1 Könige 19: Unterschied zwischen den Versionen

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{{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!<ref>''Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!'' - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! ''Mach dich auf den Weg...''“, sondern eben „Mach dich auf! ''Kehr um für deinen Weg''“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein ''neuer'' Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er ''gehört'' zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. von Rad, ThAT II, S. 34; Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004; Dharamraj 2006, S. 133), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.<br />'''tFN''': Nicht: ''Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!'' = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. ''šub bederek'' mit der Präp. ''b-'' statt ''l-'' (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück ''zu'' deinem Weg“ = „Kehr zurück ''zu'' diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren ''zu'' dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren ''zu'' deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren ''in'' dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich ''von ihm'' wieder ''wegzukehren'' (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. ''l-'' z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren ''für'' deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, ''um sie'' zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.<br />'''Textkritik''': ''[Und du sollst kommen]'' einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.</ref> Und wenn du angekommen bist,<ref>'''tFN''': Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).</ref> sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“<ref>''Hazael'' - aramäischer ''König'', der später Israel und Juda großen Schaden zufügen sollte (s. [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32-33]]; [[2 Chroniken 22#s5 |2 Chr 22,5]]; [[2 Könige 12#s7 |2 Kön 12,7.18f.]]. JHWH bringt hier also den Stein ins Rollen, der später Israel und Juda Israel überrollen sollte.</ref>
{{S|15}} Da sagte JHWH zu ihm: „Geh! Kehr um für deinen (zurück zu/auf deinem?) Weg([! und du sollst kommen]) zur Wüste nach Damaskus!<ref>''Geh! Kehr um für deinen Weg zur Wüste nach Damaskus!'' - Gesagt wird gerade nicht: „Kehr um! ''Mach dich auf den Weg...''“, sondern eben „Mach dich auf! ''Kehr um für deinen Weg''“. Vielleicht, um zu betonen: Es ist kein ''neuer'' Auftrag, den JHWH dem Elija hier gibt, sondern er ''gehört'' zu seinem Auftrag als Prophet. Elija würde dann damit weder „als Prophet abgesetzt“ (so z.B. von Rad, ThAT II, S. 34; Robinson 1991) noch „erneut als Prophet berufen“ (so z.B. DeVries 2004; Dharamraj 2006, S. 133), sondern sein „neuer“ Auftrag wäre dann nur Fortsetzung seines ursprünglichen, Prophet zu sein.<br />'''tFN''': Nicht: ''Geh zurück auf deinem Weg durch die Wüste von/nach Damaskus!'' = „Geh wieder zurück auf dem selben Weg, der durch die nach Damaskus führende Wüste verläuft“. Das wäre nicht idiomatisch; „auf einem Weg zurückkehren“ ist Heb. ''šub bederek'' mit der Präp. ''b-'' statt ''l-'' (s. [[Deuteronomium 17#s16 |Dtn 17,16]]; [[Deuteronomium 28#s68 |28,68]]; [[1 Könige 13#s9 |1 Kön 13,9f.]]; [[2 Könige 19#s33 |2 Kön 19,33]]; [[Jesaja 37#s34 |Jes 37,34]]). Sprachlich möglich wäre „Kehre zurück ''zu'' deinem Weg“ = „Kehr zurück ''zu'' diesem Weg, der durch die Wüste von/nach Damaskus verläuft“ (s. z.B. [[Deuteronomium 28#s32 |Dtn 28,32]]: „zurückkehren ''zu'' dir“; [[Rut 1#s10 |Rut 1,10]]: „zurückkehren ''zu'' deinem Volk“; [[2 Chroniken 30#s9 |2 Chr 30,9]]: „zurückkehren ''in'' dieses Land“). Aber es macht wenig Sinn: Auf diesem Weg war Elija ja gar nicht. V. 20 lehrt, wie der Ausdruck zu übersetzen ist: Dort steht der selbe Ausdruck („Geh, kehr um!“) absolut (d.h. ohne eine folgende Präpositionalphrase) und Elija fordert Elischa damit nur auf, sich ''von ihm'' wieder ''wegzukehren'' (daher V. 21: „Da kehrte er sich von hinter ihm um“, d.h. „da ging er von ihm weg“). Exakt so auch [[2 Samuel 3#s16 |2 Sam 3,16]]. Vgl. ähnlich mit der Präp. ''l-'' z.B. [[Jesaja 63#s17 |Jes 63,17]]: „umkehren ''für'' deine Diener“; [[Deuteronomium 24#s19 |Dtn 24,19]]: „umkehren, ''um sie'' zu holen“. Richtig Knauf 2019, S. 286: „Da Elija nicht von Damaskus zum Horeb gekommen ist, heißt das ‚geh umkehren‘ im Klartext: ‚Vergiss deine dumme Flucht, nimm deinen Dienst an der Stelle wieder auf, von der du weggelaufen bist, und führe aus, was ich mit dir jetzt vorhabe‘.“ Die ersten beiden Worte sagen also nur, Elija solle umkehren, und die folgenden drei präzisieren, warum: Elija soll nun nach Damaskus.<br />'''Textkritik''': ''[Und du sollst kommen]'' einheitlich in LXX und VL; alle anderen Vrs. wie MT. Sehr wahrscheinlich Ergänzung zur Glättung des Textes aus dem selben Grund: Weil Elija ja gar nicht um/nach Damaskus unterwegs war. Aber das ist unnötig, s.o.</ref> Und wenn du angekommen bist,<ref>'''tFN''': Nicht „und du sollst kommen“ (so z.B. WHM): Pänultima-Betonung, also kein Weqatal, sondern Waw-Qatal (richtig z.B. Knauf 2019).</ref> sollst du Hazael („Gesehen hat Gott“) zum König über Aram salben!“<ref>''Hazael'' - aramäischer ''König'', der später Israel und Juda großen Schaden zufügen sollte (s. [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32-33]]; [[2 Chroniken 22#s5 |2 Chr 22,5]]; [[2 Könige 12#s7 |2 Kön 12,7.18f.]]. JHWH bringt hier also den Stein ins Rollen, der später Israel und Juda Israel überrollen sollte.</ref>
