Ben (Diskussion | Beiträge) KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[Kategorie:Lexikon]] | [[Kategorie:Lexikon]] | ||
Sela (oder Selah, Heb. {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}}, selah) ist eine | Die Bedeutung von "Sela" (oder Selah, Heb. {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}}, selah), eines häufig v.a. in den Psalmen vorkommenden Wortes, ist bis heute ungeklärt. In der Tat geht etwa Gyllenberg sogar davon aus, dass es sich bei der Frage nach seiner Bedeutung um eine handle, "die wahrscheinlich nie mit voller Evidenz gelöst werden [können wird]." (Gyllenberg 1941, S. 153) | ||
Folgerichtig sind in der Geschichte der Bibel-rezeption eine Vielzahl unterschiedlicher Deutungen vollzogen worden. So deutet etwa Origines das διάψαλμα der [[LXX]] als "eine Veränderung oder einen Wechel der Person, des Rhythmus, der Melodie, des Lehrtons, des Sinnes oder der Stärke der Rede", Eusebius und Gregorius von Nyssa sehen im "Sela" einfach eine Pause, Sommer (in den "Biblischen Abhandlungen) und Delitzsch (in seinem Psalmenkommentar) deuten das "Sela" als ein musikalisches Zeichen - etwa für ein musikalisches Zwischenspiel oder für eine Verstärkung der begleitenden Musik - und Mowinckel deutet es in seinen "Psalmstudien IV" gar als eine Art "Platzhalter" für verschiedene, vom Volk auszurufende Kultrufe. (vgl. Stieb 1939, S. 102 f.) | |||
Nachdem Stieb diese Positionen wiederlegt hat (teilweise allerdings ebenfalls auf eine "nicht voll evidente" Weise), bietet er als alternative Deutung Folgendes an: | |||
"Allgemein anerkannt" sei Wellhausens Herleitung von {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} vom hebräischen Stamm des Wortes für "erheben". Daher sei folgende Deutung die Richtige: | |||
<code>"[...] Was soll hier erhoben werden? Nur das Auge kann gemeint sein! Der betende oder vorbetende Leser soll das Auge hinaufsteigen lassen, um die betreffende Verse zu wiederholen. {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} ''ist Wiederholungszeichen''! Dieser ''seither versteckte Schlüssel löst, wie wir sehen werden, alle Rätsel auf der hier in Frage kommenden Linie'' und muß somit der richtige sein. Namentlich bilden offenkundig die einmal oder mehrfach zu wiederholenden Selaverse stets den Kern des betreffenden Psalms." (Stieb 1939, S. 104).</code> | |||
Auch Gyllenberg hält diese Deutung für durchaus möglich und ergänzt: | |||
<code>"[Es] gehört Sela der älteren Psalmensammlung, Ps 2-89 an. Zufolge einer Veränderung der Lage, die wir nicht kennen, ist Sela in späterer Zeit entbehrlich geworden, wurde aber in den älteren Psalmen nicht gestrichen. Man verstand seine Bedeutung [schon damals (!)] nicht mehr, und die Abschreiber haben es sowohl weggelassen als versetzt, wie LXX zeigt." (Gyllenberg 1941, S. 154)</code> | |||
Um die Bedeutung von "Sela" zu ermitteln, müsse man sich also an die Psalmen halten, die durch Strophenbau und / oder Kehrverse "gegen größere Veränderungen mehr oder weniger geschützt gewesen sind." (ebd.) Bei einer Betrachtung derselben aber "zeig[e] sic sofort, daß Sela irgendwie in Verbindung mit dem Kehrvers vorkommt." (ebd.) Gyllenberg selbst geht davon aus, dass das "Sela" Signal dafür sei, dass die betreffenden Versteile nicht vom Vorsänger, sondern vom Volk (nach-)zu(-)singen war. | |||
Es kann diese Beobachtung zwar die Interpretation Stiels stützen, ''evident'' macht sie dieselbe aber immer noch nicht. Was aber Stiel und Gyllenberg zeigen, ist, dass dadurch, dass "sela" auf irgendeine Weise zusammenhängt mit speziellen strukturellen Einheiten der Psalmen, die Interpretation von "Sela" als Vortragsanweisung (i.e., als Wiederholung, als Signal zum Sprecherwechsel o.Ä.) wahrscheinlicher ist als etwa die Interpretation als musikalisches Zeichen oder als Kultruf-anweisung. | |||
===Anmerkungen zur musikalischen Umsetzung=== | ===Anmerkungen zur musikalischen Umsetzung=== | ||
| Zeile 15: | Zeile 27: | ||
* TWOT, 1506 {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} | * TWOT, 1506 {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} | ||
* DBL Hebrew, 6138 {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} | * DBL Hebrew, 6138 {{Hebr}}סֶלַה{{Hebr ende}} | ||
* Gyllenberg, R.: Die Bedeutung des Wortes Sela, in: Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft 58 (1-2/1941). S. 153-156. | |||
* Stieb, Robert: Die Versdubletten des Psalters, in: Zeitschrift für die Alttestametnliche Wissenschaft 57 (1-2/1939). S. 102-110. | |||
Version vom 31. Dezember 2011, 16:02 Uhr
Die Bedeutung von "Sela" (oder Selah, Heb. סֶלַה, selah), eines häufig v.a. in den Psalmen vorkommenden Wortes, ist bis heute ungeklärt. In der Tat geht etwa Gyllenberg sogar davon aus, dass es sich bei der Frage nach seiner Bedeutung um eine handle, "die wahrscheinlich nie mit voller Evidenz gelöst werden [können wird]." (Gyllenberg 1941, S. 153)
Folgerichtig sind in der Geschichte der Bibel-rezeption eine Vielzahl unterschiedlicher Deutungen vollzogen worden. So deutet etwa Origines das διάψαλμα der LXX als "eine Veränderung oder einen Wechel der Person, des Rhythmus, der Melodie, des Lehrtons, des Sinnes oder der Stärke der Rede", Eusebius und Gregorius von Nyssa sehen im "Sela" einfach eine Pause, Sommer (in den "Biblischen Abhandlungen) und Delitzsch (in seinem Psalmenkommentar) deuten das "Sela" als ein musikalisches Zeichen - etwa für ein musikalisches Zwischenspiel oder für eine Verstärkung der begleitenden Musik - und Mowinckel deutet es in seinen "Psalmstudien IV" gar als eine Art "Platzhalter" für verschiedene, vom Volk auszurufende Kultrufe. (vgl. Stieb 1939, S. 102 f.)
