Zeitgleich schrumpfen Ekron und an der Küste auch Aschdod massiv zusammen, während Gat etwas weiter südlich umso stärker anwächst (Ekron von 24 auf 4 ha, Aschdod von 7 auf 1 ha und Gat von 20-30 im 11. Jhd. auf unglaubliche 40-50 ha im 9. Jhd. Aschkelon maß im 8./7. Jhd. sogar 60 ha; wie groß es zur EZ I und EZ IIa war, ist aber nicht klar).<ref>Zu Aschdod und Ekron vgl. Niemann 2002, S. 75. Die Zahlen zu Gat sind die neueren von Gats Ausgräber Maeir, die zeigen, dass auch Gat schon zur EZ I eine Großmacht an der östlichen Grenze der Philistäa war. Wahrscheinlich darf man danach Gat aber nicht sofort als überwältigende militärische Macht verstehen, wie es Maeir öfter tut: Der starke Wachstum der Stadt ist sicher zurückzuführen auf flüchtende Philister und kanaanäische Kollaborateure aus Ekron, Geser und Timna (und vielleicht Aijalon, Rabbah und el-Kokah). Dass derart starke Flüchtlingsströme nicht sofort Macht und Reichtum, sondern zunächst vor allem wirtschaftliche und infrastrukturelle Probleme bedeuten, wissen wir ja heute nur zu gut.</ref> Im 11./10. Jhd. scheinen im Nordosten der Philistäa die Bewohner der Schefela also stärker gewesen zu sein als Ekron.<br />Diese philistäische Schwäche breitet sich im 9. Jahrhundert noch weiter aus, als der Prozess in eine dritte Phase geht: Die südöstlichen Grenzorte Tel Erani, Khirbet Summeily, Umm al Baqar und Nahal Patisch werden sämtlich zerstört oder aufgegeben. Nur Tel Nagila besteht im Südosten fort, könnte aber von einem anderen Volk bewohnt worden sein (vgl. z.B. Shai u.a. 2011, S. 37f.). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies direkt mit dem Feldzug von Scheschonq zusammenhängt, der kurz zuvor in der direkten Nachbarschaft mindestens in Tel Jemmeh und Tel el-Far'ah westlich von Nahal Patisch und wahrscheinlich auch in den kleinen Gehöften südöstlich davon operiert hat (s.o.).
Zeitgleich schrumpfen Ekron und an der Küste auch Aschdod massiv zusammen, während Gat etwas weiter südlich umso stärker anwächst (Ekron von 24 auf 4 ha, Aschdod von 7 auf 1 ha und Gat von 20-30 im 11. Jhd. auf unglaubliche 40-50 ha im 9. Jhd. Aschkelon maß im 8./7. Jhd. sogar 60 ha; wie groß es zur EZ I und EZ IIa war, ist aber nicht klar).<ref>Zu Aschdod und Ekron vgl. Niemann 2002, S. 75. Die Zahlen zu Gat sind die neueren von Gats Ausgräber Maeir, die zeigen, dass auch Gat schon zur EZ I eine Großmacht an der östlichen Grenze der Philistäa war. Wahrscheinlich darf man danach Gat aber nicht sofort als überwältigende militärische Macht verstehen, wie es Maeir öfter tut: Der starke Wachstum der Stadt ist sicher zurückzuführen auf flüchtende Philister und kanaanäische Kollaborateure aus Ekron, Geser und Timna (und vielleicht Aijalon, Rabbah und el-Kokah). Dass derart starke Flüchtlingsströme nicht sofort Macht und Reichtum, sondern zunächst vor allem wirtschaftliche und infrastrukturelle Probleme bedeuten, wissen wir ja heute nur zu gut.</ref> Im 11./10. Jhd. scheinen im Nordosten der Philistäa die Bewohner der Schefela also stärker gewesen zu sein als Ekron.<br />Diese philistäische Schwäche breitet sich im 9. Jahrhundert noch weiter aus, als der Prozess in eine dritte Phase geht: Die südöstlichen Grenzorte Tel Erani, Khirbet Summeily, Umm al Baqar und Nahal Patisch werden sämtlich zerstört oder aufgegeben. Nur Tel Nagila besteht im Südosten fort, könnte aber von einem anderen Volk bewohnt worden sein (vgl. z.B. Shai u.a. 2011, S. 37f.). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies direkt mit dem Feldzug von Scheschonq zusammenhängt, der kurz zuvor in der direkten Nachbarschaft mindestens in Tel Jemmeh und Tel el-Far'ah westlich von Nahal Patisch und wahrscheinlich auch in den kleinen Gehöften südöstlich davon operiert hat (s.o.).
Ab dieser Zeit im ganzen Land außerhalb der Gebirgsregionen auftauchende ägyptische Stempelsiegel (für eine schöne Karte s. Münger 2018, S. 44), größere Zahlen ägyptischer Grabbeigaben (s. Mumford 2007, S. 168f.) und speziell ägyptischer Keramik (s. Ben-Dor Evian 2011, S. 110) sowie überraschend häufig gefundene Überreste importierten Nilfisches (s. van Neer u.a. 2004, S. 111-117) machen wahrscheinlich, dass hiernach kurze Zeit wieder die Ägypter Kontrolle über weitere Teile des Landes ausübten (Ben-Dor Evian 2017, S. 35f.). Unter dieser Schirmherrschaft wächst weiter nördlich die Zahl der nicht-philistäischen Siedlungen rasant (s.o., weiß): Im Bergland etablieren sich neben Khirbet Midja noch el Burj und Khirbet el-Kunnisa als Mittelzentren; auch Scha'albim wird wiederbesiedelt. Um diese Dörfer herum gruppieren sich weitere 29 Dörfchen und Weiler, die alle ab dieser Zeit gegründet worden zu sein scheinen (vgl. Shavit 2000. Zur Erinnerung: Auch im judäischen Bergland tauchen diese Dörfchen überwiegend erst zu dieser Zeit auf). Damit grenzt der Raum der Berglandsiedlungen direkt an die Ebene an, was vielleicht zuvor die Präsenz der Philister verhindert hatte. Die Orte um Gibeon blühen nach der Eroberung von Scheschonq wieder auf; südlich davon wird wie gesagt das Heiligtum in Motza zu einem Städtchen mit zentralen Lagerräumen, administrativem Gebäude und Tempel ausgebaut. Im Aijalontal werden Latrun und Khirbet Ras Abu Murah neu errichtet; in der Schefela werden Tel Azekah, Tel Zajit und wohl auch Tel Jarmuth<ref>Nur noch Keramik zeugt von einer erneuten Besiedlung in der Eisenzeit II, s. Ben Tor 1975, S. 73; Jasmin 2020. Jasmin datiert diese Keramik auf Ende der Eisenzeit I / Anfang Eisenzeit II, was gerade noch passen würde.</ref> wieder aufgebaut, Khirbet er-Rasm, Socoh, Tel Goded und Khirbet el-Qom neu gegründet und wird mit dem befestigten Grenzstädtchen Tel Harasim sogar noch tiefer ins philistäische Gebiet vorgestoßen (vgl. auch die Karte in Lehmann/Niemann 2014, S. 82, wo auch noch kleinere Orte verzeichnet sind).
Ab dieser Zeit im ganzen Land außerhalb der Gebirgsregionen auftauchende ägyptische Stempelsiegel (für eine schöne Karte s. Münger 2018, S. 44), größere Zahlen ägyptischer Grabbeigaben (s. Mumford 2007, S. 168f.) und speziell ägyptischer Keramik (s. Ben-Dor Evian 2011, S. 110) sowie überraschend häufig gefundene Überreste importierten Nilfisches (s. van Neer u.a. 2004, S. 111-117) machen wahrscheinlich, dass hiernach kurze Zeit wieder die Ägypter Kontrolle über weitere Teile des Landes ausübten (Ben-Dor Evian 2017b, S. 35f.). Unter dieser Schirmherrschaft wächst weiter nördlich die Zahl der nicht-philistäischen Siedlungen rasant (s.o., weiß): Im Bergland etablieren sich neben Khirbet Midja noch el Burj und Khirbet el-Kunnisa als Mittelzentren; auch Scha'albim wird wiederbesiedelt. Um diese Dörfer herum gruppieren sich weitere 29 Dörfchen und Weiler, die alle ab dieser Zeit gegründet worden zu sein scheinen (vgl. Shavit 2000. Zur Erinnerung: Auch im judäischen Bergland tauchen diese Dörfchen überwiegend erst zu dieser Zeit auf). Damit grenzt der Raum der Berglandsiedlungen direkt an die Ebene an, was vielleicht zuvor die Präsenz der Philister verhindert hatte. Die Orte um Gibeon blühen nach der Eroberung von Scheschonq wieder auf; südlich davon wird wie gesagt das Heiligtum in Motza zu einem Städtchen mit zentralen Lagerräumen, administrativem Gebäude und Tempel ausgebaut. Im Aijalontal werden Latrun und Khirbet Ras Abu Murah neu errichtet; in der Schefela werden Tel Azekah, Tel Zajit und wohl auch Tel Jarmuth<ref>Nur noch Keramik zeugt von einer erneuten Besiedlung in der Eisenzeit II, s. Ben Tor 1975, S. 73; Jasmin 2020. Jasmin datiert diese Keramik auf Ende der Eisenzeit I / Anfang Eisenzeit II, was gerade noch passen würde.</ref> wieder aufgebaut, Khirbet er-Rasm, Socoh, Tel Goded und Khirbet el-Qom neu gegründet und wird mit dem befestigten Grenzstädtchen Tel Harasim sogar noch tiefer ins philistäische Gebiet vorgestoßen (vgl. auch die Karte in Lehmann/Niemann 2014, S. 82, wo auch noch kleinere Orte verzeichnet sind).
Es ist neuerdings v.a. von Maeir gelegentlich in Frage gestellt worden, ob historisch die Philister und ihre westlichen Nachbarn überhaupt verfeindet waren, und noch grundsätzlicher, ob sich Philister und Kanaanäer überhaupt als klar voneinander zu scheidende Gruppen verstehen lassen (gut z.B. Maeir 2019). Dass man ethnisch und materiell-kulturell eher von einem ''Kontinuum'' von philistäisch nach kanaanäisch ausgehen muss, ist gewiss richtig. Vollzieht man aber den eben beschriebenen Prozess nach, lässt sich ein klares Gegeneinander zweier Gruppen für die späte Eisenzeit I und die frühe Eisenzeit II kaum bezweifeln; die Philister führten hier deutlich Grenzstreitigkeiten mit ihren Nachbarn, unterlagen schließlich im frühen 10. Jhd. und Scheschonq schrieb mit seinen Eroberungen im späteren 10. Jhd. nur noch die neugezogenen Grenzen fest.<br />Wer bei diesen Streitigkeiten aber genau die Gegner der Philister waren, ist umstritten. Um das 10. Jhd. soll laut Bibel König Salomo in Palästina geherrscht haben. Die Verse 1 Kön 19,15-17 berichten, dass Pharao Siamun Geser zerstört und dann Salomo geschenkt habe, als dieser seine Tochter heiratete, und dass dieser daraufhin in Hazor, Megiddo und Geser Mauern [wiederauf]gebaut habe. Das passte zeitlich zum Neubau Gesers mit Kasemattenmauer; wahrscheinlich vor allem aus diesem Grund nehmen noch heute einige (v.a. jüdische und evangelikale) Historiker an, die Bauinitiative von Kasemattenmauern im 10. Jhd. in Geser, Timna, Beth-Schemesch, Khirbet Qeiyafa, Tel Burna, Tel Scheqef und Tel Milha gehe auf das Königreich Juda zurück und sei das einzige archäologische Zeugnis für die Existenz dieses Königreichs schon im 10. Jhd., das dann in dieser Zeit vom judäischen Bergland aus zunächst in die Schefela und dann in die philistäischen Gebiete vorgedrungen sein soll. Aber es ist nur schwer möglich, diese Verse als historisches Zeugnis zu nehmen: In Hazor wurde zwar wirklich ebenfalls die Stadt neu aufgebaut und mit Toranlage und Kasemattenmauer ausgerüstet. Diese Kasemattenmauer unterscheidet sich aber deutlich von denen in Südpalästina (vgl. z.B. Garfinkel u.a. 2016, S. 183) und wahrscheinlicher hat man diesen Neubau eher ins Ende des 10./Anfang des 9. Jhds. zu datieren (z.B. Kleiman 2022, S. 54). Megiddo wurde sicher erst gut ein Jahrhundert nach Salomo befestigt. Die Notiz zu Geser schließlich ist, sofern wirklich ''Geser'' in Pharao Scheschonqs Städteliste erwähnt wird, texthistorisch gesehen am wahrscheinlichsten aus einer Erinnerung an ''dessen'' Eroberung der Stadt entstanden, ebenfalls nach Salomo (vgl. z.B. gut Schipper 1999, S. 22f.; auch Webster u.a. 2023). Ebenso schwierig ist die Zusatzannahme, der Ausbau der Schefela und des Aijalon-Tals sei vom Gebirge aus geschehen: Vollzieht man die Abfolge des Prozesses genauer nach, sieht man, dass er erstens im ''Westen'' der Schefela begann und zweitens gerade mit der Aufrüstung der bereits bestehenden ''kanaanäischen'' (i.S.v.: nicht-judäischen) Orte Beth-Schemesch, Burna und Lachisch. Mit Tel Jarmuth, Tel Azekah und Tel Zajit waren drittens auch die Hälfte der im 9. Jhd. neu entstandenen Orte in der Schefela ursprünglich kanaanäische Orte. Blickt man auf die Karte rechts oben, sieht man es auf den ersten Blick: Bewegung in der Siedlungsgeschichte der Schefela war vom 12.-9. Jhd. fast nur im Westen. Zusammengenommen macht das plausibler, den Prozess für eine insgesamt kanaanäische Initiative zu halten. Ist das richtig, waren die Schefela-Ebene, die Hiwiter-Region und das Aijalon-Tal noch im 9. Jhd. kanaanäisch (ähnlich z.B. Fantalkin 2008, S. 31-33; Lehmann/Niemann 2014). Allerdings kein „kanaanäisches Reich“: Noch in der neuen Raumordnung des 9. Jhd. lässt sich keine Hierarchie zwischen den Orten oder gar eine Hauptstadt erkennen, sondern Geser, Aijalon, Timna, Beth Schemesch, Tel Azekah, Tel Goded, Tel Burna, Tel Zajit, Keila, Lachisch, Tel Eton und Tel Beit Mirsim waren alle etwa gleich groß. Am besten versteht man in der Eisenzeit IIA das Aijalon-Tal und die Schefela-Ebene daher als ''Allianz'' autonomer kanaanäischer Kleinstädte.
