Matthäus 6: Unterschied zwischen den Versionen

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''im Himmel'' - W. „in den Himmeln“; idiomatischer Plural, der sich häufiger im NT findet (wohl ein Semitismus). In der LF sollte mit Einzahl übersetzt werden.</ref><ref>''Unser Vater im Himmel'' - Man geht gemeinhin davon aus, dass die auf Griechisch überlieferten Formen des Vater Unsers auf eine ursprünglich aramäische Überlieferung zurückgehen. Vermutlich liegt [[Matthäus 6#s9 |Mt 6,9]] (''Unser Vater im Himmel'', gr. Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς) und [[Lukas 11#s2|Lk 11,2]] (schlicht „Vater“, gr. Πάτερ) das aramäische und für Jesus typische {{hebr}}אַבָּא{{hebr ende}} ''´Abba'' „Vater“ zu Grunde (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“, wie öfter zu lesen ist; vgl. Barr 1988). Das bedeutet: Die matthäische Version ist sowohl (1) um ἡμῶν ''unser'' als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς ''im Himmel'' angereichert. Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „''Unser'' Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z. B. das „[http://www.talmud.de/tlmd/avinu-malkenu/ Unser Vater, unser König]“) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater ''im Himmel''“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).<br />
 
''im Himmel'' - W. „in den Himmeln“; idiomatischer Plural, der sich häufiger im NT findet (wohl ein Semitismus). In der LF sollte mit Einzahl übersetzt werden.</ref><ref>''Unser Vater im Himmel'' - Man geht gemeinhin davon aus, dass die auf Griechisch überlieferten Formen des Vater Unsers auf eine ursprünglich aramäische Überlieferung zurückgehen. Vermutlich liegt [[Matthäus 6#s9 |Mt 6,9]] (''Unser Vater im Himmel'', gr. Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς) und [[Lukas 11#s2|Lk 11,2]] (schlicht „Vater“, gr. Πάτερ) das aramäische und für Jesus typische {{hebr}}אַבָּא{{hebr ende}} ''´Abba'' „Vater“ zu Grunde (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“, wie öfter zu lesen ist; vgl. Barr 1988). Das bedeutet: Die matthäische Version ist sowohl (1) um ἡμῶν ''unser'' als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς ''im Himmel'' angereichert. Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „''Unser'' Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z. B. das „[http://www.talmud.de/tlmd/avinu-malkenu/ Unser Vater, unser König]“) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater ''im Himmel''“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).<br />
 
Die Frage nach der sinnvollsten Übersetzung ist schwierig: Eigentlich ist weder das evangelische „unser Vater“ noch das katholische „Vater unser“ korrektes Deutsch, da das Deutsche Vokative nicht mit Pronomina konstruiert - außer in geprägten Wendungen wie „Eure Majestät“ und eben „Vater unser“. Die Wortstellung in „Vater unser“ ist zudem zwar nicht „grammatikalisch falsch“ (Luz 1985, S. 333), aber veraltet, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen. Wie also übersetzen? Für jede mögliche Übersetzung - (1) ''<s>Unser</s> Vater im Himmel'', (2) ''Unser Vater im Himmel'', (3) ''Vater unser im Himmel'' - lässt sich sinnvoll argumentieren. Zum Beispiel: (1) ist das beste Deutsch und erfüllt die gleiche Funktion wie das griechische „''Unser'' Vater im Himmel“, da es im Deutschen ja auch ohne dieses Pronomen ein „liturgietaugliches Gemeindegebet“ wäre. Andererseits wäre (3) gerade als geprägte und veraltete Wendung stilistisch am nähsten am Griechischen. Und (2) ist ein sinnvoller Mittelweg zw. natürlichem Deutsch und Treue zum Griechischen. Letztlich ist wohl jede dieser Übersetzungen gleichermaßen möglich.</ref>,{{par|Weisheit|14|3}}{{par|Jesaja|63|16}}{{par|Jesaja|64|7}}{{par|Jeremia|3|19}}{{par|Markus|11|25}}{{par|Markus|14|36}}{{par|3Makkabäer|6|3}}{{par|3Makkabäer|6|8}}<br />
 
