Matthäus 6: Unterschied zwischen den Versionen

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{{L|1}} Hütet euch davor, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden. Denn dann  werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel haben.
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((Jesus über das Geben von Spenden))
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{{L|2}} Wann immer du also Gaben gibst<ref>Das gr. Wort steht für Spenden, Almosen oder „Wohltaten“.</ref>, posaune das nicht herum, wie es die Heuchler. Sie tun das in den Synagogen und auf den großen Plätzen, weil sie geehrt werden wollen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.
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{{L|3}} Wenn du aber Gaben gibst, lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
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{{L|4}} damit deine Wohltaten im Verborgenen bleiben. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.
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((Jesus über das Beten))
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{{L|5}} Und wenn ihr betet, tut das nicht wie die Heuchler. Sie tun das, weil sie gerne in den Synagogen und auf der Straße gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.
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{{L|6}} Wenn du aber betest, gehe in dein Zimmer hinein und schließe deine Türe um zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, zu beten. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.
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{{L|7}} Wenn ihr  nun aber betet, redet nicht gedankenlos wie die, die Gott nicht kennen<ref>Eigentlich: Heiden</ref>, denn sie denken, dass sie durch ihre vielen Worte erhört werden.
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{{L|8}} Macht es also nicht wie sie, denn euer Vater, kennt eure Not<ref>Eigentlich: „was ihr nötig habt“</ref>, bevor ihr ihn bittet.
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{{L|9}} ''Ihr'' sollt deshalb so beten:
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Himmlischer Vater,
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sei du unser Herr und lass uns deinen Willen tun.
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{{L|10}} {{KeinExport}}_{{KeinExport_Ende}} Sei du der Herrscher der Welt.
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Was du möchtest, soll geschehen – im Himmel und auf der Erde.
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{{L|11}} Gib uns heute genug zu essen
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{{L|12}} und vergib unsere Sünden,
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wie auch wir denen vergeben haben, die sich an uns versündigt haben.
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{{L|13}} Prüfe uns nicht mit der Versuchung,
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und rette uns vor dem Bösen.
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</poem>
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{{L|14}} Denn wenn ihr den Menschen ihre Schuld vergebt, wird der himmlische Vater auch euch vergeben.
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{{L|15}} Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird  der Vater auch euch eure Schuld nicht vergeben.
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((Jesus über das Fasten))
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{{L|16}} Wenn ihr aber fastet, seid schaut nicht verdrießlich drein wie die Heuchler, die ihr Gesicht verschwinden lassen<ref>Gemeint ist, durch wenig Körperpflege, also Dreck, oder durch Verhüllen (Haubeck/Siebthal 2007, 29)</ref>, damit die Leute sehen, dass sie fasten.  Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.
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{{L|17}} Wenn du fastest, sollst du deinen Kopf parfümieren dein Gesicht waschen,
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{{L|18}} damit nicht die Leute sehen, dass du fastest, sondern dein Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.
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((Jesus über das Sammeln von Schätzen))
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{{L|19}} Sammelt eure Schätze nicht auf der Erde, wo Motten und Wurmfraß sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen.
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{{L|20}} Sammelt eure Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Wurmfraß sie zerstören noch Diebe einbrechen und sie stehlen.
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{{L|21}} Denn dort, wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein.
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{{L|22}} Die Lampe des Körpers ist das Auge. Wenn nun dein Auge gesund ist<ref>Mögliche atl. Hintergründe: ungeteilte Loyalität Gott gegenüber oder Haltung anderen gegenüber gütig (Haubeck/Siebthal 2007, 32)</ref>, wo dir dein ganzer Körper erleuchtet sein.
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{{L|23}} Wenn aber dein Auge schlecht ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn also das Licht, das in dir ist, dunkel ist, wie groß ist die Finsternis!
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{{L|24}} Niemandem ist es möglich, zwei Herren zu dienen. Entweder hasst er den einen und liebt den anderen, oder er wird sich um den einen kümmern und den anderen vernachlässigen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Reichtum.
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{{L|25}} Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um eurer Leben, was ihr essen sollt<ref>Manche Handschriften ergänzen: „oder was ihr trinken sollt“</ref>. Auch nicht um euren Körper, was ihr anziehen sollt. Bedeutet Leben nicht mehr als Essen und der Körper nicht mehr als Kleidung?
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{{L|26}} Betrachtet die Vögel im Himmel, sie säen nicht noch ernten sie, noch sammeln sie Vorräte. Und doch ernährt euer himmlischer Vater sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
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{{L|27}} Wer von euch könnte durch seine Sorgen auch nur einen Tag zu seiner Lebenszeit hinzufügen?
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{{L|28}} Warum macht ihr euch auch um eure Kleidung sorgen? Seht wie die Blumen auf dem Acker wachsen! Sie mühen sich nicht ab und machen sich keine Kleidung. 
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{{L|29}} Ich aber sage euch, dass nicht einmal Salomo in all seiner Pracht wie eine von diesen angezogen war.
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{{L|30}} Wenn Gott nun aber das Gras des Feldes kleidet, obwohl es heute noch steht aber schon morgen in den Ofen geworfen wird<ref>Gras wurde auch als Brennstoff genutzt.</ref> - wird er euch nicht viel eher kleiden, ihr Kleingläubigen?
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{{L|31}} Sorgt euch also nicht und fragt nicht: „Was sollen wir essen?“, oder „Was sollen wir trinken?“ oder „Was sollen wir anziehen?“.
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{{L|32}} Denn nach all diesen Dingen trachten die, die Gott nicht kennen<ref>Wörtlich: Die Völker oder Heiden</ref>. Euer himmlischer Vater aber weiß, dass ihr all diese Dinge braucht.
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{{L|33}} Sucht erst die Herrschaft Gottes<ref>Einige Handschriften schreiben nur „Herrschaft“</ref>, und all diese Dinge werden eich geschenkt werden.
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{{L|34}} Sorgt euch also nicht um Morgen, denn das Morgen hat seine eigenen Sorgen. Das Schlechte eines jeden Tages ist genug.
  
