Ijob 6

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (Ijob 6)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 6)

1 Da antwortete Ijob {und sagte}:


2 „Dass doch gewogen, gewogen werdea mein Eifer (Gram),
Und man meine Verderbnis (mein Unglück) auf die Waage legte dazu!
3 Denn dann würde er schwerer lasten als der Sand der Meere!b
Darum stotterten meine Worte:c
4 Weild die Pfeile Schaddais auf mich [gerichtet sind],
Damit (deren)e ihr Gift mein Geist trinkt:
Die Schrecken (Überfälle) Gottesf werden mich quälen (werden gegen mich aufgestellt sein).g


5 Schreit der Esel über[m] Gras
Oder brüllt der Ochse über seinem (über[m])h Futter?
6 Isst man Fades ohne Salz
Oder ist Geschmack in Traumgesabbel (Eiweiß, Eibischsaft, Molke, Frischkäseflüssigkeit)?i
7 Es weigert sich meine Kehle (Seele), anzutasten
Diese [sind] (Sie verabscheut sie)j wie (als) Schimmel (Krankheit) meines Brotes (mein krankes Brot).


8 Ach, wenn doch meine Bitte einträfe
Und meine Hoffnung erfüllte Gott!
9{Und} Es möge Gott gefallen, mich zu zermalmen,
Er lasse seine Hand fahren, mich abzuschneiden –
10 Dann könnte [immer] noch (dies)k mein Trost sein
Und ich könnte (in=) trotz schonungslosem Schmerz (in Schmerz, ohne dass er schont,) freudig hüpfen –l
Weil ich nicht verheimlicht habe (vertilgt habe; denn ich habe nicht verheimlicht; ja, ich verheimliche nicht) die Dinge (Worte) des Heiligen!m


11 Was ist meine Kraft, dass ich warten (hoffen) könnte,
Was mein Ende, dass ich[s] aushaltenn könnte!?
12 Ist etwa meine Kraft die Kraft von Steinen?
Ist etwa mein Fleisch aus Bronze?
13 Siehe (ist etwa wohl, wahrlich, kann ich verhundertfachen),o keine Hilfe [ist] in mir
Und die Klugheit [ist] vertrieben aus mir!


14 Was den angeht, der entzieht (wegschmilzt von, was den Geschmolzenen angeht:)p seinem Nächsten Loyaltät (Treue):
Die Schaddai-furchtq verlässt er.
15 Meine Brüder sind (waren) treulos wie ein Fluss,
Wie ein überfließendes (ausgelaufenes) Flussbett,
16 Die dunkel [sind (waren)] vom Eise
So dass sich auf ihnen Schnee häuft (häufen kann, versteckt).r
17 Zur Zeit, [wenn sie] verbrennen,s sind sie verschwunden,
Zu ihrer Hitze sind sie verschwunden von ihrem Ort.


18 Karawanen (Wege) schlagen ihren Weg ein (tasten ihren Verlauf ab),t
Steigen hinauf ins Nichts und verschwinden.
19 Es schauen aus die Karawanen von Tema,
Die Züge von Saba hoffen auf sie.u
20 Sie waren beschämt, weil sie vertrauten (er vertraute),v
Sie erreichten ihnw und wurden zuschanden.


21 Denn jetzt seid ihr (So [auch] ihr: ihr seid) geworden zu ihm (sein, zu nichts, für mich):x
Sobald ihr einen Schrecken seht, fürchtet ihr euch.y
22 Sagte ich etwa: ‚Gebt mir,
[Gebt] vom eurem Vermögen eine Zahlung (ein Geschenk, eine Belohnung) um meinetwillen
23 Und befreit mich aus der Hand eines Bedrängers
Und aus der Hand von Gewalttätigen befreit mich!‘?


24 Belehrt mich und ich werde schweigen!
Was habe ich gesündigt? Lasst[s] mich verstehen!
25 Was sind stark (schlimm, glatt)z gerechte Worte!
Doch was (wie also) soll tadeln euer Tadel?
26 Wollt ihr [mit] Reden (wollt ihr Reden) tadeln
Als [bloßen] Wind (Sind für den Wind, Sind [bloßer] Wind) die Worte eines Verzweifelten?aa
27 Ihr würdet gar über Waisen würfeln (herfallen)ab
Und feilschen um euren ([eine Grube] graben eurem) Freund!


28{Und nun,} lasst[s] euch gefallen, mich anzusehen! –
[Niemals] würde ich [ja] in euer Gesicht lügen!ac
29 Wendet euch um;ad nicht wird sein Böses!ae
Wendet euch um; weiterhin (noch) [ist (sei)] meine Gerechtigkeit auf ihr (in mir)!af
30 Gibt es auf meiner Zunge Frevel?
Oder kann nicht unterscheiden mein Gaumen Verderbnis?ag

Anmerkungen

In Ijob 6-7 antwortet Ijob auf die Rede von Elifas in Ijob 4-5. Kapitel 6 ist dabei fast in Gänze ein „Meta-diskurs“, in dem nicht die theologische Probleme, die das Thema des Ijobbuches sind, behandelt werden, sondern die eigene Rede in Kapitel 3 und die Rede des Elifas in Kapitel 4-5 bewertet wird:
Vv. 2-4 Man möge aus meinen Reden nur keine Rückschlüsse auf meine Verderbtheit ziehen! Mäße man einmal meinen Eifer und meine Verderbtheit gegeneinander ab, würde man feststellen, dass um ein Unendliches mehr verzweifelt als verderbt bin. Und aus Verzweiflung reden musste ich doch, weil Gott ja all seine Gewalt gegen mich entbietet!
