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Das Verbsystem im Hebräischen ist äußerst umstritten. Vergleichsweise unproblematisch sind Partizip und Volitive; aber heftig diskutiert werden v.a. die Formen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Weqatal'' und ''Wayyiqtol''. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Positionen mit je unterschiedlich ausgeprägten Subsystemen einzelner Vertreter dieser Positionen ausgeprägt: | Das Verbsystem im Hebräischen ist äußerst umstritten. Vergleichsweise unproblematisch sind Partizip und Volitive; aber heftig diskutiert werden v.a. die Formen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Weqatal'' und ''Wayyiqtol''. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Positionen mit je unterschiedlich ausgeprägten Subsystemen einzelner Vertreter dieser Positionen ausgeprägt: | ||
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* (1) Die Verbformen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Wayyiqtol'' und ''Weqatal'' lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als ''+modal / +sequentiell''; Yiqtol als ''+modal / -sequentiell''; Wayyiqtol als ''-modal / +sequentiell'' und Qatal als ''-modal / -sequentiell''.<br /><center>[[File:Hatav.png]]</center> | * (1) Die Verbformen ''Qatal'', ''Yiqtol'', ''Wayyiqtol'' und ''Weqatal'' lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als ''+modal / +sequentiell''; Yiqtol als ''+modal / -sequentiell''; Wayyiqtol als ''-modal / +sequentiell'' und Qatal als ''-modal / -sequentiell''.<br /><center>[[File:Hatav.png]]</center> | ||
** (1.1) '''modal''' hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „''prädiktiv''“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen | ** (1.1) '''modal''' hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „''prädiktiv''“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen | ||
Version vom 12. Dezember 2013, 16:16 Uhr
| Achtung Baustelle! | |
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| Hier wird noch gearbeitet. Diese Seite ist noch nicht Teil des Offene-Bibel Wikis. Der Text auf dieser Seite ist noch ungeprüft, fehlerhaft und unvollständig. | |
Ich will auf dieser Seite nicht wirklich eine eigene Syntax verfassen. Primär geht es mir hier darum, dass es wahrscheinlich nicht möglich sein wird, dass wir Offene-Bibler uns auf eine Interpretation des hebräischen Verbsystems einigen. Dem Zweck, im Notfall dennoch auf etwas verweisen zu können, soll diese Seite dienen. Aber sie ist noch L-A-N-G-E nicht fertig.
Entgegen meinem eigentlichen Usus werde ich hier nicht viel zitieren. Damit würde ich mich und den Leser belügen; denn obwohl ich recht viel zu Syntax und Verbsystem des Hebräischen gelesen habe, habe ich meine aktuelle Sicht bloß mehr oder weniger eklektizistisch aus verschiedenen Systemen zusammengeklaubt. Vermutlich werde ich noch Zitate nachliefern, wenn diese Seite hier ein wenig weiter vorangeschritten ist; vorerst seien als meine wichtigsten Bezugspunkte genannt:
- Buth, Randall (1995): Functional Grammar, Hebrew and Aramaic: An Integrated, Textlinguistic Approach to Syntax, in: Walter Bodine (Hg.): Discourse Analysis of Biblical Literature. What It Is and What It Offers. Atlanta.
- Gentry, Peter J. (1998): The System of the Finite Verb in Classical Biblical Hebrew, in: HS 39. S. 7-39.
- Goldfajn, Tal (1998): Word Order and Time in Biblical Hebrew Narrative. Oxford.
- Hatav, Galia (1998): The Semantics of Aspect and Modality. Evidence from English and Biblical Hebrew (=SLCS 34). Amsterdam/Philadelphia.
- Joosten, Jan (2013): Verbal System: Biblical Hebrew, in: EHLL 3. S. 921-925. [Seine neue Monografie steht schon auf meinem Wunschzettel]
- Niccacci, Alviero (1990): The Syntax of the Verb in Classical Hebrew Prose (=JSOT Sup 86). Sheffield.
- Zuber, Beat (1986): Das Tempussystem des biblischen Hebräisch: Eine Untersuchung am Text (=BZAW 164). Berlin.
