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Ich will auf dieser Seite nicht wirklich eine eigene Syntax verfassen. Sie dient v.a. meinen persönlichen Zwecken: Obwohl ich in vielen Bereichen der Syntax recht sichere Vorstellungen habe, merke ich, dass ich beim Übersetzen manchmal inkonsequent bin. Diese Inkonsequenz will ich mit dieser Seite verhüten; sie ist aber noch L-A-N-G-E nicht fertig. Entgegen meinem eigentlichen Usus werde ich hier nicht viel zitieren. Damit würde ich mich und den Leser belügen; denn obwohl ich recht viel zur Syntax und Verbsystem des Hebräischen gelesen habe, habe ich meine aktuelle Sicht bloß mehr oder weniger eklektizistisch aus verschiedenen Systemen zusammengeklaubt. Vermutlich werde ich aber noch Zitate (und Beispiele!) nachliefern, wenn diese Seite hier ein wenig weiter vorangeschritten ist. --Sebastian Walter 22:51, 11. Dez. 2013 (CET) |
Einleitendes und Terminologisches[Bearbeiten]
Auf lange Sicht soll hier eine Syntax des hebräischen Satzes entstehen. Ich bin nicht größenwahnsinnig genug, diese Syntax als konkurrenz-fähige Alternative zu A-C, BrSynt, Dav, IBHS, SBH oder Williams zu konzipieren; sondern vorerst soll sie nur dem Zweck dienen, dass ich persönlich eine frei zugängliche und aktuellere Referenz als GKC habe, um von OfBi-Fußnoten aus darauf zu verweisen. Natürlich kann auch gerne jeder andere darauf verweisen; allerdings sind die Ansichten, die hier ihren Niederschlag finden werden, ausschließlich die meinen - die eines kleinen Studenten -, und daher wird sie auch dann nicht wirklich zitierfähig sein, wenn sie denn tatsächlich einmal abgeschlossen sein sollte.
Über den „Satz im Biblischen Hebräisch“ soll es also gehen. Schon stoßen wir auf das erste Problem: Über die Definition von Größen wie „clauses“ und „Sätzen“ ist die Diskussion noch nicht zum Abschluss gekommen und wird es vermutlich auch nie. 1931 hat Ries in seinem Buch „Was ist ein Satz“ 141 Definitionen von „Satz“ zusammengestellt; schon 1935 hat Seidel diese Liste um weitere 83 Definitionen ergänzt. Summa Summarum sind das 224 Definitionen von „Satz“, und zwischen 1935 und heute ist eine Vielzahl an weiteren Definitionen hinzugekommen.
Da eine Definition von „Satz“ also offenbar nicht möglich ist, wollen wir uns mit Folgendem begnügen:
- (1) Eine „Proposition“ ist ein sprachlich zu realisierender Sachverhalt.
- (2) Unter „Satz“ kann man ungefähr eine sprachliche Realisierung einer Proposition, die mindestens aus einem verbalen Kern und dessen Verbkomplementen (s.u) besteht, verstehen. Man kann dabei weiter differenzieren:
- (2.1) Ein einfacher Satz ist eine selbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern und dessen Verbkomplementen, aber ohne Nebensätze.
- (2.2) Ein Nebensatz ist eine unselbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern und dessen Verbkomplementen, die syntaktisch von einem anderen Satz abhängig ist.
- (2.3) Ein zusammengesetzter Satz ist eine selbständige sprachliche Realisierung einer Proposition mit mindestens verbalem Kern, dessen Verbkomplementen und mindestens einem Nebensatz.
- (3) Zentrum der sprachlichen Realisierung einer Proposition in einem selbständigen Satz ist das Verb. Klassisch geworden ist Bertrand Russels Formulierung dieses Sachverhalts:
„Betrachten wir einmal die Proposition „A unterscheidet sich von B“. Die Konstituenten dieser Proposition scheinen einzig zu sein: A, Unterschied, B. Innerhalb der Proposition setzt der „Unterschied“ A in Relation zu B; dagegen nach der Analyse der Proposition ist der „Unterschied“ ein bloßer Begriff, der mit A und B überhaupt nicht zusammenhängt. [...] Eine Proposition ist grundsätzlich eine Einheit, und wenn erst eine Analyse diese Einheit zerstört hat, kann keine Aufzählung der einzelnen Konstituenten die Proposition wiederherstellen. Das Verb - allerdings nur, wenn es tatsächlich auch als Verb verwendet wird - verkörpert die Einheit der Proposition [...].“Russell 1903, S. 49f.