Die Frage nach der sinnvollsten Übersetzung ist schwierig: Eigentlich ist weder das evangelische „unser Vater“ noch das katholische „Vater unser“ korrektes Deutsch, da das Deutsche Vokative nicht mit Pronomina konstruiert - außer in geprägten Wendungen wie „Eure Majestät“ und eben „Vater unser“. Die Wortstellung in „Vater unser“ ist zudem zwar nicht „grammatikalisch falsch“ (Luz 1985, S. 333), aber veraltet, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen. Wie also übersetzen? Für jede mögliche Übersetzung - (1) ''<s>Unser</s> Vater im Himmel'', (2) ''Unser Vater im Himmel'', (3) ''Vater unser im Himmel'' - lässt sich sinnvoll argumentieren. Zum Beispiel: (1) ist das beste Deutsch und erfüllt die gleiche Funktion wie das griechische „''Unser'' Vater im Himmel“, da es im Deutschen ja auch ohne dieses Pronomen ein „liturgietaugliches Gemeindegebet“ wäre. Andererseits wäre (3) gerade als geprägte und veraltete Wendung stilistisch am nähsten am Griechischen. Und (2) ist ein sinnvoller Mittelweg zw. natürlichem Deutsch und Treue zum Griechischen. Letztlich ist wohl jede dieser Übersetzungen gleichermaßen möglich.</ref>,{{par|Weisheit|14|3}}{{par|Jesaja|63|16}}{{par|Jesaja|64|7}}{{par|Jeremia|3|19}}{{par|Markus|11|25}}{{par|Markus|14|36}}{{par|3Makkabäer|6|3}}{{par|3Makkabäer|6|8}}<br />
Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - Imperativ Aorist; die griechische Standard-Verbform für Gebete (die sonst keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat; vgl. Grosvenor/Zerwick u. a.): Wieder - wie schon in ''Vater unser im Himmel'' - greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du) geheiligt <ref>''Möge dein Name geheiligt werden'' - „Den Namen Gottes heiligen“ ist ein jüdisches Idiom und bedeutet in etwa „Gott als Herrn anerkennen und deshalb seinen Willen tun“; vgl. z. B. [https://archive.org/stream/kommentarzumneue01stra#page/411/mode/1up B/S I, S. 411-4]; ThWNT I, S. 99; [http://www.jewishencyclopedia.com/articles/9309-kiddush-ha-shem JE: ḲIDDUSH HA-SHEM and ḤILLUL HASHEM]; Oakman 1999, S. 161-164. Vergleiche schon im AT [[Levitikus 22#s31 |Lev 22,31f]]. In späteren jüdischen Schriften taucht es noch häufiger auf. Ein sehr schönes Beispiel ist die jüdische Tradition, der zu Folge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264).<br />
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Möge (Mögest)<ref name="Möge">''Möge'' - Imperativ Aorist; die griechische Standard-Verbform für Gebete (die sonst keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat; vgl. Grosvenor/Zerwick u. a.): Wieder - wie schon in ''Vater unser im Himmel'' - greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“</ref> dein Name (du) geheiligt <ref>''Möge dein Name geheiligt werden'' - „Den Namen Gottes heiligen“ ist ein jüdisches Idiom und bedeutet in etwa „Gott als Herrn anerkennen und deshalb seinen Willen tun“; vgl. z. B. [https://archive.org/stream/kommentarzumneue01stra#page/411/mode/1up B/S I, S. 411-4]; ThWNT I, S. 99; [http://www.jewishencyclopedia.com/articles/9309-kiddush-ha-shem JE: ḲIDDUSH HA-SHEM and ḤILLUL HASHEM]; Oakman 1999, S. 161-164. Vergleiche schon im AT [[Levitikus 22#s31 |Lev 22,31f]]; doch das Idiom ist bes. in den ersten beiden Jhdd n. Chr. verbreitet. Ein sehr schönes Beispiel ist die jüdische Tradition, der zufolge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264). Dahinter steht wohl die Vorstellung, dass die konsequente Befolgung der göttlichen Gebote sozusagen „missionarisch wirksam“ sei (für ein sehr schönes Bsp. s. [http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/4088447 Lazarus 1922, S. 43f]) und auf diese Weise zur Durchsetzung der Herrschaft Gottes auf Erden (s. nächste FN) beitrage.<br />
 
Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass ''Gott'' das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.<br />
 
Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass ''Gott'' das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.<br />
 
V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = ihn als Herrscher anerkennen und seinen Geboten folgen sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll.</ref> werden.{{par|Jesaja|29|23}}{{par|1Petrus|3|15}}{{par|Philipper|2|10}}<br />
 
V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = ihn als Herrscher anerkennen und seinen Geboten folgen sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll.</ref> werden.{{par|Jesaja|29|23}}{{par|1Petrus|3|15}}{{par|Philipper|2|10}}<br />

Version vom 30. November 2014, 16:51 Uhr

Syntax ungeprüft

SF ungeprüft.png
Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Matthäus 6)

12345678

9Ihr sollt deshalb so beten:

Himmlischer Vater, sei du unser Herr und lasse uns deinen Willen tun.

10 Sei du der Herrscher der Welt.
Was du möchtest, soll geschehen — im Himmel und auf der Erde.

11 Gib uns heute genug zu essen 12 und vergib unsere Sünden,

wie auch wir denen vergeben haben, die sich an uns versündigt haben.

13 Bewahre uns vor der Versuchung,

und rette uns vor dem Bösen.


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Anmerkungen

Studienfassung (Matthäus 6)

1Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden, sonst werdet ihr keinen Lohn beim Vater eurer haben, dem in den Himmeln. 2Wenn du aus Barmherzigkeit spenden möchtest, dann rede nicht darüber, was (wie viel) du gespendet hast, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, um {sie} von den Menschen verherrlicht zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn. 3Du aber, wenn du schon Gaben aus Barmherzigkeit spendest, so lass deine Linke [Hand] nicht wissen, was deine Rechte [Hand] tut, 4damit deine Spenden anonym bleiben, dann wird dein Vater, der verborgen zusieht, dir vergeben (vergelten). 5Und auch beim Beten seid nicht wie die Heuchler, denn sie beten gerne so, dass es jeder sieht, ob stehend in den Synagogen und an Ecken der Hauptstraßen (der breiten Straßen), um von allen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten. 6Du hingegen, wenn du betest, geh nach Hause und schließe hinter dir die Tür zu, bete zu deinem Vater, der Verborgen ist, dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergeben (vergelten, deine Gebete erhören) 7 Wenn ihr betet, dann betet nicht immer mit den gleichen Worten (monoton), so wie es die Leute tun aus den Nationen, die denken, dass ihre Gebete erhört werden aufgrund der vielen Worte. 8Tut nicht das Gleiche, bevor ihr anfangt zu beten, denn euer Vater weiß, welche Dinge benötigt werden von jedem Einzelnen. 9 Ihra sollt daher (also) folgendermaßen beten:


(Du) Unser Vater {der} im Himmelbc,
Möge (Mögest)d dein Name (du) geheiligt e werden.

10 Möged dein Königtum (Königsherrschaft, Königreich)f kommeng.
Möged dein Wille geschehen - wie im Himmel so auch auf der Erdeh.

11Unser Brot (Essen)i für den kommenden Tag (unser notwendiges Brot, unser heutiges Brot, unser Brot, das auf uns kommt)j gib uns heute
12und vergib uns unsere Schulden (Schuld, Sünden)k,

wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben (vergeben)l.

