Jona 1

Aus Die Offene Bibel

Version vom 11. März 2015, 06:04 Uhr von Ben (Diskussion | Beiträge) (Urtextcheck bis V. 11.)
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Lesefassung (Jona 1)

(Jonas Berufung und Flucht)

1Es begab sich einmal, dass ⸂der Gott der Hebräer, unser Herr,⸃ die folgenden Worte zu Jona, Amittais Sohn, sprach: 2„Auf! Eile in die Großstadt Ninive, und rufe die Anklage gegen sie aus. Denn es ist zu mir hinaufgedrungen, wie bösartig sie dort sind!“ 3Da brach Jona schnell auf und floh vor ⸂unserem Herrn⸃ nach Tarschisch. Er ging hinab nach Jafo, wo er ein Schiff fand, das bald in Richtung Tarschisch ablegen sollte. Er zahlte Fährgeld und bestieg das Schiff, um nach Tarschisch zu fahren und von ⸂unserem Gott⸃ wegzukommen.

(Gottes Reaktion)

4Aber als sie auf See waren, ließ ⸂unser Gott⸃ starken Wind aufkommen, der sich zu einem großen Sturm entwickelte. Bald stand das Schiff kurz vor dem Zerbrechen. 5Da fürchteten sich die Seeleute und jeder von ihnen rief die Gottheiten an, an die er glaubte. Selbst die Ladung warfen sie über Bord, um das Schiff leichter zu machen. Jona dagegen war in das Innerste des Schiffes hinabgestiegen, hatte sich hingelegt und schlief tief und fest. 6Da suchte ihn der Kapitän auf und sagte: „Warum schläfst du? Steh auf und rufe deinen Gott an! Vielleicht hilft er uns, so dass wir nicht zugrunde gehen!“ 7Die Seeleute sagten zueinander: „Kommt, lasst uns Lose werfen und so herausbekommen, wessen Schuld es ist, dass uns dieses Unheil trifft!“ Also warfen sie Lose – und das Los fiel auf Jona. 8Sie forderten ihn auf: „Erzähle uns doch, aus welchen Gründen uns dieses Unheil trifft! Was bist du von Beruf, und woher kommst du? Wie heißt dein Land und aus welchem Volk stammst du?“ 9Er antwortete: „Ich bin ein Hebräer, und ⸂unseren Herrn⸃, den Gott des Himmels, der Meer und Land erschaffen hat, verehre ich.“ 10 Da wurden die Männer von Furcht gepackt und begannen, ihm Vorwürfe zu machen: „Warum hast du das getan?“ Denn sie wussten, dass er vor ⸂unserem Herrn⸃ floh, weil er es ihnen erzählt hatte.

(Mann über Bord)

11 Schließlich fragten sie ihn: „Was müssen wir mit dir tun, damit das Meer uns in Ruhe lässt?“ Denn das Meer wurde stürmischer und stürmischer. 12 Jona antwortete ihnen: „Packt mich und werft mich ins Meer, dann wird es euch in Ruhe lassen. Denn ich weiß, dass ihr nur wegen mir in diesen großen Sturm geraten seid.“ 13 Aber die Männer ruderten heftig, um zum Festland zurückzukommen. Doch es gelang ihnen nicht, denn noch immer wurde das Meer stürmischer und stürmischer. 14 Und sie schrien zu ⸂dem Herrn⸃: „Ach ⸂Herr⸃, bitte lass uns doch nicht wegen dieses Mannes umkommen! Mache uns nicht für seinen Tod verantwortlich, denn Du, ⸂Herr⸃, tust, wie es dir gefällt!“ 15 Da packten sie Jona und warfen ihn ins Meer, und die See beruhigte sich. 16 Da bekamen die Männer Ehrfurcht vor ⸂unserem Herrn⸃, brachten ihm ein Opfer dar und legten Gelübde ab.

Anmerkungen

Studienfassung (Jona 1)

