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{{S|4}} Nachdem er einen [ganzen] Tag lang<ref>''einen [ganzen] Tag lang'' - W. „den Weg eines Tages“.</ref> in die Wüste gelaufen war, {kam er und}<ref name="34" /> setzte er sich unter einen einsamen<ref>''einen einsamen'' - w. „unter ''einen''“ mit Numerale statt unbest. Artikel; zur Bed. „einsam“ vgl. richtig Gray 1970; Knauf 2019.</ref> Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, {{par|Numeri|11|5}} {{par|Jona|4|8}} [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!<ref>''Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)'' - Ein unerhörter Ausruf. Man sieht das schon daran, dass die Vrs. zu unterschiedlichen Strategien griffen, um ihn abzuschwächen.<br />'''Textkritik''': Nämlich: (1) LXX<sup>L</sup> streicht das „JHWH“, was die mit MT übereinstimmenden VL und das LXX-Ms c2 als sekundär erweisen; (2) die anderen LXX-Mss verschieben das Wort nach „nimm mein Leben von mir“, (3) die Vorlagen von VUL und Syr ergänzen ein ''li'' (w. „[Genug] für mich“, also „Ich kann nicht mehr!“), (4) Tg kombiniert mehrere Strategien, indem er erstens ebenfalls das ''li'' ergänzt und zweitens die ganze Wortfolge „jetzt, JWHW“ nach hinten schiebt.<br />'''tFN''': Der trennende Akzent zwischen „genug“ und „jetzt“ spricht nicht gegen diese Auflösung; er rührt daher, dass „JHWH“ als Vokativ mit dem vorangehenden Wort verbunden werden und daher ein trennender Akzent andernsorts und daher eben hier stehen muss.</ref> Nimm mein Leben ([von mir]),<ref>'''Textkritik''': ''von mir'' nach LXX und 1 Ms; assim-[[Jona 4#s3 |Jon 4,3]].</ref> {{par|Jona|4|3}} {{par|Tobit|3|6}} denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“<ref>''ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)'' - entweder also: (1) „offensichtlich bin ich nichts Besonderes“, die Verzweiflung hat ihm den Glauben genommen, Instrument für Gottes wunderbares Handeln zu sein (z.B. Cogan 2001). (2) „Ich bin nicht besser dran als meine Vorfahren“: wie sie gestorben sind, bin nun auch ich dem Tode nahe! (so z.B. Hauser 1990, S. 63). So schon JosAnt §348: „Er verlangte nach dem Tod, da er nicht besser als seine Väter sei und nach deren Heimgang keine Freude mehr am Leben habe.“ (3) „Ich bin nicht besser als meine Vorgänger“, ich habe nicht mehr erreicht als die Propheten vor mir! (so Jeremias 1996, S. 487; Dharamraj 2006, S. 53; Thiel 2007), was allerdings nur funktioniert, wenn man wirklich aus [[2 Könige 2#s12 |2 Kön 2,12]] ableiten kann, dass ein Prophet seine Vorgänger als seine „Väter“ bezeichnen konnte, und das ist sehr unsicher. Mindestens zwischen (1) und (2) wird man sich gar nicht entscheiden müssen, sondern wird hier beides hören dürfen.</ref> | {{S|4}} Nachdem er einen [ganzen] Tag lang<ref>''einen [ganzen] Tag lang'' - W. „den Weg eines Tages“.</ref> in die Wüste gelaufen war, {kam er und}<ref name="34" /> setzte er sich unter einen einsamen<ref>''einen einsamen'' - w. „unter ''einen''“ mit Numerale statt unbest. Artikel; zur Bed. „einsam“ vgl. richtig Gray 1970; Knauf 2019.</ref> Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, {{par|Numeri|11|5}} {{par|Jona|4|8}} [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!<ref>''Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)'' - Ein unerhörter Ausruf. Man sieht das schon daran, dass die Vrs. zu unterschiedlichen Strategien griffen, um ihn abzuschwächen.<br />'''Textkritik''': Nämlich: (1) LXX<sup>L</sup> streicht das „JHWH“, was die mit MT übereinstimmenden VL und das LXX-Ms c2 als sekundär erweisen; (2) die anderen LXX-Mss verschieben das Wort nach „nimm mein Leben von mir“, (3) die Vorlagen von VUL und Syr ergänzen ein ''li'' (w. „[Genug] für mich“, also „Ich kann nicht mehr!“), (4) Tg kombiniert mehrere Strategien, indem er erstens ebenfalls das ''li'' ergänzt und zweitens die ganze Wortfolge „jetzt, JWHW“ nach hinten schiebt.<br />'''tFN''': Der trennende Akzent zwischen „genug“ und „jetzt“ spricht nicht gegen diese Auflösung; er rührt daher, dass „JHWH“ als Vokativ mit dem vorangehenden Wort verbunden werden und daher ein trennender Akzent andernsorts und daher eben hier stehen muss.</ref> Nimm mein Leben ([von mir]),<ref>'''Textkritik''': ''von mir'' nach LXX und 1 Ms; assim-[[Jona 4#s3 |Jon 4,3]].</ref> {{par|Jona|4|3}} {{par|Tobit|3|6}} denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“<ref>''ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)'' - entweder also: (1) „offensichtlich bin ich nichts Besonderes“, die Verzweiflung hat ihm den Glauben genommen, Instrument für Gottes wunderbares Handeln zu sein (z.B. Cogan 2001). (2) „Ich bin nicht besser dran als meine Vorfahren“: wie sie gestorben sind, bin nun auch ich dem Tode nahe! (so z.B. Hauser 1990, S. 63). So schon JosAnt §348: „Er verlangte nach dem Tod, da er nicht besser als seine Väter sei und nach deren Heimgang keine Freude mehr am Leben habe.“ (3) „Ich bin nicht besser als meine Vorgänger“, ich habe nicht mehr erreicht als die Propheten vor mir! (so Jeremias 1996, S. 487; Dharamraj 2006, S. 53; Thiel 2007), was allerdings nur funktioniert, wenn man wirklich aus [[2 Könige 2#s12 |2 Kön 2,12]] ableiten kann, dass ein Prophet seine Vorgänger als seine „Väter“ bezeichnen konnte, und das ist sehr unsicher. Mindestens zwischen (1) und (2) wird man sich gar nicht entscheiden müssen, sondern wird hier beides hören dürfen.</ref> | ||
