Kommentar:Markus 9: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

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===Textkritik===
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====Vers 2====
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{{S|2}} Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes (die Brüder Jakobus und Johannes?)
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<ref>'''Textkritik''': Viele Hss. haben vor ''Johannes'' (wie vor ''Petrus'' und ''Jakobus'') einen Artikel; noch mehr (und die meisten krit. Editionen - nicht aber NA28) aber sparen ihn an dieser Stelle aus. Die zweite Variante ist etwas wahrscheinlicher (vgl. [http://www-user.uni-bremen.de/~wie/TCG/TC-Mark.pdf Wilckens 2014], S. 351f). Diese asymmetrische Setzung und Aussparung soll vielleicht die Geschwister Jakobus und Johannes syntaktisch näher zusammenrücken (ebd., S. 352); die Hinzufügung von „die Geschwister“ war die beste Möglichkeit, die mir einfiel, das nachzubilden. Wahrscheinlich ist es aber bedeutungslos, so dass man in die LF wie gehabt die Fließtextfassung übernehmen kann.</ref>
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, und führte sie
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<ref>''nahm mit und führte sie'' - Typisch markinische Redundanz (daher auch [[Lukas 9#s28 |Lk 9,28]]: „Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich ''und stieg'' auf den Berg.“); hier aber zweckmäßig eingesetzt: Zusammen mit dem folgenden, ebenfalls gedoppelten ''für sich, allein'' wird so das häufige Motiv der Privatoffenbarung an ausgewählte Jünger besonders betont. Sehr gut WIL: „er führte sie - nur sie allein - auf einen hohen Berg.“</ref>
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für sich, allein,
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<ref>s. letzte FN</ref>
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auf einen hohen Berg, und er wurde vor ihnen (vor ihren Augen)
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<ref>''vor ihnen'' - viele Üss. stilistisch gut: „vor ihren Augen“, aber Mk verwendet wohl bewusst „ihnen“: Die Geschehnisse der Perikope Mk 9,2-8 sind kein Selbstzweck, sondern ''für die Jünger bestimmt'': ''Vor ihnen'' wird Jesus verwandelt; ''ihnen'' erscheinen Elija mit Mose, und ''ihnen'' („aus der Wolke“) deutet die „Stimme“ aus, was sie da eben gesehen haben.</ref>
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verwandelt (verwandelte sich):
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<ref>''wurde verwandelt (verwandelte sich)'' - Entweder Passivum divinum ''wurde verwandelt'', also sinngemäß „wurde von Gott verwandelt“ (so z.B. Dschulnigg 2007, S. 245; Kmiecik 1997, S. 134; Pesch 1977, S. 72; Wördemann 2008, S. 44) oder reflexives Passiv ''verwandelte sich'' (so z.B. Haenchen 1966, S. 308; Kleist 1937, S. 214). Die erste Variante ist wahrscheinlicher: In Mk 9,2-8 wurde vermutlich die Textsorte „Epiphanie“ (=Erscheinung Gottes) mit der hellenistischen Textsorte „Metamorphose“ (=Verwandlung) verschmolzen (vgl. gut Wördemann 2008, S. 37f), um die Epiphanie als ''Christophanie'' darstellen zu können: ''Christus'' offenbart sich auf dem Berg in seiner göttlichen Herrlichkeit. In der hellenistischen Textsorte Metamorphose ist es aber üblich(er), dass die Verwandelten ''von Göttern'' verwandelt werden. Auch ist es ja in V. 7 Gott, der den Jüngern die Geschehnisse ausdeutet.</ref>{{par|Exodus|24|13|15}}{{par|2_Petrus|1|16|18}}{{par|2Korinther|3|18}}
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====Vers 14====
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{{S|14}} Und als sie (er)
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<ref name="Text 14">'''Textkritik''': ''als sie kamen (als er kam)'' + ''sahen sie (sah er)'' - beide Versionen sind etwa gleich stark bezeugt; beide gleich plausibel. Vier folgen NA28; anders z.B. Gnilka 1979, S. 43 (das Singular sei die „schwierigere Lesart“. Warum auch immer - dass Jesus etwas gemeinsam mit seinen Jüngern tut, aber nur von ihm allein gesagt wird, dass er es tut, kommt häufig vor im Mk. Das ist nicht „schwieriger“).</ref>
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zu den Jüngern kamen (kam),
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<ref name="Text 14" />
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sahen sie (sah er),
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<ref name="Text 14" />
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dass eine große Menschenmenge um sie [war] und Schriftgelehrte mit ihnen diskutierten. {{par|Lukas|11|53}}
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====Vers 29====
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{{S|29}} Da sagte er zu ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren (ausgetrieben werden)
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<ref>''ausfahren (ausgetrieben werden)'' - ἐξέρχομαι ''ausfahren'' verwendet als Äquivalent des Passivs ἐκβάλλω ''austreiben''; vgl. Symth §1752; ''ad loc.'' Cranfield 1959, S. 304; Kleist 1937, S. 214. So auch die meisten Üss.</ref>
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außer durch Gebet
