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{{L|3}} Als die Zeit gekommen war,<ref>''Als die Zeit gekommen war'' - also also regulär ein Opfer anstand; Gen 4 setzt bereits die Existenz eines kultischen Kalenders voraus. Einige jüdische Ausleger fabulieren, es sei genauer das Pesachfest gewesen, andere denken an Schawuot, wieder andere an Chanukka – was natürlich alles krasse Anachronismen wären.</ref> | {{L|3}} Als die Zeit gekommen war,<ref>''Als die Zeit gekommen war'' - also also regulär ein Opfer anstand; Gen 4 setzt bereits die Existenz eines kultischen Kalenders voraus. Einige jüdische Ausleger fabulieren, es sei genauer das Pesachfest gewesen, andere denken an Schawuot, wieder andere an Chanukka – was natürlich alles krasse Anachronismen wären.</ref> | ||
brachte Kauf GOTT von der Frucht des Erdbodens ein Opfer dar, | brachte Kauf GOTT von der Frucht des Erdbodens ein Opfer dar, | ||
{{L|4}} Wertlos aber, auch er, opferte von den Erstgeborenen seines Viehs – sogar von ihren Fettstücken!<ref>Gleich darauf wird gesagt werden, dass Gott auf Wertlos und sein Opfer „blickt“, auf Kauf und sein Opfer aber nicht. Man hat in der Auslegung viel darüber gerätselt, was der Grund dafür sein könnte. In der ältesten jüdischen Auslegung hat man fabuliert, Kauf habe entweder beim Darbringen seines Opfers gebummelt oder nur minderwertige Leinsamen und Essensreste dargebracht; im Hebräerbrief wird ähnlich angenommen, dass Wertlos sein Opfer gläubig und Kauf ungläubig dargebracht habe und in 1 Joh 3,12 noch stärker, dass Kauf mit seinem Opfer grundsätzlich ein „böses Werk“ vollbracht habe – warum auch immer.<br /> Davon steht natürlich nichts im Text. Betrachtet man ihn näher, erkennt man den Grund für Gottes Parteilichkeit schnell und deutlich: Kauf | {{L|4}} Wertlos aber, auch er, opferte von den Erstgeborenen seines Viehs – sogar von ihren Fettstücken!<ref>Gleich darauf wird gesagt werden, dass Gott auf Wertlos und sein Opfer „blickt“, auf Kauf und sein Opfer aber nicht. Man hat in der Auslegung viel darüber gerätselt, was der Grund dafür sein könnte. In der ältesten jüdischen Auslegung hat man fabuliert, Kauf habe entweder beim Darbringen seines Opfers gebummelt oder nur minderwertige Leinsamen und Essensreste dargebracht; im Hebräerbrief wird ähnlich angenommen, dass Wertlos sein Opfer gläubig und Kauf ungläubig dargebracht habe und in 1 Joh 3,12 noch stärker, dass Kauf mit seinem Opfer grundsätzlich ein „böses Werk“ vollbracht habe – warum auch immer.<br /> Davon steht natürlich nichts im Text. Betrachtet man ihn näher, erkennt man den Grund für Gottes Parteilichkeit schnell und deutlich: Kauf „brachte dar von der Frucht des Erdbodens ein Opfer“, Wertlos dagegen „brachte dar, auch er!, von den Erstgeborenen seines Viehs, und zwar von deren Fettstücken“. Vergleicht man diese kurzen Passagen, kann man ganze elf Textstrategien feststellen, mit denen herausgestellt wird, dass das Opfer von Wertlos von anderer ''Qualität'' ist als das von Kauf:<br />(1) Bei Kauf wird das Geopferte durch die Angabe „''ein'' Opfer“ limitiert, bei Wertlos nicht.