13Und führe (lass nicht zu, dass wir geraten)m uns nicht in Versuchung (Tests)m,

sondern rette (erlöse) uns von dem Bösenm.n


14Denn wenn ihr den anderen Menschen vergebt, wird auch der himmlische Vater euch vergeben. 15Wenn nicht, dann vergibt euer Vater euch auch nicht. 16Macht keine trüben Gesichter wie die Heuchler, wenn ihr fastet, denn deren Gesichter sind verstellt um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn erhalten. 17Du aber, öle deinen Kopf ein und wasche dein Gesicht, wenn du fastest, 18damit du bei den Menschen nicht den falschen Eindruck erweckst, dass du ein Fastender bist, sondern zu deinem verborgenen Vater, der dir im Verborgenen zusieht und dir vergibt (vergeltet). 19Hört auf, euch Schätze auf der Erde zu anzusammeln (aufzuhäufen), die von Motte und Rost vernichtet (verzehrt) und wo Diebe einbrechen und stehlen. 20Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf, wo weder Motte noch Rost [sie] verzehren und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Wo dein Schatz (Lagerhaus, Speicher) isto, da (dort) wirdp dein Herz sein. 22Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn in Wirklichkeit das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist diese Finsternis! 24Niemand kann ein Sklave von zwei Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Materialismus (Reichtums, Kapitalismus, Mammon) sein. 25Deswegen (Darum) sage ich euch: Seid nicht besorgt (beunruhigt) um euer Leben (eure Seele), was ihr essen oder was ihr trinken solltq, oder um euren Körper, über das, was ihr anziehen sollt. Bedeutet das Leben (die Seele) nicht mehr als das Essen (die Speise) und der Körper mehr als die Kleidung? 26Seht (Schaut, Beobachtet) [euch] die Vögel des Himmels an, denn sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie [etwas] ([Vorräte]) in Vorratshäuser (Scheunen); aber euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert (wertvoller) als sie? 27Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt (mit seinem Sorgen), an sein Lebensalter eine Elle anfügenr? 28Und über die Kleidung (Auch was Die Kleidung betrifft), was sorgt (beunruhigt) ihr euch (warum macht ihr euch Sorgen)? Beobachtet (Lernt von den) die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: weder mühen (quälen) sie sich noch spinnen sie; 29{doch} ich sage euch, dass nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit (Pracht) wie eine von diesen bekleidet war. 30Wenn {nun (aber)} Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er] euch nicht viel mehr [kleiden], ihr Kleingläubigen? 31Also (Deswegen) sorgt euch nicht, indem (und) ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen? 32Denn nach allen diesen Dingen streben (suchen, trachten) die Völker (Nationen, Heiden). Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge braucht (nötig habt). 33 Sucht {aber} zuerst das Reich Gottes (die Gottesherrschaft)s und seine Gerechtigkeit, und all dies (andere) wird euch hinzugefügt werden.t34 Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag (morgen, den nächsten Tag), denn der morgige Tag (morgen, der nächste Tag) wird für sich selbst sorgen (bringt seine eigenen Sorgen mit): [Jeder] Tag hat genug eigenes Schlechtes (Übel).u

