Obadja: Unterschied zwischen den Versionen

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: Du [bist] sehr verachtet.
: Du [bist] sehr verachtet.
{{S|3}} Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit)<ref>''Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit)'' - Das „Herz“ steht im Hebräischen meist nur pars pro toto für die ganze Person; so auch hier. Übersetze daher: „Deine Vermessenheit“.</ref> hat dich getäuscht,<br />
{{S|3}} Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit)<ref>''Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit)'' - Das „Herz“ steht im Hebräischen meist nur pars pro toto für die ganze Person; so auch hier. Übersetze daher: „Deine Vermessenheit“.</ref> hat dich getäuscht,<br />
: [Der] in Felsenklüften<ref>Mit den Felsenklüften sind sicher (oft: künstlich erweiterte und ausgehauene) Gebirgshöhlen gemeint, in denen man damals gerade im bergigen Gegenden häufig lebte.</ref> (in den Klüften von Sela)<ref>''Felsenklüften (Klüften von Sela)'' - das hebräische ''sela'' kann als Klassennomen ein „Gebirge“ bezeichnen, ist aber gleichzeitig ein edomitischer Ortsname: „Sela“. Früher wurde dieses Sela oft mit der Stadt Petra gleichgesetzt; heute geht man eher davon aus, dass es sich um die edomitische Festung ''es-Sela'' nahe Bosora gehandelt haben muss (für einige Bilder s. [http://www.biblicalarchaeology.org/daily/biblical-sites-places/biblical-archaeology-sites/the-edomite-stronghold-of-sela/ hier]). Welches von beidem gemeint ist, ist nicht zu entscheiden; als Ortsname würde es aber auch deshalb Sinn machen, weil Sela eine wichtige Rolle bei der Eroberung Edoms durch Nabonidus spielte, auf die wohl auch das Obadjabuch anspielt (s. Anmerkungen).</ref> wohnt<ref>Die Edomiter lebten am und im [http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/seir-6/ch/d529a814d11abbe10ab96a45efebbdb7/ Gebirge Seir]. Die Sicherheit eines Aufenthaltsorts im Gebirge ist ein häufiges Bild in der Bibel; hier täuscht es aber: Edom mag noch so „gebirgig“ wohnen; sicher vor JHWHs Vergeltung ist es deshalb noch lange nicht.</ref> (der du wohnst)<ref name="Relativsatz">W. ''[der] in Felsenklüften wohnt'' statt „[der] ''du'' in Felsenklüften ''wohnst''“ etc., doch Relativsätze - bes. Relativsätze, in denen wie hier die Relativpartikel ''ascher'' („der“) ausgespart wurden - die ein Satzglied in der 1. oder (wie hier) 2. Pers. näher bestimmen, sind öfters inkongruent; vgl. Joosten 1993; ''ad loc.'' Ehrlich 1912b, S. 258.</ref><br />
: [Der] in Felsenklüften<ref>Mit den Felsenklüften sind sicher (oft: künstlich erweiterte und ausgehauene) Gebirgshöhlen gemeint, in denen man damals gerade im bergigen Gegenden häufig lebte.</ref> (in den Klüften von Sela)<ref>''Felsenklüften (Klüften von Sela)'' - das hebräische ''sela'' kann als Klassennomen ein „Gebirge“ bezeichnen, ist aber gleichzeitig ein edomitischer Ortsname: „Sela“. Früher wurde dieses Sela oft mit der Stadt Petra gleichgesetzt; heute geht man eher davon aus, dass es sich um die edomitische Festung ''es-Sela'' nahe Bosora gehandelt haben muss (für einige Bilder s. [http://www.biblicalarchaeology.org/daily/biblical-sites-places/biblical-archaeology-sites/the-edomite-stronghold-of-sela/ hier]). Welches von beidem gemeint ist, ist nicht zu entscheiden; als Ortsname würde es aber auch deshalb Sinn machen, weil Sela eine wichtige Rolle bei der Eroberung Edoms durch Nabonidus spielte, auf die wohl auch das Obadjabuch anspielt (s. Anmerkungen).