Ijob 8: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|2}} „Wie lange willst du solches sprechen?
 
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_{Und} starker Wind [sind] (und [wie lange sind] starker Wind) die Worte deines Mundes!<ref>Anspielung auf [[Ijob 6#s26 |Ijob 6,26]]: Ijobs Worte sind ''in der Tat'' nichts mehr als „starker Wind“.</ref>
 
_{Und} starker Wind [sind] (und [wie lange sind] starker Wind) die Worte deines Mundes!<ref>Anspielung auf [[Ijob 6#s26 |Ijob 6,26]]: Ijobs Worte sind ''in der Tat'' nichts mehr als „starker Wind“.</ref>
{{S|3}} Verdreht den Gott das Recht
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_Oder verdreht Schaddai Gerechtigkeit?
 
_Oder verdreht Schaddai Gerechtigkeit?
 
{{S|4}} Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben
 
{{S|4}} Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben
_Übergab er sie in die Hand ihrer (vertrieb er sie wegen ihren) Übertretungen.<ref>'''tFN''': ''übergab er sie in die Hand (vertrieb er sie wegen)'' - In dt. Üss. und Kommentaren einheitlich wie in der Primärüs. Doch das ist schwierig; „X ''schalach bejad'' Y“ ist in der Bibel eine häufige Botenformel, die stets heißt: „X sendet etwas / lässt etwas ausrichten durch Y.“ Auch Raschi erklärt daher hier: „Ihre Übertretung wurde zum Boten, um sie fortzubringen.“ Ähnlich übersetzen VUL und VL „''(di)misit eos in manu'' (Ablativ) ''iniquitatis suae''“, also eher nicht „gab sie in ''die'' Hand“, sondern „sandte sie (fort) in ''der'' Hand“. Syr übersetzt ''bejad'' gar nicht: „Er sandte sie fort in ihren Übertretungen“, Tg „er sandte sie an den Ort ihrer Übertretungen.“ Die Üs. „in die Hand ihrer Übertretungen übergeben“ lässt sich also nur evt. mit LXX stützen, die aber vielleicht auch ebenso aufzufassen ist wie VL und VUL, da ohnehin das Verb ''apostello'' („als Boten entsenden“) verwendet wird (''en cheiri'' ist nicht eindeutig, da ''en'' stets mit Dat. steht und daher sowohl „in ''der''“ als auch „in ''die'' Hand“ bed. kann. NETS übersetzt LXX nach der üblichen heb. Konstruktion: „He sent them off ''by force of'' their lawlessness.“; Brenton überraschenderweise: „He cast them away because of their transgression“).<br />Man sollte also meinen, der Satz bedeute etwas wie „Er sandte sie/ihnen (=die/den Kinder(n)) durch ihre Übertretungen“. Gordis emendiert daher ''bejad'' zu ''be`ad'' („Er sandte sie fort ''wegen'' ihrer Übertretungen“); dem scheint Alter zu folgen („He dispatched them because of their crime“), aber auch ohne diese Emendation ließe sich dem Satz ein Sinn abgewinnen, wenn man das Piel von ''schalach'' deutet als „vertreiben, verstoßen“ wie z.B. [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]]; [[1Könige 9#s7 |1 Kön 9,7]] (II ''karat'', „töten“); [[Ijob 14#s20 |Ijob 14,20]]; [[Ijob 30#s12 |30,12]], also „Er sandte sie fort = vertrieb sie durch ihre eigenen Übertretungen“ (wie Brenton auch LXX übersetzt), vgl. z.B. [[Ijob 4#s8 |Ijob 4,8]]. So aber wie gesagt keine dt. Üss.; notgedrungen wir man daher hier besser [[Psalm 81#s13 |Ps 81,13]] vergleichen müssen (so z.B. Dhorme) und davon auszugehen haben, dass ''schalach bejad'' hier ausnahmsweise einmal nicht idiomatisch verwendet wird.</ref>
