Psalm 21: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|2}} <poem>JHWH, über deine Macht (Kraft) wird sich [der] König freuen können,<ref name=Tempus>Die Tempusfolge in Vv. 2-7 ist schwer erklärlich: X-Yiqtol (in 2b ist darüber hinaus die alternative Lesart X-Jussiv überliefert) in v. 2 – X-Qatal in v. 3 – ''ki'' Yiqtol-X in v. 4 – Qatal in v. 5 –  NS + X-Yiqtol in v. 6 – ''ki'' Yiqtol-X in v. 7.<br />Yiqtol wird i.d.R. zum Ausdruck des Futur und von Modalität verwendet (in der Wortstellung Yiqtol-X v.a. zum Ausdruck von Modalität), Qatal zum Ausdruck von Vergangenheit und Gegenwart, NS meist für Gegenwart, kann aber theoretisch für jede Zeitstufe stehen und muss hier wg. der Parallelität von vv. 2b und 6a wohl futurisch gedeutet werden. Übersetzte man mechanisch alle Zeilen als Hauptsätze, könnte dies recht eigentlich nur so gedeutet werden, dass Gott dem König ''bereits jetzt''  
 
{{S|2}} <poem>JHWH, über deine Macht (Kraft) wird sich [der] König freuen können,<ref name=Tempus>Die Tempusfolge in Vv. 2-7 ist schwer erklärlich: X-Yiqtol (in 2b ist darüber hinaus die alternative Lesart X-Jussiv überliefert) in v. 2 – X-Qatal in v. 3 – ''ki'' Yiqtol-X in v. 4 – Qatal in v. 5 –  NS + X-Yiqtol in v. 6 – ''ki'' Yiqtol-X in v. 7.<br />Yiqtol wird i.d.R. zum Ausdruck des Futur und von Modalität verwendet (in der Wortstellung Yiqtol-X v.a. zum Ausdruck von Modalität), Qatal zum Ausdruck von Vergangenheit und Gegenwart, NS meist für Gegenwart, kann aber theoretisch für jede Zeitstufe stehen und muss hier wg. der Parallelität von vv. 2b und 6a wohl futurisch gedeutet werden. Übersetzte man mechanisch alle Zeilen als Hauptsätze, könnte dies recht eigentlich nur so gedeutet werden, dass Gott dem König ''bereits jetzt''  
sein Begehr gewährt(e) (v. 3) und ewiges Leben verleiht/verlieh (v. 5), der König sich aber erst zukünftig über JHWHs Kraft freuen und über seine Rettung jubeln können wird (v. 2), wie auch dieser erst zukünftig Segnungen für ihn bereit hält (v. 4), ihn krönen (v. 4), mit Pracht, Ehre und Glanz ausstatten (v. 6), zum Segen machen und erfreuen wird (v. 7). Besonders verblüffend wäre dabei, dass dann gerade der allgemeinste Ausdruck in v. 3 im Qatal stünde, die meisten Ausfaltungen (?) von des Königs „Begehr“ aber im Yiqtol.<br />In Üss. und Kommentaren wird dies fast stets eingeebnet und durchgehend grammatisch ganz unzulässig mit Vergangenheit übersetzt. Ausnahmen sind Zuber 1986 und Buttenwieser 1922, wobei letzterer den ganzen Abschnitt wegen der vielen Yiqtols als ''Bittlied'' deutet und auch die beiden Qatal-Stellen futurisch übersetzt, was eher fern liegt, aber immer noch näher am MT ist, da dort die Yiqtolformen klar überwiegen (7 Yiqtols + 1 wohl futurischer NS auf 4 Qatals).<br />Am einfachsten erklärlich ist dies so, dass die X-Qatals vv. 3 und 5aα diese als kausale Nebensätze von vv. 2 und 5aβ.b markieren und die Realisierung des laut 5b bereits geschenkten ewigen Lebens qua ''ewigem'' Leben ebenso wie die anderen Segnungen erst noch aussteht.</ref>
