Römer 12: Unterschied zwischen den Versionen

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(Verse 1-8 übersetzt)
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Mit Kapitel 12 beginnt die sogenannte „Paränese”, eine Ermahnung an die Gemeinde in Rom im Sinne eines Katechismus, der Hinweise zu einer christlichen Lebensführung gibt. Dabei haben die ersten beiden Verse die Funktion einer Überschrift, die den Grund für das christliche Verhalten angibt: „Hingabe der Leiber ist die aus der Rechtfertigungsbotschaft folgende zentrale Forderung Gottes” (Käsemann, 315). Der „Gottesdienst” findet nicht in Form einer kutlischen Handlung statt, sondern umfasst das ganze Leben.
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Die Verse 3-8 führen aus, wie jede*r auf unterschiedliche Weise durch die Taufe mit Gottes Geist begabt wurde. „Wenn jeder Christ mit der Taufe den Geist und seine persönliche κλησις [Berufung] empfing, ist er insofern auch Chraismatiker” (Käsemann, 322). „Der Charis [Gnade] Gottes entspricht jener Reichtum, der nach 1.K 7,7 jeden Charismatiker sein lässt …, und zwar ständig … Das muss so sein, wenn anders Charisma wirklich die Konkretion und Individuation des Geistes ist und der Modus der persönlichen Berufung. Pls hat auf diese Weise das allgemeine Priestertum aller Gläubigen begründet und ihnen nicht bloß im privaten Dasein, sondern in eschatlogischer Öffentlichkeit und jure divino [durch göttliches Recht] Autorität in wie gegenüber der Gemeinde zugesprochen … Jeder Christ ist in seinem durch göttliche Gnade ihm zugemessenen Stande unvertretbar und besitzt darin eine von der Gemeinde anzuerkennende Autorität” (Käsemann, 322f).
  
 
„In sich geschlossen, handeln [die Verse] 17-21 vom Thema der Vergeltung, das gerade in Zeiten der Verfolgung akut wird“ (Käsemann, S. 336). Unter dem Thema der Liebe, das über dem gesamten Abschnitt VV 9-21 steht, wird der Gemeinde eine Paränese gegeben, eine Mahnung, wie sie sich der ihnen gegenüber feindselig auftretenden Umwelt verhalten soll. Dabei wird dem Einzelnen viel Spielraum gelassen, wie er die Mahnungen des Paulus konkret durch sein Verhalten umsetzen will.  
 
„In sich geschlossen, handeln [die Verse] 17-21 vom Thema der Vergeltung, das gerade in Zeiten der Verfolgung akut wird“ (Käsemann, S. 336). Unter dem Thema der Liebe, das über dem gesamten Abschnitt VV 9-21 steht, wird der Gemeinde eine Paränese gegeben, eine Mahnung, wie sie sich der ihnen gegenüber feindselig auftretenden Umwelt verhalten soll. Dabei wird dem Einzelnen viel Spielraum gelassen, wie er die Mahnungen des Paulus konkret durch sein Verhalten umsetzen will.  
  
 
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Version vom 2. Januar 2021, 20:15 Uhr

SF in Arbeit.png
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Römer 12)

123456789101112131415161718192021 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit dem Guten!

Anmerkungen

Studienfassung (Römer 12)

1 Ich fordere euch (ermahne euch) im Folgenden (nun), liebe Geschwistera, beim Erbarmen Gottesb auf, dass ihr eure Körper (Leiber) darbringt zu einem lebendigen, heiligen Opfer, das Gott gefällt, eurem geistigen Gottesdienstc.

2 Und passt euch nicht dieser Zeit an (stellt euch nicht dieser Zeit gleich), sondern verwandeltd euch (gestaltet euch um) durch Erneuerung eures Denkens, womit ihr prüft, was Gottes Wille ist: Das Gute, das [Gott] Wohlgefällige, das Vollkommene.


3 Vermöge dere(durch die) Gnade, die mir gegeben ist, weise ich jede*n bei euch anf, sich nicht zu überhebeng über das hinaus, was man denken soll (was zu denken sich ziemt), sondern bedacht zu sein auf Vernunft (Besonnenheit)h, jede*r, wie ihr* Gott das Maß des Glaubens zugeteilt hat.

4 Denn wie wir an einem Körper (Leib) viele Organe (Glieder) haben, die Organe (Glieder) aber nicht alle dieselbe Funktion erfüllen,

5 so sind wir, die Vielen, ein Körper (Leib) in Christus, aber im Verhältnis zueinander Organe (Glieder).

6 Wir haben aber unterschiedliche [Geistes]Gaben (Charismen) nach der Gnade, die uns gegeben wurde, sei es Prophetie in Übereinstimmung mit dem Glauben,

7 sei es Dienst (Diakonie) im Dienen, sei es Lehren in der [überlieferten] Lehre,

8 sei es jemand, der [seelsorgerlichen] Beistand leistet (Trost spendet) in der Seelsorge. Wer [Almosen] weiterleiteti, [tue es] aufrichtig. Wer [der Gemeinde] vorsteht, sei beflissen. Wer Barmherzigkeit übtj, sei dabei freundlich (heiter, fröhlich).


13141516

17 Keinem vergeltet Böses mit Bösem, [vielmehr] seid bedacht auf Gutes gegenüber jedermann.

18 Wenn möglich, lebt, was euch betrifft (soviel an euch liegt) mit jedermannk in Frieden (haltet Frieden mit jedermann).

