheit, Doppelheit“ ein Leitthema im ganze Jakobusbrief ist; Jakobus beschreibt damit stets, dass der „Gespaltene“ nicht völlig Gott anhangt, sondern nur mit halbem Herzen und die andere Hälfte seines Herzens an die Welt gehängt hat (z.B. S. 223), und das heißt im Jakobusbrief: Zwar auf der einen Seite an Gott glauben, aber diesem Glauben nicht auch Werke des Glaubens folgen zu lassen, weil man stattdessen seinen Begierden nachgibt (s. Jak 2,14-26; 3,13-17; 4,1-4). Treffender als „zweifelnd, zögernd“ ist daher hier die Übersetzung „halbherzig“.
(2) δίψυχος zweiseelig - BA, LN und Porter 1990b empfehlen auch hierfür die Übersetzung „zweifelnd, zögernd“, und wieder ist das nicht sehr glücklich: δίψυχος wird klar synonym mit διακρινόμενος verwendet; auch hierin kommt also besagte Hin- und Hergerissenheit zwischen Gott und Welt zum Ausdruck (so die meisten). Um das in der LF klar zu machen, muss „ein zweiseeliger Mann“ wohl freier übertragen werden; z.B. als „ein Mensch, der Gott nur mit halbem Herzen dient“.
(3) ἁπλῶς einfach ist ebenso wie „vollkommen“ und „vollständig“ Gegenbegriff zu „gespalten“ und „zweiseelig“. Anders als die Menschen, die Gott nur mit halbem Herzen anhangen, gibt Gott „mit ganzem Herzen“ (vgl. z.B. McCartney 2009, S. 89). Wall 1997 und Davids 1982 schlagen daher die englische Umschreibung „with an undivided mind“ vor; ein kommunikatives deutsches Äquivalent wäre z.B. der Begriff „ganzherzig“, den z.B. auch Niebuhr 1987 verwendet, um den Sinn des Begriffs ἁπλότης Einfachheit zu umschreiben (S. 113). --Sebastian Walter 08:58, 25. Aug. 2014 (CEST)

Wenn du das gut findest, könnte man außerdem die FN zu diaspora erweitern um:
Zusätzlich ist διασπορᾷ vermutlich symbolisch zu verstehen, wohin schon weist, dass ein an in alle Welt verstreute Adressaten gerichteter Brief gar nicht zustellbar wäre (Llewelyn 1997, S. 385). διασπορᾷ Verstreuung ist wohl zusammenzulesen mit διακρινόμενος gespalten (V. 6 bis) und δίψυχος zweiseelig (V. 8); dazu siehe FN []: Ganz Israel wird derart als solcherart bestimmt, dass es zwar an Gott glaubt, aber diesem Glauben nicht auch Werke des Glaubens folgen lässt. Ebenso soll wohl das geläufige θεοῦ καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ δοῦλος Knecht/Sklave Gottes und des Herrn Jesus Christus den Schreiber als einen auszeichnen, der nicht allein an Gott und Jesus Christus glaubt, sondern der auf Erden auch ihren Willen tut - und dass es gerade das ist, was die Adressaten des Jakobusbriefs nicht tun, wird später zum Leitthema des Briefs werden.

Allerdings ist die Zusammenlesung von diaspora und diakrinomenos + dipsychos nichts, dass ich irgendwo in der Sekundärliteratur gefunden hätte. --Sebastian Walter 11:20, 25. Aug. 2014 (CEST)

Deutung 2: alle Begriffe[Bearbeiten]

ist für eine FN viel zu lang. Wenn du sie gut findest, müsste sie wahrscheinlich eher in den Kommentar und dann aus versch. FNn darauf verwiesen werden. Aber ohnehin ist das keine Deutung, die ich so aus der Jakobusexegese kennen würde; das habe ich angeregt durch Horsley nach und nach selber erarbeitet und ist also zweifelhaft.