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_Übergab er sie in die Hand (vertrieb sie durch die Hand) ihrer Übertretungen.<ref>'''tFN''': ''übergab er sie in die Hand (vertrieb er sie durch die Hand)'' - In dt. Üss. und Kommentaren einheitlich wie in der Primärüs. Doch das ist schwierig; „X ''schalach bejad'' Y“ ist in der Bibel eine häufige Botenformel, die stets heißt: „X sendet etwas / lässt etwas ausrichten durch Y.“ Auch Raschi erklärt daher hier: „Ihre Übertretung wurde zum Boten, um sie fortzubringen.“ Ähnlich übersetzen VUL und VL „''(di)misit eos in manu'' (Ablativ) ''iniquitatis suae''“, also eher nicht „gab sie in ''die'' Hand“, sondern „sandte sie (fort) in ''der'' Hand“. Syr übersetzt ''bejad'' gar nicht: „Er sandte sie fort in ihren Übertretungen“, Tg „er sandte sie an den Ort ihrer Übertretungen.“ Die Üs. „in die Hand ihrer Übertretungen übergeben“ lässt sich also nur zur Not mit LXX stützen, die aber wahrscheinlich ebenso aufzufassen ist wie VL und VUL: ''en cheiri'' ist nicht eindeutig, da ''en'' stets mit Dat. steht und daher sowohl „in ''der''“ als auch „in ''die'' Hand“ bed. kann. Das Verb ''apostello'' heißt aber sicher nicht „übergeben“, sd. „(fort)senden“, und für den Ausdruck „jmdn in die Hand v. jmdm geben“ steht im Gr. der bes. im NT häufig verwendete Ausdruck ''(para)didomi en cheiri'' bereit. NETS übersetzt LXX daher nach der üblichen heb. Konstruktion: „He sent them off ''by force of'' their lawlessness.“; Brenton, Thomson und die Oxford Study Bible mit „He cast them away / dismissed them / sent them away ''because of'' their transgression“.<br />Gordis emendiert daher ''bejad'' zu ''be`ad'', was dann heißen soll: „Er sandte sie fort ''wegen'' ihrer Übertretungen“. Alter 2010 scheint dem zu folgen („He dispatched them because of their crime“), doch ''be`ad'' heißt nie „wegen“, sondern nur speziell „zugunsten von“.<br />Auch ohne diese Emendation ließe sich dem Satz ein Sinn abgewinnen, wenn man das Piel von ''schalach'' deutet als „vertreiben, verstoßen“ wie z.B. [[Genesis 3#s23 |Gen 3,23]]; [[1Könige 9#s7 |1 Kön 9,7]] (II ''karat'', „töten“); [[Ijob 14#s20 |Ijob 14,20]]; [[Ijob 30#s12 |30,12]], also „Er sandte sie fort = vertrieb sie durch ihre eigenen Übertretungen“ (wie NETS auch LXX übersetzt), wo also wie noch häufiger im Ijobbuch (vgl. z.B. [[Ijob 4#s8 |Ijob 4,8]]) die ''Sünden'' und ''Sünder'' anstatt Gott zum eigentlichen Urheber ihres Untergangs würden. So aber wie gesagt keine dt. Üss.; notgedrungen wir man daher hier besser [[Psalm 81#s13 |Ps 81,13]] vergleichen müssen (so z.B. Dhorme) und davon auszugehen haben, dass ''schalach bejad'' hier ausnahmsweise einmal nicht idiomatisch verwendet wird.</ref></poem>
  
