תֹּהוּ

Aus Die Offene Bibel

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Prolegomena: תֹהוּ וָבֹהוּ[Bearbeiten]

Dass das Wort תֹּהוּ mehr als viele andere Wörter in den Fokus von Bibelexegeten gerückt ist, liegt vor allem daran, dass es unter anderem auch in Gen 1,2 im Syntagma תֹהוּ וָבֹהוּ verwendet wird; die Auslegungen dieser Stelle sind dann stark in die Lexikologie des Begriffs mit eingeflossen.
Es ist daher nötig, zuvor auf diese Stelle einzugehen, um einen klaren Blick für die Worbedeutung zu bekommen.

Ursprünglich wurde תֹּהוּ in Wörterbüchern gelistet mit den Bedeutungen (1) Verwüstung , (2) Wüste, (3) Leere, (4) Sinnlosigkeit und (5) Nichts; so z.B. in GesThes III, S. 1495; Tregelles, S. 857; SS, S. 839 (Gen 1,2 wird von diesen entweder zu Bed. (1) oder (2) gezählt).
Schon bald wurde jedoch Gen 1,2 stärker als andere Stellen berücksichtigt. Eine Auslegung dieser Stelle sah häufig in etwa so aus wie noch heute die von Sasson 1992 oder Cassuto 2005, die in ihrer Auslegung nicht zunächst von der Wortbedeutung ausgehen, sondern vom Kontext des Syntagmas und eine daraus abgeleitete Bedeutung dann in das Syntagma תֹהוּ וָבֹהוּ zurücklesen.a
An älteren Kommentaren vgl. z.B. den merkwürdigen Argumentationsgang in Dillmann 1882, S. 17: „Zwar תֹהוּ [...] Wüste, Oede ist im hebr. in verschiedenen Bedeutungen immer gebräuchlich geblieben, aber בֹהוּ [...] Leere kommt nur noch Jer 4,23 und Jes 34,11, und zwar ganz offenbar aus der Schöpfungserzählung entlehnt, vor. Zu diesem Begriff der gestaltlosen Masse kommen hinzu...“ (meine Emphase); ähnlich eindrücklichen die Argumentationssprünge in Driver 1905, S. 4 und Skinner 1910, S. 16f.

Wie merkwürdig diese zusätzliche Bedeutung (6) „Chaos“ sich in die Reihe der Bedeutungen von תֹּהוּ einfügt, sieht man dann z.B. in Lexika wie Fürst/Davidson: „1. Zerstörung, v.a. gesagt vom primitiven Chaos zur Zeit, als die Erde entstand Gen 1,2, =בֹהוּ“ oder König, der doch tatsächlich „Wüste“ gleichsetzt mit „eine der Ausgestaltung und Organisation entbehrende Masse“, um die Bedeutung in seinem Lexikon unterzubringen.


aso bei Cassuto 2005, S. 22: „In der Sprache - wie in der Chemie - kann ein Komplex auch Eigenschaften besitzen, die seine einzelnen Elemente nicht besitzen. [...] Der Sinn des Idioms kann nur aus dem Kontext abgeletet werden“ (Meine Übersetzung); Sasson 1992, S. 188: „Weil תֹהוּ hier mit בֹהוּ zusammenhängt, darf die Phrase תֹהוּ וָבֹהוּ nicht wie ein Merismus behandelt werden - nicht mal wie ein Hendiadyoin (wie das Speiser und Westermann vorgeschlagen haben) -, sondern es muss wie ein farrago [„Mischmasch“] verstanden werden, in dem zwei Wörter - für gewöhnlich alliterative Wörter - kombiniert werden und so eine Bedeutung ergeben, die eine andere ist als die ihrer Konstituenten.“ (meine Übersetzung). Für Sasson ist die Bedeutung von תֹהוּ וָבֹהוּ daher „Kuddelmuddel“, für Cassuto bezeichnet es den Zustand der Erde, in dem alles „vermischt, unorganisiert, konfus und leblos“ und in dem die Erde unter Wasser steht (S. 23). (Zurück zu )