Kommentar:Psalm 13

Aus Die Offene Bibel

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Übersetzung[Bearbeiten]

1Für den den Chorleiter.
Ein Psalm von David.
2Bis wann, JHWH, wirst du mich [so] gänzlichavergessen?

Bis wann wirst du dein Gesicht vor mir verbergen?
3Bis wann muss ich Pläne (Auflehnung?, Schmerzen?, Kummer?, Sorgen?)

bin meine Seele legen,

Wobei ([Bis wann (wie lange)] [wird sein/muss ich legen])cKummer in meinem Herzen [ist] [sogar] am Tag (täglich?, den ganzen Tag?, Tag [und Nacht]? {am Tag}?)d?
Bis wann wird mein Feind mir überlegen sein?


4Schau ([auf mich])!e, antworte mir, JHWH,f

Mein Gott, lass meine Augen leuchten,

Damit ich nicht zum Tod entschlafe (im Tod schlafe, tot schlafe, den [Schlaf des] Tod[es] schlafe)g,

5Damit mein Feind nicht sagen kann: „Ich habe ihn übermocht (Ich habe ihn ausgetilgt?, Ich habe es geschafft?)h!“


Mögen auch meine Bedränger jubeln, weil ich wanke,

vertraue ich dagegen (Ich dagegen vertraue)iauf deine Gnade (Güte):
Mein Herz soll [dereinst] jubelni über deine Hilfe,
Ich will JHWH [dereinst] besingeni: „Er hat an mir [Gutes] getani!“

Anmerkungen zum Text[Bearbeiten]

