1 Könige 19: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

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Sebastian Walter (Diskussion | Beiträge)
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Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind offensichtlich bewusst in Anlehnung an und mit vielen Anspielungen auf [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert worden, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Hiervon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br />
Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind offensichtlich bewusst in Anlehnung an und mit vielen Anspielungen auf [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert worden, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Hiervon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br />
Diese ''daqqah-demamah'' spezifiziert insgesamt ''qol'', dieser ist also ist ein „''daqqah-demamah-qol''“. ''demamah'' nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ ''damam'' (s. gleich). ''damam'' ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem ''u'' oder ''i'' zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: ''dūm'') und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und ''h'' oder ''`'' als drittem Konsonant, hier also ''damah''): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie ''damam''), ein Wort IūII (wie ''dūm'') und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie ''damah'') das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein ''damam'' mit Bedeutung A und ein zweites ''damam'' mit der selben Bedeutung B wie ein Wort ''dūm'' gäbe.<br />'''Insgesamt''' dann: Bei unserem Wort ''demamah'' könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die ''Abwesenheit'' von Geräusch oder Bewegung. S. in Ges18 s.v. ''damam'' I, das aber wahrscheinlich besser als ''dūm'' zu führen ist). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“.<br />(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.<br />(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. ''damam'' II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. ''damah'' II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.<br />(4) „klagen“ (''damam'' III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von ''damam'' zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zum „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten.<br />(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. ''damah'' I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. ''demamah'' wäre dann eine Variante des ''demut'' Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht ''genau'' das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die ''demut'' ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.<br />Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man '''Vergleichsstellen''' heranziehen. Herangezogen wurden:<br />(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, ''zunächst'' habe Stille geherrscht, ''danach'' habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.<br />(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in ''demamah'' und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, ''demamah'' also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von ''daqqah''-Windstille“.<br />(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren ''qol'', Fluten erhoben ihre ''daki''.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: ''daki'' kommt von ''dakka`'', einer Nebenform von ''daqaq'' (s.o.). Auch hier also stehen ''qol'' und ''daqaq'' beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.<br />(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher ''qol demamah'' zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher ''qol demamah''. [...] Und der ''qol demamah'' des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und ''qol demamah'' des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises''“. Vgl. auch frg. 19: „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige ''qol demamah'' des Segens Gottes''“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher ''demamah'' stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, ''wonach'' laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. ''šaqaṭ'', ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade ''nicht'' an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie ''qol demamah'', also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ ''meinen'', obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass ''demamah'' stets zwischen ''qol'' und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden ''demamah''-Abschnitte einen ''demut''-und''mare`'' („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte ''das Aussehen'' von Feuer. ... Um sie herum war ''etwas Ähnliches'' wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier ''demamah'' also wirklich eine Variante von ''demut'': „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da ''quasi''-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein ''quasi''-göttlicher Klang. ... Und ein Klang ''wie von'' Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und ''etwas wie'' Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.''