Jesaja 52: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche
K (Test für Kategorien des Statussystems)
K (Test für Kategorien des Statussystems (jetzt hat das Kapitel wieder den korrekten Status))
Zeile 1: Zeile 1:
 
{{Studienfassung in Arbeit}}
 
{{Studienfassung in Arbeit}}
{{Sehr gute Studienfassung|Vers 13-15}}
+
{{Zuverlässige Studienfassung|Vers 13-15}}
  
 
<small>Siehe auch: [[Jesaja 53/Persönliche Fassung (Sebastian Walter)]]</small>
 
<small>Siehe auch: [[Jesaja 53/Persönliche Fassung (Sebastian Walter)]]</small>

Version vom 7. November 2015, 16:22 Uhr

Syntax ungeprüft
SF in Arbeit.png
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Jesaja 52)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

12

13 „Siehe:
Mein Getreuer –
Erfolgreich wird er sein.
Hoch erhöht.
Erhaben.

14– So viele Menschen erstarrten einst
Vor Entsetzen über dich –
So entstellt war sein Aussehen
Unmenschlich
Und seine Gestalt
So ungleich einem Menschenkind:
15 Eben so sehr wird er aufschrecken
So viele Völker
Und es werden verstummen
Könige
Vor
Ihm.

Denn
Was ihnen nicht erzählt worden ist,
Das werden sie sehen.
Was sie nicht gehört haben,
Das werden sie verstehen.“

Anmerkungen

Studienfassung (Jesaja 52)

123456789101112

13 „Siehe ({Siehe})a, mein Getreuer (Diener, Knecht, Sklave)b wird Erfolg haben (klug handeln, verständig sein),
erhöht wird er sein, erhoben und sehr erhaben.
14 Wie viele Menschen über dich (ihn)c entsetzt waren!
So entstellt im Vergleich zu einem [gewöhnlicher] Mann (Mensch)d war sein Aussehen,
seine Gestalt im Vergleich zu einem Menschenkind (einem Sohnd eines Menschen).e
15 So sehr wird er viele Völker (Leute) aufschrecken (er wird viele Völker besprengen/verwundern; viele Völker werden verwundert/erregt/erfreut sein über ihn; viele Völker verachten ihn)f,
über ihn (ihm gegenüber) werden Könige ihren Mund verschließen.g
Denn was ihnen nicht erzählt worden ist – sie werden es sehen (dann gesehen haben),
und was sie nicht gehört haben – sie werden es verstehen (dann verstanden haben).“ h

Anmerkungen

aSiehe übersetzt die hebräischen Fokuspartikel הִנֵּה, die das Hebräische häufig setzt, wo das Deutsche keine Fokuspartikel setzen würde. Hier ist ihre Funktion wohl nur, den Beginn des Abschnitts Jes 52,13-53,12 zu markieren (vgl. z.B. Gentry 2007Gentry, Peter: The Atonement in Isaiah's Fourth Servant Song, in: SBJT 11/2, 2007. online unter: http://goo.gl/hp8t2X, S. 26) und könnte in der LF ohne Bedeutungsverlust ausgespart werden. (Zurück zu v.13)
bDas hebräische Wort עַבְדִּי kann sowohl Sklaven bezeichnen als auch hochgestellte Persönlichkeiten (etwa im Dienst eines Königs) und Propheten (Gottesdiener). Zur Übersetzung mit „Getreuer“ siehe Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 115.
Es gibt zahlreiche verschiedene Thesen zur Person des Dieners/Getreuen. Im Neuen Testament werden Jes 52,13–53,12 auf Jesus Christus bezogen. Andere Deutungen sind: Das jüdische Volk, die kleine Gruppe der Frommen inmitten der Unfrommen, ein konkreter einzelner Mensch, der Messias, Jeremia, Mose. (Vgl. Berlin/Brettler 2004, S. 891)
Für die Interpretation des Textes ist die Festlegung auf eine bestimmte Deutung nicht notwendig (Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 119-120). (Zurück zu v.13)
cTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Einige hebräische Handschriften lesen ihn, andere dich. Die Lesart dich ist besser bezeugt. Da dieser Perspektivwechsel den Text sperriger macht, wurde vermutlich in den übrigen Handschriften zu ihm geändert (Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 225). Es ist die einzige Stelle in diesem Text, an dem JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. den Diener anspricht und nicht über ihn redet (Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., S. 225) – sofern man den Personenwechsel nicht als bedeutungslose und unübersetzbare Eigenheit der hebräischen Sprache deutet (Kaiser 1959Kaiser, Otto: Der königliche Knecht: eine traditionsgeschichtlich-exegetische Studie über die Ebed-Jahwe-Lieder bei Deuterojesaja. Göttingen, 1959., S. 85f; North 1963, S. 227; Nyberg 1942Nyberg, H. S.: Smärtoras man. En studie till Jes 52,13-53,12. ?, 1942., S. 48; vgl. GKC §144p). (Zurück zu v.14)
dgenerisches Maskulinum (zu v.14)
eVersEin Teil in einem Kapitel. 14bc wird in der wissenschaftlichen Literatur verschieden in das Satzgefüge des Textes eingeordnet. Unsere Übersetzung folgt Schmidt 2013Schmidt, Uta: Zukunftsvorstellungen in Jesaja 49-55. Eine textpragmatische Untersuchung von Kommunikation und Bildwelt. Neukirchen-Vluyn, 2013., 224. Es sind aber auch andere Deutungen möglich. Die meisten verstehen VersEin Teil in einem Kapitel. 14bc als Einschub; dann wäre zu übersetzen: Ebensosehr, wie viele über dich (ihn) entsetzt waren – so entstellt … war sein Aussehen … – ebensosehr wird er viele Völker aufschrecken. Andere übersetzen die Abfolge כִּי - כן - כן als Ebensosehr - ebensosehr - ebensosehr (Bartélemy 1986, 386; Gentry 2007Gentry, Peter: The Atonement in Isaiah's Fourth Servant Song, in: SBJT 11/2, 2007. online unter: http://goo.gl/hp8t2X, S. 26; Schenker 2001Schenker, Adrian: Knecht und Lamm Gottes. Übernahme von Schuld im Horizont der Gottesknechtslieder. Stuttgart, 2001., 67): Ebensosehr, wie viele über dich (ihn) entsetzt waren, ebenso entstellt … war sein Aussehen …, ebensosehr wird er viele Völker aufschrecken.
Diskutiert wird auch, ob die Textüberlieferung an dieser Stelle fehlerhaft ist. Dann wäre entweder 14bc hinter VersEin Teil in einem Kapitel. 53,2 zu verschieben (BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002., Westermann 1966Westermann, Claus: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66. Göttingen, 1966.) oder כן ebenso nach כִּי denn zu korrigieren: So viele Menschen waren über dich (ihn) entsetzt, denn … denn … (Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27., S. 25; Ziegler 1958Ziegler, Joseph: Das Buch Isaias. Würzburg, 1958., S. 173; so schon Duhm). Da sich diese Vermutungen eines ursprünglich anderen Textes nicht überprüfen lassen, müssen sie jedoch als sehr unsicher eingeordnet werden. (Zurück zu v.14)
fDie genaue Übersetzung dieser Stelle ist unklar. Der Urtext hat hier das Wort יַזֶּה (besprengen), was in diesem Zusammenhang nicht viel Sinn ergibt. Die griechische Übersetzung LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. hat θαυμάσονται (sie staunen).

