Ijob 4

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (Ijob 4)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 4)

1 Da antwortete Elifas, der Temaniter, und sprach:


2 „Dürfen wir ein Wort an dich richten (versuchen; Richten wir ein Wort an dich?; Wenn wir ein Wort an dich richten, wird...)?a Es wird dich ermüden (erschöpfen)!b
Doch Worte zurückzuhalten – wer vermag es!?
3 Siehe:c Du hast erzogen (gezüchtigt) viele
Und schlaffe Hände hast du gestärkt.d
4 [Den] Niedersinkenden erhoben deine Worte
Und nachgebende Knie stärktest du.
5 Doch nun jedoch (trotzdem):e [Es] soll (wird) an dich kommen und du bist müde (erschöpft),
[Es] soll (wird) dich treffen und du bist erschreckt (vernichtet).f
6 Ist [also] nicht deine [Gottes]furcht (Angst) dein Vertrauen (deine Dummheit),
Deine Hoffnung die [ach so große]g Vollkommenheit deiner Wege!?h


7 Denke doch daran:i Wer ists, der unschuldig verging,
Wo ist [je] ein Aufrechter zerstört worden?
8 Wie ich's sah, [ist's stets so:] Die Unrecht pflügenj
Und Mühsal säen – werden's ernten.
9 Durch Gottes Schnauben werden sie zugrunde gehen,
Durch den Sturm (Wind) seiner Nase werden sie verzehrt werden (werden sie verzehrt werden)!
10 Wurden das Brüllen des Löwen1k und der Schrei (Klang) des Löwen2
Und die Zähne des Löwen3 ausgeschlagen,l
11 Vergeht der Löwe4 aus Mangel an Beute
Und die Söhne des Löwen5 werden zerstreut werden.m


12 {Und} zu mir stahln sich ein Wort,
– Und es nahm wahr mein Ohr ein bisschen davon –
13 In Gedanken, [hervorgerufen] durch Visionen der Nacht,
Als Tiefschlaf über Menschen fielo
14 – Schrecken ergriff mich und Beben
Und erschreckte die Menge meiner Knochen
15 Und ein Windhauch (Geist)p wehten über mein Gesicht
Es ließ schaudern ein Sturm mein Fleisch (das Haar meines Fleisches stand aufrecht?)! –:q
16 Da standn – ich konnte ihr Aussehen nicht erkennen –
Eine Gestalt vor meinen Augen.
Stille. Dann hörte ich eine Stimme (Ich hörte eine stille/leise Stimme):


17 ‚Kann ein Menschlein gerecht sein vor (gerechter sein als) der Gottheit
[Oder] etwa vor seinem Schöpfer rein (als sein Schöpfer reiner) sein ein Mann?r
18 Siehe:c (wenn) [Selbst] in seine Dieners kann er nicht sein Vertrauen setzen
Und seinen Engeln (Boten) muss er Frevelei (Täuschung, Unsinn, Irrtum)t zuschreiben –
19 Wie viel mehr [muss das also gelten] für die Bewohner von Lehmhäusern,u
Die ihr Fundament im Staub haben.