Vv. 5-11 bieten nacheinander zwei Gegenüberstellungen. In V. 5-8 ist zunächst die Rede von jenen, die Gott „im Glauben bitten, keinesfalls gespalten.“ - diese werden von Gott stets erhört werden. Nicht erhören wird Gott dagegen die „Gespaltenen“ und die „Zweiseeligen“, denn der Gespaltene gleicht einer vom Wind hin- und hergeworfenen Meereswoge und der Zweiseelige ist wankelmütig auf all seinen Wegen. Kontrastiert werden hier also die „ungespalten Glaubenden“ und die „Gespaltenen und Zweiseeligen“. In Vv. 9-11 dann werden kontrastiert der „arme/demütige/unterdrückte Mitbruder“ und der „Reiche“. Der eine nämlich kann sich „seiner Erhöhung rühmen“, der andere „seiner Erniedrigung“. Um wen also handelt es sich beim „ungespalten Glaubenden“ einerseits und dem „Gespaltenen und Zweiseeligen“ andererseits; um wen auch beim „armen/demütigen/unterdrückten Mitbruder“ und beim „Reichen“?
Vielsagend ist die Nennung des „Armen/Demütigen/Unterdrückten“. Es ist dies ein sehr ähnliches Konzept wie das des „Zerstreut-seins“ in V. 1 (s. dazu FN b): Ähnlich, wie für das „zerstreute Israel“ erhofft wurde, dass Gott es am Ende der Zeiten von allen Enden der Erde zusammensammeln werde, wurde für die „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ erhofft, dass Gott sie am Ende der Zeiten „erhöhen“ würde; den Reichen dagegen vernichten würde (s. z.B. 1Sam 2,8; 2Sam 22,26-29; Ijob 5,8-11; Ps 12,6; Ps 35,26f; Ps 37,10f; Ps 69,30.34.36; Lk 1,51-53; Lk 6,20f u.ö.). Man nennt das das „Motiv der eschatologischen Umkehrung“, und dieses Motiv findet sehr deutlich auch in Vv. 9-11 ihren Ausdruck. Mit diesen „Armen“ sind aber seltener die Armen als Arme gemeint, sondern die Armen sind oft ein Wechselbegriff für ganz Israel (s. z.B. 2Sam 22; Ps 9-10; 14; 69; 147; 149; Lk 1,46-55 u.ö.; vgl. z.B. Horsley 2006, S. 67f): Ganz Israel wurde als eine Gemeinde von Armen und Unterdrückten gesehen, und für diese wurde erhofft, dass sie einst wieder erhöht werden würde. Das ist auch der Grund, warum diese „Armen/Unterdrückten“ so häufig als die wahren Gläubigen vorgestellt werden - es handelt sich nicht um Arme im wörtlichen Sinn, sondern um Israel; Gottes erwähltes Volk. So müssen die Armen sehr wahrscheinlich auch hier verstanden werden; die Reichen sind dann im Gegenteil die Gegner Israels - was damit übereinstimmt, wie sie im Brief sonst noch geschildert werden: Gott hat die Armen „erwählt“, die Reichen dagegen nicht (Jak 2,5), denn sie sind es, die die Armen „unterdrücken“ (Jak 2,6) und selbst Gottes Namen „lästern“ (Jak 2,7).
Weiter zu den Gespaltenen und Zweiseeligen: Wie Vv. 5-8 und 9-11 zusammenhängen, ist in der Jakobusexegese umstritten. Vorgeschlagen wurde, (1) dass die beiden Abschnitte überhaupt nicht zusammenhängen, da es sich beim Jakobusbrief nur um eine Spruchsammlung handle (Dibelius 1964) - diese Gattungsbestimmung wird aber in der neueren Exegese fast nicht mehr vertreten, (2) dass Vv. 9-11 auf Vv. 2-4 zurückgreifen und das „arm sein“ dann als die „Versuchung schlechthin“ darstellen würden (McCartney 2009; Ropes 1916) - aber dann würden Vv. 5-8 den Gedankengang stören, (3) dass Vv. 9-11 Elaboration von Vv. 5-8 sind und die sowohl dem armen Christen als auch dem reichen Christen die „weise Lebenshaltung“ anempfiehlt (Taylor 2006) - aber dann würden Vv. 6-8 den Gedankengang stören. Sinnvoller ist es daher, davon auszugehen, dass Vv. 9-11 direkt an Vv. 5-8 anschließen und die „Armen“ mit den „Gespaltenen und Zweiseeligen“ kontrastiert, die ja vorher schon mit den „ungespalten Glaubenden“ kontrastiert wurden. Versteht man die „Armen“ wie oben vorgeschlagen, macht das auch Sinn: Die „Armen“ stehen dann für Israel und die „ungespalten Glaubenden“ - die „wahren Gläubigen“ - ebenfalls; die „Gespaltenen und Zweiseeligen“ und die „Reichen“ dagegen sind ihre Gegner. Geht man davon aus, dass sich diese drei Begriffe auf die selbe Gruppe beziehen, ergibt sich ein relativ klares Profil: Die Begriffe „gespalten“ und „zweiseelig“ werden nach Jak 4,4.8 meist so verstanden, dass die „Gespaltenen“ und „Zweiseeligen“ zwar durchaus gottgläubig sind, aber gleichzeitig weltlichen Interessen folgen (vgl. z.B. Burchard 2000; Cheung 2003; Hartin 2003; McCartney 2009; Moo 1985; Mußner 1964; Ropes 1916). Dahin weist auch, dass man sie zwar in der Synagoge findet (Jak 2,2), sie sich vor den anderen Synagogengängern aber durch goldene Ringe und prächtige Kleidung auszeichnen (ebd.). Und sie sind jene, die die Adressaten des Jakobusbriefes unterdrücken und vor Gericht bringen (Jak 2,6). Vermutlich handelt es sich bei ihnen also nicht um die Besatzermächte, sondern um jüdische oder christliche Sympathisanten der Besatzermächte, die von der Besatzung Israels profitieren.
--Sebastian Walter 12:40, 28. Aug. 2014 (CEST)

alte Anmerkungen zu den Begriffen[Bearbeiten]

ἁπλῶς[Bearbeiten]