</ref> wohnt<ref>Die Edomiter lebten am und im [http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/seir-6/ch/d529a814d11abbe10ab96a45efebbdb7/ Gebirge Seir]. Die Sicherheit eines Aufenthaltsorts im Gebirge ist ein häufiges Bild in der Bibel; hier täuscht es aber: Edom mag noch so „gebirgig“ wohnen; sicher vor JHWHs Vergeltung ist es deshalb noch lange nicht.</ref> (der du wohnst)<ref name="Relativsatz">W. ''Die Vermessenheit deines Herzens hat dich betrogen, [er ist] wohnend in Felsenklüften, [in] der Höhe [ist] sein Wohnsitz, [er ist] sprechend:...''. Drei asyndetische inkongruente Relativsätze: Im Hebräischen muss die Relativpartikel ''ascher'' nicht gesetzt werden, daher „der wohnend ist“ statt „er ist wohnend“ etc.; und solche asyndetische Relativsätze sind im Hebräischen häufiger inkongruent (vgl. Joosten 1993; ''ad loc.'' Ehrlich 1912b, S. 258), daher „der du wohnend bist“ statt „der wohnend ist“.</ref><br />
: [Der] [in]<ref>''[in]'' - Brachyloge aus Sticho b oder accusativus loci.</ref> der Höhe seinen Wohnsitzes [hat] (der du hast)<ref name="Relativsatz" />,<br />
: [Der] [in]<ref>''[in]'' - Brachyloge aus Sticho b oder accusativus loci.</ref> der Höhe seinen Wohnsitzes [hat] (der du hast)<ref name="Relativsatz" />,<br />
[Der] in seinem Herzen (bei sich) spricht (der du sprichst)<ref name="Relativsatz" />:  
[Der] in seinem Herzen (bei sich) spricht (der du bei dir sprichst)<ref name="Relativsatz" />:  
: „Wer kann mich zur Erde herabstürzen?“<ref>Oder: ''Der in der Höhe seines Wohnsitzes (in seinem hohen Wohnsitz) bei sich spricht:...''. Besser aber die Fließtextvariante; V. 3 bildet dann einen umschließenden Parallelismus: Sticho 1 und 4-5 sprechen von der Hochmut des Herzens, Sticho 2 und 3 von den Wohnbedingungen der Edomiter. Dabei bilden wohl die „Felsenhöhlen“ und die „Höhe des Wohnens“ einen Gegensatz mit „tief“ und „hoch“.<br />
: „Wer kann mich zur Erde herabstürzen?“
Außerdem möglich: Deutung als unmarkierter Nebensatz:<br />
''Deine Vermessenheit hat dich getäuscht:<br />
''[Bloß], weil du in Felsenhöhlen lebst;<br />
: ''Weil du deinen Wohnsitz in der Höhe hast,''<br />
''Sagst du bei dir:... Doch selbst, wenn...''
</ref>
{{S|4}}Wenn du deine Stellung hoch machen solltest wie der Adler [fliegt], oder wenn dein Nest zwischen die Sterne gesetzt würde, herunterholen von dort würde ich dich, ist der Ausspruch von JHWH.
{{S|4}}Wenn du deine Stellung hoch machen solltest wie der Adler [fliegt], oder wenn dein Nest zwischen die Sterne gesetzt würde, herunterholen von dort würde ich dich, ist der Ausspruch von JHWH.
{{S|5}}Wenn es Diebe wären, die bei dir einbrechen, wenn Verheerer hereinkämen bei Nacht, inwiefern wärest du zum Schweigen gebracht worden? Würden sie nicht stehlen, soviel sie wollten? Oder wenn es Traubenleser wären, die zu dir hereinkämen, würden sie nicht etwas Nachlese übrig lassen?
{{S|5}}Wenn es Diebe wären, die bei dir einbrechen, wenn Verheerer hereinkämen bei Nacht, inwiefern wärest du zum Schweigen gebracht worden? Würden sie nicht stehlen, soviel sie wollten? Oder wenn es Traubenleser wären, die zu dir hereinkämen, würden sie nicht etwas Nachlese übrig lassen?