Man zerdrückt sie (Zerdrückt werden sie)v wiew Motte[n] (wie ein Vogelnest),
20 Zerstört sie von Morgen bis Abend –
Ohne [dass] man's beachtet (sie's realisieren, ohne Namen, aus Mangel an Achtsamkeitx), vergehen sie beständig (für immer).y
21 Ist's nicht so: Wurde ihr Strick (Faden, Überrest)z durch sie [selbst] (in ihnen) herausgerissen,
[Dann] müssen (werden) sie sterben – und [das] nicht in Weisheit?‘

Anmerkungen

Der erste, der auf Ijobs ausführlichen Klageschrei antwortet, ist Elifas in den Kapitel 4-5. Seine Antwort lässt sich grob in fünf Abschnitte gliedern:
(1) Vv. 2-6 Warum bist gerade du hoffnungslos, wo doch gerade du früher so häufig Verzweifelnde ermutigt hast? (2) Vv. 7-11 In der Tat: Frevler werden von Gott zugrunde gerichtet. (3) Vv. 12-21 Und weiterhin: Im Prinzip ist vor Gott erstens jeder ein Frevler, zweitens ist der Mensch mit seinem Leben und Sterben doch völlig unbedeutend; aufs Ganze gesehen leben und sterben Menschen wie Fliegen, wen sollte das kümmern? –
Was Elifas in diesem zweiten Abschnitt von sich gibt, ist eine Reihe theologischer Banalitäten, die von ihm aber in Vv. 12-16 lang und breit eingeführt werden als Inhalte einer außerordentlichen Vision, die Gott ihm gewährte – kein Wunder, dass Ijob die Worte des Elifas in Kap. 6 grob zurückweist als „Traumgesabbel“.

atFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Dürfen wir ein Wort an dich richten (versuchen; Richten wir ein Wort an dich?; Wenn wir ein Wort an dich richten, wird...)? - Das erste Wort ist heb. hanissah, wörtl. auf den ersten Blick die Fragepartikel ha- + nissah, „man versucht“, i.d.R. i.S.v. „in Versuchung führen“ (so deuten z.B. Raschi, Raschbam, Rambam und Saadja. I.S.v. „ausprobieren“ aber auch in Dtn 4,21; 28,56; Ri 6,39; 1 Sam 17,39). Das macht schwerlich Sinn, wenn man nicht dabar („Wort“) gegen MT zum Infinitiv dabber („sprechen“) umpunktiert (wie auch AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., TheodEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. deuteten): „Dürfen wir versuchen, zu sprechen zu dir?“. nissah ist daher eher eine alternative Schreibung von nißßah („erheben“, mit „Wort“ als Obj. auch in Am 5,1), also „dürfen wir ein Wort an dich richten?“. So schon AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., TheodEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., VLKurz für „Vetus Latina“, die „altlateinische Bibel“. Sammelbezeichnung für die erhaltenen Fragmente lateinischer Bibelübersetzungen vor Hieronymus´ Vulgata aus dem 2. - 4. Jh., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., Ibn Ezra. Zum Gedanken vgl. Sophokles, Die Trachaierinnen 1230f.: „Ach, es ist falsch, mit einem kranken Mann zu streiten!“
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Die in dt. Üss. häufige Üs. „Wenn man ein Wort an dich versucht (besser: richtet), wird...?“ ist sinngemäß sicher richtig. Dass schon SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., TheodEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. mit „wenn“ übersetzen, könnte nahelegen, dass der Text auch in einer alternativen Version statt als hnsh entweder als hn nsh oder als h nsh / hn sh mit n als „shared consonant“ (beides: „wenn man versucht,...“) überliefert war. Für die LF macht dies letztlich keinen Unterschied. (Zurück zu v.2)
bermüden (erschöpfen) - eine etwas merkwürdige Wortwahl in diesem Kontext. Vermutlich daher ein sarkastischer Rückbezug auf Ijob 3,26: „Kein Frieden! Keine Rast! / Keine Ruhe! Nur Aufruhr!!!“ Darauf Elifas sarkastisch: „Natürlich wird es dich noch mehr erschöpfen, wenn wir jetzt auch noch mit dir argumentieren – jedoch...“ (so gut Burnight 2014Burnight, John: Does Eliphaz Really Begin „Gently“? An Intertextual Reading of Job 4,2-11, in: Bib 95/3, 2014. S. 347-370., S. 349f.). (Zurück zu v.2)
