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Psalm 1

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Lesefassung (Psalm 1)

 1 Wie glücklich, der nicht folgt der Frevler Rat,
der nicht betritt der Sünder Pfad,
nicht sitzt im Kreis der Spötter,
  2 der sich vielmehr der Weisung Gottes freut
und sie bedenket Tag und Nacht.
3 Er gleicht dem Baum, der, wassernah gepflanzt,
die Früchte bringt zur rechten Zeit
und dessen Blätter welken nicht.
Und was er tut, gerät ihm gut.

4 Nicht so die Frevler!
Wie Spreu sind sie, die jeder Wind verweht
5 Daher der Frevler im Gerichte nicht besteht,
der Sünder nicht im Rate der Gerechten.
6 Gerechter Weg: Von Gott umhegt,
der Frevler Weg jedoch vergeht.

Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 1)

 1 [Wie] glücklich (gesegnet)a [ist] der Mensch (Mann),b
der nicht dem Rat (den Plänen)c der Gottlosen (Übeltäter)d folgt (gefolgt ist),e
{und} nicht auf (mit) dem Weg der Sünder steht (betritt; gestanden hat)
und nicht an dem Ort (auf dem Sitz, im Kreis)f der Spötter sitzt (saß),g
  2 sondern am Gesetz (Weisung, Tora) JHWHs {seine} Freude (Verlangen, Lust) [hat]
und über sein Gesetz Tag und Nacht nachdenkt (grübelt; leise liest oder rezitiert; nachdenken wird).
3 {Und (Dann)} Er ist (wird sein) wie ein Baum, gepflanzt an Wasserkanälen (Wasserbächen),h
der seine Frucht bringt (gibt; bringen wird) zu seiner Zeiti
und dessen Blätter nicht welken.
Und alles, was er tut, gedeiht (gelingt; wird gedeihen, bringt er zum Gedeihen).


4 Nicht so die Gottlosen (Übeltäter)!
{sondern (vielmehr)} [Sie sind] wie Spreu,j die [der] Wind wegbläst (wegblasen wird).
5 Deshalb bestehen (stehen auf; werden bestehen) Gottlose nicht vor dem (nicht im) Gerichtk
und Sünder [nicht] in der Versammlung der Gerechten.
6 Denn (ja) JHWH (kennt=) wacht über den Weg der Gerechten,
aber (und) der Weg der Gottlosen (Übeltäter) führt ins Verderben (vergeht).l

Anmerkungen

Nach den Psalmen 1-2 folgt mit dem „ersten Davids-Psalter“, Ps 3-41, die erste große Psalmen-Sammlung. Daran, dass Pss 1-2 anders als diese Psalmen keine Überschrift haben, die die beiden Psalmen David zuordnen würden, erkennt man gleich, dass sie nicht zu dieser Sammlung gehören: Offenbar wurde Ps 1 entweder gezielt als Einleitung des Psalmenbuches verfasst oder programmatisch an den Beginn des Psalmenbuchs gestellt, weil er sich besonders gut dafür eignete. Das Selbe lässt sich auch ablesen aus seinem Inhalt: Als „Torah-“ bzw. „Weisheitspsalm“ (und damit auch als jüngerer Psalm als der Rest von Pss. 1-41) verdichtet Ps 1 ein typisches Motiv der Weisheitsliteratur, nämlich den „Tun-Ergehen-Zusammenhang“: Wie man handelt, so ergeht es einem. Gutes Handeln – das Beschreiten des „gerechten Weges“ – zieht in der Regel positive Folgen für den Handelnden nach sich, der Weg des Gottlosen dagegen führt ins Verderben (vgl. z.B. Oeming 2000, S. 50 f.). Würde er dagegen der weisen Torah Gottes folgen, würde ihm alles gelingen – er würde „zu seiner Zeit“ Frucht bringen.

Liest man Psalm 1 bewusst als Einleitung des gesamten Psalters, nennt er hiermit zugleich auch Schlüsselqualifikationen für das rechte Verständnis der Psalmen (Waltke 2010, 139): Auch die Psalmen, die ebenso in fünf Bücher aufgeteilt sind wie die eigentliche „Torah“ – der Pentateuch –, sind „Torah“, sind heilige Weisung Gottes, an der man „Freude“ haben darf und die man bedenken soll, weil sie den Weg weisen, der nicht ins Verderben führt, sondern zum Gedeihen.

