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| '''Ernährung''': || Beispiel || spezifisch: anfangs bis zu 20% Schweinefleisch<br />durchgehend Platterbse (Mahler-Slasky 2004) || Beispiel || Beispiel || Beispiel || Beispiel | | '''Ernährung''': || Beispiel || spezifisch: anfangs bis zu 20% Schweinefleisch<br />durchgehend Platterbse (Mahler-Slasky 2004) || Beispiel || Beispiel || Beispiel || Beispiel | ||
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| '''Religion''': || Beispiel || 3 Tempel mit kanaanäischem Grundriss, aber nur in kleineren Städten (Gath, Tell Qasile, Nahal Patish; zwei mit ''Bamah''; zwei mit Altar (G: Zweihornaltar!), NP auch mit Mazzebe.<br />Favissa in Yavneh: Hausmodelle, Kultstände, Keramik<br />Hausschrein in Aschkelon mit Vierhorn-Erdaltar.<br />Evt. weitere Hausschreine mit ''Bamot'' in Ekron.<br />früher Hauskult: überwiegend ägäische (bekleidete) Frauen- und Stierfigurinen, Psi-Figurinen, Aschdoda, Libationsgefäße; kaum kanaanäische | | '''Religion''': || Beispiel || 3 Tempel mit kanaanäischem Grundriss, aber nur in kleineren Städten (Gath, Tell Qasile, Nahal Patish; zwei mit ''Bamah''; zwei mit Altar (G: Zweihornaltar!), NP auch mit Mazzebe.<br />Favissa in Yavneh: Hausmodelle, Kultstände, Keramik<br />Hausschrein in Aschkelon mit Vierhorn-Erdaltar.<br />Evt. weitere Hausschreine mit ''Bamot'' in Ekron.<br />früher Hauskult: überwiegend ägäische (bekleidete) Frauen- und Stierfigurinen, Psi-Figurinen, Aschdoda, Libationsgefäße; kaum kanaanäische Frauenfigurinen.<br />(Ben-Shlomo 2010, S. 184; Ben-Shlomo 2019)|| Mehrere kleine Tempel mit Stufenaltar, oft mit Mazzebe oder Säule in Altarnähe, oft mit Opferbänken und oft mit Kalkgips verputzt; häufig nahe einer Quelle o.Ä. Typisch: Knickachsraum-Grundriss (Edrey 2018, S. 112f.124ff.181)<br />Hauskult v.a. bezeugt durch phön. Täfelchen und bes. durch Figurinen, meist von Göttertrias, nackte schwangere Pfeilerfigurine oder Musikerfigurinen. NOCH MAL CHECKEN: ECHT EISENZEIT?|| Beispiel || Beispiel || bis auf den Ebal-Altar und die „Bull Site“ keine öffentlichen Kultstätten;<br />keine kultischen Gegenstände in den Haushalten | ||
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| rowspan="7" |'''Totenkult''': || Multiform. Dabei meist außerhalb der Stadt, selten unter Wohnhaus (vgl. 1 Sam 25,1; 1 Kön 2,34).<br />Beigaben: Keramik, Siegel, seltener auch Luxus || Bisher fast nur außerhalb von Aschkelon gefunden (dazu Master/Aja 2017; Aschdod des 8. Jhds. zu spät und wohl nicht typisch), dort multiform. In Ekron auch unter Wohnhaus.<br />Beigaben ~ wie links|| Außerhalb der Stadt,<br /> häufiger us. Friedhöfe nach Sterbealter,<br />Beigaben ~ wie links, häufiger Figurinen.<br />multiform: || Beispiel || Beispiel || Im Norden von 12.-9. Jhd. (!) gar kein Fund (!; Faust 2004; Nabulsi 2017, S. 19f.; Suriano 2018, S. 59). Im Süden multiform: | | rowspan="7" |'''Totenkult''': || Multiform. Dabei meist außerhalb der Stadt, selten unter Wohnhaus (vgl. 1 Sam 25,1; 1 Kön 2,34).<br />Beigaben: Keramik, Siegel, seltener auch Luxus || Bisher fast nur außerhalb von Aschkelon gefunden (dazu Master/Aja 2017; Aschdod des 8. Jhds. zu spät und wohl nicht typisch), dort multiform. In Ekron auch unter Wohnhaus.<br />Beigaben ~ wie links|| Außerhalb der Stadt,<br /> häufiger us. Friedhöfe nach Sterbealter,<br />Beigaben ~ wie links, häufiger Figurinen.<br />multiform: || Beispiel || Beispiel || Im Norden von 12.-9. Jhd. (!) gar kein Fund (!; Faust 2004; Nabulsi 2017, S. 19f.; Suriano 2018, S. 59). Im Süden multiform: | ||
Version vom 13. September 2023, 20:49 Uhr
Historische Einführung: Israel[Bearbeiten]
Die Ursprünge Israels: Biblische Erzählung[Bearbeiten]
Der „Plot“ des Ersten Testaments ist recht schnell nacherzählt: In Gen 1-3 erschafft Gott die Welt aus einer Ur-Flut. Weil sie sich in Gen 4-5 nicht gut entwickelt, beschließt er, sie in Gen 6-9 mit einer zweiten Flut zu vernichten, nur die fromme Familie des Ruh zu verschonen und mit dieser ab Gen 10 die Erde neu zu besiedeln. Auch das funktioniert in Gen 11 nicht gut, und so wählt er sich aus den Nachkommen des Flut-Helden mit der Familie von Vater-Gnade wieder nur eine Familie, mit der es besser laufen soll als mit dem Rest der Welt. Gen 12-50 berichten, wie diese zunächst das Land besiedelt, das Gott für diese Familie ausgesucht hat, dann aber nach Ägypten auswandert.
In Ägypten geraten ihre Nachkommen in die Sklaverei, und so müssen sie in Ex 1-18 durch den Helden Herauszug von dort befreit und in Num 10,11-14; 16-17; 20-27; 31-36 wieder zurück ins versprochene Heimatland geführt werden. Eingeschaltet sind in Ex 19 - Num 10,10 und noch mehrfach im Buch Numeri dutzende von Texten, in denen Gott Gebote und Bestimmungen erlässt, wie die Israeliten sich „gottgemäß“ zu verhalten haben; in Dtn 4-30 sind weitere Bestimmungen angehängt.