Hier ist ein Wortspiel übersehen. ἁπλῶς kommt von ἁπλοῦς einzig, einig (vgl. ἁπλότης "Eins-heit"). Auf diese Weise wird auch Gott mit dem zweiseeligen Menschen kontrastiert - während der "zwei-seelig" ist, ist Gott ein-ig; vgl. Wall 1997, S. 52: The adverb haplos, which is often translated as "generously," actually defines the quality of God's giving rather than the measure of the wisdom provided. I side with Davids, who supplies a "secondary meaning" to the word [eigentlich ist das kein secondary meaning; Strong z.B. nimmt das Folgende als Grundbedeutung und leitet daraus erst "generously" ab.], meaning "with an undivided mind." This nicely contrasts God who gives "without mental reservation" with the immature believer who asks for wisdom but with a divided mind (1:7-8). James pairs this adverb with another, "without reproach" (oneidizo), which also probably means "singular in purpose, without guile"; the image is of God who gives wisdom in undivided loyalty to God's people. (Das zweite würde ich aber doch für sehr gewollt halten). Vgl. auch McCartney 2009, S. 89: The Greek term translated "unreservedly" (haplos) is somewhat ambiguious. It is the adverbial form of the word for "simple, single, genuine, pure" and thus (like the dative of its cognate haplotäs) can mean "simply, singly, sincerely, plainly, purely" (see BDAG 104), as it does in all but one of the dozen or so occurrences of the haplo- stem in the LXX. A derivative meaning "generously" or "graciously" (as in 3 Macc. 3:21) is sometimes proposed (Hort 1909: 7-8; Cantinat 1973: 69), and this certainly fits with the next attributive phrase, "without reproach." But the word is more likely intended to stand in contrast to the "doubleness" of the doubter in 1:8. The point is that unlike the giving done by many humans, God's giving is not devious; it is without complications or double-dealing; it comes "without strings attached," "without reservation" (Riesenfeld 1944; Mussner 1975: 68)." Daher würde ich doch "vorbehaltlos" für wahrscheinlicher halten; u.a. auch, weil ich die Wertung in der FN ("lediglich vorbehaltlos" vs. "sogar großzügig") nicht nachvollziehen kann. Einige derer, die ich vor mir habe, wählen zwar ebenfalls "großzügig", gehen aber auf das Wortspiel nicht ein, was wohl heißt, dass sie es entweder nicht gesehen haben oder beschlossen haben, es zu ignorieren. Aber auch für "vorbehaltlos" sollte dann wohl ein Äquivalent gefunden werden, dass diesen Kontrast zum Ausdruck bringt. "Schlicht und einfach"? Oder, s.u.: Ich habe jetzt gelernt, dass es im Deutschen tatsächlich das Wort "ganzherzig" gibt (u.a. habe ich es gefunden bei Bertolt Brecht; Sjöberg verwendet es in seiner Kommentierung des Vater-unsers, Schweizer und Klein in ihren Lukasevangelien etc.; Niebuhr zitiert es (von Bacht) zur Erläuterung des Wortes aplotäs). Ich kannte das gar nicht, aber das wäre wohl ideal; v.a., wenn man unten "halbherzig" wählt. --Sebastian Walter 22:08, 22. Aug. 2014 (CEST)

ὁλόκληρος[Bearbeiten]

"Untadelig" ist nicht sehr gut. Eigentlich heißt ὁλόκληρος "ganzteilig, vollständig, heil, unversehrt", und es ist hier recht sicher der Gegenbegriff zum „zweiseeligen Mann“ in V. 8. Vielleicht steht im Hintergrund das "mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele" aus Dtn 6,5. Die meisten dt. Üss. haben "makellos" oder eben "unversehrt", die meisten eng. "perfect and complete", aber den Sinn trifft wohl eher ZÜR: "damit ihr vollkommen und ganze Leute seid". Vgl. auch ASV, KJV, TMB, WBT, YLT: "perfect and entire"; CJB: "complete and whole"; Wycliffe: "perfect and whole"; Sehr cool auch Zink: "Aus dieser Festigkeit muß ein Leben folgen, das aufs Ganze geht, denn ihr sollt vollkommen sein, Menschen aus einem Stück, und an nichts soll es euch fehlen." Am Besten vielleicht BigS: "ungeteilt". Oder fällt jemandem etwas besseres ein? --Sebastian Walter 21:09, 20. Aug. 2014 (CEST)

Ich würde den moralischen Aspekt in der Übersetzung gerne mitschwingen hören. Müsste mich selbst nochmal einlesen, bevor ich einen Vorschlag mache. --Ben 21:37, 20. Aug. 2014 (CEST)

s. dazu oben; ich habe einen Extra-abschnitt für dieses und zwei andere Worte eingefügt. Einstweilen habe ich aber mal einen ziemlich krassen Texteingriff vorgenommen, für den ich mich hier entschuldige, der aber nötig war: ὁλόκληρος ist das Gegenkonzept vom direkt folgenden ἐν μηδενὶ λειπόμενοι, das dann in V. 5 wieder aufgegriffen wird: Εἰ δέ τις ὑμῶν λείπεται σοφίας. Dieser Zusammenhang muss in der Übersetzung unbedingt sichtbar werden. Aktuell steht "untadelig und in keinem [Punkt] zurückbleibt. / Wenn es aber einem [von] euch an Weisheit fehlt."; hier kommt das gar nicht raus. Bis uns etwas besseres einfällt, greife ich - weil das so sehr wichtig ist - direkt in die Übersetzung ein und ersetze einstweilen durch: "vollständig und in nichts mangelhaft. / Wenn es euch aber an Weisheit mangelt...". Das ist ein krasser Texteingriff und deshalb eigentlich doof von mir als Zweitleser, aber diese Wortverknüpfung kenntlich zu machen ist wirklich unbedingt erforderlich; ich entschuldige mich daher hiermit im Voraus und mache es trotzdem :)

Ein zweites: Wegen dieses engen Zusammenhangs ist recht sicher ἐν μηδενὶ λειπόμενοι nicht durch Koordination auf eine Stufe mit τέλειοι und ὁλόκληρος zu stellen, sondern - was ja schon der gr. Text durch zunächst Koordination und dann Apposition anzeigt und außerdem dadurch nahegelegt wird, dass τέλειοι καὶ ὁλόκληροι ein Hendiadioyn ist (Ropes 1916, S. 138; vgl. auch Cheung 2003, S. 180: „The pair τέλειοι and ὁλόκληροι then may denote both qualitative and quanitative completeness, that is, 'completely complete.' The positive expression is further reinforced by the negative ἐν μηδενὶ λειπόμενοι, 'falling short of nothing.'“) - als Ergänzung zu dem Doppel τέλειοι καὶ ὁλόκληροι; indem würde ich daher als wesentlich sinngemäßer empfinden als und. Aber das ist nicht so wichtig wie das obige. --Sebastian Walter 18:07, 22. Aug. 2014 (CEST)