<br />(2) Bei Kauf steht „die Frucht“ im Singular, bei Wertlos stehen „die Erstgeborenen“ im Plural.<br />(3) Wertlos bringt gerade die „Erstgeborenen“ seines Viehs dar. Vorausgesetzt ist die Vorstellung, dass Gott an diesen besonderen Gefallen hat, weshalb er sie sich später zum regulären Opfer erküren wird (Ex 13,2.12f.; 22,30; Num 18,17; Dtn 15,19).<br />(4) Die „Erstgeborenen seines Viehs“ sind doppelt gesteigert durch die Präzisierung „von ihren Fettstücken“ (eine häufigere Metapher für „das Beste vom Besten“, s. Gen 45,18; Num 18,12.29f.32. In Dtn 32,14; Ps 81,16; 147,14 ist daher sogar vom „das Fett des Weizens“ = von „köstlichem Weizen“ die Rede)<br />(5) und durch die Formulierung „''und zwar'' / ''und sogar'' von den Fettstücken“, statt nur „von den Fettstücken der Erstlinge seines Viehs“ zu schreiben.<br />Eine zweite Gruppe von Wortspielen bindet dieses besondere Opfer stärker an die Person Wertlos als im Falle von Kauf:<br />(6) Bei Kauf ist die Frucht „Frucht ''des Erdbodens''“, Wertlos Opfer dagegen wurden von „den Erstlingen ''seines'' Viehs“ genommen.<br />(7) Das wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass „Fett“ mit „Wertlos“ klang-spielt: „Fett“ heißt im Hebräischen ''ḥelb'', „Wertlos“ dagegen ''habl''.<br />(8) Gerade diese beiden Wörter umrahmen im Hebräischen auch den ganzen Satz.<br />(9) Der Satz über Wertlos wird dann dann auch noch stimmig zusätzlich durch das überflüssige „auch er“ gelängt und so die Person Wertlos' noch stärker hervorgehoben,<br />(10) was gleichzeitig zur Folge hat, dass der Satz auch alliterierend beginnt: ''wa'''Ḥ'''abl '''h'''ebi` gam-'''h'''u`'', „und '''W'''ertlos '''b'''rachte dar, auch '''e'''r“ (schön Speiser: „Abel brought the finest of the firstlings of his flock.“),<br />(11) wonach dann erstens gerade sein Name „Wertlos“ mit dem „Darbringen“ zusammenklingt und Name plus Pronomen („Wertlos“ + „er“) das „Darbringen“ umrahmen.<br />Nimmt man das zusammen, legt der Text sehr stark nahe, dass Wertlos sich offensichtlich ein sehr viel wertvolleres Opfer vom Mund abgespart hat.<br /> | ||
Es wird darüber hinaus dann auch auch nicht einmal gesagt, dass Gott das Opfer von Kauf „nicht annehmen“ würde. Diese Bedeutung hat „auf etw. blicken“ nicht (richtig Heyden 2003, S. 92). Dass Kauf verworfen würde o.Ä., steht nicht im Text, sondern: sein Opfer und er fallen Gott gar nicht erst auf. Kein Wunder, wenn man beide Opfer gegeneinander hält.</ref> | Es wird darüber hinaus dann auch auch nicht einmal gesagt, dass Gott das Opfer von Kauf „nicht annehmen“ würde. Diese Bedeutung hat „auf etw. blicken“ nicht (richtig Heyden 2003, S. 92). Dass Kauf verworfen würde o.Ä., steht nicht im Text, sondern: sein Opfer und er fallen Gott gar nicht erst auf. Kein Wunder, wenn man beide Opfer gegeneinander hält.</ref> | ||
Da achtete GOTT auf Wertlos und sein Opfer, | Da achtete GOTT auf Wertlos und sein Opfer, | ||
Version vom 22. Januar 2023, 11:35 Uhr
Persönliche Fassung

Kain „nackter als nackt“, in hohler Sieger-Pose. Als Mordwaffe wird hier ein Eselskieferknochen gedacht wie bei Samson, eine Idee aus der klassischen jüdischen Auslegung.
