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Ijob 5

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Lesefassung (Ijob 5)

(kommt später)

Studienfassung (Ijob 5)

1 Rufe doch, ob es einen gibt, der dir antwortet!
{Und} An wen unter den Heiligena willst du dich wenden?
2 Denn (Wahrlich:) den Narren erschlägt die Wut
Und den Leichtgläubigen tötet der Eifer (die Eifersucht).
3 Ich, ich sah's [stets so]:b Ein Narr schlug Wurzeln –
Und ein Felsenpfad [war] (ich verfluchte)c seine Wohnung plötzlich.d
4 Seine Söhne würden fern sein vom Glück,
Würden zerstört werden im Tore
Und keinen Retter [haben].
5 Was seinef Ernte [war], würde der Hungrige essen;
Und ihm['s] [selbst] aus der Dornenhecke nehmeng
Und Durstige (eine Schlinge)h [würden sein] Räuber ihresi Besitzes.

6 Wahrlich (denn), nicht kommt aus dem Staub Unheil,
Und aus der Erde [ist's] nicht, [dass] Mühsal sprießt,
7 Sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren,
Wohingegen Reschef-söhnej hoch fliegen!k


8 Ich dagegen würde die Gottheitl aufsuchen
Und vor Gottl bringen meine Sache,
9 Der große Dinge tut und ohne Zahl (und unerforschliche)
Wunder über alle Nummer,
10 Der Regen gibt auf die Oberfläche der Erde,
Der Wasser sendet auf die Oberfläche der Flur,
 11 Um Niedrige (Erniedrigte) zu heben in die Höhe,
So dass Trauernde aufsteigen zum Heil,
  12 Der Pläne von Listigen ([ach so] Klugen) vernichtet,
So dass nicht vollbringen können ihre Hände [irgend etwas] Erfolgreiches (Schlaues),
13 Der Weise fängt in ihren [eigenen] Ränken (Strategien),
So dass der Ratschluss der Verschlagenen voreilig war
14 – Des Tags werden sie auf Dunkelheit stoßen,
Wie zur Nacht werden sie umhertasten am Mittag!
15 Er rettete vor dem Schwert ihrer Münder (vor dem Schwert, vor ihren Mündern)m
Und vor der Hand von Starken Bedürftige,
16 Es ward dem Armen Hoffnung
Und Ungerechtigkeit schloss ihren Mund.


17 Siehe:n Glücklich der Mann, den der Göttlichel strafen wird
Und der die Züchtigung von Schaddail nicht verachten wird!
18 Denn er, er verletzt und verbindet,
Er zerschlägt und seine Hände (seine Hand)o heilen.

19 In sechs Drangsalen wird er dich retten
Und in sieben wird dich Schlimmes (Böses) nicht treffen:p
20 Im Hunger rettet er dich vom Tod
Und im Krieg vor der Gewalt des Schwerts,q
21 Vorr der Geißel (Peitsche) der Zunge wirst du (immer wieder)s verborgen
Und musst dich nicht fürchten vor Verwüstung (Gewalttätigkeit),t wenn (dass) sie kommt –
22 Über Verwüstung (Gewalttätigkeit) und Hungersnot kannst (wirst) du lachen!
{Und} Vor Tieren des Feldesu fürchte dich nicht,
23 Denn (ja,) mit Söhnen (Steinen, Herren)v des Feldes [ist] dein Bündnis
Und Tiere des Feldesu [haben] Frieden mit dir.

24 Und du wirst wissen, dass Friede deinem Zelt [beschieden ist]
Und du wirst deine Wohnung überschauen (besuchen) und [dabei (dann)] nichts vermissen,
25 Und du wirst wissen, dass deine Nachkommenschaft groß [ist]
Und deine Sprösslinge [zahllos] wie das Kraut der Erde (des Feldes)w [sind].
26 Du wirst kommen (, und dass du kommen wirst) bei voller Kraft (rüstig, in hohem Alter)x ins Grab
Wie sich auftürmt ein Garbenhaufen (Grab)y zu seiner Zeit.z

