Die masoretischen Akzente

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Vorbemerkung: Zur Geschichte der Akzentforschung[Bearbeiten]

Bei der Erforschung der masoretischen Akzente lassen sich grob vier Phasen abgrenzen:
(I) Die erste reicht bis Anfang des 17. Jahrhunderts. Bis zu dieser Zeit wurde über die Akzente v.a. in sogenannten „masoretischen Traktaten“ der Masoreten selbst und in Sekundärwerken jüngerer jüdischer Theologen über diese Traktate gehandelt. Eine systematische Aufarbeitung dieser langen Phase der Forschungsgeschichte steht noch aus.
(II) 1636 veröffentlichte zunächst Samuel Bohl seine kurze Abhandlung „Scutinium Sensus Scriptuare Sacrae Ex Accentibus“. Darauf folgte bereits 1647 das bereits ganze 550 Seiten umfassende Werk „Šalšelet haMiqra`“ von Caspar Ledebuhr und 1664 das ähnlich lange Werk „Institutio Methodica Accentuationis Hebraeae“ von Matthias Wasmuth. Mit Ledebuhr und v.a. Wasmuth beginnt die zweite Phase, in der erstmals die masoretischen Akzente auf methodische Weise erforscht wurden. Fast alle Akzentforscher bis Anfang des 20. Jahrhunderts orientierten sich sehr stark an Wasmuth und bis heute teilt man das Gros seiner Annahmen.
(III) 1881 und 1887 veröffentlichte dann aber William Wickes zwei Bände über die hebräische Akzentuierung, die heute forschungsgeschichtlich fast ebenso bedeutsam sind wie die von Ledebuhr und Wasmuth. Vor allem deshalb, weil er darin die Idee von Bauer 1730 und Spitzner 1786 aufgriff und mit besonderer Klarheit entwickelte, das Grundprinzip der masoretischen Akzentuierung sei das „Gesetz der kontinuierlichen Dichotomie“: Biblische Verse würden akzentuiert, indem sie durch die Akzente zuächst in zwei Hälften zerlegt, die beiden Hälften daraufhin wiederum halbiert würden und immer so fort.
(IV) Die letzte Phase beginnt recht eigentlich erst mit Mordecai Breuers פיסוק טעמים שבמקרא („Die Einteilung der Akzente als Interpunktion“). Unter den frühen Akzentforschern nach Wickes fand dieser mit dem „Gesetz der kontinuierlichen Dichotomie“ nämlich zunächst kaum positive Aufnahme: Japhet 1896 erwähnt ihn erst gar nicht erst; Ackermann 1893 und Spanier 1927 widmen ihm jeweils nur kurze Absätze, um seine Fehler zu kritisieren. Japhet und Spanier sind dagegen noch sehr reine Wasmuth-Schüler; Ackermann Anhänger der Wasmuth-Variante von Hanau und Luzzato. Anders in Lexikonartikeln und Grammatiken: Dort wurde Wickes Beitrag schon früh (z.B. von Margolis in der EncJud von 1906, s. S. 151, oder von Ges.-K. in seiner Grammatik von 1909, s. §15m) als neuer Standard dargestellt. Breuer entwickelte diesen Ansatz noch etwas weiter, und ab der Monographie von Breuer sind fast alle einflussreicheren Akzentforscher Wickes-Anhänger (bes. wichtig: Cohen 1969; Dotan 1972; Yeivin 1980; Aronoff 1985; Dresher 1994 – kürzlich neu aufgelegt in Dresher / DeCaen 2020. Einige neuere Akzente setzte außerdem Price 2010, worin ihm jüngst Fuller / Choi 2017 und Park 2020 gefolgt sind, die voraussichtlich ebenfalls einflussreich werden werden). Eine Ausnahme ist Janis, dessen „Grammar of the Biblical Accents“ von 1987 recht eigentlich als strukturalistische Neuauflage von Wasmuth betrachtet werden kann (obwohl ihm selbst dies vielleicht gar nicht bewusst war), der aber v.a. wegen der extrem unzugänglichen Präsentation seine Theorie fast nicht rezipiert worden ist.

Ich halte diese moderne Dominanz von Wickes oder von Wickes-cum-Price für verkehrt. Nimmt man sie absolut, stimmen beide Theorien schlechter mit der Evidenz des masoretischen Textes zusammen als die von Wasmuth oder von Wasmuth-cum-Janis; nimmt man sie als bloße Zusatzannahme (wie noch bei Wickes selbst), hat sie keinen zusätzlichen Erklärwert, verkompliziert dann aber das Akzentsystem durch eine dann überflüssige Zusatzannahme. Ich werde daher im Folgenden die Prinzipien der masoretischen Akzentuierung v.a. in Orientierung an Wasmuth und seinen Schülern darstellen, nämlich neben Wasmuth, Spanier und Janis besonders an Weimar 1709; Sancke 1740; Hirt 1762; Ewald 1870 §365; Japhet 1896 und Grimme 1896, S. 27-31.