{{S|5}} Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).<ref>'''Textkritik''': ''unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?)'' - MT, LXX<sup>H</sup>, εβρ, VUL, Tg, Syr: „er schlief unter einem einsamen Ginsterbusch.“ LXX<sup>B</sup> dagegen: „er schlief ''dort'' unter dem Busch“, LXX<sup>L</sup> „er schlief unter dem Busch ''dort''“. Ganz merkwürdig leitet die Mehrzahl der Exegeten ''hieraus'' ab, dass entweder sowohl „unter einem einsamen Ginsterbusch“ als auch „dort“ sekundär seien oder sogar, dass „dort“ ursprünglich und „unter einem (einsamen) Ginsterbusch“ sekundäre Angleichung an V. 4 sei. So z.B. Stade/Schwally, BHK, BHS, Trebolle Barrera 1989; auch Würthwein 1984, Cogan 2001, Thiel 2007. Weit wahrscheinlicher stand in einer Handschrift ''šam'' am Rand, sollte die ungewöhnliche Wiederholung des „einsamen Ginsterbuschs“ ersetzen und ist daher an unterschiedlichen Orten in die Vorlagen von LXX<sup>B</sup> und LXX<sup>L</sup> geraten. Dass LXX den „Ginsterbusch“ hier mit einem anderen Nomen als in V. 4 übersetzt und „ein“ streicht, wird aus den selben stilistischen Gründen geschehen sein.</ref> Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)<ref>'''Textkritik''': „Ein Bote“ nach MT, Aq, Sym, Tg, Syr; ähnlich VUL wie in V. 7: „ein Bote JHWHs“. LXX dagegen einheitlich: ''tis'', „jemand“; ebenso JosAnt §349 („etwas Unsichtbares“). Trotz dieser starken Bezeugung ist wahrscheinlich die LXX-Variante ursprünglich und die MT-Variante unvollständige Assimilation an V. 7; so richtig Trebolle Barrera 1989, S. 144; Hugo 2010, S. 19; z.B. auch DeVries 2004.</ref> stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ | {{S|5}} Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).<ref>'''Textkritik''': ''unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?)'' - MT, LXX<sup>H</sup>, εβρ, VUL, Tg, Syr: „er schlief unter einem einsamen Ginsterbusch.“ LXX<sup>B</sup> dagegen: „er schlief ''dort'' unter dem Busch“, LXX<sup>L</sup> „er schlief unter dem Busch ''dort''“. Ganz merkwürdig leitet die Mehrzahl der Exegeten ''hieraus'' ab, dass entweder sowohl „unter einem einsamen Ginsterbusch“ als auch „dort“ sekundär seien oder sogar, dass „dort“ ursprünglich und „unter einem (einsamen) Ginsterbusch“ sekundäre Angleichung an V. 4 sei. So z.B. Stade/Schwally, BHK, BHS, Trebolle Barrera 1989; auch Würthwein 1984, Cogan 2001, Thiel 2007. Weit wahrscheinlicher stand in einer Handschrift ''šam'' am Rand, sollte die ungewöhnliche Wiederholung des „einsamen Ginsterbuschs“ ersetzen und ist daher an unterschiedlichen Orten in die Vorlagen von LXX<sup>B</sup> und LXX<sup>L</sup> geraten. Dass LXX den „Ginsterbusch“ hier mit einem anderen Nomen als in V. 4 übersetzt und „ein“ streicht, wird aus den selben stilistischen Gründen geschehen sein.</ref> Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)<ref>'''Textkritik''': „Ein Bote“ nach MT, Aq, Sym, Tg, Syr; ähnlich VUL wie in V. 7: „ein Bote JHWHs“. LXX dagegen einheitlich: ''tis'', „jemand“; ebenso JosAnt §349 („etwas Unsichtbares“). Trotz dieser starken Bezeugung ist wahrscheinlich die LXX-Variante ursprünglich und die MT-Variante unvollständige Assimilation an V. 7; so richtig Trebolle Barrera 1989, S. 144; Hugo 2010, S. 19; z.B. auch DeVries 2004.</ref> stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ | ||
{{S|6}} Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)<ref>''zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)'' - Zur Alternative: Im Heb. steht die Nahrung auf Elijas ''mero`š'', einer Wortbildung aus ''ro`š'' („Kopf“) und dem Lokal-Präfix ''m-''. Vgl. z.B. ''zabal'' „wohnen“ > ''mizbal'' „Wohnort“, ''satar'' „verstecken“ > ''mistar'' „Versteck“ und v.a. ''šakab'' „liegen“ > ''miškab'' „Liegeort“ = „Bett“; entsprechend dann hier ''ro`š'' „Kopf“ > ''mero`š'' „Kopf-Ort“ = Kissen? So jedenfalls Syr: ''`essad'' „Kopfstütze, Kissen“. Gemeint sein könnte etwas wie der Stein des Jakob, vgl. [[Genesis 28#s11 |Gen 28,11]] mit dem selben Wort, was nicht heißen muss: „er nahm einen Stein und legte ihn nieder an seinem Kopf-Ort“, sondern auch bedeuten könnte: „... und legte ihn nieder als sein Kissen“. In vielen Kulturen nimmt man beim Nächtigen im Freien auch heute noch einen Stein oder ein Stück Holz als Kopfstütze; einerseits, weil selbst dies bequemer ist, als den Kopf direkt auf den Boden zu legen (wie jeder Camper bestätigen können wird), andererseits aber wohl auch, damit bspw. Skorpione nicht so leicht an den Kopf des:der Schlafenden gelangen können. Vgl. noch [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13]]: „Michal nahm den Teraphim, legte ihn ins Bett und das Geflecht aus Ziegenhaar auf sein [=des Bettes] ''mero`š'' und deckte ihn/es mit einer Decke zu.“ (auch V. 16) – deutet man als „Kissen“, muss man nicht annehmen, dass ein Teraphim einen „Kopf“ hat. In [[1 Samuel 26#s7 |1 Sam 26,7]].11f.26 dagegen wäre schon wie üblich „zu seinem Haupte“ zu übersetzen. Ich (S.W.) halte diese Deutung an allen drei Stellen für besser; so übersetzt hier aber niemand, daher besser auch nicht OfBi.