Vv. 5-7 Nun aber zu deiner Rede: Wie soll solches Traumgeschwätz (vgl. Ijob 4,12-21) dazu beitragen, meine Verzweiflung zu lindern? Vv. 8-10 Da wünsche ich mir ja geradezu noch mehr zu sterben – und sei es nur, damit darin dann sichtbar wird, dass ich selbst mit meinen unbedachten Worten richtiger über Gott geredet habe als du! Vv. 11-13 Doch auch so: Ich kann einfach nicht mehr! Vv. 14-27 Davon aber einmal abgesehen: Wie treulos seid doch ihr, meine Freunde, dass ihr mich nicht etwa tröstet oder bestärkt, sondern gar tadelt (vgl. Ijob 4,7-11; 5,1-7)!? Ihr seid wie Flüsse, die plötzlich verdampfen, und ich wie eine Karawane, die ihr Vertrauen auf sie gesetzt hat und deshalb (umso mehr) zuschanden wurde! Vv. 28-31: Unabhängig davon, lasst mich angesichts meiner hervorgestotterten Rede in Ijob 3 noch einmal neu ansetzen; ihr werdet sehen, dass ich die Wahrheit spreche!

agewogen, gewogen - W. ungefähr „Dass doch wiegend gewogen werde“, ein sog. „tautologischer Infinitiv“: heb. Konstruktion, in der ein Inifinitiv und eine finite Form desselben Verbs nebeneinandergestellt wird, wodurch der Modus der gesamten Aussage verstärkt wird: „Man soll unbedingt wiegen!“ Hier zusätzlich verstärkt durch die einleitende Wunschpartikel lu („dass doch“). (Zurück zu v.2)
bIn Vv. 2-3a ist wahrscheinlich gemeint: Man wiege nur einmal meine Verderbnis gegen meine Verzweiflung ab – dann wird man sehen, dass erstere auch im Vergleich zu letzterer gegen Null geht; das Unheil, das mir wiederfuhr, steht in keinem Verhältnis zu meiner Sündigkeit!
In neueren Kommentaren und Üss. werden diese Verse anders und recht sicher falsch verstanden. Für gewöhnlich deutet man dort nämlich ka`aß (eine Nebenform von ka`as wie in Ijob 5,2; 10,17; 17,7) in 2a als „Gram“, hawah in 3b als „Unglück“ und versteht dann 2-3a so, dass das Unglück, das über Ijob hereingebrochen ist, und seine Gram darüber gemeinsam auf die selbe Waagschale gelegt und dann gewogen werden sollen – derart gewogen wögen beide gemeinsam schwerer als aller Sand am Meeresstrand, womit sich dann seine harten Worte verteidigen ließen. Weder grammatisch (a) noch mentalitätsgeschichtlich (b) noch lexikalisch (c) ist das sehr wahrscheinlich:
(a) ka`aß/s ist maskulin, hawah feminin. Das Verb „lasten“ in 3a ist Maskulin Singular. Sollte gesagt werden, dass Kummer + Leid > aller Strandsand (so die meisten neueren Kommentatoren), würde man ein Pluralverb erwarten; soll nur gesagt werden, dass Ijob zwar in der Tat im Affekt gesprochen hat, aber dieser Affekt im Vergleich zu seinem Leid immer noch sehr klein ist (das Leid also im Vergleich zur Gram schwerer als aller Sand der Meere sei – vgl. Budde 1896, S. 25: „Sein Unmut muss an seinem Unglück gemessen werden; die genaueste Wägung würde feststellen, dass er jenem längst nicht gleich käme.“; ähnlich z.B. Delitzsch; Dillmann; Driver/Gray; Duhm u.a.), müsste es feminin sein. Grammatisch ist die Gewichtsangabe in 3a allein auf ka`aß/s zu beziehen (so richtig Rosenmüller 1832, S. 82); vorzustellen hat man sich also wohl doch mit den älteren Kommentatoren, dass ka`aß auf die eine, hawah aber auf die andere Waagschale gelegt wird. Betont wird dann aber nicht die Schwere der hawah, sondern des ka`aß.
(b) Ohnehin wäre eine solche Rechtfertigung mentalitätsgeschichtlich überraschend. Das Wort ka`as ist weiter als vergleichbare deutsche Worte. Meist steht es für den „Grimm“, den eifernden Zorn gegen einen Anderen (wie z.B. Ijob 5,2; 10,17), gelegentlich aber auch für die „Gram“, den Kummer über ein schweres Geschick (wie sehr ähnlich in 1 Sam 1,16; auch Ijob 17,7; Ps 6,8 u.ö.). Hier kann man gut beides mithören: Aus allzu großem Kummer hat sich Ijob zu seinen Aussagen in Kap. 3 verstiegen und daher „im Affekt gesprochen“, was ihm Elifas in Ijob 4,5; 5,2 denn auch vorwirft. Fast alle dt. Üss. entscheiden sich für „Gram“, „Kummer“, „Schmerz“ o.Ä. (verbreitet ist auch das nicht sehr treffende „Unmut“); Ausnahme ist einzig HER05 mit „Ärger“. Wahrscheinlich wäre eine Üs. mit „Affekt“ hier aber treffender, denn wie derartige Gefühlsregungen in einer weisheitlichen Schrift wie Ijob zu beurteilen sind, zeigen deutlich z.B. Ijob 36,18 oder auch Ps 37,8; Spr 14,29; 16,32; 20,25 (!); Jak 1,19f.; Jak 3,14-18 u.ö.: Ein Sprechen im Affekt wäre vielleicht erklärlich, damit aber zu biblischen Zeiten noch lange nicht vertretbar.