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<ref>'''Textkritik''': Die meisten Mss. fügen hinzu: „und Fasten“. Von fast allen wird es zur Glosse erklärt, weil eine Einfügung von „und Fasten“ aufgrund der steigenden Wichtigkeit des Fastens in der alten Kirche plausibler sei als eine Auslassung (so z.B. Metzger 1994, S. 85). [http://www-user.uni-bremen.de/~wie/TCG/TC-Mark.pdf Wilckens 2014], S. 370, hält es aber auch für möglich, dass es sich hier um eine Parablepsis handeln und ein Abschreiber das καὶ νηστείᾳ ''und Fasten'' einfach übersehen haben könnte, und die Tatsache, dass so viel mehr Mss die längere Version haben, macht mir das eigentlich sogar ein wenig wahrscheinlicher. Allerdings nicht wahrscheinlich genug, um von der Mehrzahl der kritischen Editionen abzuweichen, daher folgen auch wir der kürzeren Variante.</ref>.“ {{par|Daniel|9|3}}{{par|Jakobus|5|15}}
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====Vers 42====
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{{S|42}}
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<ref name="Struktur" />
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Wer aber (und)
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<ref>''aber (und)'' - „und“ zur Verknüpfung von Gegensätzen.</ref>
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[auch nur] einen dieser Kleinen (einen der Geringen),
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<ref>''einen dieser Kleinen (einen der Geringen)'' - Auf wen „diese Kleinen“ verweist, ist in der Exegese umstritten. Einige denken, dass es sich bei „diesen Kleinen“ um eine Ehrenbezeichnung Jesu für die Jünger handle (s. z.B. Jeremias 1971, S. 113 zu dieser Stelle; [[Matthäus 10#s42 |Mt 10,42]]; [[Matthäus 18#s10 |18,10]].[[Matthäus 18#s14 |14]]; [[Matthäus 25#s40 |25,40]].[[Matthäus 25#s45 |45]]). Das ist mindestens schwierig. Mt 18,10.14 verweist es zweifellos auf Kinder; vgl. [[Matthäus 18#s5 |Mt 18,5f]] (also die Parallelstelle von Mk 9,42). Und Mt 25,40.45 ist nicht von „einem dieser Kleinen“ die Rede, sondern von „einem meiner kleinsten Brüder“ und die Referenz wird weiter dadurch aufgeklärt, dass diese als hungernde, dürstende, obdachlose, nackte, kranke und gefangene Menschen näher bestimmt werden - man kann diese Stelle also nicht ohne Weiteres mit Mk 9,42 par. parallelisieren. Bleiben Mt 10,42 und Mk 9,42. Auch an unserer Stelle deckt sich ἕνα τῶν μικρῶν ''einer dieser Kleinen'' nicht mit ὑμᾶς ''euch'' (3. Pers. vs. 2. Pers., außerdem werden die beiden Gruppen „diese Kleinen“ und „ihr“ hier ja offensichtlich miteinander kontrastiert). Zudem kann das Demonstrativpronomen „dies“ in „dieser Kleinen“ nur meinen „solche Kinder wie das, von dem ich in Vv. 33-37 geredet habe“ - wenn man es nicht (wie z.B. Pesch 1977, S. 92) als (bedeutungsloses) redundantes Pronomen deutet (ein Aramäismus; vgl. [http://archive.org/stream/grammatikdesj00dalmuoft#page/113/mode/1up Dalman 1905, S. 113f]; [https://archive.org/stream/fourgospelsanewt009081mbp#page/n305/mode/1up Torrey 1933, S. 290] zu [[Matthäus 5#s19 |Mt 5,19]] - mit dieser Verwendung dürfte man vielleicht auch die Textvarianten erklären können, in denen das Demonstrativpronomen fehlt). Man wird daher hier besser davon ausgehen müssen, dass „diese Kleinen“ wieder die Kinder meint (so z.B. auch Collins 2007, S. 450, Evans 2001, S. 70; Gundry 1993, S. 512.524, van Iersel 1998, S. 312f; gut auch Loader 2012, S. 121f.), was noch wahrscheinlicher wird, wenn man (wie viele) davon ausgeht, dass entweder Vv. 41f oder nur Vv. 42 ursprünglich direkt an V. 37 angeschlossen haben.</ref>
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die an mich ({an mich})
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<ref>'''Textkritik''': Das εἰς ἐμέ ist textkritisch umstritten. In der überwiegenden Mehrzahl der Mss. steht es; nicht aber in den wichtigen {{hebr}}א{{hebr ende}}, D und Δ, was sie etwas zweifelhaft macht. Viele textkritische Editionen haben sie aus diesem Grund auch nicht in den Fließtext mit aufgenommen (vgl. zuletzt auch wieder Greeven/Güting 2005, S. 478); auch einige namhaften Kommentare (z.B. Dschulnigg 2007, Gnilka 1979, Pesch 1977, Marcus 2009) sparen es aus. In die neueren Editionen (NA28, SBLGNT; s. auch Wilcker 2014, S. 385.7) wird es aber (zögerlich) aufgenommen; dem folgen auch wir.</ref>
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glauben, ärgert (vom Glauben abbringt)
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<ref>''ärgert (vom Glauben abbringt)'' - σκανδαλίζω kann sowohl „vom Glauben abbringen“ meinen als auch „ärgern“ (außerdem „zur Sünde verführen“, aber das ist hier sehr wahrscheinlich nicht im Blick). Liest man - wie wir, vgl. wieder den [http://www.offene-bibel.de/wiki/index.php5?title=Kommentar:Markus_9#Struktur_der_Studienfassung Kommentar] - Vv.41-42 als zusammenhängend und berücksichtigt die parallele Struktur der beiden Verse, erkennt man, dass ὃς ἂν σκανδαλίσῃ ''Wer [auch nur einen dieser Kleinen] ärgert/vom Glauben abbringt'' parallel  ist zu ὃς ἂν ποτίσῃ ὑμᾶς ποτήριον ὕδατος ''Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt''. σκανδαλίζω wird also mit der „sprichwörtlich kleinstmöglichen guten Tat“ parallelisiert. Entweder, man geht davon aus, dass dies nichts bedeutet, lässt sich deshalb in der Deutung von σκανδαλίζω leiten von dem „die Kleinen, ''die glauben''“ und übersetzt daher „vom Glauben abbringt“. So z.B. BB, GN, HfA, KAM, LUT, NL. Oder aber man hält Vv. 41f für eine Art „verdrehtes argumentum a maiore ad minus“: Kinder werden in der Antike allgemein - und auch im NT - eher mit Niedrigkeit und Schwachheit konnotiert (vgl. z.B. Aasgaard 2006; Grassi 1992). Erst recht solche, die „aufgenommen“ werden müssen, also Waisenkinder: Sie gehören zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft und stehen so sozial weit unter den Jüngern. In den Vv. 33-37 nimmt aber Jesus eine seiner häufigen „Umwertungen der Werte“ vor: Wer von den Jüngern der Erste sein will, soll der Diener ''aller'' sein - selbst „solchen Kindern“ sollen sie dienen (Vv. 36f). In Vv. 41f wird diese Umwertung wieder aufgegriffen: Wer den Jüngern eine kleine Wohltat erweist, wird seinen Lohn erhalten (V. 41). Wer aber ein solches Kind „ärgert“ - d.h., ihm eine kleine Übeltat erweist - für den wäre es besser..., und es folgt die Beschreibung einer der grausamstmöglichen Strafen der Antike (s.u.). Heißt: Handlungen an christusgläubigen Kindern wiegen schwerer als an den christusgläubigen Jüngern: Wenn schon denen, die an den Jüngern handeln, vergolten wird - um wieviel mehr wird dann erst denen vergolten werden, die an Kindern handeln (ähnlich analysiert Stein 2008, S. 447). Dieses argumentum a maiore ad minus funktioniert gerade deshalb - ist gerade deshalb so überraschend und radikal - weil in der opinio communis die Verhältnisse eigentlich umgekehrt sind. Lässt man sich von dieser Deutung leiten, sollte man übersetzen mit „ärgern“; so z.B. BEN, ELB, FREE, Gnilka 1979, H-R, KNO, Marcus 2009, MEISTER, MEN, MNT, PAT, TAF, TEXT.<br />
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Seit Deming 1990 glauben außerdem einige, dass sich das σκανδαλίζω auf sexuelle Vergehen gegenüber Kindern bezieht, und es ist dies vermutlich auch möglich, wenn man V. 42 isoliert liest - im aktuellen Kontext macht es aber nicht viel Sinn.<br />
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Ich persönlich würde durchaus Deutung 2 den Vorzug geben und habe sie daher auch als Primärübersetzung angegeben, weil sie den Text kohärenter sein lässt; davon abgesehen spricht aber nicht viel gegen Deutung 1.</ref>
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- für den ist (wäre)
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<ref>''ist (wäre)'' - modales Indikativ; vgl. Kleist 1937, S. 216. So fast alle Üss.</ref>
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es gut (besser),
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<ref name="gut">''gut (besser)'' - sicher Positiv als Komparativ; vgl. Zerwick §145. So auch alle Üss. Kein Semitismus; vgl. z.B. Herodot IX.26.7; auch BDR §245.</ref>
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wenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.
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<ref>''wenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde'' - Die Hinrichtungsart, die hier beschrieben wird, nennt sich „Katapontismus“; sie ist in der Antike v.a. deshalb gefürchtet, weil sie dem Toten die Bestattung verwehren sollte (vgl. [http://de.wikisource.org/wiki/RE:Katapontismos Pauly X,2, Sp. 2480-2482]; ''ad loc.'' gut Pesch 1977, S. 114). Derrett 1985 denkt hier an ein Wortspiel: Nicht nur die durch Katapontismos hingerichteten wurden im Alten Israel nicht begraben, sondern auch Esel (vgl. z.B. TDOT IV, S. 469 - daher in [[Jer 22#s19 |Jer 22,19]] auch die Rede vom „Eselsbegräbnis“ i.S.v. „gar kein Begräbnis“). Wenn also jemand gerade mit einem ''Esels''mühlstein um den Hals ins Meer geworfen wird, unterstreicht das noch mal den „Eselsbegräbnis-charakter“ des Katapontismos. Dem folgend hält es auch Henderson 2001, S. 49 für eine weitere - diesmal aber missglückte - Abwandlung einer jüdischen Redensart.</ref>“ {{par|Matthäus|25|40}}{{par|Matthäus|26|24}}
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====Vers 44 und 46 ====
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{{S|44}} {{sekundär}}wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.{{sekundär ende}}
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<ref name="V. 44.46">'''Textkritik''': Vv. 44.46 sind eine Doppelung von V. 48 und fehlen in einigen wichtigen Mss.; daher werden sie heute fast einheitlich als sekundär erklärt. Vgl. z.B. Metzger 1994, S. 86f; [http://www-user.uni-bremen.de/~wie/TCG/TC-Mark.pdf Wilcker 2014, S. 396f]. Übrigens hat diese Auslassung zu einem kleinen Glaubenskrieg geführt, da gelegentlich einige radikale Anhänger des Textus Rezeptus und einige Verfechter der alleinigen Heiligkeit der KJV heftigst gegen diese Omission angeschrieben haben. Lustig ist z.B. Brill, Matthew (2011): Evangelism Expounded. Enumclaw, 2011. S. 47: „Beachte, dass Satan am Werk war, indem er [einen vorher vorhandenen] Vers aus dem Text entfernt hat. Wenn die „Bibel“, die du verwendest, Mk 9,44 und Mk 9,46 auslässt, geh gleich los und kauf dir eine ''Bibel'' (und zwar natürlich die King James Bible, die man auch als die „Autorisierte Version“ kennt)!“</ref>
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{{S|45}} Und wenn dein Fuß dich zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt),
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<ref name="zur Sünde" />
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dann hau ihn ab! [Denn]
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<ref name="Kausal" />
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es ist gut (besser),
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<ref name="gut" />
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dass du lahm in das Leben
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<ref name="Leben" />
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eingehst, als die zwei Füße habend (mit beiden Füßen) in die Gehenna (Hölle)
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<ref name="Gehenna" />
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geworfen zu werden,
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{{S|46}} {{sekundär}}wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.{{sekundär ende}}
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<ref name="V. 44.46" />
 