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sein Begehr gewährt(e) (v. 3) und ewiges Leben verleiht/verlieh (v. 5), der König sich aber erst zukünftig über JHWHs Kraft freuen und über seine Rettung jubeln können wird (v. 2), wie auch dieser erst zukünftig Segnungen für ihn bereit hält (v. 4), ihn krönen (v. 4), mit Pracht, Ehre und Glanz ausstatten (v. 6), zum Segen machen und erfreuen wird (v. 7). Besonders verblüffend wäre dabei, dass dann gerade der allgemeinste Ausdruck in v. 3 im Qatal stünde, die meisten Ausfaltungen (?) von des Königs „Begehr“ aber im Yiqtol.<br />In Üss. und Kommentaren wird dies fast stets eingeebnet und durchgehend mit Vergangenheit übersetzt. Ausnahmen sind Zuber 1986 und Buttenwieser 1922, wobei letzterer den ganzen Abschnitt wegen der vielen Yiqtols als ''Bittlied'' deutet und auch die beiden Qatal-Stellen futurisch übersetzt, was eher fern liegt, aber immer noch näher am MT ist, da dort die Yiqtolformen klar überwiegen (7 Yiqtols + 1 wohl futurischer NS auf 4 Qatals).<br />Am einfachsten erklärlich ist dies so, dass die X-Qatals vv. 3 und 5aα diese als kausale Nebensätze von vv. 2 und 5aβ.b markieren und die Realisierung des laut 5b bereits geschenkten ewigen Lebens qua ''ewigem'' Leben ebenso wie die anderen Segnungen erst noch aussteht.</ref>
_Über deine Hilfe, wie wird er frohlocken können<ref name="Tempus" /> sehr,<ref>'''Textkritik''': ''wie ... sehr'': Beide Funktionswörter dienen der Emphase (vgl. statt „über deine Hilfe kann er frohlocken“: „Über deine Hilfe, ''wie'' kann er frohlocken!“ und „Über deine Hilfe kann er ''sehr'' frohlocken“). Derart gedoppelt wie hier finden sich die beiden Wörter sonst nirgends. MT wird auch nur von Tg gestützt; in LXX, VUL, Hier und Syr dagegen steht nur das zweite. Recht sicher ist diese Streichung von ''mah'' („wie“) eine nachträgliche Texterleichterung (so z.B. Kraus 1961, S. 168; anders z.B. Houbigant 1777, S. 14), die aber gleichzeitig anzeigt, dass MT so nicht ganz unproblematisch ist und daher nicht einfachhin geglättet werden sollte zu „wie sehr frohlockt er!“: Die Doppelung der beiden Funktionswörter ist sehr redundant und verleiht der Zeile sehr starke Emphase: der König frohlockt „überaus gewaltig“.</ref>
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_Über deine Hilfe, wie wird er frohlocken können sehr,<ref>'''Textkritik''': ''wie ... sehr'': Beide Funktionswörter dienen der Emphase (vgl. statt „über deine Hilfe kann er frohlocken“: „Über deine Hilfe, ''wie'' kann er frohlocken!“ und „Über deine Hilfe kann er ''sehr'' frohlocken“). Derart gedoppelt wie hier finden sich die beiden Wörter sonst nirgends. MT wird auch nur von Tg gestützt; in LXX, VUL, Hier und Syr dagegen steht nur das zweite. Recht sicher ist diese Streichung von ''mah'' („wie“) eine nachträgliche Texterleichterung (so z.B. Kraus 1961, S. 168; anders z.B. Houbigant 1777, S. 14), die aber gleichzeitig anzeigt, dass MT so nicht ganz unproblematisch ist und daher nicht einfachhin geglättet werden sollte zu „wie sehr frohlockt er!“: Die Doppelung der beiden Funktionswörter ist sehr redundant und verleiht der Zeile sehr starke Emphase: der König frohlockt „überaus gewaltig“.</ref>
{{S|3}} [weil]<ref name="Tempus" /> du ihm das Begehren (Verlangen) seines Herzens (gabst =) gewährtest (gewährst)<ref name="Tempus" />
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{{S|3}} [weil]<ref name="Tempus" /> du ihm das Begehren (Verlangen) seines Herzens (gabst =) gewährtest (gewährst)
_Und das Verlangen seiner Lippen nicht verweigertest (verweigerst).<ref name="Tempus" /> {''Selah''}<ref>''{<s>Selah</s>}'' - Ganz unklares Wort, das sich in vielen Psalmen findet, dessen Funktion aber unbekannt ist. In der LF daher besser auszusparen. S. näher [[Sela]].</ref>
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_Und das Verlangen seiner Lippen nicht verweigertest (verweigerst). {''Selah''}<ref>''{<s>Selah</s>}'' - Ganz unklares Wort, das sich in vielen Psalmen findet, dessen Funktion aber unbekannt ist. In der LF daher besser auszusparen. S. näher [[Sela]].</ref>