Anmerkungen

aIhr - Gr. ὑμεῖς ihr steht hier betont am Ende des Satzes und grenzt so die Jünger von den „plappernden Heuchlern“ ab (Hagner 1993, S. 147): Im Gegensatz zu diesen sollen die Jünger „folgendermaßen beten“. (Zurück zu v.9)
b im Himmel - W. „in den Himmeln“; idiomatischer Plural, der sich häufiger im NT findet (wohl ein Semitismus). In der LF sollte mit Einzahl übersetzt werden. (Zurück zu v.9)
cUnser Vater im Himmel - Man geht gemeinhin davon aus, dass die auf Griechisch überlieferten Formen des Vater Unsers auf eine ursprünglich aramäische Überlieferung zurückgehen. Vermutlich liegt Mt 6,9 (Unser Vater im Himmel, gr. Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς) und Lk 11,2 (schlicht „Vater“, gr. Πάτερ) das aramäische und für Jesus typische אַבָּא ´Abba „Vater“ zu Grunde (nicht: „Papa“ oder gar „Papi“, wie öfter zu lesen ist; vgl. Barr 1988). Das bedeutet: Die matthäische Version ist sowohl (1) um ἡμῶν unser als auch (2) um ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς im Himmel angereichert. Die Intention dahinter war wohl, das schlichte „Vater“ beizubehalten und gleichzeitig „liturgietauglich“ zu machen: „Unser Vater“ findet sich häufiger in jüdischen Gebeten (s. z. B. das „Unser Vater, unser König) und war wohl charakteristisch für Gemeindegebete (Grimm 1992, S. 26; Gundry 1994, S. 105; Lambrecht 1984, S. 128f). Ähnliches gilt für „Vater im Himmel“, das sich ebenfalls häufiger in jüdischen Gebeten fand: „Wo immer die Rabbinen von Gott als dem Vater sprachen, führten sie den Zusatz „himmlisch“ ein, weil ihnen die vertraulich-intime Anrede „Vater“ gegenüber Gott zu respektlos erschien.“ (Schnackenburg 1984, S. 111; so fast alle Exegeten).
Die Frage nach der sinnvollsten Übersetzung ist schwierig: Eigentlich ist weder das evangelische „unser Vater“ noch das katholische „Vater unser“ korrektes Deutsch, da das Deutsche Vokative nicht mit Pronomina konstruiert - außer in geprägten Wendungen wie „Eure Majestät“ und eben „Vater unser“. Die Wortstellung in „Vater unser“ ist zudem zwar nicht „grammatikalisch falsch“ (Luz 1985, S. 333), aber veraltet, ohne dabei einen bedeutungsmäßigen Unterschied zu machen. Wie also übersetzen? Für jede mögliche Übersetzung - (1) Unser Vater im Himmel, (2) Unser Vater im Himmel, (3) Vater unser im Himmel - lässt sich sinnvoll argumentieren. Zum Beispiel: (1) ist das beste Deutsch und erfüllt die gleiche Funktion wie das griechische „Unser Vater im Himmel“, da es im Deutschen ja auch ohne dieses Pronomen ein „liturgietaugliches Gemeindegebet“ wäre. Andererseits wäre (3) gerade als geprägte und veraltete Wendung stilistisch am nähsten am Griechischen. Und (2) ist ein sinnvoller Mittelweg zw. natürlichem Deutsch und Treue zum Griechischen. Letztlich ist wohl jede dieser Übersetzungen gleichermaßen möglich. (Zurück zu v.9)
dMöge - Imperativ Aorist; die griechische Standard-Verbform für Gebete (die sonst keine weitere temporalsemantische Bedeutung hat; vgl. Grosvenor/Zerwick u. a.): Wieder - wie schon in Vater unser im Himmel - greift Mt zurück auf ein „Gebetsidiom“. Vielleicht entspricht dem heute eher das deutsche Gebetsidiom „Wir bitten (dafür), dass...“? B/N zumindest übersetzen sehr gut mit „Lass uns...“ (Zurück zu v.9 / zu v.10)
eMöge dein Name geheiligt werden - „Den Namen Gottes heiligen“ ist ein jüdisches Idiom und bedeutet in etwa „Gott als Herrn anerkennen und deshalb seinen Willen tun“; vgl. z. B. B/S I, S. 411-4; ThWNT I, S. 99; JE: ḲIDDUSH HA-SHEM and ḤILLUL HASHEM; Oakman 1999, S. 161-164. Vergleiche schon im AT Lev 22,31f; doch das Idiom ist bes. in den ersten beiden Jhdd n. Chr. verbreitet. Ein sehr schönes Beispiel ist die jüdische Tradition, der zufolge das Königtum deshalb dem Stamm Juda zugefallen sei, weil Nachschom zur Zeit des Exodus Gottes Befehl, das Meer zu durchziehen, schon befolgte, bevor sich das Meer geteilt hatte und einfach in die Fluten sprang. Darauf spricht Gott: „Jener, der am Meer meinen Namen geheiligt hat, wird kommen und über Israel herrschen“ (Menn 1997, S. 264). Dahinter steht wohl die Vorstellung, dass die konsequente Befolgung der göttlichen Gebote sozusagen „missionarisch wirksam“ sei (für ein sehr schönes Bsp. s. Lazarus 1922, S. 43f) und auf diese Weise zur Durchsetzung der Herrschaft Gottes auf Erden (s. nächste FN) beitrage.

Alternativ gibt es zur Stelle heute recht häufig (1) die Interpretation, dass Gott das Subjekt der Heiligung seines Namens sei und dass die „Namensheiligung“ meine, dass er gegen die Entweihung seines Namens durch die Menschen vorgehe, indem er sich am Ende der Zeit als der Heilige offenbare, und v.a. in freieren Üss. (2) die Interpretation, dass „Gottes Namen heiligen“ schlicht meine „Gott preisen“. Aber beide Interpretationen berücksichtigen die Vorhandenheit des besagten Idioms nicht genug.