27 Siehe dies: ich habe es erforscht; so ist es;
Höre es (wir haben es gehört)aa und du, wisse es {dir}!“

Anmerkungen

Kapitel 5 setzt die Erwiderung des Elifas aus Kapitel 4 fort:
(4) Vv. 1-7 Hält man sich dies in Kapitel 4 Gesagte vor Augen, wie kannst du da glauben, dein zorniges Klagegeschrei sei sinnvoll? Es ist doch vielmehr Narretei, und gerade Narren werden doch umso mehr von Gott gestraft. Insgesamt also (Vv. 6-7): An Unheil und Mühsal ist der Mensch selbst schuld, und dies unvermeidlich, da auch diese zur conditio humana gehört (im Unterschied zur conditio divina, 7b). (5) Vv. 8-16: Was also bleibt dem Menschen? Doch einzig dies: Seine ganze Hoffnung in Gott zu setzen, Gott, den Allmächtigen, der doch so regelmäßig Menschen aus schlimmster Not errettet. (6) Vv. 17-27 Ja, man könnte den Menschen geradezu glücklich preisen, über den Gott Unheil bringt – glücklich nämlich insofern, als er den Menschen auch wieder aus dem Unheil rettet und den Menschen ins Heil setzt. Vv. 17-18 ist in diesem Zusammenhang eine antike Version des Sprichworts „Das Schöne am Schmerz ist, wenn der Schmerz nachlässt.“
Gerade auf diese Hoffnung auf ein zukünftiges Heilshandeln wird Ijob in Kapitel 7 einführlich eingehen: Wie die Dinge stehen, hat er einfach keine Zeit mehr, auf ein künftiges Heil zu hoffen: Er steht ja bereits mit einem Fuß im Grab!