{{S|4}} Denn du wirst ihm begegnen (entgegenkommen)<ref name="Tempus" /> mit guten Segnungen (Segensgaben),
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{{S|4}} Denn (ja!,) du wirst ihm begegnen (entgegenkommen) mit guten Segnungen (Segensgaben),
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_Wirst auf sein Haupt eine Krone aus Feingold setzen.<ref>''eine Krone aus Feingold setzen'' – Die Vorstellung, dass die Königsinsignien einem König durch Götter verliehen werden müssen, war im ganzen Alten Orient verbreitet. Vier Beispiele: Auf der ägyptischen Wahlstele des Königs Aspelta fragt dieser seinen Gott Amun: „''Willst du mir dies hervorragende Amt übertragen, ohne dass ich es verlangt hätte? Ist das dein fester Wille? Willst du mir nach deinem Willen Diadem und Szepter anvertrauen?''“ (TUAT II/1, S. 122); in einem sumerischen Krönungsritual muss der König ins Heiligtum Eanna zur Göttin Inanna treten: „''Er näherte sich ihr zum leuchtenden Hochsitz; ein Szepter aus Lapislazuli legte sie in seine Hand. Zum Hochsitz der Ninmenna näherte er sich ihr; eine Krone aus Gold setzte sie fest auf sein Haupt.''“ (TUAT II/2, S 168f.), und in einem akkadischen Ritual für das Florieren einer Gastwirtschaft wir die Göttin Ischtar gepriesen: „''Tochter des Anu, Abkomme der großen Götter, die Szepter, Thron und Regierung allen Königen verleiht, Herrin der Länder!''“ Salo 2017, S. 112 zitiert gut auch einen babylonischen Ausschnitt über die Thronbesteigung des Königs Nabopollassar, wo es von der ganzen Versammlung der Götter heißt: „''Die Krone setzten sie ihm auf das Haupt, ließen ihn sich auf den Thron des Königtums setzen. ... Die Großen riefen in ihrer Freude: ‚O Herr, König, mögest du für immer leben!‘''“.</ref>
{{S|5}} [Weil]<ref name="Tempus" /> er Leben von dir erbat, (gabst =) gewährtest du['s] ihm:
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{{S|5}} [Weil]<ref name="Tempus" /> er Leben von dir erbat, gabst (gewährest) du (gabst du['s]) ihm –<ref>''gabst du ihm (gabst du['s] ihm)'' – Vielleicht Apokoinu (ähnlich Quintens 1978, S. 532): „du gabst ihm“ könnte sich sowohl auf 5aα beziehen („Weil er Leben von dir erbat, gabst du['s] (''sc.'' das Leben) ihm.“) als auch auf 5b („Weil er Leben von dir erbat, gabst du ihm Länge der Tage...“). Ähnlich wie Vrs. (2) z.B. Herkenne 1936, S. 102: „Um Leben bat er, du gewährtest ihm / langwährende Tage für alle Zeiten.“ Ignorierte man die späten Akzente der Masoreten, könnte man das Verb gar in Zeile b schieben: „Um Leben bat er, / du gewährtest ihm Länge der Tage...“. Die meisten Üss. und Kommentare vereindeutigen aber zu Vrs. (1), weil die Zeilengrenzen in der biblischen Poesie meist mit Satz(glied)grenzen übereinstimmen (so z.B. Olshausen 1853, S. 120). Nicht immer allerdings, und gerade hier wäre ein Enjambement oder eine überlange zweite Halbzeile sehr gut erklärlich, weil dann gerade die Rede von der unendlich langen „Dauer an Tagen für immer und ewig“ sich entweder über zwei Halbzeilen erstreckte oder in einer überlangen Zeile stünde. In der Üs. muss man sich hier nicht entscheiden: Beide Möglichkeiten offenhalten und gleichzeitig die mögliche Apokoinu erhalten kann man in der Üs., wenn man übersetzt wie oben vorgeschlagen. Ähnlich gut Alter 2007, S. 68: „Life he asked You – You gave him, / length of days for time without end.“</ref>
_Dauer an Tagen [für] immer und ewig.