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{{S|5}} Wenn du [dagegen] Gott aufgesucht hättest (gesucht hättest, aufsuchen würdest),<ref>''(auf)gesucht'' - vielleicht eine Anspielung auf [[Ijob 7#s21 |Ijob 7,21]], wo das selbe Wort verwendet wird. So zumindest Ebach, Hartley, van der Lugt 1995, S. 109.</ref><ref name="hättest">''hättest'' (V. 5) + ''wärst'' (V. 6) - Potentialis und Irrealis haben im Heb. keine eigene grammatische Form und müssen aus dem Kontext erschlossen werden. Hier aber klar: Leitet ''ki `attah'' („dann“) wie in 6b eine Apodosis ein, folgt sie stets auf eine ''irreale'' Bedingung; vgl. [[Genesis 31#s42 |Gen 31,42]]; [[Genesis 43#s10 |43,10]]; [[Numeri 22#s29 |Num 22,29.33]]; [[1Samuel 14#s30 |1 Sam 14,30]]; ähnlich [[Ijob 6#s3 |Ijob 6,3]]. Als Irrealis erklärt auch Berachja. Bildad redet natürlich an Ijob vorbei; Ijob ''ist'' gerade „aufrecht“, s. [[Ijob 1#s1 |Ijob 1,1]].</ref>
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_Und<ref>Klangspiel: ''´el-´el we´el'', „nach Gott und nach [Schaddai]“.</ref> Schaddai um Gnade angefleht hättest,<ref name="hättest" />
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_{{S|6}} Wenn du rein und aufrecht gewesen wärst,<ref name="hättest" />
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Dann wäre Gott um deinetwillen (über dir) aufgewacht (würde Gott aufwachen)<ref>''aufwachen'' - häufigere Metapher: Geschieht Unrecht, wird dies des öfteren darauf zurückgeführt, dass Gott kurzzeitig „schläft“ (s. [[Psalm 7#s7 |Ps 7,7]]; [[Psalm 35#s23 |35,23]]; [[Psalm 44#s24 |Ps 44,24]] und vgl. [http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/schlaf/ch/0cdfba948f34a514c481d88023a1a586/#h2 Schlaf (WiBiLex)]), deshalb kurzzeitig untätig ist, nach dem Erwachen aber wieder heilvoll am Beter handeln wird.</ref>
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_Und hätte deine gerechte Wohnung<ref>''deine gerechte Wohnung'' - w. „die Wohnung deiner Gerechtigkeit/Rechtmäßigkeit“, wie häufig im Heb. Genitivverbindung als quasi-adjektivische Konstruktion, da Adjektive im Heb. insgesamt sehr selten sind. Viele Üss. aber wg. dieser Konstruktion „die Wohnung, die dir rechtmäßig zustünde“, z.B. EÜ, LUT, ZÜR.</ref> wiederhergestellt (ersetzt, würde wiederherstellen),
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{{S|7}} So dass dein Beginn [noch] klein [wäre],
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_(Und=) Da er deine Zukunft (dein Ende) sehr groß gemacht hätte (groß machen würde; deine Zukunft aber sehr groß wäre).<ref>D.h. „Wenn du gerecht gewesen wärst, hätte Gott trotz kurzzeitiger Inaktivität nach dieser wiederhergestellt, was du währenddessen verloren hast, und zwar auf eine Weise, dass du danach sogar noch mehr hättest als du zuvor hattest.“ Genau dies wird in [[Ijob 42#s10 |Ijob 42,10-12]] geschehen; ironischerweise hat Bildad also recht – ebenso wie Elifas, der Ijob auf später vertröstete.<br />'''tFN''': „Zukunft“ ist fem., das Verb „groß sein / vergrößern“ aber mask. Entweder sind Subjekt und Verb hier also inkongruent, was gar nicht selten der Fall sein kann, oder ''jißgeh'' („er (d.h. sie) wird groß sein“) ist als ''jaßgeh'' („er wird groß machen“) zu vokalisieren, wie schon Syr gedeutet hat (auch Bickell, Delitzsch, Duhm, Olshausen, Siegfried). Die Vokalisierung ''jißgeh'' kann leicht durch die identische Form in V. 11 beeinflusst worden sein. Letztlich ist beides gleich plausibel; die Deutung als „er wird groß machen“ passt aber etwas besser zu Bildads Rede.</ref></poem>
  