a[so] gänzlich (für immer, fortwährend) - נֶצַח hat meist die Bedeutung „für immer“ (vgl. z.B. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 839); hier - wie auch Ps 74,10; 79,5; 89,47 - würde diese Deutung aufgrund des Gegensatzes von „wie lange“ und „für immer“ jedoch zu Nonsens führen: „Wie lange willst du mich für immer vergessen?“. Als Lösungen dieser Schwierigkeit wurde vorgeschlagen (unsere Lösung: Lösung (5)),
  1. der Text sei zwar logisch gesehen Nonsens, psychologisch aber verständlich: Der logische Widerspruch solle den „komplizierten Seelenzustand [des Psalmisten ausdrücken] wo, wie Luther ihn kurz und treffend beschreibt, im Angstgefühl des göttlichen Zornes ‚die Hoffnung selbst verzweifelt und die Verzweiflung dennoch hoffet‘.“ (Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894., S. 140; so auch Alter 2007Alter, Robert: The Book of Psalms. A Translation with Commentary. New York, 2007.; Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892.; Perowne 1880Perowne, J. J. Stewart: The Book of Psalms. A New Translation with Explanatory Notes for English Readers. London, 1880. online unter: http://goo.gl/VQ2q4V; Weiss 1984Weiss, Meir: The Bible from within. The Method of Total Interpretation. Jerusalem, 1984., S. 303f).
  2. der Dichter habe hier die beiden Fragen „Wie lange willst du mich vergessen?“ und „Willst du mich für immer vergessen?“ zusammengezogen, um durch dieses sprachliche sich-Überstürzen die Erregung des Psalmisten stilistisch nachzubilden (König 1900König, Eduard: Stilistik, Rhetorik, Poetik. in Bezug auf die biblische Litteratur komparativisch dargestellt. Leipzig, 1900. S. 188; so auch Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 76; ähnlich Ridderbos 1972Ridderbos, Nicolaas H.: Die Psalmen. Stilistische Verfahren und Aufbau. Mit besonderer Berücksichtigung von Ps 1-41. Berlin, 1972., S. 152).
  3. dass wir es hier nicht mit einer Doppelfrage, sondern mit zwei Einzelfragen zu tun hätten; entweder also
    1. „Wie lange, JHWH? Willst du mich für immer vergessen?“ (so BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll., Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; Christensen 2005.13Christensen, Duane L.: Psalm 13:1-6. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/qt8fZP; Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006.; GRAILRevised Grail Psalter, eine speziell für das Stundengebet angefertigte liturgische Psalmenübersetzung. Philologisch exzellent und in gut singbarem Sprachrhythmus formuliert.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 98; Limburg 2000Limburg, James: Psalms. Louisville, 2000., S. 37; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Seybold 1996Seybold, Klaus: Die Psalmen. Tübingen, 1996.; STADDie freie jüdische Psalmenübersetzung von Alisa Stadler, der „jüdischen Psalmsängerin unserer Tage“ (Schalom ben Chorin). Eher für Psalmenliebhaber und als Inspiration für die Übertragung der LF interessant als für Exegese und Übersetzungsvergleich; noch mehr aber für Bibliophile: Ein ganz wundervoll gestaltetes Buch.; Weber 2005Weber, Beat: Zum sogenannten „Stimmungsumschwung“ in Psalm 13, in: Peter W. Flint / Patrick D. Miller: The Book of Psalms. Composition and Reception. Leiden, 2005. S. 116-138.) oder
    2. „Wie lange willst du mich vergessen, JHWH? Für immer?“ (so Barnes 1869Barnes, Albert: Notes, Critical, Explanatory, and Practical, on the Book of Psalms. Vol I. New York, 1869. online unter: http://goo.gl/tpdmTW; Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989.; Girard 1996Girard, Marc: Les Psaumes redécouverts. De la structure aus sense. Vol. I: Psaumes 1 à 50. Québec, 2 1996.; NGÜNT- und Psalmenübersetzung der Genfer Bibelgesellschaft 2000-2011. Eine vorbildliche Verknüpfung von philologischer Genauigkeit und kommunikativer Flüssigkeit.; NWKurz für „Neue-Welt-Übersetzung“, der Übersetzung der Zeugen Jehovas. Will eine möglichst genaue Übersetzung sein, trifft dabei aber gelegentlich auch etwas sonderbare Übersetzungsentscheidungen. Vielleicht aber gerade deshalb durchaus lesenswert.; Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53; Prinsloo 2013Prinsloo, Gert T.M.: Suffering Bodies - Divine Absence: Towards a Spatial Reading of Ancient Near Eastern Laments with Reference to Psalm 13 and An Assyrian Elegy, in: OTE 26/3, 2013. S. 772-803. online unter: http://goo.gl/hD2gtD; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.).