aHeilige - vermutlich identisch mit den „Dienern und Boten“ in Ijob 4,18. Diese stehen hier im Gegensatz zu Gott selbst in V. 8 (so Wolfers 1995, S. 381; ähnlich Gordis). (Zurück zu v.1)
bIch, ich sah's [stets so] - „Ich sah“ ist wohl nicht die Einleitung eines Berichts über eine einmalige Erfahrung (wie in Ps 38,35f.), sondern wie in Ijob 4,8 (und 4,12ff.) leitet Elifas hier eine allgemeine Weisheit aus seinen eigenen Beobachtungen ab. Die sehr ähnliche Einleitung von 4,8 und 5,3 kommt bei vielen Üss. leider nicht gut heraus. (Zurück zu v.3)
ctFN: Felsenpfad (ich verfluchte) - Heb. ´qwb, vermutlich eine NF von `qwb, das wie in Sir 6,20; Jes 40,4 für eine felsige und damit unfruchtbares Anhöhe (im Gegensatz zu Land, in dem man „Wurzeln schlagen“ kann) steht (vgl. Sir 6,20: „[Nahe dich der Weisheit wie einer, der das Feld bestellt, / und warte auf ihre guten Früchte.] Ein Felsenpfad ist sie dem Narren, / ein Dummkopf kann sich nicht erfassen.“). Vgl. zum Wort syr. `qb(t) („Fußspur, Ende, Gipfel“); arab. `aqaba („Steil-/Passweg“), äth./tigr. `aqab („Aufstieg, Paß“), amhar. `aqäbät („Anhöhe, Hang“); auch b.San 108b, wo die Menschen, die die Sintflut als ungefährlich abtun wollen, wohl erklären: „Lässt Gott die Flut aus der Erde hervortreten, haben wir Eisenplatten, mit der wir die Erde bedecken (=isolieren) können. Lässt er sie dagegen vom Himmel herunterregnen, haben wir etwas, das `qb=Felsenpfad oder von manchen auch `qš genannt wird“, nämlich, um dorthin zu fliehen. Zum Bild vgl. Ijob 18,15f. („Auf die Wohnung des Gesetzlosen wird Schwefel gestreut werden; unten werden seine Wurzeln verdorren und oben wird verwelken sein Gezweig.“) und Mt 13,5.20f.; zur Formulierung z.B. Zef 1,13 („Ihr Besitz wird zum Raubgut werden und ihre Häuser zur Steppe.“); auch Jes 64,10; Jer 12,10; Mi 3,12; Mal 1,3 u.ö. Bildad wird dieses Bild in Ijob 8,17 noch mal aufgreifen; hier wird eine einst fruchtbare Pflanze vernichtet, als ihr „Garten“ sich auf einmal in einen „Steinhaufen“ und „Haus aus Steinen“ verwandelt, in dem sie nicht mehr wurzeln kann (vgl. weniger nah auch Ijob 15,28; recht nah außerdem noch Sir 40,15, der klar von Ijob inspiriert ist (vgl. V. 16 mit Ijob 8,12): „Der Zweig der Gewalttat wird nicht blühen, denn die Wurzel der Gottlosen steht auf einem nacktem Felsen.“).
Auf den ersten Blick „ich verfluchte“. Ein solcher „Fluch“ ist klar eine Art Schadenszauber; der Text könnte derart gelesen also schwerlich etwas anderes bedeuten als „ich verwünschte seine Wohnung [und in der Folge passierte Folgendes:...]“; verantwortlich für den Ruin des Narren wäre dann also Elifas. Die freien Übertragungen „ich konnte/musste alsbald seine Wohnung verwünschen [weil Gott Unheil über sie gebracht hatte]“ von EÜ, CTAT und PAT passen nicht zur Verbform (ohnehin wäre nach 4,8.11.21 bei einem Verb hier statt Wayyiqtol entweder Yiqtol, Weyiqtol oder Weqatal zu erwarten, womit auch erwartungsgemäß der nächste Vers fortfährt) und auch nicht zur Handlung des Fluchens; eine deklarative („ich erklärte als verflucht“, so Gordis, Hartley) oder ästimative („ich erkannte als fluchwürdig“ – besser auch hier ohnehin „verflucht“ –, so Ebers) Bed. erforderte Piel, der für das Wort auch sonst nicht überliefert ist.