Aus diesem Grund spricht man in der Linguistik vom Verb als dem verbalen Kern eines Satzes. - (4) Jedes Verb fordert, wenn es als verbaler Kern eines Satzes verwendet wird, „eine festgelegte Anzahl von Ausdrücken, [...] um mit ihnen zusammen einen Kernsachverhalt auszudrücken“ (Kubczak 2011). Z.B. ein „Satz“ *liebte dich ist defektiv: Das Verb „lieben“ fordert unter anderem ein Subjekt; etwa Ich liebte dich. Man bezeichnet diese vom verbalen Kern geforderten Ausdrücke als seine (Verb-)Komplemente.
- (5) Neben den Komplementen gibt es eine weitere Gruppe von Ausdrücken, die nicht vom verbalen Kern gefordert sind, aber dennoch bestimmte Funktionen im Satz haben; etwa die, zu spezifizieren, zu kommentieren oder zu situieren. Man bezeichnet diese Gruppe als Supplemente. Nicht nur der gesamte Satz kann durch solche Supplemente modifiziert werden (->Satzsupplemente) - wie z.B. in Damals liebte ich dich -, sondern auch einzelne Satzteile; z.B. das Verb - wie z.B. in Ich liebte dich sehr - oder die Komplemente - wie z.B. in Ich liebte dich, die du damals so schöne Haare hattest.
Der verbale Kern[Bearbeiten]
Die Stämme des hebräischen Verbums[Bearbeiten]
Die Konjugationen des hebräischen Verbums[Bearbeiten]
Vorbereitendes[Bearbeiten]
Das Verbsystem im Hebräischen ist äußerst umstritten. Heftig diskutiert werden v.a. die Formen Qatal, Yiqtol, Weqatal und Wayyiqtol. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Positionen mit je unterschiedlich ausgeprägten Subsystemen einzelner Vertreter dieser Positionen ausgeprägt:
- die temporale Position
- die aspektuelle Position
- die modale Position
- die diskurslinguistische Position
- „Misch-Positionen“
Vielleicht kann man mittlerweile außerdem noch die Grammatikalisierungs-Position als eigene Richtung klassifizieren.
- McFall 1982 hat ein ganzes Buch zur Geschichte der Beforschung des hebräischen Verbsystems verfasst. Ein Gefühl für den Unterschied zwischen den ersten drei Positionen vermittelt gut Ljungberg 1995; einen kurzen, aber guten geschichtlichen Abriss findet man in Hatav 1998, S. 10-24; eine kurze Übersicht über ältere Theorien findet sich in IBHS §29.2-5 und eine längere Übersicht - auch über neuere Theorien - in Moomo 2004.
Bis ins 20. Jh. herrschten fast ausschließlich temporale und aspektuelle Theorien vor. Ganz grob gesagt besagt die eine - die temporale -, dass Qatal und Wayyiqtol Vergangenheit ausdrücken, Yiqtol und Weqatal Präsens und Zukunft; die andere besagt, dass Qatal und Wayyiqtol eine Geschehen als „abgeschlossen“ darstellen und Yiqtol und Weqatal als „unabgeschlossen“ (natürlich gibt es vereinzelt Unterschiede und Akzentsetzungen bei diversen Vertretern).

Bei einem großen Teil der Verben funktionieren beide Positionen. Aber es gibt auch viele Stellen, bei denen sie eben nicht funktionieren. Z.B. kann allein die Form Qatal für alle Tempora von Plusquamperfekt bis zu Futur II verwendet werden.
Aus diesem Grund sind v.a. im letzten Jahrhundert sehr viele weitere Theorien entstanden. Die diskurslinguistische Position lässt sich nicht leicht auf kurzem Raum zusammenfassen und es ist dies auch nicht notwendig für unsere Zwecke, weshalb ich darauf verzichten will. Aber als ein Beispiel für eine modale Position sei Zuber 1986 genannt. Zuber beobachtet, dass in vielen Sprachen Modus und Futur morphologisch nicht differenziert werden (Das selbe wird übrigens auch für uns geläufigere Sprachen diskutiert, etwa für das Deutsche, das Englische und das Spanische; vgl. z.B. Lang 2013; Vega 2005). Davon ausgehend bestimmt er als die grundlegende Dichotomie des hebräischen Verbsystems die von recto und obliquo. „Recto“ ist sein Sammelbegriff für Qatal und Wayyiqtol; „obliquo“ der für Yiqtol und Weqatal. Die erste erfüllt nach Zuber die Funktion des Indikativs, die zweite die des „Futur“, wobei „Futur“ bei ihm sowohl für „Futur“ als auch für modale Funktionen steht.

