Gen 4:
Persönliche Fassung (Sebastian Walter): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

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Da loderte es in Kauf<ref>Gut Heyden 2003, S. 96: „Dabei drückt die unpersönliche Form [''wajjiḥar laQajn'', ‚es entbrannte in Kauf‘] aus, daß [Kauf] nicht vorsätzlich handelt, sondern von seinem Gefühl gewissermaßen überrascht wird. ‚Es entbrennt in ihm‘. Da das Verbum hier absolut steht, sollte es nicht mit ‚zornig werden‘ übersetzt werden. Wenn dies gemeint ist, so steht [''`ap'', ‚Zorn‘] als Subjekt ausdrücklich da.“ Entsprechend „senkt sich“ in der nächsten Zeile auch sein Kopf: An der einzigen Stelle, wo der Ausdruck sonst noch steht (Jer 3,12), „senkt ''man'' (zornig) sein Gesicht“; hier dagegen wird sozusagen das Gesicht selbst tätig.</ref>
Da loderte es in Kauf<ref>Gut Heyden 2003, S. 96: „Dabei drückt die unpersönliche Form [''wajjiḥar laQajn'', ‚es entbrannte in Kauf‘] aus, daß [Kauf] nicht vorsätzlich handelt, sondern von seinem Gefühl gewissermaßen überrascht wird. ‚Es entbrennt in ihm‘. Da das Verbum hier absolut steht, sollte es nicht mit ‚zornig werden‘ übersetzt werden. Wenn dies gemeint ist, so steht [''`ap'', ‚Zorn‘] als Subjekt ausdrücklich da.“ Entsprechend „senkt sich“ in der nächsten Zeile auch sein Kopf: An der einzigen Stelle, wo der Ausdruck sonst noch steht (Jer 3,12), „senkt ''man'' (zornig) sein Gesicht“; hier dagegen wird sozusagen das Gesicht selbst tätig.</ref>
und sein Gesicht senkte sich.
und sein Gesicht senkte sich.
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Dabei sollte er dir willens sein
und du solltest über ihn herrschen!“
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Version vom 18. Januar 2023, 02:27 Uhr

Dies ist eine individuell verantwortete Textfassung. Sie ist Teil der Offenen Bibel, stammt aber in dieser Version nicht vom Gesamt-Team.

Persönliche Fassung

4. Zwei Morde


1 Der Erdling erkanntea seine Frau Leben.
Sie empfing und gebar den Kaufb
und sie sagte: „Ich habe mir einen Mann erkauft an der Seite von GOTT.“c
2 Weiter gebar sie seinen Bruder Flüchtig.
Flüchtig wurde Kleinvieh-Hirte,
Kauf aber wurde Erdboden-Diener.d
3 Als die Zeit gekommen war,
brachte Kauf GOTT von der Frucht des Erdbodens ein Opfer dar,
4 Flüchtig aber, auch er, opferte von den Erstgeborenen seines Viehs – und zwar sogar von ihren Fettstücken!e
Da achtete GOTT auf Flüchtig und sein Opfer,
5 auf Kauf aber und auf sein Opfer achtete er nicht.
Da loderte es in Kauff
und sein Gesicht senkte sich.
6 GOTT fragte Kauf:
„Warum lodert es in dir
und warum hat sich dein Gesicht gesenkt?
7 Es ist doch so: Handelst du gut, heißt's Erhöhung,
doch handelst du nicht gut, heißt's vor der Tür wegen Sünde Liegen!g
Dabei sollte er dir willens sein
und du solltest über ihn herrschen!“
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Gen 2,25-3,24 <= | => Gen 5


(Sebastian Walter unter Verwendung von Texten der Offenen Bibel)