Textkritik: MT wird gestützt durch Aq, VUL, Tg. LXX und Syr aber üs. mit 3. Pers., LXX nämlich mit „sie wurde gefressen“, Syr mit „sie ging zugrunde“. Die meisten Exegeten wollen auf dieser Basis einen alternativen ursprünglichen Text rekonstruieren. Von diesen Vorschlägen her erklären sich die unterschiedlichen dt. Üss., die statt von wa´eqob („ich verfluchte“) ausgehen von einem ursprünglichen wajjuqab („sie wurde verflucht“, so JB nach Buttenwieser, Pope u.a.), wajjirqab („sie wurde morsch“, so HER05, ZÜR nach Beer u.a.) oder wajjo´bed („sie ging zugrunde“, so NL, R-S und wahrscheinlich H-R nach Ball u.a.). BHS und Ges18 schlagen nach Horst waje`aqer vor: „und sie wurde zerstört“. (Zurück zu v.3)
dplötzlich: Sehr gut Berachja: „Plötzlich“ steht im Gegensatz zum langsamen Vorgang des Wurzel-Schlagens, das, um die lange Dauer auszudrücken, im Heb. auch noch Partizip ist. So lange sich Frevler und Narren auch in Sicherheit wiegen mögen: Das Unheil kann ganz unvermittelt über sie hereinbrechen. (Zurück zu v.3)
eDas Tor oder besser der „Torplatz“ in altorientalischen Städten war der zentrale Versammlungsort und damit u.a. der Ort, an dem Gericht gesprochen wurde. Die Söhne des Narren würden als Folge des über ihn hereingebrochenen Unheils „im Tor zerstört“, also verurteilt werden, wie 4,8 die Söhne des Löwen als Folge des über ihn hereingebrochenen Unheils zerstreut werden. (Zurück zu v.4)
fTextkritik: seine: LXX, Hier und ähnlich Syr haben Pluralsuffix („Was ihre Ernte war“). Viele halten dies für ursprünglich (z.B. BHS, Beer, Dhorme, Driver-Gray, Fohrer, Gordis, Horst, Siegfried; auch B-R, HER05, ZÜR); doch sicher ist dies nur Assimilation an 5c wie oft bei N-Shifts. (Zurück zu v.5)
gFrisch geerntetes Getreide wurde im Alten Israel zum Schutz von Dornen umrandet; seine Ernte würde dem Narren also „selbst direkt aus dem Silo“ geklaut. (Zurück zu v.5)
hTextkritik: Lies statt tsmjm (eine Schlinge) nach Aq, Sym, VUL, Syr, Saadja mit den meisten Exegeten und Üss. tsm´jm („Durstige“). (Zurück zu v.5)
iihres - N-Shift: Heb. Stilmittel, bei dem unvermittelt von einem Numerus zum anderen gewechselt wird. Hier möglich, da „der Narr“ natürlich paradigmatisch für alle Narren steht. Hier sogar doppelt: „der Hungrige“ - „[viele] Durstige“, „seine Ernte“ - „ihr Besitz“. Im Dt. gibt es dieses Stilmittel nicht; in der LF daher besser ans vorige Sg. anzugleichen. (Zurück zu v.5)
jReschef-söhne - schwieriger Ausdruck. Zu den verschiedensten Deutungsvorschlägen vgl. ausführlich Burnight 2014b. Reschef war ein altorientalischer Pestgott; das Wort reschef kann außerdem „Feuer“ und „Pfeile“ bedeuten. TgO zu Dtn 32,24 und Sir 43,17 (wo das heb. reschef mit dem aram. resp. gr. Wort für „Vögel“ übersetzt wird), legen außerdem nahe, dass es auch „Vögel“ bezeichnen kann (so auch Ibn Janach und ExR 12), und so übersetzen hier in der Tat die meisten Versionen: LXX in manchen Handschriften als „Söhne des Geiers“ und in anderen als „Söhne des Adlers“, Aq, Sym, Syr und VUL als „(Söhne des) Vogel(s)“. Das macht in diesem Kontext kaum Sinn; so daher unter den dt. Üss. auch nur JB, PAT und LUT (LUT 17 allerdings wie fast alle anderen Üss. „Söhne des Feuers“, also „Feuerfunken“). Nach keiner dieser Deutungen der Reschef-Söhne fügt sich die Zeile aber gut zwischen 7a und 8 ein; daher hier ein alternativer Vorschlag: Die „Söhne Reschefs“ oder „Söhne des Feuers“ sind andere übermenschliche Wesen neben JHWH, von denen auch V. 1 spricht (Tg deutet sie als Dämonen – ähnlich versteht b.Ber 5a den Plural von reschef als „Dämonen“ –, Raschi als Engel und Geister. Zu Engeln als feurigen Wesen vgl. auch Ps 104,4; ApkAbr 19,6; 2Hen 29,3; ExR 25,2; bes. ausführlich PRE 22,5: „Engel sind flammendes Feuer, wie es in Ps 104,4 heißt [...]: das Feuer paarte sich mit Fleisch und Blut, aber verbrannte den Körper nicht. Aber als sie [=die Engel] vom Himmel fielen, von ihrem heiligen Ort, wurde ihre Kraft und ihre Gestalt wie die der Menschensöhne, und ihre Gestalt wurde zu Erklumpen, wie es in Ijob 7,5 heißt [...].