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{{S|8}} Denn (ja,) befrage doch das frühere Geschlecht
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_Und richte dich auf die Erkundungen (=Erkenntnisse) von deren Vorfahren, {{par|Deuteronomium|4|32}} {{par|Jesus Sirach|8|9}}
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{{S|9}} Denn [erst seit] gestern [gibt es] uns, {und} wir wissen nichts,
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_[Nur] wie (denn [nur])<ref>'''Textkritik''': ''wie (denn)'' - LXX und VUL stützen MT: ''ki ṣel'' („denn ein Schatten“). Syr und Tg dagegen setzen ''kaṣel'' voraus, „wie ein Schatten“. Am leichtesten erklären ließe sich diese Differenz damit, dass frühe Schreiber das ''k'' in ''kṣl'' nach den beiden ''ki''s in 8a und 9a für ein defektiv geschriebenes drittes ''ki'' gehalten und daher um ''-i'' ergänzt haben; ursprünglich ist daher eher die Var. in Syr und Tg. So auch Ball, Beer, Gray.</ref> ein Schatten [sind ja] unsere Tage auf Erden!
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{{S|10}} Würden (Werden) nicht diese dich belehren, zu dir sprechen
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_Und aus ihre Herzen<ref>''Herz'' - in der Heb. Anthropologie Sitz des nicht primär der Emotionen, sd. des ''Verstands'' (vgl. z.B. Wolff 1973, S. 78f.). Daher = aus ihrem Verstand.</ref> Worte hervorgehen lassen? –<ref>Man beachte, wie V. 10 die zeitliche und logische Abfolge der Belehrungen durch die Väter verkehrt wird: „dich belehren“ (Fokus auf Ijob) - „zu dir sprechen“ (Fokus auf Redeakt an sich) - „Aus ihrem Herzen Worte hervorgehen lassen“ (Fokus auf Vorfahren). Bildad schreitet zurück zu den Anfängen der Weisheit und gräbt sich bis zu den tiefsten Tiefen derselben durch.</ref></poem>
  
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{{S|11}} ‚Kann denn Papyrus wachsen ohne Sumpf,
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_Kann Riedgras<ref>''Papyrus'' + ''Riedgras'' - Zwei ägyptische Lehnwörter; die Weisheit, die hier verkündet wird, ist nicht nur besonders alt, sondern hat außerdem noch einen fremdländischen Touch – ganz dem entsprechend, was heute eine „fernöstliche Weisheit“ wäre. Auch darüber hinaus sind die beiden Zeilen sprachlich besonders gestaltet: 11a verwendet die Negationspräposition ''belo´'' („ohne“), 11b ''beli'' („kein“); „wachsen“ und „groß werden“ sind nicht nur Synonyme, sondern reimen sich auch (''jig´eh'' - ''jißgeh''), rechnet man die grammatischen Morpheme ''haji-'' zu Beginn des Satzes heraus, beginnt V. 11 mit zwei Alliterationen: ''hajig<sup>e</sup>´eh ''(von ''ga´ah'')'' gome´ belo´ biṣṣah''. Auch „Sumpf“ und „Wasser“ sind einander im Heb. ähnlicher als im Dt., da ''biṣṣah'' wahrscheinlich verwandt ist mit mheb. ''bṣṣ'' („ausschwitzen“) und arab. ''baṣṣa'' („tropfen“) und in m.Par viii 10 daher auch „Pfütze“ bedeuten kann (vgl. Cohen 1924, S. 164) – der dt. „Sumpf“ wird im Heb. durch ein „wässrigeres“ Wort als im Dt. bezeichnet und fügt sich daher sehr gut in den Parallelismus mit „Wasser“. Papyrus und zumindest manche Riedgrasarten sehen einander darüber hinaus auch noch recht ähnlich.</ref> groß werden, [wo] kein Wasser?
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{{S|12}} Noch ist es am Aufsprießen,<ref>''Aufsprießen'' - Welchen Zeitpunkt im Lebenslauf der Pflanze das Wort ''´eb'' bezeichnet, ist etwas unklar. Vgl. MEN: „Noch stet es in ''frischem Triebe''“, SLT: „Noch steht es in ''vollem Triebe''“, B-R: „Noch ists in seiner ''Knospe''“; HER05: „Noch ist's in ''Blüte''“. Etwas mehr spricht für die Variante von MEN: Sonst steht das Wort nur noch in [[Hohelied 6#s11 |Hld 6,11]] und meint dort sehr wahrscheinlich das „Austreiben von Knospen“:  Im parallelen V. [[Hohelied 7#s12 |Hld 7,12]] ist vom „Knospen“ des Weinstocks, dem „sich Öffnen“ der Traubenblüten und dem „Blühen“ der Granatäpfelblüten die Rede, also einer zeitlichen Abfolge. In Hld 6,11 sind die ''ibbe'' das erste Genannte; darauf folgt ebenfalls die Rede vom „Knospen“ des Weinstocks und dem „Blühen“ der Granatäpfel. ''´eb'' dürfte also einen Zustand noch vor dem „Knospen“ bezeichnen. Vgl. aram ''´abab'', das wahrscheinlich „Aufsprießen“ bedeutet: „Ich sah Israel wie eine Frühfeige ''an ihrem Anfang''“ in [[Hosea 9#s10 |Hos 9,10]] wird vom Tg übersetzt als „wie eine Frühfeige, die er zuerst ''´abab'' lässt.“ Im MHeb ist ''´eb'' allerdings die „Frucht“, ebenso wie aram. ''ibba´'' und syr. ''´ebba'' – doch dies wird hier gerade noch nicht gemeint sein.</ref> man kann es [noch] nicht pflücken –
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_[Noch] vor allem Gras wird es verdorren!
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{{S|13}} So sind [auch] die Pfade (das Schicksal)<ref>'''Textkritik''': ''die Pfade (das Schicksal)'' - Heb. ''´or<sup>e</sup>chot''. LXX dagegen übersetzt mit „Schicksal“, setzt also das graphisch sehr ähnliche ''´acharit'' („Ende, Schicksal“) voraus. Dem folgen sehr viele Exegeten, daher auch „Ende“ oder „Schicksal“ in Alter 2010, H-R, PAT, EÜ 80 (nicht mehr 17), Kaiser 2006, ZÜR 31 (nicht mehr 07).</ref> aller, die Gott vergessen:
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_Die Hoffnung von Gottlosen wird vergehen.
 