cSiehe wie häufig nur, um zu markieren, dass nun eine Argumentation folgt: „Schau mal:...“. In der LF am besten auszusparen. (Zurück zu v.3 / zu v.18)
dhast du gestärkt - W. „hast du (immer wieder) gestärkt“; im Gegensatz zur Verbform Qatal in 3a, mit der Vergangenheit und Gegenwart Indikativ ausgedrückt wird, wird hier und im Folgenden die Verbform Yiqtol verwendet, mit der für gewöhnlich Futur, Modalität oder wie hier Iterativität markiert wird. Häufigeres heb. Stilmittel, das so nicht ins Dt. übertragbar ist: T-ShiftV.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f... (Zurück zu v.3)
eDoch nun jedoch (trotzdem) - AnakrusisStilmittel: Auftakt eines Verses mit Wort/Wörtern, das/die außerhalb des eigentlichen Metrums steht/stehen. Schön deutlich z.B. in Ps 1,1.: Die beiden Worte stehen im Heb. außerhalb des Metrums und markieren so auch metrisch den Einschnitt in Elifas Rede, nach dem nun von Anderem die Rede sein wird: nicht von Ijobs früherem regulärem Agieren an Anderen, sondern an seinem aktuellen Reagieren auf seine eigene schlimme Situation. Zu den Worten selbst s. nächste FN. (Zurück zu v.5)
ftFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Die Verben für [es] soll an dich kommen + [Es] soll dich treffen sind nicht, wie aufgrund des „nun“ zu erwarten wäre, Qatal, sondern Yiqtol, womit Futur, Modalität und Iterativität markiert wird. Gemeint ist mit „[es]“ daher wohl nicht das Leid, das Ijob bereits erfahren hat, sondern das daraus resultierende Leiden, unter dem Ijob zukünftig leiden wird. Treffend wird dies im nächsten Vers kontrastiert mit den beiden auf die Zukunft hin orientierten Regungen „Vertrauen“ und „Hoffnung“. `attah („nun“) in „doch nun jedoch“ ist hier daher wohl kein Temporaladverb mit der Bed. „zum jetztigen Zeitpunkt“, sondern – ähnlich wie in den dt. Ausdrücken „nun denn“ oder „nun wohl“ – ein Diskursmarker mit der Bed. „nun jedoch“, „trotzdem“ (wie we`attah in Jes 64,7; Hag 2,4; vgl. Brongers 1965Brongers, H.A.: Bemerkungen zum Gebrauch des adverbialen ''w<sup>e</sup>`attāh'' im Alten Testament, in: VT 15/3, 1965. S. 289-299., S. 295; Jenni 1997eJenni, Ernst: Zur Verwendung von ''`attā'' „jetzt“ im Alten Testament, in: Ders.: Studien zur Sprachwelt des Alten Testaments. Herausgegeben von Beat Huwyler und Klaus Seybold. Stuttgart, 1997., S. 47), mit dem angezeigt wird, dass das Folgende im Kontrast steht zum Vorigen. Das ki („doch“) direkt davor hat beinahe genau die selbe Funktion; in Kombination sind die beiden Worte also sehr stark kontrastierend. (Zurück zu v.5)
gtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: [ach so große] - emphatisches Waw; so Blommerde, Delitzsch; Dhorme; vgl. KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. §341. (Zurück zu v.6)
hSarkasmus: die Grundthese von Elifas ganzer Rede in Ijob 4-5 ist gerade, dass niemand vollkommen ist in den Augen Gottes (in Ijob 9,20-22 ist gerade dies Ijobs Frevelei: Dass er sich anmaßt, zu behaupten, er sei vollkommen und Gott strafe ihn dennoch), dass Gottes Strafe daher stets gerechtfertigt ist und dass man daher keine Wahl hat, als sein Vertrauen allein in Gott zu setzen. Vgl. sehr ähnlich Ijob 22,3-5, wo wieder Elifas gerade an das hier Gesagte anknüpft: „Hat Gott etwa Gefallen daran, wie gerecht du bist; hat er Nutzen daraus, wie vollkommen dein Weg ist? Ist's wegen deiner [Gottes]furcht, dass er dich verurteilt? ... Ist nicht [vielmehr] deine Bosheit groß, sind nicht [vielmehr] ohne Ende deine Missetaten!?“ Sehr treffend daher, dass für „Vertrauen“ gerade das doppeldeutige Wort kislah verwendet wird, das auch „Dummheit“ bedeuten kann (wie auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und Raschi deuten; auch Wolfers 1995Wolfers, David: Deep Things Out of Darkness. The Book of Job. Essays and a New English Translation. Grand Rapids, 1995., S. 379; ähnlich Hoffman 1980Hoffman, Y.: The Use of Equivocal Words in the First Speech of Eliphaz (Job IV-V), in: VT 30/1, 1980. S. 114-119., S. 115). (Zurück zu v.6)