aerkennen ist hier wie häufig Euphemismus für „Geschlechtsverkehr haben“. Es ist das selbe Verb, das auch in Gen 2-3 den Baum als „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ beschrieb. (Zurück zu Lesefassung v.1)
bKauf: Im Heb. Qajn, was wahrscheinlich eigentlich „Schmied“ bedeutet. In der dritten Zeile wird der Name aber mit einer sogenannten „Volksetymologie“ von qanah („kaufen“) abgeleitet; im Rahmen von Gen 4 „bedeutet“ der Name daher „Kauf“. (Zurück zu Lesefassung v.1)
cIch habe einen Mann erkauft an der Seite von GOTT - Raffiniert formuliert. Gemeint ist ungefähr: „Both I and JHWH have made a man!“ ( Eskenazi 2008, S. 19). Erwartet hätte man dafür aber etwas wie „Ich habe mit JHWH an meiner Seite einen Sohn geboren!“ Doch Eva ist so fixiert auf ihre Leistung, das erste Kind der Welt zur Welt gebracht zu haben, dass sie erstens „ich an der Seite von JHWH“ statt „ich mit JHWH an meiner Seite“ sagt, und zweitens keines der üblichen Worte für „hervorbringen“ verwendet, sondern mit „erkaufen“ eines, das ebenfalls ihre Leistung bei der Geburt dieses Sohnes betont. Der „Kaufpreis“ ist wahrscheinlich die ganze Zeit der Schwangerschaft, die ja insgesamt in Gen 3 als „Mühsal“ beschrieben wurde. „Mann“ statt „Kind“ schließlich soll wohl betonen, dass von nun an nicht mehr der Erdboden „Erdlinge“ hervorbringt, sondern Frauen (`iššah) Männer (`iš; gut van Wolde 1991, S. 27). (Zurück zu Lesefassung v.1)
dErdboden-Diener - Kauf tritt also in die Fußstapfen seines Vaters, indem er als Landwirt „dem Erdboden dient“. Flüchtig dagegen setzt den dritten Auftrag aus Gen 1,28 um: Nachdem seine Mutter „fruchtbar war“ und „sich vermehrt hat“ (und nachdem Kauf begonnen hat, „dem Erdboden zu dienen“), hat er sich zum „Herrscher über Tiere“ aufgeschwungen (gut Fischer 2018). (Zurück zu Lesefassung v.2)
eGleich darauf wird gesagt werden, dass Gott auf Flüchtig und sein Opfer „blickt“, auf Kauf und sein Opfer aber nicht. Man hat in der Auslegung viel darüber gerätselt, was der Grund dafür sein könnte. Schon in Heb 11,4 wird die Erzählung damit ausgeschmückt, dass Flüchtig sein Opfer gläubig und Kauf ungläubig dargebracht habe. Achtet man aber auf die Formulierung, erkennt man den Grund für Gottes Parteilichkeit sofort: Kauf bringt „von der Frucht des Erdbodens ein Opfer“ dar, Flüchtig dagegen „opferte von den Erstgeborenen seines Viehs, und zwar von deren Fettstücken“. Vergleicht man diese kurzen Passagen, kann man ganze neun Textstrategien feststellen, mit denen herausgestellt wird, dass das Opfer von Flüchtig von anderer Qualität ist als das von Kauf:
(1) Bei Kauf wird das Geopferte durch die Angabe „ein Opfer“ limitiert, bei Flüchtig nicht.
(2) Bei Kauf steht „die Frucht“ im Singular, bei Flüchtig stehen „die Erstgeborenen“ im Plural.
(3) Flüchtig bringt die „Erstgeborenen“ seines Viehs. Vorausgesetzt ist die Vorstellung, dass Gott an diesen besonderen Gefallen hat, weshalb er sie sich später zum Opfer erküren wird (Ex 13,2.12f.; 22,30; Num 18,17; Dtn 15,19).
(4) Bei Kauf ist die Frucht „Frucht des Erdbodens“, Flüchtigs Opfer dagegen wurden von „den Erstlingen seines Viehs“ genommen.
(5+6) Das wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass „Fett“ mit „Flüchtig“ klang-spielt: „Fett“ heißt im Hebräischen ḥelb, „Flüchtig“ dagegen habl. Die beiden Wörter rahmen den ganzen Satz.
(7) Die „Erstlinge seines Viehs“ sind doppelt gesteigert durch die Präzisierung „von ihren Fettstücken“ (eine häufigere Metapher für „das Beste vom Besten“, s. Gen 45,18; Num 18,12.29f.32. In Dtn 32,14; Ps 81,16; 147,14 ist daher sogar vom „das Fett des Weizens“ = von „köstlichem Weizen“ die Rede)
(8) und durch die Formulierung „und zwar von den Fettstücken“, statt einfach „von den Fettstücken der Erstlinge seines Viehs“ zu schreiben.
(9) Der Satz über Flüchtig wird dann dann auch noch stimmig zusätzlich durch das überflüssige „auch er“ gelängt.
