Rut 2

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Lesefassung (Rut 2)

(kommt später)

Studienfassung (Rut 2)

1 Noomi hatte einen Verwandten (Bekannten)a ihres Mannes; einen mächtigen, fähigen Mannb aus der Sippe Elimelechsc. Sein Name war: Boas (in ihm ist Kraft, der Scharfsinnige)d. 2 Rut, die Moabiterin, sagte zu Noomi: „Ich würde [gerne] aufs Felde gehenf und an den Ähren mitleseng hinter dem, in dessen Augen ich Gefallen findeh.“ Sie sagte zu ihr: „Geh, meine Tochter!“i3[Also] ging und kamj und sammelte sie hinter den Schnittern an den Ähren mit.([Und das kam so: ])k
Zufällig geriet siel auf das Feldstücke des Boas, der aus der Sippe des Elimelech [war].

4 Und, siehe da: Da kam [auch schon]m Boas von Betlehem [her]. Er sagte zu den Schnittern: „JHWH [sei] mit euch!“ Und sie sagten zu ihm: „Es segne dich JHWH!“n5 Und Boas sagte zu seinem Jungen (Angestellten)o, der über die Schnitter gestellt war: „[Zu] wem [gehört]p dieses Mädchen?“ 6 Der Junge, der über die Schnitter gestellt war, antwortete: „Ein moabitisches Mädchen [ist] sie, das mit Noomi zurückgekehrt ist aus {dem Gebiet} (von den Feldern von) Moabq.r7 Sie hat gesagt: ‚Ich würde [gerne] lesenf und bei den Garben (in Garben, zu Garben, {bei den Garben}?, Halme?)s hinter den Schnittern [her] sammeln.‘ Und (Also) sie kam und blieb (stand, las Ähren?, kam {und blieb}?)t vom Morgen bis gerade eben; (bis jetzt, dieses/diese/jetzt/hier/hierher)t ihr Sitzen (sie macht Pause?, sie kehrt zurück?, ihr Besitz?)t im Haus (das Haus, nach Hause?, das/auf dem Feld?)t[ist (währt)] [erst] seit Kurzem.“

8 Und Boas sagte zu Rut: „Höre, meine Tochter:u Gehe nicht (du musst nicht gehen) zum Sammeln auf ein anderes Feld und ziehe auch nicht fort (du musst nicht fortziehen) von hier, sondern hänge dich hier (so:) an meine Mädchen (bleibe hier bei meinen Mädchen, du darfst bleiben).v9 Deine Augen [seien] auf das Feld [gerichtet], das sie aberntenw. Gehe hinter ihnen (zusammen mit ihnen)x. [Hiermit] befehle ich meinen Jungenu, dich nicht anzurühren (anzugreifen, mit dir keinen Geschlechtsverkehr zu haben)? Und wenn du Durst hast, gehe zu den Gefäßen und trinke von dem, was [auch] die Jungen schöpfen!“ 10 Da warf sie sich auf ihr Gesicht und neigte sich erdenwärtsy und sagte zu ihm: „Warum [nur] habe ich Gefallen in deinen Augen gefunden,z so dass du mich [wohlgefällig] ansiehst, obwohl ich Ausländerin [bin]?“ 11 Boas anwortete {und sagte zu}aa ihr: „Berichtet {berichtet}ab wurde mir alles, was du für deine Schwiegermutter nach dem Tod deines Mannes getan hastac: [dass] du deinen Vater und deine Mutter und das Land deiner Geburt verlassen hast und zu einem Volk gegangen bist, das du vorher (gestern vorgestern)ad nicht kanntest. 12 JHWH vergelte dein Tun und dein Lohn sei voll von JHWH, dem Gott Israels, zu dem (weil) du gekommen bist, um unter seinen Flügeln Schutz zu suchen (um dich unter seinen Gewandzipfeln zu bergen)ae!“ 13 Sie antwortete: „Möge ich in deinen Augen Gefallen findenaf, mein Herrag, weil du mich getröstet und weil du zum Herzen deiner Magdag gesprochen hastah. Bin ich nicht [nur] wie eine deiner Mägde!?ai14 Boas sagte zu ihr zur Essenszeit: „Komm hierher (Boas sagte zur ihr: „Komm zur Essenszeit hierher“aj)! Iss von dem Brot und tunke deinen Brocken in den Essigak!“ - Also setzte sich sich an die Seite der Schnitter, er reichteal ihr Röstkornam, sie aß, wurde satt und lies übrig. 15 Dann stand sie auf, um zu sammeln (begann sie, zu sammeln)an. Und Boas befahl seinen Jungen {indem er sagte}aa: „Auch zwischen den Garben darf sie sammeln, und ihr dürft (wenn/auch, [wenn] sie zwischen den Garben sammelt, dürft ihr)an sie nicht beschimpfen (beschämen, verletzen)! 16 Ja, mehr noch: Ihr sollt ihr [durchaus] herausziehen {herausziehen} (herunterwerfen {herunterwerfen}?)ao aus den Handbündelnap, [es liegen] lassen und sie soll [das Liegengelassene] sammeln. Und ihr sollt sie nicht schelten!“ 17 Und so sammelte sie auf dem Feld bis zum Abend; dann kopfte sie das, was sie gesammelt hatte, ausaq - und es ergab ungefähr ein Efa (genau ein Efa, ein ganzes Efa)ar Gerste.

18 Sie hob es auf (wuchtete es hoch)as, kam in die Stadt und zeigte ihrer Schwiegermutter (ihre Schwiegermutter sah)at, was sie gelesen hat und zog heraus und gab ihr, was sie übrig gelassen hatte nach ihrer Sättigung. 19 Da sagte ihre Schwiegermutter: „Woau hast du heute gesammelt und woau gearbeitet? Es sei, der dich [wohlwollend] angesehen [hat]av, gesegnet!“
Da erzählte sie ihrer Schwiegermutter, wer [es war], bei dem sie gearbeitet hatte.
Sie sagte: „Der Name des Mannes, der [es war], bei dem ich heute gearbeitet habe, [ist]: Boas.“ 20 Da sagte Noomi zu ihrer Schwiegertochter: „Gesegnet [sei] jener von JHWHaw, der nicht von seiner Treue zu den Lebenden und den Toten abgelassen hatax(der [in] seiner Treue die Lebenden und die Toten nicht verlassen hat).“ Und dann sagteay Noomi zu ihr: „Der Mann [ist] mit uns verwandt - das heißt: Er ist unser Löser!az21 Da sagte Rut, die Moabiterin: „Dazu [kommt], dassba er zu mir gesagt hat: ‚An die Jungenbb, die mir [sind (gehören)]bc, hänge dich, bis die ganze Ernte beendet ist, die mir [ist (gehört)]bc!‘“ 22 Da sagte Noomi zu Rut, ihrer Schwiegertochter: „Gut (besser) [ist (wäre)] es, meine Tochter, wenn du mit seinen Mädchen gehst (Gut, meine Tochter! Ach, gehe mit seinen Mädchen!), sodass man dich auf einem anderen Feld nicht bedrängen kann (dann wird man dich auf einem anderen Feld nicht bedrängen).“

23 Also hängte sie sich an die Mädchen des Boas, um zu sammeln, bis die Gerstenernte und die Weizenernte beendet war. Dann blieb sie bei ihrer Schwiegermutter.

Anmerkungen

Rut 2 ist zum größten Teil ein Ackerbau-Kapitel. Zu nächerem vgl. daher Ackerbau (Wibilex), hier folgt nur eine kleine Zusammenfassung der Abläufe bei der Ernte:
Bei der Ernte durchschritten mehrere Schnitter in einer Reihe das Getreidefeld, bündelten mit ihrer linken Hand mehrere Halme zu einem Handbündel - sog. tsebatim, s. V. 16 - und schnitten sie mit einer Sichel ab. Ihnen folgten auf dem Fuß die Garbenbinder - im Rutbuch offenbar ausschließlich weiblich -, sammelten diese Bündel und banden sie zu Garben - sog. `omarim -, die dann auf das Feld niedergelegt wurden, um am Ende der Ernte zum Dreschplatz gebracht zu werden (vgl. Dalman 1933, S. 46f).
Diesen Garbenbindern folgten dann offensichtlich die Nachleser, um ihr Leqet-Recht wahrzunehmen. Das Leqet-Recht beinhaltet, dass einzelne Ähren, die den Schnittern und Garbensammlern zu Boden gefallen waren, nicht wieder aufgehoben werden durften, sondern den Armen gehörten, die sie dann in einer sogenannten „Nachlese“ sammeln durften (s. Lev 19,9; Lev 23,22). In der Mischnabd wird dies in Pe´ah 4,10 näher ausgeführt, und den Inhalt dieser Ausführungen müssen wir wohl auch für das Rutbuch voraussetzen: Leqet sind sort ausschließlich die zu Boden gefallenen Ähren, die ein Erntearbeiter bereits in der Hand hatte und die ihm dann aus der Hand zu Boden gefallen waren - ausgenommen dann, wenn er nichts dafür konnte, dass sie ihm aus der Hand gefallen waren (z.B., weil ihn ein Dorn gestochen hatte); vgl. z.B. die Üs. im Open Mishnah Project. Aus diesem Grund auch in V. 16 Boas Rede gerade von den tsebatim („Handbündel“) und das schwer verständliche Verb (s. dort) - ob es nun „herausziehen“, „plündern“ oder „fallen lassen“ bedeuten mag: Er will unmissverständlich klar machen, dass die Erntearbeiter Rut eine zusätzliche Menge an Leqet-Ähren zuschustern sollen, indem sie das, was sie bereits in der Hand hatten, zu Boden werfen.