In Dtn 1-3, im Buch Josua und in Ri 1-2 wird dann mehrfach von der Eroberung des Landes berichtet; Ri 3ff. erzhält von den ersten Jahren im Land: Die Israeliten leben dort als klassenlose und in mehreren Sippen und Großfamilien organisierte Gesellschaft. Werden sie von umliegenden Völkern bedroht, beruft Gott einzelne Helden, die die Israeliten retten.
Staatenbildung und Untergang Israels: Biblische Erzählung[Bearbeiten]
Mit 1 Sam 8 beginnt eine neue Ära: Nach der klassen- und staatenlosen Zeit wünscht die Bevölkerung des gelobten Landes sich Staat und Herrscher. Gott ist dagegen, erfüllt aber den Wunsch seines Volkes. Daher ernennt er um 1000 v. Chr. zunächst Saul und dann stattdessen David und dessen Sohn Salomo zu Königen, die über das gesamte Land regieren. Salomo errichtet zudem den zentralen Tempel des Reichs.
Weil ansonsten aber erwartungsgemäß keiner dieser Könige seinen Job sehr gut macht, zerfällt Israel ab 1 Kön 12 in das Nordreich „Israel“ und das Südreich „Juda“. Da der Jerusalemer Tempel in Juda liegt, gründen daraufhin die Israeliten unter König Jerobeam I v.a. in Dan und Bethel zwei eigene Kult-Orte. Nicht lange danach wird 722 v. Chr. Israel von den Assyrern erobert, woraufhin die übriggebliebenen Israeliten nach Juda auswandern.
Juda konnte sich noch etwa 150 Jahre länger halten. Besonders erwähnenswert sind in diesem Zeitraum drei „Kultreformen“ der Könige Asa Anfang des 9. Jhds. (1 Kön 15,12-13), Hiskija Ende des 8. Jhds. (s. 2 Kön 18,4) und Joschija im 7. Jhd. (s. 2 Kön 23,4-20), bei denen angeblich jedes Mal ähnliche Kulte abgeschafft und Kultorte neben dem Jerusalemer Tempel aufgelöst worden wären – in Joschijas Fall deshalb, weil er zufällig das Buch Deuteronomium im Tempel fand und danach feststellte, dass man die ganze Zeit gegen Gottes Willen verstoßen hatte. 587 v. Chr. wird dann aber auch Juda von den Babyloniern besiegt, der Tempel zerstört und werden große Teile der Bevölkerung ins Exil geführt. Von einem Teil dieser Geschichte wird eine zweite Variante dann noch mal in den Büchern der Chronik erzählt.
Ursprünge Israels und Staatenbildung: Historische Hintergründe[Bearbeiten]
Als historische Berichte darf man den Text von Genesis bis 1 Kön 11 nicht nehmen und auch die ab 1 Kön 11 - 2 Chr nur sehr eingeschränkt: Die Erzählungen aus der Zeit nach Salomo sind offenkundig deutlich später entstandene und zutiefst interessierte Texte, die von einer klar erkennbaren weltanschaulichen und politischen Warte aus verfasst wurden (s.u.). Noch mehr sind die Bücher der Chronik nur eine noch jüngere Neubearbeitung dieser Texte, bei der die Könige Judas und insbesondere David positiver dargestellt werden sollten. In der Chronologie der Aufeinanderfolge von Königen scheinen sie ab Salomo verlässtlich zu sein; viel mehr Vertrauen darf man ihnen aber wohl nicht schenken. Um nur ein Beispiel zu nennen: Dan, wo Jerobeam I. einen der beiden staatlichen Kultorte gegründet haben soll, war zu seiner Zeit gar nicht besiedelt; das selbe gilt für Bet-El, falls es sich dabei wirklich um Beitin handelt.
Entsprechendes gilt noch mehr für die restlichen Texte: Der Grundstock der Erzählungen aus der Zeit vor der Staatengründung – besonders der Erzählungen von Ruh, Vater-Gnade, Fers, Herauszug und einige der Erzählungen im Richterbuch – dürfte schon alt und ursprünglich als Sagen und Lagerfeuer-Geschichten erzählt worden sein. Was davon auf historische Ereignisse und Entwicklungen zurückgeht, lässt sich daher aus den Texten selbst kaum noch erschließen. Dass sich historisch gesehen die Vorgeschichte Israel sehr anders entwickelt hat, lässt sich durch Archäologie und deren Abgleich mit zu dieser Zeit entstandenen Schriftquellen der umliegenden Völker aber klar zeigen. Auch die Erzählungen über die Könige Saul und David scheinen einen historischen Kern zu haben, besonders die über den idealen judäischen König David sind nach den selben Kriterien beurteilt aber sicher massiv übertrieben, und noch deutlicher sind die über Salomo eher Märchen als Historie.
Gehen wir von Archäeologie und historischen Schriftquellen aus, können wir uns ein grobes Bild von den politischen Entwicklungen in Palästina machen. Ein sehr grobes: Vieles, wovon die nächsten Abschnitte handeln, ist noch unklar. Das ist normal in der Geschichtsschreibung; Aufgabe von Historikern ist dann der Entwurf von Hypothesen, die das Wenige, das sicher ist, zu einer plausiblen Erzählung verbindet. Davon will ich mich im Folgenden zunächst noch enthalten und überwiegend die Rohdaten bieten:
Es ist zunächst sicher, dass die Region Palästinas in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends bestimmt war von mehreren voneinander unabhängigen und Ägypten als Vasallen dienstbaren und tributpflichtigen kanaanäischen Stadtstaaten. Üblicherweise wird angenommen, dass zu diesen Stadtstaaten jeweils mehrere ihnen zugehörige Satelliten-Dörfer gehörten; viele ausgegraben wurden bisher aber nicht.