  4. dass נֶצַח hier die Bedeutung „fortwährend“ habe und also die schon im „Wie lange“ zum Ausdruck kommende Dauer des Leidens unterstreichen solle: „Wie lange willst du mich fortwährend vergessen?“ (AOATThe Old Testament. An American Translation.; Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.; Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT; Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983.; Dolson-Andrew 1994, S. 49; Duhm 1899Duhm, Bernhard: Die Psalmen. Freiburg u.a, 1899.; Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53., S. 26; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914.; Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241., S. 227).
  5. dass נֶצַח hier und z.B. auch in den obigen drei Stellen superlativische Funktion hat: „Wie lange willst du mich so völlig vergessen?“ (so bes. Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj, S. 25; Thomas 1956Thomas, D. Winton: The Use of נַצַח as a Superlatie in Hebrew, in: JSS 1, 1956. S. 106-109.; auch ALBLudwig Albrechts Übersetzung des NTs und der Psalmen von 1920/1927. Eine wörtliche, aber flüssig zu lesende Übertragung.; Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs.; H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“.; HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 52; LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt. LUT 45 meint die ursprüngliche Übersetzung Luthers, die 1545 das erste Mal als Vollbibel erschienen ist, LUT 12, LUT 84 und LUT 17 die 1912, 1984 und 2017 erschienenen Modernisierungen dieser Üs.; MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.; NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.; Nötscher 1959Nötscher, Friedrich: Die Psalmen. Würzburg, 4 1959., S. 34; SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab.; STADDie freie jüdische Psalmenübersetzung von Alisa Stadler, der „jüdischen Psalmsängerin unserer Tage“ (Schalom ben Chorin). Eher für Psalmenliebhaber und als Inspiration für die Übertragung der LF interessant als für Exegese und Übersetzungsvergleich; noch mehr aber für Bibliophile: Ein ganz wundervoll gestaltetes Buch.; TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus.; van EssBibelübersetzung von Leander van Eß, einem Marburger Pfarrer und Professor. 1840 das erste Mal als Vollbibel erschienen.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 73; ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen..).
Dass man sich für eine Nonsens-Deutung wie (1) nur entscheiden sollte, wenn andere Deutungen nicht möglich sind, sollte offensichtlich sein. (2) ist eine Minderheitenmeinung; in der LF sollten wir uns ihr daher wohl besser nicht anschließen - sinnvoll ist sie aber allemal. Von (3.1) und (3.2) ist deutlich (3.2) vorzuziehen, weil der Vers derart analysiert auch mit der Struktur von Ps 74,10; 79,5; 89,47 übereinstimmen würde; in unserem Vers würden beide Analysen aber die Parallelität der Stichen 2a-3b aufbrechen. Deutungen (4) und (5) sind beide gleichermaßen möglich; wir haben Deutung (5) nur deshalb den Vorzug gegeben, weil sie in deutschen Bibelübersetzungen etablierter ist. (Zurück zu v.2)
bPläne (Auflehnung?, Schmerzen?, Kummer?, Sorgen?) - Die meisten Exegeten gehen davon aus, dass die „Pläne“ hier keinen Sinn machen. Wohl unnötigerweise; den meisten alten Exegeten war der Satz ganz unproblematisch: „Wie lange muss ich Pläne machen, wobei Kummer in meinem Herzen ist“ fragt danach, wie lange der Psalmist noch gezwungen sein wird, Auswege aus der leidvollen Situation zu suchen, die in 3c durch „Wie lange wird sich mein Feind gegen mich erheben“ umschrieben wird (vgl. Alexander 1850Alexander, Joseph Addison: The Psalms. Translated and Explained, Vol. I. Philadelphia, 6 1850. online unter: http://goo.gl/HCLNKp, S. 98; Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892., S. 34; Barnes 1869Barnes, Albert: Notes, Critical, Explanatory, and Practical, on the Book of Psalms. Vol I. New York, 1869. online unter: http://goo.gl/tpdmTW, S. 110; Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53, S. 75). Diese traditionelle Erklärung ist sicher vorzuziehen, denn die alternativen Vorschläge sind sämtlich problematisch:
  1. Driver 1946Driver, G.R.: Mistranslations, in: ET 57/7, 1946. S. 192-193., S. 192f; Driver 1950Driver, G.R.: Hebrew Roots and Words, in: WdO 1/5, 1950. S. 406-415., S. 410f.; Driver 1968bDriver, G. R.: Linguistic and Textual Problems: Isaiah I-XXXIX, in: JSS 13/1, 1968. S. 36-57., S. 45 setzt eine Wurzel עֵצָה II Auflehnung an, die dann hier „harter Kampf, Agonie“ bedeuten soll (vgl. CDCHClines, David J.A.: The Concise Dictionary of Classical Hebrew. Sheffield., S. 339; wohl daher NWKurz für „Neue-Welt-Übersetzung“, der Übersetzung der Zeugen Jehovas. Will eine möglichst genaue Übersetzung sein, trifft dabei aber gelegentlich auch etwas sonderbare Übersetzungsentscheidungen. Vielleicht aber gerade deshalb durchaus lesenswert.: „Widerstreben“) und deshalb (?) und wg. der Übersetzung von SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. („Schmerzen“) mit „Schmerzen“ zu übersetzen sei. So auch Andersen 1972Andersen, Albert A.: Psalms II. London, 1972., S. 128; Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 140; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003., S. 159f. - Wie dieses „deshalb“ hier aber gerechtfertigt sein sollte, vermag ich nicht zu sehen; ebenso wenig, warum die Rede davon sinnvoll sein sollte, dass jemand Schmerzen „in seine Seele setzt“. Dagegen auch Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 1000; KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 821.
  2. Alternativ wird häufig emendiert: עֵצוֹת sei zu lesen als עַצֶּבֶת Schmerz, Kummer, עַצָּבוׂת Schmerzen, Kummer o.Ä. (so BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia, Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT; Budde 1915Budde, Karl: Zum Text der Psalmen, in: ZAW 35. 1915. S. 175-195.; Cheyne 1904Cheyne, Thomas W.: The Book of Psalms. Translated from a revised text with Notes and Introduction. Vol. I. New York, 1904. online unter: http://goo.gl/PW72pu; Duhm 1899Duhm, Bernhard: Die Psalmen. Freiburg u.a, 1899.; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj; Girard 1996Girard, Marc: Les Psaumes redécouverts. De la structure aus sense. Vol. I: Psaumes 1 à 50. Québec, 2 1996.; Halévy 1894cHalévy, Joseph: Notes pour l'interpetation des Psaumes III, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 2/3, 1894.; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Seybold 1996Seybold, Klaus: Die Psalmen. Tübingen, 1996.; „Schmerzen“ haben auch Christensen 2005.13Christensen, Duane L.: Psalm 13:1-6. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/qt8fZP, Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., TEXT, Zuber 1986Zuber, Beat: Die Psalmen. Eine Studienübersetzung unter besonderer Berücksichtigung des hebräischen Tempus. Heidelberg, 1986.; „Kummer“ bei GRAILRevised Grail Psalter, eine speziell für das Stundengebet angefertigte liturgische Psalmenübersetzung. Philologisch exzellent und in gut singbarem Sprachrhythmus formuliert.). Anders als Drivers Vorschlag ließe sich dieser Vorschlag mit SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. stützen, aber er beruht auf einer Emendation, ist unnötig, und wieder ist nicht einsichtig, warum der Psalmist sinnvollerweise davon reden sollte, dass er „Schmerzen/Kummer in seine Seele setzt“.
  3. Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 98 denkt außerdem, עֵצוֹת habe hier die Bedeutung „Sorgen, sorgenvolle Gedanken“, was „durch Spr 27,9 und Sir 30,21 bestätigt“ werde (so auch Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53., S. 26; Weber 2005Weber, Beat: Zum sogenannten „Stimmungsumschwung“ in Psalm 13, in: Peter W. Flint / Patrick D. Miller: The Book of Psalms. Composition and Reception. Leiden, 2005. S. 116-138., S. 121; Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241., S. 227; „Sorgen“ auch Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949., Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM, Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894., Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92; Gerstenberger 1972Gerstenberger, Erhard S. u.a.: Psalmen in der Sprache unserer Zeit. Der Psalter und die Klagelieder eingeleitet, übersetzt und erklärt von E. Gerstenberger, K. Jutzler und H. J. Boecker. Neukirchen-Vluyn, 1972., Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968., Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914., Nötscher 1959Nötscher, Friedrich: Die Psalmen. Würzburg, 4 1959.,Weiss 1984Weiss, Meir: The Bible from within. The Method of Total Interpretation. Jerusalem, 1984., S. 299 und viele Üss.). - Spr 27,9 jedoch bestätigt gar nichts: Die Bedeutung „Sorgen“ liegt für den hebräischen Text sogar sehr fern und die Übersetzung der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. (συμπτωμάτων Missgeschicke) ist weder geeignet, diese Bedeutung zu belegen, noch hat die Wiedergabe des zweiten Versteils in der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. überhaupt viel mit dem hebräischen Text zu tun (so auch Dolson-Andrew 1994, S. 50f). Für Sir 30,21 HBmarg dagegen würde „Sorgen“ in der Tat passen; doch nur wegen dieser einen Stelle sollte man keine weitere Nebenbedeutung für das Wort ansetzen, wenn gleichzeitig die sichere Bedeutung „Pläne“ dort sogar noch besser passt („Deine Pläne sollen dich nicht zu Fall bringen“); so deutet ja auch hier die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.. (Zurück zu v.3)