iDenke doch daran - AnakrusisStilmittel: Auftakt eines Verses mit Wort/Wörtern, das/die außerhalb des eigentlichen Metrums steht/stehen. Schön deutlich z.B. in Ps 1,1. wie in V. 5. (Zurück zu v.7)
jpflügen - „einpflügen“; das „Pflügen“ und das „Säen“ in der nächsten Zeile beschreiben den selben Arbeitsgang; in V. 8 werden also nicht die beiden Ackerbau-tätigkeiten in verkehrter Reihenfolge genannt, sondern im V. findet sich ein hyperbatischer MerismusRhetorische Figur: Ein Oberbegriff wird durch zwei Unterbegriffe umschrieben. Besonders häufig: Ausdruck einer Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe. Bsp.: Ex 10,9: „Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest JHWHs.“: „Die Unrecht und Mühsal pflügen und säen“.
Zum Vorgang vgl. Dalman, AuSDalman, Gustav: Arbeit und Sitte in Palästina I-VI. Links unter https://goo.gl/EceSwG II 184: „In [Arabien] fiel bei Saubohnen das Vorpflügen weg, und der Pflüger ließ bei einmaligem Pflügen den Samen in die Furche fallen, der bei der nächsten Furche zugedeckt wurde, wie es ja stets bei dieser Art des Säens geschieht. [...] Diese Art des Säens ist noch vollkommener organisiert, wenn man die Saat durch einen an den Pflug gebundenen langen Trichter [...] in die Furche fallen läßt, und zwar so, daß der Same hinter der Sohle des Pfluges mit Sicherheit in die tiefste Stelle der Furche gelangt.“ (Zurück zu v.8)
kLöwe1 - in diesem und dem nächsten Vers werden fünf verschiedene Wörter verwendet, die alle den „Löwen“ bezeichnen. Das erste, ´arjeh, ist seine Standardbezeichnung und kommt wohl etymologisch von gez. ´arwe („wildes Tier“). Das zweite, schachal, bed. wörtl. „der Brüller“, was sehr gut zum Vers passt. Das dritte, kefir, kommt etymologisch von kafar („stark sein“), wodurch ein schöner Kontrast zum Ausdruck kommt: Gerade der „Starke“ ist's, dessen Zähne hier ausgeschlagen werden. Das vierte, lajisch, ist wohl ganz ähnlich etymolgisch verwandt mit arab. lait / laias („Tapferkeit“) und also „der Tapfere“; das fünfte schließlich, labi´, wieder mit akk. nabû („brüllen“) und wird wegen dieser Stelle und Ez 19,2 oft sinnvoll, aber nicht notwendig als Bezeichnung einer „Löwin“ gedeutet. (Zurück zu v.10)
lausgeschlagen - synästhetisches Zeugma. Heb. nata`, unsicheres Wort (=> Hapax legomenonUns sind nicht sehr viele altgriechische und noch viel weniger althebräische Texte überliefert; häufig finden sich daher in der Bibel Begriffe, die im gesamten überlieferten altgriechischen / althebräischen Textkorpus nur ein Mal oder nur wenige Male verwendet werden. Die Bedeutung dieser Begriffe ist entsprechend unsicher. Einen Begriff, der nur einmal verwendet wird, nennt man „Hapax legomenon“; Begriffe, die nur zweimal oder dreimal verwendet werden, nennt man entsprechend „Dis legomenon“ und „Tris legomenon“.). Vermutlich verwandt mit dem aram. nataṣ und dem akk. natû („schlagen, zertrümmern“). Das „Brüllen des Löwen“ und der „Schrei des Leun“ in der vorigen Zeile sind dann bildliche Rede für das geöffnete Maul derselben; auch ihnen werden die Zähne herausgeschlagen. (Zurück zu v.10)
mMan beachte die Verbformen, die leider in den meisten Üss. übergangen werden und über die hier eine Zeitfolge ausgedrückt wird: V. 10 Qatal (=Vergangenheit), 11a Partizip (=Gegenwart), 11b Yiqtol (=Zukunft).