Grob gesprochen sind uns vier verschiedene Akzentuierungsvarianten überliefert: Das palästinische Akzentsystem, das babylonische Akzentsystem, das tiberische Prosa-Akzentsystem und das tiberische Poesie-Akzentsystem. Fast alle wichtigen Handschriften sind mit den tiberischen Akzentsystemen akzentuiert. Nur dieses werde ich daher behandeln: Zunächst ausführlicher das Prosa-Akzentsystem, danach kürzer das Poesie-Akzentsystem, indem dort nur auf die Unterschiede zwischen beiden Systemen hingewiesen werden werden.

Der Zweck der masoretischen Akzente[Bearbeiten]

Bis etwa zum siebten Jahrhundert wurden die Texte des Alten Testaments in reiner Konsonantenschrift tradiert. Parallel zu dieser schriftlichen Tradierung des Konsonantentextes lief die mündliche Tradierung der tatsächlichen Lautung der biblischen Texte. An nicht wenigen Stellen unterscheiden sich diese Traditionen; dies sind die Stellen, bei denen in hebräischen Bibelausgaben ein Unterschied zwischen dem „Ketiv“ (dem „Geschriebenen“) und dem „Qere“ (dem „Gelesenen“) festgehalten werden.
Etwa ab dem achten Jahrhundert aber sind auch hebräische und aramäische Handschriften belegt, in denen die Schreiber-Gruppe der „Masoreten“ den Konsonantentext um weitere Schriftzeichen ergänzt hatten, die dieses „Qere“ festhalten sollten. Ein Teil dieser Schriftzeichen sind die Vokale, ein anderer Teil die sogenannten „masoretischen Akzente“.

Aus den ältesten jüdischen Äußerungen lassen sich v.a. zwei Zwecke dieser Schriftzeichen ableiten. Erstens: Sei dienen der Gliederung des Textes. Schon Rabbi Jochanan im 2. Jhd. n. Chr. nämlich spricht in b.Ned 37a von der „Einteilung durch Akzente“ (pisuq ṭeamim); ähnlich ist von Rabbi Arika (2.-3. Jhd.) überliefert:

Was bedeutet das, was da [in Neh 8,8] geschrieben steht – ‚Sie lasen im Buch, in der Torah Gottes: deutlich/getrennt [maporaš, von prš ‚trennen, (unter)scheiden, entscheiden], und sie gaben den Sinn, so dass man das Gelesene verstand.‘? – ‚Sie lasen im Buch, in der Torah Gottes‘: Das ist die Bibel. ‚Deutlich‘: Das meint den Targum. ‚Und sie gaben den Sinn‘: Das meint die Verse. ‚So dass man das Gelesene verstand‘: Das meint die Einteilung durch die Akzente‘ (pisuq ṭeamim). Andere aber sagen: [Letzteres] meint die Masora.“ (b.Ned 37b; b.Meg 3a; ähnlich BerR 36).

Was genau mit dieser „Einteilung durch die Akzente“ gemeint ist, ist wirklich deutlich erst in Schriften aus dem 10.-12. Jhd. überliefert. Saadia Gaon (10. Jhd.) etwa versieht auch seine wissenschaftlichen und autobiographischen Werke mit Akzenten und berichtet in seinem Werk Sefer haGalui von weiteren zeitgenössischen Büchern, die „in Verse aufgeteilt und mit Vokalpunkten und Akzenten versehen waren, damit man sie leichter lesen und einfacher behalten könne“ (Üs. nach Malter 1913, S. 499). Im masoretischen Traktat „Anweisung an den Leser“ (10./11. Jhd.) wird dies noch weiter konkretisiert:

Wenn sie [=die Akzentzeichen] nicht da wären, so gäbe es keine Sinnabteilung [...]. Auch kann der Sinn der Versabschnitte nur durch die [Akzente] klar werden, die bald bei einem Wort einen kurzen Halt gebieten, bald eine größere Trennung, bald eine enge Verbindung mit dem folgenden, damit der Leser gewandt über den Text hinlaufen könne und nicht stolpere. Denn wenn er die Abteilungszeichnen nicht kennt, wird der ganze Satz verändert [...] und das Wort des lebendigen Gottes verkehrt.“ (Üs.: Hommel 1917, S. 26),

und noch ausführlicher schreibt Juda haLevi (11.-12. Jhd.):