</ref> [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [ | {{S|6}} Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)<ref>''zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)'' - Zur Alternative: Im Heb. steht die Nahrung auf Elijas ''mero`š'', einer Wortbildung aus ''ro`š'' („Kopf“) und dem Lokal-Präfix ''m-''. Vgl. z.B. ''zabal'' „wohnen“ > ''mizbal'' „Wohnort“, ''satar'' „verstecken“ > ''mistar'' „Versteck“ und v.a. ''šakab'' „liegen“ > ''miškab'' „Liegeort“ = „Bett“; entsprechend dann hier ''ro`š'' „Kopf“ > ''mero`š'' „Kopf-Ort“ = Kissen? So jedenfalls Syr: ''`essad'' „Kopfstütze, Kissen“. Gemeint sein könnte etwas wie der Stein des Jakob, vgl. [[Genesis 28#s11 |Gen 28,11]] mit dem selben Wort, was nicht heißen muss: „er nahm einen Stein und legte ihn nieder an seinem Kopf-Ort“, sondern auch bedeuten könnte: „... und legte ihn nieder als sein Kissen“. In vielen Kulturen nimmt man beim Nächtigen im Freien auch heute noch einen Stein oder ein Stück Holz als Kopfstütze; einerseits, weil selbst dies bequemer ist, als den Kopf direkt auf den Boden zu legen (wie jeder Camper bestätigen können wird), andererseits aber wohl auch, damit bspw. Skorpione nicht so leicht an den Kopf des:der Schlafenden gelangen können. Vgl. noch [[1 Samuel 19#s13 |1 Sam 19,13]]: „Michal nahm den Teraphim, legte ihn ins Bett und das Geflecht aus Ziegenhaar auf sein [=des Bettes] ''mero`š'' und deckte ihn/es mit einer Decke zu.“ (auch V. 16) – deutet man als „Kissen“, muss man nicht annehmen, dass ein Teraphim einen „Kopf“ hat. In [[1 Samuel 26#s7 |1 Sam 26,7]].11f.26 dagegen wäre schon wie üblich „zu seinem Haupte“ zu übersetzen. Ich (S.W.) halte diese Deutung an allen drei Stellen für besser; so übersetzt hier aber niemand, daher besser auch nicht OfBi.</ref> [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]<ref>''auf Kohle (Glühsteinen) [gebacken]'' - VUL legt nahe, wie dies zu verstehen ist: ''subcinericius panis'', ein „Unter-Aschen-Brot“. Gemeint ist mit dem Wort dann wie in [[Jesaja 6#s6 |Jes 6,6]] ''Kohle'' (so EÜ: „ein Brot, das in glühender Asche gebacken war“), also kein „Glühstein“, der das Pendant einer Pfanne wäre (so Knauf 2019, auch NL: „ein Stück auf heißen Steinen gebackenes Brot“), was sich ohnehin schlecht mit dem Pl. verträgt, und das Brot ein „Aschenbrot“, das man buk, indem man es direkt auf die Kohle gab und weitere Kohle darüber häufte, damit er von beiden Seiten erhitzt wird (wie ebenfalls noch heute in vielen Kulturen, Abb. z.B. auf dem Blog [https://anthrochef.com/2017/08/11/ash-bread/ Anthrochef]). Erwähnt wird sie dann nicht, weil „Glühstein-Brot“ ''besseres'' Brot war, sondern weil durch die Formulierung die „Kohle“ (heiß) und das „Wasser“ (kalt) eine Art Merismus bilden: „ein Fladen der Kohle und eine Krug des Wassers“. Gleichzeitig ist die Formulierung chiastisch: (A) Nahrung – (B) Instrument – (B') Instrument – (A') Nahrung. Im Deutschen lässt sich das leicht nachbilden: „Ein Aschenbrot und ein Wasserkrug“. S. noch übernächste FN: V. 6 ist offensichtlich gehobene, kunstvoll formulierte Prosa.</ref> Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])<ref>'''Textkritik''': ''er stand auf'' nur nach LXX (außer LXX<sup>H</sup>), VL; assim-V. 5.</ref> aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.<ref>''er trank und kehrte um und legte sich'' - „kehrte um und legte sich“ i.S.v. „er legte sich wieder“ ist eine ganz gewöhnliche Konstr. im Heb.; hier aber auffällig, da das Ende des Verses so stark assonant ist: ''wajješt wajjašab wajjiškab''.</ref> | ||
{{S|7}} Und es kam zurück der Bote (Engel)<ref>''Bote (Engel)'' - W. „Bote“. „Boten Gottes“ übersetzt man in dt. Üss. meist (und auch hier stets) mit „Engel“, denn solche sind dann fast stets gemeint. Folgt man mit der SF hier in V. 2 den Vrs., die auch Isebel einen „Boten“ schicken lassen, sollte man durchaus auch hier so übersetzen, dass diese Parallelität erkennbar wird; hält man dagegen das „Bote“ dort für sekundär, ist es hier gleich und man sollte besser mit „Engel“ übersetzen.</ref> JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit<ref>''zu weit'' - w. „genug“, das selbe Wort, das Elija Gott in V. 4 entgegengeschleudert hat. Wenn möglich, sollte das in der LF erkennbar sein. Vielleicht: „Sonst ist's nicht genug für deinen weiten Weg“? Oder wie B-R: „Erheb dich, iß, genug noch hast du des Wegs.“</ref> für dich der Weg!“ | {{S|7}} Und es kam zurück der Bote (Engel)<ref>''Bote (Engel)'' - W. „Bote“. „Boten Gottes“ übersetzt man in dt. Üss. meist (und auch hier stets) mit „Engel“, denn solche sind dann fast stets gemeint. Folgt man mit der SF hier in V. 2 den Vrs., die auch Isebel einen „Boten“ schicken lassen, sollte man durchaus auch hier so übersetzen, dass diese Parallelität erkennbar wird; hält man dagegen das „Bote“ dort für sekundär, ist es hier gleich und man sollte besser mit „Engel“ übersetzen.</ref> JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit<ref>''zu weit'' - w. „genug“, das selbe Wort, das Elija Gott in V. 4 entgegengeschleudert hat. Wenn möglich, sollte das in der LF erkennbar sein. Vielleicht: „Sonst ist's nicht genug für deinen weiten Weg“? Oder wie B-R: „Erheb dich, iß, genug noch hast du des Wegs.“</ref> für dich der Weg!“ | ||