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Aktuelle Version vom 20. Mai 2015, 21:47 Uhr

Abschnitt 6: Vv. 33-50[Bearbeiten]

Struktur der Studienfassung[Bearbeiten]

In den meisten deutschen Bibelübersetzungen werden Vv. 33-50 als eine zusammenhängende Rede präsentiert. Die (deutliche) Mehrheitsmeinung ist aber die, dass es sich bei diesen Versen um mehrere Anekdoten und Logien Jesu handelt, die Markus geleitet von Stichworten, die diesen Anekdoten und Logien gemeinsam sind, zu einer Spruchsammlung zusammengestellt hat, ohne, dass sie eine zusammenhängende Argumentation ergeben würden (vgl. Dennis 2007Dennis, P.W.: A Holistic Reading of Mark 9:33-50. online unter: http://goo.gl/q2DjDS, S. 1; Fast 2002Fast, Lesley D.: Rhetorical Dimensions of Speech Representation: A Study of the Speeches of Jesus in the Gospel of Mark. Montréal, 2002. online unter: http://goo.gl/Ot3urr, S. 59; Fleddermann 1981Fleddermann, Harry: The Discipleship Discourse, in: CBQ 43/1, 1981. S. 57-75., S. 57). a
Allerdings ist man sich in der Exegese nicht einig, welche Abschnitte als eigenständige Einheiten zu identifizieren sind. Am krassesten teilt ws. Trocmé 2000Trocmé, Etienne: L'évangile selon saint Marc. Genève., S. 248f. auf, der als eigenständige Einheiten identifiziert: (1) V. 35; (2) Vv. 36f; (3) V. 38-40; (4) V. 41; (5) Vv. 42-48 (/(5) V. 42; (5') V. 43-48)b; (6) V. 49; (7) V. 50a; (8) V. 50b.
Das ist nicht sonderlich befriedigend, daher habe ich mich für die offiziellen Studien- und Lesefassung zu einem Anschluss an eine gemäßigtere Position entschieden und werte als eigenständige Einheiten: (1) Vv. 33-37; (2) Vv. 38-40; (3) Vv. 41-42; (4) Vv. 43-48; (5) Vv. 49-50.
Zur Aufteilung selbst: Bei den gemäßigteren Exegeten unumstritten ist, dass Vv. 33-37 und Vv. 49f je eine Einheit bilden; unumstritten ist auch, dass Vv. 38-40 und Vv. 43-48 zusammenhängen. Manchmal wird allerdings V. 41 zu Abschnitt (2) und V. 42 zu Abschnitt (4) gezogen. In der offiziellen Fassung folge ich demgegenüber der Ansicht, dass Vv. 41f als Einheit zu betrachten ist. Ich halte für gut möglich, dass diese beiden Verse ursprünglich direkt an V. 37 angeschlossen haben (so z.B. auch Bultmann 1931Bultmann, Rudolf: Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen, 2 1931.; Ernst 1963Ernst, Josef: Das Evangelium nach Markus. Regensburg, 5 1963.; Gnilka 1979Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus. 2. Teilband: Mk 8,27-16,20. Zürich u.a., 1979.; Klostermann 1950Klostermann, Erich: Das Markusevangelium. Tübingen, 4 1950.; Schweizer 1998Schweizer, Eduard: Das Evangelium nach Markus. Göttingen, 18 1998. und mit Einschränkung Marcus 2009Marcus, J.: Mark 8-16. A New Translation with Introduction and Commentary. New Haven/London, 2009.) und dass nachträglich Vv. 38-40 eingeschoben wurden. Aber selbst wenn der Abschnitt textgeschichtlich so aufzufassen ist, unterbrechen in seiner heutigen Gestalt Vv. 38-40 Vv. 33-37 und Vv. 41f, so dass dieser ursprüngliche Zusammenhang heute nicht mehr erkennbar ist und man die drei Abschnitt als eigenständige Abschnitte zu betrachten hat.
Ich habe dieser Variante der gemäßigteren Position den Vorzug gegeben, weil V. 42 zwar mit Vv.43.45.47 die Gattung (Tobspruch) und das Stichwort σκανδαλίζω teilt, aber die Funktion (Drohspruch) ja eine ganz andere ist als die der Mahnworte Vv. 43.45.47; ebenso das Thema (Verführung der Geringen vs. Sündenlosigkeit). Zu weiteren Unterschieden vgl. Deming 1990Deming, Will: Mark 9.42-10.12, Matthew 5.27-32, and B. Nid. 13b: A First Century Discussion of Male Sexuality, in: NTS 36/1. S. 130-141., S. 130. Ähnlich V. 41: Für eine Zusammengehörigkeit von V. 41 mit V. 38-40 spricht sehr wenig - eigentlich nur der Anschluss mit γάρ, aber dazu vgl. FN cx -: V. 41 spricht von Sympathisanten der Jesusgruppe, V. 40 von einem Kontrahenten der Jünger; V. 40 spricht von „uns“, V. 41 von „euch“; Vv. 38-40 thematisiert das Verhältnis von Nicht-Anhängern zur Jesusgruppe, V. 41 thematisiert die eschatologische Belohnung für gute Taten.
Umso mehr verbindet die Lohnverheißung V. 41 mit dem Drohspruch V. 42. Allem voran haben beide beinahe exakt die selbe Struktur. c Weil außerdem in Vv. 41f. die Jünger und die „Kleinen“ einander ebenso gegenübergestellt werden wie in Vv. 35-37 die Jünger und die „Letzten“ und die „Kinder“, weil weiterhin in V. 42 sogar explizit mit den „Kleinen“ der Themenkomplex „Letzter - Diener - Kind“ von Vv. 35-37 wiederaufgenommen wird und vermutlich V. 41 in einer früheren Form sogar ebenfalls statt „euch“ wie V. 42 „diese Kleinen“ hatte (vgl. Bultmann 1931Bultmann, Rudolf: Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen, 2 1931., S. 152f.; Gnilka 1979Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus. 2. Teilband: Mk 8,27-16,20. Zürich u.a., 1979., S. 59 u.ö.), scheint mir unter den Varianten der gemäßigten Position diese Strukturierung am kohärentesten: (1) Vv. 33-37; (2) Vv. 38-40; (3) Vv. 41-42; (4) Vv. 43-48; (5) Vv. 49f.