Exkurs: Nachlese „bei“ und „zwischen“ den Garben und „hinter“ den Schnittern: Indirekt wichtig für das Verständnis von Rut 2 ist ein weiteres Armenrecht: das Schikchah-Recht, das seine biblische Grundlage in Dtn 24,19 hat. In den Kommentaren zum Rutbuch heißt es stets, dass die Nachleser erst aufs Feld durften, wenn die Schnitter und die Garbenbinder ihre Arbeit bereits erledigt hatten und die Garben bereits abtransportiert waren, dass deshalb Boas Rede von Ruts Nachlese „zwischen den Garben“ in V. 15 eine besondere Bevorzugung bedeute und dass es ganz unmöglich sei, dass Rut selbst bereits in V. 7 bitten würde, „bei den Garben“ sammeln zu dürfen (Bush 1996, S. 114: „It stretches credulity to the breaking point“). Das ist wahrscheinlich nicht so: Das Schikchah-Recht besagt, dass ganze Garben, die auf dem Feld liegen geblieben waren - „vergessen“ worden waren -, nachdem das geerntente Getreide zur Tenne oder zu einem sonstigen Dreschplatz gebracht worden war, ebenfalls den Armen gehörten. Pe´ah 5,7 führt näher aus, dass Garben, die von den Erntearbeitern deshalb „vergessen“ worden waren, weil ein Armer sie mit seinem Körper vor dem Blick eines Erntearbeiters abgeschirmt oder sie mit Stoppeln abgedeckt und so vor dem Erntearbeiter versteckt hatte, nicht als „vergessen“ gerechnet werden und daher auch nicht den Armen überlassen werden mussten. Und Tosefta Pe´ah 2,4be spricht von dem Fall, dass Arme nicht nur heruntergefallene Leqet-Ähren nachlasen, sondern zusätzlich Ähren von den Garben stahlen. Wir müssen nicht glauben, dass diese rechtlichen Regelungen schon zur Abfassungszeit des Rutbuches galten, aber die Rückschlüsse über den Ablauf der Nachlese darf man wohl doch schon für diese Zeit ziehen - nämlich kann man erstens daraus ableiten, dass es durchaus nicht selten war, dass Arme an Garben vorbeikamen, bevor diese zum Dreschplatz transportiert worden waren - nämlich eben während der Leqet-Lese, bei der die Nachleser neben oder hinter den Garbenbindern den Schnittern auf dem Fuß folgten (s. Vv. 2.3.7.9: „hinter den Schnittern lesen“, was jedenfalls nicht heißen kann: „lesen, sobald die Schnitter [und die anderen Erntearbeiter] ihre Arbeit beendet haben“). Und aus der ersten Vorschrift darf man wohl weiterhin ableiten, dass solche Arme, die gerade ihr Leqet-Recht in Anspruch nahmen, auch häufiger in die Trickkiste griffen, um künstlich den Ertrag ihrer auf die Ernte folgenden Schikchah-Nachlese nach oben zu treiben, und dass dies auch häufig Stoff für Konflikte zwischen Erntearbeitern und Nachlesern führte. Wahrscheinlich ist es also durchaus nicht anmaßend, wenn Rut bittet, „bei den Garben hinter den Schnittern“ sammeln zu dürfen, und keine besondere Bevorzugung, wenn Boas von Ruts Sammeln „zwischen“ den Garben spricht: Bei der Leqet-Nachlese befand sich der Nachleser ganz regulär „zwischen den Garben“ - und hatte eben deshalb auch de Möglichkeit, mit den Garben zu tricksen. Laut dem Midrasch ist es sogar Alleinstellungsmerkmal der Rut, dass sie als einzige nicht „einfach so“ „zwischen“ den Garben sammelt, sondern erst auf die feierliche Erlaubnis des Boas wartet.

Rein rechtlich konnte Rut diese Armenrechte wohl gar nicht in Anspruch nehmen. Die mit der Ernte zusammenhängende Armenrechte werden u.a. in Lev 19,10 und Dtn 24,19 dem „Asylanten“ (ger, s. FN g zu Rut 1,1), in Dtn 24,19 der „Witwe“ (´almanah) und in Lev 19,10 dem „Armen“ zugesprochen. Frevel 1992, S. 71 denkt daher, dass Rut diese Armenrecht sogar gleich dreifach in Anspruch nehmen durfte. Doch Rut sagt in V. 10 ja selbst, dass sie die Erlaubnis Boas eigentlich nicht hätte erwarten dürfen, da sie eben keine „Asylantin“ ist, sondern eine nokrijah - eine „Ausländerin“: Moabiter hatten im Alten Israel kein Asylrecht (s. die Anmerkungen zu Rut 1). Rut wird auch im ganzen Buch nicht als ´almanah bezeichnet, sondern nur in Rut 4,5 als ´eschet-hammet („Frau des Toten“). Bei beiden Begriffen handelt es sich um Bezeichnungen für zwei verschiedene „Witwen-Klassen“: Eine ´almanah ist eine kinderlose und arme Witwe, eine ´eschet-hammet dagegen eine kinderlose Witwe mit Besitz (und eine ´ischa-´almanah wäre eine Witwe mit Besitz und Kindern; vgl. bes. Steinberg 2004, S. 334). Die Armenrechte galten nur für ´almanah-Witwen, weil diese keine andere Versorgungsmöglichkeit hatten - nicht aber für ´eschet-hammet-Witwen. Schon dieser Begriff zeigt außerdem, dass Rut auch nicht wirklich als „arm“ gelten konnte, und in der Tat sieht man dann in Kapitel 4: Noomi und Rut besitzen sogar ein eigenes Feld.
Schon mit der bloßen Erlaubnis der Nachlese wird also auch in Kapitel 2 eine rechtliche Regelung - in diesem Fall die Nachlesebestimmungen - gebeugt, was durchaus nicht unproblematisch ist: Boas schädigt mit der Gewährung des Nachleserechts ja nicht nur seinen Ertrag, sondern v.a. den derjenigen, die dieses Armenrecht tatsächlich in Anspruch nehmen durften und die darauf angewiesen waren. Und wieder wird dabei eine wesentlich „pro-moabitischere“ Haltung eingenommen, als man es vor dem Hintergrund der biblischen Regelungen eigentlich erwarten dürfte (vgl. ähnlich Braulik 1996, S. 118). Hinzu kommt dann natürlich noch die besondere Bevorzugung durch das Verbot des Anrührens, Scheltens und Schimpfens (Vv. 9.15.16), die Erlaubnis, vom Wasser seiner Knechte trinken und an ihrem Mahl teilhaben zu dürfen (Vv. 9.14) und besonders das Gebot, ihr zusätzliche Ähren zuzuschustern (V. 16).