Es wird darüber hinaus dann auch auch nicht einmal gesagt, dass Gott das Opfer von Kauf „nicht annehmen“ würde. Diese Bedeutung hat „auf etw. blicken“ nicht (richtig Heyden 2003, S. 92). Dass Kauf verworfen würde o.Ä., steht nicht im Text, sondern: sein Opfer und er fallen Gott gar nicht erst auf. Kein Wunder, wenn man beide Opfer gegeneinander hält. (Zurück zu Lesefassung v.4)
fGut Heyden 2003, S. 96: „Dabei drückt die unpersönliche Form [wajjiḥar laQajn, ‚es entbrannte in Kauf‘] aus, daß [Kauf] nicht vorsätzlich handelt, sondern von seinem Gefühl gewissermaßen überrascht wird. ‚Es entbrennt in ihm‘. Da das Verbum hier absolut steht, sollte es nicht mit ‚zornig werden‘ übersetzt werden. Wenn dies gemeint ist, so steht [`ap, ‚Zorn‘] als Subjekt ausdrücklich da.“ Entsprechend „senkt sich“ in der nächsten Zeile auch sein Kopf: An der einzigen Stelle, wo der Ausdruck sonst noch steht (Jer 3,12), „senkt man (zornig) sein Gesicht“; hier dagegen wird sozusagen das Gesicht selbst tätig. (Zurück zu Lesefassung v.5)
gV. 7b ist fast unübersetzbar. S. auf der Kapitelseite für verbreitete Deutungen; hier versuchsweise ein neuer Versuch, der sich aber stellenweise stark an einer alten Deutung von Ramban orientiert. Wörtlich lauten die problematischen Zeilen: „Ist's nicht so: Handelst du gut, Erhebung/Erhöhung. Doch handelst du nicht gut, zu/vor/an der Tür die Sünde ein Liegen(der)/Lagern(der)“.
Erstens: Auszugehen ist davon, dass beide Sätze offensichtlich parallel gebaut sind: „Wenn du gut handelst, gilt A, wenn du nicht gut handelst, gilt B“. In A ist die Rede von „Erhebung/Erhöhung“, in B von „Liegen/Hinlagern“. Bezieht sich die „Erhebung“ auf Kauf, sollte man durchaus erwarten, dass sich auch das „Liegen/Hinlagern“ auf Kauf bezieht, der dann also „vor einer Tür lagerte/läge“.
Zweitens: Dergleichen ist in der Bibel nur von Bettlern belegt. S. am deutlichsten Lk 16,20 (Der Bettler Lazarus liegt vor dem Tor des Reichen); Apg 3,2 (ein Bettler liegt am Tempeltor); ähnlich Lk 18,35 (ein Bettler „saß auf der Straße“). Auch Ijob setzt sich in Ijob 2,8, nachdem er Familie, Hab und Gut verloren hat, in den Dunghaufen, also vor das Stadttor. Geht man von diesen Stellen aus, wäre „Lagern vor dem Tor / der Tür“ Ausdruck für den absoluten Statusverlust eines Israeliten. Das passt gut zur vorangehenden Zeile; ße´et („Erhöhung“) kann zwar vielleicht wirklich Abkürzung von „Erhöhung deines Gesichts“ sein – aber an sich ist alleiniges ße´et gut verständlich; es steht häufiger für hohen Status oder „Hoheit“ (Gen 49,3; Ps 62,5; wohl auch Ijob 13,11; 31,23; Hab 1,7. So deutet das Wort schon Ramban).
Dann muss man nur noch drittens die „Sünde“ als adverbialen Akkusativ des Grundes auflösen (wie Jes 7,25: „du gehst nicht dorthin Furcht vor Dornen“ = „du gehst nicht dorthin wegen der Furcht vor Dornen“) und kann die Sätze sinnvoll auflösen: „Handelst du gut, heißt das: hoher Status; handelst du aber nicht gut, heißt das: Statusverlust wegen Sünde“. Gott würde dann also Kauf nicht beraten, sondern ihm einen Einlauf verpassen: „Wie kannst du denn jetzt zornig sein? Flüchstigs Opfer war nun mal besser, und so ist das dann: Gutes Tun – Statusgewinn; schlechtes Tun – Statusverlust.“ Dabei solltest du ihm als Erstgeborener doch übergeordnet sein! (auch dies letzte deutet schon Ramban so). (Zurück zu Lesefassung v.7)

Dieser Text ist wie die Offene Bibel insgesamt frei kopierbar (CC-BY-SA 3.0). Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz stehen und folgende Quellenangabe enthalten: „‹Neuer Autorenname› unter Verwendung von Texten von Sebastian Walter und der Offenen Bibel“ Dieser Text darf in den offiziellen Fassungen der Offenen Bibel (z.B. Studienfassung, Lesefassung, Fassung in Leichter Sprache) verwendet werden. Dann genügt für diese Fassungen sowie für abgeleitete Texte die Quellenangabe „Offene Bibel“.