{{S|8}} Da stand er auf ({stand er auf}<ref>'''Textkritik''': ohne „stand er auf“ nur LXX<sup>H</sup>, assim-V. 6.</ref>) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.<ref>'''Textkritik''': LXX<sup>B, L, H</sup>: „Berg Horeb“. Dagegen MT, LXX<sup>A</sup>, VL, εβρ, Tg, VUL, Syr: „Gottesberg Horeb“, assim-[[Exodus 3#s1 |Ex 3,1]]. So auch Stade/Schwally; Hugo 2010. Umgekehrt ist ein spätererer Ausfall kaum erklärlich (eine Kombination aus App. + Constr. ist mitnichten „schwierig“ – so Thiel 2007 –, sondern ganz gewöhnlich und sehr häufig im Heb.). JosAnt §349 übrigens „Sinai“. Man könnte versucht sein, damit die Position sehr weniger Ausleger zu stützen, die glauben, nicht „Gottes-“, sondern „''Horeb''“ sei hier sekundär, aber wahrscheinlich wird man diese Üs. von Josephus eher als freie Übersetzung werten müssen, da der Horeb häufiger „Sinai“ genannt und daher besser unter diesem Namen bekannt war.</ref> | {{S|8}} Da stand er auf ({stand er auf}<ref>'''Textkritik''': ohne „stand er auf“ nur LXX<sup>H</sup>, assim-V. 6.</ref>) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.<ref>'''Textkritik''': LXX<sup>B, L, H</sup>: „Berg Horeb“. Dagegen MT, LXX<sup>A</sup>, VL, εβρ, Tg, VUL, Syr: „Gottesberg Horeb“, assim-[[Exodus 3#s1 |Ex 3,1]]. So auch Stade/Schwally; Hugo 2010. Umgekehrt ist ein spätererer Ausfall kaum erklärlich (eine Kombination aus App. + Constr. ist mitnichten „schwierig“ – so Thiel 2007 –, sondern ganz gewöhnlich und sehr häufig im Heb.). JosAnt §349 übrigens „Sinai“. Man könnte versucht sein, damit die Position sehr weniger Ausleger zu stützen, die glauben, nicht „Gottes-“, sondern „''Horeb''“ sei hier sekundär, aber wahrscheinlich wird man diese Üs. von Josephus eher als freie Übersetzung werten müssen, da der Horeb häufiger „Sinai“ genannt und daher besser unter diesem Namen bekannt war.</ref> | ||
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im Feuer [ist] JHWH nicht.<br /> | im Feuer [ist] JHWH nicht.<br /> | ||
Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind offensichtlich bewusst in Anlehnung an und mit vielen Anspielungen auf [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert worden, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Hiervon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br /> | Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind offensichtlich bewusst in Anlehnung an und mit vielen Anspielungen auf [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert worden, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Hiervon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br /> | ||
Diese ''daqqah-demamah'' spezifiziert insgesamt ''qol'', dieser ist also ist ein „''daqqah-demamah-qol''“. ''demamah'' nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ ''damam'' (s. gleich). ''damam'' ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem ''u'' oder ''i'' zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: ''dūm'') und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und ''h'' oder ''`'' als drittem Konsonant, hier also ''damah''): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie ''damam''), ein Wort IūII (wie ''dūm'') und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie ''damah'') das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein ''damam'' mit Bedeutung A und ein zweites ''damam'' mit der selben Bedeutung B wie ein Wort ''dūm'' gäbe.<br />'''Insgesamt''' dann: Bei unserem Wort ''demamah'' könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die ''Abwesenheit'' von Geräusch oder Bewegung, wie z.B. in der „Windstille“. S. in Ges18 s.v. ''damam'' I, das aber wahrscheinlich besser als ''dūm'' zu führen wäre). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“ (B-R: „eine Stimme verschwebenden Schweigens“; NeÜ: „der Ton eines dahinschwebenden Schweigens“). Sicher nicht: „sanfte Leis-heit“, wie in allen anderen dt. Üss. gedeutet wird; zu behaupten, ein ''qol demamah'' sei eine „leise Stimme“, ist, als würde man sagen, der „weiße Rappe“ sei ein „hellgraues Pferd“.<br />(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.<br />(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. ''damam'' II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. ''damah'' II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.<br />(4) „klagen“ (''damam'' III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von ''damam'' zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zur Üs. „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten.<br />(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. ''damah'' I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. ''demamah'' wäre dann eine Variante des ''demut'' Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht ''genau'' das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die ''demut'' ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.<br />Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man '''Vergleichsstellen''' heranziehen. Herangezogen wurden:<br />(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, ''zunächst'' habe Stille geherrscht, ''danach'' habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.<br />(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in ''demamah'' und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, ''demamah'' also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von ''daqqah''-Windstille“.<br />(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren ''qol'', Fluten erhoben ihre ''daki''.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: ''daki'' kommt von ''dakka`'', einer Nebenform von ''daqaq'' (s.o.). Auch hier also stehen ''qol'' und ''daqaq'' beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.