Es ist neuerdings v.a. von Maeir gelegentlich in Frage gestellt worden, ob historisch die Philister und ihre westlichen Nachbarn überhaupt verfeindet waren, und noch grundsätzlicher, ob sich Philister und Kanaanäer überhaupt als klar voneinander zu scheidende Gruppen verstehen lassen (gut z.B. Maeir 2019). Dass man ethnisch und materiell-kulturell eher von einem ''Kontinuum'' von philistäisch nach kanaanäisch ausgehen muss, ist gewiss richtig. Vollzieht man aber den eben beschriebenen Prozess nach, lässt sich ein klares Gegeneinander zweier Gruppen für die späte Eisenzeit I und die frühe Eisenzeit II kaum bezweifeln; die Philister führten hier deutlich Grenzstreitigkeiten mit ihren Nachbarn, unterlagen schließlich im frühen 10. Jhd. und Scheschonq schrieb mit seinen Eroberungen im späteren 10. Jhd. nur noch die neugezogenen Grenzen fest.<br />Wer bei diesen Streitigkeiten aber genau die Gegner der Philister waren, ist umstritten. Um das 10. Jhd. soll laut Bibel König Salomo in Palästina geherrscht haben. Die Verse 1 Kön 19,15-17 berichten, dass Pharao Siamun Geser zerstört und dann Salomo geschenkt habe, als dieser seine Tochter heiratete, und dass dieser daraufhin in Hazor, Megiddo und Geser Mauern [wiederauf]gebaut habe. Das passte zeitlich zum Neubau Gesers mit Kasemattenmauer; wahrscheinlich vor allem aus diesem Grund nehmen noch heute einige (v.a. jüdische und evangelikale) Historiker an, die Bauinitiative von Kasemattenmauern im 10. Jhd. in Geser, Timna, Beth-Schemesch, Khirbet Qeiyafa, Tel Burna, Tel Scheqef und Tel Milha gehe auf das Königreich Juda zurück und sei das einzige archäologische Zeugnis für die Existenz dieses Königreichs schon im 10. Jhd., das dann in dieser Zeit vom judäischen Bergland aus zunächst in die Schefela und dann in die philistäischen Gebiete vorgedrungen sein soll. Aber es ist nur schwer möglich, diese Verse als historisches Zeugnis zu nehmen: In Hazor wurde zwar wirklich ebenfalls die Stadt neu aufgebaut und mit Toranlage und Kasemattenmauer ausgerüstet. Diese Kasemattenmauer unterscheidet sich aber deutlich von denen in Südpalästina (vgl. z.B. Garfinkel u.a. 2016, S. 183) und wahrscheinlicher hat man diesen Neubau eher ins Ende des 10./Anfang des 9. Jhds. zu datieren (z.B. Kleiman 2022, S. 54). Megiddo wurde sicher erst gut ein Jahrhundert nach Salomo befestigt. Die Notiz zu Geser schließlich ist, sofern wirklich ''Geser'' in Pharao Scheschonqs Städteliste erwähnt wird, texthistorisch gesehen am wahrscheinlichsten aus einer Erinnerung an ''dessen'' Eroberung der Stadt entstanden, ebenfalls nach Salomo (vgl. z.B. gut Schipper 1999, S. 22f.; auch Webster u.a. 2023). Ebenso schwierig ist die Zusatzannahme, der Ausbau der Schefela und des Aijalon-Tals sei vom Gebirge aus geschehen: Vollzieht man die Abfolge des Prozesses genauer nach, sieht man, dass er erstens im ''Westen'' der Schefela begann und zweitens gerade mit der Aufrüstung der bereits bestehenden ''kanaanäischen'' (i.S.v.: nicht-judäischen) Orte Beth-Schemesch, Burna und Lachisch. Mit Tel Jarmuth, Tel Azekah und Tel Zajit waren drittens auch die Hälfte der im 9. Jhd. neu entstandenen Orte in der Schefela ursprünglich kanaanäische Orte. Blickt man auf die Karte rechts oben, sieht man es auf den ersten Blick: Bewegung in der Siedlungsgeschichte der Schefela war vom 12.-9. Jhd. fast nur im Westen. Zusammengenommen macht das plausibler, den Prozess für eine insgesamt kanaanäische Initiative zu halten. Ist das richtig, waren die Schefela-Ebene, die Hiwiter-Region und das Aijalon-Tal noch im 9. Jhd. kanaanäisch (ähnlich z.B. Fantalkin 2008, S. 31-33; Lehmann/Niemann 2014). Allerdings kein „kanaanäisches Reich“: Noch in der neuen Raumordnung des 9. Jhd. lässt sich keine Hierarchie zwischen den Orten oder gar eine Hauptstadt erkennen, sondern Geser, Aijalon, Timna, Beth Schemesch, Tel Azekah, Tel Goded, Tel Burna, Tel Zajit, Keila, Lachisch, Tel Eton und Tel Beit Mirsim waren alle etwa gleich groß. Am besten versteht man in der Eisenzeit IIA das Aijalon-Tal und die Schefela-Ebene daher als ''Allianz'' autonomer kanaanäischer Kleinstädte.
Version vom 17. Januar 2024, 19:59 Uhr
Achtung Baustelle!
Hier wird noch gearbeitet. Diese Seite ist noch nicht Teil des Offene-Bibel Wikis. Der Text auf dieser Seite ist noch ungeprüft, fehlerhaft und unvollständig.
Der biblische Geschichts-Entwurf: Israel[Bearbeiten]
Die Geschichte Israels nach dem biblischen Geschichtsentwurf ist recht schnell nacherzählt: In Gen 1-3 erschafft Gott die Welt aus einer Ur-Flut. Weil sie sich in Gen 4-5 nicht gut entwickelt, beschließt er, sie in Gen 6-9 mit einer zweiten Flut zu vernichten, nur die fromme Familie eines frommen Mannes zu verschonen und mit dieser ab Gen 10 die Erde neu zu besiedeln. Auch das funktioniert in Gen 11 nicht gut, und so wählt er sich aus den Nachkommen des Flut-Helden wieder nur eine Familie, mit der es besser laufen soll als mit dem Rest der Welt und die er daher gesondert durch das Leben geleiten und begleiten will. Diesen eröffnenden Part der Bibel nennt man die „biblische Urgeschichte“.
In Gen 12-50 schließen sich die „Erzeltern-Erzählungen“ an, die von den Irrungen und Wirrungen dieser Familie berichten: Wie sie zunächst das Land besiedelt, das Gott für sie ausgesucht hat, dann aber wegen einer Hungersnot im Land nach Ägypten auswandert.
In der darauf folgenden „Exodus-Erzählung“ geraten die Nachkommen dieser Familie in Ägypten in die Sklaverei, und so müssen sie in Ex 1-18 von dort befreit und in Num 10,11-14; 16-17; 20-27; 31-36 wieder zurück ins versprochene Heimatland geführt werden. Eingeschaltet sind in Ex 19 - Num 10,10 und noch mehrfach im Buch Numeri dutzende von Texten, in denen Gott Gebote und Bestimmungen erlässt, wie die Israeliten sich „gottgemäß“ zu verhalten haben; in Dtn 4-30 sind weitere Bestimmungen angehängt.
Hierauf folgt in Dtn 1-3, im Buch Josua und in Ri 1-2 die sogenannte „Landnahmeerzählung“, die mehrfach und in unterschiedlichen Varianten davon erzählt, wie das Land wieder erobert wird. Erzählungen über die „Zeit der Richter“ schließen sich an: Die Kapitel Ri 3 - 1 Sam 7 werden dargeboten als Chronik der ersten Jahre im versprochenen Land, während denen ddie Israeliten dort als klassenlose und in mehreren Sippen und Großfamilien organisierte Gesellschaft lebten. Werden sie von umliegenden Völkern bedroht, beruft Gott einzelne Helden – die „Richter:innen“ –, die die Israeliten retten.
So will es Gott auch: Er will Israels König sein; Israels Wunsch nach einem eigenen König wie in den umliegenden Nationen lehnt er daher durchaus ab. Ab 1 Sam 8 allerdings werden die Rufe nach Staat und Herrscher immer lauter. Widerwillig beschließt daher Gott, seinem Volk diesen Wunsch doch zu gewähren. Daher ernennt er um 1000 v. Chr. zunächst Saul und dann stattdessen David und dessen Sohn Salomo zu Königen. David ist äußerst erfolgreich als Heerführer und besiegt eine Nation nach der anderen (2 Sam 8), weshalb nach ihm Salomo das ganze Reich befestigen und Monumentalbauten wie Paläste und insbesondere den Jerusalemer Tempel errichten kann.
Dieses Großreich von David und Salomo nennt man das „vereinte Israel“. Denn da von den militärischen Erfolgen von David und Salomon abgesehen erwartungsgemäß keiner der Könige seinen Job sehr gut macht, zerfällt Israel kurz nach dem Tod Salomos ab 1 Kön 12 in das Nordreich „Israel“ und das Südreich „Juda“. Weil der Jerusalemer Tempel in Juda liegt, gründen daraufhin die Israeliten unter König Jerobeam I v.a. in Dan und Bethel zwei eigene Kult-Orte. Damit hat er erst recht gegen den Willen Gottes verstoßen; nicht lange danach wird daher 722 v. Chr. Israel von den Assyrern erobert, woraufhin die übriggebliebenen Israeliten nach Juda auswandern.
Juda konnte sich noch etwa 150 Jahre länger halten. Besonders erwähnenswert sind in diesem Zeitraum drei „Kultreformen“ der Könige Asa Anfang des 9. Jhds. (1 Kön 15,12-13), Hiskija Ende des 8. Jhds. (s. 2 Kön 18,4) und Joschija im 7. Jhd. (s. 2 Kön 23,4-20), bei denen jedes Mal ähnliche Kulte abgeschafft und Kultorte neben dem Jerusalemer Tempel aufgelöst werden – in Joschijas Fall deshalb, weil er zufällig das Buch Deuteronomium im Tempel fand und danach feststellte, dass man die ganze Zeit gegen Gottes Willen verstoßen hatte. 587 v. Chr. wird dann aber auch Juda von den Babyloniern besiegt, der Tempel zerstört und werden große Teile der Bevölkerung ins Exil geführt. Von einem Teil dieser Geschichte wird eine zweite Variante dann noch mal in den Büchern der Chronik erzählt.
Zum Glück mussten die Judäer nicht lange im Exil ausharren, denn schon wenige Jahrzehnte später besiegt der persische König Kyros die Babylonier und erlässt, dass die Judäer in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Die Bücher Esra und Nehemia schildern, wie diese zurückgekehrten Judäer das heilige Land, das in ihrer Abwesenheit durch Ehen zurückgebliebener Judäer mit ausländischen Frauen verunreinigt wurde – auch nach Juda geflüchtete Israelit:innen gelten als solche „Ausländer:innen“ – „reinigen“, den Tempel wiedererrichten und das Volk neu auf die Gebote Gottes einschwören. Spätestens hier wird das Südreich Juda „Israel“ genannt: Die Judäer sind die „wahren Israeliten“, während die Nachkommen des Nordreichs Israels verachtenswerte Ausländer sind, die einer defizienten und deformierten Variante der Religion ihrer Vorfahren anhängen. Dass auch die anderen umliegenden Völker minderwertig sind, versteht sich von selbst; ähnlich großer Hass wie den Nachfahren des alten Nordreichs schenkt man aber nur noch den Edomitern im Süden Judas, die man nun auch bezichtigt, die einstige Niederlage Judas mit-herbeigeführt zu haben.
Über das 5.-3. Jahrhundert v. Chr. herrscht in der Bibel weitgehendes Stillschweigen. In der Septuaginta und damit in äthiopischen, katholischen, orthodoxen, ... Bibeln finden sich aber noch die beiden Makkabäer-Bücher, die wichtige Ereignisse aus dem 2. Jhd. erzählen: Auch die Perser sind mittlerweile besiegt; über das heilige Land und damit u.a. über die Juda herrschen nun die griechischen Seleukiden, deren politisch wichtigste Gegenspieler die Römer sind. Als der seleukidische König Antiochus IV. Epiphanes es wagt, den neuen Jerusalemer Tempel zu entweihen, kommt es im heiligen Land zu Aufständen. Die Rädelsführer dieses Aufstands – die Makkabäer – schließen einen Pakt mit den Römern, und so gelingt es ihnen mit internationaler Anerkennung, ihr Land von den Seleukiden frei- und ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen und den entweihten Tempel wieder zu heiligen.
Auch über das 1. Jhd. v. Chr. herrscht wieder Stillschweigen in der Bibel und damit auch darüber, dass um 63 v. Chr. Rom das heilige Land erobert und zu einem römischen Vasallenstaat gemacht hatte. In dieser historischen Situation spielt das Neue Testament.
Der biblische Geschichtsentwurf in der neueren Wissenschaft und im politischen Diskurs[Bearbeiten]
Während man auch in der akademischen Theologie noch bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts den biblischen Geschichtsentwurf ab Gen 12 und erst recht ab Ex 1 für einigermaßen historisch verlässlich hielt, wurde mit dem Aufkommen der „Neuen Archäologie“ in den 60er-Jahren dieser biblizistischen Geschichtswissenschaft ab den 70er-Jahren ein Schlag um den anderen versetzt: Neue Ausgrabungen und neue Auswertungen älterer Ausgrabungen zeigten, dass die Geschichten von den Erzeltern nicht mit den historischen Realitäten der Bronzezeit zusammenstimmen (Thompson 1974: The Historicity of the Patriarchal Narratives; van Seters 1975: Abraham in History and Tradition; Lemche 1998: Prelude to Israel's Past); dass eine Landnahme, wie sie in der Bibel geschildert wird, nie stattgefunden hatte und damit auch die Exodus-Erzählung unhistorisch ist (Rendtorff 1975: The Historical Moses: A Problem in Historiography; Thompson 1979: The Settlement of Palestine in the Bronze Age; Lemche 1985: Early Israel; Finkelstein 1988: The Archaeology of the Israelite Settlement), und dass es ein vereintes Großreich Davids und Salomos so nie gegeben hat (Thompson 1983: The Mythic Past; van Seters 1997: In Search of History; Finkelstein/Silberman 2001: The Bible Unearthed).
Vor allem die frühen der eben genannten Wissenschaftler:innen – Thompson, Lemche, Davies u.a., die man heute oft „Minimalisten“ nennt – blieben hier nicht stehen, sondern hielten und halten auch die historischen Erzählungen der Bibel mindestens über die Zeit bis zum 6. Jahrhundert für historisch unzuverlässig. Eine gemäßigtere (oder: verwässerte?) Variante dieses Ansatzes hat sich mittlerweile in Theologie, Archäologie und Geschichtswissenschaft europäischer Provenienz als Mainstream etabliert (vgl. Pfoh 2021), wonach sich auch einige neuere Forschungsfragen herauskristallisiert haben. Besonders wichtig: (1) Wenn die alten Israeliten nicht mit Mose aus Ägypten kamen, woher kamen sie denn dann? (2) Wenn sie nicht bereits als ein geeintes Volk aus Ägypten auswanderten, wann und warum wurden sie denn dann zu einem Volk – und wurden sie es überhaupt? (3) Wenn nicht Josua sie auf das ganze Land verteilt hat, wo lebten sie denn dann und wer gehörte zu ihnen? (4) Wenn nicht Saul, David und Salomo über ganz Israel herrschten und wenn Israel nie ein „vereintes Königreich“ war, wie, wann und wo entwickelten sich dann die beiden Königreiche? Und schließlich, hier besonders wichtig: (5) Welches Ziel verfolgten die Verfasser der biblischen Erzählungen, wenn sie die Frühgeschichte Israels so anders darstellten?