Außer von den Kanaanäern ist in altorientalischen Texten des Öfteren die Rede von zwei Bevölkerungsgruppen mit einem ähnlichem Lebensstil: Zum einen von den Habiru, die im ganzen Nahen Osten, v.a. aber in Palästina nachweisbar sind (s. diese schöne Karte), zum anderen von den v.a. im viel kleineren Gebiet des Negev und im späteren Edom bezeugten Schasu.〈a〉 Hauptsächlich wissen wir von ihnen aus ägyptischen Texten des 14. Jhd.; wie lange zuvor sie bereits in diesen Gegenden lebten, ist daher ungewiss. Die Schasu scheinen danach v.a. Kleinviehzucht treibende Beduinen gewesen zu sein; daneben ist von beiden Gruppen nicht viel mehr bekannt, als dass sie außerhalb der kanaanäischen Stadtstaaten und Dörfer lebten, dass die Kanaanäer und Ägypter sie als gesetz- und rechtlose Vagabunden betrachteten und dass sie auch wirklich Reisende und Händler überfielen; im Amarnabrief EA 195,16-32 wird überdies berichtet, dass sowohl Schasu als auch Habiru sich bei den Ägyptern als Söldner für Kämpfe gegen die Kanaanäer verdingten. Das macht sehr wahrscheinlich, dass beide als Gegenüber der Kanaanäer verstanden werden müssen und dass sie sie einerseits bekämpften, andererseits als Beduinen und Banditen aber auf die ackerbauenden und Handel treibenden kanaanäischen Städte und Dörfer angewiesen waren. Ob die einzelnen Schasu-Gruppen einen gemeinsamen Ursprung hatten und sich insgesamt als „Volk“ sahen, ist unbekannt. Die Habiru dagegen waren gewiss kein einheitliches „Volk“, da sich ihre Wohnorte verlassende Kanaanäer ihnen anschließen konnten. Sogar Idrimi berichtet im 15. Jhd. von sich selbst, er habe sich sieben Jahre lang den Habiru in Kanaan angeschlossen gehabt, bevor er zum König von Alalakh geworden sei (vgl. Edgar 2021).
Den Schasu wird deshalb große Aufmerksamkeit geschenkt, weil in drei ägyptischen Inschriften des 14. und 13. Jhds. vom „Land der Schasu des Jahu`“ die Rede ist, was bedeuten könnte, dass diese Gruppe nicht nur schon im frühen 14. Jhd. in Israel lebte, sondern dort sogar schon zu dieser Zeit einen Gott JHWH verehrte (s. z.B. bes. entschieden Kennedy 2019; vorsichtiger z.B. Leuenberger 2017b, S. 169f.). Dass der Gott JHWH aus dieser Region „zum Volk Israel kam“, sagen in mythischer Sprache auch zwei der mutmaßlich ältesten Texte der Bibel (Ri 5,5; vielleicht Hab 3,3). Ähnlich bei den Habiru: Falls die Habiru Palästinas eine Rolle bei der Geburt des Volkes Israel gespielt haben sollten, wie meist angenommen wird, müsste aus ihrer Bezeichnung das hebräische Wort für „Hebräer“ entstanden sein, was dann nahelegte, dass sie bei diesem Prozess sogar eine wichtige Rolle gespielt hatten. Beide Gruppen dürften daher für die Entstehung der „Israeliten“ relevant sein, lebten aber offensichtlich schon mehr als ein Jahrhundert, bevor nach biblischer Chronologie der Exodus stattgefunden haben müsste, in Palästina.
Auf der Merneptah-Stele (1207 v. Chr.) ist schließlich viertens noch die Rede von einer Personengruppe (statt: einem Staat, einer Monarchie o.Ä. wie sonst auf der MS üblich) namens „Israel“, über die sonst aus dieser Zeit leider nichts Genaueres überliefert ist. Über die MS ist daher viel nachgedacht worden; letztlich kann man sich aus ihr aber nur erschließen, dass es also im späten 13. Jhd. und damit zur Zeit des Exodus in oder in der Nähe von Palästina auch bereits eine Größe namens „Israel“ gab, die groß und bedeutend genug war, um in einem Atemzug mit den Stadtstaaten Aschkelon und Gezer genannt zu werden. Eine weitere ägyptische Inschrift, ÄM 21687, könnte mit `Išar-`El ebenfalls die Größe „Israel“ bezeugen, die es dann wie die Schasu und die Habiru sogar schon mindestens seit dem 14. Jhd. in dieser Gegend gegeben haben müsste (vgl. zur Inschrift z.B. Zwickel/van der Veen 2017, S. 129-131). Ob es sich bei ihnen um Kanaanäer, um Schasu, um Habiru oder um eine vierte Gruppe handelte, ist aber ungewiss.
Mit diesen frühen Bezeugungen der Schasu, der Habiru und von „Israel“, die alle Vorfahren der späteren Israeliten sein könnten, stimmt zusammen, dass sich eine Massenflucht von Sklaven aus Ägypten im 13./12. Jhd. durch ägyptische Schriftzeugnisse nicht belegen lässt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die späteren „Israeliten“ also in Israel geboren, nicht in Ägypten.
Am Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit ab dem späten 13. Jahrhundert – nach dem biblischen Geschichtsentwurf also zur Zeit des Exodus – lassen sich dann in der Region Palästinas mehrere Umwälzungen in rascher Folge feststellen. Die Archäologie zeigt uns erstens, dass sich ab Mitte des 13. Jhds. (oft später datiert, aber s. Asscher u.a. 2015) die Philister an der südwestlichen Küste Palästinas ansiedelten, von denen v.a. in ägyptischen Schriftquellen aus dieser Zeit d.Ö. als Mittelmeer-Piraten gesprochen wird. Nachdem vor allem ihre fünf Stadtstaaten Aschdod, Aschkelon und Gaza direkt an der Küste und Ekron und Gat etwas weiter im Landesinneren rasch aufgeblüht waren, expandieren sie von dort zunächst in das ganze Negev-Gebiet im südlichen Inland Palästinas (Rosen/Lehmann 2010, S. 173-177). Der nördliche Küstenstrich war schon zuvor von den Phöniziern besiedelt worden, die aber kaum ins Inland vordrangen.