 
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{{S|1}}Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden, sonst werdet ihr keinen Lohn beim Vater eurer haben, dem in den Himmeln.
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{{S|1}} Hütet euch [aber] eure Gerechtigkeit zu tun vor den Menschen [und] sie vor ihnen zur Schau zu stellen; sonst (andernfalls) werdet ihr keinen haben Lohn bei (vor) eurem Vater in den Himmeln.
{{S|2}}Wenn du spenden möchtest aus Barmherzigkeit, dann rede nicht darüber, was (wie viel) du gespendet hast, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn.
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{{S|3}}Du aber, wenn du schon Gaben aus Barmherzigkeit spendest, so lass deine Linke [Hand] nicht wissen, was deine Rechte [Hand] tut,
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{{S|2}} Sooft (wenn, wann immer) du also tust Wohltaten (Almosen) (aus Barmherzigkeit spenden möchtest), [dann] blase nicht die Posaune (Trompete) vor dir<ref>Diese Formulierung entspricht natürlich dem „herausposaunen“ -  „rede nicht darüber, was (wie viel) du gespendet hast“</ref>, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Straßen (in den Gassen), damit (auf das) sie geehrt werden von den Menschen (um {sie} von den Menschen verherrlicht zu werden). Wahrlich, ich sage euch: Sie haben den Lohn empfangen<ref>perfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f)</ref>.
{{S|4}}damit deine Spenden anonym bleiben, dann wird dein Vater, der verborgen zusieht, dir vergeben (vergelten).
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{{S|3}} Wenn du aber tust Wohltaten (Almosen gibst), lass nicht deine Linke<ref>Gemeint ist wohl: linke Hand</ref> wissen, was deine rechte tut,
{{S|5}}Und auch beim Beten, seid nicht wie die Heuchler, denn sie beten gerne so, dass es jeder sieht, ob stehend in den Synagogen und an Ecken der Hauptstraßen (der breiten Straßen), um von allen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten.
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{{S|4}}damit deine Wohltaten im Verborgenen sind; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dich entlohnen (belohnen).
{{S|6}}Du hingegen, wenn du betest, geh nach Hause und schließe hinter dir die Tür zu, bete zu deinem Vater, der Verborgen ist, dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergeben (vergelten, deine Gebete erhören)
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{{S|5}} Und wenn ihr betet, tut dies nicht wie die Heuchler, denn sie lieben es (tun es gern) in den Synagogen und in den Ecken (auf dem Eckstein) der breiten Straßen (Plätze) ihr Gebet zu machen damit es sichtbar ist den Menschen; Wahrlich, ich sage euch: Sie haben den Lohn empfangen<ref>perfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f)</ref>.
{{S|7}} Wenn ihr betet, dann betet nicht immer mit den gleichen Worten (monoton), so wie es die Leute tun aus den Nationen, die denken, dass ihre Gebete erhört werden aufgrund der vielen Worte.
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{{S|6}} Wenn du aber betest<ref>eventl. konativ „wenn du ... möchtes“(Haubeck/Siebthal 2007, 29)</ref>, gehe in dein Zimmer (Kammer) [hinein] und schließe deine Türe um zu beten zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dich entlohnen (belohnen).
{{S|8}}Tut nicht das Gleiche, bevor ihr anfangt zu beten, denn euer Vater weiß, welche Dinge benötigt werden von jedem Einzelnen.
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{{S|9}} Ihr<ref>''Ihr'' - ὑμεῖς ''ihr'' steht hier betont am Ende des Satzes und grenzt so die Jünger von den „plappernden Heuchlern“ ab (Hagner 1993, S. 147): Im Gegensatz zu diesen sollen die Jünger ''so'' beten.</ref> sollt daher (also) folgendermaßen beten:<br />
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<poem>(Du) Unser Vater, der in den Himmeln (im Himmel)<ref>''Unser'', ''Vater'', ''der in den Himmeln (im Himmel)'' - Man geht gemeinhin davon aus, das sowohl hinter dem lk Πάτερ ([[Lukas 11#l2 |Lk 11,2]]) als auch hinter dem hierigen mt Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς das aramäische und für Jesus typische {{hebr}}אַבָּא{{hebr ende}} ''´Abba'' steht: „Vater“ (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“; vgl. Barr 1988). Das würde bedeuten: Matthäus hat hier Πάτερ angereichert sowohl (1) um ἡμῶν ''unser'' als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς ''im Himmel'' (eigentlich „in den Himmeln“, aber „die Himmel“ statt „der Himmel“ ist ein idiomatischer Plural; ursprünglich stand dahinter die Vorstellung von mehreren übereinander geschichteten Himmelssphären. In der LF sollte durchaus mit Einzahl übersetzt werden). Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „''Unser'' Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z.B. das „[http://www.talmud.de/tlmd/avinu-malkenu/ Unser Vater, unser König]“) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater ''im Himmel''“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).<br />
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{{S|7}} Wenn ihr (aber) betet, redet nicht gedankenlos (plappert nicht) wie die Heiden, denn sie denken (meinen) durch ihre vielen Worte werden sie erhört werden (wird auf sie gehört).
Übrigens ist das katholische „Vater unser“ zwar nicht grammatikalisch falsch (so Luz 1985, S. 333), aber veraltet und irritierend, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen und ist daher keine ernsthafte Alternative für die LF.</ref>,{{par|Weisheit|14|3}}{{par|Jesaja|63|16}}{{par|Jesaja|64|7}}{{par|Jeremia|3|19}}{{par|Markus|11|25}}{{par|Markus|14|36}}{{par|3Makkabäer|6|3}}{{par|3Makkabäer|6|8}}
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{{S|8}} macht es also ihnen nicht gleich (wie sie); denn euer Vater kennt, was ihr für braucht (nötig habt, eure Not, Sorgen, Bedarf) bevor ihr ihn bittet.  
Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - In V. 9c.10a.10b verwendet Matthäus den Imperativ Aorist, der im Griechischen standardmäßig für Gebete verwendet wird und keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat (Grosvenor/Zerwick u.a.) - wieder greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du) geheiligt <ref>''Möge dein Name geheiligt werde'' - „Den Namen Gottes heiligen“ ist ein jüdisches Idiom und bedeutet in etwa „Gott als Herrn anerkennen und deshalb seinen Willen tun“; vgl. z.B. [https://archive.org/stream/kommentarzumneue01stra#page/414/mode/2up B/S I, bes. S. 414] (vgl. auch S. 412: „So besteht also die Heiligung des göttl. Namens im Gehorsam Israels gegen Gottes Willen oder in der Beobachtung der göttl. Gebote [...].“); ThWNT I, S. 99; [http://www.jewishencyclopedia.com/articles/9309-kiddush-ha-shem JE: ḲIDDUSH HA-SHEM and ḤILLUL HASHEM]. Vergleiche schon im AT [[Levitikus 22#s31 |Lev 22,31f]]. In späteren jüdischen Schriften taucht es noch häufiger auf; z.B. gibt es eine jüdische Tradition, derzufolge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264). Und noch heute hat „jeder Jude, ob groß oder klein, [...] das Recht und die Pflicht, durch sein Verhalten (sowohl in Gegenwart von Juden als auch von Heiden) den Namen Gottes zu heiligen: durch das Studium der Torah, durch das Halten der Gebote, und dadurch, dass er andere freundlich, rücksichtsvoll und ehrlich behandelt.“ (Eisenberg 2005, S. 12; meine Üs.)<br />
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{{S|9}} Ihr<ref>''Ihr'' steht im Griechischen betont am Ende des Satzes und grenzt so die Jünger von den „plappernden Heuchlern“ ab (Hagner 1993, S. 147): Im Gegensatz zu diesen sollen die Jünger „folgendermaßen beten“.</ref> sollt daher (also) folgendermaßen beten:
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<poem>Unser Vater {der} im Himmel<ref>
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''im Himmel'' - W. „in den Himmeln“; idiomatischer Plural, der sich häufiger im NT findet (wohl ein Semitismus). In der LF sollte mit Einzahl übersetzt werden.</ref><ref>''Unser Vater im Himmel'' - Man geht gemeinhin davon aus, dass die auf Griechisch überlieferten Formen des Vaterunsers auf eine ursprünglich aramäische Überlieferung zurückgehen. Vermutlich liegt [[Matthäus 6#s9 |Mt 6,9]] (''Unser Vater im Himmel'', gr. Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς) und [[Lukas 11#s2|Lk 11,2]] (schlicht „Vater“, gr. Πάτερ) das aramäische und für Jesus typische {{hebr}}אַבָּא{{hebr ende}} ''´Abba'' „Vater“ zu Grunde (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“, wie öfter zu lesen ist; vgl. Barr 1988). Das bedeutet: Die matthäische Version ist sowohl (1) um ἡμῶν ''unser'' als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς ''im Himmel'' angereichert. Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „''Unser'' Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z. B. das „[http://www.talmud.de/tlmd/avinu-malkenu/ Unser Vater, unser König]“) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater ''im Himmel''“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).<br />
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Die Frage nach der sinnvollsten Übersetzung ist schwierig: Eigentlich ist weder das evangelische „unser Vater“ noch das katholische „Vater unser“ korrektes Deutsch, da das Deutsche Vokative nicht mit Pronomina konstruiert - außer in geprägten Wendungen wie „Eure Majestät“ und eben „Vater unser“. Die Wortstellung in „Vater unser“ ist zudem zwar nicht „grammatikalisch falsch“ (Luz 1985, S. 333), aber veraltet, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen. Wie also übersetzen? Für jede mögliche Übersetzung - (1) ''<s>Unser</s> Vater im Himmel'', (2) ''Unser Vater im Himmel'', (3) ''Vater unser im Himmel'' - lässt sich sinnvoll argumentieren. Zum Beispiel: (1) ist das beste Deutsch und erfüllt die gleiche Funktion wie das griechische „''Unser'' Vater im Himmel“, da es im Deutschen ja auch ohne dieses Pronomen ein „liturgietaugliches Gemeindegebet“ wäre. Andererseits wäre (3) gerade als geprägte und veraltete Wendung stilistisch am nähsten am Griechischen. Und (2) ist ein sinnvoller Mittelweg zw. natürlichem Deutsch und Treue zum Griechischen. Letztlich ist wohl jede dieser Übersetzungen gleichermaßen möglich.</ref>,{{par|Weisheit|14|3}}{{par|Jesaja|63|16}}{{par|Jesaja|64|7}}{{par|Jeremia|3|19}}{{par|Markus|11|25}}{{par|Markus|14|36}}<br />
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Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - Imperativ Aorist; die griechische Standard-Verbform für Gebete (die sonst keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat; vgl. Grosvenor/Zerwick u. a.): Wieder - wie schon in ''Vater unser im Himmel'' - greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du) geheiligt<ref>''Möge dein Name geheiligt werden'' - jüdisches Idiom. Inhaltlich bedeutet es etwa „Gottes Willen tun“, „Gottes Geboten folgen“ (vgl. z. B. B/S I, S. 411-4; ThWNT I, S. 99; Lohfink 2015, S. 10f; Oakman 1999, S. 161-164)* - eine Tätigkeit, der man missionarische Wirksamkeit zusprach (für ein schönes Bsp. s. [http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/4088447 Lazarus 1922, S. 43f]): „[Es] entstand nun die zwar schon im AT mehrfach belegte [s. v.a. [[Levitikus 22#s31 |Lev 22,31f]]], aber in ihrer Reinheit erst in der späteren jüdischen Litteratur vorkommende Anschauung, dass man durch ein sittliches Leben, ja durch jede sittliche Handlungsweise den Namen Gottes heilige, d.h. ihm Ehre mache und damit zu seiner Anerkennung unter den Menschen beitrage“ (Perles 1903, S. 68). Noch heute ist dieses ''Kiddusch Haschem'', die „Heiligung des Namens“, eines der zentralsten jüdischen Gebote überhaupt (s. z.B. Eisenberg 2005, S. 12f).<br />
 
Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass ''Gott'' das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.<br />
 
Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass ''Gott'' das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.<br />
V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = seinen Geboten folgen sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll.</ref> werden.{{par|Jesaja|29|23}}{{par|1Petrus|3|15}}{{par|Philipper|2|10}}  
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V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = seinen Geboten folgen und so auch andere mit dieser Gesetzestreue anstecken sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll.
{{S|10}} Möge<ref name="Möge" /> dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)<ref>''Königtum (Königsherrschaft, Königreich)'' - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das ''Faktum'' der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ''ad loc.'' Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c.</ref> kommen<ref>''kommen'' - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten.</ref>.  
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Möge<ref name="Möge" /> dein Wille geschehen<ref>Schürmann 1958, S. 58f zitiert sehr treffend [[Jeremias 31#s31 |Jer 31,31ff]], um den Sinn dieser Stelle aufzuschlüsseln: „„Denn siehe, es kommt die Zeit - Spruch des Herrn -, da schließe ich mit Israels Haus und Judas Haus einen neuen Bund ... Ich lege mein Gesetz in ihr Herz und schreibe es in ihre Seele ... Sie werden sich nicht mehr gegenseitig, einer den anderen, belehren: Erkennet den Herrn! weil alle mich kennen vom Kleinsten zum Größten“. Wer laso darum betet, daß auf Erden der Wille Gottes geschehe, der bittet um die vollkommene Gemeinde der Endzeit. Diese aber kann nur Gott selber schaffen, sie ist ganz sein Werk. Der herrscherliche Wille Gottes kommt also auf Erden erst dann zu seiner Verwirklichung, wenn der Heilsplan Gottes sich verwirklicht.“</ref> - wie im Himmel so auch auf der Erde<ref>''wie im Himmel so auch auf der Erde'' - Cullmann 1997 und schon einige vor ihm haben erwogen, ob sich „wie im Himmel, so auch auf der Erde“ auch deuten ließe als „sowohl im Himmel als auch auf der Erde“; dagegen aber Lohfink 1989, S. 123.</ref>.{{par|1Makkabäer|3|60}}{{par|Matthäus|12|50}}{{par|Matthäus|26|42}}{{par|Markus|14|36}}
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<nowiki>*</nowiki>Ein sehr schönes Beispiel ist die jüdische Tradition, der zufolge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264).</ref> werden.{{par|Jesaja|29|23}}{{par|1_Petrus|3|15}}{{par|Philipper|2|10}}
{{S|11}}Unser Brot (Essen)<ref>''Brot (Essen)'' - „Brot“ steht in der Bibel häufig pars pro tot für Nahrung i.A., da das Gros der Mahlzeiten im Alten Israel nur aus Brot und Wasser bestand. So auch hier, vgl. ''ad loc.'' Arichea 1980, S. 221; Luz 1985, S. 347; Schürmann 1958, S. 63; Schweizer 1981, s. 97</ref> für den kommenden Tag (unser notwendiges Brot, unser heutiges Brot, unser Brot, das auf uns kommt)<ref>''kommend (notwendig, heutig, das auf uns kommt)'' - Das griechische Wort ἐπιούσιος ist umstritten. Es findet sich nur hier, in der lk Parallelstelle [[Lukas 11#s3 |Lk 11,3]] und wahrscheinlich auf einem alten Papyrus, der überdies mittlerweile wieder verloren gegangen ist. Als Ableitungen wurden vorgeschlagen:
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{{KeinExport}}_{{KeinExport_Ende}}{{S|10}} Möge<ref name="Möge" /> dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)<ref>''Königtum (Königsherrschaft, Königreich)'' - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das ''Faktum'' der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ''ad loc.'' Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c.</ref> kommen<ref>''kommen'' - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten.</ref>.
# von ἔπι + ιέναι: '''kommend''' (i.S.v. nächster), '''morgig'''. Dieser Ableitung folgen heute die meisten und sie ist die unproblematischste.<br />(1a) Das ἄρτος ἐπιούσιος wäre dann das „kommende Brot“ und würde sich nachmittags oder abends geäußert auf den morgigen Tag und morgens geäußert auf den kommenden Tag beziehen.<br />(1b) Einige haben vorgeschlagen, „kommend“ als '''künftig''' zu verstehen; das „künftige Brot“ wäre dann das Himmelsbrot, das am Ende der Zeit verspeist wird: Auch „Unser künftiges Brot gib uns heute“ wäre dann eine Bitte um den Anbruch der Gottesherrschaft am Ende der Zeit. Allerdings ist „Brot“ durchaus kein Wechselbegriff für das endzeitliche Mahl (Luz 1985, S. 342; Vögtle 1975, S. 350) und das „unser“ stört (ebd.; ebd.).<br />(1c) Orchard 1973 und Hultgren 1990 haben außerdem vorgeschlagen, mit dem „kommenden Brot“ sei das „Brot, '''das uns begegnet'''“ gemeint, sind damit aber zurecht auf keinen großen Anklang gestoßen.
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{{KeinExport}}_{{KeinExport_Ende}}Möge<ref name="Möge" /> dein Wille geschehen - wie im Himmel so auch auf der Erde<ref>''wie im Himmel so auch auf der Erde'' - Cullmann 1997 und schon einige vor ihm haben erwogen, ob sich „wie im Himmel, so auch auf der Erde“ auch deuten ließe als „sowohl im Himmel als auch auf der Erde“; dagegen aber gut z. B. Lohfink 1989, S. 123. Gottes Wille soll auf Erden ebenso geschehen, wie er im Himmel geschieht.</ref>.
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{{S|11}}Unser Brot (Essen)<ref>''Brot (Essen)'' - „Brot“ steht in der Bibel häufig pars pro toto für Nahrung i.A., da das Gros der Mahlzeiten im Alten Israel nur aus Brot und Wasser bestand. So auch hier, vgl. ''ad loc.'' Arichea 1980, S. 221; Luz 1985, S. 347; Schürmann 1958, S. 63; Schweizer 1981, s. 97</ref> für den kommenden Tag (unser notwendiges Brot, unser heutiges Brot, unser Brot, das auf uns kommt)<ref>''kommend (notwendig, heutig, das auf uns kommt)'' - Das griechische Wort ἐπιούσιος ''epiusios'' ist umstritten. Es findet sich nur hier, in der lk Parallelstelle [[Lukas 11#s3 |Lk 11,3]] und wahrscheinlich auf einem alten Papyrus, der überdies mittlerweile wieder verloren gegangen ist. Die Bedeutung des Wortes muss daher erschlossen werden, indem man rekonstruiert, von welchen griechischen Worten es sich herleitet:
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# von ἔπι + ιέναι: '''kommend''' (i.S.v. nächster), '''morgig'''. Dieser Ableitung folgen heute die meisten und sie ist die unproblematischste.<br />(1a) Das ἄρτος ἐπιούσιος wäre dann das „kommende Brot“ und würde sich nachmittags oder abends geäußert auf den morgigen Tag und morgens geäußert auf den kommenden Tag beziehen.<br />(1b) Alternativ haben einige vorgeschlagen, „kommend“ als '''künftig''' zu verstehen; das „künftige Brot“ wäre dann das Himmelsbrot, das am Ende der Zeit verspeist wird (s. [[Lukas 14#s15 |Lk 14,15]]): Auch „Unser künftiges Brot gib uns heute“ wäre dann eine Bitte um den Anbruch der Gottesherrschaft am Ende der Zeit. Allerdings störte hier dann das „unser“ (Luz 1985, S. 342; Vögtle 1975, S. 350).<br />(1c) Orchard 1973 und Hultgren 1990 haben außerdem vorgeschlagen, mit dem „kommenden Brot“ sei das „Brot, '''das uns begegnet'''“ gemeint, sind damit aber zu Recht auf keinen großen Anklang gestoßen.
 