1 Der Erdling erkannte〈a〉 seine Frau Leben.
Sie empfing und gebar den Kauf〈b〉
und sie sagte: „Ich habe mir einen Mann erkauft an der Seite von GOTT.“〈c〉
2 Weiter gebar sie seinen Bruder Wertlos.〈b〉
Wertlos wurde Kleinvieh-Hirte,
Kauf aber wurde Erdboden-Diener.〈d〉
3 Als die Zeit gekommen war,〈e〉
brachte Kauf GOTT von der Frucht des Erdbodens ein Opfer dar,
4 Wertlos aber, auch er, opferte von den Erstgeborenen seines Viehs – sogar von ihren Fettstücken!〈f〉
Da achtete GOTT auf Wertlos und sein Opfer,
5 auf Kauf aber und auf sein Opfer achtete er nicht.
Da loderte es in Kauf〈g〉
und sein Gesicht senkte sich.
6 GOTT fragte Kauf:
„Warum lodert es in dir
und warum hat sich dein Gesicht gesenkt?
7 Es ist doch so: Handelst du gut, heißt's Erhöhung,
doch handelst du nicht gut, heißt's: vor der Tür wegen Sünde liegen!〈h〉
Und er soll dir ja willens sein
und du sollst ihn beherrschen!“〈i〉
8 Da sagte es Kauf seinem Bruder Wertlos.
Als sie dann auf freiem Feld waren,
richtete Kauf sich zu seinem Bruder Wertlos auf –
und tötete ihn.
9 Da fragte GOTT den Kauf:
„Wo ist dein Bruder Wertlos?“
Er antwortete: „Ich weiß nicht.
Bin ich etwa Hüter meines Bruders?“
10 Da sprach jener: „Was hast du getan!?
Die Stimme des Blutes deines Bruders,
sie schreit zu mir aus dem Erdboden!“
11 Daher: Verdammt bist du vom Erdboden,
der seinen Schlund geöffnet hat,
um das Blut deines Bruders aus deiner Hand zu empfangen!
12 Wenn du künftig auf dem Erdboden dienst,
wird er dir nicht mehr seine Kraft schenken.
Wankend und Wandernd wirst du sein auf der Erde!“
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(Sebastian Walter unter Verwendung von Texten der Offenen Bibel)
| a | erkennen ist hier wie häufig Euphemismus für „Geschlechtsverkehr haben“. Es ist das selbe Verb, das auch in Gen 2-3 den Baum als „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ beschrieb. (Zurück zu Lesefassung v.1) |
| b | Kauf: Im Heb. Qajn, was wahrscheinlich eigentlich „Schmied“ bedeutet. In der dritten Zeile wird der Name aber mit einer sogenannten „Volksetymologie“ von qanah („kaufen“) abgeleitet; im Rahmen von Gen 4 „bedeutet“ der Name daher „Kauf“. Sein Bruder dagegen heißt Ḥabl, „Lüftchen“. Für gewöhnlich denkt man, damit würde bereits im Namen die Flüchtigkeit der Existenz von Wertlos angedeutet (vgl. bes. Ijob 7,16; Ps 39,6f.; 144,4). „Lüftchen“ ist in der Bibel aber häufig eine Metapher für Nutz-, Wert- und Fruchtloses. Fremde Götter zum Beispiel sind oft „bloß Lüftchen“, vergebliche Liebesmüh ist ebenso ein Lüftchen (Ijob 9,29; Jes 30,7; 49,4) wie eitles Geschwätz (Ijob 27,12; 35,16), und eben Wertloses ist „ein Lüftchen“ (z.B. Ps 62,10: „Nur Lüftchen sind die Erdlingskinder, Trugbilder sind die Menschen! Auf der Waagschale steigen sie aufwärts, (weniger) als ein Lüftchen sind sie allesamt!“). Gewiss muss man neben Herrn „Kauf“ v.a. diese Bedeutung hören. Gut Habel 2011, S. 70: „a nobody“. (Zurück zu Lesefassung v.1 / zu Lesefassung v.2) |