aTextkritik: Verwandten (Bekannten) - beide Varianten finden sich in der Überlieferung des heb. Textes; u.a. haben Ketiv und LXX „Bekannter“ und Qere und VUL „Verwandter“. Die Bedeutung ist also entweder „Noomi war über ihren Ehemann mit einem Mann verwandt“ oder „Noomi war über ihren Ehemann mit einem Mann bekannt“. Fast alle - und deshalb auch wir - folgen der Variante „Verwandter“, aber man sollte doch fragen, was denn dann der Mehrwert des folgenden „er war aus der Sippe Elimelechs“ wäre. Auch lässt sich gerade wegen dieses Nachsatzes ein sekundäres Entstehen der Variante „Verwandter“ sehr viel besser erklären als der Variante „Bekannter“, und schließlich würde „Bekannter“ auch strukturell gut Sinn machen, da Boas im Verlauf des Kapitels verwandtschaftlich immer näher an Rut und Noomi heranzurücken scheint (1a: Bekannter => 1b: aus der Sippe Elimelechs => 20a: Verwandter => 20b: Goel (d.h. maximal um eine Ecke verwandt)), bis er in Rut 4,3 dann sogar als „unser Bruder“ bezeichnet wird und ihm Goel- und Schwagerehenpflichten und -rechte zugesprochen werden (s. dort), was dann der Knackpunkt des ganzen Kapitels sein wird. (Zurück zu v.1)
bmächtiger, fähiger Mann - W. isch („Mann“) gibbor („heldenhaft, stark, mächtig“) chajil („stark/fähig/wohlhabend“). Häufiger stehender Ausdruck, der fast stets für „mächtige Krieger“ steht. Weil das an unserer Stelle nicht gut in den Kontext passt, geht man meist entweder nicht von diesem stehenden Ausdruck aus, sondern von seinen einzelnen Bestandteilen, ignoriert dann auch noch häufig das gibbor und macht Boas so zu einem „(sehr) wohlhabenden/angesehenen(? - vielleicht eine Umdeutung von „heldenhaft“?) Mann“ (so z.B. ELB, FREE, H-R, LUT, MEN, NeÜ, SLT, TAF, van Ess, ZÜR), oder man leitet aus 1 Sam 9,1 und 2 Kön 15,20 ab, dass die Wendung isch gibbor chajil auch für reiche Grundbesitzer stehen könne (so viele Kommentare, auch ) - dabei ist an keiner der beiden Stellen von Grundbesitz die Rede, und auch wenn es sich dort auf Grundbesitzer beziehen würde, darf man daraus ja nicht ableiten, dass die Wendung deshalb auch „vermögender Grundbesitzer“ bedeutet.
Beide Lösungen sind also recht problematisch; vielleicht besser so: Ein isch gibbor chajil zu sein ist im Alten Israel ein stereotyper Bestandteil eines männlichen Tugendkatalogs: König David ist ein solcher, außerdem ist er schön und zudem redegewandt und musikalisch (s. 1 Sam 16,18). Ähnlich ist Kisch ein solcher und sein Sohn Saul ist schön (s. 1 Sam 9,1f). Ähnlich auch Jerobeam, der außerdem ein guter Handwerker ist (1 Kön 11,28) und Naaman, der außerdem von seinem Herrn geschätzt und voll der Ehre ist (s. 2 Kön 5,1); und wohl aus diesem Grund kann es dann in Jes 5,22 sogar metaphorisch-sarkastisch für Trunkenbolde verwendet werden (heldenhafte Weintrinker und mächtige Alkoholmischer). Vielleicht heißt es an unserer Stelle also nur: „Boas ist ein mächtig starker Typ“, und ein „mächtig starker Typ“ ist nach der verbreiteten Ansicht (/dem literarischen Stereotyp?) zu biblischer Zeit stets ein „mächtiger Krieger“.
Sehr wichtig ist in unserem Kontext aber außerdem, dass Boas in Rut 3,11 Rut als eine eschet chajil bezeichnet und sie so mit sich auf eine Stufe stellt; es ist daher sehr zu empfehlen, das Wort an beiden Stellen gleich zu übersetzen. Beides zusammennehmend scheint mir hier „mächtiger, fähiger Mann“ die sinnvollste Übersetzung zu sein. (Zurück zu v.1)
caus der Sippe Elimelechs - „Sippe“ = soziale Größe. Die Keimzelle der altisraelitischen Gesellschaft ist die „Familie“ (wörtl.: das „Haus“). Eine Stufe darüber steht die „Sippe“ - die „Großfamilie“ -, von denen es im Alten Israel etwa 60 Stück gab und von denen jede zu bevölkerungsreichen Zeiten wohl durchschnittlich etwa 10.000 Mitglieder hatte (vgl. Andersen 1969, S. 35). Noch eine Stufe darüber stehen die „zwölf Stämme“ (vgl. näher Verwandschaft (AT) (Wibilex)). Dass Boas aus der „Sippe“ Elimelechs stammt, heißt also, dass sie irgendwie verwandt sind; über den Grad der Verwandtschaft sagt es erst mal nichts.
Erwähnenswert ist noch, dass Boas in diesem ersten Vers zweimal über Elimelech ausschließlich der Noomi zugeordnet wird; am Ende des Kapitels (V. 20) dagegen wiederum doppelt ohne die Zwischenschaltung Elimelechs sowohl Noomi als auch Rut - was gut zum in FN a erwähnten verwandschaftlich-näher-Heranrücken des Boas an die beiden Frauen passt. (Zurück zu v.1)
dBoas (der Kraftvolle, der Scharfsinnige) - ein weiterer Name mit umstrittener Bedeutung. Die meisten deuten als bo az/oz („in ihm [ist] Kraft“), was sehr gut zu seiner Charakterisierung als isch gibbor chajil passt (s. FN b); vorgeschlagen wurde aber auch eine Ableitung vom arabischen barzun („Geistesstärke“), so z.B. Noth 1928, S. 228. Interessant in unserem Kontext ist vielleicht noch, dass vergleichbare Namen in Moab sehr verbreitet waren (vgl. z.B. die Namensliste in Snyder 2010, S. 669). (Zurück zu v.1)
eFeld (V. 2), Feldstück (V. 3) - „Feld“: Das gesamte Ackerland um Betlehem herum, im Unterschied zum „Feldstück“, das nur den Anteil des Boas an diesem gesamten Ackerland bezeichnet (vgl. z.B. Köhlmoos 2010, S. 31). (Zurück zu v.2 / zu v.3)
fIch würde [gerne] gehen (V. 2) + Ich würde [gerne] lesen (V. 7) - W. „Ich will gehen/lesen-na´“ / „Lass mich gehen/lesen-na´“. na´ ist ein sog. „Höflichkeitsmarker“ (vgl. bes. Wilt 1996; z.St. auch Holmstedt 2010, S. 106); die vorgeschlagene Übersetzung trifft den Tonfall von Ruts Äußerung daher wesentlich besser. (Zurück zu v.2 / zu v.7)
gtFN: an den Ähren mitlesen: Nicht „in den Ähren lesen“; die Präposition b- hat hier die Funktion eines „Beth comitatus“: an den Ähren mit-lesen (so z.B. Gerleman 1965, S. 23; Joüon 1913, S. 200; Zenger 1986, S. 55). Zum Ährenlesen s. näher die Anmerkungen. (Zurück zu v.2)
hhinter dem, in dessen Augen ich Gefallen finde - häufige geprägte Wendung im Heb., die noch zwei weitere Male in diesem Kapitel kommen wird und jedes Mal anders zu übersetzen ist (s.u.). Hier drückt es aus, dass Rut für ihr Nachlesen des Wohlgefallens eines Mannes bedarf (s. die Anmerkungen). Sehr gut daher : „Ähren lesen, wo es mir jemand erlaubt“; ähnlich de Waard/Nida 1992, S. 22; H-R, HER05, HfA, MEN, NeÜ, NL, OEB. Noch treffender GN: „Ich finde schon jemand, der freundlich zu mir ist und es mir erlaubt.“, PAT: „bei jemand, der es mir freundlich erlaubt“ (Zurück zu v.2)
iGeh, meine Tochter! muss frei übersetzt werden. Das Hebräische hat kein Wort für „Ja“; Zustimmung wird daher ausgedrückt, indem eine vorige Äußerung teilweise wieder aufgegriffen wird (hier also: „Ich würde gerne gehen“ - „Geh!“; vgl. bes. Greenstein 1989, S. 53). Noomis Antwort klingt daher wörtlich übersetzt wesentlich knapper und harrscher, als sie eigentlich ist (vgl. z.B. etwas unglücklich : „Geh, Tochter!“). Besser de Waard/Nida 1992, S. 22; T4T: „Go ahead!“ (=„Mach das“); GN, NeÜ, MEN, NL: „Geh nur, meine Tochter“. Am besten HfA: „‚Ja‘, antwortete Noomi, ‚geh nur!‘“ (Zurück zu v.2)
jging und kam - Zu „ging und kam und...“ s. bes. noch 2 Sam 11,22: „Der Bote ging und kam und sagte David alles“. Es gibt noch viele ähnliche Stellen in der Bibel: Wenn im Hebräischen von einer Reise berichtet wird, kann der „Reisebericht“ häufig in die beiden „Reise-Episoden“ „(Fort)gehen“ und „Ankommen“ aufgesplittet werden. Oft dient diese Stileigentümlichkeit des Heb. zusätzlich dazu, einen Aspekt der Reise näher zu spezifizieren; z.B. die Reisegruppenkonstellation (Ri 13,11; 1 Sam 28,8; 30,9), den Reiseanlass (1 Sam 17,20; 1 Kön 19,3), den Reisemodus (1 Sam 19,18; 2 Sam 17,18; 1 Kön 20,43) oder nähere Angaben zu Ort (1 Sam 19,22; 1 Kön 17,10) und Zeit (2 Sam 4,5). Aber ebenso häufig - und wichtiger für unsere Stelle - ist, dass diese Stileigentümlichkeit ohne eine derartige Spezifizierung dann angewandt wird, wenn ausgedrückt werden soll, dass die Reise etwas länger dauert (Num 13,26; Jos 2,1; Ri 19,10; 1 Kön 14,17; 2Kön 4,25; 8,14; vgl. außerdem noch die Botenauftragsformel „Geh, komm!“ in 2 Kön 5,5; Jes 22,15; Ez 3,4.11). So ist wohl auch unsere Stelle zu verstehen: Rut sammelt nicht auf dem erstbesten Feldstück bei der Stadt, sondern „sie ging und kam“ soll ausdrücken, dass das das Feld etwas abseits liegt und sie eine längere Strecke dorthin zurücklegen musste - und umso größer ist der Zufall, dass es dann gerade das Feldstück des Boas ist, auf das sie gerät. So haben es wohl außerdem schon LXX, Syr und VUL verstanden, die einfach nur mit „sie ging“ übersetzen. (Zurück zu v.3)