[und dabei] keinesfalls zweifeln (keinerlei Bedenken haben)[Bearbeiten]

ἐν πίστει, μηδὲν διακρινόμενος ist Ausdrucksalternative zu "standhaft glaubend". "Keinerlei Bedenken haben" trifft das nicht - ist das als eine hier mögliche Bedeutung gedacht oder nur als Alternative aufgenommen, weil es rein lexikalisch möglich wäre, so zu übersetzen? Vgl. Burchard 2000, S. 60: Gemeint ist nach V. 3 und vor V. 6b-8 nicht speziell Gebetszuversicht (so aber viele), zumal schon V. 5b zu ihr ermutigt hatte, sondern der gehabte Glaube. Der Beter muß Christ sein, und zwar ein entschiedener, wie das Partizip präzisiert.
Eine bessere Auflösung als "[und dabei]" fällt mir auch nicht ein, aber ist vielleicht jemand anderes kreativer? Super wäre, wenn sich das wenigstens in der LF als adjektivische Ergänzung zu "im Glauben" umsetzen ließe.
διακρινόμενος ist wörtlich "geteilt, gespalten", auch das kontrastiert sie mit dem "ein-igen" Gott (s.o.) und hängt zusammen mit dem zwei-seeligen Menschen aus V. 8 (dazu s. unten). Vgl. z.B. McCartney 2009, S. 91: The word doubt can be misunderstood, however, in that in common English parlance it is used to mean any uncertainty or questioning. But James does not mean that a believer may never have a measure of uncertainty regarding whether something is God's will; rather, he is condemning a lack of commintment, a divided loyalty (DeGraaf 2005: 741-42), or an indecision or hesitancy (Cantinat 1973: 21) that questions the integrity of God. Besser wäre daher hier ziemlich sicher „halbherzig“.

δίψυχος[Bearbeiten]

Zwei verschiedene Deutungen sind verbreitet, deine FN scheint mir beide ein bisschen in eins zu werfen: Das Konzept bezeichnet das Gegenteil der ungeteilten Hingabe zu Gott (Mußner 1964, 72). [...] BA, NSS schlagen die Übersetzung „ein Zweifler“ vor. Das sind die beiden Deutungen: (1) unentschieden i.S.v. "gleichzeitig der Welt und Gott anhangend" vs. (2) zweifelnd. Aus deiner FN zu 4,8 schließe ich, dass du wohl auch eher für (1) bist (wie ich) und (2) nur als Übersetzungsvorschlag genannt hast; ist das richtig? Ich entwerfe wieder eine FN, die das eindeutiger machen soll, und gehe dabei einfach mal davon aus, dass das richtig ist. Die Übersetzungen sind aber nur Ideen, die Diskussionen stehen oben ja noch offen. --Sebastian Walter 18:34, 24. Aug. 2014 (CEST)

edit: Mittlerweile habe ich aber auch eine FN entworfen, in der die Begriffe "gespalten", "zweiseelig" und "einfach" gesammelt erklärt werden, s. unter der Überschrift "Vers 6". Insgesamt wäre die, glaube ich, kürzer und zugänglicher. --Sebastian Walter 08:59, 25. Aug. 2014 (CEST)

Wörtlich: „zweiseeliger Mann“. Der Begriff findet hier zum ersten Mal überhaupt; vermutlich handelt es sich also entweder um eine Wortschöpfung Jakobus' oder er hat ihn zumindest in die christliche Literatur eingeführt. Zwei einander recht ähnliche Deutungen werden des öfteren vertreten: (1) zögernd (so BA; LN; NSS; Porter 1990b; Wall 1997); (2) unentschlossen, hier i.S.v. „gleichzeitig Gott und der Welt anhangend“ (s. Jak 4,4.8; so Lampe; Grosvenor/Zerwick; Burchard 2000; Cheung 2003; Hartin 2003; McCartney 2009; Moo 1985; Mußner 1964; Ropes 1916). Die spätere Verwendung des Begriffs zeigt aber, dass er wohl in beiden Bedeutungen verwendet werden kann; zu fragen ist also nur, welche der beiden Bedeutungen hier wahrscheinlicher ist.
Indizien sind, dass der Begriff hier auf Syntax-Ebene zusammenhängt mit dem „Gespaltenen“ (=Halbherzigen) in V. 6 und der Tatsache, dass er „auf all seinen Wegen wankelmütig“ ist (V. 8) und auf Bedeutungsebene der „Ein-heit“ (=Ganzherzigkeit) Gottes in V. 5 entgegengesetzt und wieder mit dem „Gespaltenen“ gleichzusetzen ist, was zusätzlich dadurch unterstrichen wird, dass dieser ebenso „der vom Wind hin- und herworfenen Meereswoge gleicht“, wie der„Zwei-seelige“ „auf all seinen Wegen wankelmütig ist“. δίψυχος ist also ein Gegenbegriff zu ἁπλῶς, Synonym zu διακρινόμενος und ist gekennzeichnet dadurch, dass man ἀκατάστατος ἐν πάσαις ταῖς ὁδοῖς αὐτοῦ ist. Das weist hier insgesamt recht deutlich in Richtung (2): Während Gott dem Menschen „von ganzem Herzen“ zugeneigt ist, hängt der „zwei-seelige“ Mensch ihm nur „halbherzig“ an; die andere Hälfte hat er an die „Welt“ gehängt. In der LF muss man das wohl freier übertragen; z.B.: „einer, der Gott nur mit halbem Herzen dient.“
--Sebastian Walter 20:14, 24. Aug. 2014 (CEST)