1Und das Wort JHWHs ginga an Jona, Amittais Sohn {mit den Worten}: 2„Brich auf (Auf!), gehe in die große Stadt Ninive und rufe [die Anklage] gegen sieb, weil ihrec Bosheit (bösen Taten) vor mich gekommen ist.“ 3Da brach Jona auf, um vor JHWH nach Tarschischd zu fliehen, und ging hinab [nach] Jafo. {und} Er traf aufe ein Schiff, das im Begriff war, nach Tarschisch zu fahrenf, {und} zahlte sein Fährgeld und bestieg es, um mit ihneng nach Tarschisch zu fahren, weg von JHWH. 4Aber (da) JHWH ließ einen großen Wind auf das Meer losh, und es kam ein so großer Sturm auf dem Meer auf, dass (und) das Schiff zu zerbrechen drohte.i5Da fürchteten sich die Seeleute und riefen jeder zu seinem Gott (seinen Göttern). {und} Sie warfen die Gegenstände (Ladung, Ausrüstung)j, die auf dem Schiff [waren], ins Meer, um [das Schiff] {von ihnen} leichter zu machenk. Derweil (und) war Jona hinab in den Rumpf (unter Deck)l des Schiffes gestiegen, {und} hatte sich hingelegt und schlief tief und fest. 6Da kam der Oberste der Seeleutem in seine Nähen und fragte (sprach) {zu ihm}: „Warum schläfst du?o Steh auf [und] rufe zu deinem Gott, vielleicht schenkt der Gott uns ja Beachtung, so dass (und) wir nicht umkommen (sterben)!“ 7Und sie sagten zueinanderp: „Kommt, {und} wir werfen Lose, damit (und) wir herausfinden, wie es kommt (wer daran schuld ist), dassq uns so ein Unheil [geschieht]!“ Und (also) sie warfen Lose und das Los fiel auf Jona. 8Da sagten sie zu ihm: „Sag uns doch, wie es kommt, dassq uns so ein Unheil [geschieht]! Was [ist] dein Berufr und woher kommst du? Was [ist] dein Land und von welchem Volk [bist] du?“ 9Da entgegnete (sagte) er {zu ihnen}: „Ich [bin] ein Hebräer und verehre (fürchte) JHWH, den Gott des Himmelss, der das Meer und das Land (Festland) erschaffen hat.“ 10 Da gerieten die Männer in große Furchtt und sagten zu ihm: „Warum hast du das getan?“ Denn die Männer wussten, dass er vor JHWHu auf der Flucht war, weil er [es] ihnen erzählt hatte.v11 Da (also) sagten sie zu ihm: „Was müssen wir mit dir tun, damit das Meer sich beruhigt [und] von uns ablässt (ruht)?“ Denn das Meer stürmte immer heftiger (immer weiter)w! 12 Da sagte er zu ihnen: „Nehmt mich und werft mich ins Meer, dann wird das Meer von euch ablassen (ruhen). Denn ich weiß, dass dieser große Sturm wegen mir über euch [gekommen ist].“ 13 Stattdessen ruderten die Männer [gegen den Sturm] an, um zurück ans Festland zu kommen, aber sie schafften [es] nicht, weil das Meer stürmte immer heftiger (immer weiter)x auf sie zu. 14 Und (da) sie schrien zu JHWH {und sprachen}: „Ach JHWH, wir wollen doch nicht umkommen wegen des Lebens (der Seele) dieses Mannes! {und} Lege kein unschuldiges Blut auf uns, denn du, (denn du bist) JHWH, tust (hast du getan) {so}, wie es dir gefällt (gefallen hat)!“ 15 Da nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer, und das Meer beruhigte sich von seinem Toben. 16 Da gerieten die Männer in große Furcht vor JHWH und brachten ihm ein Opfer dar und legten Gelübde ab.y