{{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),<ref>''JH[WH] ist er'' - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.</ref> den (Sohn=) Nachfahren des Nimschi („Marder“),<ref>''Nachfahre des Nimschi'' - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist ''ben'' eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.</ref> sollst du salben zum König über Israel,<br />
{{S|16}} Und Jehu („JH[WH] ist er“),<ref>''JH[WH] ist er'' - Zur Semantik des Namens vgl. [https://www.dahpn.gwi.uni-muenchen.de/wp-content/uploads/MSSAP.pdf#0256 MSSAP §255f.]: Wohl ein preisender Ausruf, mit dem bei der Geburt des Sohnes die Größe JHWHs gelobt wurde.</ref> den (Sohn=) Nachfahren des Nimschi („Marder“),<ref>''Nachfahre des Nimschi'' - nämlich Enkel, s. [[2 Könige 9#s2 |2 Kön 9,2.14]] vs. [[2 Könige 9#s20 |2 Kön 9,20]]; [[2 Chroniken 22#s7 |2 Chr 22,7]]. Ungewöhnlich; in Namen ist ''ben'' eigentlich stets Einleitung des Patronyms, also des Vaters.</ref> sollst du salben zum König über Israel,<br />
Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})<ref>Zum Ort und Ortsnamen ''Abel-Mehola'' s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].<br />'''Textkritik''': ''Aus Abel-Mehola'' steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.</ref> sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!<ref>''nach dir'' - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. </ref>
Und Elischa („Gott hat gerettet“), den Sohn des Schafat („Er hat gerichtet“) aus Abel-Mehola („Bach des Reigentanzes“; {aus Abel-Mehola})<ref>Zum Ort und Ortsnamen ''Abel-Mehola'' s. [https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/12168/#h7 Abel (in Ortsnamen) (WiBiLex)].<br />'''Textkritik''': ''Aus Abel-Mehola'' steht in wenigen LXX-Mss an anderer Stelle und fehlt in wenigen MT-Mss. DeVries hält es daher für sekundär. Thiel 2007 hält dagegen, weil die Information, Elischa stamme aus Abel-Mehola, nirgendwo sonst überliefert sei und daher auch nicht von irgendwo anders hier eingedrungen sei, müsse der Ausdruck ursprünglich sein – aber das ist ein schwaches Argument; natürlich gab es auch nicht verschriftliche Traditionen über die großen Figuren der Bibel, die hier nachträglich eingefügt werden hätten können. Entscheidend ist, dass das textkritische Zeugnis für eine Version ohne diese Phrase denkbar schwach ist und dass die Versetzung überdies rein stilistisch zu erklären sein könnte. Wie es in den MT-Mss zu diesem Ausfall gekommen ist, ist aber wirklich nicht gut erklärlich.</ref> sollst du salben zum Propheten nach dir (unter dir, an deiner Statt)!<ref>''nach dir'' - In dieser Bed. wird der Ausdruck oft z.B. in [[2 Könige 15 |2 Kön 15]] verwendet (vgl. Dharamraj 2006, S. 135. So z.B. GN, HfA; auch PATMOS: „Und wenn du einmal tot bist, soll Elischa mein Prophet sein“). Das macht hier mehr Sinn als die häufige Üs. „an deiner Statt“, die zwar sprachlich gut möglich ist, aber nicht naheliegt, da Elija z.B. in [[1 Könige 21 |1 Kön 21]] und [[2 Könige 1 |2 Kön 1]] nach wie vor als Prophet wirkt. „Unter dir“ (so Dharamraj 2006, S. 133 selbst) ist ebenso gut möglich, s. V. 21 und [[2 Könige 2#s3 |2 Kön 2,3.5]]. </ref>
{{S|17}} Und es soll (wird) geschehen:
{{S|17}} Und es soll (wird) geschehen:
<poem>Wer vorm Schwert des Hazael entkommt,
<poem>Wer vorm Schwert des Hazael entkommt,
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{{S|19}} Da ging er von dort [fort] und stieß dort ({dort})<ref>'''Textkritik''': ''dort ({<s>dort</s>})'' - So nur LXX<sup>L</sup>. Alle anderen Vrs. incl. LXX<sup>B, A, H</sup> und VL wie MT. Aber wie das zweite „dort“ in die Vorlage von LXX<sup>L</sup> gelangt sein soll, wäre kaum erklärlich: Das erste ist ''miššam'', das zweite nur ''šam'', so dass man von keinem Kopierfehler ausgehen kann. Und eine bewusste Einfügung macht wenig Sinn, da gerade das zweite ''šam'' nicht viel Sinn ergibt: Es fehlt ja eine Ortsangabe, auf die sich dieses zweite ''šam'' beziehen könnte. Trebolle Barrera 1989, S. 145 hält es daher für primär und für eine Parallelisierung des V. mit dem V. 9, der den vorangehenden Abschnitt eröffnete und wo ähnlich und ähnlich redundant doppeltes „dort“ steht. Vgl. auch den doppelten „einsamen Ginsterbusch“ in den Vv. 4f, die das X-Qatal in V. 4 ebenfalls als Beginn eines neuen Abschnittes ausweisen.  Das dürfte die sinnvollste Erklärung sein; die anderen Vrs. hätten das Wort dann gestrichen, weil es in diesem V. so sperrig ist.