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Version vom 11. Juni 2019, 23:36 Uhr

SF in Arbeit.png
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Ijob 8)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 8)

1 Da antwortete Bildad der Schuchiter {und sagte}:

2 „Wie lange willst du solches sprechen?
{Und} starker Wind [sind] (und [wie lange sind] starker Wind) die Worte deines Mundes!a
3 Verdreht denn Gott das Recht
Oder verdreht Schaddai Gerechtigkeit?
4 Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben
Übergab er sie in die Hand (vertrieb sie durch die Hand) ihrer Übertretungen.b


5 Wenn du [dagegen] Gott aufgesucht hättest (gesucht hättest, aufsuchen würdest),cd
Unde Schaddai um Gnade angefleht hättest,d
6 Wenn du rein und aufrecht gewesen wärst,d
Dann wäre Gott um deinetwillen (über dir) aufgewacht (würde Gott aufwachen)f
Und hätte deine gerechte Wohnungg wiederhergestellt (ersetzt, würde wiederherstellen),
7 So dass dein Beginn [noch] klein [wäre],
(Und=) Da er deine Zukunft (dein Ende) sehr groß gemacht hätte (groß machen würde; deine Zukunft aber sehr groß wäre).h


8 Denn (ja,) befrage doch das frühere Geschlecht
Und richte dich auf die Erkundungen (=Erkenntnisse) von deren Vorfahren,
9 Denn [erst seit] gestern [gibt es] uns, {und} wir wissen nichts,
[Nur] wie (denn [nur])i ein Schatten [sind ja] unsere Tage auf Erden!
10 Würden (Werden) nicht diese dich belehren, zu dir sprechen
Und aus ihre Herzenj Worte hervorgehen lassen? –k


