KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
Nicht von Ex 19 her zu deuten, das Kapitel ist deutlich jünger als 1 Kön 19. |
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Und nach dem Sturm ein Erdbeben,<br /> | Und nach dem Sturm ein Erdbeben,<br /> | ||
im Erdbeben [ist] JHWH nicht.<br /> | im Erdbeben [ist] JHWH nicht.<br /> | ||
{{S|12}} Und nach dem Erdbeben Feuer,<ref>''Feuer'' - | {{S|12}} Und nach dem Erdbeben Feuer,<ref>''Feuer'' - Wahrscheinlich ein Feuerregen oder ein durch Blitze entzündetes Feuer; so wird jedenfalls die sehr nahe Parallelstelle [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] üblicherweise verstanden.</ref> {{par|Exodus|19|16|18}}<br /> | ||
im Feuer [ist] JHWH nicht.<br /> | im Feuer [ist] JHWH nicht.<br /> | ||
Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind sehr ähnlich wie [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Davon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br /> | Und nach dem Feuer ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung).<ref>''ein feiner, stiller Klang (eine feine, leise Stimme; ein dünnes, klagendes/betäubendes = ein gespenstisches Geräusch; ein Geräusch zermalmender Vernichtung)'' - eine der meist-diskutierten Stellen der Bibel. Die Bed. des ganzen Ausdrucks ist und bleibt unsicher; am besten wählt man aber etwas wie den obigen Primärvorschlag. Die Kombination von Taktilem („fein, pulverartig“) mit Akkustischem („geräuschlos“) soll dann die übernatürliche Unbeschreiblichkeit des ''qol'' betonen, der „geräuschlose Klang“ soll als Oxymoron das Selbe leisten (gut z.B. Walsh 1996; Dharamraj 2006, S. 93).<br />'''Genauer''': Gehen wir die Wörter einzeln durch. Heb. ''qol demamah daqqah''.<br />''qol'' kann sowohl „Klang“ als auch „Stimme“ bedeuten. In V. 13 wird das selbe Wort von fast allen als „Stimme“ gedeutet. Dazu jedoch richtig Eidevall 2011, S. 105: Dass das Wort dort keinen Artikel hat, kann nahelegen, dass der ''qol'' dort nicht identisch mit dem ''qol'' in V. 12 ist; es könnte also ganz unproblematisch hier „Klang“ und dort „Stimme“ bedeuten. Aber wahrscheinlich ist das hier verfehlt: Vv. 11-13 sind sehr ähnlich wie [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-19]] formuliert, und dort entscheidend V. 19: „Der Hörner-''qol'' wurde immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete mit ''qol''“. Das ist sicher nicht einmal als „Klang“ und einmal als „Stimme“ zu deuten, sondern gesagt wird dort: Dieser laute und übernatürliche Klang ''ist'' Gottes Stimme. Davon müssen wir dann auch hier ausgehen; unser Text ist sicher missverstanden, wenn er so gedeutet wird, dass in V. 12 zunächst ein übernatürlicher Klang ertönt, Gott dann aber in V. 13 „auf Menschenweise“ spricht. Im Deutschen wird das sicher klarer mit der Üs. „Klang“.<br />Zunächst weiter zu ''daqqah'', das einfacher ist als das zweite Wort: ''daqqah'' kommt von ''daqaq'' („zermalmen, pulverisieren“); abgleitet ist z.B. auch ''daq'' („fein, pulverisiert“) und ''doq'' (nur [[Jesaja 40#s22 |Jes 40,22]]: „etwas ganz Feines/Dünnes“ = „ein Schleier“). Das Wort ist Adjektiv-Attribut zu ''demamah'', diese ist also entweder eine „zermalmende ''demamah''“ oder eine „feine ''demamah''“.<br /> | ||