(c) Problematisch bei der verbreiteten Deutung ist schließlich die Übersetzung von hawah mit „Unglück“. hawah ist kein seltenes Wort und steht häufig für moralische Verderbtheit, die sich v.a. in Wortsünden äußert; vgl. Ps 5,10; 38,13; 52,3; 57,2 (vgl. V. 5); Spr 17,4; Mi 7,3; allgemeiner von der generellen Verderbtheit Ps 52,9; 55,12; 91,3; 94,20; Spr 10,3; 11,6; 19,13. Die Bed. „Unglück“ hier und in Ijob 30,13 wäre singulär; auch liegt gerade bei einer Verwendung zusammen mit der Rede von „unüberlegten Worten“ in 3b sehr viel näher, dass es sich hier wie üblich auf Wortsünden bezieht, und schließlich macht es die Tatsache, dass über dieses Wort V. 2 eine Inclusio mit V. 30 gebildet wird, wo es klar für „Verderbtheit“ steht, ganz unwahrscheinlich, dass es hier etwas anderes bedeuten soll. (Zurück zu v.3)
cstotterten meine Worte - Dass nicht Ijob oder seine Lippen, sd. seine Worte „gestottert“ haben sollen, ist ungewöhnlich. Vielleicht will sich Ijob auch mit dieser Formulierung doch noch rechtfertigen und von seinen harten Worten distanzieren: Aufgrund seines/r übergroßen Grimms/Gram haben (1) seine Worte (statt ihm selbst) (2) gestottert (statt „gefrevelt“ o.Ä.). Wegen diesem „Stottern“ wird er in Kap. 7 noch einmal neu ansetzen, denn eigentlich ist er in seinem Reden ja überhaupt nicht verdorben (6,30).
tFN: Heb. la`a`, etwas unsicheres Wort, daher meist frei übersetzt als „daher waren meine Worte unbedacht“. Äußerlich scheint es identisch zu sein mit la`a` („sturztrinken“; vgl. auch lo`a, „Kehle“ in Spr 23,2) in Ob 1,16; Sir 34,17 und Ijob 39,30; tatsächlich ist es aber wohl eher gemeinsam mit dem selben Wort in Spr 20,25 zu einem la`a` II zusammenzustellen und zu verbinden mit heb. la`ag („stottern“ in Jes 33,19, das Subst. la`ag, „Gestotter“, auch in Jes 28,11), da auch sonst im Semitischen die Konsonanten ` und g häufig wechseln. (Zurück zu v.3)
dtFN: Zu `al ken ... ki als „darum...: weil...“ vgl. Perry 2005. (Zurück zu v.4)
etFN: auf mich [gerichtet], damit (deren) - `immadi („auf mich [gerichtet]) wird fast stets übersetzt als „in mir“, ´ascher („damit/deren“) meist entweder in der Üs. ausgespart oder als Relativpartikel („die Pfeile, deren Gift“...) gedeutet: „Die Pfeile Schaddais stecken in mir, [sie], deren Gift mein Geist trinkt.“ „In“ gehört aber nicht zu den Bedd. von `im(mad) und Relativsätze werden in biblischer Poesie i.d.R. ohne ´ascher gebildet; hier hat diese Partikel daher vermutlich eine andere Funktion. Wegen des Yiqtol in 4c liegt nahe, dass die Partikel hier wie öfter zur Einleitung finaler Nebensätze verwendet wird. (Zurück zu v.4)
fSchrecken Gottes - seine Bogenschützen, s. Ijob 16,12f.. Wie üblich im Ijobbuch stehen hier die beiden seltenen Gottesbezeichnungen „Schaddai“ und „Eloah“ im Parallelismus. (Zurück zu v.4)
gTextkritik: Heb. ja`arkuni. `arak („sich in Schlachtordnung aufstellen“) steht aber sets mit Präp. und nicht wie hier mit ePP. Der Text wird gestützt durch Tg und Vul, LXX und VL aber übersetzen mit „sie durchbohren mich“, Syr mit „sie erschrecken mich“. Beiden Üss. muss kein anderer Text zugrunde liegen; LXX und VL könnten sich bei ihrer Deutung des Worts an den „Pfeilen“ in 4a und Syr an den „Schrecken“ in 4c orientiert haben. Dass das Wort hier mit ePP konstruiert ist und LXX, VL und Syr sich mindestens zu einer Paraphrase veranlasst sahen, legt aber doch einen Schreibfehler nahe. BHK, Beer u.a. (z.B. schon Houbigant, auch TEX, ZÜR 31) lesen daher sinnvoller ja`akruni („sie quälen mich“; ähnlich schlägt BHS vor, das Verb `arak selbst würde hier verwendet wie arab. araka, „quälen, belästigen“), Merx und Siegfried weniger glücklich ja`arquni („sie nagen an mir“). Die Verschreibung wäre leicht erklärlich durch den Einfluss von `immadi, dessen Konsonanten die selben sind wie von `amdi („mein Aufgestellt-sein“ wie in Jer 18,20). (Zurück zu v.4)
hTextkritik: über seinem (über[m]) - das Possessivpronomen (im Heb. nur ein an „Futter“ angehängter Buchstabe: -o) wird nicht übersetzt von LXX, VL, VUL und Syr, könnte also auch gut im ursprünglichen Text gefehlt haben. Tg hat umgekehrt auch in 5a ein Possessivpronomen. Beides lässt sich gut erklären als Assimilationen; ursprünglich ist daher am ehesten MT. (Zurück zu v.5)