tapeinos[Bearbeiten]

braucht auf jeden Fall eine FN; ich entwerfe mal eine - aber keine, die eine Standard-Lösung vertreten würde. (Das Motiv "Armut/Demut" wird für die ganze Bibel schon seit über 100 Jahren recht heftig diskutiert; ich habe die ganze Diskussion mal ausgespart):

gering (demütig, unterdrückt, arm) - Wie genau der Begriff zu füllen ist, ist in der Forschung umstritten. Für eine Deutung als „arm“ spricht die folgende Kontrastierung mit den „Reichen“ (V. 10) und die Tatsache, dass der Gegensatz „arm - reich“ noch häufiger im Jakobusbrief vorkommt (s. noch Jak 2,1-6; 5,1-6; so z.B. Hartin 2003; McCartney 2009; McKnight 2011); für eine Deutung als „demütig“ dagegen der Gegensatz mit den zuvor genannten „Zweiseeligen“, also jenen, die gleichzeitig Gott anhangen und sich weltlichen Interessen hingeben (so z.B. Assaël/Cuvillier 2013). Eine dritte Exegetengruppe geht davon aus, dass man hier gar nicht wirklich zwischen „Armen“ und „Demütigen“ unterscheiden könne, da diese beiden in der Bibel häufig als Wechselbegriff verwendet würden: Jak 1,9 redete dann von den „Demütig-armen“ oder den „frommen Armen“ (so z.B. Burchard 2000; Dibelius 1964; Konradt 1998, S. 148).
Stünden nur obige drei Optionen zur Verfügung, sollte man sich recht sicher für die dritte entscheiden; aber wahrscheinlich sollte man unsere Stelle stattdessen besser nach einem neueren Vorschlag von Richard Horsley deuten: Weil an vielen Stellen v.a. im Psalter die „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ nicht auf eine einzelne soziale Schicht / eine Gruppe mit einer bestimmten inneren Einstellung beschränkt werden könne, sondern auf ganz Israel bezogen werden müsse (s. z.B. Ps 9-10; 14; 147; 149, Lk 1,46-55 u.ö.), geht Horsley davon aus, dass die „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ hier am natürlichsten als Begriff für das ganze von fremden Mächten unterdrückte Israel verstanden werden müsse, wie z.B. auch die ganze Gemeinschaft von Qumran sich als „die Armen“ bezeichnete (s. Horsley 2006, S. 67f). Diese Annahme würde viele Stellen wesentlich eleganter erklären als die Alternative „entweder arm oder demütig“: Gerade deshalb begünstigt Gott so sehr die „Armen“ und gerade deshalb sind diese „Armen“ in der Bibel so häufig Personen mit der idealen spirituellen Einstellung, weil es sich bei ihnen um das gesamte Israel handelt, Gottes erwähltes Volk. So ließe sich auch hier erklären, warum die „Armen“ gleichzeitig das Gegenteil sind von den „Zweiseeligen“, d.h. jenen mit einer spirituell defektiven Einstellung (s. Jak 2,7!), und den „Reichen“, d.h. den Israel unterdrückenden Gruppen (s. Jak 2,6!), und es stünde hier im Zusammenhang mit einem ganz ähnlichem Begriff, nämlich dem vom „verstreuten“ Israel (dazu s. FN b). Beide entsprechen nicht der Realität: Weder ist ganz Israel „verstreut“, noch sind alle Israeliten „arm“, doch beide Vorstellungen sind gekoppelt an entsprechende eschatologische Vorstellungen: Gott wird das „zerstreute Israel“ einst von allen Enden der Erde sammeln, und Gott wird einst das „arme“ Israel erhöhen und die „Reichen/Mächtigen“ erniedrigen und vernichten.

Wenn du das überzeugend findest, müsste man aber natürlich auch bei dem vorigen FN-Entwurf den letzten Vorschlag abändern, weil dann ja der Zhg. noch unproblematischer ist. Und die "gespaltenen" und die "zweiseeligen" sind dann vielleicht einfach als die Rom-sympathisanten zu deuten, die die Römer unterstützen, dafür belohnt werden und also "gleichzeitig Gott und weltlichen Interessen" anhangen. Findest du's nicht überzeugend, müsste man hier nur den zweiten Absatz löschen und einen Abschluss-satz verfassen. --Sebastian Walter 22:47, 26. Aug. 2014 (CEST)

Vers 4[Bearbeiten]

FN i[Bearbeiten]

Warum glaubt Johnson, dass dies sinngemäßer übersetzt werden müsste als "zu einem vollkommenen Ausgang führen"? Das müsste noch ausgeführt werden. Aber liegt nicht näher die Deutung von ergon als nomen actionis und dann "vollkommenes Handeln", so dass hier der Gedanke aus 2,14-26 vorweggenommen wird? (so Burchard 2000, Hartin 2003, viele Üss). McCartney 2009 dagegen deutet als „Let it finish its work“ (ähnlich KAR, LUT, PAT, van Ess) - ist es das, was Johnson meint? McCartney führt leider nicht aus, warum er so deutet. --Sebastian Walter 20:44, 20. Aug. 2014 (CEST)

FN j[Bearbeiten]