# von ἔπι + οὐσία: '''für die Existenz, notwendig'''. Allerdings würde bei dieser Wortbildung das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342f) und das extra betonte „heute“ wäre redundant (Hagner 1993, S. 149)
 
# von ἔπι + οὐσία: '''für die Existenz, notwendig'''. Allerdings würde bei dieser Wortbildung das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342f) und das extra betonte „heute“ wäre redundant (Hagner 1993, S. 149)
 
# vom Ausdruck ἔπι την οὖσαν ἡμέραν: '''für den heutigen Tag''', aber auch hier müsste das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342) und das „heute“ wäre überflüssig (Hagner 1993, S. 149); außerdem ist οὖσαν ohne ἡμέραν nie für „heutig“ belegt (Luz 1985, S. 342).
 
# vom Ausdruck ἔπι την οὖσαν ἡμέραν: '''für den heutigen Tag''', aber auch hier müsste das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342) und das „heute“ wäre überflüssig (Hagner 1993, S. 149); außerdem ist οὖσαν ohne ἡμέραν nie für „heutig“ belegt (Luz 1985, S. 342).
Es läuft also deutlich auf „morgig“ hinaus. Dafür spricht auch stark, dass laut Hieronymus im alten Hebräerevangelium {{hebr}}מחר{{hebr ende}} ''morgen'' gestanden hatte. Es passt außerdem zur Verkündigung Jesu, der sich ja ausgesprochen (auch) an die Armen - die sich eben nicht sicher sein konnten, ob sie am nächsten Tag Arbeit finden und so ihr Brot verdienen würden - wandte (so z.B. Klauck in seinen Vorlesungen zum Mt-Ev.).</ref> gib uns heute {{par|Sprichwörter|30|8}}
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Es läuft also deutlich auf „morgig“ hinaus. Dafür spricht auch stark, dass laut Hieronymus im alten Hebräerevangelium {{hebr}}מחר{{hebr ende}} ''machar'' („morgen“) gestanden hatte. Es passt außerdem zur Verkündigung Jesu, der sich ja ausgesprochen (auch) an die Armen - die sich eben nicht sicher sein konnten, ob sie am nächsten Tag Arbeit finden und so ihr Brot verdienen würden - wandte (so z. B. Heininger 2002, S. 197f; Klauck in seinen Vorlesungen zum Mt-Ev.), und ebenso passt es zur Situation der Wanderprediger, durch die (in der Spruchquelle Q) das Vaterunser tradiert wurde und die gleichfalls nicht sicher sein konnten, ob sie am kommenden Tag ausreichend Nahrung erhalten würden (vgl. z.B. Heininger 2002, S. 197; Lohfink 2015, S. 8f).</ref> gib uns heute {{par|Sprichwörter|30|8}}
{{S|12}}und vergib uns unsere Schulden (Schuld, Sünden)<ref>''Schulden (Schuld, Sünden)'' - ὀφειλήματα sind im Griechischen eigentlich nur die Geldschulden. Es ist dies ein Aramäismus: das aramäische {{hebr}}חוׂבָא{{hebr ende}} meint sowohl Geldschulden als auch Sünden (so fast alle Exegeten). Arichea 1980, S. 222 empfiehlt die Übersetzung der Good News: „Die Fehler, die wir getan haben... denen, die an uns gefehlt haben“.</ref>, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben (vergeben)<ref>''vergeben haben (vergeben)'' - Einigen Exegeten scheint es merkwürdig, dass hier die Vergebung durch die Menschen offenbar zur Bedingung der Vergebung Gottes gemacht wird; sie gehen daher davon aus, dass hinter diesem Aorist ein semitisches Perfekt gestanden habe, das sowohl Vergangenheits- als auch Gegenwartsbedeutung haben kann (Jeremias 1971, S. 195; Kistemaker 1978, S. 324; Luz 1985, S. 348; Grimm 1992, S. 93). Das ist abzulehnen; Vv. 14f machen klar, dass in diesem Kontext die Vergebung der Menschen tatsächlich als Bedingung für die Vergebung Gottes gedacht wird (Hagner 1993, S. 150f; Lambrecht 1984, S. 137).</ref>.{{par|Jesus Sirach|28|2}}{{par|Matthäus|5|23|25}}{{par|Matthäus|6|14}}{{par|Markus|11|25}}
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{{S|12}}und vergib uns unsere Schulden (Schuld, Sünden)<ref>''Schulden (Schuld, Sünden)'' - Das Griechische ''ofeilemata'' bezeichnet eigentlich nur Geldschulden. Es ist dies ein Aramäismus: das aramäische ''choba´'' meint sowohl Geldschulden als auch Sünden (so fast alle Exegeten). Arichea 1980, S. 222 empfiehlt die Übersetzung der Good News: „Die Fehler, die wir getan haben... denen, die an uns gefehlt haben“.</ref>,<br />
{{S|13}}Und führe (lass nicht zu, dass wir geraten)<ref name="V.13">''führe (lass nicht zu, dass wir geraten), Versuchung (Tests), Bösen'' - Bei V. 13 arbeitet die Exegese sich v.a. an der Ambivalenz der beiden Ausdrücke (1) εἰσενέγκῃς εἰς πειρασμόν und (2) ἀπὸ τοῦ πονηροῦ ab.<br /> (1a) πειρασμός heißt meist „Versuchung“ und bezieht sich dann auf das Streben Satans, den Gläubigen von seinem Glauben und seine Rechtschaffenheit abzubringen. Oder, (1b): Nach altjüdischer Vorstellung bringt Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen, damit dieser sich in diesen „Tests“ als rechter Gottesdiener bewähren kann (vgl. z.B. [[Genesis 22#s1 |Gen 22,1]]; [[Exodus 16#s4 |Ex 16,4]]; [[Richter 3#s1 |Ri 3,1-4]]; [[Psalm 26#s2 |Ps 26,2]]; [[Sirach 2#s1 |Sir 2,1]]); alternativ könnte sich πειρασμός auf diese „Tests“ beziehen (vgl. EWNT III, S. 153: „Je nach Intention differenziert sich der Test positiv als Bewährungsprobe, negativ als Verleiten zum Fall. [...] Überwiegend ist eine Belastung und Bedrohung durch Menschen oder Mächte (vgl. „Drangsal, Verfolgung, Fallstricke“ usw.) gemeint [...].“).<br />
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{{KeinExport}}_{{KeinExport_Ende}}wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben (vergeben)<ref>''vergeben haben (vergeben)'' - Einigen Exegeten scheint es merkwürdig, dass hier die Vergebung durch die Menschen offenbar zur Bedingung der Vergebung Gottes gemacht wird („wie auch wir vergeben ''haben''“); sie gehen daher davon aus, dass hinter diesem Aorist ein semitisches Perfekt gestanden habe, das sowohl Vergangenheits- als auch Gegenwartsbedeutung haben kann und man also übersetzen müsste: „wie auch wir ''vergeben''“ (so z. B. Grimm 1992, S. 93; Jeremias 1971, S. 195; Kistemaker 1978, S. 324; Luz 1985, S. 348; Stöger 1980b, S. 102). Das ist abzulehnen; Vv. 14f machen klar, dass in diesem Kontext die Vergebung der Menschen tatsächlich als Bedingung für die Vergebung Gottes gedacht wird (Hagner 1993, S. 150f; Lambrecht 1984, S. 137).</ref>.
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{{S|13}}Und führe (lass nicht zu, dass wir geraten)<ref name="V.13">''führe (lass nicht zu, dass wir geraten), Versuchung (Tests), Bösen'' - Bei V. 13 arbeitet die Exegese sich v.a. an der Ambivalenz der beiden Ausdrücke (1) εἰσενέγκῃς εἰς πειρασμόν und (2) ἀπὸ τοῦ πονηροῦ ab.<br /> (1a) πειρασμός heißt meist „Versuchung“ und bezieht sich dann auf das Streben Satans, den Gläubigen von seinem Glauben und seine Rechtschaffenheit abzubringen. Oder, (1b): Nach altjüdischer Vorstellung bringt Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen, damit dieser sich in diesen „Tests“ als rechter Gottesdiener bewähren kann (vgl. z. B. [[Genesis 22#s1 |Gen 22,1]]; [[Exodus 16#s4 |Ex 16,4]]; [[Richter 3#s1 |Ri 3,1-4]]; [[Psalm 26#s2 |Ps 26,2]]; [[Sirach 2#s1 |Sir 2,1]]); alternativ könnte sich πειρασμός auf diese „Tests“ beziehen (vgl. EWNT III, S. 153: „Je nach Intention differenziert sich der Test positiv als Bewährungsprobe, negativ als Verleiten zum Fall. [...] Überwiegend ist eine Belastung und Bedrohung durch Menschen oder Mächte (vgl. „Drangsal, Verfolgung, Fallstricke“ usw.) gemeint [...].“).<br />
 