--Sebastian Walter 22:51, 11. Dez. 2013 (CET)
Der Satz im biblischen Hebräisch[Bearbeiten]
Sätze und clauses[Bearbeiten]
Der verbale Kern[Bearbeiten]
Vorbereitendes[Bearbeiten]
Das Verbsystem im Hebräischen ist äußerst umstritten. Vergleichsweise unproblematisch sind Partizip und Volitive; aber heftig diskutiert werden v.a. die Formen Qatal, Yiqtol, Weqatal und Wayyiqtol. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Positionen mit je unterschiedlich ausgeprägten Subsystemen einzelner Vertreter dieser Positionen ausgeprägt:
- die temporale Position
- die aspektuelle Position
- die modale Position
- die diskurslinguistische Position
- „Misch-Positionen“
Vielleicht kann man mittlerweile außerdem noch die Grammatikalisierungs-Position als eigene Richtung klassifizieren.
- McFall 1982 hat ein ganzes Buch zur Geschichte der Beforschung des hebräischen Verbsystems verfasst. Ein Gefühl für den Unterschied zwischen den ersten drei Positionen vermittelt gut Ljungberg 1995; einen kurzen, aber guten geschichtlichen Abriss findet man in Hatav 1998, S. 10-24; eine kurze Übersicht über ältere Theorien findet sich in IBHS §29.2-5 und eine längere Übersicht - auch über neuere Theorien - in Moomo 2004.
Bis ins 20. Jh. herrschten fast ausschließlich temporale und aspektuelle Theorien vor. Ganz grob gesagt besagt die eine - die temporale -, dass Qatal und Wayyiqtol Vergangenheit ausdrücken, Yiqtol und Weqatal Präsens und Zukunft; die andere besagt, dass Qatal und Wayyiqtol eine Geschehen als „abgeschlossen“ darstellen und Yiqtol und Weqatal als „unabgeschlossen“ (natürlich gibt es vereinzelt Unterschiede und Akzentsetzungen bei diversen Vertretern).

Das Problem dieser beiden Positionen war, dass man hebraistisch zu dieser Zeit eigentlich bereits über diese Theorien hinaus war. Das sei kurz demonstriert am Beispiel des Qatal: Ballantine hat 1885 einen kleinen Aufsatz verfasst namens „Suggestions toward a more exact Nomenclature and Definition of the Hebrew Tenses“. Qatal bezeichnet er dort als „Aorist“ und bestimmt ihn näher als die Verbform, die „a-temporal einfachhin Sachverhalte feststellt“. Und dann folgt auf dem Raum einer halben Seite eine Liste der Funktionen, die dieses a-temporale Tempus (!) erfüllen könne:
- Imperfekt
- Perfekt
- Plusquamperfekt
- Präsens
- Ausdruck von überzeitliche Wahrheiten
- Futur
- Futur II.
Die meisten dieser Funktionen finden sich auch heute noch in Standard-Grammatiken unter dem Qatal gelistet. Man versuche einmal, hiervon ausgehend das Qatal in das Korsett eines einzelnen Tempus / temporalen Verhältnisses / Aspektes zu zwängen!
Dennoch finden sich solche Versuche immer noch in sehr vielen Theorien zum hebräischen Verbsystem, die damit schon von vornherein ausscheiden - entweder, weil sie den Verhältnissen des Hebräischen überhaupt nicht oder nur durch sehr viele Sonderregelungen und Ausnahmegenehmigungen gerecht werden.
Aus diesem Grund sind v.a. im letzten Jahrhundert sehr viele weitere Theorien entstanden. Die diskurslinguistische Position lässt sich nicht leicht auf kurzem Raum zusammenfassen und es ist dies auch nicht notwendig für unsere Zwecke, weshalb ich darauf verzichten will. Aber als ein Beispiel für eine modale Position sei Zuber 1986 genannt. Zuber beobachtet, dass in vielen Sprachen Modus und Futur morphologisch nicht differenziert werden (Das selbe wird übrigens auch für uns geläufigere Sprachen diskutiert, etwa für das Deutsche, das Englische und das Spanische; vgl. z.B. Lang 2013; Vega 2005). Davon ausgehend bestimmt er als die grundlegende Dichotomie des hebräischen Verbsystems die von recto und obliquo. „Recto“ ist sein Sammelbegriff für Qatal und Wayyiqtol; „obliquo“ der für Yiqtol und Weqatal. Die erste erfüllt nach Zuber die Funktion des Indikativs, die zweite die des „Futur“, wobei „Futur“ bei ihm sowohl für „Futur“ als auch für modale Funktionen steht.

Der große Vorteil von Zubers Theorie ist, dass sie (a) sehr einfach ist, dabei aber (b) dennoch ohne Zusatzannahmen mit einem Großteil der hebräischen Verbformen zurechtkommt.