3. Sg. Imp. Präs. Durch die Aspektbedeutung impliziert ist eine dauerhafte oder ständig neue Veränderung.
würde meinen: Der Aspekt (= entweder Perfekt oder Imperfekt) hat entweder durative oder iterative Bedeutung. Da du aber bei der Formanalyse gar keinen Aspekt angibst, vermute ich, dass du meinst: Die Tatsache, dass hier Imperativ Präsens statt Imperativ Aorist verwendet wird, gibt dem Wunsch eine generelle Sinnrichtung: nicht ein vollkommenes Werk soll Folge der Standhaftigkeit sein, sondern prinzipiell sollen vollkommene Werke die Folge der Standhaftigkeit sein.
Meinst du das? --Sebastian Walter 20:44, 20. Aug. 2014 (CEST)

Die Fußnote bezieht sich auf die Aspektbedeutung des Imperativ Präsens. Habe ich vermutlich von Siebenthal (NSS oder Grammatik). Wird es jetzt klarer? --Ben 21:07, 20. Aug. 2014 (CEST)

Das heißt, du meinst wirklich das, was ich glaube? Dann muss die FN umformuliert werden. Machst du das? --Sebastian Walter 22:16, 20. Aug. 2014 (CEST)

Umgesetzt. Schau mal, obs so passt. --Sebastian Walter 14:49, 21. Aug. 2014 (CEST)

Vers 5[Bearbeiten]

  • Fußnote in V. 5 (mit Jesustradition) muss noch belegt werden.
    • Leider verstehe ich bei dieser Fußnote nicht, was gemeint ist. --Olaf 10:59, 28. Aug. 2011 (CEST)
    • Es geht dabei um den Bedeutungsunterschied der beiden Alternativen, soweit ich sehe. Gibt Gott nun ohne Vorbehalte (also ohne sich darüber zu beklagen oder zu zögern), oder ist er dabei sogar großzügig? Wir hatten dann im Seminar vermutet, dass dem Autor Traditionsmaterial (eben das zitierte) zur Verfügung stand, was besser zu "großzügig" passt. Aber da ich das nicht mehr genau rekonstruieren kann, wird sicher eine Wortstudie mit Blick in den Kommentar weiterhelfen. Vielleicht hatte ich das sogar aus einem und muss es nur noch belegen. Ich habe die verwendeten Kommentare gerade alle ausgeliehen und will sie nochmal durchgehen, wenn ich mit der allgemeinen Durchsicht fertig bin. --Ben 17:17, 28. Aug. 2011 (CEST)

Vers 6[Bearbeiten]

(Man muss)[Bearbeiten]

habe ich selbst hinzugefügt, um eine inklusive Alternative zu "er soll" zu haben (vorher stand "Er (sie) soll", aber "sie soll" ist ja kein Übersetzungsvorschlag). Bin mir aber unsicher, ob das wirklich ein so guter Übersetzungsvorschlag ist. Meinungen? Bessere Vorschläge? --Sebastian Walter 15:24, 23. Aug. 2014 (CEST)

aber[Bearbeiten]

Warum wurde denn "aber" ausgestrichen? V. 6 ist ja eine Einschränkung zu V. 5: Man soll Gott bitten, und er wird geben - aber man muss schon glaubend bitten. Da ist das "aber" doch ziemlich sinnvoll?
Ich habe es mal gestrichen gelassen, weil ich mir denke, dass sich der "Streicher" was dabei gedacht hat, aber ich fände eine Erklärung lieb. --Sebastian Walter 15:28, 23. Aug. 2014 (CEST)

bewegt und hin- und hergetrieben wird[Bearbeiten]

drückt die Wildheit (weniger wg. den Wortbedeutungen (obwohl vgl. ῥιπίζομαι medium: schlottern, beben, Lampe, S. 1217. Ursprünglich offenbar "anfachen" (gesagt vom Feuer und metaph. von der Hoffnung)), sd. wg. dem Hendiadyoin.) der Stelle nicht so gut aus. Was hältst du von "vom Wind (Sturm? - so ALB, MNT, R-S, Stier) gepeitscht (so GN, H-R, HER, NeÜ, NGÜ, R-S) und hin- und hergeworfen (so B/N, GREB, MEI, MEN, NL, R-S, SLT, Stier, TAF)"? Obwohl bei einer Deutung als "zweifeln" (aber s.o.) der Fokus wohl eher auf dem Hin und Her als auf der Wildheit liegt.

Mir fällt außerdem auf, dass einige auf eine Entsprechung zu "bewegt" verzichten und nur "hin- und hergeworfen/-getrieben" setzen, was ich als echte und vielleicht sogar bessere Alternative werten würde, weil mir der Hendiadyoin-Charakter der Phrase ziemlich gut im "hin- und her-" aufgehoben zu sein scheint. So BB, BigS, , GREB, HfA, KAM, KAR, NCV, WIL. --Sebastian Walter 19:07, 23. Aug. 2014 (CEST)

Zhg Vv. 7.8[Bearbeiten]

ist wieder kompliziert. Ich entwerfe wieder eine FN; entscheiden musst wieder du :) (ich persönlich würde Möglichkeit 3 vorziehen, aber grammatisch ist das wohl alles möglich).