Damit hängt zusammen die richtige Deutung von πονηρός: Hier könnte πονηρός sowohl (2a) als Maskulinum gedeutet werden und dann „den Bösen“ meinen - also den Teufel, oder aber (2b) als Neutrum und dann „das Böse“=Unheil meinen.<br />
 
Damit hängt zusammen die richtige Deutung von πονηρός: Hier könnte πονηρός sowohl (2a) als Maskulinum gedeutet werden und dann „den Bösen“ meinen - also den Teufel, oder aber (2b) als Neutrum und dann „das Böse“=Unheil meinen.<br />
Das Problem von Deutung (a) wäre, dass dann ja Gott der Aktant der satanischen Versuchung wäre: „[Gott,] führe mich nicht in [satanische] Versuchung“. In der Regel behilft man sich dann damit, εἰσφέρω zu erklären als eine Fehlübersetzung eines aramäischen Verbs im Aphel-Stamm, das eigentlich permissive Bedeutung gehabt habe: „Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geraten.“ (z.B. de Moor 1988; Jeremias 1971; Jenni 1997b; Kistemaker 1978; Tournay 1998; Schnackenburg 1984; ähnlich Torrey 1933).<br />
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Kombiniert man die beiden (a)- und die beiden (b)-Deutungen, ergäbe das also:  
Damit ergeben sich die beiden Alternativen (natürlich werden auch Mischformen vertreten):  
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* (a) ''Versuche uns nicht (=strebe nicht danach, uns vom Glauben abzubringen); / rette uns vor dem Satan''
* (a) Lass nicht zu, dass wir versucht werden / rette uns dem Satan
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* (b) ''Unterziehe uns keinen Tests; / bewahre uns vor Unheil''
* (b) Unterziehe uns keinen Tests / bewahre uns vor Unheil
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Das Problem von Deutung (a) wäre, dass dann ja Gott der Aktant der (satanischen) Versuchung wäre. In der Regel behilft man sich dann damit, εἰσφέρω zu erklären als eine Fehlübersetzung eines aramäischen Verbs im Aphel-Stamm, das eigentlich permissive Bedeutung gehabt habe: „Lass nicht zu, dass wir [von Satan] versucht werden“ (z. B. de Moor 1988; Jeremias 1971; Jenni 1997b; Kistemaker 1978; Tournay 1998; Schnackenburg 1984; ähnlich Torrey 1933), also:
Eine Exegese auf Basis eines hypothetischen aramäischen Grundtexts ist sehr spekulativ und sollte daher stets letzte Wahl sein (vgl. Gielen 1998, S. 203; Lambrecht 1984, S. 135); hier ist es überdies schlicht ein bewusstes Fehllesen des Texts (Fitzmyer 2003, S. 271). Zudem sollte man bei einer Übersetzung eines Aphel-Verbs eher ein griechisches Passiv-Verb erwarten und bei einer auf ein „Missverständis“ zurückgehenden Fehlübersetzung außerdem (hier nicht vorhandene) Textvarianten (so gut Porter 1990, S. 360), was gegen (a) spricht. Berücksichtigt man dann noch die älteste Deutung dieser Bitte in [[2Timotheus 4#s18 |2Tim 4,18]] („Der Herr wird mich retten vor jedem bösen ''Werk''“), die für (b) spricht, sollte man sich hier dann doch deutlich für diese Deutung entscheiden.</ref> uns nicht in Versuchung (Tests)<ref name="V.13" />,{{par|Matthäus|26|41}}{{par|Markus|14|38}}{{par|Lukas|22|40}}{{par|Lukas|22|46}}{{par|1Korinther|10|13}}{{par|Jakobus|1|13}}
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* (a') ''Lass nicht zu, dass wir versucht werden / rette uns vor dem Satan''
sondern rette (erlöse) uns von dem Bösen<ref name="V.13" />.<ref>'''Textkritik''': An das Vaterunser schließt sich in jüngeren Texten oft noch eine Doxologie an, die klar sekundär ist (u.a. daran zu erkennen, dass sie in unterschiedlichen Ausgestaltungen angehängt wird). Am verbreitetsten ist die Doxologie, die auch in unserem Vaterunser gebetet wird: „denn dein ist das Reich (also: Herrschaft, Königtum) und die Kraft (besser: Macht) und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“; sie ist vermutlich abgeleitet von [[1Chronik 29#s11 |1Chr 29,11]] (Gnilka 1986, S. 228). Es ist dennoch keine Verfälschung, wenn wir das Vaterunser inklusive dieser sekundären Doxologie beten: Gebete wurden früher stets durch eine meist frei zu formulierende Doxologie abgeschlossen (vgl. [[2Timotheous 4#s18 |2Tim 4,18]]; Did 8,2 („denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit, Amen“) und ''ad loc.'' z.B. Luz 1985, S. 349f; Schweizer 1981, S. 93); besagtes „denn dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“ ist sehr wahrscheinlich eine dieser frei formulierten Doxologien, die später standardisiert und angehängt wurden.</poem>
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{{S|14}}Denn wenn ihr den anderen Menschen vergebt, wird auch der himmlische Vater euch vergeben.
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Gegen (a') spricht: Eine Exegese auf Basis eines hypothetischen aramäischen Grundtexts ist sehr spekulativ und sollte daher stets letzte Wahl sein (vgl. Gielen 1998, S. 203; Heininger 2002, S. 201; Lambrecht 1984, S. 135); hier ist es überdies schlicht ein bewusstes Fehllesen des Texts (Fitzmyer 2003, S. 271). Zudem sollte man bei einer Übersetzung eines Aphel-Verbs eher ein griechisches Passiv-Verb erwarten und bei einer auf ein „Missverständnis“ zurückgehenden Fehlübersetzung außerdem (hier nicht vorhandene) Textvarianten (so gut Porter 1990, S. 360). Dass (a) problematisch ist, sieht man ja schon daran, dass so viele Exegeten sich veranlasst sahen, ob dieser Problematik stattdessen für (a') zu argumentieren. Berücksichtigt man dann noch die älteste Deutung dieser Bitte in [[2Timotheus 4#s18 |2Tim 4,18]] („Der Herr wird mich retten vor jedem bösen ''Werk''“), die für (b) spricht, sollte man sich hier dann doch deutlich für diese Deutung entscheiden.</ref> uns nicht in Versuchung (Tests)<ref name="V.13" />,{{par|Matthäus|26|41}}{{par|Markus|14|38}}{{par|Lukas|22|40}}{{par|Lukas|22|46}}{{par|1Korinther|10|13}}{{par|Jakobus|1|13}}
{{S|15}}Wenn nicht, dann vergibt euer Vater euch auch nicht.
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{{KeinExport}}_{{KeinExport_Ende}}sondern rette (erlöse) uns von dem Bösen<ref name="V.13" />.<ref>'''Textkritik''': An das Vaterunser schließt sich in jüngeren Texten oft noch eine Doxologie an, die klar sekundär ist (u. a. daran zu erkennen, dass sie in unterschiedlichen Ausgestaltungen angehängt wird). Am verbreitetsten ist die Doxologie, die auch in unserem Vaterunser gebetet wird: „denn dein ist das Reich (also: Herrschaft, Königtum) und die Kraft (besser: Macht) und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“; sie ist vermutlich abgeleitet von [[1Chronik 29#s11 |1Chr 29,11]] (Gnilka 1986, S. 228). Es ist dennoch keine Verfälschung, wenn wir das Vaterunser inklusive dieser sekundären Doxologie beten: Gebete wurden früher stets durch eine meist frei zu formulierende Doxologie abgeschlossen (vgl. [[2Timotheous 4#s18 |2Tim 4,18]]; Did 8,2 („denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit, Amen“) und ''ad loc.'' z. B. Luz 1985, S. 349f; Schweizer 1981, S. 93); besagtes „denn dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“ ist sehr wahrscheinlich eine dieser frei formulierten Doxologien, die später standardisiert und angehängt wurden.</ref></poem>
{{S|16}}Macht keine trüben Gesichter wie die Heuchler, wenn ihr fastet, denn deren Gesichter sind verstellt um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten.
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{{S|17}}Du aber, öle deinen Kopf ein und wasche dein Gesicht, wenn du fastest,  
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{{S|18}}damit du bei den Menschen nicht den falschen Eindruck erweckst, dass du ein Fastender bist, sondern zu deinem verborgenen Vater, der dir im Verborgenen zusieht und dir vergibt (vergeltet).
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{{S|14}} Denn wenn ihr verzeiht (vergebt) den Menschen ihre Schuld (Fehltritt, Verfehlung, Sünde), wird auch euch der Vater in dem Himmel vergeben.
{{S|19}}Hört auf, euch Schätze auf der Erde zu anzusammeln (aufzuhäufen), die von Motte und Rost vernichtet (verzehrt) und wo Diebe einbrechen und stehlen.
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{{S|15}} Wenn ihr aber nicht vergebt den Menschen, wird auch der Vater euch eure Schuld nicht vergeben.  
{{S|20}}Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf, wo weder Motte noch Rost [sie] verzehren und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.
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{{S|16}}<ref>Diese Übersetzung ist sehr frei und gehört eigentlich in die Lesefassung: Macht keine trüben Gesichter wie die Heuchler, wenn ihr fastet, denn deren Gesichter sind verstellt um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten.</ref>Wenn ihr aber fastet, werdet (seid) nicht verdrießlich<ref>wörtlich: mit finsterem Blick/ traurig/mürrisch dreinschauend</ref> wie die Scheinheiligen (Heuchler), die ihr Gesicht verschwinden lassen<ref>ἀφανίζω bildet ein Wortspiel mit φαίνομαι, vgl. Jakobus 4,14, und heißt wörtlich unsichtbar machen. Da das Verb in Vers 19 wieder aufgenommen wird, habe ich nach einer Übersetzung gesucht, die für beide passt. Gemeint ist, dass diese Fastenden sich nicht waschen und ihr Gesicht daher unter einer dicken Schicht Dreck "verschwinden lassen"</ref>, damit die Leute wahrnehmen (sehen, bemerken)<ref>wörtlich: damit sie den Leuten als Fastende erscheinen</ref>, dass sie fasten. Wirklich (wahrlich), ich sage euch, sie haben ihren Lohn [bereits] erhalten<ref>nämlich dadurch, dass die Leute ihr Fasten bemerkt haben - d.h. sie haben um der Anerkennung durch die Leute willen gefastet, nicht um Gottes willen</ref> <ref>perfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f)</ref>.
{{S|21}}Wo dein Schatz (Lagerhaus, Speicher) ist<ref>ἐστιν: 3.Sg. Präsenz akt.</ref>, da (dort) wird<ref>ἔσται: 3.Sg. Futur med.</ref> dein Herz sein.
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{{S|17}}Du aber, wenn du fastest, parfümiere (salbe) deinen Kopf (dein Haupt) und wasche dein Äußeres (Gesicht),  
{{S|22}}Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
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{{S|18}}damit <ref>das ist zu frei übersetzt: du bei den Menschen nicht den falschen Eindruck erweckst, dass du ein Fastender bist, sondern zu deinem verborgenen Vater, der dir im Verborgenen zusieht und dir vergibt (vergilt)</ref> nicht die Leute wahrnehmen (sehen, bemerken), dass du fastest <ref>wörtl.: damit du nicht den Leuten als Fastender erscheinst</ref>, sondern (aber) dein Vater, der im Verborgenen (verborgen) ist. Und dein Vater, der ins das Verborgene sieht, wird dir [dein Fasten] vergelten (dich belohnen).
{{S|23}}Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn in Wirklichkeit das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist diese Finsternis!
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{{S|24}}Niemand kann ein Sklave von zwei Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Materialismus (Reichtums, Kapitalismus, Mammon) sein.
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{{S|25}}Deswegen (Darum) sage ich euch: Seid nicht besorgt (beunruhigt) um euer Leben (eure Seele), was ihr essen oder was ihr trinken sollt<ref>In manchen Handschriften fehlt das Trinken (ἢ τί πίητε), das SBLGNT lässt es weg, NA27 setzt es in Klammern.</ref>, oder um euren Körper, über das, was ihr anziehen sollt. Bedeutet das Leben (die Seele) nicht mehr als das Essen (die Speise) und der Körper mehr als die Kleidung?
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{{S|19}} Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde (auf Erden), wo Motten<ref>Kollektiver Singular</ref> und Fraß (Holzwurm, Wurmfraß)<ref>das Griechische Wort βρώσις bedeutet eigentlich Speise (seit Homer); hier meint es das Zerfressen, Zernagen. Gemeint ist ein fressendes Insekt, wohl der Holzwurm, der die Holzkisten zerstört, in denen die Schätze aufbewahrt sind. Keinesfalls ist damit Rost gemeint, denn Gold, Silber oder Edelsteine können nicht von Kupferrost oder Grünspan befallen werden. Vgl. Dazu Ulrich Luz, EKK I/1, S. 464, Anm. 15</ref> [sie] verschwinden lassen (zerstören, vernichten) und [wo] Diebe einbrechen<ref>wörtl.: durchgraben (von Lehmwänden), aber der Begriff ist zum t.t. für "einbrechen" geworden.</ref> und stehlen.
{{S|26}}Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie [etwas] ([Vorräte]) in Vorratshäuser (Scheunen); aber euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert (wertvoller) als sie?
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{{S|20}} Sammelt aber euch Schätze im Himmel, wo weder Motten<ref>Kollektiver Singular</ref> noch Fraß (Holzwurm, Wurmfraß) [sie] verschwinden lassen (zerstören, vernichten) und [wo] Diebe nicht einbrechen und auch nicht stehlen.
{{S|27}}Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt (mit seinem Sorgen), an sein Lebensalter eine Elle anfügen<ref>D.h. „sein Leben auch nur ein bisschen verlängern“.</ref>?
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{{S|21}} Denn (dort) wo dein Schatz ist<ref>ἐστιν: 3.Sg. Präsenz akt.</ref>, da (dort) wird<ref>ἔσται: 3.Sg. Futur med.</ref> auch dein Herz sein.
{{S|28}}Und über die Kleidung (Auch was Die Kleidung betrifft), was sorgt (beunruhigt) ihr euch (warum macht ihr euch Sorgen)? Beobachtet (Lernt von den) die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: weder mühen (quälen) sie sich noch spinnen sie;
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{{S|22}} Die Lampe des Leibes (Körpers) ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter (gesund) ist, so wird dein ganzer Leib (Körper) licht (erleuchtet) sein.
{{S|29}}{doch} ich sage euch, dass nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit (Pracht) wie eine von diesen bekleidet war.
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{{S|23}}Wenn aber dein Auge böse (schlecht) ist, so wird dein ganzer Leib finster (dunkel) sein. Wenn also das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist die Finsternis!
{{S|30}}Wenn {nun (aber)} Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er] euch nicht viel mehr [kleiden], ihr Kleingläubigen?
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{{S|24}} Niemand (keiner) ist fähig (stark, mächtig)<ref>heißt: „niemand kann“ bzw. „niemandem ist es möglich“</ref> zwei Herren zu dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten (sich um ihn kümmern) und den anderen verachten (mißachten). Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Geld, Reichtums, Vermögen) dienen.
{{S|31}}Also (Deswegen) sorgt euch nicht, indem (und) ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen?
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{{S|32}}Denn nach allen diesen Dingen streben (suchen, trachten) die Völker (Nationen, Heiden). Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge braucht (nötig habt).
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{{S|33}} Sucht {aber} zuerst das Reich Gottes (die Gottesherrschaft)<ref>Hier sind sich die Quellen uneinig: Einige Quellen lesen hier βασιλείαν τοῦ θεοῦ (die gewählte Übersetzung), andere lassen τοῦ θεοῦ weg, wieder andere lesen βασιλείαν των ουρανων (also „Himmelreich“).</ref> und seine Gerechtigkeit, und all dies (andere) wird euch hinzugefügt werden.<ref>Frei übersetzt: „dafür werden euch alle anderen Dinge gegeben werden“</ref>
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{{S|25}} Deswegen (Darum, Deshalb) sage ich euch: Seid nicht besorgt (beunruhigt, macht euch keine Sorgen) um euer Leben (eure Seele), was ihr essen [oder was ihr trinken] sollt<ref>In manchen Handschriften fehlt das Trinken (ἢ τί πίητε), das SBLGNT lässt es weg, NA27 setzt es in Klammern.</ref>, auch nicht (und nicht, oder) um euren Leib (Körper), über das, was ihr anziehen sollt. Ist (bedeutet) nicht das Leben (die Seele) mehr als Essen (die Speise) und der Leib mehr als Gewänder<ref>Koll. Singular</ref> (Kleidung)?
{{S|34}} Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag (morgen, den nächsten Tag), denn der morgige Tag (morgen, der nächste Tag) wird für sich selbst sorgen (bringt seine eigenen Sorgen mit): [Jeder] Tag hat genug eigenes Schlechtes (Übel).<ref>Der Versuch, einer wörtlicheren Wiedergabe: „Das dem [einzelnen] Tag zugehörige Schlechte ist genug.“</ref>
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{{S|26}} Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht und (, noch) ernten nicht, noch sammeln sie [etwas] ([Vorräte]) in Vorratshäuser (Scheunen); und [doch] (aber) euer himmlischer Vater ernährt (füttert) sie; seid ihr (unterscheidet ihr euch) nicht viel mehr wert (wertvoller) als sie<ref>„Mehr wert sein“ ist keine wörtliche Übersetzung, aber natürlich die Bedeutung von „διαφέρετε αὐτῶν“, „sich von ihnen unterscheiden“</ref>?
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{{S|27}} Wer aber von euch könnte dadurch, dass er sich sorgt (mit seinem Sorgen, Sorgen macht), hinzufügen (anfügen) an sein (zu seinem) Lebensalter [auch nur] eine Elle <ref>D.h. „sein Leben auch nur ein bisschen verlängern“ bzw. „einen Tag hinzufügen“.</ref>?
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{{S|28}} Und um ein Gewand<ref>Koll. Singular „um Kleideung“</ref> (Auch was Die Kleidung betrifft), was sorgt (beunruhigt) ihr euch (warum macht ihr euch Sorgen)? Seht (Beobachtet, Lernt von den) die Blumen<ref>Feldblumen. „Lilien“ ist nicht gesichert.</ref> des Ackers (Feldes), wie sie wachsen; sie mühen sich (quälen) nicht und (noch) noch spinnen sie<ref>Pars pro toto für „machen sich Kleider“</ref>;
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{{S|29}} Ich aber sage euch, dass (:) nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit (Pracht, Glanz) bekleidet (angezogen) war  wie eine von diesen (ihnen).
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{{S|30}} Wenn {nun (aber)} obwohl das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, Gott es trotzdem kleidet, [wird er] euch nicht viel mehr [kleiden], ihr Kleingläubigen?
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{{S|31}} Also (Deswegen) sorgt euch nicht, indem (und) ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen?
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{{S|32}} Denn nach allen diesem (diesen Dingen) streben (suchen, trachten) die Völker (Nationen, Heiden). Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge braucht (nötig habt).
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{{S|33}} Sucht {aber} erst (zuerst) das Reich (Herrschaft) [Gottes] (die Gottesherrschaft)<ref>Hier sind sich die Quellen uneinig: Einige Quellen lesen hier βασιλείαν τοῦ θεοῦ (die gewählte Übersetzung), andere lassen τοῦ θεοῦ weg, wieder andere lesen βασιλείαν των ουρανων (also „Himmelreich“).</ref> und seine Gerechtigkeit, und dies alles (all dies) (andere) wird euch hinzugefügt (geschenkt) werden.<ref>Frei übersetzt: „dafür werden euch alle anderen Dinge gegeben werden“</ref>
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{{S|34}} Sorgt euch also nicht (Macht euch also keine Sorgen) um den morgigen Tag (morgen, den nächsten Tag), denn der morgige Tag (morgen, der nächste Tag) hat eigene Sorgen (wird für sich selbst sorgen, bringt seine eigenen Sorgen mit): [Jeder] Tag hat genug eigenes Schlechtes (Übel).<ref>Der Versuch, einer wörtlicheren Wiedergabe: „Das dem [einzelnen] Tag zugehörige Schlechte ist genug.“</ref>
  