V. 9c meint so das selbe wie 10a und 10b; in allen drei Teilversen wird gebetet um die Herrschaft Gottes auf Erden, die aus drei verschiedenen Perspektiven in den Blick genommen wird: (9c) Aus der der Menschen, die Gottes Namen heiligen = ihn als Herrscher anerkennen und seinen Geboten folgen sollen, (10a) aus der der Herrschaft selbst, die sich auf der Erde durchsetzen soll (s. nächste FN) und (10b) aus der Gottes, dessen Wille sich auf der Erde durchsetzen soll. (Zurück zu v.9)
fKönigtum (Königsherrschaft, Königreich) - traditionell „Reich“, aber die Wendung „Reich Gottes“ hat seltenst räumliche Bedeutung, sondern meint das Faktum der Herrschaft Gottes; das dynamische Königtum Gottes im Vollzug (Jeremias 1971, S. 101; ad loc. Lambrecht 1984, S. 130 u.v.a.). Arichea 1980, S. 227 schlägt als kommunikative Üss. daher vor: (1) „Mögest du über uns herrschen“, (2) „Mögest du unser König sein“, (3) „Mögest du über alle Menschen herrschen“. V. 10a meint damit genau das selbe wie 9c. (Zurück zu v.10)
gkommen - In der Exegese geht man heute zumeist davon aus, dass Jesus das Königtum Gottes als mit seinem Auftreten bereits angebrochen, aber noch nicht vollends realisiert verstand (in der Theologie spricht man hier von der „Spannung von schon-jetzt und noch-nicht“). So muss wohl das „kommen“ erklärt werden: Der Beter soll um die völlige Realisierung der bereits angebrochenen Herrschaft Gottes bitten. (Zurück zu v.10)
hwie im Himmel so auch auf der Erde - Cullmann 1997 und schon einige vor ihm haben erwogen, ob sich „wie im Himmel, so auch auf der Erde“ auch deuten ließe als „sowohl im Himmel als auch auf der Erde“; dagegen aber gut z. B. Lohfink 1989, S. 123. Gottes Wille soll auf Erden ebenso geschehen, wie er im Himmel geschieht. (Zurück zu v.10)
iBrot (Essen) - „Brot“ steht in der Bibel häufig pars pro toto für Nahrung i.A., da das Gros der Mahlzeiten im Alten Israel nur aus Brot und Wasser bestand. So auch hier, vgl. ad loc. Arichea 1980, S. 221; Luz 1985, S. 347; Schürmann 1958, S. 63; Schweizer 1981, s. 97 (Zurück zu v.11)
jkommend (notwendig, heutig, das auf uns kommt) - Das griechische Wort ἐπιούσιος ist umstritten. Es findet sich nur hier, in der lk Parallelstelle Lk 11,3 und wahrscheinlich auf einem alten Papyrus, der überdies mittlerweile wieder verloren gegangen ist. Als Ableitungen wurden vorgeschlagen:
  1. von ἔπι + ιέναι: kommend (i.S.v. nächster), morgig. Dieser Ableitung folgen heute die meisten und sie ist die unproblematischste.
    (1a) Das ἄρτος ἐπιούσιος wäre dann das „kommende Brot“ und würde sich nachmittags oder abends geäußert auf den morgigen Tag und morgens geäußert auf den kommenden Tag beziehen.
    (1b) Alternativ haben einige vorgeschlagen, „kommend“ als künftig zu verstehen; das „künftige Brot“ wäre dann das Himmelsbrot, das am Ende der Zeit verspeist wird: Auch „Unser künftiges Brot gib uns heute“ wäre dann eine Bitte um den Anbruch der Gottesherrschaft am Ende der Zeit. Allerdings ist „Brot“ durchaus kein Wechselbegriff für das endzeitliche Mahl (Luz 1985, S. 342; Vögtle 1975, S. 350) und das „unser“ stört (ebd.; ebd.).