“). So auch Königsberger 1896, S. 301f. und Schlottmann 1851, S. 234. Im Gegensatz zum unter Mühsal leidenden und Mühsal hervorbringenden Menschen stehen diese „hoch fliegenden“ Reschefssöhne, die aber gleich darauf – ähnlich wie V. 1 – in V. 8 mit JHWH kontrastiert werden: „An wen unter den Heiligen willst du dich wenden“ und „Auch Reschefsöhne mögen hoch fliegen“ vs. „Ich aber würde mich an JHWH wenden“. Der Grund für dieses Vorziehen JHWHs folgt V. 9ff. (Zurück zu v.7)
khoch fliegen - W. „ihren Flug hoch machen“. (Zurück zu v.7)
lStrophe 2 und 3 werden mit jeweils zwei unterschiedlichen Gottesbezeichnungen eingeleitet: El und Elohim (beides: „Gott“) in V. 8; Eloah und Schaddai (zwei insgesamt eher seltene, im Ijobbuch aber verhältnismäßig häufige Bezeichnungen Gottes. Erstere bedeutet wieder „Gott“, letztere vermutlich „Gott vom Berge“ oder „Gott der Wildnis“; vgl. DDD, S. 749f.) in V. 17. Die Variation von Gottesbezeichnungen innerhalb einer Doppelzeile ist ein häufiges Stilmittel in der bibl. Poesie. Zur Üs. in der LF s. die Seite Gottesnamen. (zu v.8 / zu v.17)
mvor dem Schwert ihrer Münder - also vor ihrer Zunge, mit der man Menschen ebenso schädigen kann wie mit der Hand. Ein ganz ähnlicher Ausdruck steht in V. 21: Die „Geißel der Zunge“ ist ebenfalls die Zunge, die auch hier in einer Genitivverbindung als Waffe erscheint.
Textkritik: vor dem Schwert ihrer Münder (vor dem Schwert, vor ihren Mündern) - MT wie in der Alternativüs. In LXX fehlt das ganze heb. Wort für „vor ihren Mündern“; in 20 MSS, bei Tg, Syr und bei VUL nur die Präposition m- („vor“), so dass in 15a eine Genitiv-Verbindung steht wie in 15b: „Vor dem Schwert ihrer Münder“ (vgl. „vor der Hand Starker“). Dies wäre leicht erklärlich als gram. Assim. an 15b unter zusätzlichem Einfluss von V. 21; da aber derart MT der einzige Textzeuge mit dieser Präp. ist, sollte man sie eher für eine Dittographie halten und mit EÜ, HER05, NeÜ, PAT u.a. die obige Primärüs. für den ursprünglichen Text halten. Einige Exegeten glauben außerdem ohne irgendein Indiz, mipihem („vor ihren Mündern“) stünde hier statt einem ursprünglichen `ani („Er rettete vor dem Schwert den Armen). Das liegt sehr fern; so dennoch H-R, R-S, ZÜR 31 (nicht mehr 07); LUT ergänzt es einfach: „Er hilft dem Armen vor dem Schwert, vor ihrem Mund...“ (Zurück zu v.15)
nSiehe: Anakrusis wie in Ijob 5,5.7; hier gesetzt, um einerseits den Beginn einer neuen Gedankenreihe zu markieren und zweitens das Folgende zu betonen.
Textkritik: Siehe fehlt in 5 MSS, LXX, VUL und Syr; MT wird aber gestützt durch Tg. Vor der folgenden Seligpreisung wäre es eigentlich nicht zu erwarten und wird daher gestrichen z.B. von den Textkritikern Beer, Bickell, Gray, Merx und Siegfried und in BHK (nicht mehr in BHS); auch in NeÜ, STADIJ, R-S, ZÜR. Gerade deshalb wäre aber schwer erklärlich, warum es nachträglich eingefügt werden hätte sollen; wahrscheinlicher ist es daher ursprünglich. (Zurück zu v.17)
oTextkritik: K: Sg.; Q: Pl. Das Verb fordert Pl.; die K.-Lesart ist daher wohl auf einen alten Schreibfehler zurückzuführen. (Zurück zu v.18)