Zeitgleich mit dem Aufkommen der „minimalistischen“ Bewegung allerdings wurde diese Forschung massiv ideologisch aufgeladen, weil die Frage nach der Zuverlässigkeit der Bibel schon zuvor mit dem Nahost-Konflikt und der Frage nach dem israelischen „Anrecht auf das heiligen Land“ verquickt war, weil die ersten großen „minimalistischen“ Bücher kurz nach dem Sechstagekrieg von 1967 erschienen, der den israelischen Nationalismus noch stärker aufflammen lassen hatte (vgl. Hallote/Joffe 2002, S. 88f.), und weil archäologische Ausgrabungen d.Ö. als Vorwand für die Enteignung von Palästinenser:innen dienten und daher historische Forschung an der Bibel auch auf deren Seite einen schlechten Leumund hatten (vgl. zu Letzterem z.B. Yahya 2009, S. 67-69; Rjoob 2010; Thelle 2016; Galor 2017; S. 126-131; Taha 2022, S. 24; UNESCO: 38 COM 7A.4; Emek Shaveh.org). Endgültig befeuert wurde die Ideologisierung und Polemisierung der Debatte mit dem Erscheinen von The Invention of Ancient Israel: The Silencing of Palestinian History des „Minimalisten“ Whitelam (1996; vgl. z.B. auch Abu El-Haj 2002; Masalha 2007, S. 240-262; Sherrard 2011).
In der Folge bildeten sich vor allem in der evangelikalen und jüdischen Theologie und Geschichtswissenschaft mehrere Richtungen aus, die man sehr grob zu vier Schulen zusammenfassen kann (ebenso wie „Minimalist“ ist auch keine der folgenden Bezeichnungen eine selbstgewählte, sondern eine polemische Fremdzuschreibung):
Die „Maximalisten“ folgen im Gegensatz zu den „Minimalisten“ einem Forschungsprogramm, nach dem nicht die Bibel so lange als historisch unzuverlässige Quelle angesehen wird, bis zeitgenössische Schriftquellen oder archäologische Funde sie stützen, sondern nach dem umgekehrt der Bibel so lange Glauben zu schenken ist, bis sie durch entsprechende Quellen widerlegt wurde.
Verwandt sind die „Fundamentalisten“, die teilweise selbst die Erkenntnisse der Archäologie über die Zeit „bis Salomo“ nicht akzeptieren und alternative Interpretationen der archäologischen Funde vornehmen, bis sie wenigstens grob den Auskünften der Bibel entsprechen.
Recht eigentlich eine Teilgruppe der „Fundamentalisten“ ist eine weitere Gruppe von Forscher:innen, die man „alternative Chronisten“ nennen könnte und die die historischen Auskünfte der Bibel nur in der Chronologie „verschiebt“: Ein Feldzug von König David etwa kann dann zwar vielleicht nicht ein Feldzug von David gewesen sein, sondern von einem späteren König, und Aufgabe der Forschung ist es, zu entschlüsseln, von welchem König der Bericht über diesen davidischen Feldzug „eigentlich“ erzählt.
Verwandt ist schließlich die in den USA recht große Forscher-Gruppe der „Bibelhistoriker“, die nicht die Geschichte Palästinas aus archäologischen Daten rekonstruieren, sondern vorgeblich nur als Forschung am biblischen Text das innerbiblische Geschichts-Modell besser erklären will und Nacherzählungen der Bibel daher auch mit ausgewählten archäologischen Daten anreichert. Dass diese letzte Richtung gar nicht eigentlich eine Rekonstruktion der Geschichte produzieren will, sondern Auslegungen der heiligen Schrift, wird dabei nicht immer klar genug gesagt.
Die Grenzen zwischen diesen vier Gruppen sind nicht trennscharf; ebenso nicht die zwischen diesen vier Gruppen einerseits und den Minimalisten und dem europäischen Mainstream andererseits. Die Zugehörigkeit zur ersten oder zweiten Großgruppe ist auch nicht gleichbedeutend mit „wissenschaftlicher“ vs. „unwissenschaftlicher“ Geschichtswissenschaft. Finkelstein etwa – zweifellos einer der größten lebenden Archäologen Israels – ist in den letzten Jahren zunehmend von den Minimalisten zunächst zu den alternativen Chronisten und dann tendenziell zu den Fundamentalisten gewandert, indem er zunächst statt einem davidischen Großreich ein ähnlich großes „omridisches Großreich“ wenige Jahrzehnte später angenommen hat und neuerdings mit mehreren gänzlich hypothetischen Vorläufern – dem „Sichem-Silo-Reich“ (= Josua), dem „Gibeon-Gibea-Reich“ (= Saul) und dem „Tirza-Reich“ (= Omri) – dieses omridische Großreich wieder bis in die späte Bronzezeit „dehnt“ und so annähernd mit den biblischen Daten in Einklang bringt. Dennoch wird wird die Forschungsdebatte teilweise recht polemisch geführt. So können Vertreter:innen der ersten Großgruppe die der zweiten insgesamt bezichtigen, „Fundamentalisten“ und „Zionisten“ zu sein, Vertreter:innen der zweiten können die anderen als „Nihilisten“ und „Antisemiten“ beschimpfen (vgl. z.B. Thompson 2001; Davies 2002). Die Existenz der beiden Großgruppen führt auch dazu, dass nicht nur die Geschichte des alten Palästina verworren ist, sondern auch die Erforschung des alten Palästina, und dass daher enorm häufig Ausgrabungsergebnisse „re-interpretiert“ und Interpretationen und Re-Interpretationen neu „synthetisiert“ werden.
Spätestens seit den 70ern ist damit nicht nur ohnehin die Bibel ein eminent politisches Werk, sondern ist auch die historische Forschung an der biblischen Geschichte und jede Aussage darüber eminent politisch und politisiert. Man kann sich dieser Politisierung auch kaum entziehen – schon deshalb, weil man Vorentscheidungen treffen muss wie die, ob man auf die Ergebnisse illegaler „Rettungs-Ausgrabungen“ zurückgreift oder ob man darauf verzichten kann und will.
Es folgt zunächst eine sehr grobe und thesenhafte Nacherzählung der antiken Geschichte Palästinas. Sie steht den Minimalisten sehr nahe. Ich teile auch die politischen Überzeugungen der klassischen Minimalisten; glaube aber unabhängig davon, dass ihre Nacherzählung die Plausibelste ist. Um das zu zeigen, schließt sich dieser Nacherzählung eine breiter entwickelte Rekonstruktion dessen an, was zuvor thesenhaft nacherzählt wurde. Wo dort von einem Ort und dessen Geschichte die Rede ist, aber nichts eigens zitiert wird, habe ich stillschweigend die Interpretationen in der New Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land (NEAEH), im Wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex), in Orte und Landschaften der Bibel von Keel / Küchler (1982) und in den aktuellen Surveys der einzelnen Regionen Palästinas übernommen.
Ein wissenschaftlicher Geschichtsentwurf: Palästina und Umgebung[Bearbeiten]
...
Gründlichere Rekonstruktion für den wissenschaftlichen Geschichtsentwurf[Bearbeiten]
Späte Bronzezeit: Bevölkerung Palästinas vom 15. bis zum 13. Jhd.[Bearbeiten]
Es ist zunächst sicher, dass die Region Palästinas in den Tälern und Ebenen in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends geprägt war von mehreren voneinander unabhängigen kanaanäischen Stadtstaaten, zu denen jeweils mehrere ihnen zugehörige Satelliten-Dörfer gehörten.
Zuvor waren auch die Gebirgsregionen Palästinas eng besiedelt gewesen; mit Ausgang der mittleren Bronzezeit (16. Jhd. v. Chr.) waren diese Berglandsiedlungen aber massenweise verlassen worden – der Grund dafür ist noch sehr unklar. Oft tippt man vage auf die Ägypter, denn diese hatten ab 1550 zu Beginn der späten Bronzezeit ganz Palästina erobert. Vermutlich ist es diese Herrschaft der Ägypter über Palästina, von der sich Erinnerungen in der Exodus-Erzählung über die Knechtschaft der Israeliten in Ägypten bewahrt haben – eine andere im Land Ägypten selbst und erst recht ein darauf folgender Massen-Auszug von Israeliten aus Ägypten lässt sich weder archäologisch noch durch zeitgenössische Texte belegen. Konkret bedeutete diese Eroberung durch die und viele folgende (Straf-)Expeditionen der Ägypter, (1) dass diese dabei immer wieder Dörfer und Städte zerstörten, (2) dass ägyptische Regenten die Regierungssitze weiterer Städte okkupierten und die Kanaanäer im Umland die Ägypter dort versorgen mussten, (3) dass die Kanaanäer zu regelmäßigen Tributzahlungen verpflichtet waren – v.a. in Form von Edelmetallen, Holz, Vieh und Sklaven (vgl. z.B. Na'aman 1981) – und (4) dass sie zusätzlich Sonderzahlungen leisten mussten, wenn Ägypter militärische Unternehmungen durchführten. Das geschah in dieser Region auch deshalb besonders häufig, weil mit dem mitannischen und später stattdessen dem hethitischen Reich der stärkste Gegner Ägyptens nördlich direkt an Palästina angrenzte, (5) so dass Palästina von den Kriegen dieser beiden Großmächte oder von Feldzügen der Ägypter gegen revoltierende Kanaanäer aufgerieben wurde, (6) wofür die „treuen“ Kanaanäer dann auch noch Soldaten stellen mussten (vgl. z.B. Morris 2018, S. 153f.). – Die Hand, mit der die Ägypter über Palästina herrschten, war eine harte.
Politische Verhältnisse der frühen Spätbronzezeit. In Grau die Orte, für die Habiru allein durch die Amarna-Briefe belegt sind. Die Schasu scheinen überwiegend östlich und südlich von Kanaan (orange) gelebt zu haben. CC-BY-SA.3.0: Sémhur via Wikimedia
Außer von Kanaanäern und Ägyptern ist in altorientalischen Inschriften, Briefen und Urkunden des 2. Jahrtausends oft die Rede von zwei weiteren Bevölkerungsgruppen: Zum einen im ganzen nahen Osten von den Habiru (s. rechts), zum anderen von den Schasu / Sutu, die östlich und südlich des rechts orange gefärbten Gebiets bezeugt sind (Bottéro 1975, S. 15-21; Kärger/Minx 2012, S. 366f.).〈a〉 Die Schasu (heb. šasim, „Plünderer“) beschreibt man in der Forschung i.d.R. auch heute noch anders als die Habiru als v.a. Kleinviehzucht treibende Halbnomaden; nachdem nun aber sicher ist, dass sie mit den Sutu (teil-)identisch waren (Miller 2021, S. 89f.; so schon Cazelles 1958; Giveon 1971, S. 5f.; Annus 2018, S. 10; Graham 2021, S. 63), muss man sagen, dass Habiru und Schasu/Sutu eine ähnliche Lebensweise hatten: Beide lebten überwiegend außerhalb der Stadtstaaten und Dörfer und wurden von deren Bewohnern als gesetz- und rechtlose Vagabunden betrachtet. Besonders oft ist davon die Rede, dass sie Städte, Händler und Reisende überfielen und niedermachten, außerdem entweder davon, dass sie umgekehrt als Söldner von Ägyptern und von kanaanäischen Städtern angeworben wurden (s. z.B. den Amarnabrief EA 195,16-32 von Schasu und Habiru, die als Söldner für die Ägyptern gegen die Kanaanäer kämpften) oder als Sklaven in die Städte integriert wurden. Man muss diese Zeugnisse allerdings mit einiger Vorsicht lesen: Da die altorientalischen Schriftquellen v.a. auf die städtische Elite zurückgehen, ist es gut möglich, dass dieses Profil von Habiru und Schasu/Sutu als unheimliche staatsfeindliche Banditen ideologisches Framing war. Es ist gut möglich, dass sie tatsächlich überwiegend beduinisch als Viehzüchter lebten und nur nebenbei in Zeiten der Not, bei günstiger Gelegenheit oder dann, wenn sie als Söldner angeworben worden waren, Ägypter und Kanaanäer überfielen, woher ihr schlechter Leumund rührt (gut Weippert 1974, S. 267.274; Bunimovitz 1994, S. 198f.). Jedenfalls ist klar, dass beide in Palästina als Gegenüber der Ägypter einerseits und der Kanaanäer andererseits verstanden werden müssen und dass sie sie zwar auch bekämpften, gleichzeitig als Beduinen und Banditen aber auf die ackerbauenden und Handel treibenden kanaanäischen Städte und Dörfer angewiesen waren. Vor allem bei den Habiru ist das sicher; ihre Frontstellung gegen das ägyptische Kanaan ist in den Amarnabriefen sprichwörtlich. Im Amarnabrief EA 67,16-18 schreibt daher ein unbekannter Stadtkönig über den König Aziru von Amurru, er habe sich verhalten „wie ein Habiru, wie ein Straßenköter, und so Sumur, die Stadt meines Herrn Pharao, eingenommen“. Ähnlich klagt Stadtkönig Rib-Haddi in EA 74,19-21, all seine Städte in der Berg- und Küstenregion hätten sich „auf die Seite der Habiru geschlagen“ und meint damit, dass sie die ägyptisch-kanaanäische Herrschaft abgeschüttelt hätten (vgl. Waterhouse 2001, S. 32f.).
Pharao Setis Sieg über die Schasu. Im Zentrum fliehen die Schasu in ihre Festung im Gebirge, oben links bei dieser Festung zerbrechen sie besiegt ihre Waffen. Ägyptisches Relief, 13. Jhd. (c) Karnak Great Hypostyle Hall Project
Man beachte, dass hier die Habiru u.a. ins Gebirge verortet werden. Ebenso in EA 292,28-29, einem Brief des Stadtkönigs von Geser: „Vom Gebirge aus herrscht Krieg gegen mich!“ (vgl. ebd., S. 36). Gemeint sind damit die Habiru (vgl. EA 299). Vor allem im Zuge der „Labaju-Affäre“ scheinen sie sogar noch zusätzlich in Besitz von Gebirgsregionen gekommen zu sein (zu den im Folgenden genannten Orten vgl. die Karte unten): Im 14. Jhd. gab es noch einige Stadtstaaten im Raum Palästinas, über ausgedehnte Gebiete herrschten aber nur die Königreiche von Hazor im Norden und Sichem im Zentrum. Sichem, das heutige Nablus, liegt in einer schmalen Senke zwischen der „manassitischen Gebirgsregion“ und der „ephraimitischen Gebirgsregion“, und damit im Zentrum von Palästinas Zentralgebirge, das gleich für die Volkswerdung Israels sehr wichtig werden wird. Einige Amarnabriefe berichten nun davon, dass Sichems König Labaju sich mit den Habiru verbündet hatte (nach EA 254, einem Brief von Labaju, scheint sich sogar einer seiner Söhne den Habiru angeschlossen zu haben), um gemeinsam mit weiteren Verbündeten auf dem größten Teil des Zentralgebirges Eroberungskriege gegen eine andere Koalition von Herrschern von Megiddo und Schunem im Norden bis Geser und Jerusalem im Süden zu führen. Offenbar als Lohn für diese Allianz überließ Labaju den Habiru größere Teile des Staatsgebiets von Sichem (EA 287; 289), wonach Labajus zweiter Sohn sich als Stadtkönig nach Pella östlich des Jordan zurückzog. Auch bei den Schasu/Sutu scheinen die beiden Kerngebiete im Bergland des syrischen Jebel Bischri und südlich von Kanaan im Bergland des Seir-Gebirges gelegen zu haben (vgl. Weippert 1974, S. 271f.; Graham 2021, S. 61-63), zu dem offenbar auch der Berg Sinai gehörte (s. Dtn 33,2; Ri 5,4f.; zur Lage des Gebirges s. auch u. zu den Edomitern). Schasu und Habiru waren keine homogenen Ethnien, da sich ihnen auch ihre Wohnorte verlassende Kanaanäer anschließen konnten (vgl. z.B. Bottéro 1980, S. 204-206). Zu den Schasu vgl. P.Anastasi I 20,4: „Dein Bräutigam ... nimmt, was ihm noch geblieben ist, und schließt sich den Bösen an, mischt sich unter die Schasu und verkleidet sich als Semit.“ Noch häufiger ist dies von den Habiru belegt. Sogar König Idrimi berichtet im 15. Jhd. von sich selbst, auch er habe sich sieben Jahre lang den Habiru in Kanaan angeschlossen gehabt, bevor er zum König von Alalakh geworden sei (vgl. Edgar 2021). Auch der biblische König David scheint eine ähnliche Biographie gehabt zu haben (s. 1 Sam 22,2). Das Selbe berichtet EA 148,41-42 von König Abdi-Tirschi von Hazor, dem nördlichen der zwei großen palästinischen Königreiche, was eine starke Habiru-Präsenz auch im nördlichen Gebirge Palästinas nahelegt. In altorientalischen Texten werden die Habiru dennoch d.Ö. neben anderen „Völkern“ genannt (vgl. wieder Waterhouse 2001, S. 40f.). Es ist daher gut möglich, dass das traditionelle „Volks“-Konzept nicht auf die Schasu und Habiru passt und dass sie, obwohl sie ethnisch offensichtlich „Mischvölker“ waren, dennoch als „Völker“ aufgefasst wurden.