Aber auch diese Theorie stellt nicht zufrieden. Erstens zeigen Statistiken überdeutlich, dass die einfachen Formen Qatal und Yiqtol und die ihnen „entsprechenden“ Waw-Formen Wayyiqtol und Weqatal unterschiedlich verwendet werden; zweitens ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich in einer Sprache zwei verschiedene grammatische Formen mit der selben Funktion herausbilden und dann über Jahre hinweg parallel bestehen bleiben. Galia Hatav hat deshalb weiter differenziert und zusätzlich den Aspekt der „Sequentialität“ eingeführt (der aber auch schon von anderen verwendet wurde; z.B. von Endo oder von Goldfajn). Mit „Sequentialität“ bezeichnet sie den Aspekt der temporalen Kontinuität; in Golfajns Worten:
„Die präfigierten Formen Wayiqtol und Weqatal fungieren wie explizite temporale Anaphern [...] in dem Sinne, dass sie ihre temporale Referenz vom zuvor geschilderten Geschehen übernehmen. Wayyiqtol und Weqatal scheinen zu sagen „und danach“, wobei dieses „da“ das zuletzt erzählte Geschehen bezeichnet.“(S. 143; meine Übersetzung)
Für eine Grafik s. unten.
Mit der Einführung der Sequentialität ist Wichtiges gewonnen: V.a. Qatal und Yiqtol werden im Hebräischen nicht nur für selbstständige Sätze verwendet, sondern können auch sog. „background-Funktionen“ übernehmen. Mit „background-Funktionen“ bezeichnet man die Funktionen von clauses, die außerhalb der sequentiellen „main-line“ von Diskursen diese Diskurs-mainline „anreichern“; z.B. durch die (plusquamperfektische) Nennung der Vorgeschichte einer Handlung, die (kausale) Nennung von Gründen einer Handlung etc. Mit der Kategorie der „Nicht-Sequentialität“ lassen sich diese Verwendungsweisen erklären:
„Weil sie nicht unter der Einschränkung der Sequentialität stehen, können background clauses an jedem Punkt der Zeitachse oder gar jenseits der Zeitachse lokalisiert sein. [...] Strenggenommen werden ausschließlich foreground clauses „erzählt“. Background clauses erzählen nicht, sondern unterstützen, reichern an oder kommentieren die Erzählung.“(van Wolde 1999, S. 324; meine Übersetzung.)
Hatav selbst hat leider für das Qatal zusätzlich den Aspekts des Perfekt eingeführt, den sie zwar selbst als „redundant“ bezeichnet (S. 29), dann aber dennoch näher bestimmt und die background-Funktionen des Qatal - die sie darüber hinaus fast ausschließlich auf temporale Funktionen begrenzt - an diesen Aspekt bindet. Vor allem in diesem Punkt habe ich Hatavs Position ein wenig abgewandelt.
Dies sollte genügen, um zur Darstellung des Systems selbst zu kommen.
Syntax des hebräischen Verbums[Bearbeiten]
- (1) Die Verbformen Qatal, Yiqtol, Wayyiqtol und Weqatal lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als +modal / +sequentiell; Yiqtol als +modal / -sequentiell; Wayyiqtol als -modal / +sequentiell und Qatal als -modal / -sequentiell.

- (1.1) modal hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „prädiktiv“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen
- (1.1.1) Voraussage: Die modalen Formen können Aussagen machen über zukünftige Geschehnisse oder Sachverhalte. (-> Du wirst X tun)
- (1.1.2) epistemische Modalität: Die Modalformen können Aussagen mit nur relativem Wahrheitswert machen; nämlich können sie Sachverhalte und Geschehnisse aussagen als (a) gewiss, aber auch als (b) wahrscheinlich oder (c) möglich. (-> Du wirst wahrscheinlich X tun etc.)
- (1.1.3) sprecherorientierte Modalität: Die Modalformen können fungieren als Direktiva, etwa als Befehle, Bitten, Warnungen etc. (-> Tue X! etc.)
- (1.1.4) agensorientierte Modalität: Die Modalformen können Aussagen machen über „conditions on an agent with regard to the completion of an action“ (Bybee et al. 1994, S. 6). Z.B. können sie ein Geschehnis aussagen als notwendig, erwünscht, erlaubt etc. (-> Du darfst X tun etc.)