Der große Vorteil von Zubers Theorie ist, dass sie (a) sehr einfach ist, dabei aber (b) dennoch ohne Zusatzannahmen mit einem größeren Teil der Verben zurecht kommt als die beiden oben skizzierten Positionen.
Denoch kann auch diese Theorie nicht zufriedenstellen. Erstens zeigen Statistiken deutlich, dass die einfachen Formen Qatal und Yiqtol und die ihnen „entsprechenden“ Waw-Formen Wayyiqtol und Weqatal unterschiedlich verwendet werden; zweitens ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich in einer Sprache zwei verschiedene grammatische Formen mit der selben Funktion herausbilden und dann über Jahre hinweg parallel bestehen bleiben. Galia Hatav hat deshalb weiter differenziert und zusätzlich den Aspekt der „Sequentialität“ eingeführt (der aber auch von anderen verwendet wird; z.B. von Goldfajn, Hornkohl oder Endo). Mit „Sequentialität“ bezeichnet sie den Aspekt der temporalen Kontinuität; in Golfajns Worten:
„Die präfigierten Formen Wayiqtol und Weqatal fungieren wie explizite temporale Anaphern [...] in dem Sinne, dass sie ihre temporale Referenz vom zuvor geschilderten Geschehen übernehmen. Wayyiqtol und Weqatal scheinen zu sagen „und danach“, wobei dieses „da“ das zuletzt erzählte Geschehen bezeichnet.“(Goldfajn 1998, S. 143; meine Übersetzung)
Für eine Grafik s. unten.
Mit der Einführung der Sequentialität ist Wichtiges gewonnen. Z.B. werden Qatal und Yiqtol im Hebräischen nicht nur für selbstständige Sätze verwendet, sondern können auch sog. „Hintergrund-Funktionen“ übernehmen (s. unter 1.4.2.1). Mit der Kategorie der „Nicht-Sequentialität“ lassen sich diese Verwendungsweisen erklären:
„Weil sie nicht unter der Einschränkung der Sequentialität stehen, können Hintergrundsätze an jedem Punkt der Zeitachse oder gar jenseits der Zeitachse lokalisiert sein. [...] Strenggenommen werden ausschließlich Vordergrundsätze „erzählt“. Hintergrundsätze erzählen nicht, sondern unterstützen, reichern an oder kommentieren die Erzählung.“(van Wolde 1999, S. 324; meine Übersetzung.)
Dies sollte genügen, um zur Darstellung des Systems selbst zu kommen.
Das finite Verb[Bearbeiten]
- (1) Die Verbformen Qatal, Yiqtol, Wayyiqtol und Weqatal lassen sich voneinander abgrenzen mithilfe der Kategorien „Modalität“ und „Sequentialität“: Weqatal ist charakterisierbar als +modal / +sequentiell; Yiqtol als +modal / -sequentiell; Wayyiqtol als -modal / +sequentiell und Qatal als -modal / -sequentiell.

- (1.1) modal hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „prädiktiv“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen
- (1.1.1) Voraussage: Die modalen Formen können Aussagen machen über zukünftige Geschehnisse oder Sachverhalte. (-> Du wirst X tun)
- (1.1.2) epistemische Modalität: Die Modalformen können Aussagen mit nur relativem Wahrheitswert machen; nämlich können sie Sachverhalte und Geschehnisse aussagen als (a) gewiss, aber auch als (b) wahrscheinlich oder (c) möglich. (-> Du wirst wahrscheinlich X tun etc.)
- (1.1.3) sprecherorientierte Modalität: Die Modalformen können fungieren als Direktiva, etwa als Befehle, Bitten, Warnungen etc. (-> Tue X! etc.)
- (1.1.4) agensorientierte Modalität: Die Modalformen können Aussagen machen über „conditions on an agent with regard to the completion of an action“ (Bybee et al. 1994, S. 6). Z.B. können sie ein Geschehnis aussagen als notwendig, erwünscht, erlaubt etc. (-> Du darfst X tun etc.)
- (1.2) Die „nicht-modalen“ Formen dagegen fungieren indikativisch (- „nicht-modal“ ist strenggenommen falsch, da auch der Indikativ zum Modussystem einer Sprache gehört; der Begriff ist nur aus taxonomischen Gründen gewählt): sie drücken ein Geschehen oder einen Sachverhalt sozusagen „modal ungefärbt“ als gegeben aus.