Kanaanäer bringen den Ägyptern unterwürfig Sklaven und Luxusgüter als Tribute dar. Wandgemälde, um 1400. (c) BM, EA37991
Wir müssen uns das Palästina der späten Bronzezeit insgesamt also vorstellen als eine Region, die von heftigen Tributpflichten gedrückt wurde, immer wieder von Schlachten und Kriegen der benachbarten Großmächte überzogen wurde, in der auch noch die einzelnen kanaanäische Stadtstaaten miteinander im Clinch lagen und die zusätzlich gebeutelt war von den Scharmützeln der Habiru und Schasu, die vielleicht v.a. ungeschützte Reisende und kleinere Dörfer überfielen und sicher von sie anwerbenden Städtern gegen andere Städter in die Schlacht geschickt wurden und so im Laufe der Zeit vor allem immer größere Teile der Gebirge Nord- und Zentralpalästinas erobert haben. Opfer dieser politischen Situation waren v.a. die Bauern der kanaanäischen Satellitendörfer, die erwirtschaften mussten, was dann in Kriegen verbrannt oder von Schasu und Habiru erbeutet wurde, die jederzeit in den Dienst von Soldaten oder Sklaven gezwungen werden konnten, und von denen man daher annehmen darf, dass sie schon zu dieser Zeit immer wieder ihre Dörfer verließen und sich den Habiru anschlossen.
Den Schasu wird deshalb heute große Aufmerksamkeit geschenkt, weil in drei ägyptischen Inschriften des 14. und 13. Jhds. neben dem „Land der Schasu am/im Seir-Gebirge“ auch vom „Land der Schasu des Jahu`“ die Rede ist, was bedeuten könnte, dass diese Gruppe nicht nur schon im frühen 14. Jhd. in Israel lebte, sondern dort sogar schon zu dieser Zeit einen Gott JHWH verehrte (s. z.B. bes. entschieden Kennedy 2019; vorsichtiger z.B. Leuenberger 2017b, S. 169f.). Dass der Gott JHWH aus diesem Gebirge „zum Volk Israel kam“, sagen in mythischer Sprache auch zwei der mutmaßlich ältesten Texte der Bibel (Ri 5,5; vielleicht Hab 3,3). Ähnlich bei den Habiru: Falls die Habiru Palästinas eine Rolle bei der Geburt des Volkes Israel gespielt haben sollten, wie meist angenommen wird, müsste aus ihrer Bezeichnung das hebräische Wort für „Hebräer“ entstanden sein, was dann nahelegte, dass sie bei diesem Prozess sogar eine wichtige Rolle gespielt hatten. Beide Gruppen dürften daher für die Entstehung der „Israeliten“ relevant sein, lebten aber offenbar schon mindestens ein Jahrhundert, bevor nach biblischer Chronologie der Exodus stattgefunden haben müsste (frühestens 13. Jhd.), in Palästina. Auf der Merneptah-Stele (1207 v. Chr.) ist schließlich viertens noch die Rede von einer Personengruppe (statt einem Stadtstaat oder einer Region wie sonst im Kontext) namens „Israel“, über die sonst aus dieser Zeit leider nichts Genaueres überliefert ist. Über die MS ist daher viel nachgedacht worden; letztlich kann man sich aus ihr aber nur erschließen, dass es also im späten 13. Jhd. und damit „zur Zeit des Exodus“ in oder in der Nähe von Palästina auch bereits eine Größe namens „Israel“ gab, die groß und bedeutend genug war, um in einem Atemzug mit den Stadtstaaten Aschkelon und Geser genannt zu werden. Eine weitere ägyptische Inschrift, ÄM 21687 auf dem „Berliner Podest“, könnte mit `Išar-`El ebenfalls die Größe „Israel“ bezeugen, die es dann wie die Schasu und die Habiru sogar schon mindestens seit dem 14. Jhd. in dieser Gegend gegeben hätte (vgl. zur Inschrift z.B. Zwickel/van der Veen 2017, S. 129-131) und die bereits zu diesem Zeitpunkt auf einer Ebene mit „Aschkelon“ und „Kanaan“ gestanden wäre. Ob es sich bei dieser Größe „Israel“ um Kanaanäer, um Schasu, um Habiru oder um eine vierte Gruppe handelte, ist aber ungewiss. Mit diesen frühen Bezeugungen der Schasu, der Habiru und von „Israel“, die alle Vorfahren der späteren Israeliten sein könnten, stimmt wie gesagt zusammen, dass sich eine Massenflucht von Sklaven aus Ägypten im 13./12. Jhd. durch ägyptische Schriftzeugnisse nicht belegen lässt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die späteren „Israeliten“ also in Israel geboren, nicht in Ägypten.
Vier Umwälzungen der frühen Eisenzeit (1200-1000: EZ I)[Bearbeiten]
Klimawandel in Palästina von der mittleren Bronze- bis zur frühen Eisenzeit. Nach Soto-Berelov u.a. 2015, S. 106.〈b〉
Am Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit ab dem späten 13. Jahrhundert dann – nach dem biblischen Geschichtsentwurf also zur Zeit des Exodus – lassen sich in der Region Palästinas mehrere Entwicklungen feststellen. Erstens zu nennen ist eine längerfristige und großflächigere Entwicklung: Vom Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. bis etwa zum Beginn des 12. Jhds. stieg die durchschnittliche Temperatur u.a. in Palästina kontinuierlich um insgesamt etwa 1,5 °C an und der Niederschlag verringerte sich (und auch danach noch weiter), weshalb besonders vom 14. auf das 13. Jhd. mediterrane Klimagebiete versteppten und Steppen zu Wüsten verdorrten. Am Ende dieses Klimawandels stand eine 300 Jahre währende „Megadürre“ im ganzen Mittelmeerraum, die ihren Höhepunkt zwischen 1250-1100 v. Chr. erreichte (vgl. Kaniewski/van Campo 2017; zu den Auswirkungen speziell auf Palästina z.B. Langgut u.a. 2015; Langgut/Finkelstein 2023, S. 6; Soto-Berelov u.a. 2015, bes. die Grafiken auf S. 104-106) und in deren Zuge mehrere Großreiche in diesem Raum nach und nach untergingen. Speziell in Palästina schwand so zunächst Weideland und Land für Ackerbau und verdorrten Fruchtbäume, von denen sich daher insgesamt deutlich weniger Pollen aus dieser Zeit nachweisen lassen. Palästinische Land- und Viehwirte muss es danach schwerer gefallen sein, sich selbst zu versorgen und erst recht, Gewinn für die Tributzahlungen zunächst an die kanaanäischen Stadtstaat-Herrscher und über diese dann an die ägyptischen Besetzer zu erwirtschaften. Verblüffenderweise lässt sich das auf den ersten Blick aber gerade nicht zeigen; im Gegenteil scheint in dieser Zeit der bewässerungsintensivere Anbau von Weizen, Einkorn, Linsen und Fruchtbäumen (!) sogar zugenommen zu haben (vgl. Karakaya/Riehl 2019, S. 151f.). Man wird sich dies kaum anders erklären können als so, dass als Reaktion auf die Dürre die Ackerbau-Strategien im Alten Palästina an die neuen klimatischen Verhältnisse angepasst wurden. Dazu gleich mehr.
Palästina zur Eisenzeit I / Richterzeit (12.-10. Jhd. v. Chr.). Eingezeichnet sind bei Phöniziern und Philistern nur bedeutendere Städte und Grenzorte.
Die Archäologie bezeugt uns ab dem selben Zeitraum fünf weitere historische Umwälzungen in rascher Folge: Sie zeigt uns zweitens, dass ab Mitte des 13. Jhds. aus dem mykenischen Kulturkreis (s.o.) die aus ägyptischen Schriftquellen als Mittelmeerpiraten bekannten Philister vor allem ägyptisch regierte Städte an der südwestlichen Küste Palästinas eroberten (vgl. Barako 2013, S. 41f.51) und sich von ihren fünf Stadtstaaten Aschdod, Aschkelon und Gaza direkt an der Küste und Ekron und Gat etwas weiter im Landesinneren rasch in alle Richtungen ausbreiteten, und dass sich schon kurz zuvor weiter nördlich das Handelsvolk der Phönizier an der Küste ausgebreitet hatte (vgl. z.B. Killebrew 2019) und dann immer weiter nach Süden expandierte.〈c〉 Schon im 13. Jhd. war Sidon im heutigen Libanon (s.u.) eine der bedeutendsten Handelsstädte der Gegend; spätestens im 11. Jhd. waren sie bis nach Jatt vorgedrungen; im 10. Jhd., laut biblischer Geschichtsschreibung also zu Beginn der Königszeit Israels, noch weiter, bis bei Tel Michal und Tel Qasile ihre beiden Gebiete aneinander angrenzten.〈d〉 Die Philister beherrschten die südliche Küste, bis Ende des 8. Jahrhunderts die Assyrer ganz Palästina eroberten und die Philister so zunächst zu assyrischen und später zu ägyptischen Vasallenkönigreichen degradiert wurden. Um 600 machte der babylonische Nebukadnezzar den philistäischen Stadtstaaten ein Ende, wonach nach der sogenannten „babylonischen [Besiedlungs-]Lücke“ im 6. Jhd. die Phönizier ab ca. 500 v. Chr. noch weiter nach Süden expandierten und neue Hafenstädte in der einstigen Philistäa errichteten (vgl. z.B. Martin/Shalev 2022). Die Phönizier wiederum herrschten noch zwei weitere Jahrhunderte als babylonische und dann als persische Vasallenkönige an der Küste, bis im späten 4. Jhd. die Griechen dem phönizischen Königtum ein Ende machten. Kurioserweise haben damit große Teile vom Gebiet des heutigen Staates Israel zur Zeit jüdischen Bibel nie zu den Königreichen Israel und Juda gehört; vgl. die rechts in rot eingezeichneten aktuellen politischen Landesgrenzen.〈e〉
Drittens zeigt uns die Archäologie, dass viele der kanaanäischen Städte um das 13./12. Jahrhundert im Laufe von etwa 100 Jahren zerstört und erst später und nur zum Teil wiederrichtet wurden; manchmal nach einer Besiedlungslücke von über einem Jahrhundert (s. rechts; grob nach Millek 2018. Zu Pella und Abu al Kharaz vgl. Halbertsma 2019, S. 55f.). Es fällt auf, dass fast alle um diese Zeit zerstörten Städte erstens in den wirtschaftlich interessantesten Regionen Palästinas lagen, für die aus früherer Zeit daher auch mehrere ägyptische Expeditionen belegt sind – die Küste, das Jezreel-Tal bei Megiddo und das Aijalon-Tal bei Geser –, und dass sie zweitens danach phönizisch (blau) oder philistäisch (grün) sind oder an philistäisches Gebiet angrenzen (Beth-Schemesch, Azekah, Lachisch, Eton, Beit Mirsim). Zu Qaschisch, Jokneam, Megiddo, Beth-Schean, Pella und Abu al-Kharaz s.u.: Offenbar siedelten auch hier außerhalb des philistäischen Kerngebiets Angehörige der Seevölker (Taanach blieb zunächst unbesiedelt). Aussagekräftig ist auch, welche Städte nicht zerstört wurden: In der direkten Nachbarschaft von Beth-Schean etwa blieben Rekesch und Rehob, in denen sich später auch keine Seevölker nachweisen lassen, bestehen. Auch die umgebenden Dörfer scheinen jeweils nicht zerstört und weiterhin bewohnt worden zu sein (s z.B. Gaß 2006, S. 110; Finkelstein 2014, S. 31-34), was ebenfalls für gezielte Eroberungen spricht. Es ist zwar richtig, das sich bei einer noch größeren Zahl der später philistäischen oder phönizischen Städte keine Zerstörung feststellen lässt (Millek 2021), aber die Regelmäßigkeit ist dennoch zu deutlich, um dies gut anders denn als Eroberungen durch die Seevölker deuten zu können – nur Dan, Jin'am, Bethel und auf der anderen Jordanseite Umm ad Dananir fallen aus diesem Muster und müssen anders erklärt werden.〈f〉 Bethel und Umm ad Dananir sind auch die einzigen um diese Zeit zerstörten Städte, die im Gebirge liegen. Dass man bei vielen der späteren Seevölker-Städte keine Zerstörung feststellen kann, sollte man daher besser damit erklären, dass Eroberungen im Alten Orient häufig in Form von Blockaden geschahen, die die hungernden und dürstenden Bewohner dazu bringen sollten, sich zu ergeben (vgl. Eph´al 2009, S. 35-43). Von solchen Blockaden durch die Philister berichtet die Bibel z.B. in 1 Sam 23,1-5; 28,4; 2 Sam 5,17f. Den Sinn solcher Belagerungen durch siedlerkoloniale Mächte wie die Philister zeigt uns Dtn 20,10f.. Viertens: Nachdem die Philister auch in die ebenfalls unter der Dürre leidenden Reiche der Ägypter und der Hethiter eingefallen waren und auch die Assyrer mehrere Kriege gegen die Hethiter geführt hatten, geht das hethitische Großreich unter. Spätestens dem 12. Jhd. (Kaniewski u.a. 2011) lassen sich stattdessen nördlich von Palästina die Anfänge eines weiteren, Palistin genanntes und noch größeres philistäisches Reich nachweisen, das wohl bis ins 9. Jhd. Bestand hatte (vgl. z.B. Hawkins 2009; Gilan 2013b, S. 63f.; Weeden 2013; Pucci 2020, S. 137f.; ähnlich Emanuel 2015). Ob es östlich wirklich bis Nampigi reichte, ist unklar; die Türkei, Libanon und Syrien sind archäologisch noch weniger gründlich erforscht als Palästina. Relativ sicher ist aber, dass damit Palästina spätestens ab dem 12. Jhd. nicht mehr eingezwängt war zwischen dem hethitischen und dem ägyptischen Großreich, sondern zwischen den palištim („Philistern“) im Südwesten und dem Königreich Palistin im Norden, und dass die Kanaanäer von Philistern und Phöniziern um gut die Hälfte der Fläche ihrer einstigen Herrschaftsgebiete gebracht worden waren. Dafür schwindet fünftens mit der Zerstörung der kanaanäischen Städte und der ägyptischen Residenzen in diesen Städten nach und nach auch die Präsenz der Ägypter in Palästina. Dass auf der Merneptah-Stele davon gesprochen wird, Merneptah habe Kanaan „gefangen genommen / erbeutet“ (26), wird man so deuten müssen, dass dieser Prozess um 1208 v. Chr. schon weit vorangeschritten war und Merneptah allenfalls noch einmal kurz „das Ruder herumriss“; da in Megiddo und Lachisch aber noch Monumente des in den 1140ern regierenden Pharao Ramses VI gefunden wurden, scheint auch diese Entwicklung gut ein Jahrhundert angedauert zu haben. Manche Forscher gehen außerdem davon aus, dass nach dem Zusammenbruch des Hethiterreiches auch viele flüchtende Hethiter nach Palästina einwanderten. Archäologisch lässt sich das aber nicht nachweisen; es ist daher unwahrscheinlich, dass dies in großem Stil geschah (Gilan 2013).
