Ijob 8: Unterschied zwischen den Versionen

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_[Noch] vor allem Gras wird es verdorren!
 
_[Noch] vor allem Gras wird es verdorren!
 
{{S|13}} So sind [auch] die Pfade (das Schicksal)<ref>'''Textkritik''': ''die Pfade (das Schicksal)'' - Heb. ''´or<sup>e</sup>chot''. LXX dagegen übersetzt mit „Schicksal“, setzt also das graphisch sehr ähnliche ''´acharit'' („Ende, Schicksal“) voraus. Dem folgen sehr viele Exegeten, daher auch „Ende“ oder „Schicksal“ in Alter 2010, H-R, PAT, EÜ 80 (nicht mehr 17), Kaiser 2006, ZÜR 31 (nicht mehr 07).</ref> aller, die Gott vergessen:
 
{{S|13}} So sind [auch] die Pfade (das Schicksal)<ref>'''Textkritik''': ''die Pfade (das Schicksal)'' - Heb. ''´or<sup>e</sup>chot''. LXX dagegen übersetzt mit „Schicksal“, setzt also das graphisch sehr ähnliche ''´acharit'' („Ende, Schicksal“) voraus. Dem folgen sehr viele Exegeten, daher auch „Ende“ oder „Schicksal“ in Alter 2010, H-R, PAT, EÜ 80 (nicht mehr 17), Kaiser 2006, ZÜR 31 (nicht mehr 07).</ref> aller, die Gott vergessen:
_Die Hoffnung von Gottlosen wird vergehen.
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_Die Hoffnung (der Faden) von Gottlosen wird vergehen,
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{{S|14}} Weil (deren) abgeschnitten wird<ref>''Die Hoffnung (der Faden)'' (V. 13) + ''abgeschnitten'' (V. 14) - das selbe Wortspiel wie in [[Ijob 7#s6 |Ijob 7,6]]: Auch außerhalb dieses Wortspiels kann man vom Tod von Menschen sagen, dass sie „abgeschnitten“ werden; da ''tiqwah'' neben „Hoffnung“ aber auch „Faden“ heißt, ist es hier doppeldeutig. Vgl. FN z zu [[Ijob 4#s21 |Ijob 4,21]]: Weil das Menschenleben noch häufiger mit Begriffen für Textilien beschrieben wird, steht das „Abschneiden ihres Fadens“ gleichzeitig für ihren Tod, auf den hier also angespielt wird.<br />'''tFN''': ''quṭ'' („abschneiden“) findet sich nur hier im Heb. und ist daher in seiner Bed. unsicher. LXX ist nicht hilfreich; ihr Übersetzer hat wohl das ''-r'' von ''´ascher'' („weil“) als shared consonant verstanden, daher auch zu ''jq(w)ṭ'' gezogen und die Konsonanten ''rjqṭ'' dann verlesen als ''reqam'' („leer“, vgl. {{hebr}}ריקט{{hebr ende}} mit {{hebr}}ריקם{{hebr ende}}), daher ''aoiketos'' = „unbewohnt“. VUL leitet ab vom gleichlautenden ''quț'', einer NF von ''quș'' („verachten“), daher: „Ihm gefällt nicht“, was hier nicht passt. Syr und Tg übersetzen aber mit „abschneiden“; vergleichen könnte man daher arab. ''qațța'' und aram ''qț`'' und ''qș'', eine NF von ''qșș'' (alles: „abschneiden“). So auch ELB, FREE, SLT 00, van Ess; so z.B. schon Houbigant 1777 und Rosenmüller 1832.<br />Alternativ folgen viele entweder dem Emendationsvorschlag von Ball, Duhm und Hölscher (lies ''qurim'', „Spinnfäden“, wie in [[Jesaja 59#s5 |Jes 59,5f.]]) oder orientieren sich an Saadja, der mit „Sonnenfaden“ übersetzt, dem dann entweder ''qischure qajit'' (vgl. {{hebr}}אשר יקוט{{hebr ende}} mit {{hebr}}קשרי קיט{{hebr ende}}) zugrunde liegen oder was aus irgendeinem Grund keiner Textänderung bedürfen soll (so z.B. Junker 1959). Letzteres ist extrem unwahrscheinlich; ''qischurim'' – von ''qaschar'', „binden“ – ist ein sehr spezieller Ausdruck und steht in [[Jesaja 3#s20 |Jes 3,20]] und [[Jeremia 2#s32 |Jer 2,32]] für eine bestimmte Art des Schmucks – wahrscheinlich den (Hochzeits-)Gürtel, den man auch aus griechischen Eheriten kennt (s. Jer 2,32). Ersteres ist graphisch nicht sehr nah (vgl. {{hebr}}יקוט{{hebr ende}} mit {{hebr}}קורים{{hebr ende}}). So dennoch die meisten Üss., z.B. Alter 2010, B-R, EÜ, H-R, HER05, Kaiser 2006, MEN, NeÜ, PAT, R-S, SLT 51, STADIJ, ZÜR.</ref> sein Selbstvertrauen
  