Version vom 10. November 2014, 11:15 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Obadja)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21

Anmerkungen

Studienfassung (Obadja)

1 Die Prophezeiunga Obadjas (Knecht JHWHs, JHWH-Verehrer)


So hat der Herr JHWH über (zu) Edom gesprochen, b

Eine Nachrichtc haben wir von JHWH gehört
und ein Boted wurde zu den Nationen gesandt:

„Erhebt euch (Auf!), lasst uns erhebene gegen esf zur Schlacht!“


2g {Siehe,}h Klein (unbedeutend) habe ich dich gemachti unter den Nationenj.

Du [bist] sehr verachtet.

3 Die Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit)k hat dich getäuscht,

[Der] in Felsenklüftenl (in den Klüften von Sela)m wohntn (der du wohnst)o
[Der] [in]p der Höhe seinen Wohnsitzes [hat] (der du hast)o,

[Der] in seinem Herzen (bei sich) spricht (der du bei dir sprichst)o:

„Wer kann mich zur Erde herabstürzen?“

4Wenn du deine Stellung hoch machen solltest wie der Adler [fliegt], oder wenn dein Nest zwischen die Sterne gesetzt würde, herunterholen von dort würde ich dich, ist der Ausspruch von JHWH. 5Wenn es Diebe wären, die bei dir einbrechen, wenn Verheerer hereinkämen bei Nacht, inwiefern wärest du zum Schweigen gebracht worden? Würden sie nicht stehlen, soviel sie wollten? Oder wenn es Traubenleser wären, die zu dir hereinkämen, würden sie nicht etwas Nachlese übrig lassen? 6Oh, in welchem Ausmaß die von Esau durchforscht worden sind! Wie seine Schätze entdeckt (gefunden, aufgespürt, gesucht) wurden! 7Bis zur Grenze haben sie dich gesandt. Selbst die Männer, die im Bund mit dir sind, haben dich alle betrogen. Die Männer im Frieden mit dir haben die Oberhand über dich gewonnen. Die, die Speise mit dir aßen, werden ein Netz unter dich legen wie einer, in dem kein Unterscheidungsvermögen ist. 8Wird es nicht an jenem Tag sein? ist der Ausspruch JHWH. Und gewiss werde ich die Weisen aus Ẹdom vernichten und das Unterscheidungsvermögen von der Berggegend von Esau. 9Und deine starken Männer sollen erschrecken, o Teman, darum, dass ein jeder weggetilgt werden wird von der Berggegend von Esau durch Tötung. 10Wegen der Gewalttat an deinem Bruder Jakob wird Schande dich bedecken, und du wirst weggetilgt werden müssen auf unabsehbare Zeit. 11An dem Tag, an dem du abseits standest, an dem Tag, an dem Fremde seine Streitmacht in Gefangenschaft führten und an dem sogar Ausländer sein Tor betraten und sie über Jerusalem Lose warfen, warst auch du wie einer von ihnen. 12Und du hättest nicht nach dem spähen sollen, was am Tag deines Bruders zu sehen war, am Tag seines Missgeschicks; und du hättest dich nicht freuen sollen über die Söhne Judas an dem Tag, an dem sie umkamen; und du hättest nicht ein großes Maul führen sollen am Tag ihrer Bedrängnis. 13Du hättest nicht in das Tor meines Volkes kommen sollen am Tag seines Unheils. Du, ja du, hättest nicht nach seinem Unglück spähen sollen am Tag seines Unheils; und du hättest nicht die Hand ausstrecken sollen nach seinem Vermögen am Tag seines Unheils. 14Und du hättest nicht am Scheideweg stehen sollen, um seine Entronnenen wegzutilgen; und du hättest seine Überlebenden nicht ausliefern sollen am Tag der Bedrängnis. 15Denn der Tag JHWHs gegen alle Nationen ist nahe. So, wie du getan hast, wird dir getan werden. Die Art deiner Behandlung wird auf dein eigenes Haupt zurückkommen. 16Denn so, wie ihr auf meinem heiligen Berg getrunken habt, werden alle Nationen fortan beständig trinken. Und sie werden gewiss trinken und hinunterschlucken und so werden, als ob sie nie gewesen wären. 17Und auf dem Berg Zion, da werden bestimmt die Entronnenen sein, und er soll etwas Heiliges werden; und das Haus Jakob soll die Dinge in Besitz nehmen, die sie besitzen sollen. 18Und das Haus Jakob soll ein Feuer werden und das Haus Josef eine Flamme und das Haus Esau zu Stoppeln; und sie sollen sie in Brand setzen und sie verzehren. Und es wird für das Haus Esau kein Überlebender da sein; denn JHWH selbst hat es gesagt. 19Und sie sollen den Nẹgeb in Besitz nehmen, auch die Berggegend von Esau und die Schefela, ja von den Philistern. Und sie sollen das Feld von Efram und das Feld von Samaria in Besitz nehmen; und Benjamin soll Besitz ergreifen von Gilead. 20Und was die von dieser Vormauer ins Exil Weggeführten betrifft, den Söhnen Israels wird gehören, was die Kanaaniter bis nach Sarepta hin [besaßen]. Und die ins Exil Weggeführten Jerusalems, die in Sefarad waren, werden die Städte des Negeb in Besitz nehmen. 21Und gewiss werden Retter auf den Berg Zion hinaufziehen, um die Berggegend von Esau zu richten; und das Königtum soll JHWHs werden.