iTraumgesabbel (Eiweiß, Eibischsaft, Molke, Frischkäseflüssigkeit) - Umstrittener Ausdruck. Gemeint ist wohl die Traumerzählung von Elifas in Kap. 4-5, die hier despektierlich w. als „Spucke von Träumen“ und als „fade Speise“, also „eitles Geschwätz“, abgetan wird (ähnlich TUR: „des Traumgesichts Gespei“; in der alten jüd. Exegese war diese Deutung der Worte recht verbreitet: eine der vier (!) Tg-Varianten übersetzt mit „Spucke, der Ausfluss der Träume“ (so die Üs. von Mangan), Raschi kannte sie als die Deutung „einiger“ älterer Exegeten und noch Berachja denkt, die Rede sei davon, dass „Spucke der Träume“, also Speichel, den ein Durstiger im Schlaf schluckt, dessen Durst nicht stille). Ijob muss das Gift von Gottes Pfeilen trinken, doch auch die Reden seiner Freunde sind ihm ungenießbar, da Unfug – verständlich also, dass er sich zu seinen Worten verstiegen hat; er ist ein „Ochse ohne Futter“, der ergo brüllen muss.
Andere Deutungen: heb. rir chalamut. rir ist der Ausfluss, in Lev 15,3ff. nämlich genauer der nächtliche Samenerguss, in 1 Sam 21,13 der Speichel. chalamut ist unbekannt, hat aber die selben Konsonanten wie das häufige chalomot („Träume“), das z.B. auch noch einmal in der selben Rede in Ijob 7,14 verwendet wird. LXX und VL übersetzen frei mit „leere Worte“, VUL ignoriert offenbar rir cha- und übersetzt nur lmwth als „[Geschmack,] der den Tod bringt“ (ähnlich auch midraschartig eine weitere der Tg-Varianten, in der das Wort als Kompositum aus choli, „Krankheit“, und mawet, „Tod“, gedeutet wird: „wie ein Arzt, dem die Todeskrankheit bekannt ist.“). Die meisten neueren Üss. und Kommentare folgen entweder Syr oder einer dritten Tg-Variante: Syr übersetzt mit „Saft der Ochsenzunge (chalmita)“, eine mit dem Borretsch verwandte Blume mit roten Blüten, die im Alten Griechenland als Heilkraut gegen Schlangenbisse, als Färbemittel für Salben und als Rouge für die Wangen verwendet wurde (vgl. Theophrast, De odoribus 31) und deren Saft in der Tat schleimige Konsistenz hat. Bei Üss., die dieser Richtung folgen, hat sich allerdings im Dt. die Übersetzung „Eibischsaft“ eingebürgert, im Engl. „Portulaksaft“ (leider – Portulak nämlich ist tatsächlich recht wohlschmeckend). Tg hat in einer seiner Übersetzungsvarianten: „Ist Geschmack in Eigelb und Eiweiß (chelmona wechelbona)?“ Die Üs. von chalamut ist hier natürlich chelmona („Eigelb) – so z.B. auch Ibn Ezra –, die verbreitetste dt. Übersetzungstradition ist dennoch „Eiweiß“. Van Ess („Ist wohl Geschmack in den Molken“) denkt an arab. chalumah („Molke“), Yahuda 1903, S. 702 an arab. chalamun, einen Weichkäse, der viel Flüssigkeit ausschwitzt. (Zurück zu v.6)
jdiese [sind] (sie verabscheut sie) - Apokoinu: „diese“ ist sowohl Objekt von 7a als auch Subjekt von 7b. Das Geschwätz des Elifas ist genau so schlimm wie das körperliche Leid Ijobs.
Textkritik: Alternativ wird hemmah („diese“) oft in Kommentaren, aber selten in Üss. korrigiert zu zihamah („es verabscheut“), daher z.B. NL: „Mich ekelt davor wie vor verdorbener Nahrung“. Wie umstritten auch dieser V. ist, zeigt LUT, die in jeder Revision die Worte anders deutet oder die Syntax anders auflöst – 1545: „Was meine Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise vor Schmerzen“; 1912: „Was meine Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise, mir zum Ekel“; 1984: „Meine Seele sträubt sich, es anzurühren; es ist, als wäre mein Brot unrein“; 2017: „Meine Kehle sträubt sich, es aufzunehmen; es ist, als wäre mein Brot unrein.“ (Zurück zu v.7)
kTextkritik: `od ((immer) noch“) nach MT. Sym, Theod und vielleicht Syr (tub, „weiterhin“; Syr schließt aber auch die folgende Zeile mit tub an 10a an) stützen MT. LXX aber liest `iri („meine Stadt“), Tg, VUL und Saadja zot („dies“), das auch statt `od in wenigen heb. Handschriften steht. Letzterem folgen z.B. BHK, HER05, R-S. (Zurück zu v.10)
lfreudig hüpfen - unsicheres Wort; nur hier in der Bibel. Im Mischnahebräischen heißt das Wort „zurückzucken, zurückziehen“ (daher z.B. Raschi: „schaudern“). LXX hat „ich werde hüpfen“, dabei aber vielleicht d als verlesen und dann slḥ für eine NF von ṣlḥ gehalten. Tg hat „ich werde mich freuen“, die meisten Kommentare und Üss. raten daher aus LXX und Tg eine Bed. „vor Freude hüpfen“ zusammen – eine Notlösung, der man sich in Ermangelung einer besseren Alternative wohl anschließen muss.