11 ‚Kann denn Papyrus wachsen ohne Sumpf,
Kann Riedgrasl groß werden, [wo] kein Wasser?
12 Noch ist es am Aufsprießen,m man kann es [noch] nicht pflücken –
[Noch] vor allem Gras wird es verdorren!
13 So sind [auch] die Pfade (das Schicksal)n aller, die Gott vergessen:
Die Hoffnung von Gottlosen wird vergehen.
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Anmerkungen

aAnspielung auf Ijob 6,26: Ijobs Worte sind in der Tat nichts mehr als „starker Wind“. (Zurück zu v.2)
btFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: übergab er sie in die Hand (vertrieb er sie durch die Hand) - In dt. Üss. und Kommentaren einheitlich wie in der Primärüs. Doch das ist schwierig; „X schalach bejad Y“ ist in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. eine häufige Botenformel, die stets heißt: „X sendet etwas / lässt etwas ausrichten durch Y.“ Auch Raschi erklärt daher hier: „Ihre Übertretung wurde zum Boten, um sie fortzubringen.“ Ähnlich übersetzen VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und VLKurz für „Vetus Latina“, die „altlateinische Bibel“. Sammelbezeichnung für die erhaltenen Fragmente lateinischer Bibelübersetzungen vor Hieronymus´ Vulgata aus dem 2. - 4. Jh.(di)misit eos in manu (Ablativ) iniquitatis suae“, also eher nicht „gab sie in die Hand“, sondern „sandte sie (fort) in der Hand“. SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. übersetzt bejad gar nicht: „Er sandte sie fort in ihren Übertretungen“, TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. „er sandte sie an den Ort ihrer Übertretungen.“ Die Üs. „in die Hand ihrer Übertretungen übergeben“ lässt sich also nur zur Not mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. stützen, die aber wahrscheinlich ebenso aufzufassen ist wie VLKurz für „Vetus Latina“, die „altlateinische Bibel“. Sammelbezeichnung für die erhaltenen Fragmente lateinischer Bibelübersetzungen vor Hieronymus´ Vulgata aus dem 2. - 4. Jh. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: en cheiri ist nicht eindeutig, da en stets mit Dat. steht und daher sowohl „in der“ als auch „in die Hand“ bed. kann. Das Verb apostello heißt aber sicher nicht „übergeben“, sd. „(fort)senden“, und für den Ausdruck „jmdn in die Hand v. jmdm geben“ steht im Gr. der bes. im NT häufig verwendete Ausdruck (para)didomi en cheiri bereit. NETSDie New English Translation of the Septuagint. Frei zugänglich im Netz; übersetzt in steter Orientierung am hebräischen Text. übersetzt LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. daher nach der üblichen heb. Konstruktion: „He sent them off by force of their lawlessness.“; Brenton, Thomson und die Oxford Study Bible mit „He cast them away / dismissed them / sent them away because of their transgression“.
Gordis emendiert daher bejad zu be`ad, was dann heißen soll: „Er sandte sie fort wegen ihrer Übertretungen“. Alter 2010Alter, Robert: The Wisdom Books. Job, Proverbs, and Ecclesiastes. A Translation withCommentary. New York, 2010. scheint dem zu folgen („He dispatched them because of their crime“), doch be`ad heißt nie „wegen“, sondern nur speziell „zugunsten von“.
Auch ohne diese Emendation ließe sich dem Satz ein Sinn abgewinnen, wenn man das Piel von schalach deutet als „vertreiben, verstoßen“ wie z.B. Gen 3,23; 1 Kön 9,7 (II karat, „töten“); Ijob 14,20; 30,12, also „Er sandte sie fort = vertrieb sie durch ihre eigenen Übertretungen“ (wie NETSDie New English Translation of the Septuagint. Frei zugänglich im Netz; übersetzt in steter Orientierung am hebräischen Text. auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. übersetzt), wo also wie noch häufiger im Ijobbuch (vgl. z.B. Ijob 4,8) die Sünden und Sünder anstatt Gott zum eigentlichen Urheber ihres Untergangs würden. So aber wie gesagt keine dt. Üss.; notgedrungen wir man daher hier besser Ps 81,13 vergleichen müssen (so z.B. Dhorme) und davon auszugehen haben, dass schalach bejad hier ausnahmsweise einmal nicht idiomatisch verwendet wird. (Zurück zu v.4)