Sechstens aber, und hier am wichtigsten, lässt sich fast zeitgleich in drei Regionen Palästinas eine kleine Völkerwanderung feststellen. Rechts sind diese Regionen hellblau und weiß eingefärbt. Von oben nach unten nennte man die westlich des Jordan für gewöhnlich
„galiläisches Bergland“
„Bergland Manasses“
„Bergland Ephraims“
„judäisches Bergland“.
Das ostjordanische könnte man entsprechend nennen:
„ammonitisch-moabitisches Bergland“.
Am wichtigsten für uns sind zunächst das Bergland Manasses und das Bergland Ephraims. In diesen Regionen explodiert ab der frühen Eisenzeit (ab dem 12. Jhd., s. Bimson 1991, S. 12f.) die Zahl der kleinen Siedlungen im Hochland: Nach einer weitgehenden Siedlungslücke von gut 300 Jahren nimmt ihre Zahl im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte immer mehr zu, bis sie sich im 11. Jhd. in manchen Gegenden verzehnfacht hat und insgesamt auf mehrere hundert Dörfer beläuft. Im judäischen Bergland geschieht dies zeitversetzt erst im 10.-9. Jhd. und in weit kleinerem Stil (auf die anderen zwei Gebirge und auf noch ein sechstes werde ich weiter unten eingehen). Gleichzeitig werden die wenigen Städte, die zuvor in diesen Regionen lagen, entweder aufgegeben und ebenfalls als kleine Dörfer neu besiedelt oder sie waren schon zuvor und über längere Zeit auf diese Größe zusammengeschrumpft. Einige Beispiele: Nach der häufigsten Interpretation wurde die kanaanäische Stadt Taanach Mitte des 12. Jhd.s zerstört und dann erst um das Jahr 1000 als Dorf neu besiedelt (vgl. allerdings Finkelstein 1998). Hefer war einst kanaanäischer Stadtstaat gewesen und schon im Laufe der Jahrhunderte auf Siedlungsgröße zusammengeschrumpft. Der Kultort / das administrative Zentrum in Ebal wurde Mitte des 12. Jhd.s ganz aufgegeben. Ungefähr zur selben Zeit wurde auch Sichem zerstört und nicht neu besiedelt. Ähnlich wie in Ebal wurde in Silo, wo sich laut 1 Sam 1-4 Samuels Tempel befunden haben soll, das nomadische Heiligtum der Spätbronzezeit aufgegeben; hier wurde stattdessen eine Siedlung errichtet. Bethel war im 14.-13. Jhd. eine große Stadt, in der bekanntlich schon Jakob Mazzebe und Altar errichtet haben soll. Ende der Bronzezeit aber wurde auch diese Stadt zerstört und mit einem kleinen Dorf neu besiedelt. Die weltweit am intensivsten archäologisch erforschte Stadt Jerusalem war schon in der Spätbronzezeit keine Stadt mehr, sondern ein kleines Dörfchen. Im Laufe der frühen Eisenzeit und frühen mittleren Eisenzeit wuchs Jerusalem zwar anscheinend schon wieder zu einem städtischen Mittelzentrum an, Hauptstadt-Status kann man aber frühestens ab dem späten 9. oder eher dem frühen 8. Jhd. annehmen (vgl. z.B. Ben-Ami/Tchekhanovets 2016; Winderbaum 2021, S. 444f.). Von einer Königsstadt Davids und Salomos schon zur Eisenzeit IIa fehlt archäologisch jede Spur. Auch der einstige Stadtstaat Hebron, laut biblischer Geschichte Davids erste Königsstadt, war schon in der mittleren Bronzezeit aufgegeben und in der Spätbronzezeit nur noch als Friedhof genutzt worden, um dann in der frühen Eisenzeit mit einem kleinen Dorf neu besiedelt zu werden. Ähnliches gilt übrigens auch für Sauls Königsstadt Gibea: Welcher Ort damit gemeint ist, ist umstritten; an keinem der diskutierten Orte hat sich zu Sauls Zeit aber eine Stadt befunden. Khirbet Rabud schließlich ist ein Beispiel für die langsamere Entwicklung Südpalästinas: Khirbet Rabud war vom 14.-11. Jhd. eine befestigte Stadt und wurde erst im 10. Jhd. als Dorf neu errichtet. In der Eisenzeit I ist Khirbet Rabud daher wahrscheinlich noch eine kanaanäische Stadt.
Zwei Dorf-Cluster. Rechts im Zentrum: Silo. (c) Miller 2005b, S. 31.
Links: Einige kanaanäische Stadtstaaten Ende der Bronzezeit.〈g〉 (c) Finkelstein 2014, S. 19. Rechts: Proto-israelitische Siedlungen im Hochland der Eisenzeit I. (c) Shanks 1992, S. 11 S. auch die sehr schöne Karte in Lehmann 2021, S. 279.
Am Ende dieses Prozesses ist damit das Bergland Palästinas nicht mehr bedeckt von einem Flickenteppich einzelner größerer Stadtstaaten, sondern von einem engmaschigen Netzwerk kleiner Dörfchen, von denen die meisten um die 100-150 und keines mehr als 400 Einwohner fasst. „Netzwerk“ deshalb, weil Miller 2005b und Palmisiano 2013 stark gezeigt haben, dass sich mehrere Dorfgruppen-Cluster mit jeweils einem etwas größeren Dorf im Zentrum feststellen lassen: Offenbar galt ortsweise auch für diese Dorfgesellschaft, dass „man zusammengehörte“ – nun aber nicht mehr als gemeinsame Untertanen eines zentralen Stadtstaates, sondern als Dörfergemeinschaft mit kleinen regionalen Zentren, in denen sich z.B. Schmieden oder Töpfereien befunden haben könnten und in denen vermutlich auch jeweils der Häuptling einer Dorfgruppe wohnte.
Ökonomisch lässt sich die Besiedelung des Zentralgebirges in der Klimakrise der frühen Eisenzeit gut erklären: Im Bergland Israels gibt es erstens höhere Niederschlagsmengen. Rechts sieht man, wie die fünf Berglandregionen sich überwiegend auf die am stärksten beregneten Gegenden des noch nicht durch Phönizier und Philister dominierten Palästina konzentrieren. Darüber hinaus ist an Hängen der Effekt von Niederschlag größer, weil zusätzlich zum lokalen Niederschlag auch noch Rinnwasser den Boden befeuchtet und weil wegen des felsigen Untergrunds das Wasser langsamer versickert. Durch künstliche Terrassen lässt sich dieser Effekt noch steigern (vgl. zur Technik z.B. Evenary u.a. 1982, S. 109; Hopkins 1985, S. 173-186; Gibson 2015, S. 298-303; Ackermann u.a. 2018). Radiokarbon- und OSL-Datierungen von Terrassen machen wahrscheinlich, dass man Terrassenbau mindestens schon in der frühen Eisenzeit praktizierte (vgl. z.B. Avni u.a. 2012, S. 24; Pola u.a. 2016, S. 92; Bruins/van der Pflicht 2017).〈h〉 Evenary u.a. haben für den Negev kalkuliert, dass man so mit bis zu vier Fünftel weniger Niederschlag auskommt. Weiters hatte man offenbar erst kurz zuvor die Technik entwickelt, Zisternen in den weichen Kreidestein zu hauen, in denen zusätzliche Wasservorräte gespeichert werden konnten (vgl. Callaway 2009, S. 39f.). Auch solche Zisternen finden sich daher in großer Zahl in ausgegrabenen Hochlandsiedlungen der frühen Eisenzeit. Außerdem gab es in der ausgehenden Bronzezeit mit ihren schwächer sprudelnder Flachlandbrunnen und -Quellen noch eine Reihe natürlicher Gebirgsquellen fern von bereits bewohnten Siedlungen, die noch beansprucht werden konnten und in deren Nähe daher viele der neu errichteten Siedlungen liegen (vgl. z.B. Gal 1992, S. 86; Zertal 1988, S. 343-345).〈i〉 Höhere Niederschlagsmenge, wassersparende Terrassentechnik, wasserspeichernde Zisternentechnik und frei verfügbares Quellwasser muss das Gebirge in den Zeiten der Dürre zu einem immer attraktiveren Ort für palästinische Viehhirten und Landwirte gemacht haben. Die ökonomischen und ökologischen Hintergründe dieser kleinen Volkswanderung lassen sich also gut erklären. Die politischen Hintergründe dagegen sind sehr umstritten.
Auch, wie insgesamt diese sechs Entwicklungen in kurzem Zeitraum – (1) Megadürre, (2) Ansiedlung von Phöniziern und Philistern an der Küste, (3) Zerstörung vieler kanaanäischer Städte, (4) Zusammenbruch des hethitischen Großreichs, (5) Abzug der Ägypter, (6) Explosion der Bergland-Dörfer – miteinander zusammenhängen, ist unklar, und auch deshalb ist ungewiss, welche Gruppe(n) sich eigentlich aus welchen Gründen im Bergland ansiedelte(n). Dass dies so unklar ist, ist deshalb so ärgerlich, weil es sich mindestens bei einigen von ihnen fast sicher um die späteren Israeliten handelt, da die Bücher Josua und Richter noch deutliche Reflexe einer Eroberung Israels vom Gebirge aus bewahrt haben (und da ohnehin sonst keine Regionen mehr da waren, in denen es sonst geschehen hätte können). Es ist sogar möglich, dass schon diese Dorf-Cluster die Vorläufer der „Stämme“ waren, in die sich später die Gesellschaft Israels gliedern sollte, da zwei der Stämme wahrscheinlich nach den Gebirgen benannt sind, auf denen sie lebten (gut Knauf/Niemann 2021, S. 76: Der Stamm „Efraim“ nach dem gleichnamigen Gebirge, der Stamm „Juda“ nach wahda, dem „Abgrund“ s. DAHPN s.v. Das biblische Zwölf-Stämme-System ist aber gewiss eine späte Entwicklung; vgl. Kallai 1995, 1999; Macchi 1999; Grabbe 2007, S. 106).
Vergleicht man einige charakteristische Züge von Lebensweise und Lebensstil der Bevölkerungsgruppen im palästinischen Raum der frühen Eisenzeit, kann man zumindest fast sicher ausschließen, dass die Bevölkerung der Bergland-Siedlungen sich überwiegend aus Phöniziern, Philistern oder kanaanäischen Städtern speiste. Nicht deshalb, weil die Bergland-Siedlungen sämtlich deutlich kleiner waren als die Städtchen und Städte in den Tälern und Ebenen; auch nicht deshalb, weil die Bevölkerung in diesen Siedlungen überwiegend autark und ärmlich lebte und sich anders als „Städter“ gleichzeitig durch Viehwirtschaft und Getreideanbau auf Terrassen ernährte, und auch nicht deshalb, weil die Bergsiedler fast ausschließlich in Pfeilerhäusern lebten, die wohl gleichzeitig auch als Ställe für das Vieh der Familie dienten, während Kanaanäer überwiegend in Hofhäusern, Phönizier in Hofhäusern und T-förmigen Häusern und Philister in „linearen Häusern“ lebten, die wahrscheinlich nicht als Ställe verwendet wurden (vgl. zum Stall-Haus Dalman, AuS VI S. 280f.; Stager 1985, S. 12; Bilder beim Madain Project; zum Hofhaus v.a. Gilboa u.a. 2014, S. 54.57f.64; zum T-förmigen Haus Edrey 2018, S. 95, zum linearen Haus Aja 2009, S. 262f.; hier eine Grafik) – zu dieser Lebensform zwangen wohl auch die klimatischen Bedingungen und die geographischen Gegebenheiten des Berglands. Sondern wegen der Organisation des öffentlichen und kultischen Lebens, das sich an Ausgrabungen ablesen lässt:
Phönizier
Philister
Kanaanäer
Bergland-Siedler
materielle Kultur:
Gemeinsame Infrastruktur und öffentliche Gebäude (=> Lagerhäuser, administrative Bauten, ...). Daher auch Handel untereinander: In phön., phil. und kan. Städten und Gräbern stets auch typisch phön. & phil. Keramik, auch gehandelte oder importierte Luxusgüter
Keine öffentlichen Gebäude (außer evt. Silo, so häufig bes. Finkelstein. Aber s. Jericke 2019). Wenig Handelsbeziehungen nachweisbar; stattdessen überwiegend selbstgefertigte Werkzeuge & Keramik (vgl. z.B. Faust 2009, 2016). Importierte oder erhandelte Luxusgüter so selten, dass sie Erbstücke sein können (Listen in Zwingenberger 2001, S. 386-401; Miller 2005b, S. 45-52).
Religion:
In mehreren Städten Tempel und Schreine mit Bamah und Altar; in Privathaushalten oft Figurinen (z.B. Phön: Psi-Figurine, Phil: Aschdoda, Kan: Pfeilerfigurine; vgl. z.B. Edrey 2018, S. 112f.124ff.181; Ben-Shlomo 2019). Daneben oft Kleinfunde wie kultische Gefäße, Räucherkästen u.ä.
Öffentliche Kultstätten: Nur die „Bull Site“, offenbar ein Clan-Heiligtum von fünf Dörfern (dazu z.B. Wenning/Zenger 1986b, allerdings auch Koenen 2015: kultischer Charakter unsicher; Zertal 1986, S. 114; Miller 2005b, S. 46: falsch datiert. Der Altar (?) auf dem Ebal war spätestens 1140 v. Chr. außer Gebrauch und ist daher irrelevant). Daneben nur vereinzelte Funde möglicherweise kultischer Keramik wie bes. die „Raddana-Schale“ (vgl. Zwingenberger 2001, S. 438-448), keine Figurinen.
Totenkult:
multiform. Bei allen nachweisbar: Erdbegräbnis, Kremation, Schachtgrab, (Doppel-)Urnengrab (zu letzterem bei Phil s. Mazow 2014, S. 143f.), bei Phön + Kan außerdem Höhlengrab, Kistengrab und für bes. Wohlhabende Sargbegräbnis (vgl. noch Dixon 2013; Ben-Shlomo 2008), bei Kan ab 10. Jhd. auch Bankgrab.