 
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Version vom 12. Juni 2019, 00:08 Uhr

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Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Ijob 8)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 8)

1 Da antwortete Bildad der Schuchiter {und sagte}:

2 „Wie lange willst du solches sprechen?
{Und} starker Wind [sind] (und [wie lange sind] starker Wind) die Worte deines Mundes!a
3 Verdreht denn Gott das Recht
Oder verdreht Schaddai Gerechtigkeit?
4 Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben
Übergab er sie in die Hand (vertrieb sie durch die Hand) ihrer Übertretungen.b


5 Wenn du [dagegen] Gott aufgesucht hättest (gesucht hättest, aufsuchen würdest),cd
Unde Schaddai um Gnade angefleht hättest,d
6 Wenn du rein und aufrecht gewesen wärst,d
Dann wäre Gott um deinetwillen (über dir) aufgewacht (würde Gott aufwachen)f
Und hätte deine gerechte Wohnungg wiederhergestellt (ersetzt, würde wiederherstellen),
7 So dass dein Beginn [noch] klein [wäre],
(Und=) Da er deine Zukunft (dein Ende) sehr groß gemacht hätte (groß machen würde; deine Zukunft aber sehr groß wäre).h


8 Denn (ja,) befrage doch das frühere Geschlecht
Und richte dich auf die Erkundungen (=Erkenntnisse) von deren Vorfahren,
9 Denn [erst seit] gestern [gibt es] uns, {und} wir wissen nichts,
[Nur] wie (denn [nur])i ein Schatten [sind ja] unsere Tage auf Erden!
10 Würden (Werden) nicht diese dich belehren, zu dir sprechen
Und aus ihre Herzenj Worte hervorgehen lassen? –k


11 ‚Kann denn Papyrus wachsen ohne Sumpf,
Kann Riedgrasl groß werden, [wo] kein Wasser?
12 Noch ist es am Aufsprießen,m man kann es [noch] nicht pflücken –
[Noch] vor allem Gras wird es verdorren!
13 So sind [auch] die Pfade (das Schicksal)n aller, die Gott vergessen:
Die Hoffnung (der Faden) von Gottlosen wird vergehen,
14 Weil (deren) abgeschnitten wirdo sein Selbstvertrauen
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Anmerkungen