<br />(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher ''qol demamah'' zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher ''qol demamah''. [...] Und der ''qol demamah'' des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und ''qol demamah'' des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises''“. Vgl. auch frg. 19: „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige ''qol demamah'' des Segens Gottes''“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher ''demamah'' stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, ''wonach'' laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. ''šaqaṭ'', ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade ''nicht'' an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie ''qol demamah'', also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ ''meinen'', obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass ''demamah'' stets zwischen ''qol'' und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden ''demamah''-Abschnitte einen ''demut''-und''mare`'' („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte ''das Aussehen'' von Feuer. ... Um sie herum war ''etwas Ähnliches'' wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier ''demamah'' also wirklich eine Variante von ''demut'': „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da ''quasi''-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein ''quasi''-göttlicher Klang. ... Und ein Klang ''wie von'' Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und ''etwas wie'' Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.''“ und „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang ''wie von'' friedvollem Segen Gottes.''“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie es nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als ''qol demamah'' an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.</ref> | Diese ''daqqah-demamah'' spezifiziert insgesamt ''qol'', dieser ist also ist ein „''daqqah-demamah-qol''“. ''demamah'' nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ ''damam'' (s. gleich). ''damam'' ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem ''u'' oder ''i'' zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: ''dūm'') und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und ''h'' oder ''`'' als drittem Konsonant, hier also ''damah''): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie ''damam''), ein Wort IūII (wie ''dūm'') und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie ''damah'') das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein ''damam'' mit Bedeutung A und ein zweites ''damam'' mit der selben Bedeutung B wie ein Wort ''dūm'' gäbe.<br />'''Insgesamt''' dann: Bei unserem Wort ''demamah'' könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die ''Abwesenheit'' von Geräusch oder Bewegung, wie z.B. in der „Windstille“. S. in Ges18 s.v. ''damam'' I, das aber wahrscheinlich besser als ''dūm'' zu führen wäre). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“ (B-R: „eine Stimme verschwebenden Schweigens“; NeÜ: „der Ton eines dahinschwebenden Schweigens“). Sicher nicht: „sanfte Leis-heit“, wie in allen anderen dt. Üss. gedeutet wird; zu behaupten, ein ''qol demamah'' sei eine „leise Stimme“, ist, als würde man sagen, der „weiße Rappe“ sei ein „hellgraues Pferd“.<br />(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.<br />(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. ''damam'' II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. ''damah'' II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.<br />(4) „klagen“ (''damam'' III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von ''damam'' zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zur Üs. „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat erstens den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten, und zweitens den, dass dann der ''qol'' in weit größere Nähe zum ''qol'' in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] rückt.<br />(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. ''damah'' I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. ''demamah'' wäre dann eine Variante des ''demut'' Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht ''genau'' das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die ''demut'' ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.<br />Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man '''Vergleichsstellen''' heranziehen. Herangezogen wurden:<br />(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, ''zunächst'' habe Stille geherrscht, ''danach'' habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.<br />(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in ''demamah'' und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, ''demamah'' also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von ''daqqah''-Windstille“.<br />(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren ''qol'', Fluten erhoben ihre ''daki''.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: ''daki'' kommt von ''dakka`'', einer Nebenform von ''daqaq'' (s.o.). Auch hier also stehen ''qol'' und ''daqaq'' beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.