cWobei Kummer in meinem Herzen ist (Wie lange wird sein/muss ich legen Kummer in meinem Herz) - Beide Auflösungen sind hier gleichermaßen möglich; die eingeklammerte erfordert allerdings die Ergänzung (->BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.) von „Wird sein“ und „muss ich legen“ aus dem vorigen Sticho, was aber nicht problematisch ist. Dass dieser Sticho der einzige in Vv. 2f ist, in dem das einleitende „Bis wann“ fehlt, ist aber so auffällig, dass die primäre Übersetzung doch etwas wahrscheinlicher ist. (Zurück zu v.3)
d[sogar] am Tag (täglich?, den ganzen Tag?, Tag [und Nacht]?, {am Tag}?) - W.: „am Tag“. Weil das „unmöglich“ sei (Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968., S. 46), wird sehr häufig emendiert: (1) Entweder ergänzt man mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. ולילה und in der Nacht („wobei Tag [und Nacht] Kummer in meinem Herzen ist“) oder (2) man emendiert יוֹמָם am Tag zu יום יום Tag auf Tag, täglich, fortwährend („wobei täglich/fortwährend Kummer in meinem Herzen ist“). (3) Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894., S. 140 und Edel 1966Edel, Reiner-Friedeman: Hebräisch-Deutsche Präparation zu den Psalmen. Marburg, 1966., S. 19 denken außerdem, in Sticho a sei ein implizites „in der Nacht“ mitzuverstehen („Wie lange muss ich [nachts] Pläne in meine Seele legen, während tagsüber Kummer in meinem Herzen ist?“). Von diesen drei Vorschlägen wäre deutlich (3) vorzuziehen, weil er von der Notwendigkeit einer Emendation entbinden wurde; noch eleganter ist aber der Vorschlag von Barthélemy 1982Barthelemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancien Testament, Tome 4: Psaumes. Fribourg/Göttingen, 1982., S. 54, den auch Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987. und Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53. übernommen haben: (4) Anders als das Deutsche setzt das Hebräische häufig keine Fokuspartikel, wo dies im Deutschen geboten wäre. Weil die Zeit, zu der man den „Kummer im Herzen“ besonders intensiv empfindet, eigentlich die Nacht ist (so schon Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53, S. 75), ist das „am Tag“ steigernd zu verstehen: Nicht nur in der Nacht, sondern selbst am Tag empfindet der Psalmist deutlich den Kummer in seinem Herzen. In der LF muss man daher ein für das Deutsche notwendige „selbst, sogar“ ergänzen. (Zurück zu v.3)
eSchau ([auf mich]) ist entweder eine sog. „phatische Äußerung“ - d.h. eine Äußerung, die die Aufmerksamkeit des Hörers auf den Sprecher lenken soll (vergleichbar etwa einem gehobenerem Deutschen „Hey!,...“, „Hör mal:...“; vgl. dazu z.B. Jenni 2005Jenni, Ernst: Verwendungen des Imperativs im Biblisch-Hebräischen, in: Ders.: Studien zur Sprachwelt des Alten Testaments II. Herausgegeben von Jürg Luchsinger, Hans-Peter Mathys und Markus Saur. Stuttgart, 2005., S. 242), oder man muss ein „auf mich“ aus dem folgenden „antworte mir“ ergänzen (-> BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.; so auch AOATThe Old Testament. An American Translation.; Barnes 1869Barnes, Albert: Notes, Critical, Explanatory, and Practical, on the Book of Psalms. Vol I. New York, 1869. online unter: http://goo.gl/tpdmTW; Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; Christensen 2005.13Christensen, Duane L.: Psalm 13:1-6. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/qt8fZP; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965.; Dolson-Andrew 1994; FENZFenz, Augustinus Kurt: Das Gebet der Jahrtausende. Aktualisierte Psalmenübersetzung für die Praxis. Aus dem hebräischen Text neu formuliert. Leipzig, 1998. - Eine aktualisierende Psalmenübersetzung, die „den Text zum Leuchten“ bringen will, indem sie z.B. „heutige Sprachbilder an die Stelle fremdartiger, erklärungsbedürftiger Bilder“ setzt und diese in „angemessener Sprache“ formuliert.; Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92; Limburg 2000Limburg, James: Psalms. Louisville, 2000.; NWKurz für „Neue-Welt-Übersetzung“, der Übersetzung der Zeugen Jehovas. Will eine möglichst genaue Übersetzung sein, trifft dabei aber gelegentlich auch etwas sonderbare Übersetzungsentscheidungen. Vielleicht aber gerade deshalb durchaus lesenswert.; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.). Beide Analysen sind hier gleichermaßen möglich; weil aber rückwirkende Brachylogien (d.h. unvollständige Konstruktionen, die man nicht aus einer vorangegangenen Konstruktion „vervollständigen“ muss, sondern aus einer erst noch folgenden Konstruktion - wie hier dem folgenden „antworte mir“) auch im Hebräischen eher selten sind, sollte man sich vielleicht doch eher für Analyse (1) entscheiden. (Zurück zu v.4)