aAnspielung auf Ijob 6,26: Ijobs Worte sind in der Tat nichts mehr als „starker Wind“. (Zurück zu v.2)
btFN: übergab er sie in die Hand (vertrieb er sie durch die Hand) - In dt. Üss. und Kommentaren einheitlich wie in der Primärüs. Doch das ist schwierig; „X schalach bejad Y“ ist in der Bibel eine häufige Botenformel, die stets heißt: „X sendet etwas / lässt etwas ausrichten durch Y.“ Auch Raschi erklärt daher hier: „Ihre Übertretung wurde zum Boten, um sie fortzubringen.“ Ähnlich übersetzen VUL und VL(di)misit eos in manu (Ablativ) iniquitatis suae“, also eher nicht „gab sie in die Hand“, sondern „sandte sie (fort) in der Hand“. Syr übersetzt bejad gar nicht: „Er sandte sie fort in ihren Übertretungen“, Tg „er sandte sie an den Ort ihrer Übertretungen.“ Die Üs. „in die Hand ihrer Übertretungen übergeben“ lässt sich also nur zur Not mit LXX stützen, die aber wahrscheinlich ebenso aufzufassen ist wie VL und VUL: en cheiri ist nicht eindeutig, da en stets mit Dat. steht und daher sowohl „in der“ als auch „in die Hand“ bed. kann. Das Verb apostello heißt aber sicher nicht „übergeben“, sd. „(fort)senden“, und für den Ausdruck „jmdn in die Hand v. jmdm geben“ steht im Gr. der bes. im NT häufig verwendete Ausdruck (para)didomi en cheiri bereit. NETS übersetzt LXX daher nach der üblichen heb. Konstruktion: „He sent them off by force of their lawlessness.“; Brenton, Thomson und die Oxford Study Bible mit „He cast them away / dismissed them / sent them away because of their transgression“.
Gordis emendiert daher bejad zu be`ad, was dann heißen soll: „Er sandte sie fort wegen ihrer Übertretungen“. Alter 2010 scheint dem zu folgen („He dispatched them because of their crime“), doch be`ad heißt nie „wegen“, sondern nur speziell „zugunsten von“.
Auch ohne diese Emendation ließe sich dem Satz ein Sinn abgewinnen, wenn man das Piel von schalach deutet als „vertreiben, verstoßen“ wie z.B. Gen 3,23; 1 Kön 9,7 (II karat, „töten“); Ijob 14,20; 30,12, also „Er sandte sie fort = vertrieb sie durch ihre eigenen Übertretungen“ (wie NETS auch LXX übersetzt), wo also wie noch häufiger im Ijobbuch (vgl. z.B. Ijob 4,8) die Sünden und Sünder anstatt Gott zum eigentlichen Urheber ihres Untergangs würden. So aber wie gesagt keine dt. Üss.; notgedrungen wir man daher hier besser Ps 81,13 vergleichen müssen (so z.B. Dhorme) und davon auszugehen haben, dass schalach bejad hier ausnahmsweise einmal nicht idiomatisch verwendet wird. (Zurück zu v.4)
c(auf)gesucht - vielleicht eine Anspielung auf Ijob 7,21, wo das selbe Wort verwendet wird. So zumindest Ebach, Hartley, van der Lugt 1995, S. 109. (Zurück zu v.5)
dhättest (V. 5) + wärst (V. 6) - Potentialis und Irrealis haben im Heb. keine eigene grammatische Form und müssen aus dem Kontext erschlossen werden. Hier aber klar: Leitet ki `attah („dann“) wie in 6b eine Apodosis ein, folgt sie stets auf eine irreale Bedingung; vgl. Gen 31,42; 43,10; Num 22,29.33; 1 Sam 14,30; ähnlich Ijob 6,3. Als Irrealis erklärt auch Berachja. Bildad redet natürlich an Ijob vorbei; Ijob ist gerade „aufrecht“, s. Ijob 1,1. (zu v.5 / zu v.6)
eKlangspiel: ´el-´el we´el, „nach Gott und nach [Schaddai]“. (Zurück zu v.5)
faufwachen - häufigere Metapher: Geschieht Unrecht, wird dies des öfteren darauf zurückgeführt, dass Gott kurzzeitig „schläft“ (s. Ps 7,7; 35,23; Ps 44,24 und vgl. Schlaf (WiBiLex)), deshalb kurzzeitig untätig ist, nach dem Erwachen aber wieder heilvoll am Beter handeln wird. (Zurück zu v.6)