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_Dauer an Tagen [für] immer und ewig.<ref>''immer und ewig'' – Auch die Vorstellung, das von Gott verliehene Königtum und der von ihm ermächtigte König währten und lebten ewig, war im Alten Orient weit verbreitet. Vgl. dazu v.a. Quintens 1978, S. 520ff. Auch noch häufiger in der Bibel: [[Psalm 61#s7 |Ps 61,7f.]] wird gewünscht: „''Des Königs Jahre werden sein wie Generation und Generation. Er wird ewig vor Gottes Angesicht thronen.''“, ähnlich [[Jesaja 9#s6 |Jes 9,6f.]] und [[Lukas 1#s33 |Lk 1,33]] über den Messias/messianischen König. Auch hierfür vier weitere Beispiele: Über den ägyptischen König Hor-em-heb wir berichtet, dass der Gott Amun selbst ihn gekrönt habe wie folgt: „''Seht! Amun ist zum Palast gekommen, seinen Son vor sich herführend, um auf seinem Kopf seine Krone zu befestigen, um seine Lebenszeit ihm gleich zu erhöhen!''“ (TUAT I/6, S. 538); vom ägyptischen König Pije heißt es auf dessen Siegesstele, der König Peftuabast habe zu ihm gesprochen: „''Du Bild des Harachte (=Horus) über den nicht untergehenden Sternen! Wie er König ist, so bist du König, wie er nicht untergeht, so gehst auch du nicht unter! König von Ober- und Unterägypten, Pije – ewig lebend!''“ (ebd., S. 572), nach der akkadischen Ritualtafen ''bit rimki'' soll der König sprechen: „''Möge meine Regierungszeit sich dauernd erneuern, möge vor [dem Gott] Schamasch mein Leben ewig währen! Wie Gold möge ich keine Trübung erfahren, mögen mir geschenkt sein lange Lebenstage!“ (TUAT II/2, S. 254), und im akkadischen Spruch an König Asarhaddon spricht die Göttin Ischtar: „''In Assur, Ninive, Kalach und Arbela werde ich lange Tage, ewige ahre dem Asarhaddon, meinem König, geben. Deine große Hebamme bin ich, deine gute Amme bin ich. Für lange Tage, ewige Jahre habe ich deinen Thron unter dem großen Himmel fest aufgestellt.''“ (TUAT II/1, S. 58).</ref>
  
 
{{S|6}} Groß [ist] sein Ansehen (seine Pracht)<ref>Das Nomen כבוד hat, ebenso wie הוד und הדר im nächsten Halbvers, sowohl eine materielle (Pracht) als auch immaterielle (Ansehen) Bedeutung. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Gott Ansehen und Einfluss gibt als Reichtum, s. auch der folgende Vers.</ref> durch deine Hilfe,
 
{{S|6}} Groß [ist] sein Ansehen (seine Pracht)<ref>Das Nomen כבוד hat, ebenso wie הוד und הדר im nächsten Halbvers, sowohl eine materielle (Pracht) als auch immaterielle (Ansehen) Bedeutung. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Gott Ansehen und Einfluss gibt als Reichtum, s. auch der folgende Vers.</ref> durch deine Hilfe,

Version vom 10. August 2019, 20:01 Uhr

SF in Arbeit.png
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Psalm 21)

(kommt später)

Studienfassung (Psalm 21)

1Für den (vom) Chorleiter. Ein Psalm von (für, nach Art von) David.

2

JHWH, über deine Macht (Kraft) wird sich [der] König freuen können,a
Über deine Hilfe, wie wird er frohlocken können sehr,b
3 [weil]a du ihm das Begehren (Verlangen) seines Herzens (gabst =) gewährtest (gewährst)
Und das Verlangen seiner Lippen nicht verweigertest (verweigerst). {Selah}c
4 Denn (ja!,) du wirst ihm begegnen (entgegenkommen) mit guten Segnungen (Segensgaben),
Wirst auf sein Haupt eine Krone aus Feingold setzen.d
5 [Weil]a er Leben von dir erbat, gabst (gewährest) du (gabst du['s]) ihm –e
Dauer an Tagen [für] immer und ewig.f
6 Groß [ist] sein Ansehen (seine Pracht)g durch deine Hilfe,
Hoheit (Pracht) und Erhabenheit (Herrlichkeit, Schmuck) legst du auf ihn.
7 Denn du legst auf ihn ewiges Glück (Segensfülle),
du machst ihn froh mit Freude [über] dein Angesicht.
8 Denn der König vertrauth auf JHWH.
Durch die Solidarität (Verbundenheit) des Höchsten [mit ihm] wankt er nicht.