Zweitens zeigt uns die Archäologie, dass viele der kanaanäischen Stadtstaaten um das 13./12. Jahrhundert im Laufe von etwa 100 Jahren zerstört und erst später und nur zum Teil wiederrichtet wurden; manchmal nach einer Besiedlungslücke von über einem Jahrhundert. Die umgebenden Dörfer dagegen scheinen nicht zerstört und weiterhin bewohnt worden zu sein (s z.B. Finkelstein 2014, S. 31-34). Im Süden sind einige dieser Zerstörungen den Philistern zuzuschreiben, im Norden lässt sich dies zu dieser Zeit aber noch nicht nachweisen und scheint andere Hintergründe zu haben (vgl. z.B. Dever 2017, S. 95f.), die dann noch unklar sind. Phönizische Städte scheinen gar nicht zerstört worden zu sein – politisch oder geographisch bedingt?
Drittens: Nachdem die Philister auch in Ägypten und bei den Hethithern eingefallen waren und diese geschwächt hatten, schwindet mit der Zerstörung der kanaanäischen Städte und der ägyptischen Residenzen in diesen Städten nach und nach auch die Präsenz der Ägypter in Palästina. Dass auf der Merneptah-Stele davon gesprochen wird, Merneptah habe Kanaan „gefangen genommen“ (26), wird man so deuten müssen, dass dieser Prozess um 1208 v. Chr. schon weit vorangeschritten war; da in Megiddo und Lachisch aber noch Monumente des in den 1140ern regierenden Pharao Ramses VI gefunden wurden, scheint auch diese Entwicklung gut ein Jahrhundert angedauert zu haben. Manche Forscher gehen außerdem davon aus, dass danach flüchtende Hethither nach Palästina einwanderten; archäologisch lässt sich das aber nicht nachweisen und ist daher unwahrscheinlich (Gilan 2013).

Rechts: Proto-israelitische Siedlungen im Hochland. (c) Shanks 1992, S. 11


Viertens aber, und hier am wichtigsten, explodiert ab dem zwölften Jahrhundert (s. Bimson 1991, S. 12f.) die Zahl der Siedlungen im Hochland des westlichen Palästina, besonders konzentriert nördlich von Jerusalem: Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte nimmt ihre Zahl immer mehr zu, bis sie sich im 11. Jhd. in manchen Gegenden verzehnfacht hat und insgesamt auf mehrere hundert Siedlungen beläuft. Miller 2005b hat außerdem stark gezeigt, dass sich bei den Hochlanddörfer im Gegensatz zu den etwa 20 für sich zu nehmenden kanaanäischen Stadtstaaten wenige Dorfgruppen-Cluster feststellen lassen.
Nachdem einige der zerstörten kanaanäischen Städte wiedererrichtet worden waren (Finkelstein: „neues Kanaan“), lässt sich Palästina also grob in drei Regionen einteilen: In die Region der phönizischen und philistäischen Seevölker im Westen und die Region kanaanäischer Stadtstaaten im Zentrum, die alle eifrig untereinander handelten, und in die Region der Hochland-Siedler im Osten, die mit keiner der drei anderen Bevölkerungsgruppen Handesbeziehungen unterhielten. Nach der biblischen Chronologie befinden wir uns hier schon tief in der Richterzeit und nach der angeblichen Eroberung des ganzen Landes unter Josua.
Wie diese vier Entwicklungen in kurzem Zeitraum miteinander zusammenhängen, ist unklar, und auch deshalb ist ungewiss, welche Gruppe(n) sich eigentlich aus welchen Gründen im Bergland ansiedelte(n) (einen schön konzisen Überblick über die aktuell diskutierten Modelle gibt Mullins 2015). Dass dies so unklar ist, ist deshalb so ärgerlich, weil es sich mindestens bei einigen von ihnen fast sicher um die (späteren?) Israeliten handelt, da die Bücher Josua und Richter noch deutliche Reflexe einer Eroberung Israels vom Gebirge aus bewahrt haben. Es ist sogar möglich, dass schon diese Dorf-Cluster die Vorläufer der „Stämme“ waren, in die sich später die Gesellschaft Israels gliedern sollte, da zwei der Stämme wahrscheinlich nach den Gebirgen benannt sind, auf denen sie lebten (gut Knauf/Niemann 2021, S. 76: Der Stamm „Efraim“ nach dem gleichnamigen Gebirge, der Stamm „Juda“ nach wahda, dem „Abgrund“ s. DAHPN s.v. Das biblische Zwölf-Stämme-System ist aber gewiss eine späte Entwicklung; vgl. Kallai 1995, 1999; Macchi 1999; Grabbe 2007, S. 106).
Vergleicht man einige charakteristische Züge der Lebensstile der Bevölkerungsgruppen im palästinischen Raum der frühen Eisenzeit, wird es unwahrscheinlich, dass die Bevölkerung der Bergland-Siedlungen sich aus nur einer dieser Gruppen speiste:
...