<br />(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher ''qol demamah'' zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher ''qol demamah''. [...] Und der ''qol demamah'' des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und ''qol demamah'' des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises''“. Vgl. auch frg. 19: „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige ''qol demamah'' des Segens Gottes''“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher ''demamah'' stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, ''wonach'' laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. ''šaqaṭ'', ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade ''nicht'' an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie ''qol demamah'', also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ ''meinen'', obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass ''demamah'' stets zwischen ''qol'' und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden ''demamah''-Abschnitte einen ''demut''-und''mare`'' („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte ''das Aussehen'' von Feuer. ... Um sie herum war ''etwas Ähnliches'' wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier ''demamah'' also wirklich eine Variante von ''demut'': „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da ''quasi''-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein ''quasi''-göttlicher Klang. ... Und ein Klang ''wie von'' Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und ''etwas wie'' Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.''“ und „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang ''wie von'' friedvollem Segen Gottes.''“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie es nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als ''qol demamah'' an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.</ref> | ||
{{S|13}} Als Elija['s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.<ref>''Er umwickelte sein Gesicht'' - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.</ref> Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).<ref>Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „''an den Eingang der Höhle''“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dharamraj 2006, S. 115).<br />'''Textkritik''': ''in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)'' - Wie MT auch Sym, LXX<sup>H</sup>, Tg, VUL, Syr; wohl auch JosAnt §351 („als er aus der Höhle hinausging“). Dagegen LXX<sup>B, A</sup>: „''unter'' die Höhle“, LXX<sup>L</sup>: „''vor'' die Höhle“. LXX<sup>L</sup> könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein (vgl. JosAnt, die zur selben Textfamilie gehören wie LXX<sup>L</sup>), aber LXX<sup>B, A</sup> haben sicher statt ''ptḥ hm´rh'' („Öffnung der Höhle“) gelesen: ''tḥt m´rh'' (richtig Stade/Schwally).</ref><br />Und da (siehe)!, an ihn [ergeht [erging]] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)<ref>'''Textkritik''': ''[ihn]'' - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.</ref>]: „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref name="9.13" /> | {{S|13}} Als Elija['s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.<ref>''Er umwickelte sein Gesicht'' - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.</ref> Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).<ref>Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „''an den Eingang der Höhle''“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dharamraj 2006, S. 115).<br />'''Textkritik''': ''in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)'' - Wie MT auch Sym, LXX<sup>H</sup>, Tg, VUL, Syr; wohl auch JosAnt §351 („als er aus der Höhle hinausging“). Dagegen LXX<sup>B, A</sup>: „''unter'' die Höhle“, LXX<sup>L</sup>: „''vor'' die Höhle“. LXX<sup>L</sup> könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein (vgl. JosAnt, die zur selben Textfamilie gehören wie LXX<sup>L</sup>), aber LXX<sup>B, A</sup> haben sicher statt ''ptḥ hm´rh'' („Öffnung der Höhle“) gelesen: ''tḥt m´rh'' (richtig Stade/Schwally).</ref><br />Und da (siehe)!, an ihn [ergeht [erging]] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)<ref>'''Textkritik''': ''[ihn]'' - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.</ref>]: „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref name="9.13" /> | ||
{{S|14}} Da sprach er: | {{S|14}} Da sprach er: | ||
<poem>„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert<ref name="10.14 1" /> {{par|2 Könige|10|16}} | <poem>„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert<ref name="10.14 1" /> {{par|2 Könige|10|16}} | ||
_Für JHWH, den Gott Zebaot (für JHWH Zebaot),<ref name="10.14 2" /> | _Für JHWH, den Gott Zebaot (für JHWH Zebaot),<ref name="10.14 2" /> | ||
Aber (denn) | Aber (denn) (verlassen=) gebrochen haben deinen Bund (verlassen haben dich)<ref name="10.14 2" /> | ||
_Die (Söhne Israels=) Israeliten, | _Die (Söhne Israels=) Israeliten, | ||
Indem sie deine Altäre zerstörten | Indem sie deine Altäre zerstörten | ||
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Ich bin übrig, ich, ich allein – | Ich bin übrig, ich, ich allein – | ||
_Und sie verfolgen mein Leben, um's [mir] zu nehmen!“<ref name="10.14 4" /></poem> | _Und sie verfolgen mein Leben, um's [mir] zu nehmen!“<ref name="10.14 4" /></poem> | ||