</ref> auf Elischa, den Sohn des Schafat. Der pflügte gerade mit zwölf [Ochsen-]Gespannen vor sich; er selbst [war] beim Zwölften. {{par|Exodus|3|1|2}} {{par|Richter|6|11|12}} {{par|1 Samuel|11|5|6}} {{par|1 Samuel|16|11|13}} {{par|Amos|7|14}} Elija ging zu ihm (zog an ihm vorüber?)<ref>'''Textkritik''': Fast alle Vrs. und Mss wie in der Primärüs.; so z.B. auch LUT: „Er ging zu ihm“. Die Präpp. ''`el'' („[hin] zu“) und ''´al'' („[vorüber] an“) werden aber im MT sehr häufig austauschbar verwendet. BHS glaubt, dies sei auch hier der Fall, ähnlich glauben Stade/Schwally und BHK, ''der Text'' habe ursprünglich anders gelautet und eben ''´al'' statt ''`el'' gehabt, was sich mit Syr stützen ließe. So z.B. auch EÜ: „Im Vorbeigehen“. Von Elija würde dann hier der selbe Ausdruck verwendet wie oben vom „Vorüberziehen“ Gottes. Das machte auch die folgende Aussage besser erklärlich, dass Elischa dem Elija „nachrennen“ muss. Aber es ist ja nicht nötig; dass Elija nach seinem Mantel-Überwurf wieder weggegangen ist, wird ja auch aus einem Text mit ''`el'' ersichtlich, und gegen die Annahme eines Schreibfehlers spricht, dass die ''´al''-Variante nur durch Syr gestützt wird, was sich leicht als Assimilation an den obigen Ausdruck und/oder die folgende Präp. erklären lässt; gegen die Annahme, ''`el'' würde hier statt ''´al'' verwendet, spricht, dass das doch unwahrscheinlich wäre, wenn es dem Text wirklich gerade darum gegangen wäre, Elija mit Gott zu parallelisieren.</ref> und warf ihm seinen Mantel über (zu).<ref>''warf ihm seinen Mantel über'' - Offenbar ein Symbol dafür, dass Elischa sein Nachfolger werden wird; vgl. [[Numeri 20#s25 |Num 20,25f.]]. [[2 Könige 1#s8 |2 Kön 1,8]]; [[Sacharja 13#s4 |Sach 13,4]]; [[Matthäus 3#s4 |Mt 3,4]] und [[Markus 1#s6 |Mk 1,6]] legen darüber hinaus nahe, dass das grobe Gewand grundsätzlich Amtstracht eines Propheten und speziell die Elijas gewesen ist (so die meisten Kommentoren).<br />'''Textkritik''': ''warf ihm seinen Mantel über (zu)'' - Die selbe Problematik wie eben (s. vorige FN). Hier aber haben auch einige MT-Mss ''´alajw'' und auch LXX<sup>B, A, H</sup>, VUL, Tg, Syr stützen es; in den MT-Mss, in denen stattdessen ''`el'' steht, wurde sicher an die vorangehende Präp. assimiliert.</ref>
{{S|19}} Da ging er von dort [fort] und stieß dort ({dort})<ref>'''Textkritik''': ''dort ({<s>dort</s>})'' - So nur LXX<sup>L</sup>. Alle anderen Vrs. incl. LXX<sup>B, A, H</sup> und VL wie MT. Aber wie das zweite „dort“ in die Vorlage von LXX<sup>L</sup> gelangt sein soll, wäre kaum erklärlich: Das erste ist ''miššam'', das zweite nur ''šam'', so dass man von keinem Kopierfehler ausgehen kann. Und eine bewusste Einfügung macht wenig Sinn, da gerade das zweite ''šam'' nicht viel Sinn ergibt: Es fehlt ja eine Ortsangabe, auf die sich dieses zweite ''šam'' beziehen könnte. Trebolle Barrera 1989, S. 145 hält es daher für primär und für eine Parallelisierung des V. mit dem V. 9, der den vorangehenden Abschnitt eröffnete und wo ähnlich und ähnlich redundant doppeltes „dort“ steht. Vgl. auch den doppelten „einsamen Ginsterbusch“ in den Vv. 4f, die das X-Qatal in V. 4 ebenfalls als Beginn eines neuen Abschnittes ausweisen.  Das dürfte die sinnvollste Erklärung sein; die anderen Vrs. hätten das Wort dann gestrichen, weil es in diesem V. so sperrig ist.</ref> auf Elischa, den Sohn des Schafat. Der pflügte gerade mit zwölf [Ochsen-]Gespannen vor sich; er selbst [war] beim Zwölften. {{par|Exodus|3|1|2}} {{par|Richter|6|11|12}} {{par|1 Samuel|11|5|6}} {{par|1 Samuel|16|11|13}} {{par|Amos|7|14}} Elija ging zu ihm (zog an ihm vorüber?)<ref>'''Textkritik''': Fast alle Vrs. und Mss wie in der Primärüs.; so z.B. auch LUT: „Er ging zu ihm“. Die Präpp. ''`el'' („[hin] zu“) und ''´al'' („[vorüber] an“) werden aber im MT sehr häufig austauschbar verwendet. BHS glaubt, dies sei auch hier der Fall, ähnlich glauben Stade/Schwally und BHK, ''der Text'' habe ursprünglich anders gelautet und eben ''´al'' statt ''`el'' gehabt, was sich mit Syr stützen ließe. So z.B. auch EÜ: „Im Vorbeigehen“. Von Elija würde dann hier der selbe Ausdruck verwendet wie oben vom „Vorüberziehen“ Gottes. Das machte auch die folgende Aussage besser erklärlich, dass Elischa dem Elija „nachrennen“ muss. Aber es ist ja nicht nötig; dass Elija nach seinem Mantel-Überwurf wieder weggegangen ist, wird ja auch aus einem Text mit ''`el'' ersichtlich. Gegen die Annahme eines Schreibfehlers spricht außerdem, dass die ''´al''-Variante nur durch Syr gestützt wird, was sich leicht als Assimilation an den obigen Ausdruck und/oder die folgende Präp. erklären lässt; gegen die Annahme, ''`el'' würde hier statt ''´al'' verwendet, spricht, dass es doch unwahrscheinlich wäre, dass gerade hier eine andere Präp. als oben verwendet würde, wenn es dem Text wirklich gerade darum ginge, Elija mit Gott zu parallelisieren.</ref> und warf ihm seinen Mantel über (zu).