- (1.3) Die Kategorie der Sequentialität ist in der Linguistik schon länger bekannt; in der Slavistik z.B. läuft sie unter dem Begriff der „Handlungskette“. Man bezeichnet mit diesem Begriff sprachliche Formen, die der „Versprachlichung des Nacheinanders von Ereignissen in zeitlicher Folge“ (Gzella 2004, S. 347) dienen.
- (1.4) Auch nicht-sequentielle Formen können innerhalb von Handlungsketten verwendet werden; auch dann aber haben sie eine andere Funktion als die sequentiellen Formen (s. 1.4.1f).
- (1.4.1) Ein Teil der Funktionen von Qatal und Yiqtol ergibt sich aus ihrer Nicht-Sequentialität selbst:
- (1.4.1.1) Qatal und Yiqtol können innerhalb einer Handlungskette einen Sachverhalt oder ein Geschehen aus der Handlungskette „herausheben“; etwa, um so den Höhepunkt einer Handlung zu markieren.
- (1.4.1.2) Qatal und Yiqtol können (a) gnomische Sachverhalte, (b) durative Geschehnisse (- hiermit lässt sich auch die von manchen angenommene „progressive“ Funktion von Yiqtol erklären -) und (c) iterative Geschehnisse ausdrücken.
- (1.4.2) Für einen zweite Funktionsgruppe werden die nicht-sequentiellen Formen verwendet, da sie ob ihrer Nicht-Sequentialität für diese Funktionen „frei geworden sind“. Diese Funktionen werden zusätzlich häufig durch die Wortstellung X - Verb markiert; es kann aber auch zu Ausnahmen kommen.
- (1.4.2.1) Mit Yiqtol und Qatal können sogenannte „Hintergrundsätze“ gebildet werden:
- (1.4.2.1.1) Die nicht-sequentiellen Formen können außerhalb der Handlungskette liegende Sachverhalte und Geschehnisse ausdrücken; seien diese nun (a) vorzeitig oder (b) gleichzeitig (-> „Als X geschehen war...“ / „Als/Während X geschah...“).
- (1.4.2.1.2) Sie können (a) Bedingungen, (b) Gründe und (c) Zwecke ausdrücken. Wegen ihrer Eigenschaften als nicht-modal resp. modal werden für (b) i.d.R. Qatal, für (c) dagegen Yiqtol verwendet, obwohl es auch hier vereinzelte Ausnahmen gibt. (->„Wenn X... [dann]...“; „Weil X... [deshalb]...“; „Y ... um zu X“)
- (1.4.2.2) Subjekt-/Objektwechsel: Auch Subjekt- bzw. Objektwechsel können für einen hebräischen Autor Anlass sein, mit nicht-sequentiellen Formen einen neuen Diskursabschnitt zu markieren.
- (1.4.2.3) Fokusierung: Wird ein neues Thema eingeführt, greift ein hebräischer Autor häufig zu nicht-sequentiellen Formen, da mit dem neuen Thema ein neuer Diskursabschnitt beginnt.
- (1.4.2.4) Topikalisierung: Unter „Topikalisierung“ versteht man die „Umordnung eines Satz- oder Stellungsgliedes aus seiner Position in der neutralen Grundwortstellung in die erste Position im Satz“ (MLS, S. 740). Durch eine solche Umordnung wird mit dem Diskurs-„fluss“ gebrochen, um relevante Redeteile besonders hervorzuheben. Es dient dies allerdings nicht der Emphase, wie gern gesagt wird, sondern gehört in den Bereich der Informationsstruktur eines Textes.
- (1.4.2.1) Mit Yiqtol und Qatal können sogenannte „Hintergrundsätze“ gebildet werden:
- (1.4.3) Erwähnenswert ist für Qatal noch die Verwendung als performatives Qatal: Sprechakte werden im Hebräischen entweder ausgedrückt durch Qatal oder durch Qatal und vorangestelltes (bedeutungsloses) הִנֵּה.
- (1.4.1) Ein Teil der Funktionen von Qatal und Yiqtol ergibt sich aus ihrer Nicht-Sequentialität selbst:
- (1.1) modal hätte man vielleicht besser bezeichnen können als „prädiktiv“: Unter „Modalität“ nämlich fallen die prädiktiven Aussagefunktionen
- (2) Volitive