Die Gedankenverknüpfung von Vv. 7-11 ist nicht leicht erkennbar. Vermutlich ist der rote Faden nur die allen Versen zugrundeliegende Logik: Unrecht wird bestraft. Unschuldige vergehen nicht und Aufrechte werden nicht zerstört, aber Ackerbauern des Unheils werden Unheil ernten und brüllenden und zähnefletschenden Löwen werden die Zähne ausgeschlagen, so dass auch sie vergehen. Einen alternativen Vorschlag hat aber bedenkenswert Thomas von Aquin gemacht: Für ihn liefert hier Elifas nachträglich noch die Erklärung nach, warum eigentlich auch Ijobs Kinder sterben mussten. Dies, könnte man sagen, ist nun mal der Lauf der Welt: Gerechte werden nicht bestraft; Missetäter schon, und wie eines Löwen Junge sterben, wenn ihm die Zähne ausgeschlagen wurden, [so müssen naturgemäß auch die Kinder von Sündern sterben, wenn diese bestraft werden]. (Zurück zu v.11)
nstahl (V. 12), wehte + ließ schaudern (V. 15), stand + konnte erkennen + hörte (V. 16) - W. „wird sich stehlen“, „wird wehen“ etc.; die Verbformen (Yiqtol) sind grammatisch unerklärlich. Auffällig sind es anfangs gerade die Verben für die Widerfahrnisse des Elifas während seiner nächtlichen Vision, die im Yiqtol stehen; die Verben für seine Empfindungen – in V. 14 nämlich, oder 12b, wo anders als in 12a Elifas Subjekt ist – stehen im Qatal oder Wayyiqtol, wie dies bei einem Bericht über die Vergangenheit auch zu erwarten wäre. Ab V. 16 stehen aber auch Elifas Wahrnehmungen im Yiqtol. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Stilmittel, dessen grammatikalischer Hintergrund heute aber nicht mehr verständlich ist. Die meisten älteren Üss. üs. mit Vergangenheit; Horst 1969, B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil., TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. 16, LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 17 und ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen. 07 allerdings mit historischem Präsens, was für die LF durchaus erwägenswert wäre:

„Da stiehlt sich ein Wort zu mir
(Ein bisschen davon konnte mein Ohr wahrnehmen)
In Visionen aus Träumen zur Nacht,
Als Tiefschlaf über Menschen fiel
(Schrecken ergriff mich und Beben
Und erschreckte mich am ganzen Leib!
);
Ein Windhauch weht über mein Gesicht,
Ein Sturm lässt mein Fleisch schaudern,
Da steht – ich kann sie nicht erkennen! –
Eine ... Gestalt vor meinen Augen!