<ref>''warf ihm seinen Mantel über'' - Offenbar ein Symbol dafür, dass Elischa sein Nachfolger werden wird; vgl. [[Numeri 20#s25 |Num 20,25f.]]. CHANCELLOR/LEPLAR daher: „Elija kam und warf seinen Mantel über ihn. Das war das Zeichen, dass er mit ihm ziehen sollte.“ [[2 Könige 1#s8 |2 Kön 1,8]]; [[Sacharja 13#s4 |Sach 13,4]]; [[Matthäus 3#s4 |Mt 3,4]] und [[Markus 1#s6 |Mk 1,6]] legen darüber hinaus nahe, dass das grobe Gewand grundsätzlich Amtstracht eines Propheten und speziell die Elijas gewesen ist (so die meisten Kommentoren). Gut dann GN: „Seinen Prophetenmantel“.<br />'''Textkritik''': ''warf ihm seinen Mantel über (zu)'' - Die selbe Problematik wie eben (s. vorige FN). Hier aber haben auch einige MT-Mss ''´alajw'' und auch LXX<sup>B, A, H</sup>, VUL, Tg, Syr stützen es; in den MT-Mss, in denen stattdessen ''`el'' steht, wurde sicher an die vorangehende Präp. assimiliert.</ref>
{{S|20}} Da verließ er das Vieh, rannte hinter Elija her und sagte: „Lass mich doch bitte meinen Vater ([und meine Mutter]<ref>'''Textkritik''': ''und meine Mutter'' fehlt in LXX<sup>B, H</sup>. LXX<sup>A, L</sup>, VL und die anderen Vrs. wie im MT mit der längeren Variante. Sicher eine Expansion des Texts; so richtig Stade/Schwally; Hugo 2010, S. 19. Die umgekehrte Erklärung, „und meine Mutter“ sei als Haplographie entfallen (z.B. DeVries 2004), ignoriert die Konjunktion ''w-'', wegen der das Wort „meine Mutter“ gar nicht ebenso beginnt wie „mein Vater“.</ref>) küssen, dann werde ich hinter dir hergehen!“ Und er sagte zu ihm: „Geh, kehr um! Ach, was (Denn was) habe ich dir getan?“<ref>''Ach, was (denn was) habe ich an dir getan?'' - Schwer verständlich. (1) Ich (S.W.) schlage vor: „Was habe ich dir nur angetan!? Geh nur, kehr um. [Wenigstens das will ich dir erlauben.]“. Sonst wahlweise gedeutet wie folgt: (2) Elija stelle Elischa mit der Behauptung, seine Handlung habe ja gar keine tiefergehende Bed. gehabt, auf die Probe („was habe ich schon gemacht? Nichts!“; z.B. Cogan 2001); (3) Elija weist Elischa schroff zurecht: „Mach dich fort! Du taugst nicht zum Propheten; wie gut, dass es in Wirklichkeit gar nicht bedeutsam war, was ich an dir tat!“ (z.B. Fohrer 1968, S. 24; ähnlich wieder Knauf 2019); (4) Elija gewähre ihm seine Bitte gern („Geh nur. Ist schließlich nichts Krasses, was ich gerade mit dir gemacht habe“; z.B. ALTER); (5) „aber [denk daran], was ich an dir getan habe“, d.h. „aber komm wieder zurück; is' wichtig!“ (z.B. Sweeney 2007). Letzteres ist schwer glaublich, da dann gerade das, wozu aufgefordert würde, ausgespart wäre; (4) beißt sich entscheidend mit der Darstellung prophetischen Leidens in 1 Kön 18,1-19,18, die das ganze Kapitel hindurch Thema war. (2) und (3) sind am rundesten, kommen aber sehr unmotiviert und werden auch später nicht mehr aufgegriffen.</ref>
{{S|20}} Da verließ er das Vieh, rannte hinter Elija her und sagte: „Lass mich doch bitte meinen Vater ([und meine Mutter]<ref>'''Textkritik''': ''und meine Mutter'' fehlt in LXX<sup>B, H</sup>. LXX<sup>A, L</sup>, VL und die anderen Vrs. wie im MT mit der längeren Variante. Sicher eine Expansion des Texts; so richtig Stade/Schwally; Hugo 2010, S. 19. Die umgekehrte Erklärung, „und meine Mutter“ sei als Haplographie entfallen (z.B. DeVries 2004), ignoriert die Konjunktion ''w-'', wegen der das Wort „meine Mutter“ gar nicht ebenso beginnt wie „mein Vater“.</ref>) küssen, dann werde ich hinter dir hergehen!“ Und er sagte zu ihm: „Geh, kehr um! Ach, was (Denn was) habe ich dir getan?“<ref>''Ach, was (denn was) habe ich an dir getan?'' - Schwer verständlich. (1) Ich (S.W.) schlage vor: „Was habe ich dir nur angetan!? Geh nur, kehr um. [Wenigstens das will ich dir erlauben.]“. So vielleicht MEN: „Gehe immerhin noch einmal zurück; denn was habe ich dir getan?“. Sonst wahlweise gedeutet wie folgt:<br />(2) Elija stelle Elischa mit der Behauptung, seine Handlung habe ja gar keine tiefergehende Bed. gehabt, auf die Probe („was habe ich schon gemacht? Nichts!“; z.B. Cogan 2001);<br />(3) Elija weist Elischa schroff zurecht: „Mach dich fort! Du taugst nicht zum Propheten; wie gut, dass es in Wirklichkeit gar nicht bedeutsam war, was ich an dir tat!“ (z.B. Fohrer 1968, S. 24; ähnlich wieder Knauf 2019; z.B. auch PAT: „Kehre um, denn was soll ich mit dir?“);<br />(4) Elija gewähre ihm seine Bitte gern („Geh nur. Ist schließlich nichts Krasses, was ich gerade mit dir gemacht habe“; z.B. ALTER; ähnlich NeÜ: „Geh nur, ich habe dich ja nicht gezwungen.“);<br />(5) „aber [denk daran], was ich an dir getan habe“, d.h. „aber komm wieder zurück; is' wichtig!“ (z.B. Sweeney 2007; z.B. auch EÜ, GN, LUT, ZÜR: „Geh nur, aber komm dann zurück! Aber vergiss nicht, was ich an dir getan habe“).<br />Letzteres ist schwer glaublich, da dann gerade das, wozu aufgefordert würde, ausgespart wäre; (4) beißt sich entscheidend mit der Darstellung prophetischen Leidens in 1 Kön 18,1-19,18, das das ganze Kapitel hindurch Thema war. (2) und (3) sind am rundesten, kommen aber sehr unmotiviert und werden auch später nicht mehr aufgegriffen.</ref>