| c | Ich habe einen Mann erkauft an der Seite von GOTT - Raffiniert formuliert. Gemeint ist ungefähr: „Both I and JHWH have made a man!“ (Eskenazi 2008, S. 19). Erwartet hätte man dafür aber etwas wie „Ich habe mit JHWH an meiner Seite einen Sohn geboren!“ Doch Eva ist so fixiert auf ihre Leistung, das erste Kind der Welt zur Welt gebracht zu haben, dass sie erstens „ich an der Seite von JHWH“ statt „ich mit JHWH an meiner Seite“ sagt, und zweitens keines der üblichen Worte für „hervorbringen“ verwendet, sondern mit „erkaufen“ eines, das ebenfalls ihre Leistung bei der Geburt dieses Sohnes betont. Der „Kaufpreis“ ist wahrscheinlich die ganze Zeit der Schwangerschaft, die ja insgesamt in Gen 3 als „Mühsal“ beschrieben wurde. „Mann“ statt „Kind“ schließlich soll wohl betonen, dass von nun an nicht mehr der Erdboden „Erdlinge“ hervorbringt, sondern Frauen (`iššah) Männer (`iš; gut van Wolde 1991, S. 27). (Zurück zu Lesefassung v.1) |
| d | Erdboden-Diener - Kauf tritt also in die Fußstapfen seines Vaters, indem er als Landwirt „dem Erdboden dient“. Wertlos dagegen setzt den dritten Auftrag aus Gen 1,28 um: Nachdem seine Mutter „fruchtbar war“ und „sich vermehrt hat“ (und nachdem Kauf begonnen hat, „dem Erdboden zu dienen“), hat er sich zum „Herrscher über Tiere“ aufgeschwungen (gut Habel 2011; Fischer 2018). (Zurück zu Lesefassung v.2) |
| e | Als die Zeit gekommen war - also also regulär ein Opfer anstand; Gen 4 setzt bereits die Existenz eines kultischen Kalenders voraus. Einige jüdische Ausleger fabulieren, es sei genauer das Pesachfest gewesen, andere denken an Schawuot, wieder andere an Chanukka – was natürlich alles krasse Anachronismen wären. (Zurück zu Lesefassung v.3) |
| f | Gleich darauf wird gesagt werden, dass Gott auf Wertlos und sein Opfer „blickt“, auf Kauf und sein Opfer aber nicht. Man hat in der Auslegung viel darüber gerätselt, was der Grund dafür sein könnte. In der ältesten jüdischen Auslegung hat man fabuliert, Kauf habe entweder beim Darbringen seines Opfers gebummelt oder nur minderwertige Leinsamen und Essensreste dargebracht; im Hebräerbrief wird ähnlich angenommen, dass Wertlos sein Opfer gläubig und Kauf ungläubig dargebracht habe und in 1 Joh 3,12 noch stärker, dass Kauf mit seinem Opfer grundsätzlich ein „böses Werk“ vollbracht habe – warum auch immer. Davon steht natürlich nichts im Text. Betrachtet man ihn näher, erkennt man den Grund für Gottes Parteilichkeit schnell und deutlich: Kauf „brachte dar von der Frucht des Erdbodens ein Opfer“, Wertlos dagegen „brachte dar, auch er!, von den Erstgeborenen seines Viehs, und zwar von deren Fettstücken“. Vergleicht man diese kurzen Passagen, kann man ganze elf Textstrategien feststellen, mit denen herausgestellt wird, dass das Opfer von Wertlos von anderer Qualität ist als das von Kauf: (1) Bei Kauf wird das Geopferte durch die Angabe „ein Opfer“ limitiert, bei Wertlos nicht. (2) Bei Kauf steht „die Frucht“ im Singular, bei Wertlos stehen „die Erstgeborenen“ im Plural. (3) Wertlos bringt gerade die „Erstgeborenen“ seines Viehs