 
{{Bemerkungen}}
 
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In '''Vers 1–18''' geht es um die Grundhaltung beim moralischen Handeln.<ref>(Luz <sup>5</sup>2002, S. 416 und 428ff.)</ref> Entscheidend ist nicht das formal korrekte Almosen-Geben, Beten oder Spenden, sondern die Einstellung Gott und anderen Menschen gegenüber. Der Text warnt davor, dass auch frommes Handeln falsch sein kann, wenn mit einer selbstbezogenen Haltung geschieht.
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In drei warnenden Worte zum Almosen-Geben (V. 2–4), Beten (V. 5–6) und Fasten (V. 16–18) ist das Vaterunser eingebettet. Im Zentrum des Textes steht also die „Hilfe zum Beten“.<ref>(Luz <sup>5</sup>2002, S. 457)</ref> Das Vaterunser betont Gottes liebende Nähe. Es leitet den Betenden zu aktivem, liebevollen Handeln auch anderen Menschen gegenüber (V. 12).
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Nachdem dieser Warnung vor Selbstgerechtigkeit uns vor einer Verhärtung des Herzens nehmen '''Vers 19–24''' das Verhältnis der Menschen zu ihrem Besitz in den Blick.<ref>(Luz <sup>5</sup>2002, S. 470f.)</ref> Auch hier geht es um die Haltung: Steht der Besitz im Zentrum des Denken und Handelns, oder aber Gott? Der Text warnt davor, dass irdischer Reichtum das Herz von Gott ablenkt.
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'''Vers 25–34''': Jesus ermutigt seine Jüngerinnen und Jüngern.<ref>(Luz <sup>5</sup>2002, S. 481f.)</ref> Sie sollen sich ganz auf die Gottesherrschaft konzentrieren. Sie sollen sich nicht ablenken lassen von Sorgen um ihren täglichen Bedarf, denn Gott sorgt für sie wie für die Vögel und die Blumen.
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Im Zusammenhang der Bergpredigt verstärken Vers 25–34 die Warnung aus Vers 19–24, dass die Sorge um irdischen Besitz den Blick verstellen kann auf Gottes gutes Wirken.
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Aktuelle Version vom 20. Juli 2020, 20:12 Uhr

Syntax OK

SF zuverlässig.png
Status: Zuverlässige Studienfassung – Die Übersetzung ist vollständig, erfüllt die Übersetzungskriterien und wurde mit einigen Standards der Qualitätssicherung abgesichert. Verbesserungen sind noch zu erwarten.
LF ungeprüft.png
Status: Lesefassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett und kann weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.