Anmerkungen

aDie Prophezeiung Obadjas - W.: „Vision Obadjas“; wie in Jes 1,1 und Nah 1,1 ist „Vision von X“ hier die Überschrift eines ganzen Prophetenbuchs. (Zurück zu v.1)
bDie Deutung des ersten Verses ist sehr schwierig, weil das Hebräische keine Anführungszeichen kennt. Diese und die nächsten beiden Zeilen können daher jeweils als Redeeinleitung gedeutet werden, auf die dann die Wiedergabe der wörtlichen Rede folgt - oder auch nicht. Mit dem Maximum an Redeebenen ergäbe dies also: [Prophetie Obadjas:] „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen: [Wiedergabe des Gesprochenen JHWHs:] ‚Eine Botschaft haben wir von JHWH gehört: [Wiedergabe des von JHWH Gehörten:] ‚Ein Bote wurde zu den Nationen gesandt (mit der Botschaft:) [Wiedergabe der Botschaft des Boten:] ‚Erhebt euch...‘‘‘“

Welche der Sätze als wörtliche Rede analysiert werden und welche nicht, ist völlig uneinheitlich in der Exegese; verkompliziert wird die Frage außerdem dadurch, dass (1) viele Exegeten das „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen“ als einen zweiten Titel verstehen, (2) dass einige Exegeten (z.B. Nötscher 1958; Theis 1937; Wolff 1977; ) das „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen“ textkritisch (-> Textkritik) ans Ende von V. 1 verschieben wollen und dass es (3) theoretisch möglich wäre, das „ein Bote wurde zu den Nationen gesandt“ als Umstandsangabe zu lesen: „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen, als ein Bote zu den Nationen gesandt wurde“ (so z.B. Bewer 1911, S. 19f).
Nach Meinung dieses Übersetzers (S.W.) ist der Vers dann am kohärentesten, wenn man der schönen Deutung von Schegg 1862 folgt, die offenbar in Vergessenheit geraten ist: Zeilen 3-4 stehen auf der selben Ebene wie Zeile 2; keine davon ist wörtliche Rede (s. S. 379). In drei aufeinanderfolgenden Zeilen wird so die „Reichweite“ der Botschaft JHWHs nach und nach ausgeweitet: (1) Ohne Nennung der Reichweite: „So hat der Herr JHWH über Edom gesprochen“; (2)Wir“ - d.h. wohl: Ich (=Obadja) und die Judäer - „haben eine Botschaft von JHWH gehört“; (3)An [alle] Nationen wurde ein Bote gesendet“.