{{S|21}} {{par|1 Samuel|11|7}}
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In '''1 Kön 19''' folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in '''V. 1f.'''. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in '''V. 3''' nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in '''Vv. 5-7''' zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in '''Vv. 4f.''' der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen.  
In '''1 Kön 19''' folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in '''V. 1f.'''. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in '''V. 3''' nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in '''Vv. 5-7''' zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in '''Vv. 4f.''' der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen.  


Daran schließt sich in in '''Vv. 9-14''' ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert. Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb; wie Mose dort „aus einer Felsspalte heraus“ Gott sehen konnte ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]), gelangt Elija auf dem Horeb „zu der Höhle“ ('''V. 9'''), von der aus er bald darauf Gott begegnen wird ('''V. 13'''), nachdem er in '''V. 8''' 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst ist ganz nach dem Vorbild von Ex 19; 33 gestaltet: Gott „zieht vorüber“ ('''V. 11'''), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ ('''V. 13'''), spielt zum einen an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben“, und soll zum anderen wohl erklären, warum die Haut von Elijas Gesicht anders als die des Mose in [[Exodus 34#s29 |Ex 34,29f.]] nicht leuchtete. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in '''Vv. 11f.''' ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann ''gleichzeitig'' damit, dass er als „feiner Klang der Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach (s. zu diesen Vv. noch mal unten).
Daran schließt sich in in '''Vv. 9-14''' ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert, dabei aber nach dem Formular einer Königsaudienz gestaltet ist (gut Seybold 1973, S. 8; Machholz 1980, S. 331; Blum 1997, S. 287): Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb. Dort muss er zunächst dem „Wort JHWHs“ sein Anliegen vortragen, bevor ihm seine Audienz gewährt wird. Wie bei einer Audienz wird ihm dann eine Wartezeit beschieden, bevor der Gott selbst begegnen wird. Wie Mose „aus einer Felsspalte heraus“ ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]) Gott begegnete, verbringt er diese Wartezeit „in der Höhle“, nachdem er in '''V. 8''' 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst (=die Audienz) ist ganz in Auseinandersetzung mit Ex 19; 33 gestaltet, aber mit entscheidenden Unterschieden: Gott „zieht vorüber“ ('''V. 11'''), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ ('''V. 13'''), spielt zum einen an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben“, und soll zum anderen wohl erklären, warum die Haut von Elijas Gesicht anders als die des Mose in [[Exodus 34#s29 |Ex 34,29f.]] nicht leuchtete. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in '''Vv. 11f.''' ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann ''gleichzeitig'' damit, dass er als „feiner Klang der Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach. Die Schau Gottes selbst jedoch – wird überraschend mit keinem Wort erwähnt. Dazu s. gleich noch einmal mehr.


Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den '''Vv. 10.14''' der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].<br /><small>Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und ''daher'' nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird (bes. in der engl. Auslegung). Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst zum zweiten Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und ''wiederhole'' deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja ''wahr'', was Elija sagt:</small><br />
Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den '''Vv. 10.14''' der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].<br /><small>Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und ''daher'' nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird (bes. in der engl. Auslegung). Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst zum zweiten Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und ''wiederhole'' deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja ''wahr'', was Elija sagt:</small><br />
Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten ''haben'' auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten ''haben'' die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija ''wirklich'' der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es ''genauso'' wie Elija.<br />
Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten ''haben'' auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten ''haben'' die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija ''wirklich'' der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es ''genauso'' wie Elija.<br />


Was nämlich in dieser Verquickung von Ex 19; 33-34 mit 1 Kön 18 zum Ausdruck kommt, ist klar: ''Was auf dem Karmel geschah, ist bedeutsam für das, was auf dem Horeb geschah''. Gottes Antwort auf Elijas Klage in Vv. 10.14 über die Geschehnisse in 1 Kön 18 wird derart auf den gleichen Rang erhoben, auf dem auch die 10 Gebote stehen, die Gott in Ex 19; 33-34 erlassen hat. Wie Gott in diesen 10 Geboten seinen Bund mit Israel geschlossen hat, kündigt er ihn hier wieder auf, nachdem die Israeliten ihn nach V. 14 ohnehin bereits gebrochen haben. Die Antwort Gottes in '''Vv. 15-18''' ergibt sich denn auch ganz logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in '''V. 16''', da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen wird und in [[2 Könige 9#s7 |2 Kön 9,7]] „wegen des Bluts der Propheten“ als Gottes Mittler handelt, durch den sich dieser „an Isebel“ und ihrem ganzen Haus rächt. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in '''Vv. 18''', die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach '''V. 15''' Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).<br />
Was nämlich in dieser Verquickung von Ex 19; 33-34 mit 1 Kön 18 zum Ausdruck kommt, ist klar: ''Was auf dem Karmel geschah, ist bedeutsam für das, was auf dem Horeb geschah''. Gottes Antwort auf Elijas Klage in Vv. 10.14 über die Geschehnisse in 1 Kön 18 wird derart auf den gleichen Rang erhoben, auf dem auch die 10 Gebote stehen, die Gott in Ex 19; 33-34 erlassen hat. Wie Gott in diesen 10 Geboten seinen Bund mit Israel geschlossen hat, kündigt er ihn hier wieder auf, nachdem die Israeliten ihn nach V. 14 ohnehin bereits gebrochen haben. Die Antwort Gottes in '''Vv. 15-18''' ergibt sich denn auch logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in '''V. 16''', da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen und in [[2 Könige 9#s7 |2 Kön 9,7]] „wegen des Bluts der Propheten“ als Gottes Mittler handeln wird, durch den sich dieser „an Isebel“ und ihrem ganzen Haus rächen kann. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in '''Vv. 18''', die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach '''V. 15''' Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen [König] wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).<br />
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann geballt in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist ''hier'' noch keine Rede. 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10.
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann konzentriert in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu bes. Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist ''hier'' noch keine Rede 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen damit v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10.