Textkritik: Syr übersetzt mit „ich werde erfüllt/geendigt werden (mit grenzenloser Kraft)“, rät damit aber wohl ebenfalls, da mit diesem Wort auch das letzte Verb von V. 9 („abschneiden“) übersetzt wird. VUL ignoriert das Wort, wenn nicht affligens me („mich [mit Schmerz] belastend“) seine Entsprechung sein soll. Der Text war damit recht sicher schon zur Zeit der Erstellung dieser Übersetzungen verderbt und lässt sich kaum mehr rekonstruieren. Denkbar wäre we´a kajoledah bechilah (וא כילדה statt ואסלדה: k(a) wäre ein „shared consonant“ von we´ak und kajoledah (wie ähnlich in Vv. 12f.); wäre weiter joledah defektiv geschrieben gewesen, hätte nach einer Verschreibung von k als s nur noch ein Jod ausfallen müssen). Vgl. Ps 48,6; Jer 6,24; 22,23; 50,43; Mi 4,9, wo jeweils vom chil kajoledah, den „Wehen wie denen einer Gebärenden“, gesprochen wird. Zu übersetzen wäre dann als Parenthese: „Doch ach, wie eine Gebährende in ihren (!) Schmerzen schont er nicht!“ (Zurück zu v.10)
mAuch 10c ist schwierig. Dt. Üss. implizieren häufig folgendes: „Es wäre gut, wenn Gott mich tötete, denn ich habe seine Worte nicht verleugnet = mich immer an seine Gebote gehalten[, und damit wäre der Tod etwas Gutes für mich].“ Doch das ist ganz unwahrscheinlich; die Idee eines Lebens nach dem Tod, bei dem es dem guten (=gesetzestreuen) Menschen gut geht, ist dem Ijobbuch fremd. Gemeint ist daher eher – vgl. Ijob 27,11f. –: Anders als ihr, die ihr so eitel schwätzt, stelle ich richtig dar, „wie es sich mit Gott verhält“ (hier: „die Dinge des Heiligen“, 27,11: „was bei Schaddai ist“). Vgl. auch Ijob 42,7, wo Gott Ijobs Freunden vorwirft: „Anders als mein Diener Ijob habt ihr nicht zutreffend über mich gesprochen!“ So CTAT V, S. 33. Möglich auch: Gott möge meine Bitte erfüllen. Das muss er doch, schließlich war ich seinen Geboten immer treu (vgl. sehr ähnlich Ijob 22,22; 23,12). (Zurück zu v.10)
naushalten - W. „meine Seele verlängern“. Vgl. Num 21,4: „Die Seele des Volks schnitt ab“=„Das Volk konnte es nicht mehr aushalten/verlor die Geduld.“ (Zurück zu v.11)
oTextkritik: Bronze. Siehe (ist etwa wohl, wahrlich, kann ich verhundertfachen) - Heb. nehusch | ha´im („Bronze. Ist etwa wohl...?“). ha´im ist unwahrscheinlich, nachdem erstens 12ab jeweils mit ´im eingeleitet wurden, sich ha´im zweitens sonst nur noch an der textlich unsicheren Stelle Num 17,28 findet und drittens mit ´im eingeleitete Fragen ein „nein“ als Antwort erwarten, hier aber mit „ja“ geantwortet werden müsste. Die gängige Üs. „Bin ich denn nicht hilflos“ ergänzt eine Negation, die nicht im Text steht. Syr und VUL übersetzen mit „siehe“, was auf ein ursprüngliches he´ rückschließen lässt. Eine Verschreibung von he´ nach ´im ist nach dem beiden 12ab einleitenden ´ims leicht erklärlich. So z.B. BHK, Beer, Driver-Gray, Houtsma 1925, S. 13. Ähnlich glaubt Rosenmüller 1823, S. 90, dass auch ha´im selbst die selbe Bedeutung habe, da auch in Num 17,28 TgO und Syr mit „Siehe“ übersetzen. Auch das h am Anfang des Worts ist übrigens wahrscheinlich ein shared consonant, da „Bronze“ im Heb. sonst nie nehusch, sondern nehuschah ist: nehuscha he´.