Nachdem Stieb diese Positionen wiederlegt hat (teilweise allerdings ebenfalls auf eine "nicht voll evidente" Weise), bietet er als alternative Deutung Folgendes an: "Allgemein anerkannt" sei Wellhausens Herleitung von סֶלַה vom hebräischen Stamm des Wortes für "erheben". Daher sei folgende Deutung die Richtige:
"[...] Was soll hier erhoben werden? Nur das Auge kann gemeint sein! Der betende oder vorbetende Leser soll das Auge hinaufsteigen lassen, um die betreffende Verse zu wiederholen. סֶלַה ist Wiederholungszeichen! Dieser seither versteckte Schlüssel löst, wie wir sehen werden, alle Rätsel auf der hier in Frage kommenden Linie und muß somit der richtige sein. Namentlich bilden offenkundig die einmal oder mehrfach zu wiederholenden Selaverse stets den Kern des betreffenden Psalms." (Stieb 1939, S. 104).
Auch Gyllenberg hält diese Deutung für durchaus möglich und ergänzt:
"[Es] gehört Sela der älteren Psalmensammlung, Ps 2-89 an. Zufolge einer Veränderung der Lage, die wir nicht kennen, ist Sela in späterer Zeit entbehrlich geworden, wurde aber in den älteren Psalmen nicht gestrichen. Man verstand seine Bedeutung [schon damals (!)] nicht mehr, und die Abschreiber haben es sowohl weggelassen als versetzt, wie LXX zeigt." (Gyllenberg 1941, S. 154)
Um die Bedeutung von "Sela" zu ermitteln, müsse man sich also an die Psalmen halten, die durch Strophenbau und / oder Kehrverse "gegen größere Veränderungen mehr oder weniger geschützt gewesen sind." (ebd.) Bei einer Betrachtung derselben aber "zeig[e] sic sofort, daß Sela irgendwie in Verbindung mit dem Kehrvers vorkommt." (ebd.) Gyllenberg selbst geht davon aus, dass das "Sela" Signal dafür sei, dass die betreffenden Versteile nicht vom Vorsänger, sondern vom Volk (nach-)zu(-)singen war.
Es kann diese Beobachtung zwar die Interpretation Stiels stützen, evident macht sie dieselbe aber immer noch nicht. Was aber Stiel und Gyllenberg zeigen, ist, dass dadurch, dass "sela" auf irgendeine Weise zusammenhängt mit speziellen strukturellen Einheiten der Psalmen, die Interpretation von "Sela" als Vortragsanweisung (i.e., als Wiederholung, als Signal zum Sprecherwechsel o.Ä.) wahrscheinlicher ist als etwa die Interpretation als musikalisches Zeichen oder als Kultruf-anweisung.
Anmerkungen zur musikalischen Umsetzung[Bearbeiten]
Diese Anweisung ist aber auch für heutige Musiker wesentlich, die einen Psalm musikalisch umsetzen wollen. Musikalische Angaben zur Instrumentalbegleitung wie Sela (musikalisches Zwischenspiel) haben logischerweise nur Bedeutung, wenn der Psalmengesang tatsächlich wie im 1. und 2. Tempel mit Musikinstrumenten begleitet wird. Das war aber bei der bis ins 20. Jh. in der Katholischen Kirche zwingend vorgeschriebenen - einstimmig und ohne Musikinstrumente (choral) - Praxis nicht gegeben. Über diese traditionelle, unbegleitet einstimmige Singweise für Psalmen, Psalmodie genannt, kann hier nachgelesen werden.
Weitere Informationen[Bearbeiten]
Weitere Informationen (nicht Quelle des Artikels): Wikipedia.de
Quellen[Bearbeiten]
- TWOT, 1506 סֶלַה
- DBL Hebrew, 6138 סֶלַה
- Gyllenberg, R.: Die Bedeutung des Wortes Sela, in: Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft 58 (1-2/1941). S. 153-156.
- Stieb, Robert: Die Versdubletten des Psalters, in: Zeitschrift für die Alttestametnliche Wissenschaft 57 (1-2/1939). S. 102-110.