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In '''1 Kön 19''' folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in '''V. 1f.'''. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in '''V. 3''' nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in '''Vv. 5-7''' zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in '''Vv. 4f.''' der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen. | In '''1 Kön 19''' folgt auf 1 Kön 17-18 ein merkwürdiges Stück israelitischer Erzählkunst. Man könnte diese Geschichte eine „Meta-Erzählung“ nennen, denn was hier berichtet wird, ist in Gänze eine Art Kommentar zu diesen beiden vorangegangenen Kapiteln. Der Botschaft Elijas an König Ahab in 1 Kön 17,1 entspricht die Botschaft von Königin Isebel an Elija in '''V. 1f.'''. Die Todesdrohung in dieser Botschaft ist wohl nicht sonderlich ernst zu nehmen; hätte Isebel ihn wirklich töten wollen, hätte sie Elija keine Botschaft geschickt, sondern Soldaten (richtig DeVries 2004; Thiel 2007; Merecz 2009). Sicher ist ihr Ziel (wie das von Amazja in [[Amos 7 |Am 7]]), Elija aus dem Land zu treiben. Ganz überraschend gelingt ihr das nicht nur, sondern die Boschaft schlägt ein wie eine Bombe: Wie Elija in 1 Kön 17,2f. vor König Ahab zum Bach Kerit und in 17,9 nach Sarepta flieht (md. der zweite Ort und wahrscheinlich auch der erste liegt außerhalb Israels), flieht er hier in '''V. 3''' nach Beerscheba außerhalb Israels. Aber wie Gott in 17,4-5.9-16 Elija durch Raben und die Witwe von Sarepta ernährt hat, so ernährt er ihn hier in '''Vv. 5-7''' zwei Mal durch einen Engel. Sogar „Fladen und Wasserkrug“ in V. 6 entspricht dem „Wasserkrug“ in 17,10 und dem „Fladen“ in 17,11.13. Wahrscheinlich soll auch die „Wiederbelebung“ Elijas in '''Vv. 4f.''' der Wiederbelebung des Sohns der Witwe in 17,17-24 entsprechen. | ||
Daran schließt sich in in '''Vv. 9-14''' ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert, dabei aber nach dem Formular einer Königsaudienz gestaltet ist (gut Seybold 1973, S. 8; Macholz 1980, S. 331; Blum 1997, S. 287): Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb. Dort muss er nach der Eröffnungsfrage „Was willst du hier“, die standardmäßig Audienzen einleitet (s. zum Vers), zunächst dem „Wort JHWHs“ sein Anliegen vortragen, bevor ihm die Audienz gewährt wird. Ebenfalls wie bei einer Audienz wird ihm zuvor noch eine Wartezeit beschieden, bevor er Gott selbst begegnen wird, wo er dann erneut und nun „wirklich“ sein Anliegen vortragen können wird.<br />Wie Mose „aus einer Felsspalte heraus“ ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]) Gott begegnete, verbringt er diese Wartezeit „in der Höhle“, nachdem er in '''V. 8''' 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst (=die Audienz) ist ganz in Auseinandersetzung mit Ex | Daran schließt sich in in '''Vv. 9-14''' ein Abschnitt an, der deutlichst an [[Exodus 19 |Ex 19]]; [[Exodus 33 |33-34]] erinnert, dabei aber nach dem Formular einer Königsaudienz gestaltet ist (gut Seybold 1973, S. 8; Macholz 1980, S. 331; Blum 1997, S. 287): Wie Mose gelangt Elija auf den Berg Horeb. Dort muss er nach der Eröffnungsfrage „Was willst du hier“, die standardmäßig Audienzen einleitet (s. zum Vers), zunächst dem „Wort JHWHs“ sein Anliegen vortragen, bevor ihm die Audienz gewährt wird. Ebenfalls wie bei einer Audienz wird ihm zuvor noch eine Wartezeit beschieden, bevor er Gott selbst begegnen wird, wo er dann erneut und nun „wirklich“ sein Anliegen vortragen können wird.