Der Vorschlag von Buttenwieser und Gordis, ´im sei hier anders als in 12ab nicht die Einleitung einer Frage, sondern eine Fokuspartikel („wahrlich“), ist nach den ersten beiden ´ims sehr unwahrscheinlich. Blommerde; Dahood 1963, S. 54; Graetz und Gray wollen h- zu nehuschah und die Konsonanten von ´im ´ajin zusammenziehen zu ´ama´eni („ich kann verhundertfachen“), einem sonst nicht belegten denominativen Verb, das abzuleiten sein soll vom Zahlwort me´a („hundert“). Das ist zu gewagt. Weiteren Vorschlägen zur Textkorrektur hat sich zu Recht niemand angeschlossen. (Zurück zu v.13)
pTextkritik: Heb. lemas, „was den angeht, der schmilzt“; entweder zu deuten als „wer wegschmilzt von seinem Freund = ihn verlässt“ oder „wer geschmolzen ist = verzweifelt ist“ (so z.B. , SLT, ZÜR). Einige MSS haben stattdessen die Konsonanten lm´s was für lemo´es („was den angeht, der verachtet) stehen könnte; vokalisiert wird aber auch dort als lema´s, auch nach dieser Schreibung wäre es also aufzufassen als lemas („Alef epentheticus“, vgl. zur Stelle Delitzsch 1920 §31a; Rosenmüller 1832, S. 92). LXX, VL, Vul, Syr, Tg übersetzen aber einheitlich etwas wie „wer seinem Nächsten Treue versagt“. Einige Kommentatoren nehmen merkwürdigerweise an, dem liege dieses lm´s der 27 MSS zugrunde, das aber erstens lemo´es zu vokalisieren und das zweitens von den Vrs. ebenso einheitlich missverstanden worden sei (so z.B. wieder CTAT V, S. 33.36). Sehr viel wahrscheinlicher stand im heb. Text aber ursprünglich lmš, das aufgrund der Rede vom Schnee und Eis in V. 15 als lms verlesen und gelegentlich mit den Konsonanten lm´s geschrieben wurde (so z.B. BHK, Beer, auch HER05, LUT, NeÜ). Zu l- als „was ... angeht“ als starker Betonung des Subjekts vgl. König, HKL III §271a; auch schon Ewald, Lehrbuch §310a. (Zurück zu v.14)
qSchaddai-furcht - gemeint ist wie oft bei der Rede von Gottesfurcht die ethische Seite des Gottesglaubens: Er „frevelt“. (Zurück zu v.14)
rDrei klangliche Auffälligkeiten in einem Vers: Statt der Präp. min („von“) steht das poetische minni, statt `alem („auf ihnen“) das archaische `alemo; der V. schließt mit dem Klangspiel `alemo jit`alem („auf ihnen häuft sich“). Der auffällig lange Abschnitt über die trügerischen Flüsse soll wohl besonders poetisch klingen; auffällig z.B. auch im nächsten Vers die Häufung langer vokalischer Auslaute (be`et jezorbu nitsmatu bechummo nid`aku mimqomam), was auch das ganz überflüssige „ihre“ (-o) in „zu ihrer Hitze“ erklären dürfte.
tFN: Heb. jit`allem („er versteckt sich“) ist sehr wahrscheinlich „Lamedazismus“ (Gordis, also einer der – gar nicht seltenen – Wechsel der Konsonanten r und l) für jit`arem („er häuft sich“; so Dhorme; Gordis; Houtsma 1925, S. 14; Skehan 1969, S. 210; ähnlich Torczyner 1920, S. 29) um des Klangspiels willen: „Sich in Flüsse verstecken“ wäre ein doch sehr merkwürdiger Ausdruck für „schmelzen“, bei dem man darüber hinaus auch eine andere Präp. als `al erwarten würde und der daher auch von keiner der Vrs. als Ausdruck für „schmelzen“ verstanden wurde – LXX, VL: „sie fielen auf mich/überfielen mich (LXX: wie Schnee)“, VUL: „Schnee wird sie überfallen“, Tg: „Auf ihnen stärkt sich der Schnee“, Syr: „auf ihnen ist viel Schnee“. (Zurück zu v.16)
sverbrennen - heb. zarab, unsicheres Wort, nur hier in der Bibel. Wahrscheinlich NF von șarab („verbrannt werden“), das aber auch nur Ez 21,3 steht; vgl. auch davon abgeleitet das Adj. șarab („brennend“) in Spr 16,27. Hier also „durch Hitze schwinden“. (Zurück zu v.17)
tschlagen ihren Weg ein (tasten ihren Verlauf ab) - unsicheres Wort; nur 3x in der Bibel: hier, Ri 16,29; Rut 3#s8 |Rut 3,8. Bei Rut 3,8 schwanken die Üss. zw. „sich umwenden“ und „sich abtasten“. Auch für diese Stelle wird daher nicht selten die Bed. „sich umwenden, sich winden“ erwogen, daher z.B. : „Sie biegen ab von ihrem Weg“ (bezogen auf die Karawanen), MEN: „Da schlängeln sich die Pfade ihres Laufs“ (bezogen auf die Flüsse). Ri 16,29 heißt es aber sicher „anpacken“, daher sinnvoll Loretz 1964: „einen Weg anpacken“ ist ein Idiom, das nur hier im Heb. belegt ist, das es aber auch im Akkadischen (ḫarranam șabatu, „einen Weg anpacken“) und ja ähnlich auch im Dt. gibt: „einen Weg einschlagen“ = „einen Weg nehmen“. (Zurück zu v.18)
uTema ... Saba - zwei arabische Handelsstädte. Im Heb. klingen sie ähnlich: temascheba. (Zurück zu v.19)
vsie vertrauten (er vertraute) - Heb. batach („er vertraute“). Lies mit Syr, Tg batachu („sie vertrauten“): „Wie so oft war die 3. Pers. Pl. defektiv geschrieben und von den Masoreten nicht erkannt worden“ (Buttenwieser 1922, S. 174; auch BHK, BHS, Beer, Merx, Siegfried). (Zurück zu v.20)
wsie (V. 19) - ihn (V. 20) - der Pl. bezieht sich auf Fluss und Flussbett, der Sg. in V. 20 nur auf den Fluss in V. 15: N-Shift, ein häufiges Stilmittel in der heb. Poesie. (Zurück zu v.20)
xzu ihm (zu nichts) - Der Text ist in zwei Varianten überliefert (s.u.); beide besagen ungefähr das gleiche: „Ihr seid zu ihm = zum Fluss geworden“, insofern ihr einst da wart, jetzt aber nicht mehr da sein wollt („ihr seid zu nichts geworden“). In der alten jüd. Exegese verbreitet war die Deutung „ihr wart sein“, nämlich Ijobs wie sprachlich ähnlich in 2 Sam 16,18. Doch das macht hier schwerlich Sinn.