Der Kontext legt die Aussageabsicht nahe, dass viele Völker von dem erfolgreichen (V. 13) Menschen Notiz nehmen – ebenso wie die Könige.

Für die Übersetzung des Wortes werden vier Lösungen diskutiert: (i) Es wird ein dem arab. nazâ analoges נזה II aufspringen machen angesetzt, das dann entweder bewundern, verwundert sein über (was mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. zusammenstimmen würde: θαυμάσονται sie staunen) oder aufschrecken heißen soll (der häufigste Alternativvorschlag, z.B. Blenkinsopp 2002Blenkinsopp, Joseph: Isaiah 40-55. A New Translation with Introduction and Commentary. New York, 2002., Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., Oswalt 1998Oswalt, John: The Book of Isaiah. Chapters 40-66. Grand Rapids, 1998., Watts 1987Watts, John D. W.: Isaiah 34-66. New York, 1987. u.a.) - allerdings ist hiergegen eingewendet worden, dass das arab. nazâ gar nicht die Bedeutung „verwundert sein“ habe, vgl. z.B. Gentry 2007Gentry, Peter: The Atonement in Isaiah's Fourth Servant Song, in: SBJT 11/2, 2007. online unter: http://goo.gl/hp8t2X, S. 27; Smith 2009Smith, Gary V.: Isaiah 40-66. Nashville, 2009., S. 440. (ii) Man emendiert nach יִרְגְּזוּ sie werden erstaunt sein (Westermann 1966Westermann, Claus: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66. Göttingen, 1966.), aber eigentlich bedeutet רגז gar nicht „erstaunt sein“, sd. „erregt sein, unruhig sein“; vgl. ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. auch Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 798. Außerdem ist (iii) vorgeschlagen worden, zu emendieren nach יִזְהוּ sie werden sich freuen (Barré 2000Barré, Michael L.: Observations on the Last Servant Song, in: CBQ 62, 2000. S. 1-27., S. 10f.) - allerdings ist dieses Wort ein wenig unsicher - oder (iv) nach יִבְזֻהוּ sie verachten (vgl. BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia). Trotz Widersprüchen ist die erste Lösung (a) die verbreitetste und (b) die unproblematischste, weshalb auch wir ihr hier den Vorzug gegeben haben. (Zurück zu v.15)
g„Den Mund verschließen“ ist wohl als Geste der Verehrung zu verstehen; vgl. Ijob 29,9; 40,4 (; Mic 7,16). (Zurück zu v.15)
hVersEin Teil in einem Kapitel. 15 ist hier als prophetisches Perfekt übersetzt (vgl. Childs 2001Childs, Brevard S.: Isaiah. Louisville, 2001., S. 407); alternativ möglich: Futur II. Eine weitere Übersetzungmöglichkeit ist: „so sehr schreckt er [nun] … auf, denn … sie haben es gesehen … sie haben es verstanden“. (Zurück zu v.15)