aEinige wenige Exegeten haben zwar versucht, zumindest einen roten Faden zu identifizieren, der die einzelnen Abschnitte miteinander verbindet (z.B. Silberman 1983Silberman, Lou H.: Schoolboys and Storytellers: Some Comments on Aphorisms and Chriae, in: Semeia 29, 1983. S. 109-115. versucht, den fremden Exorzisten in Vv. 38-40 ebenso wie die Diener, die Kinder und die Kleinen als Paradigma des „Geringen“ zu deuten und darin die Einheit von Vv. 33-42 zu erkennen; Henderson 2001Henderson, Ian H.: 'Salted With Fire': Style, Oracles and Socio-Rhetorical Gospel Criticism, in: JSNT 80, 2001. S. 44-65. glaubt in der Tat, das einheitsstiftende Moment von Vv. 42-50 sei die Tatsache, dass Jesus durchgehend unzusammenhängende und unverständliche Rätselworte von sich gibt usw.; für weitere Vorschläge vgl. Fleddermann 1981Fleddermann, Harry: The Discipleship Discourse, in: CBQ 43/1, 1981. S. 57-75. und Neirynck 1967Neirynck, Frans: The Tradition of the Sayings of Jesus: Mark 9,33-50, in: Pierre Benoit u.a.: The Dynamism of Biblical Tradition. New York, 1967.), aber das sind Sondermeinungen, zwischen denen kein Konsens auszumachen ist. Meines Wissens der einzige, der bisher versucht hat, einen einheitlichen Argumentationsgang in Vv. 33-50 auszumachen, ist Dennis 2007Dennis, P.W.: A Holistic Reading of Mark 9:33-50. online unter: http://goo.gl/q2DjDS, und auch ihm gelingt das nicht wirklich. (Zurück zum Text: a)
bs. S. 249; so auch die meisten Vertreter dieser Position (Zurück zum Text: b)
c(A) Aktant - V. 41 Ὃς [...] ἂν..., V. 42 Ὃς ἂν; (B) Rezipient - V. 41: ὑμᾶς (ἐν ὀνόματι ὅτι χριστοῦ ἐστε), V. 42: ἕνα τῶν μικρῶν τούτων τῶν πιστευόντων εἰς ἐμέ; (C) Akt - V. 41: Wohltat; V. 42: Übeltat; (D) Resultat - V. 41: Lohn; V. 42: Strafe. (Zurück zum Text: c)

TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.[Bearbeiten]

Vers 2[Bearbeiten]

2 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes (die Brüder Jakobus und Johannes?) d , und führte sie e für sich, allein, f auf einen hohen Berg, und er wurde vor ihnen (vor ihren Augen) g verwandelt (verwandelte sich): h

dTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Viele Hss. haben vor Johannes (wie vor Petrus und Jakobus) einen Artikel; noch mehr (und die meisten krit. Editionen - nicht aber NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012.) aber sparen ihn an dieser Stelle aus. Die zweite Variante ist etwas wahrscheinlicher (vgl. Wilckens 2014, S. 351f). Diese asymmetrische Setzung und Aussparung soll vielleicht die Geschwister Jakobus und Johannes syntaktisch näher zusammenrücken (ebd., S. 352); die Hinzufügung von „die Geschwister“ war die beste Möglichkeit, die mir einfiel, das nachzubilden. Wahrscheinlich ist es aber bedeutungslos, so dass man in die LF wie gehabt die Fließtextfassung übernehmen kann. (Zurück zu v.2)
enahm mit und führte sie - Typisch markinische Redundanz (daher auch Lk 9,28: „Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und stieg auf den Berg.“); hier aber zweckmäßig eingesetzt: Zusammen mit dem folgenden, ebenfalls gedoppelten für sich, allein wird so das häufige Motiv der Privatoffenbarung an ausgewählte Jünger besonders betont. Sehr gut WILUlrich Wilckens' NT-Übersetzung von 1970. Gern gekaufte wörtliche, aber dennoch gut lesbare Studienbibel mit interessantem Anmerkungsprinzip: Anmerkungen erfolgen nicht am Seitenfuß, sondern pro Perikope folgt aufeinander Übersetzung, Kommentierung der gesamten Perikope und Einzelanmerkungen.: „er führte sie - nur sie allein - auf einen hohen Berg.“ (Zurück zu v.2)
fs. letzte FN (Zurück zu v.2)
gvor ihnen - viele Üss. stilistisch gut: „vor ihren Augen“, aber Mk verwendet wohl bewusst „ihnen“: Die Geschehnisse der Perikope Mk 9,2-8 sind kein Selbstzweck, sondern für die Jünger bestimmt: Vor ihnen wird Jesus verwandelt; ihnen erscheinen Elija mit Mose, und ihnen („aus der Wolke“) deutet die „Stimme“ aus, was sie da eben gesehen haben. (Zurück zu v.2)
hwurde verwandelt (verwandelte sich) - Entweder Passivum divinum wurde verwandelt, also sinngemäß „wurde von Gott verwandelt“ (so z.B. Dschulnigg 2007Dschulnigg, Peter: Das Markusevangelium. Stuttgart, 2007., S. 245; Kmiecik 1997Kmiecik, Ulrich: Der Menschensohn im Markusevangelium. Würzburg, 1997., S. 134; Pesch 1977Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. II. Teil: Kommentar zu Kap. 8,27-16,20. Freiburg/Basel/Wien, 1977., S. 72; Wördemann 2008Wördemann, Dirk: Die Metamorphose Jesu und die Synkrisis der Mittler Gottes. Eine strukturale und narrative Textanalyse der Szene Mk 9,2-8, in: Linus Hauser u.a.: Jesus als Bote des Heils. Heilsverkündigugn und Heilserfahrung in frühchristlicher Zeit. Stuttgart, 2008., S. 44) oder reflexives Passiv verwandelte sich (so z.B. Haenchen 1966Haenchen, Ernst: Der Weg Jesu. Berlin, 1966., S. 308; Kleist 1937Kleist, James A. S.J.: The Gospel of Saint Mark. presented in Greek Thought-Units and Sense-Lines. With a Commentary. New York/Milwaukee/Chicago 1937., S. 214). Die erste Variante ist wahrscheinlicher: In Mk 9,2-8 wurde vermutlich die Textsorte „Epiphanie“ (=Erscheinung Gottes) mit der hellenistischen Textsorte „Metamorphose“ (=Verwandlung) verschmolzen (vgl. gut Wördemann 2008Wördemann, Dirk: Die Metamorphose Jesu und die Synkrisis der Mittler Gottes. Eine strukturale und narrative Textanalyse der Szene Mk 9,2-8, in: Linus Hauser u.a.: Jesus als Bote des Heils. Heilsverkündigugn und Heilserfahrung in frühchristlicher Zeit. Stuttgart, 2008., S. 37f), um die Epiphanie als Christophanie darstellen zu können: Christus offenbart sich auf dem Berg in seiner göttlichen Herrlichkeit. In der hellenistischen Textsorte Metamorphose ist es aber üblich(er), dass die Verwandelten von Göttern verwandelt werden. Auch ist es ja in V. 7 Gott, der den Jüngern die Geschehnisse ausdeutet. (Zurück zu v.2)