<br />Wie Mose „aus einer Felsspalte heraus“ ([[Exodus 33#s22 |Ex 33,22]]) Gott begegnete, verbringt er diese Wartezeit „in der Höhle“, nachdem er in '''V. 8''' 40 Tage und 40 Nächte ohne Brot und Wasser unterwegs war, wie Mose in [[Exodus 34#s28 |Ex 34,28]] 40 Tage und 40 Nächte ohne Wasser und Brot auf dem Horeb verbrachte. Erst recht die Begegnung mit Gott selbst (=die Audienz) ist ganz in Auseinandersetzung mit Ex 33 gestaltet, aber mit entscheidenden Unterschieden: Gott „zieht vorüber“ ('''V. 11'''), wie Gott an Mose „vorüberzog“ ([[Exodus 33#s19 |Ex 33,19]]). Dass Elija davor „sein Gesicht verhüllt“ ('''V. 13'''), spielt an auf die Vorstellung u.a. in [[Exodus 33#s20 |Ex 33,20]], dass kein Mensch „Gott sehen könne, ohne zu sterben. Wie in [[Exodus 19#s16 |Ex 19,16-18]] Moses Begegnung mit Gott in V. 20 Gewitter, „mächtiger Hörnerklang“, ein Vulkanausbruch und ein Beben vorausgeht, so in '''Vv. 11f.''' ein Sturm, ein Vulkanausbruch, ein Beben und ein „Klang“, der vielleicht als „Klang zermalmender Vernichtung“ bezeichnet wird, mindestens aber dies bedeuten kann ''gleichzeitig'' damit, dass er als „Klang feiner Stille“ bezeichnet wird. Mit dem selben „Klang“ antwortet Gott dann dem Elija ebenso, wie er mit ihm in [[Exodus 19#s19 |Ex 19,19]] mit Mose sprach. Die Schau Gottes selbst jedoch – wird überraschend mit keinem Wort erwähnt. Dazu s. gleich noch einmal mehr. | ||
Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den '''Vv. 10.14''' der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].<br /><small>Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und ''daher'' nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird. Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst als zweiter Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und ''wiederhole'' deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja ''wahr'', was Elija sagt:</small><br /> | Gleichzeitig wird – darüber hinaus, dass der Berg Horeb in Kapitel 19 natürlich Spiegelbild des Karmel in Kapitel 18 ist – in Vv. 9-14 v.a. mit den '''Vv. 10.14''' der Bogen zurück zu Kapitel 18 geschlagen: Dass die Israeliten ihre Propheten ermordet hätten, verweist zurück auf [[1 Könige 18#s4 |1 Kön 18,4]], dass sie Gottes Altäre zerstört hätten, auf [[1 Könige 18#s30 |1 Kön 18,30]]; mit „ich bin übrig, ich, ich allein“ wiederholt Elija seinen Ausruf aus [[1 Könige 18#s22 |1 Kön 18,22]].<br /><small>Die Tatsache, dass das ja gar nicht stimme, weil nach den selben Versen doch Obadja 100 Propheten gerettet und Elija einen Altar wiederrichtet habe, hat eine große Gruppe v.a. deutscher Exegeten als Grundlage genommen für die Annahme, dass 1 Kön 19 unabhängig von 1 Kön 17-18 entstanden sei und ''daher'' nicht gut mit diesen Kapiteln harmoniere. Dagegen spricht alles, was auch sonst gegen derartige Redaktionskritik spricht: Jede Redaktionskritik, die von Redaktoren ausgeht, die so unverständig arbeiten, dass ihnen selbst Spannungen wie diese nicht auffallen, ist unplausible Redaktionskritik (so richtig z.B. auch kürzlich wieder Ziemer 2020, S. 17). Eine ebenso große Gruppe v.a. englischsprachiger Exegeten hat auf dem selben Fundament dagegen angenommen, dass Elija hier als „drama king“ dargestellt würde, der komplett überdramatisiere, was ihm in V. 1 angedroht wird. Letzteres ist aktuell sogar die dominante Interpretation in der Exegese von 1 Kön 19: Elija reagiere in