Ergänzen könnte man noch, dass bei den Philistern bis zur frühen Eisenzeit Schweinefleisch ortsweise bis zu 25% der tierischen Nahrung ausgemacht hat, was für das Bergland fast gar nicht gilt (vgl. z.B. Sapir-Hen u.a. 2015), obwohl dort in der Bronzezeit sehr wohl Schweinefleisch verzehrt wurde. Das Fehlen von Schweinen im eisenzeitlichen Bergland kann aber auch nur dadurch ökonomisch bedingt sein, dass Schweine und Menschen Nahrungskonkurrenten sind und die Hochländler nicht genug für beide Spezies produzieren konnten (richtig Frevel 2018b, S. 84). Mit der Lebensweise der Schasu und Habiru lassen sich die genannten Zeugnisse nur schwer vergleichen, da von ihnen qua Beduinen archäologisch nur wenig bekannt ist. Sollten Levy/Adams/Muniz 2004 Recht behalten und der Friedhof am Jabal Hamrat Fidan ist ein Schasu-Friedhof (naheliegend, da als Grabbeigaben anders als sonst üblich gar keine zerbrechlichen Keramikgefäße, sondern ausschließlich hölzerne gefunden wurden, die Nomaden gut transportieren konnten), muss man aber immerhin auch hier einen Gegensatz zwischen den Felsgräbern mit Keramikgefäßen in den südlichen Bergsiedlungen vs. den Kistengräbern mit Holzgefäßen der Schasu statuieren.
Nimmt man das zusammen, lassen sich unterschiedliche historische Entwicklungen annehmen. Die härteren Lebensbedingungen aufgrund des Klimawandels werden gewiss zu Spannungen zwischen Kanaanäern und Ägypten einerseits und kanaanäischen Bauern und Städtern andererseits geführt haben. Sie werden außerdem die Schasu gezwungen haben, ihre Lebensweise und ihren Lebensraum anzupassen, wozu die Ansiedlung der Philister zusätzlich beigetragen haben wird. Der Niedergang des Handels durch die Schwächung Ägyptens und das Ende des hethitischen Großreichs und die geringere Ausbeute in den verarmenden kanaanäischen Dörfern wird auch den Habiru zunehmend Probleme bereitet haben. Hiernach lässt sich dann theoretisch weiter alles annehmen von friedlichen Umsiedelung von Kanaanäern ins besser zu bewässernde Gebirgsland bis hin zum Bürgerkrieg zwischen Ägyptern, kanaanäischen Herrschern, kanaanäischen Bauern, Habiru, von den Philistern nach Norden verdrängten Schasu, „Israel“ und später auch den Philistern selbst, in dessen Zug aus all diesen verschiedenen Gruppen die Menschen massenweise ins Gebirge geflohen wären. Geht man von der deutlichen Zerstörungsschicht kanaanäischer Städte und ägyptischer Residenzen darin aus, wird das erste Extrem aber unwahrscheinlich. Und setzt man am unterschiedlichen Profil von Bergland- und Flachland-Kulturen an, sind m.E. der heißeste Kandidat für den Hauptträger dieser Volkswanderung die palästinischen Habiru: Dass diese schon vorher u.a. im Gebirge gelebt hatten, zeigen die Amarna-Briefe, und eine dominante Habiru-Bevölkerung im Gebirge erklärt am plausibelsten das Fehlen von Grab- und Kultstätten (die sie ja auch vorher nicht errichtet haben) und den nur lockeren Zusammenhalt zwischen den einzelnen Siedlungen. Dass in den Habiru-Siedlungen Häuser gebaut und Keramik getöpfert wurde, wie man sie vereinzelt auch aus den kanaanäischen Ebenen kennt, ließe sich dann damit erklären, dass die Habiru – wie ja ebenfalls schon bekannt ist – im Laufe der Zeit immer wieder kanaanäische Siedlungen erobert und sich ihnen immer wieder Kanaanäer angeschlossen hatten. Am ehesten ist daher anzunehmen, dass (1) infolge der Dürre wirklich immer häufiger Revolten, Aufstände und Kleinkriege ausbrachen, deren Zeuge die zerstörten kanaanäischen Städte sind, dass (2) deshalb und wegen den immer schwerer zu tragenden Tributforderungen von Ägyptern und kanaanäischen Herrschern immer mehr kanaanäische Bauern zu den Habiru überliefen, dass (3) danach und nach dem Zusammenbruch des Handels auch die Habiru Versorgungsprobleme hatten und dass sie sich deshalb (4) nach und nach ganz vom Flachland ins Gebirge zurückzogen, (5) um sich nun aber dort unter Anleitung der Bauern in ihren Reihen selbst zu versorgen. Ähnlich hat diesen Prozess bes. einflussreich etwa bereits Gottwald 1979, S. 210-219 modelliert, der sich dabei allerdings die Habiru insgesamt nach Mendenhall 1973, S. 122-141 als rein revolutionäre Bewegung der aufständischen kanaanäischen Unterschicht vorstellt. Noll 2001, S. 162 hat ein etwas friedlicheres Modell entwickelt: Bauern hätten wegen der hohen Besteuerung ihre Dörfer verlassen und seien dann gemeinsam mit den „Beduinen“ außerhalb der Städte und Dörfer, die nun „wegen der Steuerpolitik der Ägypter“ nicht mehr mit den Kanaanäern handeln konnten, ins Gebirge umgezogen (ähnlich Lehmann 2001, S. 75).〈j〉 Ähnlich sind auch die Modelle von Stiebing 1989, S. 190f.; Kratz 2017b, S. 13f. und Dever 2017, S. 222-233, wobei Letzterer nur von einem anderen Mengenverhältnis ausgeht: Primär aus ökonomischen Gründen landflüchtige kanaanäische Dorfbewohner, daneben auch Habiru.〈k〉
In der Schefela-Ebene westlich des judäischen Berglands allerdings blieben in der frühen Eisenzeit einige kanaanäischen Kleinstädte bestehen (s.u., Bild 1): Tel Azekah, Tel Burna, Tel Zajit, Tel Eton, Lachisch und im 11. Jhd. auch Tel Jarmuth (vgl. ABD III, S. 645f.) wurden zwar zerstört und zunächst nur Tel Burna als kleine Siedlung und Tel Eton (vgl. Faust/Katz 2015, S. 91f.) als Kleinstadt neu errichtet. Aber Beth-Schemesch, Tel Beit Mirsim und vermutlich auch Keila bestanden als Städte und seltsamerweise auch Khirbet er-Ra'i als kleines Dörfchen fort. Auch Tel Halif bestand weiter; während sich aber in den anderen Städten ab dem 12. Jhd. einige philistäische Keramik findet, gilt das weit weniger für diese Stadt. Wie dies zu deuten ist, ist umstritten: Entweder blieben die Orte der Schefela-Ebene in der frühen Eisenzeit noch kanaanäisch und manche Städte handelten intensiver mit den Philistern als andere (so z.B. Na'aman 2011; Bunimovitz/Lederman 2011, 2014; Faust/Katz 2011; Faust 2020), oder nach einem philistäischen Sieg über die genannten Städte unterwarfen sich die wenigen übrigen kanaanäischen Schefela-Orte bis hinunter nach Tel Beit Mirsim den Philistern, wonach sich dort nach und nach beide Bevölkerungsgruppen vermischten (ähnlich z.B. Fantalkin 2008, S. 31; Lehmann/Niemann 2014; Faust 2019b). Ich halte die Kanaanäer-Deutung für plausibler. Für die Philisterdeutung spricht zwar erstens, dass bei Tel Eton ein Philistergrab gefunden wurde, und zweitens, dass auf der Nimrud-Platte noch Adad-Nirari III um 800 v. Chr. in Südpalästina neben der Philistäa und Edom kein anderes Reich zu kennen scheint (COS II 276: „Ich unterwarf [alles östlich] des Eufrat-Ufers: ... Das [phönizische] Gebiet von Tyrus, das [phönizische] von Sidon, das Gebiet Humris [=Omris, also das Nordreich Israel], das Gebiet von Edom [=der Negev? S.u.] und das Gebiet der Philistäa, [alles] bis zum großen Meer im Westen.“). Aber die Kanaanäer-Deutung harmoniert besser mit einem weiteren Siedlungsprozess im 10./9. Jhd. Für diesen muss ich etwas weiter ausholen, aber es lohnt sich. Besonders Faust hat häufig gut darüber geschrieben (v.a. in Faust 2013; Faust 2014; Faust 2020). Nachdem nun Daten neuer Radiokarbon-Messungen vorliegen und neuerdings auch Lachisch noch gründlicher ausgegraben wurde, lässt sich der Prozess aber noch etwas genauer in den Blick bekommen:
Im 12./11. Jhd. sind klar die Philister die dominierende Macht in Südpalästina: Faust 2020, S. 118f. kalkuliert (nach Finkelstein) für den Beginn der Eisenzeit die Einwohnerzahl der Philistäa auf 30.000, die in der Schefela dagegen nur auf 1500 und die im judäischen Bergland auf 7000.
Dabei dürfer er allerdings die Schefela unter- und das judäische Bergland massiv überschätzt haben. In der Schefela rechnet er erstens nicht den Ort Keila ein, der zuvor ein bedeutender Ort in dieser Gegend gewesen war. Seine Größe zur frühen Eisenzeit lässt sich heute heute nicht mehr erkennen, weil die Ruinen durch Bauarbeiten verwüstet wurden; die gefundene Keramik macht aber sicher, dass es ihn zur dieser Zeit immerhin gab. Auch Khirbet Rabud rechnet Faust nicht ein, obwohl der Ort zu dieser Zeit wahrscheinlich noch zum kanaanäischen Kulturkreis gehörte (s.o.). Er rechnet auch nicht ein, dass manche spätbronzezeitlichen Orte in der Schefela nur über einen längeren Zeitraum schwanden. Tel Jarmuth z.B. wurde erst im 11. Jhd. zerstört, Khirbet Qeiyafa (s. gleich) im selben Jahrhundert gegründet. Entweder den einen oder den anderen Ort müssen wir also dazurechnen. Außerdem übergeht er die vier „hiwitischen“ Orte um Gibeon, die ich oben noch markiert habe. Die Geschichte von Gibeon am südlichen Rand des Zentralgebirges wird noch nicht gut verstanden; ähnlich wie die des verwandten Orts Tel Dothan am nördlichen Rand. Beide verbindet, (1) dass sie nach Surveys zu urteilen zu je einer Ortsgruppe mit für das Zentralgebirge ungewöhnlich großen Orten gehören – Gibeon wie gesagt zu den anderen drei „hiwitischen“ Orten Kirjat-Jearim (wird gerade erst ausgegraben), Beerot (= Khirbet el-Burj), Kefira und wohl auch noch Beth-Horon (letztere drei noch nicht ausgegraben), Tel Dothan zu den leider sämtlich noch nicht ausgegrabenen anderen Orten el-Khrab, Khirbet Rujjam und dem einstigen Stadtstaat Tel el Muhaffar (= Hefer) im Dothan-Tal. (2) Beide verbindet auch eine ungewöhnliche Siedlungsgeschichte: Wie viele Berglandsiedlungen waren sie sowohl in der mittleren Bronzezeit als auch in der frühen Eisenzeit bebaut, in der späten Bronzezeit aber nicht. Sie unterscheiden sich aber darin von den anderen Berglandsiedlungen, dass sich in beiden Ortsgruppen größere Grabanlagen finden, die dennoch von der mittleren Bronzezeit bis zur frühen Eisenzeit inklusive der späten Bronzezeit in Gebrauch waren – mit Ausnahme von Askar die einzigen überhaupt im Zentralgebirge der frühen Eisenzeit (vgl. Lehmann/Varoner 2018, S. 237.253). (3) Tel Dothan unterscheidet sich auch darin von den anderen Berglanddörfern, dass hier aus der frühen Eisenzeit ein Altar, viele kultische Figurinen und ein administratives Gebäude gefunden wurden (vgl. Miglio/Dutton 2018); Dothan hat also in jeder Hinsicht ein anderes Profil als die üblichen Berglanddörfer im Zentralgebirge. Auch in der Ortsgruppe um Gibeon wird im späten 10. Jhd. mit Motza in der direkten Nachbarschaft von Jerusalem ein Städtchen mit einem eigenen Tempel und mit administrativen Gebäuden erbaut werden (vgl. Kisilevitz/Lipschits 2020; Greenhut 2021), auch hierin ähneln sich also die beiden Ortsgruppen und unterscheiden sich vom Umland. (4) Noch ein Weiteres muss bei Gibeon in der frühen Eisenzeit berücksichtigt werden: Als Pharao Scheschonq in den 940er- oder 920er-Jahren seine drei Schneisen in das Land Palästina schlägt, gehören offenbar Gibeon, Beth-Horon und vielleicht Kirjat-Jearim (äg.: kidiataim = kirjataim?) mit Aijalon, Rabbah und eventuell Geser (vgl. Junkkaala 2006, S. 198f.)〈l〉 zu einer Ortsgruppe zusammen und werden daher gemeinsam erobert, während wiederum Aijalon, Rabbah und Geser bereits zuvor unter die Hoheit der „Schefeliten“ gekommen war (s. gleich). All dies – das mit Ortsgröße, Gräbern, Kultstätten und administrativen Gebäuden andere Profil als die anderen Berglandsiedlungen und die Behandlung gemeinsam mit den Siedlungen im Tal beim Feldzug von Scheschonq – spricht dafür, dass man die Ortsgruppe um Gibeon trotz der Lage im Gebirge nicht zu den Berglandsiedlungen, sondern noch zum Kulturkreis der Schefela rechnen muss, mit der sie schon seit der mittleren Bronzezeit verbunden waren, so dass man nicht nur Keila, Khirbet Rabud und entweder Tel Jarmuth oder Khirbet Qeiyafa militärisch noch zur Schefela rechnen muss, sondern auch noch diese Orte. Das dem Tempel in Motza vorangehende Heiligtum wird man übrigens dann entsprechend nicht als ein zweites judäisches Heiligtum erklären müssen wie die Ausgräber, sondern als das Grenzheiligtum der „Bergland-Schefeliten“ an der symbolischen Grenze des Nahal Besor. Und schließlich rechnet Faust nicht den philistäischen „Synoikismos“ ein: Weil in der Philistäa so viele kleine Orte schwanden und die meisten Orte für das Palästina der frühen Eisenzeit ungewöhnlich groß waren, nimmt man heute häufig an, dass die Philister die kanaanäischen Bewohner dazu zwangen, in ihre Städte umzusiedeln (vgl. z.B. Bunimovitz 1998, S. 107f.; Shavit 2008, S. 160; Faust/Katz 2011, S. 235f.). Auch in Geser und Timna und ohnehin in den Orten um Aijalon werden daher vor allem Kanaanäer gelebt haben, die im gleich beschriebenen Prozess revoltiert haben könnten. Es ist damit gut möglich, dass man die militärische Macht der Schefela-Bewohner in Fausts Kalkulation vervielfachen muss. Beim judäischen Bergland dagegen rechnet Faust nicht ein, dass die judäischen Berglanddörfchen überwiegend erst im 10./9. zur mittleren Eisenzeit errichtet wurden, so dass man zur frühen Eisenzeit noch nicht mit ihnen rechnen kann. Aber Kalkulationen von Einwohnerzahlen und militärischer Macht sind ohnehin nur approximativ; die Machtverhältnisse sind so und so deutlich: Philistäa war mächtig, Schefela und Bergland weniger. Rechnen wir wie Faust, müssten wir im 11. Jhd. allein für Ekron 6000 und für Gat 5000-7500 Einwohner annehmen. Auch mit Keila, Khirbet Rabud, Jarmuth und den hiwitischen Orten dürfte die Zahl waffenfähiger Schefeliten insgesamt kaum die allein dieser beiden Städte erreicht haben.