c(auf)gesucht - vielleicht eine Anspielung auf Ijob 7,21, wo das selbe Wort verwendet wird. So zumindest Ebach, Hartley, van der Lugt 1995, S. 109. (Zurück zu v.5)
dhättest (V. 5) + wärst (V. 6) - Potentialis und Irrealis haben im Heb. keine eigene grammatische Form und müssen aus dem Kontext erschlossen werden. Hier aber klar: Leitet ki `attah („dann“) wie in 6b eine Apodosis ein, folgt sie stets auf eine irreale Bedingung; vgl. Gen 31,42; 43,10; Num 22,29.33; 1 Sam 14,30; ähnlich Ijob 6,3. Als Irrealis erklärt auch Berachja. Bildad redet natürlich an Ijob vorbei; Ijob ist gerade „aufrecht“, s. Ijob 1,1. (zu v.5 / zu v.6)
eKlangspiel: ´el-´el we´el, „nach Gott und nach [Schaddai]“. (Zurück zu v.5)
faufwachen - häufigere Metapher: Geschieht Unrecht, wird dies des öfteren darauf zurückgeführt, dass Gott kurzzeitig „schläft“ (s. Ps 7,7; 35,23; Ps 44,24 und vgl. Schlaf (WiBiLex)), deshalb kurzzeitig untätig ist, nach dem Erwachen aber wieder heilvoll am Beter handeln wird. (Zurück zu v.6)
gdeine gerechte Wohnung - w. „die Wohnung deiner Gerechtigkeit/Rechtmäßigkeit“, wie häufig im Heb. Genitivverbindung als quasi-adjektivische Konstruktion, da Adjektive im Heb. insgesamt sehr selten sind. Viele Üss. aber wg. dieser Konstruktion „die Wohnung, die dir rechtmäßig zustünde“, z.B. Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs., ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.. (Zurück zu v.6)
hD.h. „Wenn du gerecht gewesen wärst, hätte Gott trotz kurzzeitiger Inaktivität nach dieser wiederhergestellt, was du währenddessen verloren hast, und zwar auf eine Weise, dass du danach sogar noch mehr hättest als du zuvor hattest.“ Genau dies wird in Ijob 42,10-12 geschehen; ironischerweise hat Bildad also recht – ebenso wie Elifas, der Ijob auf später vertröstete.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: „Zukunft“ ist fem., das Verb „groß sein / vergrößern“ aber mask. Entweder sind Subjekt und Verb hier also inkongruent, was gar nicht selten der Fall sein kann, oder jißgeh („er (d.h. sie) wird groß sein“) ist als jaßgeh („er wird groß machen“) zu vokalisieren, wie schon SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. gedeutet hat (auch Bickell, Delitzsch, Duhm, Olshausen, Siegfried). Die Vokalisierung jißgeh kann leicht durch die identische Form in V. 11 beeinflusst worden sein. Letztlich ist beides gleich plausibel; die Deutung als „er wird groß machen“ passt aber etwas besser zu Bildads Rede. (Zurück zu v.7)
iTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: wie (denn) - LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. stützen MT: ki ṣel („denn ein Schatten“). SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. dagegen setzen kaṣel voraus, „wie ein Schatten“. Am leichtesten erklären ließe sich diese Differenz damit, dass frühe Schreiber das k in kṣl nach den beiden kis in 8a und 9a für ein defektiv geschriebenes drittes ki gehalten und daher um -i ergänzt haben; ursprünglich ist daher eher die Var. in SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.. So auch Ball, Beer, Gray. (Zurück zu v.9)
jHerz - in der Heb. Anthropologie Sitz des nicht primär der Emotionen, sd. des Verstands (vgl. z.B. Wolff 1973Wolff, Hans Walter: Anthropologie des Alten Testaments. München, 1973., S. 78f.). Daher = aus ihrem Verstand. (Zurück zu v.10)