pEin sog. „Zahlenspruch“, bei dem zwei numerisch aufeinander folgende Zahlen im Parallelismus stehen, worauf dann eine der zweiten Zahl entsprechende Aufzählung folgt. S. ähnlich Ijob 33,14; Sir 25,7; 26,5; 50,25; Spr 6,16; vier Mal in Spr 30,15-31. Der Zahlenspruchlogik gemäß müssten im Folgenden also sieben Drangsale aufgezählt werden. Das ist zumindest auf den ersten Blick nicht so – schwierig ist v.a. die Wiederholung von bereits zuvor genannten Drangsalen in 22a und die Rede von den „Steinen“ in 23a –, daher gibt es verschiedenste textkritische Vorschläge zu den folgenden Versen. Am einfachsten so: V. 20 spricht im Staccatostil von vier Drangsalen (Hunger, Tod, Krieg, Schwert), V. 21 langsamer von zwei (Zunge, Verwüstung), 22a nimmt in der Tat untypischerweise noch mehr an Geschwindigkeit heraus und greift noch einmal zwei der sechs bereits zuvor genannten Drangsale auf, und 23a ist nicht von „Steinen“, sondern von Lebewesen die Rede (s. dort), so dass 22b-23 insgesamt nur von einer Drangsal sprechen (in LXX fehlen Vv. 22b-23a; vielleicht genau aus diesem Grund: Damit die Siebenzahl der Drangsale nicht durch die Rede von den „Steinen“ gestört wird). Damit wären die sieben Drangsale Hunger, Tod, Krieg, Schwert, Zunge, Verwüstung, wilde Tiere. (Zurück zu v.19)
qGewalt des Schwerts - W. „vor den Händen des Schwerts“; ähnlich in Ps 63,11; Jer 18,21; Ez 35,5. Man beachte, wie hier die Wörter „Hand“ und „Schwert“ in den beiden Zeilen von V. 15 in eine Zeile zusammengezogen werden; ein häufigeres Stilmittel in der heb. Poesie. (Zurück zu v.20)
rTextkritik: Vor - im MT die selbe Präp. wie am Anfang beider Zeilen von V. 20 (b-, „in“, die aber auch „aus“, d.h. „vor“, bed. kann und hier bed. würde). LXX, VUL, Syr und einige MSS setzen aber die für „vor“ üblichere Präp. m- voraus. Welches der ursprüngliche Text war, lässt sich nicht mehr sagen; auf die LF trägt es sich aber ohnehin nicht aus. (Zurück zu v.21)
s(immer wieder) - V. 20 steht das Verb zwei Mal im Qatal, das hier für allgemeine („gnomische“) Aussagen verwendet wird; V. 21 fährt fort mit Yiqtol, das in 21a für wiederholte („iterative“) Handlungen und in 21b für obligative Modalität steht – T-Shift, ein häufiges und schwer ins Dt. zu übertragendes Stilmittel der heb. Poesie. (Zurück zu v.21)
tGeißelVerwüstung - Klangspiel im Heb.: schotschod.
schod („Verwüstung“) wird von JB und HER05 unnötigerweise korrigiert zu schoded („Räuber“). (Zurück zu v.21)
uTiere des Feldes - d.i. „wilde Tiere“, „Wildtiere“, die wie in Hos 2,14 (ähnlich Hld 2,15 spezieller von den „Füchsen“) eine Gefahr für die Feldfrüchte der Israeliten und als Raubtiere auch für die Israeliten selbst waren. (Zurück zu v.22 / zu v.23)
vSöhnen (Steinen, Herren) - Poet. Synonym der „Tiere des Feldes“ in 22b.23b; hier wie in Gen 49,24; Jes 14,19; Ez 28,14.16 statt als bnj mit sog. „prosthetischem Alef“ geschrieben, so dass das Wort aussieht wie ´bnj („Steine“), wie deshalb auch die meisten alten und alle neueren dt. Üss. übersetzen (so richtig Beer 1915; Andersen; Ball; Blommerde; Pope).
Textkritik: j.Kil viii 5 und Raschi erklären diese ´bnj hßdh („Steine des Feldes“) als ´dnj hßdh (Herren des Feldes“), was nach dem Zeugnis einer Handschrift des Midrasch Tanhuma auch statt ´bnj im Text unseres Verses stand. Besagte „Herren des Feldes“ wären die Bezeichnung eines heb. Fabelwesens, das man auch als „Jiddua“ kannte: Ein menschenähnliches Tier, das mit seiner Nabelschnur an die Erde gebunden ist. „Nichts kann sich ihm weiter nähern als bis auf die Länge dieser Schnur, da es alles um sich herum abgrast und verschlingt, wie die Schnurlänge dies zulässt. Und wenn man es jagt, schießt man Pfeile in die Schnur, bis sie durchtrennt ist, und es stirbt sofort.“ (Sefer haChinuch 514). Diese sehr schwach bezeugte Textvariante im Midrasch Tanhuma halten für ursprünglich auch Buttenwieser; Köhler 1910, S. 75; Königsberger 1896, S. 302; Levy, ChW I 30. (Zurück zu v.23)