Als diese dominierende Macht dringen die Philister im Laufe der frühen Eisenzeit immer weiter in die Schefela vor: In dieser Zeit neu errichtet wurden z.B. Tel Erani, Khirbet Summeily,〈m〉 Umm al Baqar, Tel Nagila und der kleine Tempel Nahal Patisch. Im 11. Jhd. wird außerdem Beth-Schemesch einmal zerstört, was ebenfalls mit den Philistern zusammenhängen könnte (hauptsächlich sind (1) die zuvor nicht erfolgte Zerstörung, (2) die Zerstörung im 11. Jhd. und (3) die darauf folgenden Entwicklungen der Grund dafür, warum man Beth-Schemesch i.d.R. nicht mit den Städten Geser und Timna mit ähnlicher materieller Kultur als philistäische Grenzstädte zusammenfasst, sondern als kanaanäisch/israelitisch ansieht). Die Bewohner der Schefela aber rüsten ebenfalls auf (s. die Orte in orange auf Bild 2); vielleicht als Reaktion auf die Zerstörung von Beth-Schemesch: Im 11./10. Jahrhundert entstehen entlang der Grenze mit Tel Scheqef, Tel el-Hesi und Tel Milha kleine Festungen; auch Tel Burna wird zu einer solchen Festung ausgebaut (vgl. Blakely 1981, S. 240f.; Blakely u.a. 2014). Vor allem aber werden Beth-Schemesch und Lachisch als befestigte Städte neu errichtet (zu Lachisch vgl. Garfinkel u.a. 2019) und mit Khirbet Qeiyafa wird eine ebenso befestigte Kleinstadt ganz neu aus dem Boden gestampft. Eventuell gehört auch Tel Beit Mirsim in diese Reihe; wann dort die Stadtmauer errichtet wurde, ist aber noch nicht sicher. Charakteristisch ist für die meisten dieser Orte die Kasematten-Bauweise der Mauer (Ausnahmen: Lachisch und Tel el-Hesi mit Stadtmauern älteren Stils). Den selben Mauertyp sieht man im 10. Jahrhundert auch in Timna und auch in Geser, das nach einer Zerstörung um 1000 v. Chr. ebenfalls mit einer solchen Mauer neu errichtet wird. Beide Orte scheinen also nun von den Bewohnern der Schefela kontrolliert worden zu sein (zu Geser vgl. Webster u.a. 2023. Aijalon, Tel el Kokah und Rabbah wurden noch nicht ausgegraben, gehören zu dieser Zeit als Mittelzentren aber klar zum Einzugsgebiet des Oberzentrums Geser. Solange sie noch nicht ausgegraben sind, muss annehmen, dass sie das Schicksal von Geser teilten).
Zeitgleich schrumpfen Ekron und an der Küste auch Aschdod massiv zusammen, während Gat etwas weiter südlich umso stärker anwächst (Ekron von 24 auf 4 ha, Aschdod von 7 auf 1 ha und Gat von 20-30 im 11. Jhd. auf unglaubliche 40-50 ha im 9. Jhd. Aschkelon maß im 8./7. Jhd. sogar 60 ha; wie groß es zur EZ I und EZ IIa war, ist aber nicht klar).〈n〉 Im 11./10. Jhd. scheinen im Nordosten der Philistäa die Bewohner der Schefela also stärker gewesen zu sein als Ekron. Diese philistäische Schwäche breitet sich im 9. Jahrhundert noch weiter aus, als der Prozess in eine dritte Phase geht: Die südöstlichen Grenzorte Tel Erani, Khirbet Summeily, Umm al Baqar und Nahal Patisch werden sämtlich zerstört oder aufgegeben. Nur Tel Nagila besteht im Südosten fort, könnte aber von einem anderen Volk bewohnt worden sein (vgl. z.B. Shai u.a. 2011, S. 37f.). Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies direkt mit dem Feldzug von Scheschonq zusammenhängt, der kurz zuvor in der direkten Nachbarschaft mindestens in Tel Jemmeh und Tel el-Far'ah westlich von Nahal Patisch und wahrscheinlich auch in den kleinen Gehöften südöstlich davon operiert hat (s.o.).
Ab dieser Zeit im ganzen Land außerhalb der Gebirgsregionen auftauchende ägyptische Stempelsiegel (für eine schöne Karte s. Münger 2018, S. 44), größere Zahlen ägyptischer Grabbeigaben (s. Mumford 2007, S. 168f.) und speziell ägyptischer Keramik (s. Ben-Dor Evian 2011, S. 110) sowie überraschend häufig gefundene Überreste importierten Nilfisches (s. van Neer u.a. 2004, S. 111-117) machen wahrscheinlich, dass hiernach kurze Zeit wieder die Ägypter Kontrolle über weitere Teile des Landes ausübten (Ben-Dor Evian 2017b, S. 35f.). Unter dieser Schirmherrschaft wächst weiter nördlich die Zahl der nicht-philistäischen Siedlungen rasant (s.o., weiß): Im Bergland etablieren sich neben Khirbet Midja noch el Burj und Khirbet el-Kunnisa als Mittelzentren; auch Scha'albim wird wiederbesiedelt. Um diese Dörfer herum gruppieren sich weitere 29 Dörfchen und Weiler, die alle ab dieser Zeit gegründet worden zu sein scheinen (vgl. Shavit 2000. Zur Erinnerung: Auch im judäischen Bergland tauchen diese Dörfchen überwiegend erst zu dieser Zeit auf). Damit grenzt der Raum der Berglandsiedlungen direkt an die Ebene an, was vielleicht zuvor die Präsenz der Philister verhindert hatte. Die Orte um Gibeon blühen nach der Eroberung von Scheschonq wieder auf; südlich davon wird wie gesagt das Heiligtum in Motza zu einem Städtchen mit zentralen Lagerräumen, administrativem Gebäude und Tempel ausgebaut. Im Aijalontal werden Latrun und Khirbet Ras Abu Murah neu errichtet; in der Schefela werden Tel Azekah, Tel Zajit und wohl auch Tel Jarmuth〈o〉 wieder aufgebaut, Khirbet er-Rasm, Socoh, Tel Goded und Khirbet el-Qom neu gegründet und wird mit dem befestigten Grenzstädtchen Tel Harasim sogar noch tiefer ins philistäische Gebiet vorgestoßen (vgl. auch die Karte in Lehmann/Niemann 2014, S. 82, wo auch noch kleinere Orte verzeichnet sind).
Es ist neuerdings v.a. von Maeir gelegentlich in Frage gestellt worden, ob historisch die Philister und ihre westlichen Nachbarn überhaupt verfeindet waren, und noch grundsätzlicher, ob sich Philister und Kanaanäer überhaupt als klar voneinander zu scheidende Gruppen verstehen lassen (gut z.B. Maeir 2019). Dass man ethnisch und materiell-kulturell eher von einem Kontinuum von philistäisch nach kanaanäisch ausgehen muss, ist gewiss richtig. Vollzieht man aber den eben beschriebenen Prozess nach, lässt sich ein klares Gegeneinander zweier Gruppen für die späte Eisenzeit I und die frühe Eisenzeit II kaum bezweifeln; die Philister führten hier deutlich Grenzstreitigkeiten mit ihren Nachbarn, unterlagen schließlich im frühen 10. Jhd. und Scheschonq schrieb mit seinen Eroberungen im späteren 10. Jhd. nur noch die neugezogenen Grenzen fest. Wer bei diesen Streitigkeiten aber genau die Gegner der Philister waren, ist umstritten. Um das 10. Jhd. soll laut Bibel König Salomo in Palästina geherrscht haben. Die Verse 1 Kön 19,15-17 berichten, dass Pharao Siamun Geser zerstört und dann Salomo geschenkt habe, als dieser seine Tochter heiratete, und dass dieser daraufhin in Hazor, Megiddo und Geser Mauern [wiederauf]gebaut habe. Das passte zeitlich zum Neubau Gesers mit Kasemattenmauer; wahrscheinlich vor allem aus diesem Grund nehmen noch heute einige (v.a. jüdische und evangelikale) Historiker an, die Bauinitiative von Kasemattenmauern im 10. Jhd. in Geser, Timna, Beth-Schemesch, Khirbet Qeiyafa, Tel Burna, Tel Scheqef und Tel Milha gehe auf das Königreich Juda zurück und sei das einzige archäologische Zeugnis für die Existenz dieses Königreichs schon im 10. Jhd., das dann in dieser Zeit vom judäischen Bergland aus zunächst in die Schefela und dann in die philistäischen Gebiete vorgedrungen sein soll. Aber es ist nur schwer möglich, diese Verse als historisches Zeugnis zu nehmen: In Hazor wurde zwar wirklich ebenfalls die Stadt neu aufgebaut und mit Toranlage und Kasemattenmauer ausgerüstet. Diese Kasemattenmauer unterscheidet sich aber deutlich von denen in Südpalästina (vgl. z.B. Garfinkel u.a. 2016, S. 183) und wahrscheinlicher hat man diesen Neubau eher ins Ende des 10./Anfang des 9. Jhds. zu datieren (z.B. Kleiman 2022, S. 54). Megiddo wurde sicher erst gut ein Jahrhundert nach Salomo befestigt. Die Notiz zu Geser schließlich ist, sofern wirklich Geser in Pharao Scheschonqs Städteliste erwähnt wird, texthistorisch gesehen am wahrscheinlichsten aus einer Erinnerung an dessen Eroberung der Stadt entstanden, ebenfalls nach Salomo (vgl. z.B. gut Schipper 1999, S. 22f.; auch Webster u.a. 2023). Ebenso schwierig ist die Zusatzannahme, der Ausbau der Schefela und des Aijalon-Tals sei vom Gebirge aus geschehen: Vollzieht man die Abfolge des Prozesses genauer nach, sieht man, dass er erstens im Westen der Schefela begann und zweitens gerade mit der Aufrüstung der bereits bestehenden kanaanäischen (i.S.v.: nicht-judäischen) Orte Beth-Schemesch, Burna und Lachisch. Mit Tel Jarmuth, Tel Azekah und Tel Zajit waren drittens auch die Hälfte der im 9. Jhd. neu entstandenen Orte in der Schefela ursprünglich kanaanäische Orte. Blickt man auf die Karte rechts oben, sieht man es auf den ersten Blick: Bewegung in der Siedlungsgeschichte der Schefela war vom 12.-9. Jhd. fast nur im Westen. Zusammengenommen macht das plausibler, den Prozess für eine insgesamt kanaanäische Initiative zu halten. Ist das richtig, waren die Schefela-Ebene, die Hiwiter-Region und das Aijalon-Tal noch im 9. Jhd. kanaanäisch (ähnlich z.B. Fantalkin 2008, S. 31-33; Lehmann/Niemann 2014). Allerdings kein „kanaanäisches Reich“: Noch in der neuen Raumordnung des 9. Jhd. lässt sich keine Hierarchie zwischen den Orten oder gar eine Hauptstadt erkennen, sondern Geser, Aijalon, Timna, Beth Schemesch, Tel Azekah, Tel Goded, Tel Burna, Tel Zajit, Keila, Lachisch, Tel Eton und Tel Beit Mirsim waren alle etwa gleich groß. Am besten versteht man in der Eisenzeit IIA das Aijalon-Tal und die Schefela-Ebene daher als Allianz autonomer kanaanäischer Kleinstädte.
Über die ebenfalls umstrittene Ortsgruppe im Jezreeltal traue ich mir kein Urteil zu. Die kleinen Ortsgruppen „Jezreel Nordost“ und „Jezreel Südost“ um Tel Rekesch und Tel Rehob waren gewiss ebenfalls kanaanäische Enklaven. Die größte Ortsgruppe „Jezreel West“ ist aber unklar. Bei Afula, Schunem und Taanach im Zentrum wurden eisenzeitliche Schichten noch kaum oder gar nicht ausgegraben. Angenommen wird aber gemeinhin, dass Taanach im 12./11. Jhd. nur noch ein kleines Dorf war, das dann im 11. Jhd. zerstört wurde. Auch bei Jezreel zeugt nur wenig Keramik von einer spärlichen Besiedlung zu dieser Zeit; das Zentrum der Jezreel-Ebene war in der frühen Eisenzeit also offenbar fast unbewohnt. Ähnliche Keramikfunde in Afula dagegen legen nahe, dass dieser Ort und damit wahrscheinlich auch Schunem zur westlichen Ortsgruppe gehörte. Bei dieser Ortsgruppe handelt es sich in der frühen Eisenzeit überwiegend um größere Dörfer, die wohl wirtschaftlich davon profitierten, dass durch das Jezreel-Tal die wichtigste Handelsroute des Inlands Palästinas verlief – besonders Megiddo, das im 11. Jhd. wieder zur Stadt anwuchs. Tel Risim und Tel Re'ala könnten daneben als Grenzfestungen fungiert haben; beide Orte wurden aber ebenfalls noch nicht ausgegraben. Neben Megiddo war wohl Tel Qiri ein religiöses Zentrum dieser Ortsgruppe (Raban 1991, S. 19). Charakteristisch für all diese Orte ist, dass sich ab dem 11. Jhd. zwar in Jokneam und Megiddo auch phönizische, daneben aber in jedem Ort auch Einiges an philistäischer Keramik findet. Bei Ein Hagit legt auch die Architektur nahe, dass hier auch Seevölker lebten. Raban 1991 und Singer 1994, S. 318f. denken daher, bei diesen Orten handle es sich um eine weitere philistäische Region; Mazar 1994, S. 42 und Stern 2013, S. 20-25 gehen von einem dritten Seevolk neben „Philistern“ und „Phöniziern“ aus; Wolff 1998, S. 453f. schließlich nimmt an, dass auch diese Ortsgruppe eine kanaanäische Enklave war (zur Unsicherheit speziell bei Megiddo vgl. kürzlich noch gut Thomas 2020). Auch Oren 1973, S. 135-138; Emanuel 2015/2016 und Elayi 2018, S. 91 denken an ein drittes Seevolk (die „Denyen“), glauben aber wegen einiger Grabfunde in Beth-Schean, dass sein Gebiet sogar bis Jezreel Südost reichte (vgl. auch Frumin u.a. 2015: Fast ein Drittel der in Beth-Schean gefundenen Pflanzenreste aus der frühen Eisenzeit sind Reste von zu dieser Zeit frisch importierten Pflanzen, keine davon aber „typisch philistäische“ Pflanzen), während Fischer/Bürge 2013 wegen noch deutlicherer Funde östlich des Jordan davon ausgehen, dass einzelne Angehörige dieser Seevölker sogar bis nach Abu al-Kharaz, Tel es-Sa'idiyeh und Tel al-Mazar direkt am anderen Ufer des Jordan gewandert seien (vgl. auch Fischer 2013, S. 477-481). Die Mehrheit denkt also, dass diese Ortsgruppen mit den Seevölkern zusammenhingen und also nur Rehob und Rekesch und ihre Satellitendörfer „rein kanaanäisch“ blieben. Dem entspricht interessanterweise auch eine biblische Differenzierung: Als Feinde in der Gegend in und um Palästina begegnen in den Büchern Numeri bis Josua überwiegend „Amoriter“ und „Kanaanäer“. „Kanaanäer“ werden dabei genauer verortet an die Küste, ins Jezreel-Tal, ins Aijalon-Tal (Geser) und ins Beerscheba-Arad-Tal (zu Letzterem s.u.), „Amoriter“ dagegen in die Gebirge östlich und westlich des Jordan sowie in die Schefela (s. Num 13,29; 21,13; 22,1-3; Num 32,39; Dtn 1,6-8; Jos 5,1; 13,3; 16,10; 17,11f.). Falls es eine Regel gibt, nach der die einen so und die anderen so bezeichnet werden, scheint diese Regel nicht sein, dass die einen im Gebirge leben und die anderen nicht (so Kenyon 1966, S. 2-4; Fleming 2016, S. 16f.), was ja nicht gut zur Schefela passt – sondern dass die einen mit den Seevölkern an der Küste zusammenhängen und die anderen nicht. Ist das richtig, könnte auch dies für die Annahme sprechen, auch noch Beth-Schean gehöre noch zu den westlichen Orten: Auch dieser Ort ist laut Jos 17,11f. „kanaanäisch“.〈p〉
Solange so viele Orte im Jezreel-Tal noch auf ihre Ausgrabung warten, wird die Zugehörigkeit der Ortsgruppe letztlich weiterhin ungewiss bleiben. Klar ist immerhin, dass die Jezreelebene ab dem 9. Jhd. nicht mehr (philisto-)kanaanäisch ist: Jezreel Nordost geht unter; Jezreel West blüht unter israelitischer Herrschaft kurz auf, wird aber kurz darauf mit Jezreel Südost zur umkämpften Grenzregion zwischen Aram und Israel (s.u.; vgl. Niemann 2006), bevor beide gegen Ende des 8. Jhds. von den Assyrern erobert und gemeinsam mit Galiläa im Norden Palästinas zur Provinz Magidu zusammengefasst werden. Im 12. Jhd. mit den phönizischen und philistäischen Gebieten an der Küste und den drei bis vier kanaanäischen Enklaven im Inland Palästinas befinden wir uns übrigens schon tief in der Richterzeit und hat die Eroberung von ganz Palästina unter Josua (Jos 10,41) angeblich schon lange stattgefunden; im 9. Jhd. mit nur leicht anderer Raumgliederung ist angeblich das Großreich von David und Salomo bereits wieder in Nord- und Südreich zerfallen.