[Die jüdische Poesie hat kein strenges Metrum.] Was zu rezitierende Gedichte angeht, bei denen ein Metrum [eigentlich ja schon] wünschenswert wäre: Hier verzichteten die Hebräer darauf zugunsten einer ausgezeichneteren und nützlicheren Eigenschaft: [...] Es heißt ‚aus dem Mund der Schreiber‘, nicht ‚aus dem Mund von Büchern, weil mündliche Wiedergabe unterstützt wird durch das Pausieren oder das Fortfahren beim Sprechen, das Heben und Senken der Stimme [... usw.], was [bloßer] Text nicht auszudrücken imstande ist. [... In der Bibel nun] sind subtile, aber tiefe Zeichen eingefügt, um das Verständnis der Bedeutung zu fördern: Sie dienen als Ersatz [besagter] Hilfsmittel mündlicher Wiedergabe. Dies sind die Akzente, von denen geleitet die Bibel rezitiert wird. Sie zeigen an, wo einzuhalten und wo fortzufahren ist, sie unterscheiden die Frage von der Antwort, den Beginn von der [Mitte] des Gesprochenen, hastig Gesprochenes von zögernd Vorgetragenem, Befehl von Bitte... Ganze Bücher könnten über dieses Thema geschrieben werden! [...] Hast du es noch nicht erlebt, wie hundert Personen die Bibel lesen wie ein Mann: zum selben Zeitpunkt innehaltend und gemeinsam fortfahrend?“ (Kuzari II 72.76; Üs. grob nach Berlin 1991, S. 64)

Aus Schriften der selben Zeit lässt sich außerdem aber noch ein zweiter Zweck ablesen. Dafür wisse man zunächst, dass biblische Texte in der Synagoge nicht nur rezitiert wurden, wie dies Neh 8,8 voraussetzt, sondern auch kantillierend vorgetragen werden konnten. Besonders deutlich lässt isch dies z.B. schon aus Hieronymus Kommentar zu Jes 58,2 lesen: „Wenn [die Juden in den Synagogen] die Bücher der Propheten und des Mose aus dem Kopf wiedergeben, singen sie die göttlichen Gebote.“ Ab dem 10. Jahrhundert nun finden wir neben Äußerungen wie den obigen auch solche, die besagen, dass die Akzente außerdem als Zeichen für diese Kantillation dienten. So z.B. im masoretischen Traktat Diqduqe haṬeamim, wo es über eine Gruppe von Akzenten heißt:

Alle zwölf wurden festgesetzt: Vier, um Musik hervorzubringen, und acht Akzente, um [den Klang] zu süßen.“ (§18);

und völlig deutlich schließlich in einem sehr unterhaltsamen Geniza-Fragment, in dem heftig gegen die Masoreten polemisiert wird (von dem aber leider unsicher ist, wann genau und von wem es verfasst wurde):

Wendet euch nur zum Tifcha und zum Azla und zum Darga und zum Merka und zum *Zarqa [?] und zum Segolta [=alles Akzent-Namen]! [...] Als wären sie auf Wein, lassen diese Akzentfetischisten und Lieder-Jauler ihre Stimme brechen gleich dem Bruder Tubal-Kains [d.h. Jubal, der Stammvater aller Lauten- und Flötenspieler, Gen 4,21f.]. Sie halten sich für weise wie der [Sänger-König] David, haben aber kein Hirn, können [vor Schwäche auch] kaum aufstehen: Sie öffnen ihren Mund, doch ihre Sprache stockt; ihre Kraft ist vertrocknet wie Ton vom ganzen Qamets-Dehnen [angespielt wird darauf, dass im Zhg. mit bestimmten Akzenten der Vokal Patach zu Qamets gedehnt wird]. Ihre Harfe und ihre Pfeife heulen wie Klageweiber, schluchz schluchz schluchz! Vereint vereinen sie sich alle zur ‚Interpretation‘: Sie sitzen im Kreis und faseln, als wären sie betrunken. Dieser sagt dies / ‚Schluchz!‘, der andre sagt jenes / ‚Heul!‘, und das bis zum Mittag! (Text bei Schechter 1901, S. 358: I 3-10. Für eine wörtlicher Üs. s. Seligsohn 1903, S. 104f.)

Legt man diese alten Äußerungen nebeneinander, wird das heißen, dass für die mittelalterlichen jüdischen Theologen die masoretischen Akzente erstens wirklich prosodische Zeichen waren, die v.a. Betonung von Wörtern und Sprechpausen beim Vortrag von Versen anzeigten, und dass sich zweitens eine Vortragsweise entwickelt hatte, bei der die biblischen Texte kantillierend vorgetragen wurden in Orientierung an der natürlichen Prosodie, mit der diese auch rezitiert worden wären. Die masoretischen Akzente waren danach dann Hilfsmittel für den Vortrag dieser beiden Vortragsweisen.