“ und „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang ''wie von'' friedvollem Segen Gottes.''“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie es nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als ''qol demamah'' an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.</ref>
Diese ''daqqah-demamah'' spezifiziert insgesamt ''qol'', dieser ist also ist ein „''daqqah-demamah-qol''“. ''demamah'' nun ist notorisch schwierig: Auf den ersten Blick scheint man es ableiten zu müssen vom Wort / von der heb. „Wurzel“ ''damam'' (s. gleich). ''damam'' ist aber eine sog. „reduplikative Wurzel“ (d.h., der zweite und der dritte Konsonant des Wortes ist der Selbe), und solche reduplikativen Wurzeln lassen sich häufig nicht gut abgrenzen von ihren sog. „metaplastischen Nebenformen“, also von den entsprechenden „hohlen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit langem ''u'' oder ''i'' zwischen den beiden Konsonanten am Rand; hier also: ''dūm'') und „schwachen Wurzeln“ (d.h. Wörtern mit zwei Konsonanten und ''h'' oder ''`'' als drittem Konsonant, hier also ''damah''): Bei vielen Wörtern ist unklar, ob ein Wort IaIIaII (wie ''damam''), ein Wort IūII (wie ''dūm'') und ein Wort IaIIaH / IaIIa` (wie ''damah'') das selbe Wort sind, unterschiedliche Wörter sind, oder beides, so dass es z.B. ein ''damam'' mit Bedeutung A und ein zweites ''damam'' mit der selben Bedeutung B wie ein Wort ''dūm'' gäbe.<br />'''Insgesamt''' dann: Bei unserem Wort ''demamah'' könnte man daher denken an folgende Bedeutungen: (1a) „still sein“ (nicht: „leise sein“; gemeint ist die ''Abwesenheit'' von Geräusch oder Bewegung. S. in Ges18 s.v. ''damam'' I, das aber wahrscheinlich besser als ''dūm'' zu führen ist). Das ist die häufigste Deutung; gemeint wäre dann „feine Stille“.<br />(1b) Abgeleitet vom selben Wort: „still stehen lassend“ = „erstarren lassend“, also „ein dünnes, betäubendes d.i. ein gespenstisches Geräusch“ (so de Boer 1951, S. 179; Seybold 1973, S. 13). Sehr nahe liegt das aber nicht; der Brückenschlag vom „feinen betäubenden“ zum „gespenstischen“ Geräusch ist ziemlich gewagt.<br />(2) „verwüstend, vernichtend“ (in Ges18 s.v. ''damam'' II), wahrscheinlich eine Nebenform von (3) „vernichten“ (in Ges18 s.v. ''damah'' II). Nach beiden Ableitungen also: „ein Klang von zermalmender Vernichtung“. So niemand, aber s. gleich.<br />(4) „klagen“ (''damam'' III, dazu s. z.B. Schick 1913; Dahood 1965, S. 25; McDaniel 1968, s. 39). Lust 1975 will von hier aus noch weiter die Bed. von ''damam'' zu „brüllen“ umbiegen und kommt so zum „crushing and roaring sound“ (S. 112). Zur Not ist das wohl möglich; mit einer Ableitung nach (2) und (3) kommt man aber ja zur selben Bed. und diese Ableitung ist sprachlich sicher glatter. Der Vorschlag ist sehr erwägenswert; er hat den entscheidenden Vorteil, dass man dafür nicht gleichzeitig von einer Synästhesie und einem Oxymoron ausgehen muss, um die Fügung sinnvoll zu deuten.<br />(5) „gleichen, ähneln“ (in Ges18 s.v. ''damah'' I). S. z.B. [[Hohelied 2#s9 |Hld 2,9]]: „Mein Geliebter ist so ähnlich wie = gleicht einer Gazelle“. ''demamah'' wäre dann eine Variante des ''demut'' Ezechiels, mit dem er ausdrückt, dass seine Worte nicht ''genau'' das treffen, was er in seinen Visionen geschaut hat und berichtet. S. z.B. [[Ezechiel 1#s10 |Ez 1,10]]: „Die ''demut'' ihrer Gesichter waren Menschengesichter“ = „ihre Gesichter waren so ähnlich wie Menschengesichter“. Das funktioniert hier nicht, aber s.u.<br />Weil mindestens die Abwägung zwischen dem „feinen, leisen Klang“ und dem „Klang zermalmender Vernichtung“ so schwierig ist, muss man '''Vergleichsstellen''' heranziehen. Herangezogen wurden:<br />(1) [[Ijob 4#s16 |Ijob 4,16]], aber das ist verfehlt, s. zum Vers. Elifaz berichtet sicher, ''zunächst'' habe Stille geherrscht, ''danach'' habe er eine Stimme vernommen. Damit ist er eine sehr nahe Parallele für die Abfolge unserer Vv. 12.13; für die Bed. nur von V. 12 ist er aber irrelevant.<br />(2) [[Psalm 107#s29 |Ps 107,29]]: „Gott verwandelt den Sturm in ''demamah'' und die Wellen legen sich.