Textkritik: Denn jetzt seid ihr (so [auch] ihr: ihr seid) ... zu ihm (sein, zu nichts, für mich) - Heb. wie in der Primärübersetzung: ki `attah ... lo´ („Denn jetzt ... nicht(s)). Doch die Textüberlieferung schwankt in dieser Zeile. Aq und Tg stützen die ersten beiden Worte. Viele Textkritiker geben an, LXX und Syr hätten dagegen ken ´attem („So [auch] ihr“) gelesen; die Üss. von LXX, VL, Theod, VUL und Syr legen aber eher das näherliegende we`attah wie in V. 28 nahe (umso auffälliger, als in LXX der Text schwankt zwischen atar de, „nun aber“, und atar gar, „denn nun“): Ein Diskursmarker wie gr. atar (de), der markiert, das nun über einen neuen Gedanken gesprochen werden wird und der hier als Einleitung der Auflösung der Flussmetapher gut am Platz wäre. Welches davon ursprünglicher ist, lässt sich kaum entscheiden und trägt sich auch nicht stark auf die Üs. aus; jedenfalls aber wird man deshalb die beliebte Textkorrektur zu ken ´attem (so z.B. , HER05, MEN, NeÜ, NL, LUT, PAT, SLT, ZÜR) nicht auf LXX und Syr stützen dürfen.
Vom letzten Wort war ursprünglich nur das l geschrieben; K und Tg ergänzen zu lo´ („nicht(s)), Qere zu lo („zu ihm, sein“), 1 MS, LXX, VL und Syr lasen li („für mich“). Letzterem folgen die meisten Textkritiker, die bei den ersten beiden Worten ken ´attem lesen wollen: „So seid [auch] ihr für mich geworden:...“ LXX las außerdem statt hjjtm („ihr seid geworen“) ḥwjtm („ihr habt erschreckt“); so auch Houbigant, in der neueren Textkritik aber niemand mehr. (Zurück zu v.21)
yseht, fürchtet - Klangspiel: tir´u ... wattira´u. (Zurück zu v.21)
ztFN: stark (schlimm, glatt) - heb. maraș, unsicheres Wort. Drei Übersetzungsoptionen sind erwägenswert: (1) Bes. verbreitet: In vielen anderen semit. Sprachen heißen potentiell verwandte Wörter „krank (sein/werden)“; i.d.R. wird daher als Grundbed. „krank sein > schlimm/bedrängend sein“ angenommen, was sich auch häufiger recht gut durch die Üss. der Vrs. stützen lässt (z.B. LXX + VUL meist: „schmerzlich/schlimm“). Gut möglich aber, dass diese Kognate „False Friends“ sind, denn die Grundbed. „krank sein“ passt nur an wenigen Stellen besonders gut: 1 Kön 2,8 „Er fluchte mit einem schlimmen (?) Fluch“; Ijob 16,3: „Was ist dir schlimm=reizt dich (?), dass du antwortest?“; Mi 2,10: „eine Verunreinigung, die verdirbt [mit] schlimmen (?) Verderben.“; 1QH xi 8.11f. „schlimme (?) Wehen“. (2) Einige Exegeten nehmen daher auch hier Rhotazismus an, so dass hier malaș („glatt sein > süß sein“) zu lesen wäre wie in Psalm 119#s103 („Wie süß in meinem Gaumen sind deine Worte: wie von/mehr als Honig für meinen Mund!“; so z.B. BHK, Duhm, Dhorme, Pope, Skehan 1969, S. 211). So steht es auch in 1 MS; so lesen auch Tg und Raschi. Aber auch als Sarkasmus passte dies nicht sonderlich gut zu Elifas Worten in Kap. 4-5. (3) In der jüd. Auslegungstradition wird das Wort als „stark sein, gewaltig sein“ verstanden; so z.B. Kimchi (Sefer haSchoraschim, S. 201); zur Stelle z.B. Ibn Ezra und Metzudat David/Zion. Vgl. auch akk. marașu („stark sein“; dazu Doniach 1930, S. 291); arab. maraḍa („stark sein“). Dies passt wohl am besten zu den jeweiligen Kontexten (zu Ijob 16,3, „Was stärkt dich, dass du [glaubst,] anworten zu können?“ s. V. 5: „ich würde euch kräftigen mit meinem Mund!“). Ähnlich mit anderer Ableitung Gordis 1978, S. 76: „to be strong/vigorous“. (Zurück zu v.25)