Grundprinzipien der Akzentuierung[Bearbeiten]

(1) Die Einteilung des Bibeltextes in Verse und bei manchen Versen außerdem die Einteilung des Bibeltextes in Halbverse ist älter als die Markierung desselben mit Akzenten. Die Versgrenze wird mit dem Akzent „Silluq“ markiert (im Folgenden: D0a), die Halbversgrenze mit dem Akzent „Athnach“ (im Folgenden: D0b). Idelsohn bezeichnet beide daher als „Urakzente“; sie sind auch die einzigen, die sich nicht nur im tiberischen, sondern auch im palästinischen und (bei Athnach: fast) ebenso im babylonischen Akzentsystem finden.
Die Gliederung des Bibeltextes in Verse und Halbverse entspricht nur grob der Gliederung desselben in prosodische „Intonationsphrasen“ (=grob: Die prosodische Größe, die den grammatischen Größen „Satz“ und „Teilsatz“ entspricht). Die masoretischen Akzente müssen daher nicht nur wie im Deutschen die Grenzen von Haupt- und Nebensätzen und von „prosodischen Phrasen“ (=grob: Gruppen von ohne Sprechpause ausgesprochenen, weil in der Aussprache eng zusammengehörigen Wörtern) markieren, sondern (a) prosodische Phrasen, (b) Haupt- und Nebensätze und (c) Verse und (d) dabei außerdem mit bereits vorgegebenem Athnach zurechtkommen. Die masoretischen Akzente funktionieren daher anders als z.B. Satzzeichen im Deutschen:

(2) Akzentuiert werden nicht nur die Phrasengrenzen, sondern jedes Wort trägt einen Akzent oder ist mit einem „Maqqef“, einem hebräischen Bindestrich, mit dem folgenden oder den folgenden Worten zu einer „Akzentgruppe“ zusammengeschlossen. Innerhalb von prosodischen Phrasen werden Wörter mit sogenannten „konjunktiven“ Akzenten (im Folgenden: „K“) oder eben mit Maqqef miteinander verbunden, jeweils am Ende von prosodischen Phrasen werden Vers-, Satz- und Phrasengrenzen durch „disjunktive“ Akzente (im Folgenden: „D“), zu denen auch Silluq und Athnach gehören, voneinander getrennt.
Konjunktive Akzente sind exegetisch fast irrelevant, außerdem lässt sich jeweils nicht genau voraussagen, wo innerhalb einer Phrase ein konjunktiver Akzent vs. wo ein Maqqef steht, obwohl man Faustregeln ableiten kann. Die mit großem Abstand größte Zahl von Varianten in hebräischen Manuskripten bei der Akzentuierung sind entsprechend auch Varianten von Akzentuierung mit konjunktiven Akzenten vs. Akzentuierung mit Maqqef. Auch Maqqef ist daher sehr wahrscheinlich älter als die tiberischen Akzente (vgl. Aronoff 1985, S. 47). Im Folgenden wird es deshalb fast nur noch um disjunktive Akzente gehen. Der Rest ergibt sich dann ja ohnehin automatisch: Ist die Lage von disjunktiven Akzenten erst bestimmt – und diese lässt sich bestimmen –, werden alle Wörter, die nicht mit Maqqef mit dem folgenden Wort verbunden sind, mit konjunktivem Akzent versehen.

(3) Akzente kann man nicht für sich nehmen, sondern sie sind jeweils Teil von relativ regelmäßigen Akzent-Abfolgen. Nur die Lage der (Teil-)Vers-Grenze lässt sich direkt aus den Akzenten Silluq und Athnach ablesen. Wo dagegen jeweils Phrasen- oder (Teil-)Satz-Grenzen liegen, muss man aus diesen Abfolgen disjunktiver Akzente ableiten.

(4) Mit solchen Akzent-Abfolgen wird dabei erstens von hinten nach vorne akzentuiert (wahrscheinlich, weil Silluq und Athnach jeweils am Ende ihrer (Halb-)Verse vorgegeben waren) und zweitens in mehreren Durchgängen: Zunächst werden mit einer Untergruppe der Akzente, die oft als „starke“ disjunktive Akzente bezeichnet werden (im Folgenden: „Ds“) die Satz-Grenzen markiert, danach mit den selben die Grenzen von Hauptsatz-Nebensatz-Gefügen u.ä. (s.u.), zuletzt werden innerhalb dieser (Teil-)Satz-Grenzen mit denselben Akzenten und weiteren disjunktiven Akzenten die Phrasengrenzen markiert.