Lesefassung (Matthäus 6)

1 Hütet euch davor, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden. Denn dann werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel haben.

(Jesus über das Geben von Spenden)

2 Wann immer du also Gaben gibsta, posaune das nicht herum, wie es die Heuchler. Sie tun das in den Synagogen und auf den großen Plätzen, weil sie geehrt werden wollen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. 3 Wenn du aber Gaben gibst, lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, 4 damit deine Wohltaten im Verborgenen bleiben. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.

(Jesus über das Beten)

5 Und wenn ihr betet, tut das nicht wie die Heuchler. Sie tun das, weil sie gerne in den Synagogen und auf der Straße gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. 6 Wenn du aber betest, gehe in dein Zimmer hinein und schließe deine Türe um zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, zu beten. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.


7 Wenn ihr nun aber betet, redet nicht gedankenlos wie die, die Gott nicht kennenb, denn sie denken, dass sie durch ihre vielen Worte erhört werden. 8 Macht es also nicht wie sie, denn euer Vater, kennt eure Notc, bevor ihr ihn bittet.

9Ihr sollt deshalb so beten:

Himmlischer Vater,
sei du unser Herr und lass uns deinen Willen tun.
10 _ Sei du der Herrscher der Welt.
Was du möchtest, soll geschehen – im Himmel und auf der Erde.
11 Gib uns heute genug zu essen
12 und vergib unsere Sünden,
wie auch wir denen vergeben haben, die sich an uns versündigt haben.
13 Prüfe uns nicht mit der Versuchung,
und rette uns vor dem Bösen.

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Schuld vergebt, wird der himmlische Vater auch euch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird der Vater auch euch eure Schuld nicht vergeben.

(Jesus über das Fasten)

16 Wenn ihr aber fastet, seid schaut nicht verdrießlich drein wie die Heuchler, die ihr Gesicht verschwinden lassend, damit die Leute sehen, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. 17 Wenn du fastest, sollst du deinen Kopf parfümieren dein Gesicht waschen, 18 damit nicht die Leute sehen, dass du fastest, sondern dein Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich entlohnen.

(Jesus über das Sammeln von Schätzen)

19 Sammelt eure Schätze nicht auf der Erde, wo Motten und Wurmfraß sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. 20 Sammelt eure Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Wurmfraß sie zerstören noch Diebe einbrechen und sie stehlen. 21 Denn dort, wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein. 22 Die Lampe des Körpers ist das Auge. Wenn nun dein Auge gesund iste, wo dir dein ganzer Körper erleuchtet sein. 23 Wenn aber dein Auge schlecht ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn also das Licht, das in dir ist, dunkel ist, wie groß ist die Finsternis! 24 Niemandem ist es möglich, zwei Herren zu dienen. Entweder hasst er den einen und liebt den anderen, oder er wird sich um den einen kümmern und den anderen vernachlässigen. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Reichtum. 25 Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um eurer Leben, was ihr essen solltf. Auch nicht um euren Körper, was ihr anziehen sollt. Bedeutet Leben nicht mehr als Essen und der Körper nicht mehr als Kleidung? 26 Betrachtet die Vögel im Himmel, sie säen nicht noch ernten sie, noch sammeln sie Vorräte. Und doch ernährt euer himmlischer Vater sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch könnte durch seine Sorgen auch nur einen Tag zu seiner Lebenszeit hinzufügen? 28 Warum macht ihr euch auch um eure Kleidung sorgen? Seht wie die Blumen auf dem Acker wachsen! Sie mühen sich nicht ab und machen sich keine Kleidung. 29 Ich aber sage euch, dass nicht einmal Salomo in all seiner Pracht wie eine von diesen angezogen war. 30 Wenn Gott nun aber das Gras des Feldes kleidet, obwohl es heute noch steht aber schon morgen in den Ofen geworfen wirdg - wird er euch nicht viel eher kleiden, ihr Kleingläubigen? 31 Sorgt euch also nicht und fragt nicht: „Was sollen wir essen?“, oder „Was sollen wir trinken?“ oder „Was sollen wir anziehen?“. 32 Denn nach all diesen Dingen trachten die, die Gott nicht kennenh. Euer himmlischer Vater aber weiß, dass ihr all diese Dinge braucht. 33 Sucht erst die Herrschaft Gottesi, und all diese Dinge werden eich geschenkt werden. 34 Sorgt euch also nicht um Morgen, denn das Morgen hat seine eigenen Sorgen. Das Schlechte eines jeden Tages ist genug.

Anmerkungen

aDas gr. Wort steht für Spenden, Almosen oder „Wohltaten“. (Zurück zu Lesefassung v.2)
bEigentlich: Heiden (Zurück zu Lesefassung v.7)
cEigentlich: „was ihr nötig habt“ (Zurück zu Lesefassung v.8)
dGemeint ist, durch wenig Körperpflege, also Dreck, oder durch Verhüllen (Haubeck/Siebthal 2007, 29) (Zurück zu Lesefassung v.16)
eMögliche atl. Hintergründe: ungeteilte Loyalität Gott gegenüber oder Haltung anderen gegenüber gütig (Haubeck/Siebthal 2007, 32) (Zurück zu Lesefassung v.22)
fManche Handschriften ergänzen: „oder was ihr trinken sollt“ (Zurück zu Lesefassung v.25)
gGras wurde auch als Brennstoff genutzt. (Zurück zu Lesefassung v.30)
hWörtlich: Die Völker oder Heiden (Zurück zu Lesefassung v.32)
iEinige Handschriften schreiben nur „Herrschaft“ (Zurück zu Lesefassung v.33)

Studienfassung (Matthäus 6)

1 Hütet euch [aber] eure Gerechtigkeit zu tun vor den Menschen [und] sie vor ihnen zur Schau zu stellen; sonst (andernfalls) werdet ihr keinen haben Lohn bei (vor) eurem Vater in den Himmeln.

2 Sooft (wenn, wann immer) du also tust Wohltaten (Almosen) (aus Barmherzigkeit spenden möchtest), [dann] blase nicht die Posaune (Trompete) vor dirj, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Straßen (in den Gassen), damit (auf das) sie geehrt werden von den Menschen (um {sie} von den Menschen verherrlicht zu werden). Wahrlich, ich sage euch: Sie haben den Lohn empfangenk. 3 Wenn du aber tust Wohltaten (Almosen gibst), lass nicht deine Linkel wissen, was deine rechte tut, 4damit deine Wohltaten im Verborgenen sind; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dich entlohnen (belohnen). 5 Und wenn ihr betet, tut dies nicht wie die Heuchler, denn sie lieben es (tun es gern) in den Synagogen und in den Ecken (auf dem Eckstein) der breiten Straßen (Plätze) ihr Gebet zu machen damit es sichtbar ist den Menschen; Wahrlich, ich sage euch: Sie haben den Lohn empfangenm. 6 Wenn du aber betestn, gehe in dein Zimmer (Kammer) [hinein] und schließe deine Türe um zu beten zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dich entlohnen (belohnen).


7 Wenn ihr (aber) betet, redet nicht gedankenlos (plappert nicht) wie die Heiden, denn sie denken (meinen) durch ihre vielen Worte werden sie erhört werden (wird auf sie gehört). 8 macht es also ihnen nicht gleich (wie sie); denn euer Vater kennt, was ihr für braucht (nötig habt, eure Not, Sorgen, Bedarf) bevor ihr ihn bittet. 9 Ihro sollt daher (also) folgendermaßen beten:

Unser Vater {der} im Himmelpq,

Möge (Mögest)r dein Name (du) geheiligts werden.
10 Möger dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)t kommenu.
Möger dein Wille geschehen - wie im Himmel so auch auf der Erdev.
11Unser Brot (Essen)w für den kommenden Tag (unser notwendiges Brot, unser heutiges Brot, unser Brot, das auf uns kommt)x gib uns heute
12und vergib uns unsere Schulden (Schuld, Sünden)y,

wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben (vergeben)z.
13Und führe (lass nicht zu, dass wir geraten)aa uns nicht in Versuchung (Tests)aa,
sondern rette (erlöse) uns von dem Bösenaa.ab


14 Denn wenn ihr verzeiht (vergebt) den Menschen ihre Schuld (Fehltritt, Verfehlung, Sünde), wird auch euch der Vater in dem Himmel vergeben. 15 Wenn ihr aber nicht vergebt den Menschen, wird auch der Vater euch eure Schuld nicht vergeben. 16acWenn ihr aber fastet, werdet (seid) nicht verdrießlichad wie die Scheinheiligen (Heuchler), die ihr Gesicht verschwinden lassenae, damit die Leute wahrnehmen (sehen, bemerken)af, dass sie fasten. Wirklich (wahrlich), ich sage euch, sie haben ihren Lohn [bereits] erhaltenagah. 17Du aber, wenn du fastest, parfümiere (salbe) deinen Kopf (dein Haupt) und wasche dein Äußeres (Gesicht), 18damit ai nicht die Leute wahrnehmen (sehen, bemerken), dass du fastest aj, sondern (aber) dein Vater, der im Verborgenen (verborgen) ist. Und dein Vater, der ins das Verborgene sieht, wird dir [dein Fasten] vergelten (dich belohnen).


19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde (auf Erden), wo Mottenak und Fraß (Holzwurm, Wurmfraß)al[sie] verschwinden lassen (zerstören, vernichten) und [wo] Diebe einbrechenam und stehlen. 20 Sammelt aber euch Schätze im Himmel, wo weder Mottenan noch Fraß (Holzwurm, Wurmfraß) [sie] verschwinden lassen (zerstören, vernichten) und [wo] Diebe nicht einbrechen und auch nicht stehlen. 21 Denn (dort) wo dein Schatz istao, da (dort) wirdap auch dein Herz sein. 22 Die Lampe des Leibes (Körpers) ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter (gesund) ist, so wird dein ganzer Leib (Körper) licht (erleuchtet) sein. 23Wenn aber dein Auge böse (schlecht) ist, so wird dein ganzer Leib finster (dunkel) sein. Wenn also das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist die Finsternis! 24 Niemand (keiner) ist fähig (stark, mächtig)aq zwei Herren zu dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten (sich um ihn kümmern) und den anderen verachten (mißachten). Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Geld, Reichtums, Vermögen) dienen.