9 Deine Hand wird alle deine Gegner (Feinde) finden,
deine Rechte findet deine Hasser (Feinde, Gegner).
10 Du wirst es mit ihnen machen wie ein Feuerofen zur Zeit (deines Angesichts =) deiner Gegenwart (= wenn du erscheinst), JHWHi,
in seinem Zorn wird er sie verschlingen (vertilgen),
und das Feuer wird sie (fressen =) verzehren.
11 Ihre Leibesfrüchte wirst du ausrotten von der Erde
und ihre Nachkommenschaft von den (Kindern der Erde =) Menschenkindern.
12 Denn sie sind auf Böses aus gegen dich;
sie (planen =) schmieden Ränke (böse Pläne), [aber] sie werden keinen Erfolg haben (es wird ihnen nicht gelingen).
13 Denn du schlägst sie in die Flucht,
mit deinem Bogenj zielst du auf ihr Gesicht.
14 Erhebe dich, JHWH, in deiner Macht!
Wir wollen (lasst uns) singen und musizieren (preisen, singen) [von] deinen machtvollen Taten (deiner Kraft, Stärke).

Anmerkungen

aDie Tempusfolge in Vv. 2-7 ist schwer erklärlich: X-Yiqtol (in 2b ist darüber hinaus die alternative Lesart X-Jussiv überliefert) in v. 2 – X-Qatal in v. 3 – ki Yiqtol-X in v. 4 – Qatal in v. 5 – NS + X-Yiqtol in v. 6 – ki Yiqtol-X in v. 7.
Yiqtol wird i.d.R. zum Ausdruck des Futur und von Modalität verwendet (in der Wortstellung Yiqtol-X v.a. zum Ausdruck von Modalität), Qatal zum Ausdruck von Vergangenheit und Gegenwart, NS meist für Gegenwart, kann aber theoretisch für jede Zeitstufe stehen und muss hier wg. der Parallelität von vv. 2b und 6a wohl futurisch gedeutet werden. Übersetzte man mechanisch alle Zeilen als Hauptsätze, könnte dies recht eigentlich nur so gedeutet werden, dass Gott dem König bereits jetzt sein Begehr gewährt(e) (v. 3) und ewiges Leben verleiht/verlieh (v. 5), der König sich aber erst zukünftig über JHWHs Kraft freuen und über seine Rettung jubeln können wird (v. 2), wie auch dieser erst zukünftig Segnungen für ihn bereit hält (v. 4), ihn krönen (v. 4), mit Pracht, Ehre und Glanz ausstatten (v. 6), zum Segen machen und erfreuen wird (v. 7). Besonders verblüffend wäre dabei, dass dann gerade der allgemeinste Ausdruck in v. 3 im Qatal stünde, die meisten Ausfaltungen (?) von des Königs „Begehr“ aber im Yiqtol.
In Üss. und Kommentaren wird dies fast stets eingeebnet und durchgehend mit Vergangenheit übersetzt. Ausnahmen sind Zuber 1986Zuber, Beat: Die Psalmen. Eine Studienübersetzung unter besonderer Berücksichtigung des hebräischen Tempus. Heidelberg, 1986. und Buttenwieser 1922Buttenwieser, Moses: The Book of Job. London, 1922., wobei letzterer den ganzen Abschnitt wegen der vielen Yiqtols als Bittlied deutet und auch die beiden Qatal-Stellen futurisch übersetzt, was eher fern liegt, aber immer noch näher am MT ist, da dort die Yiqtolformen klar überwiegen (7 Yiqtols + 1 wohl futurischer NS auf 4 Qatals).