| Kanaanäer | Philister | Phönizier | Schasu | Habiru | Hochland-Siedlungen | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wohnform / Lebensweise: |
sesshaft in Großstädten zunächst in Hofhaus, dann (noch vor Hochländern) zunehmend im Vierraumhaus darunter: Keramik-Fundament-Depositum |
sesshaft in Großstädten (selbst Satellitendörfer erst ab 10. Jhd., Shavit 2008), in „linearem Haus“ (Aja 2009, z.B. S. 412f.), daher wohl anders als Kanaaniter und Hochländler wohl auch ohne Indoor-Viehwirtschaft. darunter: Keramik-Fundament-Depositum. spezifisch: philistinischer Herd. |
sesshaft in Großstädten mit Satellitendörfern überwiegend in Vierraumhaus, manchmal auch im „T-förmigen Haus“ (Edrey 2018, S. 15.95) darunter: Keramik-Fundament-Depositum |
(halb-)nomadisch | nomadisch | sesshaft in kleinen bis mittelgroßen Dörfern, fast durchweg in Vierraumhäusern |
| Stratifikation: | ... | Zwangsurbanisierung der umgebenden kanaanäischen Sieder, danach md. zwei soz. Schichten in den Städten (Faust/Katz 2011, S. 236). Nach gefundenen Luxusartikeln und us. Grabbeigaben auch intern noch weiter stratifiziert. Prestigekonsum bei typischen Trinkgelagen, die später von Kanaanäern und noch später von Israeliten übernommen wurden (Mazow 2014, S. 150f.; Faust 2015). |
Beispiel | Beispiel | Beispiel | Keine Stratifikation feststellbar |
| materielle Kultur: | ... u.a. philistäische Keramik durch Handel Ägypter? |
anfangs: zypriotische Webstuhlgewichte; anfangs: spezielle Gefäßformen, mykenisch monochrom; fast durchgehend: typisch bichrome Keramik; materieller & kultureller Austausch mit Phöniziern und Kanaanäern; Import von außerhalb Palästinas (vgl. bes. Uziel 2007) |
... u.a. philistäische Keramik; Ägypter? |
Beispiel | Beispiel | vor Ort gefertigte Keramik für den Eigengebrauch; keine Handelsbeziehungen mit anderen Gruppen. |
| Ernährung: | Beispiel | spezifisch: anfangs bis zu 20% Schweinefleisch durchgehend Platterbse (Mahler-Slasky 2004) |
Beispiel | Beispiel | Beispiel | Beispiel |
| Religion: | Beispiel | 3 Tempel mit kanaanäischem Grundriss, aber nur in kleineren Städten (Gath, Tell Qasile, Nahal Patish; zwei mit Bamah; zwei mit Altar (G: Zweihornaltar!), NP auch mit Mazzebe. Favissa in Yavneh: Hausmodelle, Kultstände, Keramik Hausschrein in Aschkelon mit Vierhorn-Erdaltar. Evt. weitere Hausschreine mit Bamot in Ekron. früher Hauskult: überwiegend ägäische (bekleidete) Frauen- und Stierfigurinen, Psi-Figurinen, Aschdoda, Libationsgefäße; kaum kanaanäische Frauenfigurinen. (Ben-Shlomo 2010, S. 184; Ben-Shlomo 2019) |
Mehrere kleine Tempel mit Stufenaltar, oft mit Mazzebe oder Säule in Altarnähe, oft mit Opferbänken und oft mit Kalkgips verputzt; häufig nahe einer Quelle o.Ä. Typisch: Knickachsraum-Grundriss (Edrey 2018, S. 112f.124ff.181) Hauskult v.a. bezeugt durch phön. Täfelchen und bes. durch Figurinen, meist von Göttertrias, nackte schwangere Pfeilerfigurine oder Musikerfigurinen. NOCH MAL CHECKEN: ECHT EISENZEIT? |
Beispiel | Beispiel | bis auf den Ebal-Altar und die „Bull Site“ keine öffentlichen Kultstätten; keine kultischen Gegenstände in den Haushalten |
| Totenkult: | Multiform. Dabei meist außerhalb der Stadt, selten unter Wohnhaus (vgl. 1 Sam 25,1; 1 Kön 2,34). Beigaben: Keramik, Siegel, seltener auch Luxus |
Bisher fast nur außerhalb von Aschkelon gefunden (dazu Master/Aja 2017; Aschdod des 8. Jhds. zu spät und wohl nicht typisch), dort multiform. In Ekron auch unter Wohnhaus. Beigaben ~ wie links |
Außerhalb der Stadt, häufiger us. Friedhöfe nach Sterbealter, Beigaben ~ wie links, häufiger Figurinen. multiform: |
Beispiel | Beispiel | Im Norden von 12.-9. Jhd. (!) gar kein Fund (!; Faust 2004; Nabulsi 2017, S. 19f.; Suriano 2018, S. 59). Im Süden multiform: |
(Phil: Mazow 2014, S. 143f.). Urnenbegräbnis oft bei Kindern. |
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| Erdbegräbnis / Zistengrab | s. links, minus Zistengrab | Zistengrab. Wahrscheinlich auch schon Erdbegräbnis (sicher ab 10. Jhd.) | ||||
| Felsengrab, ab 10. Jhd. auch Bankgrab |
Felsengrab | Felsengrab, Bankgrab erst spät (Bloch-Smith 1992, S. 39f.52.60f.; Suriano 2018, S. 57) | ||||
| Sargbegräbnis, oft kostbarere Grabbeigaben (Bloch-Smith 1992; Ben-Shlomo 2008; Suriano 2018) |
Sargbegräbnis mit Mumifikation und oft reichen Grabbeigaben für Adel (Dixon 2013; Nabulsi 2017, Edrey 2018) |
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Dass es sich überwiegend um Philister handelte, kann man ausschließen, da in den klar philistäischen Städten nachweislich viel Schweinefleisch gegessen wurde, im palästinischen Bergland dagegen fast gar nicht, da in beiden Ortsgruppen unterschiedliche Arten von Keramik in Gebrauch war (bemalt vs. unbemalt; gut Faust 2009, 2016, S. 68f.; S. 165-170; weitere Unterschiede bei Bloch-Smith 2003, S. 413.415f.) und sich auch sonst kein materieller Austausch mit den philistäischen Städten nachweisen lässt. Wegen der so unterschiedlichen Siedlungsstruktur und Lebensweise, wegen einem unterschiedlichen Totenkult und wieder wegen der fehlenden Handelsbeziehungen und damit unterschiedlicher Keramik ist es auch unwahrscheinlich, dass es sich überwiegend um Kanaanäer gehandelt hat. Dass eine der anderen aus der Zeit vor dem 11. Jhd. bekannten Gruppen groß genug war, dass sich aus ihnen die Siedlungsexplosion im Hochland speisen können hätte, ist auch nicht sehr wahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Entweder muss man daher bes. mit Killebrew 2006, 2020, S. 88f. davon ausgehen, dass es sich bei den Bewohnern der unterschiedlichen Dorfcluster um einen Mix aus mehreren Gruppen von Habiru, Schasu, Angehörigen von „Israel“, ehemaligen kanaanäischen Stadtstaat-Städtern und -Bauern und etwaigen weiteren immigrierenden Gruppen handelte, die sich aus noch unbekannten Gründen alle etwa zeitgleich im palästinischen Bergland ansiedelten und die dann nach und nach als Gegenüber zu „den kanaanäischen Bonzen in den Städten da unten in den Tälern und den philistäischen Bonzen in den Städten da unten in der Schefela und im Negev“ zu einem Volk zusammenwuchsen. Oder man setzt sein Wettgeld spekulationsfreudiger doch auf einzelne dieser Gruppen. Viele tun das; Matthews 2018, S. 72 etwa setzt seines auf die Kanaanäer, Knauf/Niemann 2021, S. 78 setzen ihres auf Habiru nebst Schasu, Rainey 2008 seines allein auf die Schasu; ...