V. 1 bietet dann den Hintergrund, vor dem das Drohorakel in den folgenden Versen ausgesprochen werden kann: Es ist keine leere Drohung, sondern Gott hat die Bestrafung sogar bereits in die Wege geleitet. (Zurück zu v.1)
cFigura etymologica: Das Wort für Nachricht (meist: „Gerücht“) kommt vom selben Wortstamm wie „haben wir gehört“; es wirkt also wie: „Ein Gehörtes haben wir gehört“ (vgl. B-R: „ein Vernehmen vernahmen wir von IHM her“). (Zurück zu v.1)
dDer Bote ist wohl ein Engel, dessen Botschaft das göttliche Gericht einleitet; s. Mal 3,1; Dan 4,10.14.20; vgl. z.B. Rudolph 1971, S. 302; Sellin 1922, S. 231. (Zurück zu v.1)
eErhebt euch, lasst uns erheben - Oder: (1) Das einleitende „erhebt euch“ wird im Hebräischen auch häufig verwendet als bloßer „Vorbereitungsimperativ“; in etwa vergleichbar einem deutschen „Los!“, „Auf gehts!“; also „Los, lasst uns erheben!“. (2) Außerdem gibt es im Hebräischen einen sogenannten „Pseudo-imperativ“: In einer Imperativkette dient der erste als Bedingung, der zweite als Folge, also „Wenn ihr euch erhebt, werden auch wir uns erheben“. Am sinnvollsten ist wohl (1); so auch die meisten Üss.
Dass nach unserer Deutung JHWH sich selbst in ein größeres Heer inkludiert, ist nicht problematisch; das Bild vom an der Seite von Menschen streitenden JHWH findet sich häufig in der Bibel; ein schönes Bsp. ist etwa Ps 144; s. auch Ps 5,13; Ps 149,7-9 u.ö. (Zurück zu v.1)
fEs meint Edom (so fast alle Exegeten): Edom ist zwar sonst im Obadjabuch maskulin, „es“ dagegen feminin, doch außerhalb des Obadjabuches findet sich Edom noch häufiger als Femininum und ein variabler Genus bei Nationenbezeichnungen findet sich auch häufiger in der Bibel. (Zurück zu v.1)
gAb V. 2 gibt Obadja JHWHs Rede wider Edom wieder; in der LF muss man das wahrscheinlich durch eine neue Redeeinführung verdeutlichen. Oder aber man verschiebt das „Spruch JHWHs“ am Ende von V. 4 in der LF zur Verdeutlichung an den Anfang von V. 2: „So spricht JHWH: ...“. (Zurück zu v.2)
hSiehe ist eine sogenannter „Diskurspartikel“, deren wörtliche Übersetzung sich seltenst empfiehlt. Ihre Funktion ist es, das folgende Vergangene als besonders relevant für die aktuelle Rede zu kennzeichnen (vgl. z.B. Nic §67); hier also wohl genauer: JHWH hat Edom schon jetzt unwahrscheinlich klein und unbedeutend gemacht (Vv. 2-7), doch selbst dies ist kein Vergleich zu dem, was am „Tag JHWHs“ (dazu s.u.) mit Edom geschehen wird (Vv. 8f.15). (Zurück zu v.2)
ihabe ich dich gemacht - viele deuten als „prophetisches Perfekt“ (d.h.: Die Verbform Qatal, die sonst für Vergangenheit und Gegenwart verwendet wird, stünde hier für Futur): „werde ich dich machen“. Das ist nicht sehr wahrscheinlich; erstens wegen der Partikel hinneh („Siehe“; s.o.), zweitens, weil ab V. 8 die Verbformen Yiqtol und Weqatal verwendet werden, wo man noch eher ein prophetisches Perfekt erwarten würde. Möglich ist aber auch dies. (Zurück zu v.2)
jKlein habe ich dich gemacht unter den Nationen - d.h.: „Ich habe dich zum geringsten aller Völker gemacht“; vgl. Jenson 2008, S. 13; so auch CJB: „I am making you the least of all nations“; GN: „Ich mache dich zum letzten der Völker“; GW: „Edom, I will make you the smallest of nations“. (Zurück zu v.2)
kDie Vermessenheit deines Herzens (dein vermessenes Herz, deine Vermessenheit) - Das „Herz“ steht im Hebräischen meist nur pars pro toto für die ganze Person; so auch hier. Übersetze daher: „Deine Vermessenheit“. (Zurück zu v.3)
lMit den Felsenklüften sind sicher (oft: künstlich erweiterte und ausgehauene) Gebirgshöhlen gemeint, in denen man damals gerade im bergigen Gegenden häufig lebte. (Zurück zu v.3)
mFelsenklüften (Klüften von Sela) - das hebräische sela kann als Klassennomen ein „Gebirge“ bezeichnen, ist aber gleichzeitig ein edomitischer Ortsname: „Sela“. Früher wurde dieses Sela oft mit der Stadt Petra gleichgesetzt; heute geht man eher davon aus, dass es sich um die edomitische Festung es-Sela nahe Bosora gehandelt haben muss (für einige Bilder s. hier). Welches von beidem gemeint ist, ist nicht zu entscheiden; als Ortsname würde es aber auch deshalb Sinn machen, weil Sela eine wichtige Rolle bei der Eroberung Edoms durch Nabonidus spielte, auf die wohl auch das Obadjabuch anspielt (s. Anmerkungen). (Zurück zu v.3)
nDie Edomiter lebten am und im Gebirge Seir. Die Sicherheit eines Aufenthaltsorts im Gebirge ist ein häufiges Bild in der Bibel; hier täuscht es aber: Edom mag noch so „gebirgig“ wohnen; sicher vor JHWHs Vergeltung ist es deshalb noch lange nicht. (Zurück zu v.3)
oW. Die Vermessenheit deines Herzens hat dich betrogen, [er ist] wohnend in Felsenklüften, [in] der Höhe [ist] sein Wohnsitz, [er ist] sprechend:.... Drei asyndetische inkongruente Relativsätze: Im Hebräischen muss die Relativpartikel ascher nicht gesetzt werden, daher „der wohnend ist“ statt „er ist wohnend“ etc.; und solche asyndetische Relativsätze sind im Hebräischen häufiger inkongruent (vgl. Joosten 1993; ad loc. Ehrlich 1912b, S. 258), daher „der du wohnend bist“ statt „der wohnend ist“. (zu v.3)
p[in] - Brachyloge aus Sticho b oder accusativus loci. (Zurück zu v.3)