k([Und das kam so: ]) - Hier müssen wir zu einer unwahrscheinlicheren der möglichen Deutungen greifen, weil wir nach den SF-Kriterien in V. 7 zu einer etablierten Verlegenheitsübersetzung greifen müssen (s. dort): Der Satz ist als einfache Aussage zu lesen, der den Beginn von Ruts Nachlesetätigkeit angibt.
Eigentlich wahrscheinlicher: Gar nicht selten finden sich in der Bibel sogenannte „proleptische Summarien“, d.h. Sätze, die nicht eigentlich zur „story“ gehören, sondern zusammenfassend eine folgende Handlung vorwegnehmen (vgl. bes. Ska 1995). Ein solches proleptisches Summarium ist auch „Also ging und kam und sammelte sie hinter den Schnittern an den Ähren mit“: V. 8 legt sehr nahe, dass Rut ihre Nachleseerlaubnis erst von Boas bekommt, sonst wäre sowohl ihre euphorische Reaktion in V. 10 als auch Boas Rede davon, dass Rut auf ein anderes Feld weiterziehen würde, ganz unverständlich; und folgerichtig identifiziert sie in Vv. 10.13 als „den, in dessen Augen sie Gefallen findet“, ja nicht den Aufseher, sondern gleich zwei Mal Boas (so z.St. auch wieder Ska 1995, S. 324; auch Campbell 1975, S. 93; Hubbard 1988, S. 149, Ska 2003, S. 55). Aber da wir nach den SF-Kriterien V. 7 so auffassen müssen, dass Rut schon vor Boas´ Nachleseerlaubnis in V. 8 gesammelt hat, ist diese Deutung hier für unsere Übersetzung nicht gangbar. (Zurück zu v.3)
lZufällig geriet sie - unübersetzbare Figura etymologica: „Es fügte sich ihre Fügung“, „es zufällte ihr Zufall“. Wie schon das „sie ging und kam“ unterstreicht diese F.E. den großen Zufall, der zum Zusammentreffen Ruts und Boas führt. Das folgende Wort „Stück“ in „Feldstück“ hat auch die Bedeutung „Los, Schicksal“, was dies noch zusätzlich unterstreicht - man müsste beinahe übersetzen: „Ihr Zufall zufällte das dem Boas zugefallene Feld“. (Zurück zu v.3)
mUnd, siehe da: Da kam [auch schon] - W. „Und siehe, es [war] kommend Boas...“. „Und siehe“ markiert das im Folgenden Geschilderte als überraschend; „und siehe“ + Partizip drückt oft aus, dass überraschenderweise „genau das richtige passiert“ (Campbell 1975, S. 93; ebenso z.B. Berlin 1994, S. 92f). Ein weiterer Zufall also, der zum Zusammentreffen von Rut und Boas führt. (Zurück zu v.4)
nJHWH [sei] mit euch! + Es segne dich JHWH - Keine auffallend frommen Grüße, sondern stereotypisierte Grußformeln, die noch heute in manchen semitischen Sprachen gebräuchlich sind; vergleichbar etwa dem Dt. „Gott zum Gruß“ - „Grüß Gott!“ (urspr. Bedeutung: „Gott segne dich“). Dass es sich hier „nur“ um stereotype Formeln handelt, sieht man z.B. auch daran, dass Syr frei mit einer weiteren, anderen gängigen Grußformel übersetzt („Friede sei mit euch“); auch Mischna Berakhot 9,5 leitet aus dieser Stelle ab, dass man „seinem Gefährten Frieden im Namen des Herrn wünschen sollte“, was sich ebenfalls auf eine andere heb. Grußformel bezieht: Schalom („Friede!“). VUL übrigens übersetzt: Dominus vobiscum, und auf diese Übersetzung geht der deutsche Gruß „Der Herr sei mit euch“ zurück, wie er noch heute z.B. in der katholischen Liturgie gebräuchlich ist - etwas unglücklich vielleicht, da, wie gesagt, in hebräischen Ohren dies „JHWH mit euch“ nicht viel frommer oder fremder klang als in deutschen Ohren ein „Grüß Gott“.
Man sollte hier aber dennoch nicht zu frei übersetzen: Das Rutbuch ist ein „Segensbuch“, in dem fortwährend gesegnet wird - s. eben hier; Rut 2,19.20; Rut 3,10; ähnlich auch die Segenswünsche in Rut 1,8f; Rut 2,12; Rut 4,11f - und auffallend in diesem Kontext ist, dass Boas gerade nicht sagt: „JHWH segne euch“, sondern „JHWH sei mit euch“: Das Wort „segnen“ ist im Rutbuch ausschließlich Rut (3,10) und Boas (2,4; 2,19f) vorbehalten; ähnlich, wie z.B. auch nur diese beiden als chajil bezeichnet werden - zumindest die Vokabel „segnen“ sollte in der Übersetzung also schon erkennbar sein. Zudem ist es „nicht müssig“ (Bertholet 1898, S. 60), dass von allen zur Verfügung stehenden Grußformeln gerade diese beiden verwendet werden: Auf diese Weise ist das erste und das letzte Wort dieses nur vier Wörter langen Dialogs „JHWH“, was die Erntegemeinschaft ganz deutlich als Gemeinschaft von JHWH-Verehrern charakterisiert. Auf ganz bescheidene Weise erfährt Rut mit ihrer Aufnahme in diese Erntegemeinschaft also schon hier eine Aufnahme in die „Gemeinde des Herrn“ (s. die Anmerkungen zu Rut 1).
Gut daher die Übersetzungsempfehlung von de Waard/Nida 1992, S. 27, beide Formeln zu belassen und mit einem „begrüßen“ einzuleiten: „Boas grüßte seine Arbeiter, indem er sagte: ‚JHWH sei mit euch!‘ - und die Arbeiter grüßten zurück: ‚JHWH segne dich!‘“ (ähnlich z.B. GN, H-R, HfA, NeÜ, NL, T4T). (Zurück zu v.4)
oJunge (Angestelltem) - W. „Junge“, doch bezeichnet das Wort hier wie oft recht sicher das Dienstverhältnis (für angestellte Feldarbeiter auch in Ijob 1,5). Ob es sich dabei um Knechte oder Lohnarbeiter handelt, ist zunächst nicht zu erschließen; aber da Boas zunächst auch Rut mit diesen „Jungen“ und „Mädchen“ in einen Topf zu werfen scheint, können wir mutmaßen, dass es sich bei dem „Jungen, der über die Schnitter gestellt war“, wohl um jemanden wie den „Verwalter“ in Mt 20,8; Lk 12,42 handelt und dass dieser in Abwesenheit seines Herrn weitere „Jungen“ und „Mädchen“ - nämlich Lohnarbeiter - einstellen konnte, die Boas daher auch nicht kennen musste. (Zurück zu v.5)
p[Zu] wem [gehört] - W. „Wem [ist] dieses Mädchen?“. Dass Rut sich hier über Ruts Verhältnis zu ihren Familienangehörigen nach ihrer Identität erkundigt (also nicht einfach fragt: „Wer ist das?“), ist ganz gewöhnlich (vgl. z.B. Lande 1949, S. 79: „Nicht in der Frage nach dem Eigennamen dürfen wir daher die allgemeine Erkundigungsformel erblicken, sondern in der viel häufigeren nach der Familienzugehörigkeit.“); das kommunikativere Äquivalent dafür ist doch einfach „Wer ist das Mädchen da?“ (gegen de Waard/Nida 1992, S. 28; so auch BFC, GNB, GW, MSG, NIRV, NLT, Wycliffe). (Zurück zu v.5)
qZu aus {dem Gebiet} (von den Feldern von) Moab s. FN e zu Rut 1,1.6.22. (Zurück zu v.6)
rDie Antwort des Verwalters wird gerahmt von der Betonung des Moabitertums Ruts; in „Ein moabitisches Mädchen [ist] diese“ ist „moabitisches Mädchen“ zudem emphatisch vorangestellt. Es ist wohl auch wirklich relevant, denn Ruts Mobitertum beißt sich mit ihrer Bitte, Nachlese halten zu dürfen (s. Anmerkungen); weshalb der Verwalter es dann eben auch doppelt hervorhebt. (Zurück zu v.6)
sbei den Garben (in Garben, zu Garben, {bei den Garben}?, Halme?) - Zu bei den Garben s. die Anmerkungen. Vielen Exegeten scheint es schwierig, daher wollen sie das Wort entweder mit Syr und VUL streichen oder von ba`amarim („bei den Garben [sammeln]) nach ba`amirim („Halme [sammeln]) umpunktieren (=> Textkritik), was wohl unmöglich ist, da `amir ein Kollektivnomen ist und daher sehr wahrscheinlich nicht als Plural `amirim vorkommen kann, und da das Wort mit der Präposition b sehr unwahrscheinlich das Objekt von „sammeln“ sein kann. Neuere deuten daher lieber als „in Garben sammeln“ oder „zu Garben sammeln“ (so z.B. Bush 1996, S. 114; Holmstedt 2010, S. 116; Hubbard 1988, S. 107; Korpel 2001, S. 99), was grammatisch möglich, aber sprachlich sehr redundant formuliert wäre und unnötig ist. (Zurück zu v.7)
tDas Ende von V. 7 ist der schwierigste Satz im Rutbuch. Im Folgenden werden einige der besseren Lösungsvorschläge erklärt, doch keiner dieser Vorschläge ist ganz unproblematisch. In der LF wird daher nach SF-Kriterium 1a eine unauffällige, gut etablierte Übersetzung verwendet werden müssen; die Mischung aus am besten vertretbar und am etabliertesten ist: „Sie kam und ist dageblieben; von heute morgen bis gerade eben hat sie [nur] kurz Pause gemacht“ (so oder ähnlich , GN, H-R, HfA, LUT, MEN, NeÜ, NL, R-S, TAF, ZÜR).