Stille. Dann hör ich eine Stimme:...“ (Zurück zu v.12 / zu v.15 / zu v.16)
oD.h.: Zur Zeit, da Menschen tief schlafen, hatte ich einen Traum, in dem sich zu mir ein Wort stahl, von dem ich ein bisschen wahrnahm. Jede Zeile scheint hier jeweils noch etwas mehr als die vorige Elifas zum unzuverlässigen Erzähler zu machen („Ich habe ein Weisheit empfangen. Also, nur einen Teil davon, muss ich gestehen. Im Traum, allerdings. Einem Traum, den ich zugegebenermaßen zur Zeit des Tiefschlafs hatte.“). Folgt man aber Ijob 33,14-16 (vgl. auch Jer 23,25), ist im Gegenteil genau dies die Weise, auf die Gott sich dem Menschen offenbart, und damit die zuverlässigste Quelle für die Empfängnis von Wahrheiten: Elifas präsentiert sich hier als Prophet, wie dies richtig b.B.B. 15b gesehen hat. (Zurück zu v.13)
pWindhauch (Geist) - Nicht selten übersetzt als „Geist“. Doch dies ist sehr unwahrscheinlich, da das Verb klar ein „Wind-verb“ ist („wehen“); so richtig Ball 1922Ball, Charles J.: The Book of Job. A Revised Text and Version. Oxford, 1922. online unter: https://goo.gl/YCNiHL, S. 138; Dhorme 1984Dhorme, Édouard: A Commentary on the Book of Job. Nashville u.a., 1984., S. 51. (Zurück zu v.15)
qEs ließ schaudern ein Sturm mein Fleisch (das Haar meines Fleisches stand aufrecht?) - Ein Zeichen der Gegenwart Gottes, der im Alten Orient auch als Wind- und Sturmgott verehrt wurde.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Unsichere Üs. Das erste Wort ist entweder zu übersetzen als „Es ließ schaudern“ oder „Es stand aufrecht“, das zweite als „ein Sturm“ oder „das Haar“. Ersteres ist unsicher; das Wort smr findet sich nur zwei Mal im Heb. (das zweite Mal in Ps 119,120), das abgeleitete Adjektiv nur einmal in Jer 51,27 („schaudern machende / borstige Heuschrecken“). Auch die EtymologieAls „Etymologie“ bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung von Wörtern. Mehrere Sprachen einer „Sprachfamilie“ - z.B. Deutsch, Englisch, Niederländisch oder Hebräisch, Ugaritisch, Arabisch - gehen auf gemeinsame „Vorfahren“ zurück - in diesen Fällen Indogermanisch oder Protosemitisch. Stammt ein Wort X1 von einem „Wort-vorfahren“ x ab, nennt man dieses x das „Etymon“ von X1; die „Geschwister“ X2 und X3 von X1 in verwandten Sprachen, die vom selben Etymon abstammen, nennt man die „Kognate“ von X1. In der Bibelwissenschaft ist die Etymologie besonders deshalb hilfreich, weil ein Wort X1 oft in seiner Bedeutung mehr oder weniger mit den Bedeutungen seines Etymons x und seiner Kognate X2 und X3 übereinstimmt. Kennt man also nicht die genaue Bedeutung von X1, aber die Bedeutungen von X2 und X3, lassen sich über die Bedeutungen der Kognate Rückschlüsse auf die Bedeutung von X1 ziehen. ist ganz unklar; verwiesen wird gelegentlich auf aram. smr ((voll)nageln“), woraus sich dann über „vollgenagelt“ die Bed. „borstig sein“ und daher vom Haar „aufrecht stehen“ entwickelt haben soll. Das ist doch recht weit hergeholt. Als „aufrecht stehen“ üs. aber auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., eine zweite gr. Üs., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., Raschi; beide Deutungen referiert schon Berachja. Das zweite Wort, ßa`arat sollte auf den ersten Blick „das Haar von“ bedeuten (wie z.B. 1 Sam 14,45), könnte aber ebenso gut eine Nebenform von sa`arah („Sturm“) mit der alten Femininendung -at sein, wie auch TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. hier deutet. Das stärkste Indiz ist, dass in Ps 119,120 das Fleisch selbst und nicht „Haar des Fleisches“ Objekt des Verbs smr ist und also smr etwas ausdrückt, was mit dem Fleisch selbst geschieht, und hier das Verb im Piel steht, also recht wahrscheinlich die Rede ist von einem Subjekt, das das Objekt „Fleisch“ smr lässt. Etwas mehr spricht daher für die obige Primärübersetzung, wenn auch ganz unsicher ist, was smr genau bedeutet. So auch B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil., TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus.. (Zurück zu v.15)