“ Das deutet man gewöhnlich so, dass beide Sätze das Selbe sagen, ''demamah'' also „Windstille“ bedeutet und Ps 107,29 damit Deutung (1) stützt. Richtig zwar Lust: Theoretisch könnte man, wenn man nur auf diesen Vers schaut, beide Zeilen auch als antithetischen Parallelismus deuten: „Gott steigert [zunächst noch] den Sturm zur Vernichtung, dann legen sich die Wellen“ – aber liest man den V. zusammen mit V. 28, liegt das sehr fern. Ps 107,29 ist also wirklich ein starkes Indiz dafür, dass unser V. heißt: „Nach dem Sturm hörte ich das Geräusch von ''daqqah''-Windstille“.<br />(3) [[Psalm 93#s3 |Ps 93,3]], auf den gut Lust hinweist: „Fluten erhoben ihren ''qol'', Fluten erhoben ihre ''daki''.“ An diesen V. denkt man nicht gleich, aber Lust hat Recht: ''daki'' kommt von ''dakka`'', einer Nebenform von ''daqaq'' (s.o.). Auch hier also stehen ''qol'' und ''daqaq'' beieinander – und hier in der Bed. „Geräusch“ und „Vernichtung“: „Fluten erschallten = Fluten vernichteten“. Das stützt Deutung (2), aber nicht so stark, wie Ps 107,29 Deutung (1) stützt.<br />(4) Die Wichtigste und zugleich Schwierigste: 4Q405 frgs. 20-22 7f.12f.: „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da göttlicher ''qol demamah'' zu hören, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein göttlicher ''qol demamah''. [...] Und der ''qol demamah'' des Segens [ist] im Lärm ihres sich-Bewegens. [...] Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zur Ruhe, und ''qol demamah'' des Segens Gottes [ist] in allen göttlichen Abteilungen, und der Klang des Preises''“. Vgl. auch frg. 19: „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] der ruhige ''qol demamah'' des Segens Gottes''“. Man hat sich hier bei der Deutung offenbar stark beeinflussen lassen von der Rede von der „Ruhe“ in frg. 20-22 13 und der vom „ruhig“ in frg. 19 und daher ''demamah'' stets als „geräuschlos“ gedeutet. Aber in frg. 20-22 13 wird ja nur gesagt, dass die Engel aufhören, zu jauchzen, ''wonach'' laut hörbar der Segen erklingt. Und das „ruhig“ in frg. 19 ist im Heb. ''šaqaṭ'', ein Wort, das keine akkustische Qualität beschreibt, sondern einen Zustand oder eine Stimmung: „friedvoll, gelöst“. Dagegen das zweifache „(jauchzender) Lärm“ in frg. 20-22 macht sehr wahrscheinlich, dass gerade ''nicht'' an „geräuschlose“ Äußerungen zu denken ist. Woran dann? Ich (S.W.) sehe zwei Optionen: Entweder, man geht mit Newsom 1985, S. 313 und Eidevall 2011, S. 106 davon aus, dass die Ausdrücke an diesen Stellen quasi-mechanisch aus 1 Kön 19,12 in 4Q405 übernommen wurden, nach der Logik: „Offenbar klingt Göttliches wie ''qol demamah'', also sagen wir das hier auch [aber um klar zu machen, dass wir nicht ‚geräuschlos‘ ''meinen'', obwohl es zunächst so klingt, setzen wir jeweils noch einen anderen Ausdruck daneben].“ Dann ließe sich aus 4Q405 gar nichts für unsere Stelle ableiten. Oder: Blickt man noch etwas genauer auf den Text, fällt erstens auf, dass ''demamah'' stets zwischen ''qol'' und „Gott“, „göttlich“ oder „Segen“ steht und stets (anders als hier) Constructus ist, und dass zweitens die beiden ''demamah''-Abschnitte einen ''demut''-und''mare`'' („Gleichheit-und-Aussehen“)-Abschnitt umrahmen (Z. 10: „[Der Thron] hatte ''das Aussehen'' von Feuer. ... Um sie herum war ''etwas Ähnliches'' wie Ströme von Feuer.“). Vielleicht ist hier ''demamah'' also wirklich eine Variante von ''demut'': „''Die Cherubim fallen vor ihm nieder und preisen. Wenn sie sich erheben, ist da ''quasi''-göttlicher Klang zu vernehmen, und ein jauchzender Lärm, wenn sie ihre Flügel öffnen, ein ''quasi''-göttlicher Klang. ... Und ein Klang ''wie von'' Segen ist im Lärm ihres sich-Bewegens. Dann kommt der Klang ihres freudigen Jauchzens zu Ruhe, und ''etwas wie'' Segen Gottes [erklingt] in allen göttlichen Abteilungen und der Klang des Preises.''“ und „''Unter dem wunderbaren inneren Schrein [klingt] ein Klang ''wie von'' friedvollem Segen Gottes.''“ Was dann jeweils nur bedeutete: Wenn die Cherubim sich bewegen, klingt das wie Segen Gottes – ähnlich, wie es nach Glöckchen-Klang klingt, wenn irische Elfen fliegen. Beide Optionen sind aber nicht sehr zufriedenstellend: Option 1 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 mehr oder weniger sinnlos verwendet wird, Option 2 nicht, weil man dann annehmen muss, dass ''qol demamah'' in 4Q405 und an unserer Stelle ganz Unterschiedliches bedeuten. Will man 1 Kön 19,12 und 4Q405 miteinander harmonieren lassen, hat man fast keine Wahl, als ''qol demamah'' an beiden Stellen „geräuschloser Klang“ bedeuten zu lassen, so schwierig sich das auch mit der Rede vom „Lärm“ in 4Q405 vereinbaren lässt.</ref>