kMan beachte, wie V. 10 die zeitliche und logische Abfolge der Belehrungen durch die Väter verkehrt wird: „dich belehren“ (Fokus auf Ijob) - „zu dir sprechen“ (Fokus auf Redeakt an sich) - „Aus ihrem Herzen Worte hervorgehen lassen“ (Fokus auf Vorfahren). Bildad schreitet zurück zu den Anfängen der Weisheit und gräbt sich bis zu den tiefsten Tiefen derselben durch. (Zurück zu v.10)
lPapyrus + Riedgras - Zwei ägyptische Lehnwörter; die Weisheit, die hier verkündet wird, ist nicht nur besonders alt, sondern hat außerdem noch einen fremdländischen Touch – ganz dem entsprechend, was heute eine „fernöstliche Weisheit“ wäre. Auch darüber hinaus sind die beiden Zeilen sprachlich besonders gestaltet: 11a verwendet die Negationspräposition belo´ („ohne“), 11b beli („kein“); „wachsen“ und „groß werden“ sind nicht nur Synonyme, sondern reimen sich auch (jig´eh - jißgeh), rechnet man die grammatischen Morpheme haji- zu Beginn des Satzes heraus, beginnt V. 11 mit zwei Alliterationen: hajige´eh (von ga´ah) gome´ belo´ biṣṣah. Auch „Sumpf“ und „Wasser“ sind einander im Heb. ähnlicher als im Dt., da biṣṣah wahrscheinlich verwandt ist mit mheb. bṣṣ („ausschwitzen“) und arab. baṣṣa („tropfen“) und in m.Par viii 10 daher auch „Pfütze“ bedeuten kann (vgl. Cohen 1924Cohen, A.: Studies in Hebrew Lexicography, in: AJSLL 40/3. S. 153-85., S. 164) – der dt. „Sumpf“ wird im Heb. durch ein „wässrigeres“ Wort als im Dt. bezeichnet und fügt sich daher sehr gut in den Parallelismus mit „Wasser“. Papyrus und zumindest manche Riedgrasarten sehen einander darüber hinaus auch noch recht ähnlich. (Zurück zu v.11)
mAufsprießen - Welchen Zeitpunkt im Lebenslauf der Pflanze das Wort ´eb bezeichnet, ist etwas unklar. Vgl. MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.: „Noch stet es in frischem Triebe“, SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab.: „Noch steht es in vollem Triebe“, B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil.: „Noch ists in seiner Knospe“; HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.: „Noch ist's in Blüte“. Etwas mehr spricht für die Variante von MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.: Sonst steht das Wort nur noch in Hld 6,11 und meint dort sehr wahrscheinlich das „Austreiben von Knospen“: Im parallelen V. Hld 7,12 ist vom „Knospen“ des Weinstocks, dem „sich Öffnen“ der Traubenblüten und dem „Blühen“ der Granatäpfelblüten die Rede, also einer zeitlichen Abfolge. In Hld 6,11 sind die ibbe das erste Genannte; darauf folgt ebenfalls die Rede vom „Knospen“ des Weinstocks und dem „Blühen“ der Granatäpfel. ´eb dürfte also einen Zustand noch vor dem „Knospen“ bezeichnen. Vgl. aram ´abab, das wahrscheinlich „Aufsprießen“ bedeutet: „Ich sah Israel wie eine Frühfeige an ihrem Anfang“ in Hos 9,10 wird vom TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. übersetzt als „wie eine Frühfeige, die er zuerst ´abab lässt.“ Im MHeb ist ´eb allerdings die „Frucht“, ebenso wie aram. ibba´ und syr. ´ebba – doch dies wird hier gerade noch nicht gemeint sein. (Zurück zu v.12)
nTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: die Pfade (das Schicksal) - Heb. ´orechot. LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. dagegen übersetzt mit „Schicksal“, setzt also das graphisch sehr ähnliche ´acharit („Ende, Schicksal“) voraus. Dem folgen sehr viele Exegeten, daher auch „Ende“ oder „Schicksal“ in Alter 2010Alter, Robert: The Wisdom Books. Job, Proverbs, and Ecclesiastes. A Translation withCommentary. New York, 2010., H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“, Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs. 80 (nicht mehr 17), Kaiser 2006Kaiser, Otto: Das Buch Hiob. Übersetzt und eingeleitet. Stuttgart, 2006., ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen. 31 (nicht mehr 07). (Zurück zu v.13)