    (1c) Orchard 1973 und Hultgren 1990 haben außerdem vorgeschlagen, mit dem „kommenden Brot“ sei das „Brot, das uns begegnet“ gemeint, sind damit aber zu Recht auf keinen großen Anklang gestoßen.
  2. von ἔπι + οὐσία: für die Existenz, notwendig. Allerdings würde bei dieser Wortbildung das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342f) und das extra betonte „heute“ wäre redundant (Hagner 1993, S. 149)
  3. vom Ausdruck ἔπι την οὖσαν ἡμέραν: für den heutigen Tag, aber auch hier müsste das Iota ellidiert werden (Hemer 1984, S. 92; Luz 1985, S. 342) und das „heute“ wäre überflüssig (Hagner 1993, S. 149); außerdem ist οὖσαν ohne ἡμέραν nie für „heutig“ belegt (Luz 1985, S. 342).
Es läuft also deutlich auf „morgig“ hinaus. Dafür spricht auch stark, dass laut Hieronymus im alten Hebräerevangelium מחר morgen gestanden hatte. Es passt außerdem zur Verkündigung Jesu, der sich ja ausgesprochen (auch) an die Armen - die sich eben nicht sicher sein konnten, ob sie am nächsten Tag Arbeit finden und so ihr Brot verdienen würden - wandte (so z. B. Klauck in seinen Vorlesungen zum Mt-Ev.). (Zurück zu v.11)
kSchulden (Schuld, Sünden) - ὀφειλήματα sind im Griechischen eigentlich nur die Geldschulden. Es ist dies ein Aramäismus: das aramäische חוׂבָא meint sowohl Geldschulden als auch Sünden (so fast alle Exegeten). Arichea 1980, S. 222 empfiehlt die Übersetzung der Good News: „Die Fehler, die wir getan haben... denen, die an uns gefehlt haben“. (Zurück zu v.12)
lvergeben haben (vergeben) - Einigen Exegeten scheint es merkwürdig, dass hier die Vergebung durch die Menschen offenbar zur Bedingung der Vergebung Gottes gemacht wird („wie auch wir vergeben haben); sie gehen daher davon aus, dass hinter diesem Aorist ein semitisches Perfekt gestanden habe, das sowohl Vergangenheits- als auch Gegenwartsbedeutung haben kann und man also übersetzen müsste: „wie auch wir vergeben(so z. B. Grimm 1992, S. 93; Jeremias 1971, S. 195; Kistemaker 1978, S. 324; Luz 1985, S. 348; Stöger 1980b, S. 102). Das ist abzulehnen; Vv. 14f machen klar, dass in diesem Kontext die Vergebung der Menschen tatsächlich als Bedingung für die Vergebung Gottes gedacht wird (Hagner 1993, S. 150f; Lambrecht 1984, S. 137). (Zurück zu v.12)
mführe (lass nicht zu, dass wir geraten), Versuchung (Tests), Bösen - Bei V. 13 arbeitet die Exegese sich v.a. an der Ambivalenz der beiden Ausdrücke (1) εἰσενέγκῃς εἰς πειρασμόν und (2) ἀπὸ τοῦ πονηροῦ ab.
(1a) πειρασμός heißt meist „Versuchung“ und bezieht sich dann auf das Streben Satans, den Gläubigen von seinem Glauben und seine Rechtschaffenheit abzubringen. Oder, (1b): Nach altjüdischer Vorstellung bringt Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen, damit dieser sich in diesen „Tests“ als rechter Gottesdiener bewähren kann (vgl. z. B. Gen 22,1; Ex 16,4; Ri 3,1-4; Ps 26,2; Sir 2,1); alternativ könnte sich πειρασμός auf diese „Tests“ beziehen (vgl. EWNT III, S. 153: „Je nach Intention differenziert sich der Test positiv als Bewährungsprobe, negativ als Verleiten zum Fall. [...] Überwiegend ist eine Belastung und Bedrohung durch Menschen oder Mächte (vgl. „Drangsal, Verfolgung, Fallstricke“ usw.) gemeint [...].“).