aaVv. 25f. sind nicht einfach. Die Worte sind klar; die Stroßrichtung derselben aber nicht. V. 25 lässt sich entweder verstehen als „Meine gerechten Worte sind (qua gerechten Worten) stark; wie glaubt ihr, sie tadeln zu können?“ oder im Gegenteil als „Na klasse, ihr habt richtiger gesprochen als ich; toll gemacht, dass ihr schlüssiger argumentiert als ein Verzweifelter!“ oder auch als sarkastische Beurteilung der Rede von Elifas: „Toll von dir, dass du so weise und aufrecht daherbabbeln kannst! Doch...“ Ähnlich V. 26, der verstanden werden könnte als „Was stimmt denn eigentlich nicht mit euch, dass ihr mit einem Verzweifelten auch noch diskutiert, anstatt ihn zu trösten“ oder als „Bedeuten euch meine Worte gar nichts; sind die Worte eines Verzweifelten für die Katz?“ oder als „Glaubt ihr etwa, meine Worte seien trotz meiner Verzweiflung ohne Basis?“ Die Der Zhg. der ersten und der letzten Strophe mit er Inclusio durch hawah legt nahe, dass für Ijob klar ist, dass seine Rede in Kap. 3 nicht unproblematisch war, er nun aber mit Kap. 7 noch einmal und fehlerfrei ansetzen möchte. Am schlüssigsten daher: „Was sind [eure] gerechten Worte doch stark – toll gemacht! Doch was soll euer Tadel tadeln? Natürlich, meine Worte waren die Worte eine Verweifelten – das ist doch wohl keine Leistung, sie zu widerlegen! [V. 27] Doch jetzt...“ (Zurück zu v.26)
abüber Waisen würfeln (herfallen) - w. „über Waisen fallen lassen“; vermutlich eine Abkürzung für „Lose fallen lassen“ wie ähnlich in Ps 22,19; Mt 27,35. „Herfallen“ nach LXX bei Siegfried; auch H-R, LUT 45 + 12 (ab 84 ebenfalls „das Los werfen“), STADIJ, van Ess. Entsprechend könnte auch das folgende krh, das entweder „graben“ oder „handeln“ heißen kann, auch eine Abkürzung für „eine Grube graben“ sein – so Raschi, Ibn Ezra; auch B-R, H-R, LUT 45+12 (ab 84 ebenfalls „verschachern“), STADIJ, van Ess –, vom Parallelismus her liegt „handeln, feilschen“ aber näher. (Zurück zu v.27)
acW. „Und in euer Gesicht, wenn ich löge...“; letzteres ist eine offen gelassene Selbstverfluchung („wenn ich in euer Gesicht löge, sollte mir dies und das widerfahren“), eine Konstruktion für bes. starke Verneinungen. Gut daher H-R: „ich werde euch gewiß nicht ins Angesicht lügen“, TAF: „Ich werde euch doch wahrlich nicht ins Angesicht lügen!“, ZÜR: „Ich lüge euch gewiss nicht ins Angesicht.“ (Zurück zu v.28)
adDie Üss. von schubu, wendet euch um, sind äußerst unterschiedlich. Die meisten dt. Üss. haben „kehrt um“, wohl i.S.v. „Hört auf“ (NL) / „Verhaltet euch anders!“; doch ganz disparat in Kommentaren: „Bereut!“ (Alter 2010); „Kehrt zurück!“ (Ball 1922); „Lasst ab [vom eurem bösen Verhalten]!“ (Buttenwieser 1922; ähnlich Pope 1965: „Nicht mehr!“); „Bleibt!“ (Gordis 1978); „Zieht euch zurück!“ (Guillaume 1968); „[Hört] noch mal [zu]!“ (Jastrow 1920). Am besten sicher Fokkelman 2012: „Wendet euch mir zu!“ (ähnlich Merx 1871: „Schaut doch her!“), die Aufforderung besagt das selbe wie 28a: „Lasst's euch gefallen, mich anzusehen!“ (Zurück zu v.29)
aeNicht wird sein Böses - in meiner in Kap. 7 folgenden Rede. (Zurück zu v.29)
afauf ihr (in mir) - gemeint ist die Zunge, die erst V. 30 genannt wird; eine etwas unschöne und missverständliche grammatische Konstruktion, wegen der VUL und Syr das Wort in der Üs. ignorierten (Tg stützt aber den Text). Viele Textkritiker lesen statt bah („auf ihr“) bi („in mir“); so auch die meisten dt. Üss: „Noch bin ich im Recht!“. Einige Üss. auch „Mein Recht liegt darin.“, ohne dass spezifiziert würde, worauf „darin“ sich bezieht; möglich dann aber auch: „Noch liegt mein Recht darin:...“, nämlich darin, dass es keinen Frevel auf Ijobs Zunge gibt. (Zurück zu v.29)
agVerderbnis - eine Inclusio mit 2b. Dort ist noch offengelassen, ob Ijob nicht vielleicht wenigstens ein bisschen verderbt ist; hier dann aber ganz klar: Ijob hält sich mit seinem Reden für perfekt. (Zurück zu v.30)