So und so scheint der historische Kern der Erzählungen in den Büchern Genesis bis Numeri hauptsächlich zu sein, dass zu den Israeliten ursprünglich (auch?) umherziehende Kleingruppen von Nomaden gehörten, dass sie einst von den Ägyptern unterworfen worden waren und dass sie dann im Gebirge an der Grenze zu Palästina anfanghaft zum Volk des biblischen Gottes geworden war.
...
Die frühesten gut datierbaren biblischen Texte, die sich mit einiger Vorsicht als historische Quellen auswerten lassen, sind nicht Texte über Könige und Kult, sondern Texte dagegen, nämlich die sozialkritischen Texte Jes 1-39; Amos; Micha
Neugründung Israels: Historische Hintergründe und biblische Erzählung[Bearbeiten]
Spätestens nach der Eroberung Judas durch die Babylonier kam in Teilen der Bevölkerung offensichtlich starke Fremdenfeindlichkeit auf. Historisch lässt sich das gut erklären: Im Nord- und im Südreich waren von den Assyrern und Babyloniern gezielt Angehörige anderer eroberter Völker angesiedelt worden, um die beiden Reiche so zusätzlich zu destabilisieren; die ins Exil verschleppten Israeliten und Judäer wiederum mussten als marginalisierte Gruppen in der Fremde leben und konnten ihren Glauben dort nur unter großen Schwierigkeiten ausüben. Wie sich dies in mehreren in und nach dieser Zeit entstandene Texte niederschlug, ist dennoch sehr problematisch:
Erstens entstanden ab dieser Zeit sog. „Diasporanovellen“: Im Buch Ester lebt die namensgebende Protagonistin als Exulantin in der persischen Fremde; der „ausländische Ausländer“ Haman will sie vernichten und der persische König Ahasveros sie durch Heirat assimilieren. Doch Ester bewahrt heroisch ihre Religion und bringt geschickt den König dazu, ihren Feind zu ermorden, und rettet so das judäische Volk. Aus der selben Zeit stammt der erste Teil des Danielbuchs, laut dem Daniel aber angeblich bereits am babylonischen Königshof gelebt hat, sich dort als vorbildlicher Judäer als „besser“ erweist als alle Ausländer, dann mutig dem König dessen Schlechtigkeit vorhält und sich schließlich heldenhaft gegen alle Anfeindungen behaupten kann. Wichtig ist daher das kurze Buch Jona, das gegen diese Haltung anschreibt und in dem der fremdenfeindliche Prophet gerade in die Hauptstadt der ersten Eroberernation Assyrien gesandt wird, woraufhin sich wider Erwarten die Assyrer als vorbildlich und der gottgesandte Prophet als lachhafte Figur erweist.
Zweitens berichten die Bücher Esra und Nehemia, wie ab 539 die Judäer wieder in ihr Land zurückkehren, nachdem das babylonische Reich von den Persern besiegt und Israel und Juda zu den persischen Provinzen „Samaria“ und Juda umgeformt worden waren. Nun endlich können die Judäer ihr Land wieder in Besitz nehmen, den Tempel wiedererrichten und das Volk „reinigen“, indem sie alle Ausländer, zu denen selbst die nach 722 v. Chr. nach Juda eingewanderten Israeliten und angeblich den Tempelbau sabottierenden Israeliten gehören, als marginalisierte Gruppe aus der Gesellschaft ausgrenzen. Ekelhafterweise wird das in diesen Büchern für gut befunden. Auch hierzu ist in der Bibel mit dem Buch Rut zum Glück ein Gegentext überliefert, der programmatisch vor die von der staatlichen Zeit handelnden Bücher der Könige gestellt wurde und der behauptet, dass der sagenumwobene König David von einer schon damals immigrierten und integrierten Moabitern abstammt.
Aber bei weitem nicht alle zu dieser Zeit entstandene Literatur thematisieren Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenfreundlichkeit. Vielmehr entstand um diese Zeit, zu der man aktiv um ein Selbstverständnis als „Volk“ zu ringen hatte, der größte Teil dessen, was wir heute als Erstes Testament kennen. So wurden bspw. wohl zu dieser Zeit die Sprichwörter als Israels ureigenste Weisheitslehre gesammelt.
Ähnlich wurden sehr wahrscheinlich erst zu dieser Zeit die alten Mythen und Sagen in den Büchern Genesis bis Richter gesammelt und in einen Erzählzusammenhang gebracht. Darüber, wie dies vonstatten ging, werden aktuell unterschiedlichste Modelle diskutiert. Das Folgende orientiert sich überwiegend an den Entwürfen von Schmid 1976; Kaiser 1978, S. 106 und Carr 2010 und ist nur eines von mehreren möglichen Modellen. Danach waren vor allem drei nachexilische Autorenkreise an der Entstehung dieses ersten Teils des Ersten Testaments beteiligt. Auf jede dieser drei Gruppen geht auch eine der drei großen Gesetzessammlungen des Pentateuch zurück:
- L(aien): Eine Autorengruppe, die dezidiert gegen die weltliche und klerikale Elite Israels anschrieb. Keiner der Vorfahren Israels war Fürst, Priester oder etwas Ähnliches; stattdessen wird von Bauern, Hirten und Nomaden berichtet, die durchs Land ziehen, dabei munter Heiligtümer und Kultorte gründen, wo immer sie mit Gott in Kontakt kommen, dort Gottesdienste feiern und dafür weder eines staatlichen Kults noch kultischer Priester bedürfen. Begründet werden dabei i.d.R. gerade Kultorte, die historisch mit Jerusalem in Konkurrenz standen; Jerusalem dagegen wird in Gen 35,16-20 offenbar sogar von Fers entweiht. Die Vorgeschichte Israels insgesamt wird als Konfliktgeschichte vorgestellt: Immer wieder liegen Verwandte miteinander im Zwist, gründen nebenbei einige der umliegenden Nationen wie insbesondere Edom und Aram, mit denen man also verwandt ist, und versöhnen sich am Ende doch wieder; auch sonst hat man mit den umliegenden Völkern Konflikte, kann sich dann aber letztendlich meistens mit ihnen arrangieren. Der Ur-Vorfahre Vater-Gnade ist ein Weltenwanderer, der überall zurecht kommt; Fers heiratet aramäische Frauen und erlangt auch seinen Reichtum in Aram, Joseph wird Vizekönig in Ägypten: Auch im Ausland können Israeliten gut leben. Sogar gerettet werden die Israeliten aus Ägypten von einem ägyptischen Prinzen, nachdem dieser sich allerdings vom Adeligen zum Hirten bekehrt und dabei den Gott Israels gefunden hat. Buhmann ist dagegen Aaron, der Vorgänger der Hohepriester Jerusalems, der sich immer wieder gegen Gott und gegen Herauszug vergeht.