Wörtlich übersetzt lautet der Text etwa: „Und-sie-ist-gekommen und-geblieben von dem-Morgen bis-jetzt/gerade eben, dieses/dieses ihr-Sitzen das-Haus kurz/seit-Kurzem.“

  1. geblieben - Heb. wata`amod. (a) Auf den ersten Blick scheint dies so gedeutet werden zu müssen, dass Rut nach ihrer Ankunft nur herumgestanden wäre: „Sie ist gekommen und gestanden“. (b) Weil die meisten davon ausgehen, dass die Auskunft des Verwalters ein Hohelied auf Ruts Fleiß beinhaltet, deuten viele das Wort als „bleiben“, was sprachlich gut möglich wäre („Sie ist gekommen und geblieben“), oder (noch häufiger) als „sie war auf den Beinen (d.h. sie war fleißig)“, was sprachlich nicht möglich ist. (c) Alternativ hat schon Houbigant 1777, S. 259 vorgeschlagen, wata`amod zu emendieren (=> Textkritik) nach wata`amor („sie las Ähren“; erwogen auch von Rudolph 1962, S. 46): „Sie ist gekommen und hat Ähren gelesen“. Doch ist das Wort sonst nicht belegt. (d) Vorschlagen möchte ich (S.W.) außerdem, dass es sich bei „sie kam und stand“ um eine ähnliche Doppelverb-formel handelt wie bei „sie ging und kam“ in V. 3 (vgl. FN j; zu solchen Doppelverbformeln vgl. z.B. Polak 1989) und bei dem ähnlichen Doppelausdruck „sie warf sich auf ihr Gesicht und verneigte sich“ in V. 10, und dass dieser dann verwendet wird, wenn vom Zurücklegen einer längeren Wegstrecke inklusive der Ankunft die Rede ist („X kam und stellte sich zu Y“ ≠ „X kam und positionierte sich bei Y“, sondern „X legte einen längeren Weg zu X zurück“, s. bes. 2 Kön 5,15.25; 8,9; 18,17; Jer 7,10; 17,19; Ez 9,2; Ez 10,6; Dan 2,2). Doch hat die Existenz dieser Formel bisher m.W. noch niemand vorgeschlagen.
  2. bis-jetzt/gerade eben, dieses/dieses - zéh („dieses/diese/jetzt/hier(her)) kann (a) zu `ad-atta („bis jetzt“) gezogen werden und `ad-atta zeh heißt dann „bis gerade eben“ (s. 1 Kön 17,24; 2 Kön 5,22), (b) zu „ihr Sitzen“ gezogen werden, was dann „dieses ihr Sitzen“ heißt oder (c) für sich genommen und dann auf Rut („diese“), den Zeitpunkt („jetzt“) oder den Ort („hier(her)) bezogen werden.
  3. ihr-Sitzen, heb. schibtah, ist ein Infinitiv und daher merkwürdig. Viele wollen deshalb emendieren (=> Textkritik): Entweder (a) soll dann umvokalisiert werden zu schabthah („sie macht(e) Pause“; so LXX) oder (b) es soll nach schabah („sie kehrt(e) zurück“; so VUL) korrigiert werden. (c) Premnath 1988, S. 55f denkt außerdem, jaschab könnte auch für das Besitzen von Land stehen; dem folgend könnte man schibtah deuten als „ihr Besitz“ - aber eigentlich hat das Hebräische hierfür andere Vokabeln.
  4. das-Haus ist problematisch: Bei den Feldern standen keine Häuser und „Zelt“ oder „Hütte“ kann bajit nicht heißen. (a) Sehr viele wollen daher das ganze Wort streichen (z.B. Bush 1996, Gerleman 1965; Köhlmoos 2010; Rudolph 1962; Würthwein 1969; Zenger 1986). (b) BHQ und Weippert 1978, S. 272 haben außerdem erwogen, ob bajit nicht wie seine akkadischen und arabischen Kognate „Grundstück, Feld“ heißen könne. Im Mischnahebräischen ist das recht sicher so: Vogelstein 1894 listet eine ganze Reihe von Feldbezeichnungen, in denen bajit „Feld“ bedeutet (s. S. 10.13.16.23.59) und der Besitzer des Feldes heißt in Mischna und Tosefta fast stets ba`al habajit („Herr des Hauses“). S. dann noch Jes 5,7-9 (dazu Premnath 1988, bes. S. 54f) und Jer 31,27, wo dann vielleicht mit dieser Doppelbedeutung gespielt wird, auch Jer 32,15; Mi 2,2; Neh 5,3.11.13. (c) Eine weitere Gruppe deutet habajit als adverbialen Akkusativ mit der Bedeutung „im Haus“ oder „zu/nach Hause“.

Basierend auf diesen Optionen lassen sich aus dem Text folgene Situationen rekonstruieren:

  • Am häufigsten vertreten: Rut kam auf Boas Feld an, begann auf die vorläufige Erlaubnis des Verwalters mit ihrer Nachlese und war dann so fleißig, dass der Aufseher Boas berichten kann:
    • Sie kam und blieb (1b). Hier (2c) [war] ihr Sitzen (=ihr Aufenthaltsort), das Haus (=Noomis Haus in der Stadt) [dagegen nur] wenig. (ein Lob auf ihren Fleiß; so Moore 1997 nach Lys 1971; ähnlich Loader 1992: Dies ist ihr Aufenthaltsort; sozusagen ihr Heim.; ähnlich auch Hubbard 1988, S. 151) - Dieser Vorschlag kommt bisher als einziger mit dem hebräischen Text zurecht, wie er vorliegt (abgesehen von der Akzentuation), ist aber so elliptisch, dass er bisher nur wenig Anerkennung gefunden hat.
    • ähnlich: [...]. Ihr zuhause-Sitzen weilt [nur] kurz. (=das ist eine, die nur wenig zuhause herumsitzt - so schon LUT, van Ess; Hajek 1962, S. 51; Korpel 2001, S. 92. So sogar schon um 1200 Jesaja Di Trani; vgl. Zakovitch 1999, S. 113) - doch ist die Deutung von „Ihr Sitzen zuhause [ist] kurz“ als generelle Aussage über Ruts Fleiß doch recht gezwungen.
    • Weil Rut als Leserin so unerfahren ist, hat sie trotz ihres Fleißes nur wenig Ertrag zusammengebracht: Sie kam und war seit heute Morgen auf den Beinen (1b), und bis gerade eben (2a), wo sie sich zu Hause (4c) wieder setzen will (=wo sie wieder nach Hause zurückkehren will), [ist es (=das, was sie gesammelt hat)] [nur] wenig. (Barthélemy 1982, S. 132; Zimolong 1940; nun auch BHQ) - Aber das ist unlogisch. Der folgende Text zeigt ja, dass noch mindestens ein Essen und eine weitere „Lese-Einheit“ folgt. Warum sollte dann Rut nach Hause zurückkehren wollen, wo es doch gerade so wenig ist, was sie gesammelt hat? Außerdem kann „sie stand“ nicht „sie war auf den Beinen“ heißen, und es ist schwer glaublich, dass gerade „es“ - das, was sie gesammelt hat - ausgespart sein sollte, wo es doch das Thema der Aussage ist.
  • Rut ist bei Boas Feld angekommen, doch der Verwalter hat ihr die Erlaubnis zur Nachlese nicht erteilt: Sie kam und stand (1a) von heute Morgen bis gerade eben [...] (so z.B. Campbell 1975, S. 94f.; ähnlich Sasson 1979, S. 47.56; Hubbard 1988, S. 154.176) - Doch in dem Fall wäre gerade das problematische „ihr Sitzen das Haus wenig“ unmotiviert.
  • Rut war den ganzen Vormittag von Feld zu Feld unterwegs, ist aber überall abgewiesen worden. Nun ist sie bei Boas Feld angekommen und hat sich erschöpft niedergelassen: Sie war von heute Morgen bis jetzt hierher (2c) unterwegs (1d); ihr Sitzen das Haus/auf dem Feld (4a/4b) [ist (=währt)] [erst] seit Kurzem (d.h., sie ist gerade erst angekommen). - doch ist die Existenz der Formel „sie kam und stand“ als „sie war unterwegs“ m.W. von niemandem vorgeschlagen worden und die Streichung von habajit doch ein recht krasser Eingriff in den Text / die Deutung von bajit als „Feld“ nicht allgemein anerkannt. Mir (S.W.) ist diese Deutung dennoch recht sympathisch, weil dann Boas Reaktion in V. 8 so gut motiviert wäre: „Du musst nicht zum Lesen auf ein anderes Feld gehen; von hier musst du nicht fort, sondern du darfst hier bleiben, bei meinen Mädchen.“
  • Sie kam und blieb (1b) von heute Morgen bis gerade eben. Ihr Besitz (3c) an Land (4b; eine Constructus-Verbindung mit zwischengeschaltetem Possessivpronomen, vgl. IBHS §9.3.d.14; zum Infinitiv im Status Constructus vgl. JM §49b, FN 6) [ist] [nur] gering., eine Rechtfertigung des Verwalters dafür, dass er Rut die Nachlese gewährt hat; denn zur Nachlese waren nur arme Bürger mit nur wenig oder gar keinem Landbesitz zugelassen. Doch weder die Deutung von bajit als „Land“ noch von jaschab als „besitzen“ ist allgemein anerkannt. (zu v.7)
uHöre, meine Tochter: (V. 8) + Hiermit befehle ich meinen Jungen... (V. 9) - W. „Hörst du nicht, meine Tochter!?,...“ + „Habe ich nicht meinen Jungen befohlen...?“, doch rhetorische Fragen werden im Hebräischen auch häufig als Ausrufesätze verwendet (vgl. z.B. Driver 1973). So auch viele Üss, auch Campbell 1975, S. 85f.; Holmstedt 2010, S. 118; Hubbard 1988, S. 154; Köhlmoos 2010, S. 30; Loretz 1963, S. 50; Sasson 1979, S. 49. Eine Übersetzung mit „Lass mich dir einen Rat geben: ...“ (so z.B. de Waard/Nida 1992, S. 26; GN, HfA) ist nicht zu empfehlen: Erstens ist der Aufruf zum Zuhören im Hebräischen eine stereotype Formel, um ein Gespräch oder im Verlauf dieses Gesprächs eine Instruktion einzuleiten (s. z.B. Gen 23,6.8.11.15; schön auch 2 Sam 20,17); zweitens trifft dies hier eher nicht den Sinn von Boas Äußerung, die doch wohl kein Verbot ist, auf ein anderes Feld zu gehen, sondern eine Erlaubnis, hierbleiben zu dürfen (s. die Übersetzungsalternativen). Besser: „Hör mal, meine Tochter:...“ (Zurück zu v.8 / zu v.9)
vAuffallender Stilbruch: Boas sagt hier gleich drei Mal das selbe; ein starker Kontrast zu seinen beiden Zwei/Drei-Wort-Sätzen in Vv. 4.5.
Erwähnenswert ist noch ein neuer Interpretationsvorschlag von Müller 2013: „weggehen“ steht mit der Negationspartikel ´al, „fortziehen“ dagegen mit der Negationspartikel lo´. Weil solche Verneinungen mit ´al häufig entweder für Verbote oder für zeitlose moralische Prinzipien verwendet werden (s. FN ba zu Ob 12-14), folgt Müller Syr und fasst den ersten Satz als ein Sprichwort auf: „Hast du nicht [das Sprichwort] gehört: ‚Man gehet nicht auf eines Andren Felde sammeln‘? - Demnach willst [wohl] auch nicht von hier fortziehen, [oder]? [Na gut,] dann hänge dich hier an meine Mädchen!“
Das ist eine schöne Interpretation, aber unnötig: ´al und lo´ werden noch häufiger derart austauschbar nebeneinander verwendet (s. z.B. Ex 23,1; Lev 10,6; 11,43; 1 Kön 20,8; Spr 22,24). (Zurück zu v.8)
wdas sie abernten - „sie“: maskulin, also die männlichen Erntearbeiter. (Zurück zu v.9)
xihnen: feminin. Entweder also die weiblichen Garbenbinderinnen, dann „folge ihnen“, oder die anderen Frauen, die Nachlese halten; dann „gehe an ihrer Seite“ (zu ´achar als „(zusammen) mit“ s. FN aq zu Rut 1,15). Aber der letzte weibliche Referent sind „meine Mädchen“, daher ist die erste Option doch sehr viel wahrscheinlicher. (Zurück zu v.9)
ywarf sie sich auf ihr Gesicht und neigte sich erdenwärts - eine weitere gebräuchliche Doppelverbformel (s. FNn j. t; zu dieser speziell vgl. Polak 1989, S. 451. Zur Wiedergabe mit „sie warf sich auf ihr Gesicht“ statt „sie fiel...“ vgl. Péter-Contesse 2013, S. 25); ebenso gedoppelt z.B. in Jos 5,14; 1 Sam 25,23; 2 Sam 9,6; 14,22; 2 Chr 20,18; ähnlich 1 Sam 20,41; 2 Sam 14,4. Die Bedeutung ist nur: „Sie verneigte sich“; eine Geste, aus der gleichzeitig Demut und überwältigte Dankbarkeit spricht. Den Verneigungsgestus hat man sich in etwa vorzustellen wie die im Islam übliche Gebetshaltung: Man kniete sich nieder und beugte seinen Kopf zur Erde hinab (vgl. de Waard/Nida 1992, S. 31). Richtig daher MSG: „Sie sank auf ihre Knie und beugte ihr Gesicht zur Erde“ (ähnlich , T4T), doch stiltreuer wäre einfach „Da warf Ruth sich vor ihm nieder“ (ähnlich z.B. GN, HfA, NeÜ, NL). Am besten NLT: „Da warf sich Ruth ihm zu Füßen nieder und dankte ihm herzlich [besser: rief überwältigt:]“. (Zurück zu v.10)
zGefallen in deinen Augen gefunden ≠ „Wie habe ich das verdient“, sondern „Wie kann das sein, dass du wohlgefällig auf mich blickst - obwohl ich doch Ausländerin bin?“; der letzte Satz ist klar der Gegensatz zu den ersten beiden. Das wird noch zusätzlich betont durch ein unübersetzbares Wortspiel: „... dass du wohlgefällig auf mich blickst und mich beachtest (lähakireni, von nakar „beachten“), obwohl ich doch Ausländerin (nokrijah) bin?“ (Zurück zu v.10)
aa{und sagte zu} (V. 11) + {indem er sagte} (V. 15) - Doppelte Redeeinleitung finden sich sehr häufig im Hebräischen und sind dort ganz gewöhnlich. Im Deutschen können sie ohne Bedeutungsverlust gestrichen werden. (Zurück zu v.11 / zu v.15)
abBerichtet {berichtet} - Ein sog. „tautologischer Infinitiv“: Ein Verb wird doppelt verwendet; einmal im Infinitiv und einmal als finites Verb. Nicht: „Mir wurde genau berichtet“ (so viele Üss.); die Funktion dieser Konstruktion ist es, den Modus der gesamten Aussage zu betonen (vgl. Jenni §10.3.1.1); hier soll also betont werden, dass Boas in der Tat von Ruts Handeln berichtet wurde (vgl. IBHS § 35.3.1b), da dieser Bericht von Ruts Handeln für Boas das Gegengewicht zu ihrem Ausländertum darstellt und schwerer wiegt als dieses. Also: „Ich versichere dir: Mir wurde berichtet“, d.h. in idiomatischerem Deutsch: „Weil mir [ja/doch/...] berichtet wurde,...“ (ebenso Jos 9,24). (Zurück zu v.11)
acwas du für deine Schwiegermutter nach dem Tod deines Mannes getan hast - Ein „Segens-Update“: Noomi wünscht ihren Töchtern den Segen Gottes für alles, was sie ihr und ihren Ehemännern getan haben (Rut 1,8); Boas nun wünscht Rut Gottes Segen für alles, was sie in der Zwischenzeit, nämlich nach dem Tod ihres Mannes für ihre Schwiegermutter getan hat. (Zurück zu v.11)
advorher (gestern vorgestern) - W. „gestern vorgestern“; ein Idiom für „vorher, früher“. (Zurück zu v.11)
aeunter seinen Flügeln Schutz zu suchen (unter seinen Gewandzipfeln zu bergen) - zur Vorstellung des beflügelten JHWH s. noch Ps 17,8; 36,8; 57,2; 61,5; 63,8; 91,4 - eine geläufige Metapher für JHWH als schützende Gottheit; vergleichbar dem Bild der Schutzmantelmadonna.
Allerdings ist nicht leicht verständlich, warum Boas diese Metapher verwenden sollte, denn Rut ist ja gar nicht nach Israel gekommen, um bei JHWH Schutz zu suchen. Vielleicht daher besser so: Ebenfalls geläufig in der Bibel ist die Metapher von JHWH als dem Ehemann des gläubigen Israels, s. Jes 62,4f; Jer 2,2; Jer 16,8; Hos 2, bes. Vv. 2.7.16.19f; so dann auch über Jesus, s. Mk 2,19f; 2 Kor 11,2. Noch häufiger wird der Glaubensabfall metaphorisch als Ehebruch geschildert. Bestandteil dieser Metapher ist die Bekleidung der Braut Israel mit einem Kleidungsstück seines Ehemanns JHWH (wie ja auch in Rut 3,9 der „Mantel, den Boas über Rut decken soll“, sehr sicher ein Symbol für die Heirat ist), s. bes. Ez 16,8 (dazu Kruger 1984); angedeutet wohl auch Jer 2,31f (das Vergessen des Gürtels durch die Braut als Symbol für den „Ehebruch“ Israels mit JHWH). Noch häufiger belegt ist das Gegenteil: Die Strafe für diesen „Ehebruch“ ist das Entkleiden des Ehebrechers Israel, s. Jes 47,2f (vgl. Vv. 8f); Ez 16,39; Hos 2,5.11; Nah 3,4f. Vielleicht ist also kanap hier besser wie in Rut 3,9 als „Gewandzipfel“ und das „Bergen unter diesen Gewandzipfeln“ (Plural auch in Jer 2,34; Ez 5,3) wie dort als Symbol für die Ehe - nämlich zwischen JHWH und Rut - aufzufassen, die widerum Metapher für Ruts Bekehrung zum Judentum ist (wie die Stelle tatsächlich schon TgRut aufgefasst hat: „JHWH, der Gott Israels, unter dessen glorreicher Schechina Schatten du gekommen bist, um bekehrt und beschützt zu werden.“ (Üs. nach Levine 1973, S. 28)). Ähnlich aber nur Gray 1967, S. 414f.
S. dazu außerdem noch die Anmerkungen. (Zurück zu v.12)
afMöge ich in deinen Augen Gefallen finden - das dritte Vorkommen dieser Formel; wieder in anderer Bedeutung. Nicht: „[weiterhin] Gefallen finden“ (so viele Üss.); gut erklärt von Ehrlich 1908, S. 163f:

[...] Als unabhängiger Satz drückt [die Formel] nicht eine Bitte oder einen Wunsch aus, sondern die Versicherung, dass der Redende einen ihm gewordenen gültigen Zuspruch oder eine Wohltat, die ihm der Angeredete bereits erwiesen hat, zu würdigen weiss und in der Zukunft sich Mühe geben will, sich dafür dankbar oder, mehr wörtlich, ihm gegenüber ein gefälliges Wesen zu zeigen, vgl. Gen 47,25; 1 Sam 1,18; 2 Sam 16,4 und besonders Rut 2,13. Letztere Stelle ist von besonderer Beweiskraft, weil dort der Grund der Versicherung ausdrücklich genannt ist. [...] Das ist der eigentliche Sinn des fraglichen Ausdrucks, doch erscheint in sämtlichen oben angeführten Fällen, wie bei allen Höflichkeitsformeln zu geschehen pflegt, der ursprüngliche Begriff abgeschwächt, sodass man damit nur sagen will: ich danke.“;

der Sinn ist also eher: „Für diesen Zuspruch danke ich Ihnen, mein Herr - möge ich mich ihm als würdig erweisen (=Gefallen finden in Ihren Augen).“ Als Dankesformel deuten auch HfA, MEN, R-S. (Zurück zu v.13)
agmein Herr + Magd - geläufige Höflichkeitsstrategie: Man spricht von sich und dem Gegenüber nicht als „ich“ und „du“, sondern in der 3. Pers. als „Magd“ und „Herr“ (vgl. z.B. Warren-Rothlin 2007, S. 62f.; z.St. auch de Waard/Nida 1992, S. 34; Gray 1967, S. 415). Der Kontrast ist hier besonders stark, da Boas Rut direkt zuvor als „meine Tochter“ angesprochen hat: Rut ist ganz außerordentlich höflich und demütig. Übersetze besser: „Möge ich Gefallen in Ihren Augen finden (dazu s. vorige FN), mein Herr, da Sie mich getröstet und zu meinem Herzen (dazu s. nächste FN) gesprochen haben.“ (zu v.13)
ahzum Herzen deiner Magd gesprochen hast - Idiom sowohl für „trösten“ (s. noch Gen 50,21; Jes 40,2) als auch für „Mut zusprechen“ (s. noch 2 Sam 19,8; 2 Chr 30,22; 32,6). Wahrscheinlich ist hier beides im Blick (so auch Campbell 1975, S. 100). (Zurück zu v.13)
aiBin ich nicht [nur] wie eine deiner Mägde!? - d.h. „dabei bin ich ja nur wie eine deiner Mägde!“; ein weiteres Mal wird eine rhetorische Frage als Ausrufesatz verwendet (=> Yiqtol; in Fragesätzen wird Yiqtol des Öfteren wie Qatal verwendet; vgl. ähnlich Driver 1973, S. 108). LXX und VUL haben das wohl richtig gesehen und als positiven Aussagesatz übersetzt, LXX aber das Yiqtolverb zu wörtlich mit Futur wiedergegeben. Eine Umpunktierung von lo´ („nicht“) nach lu´ („wahrlich“, so Houbigant 1777, S. 259; Haller 1940, S. 10) ist unnötig; die Deutung als selbstsichere Einschränkung („Ich danke dir, dass du zum Herzen deiner Magd gesprochen hast - aber ich werde nicht wie eine deiner Mägde sein!“, so Köhlmoos 2010, S. 30.44; Niccacci 1995, S. 86) macht wenig Sinn. (Zurück zu v.13)
ajBoas sagte zu ihr: „Komm zur Essenszeit hierher“ - so löst nur Holmstedt 2010 (gegen die Akzentuation der Masoreten) auf - „weil die masoretischen Akzente Prosodie und nicht Syntax markieren“ (S. 132). Aber Prosodie geht ja mit Syntax Hand in Hand; nach der masoretischen Akzentuation hat man doch nach der Primärübersetzung zu deuten. (Zurück zu v.14)
akEssig - Weinessig; aus dem rabbinischen Schrifttum geht das deutlich hervor (vgl. Löw 1928, S. 102ff; auch Dalman 1933, S. 18; Dalman 1935, S. 388). Davon, dass Erntearbeiter bei Hitze ihr Brot in Essig tunken, spricht auch LevR 34,8, da dieser „bei Hitze geeignet“ sei (Shabbat 113b; zitiert nach Zakovitch 1999, S. 120f). (Zurück zu v.14)
alreichte - Bed. unsicher (-> Hapax legomenon). Offenbar verwandt sind das mischnahebräische Wort für „Henkel“, das akkadische Wort für „festhalten, greifen“ und das ugaritische Wort für „Zange“; vermutlich bezieht sich das Wort also auf den Akt des Greifens und Weiterreichens (vgl. z.B. Zakovitch 1999, S. 121). (Zurück zu v.14)
amRöstkorn - Über dem Feuer geröstete Getreidekörner; ein im Alten Orient (und noch heute) verbreiteter Snack. (Zurück zu v.14)
anstand sie auf, um zu sammeln (begann sie, zu sammeln) + Auch zwischen den Garben darf sie sammeln, und ihr dürft (wenn/auch, [wenn] sie zwischen den Garben sammelt, dürft ihr) - Die meisten Ausleger sehen in diesem Satz eine besondere Bevorzugung Ruts durch Boas: Normalerweise sei es Nachlesern nicht erlaubt, zwischen den Garben zu sammeln; Boas aber erlaubt es ihr nicht nur, sondern verbietet sogar seinen Erntehelfern, sie dafür zu tadeln, deshalb macht Boas Rut auch dieses besondere Zugeständnis, als sie gerade aufsteht und noch in Hörweite ist. Wahrscheinlich ist es aber überhaupt keine besondere Bevorzugung, zwischen den Ähren Nachlese halten zu dürfen (s. Anmerkungen) und die besondere Bevorzugung besteht nur im Verbot des Tadelns. In diesem Falle sollte man nach den beiden alternativen Auflösungen deuten (zur Auflösung von „stand auf, um“ als „begann, zu“ vgl. bes. Dobbs-Allsopp 1995). Zumindest syntaktisch deutet so auch VUL: „Auch, wenn sie zusammen mit euch ernten will, dürft ihr es ihr nicht verbieten“ (auch ; Niccacci 1995, S. 87f), und auch Midrasch Suta sieht im Verbot des Tadels die besondere Bevorzugung: „Schätzt sie nicht gering, da sie eine Königstochter ist, und scheltet nicht mit ihr, noch lasset sie verletzende Worte hören, sondern lasst sie, ohne sie zu beschämen, zwischen den Garben Ähren auflesen!“ (Üs. nach Hartmann 1901, S. 49). (zu v.15)
ao[durchaus] herausziehen {herausziehen} (herunterwerfen {herunterwerfen}) - Schwieriger Ausdruck. Alle neueren deuten so, dass der Ausdruck abzuleiten sei von einem nur hier verwendeten Wort schalal II („herausziehen“ - im Gegensatz zum gebräuchlicheren, gleichlautenden schalal I „plündern“) und dass das Wort in diesem Ausdruck schol-tascholu einmal im Infinitiv und einmal im Yiqtol verwendet wird - ein sog. „tautologischer Infinitiv“, der den Befehlscharakter der Äußerung noch verstärkt (vgl. FN ab zu V. 11, daher [durchaus]).
In Ermangelung einer besseren Deutung folgen auch wir dem; allerdings ist diese Deutung recht problematisch: Wenn der Infinitiv schol von diesem schalal abgeleitet wäre, wäre eigentlich schalôl zu erwarten, und selbst wenn hier - wie in Ausnahmefällen möglich - Infinitivus constructus für Infinitivus absolutus verwendet wird, wäre schälol zu erwarten (vgl. JM §123q; s. Jes 10,6; Ez 38,12; 38,13 (bis)). Man muss für diese Deutung also (1) von der Existenz eines Verbs ausgehen, das gleich lautet wie ein verbreiteteres Wort und das nur hier verwendet wird, (2) davon, dass es entweder irregulär konjugiert (so z.B. Olshausen §245i) oder falsch geschrieben ist und das letzte l durch Dittographie ausgefallen ist (so GKC §67o), was (3) auch nur funktioniert, wenn man davon ausgeht, dass hier ausnahmsweise Infinitivus constructus für Infinitivus absolutus verwendet wird, und dies (4), obwohl weder Tg noch LXX noch VUL noch Lekach Tob noch Raschi dieses Wort zu kennen schienen und daher übersetzten, als würde naschol tischlu („ihr sollt herunterwerfen {herunterwerfen}“, von Heb. naschal) stehen (das sich in den Konsonanten nur durch ein zusätzliches n am Beginn des ersten Wortes vom masoretischen Text unterscheidet); ähnlich auch Ben Eli. Joüon geht deshalb soweit, drei Konsonanten zu ergänzen und statt schl tschlw zu lesen: schblim tschlw („ihr sollt Ähren herunterwerfen“; Joüon 1913, S. 204). Besser sollte man dann vielleicht doch nach LXX, Tg, VUL und Lekach Tob von einem ursprünglichen naschol tischlu („ihr sollt herunterwerfen {herunterwerfen}) ausgehen, obwohl keine einzige heb. Handschrift erhalten ist, in der diese Textvariante sich findet. (Zurück zu v.16)
apHandbündel - Die beim Ernten in der linken Hand gehaltenen Ährenbündel; s. die Anmerkungen und vgl. z.B. Dalman 1933, S. 42; Humbert 1950, S. 206f.; Vogelstein 1894, S. 62. (Zurück zu v.16)
aqklopfte aus - dazu s. die Anmerkungen (Zurück zu v.17)