Der Zusammenhang der Vv. 7.8 ist nicht ganz klar; sinnvolle Auflösungen wären:

  1. V. 8 ist eine zweite Aussage über den ἄνθρωπος ἐκεῖνος in V. 7: 7 Ein solcher Mensch soll nämlich (1) nicht meinen, dass er irgend etwas vom Herrn erhalten wird. 8 [Er ist] (2) ein zweiseeliger Mensch, der auf all seinen Wegen wankelmütig ist.
  2. V. 8 fungiert als nachgeschobene Apposition
    1. zu ἄνθρωπος ἐκεῖνος ein solcher Mensch in V. 7: 7a Ein solcher Mensch - 8 ein zweiseeliger Mensch, der auf all seinen Wegen wankelmütig ist - 7b soll nämlich nicht meinen, dass er irgend etwas vom Herrn erhalten wird.
    2. zum unausgedrückten Subjekt von λήμψεταί: 7a Ein solcher Mensch soll nämlich nicht meinen, dass er - 8 der ein zweiseeliger Mensch [und] auf all seinen Wegen wankelmütig ist - 7b irgend etwas vom Herrn erhalten wird.
  3. V. 8 ist Begründung von V. 7. Einige Hss. fügen denn auch ein - sicher sekundäres - γὰρ denn nach ἀνὴρ Mensch in V. 8 ein, um diese Deutung nahezulegen, die die Verse aber auch ohne dieses γὰρ haben können: 7 Ein solcher Mensch soll nämlich nicht meinen, dass er irgend etwas vom Herrn erhalten wird - 8 [ist er doch] ein zweiseeliger Mensch, der auf all seinen Wegen wankelmütig ist.
    Theoretisch möglich - aber nicht sehr wahrscheinlich - wäre außerdem nach der Punktation von Westcott/Hort:
  4. 7a Ein solcher Mensch soll nämlich nicht meinen, dass 8 ein zweiseeliger Mensch, der auf all seinen Wegen wankelmütig ist, 7b irgendetwas vom Herrn erhalten wird.; außerdem - wie VUL übersetzt -
  5. 7 Ein solcher Mensch soll nämlich nicht meinen, dass er irgendetwas vom Herrn erhalten wird. Ein zweiseeliger Mensch ist auf all seinen Wegen wankelmütig.

--Sebastian Walter 14:31, 24. Aug. 2014 (CEST)

V. 8[Bearbeiten]

auf all seinen Wegen[Bearbeiten]

zu der Metapher brauchts noch ne FN. Heute abend habe ich keine Lust mehr, aber vielleicht will sie ja jemand anderes schreiben? *hoffnungsvoll* --Sebastian Walter 20:34, 24. Aug. 2014 (CEST)

wankelmütig[Bearbeiten]

finde ich sehr, sehr cool. Ich hatte ein bisschen Angst, dass das ein bisschen veraltet sein könnte, aber z.B. im ZEIT-Korpus findet sich das sehr oft, ist also noch gebräuchlich. Wollte ich nur mal festhalten :) --Sebastian Walter 20:26, 24. Aug. 2014 (CEST)

Zhg Vv. 8.9[Bearbeiten]

ist wieder schwierig. Was ist das nur für ein Brief?^^
Ich entwerfe wieder eine FN:

Auch der Zusammenhang der Abschnitte Vv. 5-8 und 9-12 ist nicht klar.

  1. Dibelius 1964 denkt wieder, dass beide Abschnitte als voneinander unabhängige Perikopen zu deuten sind; das δὲ wäre dann wieder als Abschnitte trennendes δὲ zu deuten.
  2. Andere gehen davon aus, dass Vv. 9-12 auf Vv. 2-4 zurückgreifen, weshalb abschließend in V. 12 ja noch mal die Rede auf die „Versuchungen“ kommen kann: Arm sein wäre dann die „Versuchung schlechthin“, worüber der Arme aber nicht klagen, sondern - vgl. Vv. 2f - jubeln soll, da solche Versuchungen ja als Schleifsteine auf dem Weg zur Standhaftigkeit im Glauben anzusehen sind (so McCartney 2009; Ropes 1916). Auch hier sollte man das δὲ besser als Abschnitte trennendes δὲ deuten.
  3. Einen weiteren schönen Vorschlag hat offenbar als erster Taylor 2006 gemacht: Er sieht Vv. 9-11 als Elaboration zu Vv. 5-8: Vv. 5-8 führen aus, dass für das Bestehen von Versuchungen „Weisheit“ nötig ist, und Vv. 9-11 empfehlen dann jeweils dem armen und dem reichen Christen die der Weisheit entsprechende Lebenshaltung, die ihrer sozialen Position angemessen ist: Der Arme soll nicht über seine Armut klagen, sondern hoffnungsfroh auf seine künftige Erhöhung voraussehen; der Reiche wiederum soll sich trotz seines Reichtums nicht höher einschätzen als den Armen, da Reichtum ja ohnehin „Schall und Rauch“ ist. Das δὲ wäre dann als explikatives δὲ aufzufassen: „Das heißt:/zum Beispiel:/...: Ist man arm, soll man über seine [künftige] Erhöhung jubeln; ist man reich...“.
  4. Bei Vorschlag (2) würden allerdings Vv. 5-8 die Argumentation stören, bei Vorschlag (3) Vv. 6-8. Geht man davon aus, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Abschnitt Vv. 9-11 und 2-8 besteht, sollte man daher besser davon ausgehen, dass der ἀδελφὸς ὁ ταπεινὸς arme/demütige Bruder in V. 9 das Gegenkonzept zum ἀνὴρ δίψυχος zweiseeligen Mann in V. 8 ist, wohin auch schon weist, dass in Jak 4,8-10 auf das zweite Vorkommen des Wortes δίψυχος ebenfalls die Rede folgt, man müsse sich „demütigen“, denn den Demütigen würde Gott erhöhen. Der Zusammenhang wäre dann also entweder:
    1. Der „Zweiseelige“ ist derjenige, der gleichzeitig Gott anhangt und weltlichen Interessen folgt (s.o.), und dieser wird keinesfalls etwas vom Herrn erhalten. Der „Demütige“ dagegen ist jener, der sich ganz Gottes Willen unterstellt, und dafür wird er etwas vom Herrn erhalten, nämlich wird ihn Gott erhöhen. Ergo: Selbst, wenn man reich sein sollte, soll man sich demütigen („sich seiner Demut rühmen“), denn nur dann wird man später auch erhöht werden, und ohnehin wird der Reichtum ja schwinden wie verdorrendes Gras (so oder ähnlich z.B. McKnight 2011; Konradt 1998). Das δὲ ist dann am besten als kontrastives δὲ zu fassen und der Imperativ wohl als permissiver Imperativ, der dann in V. 10 als befehlender Imperativ fortgeführt wird: „Der Arme/Demütige dagegen kann/darf über seine [künftige] Erhöhung jubeln; der Reiche aber soll...“.
    2. Man fasst den „Armen/Unterdrückten/Demütigen“ als Begriff für die Israeliten (s. nächste FN); sowohl die „Zweiseeligen“ in V. 8 als auch die „Reichen“ in V. 10 sind dann Begriffe für die „Feinde“ Israels; entweder also die Besatzermächte oder - wahrscheinlicher - die Israeliten, die mit den Besatzermächten sympathisieren und zusammenarbeiten, die als solche also hin- und hergerissen - d.h. „gespalten“, „zweiseelig“ sind zwischen ihrem Israelitentum und ihrer Verehrung Gottes einerseits und ihren weltlichen Interessen und ihrer Besatzermächte-sympathie andererseits. Vv. 9-11 sind dann eine Heilszusage an Israel: Die Besatzermächte / Die Sympathisanten werden von Gott nicht erhört werden; stattdessen werden sie vergehen wie vertrocknendes Gras. Das unterdrückte Israel dagegen wird dereinst von Gott befreit und erhöht werden.