Anmerkungen

aDie Wortwahl klang vermutlich bereits zur Zeit der Entstehung des Jona-Buches etwas altmodisch und kann im Sinne von „Es war einmal …“ verstanden werden (Golka 22007, 48). So erklärt sich der Anfang mit „und“. (Zurück zu v.1)
brufe [die Anklage] gegen sie Die Formulierung „rufen gegen“ (קרא על) wird an anderen Stellen der hebräischen Bibel zur Bezeichnung von Anklagen (Dtn 15,9, Dtn 24,15, 1 Kön 13,2) und Angriffsrufen (Klgl 1:15, Ez 38,21) verwendet. (Zurück zu v.2)
cihre bezieht sich im Hebräischen nicht auf die Stadt, sondern auf ein nicht genanntes Objekt in der dritten Person Plural, wahrscheinlich ihre Bewohner (Hebr. יֹשְׁבִים; Constructio ad sensum). Am Sinn ändert das jedoch nichts. (Zurück zu v.2)
dTarschisch lag vermutlich in Südspanien, also in entgegengesetzter Richtung und am anderen Ende des Mittelmeers. (Zurück zu v.3)
etraf auf Oder „fand“. Gemeint ist jedoch nicht das Ergebnis einer Suche, sondern ein Finden im Sinne des zufälligen Antreffens (Price 1978, 52). (Zurück zu v.3)
fdas im Begriff war ... zu fahren ist die freie Wiedergabe eines Partizips, das etwa dasselbe bedeutet. (Zurück zu v.3)
gmit ihnen D.h. mit der Besatzung. Aus dieser Wendung lässt sich vielleicht schließen, dass Jona Teil der Besatzung wurde (Price 1978, 52). (Zurück zu v.3)
hließ ... los W. etwa "schleuderte". (Zurück zu v.4)
iIm Hebräischen ist hier ein Anklang oder Wortspiel, der sich auf Deutsch am ehesten mit einem Reim wiedergeben ließe, z.B.: „so kam das Boot in große Not“ (Zurück zu v.4)
jGegenstände (Ladung, Ausrüstung) Viele Übersetzungen entscheiden sich für „Ladung“, aber das zugrunde liegende hebräische Wort bezeichnet recht allgemein Gegenstände, bei denen es sich hier sowohl (aber nicht nur) um die Ladung als auch um die Ausrüstung handeln könnte (vgl. Price 1978, 56. (Zurück zu v.5)
kum [das Schiff] {von ihnen} leichter zu machen W. „um [sich/das Schiff] von ihnen (d.h. ihrer) zu erleichtern“. Einige Übersetzungen: „um die Gefahr zu verringern“ (z.B. GNB). (Zurück zu v.5)
lin den Rumpf (unter Deck) Das Wort bezeichnet quasi die hinterste Ecke oder den untersten Raum (so , ELB) des Schiffs, wo Jona seine Ruhe hatte. Wie groß das Schiff war, ist schwer abzuschätzen. GNB: „nach unten“. (Zurück zu v.5)
mder Oberste der Seeleute D.h. wohl der Kapitän. (Zurück zu v.6)
nkam ... in seine Nähe Das Verb heißt eigentlich „näherkommen“ oder „zu jmdm. kommen“. Hier ist es offenbar so zu verstehen, dass der Mann zufällig auf Jona stieß (Price 1978, 58). (Zurück zu v.6)
oWarum schläfst du? Wörtlich: Was [ist mit] dir, (fest) Schlafender? Die Frage hat einen zurechtweisenden Tonfall (Preice 1978, 58. (Zurück zu v.6)
pzueinander W. „einer/ein jeder zu seinem Nachbarn/Nächsten“. (Zurück zu v.7)
qwie es kommt, dass (V. 7 und 8) bzw. wer daran schuld ist, dass gibt eine Anhäufung von Partikeln wieder, die sich nicht wörtlich übersetzen lässt. Sie fragt im Grunde nach der Verantwortlichkeit (vgl. GK §150k). (Zurück zu v.7 / zu v.8)
rWas [ist] dein Beruf oder vielleicht „Was ist deine Mission“ im Sinne von „Was machst du eigentlich auf diesem Schiff?“ (Price 1978, 61). (Zurück zu v.8)
s„Himmelsgott“ ist in der persischen Verwaltungssprache die amtliche Bezeichung für den Gott der Juden (Golka 22007, 56). (Zurück zu v.9)
tWörtl. „fürchteten sie große Furcht“, eine figura ethymologica. (Zurück zu v.10)
uvor JHWH Die Betonung (Kursivschreibung) ist auf die hebräische Satzstellung zurückzuführen. Dieser Zusammenhang ist also der Grund für das Erschrecken der Seeleute. (Zurück zu v.10)
vweil er [es] ihnen erzählt hatte Dieser Satzteil müsste in einem geordneteren Text am Anfang des Verses stehen. Er gehört wohl eigentlich zu Jonas Äußerung im vorhergehenden Vers. Anders ist gar nicht zu verstehen, warum die Seeleute so große Angst bekamen (vgl. Price 1978, 64). GNB (vgl. NLB) stellt diese Information tatsächlich an den Anfang: „Er sagte ihnen auch, dass er auf der Flucht vor dem Herrn war. Da ...“ (Zurück zu v.10)
wstürmte immer heftiger Hier stehen im Hebräischen zwei Partizipien nebeneinander: „gehend und stürmend“. Das Pt. von הלך mit einem anderen Pt. drückt Fortdauer oder Steigerung aus. (Zurück zu v.11)
xHier stehen im Hebräischen zwei Partizipien nebeneinander: „gehend stürmend“. Das Pt. von הלך mit einem anderen Pt. drückt Fortdauer oder Steigerung aus. (Zurück zu v.13)
yDieser Vers strotzt geradezu vor figurae ethymologicae: Da fürchteten sie große Furcht und da opferten sie Opfer und da gelobten sie Gelübde. (Zurück zu v.16)