V. 3 komplett über, beleidige Gott gar in V. 4, sei trotzig in V. 5, stilisiere sich mit seiner Pilgerfahrt zum Horeb in V. 8 unangemessener Weise selbst als zweiter Mose, stelle in Vv. 10.14 die Situation in Israel völlig falsch und überdramatisch dar, begebe sich dann in V. 13 nicht einmal „auf den Berg“, sondern lediglich „in den Höhleneingang“, akzeptiere außerdem durchaus nicht, was ihm Gott in Vv. 11-12 demonstrieren wolle und ''wiederhole'' deshalb dann einfach noch einmal in V. 14 exakt seine Klage aus V. 10, weshalb ihn Gott folgerichtig als Prophet absetze. Als krönenden Abschluss führe er dann von dessen drei letzten Aufträgen in Vv. 19-21 nur den letzten auf denkbar halbherzige Weise aus. Aber es ist ja ''wahr'', was Elija sagt:</small><br /> | ||
Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten ''haben'' auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten ''haben'' die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija ''wirklich'' der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es ''genauso'' wie Elija.<br /> | Elija hat ja auch Recht: Die Israeliten ''haben'' auf Befehl Isebels die JHWH-Propheten getötet, die Israeliten ''haben'' die JHWH-Altäre zerstört, und da die übrigen 100 Propheten sich in einer Höhle verbergen, ist Elija ''wirklich'' der letzte aktive JHWH-Prophet auf weiter Flur. Und entscheidend vor allem: Nach den folgenden Versen sieht Gott es ''genauso'' wie Elija.<br /> | ||
Die Antwort Gottes in '''Vv. 15-18''' ergibt sich denn auch logisch aus der Klage Elijas. V.a. entspricht der Klage, dass die Israeliten Gottes Propheten ermordet und seine Altäre zerstört hätten, die Salbung Jehus zum König in '''V. 16''', da dieser in [[2 Könige 10#s18 |2 Kön 10,18]] bei einer Opferfeier sämtliche Propheten und Priester des Baal ermorden lassen und in [[2 Könige 9#s7 |2 Kön 9,7]] „wegen des Bluts der Propheten“ als Gottes Mittler handeln wird, durch den sich dieser „an Isebel“ und ihrem ganzen Haus rächen kann. Dass „einzig Elija übrig ist“, hat seine Entsprechung in den kümmerlichen 7000 Mann in '''Vv. 18''', die Gott in Israel übrig lassen wird, denn weil „die Söhne Israels Gott verlassen haben“, ist nach '''V. 15''' Gottes Instrument der Wahl der aramäische König Hazael, durch den JHWH laut [[2 Könige 10#s32 |2 Kön 10,32]] „damit begann, Israel abzuhauen: Hazael schlug sie im ganzen Gebiet Israels“. Israel, das erwählte Volk JHWHs – so sagt es Gott hier – ist reif zum Gericht. „Durch den einen [König] wird sich das Strafgericht von außen gegen Israel wenden, durch den anderen von innen heraus.“ (von Rad, ThAT II, S. 34).<br /> | |||
Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann konzentriert in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu bes. Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist ''hier'' noch keine Rede – 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen damit v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10. | Gleichzeitig deutet sich hier das erste Mal ein Motiv an, auf das man im Folgenden noch häufig in der Bibel stoßen wird: Das des „Rests“, das dann konzentriert in den Prophetien des Amos, des Hosea und des Jesaja begegnen wird (vgl. dazu bes. Hasel 1974; zur Stelle bes. S. 168-172). Weil „ganz Israel von Gott abgefallen ist“, wird „ganz Israel vernichtet werden“ – bis auf einen kleinen Rest Gerechter, der dann Keimzelle werden soll für eine glorreiche Zukunft Israels. Tatsächlich ist dieses Motiv sogar, prominent an das Ende der Gottesrede gestellt, der Höhepunkt und das Ziel der ganzen Rede. Von einer „glorreichen Zukunft“ aber, auf die die 7000 vorausweisen könnten, ist ''hier'' noch keine Rede – 1 Kön 19,1-18 endet vielleicht in Moll, wahrscheinlich sogar auf einem Missklang: Bis auf diese 7000 Mann wird ganz Israel vernichtet werden. Vv. 15-18 dienen damit v.a. zur Vorbereitung von 2 Kön 9-10. | ||