(5) In der folgenden Tabelle sind, um dies zu vereinfachen, die Akzente nicht nur mit dem Index „s“ ausgezeichnet, sondern außerdem mit den Indices „0-3“ und „a-d“. Soll nämlich angezeigt werden, dass mit einem Wort keine Satz-, sondern nur eine Phrasengrenze endet, kann je nach prosodischem Kontext von hinten nach vorne entweder eine „Akzentreihe“ gebildet werden mit der Abfolge D0 – D1 – D2 – D3 oder es können mehrere Akzente derselben Gruppe hintereinander stehen, dann aber regelmäßig in der Abfolgen D0a – D0b, D1a – D1s, D2a – D2s oder D3a – D3b – D3c – D3d.

Beispiel – hier der Einfachheit halber nur mit einfachen Sätzen: Ri 10,6:
Es taten wieder die Kinder Israels das Böse in den Augen JHWHs. Sie dienten den Baalen und den Ascheren und den Göttern Arams und den Göttern Sidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammon und den Göttern der Philister. Aber sie verließen JHWH und dienten ihm nicht.

Der Vers besteht aus drei Sätzen. Zunächst wird die Versgrenze und werden die Satzgrenzen durch die „starken“ Akzente abgegrenzt: der letzte durch Silluq (D0a), der vorletzte durch Athnach (D0b), der vorvorletzte durch Segol (D1s):

Die Kinder Israels taten wieder das Böse in den Augen JHWHs. |D1s
Sie dienten den Baalen und den Ascheren und den Göttern Arams und den Göttern Sidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammons und den Göttern der Philister.|D0b
Aber sie verließen JHWH und dienten ihm nicht. |D0a

Danach werden innerhalb dieser Sätze die prosodischen Phrasen ebenfalls durch disjunktive Akzente abgegrenzt (zu den Regeln, nach denen diese Phrasen-Grenzen gesetzt werden, s.u.; hier soll nur das Prinzip veranschaulicht werden):

Es taten wieder |D3a

die Kinder Israels |D2s
das Böse |D2a
in den Augen JHWHs. |D1s

Sie dienten den Baalen und den Ascheren |D3d

und den Göttern Arams und den Göttern Sidons |D3b
und den |D3a
Göttern Moabs |D2s
und den |D2a
Göttern der Söhne Ammons |D1s
und den |D1a
Göttern der Philister. |D0b

Aber sie verließen JHWH |D1a

und dienten ihm nicht |D0a

Im zweiten Satz haben wir also die Akzentreihe (von hinten nach vorne) D0b – D1a – D1s – D2a – D2s – D3a – D3b – D3d. Aus der Tatsache, dass hier die regelmäßige Reihenfolge von Akzentreihen eingehalten wird – dass die Akzente also aufsteigen von „0“ bis „3“ und von „a“ bis „s“ –, kann man erkennen, dass hier keine Satzgrenze liegt, sondern nur mehrere Phrasengrenzen. Und dies, obwohl in dieser Akzentreihe mehrere „starke Akzente“ vorkommen: Weil sie innerhalb einer Akzentreihe stehen, grenzen sie hier keine Satzgrenzen ab, sondern nur Phrasengrenzen. Oder, richtiger: „Weil sie innerhalb einer Akzentreihe stehen, müssen sie keine Satzgrenzen abgrenzen“: Weil die Ds-Akzente sowohl zur Abgrenzung von Satzgrenzen als auch zur Abgrenzung von Phrasengrenzen dienen, finden sich häufig Fälle, bei denen sich nur auf der Basis der Akzente nicht klar entscheiden lässt, ob er eine Phrasen- oder eine Satzgrenze markiert. Ein zweites Beispiel (in dem – wie stets im Folgenden – nur die relevanten Akzente festgehalten sind), bevor ich die Tabelle gebe:

Beispiel 2: Ri 14,9:
Da nahm er [den Honig] mit den Händen. |D2s
Und er ging und aß [im Gehen]. |D1s
Und er ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter |D1s

und gab ihnen und sie aßen. |D0b ...

Weil hier zwei D1s aufeinander folgen, ist klar, dass der D1s gegen Ende „nur“ Teil der Akzentreihe vor D0b ist, der erste dagegen eine Satzgrenze markiert. Nicht klar ist es allerdings beim ersten starken Akzent D2s: Er würde hier sowohl dann stehen, wenn er nur eine Phrasengrenze markierte („Da nahm er mit den Händen und ging und aß.“) oder eine Satzgrenze („Da nahm er mit den Händen. Und er ging und aß.“).