fDie Strukturierung der Vv. 4f ist in der Exegese umstritten. Nach der masoretischen Akzentuierung (so daher auch die meisten Üss. und Exegeten) müsste man strukturieren:
Schau!, antworte mir, JHWH, mein Gott!
Lass meine Augen leuchten, damit ich nicht den Schlaf des Todes schlafe!
Damit nicht mein Feind sagt: ‚Ich habe ihn übermocht‘;
[damit nicht] meine Widersacher jubeln, dass ich wanke.
Doch ich vertraue auf deine Huld...
Fokkelman 2000Fokkelman, Jan P.: Major Poems of the Hebrew Bible. At the Interface of Prosody and Structural Analysis. Volume II: 85 Psalms and Job 4-14. Assen, 2000., S. 87; Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92; Weber 2005Weber, Beat: Zum sogenannten „Stimmungsumschwung“ in Psalm 13, in: Peter W. Flint / Patrick D. Miller: The Book of Psalms. Composition and Reception. Leiden, 2005. S. 116-138., S. 121 und Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987. haben dagegen gut vorgeschlagen, „Mein Gott“ in den nächsten Sticho zu ziehen und „damit ich nicht den Schaf des Todes schlafe“ einen weiteren eigenen Sticho sein zu lassen. Auf diese Weise wäre 4a.b chiastisch gebaut ([Bitte]+[Gottesbezeichnung] / [Gottesbezeichnung]+[Bitte]) und die beiden „damit nicht“-Stichen wären parallel. Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 53; Steck 1980Steck, Odil Hannes: Beobachtungen zur Beziehung von Klage und Bitte in Psalm 13, in: BN 13, 1980. S. 57-62., S. 62; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 73f und Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928., S. 17 ziehen außerdem 5b zu V. 6, was erklären würde, warum V. 6 mit einem adversativen Waw eingeleitet wird und von der Notwendigkeit entbinden würde, in „meine Widersacher jubeln, dass ich wanke“ ein „damit nicht“ zu ergänzen, um den Sticho mit den beiden vorangehenden zu parallelisieren. Dass 5b eng mit V. 6 zusammenhängt, zeigt ohnehin schon die Wiederholung des Wortes „jubeln“. Beide Vorschläge sind sehr sinnvoll; (2) + (3) ergeben kombiniert die obige Strukturierung. (Zurück zu v.4)
gzum Tod entschlafe (im Tod schlafe, tot schlafe, den [Schlaf des] Tod[es] schlafe) - Analyse umstritten.
  1. Die Mehrheitsmeinung (so z.B. auch Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892.; Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949.; Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989.; Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894.; Duhm 1899Duhm, Bernhard: Die Psalmen. Freiburg u.a, 1899.; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. onine unter: http://goo.gl/r9Wpjj; Girard 1996Girard, Marc: Les Psaumes redécouverts. De la structure aus sense. Vol. I: Psaumes 1 à 50. Québec, 2 1996.; Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934.; Weber 2005Weber, Beat: Zum sogenannten „Stimmungsumschwung“ in Psalm 13, in: Peter W. Flint / Patrick D. Miller: The Book of Psalms. Composition and Reception. Leiden, 2005. S. 116-138.; Wellhausen 1898Wellhausen, Julius: The Book of Psalms. A New English Translation with explanatory Notes and an Appendix on the Music of the Ancient Hebrews. London/Stuttgart, 1898. online unter: http://goo.gl/YXwyuY; Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.), die hier auch als die einfachste Analyse vorzuziehen ist, deutet „Tod“ als adverbialen Akkusativ des Effekts: „damit ich nicht entschlafe - was zum Tod führt“. Daneben wurde vorgeschlagen, „Tod“ zu analysieren als
  2. adverbialen Akkusativ des Orts (so z.B. Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006., S. 203): „Damit ich nicht im Tod schlafe“ - doch läge der Fokus dann ja nicht auf dem Tod, sondern auf dem Schlafen des Psalmisten.
  3. adverbialen Akkusativ des Zustands (so z.B. Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT, S. 102): „Damit ich nicht tot schlafe“ - doch läge auch hier der Fokus nicht auf dem Tod, sondern auf dem Schlafen des Psalmisten („Damit ich nicht schlafe und dabei tot bin“).
  4. Recht verbreitet ist außerdem die Position, die אִישַׁן הַמָּֽוֶת ich schlafe den Tod als Abkürzung für אִישַׁן שְנַת הַמָּֽוֶת ich schlafe den Schlaf des Todes deutet (so z.B. Dolson-Andrew 1994, S. 63) - doch warum sollte man von einer solche Abkürzung ausgehen, wenn der Text Sinn ergibt, wie er steht? (Zurück zu v.4)