Die Rede davon, dass Gott „''nicht'' im Sturm ist, ''nicht'' im Feuer, ''nicht'' im Beben“, und seine Stimme ist „eine Stimme der ''Stille''“ ist, hat am besten Dharamraj 2006, S. 109 interpretiert: ''Wo'' Gott ''stattdessen'' ist und wie er erscheint, wird im ''Text'' von 1 Kön 19 selbst ''ausgespart'', obwohl Elija der Erzählung nach Gott sehr wohl begegnet. Was derart in 1 Kön 19 ''geschildert'' wird, ist eine „leere Theophanie“: Gott ist nicht mehr da; er hat Israel verlassen.<br /><small>Ist das richtig, wäre es ein Fehler, wenn man aus 1 Kön 19,12 Rückschlüsse über das „Wesen“ Gottes ziehen wollte. Das hat man so häufig getan, dass die wichtigsten Positionen hier wenigstens genannt seien:<br />(1) Vv. 11f. sollen zeigen, dass Gott ''anders ist als der Sturmgott Baal''. Man muss dafür aus Stellen wie [[Psalm 18#s8 |Ps 18,8-15]]; [[Psalm 50#s3 |50,3]]; [[Psalm 77#s19 |77,19]]; [[Psalm 97#s1 |97,1-5]]; [[Jesaja 28#s2 |Jes 28,2]]; [[Jesaja 29#s6 |29,6]]; [[Jesaja 30#s30 |30,30]]; [[Nahum 1#s3 |Nah 1,3-6]] und ähnlichen Stellen ableiten, dass Sturmgötter ''und nicht andere Götter'' mit Attributen wie begleitendem Sturm, Feuer und Erdbeben dargestellt würden, dass dies also in diesem Kontext bes. für Baal gelte und ein:e Leser:in bei der Lektüre von Vv. 11f. daher zunächst an Baal und nicht an JHWH gedacht hätte, was dann aber die Vv. selbst kommentierten mit: „So ist Gott ''nicht''; ''er'' ist fein und leise. Und: Er ist damit ''mehr'' als Baal; vor der Baals-Königin Isebel braucht Elija sich also nicht zu fürchten“ (z.B. von Nordheim 1992, S. 143f.).<br />(2) Ähnlich: Elija mag jetzt verzweifelt sein, weil derart chaotische Zustände in Israel herrschen. Aber Gott ist sogar ''noch mehr'' als selbst die urtümlichen Chaosmächte Sturm, Feuer, Beben. Die Chaos-Königin Isebel habe also keine Chance (z.B. Eidevall 2011, S. 103).<br />(3) Vv. 11f. seien gegen klassische ''JHWH''-Vorstellungen gerichtet: Sturm, Feuer und Erdbeben sind, wie man an den eben aufgezählten Stellen sieht, übliche „Begleiter“ JHWHs. Dagegen dann Vv. 11f.: „Das sind doch nur mythische Vorstellungen; Gott erfährt man vielmehr als feine, leise Stimme, mit denen er v.a. seine ''Gebote'' erlässt, vermöge derer der ''Bund'' zwischen ihm und Israel besteht, und denen Elija nun bitte gefälligst wieder Folge zu leisten habe“ (z.B. Robinson 1972; Robinson 1991, S. 527; Thiel 2007).<br />(4) Vv. 11f. seien ein Kommentar zu 1 Kön 18: Dort hat Gott im Feuer wundermächtig gehandelt. Vv. 11f. wollten demgegenüber sagen: „So kann und wird Gott ''nicht regelmäßig'' handeln; zumeist wird er gar kaum wahrnehmbar als feine, leise Stimme in der Welt wirken. Speziell Elija wird daher im Folgenden sogar den Eindruck haben können, auf sich allein gestellt zu sein, doch er solle sich nicht fürchten: Gott wird fein und leise wirken, aber er ''wird'' wirken“ (z.B. Hauser 1990, S. 69f.75).<br />(5) Vv. 11f. belehren nicht zuvorderst über Gott, sondern darüber, wie ''der Mensch'' Gott erfahren könne: In der Stille, wenn er ganz auf das Hören auf die feine Stimme Gottes ausgerichtet sei (so z.B. Sommer 1999, S. 441f.; Adam 2018, S. 172).<br />(6) Langenhorst paraphrasiert: „Nun wusste er, wie der HERR sich ihm zeigen wollte, sanft, zärtlich, leicht.“ (LANGENHORST/KREJTSCHI, S. 100)</small> | |||