Wahrscheinlich ist es die ''Aufkündigung des Bundes'', die auch zuvorderst in der auffälligen Formulierung der Gottesbegegnung in '''Vv. 11f.''' zum Ausdruck kommen soll. Dass Gott nicht „im Feuer“ oder „im Erdbeben“ ist, ist auch in Ex 19 klar. Hier aber wird es eigens gesagt: Gott „''ist nicht'' im Sturm, ''ist nicht'' im Feuer, ''ist nicht'' im Beben“, und seine Stimme ist „eine Stimme der ''Stille''“. ''Wo'' Gott ''stattdessen'' ist und wie er erscheint, wird überdeutlich im ''Text'' von 1 Kön 19 selbst ganz ''ausgespart'', obwohl Elija der Erzählung nach Gott sehr wohl begegnet. Was derart in 1 Kön 19 ''geschildert'' wird, ist eine „leere Theophanie“ (stark Dharamraj 2006, S. 109): Gott ist nicht mehr da.<br /><small>Ist das richtig, wäre es ein Fehler, wenn man aus 1 Kön 19,12 Rückschlüsse über das „Wesen“ Gottes ziehen wollte. Das hat man so häufig getan, dass die wichtigsten Positionen hier wenigstens genannt seien:<br />(1) Vv. 11f. sollen zeigen, dass Gott ''anders ist als der Sturmgott Baal''. Man muss dafür aus Stellen wie [[Psalm 18#s8 |Ps 18,8-15]]; [[Psalm 50#s3 |50,3]]; [[Psalm 77#s19 |77,19]]; [[Psalm 97#s1 |97,1-5]]; [[Jesaja 28#s2 |Jes 28,2]]; [[Jesaja 29#s6 |29,6]]; [[Jesaja 30#s30 |30,30]]; [[Nahum 1#s3 |Nah 1,3-6]] und ähnlichen Stellen ableiten, dass Sturmgötter ''und nicht andere Götter'' mit Attributen wie begleitendem Sturm, Feuer und Erdbeben dargestellt würden, dass dies also in diesem Kontext bes. für Baal gelte und ein:e Leser:in bei der Lektüre von Vv. 11f. daher zunächst an Baal und nicht an JHWH gedacht hätte, was dann aber die Vv. selbst kommentierten mit: „So ist Gott ''nicht''; ''er'' ist fein und leise. Und: Er ist damit ''mehr'' als Baal; vor der Baals-Königin Isebel braucht Elija sich also nicht zu fürchten“ (z.B. von Nordheim 1992, S. 143f.).<br />(2) Ähnlich: Elija mag jetzt verzweifelt sein, weil derart chaotische Zustände in Israel herrschen. Aber Gott ist sogar ''noch mehr'' als selbst die urtümlichen Chaosmächte Sturm, Feuer, Beben. Die Chaos-Königin Isebel habe also keine Chance (z.B. Eidevall 2011, S. 103).<br />(3) Vv. 11f. seien gegen klassische ''JHWH''-Vorstellungen gerichtet: Sturm, Feuer und Erdbeben sind, wie man an den eben aufgezählten Stellen sieht, übliche „Begleiter“ JHWHs. Dagegen dann Vv. 11f.: „Das sind doch nur mythische Vorstellungen; Gott erfährt man vielmehr als feine, leise Stimme, mit denen er v.a. seine ''Gebote'' erlässt, vermöge derer der ''Bund'' zwischen ihm und Israel besteht, und denen Elija nun bitte gefälligst wieder Folge zu leisten habe“ (z.B. Robinson 1972; Robinson 1991, S. 527; Thiel 2007).<br />(4) Vv. 11f. seien ein Kommentar zu 1 Kön 18: Dort hat Gott im Feuer wundermächtig gehandelt. Vv. 11f. wollten demgegenüber sagen: „So kann und wird Gott ''nicht regelmäßig'' handeln; zumeist wird er gar kaum wahrnehmbar als feine, leise Stimme in der Welt wirken. Speziell Elija wird daher im Folgenden sogar den Eindruck haben können, auf sich allein gestellt zu sein, doch er solle sich nicht fürchten: Gott wird fein und leise wirken, aber er ''wird'' wirken“ (z.B. Hauser 1990, S. 69f.75).<br />(5) Vv. 11f. belehren nicht zuvorderst über Gott, sondern darüber, wie ''der Mensch'' Gott erfahren könne: In der Stille, wenn er ganz auf das Hören auf die feine Stimme Gottes ausgerichtet sei (so z.B. Sommer 1999, S. 441f.; Adam 2018, S. 172).</small>
Wahrscheinlich ist es diese ''Aufkündigung des Bundes'', die auch zuvorderst in der auffälligen Formulierung der Gottesbegegnung in '''Vv. 11f.''' zum Ausdruck kommen soll. Dass Gott nicht „im Feuer“ oder „im Erdbeben“ ist, ist auch in Ex 19 klar. Hier aber wird es eigens gesagt: Gott „''ist nicht'' im Sturm, ''ist nicht'' im Feuer, ''ist nicht'' im Beben“, und seine Stimme ist „eine Stimme der ''Stille''“. ''Wo'' Gott ''stattdessen'' ist und wie er erscheint, wird im ''Text'' von 1 Kön 19 selbst ''ausgespart'', obwohl Elija der Erzählung nach Gott sehr wohl begegnet. Was derart in 1 Kön 19 ''geschildert'' wird, ist eine „leere Theophanie“ (stark Dharamraj 2006, S. 109): Gott ist nicht mehr da.<br /><small>Ist das richtig, wäre es ein Fehler, wenn man aus 1 Kön 19,12 Rückschlüsse über das „Wesen“ Gottes ziehen wollte. Das hat man so häufig getan, dass die wichtigsten Positionen hier wenigstens genannt seien:<br />(1) Vv. 11f. sollen zeigen, dass Gott ''anders ist als der Sturmgott Baal''. Man muss dafür aus Stellen wie [[Psalm 18#s8 |Ps 18,8-15]]; [[Psalm 50#s3 |50,3]]; [[Psalm 77#s19 |77,19]]; [[Psalm 97#s1 |97,1-5]]; [[Jesaja 28#s2 |Jes 28,2]]; [[Jesaja 29#s6 |29,6]]; [[Jesaja 30#s30 |30,30]]; [[Nahum 1#s3 |Nah 1,3-6]] und ähnlichen Stellen ableiten, dass Sturmgötter ''und nicht andere Götter'' mit Attributen wie begleitendem Sturm, Feuer und Erdbeben dargestellt würden, dass dies also in diesem Kontext bes. für Baal gelte und ein:e Leser:in bei der Lektüre von Vv. 11f. daher zunächst an Baal und nicht an JHWH gedacht hätte, was dann aber die Vv. selbst kommentierten mit: „So ist Gott ''nicht''; ''er'' ist fein und leise. Und: Er ist damit ''mehr'' als Baal; vor der Baals-Königin Isebel braucht Elija sich also nicht zu fürchten“ (z.B. von Nordheim 1992, S. 143f.).<br />(2) Ähnlich: Elija mag jetzt verzweifelt sein, weil derart chaotische Zustände in Israel herrschen. Aber Gott ist sogar ''noch mehr'' als selbst die urtümlichen Chaosmächte Sturm, Feuer, Beben. Die Chaos-Königin Isebel habe also keine Chance (z.B. Eidevall 2011, S. 103).<br />(3) Vv. 11f. seien gegen klassische ''JHWH''-Vorstellungen gerichtet: Sturm, Feuer und Erdbeben sind, wie man an den eben aufgezählten Stellen sieht, übliche „Begleiter“ JHWHs. Dagegen dann Vv. 11f.: „Das sind doch nur mythische Vorstellungen; Gott erfährt man vielmehr als feine, leise Stimme, mit denen er v.a. seine ''Gebote'' erlässt, vermöge derer der ''Bund'' zwischen ihm und Israel besteht, und denen Elija nun bitte gefälligst wieder Folge zu leisten habe“ (z.B. Robinson 1972; Robinson 1991, S. 527; Thiel 2007).<br />(4) Vv. 11f. seien ein Kommentar zu 1 Kön 18: Dort hat Gott im Feuer wundermächtig gehandelt. Vv. 11f. wollten demgegenüber sagen: „So kann und wird Gott ''nicht regelmäßig'' handeln; zumeist wird er gar kaum wahrnehmbar als feine, leise Stimme in der Welt wirken. Speziell Elija wird daher im Folgenden sogar den Eindruck haben können, auf sich allein gestellt zu sein, doch er solle sich nicht fürchten: Gott wird fein und leise wirken, aber er ''wird'' wirken“ (z.B. Hauser 1990, S. 69f.75).<br />(5) Vv. 11f. belehren nicht zuvorderst über Gott, sondern darüber, wie ''der Mensch'' Gott erfahren könne: In der Stille, wenn er ganz auf das Hören auf die feine Stimme Gottes ausgerichtet sei (so z.B. Sommer 1999, S. 441f.; Adam 2018, S. 172).<br />Langenhorst paraphrasiert: „Nun wusste er, wie der HERR sich ihm zeigen wollte, sanft, zärtlich, leicht.“ (LANGENHORST/KREJTSCHI, S. 100)</small>