Am Schwund der Siedlungen in der Südphilistäa im 10./9. Jhd. könnten neben den Kanaanäern ein drittes Volk indirekt beteiligt gewesen sein: Die Vorfahren der Edomiter. Als in der Bronzezeit noch Ägypten die im Raum Palästinas alles dominierende Macht war, hatten die Ägypter hauptsächlich zwei Kupferquellen zur Herstellung von Bronze: Importiertes Kupfer aus Zypern zum Einen und eine oder zwei eigene Kupferminen-Gegenden in der Araba-Senke (s. rechts: pink) zum Anderen.〈q〉 In beiden Gegenden war in der Antike der Kupferabbau schwierig: In der Senke selbst und damit in der südlichen Timna-Gegend herrscht Wüstenklima (braun), in der nördlicheren Khirbet en-Nahas-Gegend saharo-arabisches Klima (gelb), beide mit einem durchschnittlichen Niederschlag von nur 20-40 mm/Jahr. Dauerhaft leben konnten Menschen hier nicht. Die nächsten lebensfähigen Regionen sind (1) theoretisch das ostjordanische Plateau im Osten mit mediterranem Klima, das aber steil auf 1500 Meter ansteigt, (2a) das flachere Negev-Gebirge im Westen der KEN-Gegend mit immerhin 70-100 mm/Jahr Niederschlag (2b) und das Beerscheba-Arad-Tal noch weiter nördlich mit 150-200 mm/Jahr (rosa). Davon, dass das Negev-Gebirge in der Spätbronzezeit überhaupt besiedelt war, zeugen nur die landwirtschaftlichen Terrassen, die dort nach den Ergebnissen von Radiokarbon- und OSL-Datierungen ab dem 13. Jahrhundert entlang der Wadis entstanden sind (s.o.). Mindestens während der Regenzeit lebten hier also Ackerbau treibende und noch in Zelten wohnende Nomaden. Die Erkenntnisse, die wir durch Ausgrabungen über die frühe Eisenzeit gewonnen haben (s. gleich), legen sehr nahe, dass es vor allem diese waren, die für die Ägypter in der Araba Kupfer abbauten: Nach dem Abzug der Ägypter aus Palästina im 13./12. Jhd. nämlich entstehen mit der beginnenden frühen Eisenzeit ab dem 12. Jhd. (vgl. bes. Ben-Yosef u.a. 2012) zunächst in der KEN-Gegend noch weitere Kupferminen und Khirbet en-Nahas selbst wird als kleiner Gebäudekomplex mit Kasemattenmauer errichtet. Auch in Timna wird nach einer kurzen Unterbrechung im 12. Jhd. der Betrieb wieder aufgenommen und wohl im 10. Jhd. mit Jotvata ein ähnliches Gebäude wie in Khirbet en-Nahas gebaut.
Im BA-Tal entsteht ebenfalls schon im 12. Jhd. mit Tel Masos ein Zusammenschluss aus mehreren solchen Kasemattenmauer-Gebäudekomplexen (vgl. z.B. Herzog 1994, S. 132f.; Herzog/Singer-Avitz 2004, S. 222). Von Tel Masos und Khirbet en-Nahas aus breitet sich dieser Baustil dann im Laufe des 11.-9. Jhds. langsam aus: Im 11. Jhd. entsteht zunächst Tel Esdar als weiterer Kasemattenbau, dann im 10. Jhd. auch noch Beerscheba und Arad, während Tel Masos ausgebaut und auf 6ha erweitert wird. Außerdem wird mit Tel Malhata eine befestigte Stadt errichtet, die ab dem 9. Jhd. das neue Zentrum der Region werden wird. Zudem erscheinen in dieser Zeit die (4,5ha große!) landwirtschaftliche Siedlung Nahal Jattir (vgl. ASI; Tebes 2003, S. 68) und viele weitere „Hazerim“ („Gehöfte“) genannte Farmen, die sich v.a. an den Flüsschen und Bächen bis hinauf in die direkte Nachbarschaft der philistäischen Orte Nahal Patisch und Tel el-Far'ah ziehen (Letzterer ist zu dieser Zeit selbst schon nur noch eine solche Farm). Gazit 2008, S. 77 zählt für das 11. Jhd. allein 36 Hazerim mit einer Größe von mindestens 0,25 ha in der betreffenden Region; hinzu kommen noch viele weitere kleinere Farmen.〈r〉 Weil sich diese so nahe am Gebiet der Philister befinden, ist unsicher, ob wirklich alle oder auch nur manche überhaupt zur Ortsgruppe im BA-Tal gehören: Lehmann u.a. 2009, S. 24f.; Rosen/Lehmann 2010, S. 173-177; Jericke 2011, Abs. 3 etwa halten sie stattdessen sämtlich für philistäisch. Dass sich diese Farmen aber derart ungeschützt zwischen dem philistäischen Kernland und dem BA-Tal befinden, zeigt mindestens, dass beide Gruppen sich nicht bekriegten und dass die Gruppe im kargeren Negevgebiet von den Philistern weiteres Getreide erhandeln konnten.
(c) Bruins 2015, S. 125.
Vor allem aber erscheinen im selben Zeitraum (vgl. Bruins/van der Pflicht 2005; Gilboa u.a. 2009, S. 88; Boaretto u.a. 2010; Bruins 2022), oft in der Nähe der landwirtschaftlichen Terrassen, gut 60 Kasemattenbauten im Negevgebirge. Von Nord nach Süd lässt ihre Größe nach: Südlich vom 6ha großen Tel Masos hat Tel Esdar nur noch 0,4 ha; Horbat Rahba, Mesad Refed und Mesad Hatira messen durchschnittlich schon nur noch 0,3 ha; noch weiter südlich haben die restlichen Kasemattenmabauten oft nur noch eine Größe von 20x20 m. Mit diesen Kasemattenmauern erinnern die frühen Siedlungen im BA-Tal und im Negev-Gebirge an die oben beschriebenen Kasematten-Festungen der Schefela, weshalb man sie früher ebenfalls für Festungsanlagen gehalten hat und noch heute oft „Festungen“ nennt. Um zur Befestigung zu dienen, sind die negevitischen Kasemattenmauern anders als die in der Schefela aber zu dünn; die Örtchen im Negevgebirge sind außerdem zu klein, um einer Belagerung standhalten zu können. Weit wahrscheinlicher dienten die Mauern daher als Gehege für Herden, wovon heute noch Dunghaufen in diesen Gebäudekomplexen zeugen (s.u.). Auch um gut die Hälfte von diesen „Festungen“ gruppieren sich jeweils noch insgesamt über 100 weitere Hazerim; die Wadis münden außerdem oft in Zisternen, die wahrscheinlich ebenfalls zu dieser Zeit und zeitgleich mit den Zisternen in den Gebirgen Zentralpalästinas entstanden sind. Rechts etwa Horbat Haluqim als ein relativ komplexes Beispiel für eine solche Gebäudegruppe
König, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922.
Hallote, Rachel S. / Alexander H. Joffe (2002): The Politics of Israeli Archaeology: Between „Nationalism“ and „Science“ in the Age of the Second Republic, in: Israel Studies 7/3, S. 84-116.
Yahya, Adel H. (2009): Archaeology and Nationalism in the Holy Land, in: Susan Pollock / Reinhard Bernbeck (Hgg.9: Archaeologies of the Middle East. Critical Perspectives. Maiden u.a.
Annus, Amar (2018): Sons of Seth and the South Wind, in: Strahil V. Panayotov / Luděk Vacín (Hgg.): Mesopotamian Medicine and Magic. FS Markham J. Geller. Leiden/Boston.
Kaniewski, David / Elise van Campo (2017): 3.2 ka BP Megadrought and the Late Bronze Age Collapse, in: Harvey Weiss (Hgg.): Megadrought and Collapse. From Early Agriculture to Angkor. Oxford.
Hawkins, John David (2009): Cilicia, the Amuq, and Aleppo. New Light in a Dark Age, in: NEA 72/4, S. 164-173.
Gilan, Amir (2013): Pirates of the Mediterranean – A View from the Bronze Age, in: Nikolas Jaspert / Sebastian Kolditz (Hgg.): Seeraub im Mittelmeerraum. Piraterie, Korsarentum und maritime Gewalt von der Antike bis zur Neuzeit. Paderborn
Shanks, Hershel (1992): Defining the Problems: Where We Are in the Debate, in: Ders. u.a. (Hgg.): The Rise of Ancient Israel. Lectures presented at a symposium sponsored by the Resident Associate Program, Smithsonian Institution. October 26, 1991. Washington.
Evenary, Michael / Leslie Shanan / Naphtali Tadmor (21982): The Negev. The Challenge of a Desert. With Chapters by Yehoshua Itzhaki and Amiram Shkolnik. Cambridge.
Bruins, Hendrik J. / Johannes van der Pflicht (2017): Iron Age Agriculture – A Critical Rejoinder to „Settlement Oscillations in the Negev Highlands Revisited: The Impact of Microarchaeological Methods“, in: Radiocarbon 59/1, S. 1-16.
Callaway, Joseph A. (2009): A New Perspective on the Hill Country Settlement of Canaan in Iron Age I, in: Jonathan N. Tubb (Hg.): Palestine in the Bronze and Iron Ages. Festschrift Olga Tufnell. London/New York.
Gal, Zvi (1992): Lower Galilee during the Iron Age. Winona Lake.
Zertal, Adam (1988): The Water Factor during the Israelite Settlement Process in Canaan, in: Mikha'el Heltser (Hg.): Society and Economy in the Eastern Mediterranean (c. 1500 - 1000 B.C.). Proceedings of the International Symposium, held at the University of Haifa from teh 28th of April to the 2nd of May 1985. Leuven.
Knauf, E. A. / H. M. Niemann (2021): Geschichte Israels und Judas im Altertum. Berlin / Boston.
Kallai, Z. (1995): The Twelve-Tribe System of Israel, in: VT 47/1, S. 53-90.
Kallai, Z. (1999): A Note on the Twelve-Tribe System of Israel, in: VT 49/1, S. 125-7.
Wenning, Robert / Erich Zenger (1986): Ein bäuerliches Baal-Heiligtum im samarischen Gebirge aus der Zeit der Anfänge Israels. Erwägungen zu dem von A. Mazar zwischen Dotan und Tirza entdeckten „Bull Site“, in: ZDPV 102, S. 75-86.
Zertal, Adam (1986): The Israelite Settlement in the Hill Country of Manasseh. Dissertation.
Mazow, Laura B. (2014): Competing Material Culture: Philistine Settlement at Tel Miqne-Ekron in the Early Iron Age, in: John R. Spencer u.a. (Hgg.): Material Culture Matters. Essays on the Archaeology of the Southern Levant in Honor of Seymor Gitin. Winona Lake
Kratz, Reinhard G. (2017): Historisches und biblisches Israel. Drei Überblicke zum alten Testament. Zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage. Tübingen.
Dies. (2014): Canaanites, „Shephelites“, and Those Who Will Become Judahites, in: Guy Stiebel u.a. (Hgg.): New Studies in the Archaeology of Jerusalem and Its Region 8. Jerusalem.
Faust, Avraham (2019): „The Inhabitants of Philistia“: On the identity of the Iron I settlers in the periphery of the Philistine heartland, in: PEQ 1561/2, S. 105-133.
Faust, Avraham (2013): From Regional Power to Peaceful Neighbour: Philistia in the Iron I-II Transition, in: IEJ 63/2, S. 174-204.
Bunimovitz, Shlomo (1998): Sea Peoples in Cyprus and Israel: A Comparative Study of Immigration Processes, in: Seymour Gitin u.a. (Hgg.): Mediterranean Peoples in Transition: Thirteenth to Early Tenth Centuries BCE. Jerusalem.
Shavit, Alon (2008): Settlement Patterns of Philistine City-States, in: Alexander Fantalkin / Assaf Yasur-Landau (Hgg.): Bene Israel. FS Israel Finkelstein. Leiden / Boston.
Mazar, Amihai (1994): The 11th Century B.C. in the Land of Israel, in: Vassos Karageorghis (Hg.): Cyprus in the 11th Century B.C. Proceedings of the International Symposium. Nicosia.
Stern, Ephraim (2013): The Material Culture of the Northern Sea Peoples in Israel. Winona Lake.
Thomas, Zachary (2020): The Political History of Megiddo in the Early Iron Age and the Ambiguities of Evidence, in: JANEH 9/1, S. 69-94.
Oren, Eliezer D. (1973): The Northern Cemetery of Beth Shan. Leiden.
Emanuel, Jeffrey P. (2015/2016): „Sea Peoples“ in Egyptian Garrisons in Light of Beth-Shean, (Re-)Reonsidered, in: Mediterranean Archaeeology 28/29, S. 1-22.
Elayi, Josette (2018): The History of Phoenicia. Atlanta.
Fischer, Peter M. / Teresa Bürge (2013): Cultural Influences of the Sea Peoples in Transjordan. The Early Iron Age at Tell Abū Ḫaraz, in: ZDPV 129/2, S. 132-170.
Fleming, Daniel (2016): The Amorites, in: Bill T. Arnold / Brent A Strawn (Hgg.): The World around the Old Testament. The Peoples and Plaes of the Ancient Near East. Grand Rapids.
Bauer, Walter/Kurt & Barbara Aland: Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur. Berlin, 61988.
Herzog, Ze'ev (1994): The Beer-Sheba Valley: From Nomadism to Monarchy, in: Israel Finkelstein / Nadav Na'aman (Hgg.): From Nomadism to Monarchy. Archaeological and Historical Aspects of Early Israel. Jerusalem.
Gazit, Dan (2008): Permanent and Temporary Settlements in the South of the Lower Besor Region: Two Case Studes, in: Alexander Fantalkin / Assaf Yasur-Landau (Hgg.): Bene Israel. Studies in the Archaeology of Israel and the Levant During the Bronze and Iron Ages Offered in Honour of Israel Finkelstein. Leiden.