25 Deswegen (Darum, Deshalb) sage ich euch: Seid nicht besorgt (beunruhigt, macht euch keine Sorgen) um euer Leben (eure Seele), was ihr essen [oder was ihr trinken] solltar, auch nicht (und nicht, oder) um euren Leib (Körper), über das, was ihr anziehen sollt. Ist (bedeutet) nicht das Leben (die Seele) mehr als Essen (die Speise) und der Leib mehr als Gewänderas(Kleidung)? 26 Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht und (, noch) ernten nicht, noch sammeln sie [etwas] ([Vorräte]) in Vorratshäuser (Scheunen); und [doch] (aber) euer himmlischer Vater ernährt (füttert) sie; seid ihr (unterscheidet ihr euch) nicht viel mehr wert (wertvoller) als sieat? 27 Wer aber von euch könnte dadurch, dass er sich sorgt (mit seinem Sorgen, Sorgen macht), hinzufügen (anfügen) an sein (zu seinem) Lebensalter [auch nur] eine Elle au? 28 Und um ein Gewandav(Auch was Die Kleidung betrifft), was sorgt (beunruhigt) ihr euch (warum macht ihr euch Sorgen)? Seht (Beobachtet, Lernt von den) die Blumenaw des Ackers (Feldes), wie sie wachsen; sie mühen sich (quälen) nicht und (noch) noch spinnen sieax; 29 Ich aber sage euch, dass (:) nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit (Pracht, Glanz) bekleidet (angezogen) war wie eine von diesen (ihnen). 30 Wenn {nun (aber)} obwohl das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, Gott es trotzdem kleidet, [wird er] euch nicht viel mehr [kleiden], ihr Kleingläubigen? 31 Also (Deswegen) sorgt euch nicht, indem (und) ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen? 32 Denn nach allen diesem (diesen Dingen) streben (suchen, trachten) die Völker (Nationen, Heiden). Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge braucht (nötig habt). 33 Sucht {aber} erst (zuerst) das Reich (Herrschaft) [Gottes] (die Gottesherrschaft)ay und seine Gerechtigkeit, und dies alles (all dies) (andere) wird euch hinzugefügt (geschenkt) werden.az34 Sorgt euch also nicht (Macht euch also keine Sorgen) um den morgigen Tag (morgen, den nächsten Tag), denn der morgige Tag (morgen, der nächste Tag) hat eigene Sorgen (wird für sich selbst sorgen, bringt seine eigenen Sorgen mit): [Jeder] Tag hat genug eigenes Schlechtes (Übel).ba

Anmerkungen

In Vers 1–18 geht es um die Grundhaltung beim moralischen Handeln.bb Entscheidend ist nicht das formal korrekte Almosen-Geben, Beten oder Spenden, sondern die Einstellung Gott und anderen Menschen gegenüber. Der Text warnt davor, dass auch frommes Handeln falsch sein kann, wenn mit einer selbstbezogenen Haltung geschieht.

In drei warnenden Worte zum Almosen-Geben (V. 2–4), Beten (V. 5–6) und Fasten (V. 16–18) ist das Vaterunser eingebettet. Im Zentrum des Textes steht also die „Hilfe zum Beten“.bc Das Vaterunser betont Gottes liebende Nähe. Es leitet den Betenden zu aktivem, liebevollen Handeln auch anderen Menschen gegenüber (V. 12).

Nachdem dieser Warnung vor Selbstgerechtigkeit uns vor einer Verhärtung des Herzens nehmen Vers 19–24 das Verhältnis der Menschen zu ihrem Besitz in den Blick.bd Auch hier geht es um die Haltung: Steht der Besitz im Zentrum des Denken und Handelns, oder aber Gott? Der Text warnt davor, dass irdischer Reichtum das Herz von Gott ablenkt.

Vers 25–34: Jesus ermutigt seine Jüngerinnen und Jüngern.be Sie sollen sich ganz auf die Gottesherrschaft konzentrieren. Sie sollen sich nicht ablenken lassen von Sorgen um ihren täglichen Bedarf, denn Gott sorgt für sie wie für die Vögel und die Blumen.

Im Zusammenhang der Bergpredigt verstärken Vers 25–34 die Warnung aus Vers 19–24, dass die Sorge um irdischen Besitz den Blick verstellen kann auf Gottes gutes Wirken.


jDiese Formulierung entspricht natürlich dem „herausposaunen“ - „rede nicht darüber, was (wie viel) du gespendet hast“ (Zurück zu v.2)
kperfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f) (Zurück zu v.2)
lGemeint ist wohl: linke Hand (Zurück zu v.3)
mperfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f) (Zurück zu v.5)
neventl. konativ „wenn du ... möchtes“(Haubeck/Siebthal 2007, 29) (Zurück zu v.6)
oIhr steht im Griechischen betont am Ende des Satzes und grenzt so die Jünger von den „plappernden Heuchlern“ ab (Hagner 1993, S. 147): Im Gegensatz zu diesen sollen die Jünger „folgendermaßen beten“. (Zurück zu v.9)
p im Himmel - W. „in den Himmeln“; idiomatischer Plural, der sich häufiger im NT findet (wohl ein Semitismus). In der LF sollte mit Einzahl übersetzt werden. (Zurück zu v.9)
qUnser Vater im Himmel - Man geht gemeinhin davon aus, dass die auf Griechisch überlieferten Formen des Vaterunsers auf eine ursprünglich aramäische Überlieferung zurückgehen. Vermutlich liegt Mt 6,9 (Unser Vater im Himmel, gr. Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς) und Lk 11,2 (schlicht „Vater“, gr. Πάτερ) das aramäische und für Jesus typische אַבָּא ´Abba „Vater“ zu Grunde (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“, wie öfter zu lesen ist; vgl. Barr 1988). Das bedeutet: Die matthäische Version ist sowohl (1) um ἡμῶν unser als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς im Himmel angereichert. Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „Unser Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z. B. das „Unser Vater, unser König) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater im Himmel“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).
Die Frage nach der sinnvollsten Übersetzung ist schwierig: Eigentlich ist weder das evangelische „unser Vater“ noch das katholische „Vater unser“ korrektes Deutsch, da das Deutsche Vokative nicht mit Pronomina konstruiert - außer in geprägten Wendungen wie „Eure Majestät“ und eben „Vater unser“. Die Wortstellung in „Vater unser“ ist zudem zwar nicht „grammatikalisch falsch“ (Luz 1985, S. 333), aber veraltet, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen. Wie also übersetzen? Für jede mögliche Übersetzung - (1) Unser Vater im Himmel, (2) Unser Vater im Himmel, (3) Vater unser im Himmel - lässt sich sinnvoll argumentieren. Zum Beispiel: (1) ist das beste Deutsch und erfüllt die gleiche Funktion wie das griechische „Unser Vater im Himmel“, da es im Deutschen ja auch ohne dieses Pronomen ein „liturgietaugliches Gemeindegebet“ wäre. Andererseits wäre (3) gerade als geprägte und veraltete Wendung stilistisch am nähsten am Griechischen. Und (2) ist ein sinnvoller Mittelweg zw. natürlichem Deutsch und Treue zum Griechischen. Letztlich ist wohl jede dieser Übersetzungen gleichermaßen möglich. (Zurück zu v.9)
rMöge - Imperativ Aorist; die griechische Standard-Verbform für Gebete (die sonst keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat; vgl. Grosvenor/Zerwick u. a.): Wieder - wie schon in Vater unser im Himmel - greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“ (Zurück zu v.9 / zu v.10)
sMöge dein Name geheiligt werden - jüdisches Idiom. Inhaltlich bedeutet es etwa „Gottes Willen tun“, „Gottes Geboten folgen“ (vgl. z. B. B/S I, S. 411-4; ThWNT I, S. 99; Lohfink 2015, S. 10f; Oakman 1999, S. 161-164)* - eine Tätigkeit, der man missionarische Wirksamkeit zusprach (für ein schönes Bsp. s. Lazarus 1922, S. 43f): „[Es] entstand nun die zwar schon im AT mehrfach belegte [s. v.a. Lev 22,31f], aber in ihrer Reinheit erst in der späteren jüdischen Litteratur vorkommende Anschauung, dass man durch ein sittliches Leben, ja durch jede sittliche Handlungsweise den Namen Gottes heilige, d.h. ihm Ehre mache und damit zu seiner Anerkennung unter den Menschen beitrage“ (Perles 1903, S. 68). Noch heute ist dieses Kiddusch Haschem, die „Heiligung des Namens“, eines der zentralsten jüdischen Gebote überhaupt (s. z.B. Eisenberg 2005, S. 12f).

Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass Gott das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.
V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = seinen Geboten folgen und so auch andere mit dieser Gesetzestreue anstecken sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll.