Akzentfolge des tiberischen Prosa-Systems[Bearbeiten]

D0a+b Silluq: ֽבֽ׃ Athnach: ב֑
D1a Tifcha: ב֖
D1s Zaqef qatan:a ב֔
Zaqef gadol:b ב֕
Segolta:c ב֒
Schalschelet:d ב֓
D2a Paschta:e ב֙
Jetib:f ב֚
Tebir:g ב֛
Zarqa:h ב֮
D2s Rebia:i ב֗
D3a Legarmeh:j ב֣׀
D3b Geresch: ב֜
Gerschajim:k ב֞
D3c Telischa gedola:l ב֠
D3d Pazer gadol: ב֟
Pazer: ב֡

Mehr als diese regelmäßige Abfolge von Akzenten lässt sich nicht verlässlich vorhersagen; wieder lassen sich allenfalls Faustregeln formulieren. Nur ein Beispiel, das man sich nicht zu merken braucht: Zaqef kann nicht in jedem prosodischen Kontext die letzte Phrasengrenze vor Silluq oder Athnach markieren. Auf dem letzten Wort vor Silluq und Athnach steht es nie, auf dem vorletzten Wort vor Silluq und Athnach nur dann, wenn eines der beiden folgenden Worte lang ist. Ist das der Fall, kann Zaqef stehen, wonach dann das folgende Wort auch dann mit dem disjunktiven Akzent Tifcha versehen werden muss, wenn die beiden Worte eigentlich eine Konjunktiv-Phrase bildeten. Rachel Mashiah hat in ihrer (mir noch nicht zugänglichen) Dissertation von 1995 u.a. solche Faustregeln untersucht; sie kommt zu dem Ergebnis, dass in 45 % der Fälle Tifcha steht, in 55 % der Fälle Zaqef (vgl. Mashiah 1996, S. 62). Entsprechende Faustregeln lassen sich z.B. formulieren für Rebia vs. Paschta vor Zaqef und Rebia vs. Zarqa vor Segol, für die Setzung konjunktiver Akzente vs. Maqqef oder dafür, ob kurze Phrasen mit der folgenden Phrase kombiniert werden oder nicht (dazu s.u.). Auch hier lassen sich maximal Faustregeln formulieren.
Verlässlich prognostizieren lässt sich also nur, (1) wo ein disjunktiver Akzent gesetzt werden kann und (2) wenn ein disjunktiver Akzent gesetzt wird, welcherart dieser Akzent sein wird (z.B.: Vor einem D1 kann kein D3 stehen etc). Es gibt also nicht die eine „richtige“ Akzentuierung, mit der man selbst a priori korrekt akzentuieren könnte. Was aber möglich ist, ist, aus akzentuierten Texten abzulesen, welche Prosodie und damit z.B. auch welche Deutung der Syntax einer gegebenen Akzentuierung zugrunde liegt – und dies ist es ja auch hauptsächlich, was nötig ist, um die Akzente für das Verständnis biblischer Texte fruchtbar zu machen.

aKann sowohl vor Silluq (+ Tifcha) als auch vor Athnach (+ Tifcha) stehen; Mediawiki stellt die Tabelle hier leider nicht richtig dar. (Zurück zu )
bSteht nur, wenn damit das erste Wort des Verses, das erste Wort nach Athnach oder ein Wort direkt nach Zaqef qatan akzentuiert wird. (Zurück zu )
cNur vor Athnach (+ Tifcha), nicht zwischen Athnach und Silluq. (Zurück zu )
dAusschließlich auf dem ersten Wort eines Verses. (Zurück zu )
eNur als Vor-Akzent von Zaqef. (Zurück zu )
fErsetzt Paschta bei Wörtern, die auf der ersten Silbe betont sind. (Zurück zu )
gNur als Vor-Akzent von Tifcha. (Zurück zu )
hNur als Vor-Akzent von Segolta. (Zurück zu )
iIn manchen Kontexten wird Rebia ersetzt durch Paschta, Tebir oder Zarqa: Zwischen zwei Rebias müssen mindestens drei Worte liegen. Ist das nicht der Fall, wird der erste Rebia durch Paschta ersetzt, vgl. Wickes 1887, S. 79f.; Price 2010, S. 55 FN 3. (Zurück zu )
jNur als Vor-Akzent von Rebia. (Zurück zu )
kKann Geresch ersetzen, wenn mehrsilbiges Wort auf der letzten Silbe betont ist. (Zurück zu )
lAn wenigen Stellen ist die Reihenfolge von Geresch und Telischa ohne ersichtlichen Grund umgekehrt: Gen 1,12; 13,1; Lev 4,7; 13,57; Dtn 26,12; Jos 23,4; 1 Kön 16,21; Esra 5,3; 8,17; Neh 3,15; Ez 3,15; Dan 9,26; Am 8,13. (Zurück zu )