In '''Vv. 19-21''' wird noch im Schnelldurchlauf die Berufung des Elischa berichtet, während die Krönung Jehus und Hazaels von ''Elischa'' erst in [[2 Könige 8 |2 Kön 8-9]] durchgeführt werden wird. Zu den Vv. ist das Nötigste bereits in den FNn gesagt. | In '''Vv. 19-21''' wird noch im Schnelldurchlauf die Berufung des Elischa berichtet, während die Krönung Jehus und Hazaels von ''Elischa'' erst in [[2 Könige 8 |2 Kön 8-9]] durchgeführt werden wird. Zu den Vv. ist das Nötigste bereits in den FNn gesagt. | ||
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Version vom 11. August 2023, 20:30 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (1 Könige 19)
(kommt später)Studienfassung (1 Könige 19)
1 Dann erzählte Ahab der Isebel([, seiner Frau],)〈a〉 alles, was Elija getan hatte, und wie (alles darüber, wie)〈b〉 er getötet hatte alle ({alle})〈b〉 die Propheten mit dem Schwert. 2 Da sandte Isebel einen Boten ([eine Botschaft])〈c〉 zu Elija wie folgt: „Bist du Elija, bin ich Isebel! Woraus folgt:〈d〉 Dies möge Gott (mögen die Götter?)〈b〉 mir ([mir])〈b〉 antun und darüber hinaus jenes,〈e〉 wenn nicht morgen um diese Zeit dein Leben gleich dem Leben eines der ihren ist!“ 3 Da fürchtete sich (Er sah's)〈f〉 Elija und erhob sich und lief um sein Leben und kam〈g〉 nach Beerscheba, das zu[m Königreich]〈h〉 Juda [gehörte]. ℘ ℘ ℘ Dort ließ er seinen [Dienst-]Knaben zurück. ℘
4 Nachdem er einen [ganzen] Tag lang〈i〉 in die Wüste gelaufen war, {kam er und}〈g〉 setzte er sich unter einen einsamen〈j〉 Ginsterbusch. Er wünschte seinem Leben, zu sterben, ℘ ℘ [indem] er sprach: „Genug jetzt, JHWH! (Ich habe genug, JHWH)!〈k〉 Nimm mein Leben ([von mir]),〈b〉 ℘ ℘ denn ich bin nicht besser (dran) als meine Vorfahren (Vorgänger?)!“〈l〉
5 Dann legte er sich hin und schlief unter einem einsamen Ginsterbusch (dort?).〈m〉 Doch da (siehe)!, einer (ein Bote)〈n〉 stößt (fasst) ihn an und spricht zu ihm: „Steh auf, iss!“
6 Und er schaute [sich um], und da (siehe)!, zu seinem Haupt (auf seiner Kopfstütze?)〈o〉 [standen] ein auf Kohle (Glühsteinen) [gebackener]〈p〉 Fladen und ein Krug mit Wasser. Da ([stand er auf und])〈b〉 aß er und trank er und (kehrte um und legte sich=) legte sich wieder hin.〈q〉
7 Und es kam zurück der Bote (Engel)〈r〉 JHWHs ein zweites Mal (da kehrte ein zweiter Bote JHWHs zurück) und stieß (fasste) ihn an und sagte: „Steh auf, iss! Denn [sonst ist] (genug=) zu weit〈s〉 für dich der Weg!“
8 Da stand er auf ({stand er auf})〈b〉 und aß und trank und ging mit der Kraft dieses Essens 40 Tage und 40 Nächte [durch] bis zum ([Gottes-])Berg Horeb.〈t〉
9 Und er kam dort zur Höhle (zu einer Höhle)〈u〉 und übernachtete dort. Und da (siehe)!, das Wort JHWHs [ergeht (erging)] an ihn! Es fragte ihn ({ihn}):〈b〉 „(Was [ist] mit dir, [dass du] hier [bist]=) Was willst du hier, Elija?“〈v〉
10 Da sprach er:
„(Eifernd habe ich geeifert=) Ich habe ja (so) geeifert〈w〉 ℘
Für JHWH Zebaot (für JHWH, den Gott Zebaot),〈x〉
Aber (denn) verlassen haben dich