19 Rächt euch nicht selbst, ihr Lieben (Geliebte), sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]l. Denn es steht geschrieben (Dtn 32,35) : „Mir gehört die Rache, ich will vergelten“, spricht der Herr.

20 Vielmehr (Spr 25,21f) : „Wann immer (wenn) deinen Feind hungert, speise ihn. Wann immer (wenn) ihn dürstet, lass ihn trinken. Denn indemm du das tust, wirst du Feuerkohlen (brennende Kohlen) auf seinem Haupt aufhäufen“n.

21 Werde nicht besiegt vom Bösen, sondern siege durch das Gute über das Böse.

Anmerkungen

Mit Kapitel 12 beginnt die sogenannte „Paränese”, eine Ermahnung an die Gemeinde in Rom im Sinne eines Katechismus, der Hinweise zu einer christlichen Lebensführung gibt. Dabei haben die ersten beiden Verse die Funktion einer Überschrift, die den Grund für das christliche Verhalten angibt: „Hingabe der Leiber ist die aus der Rechtfertigungsbotschaft folgende zentrale Forderung Gottes” (Käsemann, 315). Der „Gottesdienst” findet nicht in Form einer kutlischen Handlung statt, sondern umfasst das ganze Leben.

Die Verse 3-8 führen aus, wie jede*r auf unterschiedliche Weise durch die Taufe mit Gottes Geist begabt wurde. „Wenn jeder Christ mit der Taufe den Geist und seine persönliche κλησις [Berufung] empfing, ist er insofern auch Chraismatiker” (Käsemann, 322). „Der Charis [Gnade] Gottes entspricht jener Reichtum, der nach 1.K 7,7 jeden Charismatiker sein lässt …, und zwar ständig … Das muss so sein, wenn anders Charisma wirklich die Konkretion und Individuation des Geistes ist und der Modus der persönlichen Berufung. Pls hat auf diese Weise das allgemeine Priestertum aller Gläubigen begründet und ihnen nicht bloß im privaten Dasein, sondern in eschatlogischer Öffentlichkeit und jure divino [durch göttliches Recht] Autorität in wie gegenüber der Gemeinde zugesprochen … Jeder Christ ist in seinem durch göttliche Gnade ihm zugemessenen Stande unvertretbar und besitzt darin eine von der Gemeinde anzuerkennende Autorität” (Käsemann, 322f).

„In sich geschlossen, handeln [die Verse] 17-21 vom Thema der Vergeltung, das gerade in Zeiten der Verfolgung akut wird“ (Käsemann, S. 336). Unter dem Thema der Liebe, das über dem gesamten Abschnitt VV 9-21 steht, wird der Gemeinde eine Paränese gegeben, eine Mahnung, wie sie sich der ihnen gegenüber feindselig auftretenden Umwelt verhalten soll. Dabei wird dem Einzelnen viel Spielraum gelassen, wie er die Mahnungen des Paulus konkret durch sein Verhalten umsetzen will.

aWörtlich:Brüder. (Zurück zu v.1)
bEs handelt sich um eine dringende Bitte, zu der Gottes Erbarmen beschworen wird, vgl. BDR § 223.5 und Käsemann, 314. (Zurück zu v.1)
cHingabe des Leibes und geistiger oder „vernünftiger” Gottesdienst stehen nur scheinbar im Widerspruch zueinander. Für Paulus besteht christlicher Gottesdienst in der ganzen christlichen Existenz, nicht nur in einer kultischen Handlung an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit. Insofern ist dieser Gottesdienst „vernünftig”, weil er sich in Übereinstimmung mit Gottes Willen vollziegt, vgl. Käsemann, 314-317. (Zurück zu v.1)
dPaulus spielt hier auf die Taufe an, durch die ein*e Christ*in vom alten Äon in das bereits angebrochene Reich Christi wechselt und „verwandelt” wird, vgl. Käsemann, 317. (Zurück zu v.2)
eVgl. BDR § 223.5. (Zurück zu v.3)
fWörtlich: sage ich jede'r von euch. Durch die Berufung auf die verliehene Gnade verleiht Paulus seiner Aussage großes Gewicht, sodass „sage ich” als übersetzung zu schwach ist, vgl. Käsemann, 320. (Zurück zu v.3)
gEs geht hier gegen den Enthusiasmus bzw. die „Schwärmerei”, der im Ergriffensein vom Hl. Geistes zu „Höhenflügen” ansetzt, die sich von der Existenz der Christen und der christlichen Lehre lösen, vgl. Käsemann, 320. (Zurück zu v.3)
hEs handelt sich hier um ein Wortspiel mit den Begriffen ὑπερφρονεῖν - φρονεῖν - σωφρονεῖν, sich überschätzen - denken, meinen - besonnen sein. (Zurück zu v.3)
iGemeint ist wohl das Amt des „Kassenwartes”, der die Almosen sammelt und weiterleitet, vgl. Käsemann, 330. (Zurück zu v.8)
jIm Sinne einer pflegerischen Tätigkeit, vgl. Käsemann, 330. (Zurück zu v.8)
kWörtlich: mit allem, was Mensch heißt, i.S.v. „alle Welt“, „jedermann“ BDR § 275. (Zurück zu v.18)
lGemeint ist das göttliche Gericht. (Zurück zu v.19)
mPartizip, final aufgelöst. (Zurück zu v.20)
nDieses Wort bezieht sich nicht auf ein göttliches Strafgericht, sondern dass man den Gegner mit dieser unerwarteten guten Tat beschämt und zur Reue bewegt, vgl. Käsemann, S. 336f. (Zurück zu v.20)