aglücklich (gesegnet) - Das hier verwendete Wort אַשְׁרֵי־ `ašre drückt nicht einen konkreten Segen, sondern erstrebenswertes, gesegnetes Glück in einer Beziehung mit Gott durch Bundesgehorsam aus (Waltke 2010, 133). Ähnlich auch die Seligpreisungen (Mt 5,1-12). Psalm 1 kann als Definition dafür gelten, welche Art von Mensch sich auf diese Weise glücklich nennen darf (vgl. Kraus 41972, 3): der „Gerechte“ (צַדִּיק ṣaddiq), der falsche Wege meidet (1) und sich stattdessen der Torah, der Weisung Gottes zuwendet (2) (Kraus 41972, 9). (Zurück zu v.1)
bMensch - w. „Mann“. Die männliche Form steht hier stellvertretend für jeden Menschen, auf den das Beschriebene zutrifft (Generisches Maskulinum; vgl. Waltke 2010, 128). (Zurück zu v.1)
cdem Rat (den Plänen) - Das Wort kann sich auch auf die Pläne und Ziele einer Person beziehen, umfasst also mehr als einen einmaligen Ratschlag. (Zurück zu v.1)
dGottlose(רְשָׁעִים reša`im) sind solche, die vor dem Gesetz Gottes schuldig sind und sich Gott bewusst widersetzen (Kraus 41972, 4). Der Gottlose ist das genaue Gegenstück zum Gerechten (Waltke 2010, 133). (Zurück zu v.1)
eWörtlich: „im Rat der Gottlosen geht/gegangen ist“; Übs. vgl. NGÜ, REB, NET. (Zurück zu v.1)
fim Kreis - So EÜ. Gemeint ist mit w. „Sitz der Spötter“ ihr Versammlungsort (TWOT 922d), wo die Spötter (לֵצִים leṣim) sich gegenseitig zum Spott über Gott herausfordern (Kraus 41972, 4). (Zurück zu v.1)
gsitzt (saß) - V. 1 ließe sich auf zwei Weisen lesen: Entweder handelt es sich bei „dem Rat der Gottlosen folgen“, „auf dem Weg Weg der Sünder stehen“ und „am Ort der Spötter sitzen“ um eine Synonymreihung, die sämtlich für das „sich-Vergehen“ stehen, oder es wird hier durch die Entwicklung von „folgen“ – „stehen“ – „sitzen“ eine Entwicklung von dynamisch zu statisch ausgedrückt: Der betreffende Mensch verdirbt immer mehr, indem er sich immer mehr an den Kreis der Sünder annähert, bis er sich schließlich ganz bei ihnen niederlässt. Vgl. hierzu die Diskussionsseite. (Zurück zu v.1)
hGemeint sind mit diesem Wort künstliche Bewässerungskanäle. (Zurück zu v.3)
izu seiner Zeit - Also: regelmäßig, wegen der steten Wasserversorgung, die ohne solche Bewässerungskanäle nicht möglich wäre (Kraus 41972, 6). Wie diese Verheißung zu verstehen ist, ist nicht gleich klar und hängt davon ab, wie alt der Psalm ist: Die Idee eines „ewigen Lebens“ hat sich erst sehr spät in der alttestamentlichen Zeit entwickelt. Ist der Psalm sehr jung, könnte hieran gedacht sein (Waltke 2010, 140). Andernfalls ist „nur“ gemeint: Der Mensch, von dem hier die Rede ist, wird Zeit seines Lebens ebenso nicht zuschanden werden, wie ein Baum nicht verdorrt, der direkt an Wasserkanälen gepflanzt ist. (Zurück zu v.3)
jSpreu sind die Schalen von Getreidekörnern, die früher durch Dreschen von diesen gelöst und dann durch Worfeln von ihnen getrennt wurden. Dabei warf man beide Teile in den Wind, der die leichten Spelzen wegblies, während die Körner wieder auf den Boden fielen (Douglas, Chaff, in: NBD 1996). Die nutzlose Spreu steht im Gegensatz zu dem lebendigen, fruchtbaren Baum (3) (Waltke 2010, 141). Gottlose und Spreu teilen für den Psalmisten dasselbe Schicksal: Sie sind wertlos und bestehen nicht, sie werden im entscheidenden Moment vergehen (vgl. den Beginn von V. 5: „deshalb“). (Zurück zu v.4)
kvor Gericht bestehen - Wieder ist es abhängig vom Alter des Psalms, wie diese Zeile zu verstehen ist. Ist extrem jung – was aber sehr unwahrscheinlich ist – könnte das „Endgericht“ am Ende der Tage gemeint sein. Weit wahrscheinlicher gemeint ist aber ein irdisches Gericht; gemeint ist dann „nur“: Irgendwann wird Gottlosen in einem Gericht schon ihr gerechtes Urteil gesprochen werden. Die parallele „Versammlung der Gerechten“ in 5b ist dann vielleicht die Instanz, die das Urteil fällt (Waltke 2010, 142). Kraus 41972, 8 schließlich glaubt in Anlehnung an Ps 24,3, es wäre hier stattdessen vom Betreten der heiligen Stätte die Rede, aber auch das liegt recht fern. (Zurück zu v.5)
lführt ins Verderben (vgl. SLT, NGÜ, NLB) übersetzt das Verb אָבַד `abad, das häufig etwas altertümlich als „zugrunde gehen, umkommen“ übersetzt wird. (Zurück zu v.6)