Vers 14[Bearbeiten]

14 Und als sie (er) i zu den Jüngern kamen (kam), i sahen sie (sah er), i dass eine große Menschenmenge um sie [war] und Schriftgelehrte mit ihnen diskutierten.

iTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: als sie kamen (als er kam) + sahen sie (sah er) - beide Versionen sind etwa gleich stark bezeugt; beide gleich plausibel. Vier folgen NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012.; anders z.B. Gnilka 1979Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus. 2. Teilband: Mk 8,27-16,20. Zürich u.a., 1979., S. 43 (das Singular sei die „schwierigere Lesart“. Warum auch immer - dass Jesus etwas gemeinsam mit seinen Jüngern tut, aber nur von ihm allein gesagt wird, dass er es tut, kommt häufig vor im Mk. Das ist nicht „schwieriger“). (zu v.14)

Vers 29[Bearbeiten]

29 Da sagte er zu ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren (ausgetrieben werden) j außer durch Gebet k.“

jausfahren (ausgetrieben werden) - ἐξέρχομαι ausfahren verwendet als Äquivalent des Passivs ἐκβάλλω austreiben; vgl. Symth §1752; ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. Cranfield 1959Cranfield, C.E.B.: The Gospel according to Saint Mark. Cambridge, 1959., S. 304; Kleist 1937Kleist, James A. S.J.: The Gospel of Saint Mark. presented in Greek Thought-Units and Sense-Lines. With a Commentary. New York/Milwaukee/Chicago 1937., S. 214. So auch die meisten Üss. (Zurück zu v.29)
kTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Die meisten Mss. fügen hinzu: „und Fasten“. Von fast allen wird es zur Glosse erklärt, weil eine Einfügung von „und Fasten“ aufgrund der steigenden Wichtigkeit des Fastens in der alten Kirche plausibler sei als eine Auslassung (so z.B. Metzger 1994Metzger, Bruce M.: A Textual Commentary On the Greek New Testament. Stuttgart, 2 1994., S. 85). Wilckens 2014, S. 370, hält es aber auch für möglich, dass es sich hier um eine Parablepsis handeln und ein Abschreiber das καὶ νηστείᾳ und Fasten einfach übersehen haben könnte, und die Tatsache, dass so viel mehr Mss die längere Version haben, macht mir das eigentlich sogar ein wenig wahrscheinlicher. Allerdings nicht wahrscheinlich genug, um von der Mehrzahl der kritischen Editionen abzuweichen, daher folgen auch wir der kürzeren Variante. (Zurück zu v.29)

Vers 42[Bearbeiten]

42l Wer aber (und) m [auch nur] einen dieser Kleinen (einen der Geringen), n die an mich ({an mich}) o glauben, ärgert (vom Glauben abbringt) p - für den ist (wäre) q es gut (besser), r wenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde. s