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Version vom 29. Mai 2022, 10:12 Uhr

Syntax ungeprüft

Status: Studienfassung zu prüfen – Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett, aber noch nicht mit den Übersetzungskriterien abgeglichen und nach den Standards der Qualitätssicherung abgesichert worden und sollte weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (1 Könige 19)

(kommt später)

Studienfassung (1 Könige 19)

1 Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)a alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)b er getötet hatte alle ({alle})c die Propheten mit dem Schwert. 2 Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])d zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:e Dies möge Gott (mögen die Götter?)f mir ([mir])g antun und darüber hinaus jenes,h wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“ 3 Da fürchtete sich (Da sah)i Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kamj nach Beerscheba, das zu[m Königreich]k Juda [gehörte]. Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück.


4 Nachdem er einen [ganzen] Tag langl in die Wüste gelaufen war, {kam er und}j setzte er sich unter einen einsamenm Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!n Nimm mein Leben ([von mir]),o denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“p 5 Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).q Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)r stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“ 6 Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seinem Kissen-Stein?)s [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]t Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])u aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.v 7 Und es kam zurück der Bote (Engel)w JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weitx für dich der Weg!“ 8 Da stand er auf ({stand er auf}y) und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.z


9 Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)aa und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}ab): „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“ac 10 Da sprach er:

(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifertad
Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),ae
Aber (denn) verlassen haben dich