Intonationsphrasengrenzen[Bearbeiten]

Grundprinzipien der Bestimmung von Intonationsphrasengrenzen[Bearbeiten]

Besteht ein Vers aus mehreren „prosodischen Komplexen“ wie z.B. Hauptsatz-Nebensatz-Gefügen und den anderen, die ich unten gleich aufzählen werde, lässt sich die Akzentuierung bestimmen, indem ein Vers (a) zunächst in diese Komplexe zerlegt und (b) diese Komplexe dann wiederum in ihre Teil-Komplexe (z.B.: Hauptsatz vs. Nebensatz) zerlegt werden. (c) In einem ersten Durchgang werden dann von hinten nach vorne zunächst die einzelnen Komplexe mit den „starken Akzenten“ akzentuiert, (d) dann innerhalb dieser Komplexe die Teilkomplexe ebenfalls mit den starken Akzenten, (e) und zuletzt werden innerhalb dieser Teilkomplexe die Grenzen der prosodischen Phrasen mit allen zur Verfügung stehenden disjunktiven Akzenten voneinander getrennt (f) und die Wörter innerhalb von prosodischen Phrasen, die noch nicht durch Maqqef verbunden sind, mit konjunktiven Akzenten versehen.
Hat ein Vers keine „prosodischen Komplexe“, sondern nur mehrere einfache Sätze (wie die Beispiele oben), entfallen die Schritte (a) und (c); besteht er gar nur aus einem einfachen Satz oder sogar nur einem Teilsatz (was auch sehr selten der Fall ist), entfallen auch die Schritte (b) und (d).
Beispiele für Verse aus nur einem einfachen Satz machen erst Sinn, wenn auch die Bestimmung der Grenzen prosodischer Phrasen erläutert wurde; s. daher im nächsten Absatz.
Diese mehrfache Durchakzentuierung von hinten nach vorne hat übrigens am klarsten Janis mit seiner „Countdown-Regel“ herausgearbeitet; Janis allerdings geht von nur zwei Durchgängen aus. Wir werden gleich sehen, dass damit einer der für die Exegese hilfreichsten Aspekte des Akzentsystems nicht erfasst wird. Die alten Akzentforscher fassten die in diesem Abschnitt behandelten Prinzipien der Akzentuierung zusammen als „Dictamen logicum“ („logisches Gesetz“; s. z.B. Wasmuth 1664, S. 68-70; Sancke 1740, S. 64-67; Hirt 1762 §27); nach Wickes aber sind gerade diese für die Exegese so hilfreichen Prinzipien weitgehend in Vergessenheit geraten.

Beispiel für Verse aus mehreren einfachen Sätzen: Jes 3,24:
Und es wird geschehen: Statt Duft [wird] Moder [sein]. Und statt Gürtel [wird] Strick [sein]. Und statt gemachter Haarpracht [wird] Glatze [sein]. Und statt Mantel [wird] Sacktuch [sein]. Brandnarbe [wird] statt Schönheit [sein].

Der Vers besteht aus sechs einfachen Sätzen. Zum ersten Mini-Satz s. die zweite „Zwischenbemerkung“; ignorieren wir diesen hier zunächst. Der Vers wird also zunächst in seine einzelnen Sätze zerlegt; diese werden danach durch-akzentuiert:

Statt Duft wird Moder sein. |D2s תחת בשם מק יהי֗ה
Und statt Gürtel wird Strick sein. | D2s ותחת הגורה נקפה֙
Und statt gemachter Haarpracht wird Glatze sein. |D1s___ ותחת מעשה מקשה קרח֔ה
Und statt Mantel wird Sacktuch sein. |D0b ותחת פתיגיל מחגרת ש֑ק
Brandnarbe wird statt Schönheit sein. |D0a כי־תחת יֽפי׃