gdeine gerechte Wohnung - w. „die Wohnung deiner Gerechtigkeit/Rechtmäßigkeit“, wie häufig im Heb. Genitivverbindung als quasi-adjektivische Konstruktion, da Adjektive im Heb. insgesamt sehr selten sind. Viele Üss. aber wg. dieser Konstruktion „die Wohnung, die dir rechtmäßig zustünde“, z.B. , LUT, ZÜR. (Zurück zu v.6)
hD.h. „Wenn du gerecht gewesen wärst, hätte Gott trotz kurzzeitiger Inaktivität nach dieser wiederhergestellt, was du währenddessen verloren hast, und zwar auf eine Weise, dass du danach sogar noch mehr hättest als du zuvor hattest.“ Genau dies wird in Ijob 42,10-12 geschehen; ironischerweise hat Bildad also recht – ebenso wie Elifas, der Ijob auf später vertröstete.
tFN: „Zukunft“ ist fem., das Verb „groß sein / vergrößern“ aber mask. Entweder sind Subjekt und Verb hier also inkongruent, was gar nicht selten der Fall sein kann, oder jißgeh („er (d.h. sie) wird groß sein“) ist als jaßgeh („er wird groß machen“) zu vokalisieren, wie schon Syr gedeutet hat (auch Bickell, Delitzsch, Duhm, Olshausen, Siegfried). Die Vokalisierung jißgeh kann leicht durch die identische Form in V. 11 beeinflusst worden sein. Letztlich ist beides gleich plausibel; die Deutung als „er wird groß machen“ passt aber etwas besser zu Bildads Rede. (Zurück zu v.7)
iTextkritik: wie (denn) - LXX und VUL stützen MT: ki ṣel („denn ein Schatten“). Syr und Tg dagegen setzen kaṣel voraus, „wie ein Schatten“. Am leichtesten erklären ließe sich diese Differenz damit, dass frühe Schreiber das k in kṣl nach den beiden kis in 8a und 9a für ein defektiv geschriebenes drittes ki gehalten und daher um -i ergänzt haben; ursprünglich ist daher eher die Var. in Syr und Tg. So auch Ball, Beer, Gray. (Zurück zu v.9)
jHerz - in der Heb. Anthropologie Sitz des nicht primär der Emotionen, sd. des Verstands (vgl. z.B. Wolff 1973, S. 78f.). Daher = aus ihrem Verstand. (Zurück zu v.10)
kMan beachte, wie V. 10 die zeitliche und logische Abfolge der Belehrungen durch die Väter verkehrt wird: „dich belehren“ (Fokus auf Ijob) - „zu dir sprechen“ (Fokus auf Redeakt an sich) - „Aus ihrem Herzen Worte hervorgehen lassen“ (Fokus auf Vorfahren). Bildad schreitet zurück zu den Anfängen der Weisheit und gräbt sich bis zu den tiefsten Tiefen derselben durch. (Zurück zu v.10)
lPapyrus + Riedgras - Zwei ägyptische Lehnwörter; die Weisheit, die hier verkündet wird, ist nicht nur besonders alt, sondern hat außerdem noch einen fremdländischen Touch – ganz dem entsprechend, was heute eine „fernöstliche Weisheit“ wäre. Auch darüber hinaus sind die beiden Zeilen sprachlich besonders gestaltet: 11a verwendet die Negationspräposition belo´ („ohne“), 11b beli („kein“); „wachsen“ und „groß werden“ sind nicht nur Synonyme, sondern reimen sich auch (jig´eh - jißgeh), rechnet man die grammatischen Morpheme haji- zu Beginn des Satzes heraus, beginnt V. 11 mit zwei Alliterationen: hajige´eh (von ga´ah) gome´ belo´ biṣṣah. Auch „Sumpf“ und „Wasser“ sind einander im Heb. ähnlicher als im Dt., da biṣṣah wahrscheinlich verwandt ist mit mheb. bṣṣ („ausschwitzen“) und arab. baṣṣa („tropfen“) und in m.Par viii 10 daher auch „Pfütze“ bedeuten kann (vgl. Cohen 1924, S. 164) – der dt. „Sumpf“ wird im Heb. durch ein „wässrigeres“ Wort als im Dt. bezeichnet und fügt sich daher sehr gut in den Parallelismus mit „Wasser“. Papyrus und zumindest manche Riedgrasarten sehen einander darüber hinaus auch noch recht ähnlich. (Zurück zu v.11)