rgerecht vor (gerechter als) + rein vor (reiner als) - Der heb. Text lässt beide Bedd. zu. Fast wörtlich werden diese Fragen noch einmal wiederholt in Ijob 9,2; Ijob 15,14; Ijob 25,4 – es ist eine der Schlüsselfragen des Ijobbuches. Viele Exegeten weisen die Deutung „gerechter/reiner als“ zurück, weil dies ja anmaßend wäre und Ijob nie eine solche Absurdität behauptet habe. Aber richtig Harding 2005Harding, James E.: A Spirit of Deception in Job 4:15? Interpretive Indeterminacy and Eliphaz's Vision, in: BI 13/2, 2005. S. 137-166. online unter https://tinyurl.com/y669x6ly, S. 163f.: Im konkreten Falle von Ijob ist es tatsächlich so, dass Ijob mehr im Recht ist als Gott, wie dieser in Ijob 2,3 mehr oder weniger selbst zugibt. Letztlich macht die Üs. aber keinen Unterschied: Kann ein Mensch gerecht und rein sein vor Gott und ist dies bei Ijob der Fall, setzte dies Gott hier ins Unrecht (richtig Thomas von Aquin: „Würde ein Mensch schuldlos von Gott bestraft, folgte daraus, dass der Mensch gerechter sei als Gott“). Im Redekontext macht die Primärüs. etwas mehr Sinn: Thematisiert wird die Frage, ob Gott Gerechte schädigt oder nur Sünder. Elifas Antwort: Nur Sünder – aber jeder ist sündig; niemand ist „gerecht vor Gott“. (Zurück zu v.17)
sDiener stehen in diesem argumentum a maiori ad minus klar für übermenschliche Wesen. TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. hält sie für Prophten, Ralbag für Heilige, Ibn Ezra und Raschbam für himmlische Wesen, Berachja wie in der Parallelstelle Ijob 25,5 (vgl. auch Ijob 15,15) für (im AO oft personifiziert gedachte) Himmelskörper. (Zurück zu v.18)
ttFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Frevelei (Täuschung, Unsinn, Irrtum) - Heb. tohola. Unsicheres Wort, das nur hier im Heb. überliefert ist, weshalb viele us. Vorschläge zur Deutung gemacht wurden. Eine Auswahl: Gerade TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. kannten das Wort offenbar nicht, was nahelegt, dass hier ein Schreibfehler vorliegen könnte (am häufigsten vertreten: Ursprünglich sei tiflah, „Täuschung“, wie Ijob 1,22; Ijob 24,12; so z.B. BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Houtsma, Siegfried). Raschi, Ibn Ezra und evt. SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX. leiteten es ab von hll III („närrisch sein“), also „Torheit, Unsinn“ wie ähnlich in Pred 1,17 (so z.B. LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs. 17); LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. wohl von hll IV („freveln“), also „Frevelei“ wie ähnlich in Ps 5,6; 73,3; 75,5 (so z.B. Ball, Gordis). Die meisten dt. Üss. (z.B. Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. 16) haben „Irrtum“ und gehen also davon als, dass das Wort verwandt ist mit äth. tahala und arab. wahila („wandern, irren“). (Zurück zu v.18)
uLehmhäuser - meist erklärt als Bild für den menschlichen Körper, den Gott aus Lehm gebildet hat (s. Gen 3,19; Weish 9,15; 2 Kor 5,1; 2 Pet 1,13ff.). (Zurück zu v.19)
vTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist. - W. „Sie zerdrücken sie“; impersonaler Plural. SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. übersetzen mit Passiv, was jdk´w statt jdk´wm als ursprünglichen Text voraussetzen könnte; LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. Sg., was ein ursprüngliches jdk´m voraussetzen könnte. Erwägenswert wegen dieser Varianten daher Reiske: -m gehörte ursprünglich als m- zu lpnj (mlpnj, „vor, als“): „Man zerdrückt sie [noch] vor der Motte“, also „leichter/schneller als Motten“. Das Passiv in SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. ist aber wohl nur eine idiomatische Üs. des impersonalen Plurals; LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. wird wohl auf eine Defektivschreibung zurückgehen. (Zurück zu v.19)
wtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: lipne wieder in der Bed. „wie“ wie in Ijob 3,24. (Zurück zu v.19)
xaus Mangel an Achtsamkeit - so sehr erwägenswert VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., was gut mit dem Ende von V. 21 zusammenstimmte. Bisher ist dem aber niemand gefolgt. (Zurück zu v.20)
ybeständig (für immer) - stets üs. als „für immer“. Aber wie sollte man anders vergehen als „für immer“? lanetsach ist daher wohl eher „beständig“ und drückt wie „von Morgen bis Abend“ aus, dass Menschen sterben „wie die Fliegen“; einer nach dem anderen und ohne Zahl und ohne, dass sich jemand darum schert. (Zurück zu v.20)
zihr Strick (Faden, Überrest) - schwierige Stelle. Am besten noch Szczygiel 1931Szczygiel, Paul: Das Buch Job. Übersetzt und erklärt. Bonn, 1931., S. 54: bam (meist: „in/an ihnen“) meint hier „durch sie [selbst]“. Die menschlichen Körper, die in V. 19 als Lehmhäuser vorgestellt werden, werden hier metaphorisch noch einmal weiter umgebildet zu Zelten. Reißen die Menschen selbst diese Haltestricke (oder, wenn man statt jtrm das graphisch sehr ähnliche jtdm liest, wie das viele tun, ihre Zeltpflöcke) heraus (nämlich durch Sünden, die dann eben automatisch Strafen Gottes nötig machen), dann fallen diese Zelte nun mal ein, d.h. sterben die Menschen nun mal – und zwar aus eigener Schuld. Der Sinn entspricht dann recht deutlich dem vom das-Unheil-selbst-gesät-Haben in V. 8.
Alternativ Buttenwieser: Der Mensch und sein Leben wird im Heb. noch häufiger metaphorisch als Textilie dargestellt, s. Ijob 10,11; Ps 139,13; Jes 38,12; ähnlich Ijob 7,6. Sehr verwandt wäre dann das häufigere arabische Bild vom Sterben als dem „Abschneiden einer Schnur“, von dem Fischer 1913Fischer, A.: ''Zauw al-manīja'', in: ZDMG 67, 1913. S. 113-122. online unter https://tinyurl.com/y5hcfykb, S. 121 einige Bspp. zusammengetragen hat, z.B. „die Kümmernisse, die die Lebensalter abschneiden“; „so geht ja jeder Lebende zugrunde, und jedes Seil, noch so fest gedreht, reißt einmal ab“ oder der Ausdruck „er schnitt sein Band ab“ und „Abschneidendes schnitt ihn ab“ für „er starb“ (wie ähnlich Ijob 6,9; 27,8). Doch die Aussage wäre dann banal: „Sterben die Menschen, dann sterben sie.“ Eine dritte Deutung: Nachdem oben von der Motte und im Folgenden von Menschenhäusern die Rede war, könnten diese beiden Bilder hier verschmelzen und die Menschenhäuser metaphorisch als Motten-„häuser“, also ihre Gespinste, die nach Ijob 27,18 allzu leicht zu zerstören sind, vorgestellt werden: „Wird ihnen ihr Gespinst vernichtet, dann sterben sie!“ Zum Mottengespinst vgl. Riede 2002Riede, Peter: Im Spiegel der Tiere. Studien zum Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel (=OBO 187). Göttingen, 2002. online unter https://tinyurl.com/y35xjlo9, S. 115-7. Nach dieser Deutung würde hier noch einmal wie in V. 11 auf den Tod von Ijobs Kindern in 1,18f. angespielt. Allzu zufriedenstellend ist keine dieser Deutungen. (Zurück zu v.21)
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