Auf diese Gruppe geht auch die kurze Gebotssammlung in Ex 19-24 zurück, die an der Schwelle zum Land Israel für jene, die gerade erst dort einwandern, erlassen wird und programmatisch Israel als „Vasallenvolk Gottes, Königreich von Priestern und heilige Nation“ bestimmt (Ex 19,5f.): König über das israelitische Volk ist Gott allein, das als Ganzes „priesterlich“ ist. Entsprechend sind für den Gottesdienst nach Ex 20,24-26 lediglich ein schnell aus Erde aufgeschütteter oder aus Steinen aufgetürmter Altar nötig, an denen jeder Israelit dann selbst Opfer darbringen kann. Gerichtliche Vollmacht haben natürlich ebenfalls keine Priester; stattdessen hat jeder Ort mit eigenen Richtern selbst die Vollmacht, Urteile zu sprechen. Von staatlichen Abgaben ist keine Rede; die Israeliten sollen vielmehr die Armen, Witwen und Waisen unterstützen und weder diese noch den Immigranten (!) bedrücken, da die Israeliten doch selbst Immigranten waren (Ex 22,20-23,9). Um umliegende und Israel anfeindende Völker dagegen wird Gott sich kümmern, solange nur die Israeliten ihm treu bleiben und sich nicht dazu verführen lassen, anderen Göttern zu dienen (Ex 23,22ff.).
Die Verfasser der „Laienquelle“ arbeiteten sich bei diesem Geschichtsentwurf u.a. an zwei anderen theologischen Schulen ab, die daraufhin als Reaktion auf L ihrerseits literarisch tätig werden. Bei beiden scheint es sich um zwei verfeindete Gruppen von Priestern am Jerusalemer Tempel gehandelt zu haben: - D(euteronomisten): Eine Autorengruppe, die entweder aus der Bevölkerungsgruppe der „Leviten“ kam oder ihnen nahestand; immer wieder wird daher betont, welche Vorrechte die Leviten zur Zeit des Auszugs aus Ägypten und auch später am Jerusalemer Tempel hatten (Dtn 10,7f.; 17,9f.18; 18,1; 21,5; 24,8: Sie sind „besonders erwählt“ von Gott, darum ist ihnen zunächst der Vertrags-Kasten anvertraut; später sollen sie am Tempel den priesterlichen Dienst verrichten, außerdem das Volk belehren, für sie das Richteramt ausüben und sind dafür nach Dtn 14,29; 16,11.14; Dtn 26,12f.; 27,9; 31,9 auch gemeinsam mit den Armen von der Ortsbevölkerung zu finanzieren).
Man kann ihr literarisches Wirken sehr grob in drei Perioden einteilen: Die „Früh-Deuteronomisten“ sammelten noch unabhängig von L die Gesetze in Dtn 12-26. Diese ist wahrscheinlich schon vor dem Exil entstanden. Die „Mittel-Deuteronomisten“ verfassten den Grundstock des Texts von 1 Sam - 2 Kön, mit dem das Exil theologisch erklärt werden sollte. Ihr wichtigstes Anliegen war danach, dass allein der biblische Gott verehrt würde – bis dahin, dass dann, wenn in einem Ort jemand des „Götzendienstes“ überführt wurde, dafür der ganze Ort ermordet werden sollte (Dtn 13,13-17). Die Erzählung von den biblischen Königen folgt wegen diesem Grundinteresse auch einem klaren Muster: Manche Könige waren Gott untreu und wurden dafür bestraft – unter anderem eben mit dem Exil –; auf der Regentschaft von gottesfürchtigen Königen dagegen ruhte Gottes Segen. Zur Gottesfurcht gehörte ganz entschieden auch, Gott einzig im Tempel von Jerusalem zu verehren; alle anderen Kultorte waren Gott missfällig und zu vernichten. Insbesondere die Kultorte in Dan und Bethel seien Gott ein Dorn im Auge.