arungefähr ein Efa (genau ein Efa, ein ganzes Efa) - das k in kä´epha könnte gedeutet werden als approximatives Kaf („ungefähr ein Efa“; so die meisten), als Kaf veritatis („genau ein Efa“; so erwogen von Campbell 1975, S. 104) oder ein emphatisches Kaf („ein ganzes Efa“, so offenbar niemand). Ein „Efa“ ist ein israelitisches Trockenmaß. Wieviel genau es umfasste, ist unsicher. Folgt man dem System von Schmidt 2014, entspricht ein Efa entweder zwischen 10 und 20 Liter (also etwa 6-12 kg) oder zwischen 36 und 39 Liter (also etwa 22-24 kg) Gerste (vgl. z. St. ähnlich Younger 1998, S. 124f). Der Tagesbedarf lag bei etwa 1 l Gerste; minimal hätte also Rut an einem Tag für fünf Tage ihre und Noomis Ernährung sichergestellt, maximal für fast 3 Wochen - in jedem Fall weit mehr, als man für einen Tag Nachlese hätte erwarten dürfen. Für die LF wäre eine Wiedergabe in kg sinnvoll, aber da nicht sicher ist, wie viele kg genau ein Efa sind, ist eine Empfehlung schwierig. Berücksichtigt man das sehr wahrscheinlich postexilische Abfassungsdatum des Rutbuches und die Tatsache, dass 36-39 l der mutmaßliche Umfang des „postexilischen Efas“ ist, wäre die sinnvollste Übersetzung wahrscheinlich „fast 25 kg Gerste!“
Die deutschen Üss., die eine Umrechnung liefern, folgen entweder den Berechnungen von Albright, der das Flüssigmaß „Bath“ auf 22 l berechnet und dann das Trockenmaß Efa mengenmäßig mit dem Bath gleichsetzt (so z.B. GN, HfA, NeÜ, SLT) oder den Berechnungen, die ein Efa mit dem persischen maris gleichsetzen und daher als 40 l bestimmen (so z.B. NL) (Zurück zu v.17)
ashob es auf (wuchtete es hoch) - W. „hob es auf“; vermutlich expliziert, um das Gewicht ihres Ertrags zu betonen; daher besser „wuchtete es hoch“ o.Ä. (Zurück zu v.18)
atTextkritik: zeigte ihrer Schwiegermutter (ihre Schwiegermutter sah) - nach dem (vokallosen) Urtext sind beide Deutungen möglich. MT deutet durch Vokalisation und LXX und Tg durch Übersetzung als „ihre Schwiegermutter sah“, Syr, VUL und Arab durch Übersetzung als „sie zeigte ihrer Schwiegermutter“. BHQ wertet die zweite Lesart nach Barthélemy 1982, S. 133 als „syntaktische Erleichterung“, weil sie auf einen gleichmäßigeren Text ziele; aber ebenso leicht kann man das Zustandekommen der Deutung von MT, LXX und Tg damit erklären, dass sie sich daran orientierten, dass „was sie übriggelassen hatte“ den Objektmarker ´éth hat, „ihre Schwiegermutter“ aber nicht (was aber sehr häufig vorkommt). Es gibt keinen Grund, der Deutung von MT den Vorzug zu geben; vier spätere Handschriften haben sogar einen weiteren Objektmarker vor „ihre Schwiegermutter“ eingefügt, um eine andere Deutung auszuschließen. Dieser Lesart folgen z.B. auch Bertholet 1898, S. 62; Gray 1967, S. 415; Hamann 1871, S. 18f.; Wright 1864, S. 34; Würthwein 1969, S. 13; Zakovitch 1999, S. 125; Zenger 1986, S. 52. (Zurück zu v.18)
auWo - Das Heb. verwendet in dieser Frage zwei verschiedene Wörter für „wo“ - vermutlich deshalb, weil das erste (´ephoh) ähnlich klingt wie „Efa“ (´epha; so gut Zakovitch 1999, S. 126) - Ruts großer Ertrag ist es, der Noomis Frage provoziert. (zu v.19)
avder dich [wohlwollend] angesehen [hat] - d.h., „dein Wohltäter“. Das selbe Verb wie in V. 10. (Zurück zu v.19)
awGesegnet [sei] jener von JHWH - zur Deutung von l als „von“ vgl. z.B. BrSynt §107e. Theoretisch auch möglich: „Gesegnet sei er vor JHWH“ oder „anempfohlen sei er dem JHWH“; so oder so ist aber der Sinn der der obigen Übersetzung: Noomi wünscht JHWHs Segen auf Boas herab. (Zurück zu v.20)
axder nicht von seiner Treue zu den Lebenden und den Toten abgelassen hat könnte sich sowohl auf jenen, d.h. Boas, oder auf JHWH beziehen. Wohl bewusst; s. die Anmerkungen zu Kapitel 3. (Zurück zu v.20)
ayUnd dann sagte - W. „Und sie sagte“, die redundante Redeeinleitung soll hier den Höhepunkt des Dialogs von Noomi und Rut markieren (vgl. Runge 2007, S. 169, FN 226). (Zurück zu v.20)
azdas heißt: Er ist unser Löser! - sicher nicht: „er ist einer von unseren Lösern“ (so fast alle). Zunächst ist „Löser“ hier Singular, so dass es dann übersetzt werden müsste „er ist einer von unser Löser“ (was sich noch durch scriptio defectiva erklären ließe), vor allem aber gibt es immer nur einen Löser, so dass der Sinn höchstens sein könnte: „Er gehört zu denjenigen, die potentiell als unsere Löser fungieren könnten [wenn jeweils die, die vor ihnen in der Reihenfolge der Löserpflicht stehen, die Ausübung dieser Löserpflicht verweigern].“ (vgl. Brichto 1973, S. 13: „he is a kinsman of ours, in the 'redeemer line'“; Campbell 1975, S. 88: „one of our circle of redeemers“). Dass es auch nach dem Rechtssystem des Rutbuchs nur einen Löser gibt, sieht man deutlich an Rut 4,5 (so auch Staples 1937, S. 63f.). Besser ist daher das min („von“) als min explicativum zu deuten („das heißt“, vgl. ZLH, S. 446), was dann auch erklärt, warum Rut in Kapitel 3 denkt, Boas wäre in der Tat ihr Löser. Wegen dieser Stelle ist auch der Vorschlag von Gesenius abzulehnen, der das min als „nächster nach“ deuten will („er ist der Nächste nach unserem Löser“; Gesenius 1840, S. 805). (Zurück zu v.20)
baDazu [kommt], dass - W. „Zusätzlich [ist (=gilt), dass]“. Gut Bertholet 1898, S. 62: „[... Dies] gibt die lebhafte Rede wieder: auch das noch muss ich beifügen, dass....“ (Zurück zu v.21)
bbJungen (V. 21) + Mädchen (V. 22) - Dass Rut hier von „Jungen“ spricht, obwohl Boas oben von „Mädchen“ gesprochen hat und dass direkt folgend auch noch Noomi wieder von „Mädchen“ spricht, hat vielen Kommentatoren Anlass zu Spekulationen gegeben. Fischer 2001, S. 190f z.B. deutet Rut als eine Feministin, die dem androzentrischen Weltbild ihrer Schwiegermutter entgegenkommen will; Köhlmoos 2010 denkt, dass Boas und Noomi die junge Rut vor Belästigungen durch die Männer bewahren wollen und V. 23 dann ausdrücken soll, dass die beiden diese Diskussion „gewonnen“ (S. 50) hätten. Und im Midrasch gibt diese Merkwürdigkeit des Textes Rabbi Chanin bar Levi Anlass für eine despektierliche Bemerkung über den Charakter von Moabiterinnen: „[Natürlich] war sie [nur] eine Moabiterin, [denn] er sagte: ‚Halte dich zu meinen Dirnen [...]‘“ (Üs. nach Wünsche). Für solche ältere und neuere Midraschim gibt der Text bei weitem nicht genügend Anhaltspunkte; besser wäre in der Tat noch, mit Zakovitch 1999, S. 129 das „Jungen“ in V. 21 nach VUL und LXX nach „Mädchen“ zu emendieren (da beide Worte sich im Hebräischen sehr ähnlich sehen und leicht miteinander verschrieben werden konnten); noch besser aber, das Maskulin einfach für ein generisches Maskulinum zu halten: Rut spricht allgemein davon, dass sie sich an Boas Erntearbeitern - männlich wie weiblich - halten darf; Boas und Noomi sind präziser und sprechen nur von den Erntearbeiterinnen (so auch de Waard/Nida 1992, S. 42; ähnlich Zenger 1986, S. 53). Dahin weist auch die Rede vom „anderen Feld“ in V. 22: Entscheidend ist für Noomi nicht, dass Rut mit den Mädchen statt den Jungen geht, sondern dass sie mit Boas Erntearbeitern statt den Erntearbeitern auf einem anderen Feld arbeitet. (Zurück zu v.21)
bcdie mir [sind (gehören)]/[ist (gehört)] - die zweimalige Konstruktion mit die mir [ist/sind] ist stilistisch so auffällig, dass z.B. Perles 1922, S. 84 sie als Aramäismen erklären und Rudolph 1962, z.St. die zweite gar als falsche Wiederholung streichen möchte. Der Effekt der Konstruktion ist die explizitere Zuordnung von Jungen und Ernte zu Boas: Entscheidend ist nicht, dass Rut sich nicht an andere Jungen „hängen“ oder bei einer anderen Ernte Nachlese halten soll, sondern, dass sie sich nicht an andere Jungen als die des Boas hängen und an einer anderen Ernte als der des Boas beteiligen soll: Rut soll bei Boas bleiben. (zu v.21)
bd„Mischna“: eine alte Sammlung jüdischer Rechtstexte (Zurück zum Text: bd)
be„Toseftot“: Alte jüdische Sammlungen mündlicher Überlieferungen zur Ergänzung der Mischna (Zurück zum Text: be)