dar. Vorausgesetzt ist die Vorstellung, dass Gott an diesen besonderen Gefallen hat, weshalb er sie sich später zum regulären Opfer erküren wird (Ex 13,2.12f.; 22,30; Num 18,17; Dtn 15,19). (4) Die „Erstgeborenen seines Viehs“ sind doppelt gesteigert durch die Präzisierung „von ihren Fettstücken“ (eine häufigere Metapher für „das Beste vom Besten“, s. Gen 45,18; Num 18,12.29f.32. In Dtn 32,14; Ps 81,16; 147,14 ist daher sogar vom „das Fett des Weizens“ = von „köstlichem Weizen“ die Rede) (5) und durch die Formulierung „und zwar / und sogar von den Fettstücken“, statt nur „von den Fettstücken der Erstlinge seines Viehs“ zu schreiben. Eine zweite Gruppe von Wortspielen bindet dieses besondere Opfer stärker an die Person Wertlos als im Falle von Kauf: (6) Bei Kauf ist die Frucht „Frucht des Erdbodens“, Wertlos Opfer dagegen wurden von „den Erstlingen seines Viehs“ genommen. (7) Das wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass „Fett“ mit „Wertlos“ klang-spielt: „Fett“ heißt im Hebräischen ḥelb, „Wertlos“ dagegen habl. (8) Gerade diese beiden Wörter umrahmen im Hebräischen auch den ganzen Satz. (9) Der Satz über Wertlos wird dann dann auch noch stimmig zusätzlich durch das überflüssige „auch er“ gelängt und so die Person Wertlos' noch stärker hervorgehoben, (10) was gleichzeitig zur Folge hat, dass der Satz auch alliterierend beginnt: waḤabl hebi` gam-hu`, „und Wertlos brachte dar, auch er“ (schön Speiser: „Abel brought the finest of the firstlings of his flock.“), (11) wonach dann erstens gerade sein Name „Wertlos“ mit dem „Darbringen“ zusammenklingt und Name plus Pronomen („Wertlos“ + „er“) das „Darbringen“ umrahmen. Nimmt man das zusammen, legt der Text sehr stark nahe, dass Wertlos sich offensichtlich ein sehr viel wertvolleres Opfer vom Mund abgespart hat. Es wird darüber hinaus dann auch auch nicht einmal gesagt, dass Gott das Opfer von Kauf „nicht annehmen“ würde. Diese Bedeutung hat „auf etw. blicken“ nicht (richtig Heyden 2003, S. 92). Dass Kauf verworfen würde o.Ä., steht nicht im Text, sondern: sein Opfer und er fallen Gott gar nicht erst auf. Kein Wunder, wenn man beide Opfer gegeneinander hält. (Zurück zu Lesefassung v.4) |
| g | Gut Heyden 2003, S. 96: „Dabei drückt die unpersönliche Form [wajjiḥar laQajn, ‚es entbrannte in Kauf‘] aus, daß [Kauf] nicht vorsätzlich handelt, sondern von seinem Gefühl gewissermaßen überrascht wird. ‚Es entbrennt in ihm‘. Da das Verbum hier absolut steht, sollte es nicht mit ‚zornig werden‘ übersetzt werden. Wenn dies gemeint ist, so steht [`ap, ‚Zorn‘] als Subjekt ausdrücklich da.“ Entsprechend „senkt sich“ in der nächsten Zeile auch sein Kopf: An der einzigen Stelle, wo der Ausdruck sonst noch steht (Jer 3,12), „senkt man (zornig) sein Gesicht“; hier dagegen wird sozusagen das Gesicht selbst tätig. (Zurück zu Lesefassung v.5) |