{{S|13}} Als Elija['s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.<ref>''Er umwickelte sein Gesicht'' - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.</ref> Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).<ref>Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „''an den Eingang der Höhle''“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dhamaraj 2006, S. 115).<br />'''Textkritik''': ''in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)'' - Wie MT auch Sym, LXX<sup>H</sup>, Tg, VUL, Syr. Dagegen LXX<sup>B, A</sup>: „''unter'' die Höhle“, LXX<sup>L</sup>: „''vor'' die Höhle“. LXX<sup>L</sup> könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein, aber LXX<sup>B, A</sup> haben sicher statt ''ptḥ hm´rh'' („Öffnung der Höhle“) gelesen: ''tḥt m´rh'' (richtig Stade/Schwally).</ref><br />Und da (siehe)!, an ihn [ergeht [erging]] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)<ref>'''Textkritik''': ''[ihn]] - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.</ref>]: „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref name="9.13" />  
{{S|13}} Als Elija['s] hörte, umwickelte er sein Gesicht mit seinem Mantel.<ref>''Er umwickelte sein Gesicht'' - Als Schutzmaßnahme; Gott kann im Normalfall nicht ungeschützt sehen, ohne zu sterben. S. v.a. [[Exodus 33#s21 |Ex 33,21-23]]; auch [[Exodus 3#s6 |Ex 3,6]]; [[Richter 6#s22 |Ri 6,22f.]]; [[Richter 13#s20 |13,20]]; [[Ezechiel 1#s28 |Ez 1,28]]; [[Daniel 10#s9 |Dan 10,9]] und vgl. z.B. Gray 1970; Cogan 2001 und Dharamraj 2006, S. 114.</ref> Dann ging er hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle (unter die Höhle).<ref>Dass sich Elija nicht „auf die Spitze des Bergs“, sondern „''an den Eingang der Höhle''“ begibt, haben jene, die glauben, Elija würde in diesem Kapitel sehr negativ geschildert, so interpretiert, dass auch dies Zeichen seines Ungehorsams sei (z.B. Walsh 1996; Robinson 1991, S. 521; Flannery 2008, S. 169). Aber die Höhle ist ja zweifellos eine Berghöhle; auch mit seinem Hinausgehen aus der Höhle steht Elija dann „auf dem Berg“ (richtig Dhamaraj 2006, S. 115).<br />'''Textkritik''': ''in den Eingang der Höhle (unter die Höhle)'' - Wie MT auch Sym, LXX<sup>H</sup>, Tg, VUL, Syr. Dagegen LXX<sup>B, A</sup>: „''unter'' die Höhle“, LXX<sup>L</sup>: „''vor'' die Höhle“. LXX<sup>L</sup> könnte sogar nur freie Übertragung des „Eingangs der Höhle“ sein, aber LXX<sup>B, A</sup> haben sicher statt ''ptḥ hm´rh'' („Öffnung der Höhle“) gelesen: ''tḥt m´rh'' (richtig Stade/Schwally).</ref><br />Und da (siehe)!, an ihn [ergeht [erging]] ein Klang (eine Stimme)! Er fragte ([ihn)<ref>'''Textkritik''': ''[ihn]'' - So Syr, einige MT-Mss und einige Tg-Mss. Assim-V. 9.</ref>]: „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“<ref name="9.13" />  
{{S|14}} Da sprach er:  
{{S|14}} Da sprach er:  
<poem>„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert<ref name="10.14 1" /> {{par|2 Könige|10|16}}
<poem>„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert<ref name="10.14 1" /> {{par|2 Könige|10|16}}

Version vom 26. Mai 2022, 14:01 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (1 Könige 19)

(kommt später)

Studienfassung (1 Könige 19)

1 Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)a alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)b er getötet hatte alle ({alle})c die Propheten mit dem Schwert. 2 Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])d zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:e Dies möge Gott (mögen die Götter?)f mir ([mir])g antun und darüber hinaus jenes,h wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“ 3 Da fürchtete sich (Da sah)i Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kamj nach Beerscheba, das zu[m Königreich]k Juda [gehörte]. Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück.

4 Nachdem er einen [ganzen] Tag langl in die Wüste gelaufen war, {kam er und}j setzte er sich unter einen einsamenm Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!n Nimm mein Leben ([von mir]),o denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“p 5 Dann legte er sich hin und schlief unter dem einsamen Ginsterbusch (dort?).q Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)r stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ 6 Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)s [standen] ein auf einem Glühstein [gebackenes]t Brot und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])u aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.v 7 Und es kam zurück der Bote (Engel)w JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weitx für dich der Weg!“ 8 Da stand er auf ({stand er auf}y) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.z


9 Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)aa und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}ab): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“ac 10 Da sprach er:

(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifertad
Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),ae
Aber (denn) verlassen haben dich