l (Zurück zu v.42)
maber (und) - „und“ zur Verknüpfung von Gegensätzen. (Zurück zu v.42)
neinen dieser Kleinen (einen der Geringen) - Auf wen „diese Kleinen“ verweist, ist in der Exegese umstritten. Einige denken, dass es sich bei „diesen Kleinen“ um eine Ehrenbezeichnung Jesu für die Jünger handle (s. z.B. Jeremias 1971Jeremias, Joachim: Neutestamentliche Theologie. Erster Teil: Die Verkündigung Jesu. Gütersloh, 1971., S. 113 zu dieser Stelle; Mt 10,42; 18,10.14; 25,40.45). Das ist mindestens schwierig. Mt 18,10.14 verweist es zweifellos auf Kinder; vgl. Mt 18,5f (also die Parallelstelle von Mk 9,42). Und Mt 25,40.45 ist nicht von „einem dieser Kleinen“ die Rede, sondern von „einem meiner kleinsten Brüder“ und die Referenz wird weiter dadurch aufgeklärt, dass diese als hungernde, dürstende, obdachlose, nackte, kranke und gefangene Menschen näher bestimmt werden - man kann diese Stelle also nicht ohne Weiteres mit Mk 9,42 par. parallelisieren. Bleiben Mt 10,42 und Mk 9,42. Auch an unserer Stelle deckt sich ἕνα τῶν μικρῶν einer dieser Kleinen nicht mit ὑμᾶς euch (3. Pers. vs. 2. Pers., außerdem werden die beiden Gruppen „diese Kleinen“ und „ihr“ hier ja offensichtlich miteinander kontrastiert). Zudem kann das Demonstrativpronomen „dies“ in „dieser Kleinen“ nur meinen „solche Kinder wie das, von dem ich in Vv. 33-37 geredet habe“ - wenn man es nicht (wie z.B. Pesch 1977Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. II. Teil: Kommentar zu Kap. 8,27-16,20. Freiburg/Basel/Wien, 1977., S. 92) als (bedeutungsloses) redundantes Pronomen deutet (ein Aramäismus; vgl. Dalman 1905, S. 113f; Torrey 1933, S. 290 zu Mt 5,19 - mit dieser Verwendung dürfte man vielleicht auch die Textvarianten erklären können, in denen das Demonstrativpronomen fehlt). Man wird daher hier besser davon ausgehen müssen, dass „diese Kleinen“ wieder die Kinder meint (so z.B. auch Collins 2007Collins, Adela Yarbro: Mark. A Commentary. =Hermeneia, Minneapolis, 2007., S. 450, Evans 2001Evans, Craig: Mark 8:27–16:20. Dallas, 2001., S. 70; Gundry 1993Gundry, Robert H.: Mark. A Commentary on His Apology for the Cross. Vol. 2. Grand Rapids, 1993., S. 512.524, van Iersel 1998van Iersel, Bas M.F.: Mark. A Reader-Response Commentary. Sheffield, 1998., S. 312f; gut auch Loader 2012Loader, William R.G.: The New Testament on Sexuality. Grand Rapids, 2012., S. 121f.), was noch wahrscheinlicher wird, wenn man (wie viele) davon ausgeht, dass entweder Vv. 41f oder nur Vv. 42 ursprünglich direkt an V. 37 angeschlossen haben. (Zurück zu v.42)
oTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Das εἰς ἐμέ ist textkritisch umstritten. In der überwiegenden Mehrzahl der Mss. steht es; nicht aber in den wichtigen א, D und Δ, was sie etwas zweifelhaft macht. Viele textkritische Editionen haben sie aus diesem Grund auch nicht in den Fließtext mit aufgenommen (vgl. zuletzt auch wieder Greeven/Güting 2005Greeven, Heinrich/Eberhard W. Güting: Textkritik des Markusevangeliums. Münster, 2005., S. 478); auch einige namhaften Kommentare (z.B. Dschulnigg 2007Dschulnigg, Peter: Das Markusevangelium. Stuttgart, 2007., Gnilka 1979Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus. 2. Teilband: Mk 8,27-16,20. Zürich u.a., 1979., Pesch 1977Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. II. Teil: Kommentar zu Kap. 8,27-16,20. Freiburg/Basel/Wien, 1977., Marcus 2009Marcus, J.: Mark 8-16. A New Translation with Introduction and Commentary. New Haven/London, 2009.) sparen es aus. In die neueren Editionen (NA28Aland, Barbara & Kurt/Johannes Karavidopoulos, u.a.: Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Münster, 28. revidierte Auflage 2012., SBLGNT; s. auch Wilcker 2014, S. 385.7) wird es aber (zögerlich) aufgenommen; dem folgen auch wir. (Zurück zu v.42)
pärgert (vom Glauben abbringt) - σκανδαλίζω kann sowohl „vom Glauben abbringen“ meinen als auch „ärgern“ (außerdem „zur Sünde verführen“, aber das ist hier sehr wahrscheinlich nicht im Blick). Liest man - wie wir, vgl. wieder den Kommentar - Vv.41-42 als zusammenhängend und berücksichtigt die parallele Struktur der beiden Verse, erkennt man, dass ὃς ἂν σκανδαλίσῃ Wer [auch nur einen dieser Kleinen] ärgert/vom Glauben abbringt parallel ist zu ὃς ἂν ποτίσῃ ὑμᾶς ποτήριον ὕδατος Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt. σκανδαλίζω wird also mit der „sprichwörtlich kleinstmöglichen guten Tat“ parallelisiert. Entweder, man geht davon aus, dass dies nichts bedeutet, lässt sich deshalb in der Deutung von σκανδαλίζω leiten von dem „die Kleinen, die glauben“ und übersetzt daher „vom Glauben abbringt“. So z.B. BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll., GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., KAMAlbert Kammermayers NT-Übersetzung von 2005; unterschrieben mit: „Eine Übersetzung, die unsere Sprache spricht“. Kammermayer übersetzt nach einer vierfachen Zielvorgabe: 1. Absolute Treue zum Original, 2. Größtmögliche Verständlichkeit, 3. Einfaches Deutsch, 4. schönes, gepflegtes Deutsch. Eine wunderbare Übertragung und ganz zu Unrecht noch nicht sehr bekannt., LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.. Oder aber man hält Vv. 41f für eine Art „verdrehtes argumentum a maiore ad minus“: Kinder werden in der Antike allgemein - und auch im NT - eher mit Niedrigkeit und Schwachheit konnotiert (vgl. z.B. Aasgaard 2006Aasgaard, Raider: Children in Antiquity and Early Christianity: Research History and Central Issues, in: Familia 33, 2206. S. 23-46.; Grassi 1992Grassi, Joseph A.: Child, Children, in: ABD I, S. 904.). Erst recht solche, die „aufgenommen“ werden müssen, also Waisenkinder: Sie gehören zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft und stehen so sozial weit unter den Jüngern. In den Vv. 33-37 nimmt aber Jesus eine seiner häufigen „Umwertungen der Werte“ vor: Wer von den Jüngern der Erste sein will, soll der Diener aller sein - selbst „solchen Kindern“ sollen sie dienen (Vv. 36f). In Vv. 41f wird diese Umwertung wieder aufgegriffen: Wer den Jüngern eine kleine Wohltat erweist, wird seinen Lohn erhalten (V. 41). Wer aber ein solches Kind „ärgert“ - d.h., ihm eine kleine Übeltat erweist - für den wäre es besser..., und es folgt die Beschreibung einer der grausamstmöglichen Strafen der Antike (s.u.). Heißt: Handlungen an christusgläubigen Kindern wiegen schwerer als an den christusgläubigen Jüngern: Wenn schon denen, die an den Jüngern handeln, vergolten wird - um wieviel mehr wird dann erst denen vergolten werden, die an Kindern handeln (ähnlich analysiert Stein 2008Stein, Robert H.: Mark. Grand Rapids, 2008., S. 447). Dieses argumentum a maiore ad minus funktioniert gerade deshalb - ist gerade deshalb so überraschend und radikal - weil in der opinio communis die Verhältnisse eigentlich umgekehrt sind. Lässt man sich von dieser Deutung leiten, sollte man übersetzen mit „ärgern“; so z.B. BEN, ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., FREE, Gnilka 1979Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus. 2. Teilband: Mk 8,27-16,20. Zürich u.a., 1979., H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“., KNOKonkordante Übersetzung des NT durch Adolph Ernst Knoch von 1926., Marcus 2009Marcus, J.: Mark 8-16. A New Translation with Introduction and Commentary. New Haven/London, 2009., MEISTER, MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich., MNTKurz für „Münchener Neues Testament“, einer Interlinearübersetzung ohne griechischen Text von 1988., PATKurz für „Pattloch Bibel“; Bezeichnung für die Übersetzung durch Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel und Josef Kürzinger - drei exegetischen Schwergewichtern - von 1955. Völlig zu Unrecht so unbekannt: Gutes Gleichgewicht von Wörtlichkeit und Lesbarkeit. Hamp schreibt zum Profil: „Unsere Ausgabe bietet eine ungekürzte Übertragung aus den Grundtexten, de einerseits möglichst getreu den Sinn der Verfasser zu treffen sucht, andererseits einen verständlichen und flüssigen deutschen Stil anstrebt. Veraltete und ungebräuchlich gewordene Ausdrücke, die in den Bibelübersetzungen oft lange Zeit mitgeschleppt werden, wurden durch neue ersetzt.“, TAFKurz für „Tafelbibel“, die Bibelübersetzung von Leonhard und Ludwig Tafel. Sehr wörtliche Übersetzung; laut eigener Auskunft hatte Tafel allein im Alten Testament 40.000 Verbesserungen veranstaltet. Interessant, da hier häufiger auch seltenere Übersetzungsweisen gefunden werden können., TEXT.