wTextkritik: Kraut der Erde (des Feldes) - MT, VUL, Syr wie in der Primärüs. LXX und Tg dagegen haben den üblicheren Ausdruck „wie das Kraut des Feldes“, der sehr wahrscheinlich aber eine Angleichung an diesen üblicheren Ausdruck einerseits und die Rede vom „Feld“ in V. 23 ist. Für ursprünglich halten es dennoch Merx und R-S. Ijobs Nachkommen vermehren sich „wie Unkraut“; er ist also mit einer großen Nachkommenschaft gesegnet. (Zurück zu v.25)
xbei voller Kraft (rüstig, in hohem Alter) - heb. klḥ, unsicheres Wort, nur hier und in Ijob 30,2 in der Bibel überliefert. Den Vrs. war das Wort offenbar unbekannt, weshalb sie an beiden Stellen völlig unterschiedlich übersetzen (Bspp.: LXX: „wie reifer Weizen“ hier, „Vollendung“ in 30,2; VUL „in Menge“ hier, „unwürdig“ in 30,2 usw.). Viele Exegeten denken bei der etymologischen Herleitung der Wortbed. an arab. kalḥun („Zweig“) und aram qelaḥ („Pflanzenstil“), was dann hier so viel heißen soll wie „jung/frisch wie ein junger Zweig“, also „du wirst rüstig sterben“. Denkbar wären auch Ableitungen von arab. kula`un oder kaliḥa („kraftvoll“), was das ungefähr gleichbedeutende „selbst im Augenblick deines Todes wirst du noch in der Fülle deiner Kraft sein“ ergäbe, oder von arab. qalḥama („sehr alt sein“), also „erst in hohem Alter wirst du sterben“. Alle Möglichkeiten finden sich in den dt. Üss.: „Rüstig“ oder „in voller Kraft“ bei B-R, ELB, EÜ; „hoch betagt“ oder „in reifem Alter“ bei H-R, FREE, HER05, JB, LUT, MEN, NeÜ, NL, PAT, R-S, SLT, ZÜR. Ijob 30,2 legt die zweite Ableitungsmöglichkeit recht nahe. (Zurück zu v.26)
yGarbenhaufen (Grab) - Wortspiel (Talchin): Heb. gadisch ist der „Garbenhaufen“, s. Ex 22,5; Ri 15,5. Auch in Ijob 21,32 steht das Wort aber im Parallelismus zu „Grab“, weshalb z.B. Ges18 als zweite Bed. des Wortes „Grab“ listet. Ist das richtig, wäre das Wort hier poetisch äußerst passend, da es gleichzeitig den Garbenhaufen meinen und ein Synonym des parallelen „Grab“ sein würde. (Zurück zu v.26)
zzu seiner Zeit - zur ihm bestimmten Zeit, d.h., wenn das Getreide reif und es Zeit für die Ernte ist. Vgl. zum Ausdruck Ijob 38,32; Jer 5,24 und dann auch Dtn 11,14; 28,12; Ez 34,26. In Ps 104,27 und 145,15 gibt JHWH dann „den Tieren/den Wartenden Speise zu ihrer Zeit = gerade, wenn sie ihrer bedürfen“; Spr 15,23 lobt das „Wort zu seiner Zeit = zur rechten Zeit“ und Hos 2,9 droht JHWH: „Ich werde mein Korn und meinen Most zurücknehmen zu seiner Zeit = gerade wenn er reif ist“. (Zurück zu v.26)
aaTextkritik: Höre es (Wir haben es gehört) - MT, VUL und Tg haben Imperativ, LXX und Syr dagegen 1. Pers. Pl. Die Formulierung in MT ist sehr redundant, das „du“ und das „dir“ wären rein grammatisch wie im Dt. überflüssig. Die meisten Üss. folgen der Texttradition von LXX; gerade wegen der Redundanz wäre es aber sehr viel weniger wahrscheinlich, dass eine 1. Pers. Pl., die darüber hinaus noch so gut mit Ijob 4,12 zusammenstimmt, nach Imp. geändert worden sein sollte als umgekehrt. Das überflüssige „du“ und der Dativus ethicus „dir“, die beide gemeinsam mit 4,12 die Änderung nach 1. Pers. Pl. veranlasst haben werden, legen gemeinsam mit den beiden Imperativen einen sehr starken Nachdruck auf den Satz; Elifas Erkenntnisse sollen Ijob abschließend noch einmal eingehämmert werden. Ganz ähnlich in Z. a, wo mindestens das „dies“ überflüssig und unerwartet ist und derart dreimal mit „dies“, „es“ und „es“ auf das zuvor gehörte referiert wird. (Zurück zu v.27)