Gen 31,3-21:
Persönliche Fassung (Sebastian Walter)

Aus Die Offene Bibel

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Dies ist eine individuell verantwortete Textfassung. Sie ist Teil der Offenen Bibel, stammt aber in dieser Version nicht vom Gesamt-Team.

Persönliche Fassung

?. Jakob flieht ein zweites Mal

In den vorangegangenen Erzählabschnitten wurde Jakob reich und kinderreich – vorerst. Doch die Eigentumsfrage ist nicht so klar, wie man sie gerne hätte: Im Arbeitsvertrag, der im vorigen Abschnitt vereinbart wurde, gibt es eine gefährliche Lücke, auf die Weiß auch im nächsten Erzählabschnitt noch mal bestehen wird. Zudem gab es im Alten Israel ein Gesetz, das sich in Ex 21,2-6 nachlesen lässt: Hat ein Dienstherr seinem Diener binnen der sieben Jahre, die dieser bei ihm dienen musste, eine Frau gegeben, und hat diese dem Diener in diesem Zeitraum Kinder geboren, sind rein rechtlich die Frauen und Kinder des Dienstherrn. Zibbe und Kuh, die Jakob zwischen den zweimal sieben Jahren geheiratet hat, liegen damit hart an der Grenze, und das Gleiche gilt damit für seine Söhne. Als Jakob daher wie sein Großvater Abraham in Gen 12,1 von Gott den Befehl zum Aufbruch bekommt, entschließt er sich gewiss auch aus diesem Grund, lieber im Geheimen zu fliehen. Dazu bestellt er seine Frauen Zibbe und Kuh zu seiner Herde – wieder ein Wortspiel mit den Namen seiner Frauen –, um sie zu dieser Flucht zu überreden, indem er ihnen in aller Klarheit die Ungerechtigkeit ihres Vaters und die Gerechtigkeit seiner gerechten Sache vor Augen stellt. Anscheinend macht er dabei seine Sache allerdings noch etwas gerechter, als sie ist – der Traum vom Gottesboten, von dem er ihnen erzählt, wirkt im Erzählverlauf jedenfalls arg so, als hätte Jakob ihn mal eben aus dem Hut gezaubert.
Doch Jakobs Überredungskünste wären gar nicht nötig gewesen; mit einer Stimme machen Zibbe und Kuh kund, dass sie bei Eigentumsfragen ganz ihres Vaters Töchter sind: Gerechte Sache hin oder her, der Besitz von Weiß sollte so und so besser ihnen gehören.
Und so bricht die Familie zur günstigsten Zeit auf, als nämlich Weiß gerade beim Scheren seiner Schafe ist, woran sich im Alten Israel auch noch ein Fest anschloss. Allerdings nicht, ohne dass Zibbe sich en passant noch eben etwas mehr vom Besitz von Weiß unter den Nagel reißt und so die Götterfigürchen ihres Vaters mitgehen lässt. Diese werden im nächsten Erzählabschnitt noch eine größere Rolle spielen.


Charles-Joseph Natoire: Jacob et Rachel quittant la maison de Laban. Ölgemälde, 1732. CC0 via Wikimedia

3 GOTT sprach zu Jakob: „Kehr zurück ins Land deiner Vorfahren und zu deiner Verwandschaft! Ich werde mit dir sein.“
4 Da ließ Jakob Zibbe und Kuh aufs Feld zu seiner Herde kommen 5 und sagte zu ihnen: „Ich sehe am Gesicht eures Vaters, dass er nicht mehr zu mir steht wie früher. Aber der Gott meines Vaters, der war mit mir: 6 Ihr wisst, dass ich eurem Vater mit all meiner Kraft gedient habe. 7 Doch er hat mich betrogen und zehnmal meinen Lohn geändert. Aber Gott hat nicht zugelassen, dass er Böses mit mir tat: 8 Wenn er sagte: ‚Gesprenkelte sollen dein Lohn sein!‘ – dann bekamen alle Tiere gesprenkelte Junge. Und wenn er sagte: ‚Gestreifte sollen dein Lohn sein!‘ – dann bekamen alle Tier gestreifte Junge.
9 Gott hat das Vieh eures Vaters diesem genommen und mir gegeben: 10 Immer, wenn das Vieh brünstig war, hatte ich einen Traum. Darin schaute ich auf und sah: Die Böcke, die das Vieh bestiegen, waren gestreift, gesprenkelt und gescheckt. 11 Und ein Bote Gottes, der kam auch im Traum vor. Er sagte: ‚Jakob!‘, und ich sagte: ‚Ja, ich höre?‘, 12 und dann sagte er: ‚Schau auf, und sieh doch: Alle Böcke, die das Vieh besteigen, sind gestreift, gesprenkelt und gescheckt. Denn ich habe alles gesehen, was Weiß dir angetan hat. 13 Ich bin der Gott von Bet-El, wo du mir die Stele geweiht und dein Gelübde gelobt hast. Jetzt brich auf! Zieh fort aus diesem Land und kehr zurück in das Land deiner Verwandtschaft!‘“
14 Zibbe und Kuh erwiderten: „Uns bindet ja auch nichts mehr an unser Vaterhaus. 15 Wie der uns ausgebeutet hat – ebensogut könnten wir Sklavinnen sein, die er verkauft hat! 16 All der Reichtum, den Gott unserem Vater genommen hat, war also ohnehin das Geld von uns und unseren Söhnen!“


17a So machte sich Jakob an den Aufbruch. 19 Laban war gerade forgegangen, um sein Vieh zu scheren. Da stahl Zibbe die Götzen-Figürchen, die Weiß gehörten, 20 und Jakob stahl die Herzenssachen des Aramäers Weiß, weil er ihm nicht erzählte dass er fliehen würde.
17b Er hob seine Söhne und seine Frauen auf die Kamele 18 und trieb all sein Vieh und all seinen Erwerb, den er im aramäischen Mesopotamien gewonnen hatte, an, um zu seinem Vater Lach ins Land Kanaan zu kommen. 21 So floh er – er und alles, was ihm gehörte. Er brach auf, überquerte den Euphrat und wandte sich in Richtung des Gebirges von Gilead.


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