- (1.2) Die „nicht-modalen“ Formen dagegen fungieren indikativisch (- „nicht-modal“ ist strenggenommen falsch, da auch der Indikativ zum Modussystem einer Sprache gehört; der Begriff ist nur aus taxonomischen Gründen gewählt): sie drücken ein Geschehen oder einen Sachverhalt sozusagen „modal ungefärbt“ als gegeben aus.
- (1.3) Die Kategorie der Sequentialität ist in der Linguistik schon länger bekannt; in der Slavistik z.B. läuft sie unter dem Begriff der „Handlungskette“. Man bezeichnet mit diesem Begriff sprachliche Formen, die der „Versprachlichung des Nacheinanders von Ereignissen in zeitlicher Folge“ (Gzella 2004, S. 347) dienen.
- (1.4) Auch nicht-sequentielle Formen können innerhalb von Handlungsketten verwendet werden; auch dann aber haben sie eine andere Funktion als die sequentiellen Formen (s. 1.4.1f). Das Entscheidende an ihrer Eigenschaft als nicht-sequentiell ist, dass sie so frei werden für bestimmte Funktionen, die die sequentiellen Formen nicht übernehmen können.
- (1.4.1) Ein Teil der Sonderfunktionen von Qatal und Yiqtol liegt in ihrer Nicht-Sequentialität selbst:
- (1.4.1.1) Qatal und Yiqtol können selbst innerhalb einer Handlungskette einen Sachverhalt oder ein Geschehen aus der Handlungskette „herausheben“; etwa, um so den Höhepunkt einer Handlung zu markieren.
- (1.4.1.2) Qatal und Yiqtol können (a) gnomische Sachverhalte, (b) durative Geschehnisse (- hiermit lässt sich auch die von manchen angenommene „progressive“ Funktion von Yiqtol erklären -) und (c) iterative Geschehnisse ausdrücken.
- (1.4.2) Ein zweiter Teil ihrer Funktionen dagegen ergibt sich indirekt aus ihrer Nicht-Sequentialität; es fallen darunter vor allem die sogenannten „background-Funktionen“:
- (1.4.2.1) Die nicht-sequentiellen Formen können außerhalb der Handlungskette liegende Sachverhalte und Geschehnisse ausdrücken; seien diese nun (a) vorzeitig oder (b) gleichzeitig (-> „Als X geschehen war...“ / „Als/Während X geschah...“).
- (1.4.2.2) Sie können (a) Bedingungen, (b) Gründe und (c) Zwecke ausdrücken. Wegen ihrer Eigenschaften als nicht-modal resp. nmodal werden für (b) i.d.R. Qatal, für (c) dagegen Yiqtol verwendet, obwohl es auch hier vereinzelte Ausnahmen gibt. (->„Wenn X... [dann]...“; „Weil X... [deshalb]...“; „Y ... um zu X“)
- (1.4.3) Erwähnenswert ist für Qatal noch die Verwendung als performatives Qatal: Sprechakte werden im Hebräischen entweder ausgedrückt durch Qatal oder durch Qatal und vorangestelltes (bedeutungsloses) הִנֵּה.
- (1.4.1) Ein Teil der Sonderfunktionen von Qatal und Yiqtol liegt in ihrer Nicht-Sequentialität selbst:
- (1.5) Die übliche Wortstellung bei den sequentiellen Formen ist VERB - X; bei den nicht-sequentiellen Formen dagegen X - VERB (vgl. dazu näher unter (5) Wortstellung). Während aber die sequentiellen Formen von dieser ihrer Spitzenstellung im clause nicht abrücken können, werden die nicht-sequentiellen Formen häufig an die Satzspitze gestellt. Interessanterweise hat dies oft Auswirkungen auf ihre Semantik (von denen es aber so viele Abweichungen gibt, dass man für die folgenden beiden Punkte gar nicht von Regeln, aber von recht großen Wahrscheinlichkeiten sprechen kann.):
- (1.5.1) Steht Qatal an der Satzspitze, hat es häufiger eine der unter 1.4.1 als eine der unter 1.4.2 gelisteten Funktionen.
- (1.5.2) Steht Yiqtol an der Satzspitze, hat es häufiger die Funktion von Direktiva (1.1.3) als futurische (1.1.1), epistemischen (1.1.2) oder agensorientierten (1.1.4) Funktionen.
- (1.1) modal hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „prädiktiv“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen
- (2) Volitive
- (3) Partizip
- (4) verblose Sätze
- (5) Wortstellung