| h | Also ein Bettlerdasein fristen, der größtmögliche Statusverlust eines Israeliten. Aber die Zeile ist äußerst schwierig zu übersetzen. Siehe auf der Kapitelseite für zwei verbreitetere Deutungen; dies oben ist versuchsweise ein neuer Vorschlag. Wörtlich lauten die problematischen Zeilen: „Ist's nicht so: Handelst du gut, Erhebung/Erhöhung. Doch handelst du nicht gut, zu/vor/an der Tür Sünde Liegen(der)/Lagern(der)“. Auszugehen ist davon, dass beide Sätze offensichtlich parallel gebaut sind: „Wenn du gut handelst, gilt A, wenn du nicht gut handelst, gilt B“. In A ist dann weiter die Rede von „Erhebung/Erhöhung“, in B von „Liegen/Hinlagern“ (gut Cassuto 1961, S. 209f.). Bezieht sich die „Erhebung“ auf Kauf, sollte man erwarten, dass sich auch das „Liegen“ auf Kauf bezieht, der dann also „vor einer Tür läge“. Dergleichen ist in der Bibel üblicherweise von Bettlern belegt. S. am deutlichsten Lk 16,20 (Der Bettler Lazarus liegt vor dem Tor des Reichen); Apg 3,2 (ein Bettler liegt am Tempeltor); ähnlich Lk 18,35 (ein Bettler „saß auf der Straße“). Auch Ijob setzt sich in Ijob 2,8, nachdem er Familie, Hab und Gut verloren hat, laut LXX in den Dunghaufen, also vor das Stadttor. Das selbe ist dann gemeint in Klg 4,5: „Wer Köstliches aß, ist verlassen auf den Straßen, wer auf Karmesin lehnte, umarmt nun Dunghaufen.“ Auch in 1 Sam 2,8 und Ps 113,7 sitzen Arme „auf dem Dunghaufen“. Geht man von diesen Stellen aus, wäre „Lagern vor dem Tor / der Tür“ Ausdruck für den absoluten Statusverlust eines Israeliten. Das passt gut zur vorangehenden Zeile: Steht ße´et („Erhebung / Erhöhung“) allein, bedeutet es oft hohen Status oder „Hoheit“ (Gen 49,3; Ijob 13,11; 31,23; Ps 62,5; Hab 1,7). Dann muss man nur noch die „Sünde“ als adverbialen Akkusativ des Grundes auflösen (wie Jes 7,25: „du gehst nicht dorthin Furcht vor Dornen“ = „du gehst nicht dorthin wegen der Furcht vor Dornen“) und kann die Sätze sinnvoll auflösen: „Handelst du gut, heißt das: hoher Status; handelst du aber nicht gut, heißt das: Statusverlust wegen Sünde“. Gott würde dann also Kauf nicht beraten, sondern ihm einen Einlauf verpassen: „Wie kannst du denn jetzt zornig sein? Das Opfer von Wertlos war nun mal besser, und so ist das dann eben: Gutes Tun – Statusgewinn; schlechtes Tun – Statusverlust.“ Und eigentlich müsstest du als Erstgeborener ja der „Höhere“ sein: „Und er soll dir ja willens sein und du sollst ihn beherrschen!“ Die Wortstellung der zweiten Zeile ist bei dieser und auch bei den verbreiteten Deutungen merkwürdig, lässt sich aber auch literarisch erklären. Erwartet hätte man statt „vor der Tür wegen Sünde liegen“ mindestens „liegen vor der Tür wegen Sünde“. Dass „Liegen“ ans Ende des Satzes geschoben wurde, hat einesteils den Effekt, dass nun 7a und 7b beide auf die gegensätzlichen Begriffe „Erhebung“ und „Liegen“ enden, andernteils den, dass nun gerade das „vor der Tür“ auffällig vor dem Verb steht.“ (Zurück zu Lesefassung v.7) |
| i | Ein deutliches Zitat von Gen 3,16: Die Hierarchisierung der israelitischen Gesellschaft wird von Mann-über-Frau auf Älterer-über-Jüngerer ausgeweitet, wie dies im Alten Orient ebenfalls der Fall war. (Zurück zu Lesefassung v.7) |