Am einfachsten erklärlich ist dies so, dass die X-Qatals vv. 3 und 5aα diese als kausale Nebensätze von vv. 2 und 5aβ.b markieren und die Realisierung des laut 5b bereits geschenkten ewigen Lebens qua ewigem Leben ebenso wie die anderen Segnungen erst noch aussteht. (Zurück zu v.2 / zu v.3 / zu v.5)
bTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: wie ... sehr: Beide Funktionswörter dienen der EmphaseStilmittel: Besondere Hervorhebung eines Wortes durch verschiedene sprachl. Mittel. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“. (vgl. statt „über deine Hilfe kann er frohlocken“: „Über deine Hilfe, wie kann er frohlocken!“ und „Über deine Hilfe kann er sehr frohlocken“). Derart gedoppelt wie hier finden sich die beiden Wörter sonst nirgends. MT wird auch nur von TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. gestützt; in LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., Hier und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. dagegen steht nur das zweite. Recht sicher ist diese Streichung von mah („wie“) eine nachträgliche Texterleichterung (so z.B. Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 168; anders z.B. Houbigant 1777Houbigant, Charles-François: Notae Criticae in Universos Veteris Testamenti Libros Cum Hebraice, Tum Graece Scriptus. Cum Integris Eiusdem Prolegominis, Band 2. Frankfurt, 1777. online unter: http://goo.gl/qJ5OSW, S. 14), die aber gleichzeitig anzeigt, dass MT so nicht ganz unproblematisch ist und daher nicht einfachhin geglättet werden sollte zu „wie sehr frohlockt er!“: Die Doppelung der beiden Funktionswörter ist sehr redundant und verleiht der Zeile sehr starke EmphaseStilmittel: Besondere Hervorhebung eines Wortes durch verschiedene sprachl. Mittel. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“.: der König frohlockt „überaus gewaltig“. (Zurück zu v.2)
c{Selah} - Ganz unklares Wort, das sich in vielen Psalmen findet, dessen Funktion aber unbekannt ist. In der LF daher besser auszusparen. S. näher Sela. (Zurück zu v.3)
deine Krone aus Feingold setzen – Die Vorstellung, dass die Königsinsignien einem König durch Götter verliehen werden müssen, war im ganzen Alten Orient verbreitet. Vier Beispiele: Auf der ägyptischen Wahlstele des Königs Aspelta fragt dieser seinen Gott Amun: „Willst du mir dies hervorragende Amt übertragen, ohne dass ich es verlangt hätte? Ist das dein fester Wille? Willst du mir nach deinem Willen Diadem und Szepter anvertrauen?(TUAT II/1, S. 122); in einem sumerischen Krönungsritual muss der König ins Heiligtum Eanna zur Göttin Inanna treten: „Er näherte sich ihr zum leuchtenden Hochsitz; ein Szepter aus Lapislazuli legte sie in seine Hand. Zum Hochsitz der Ninmenna näherte er sich ihr; eine Krone aus Gold setzte sie fest auf sein Haupt.(TUAT II/2, S 168f.), und in einem akkadischen Ritual für das Florieren einer Gastwirtschaft wir die Göttin Ischtar gepriesen: „Tochter des Anu, Abkomme der großen Götter, die Szepter, Thron und Regierung allen Königen verleiht, Herrin der Länder!Salo 2017Salo, Reettakaisa S.: Die judäische Königsideologie im Kontext der Nachbarkulturen. Untersuchungen zu den Königspsalmen 2, 18, 20, 21, 45 und 72. Tübingen, 2017., S. 112 zitiert gut auch einen babylonischen Ausschnitt über die Thronbesteigung des Königs Nabopollassar, wo es von der ganzen Versammlung der Götter heißt: „Die Krone setzten sie ihm auf das Haupt, ließen ihn sich auf den Thron des Königtums setzen. ... Die Großen riefen in ihrer Freude: ‚O Herr, König, mögest du für immer leben!‘“. (Zurück zu v.4)