Seit Deming 1990Deming, Will: Mark 9.42-10.12, Matthew 5.27-32, and B. Nid. 13b: A First Century Discussion of Male Sexuality, in: NTS 36/1. S. 130-141. glauben außerdem einige, dass sich das σκανδαλίζω auf sexuelle Vergehen gegenüber Kindern bezieht, und es ist dies vermutlich auch möglich, wenn man V. 42 isoliert liest - im aktuellen Kontext macht es aber nicht viel Sinn.

Ich persönlich würde durchaus Deutung 2 den Vorzug geben und habe sie daher auch als Primärübersetzung angegeben, weil sie den Text kohärenter sein lässt; davon abgesehen spricht aber nicht viel gegen Deutung 1. (Zurück zu v.42)
qist (wäre) - modales Indikativ; vgl. Kleist 1937Kleist, James A. S.J.: The Gospel of Saint Mark. presented in Greek Thought-Units and Sense-Lines. With a Commentary. New York/Milwaukee/Chicago 1937., S. 216. So fast alle Üss. (Zurück zu v.42)
rgut (besser) - sicher Positiv als Komparativ; vgl. Zerwick §Zerwick, Maximilian S.J.: Biblical Greek. Illustrated by Examples. English Edition adapted from the Fourth Latin Edition by Joseph Smith S.J. Rom, 1963.145. So auch alle Üss. Kein Semitismus; vgl. z.B. Herodot IX.26.7; auch BDRBlass, Friedrich/Albert, Debrunner/Friedrich, Rehkopf: Grammatik des neutestamentlichen Griechisch, Göttingen <sup>18</sup>2001. §245. (Zurück zu v.42)
swenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde - Die Hinrichtungsart, die hier beschrieben wird, nennt sich „Katapontismus“; sie ist in der Antike v.a. deshalb gefürchtet, weil sie dem Toten die Bestattung verwehren sollte (vgl. Pauly X,2, Sp. 2480-2482; ad loc.Kurz für „ad locum“, „zur Stelle“: Die folgende Quellenangabe bezieht sich speziell auf die behandelte Bibelstelle. gut Pesch 1977Pesch, Rudolf: Das Markusevangelium. II. Teil: Kommentar zu Kap. 8,27-16,20. Freiburg/Basel/Wien, 1977., S. 114). Derrett 1985Derrett, J. Duncan M.: ΜΥΛΟΣ ΟΝΙΚΟΣ, in: ZNW 76/3-4, 1985. S. 284. denkt hier an ein Wortspiel: Nicht nur die durch Katapontismos hingerichteten wurden im Alten Israel nicht begraben, sondern auch Esel (vgl. z.B. TDOT IV, S. 469 - daher in Jer 22,19 auch die Rede vom „Eselsbegräbnis“ i.S.v. „gar kein Begräbnis“). Wenn also jemand gerade mit einem Eselsmühlstein um den Hals ins Meer geworfen wird, unterstreicht das noch mal den „Eselsbegräbnis-charakter“ des Katapontismos. Dem folgend hält es auch Henderson 2001Henderson, Ian H.: 'Salted With Fire': Style, Oracles and Socio-Rhetorical Gospel Criticism, in: JSNT 80, 2001. S. 44-65., S. 49 für eine weitere - diesmal aber missglückte - Abwandlung einer jüdischen Redensart. (Zurück zu v.42)

Vers 44 und 46[Bearbeiten]

44[ [wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. ] ] t45 Und wenn dein Fuß dich zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt), u dann hau ihn ab! [Denn] v es ist gut (besser), r dass du lahm in das Leben w eingehst, als die zwei Füße habend (mit beiden Füßen) in die Gehenna (Hölle) x geworfen zu werden, 46[ [wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. ] ]

t
tTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Vv. 44.46 sind eine Doppelung von V. 48 und fehlen in einigen wichtigen Mss.; daher werden sie heute fast einheitlich als sekundär erklärt. Vgl. z.B. Metzger 1994Metzger, Bruce M.: A Textual Commentary On the Greek New Testament. Stuttgart, 2 1994., S. 86f; Wilcker 2014, S. 396f. Übrigens hat diese Auslassung zu einem kleinen Glaubenskrieg geführt, da gelegentlich einige radikale Anhänger des Textus Rezeptus und einige Verfechter der alleinigen Heiligkeit der KJVKing James Version heftigst gegen diese Omission angeschrieben haben. Lustig ist z.B. Brill, Matthew (2011): Evangelism Expounded. Enumclaw, 2011. S. 47: „Beachte, dass Satan am Werk war, indem er [einen vorher vorhandenen] Vers aus dem Text entfernt hat. Wenn die „Bibel“, die du verwendest, Mk 9,44 und Mk 9,46 auslässt, geh gleich los und kauf dir eine Bibel (und zwar natürlich die King James Bible, die man auch als die „Autorisierte Version“ kennt)!“ (Zurück zu v.44 / zu v.46)
u (Zurück zu v.45)
v (Zurück zu v.45)
w (Zurück zu v.45)
x (Zurück zu v.45)