{{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!<ref>''Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!'' - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! ''Mach dich auf den Weg...''“, sondern eben „Mach dich auf! ''Kehr um für deinen Weg''“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein ''neuer'' Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er ''gehört'' zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.<br />'''tFN''': Nicht: ''Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!'' = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. ''šub bederek'' mit der Präp. ''b-'' statt ''l-'' (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück ''zu'' deinem Weg“ = „Kehr zurück ''zu'' diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren ''zu'' dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren ''zu'' deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren ''in'' dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich ''von ihm'' wieder ''wegzukehren'' (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. ''l-'' z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren ''für'' deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, ''um sie'' zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.<br />'''Textkritik''': ''[Und du sollst kommen]'' einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.</ref> Und wenn du angekommen bist,<ref>'''tFN''': Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).</ref> sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“<ref>''Hazael'' - aramäischer ''König'', der später Israel und Juda großen Schaden zufügen sollte (s. [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32-33]]; [[2 Chroniken 22#s5 |2 Chr 22,5]]; [[2 Könige 12#s7 |2 Kön 12,7.18f.]]. JHWH bringt hier also den Stein ins Rollen, der später Israel und Juda Israel überrollen sollte.</ref> | {{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!<ref>''Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!'' - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! ''Mach dich auf den Weg...''“, sondern eben „Mach dich auf! ''Kehr um für deinen Weg''“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein ''neuer'' Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er ''gehört'' zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. von Rad, ThAT II, S. 34; Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004; Dharamraj 2006, S. 133), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.<br />'''tFN''': Nicht: ''Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!'' = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. ''šub bederek'' mit der Präp. ''b-'' statt ''l-'' (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück ''zu'' deinem Weg“ = „Kehr zurück ''zu'' diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren ''zu'' dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren ''zu'' deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren ''in'' dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich ''von ihm'' wieder ''wegzukehren'' (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. ''l-'' z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren ''für'' deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, ''um sie'' zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.<br />'''Textkritik''': ''[Und du sollst kommen]'' einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.</ref> Und wenn du angekommen bist,<ref>'''tFN''': Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).</ref> sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“<ref>''Hazael'' - aramäischer ''König'', der später Israel und Juda großen Schaden zufügen sollte (s. [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32-33]]; [[2 Chroniken 22#s5 |2 Chr 22,5]]; [[2 Könige 12#s7 |2 Kön 12,7.18f.]]. JHWH bringt hier also den Stein ins Rollen, der später Israel und Juda Israel überrollen sollte.</ref> | ||
{{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),<ref>''JH[WH] ist er'' - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.</ref> den (Sohn=) Nachfahren des Nimschi („Marder“),<ref>''Nachfahre des Nimschi'' - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist ''ben'' eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.</ref> sollst du salben zum König über Israel,<br /> | {{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),<ref>''JH[WH] ist er'' - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.</ref> den (Sohn=) Nachfahren des Nimschi („Marder“),<ref>''Nachfahre des Nimschi'' - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist ''ben'' eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.</ref> sollst du salben zum König über Israel,<br /> | ||
Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})<ref>Zum Ort und Ortsnamen ''Abel-Mehola'' s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].<br />'''Textkritik''': ''Aus Abel-Mehola'' steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.</ref> sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!<ref>''nach dir'' - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. </ref> | Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})<ref>Zum Ort und Ortsnamen ''Abel-Mehola'' s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].<br />'''Textkritik''': ''Aus Abel-Mehola'' steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.</ref> sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!<ref>''nach dir'' - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. </ref> | ||
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In '''1 Kön 19''' folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in '''V. 1f.'''. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in '''V. 3''' nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in '''Vv. 5-7''' zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in '''Vv. 4f.''' der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen. | |||