egabst du ihm (gabst du['s] ihm) – Vielleicht ApokoinuStilmittel: Ein Satzglied zwischen zwei Sätzen ist Syntagma in beiden Sätzen. Bsp.: Ijob 6,7: „Meine Seele weigert sich, anzutasten diese sind wie Schimmel meines Brotes.“ = „Meine Seele weigert sich, anzutasten diese.“ + „Diese sind wie Schimmel meines Brotes.“ (ähnlich Quintens 1978Quintens, Werner: La vie du roi dans le Psaume 21, in: Bib 59/4, 1978, S. 516-41., S. 532): „du gabst ihm“ könnte sich sowohl auf 5aα beziehen („Weil er Leben von dir erbat, gabst du['s] (sc. das Leben) ihm.“) als auch auf 5b („Weil er Leben von dir erbat, gabst du ihm Länge der Tage...“). Ähnlich wie Vrs. (2) z.B. Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 102: „Um Leben bat er, du gewährtest ihm / langwährende Tage für alle Zeiten.“ Ignorierte man die späten Akzente der Masoreten, könnte man das Verb gar in Zeile b schieben: „Um Leben bat er, / du gewährtest ihm Länge der Tage...“. Die meisten Üss. und Kommentare vereindeutigen aber zu Vrs. (1), weil die Zeilengrenzen in der biblischen Poesie meist mit Satz(glied)grenzen übereinstimmen (so z.B. Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53, S. 120). Nicht immer allerdings, und gerade hier wäre ein Enjambement oder eine überlange zweite Halbzeile sehr gut erklärlich, weil dann gerade die Rede von der unendlich langen „Dauer an Tagen für immer und ewig“ sich entweder über zwei Halbzeilen erstreckte oder in einer überlangen Zeile stünde. In der Üs. muss man sich hier nicht entscheiden: Beide Möglichkeiten offenhalten und gleichzeitig die mögliche ApokoinuStilmittel: Ein Satzglied zwischen zwei Sätzen ist Syntagma in beiden Sätzen. Bsp.: Ijob 6,7: „Meine Seele weigert sich, anzutasten diese sind wie Schimmel meines Brotes.“ = „Meine Seele weigert sich, anzutasten diese.“ + „Diese sind wie Schimmel meines Brotes.“ erhalten kann man in der Üs., wenn man übersetzt wie oben vorgeschlagen. Ähnlich gut Alter 2007Alter, Robert: The Book of Psalms. A Translation with Commentary. New York, 2007., S. 68: „Life he asked You – You gave him, / length of days for time without end.“ (Zurück zu v.5)
fimmer und ewig – Auch die Vorstellung, das von Gott verliehene Königtum und der von ihm ermächtigte König währten und lebten ewig, war im Alten Orient weit verbreitet. Vgl. dazu v.a. Quintens 1978Quintens, Werner: La vie du roi dans le Psaume 21, in: Bib 59/4, 1978, S. 516-41., S. 520ff. Auch noch häufiger in der Bibel: Ps 61,7f. wird gewünscht: „Des Königs Jahre werden sein wie Generation und Generation. Er wird ewig vor Gottes Angesicht thronen.“, ähnlich Jes 9,6f. und Lk 1,33 über den Messias/messianischen König. Auch hierfür vier weitere Beispiele: Über den ägyptischen König Hor-em-heb wir berichtet, dass der Gott Amun selbst ihn gekrönt habe wie folgt: „Seht! Amun ist zum Palast gekommen, seinen Son vor sich herführend, um auf seinem Kopf seine Krone zu befestigen, um seine Lebenszeit ihm gleich zu erhöhen!(TUAT I/6, S. 538); vom ägyptischen König Pije heißt es auf dessen Siegesstele, der König Peftuabast habe zu ihm gesprochen: „Du Bild des Harachte (=Horus) über den nicht untergehenden Sternen! Wie er König ist, so bist du König, wie er nicht untergeht, so gehst auch du nicht unter! König von Ober- und Unterägypten, Pije – ewig lebend!(ebd., S. 572), nach der akkadischen Ritualtafen bit rimki soll der König sprechen: „Möge meine Regierungszeit sich dauernd erneuern, möge vor [dem Gott] Schamasch mein Leben ewig währen! Wie Gold möge ich keine Trübung erfahren, mögen mir geschenkt sein lange Lebenstage!“ (TUAT II/2, S. 254), und im akkadischen Spruch an König Asarhaddon spricht die Göttin Ischtar: „In Assur, Ninive, Kalach und Arbela werde ich lange Tage, ewige ahre dem Asarhaddon, meinem König, geben. Deine große Hebamme bin ich, deine gute Amme bin ich. Für lange Tage, ewige Jahre habe ich deinen Thron unter dem großen Himmel fest aufgestellt.(TUAT II/1, S. 58). (Zurück zu v.5)
gDas Nomen כבוד hat, ebenso wie הוד und הדר im nächsten Halbvers, sowohl eine materielle (Pracht) als auch immaterielle (Ansehen) Bedeutung. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Gott Ansehen und Einfluss gibt als Reichtum, s. auch der folgende Vers. (Zurück zu v.6)
hPartizip, wörtl.: [ist] ein Vertrauender. (Zurück zu v.8)
iDen Gottesnamen kann man als Anrede in dieser Vershälfte belassen, wo er im masoretischen Text auch steht, oder ihn als Subjekt auf die nächste Vershälfte ziehen: JHWH wird sie verschlingen. (Zurück zu v.10)
jWörtl.: deiner Bogensehne. Die Bogensehne steht pars pro toto für den Bogen. (Zurück zu v.13)