*Ein sehr schönes Beispiel ist die jüdische Tradition, der zufolge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264). (Zurück zu v.9)
tKönigtum (Königsherrschaft, Königreich) - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das Faktum der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ad loc. Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c. (Zurück zu v.10)
ukommen - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten. (Zurück zu v.10)
vwie im Himmel so auch auf der Erde - Cullmann 1997 und schon einige vor ihm haben erwogen, ob sich „wie im Himmel, so auch auf der Erde“ auch deuten ließe als „sowohl im Himmel als auch auf der Erde“; dagegen aber gut z. B. Lohfink 1989, S. 123. Gottes Wille soll auf Erden ebenso geschehen, wie er im Himmel geschieht. (Zurück zu v.10)
wBrot (Essen) - „Brot“ steht in der Bibel häufig pars pro toto für Nahrung i.A., da das Gros der Mahlzeiten im Alten Israel nur aus Brot und Wasser bestand. So auch hier, vgl. ad loc. Arichea 1980, S. 221; Luz 1985, S. 347; Schürmann 1958, S. 63; Schweizer 1981, s. 97 (Zurück zu v.11)
xkommend (notwendig, heutig, das auf uns kommt) - Das griechische Wort ἐπιούσιος epiusios ist umstritten. Es findet sich nur hier, in der lk Parallelstelle Lk 11,3 und wahrscheinlich auf einem alten Papyrus, der überdies mittlerweile wieder verloren gegangen ist. Die Bedeutung des Wortes muss daher erschlossen werden, indem man rekonstruiert, von welchen griechischen Worten es sich herleitet:
  1. von ἔπι + ιέναι: kommend (i.S.v. nächster), morgig. Dieser Ableitung folgen heute die meisten und sie ist die unproblematischste.
    (1a) Das ἄρτος ἐπιούσιος wäre dann das „kommende Brot“ und würde sich nachmittags oder abends geäußert auf den morgigen Tag und morgens geäußert auf den kommenden Tag beziehen.
    (1b) Alternativ haben einige vorgeschlagen, „kommend“ als künftig zu verstehen; das „künftige Brot“ wäre dann das Himmelsbrot, das am Ende der Zeit verspeist wird (s. Lk 14,15): Auch „Unser künftiges Brot gib uns heute“ wäre dann eine Bitte um den Anbruch der Gottesherrschaft am Ende der Zeit. Allerdings störte hier dann das „unser“ (Luz 1985, S. 342; Vögtle 1975, S. 350).
    (1c) Orchard 1973 und Hultgren 1990 haben außerdem vorgeschlagen, mit dem „kommenden Brot“ sei das „Brot, das uns begegnet“ gemeint, sind damit aber zu Recht auf keinen großen Anklang gestoßen.
  2. von ἔπι + οὐσία: für die Existenz, notwendig. Allerdings würde bei dieser Wortbildung das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342f) und das extra betonte „heute“ wäre redundant (Hagner 1993, S. 149)
  3. vom Ausdruck ἔπι την οὖσαν ἡμέραν: für den heutigen Tag, aber auch hier müsste das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342) und das „heute“ wäre überflüssig (Hagner 1993, S. 149); außerdem ist οὖσαν ohne ἡμέραν nie für „heutig“ belegt (Luz 1985, S. 342).
Es läuft also deutlich auf „morgig“ hinaus. Dafür spricht auch stark, dass laut Hieronymus im alten Hebräerevangelium מחר machar („morgen“) gestanden hatte. Es passt außerdem zur Verkündigung Jesu, der sich ja ausgesprochen (auch) an die Armen - die sich eben nicht sicher sein konnten, ob sie am nächsten Tag Arbeit finden und so ihr Brot verdienen würden - wandte (so z. B. Heininger 2002, S. 197f; Klauck in seinen Vorlesungen zum Mt-Ev.), und ebenso passt es zur Situation der Wanderprediger, durch die (in der Spruchquelle Q) das Vaterunser tradiert wurde und die gleichfalls nicht sicher sein konnten, ob sie am kommenden Tag ausreichend Nahrung erhalten würden (vgl. z.B. Heininger 2002, S. 197; Lohfink 2015, S. 8f). (Zurück zu v.11)
ySchulden (Schuld, Sünden) - Das Griechische ofeilemata bezeichnet eigentlich nur Geldschulden. Es ist dies ein Aramäismus: das aramäische choba´ meint sowohl Geldschulden als auch Sünden (so fast alle Exegeten). Arichea 1980, S. 222 empfiehlt die Übersetzung der Good News: „Die Fehler, die wir getan haben... denen, die an uns gefehlt haben“. (Zurück zu v.12)
zvergeben haben (vergeben) - Einigen Exegeten scheint es merkwürdig, dass hier die Vergebung durch die Menschen offenbar zur Bedingung der Vergebung Gottes gemacht wird („wie auch wir vergeben haben); sie gehen daher davon aus, dass hinter diesem Aorist ein semitisches Perfekt gestanden habe, das sowohl Vergangenheits- als auch Gegenwartsbedeutung haben kann und man also übersetzen müsste: „wie auch wir vergeben(so z. B. Grimm 1992, S. 93; Jeremias 1971, S. 195; Kistemaker 1978, S. 324; Luz 1985, S. 348; Stöger 1980b, S. 102). Das ist abzulehnen; Vv. 14f machen klar, dass in diesem Kontext die Vergebung der Menschen tatsächlich als Bedingung für die Vergebung Gottes gedacht wird (Hagner 1993, S. 150f; Lambrecht 1984, S. 137). (Zurück zu v.12)
aaführe (lass nicht zu, dass wir geraten), Versuchung (Tests), Bösen - Bei V. 13 arbeitet die Exegese sich v.a. an der Ambivalenz der beiden Ausdrücke (1) εἰσενέγκῃς εἰς πειρασμόν und (2) ἀπὸ τοῦ πονηροῦ ab.
(1a) πειρασμός heißt meist „Versuchung“ und bezieht sich dann auf das Streben Satans, den Gläubigen von seinem Glauben und seine Rechtschaffenheit abzubringen. Oder, (1b): Nach altjüdischer Vorstellung bringt Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen, damit dieser sich in diesen „Tests“ als rechter Gottesdiener bewähren kann (vgl. z. B. Gen 22,1; Ex 16,4; Ri 3,1-4; Ps 26,2; Sir 2,1); alternativ könnte sich πειρασμός auf diese „Tests“ beziehen (vgl. EWNT III, S. 153: „Je nach Intention differenziert sich der Test positiv als Bewährungsprobe, negativ als Verleiten zum Fall. [...] Überwiegend ist eine Belastung und Bedrohung durch Menschen oder Mächte (vgl. „Drangsal, Verfolgung, Fallstricke“ usw.) gemeint [...].“).

Damit hängt zusammen die richtige Deutung von πονηρός: Hier könnte πονηρός sowohl (2a) als Maskulinum gedeutet werden und dann „den Bösen“ meinen - also den Teufel, oder aber (2b) als Neutrum und dann „das Böse“=Unheil meinen.
Kombiniert man die beiden (a)- und die beiden (b)-Deutungen, ergäbe das also:

  • (a) Versuche uns nicht (=strebe nicht danach, uns vom Glauben abzubringen); / rette uns vor dem Satan
  • (b) Unterziehe uns keinen Tests; / bewahre uns vor Unheil

Das Problem von Deutung (a) wäre, dass dann ja Gott der Aktant der (satanischen) Versuchung wäre. In der Regel behilft man sich dann damit, εἰσφέρω zu erklären als eine Fehlübersetzung eines aramäischen Verbs im Aphel-Stamm, das eigentlich permissive Bedeutung gehabt habe: „Lass nicht zu, dass wir [von Satan] versucht werden“ (z. B. de Moor 1988; Jeremias 1971; Jenni 1997b; Kistemaker 1978; Tournay 1998; Schnackenburg 1984; ähnlich Torrey 1933), also:

  • (a') Lass nicht zu, dass wir versucht werden / rette uns vor dem Satan
Gegen (a') spricht: Eine Exegese auf Basis eines hypothetischen aramäischen Grundtexts ist sehr spekulativ und sollte daher stets letzte Wahl sein (vgl. Gielen 1998, S. 203; Heininger 2002, S. 201; Lambrecht 1984, S. 135); hier ist es überdies schlicht ein bewusstes Fehllesen des Texts (Fitzmyer 2003, S. 271). Zudem sollte man bei einer Übersetzung eines Aphel-Verbs eher ein griechisches Passiv-Verb erwarten und bei einer auf ein „Missverständnis“ zurückgehenden Fehlübersetzung außerdem (hier nicht vorhandene) Textvarianten (so gut Porter 1990, S. 360). Dass (a) problematisch ist, sieht man ja schon daran, dass so viele Exegeten sich veranlasst sahen, ob dieser Problematik stattdessen für (a') zu argumentieren. Berücksichtigt man dann noch die älteste Deutung dieser Bitte in 2Tim 4,18 („Der Herr wird mich retten vor jedem bösen Werk), die für (b) spricht, sollte man sich hier dann doch deutlich für diese Deutung entscheiden. (zu v.13)
abTextkritik: An das Vaterunser schließt sich in jüngeren Texten oft noch eine Doxologie an, die klar sekundär ist (u. a. daran zu erkennen, dass sie in unterschiedlichen Ausgestaltungen angehängt wird). Am verbreitetsten ist die Doxologie, die auch in unserem Vaterunser gebetet wird: „denn dein ist das Reich (also: Herrschaft, Königtum) und die Kraft (besser: Macht) und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“; sie ist vermutlich abgeleitet von 1Chr 29,11 (Gnilka 1986, S. 228). Es ist dennoch keine Verfälschung, wenn wir das Vaterunser inklusive dieser sekundären Doxologie beten: Gebete wurden früher stets durch eine meist frei zu formulierende Doxologie abgeschlossen (vgl. 2Tim 4,18; Did 8,2 („denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit, Amen“) und ad loc. z. B. Luz 1985, S. 349f; Schweizer 1981, S. 93); besagtes „denn dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“ ist sehr wahrscheinlich eine dieser frei formulierten Doxologien, die später standardisiert und angehängt wurden. (Zurück zu v.13)
acDiese Übersetzung ist sehr frei und gehört eigentlich in die Lesefassung: Macht keine trüben Gesichter wie die Heuchler, wenn ihr fastet, denn deren Gesichter sind verstellt um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten. (Zurück zu v.16)
adwörtlich: mit finsterem Blick/ traurig/mürrisch dreinschauend (Zurück zu v.16)
aeἀφανίζω bildet ein Wortspiel mit φαίνομαι, vgl. Jakobus 4,14, und heißt wörtlich unsichtbar machen. Da das Verb in Vers 19 wieder aufgenommen wird, habe ich nach einer Übersetzung gesucht, die für beide passt. Gemeint ist, dass diese Fastenden sich nicht waschen und ihr Gesicht daher unter einer dicken Schicht Dreck "verschwinden lassen" (Zurück zu v.16)
afwörtlich: damit sie den Leuten als Fastende erscheinen (Zurück zu v.16)
agnämlich dadurch, dass die Leute ihr Fasten bemerkt haben - d.h. sie haben um der Anerkennung durch die Leute willen gefastet, nicht um Gottes willen (Zurück zu v.16)
ahperfektisches Präs. also auch möglich: „sie haben den Lohn (damit schon) erhalten“(Haubeck/Siebthal 2007, 28f) (Zurück zu v.16)
aidas ist zu frei übersetzt: du bei den Menschen nicht den falschen Eindruck erweckst, dass du ein Fastender bist, sondern zu deinem verborgenen Vater, der dir im Verborgenen zusieht und dir vergibt (vergilt) (Zurück zu v.18)
ajwörtl.: damit du nicht den Leuten als Fastender erscheinst (Zurück zu v.18)
akKollektiver Singular (Zurück zu v.19)
aldas Griechische Wort βρώσις bedeutet eigentlich Speise (seit Homer); hier meint es das Zerfressen, Zernagen. Gemeint ist ein fressendes Insekt, wohl der Holzwurm, der die Holzkisten zerstört, in denen die Schätze aufbewahrt sind. Keinesfalls ist damit Rost gemeint, denn Gold, Silber oder Edelsteine können nicht von Kupferrost oder Grünspan befallen werden. Vgl. Dazu Ulrich Luz, EKK I/1, S. 464, Anm. 15 (Zurück zu v.19)
amwörtl.: durchgraben (von Lehmwänden), aber der Begriff ist zum t.t. für "einbrechen" geworden. (Zurück zu v.19)
anKollektiver Singular (Zurück zu v.20)
aoἐστιν: 3.Sg. Präsenz akt. (Zurück zu v.21)
apἔσται: 3.Sg. Futur med. (Zurück zu v.21)
aqheißt: „niemand kann“ bzw. „niemandem ist es möglich“ (Zurück zu v.24)
arIn manchen Handschriften fehlt das Trinken (ἢ τί πίητε), das SBLGNT lässt es weg, NA27 setzt es in Klammern. (Zurück zu v.25)
asKoll. Singular (Zurück zu v.25)
at„Mehr wert sein“ ist keine wörtliche Übersetzung, aber natürlich die Bedeutung von „διαφέρετε αὐτῶν“, „sich von ihnen unterscheiden“ (Zurück zu v.26)
auD.h. „sein Leben auch nur ein bisschen verlängern“ bzw. „einen Tag hinzufügen“. (Zurück zu v.27)
avKoll. Singular „um Kleideung“ (Zurück zu v.28)
awFeldblumen. „Lilien“ ist nicht gesichert. (Zurück zu v.28)
axPars pro toto für „machen sich Kleider“ (Zurück zu v.28)
ayHier sind sich die Quellen uneinig: Einige Quellen lesen hier βασιλείαν τοῦ θεοῦ (die gewählte Übersetzung), andere lassen τοῦ θεοῦ weg, wieder andere lesen βασιλείαν των ουρανων (also „Himmelreich“). (Zurück zu v.33)
azFrei übersetzt: „dafür werden euch alle anderen Dinge gegeben werden“ (Zurück zu v.33)
baDer Versuch, einer wörtlicheren Wiedergabe: „Das dem [einzelnen] Tag zugehörige Schlechte ist genug.“ (Zurück zu v.34)
bb(Luz 52002, S. 416 und 428ff.) (Zurück zum Text: bb)
bc(Luz 52002, S. 457) (Zurück zum Text: bc)
bd(Luz 52002, S. 470f.) (Zurück zum Text: bd)
be(Luz 52002, S. 481f.) (Zurück zum Text: be)