Daran schließt sich in in '''Vv. 9-14''' ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert. Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb; wie Mose dort „aus einer Felsspalte heraus“ Gott sehen konnte ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), gelangt Elija auf dem Horeb „zu einer Höhle“ ('''V. 9'''), von der aus er bald darauf Gott begegnen wird ('''V. 13'''), nachdem er in '''V. 8''' 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst ist ganz nach dem Vorbild von Ex 19; 33 gestaltet: Gott „zieht vorüber“ ('''V. 11'''), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ ('''V. 13'''), spielt zum einen an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben“, und soll zum anderen wohl erklären, warum die Haut von Elijas Gesicht anders als die des Mose in [[Exodus 34#s29 |Ex 34,29f.]] nicht leuchtete. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in '''Vv. 11f.''' ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann ''gleichzeitig'' damit, dass er als „feiner Klang der Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach. | |||
Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den '''Vv. 10.14''' der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]]. Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen ja Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, haben viele Exegeten entweder als Grundlage genommen entweder für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 18 entstanden sei oder für die, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird. Letzteres ist aktuell sogar die dominante Auslegung in der Exegese von 1 Kön 19. Aber es ist ja ''wahr'': Die Israeliten ''haben'' auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten ''haben'' die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija ''wirklich'' der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es ''genauso'' wie Elija.<br /> | |||
Die | Was nämlich in dieser Verquickung von Ex 19; 33-34 mit 1 Kön 18 zum Ausdruck kommt, ist klar: ''Was auf dem Karmel geschah, ist bedeutsam für das, was auf dem Horeb geschah''. Gottes Antwort auf Elijas Klage in Vv. 10.14 über die Geschehnisse in 1 Kön 18 wird derart auf den gleichen Rang erhoben, auf dem auch die 10 Gebote stehen, die Gott in Ex 19; 33-34 erlassen hat. Wie Gott in diesen 10 Geboten seinen Bund mit Israel geschlossen hat, kündigt er ihn hier wieder auf. Die Antwort Gottes in '''Vv. 15-18''' ergibt sich denn auch ganz logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in '''V. 16''', da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen wird. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in '''Vv. 18''', die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach '''V. 15''' Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).<br /> | ||
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann geballt in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist ''hier'' noch keine Rede. 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. | |||
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Version vom 28. Mai 2022, 20:07 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (1 Könige 19)
(kommt später)Studienfassung (1 Könige 19)
1 Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)〈a〉 alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)〈b〉 er getötet hatte alle ({alle})〈c〉 die Propheten mit dem Schwert. 2 Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])〈d〉 zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:〈e〉 Dies möge Gott (mögen die Götter?)〈f〉 mir ([mir])〈g〉 antun und darüber hinaus jenes,〈h〉 wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“ 3 Da fürchtete sich (Da sah)〈i〉 Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kam〈j〉 nach Beerscheba, das zu[m Königreich]〈k〉 Juda [gehörte]. ℘ ℘ ℘ Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück. ℘
4 Nachdem er einen [ganzen] Tag lang〈l〉 in die Wüste gelaufen war, {kam er und}〈j〉 setzte er sich unter einen einsamen〈m〉 Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, ℘ ℘ [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!〈n〉 Nimm mein Leben ([von mir]),〈o〉 ℘ ℘ denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“〈p〉 5 Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).〈q〉 Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)〈r〉 stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ 6 Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)〈s〉 [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]〈t〉 Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])〈u〉 aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.〈v〉 7 Und es kam zurück der Bote (Engel)〈w〉 JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit〈x〉 für dich der Weg!“ 8 Da stand er auf ({stand er auf}〈y〉) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.〈z〉
9 Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)〈aa〉 und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}〈ab〉): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“〈ac〉
10 Da sprach er:
„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert〈ad〉 ℘
Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),〈ae〉
Aber (denn) verlassen haben dich