Damit hängt zusammen die richtige Deutung von πονηρός: Hier könnte πονηρός sowohl (2a) als Maskulinum gedeutet werden und dann „den Bösen“ meinen - also den Teufel, oder aber (2b) als Neutrum und dann „das Böse“=Unheil meinen.
Kombiniert man die beiden (a)- und die beiden (b)-Deutungen, ergäbe das also:

  • (a) Versuche uns nicht (=strebe nicht danach, uns vom Glauben abzubringen); / rette uns vor dem Satan
  • (b) Unterziehe uns keinen Tests; / bewahre uns vor Unheil

Das Problem von Deutung (a) wäre, dass dann ja Gott der Aktant der (satanischen) Versuchung wäre. In der Regel behilft man sich dann damit, εἰσφέρω zu erklären als eine Fehlübersetzung eines aramäischen Verbs im Aphel-Stamm, das eigentlich permissive Bedeutung gehabt habe: „Lass nicht zu, dass wir [von Satan] versucht werden“ (z. B. de Moor 1988; Jeremias 1971; Jenni 1997b; Kistemaker 1978; Tournay 1998; Schnackenburg 1984; ähnlich Torrey 1933), also:

  • (a') Lass nicht zu, dass wir versucht werden / rette uns vor dem Satan
Gegen (a') spricht: Eine Exegese auf Basis eines hypothetischen aramäischen Grundtexts ist sehr spekulativ und sollte daher stets letzte Wahl sein (vgl. Gielen 1998, S. 203; Lambrecht 1984, S. 135); hier ist es überdies schlicht ein bewusstes Fehllesen des Texts (Fitzmyer 2003, S. 271). Zudem sollte man bei einer Übersetzung eines Aphel-Verbs eher ein griechisches Passiv-Verb erwarten und bei einer auf ein „Missverständnis“ zurückgehenden Fehlübersetzung außerdem (hier nicht vorhandene) Textvarianten (so gut Porter 1990, S. 360). Dass (a) problematisch ist, sieht man ja schon daran, dass so viele Exegeten sich veranlasst sahen, ob dieser Problematik stattdessen für (a') zu argumentieren. Berücksichtigt man dann noch die älteste Deutung dieser Bitte in 2Tim 4,18 („Der Herr wird mich retten vor jedem bösen Werk), die für (b) spricht, sollte man sich hier dann doch deutlich für diese Deutung entscheiden. (zu v.13)
nTextkritik: An das Vater Unser schließt sich in jüngeren Texten oft noch eine Doxologie an, die klar sekundär ist (u. a. daran zu erkennen, dass sie in unterschiedlichen Ausgestaltungen angehängt wird). Am verbreitetsten ist die Doxologie, die auch in unserem Vater Unser gebetet wird: „denn dein ist das Reich (also: Herrschaft, Königtum) und die Kraft (besser: Macht) und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“; sie ist vermutlich abgeleitet von 1Chr 29,11 (Gnilka 1986, S. 228). Es ist dennoch keine Verfälschung, wenn wir das Vater Unser inklusive dieser sekundären Doxologie beten: Gebete wurden früher stets durch eine meist frei zu formulierende Doxologie abgeschlossen (vgl. 2Tim 4,18; Did 8,2 („denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit, Amen“) und ad loc. z. B. Luz 1985, S. 349f; Schweizer 1981, S. 93); besagtes „denn dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“ ist sehr wahrscheinlich eine dieser frei formulierten Doxologien, die später standardisiert und angehängt wurden. (Zurück zu v.13)
oἐστιν: 3.Sg. Präsenz akt. (Zurück zu v.21)
pἔσται: 3.Sg. Futur med. (Zurück zu v.21)
qIn manchen Handschriften fehlt das Trinken (ἢ τί πίητε), das SBLGNT lässt es weg, NA27 setzt es in Klammern. (Zurück zu v.25)
rD.h. „sein Leben auch nur ein bisschen verlängern“. (Zurück zu v.27)
sHier sind sich die Quellen uneinig: Einige Quellen lesen hier βασιλείαν τοῦ θεοῦ (die gewählte Übersetzung), andere lassen τοῦ θεοῦ weg, wieder andere lesen βασιλείαν των ουρανων (also „Himmelreich“). (Zurück zu v.33)
tFrei übersetzt: „dafür werden euch alle anderen Dinge gegeben werden“ (Zurück zu v.33)
uDer Versuch, einer wörtlicheren Wiedergabe: „Das dem [einzelnen] Tag zugehörige Schlechte ist genug.“ (Zurück zu v.34)