mAufsprießen - Welchen Zeitpunkt im Lebenslauf der Pflanze das Wort ´eb bezeichnet, ist etwas unklar. Vgl. MEN: „Noch stet es in frischem Triebe“, SLT: „Noch steht es in vollem Triebe“, B-R: „Noch ists in seiner Knospe“; HER05: „Noch ist's in Blüte“. Etwas mehr spricht für die Variante von MEN: Sonst steht das Wort nur noch in Hld 6,11 und meint dort sehr wahrscheinlich das „Austreiben von Knospen“: Im parallelen V. Hld 7,12 ist vom „Knospen“ des Weinstocks, dem „sich Öffnen“ der Traubenblüten und dem „Blühen“ der Granatäpfelblüten die Rede, also einer zeitlichen Abfolge. In Hld 6,11 sind die ibbe das erste Genannte; darauf folgt ebenfalls die Rede vom „Knospen“ des Weinstocks und dem „Blühen“ der Granatäpfel. ´eb dürfte also einen Zustand noch vor dem „Knospen“ bezeichnen. Vgl. aram ´abab, das wahrscheinlich „Aufsprießen“ bedeutet: „Ich sah Israel wie eine Frühfeige an ihrem Anfang“ in Hos 9,10 wird vom Tg übersetzt als „wie eine Frühfeige, die er zuerst ´abab lässt.“ Im MHeb ist ´eb allerdings die „Frucht“, ebenso wie aram. ibba´ und syr. ´ebba – doch dies wird hier gerade noch nicht gemeint sein. (Zurück zu v.12)
nTextkritik: die Pfade (das Schicksal) - Heb. ´orechot. LXX dagegen übersetzt mit „Schicksal“, setzt also das graphisch sehr ähnliche ´acharit („Ende, Schicksal“) voraus. Dem folgen sehr viele Exegeten, daher auch „Ende“ oder „Schicksal“ in Alter 2010, H-R, PAT, 80 (nicht mehr 17), Kaiser 2006, ZÜR 31 (nicht mehr 07). (Zurück zu v.13)
oDie Hoffnung (der Faden) (V. 13) + abgeschnitten (V. 14) - das selbe Wortspiel wie in Ijob 7,6: Auch außerhalb dieses Wortspiels kann man vom Tod von Menschen sagen, dass sie „abgeschnitten“ werden; da tiqwah neben „Hoffnung“ aber auch „Faden“ heißt, ist es hier doppeldeutig. Vgl. FN z zu Ijob 4,21: Weil das Menschenleben noch häufiger mit Begriffen für Textilien beschrieben wird, steht das „Abschneiden ihres Fadens“ gleichzeitig für ihren Tod, auf den hier also angespielt wird.
tFN: quṭ („abschneiden“) findet sich nur hier im Heb. und ist daher in seiner Bed. unsicher. LXX ist nicht hilfreich; ihr Übersetzer hat wohl das -r von ´ascher („weil“) als shared consonant verstanden, daher auch zu jq(w) gezogen und die Konsonanten rjqṭ dann verlesen als reqam („leer“, vgl. ריקט mit ריקם), daher aoiketos = „unbewohnt“. VUL leitet ab vom gleichlautenden quț, einer NF von quș („verachten“), daher: „Ihm gefällt nicht“, was hier nicht passt. Syr und Tg übersetzen aber mit „abschneiden“; vergleichen könnte man daher arab. qațța und aram qț` und , eine NF von qșș (alles: „abschneiden“). So auch ELB, FREE, SLT 00, van Ess; so z.B. schon Houbigant 1777 und Rosenmüller 1832.
Alternativ folgen viele entweder dem Emendationsvorschlag von Ball, Duhm und Hölscher (lies qurim, „Spinnfäden“, wie in Jes 59,5f.) oder orientieren sich an Saadja, der mit „Sonnenfaden“ übersetzt, dem dann entweder qischure qajit (vgl. אשר יקוט mit קשרי קיט) zugrunde liegen oder was aus irgendeinem Grund keiner Textänderung bedürfen soll (so z.B. Junker 1959). Letzteres ist extrem unwahrscheinlich; qischurim – von qaschar, „binden“ – ist ein sehr spezieller Ausdruck und steht in Jes 3,20 und Jer 2,32 für eine bestimmte Art des Schmucks – wahrscheinlich den (Hochzeits-)Gürtel, den man auch aus griechischen Eheriten kennt (s. Jer 2,32). Ersteres ist graphisch nicht sehr nah (vgl. יקוט mit קורים). So dennoch die meisten Üss., z.B. Alter 2010, B-R, , H-R, HER05, Kaiser 2006, MEN, NeÜ, PAT, R-S, SLT 51, STADIJ, ZÜR. (Zurück zu v.14)