hIch habe ihn übermocht (Ich habe ihn ausgetilgt?, Ich habe es geschafft?) - Bedeutung umstritten.
  1. Für gewöhnlich wird das wird das Wort abgeleitet von יכל können, überlegen sein, siegen. Steht dieses Wort aber mit einem Objekt, dem man „überlegen ist“ oder das „besiegt wird“, steht dieses Objekt in der Regel mit ל; hier dagegen ist es ohne Präposition und mit direktem Objekt konstruiert.
    1. Entweder ist also davon auszugehen, dass יכל zu den wenigen Wörtern gehört, die gelegentlich auch irregulär gleichbedeutend mit direktem Objekt statt mit Präpositionalphrase konstruiert werden können (dazu vgl. BrSyntBrockelmann, Carl: Hebräische Syntax. Neukirchen-Vluyn, <sup>2</sup>2004. §90a) und nur hier und in Jer 38,5 so konstruiert wird; zu übersetzen wäre dann: „Ich bin ihm überlegen“ oder „Ich habe ihn besiegt“,
    2. oder man emendiert entsprechend Gen 32,26 und Ps 129,2 nach ׂיָכׂלְתִּי לו und es wäre ebenso zu übersetzen.
  2. Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006., S. 203 hat sinnvoll vorgeschlagen, das Wort nicht von יכל können, überlegen sein, siegen abzuleiten, sondern von כלה austilgen (entsprechend z.B. Ex 32,10; 33,3). In dem Fall wäre die Konstruktion grammatisch unproblematisch und zu übersetzen wäre: „Ich habe ihn ausgetilgt“. Das ist ein guter Vorschlag, allerdings eine Sondermeinung; für die LF sollte man sich daher besser (1.1) anschließen.
  3. Ehrlich 1918Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 6: Psalmen, Sprüche und Hiob. Leipzig, 1918. online unter: http://goo.gl/QV0QNJ, S. 1; Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 76 und Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934., S. 22 wollen außerdem emendieren nach יָכׂלְתִּי וְצָרַי Ich habe es geschafft/gesiegt! / Und meine Widersacher.... Das ist wohl ebenso gut möglich wie (1.2); da die Stelle sich aber auch ohne Eingriffe in den Konsonantentext lösen lässt, sollte man sich sicher für Vorschlag (1.1) oder (2) entscheiden. (Zurück zu v.5)
iDie Verbformen in V. 6 sind sehr spannend: „Ich vertraue“ (Qatal) - „Mein Herz soll jubeln“ (Jussiv) - „Ich will besingen“ (Kohortativ) - „er tut [Gutes]“ (Qatal). Ihre Deutung ist recht umstritten, was aber weniger auf ihre Problematik in unserem Psalm, sondern auf die Spekulation über die Textsorte „Klagelied des Einzelnen“ (zu der auch Ps 13 gehört) im Allgemeinen zurückzuführen ist. Bezeichnend für viele dieser Klagelieder eines Einzelnen ist nämlich, dass sie überwiegend im klagenden Tonfall gehalten sind, häufig aber - besonders am Ende des Psalms - einen Abschnitt / mehrere Abschnitte enthalten, die aus einer ganz anderen Stimmung gesprochen zu sein scheinen. Die traditionelle Deutung der Verbformen unseres V. 6 z.B. geht so: „Ich habe vertraut auf deine Gnade, / Mein Herz soll jubeln über deine Hilfe, / Ich will besingen JHWH, denn er hat getan Gutes an mir.“ - und die Vergangenheitsformen scheinen nahezulegen, dass zwischen V. 5 und V. 6 etwas passiert ist, das den Psalmisten dazu veranlasst, nun nicht mehr zu klagen, sondern für ein irgendwann zwischen der Äußerung von V. 5 und V. 6 erfolgtes Heilshandeln JHWHs zu danken. Man bezeichnet dieses Phänomen als den sogenannten „Stimmungsumschwung“ in den Klageliedern des Einzelnen.
  1. Die traditionelle Deutung dieses „Stimmungsumschwungs“ baut auf auf einem Aufsatz Begrichs aus dem Jahre 1934, in dem er die Theorie aufgestellt hat, Anlass für diese Stimmungsumschwünge sei ein „priesterliches Heilsorakel“: Die Klagelieder des Einzelnen wurden nach Begrich stets im Tempel gesungen und nach dem Klage-abschnitt habe dann ein Priester ein Heilsorakel geäußert, für das der Psalmist so dankbar war, dass er noch einen lobend-dankenden Psalmenabschnitt angehängt habe (vgl. Begrich 1934Begrich, Joachim: Das priesterliche Heilsorakel, in: ZAW 52, 1934. S. 81-92.). Nach dieser Deutung wäre die oben wiedergegebene traditionelle Deutung der Verbformen zu wählen. - Doch gibt es für diese Theorie nicht den geringsten Anhalt in den Psalmen und sie wird auch jenen Klagepsalmen nicht gerecht, die nicht nur am Ende, sondern den ganzen Klagepsalm hindurch immer wieder einzelne lobende Textabschnitte einflechten. Dennoch hat sich die Theorie dieses „Stimmungsumschwungs aufgrund eines Heilsorakels“ nunmehr seit über 80 Jahren in der Psalmenexegese gehalten (und wird z.B. selbst noch bei Krispenz 2006 referiert); erst in den letzten Jahren sind einige alternative Vorschläge gemacht worden:
  2. Markschies 1991Markschies, Christoph: „Ich aber vertraue auf dich, Herr!“ - Vertrauensäußerungen als Grundmotiv in den Klageliedern des Einzelnen, in: ZAW 103/3, 1991. S. 386-398. und Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53. gehen davon aus, dass für die Klagelieder des Einzelnen gerade bezeichnend sei, dass sie schon von vornherein aus einer Haltung des Vertrauens in Gottes künftiges Heilshandeln gesprochen seien. Die lobend-dankenden Abschnitte in den Klagepsalmen wäre dann jeweils Ausdruck des Vertrauens in Gott, das stellenweise mitten im Klagen immer wieder aus dem Psalmisten hervorbricht und ihn zur Einflechtung eines vorwegnehmenden Lob-danks veranlassen. Nach dieser Deutung wären das zweite Qatal besser als sog. „prophetisches Perfekt“ zu deuten; als Vergangenheitsformen also, die aus stilistischen Gründen für die Zukunft gebraucht wird, um damit zu unterstreichen, dass das mit dieser Verbform bezeichnete absolut sicher eintreten wird: „Und dennoch/Doch gleichzeitig vertraue ich auf deine Gnade, / Mein Herz soll jubeln über deine Hilfe, / Ich will besingen JHWH, denn er wird tun/wird getan haben Gutes an mir.“
  3. Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241. setzt an der Theorie an, dass die meisten Psalmen keine an eine bestimmte Situation gebundenen Gebete gewesen seien, sondern sog. „Gebetsformulare“, die möglichst viele Beter in möglichst unterschiedlichen Lebenssituationen nachbeten können sollten. Der „Stimmungsumschwung“ in diesen Gebeten solle dann ermöglichen, dass der Nachbeter dieser Gebetsformulare gleichzeitig seiner Klage als auch seinem Vertrauen in Gott Ausdruck verleihen könne.
  4. Beide Vorschläge sind der Spekulation Begrichs sicher vorzuziehen; an der Inkohärenz des „Stimmungsumschwungs“ ändern sie aber nicht viel. Sinnvoller ist daher folgender Vorschlag: Nach Broyles 1989Broyles, Craig C.: The Conflict of Faith and Experience in the Psalms. A Form-Critical and Theological Study. Sheffield, 1989., S. 185f und Irsigler 1995Irsigler, Hubert: Psalm-Rede als Handlungs-, Wirk- und Aussageprozeß. Sprechaktanalyse und Psalmeninterpretation am Beispiel von Psalm 13, in: Klaus Seybold / Erich Zenger: Neue Wege der Psalmenforschung. FS Walter Beyerlin. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1995. S. 63-104., S. 80 dient z.B. unser V. 6 nicht dazu, für ein bereits erfolgtes Heilshandeln Gottes zu danken, sondern dazu, Gott zu einem künftigen heilsamen Eingreifen zu bewegen. Vgl. ähnlich auch Gerstenberger 1991Gerstenberger, Erhard S.: Psalms. Part 1. With an Introduction to Cultic Poetry. Grand Rapids, 1991., S. 84: „Preisende Elemente fungieren in den Klagepsalmen eines Einzelnen auf eine vorläufige Art und Weise - zur Unterstützung der Bitte [...]“ (meine Üs.). Nach dieser Deutung würden sich besagte dankend-preisende Textabschnitte wesentlich besser in den Kontext des Psalms fügen und sie ist daher Deutungen (1)-(3) deutlich vorzuziehen; die Verbformen wären dann am sinnvollsten folgendermaßen zu analysieren: Jussiv und Kohortativ fungieren als Kommissive, das hebräische ki („wenn, dass, weil“) ist als „sobald“ (dazu vgl. Airoldi 1973Airoldi, Norberto: Note ai Salmi 13,6c; 30,6; 31,5; 51,18, in: Augustinianum 13/2, 1973. S. 345-350., S. 345-50; Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 141) zu deuten und das zweite Qatal als Futur II: „Ich vertraue auf deine Gnade. / Ich verspreche, dass mein Herz über deine Hilfe jubeln wird / Und ich JHWH besingen werde, sobald er Gutes an mir getan haben wird.“
  5. Die vier obigen Deutungen nehmen, wie gesagt, weniger speziell von Verbformen in Ps 13,6 ihren Ausgang, sondern von Erwägungen über die Textsorte „Klagelied des Einzelnen“ im Speziellen. Speziell in Ps 13,6 sind sie eigentlich ganz unproblematisch und lassen sich leicht auf eine mit dem Rest des Psalms kohärente Weise analysieren: Das erste Qatal ist ein gnomisches Qatal und kontrastiert den Psalmisten mit seinen Bedrängern: Während sie ihn schon als gefallen erachten, vertraut er dennoch auf Gottes Gnade und verspricht ihm daher schon jetzt und als zusätzliche Motivation ein künftiges Danklied im Falle der Erhörung: Wenn er nicht weiterhin wanken muss, wird er nach Gottes Rettung „über seine Hilfe jubeln“ und „ihn besingen“, und zwar will er ihn dankend besingen mit den Worten (כי zur Einleitung direkter Rede): „Er hat an mir Gutes getan.“ Übersetze daher doch einfach: „Mögen auch meine Bedränger wanken, vertraue ich dagegen auf deine Gnade: Mein Herz soll (dereinst) jubeln über deine Hilfe; ich möchte (dereinst) JHWH besingen (mit den Worten): ‚Er hat Gutes an mir getan!‘.“ (zu v.5)

Kommentar[Bearbeiten]