„Spät-Deuteronomisten“ dagegen sahen offenbar in Ex 19-24 einen Konkurrenzen zu „ihrem“ Gesetzeswerk und verfassten daher mit Dtn 5-11; 29-30; 34 und dem Buch Josua eine Fortsetzung der Exoduserzählung. Die erste Textgruppe ist dabei gestaltet im Stil von assyrischen Vasallenverträgen, die zweite im Stil von assyrischen Eroberungsberichten. Dtn 5 setzt ein mit einer alternativen Variante des Vertrags vom Sinai in Ex 19; danach wird in einer weiterführenden Rede des Herauszug zunächst Israel in Dtn 6; 11 auf die Gebote in Dtn 12-26 eingeschworen, die die „richtige“ Auslegung des Vertragstexts vom Sinai seien, in Dtn 7-10 aufgefordert, sich von fremden Völkern abzusondern, und in Dtn 29-30 abschließend noch einmal eingeschworen auf die Gebote, deren Befolgung Gott damit belohnen würde, die Israeliten wieder „aus der Gefangenschaft bei anderen Völkern zurückzusammeln“ (Dtn 30,3): Das Gesetz im Deuteronomium wird so präsentiert als Voraussetzung für die Erlösung aus der Exilssituation. - P(riester): Noch klarer als die Texte der Deuteronomisten sind an Inhalt und v.a. am Stil die Texte der sog. „Priesterschrift“ zu erkennen. Nur wegen diesem klar erkennbaren Stil darf man es überhaupt wagen, eine Priesterschrift in den Büchern Gen - Num zu identifizieren, denn sie ist eine sehr merkwürdige Schrift. Hauptsächlich gehören zu ihr wieder Gebotssammlungen und außerdem Listen und Bauanweisungen ab Gen 25 und bis zum Ende des Buches Numeri. Außerdem aber gehören zu ihr mehrere Erzählungen und v.a. einige Textpassagen im Textbereich von L. Danach hat man sich die Textgeschichte von Gen 1 - Ex 19 offenbar so vorzustellen: Aus einzelnen Mythen und Sagen schreibt L seine Vorgeschichte Israels. Der priesterschriftliche Autorenkreis ist mit vielem in dieser Darstellung nicht einverstanden und verfasst daher eine eigene Variante dieser Erzählung. Wenige Erzählungen werden dabei vollständig übernommen, bei anderen wurde gleichzeitig gekürzt und ergänzt (wie Ex 19,19-25; gestrichen werden sollte wohl in P der widerstreitende V. 13), zu wieder anderen dagegen wurden Gegenerzählungen verfasst, die eigentlich die Vorlage ersetzen sollten (wie offensichtlich Gen 35,9-15). Hinzudenken muss man sich dann noch eine weitere Gruppe von Schreibern (die man manchmal T(ora-Redaktoren) nennt), die schließlich beide Fassungen verglichen und dann aber nicht sinnvoll redigierten, sondern einfach beide Versionen zusammenaddierten. So ist dann zu erklären, dass in Gen 1-3 die Welt zweimal erschaffen wird, Ruh in Gen 6-9 zeimal unterschiedliche Zahlen von Tieren in seinen Schrein bringt, Fers in Gen 28; 35 zweimal getauft wird, die Israeliten in Ex 19 sowohl den Berg besteigen als auch nicht besteigen dürfen usw. Für eine Übersetzung, die besonders zeigen will, wie Texte literarische funktionieren, sind solche Stellen besonders problematisch. Wo sie sich nicht harmonisch in einen Erzählabschnitt fügen, werde ich sie daher zwar mitübersetzen, die Übersetzung aber in eine mit spätere Ergänzung eingeleitete Fußnote verschieben.
P ist vor allem kultpolitisch interessiert: Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie der der Jerusalemer Tempel zu gestalten ist, wie der tägliche Betrieb und wie religiöse Feiern ebendort abzulaufen haben – wichtig v.a.: die den Deuteronomisten so wichtigen Leviten sind den „Aaroniden“, den „echten“ Priestern, untergeordnet (s. zu Laien, Leviten und Aaroniden bes. Num 16) –, wie religiöse Feste zu begehen sind oder an welche religiösen Regeln sich Israeliten zu halten haben. Selbst die Schöpfung der Welt hat als ihr Ziel die Einsetzung des Sabbat. Politisch dagegen kann man P geradezu als eskapistisch bezeichnen:
„P denkt im Gegensatz zu D universalistisch und pazifistisch. Kriege [und Konflikte] finden bei P nicht statt! [Der häufigste Anlass für das Verfassen von Gegenerzählungen in Gen - Ex 19]. Das Programm der Völkertafel in Gen 10 – jedes Volk nach seienr Eigenart an seinem Platz als Erfüllung des Schöpfungssegens – könnte einer achämenidischen Königsinschrift entnommen sein... Für P besteht das Proprium Israels nicht in seinem Staat..., sondern in seinem Tempel, in dem der Gott des Himmels und der Erde in der Welt anwesend und ansprechbar ist. P ist antimilitaristisch und antideuteronomistisch: Der priesterschriftliche [Gott] hängt nach der Sintflut ... seinen Bogen in die Wolken und damit an den Nagel (Gen 9,13). Hier wird nicht die Erschaffung des Regenbogens geschildert, sondern [Gott] widerruft seine Rolle als Gott, der Israels Kriege geführt hat ... oder auch die Kriege der Assyrer und Neubabylonier gegen Israel ... ein für allemal.“ (Knauf 1998, S. 123)
Gleichzeitig stammen aus dieser Zeit, in der man einige der schönsten Früchte der biblischen Literatur.
Weitere Entwicklungen: Historische Hintergründe und biblische Erzählungen[Bearbeiten]
Auch das Perserreich währte nicht lange; etwa 200 Jahre später wurde es seinerseits um 333 v. Chr. vom Griechen Alexander dem Großen erobert. Nachdem dessen Großreich geteilt wurde, fielen Israel und Samaria um 300 v. Chr. an die Ptolemäer, die vom hellenistischen Ägypten aus regierten. Die nächsten 100 Jahre herrscht Frieden; in dieser Zeit entstanden daher z.B. die eher philosophischen Bücher Kohelet und Jesus Sirach, die sich mit griechischen und ägyptischen Texten auseinandersetzten.
Einführungen ins Erste Testament[Bearbeiten]
Der Pentateuch[Bearbeiten]
Gen 1-11: Ursprungsmythen[Bearbeiten]
Gen 12-50: Die Vorfahren Israels[Bearbeiten]
Ex 1-18: Auszug aus Ägypten[Bearbeiten]
Ex 19 - Num 10,10: Am Sinai[Bearbeiten]
Num 10,11 - Num 36[Bearbeiten]
Das Deuteronomium[Bearbeiten]
Bücher der Geschichte[Bearbeiten]
Josua: Die Eroberung Israels[Bearbeiten]
Richter - 1 Sam 7: Vorstaatliche Zeit[Bearbeiten]
1 Sam 8 - 1 Kön 11: Saul, David und Salomo[Bearbeiten]
1 Kön 12 - 2 Kön 25; Chroniken[Bearbeiten]
hintere Propheten[Bearbeiten]
Die Schriften[Bearbeiten]
| a | Dass die Schasu schon im 14. Jhd. in diese Gegend zu verorten seien, ist verschiedentlich bestritten worden; z.B. jüngst von Frevel 2021, Abs. 17. Dass sich das aus den Texten des 14. Jhds. nicht herauslesen lässt, ist richtig; aus denen des 13./12. aber schon. Dass die Schasu wenige Jahrzehnte zuvor in einer anderen Region gelebt hätten, ist daher eine viel gewagtere Annahme als die, dass sie auch im 14. Jhd. in die selbe Gegend zu verorten sind. (Zurück zu ) |