--Sebastian Walter 17:10, 26. Aug. 2014 (CEST)

Vers 9[Bearbeiten]

wäre je nach Deutung des Zhgs von Vv. 8.9 anzupassen. Eines aber jetzt schon:

hohe Stellung[Bearbeiten]

ist doch wohl eher die "Erhöhung", nämlich die künftige Erhöhung der Demütigen/Armen, von denen z.B. auch das Magnifikat spricht, oder Jak 4,10, oder die Seeligpreisungen (Lk 6,20-26). s. z.B. Assaël/Cuvillier 2013, S. 163. --Sebastian Walter 19:26, 26. Aug. 2014 (CEST)

Vers 13[Bearbeiten]

Hier hat Olaf vielleicht meine Fußnote missverstanden. Jedenfalls hast du aus „Gott kann nicht vom Bösen versucht werden“ „Gott probiert das Böse nicht aus“ gemacht, obwohl die Fußnote belegt, dass die meisten Exegeten sich für diese (erstere) Interpretation entschieden haben. Gibt es einen Grund für diese inhaltliche Verschiebung? --Ben 23:36, 6. Okt. 2011 (CEST)

Ah, gerade habe ich Olafs Kommentar dazu unter Lesefassung gesehen. Ich mach das dann mal rückgängig. Falls ich jetzt meinerseits einen Fehler mache, können wir das ja weiter diskutieren. :-) --Ben 17:48, 23. Okt. 2011 (CEST)

Weitere Aufgaben[Bearbeiten]

  • In V. 17 müsste das textkritische Problem noch angesprochen werden. Das hatte ich offenbar zunächst ignoriert. In der Fußnote muss noch die Erklärung ergänzt werden. --Ben 17:48, 23. Okt. 2011 (CEST)
  • V. 18: Eine kleine Wortstudie zur "Erstlingsgabe" wäre wünschenswert (s.a. Olafs Material unten). --Ben 17:48, 23. Okt. 2011 (CEST)
  • V. 19: Textkritik --Ben 17:48, 23. Okt. 2011 (CEST)

Lesefassung[Bearbeiten]

Unsere Übersetzung http://amen-online.de/bibel/neu/jak_1_12-18.html darf gerne als Ausgangspunkt für die Lesefassung genommen werden. --Olaf 11:01, 28. Aug. 2011 (CEST)

  • In der verlinkten Übersetzung haben wir die verschiedenen Bedeutungen von „πειράζω“ (versuchen, erproben, auf die Probe stellen, in Versuchung führen, ausforschen, ausprobieren, kennen lernen, erfahren) mit „auf die Probe stellen“ und „ausprobieren“ wiedergegeben – auch als Alternative zum „Bibelsprech“. Was haltet Ihr davon? --Olaf 20:55, 28. Aug. 2011 (CEST)
Das klingt so gut, dass ich persönlich „auf die Probe stellen“ auch gleich in die Studienfassung übernehmen würde ("versuchen" könnte dann vielleicht in einer Klammer stehen, damit es für Bibelsprech-Gewohnte klar ist). Eine schöne Übersetzung! :-) --Ben 18:48, 4. Sep. 2011 (CEST)
Gut, ich habe das in den Text eingebaut. Ein paar Partizipien musste ich dabei anders auflösen. Wenn Dir die Änderungen zu weit gehen, kannst Du gerne nach einem Mittelweg suchen. --Olaf 10:05, 12. Sep. 2011 (CEST)
  • Ebenfalls würde ich mich über Feedback zur dort verwendeten Übersetzung „erste Früchte“ (+Fußnote) freuen (Vers 18). --Olaf 20:55, 28. Aug. 2011 (CEST)
Dazu würde ich auch gerne nochmal eine Wortstudie machen. Und meinen damaligen Dozenten fragen, der hat darüber nämlich promoviert. --Ben 17:48, 23. Okt. 2011 (CEST)