Der letzte Satz wird wie stets mit Silluq markiert (D0a), der vorletzte mit Athnach (D0b). Dies ist der Ort, an dem man Athnach in den häufigsten Fällen erwarten kann: nur selten lässt sich der Ort von Athnach nicht prognostizieren, was dann wahrscheinlich auf ein bereits vorgegebenes Athnach zurückzuführen ist (s.o.). Ist also Athnach nicht bereits vorgegeben, beschließt es stets den vorletzten prosodischen Komplex. Weiter: Der vor-vorletzte wird mit Zaqef qaton markiert (D1s), der vor-vor-vorletzte mit Rebia (D2s) und der vor-vor-vor-vorletzte wieder mit Rebia, da Rebia der letzte „starke“ disjunktive Akzent ist (s.o.). Weil nun aber nur zwei Worte zwischen den beiden Rebia-Worten stehen, wird das zweite transformiert zu Paschta (s.o. zu Rebia).
Darauf werden die prosodischen Phrasen innerhalb der Sätze voneinander getrennt (wieder: s. den nächsten Abschnitt; hier soll nur das Prinzip veranschaulicht werden):

Statt Duft |D3b
___wird Moder sein. |D2s
תחת ב֜שם מק יהי֗ה
Und statt Gürtel wird Strick sein. | D2s ותחת הגורה נקפה֙
Und statt gemachter Haarpracht |D2a___
___wird Glatze sein. |D1s___
ותחת מעשה מקשה֙ קרח֔ה
Und statt Mantel |D1a
___wird Sacktuch sein. |D0b
ותחת פתיג֖יל מחגרת ש֑ק
Brandnarbe wird statt |D1a
___Schönheit sein. |D0a
כי־ת֖חת יֽפי׃


Vor das erste Rebia (D2s) wird also der Vor-Akzent Geresch (D3b) gesetzt, vor Zaqef (D1s) der Vor-Akzent Paschta (D2a). Athnach und Silluq erhalten beide ihren Vor-Akzent Tifcha. Was man an diesem Beispiel schön sieht ist: Weil das zweite Rebia zu Paschta transformiert wurde, stehen nun also zwei Paschtas direkt nebeneinander. Akzent-Doppelungen lassen sich stets aufgrund dieser mehreren Akzentuierungs-Durchläufe erklären; nur dank ihnen lassen sich daher auch die Prinzipien der Akzentuierung rekonstruieren.
In einem letzten Schritt würden alle nun noch nicht akzentuierten Wörter mit konjunktiven Akzenten versehen.

Beispiel 2: Jes 40,28:
Weißt du [es] nicht oder hast du [es] nicht gehört? Ein ewiger Gott [ist] JHWH. [Er ist] der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht. Nicht zu ergründen [ist] sein Verstand.

1. Weißt du es nicht |D3b
___oder hast du es nicht gehört? |D2s___
הלוא יד֜עת אם־לא שמ֗עת
2. Ein ewiger Gott ist JHWH. |D2s אלהי עולם יהוה֙
3. Er ist der Schöpfer |D2a
___der Enden der Erde. |D1s
בורא֙ קצות הא֔רץ
4. Er ermüdet nicht |D1a
___und ermattet nicht. |D0b
לא ייע֖ף ולא ייג֑ע
5. Nicht zu ergründen |D1a
___ist sein Verstand. |D0b
אין ח֖קר לתבונתֽו׃


Der erste, vierte und fünfte Akzentkomplex bedarf keiner Erläuterung: Der letzte wird mit Silluq versehen und mit dem Vor-Akzent Tifcha in phonologische Phrasen gegliedert; der vorletzte mit Athnach und ebenfalls mit Tifcha gegliedert; der erste wird mit Rebia abgegrenzt und mit dem Vor-Akzent Geresch gegliedert. Der zweite Akzentkomplex endet aber mit Paschta, im dritten steht auf dem direkt folgenden Wort ebenfalls Paschta als Vor-Akzent von Zaqef. Schon an dieser direkten Aufeinander-Folge von Paschta sieht man, dass das erste natürlich wieder ein transformiertes Rebia ist. Hier aber haben wir es wieder mit einem Grenzfall zu tun: Sind dies wirklich zwei Akzentkomplexe, weil es zwei Sätze sind (wie hier analysiert wurde: „Ein ewiger Gott ist JHWH. [Er ist] der Schöpfer der Enden der Erde.“)? Oder ist dies nur ein Akzentkomplex, da nur ein Satz, in dem „der Schöpfer der Enden der Erde“ in Apposition zu „JHWH“ steht („Ein ewiger Gott ist JHWH, der Schöpfer der Enden der Erde“)? In beiden Fällen könnte Rebia stehen: Im ersten als starker disjunktiver Akzent zur Abgrenzung eines Teilkomplexes, im zweiten als Vor-Akzent vor Paschta-Zaqef. Die Frage lässt sich nicht entscheiden: Etwas häufiger würde im zweiten Fall nicht Rebia, sondern ein D3 stehen (i.d.R. Geresch), aber wieder ist dies nur eine Faustregel. So und so sieht man aber auch an diesem Beispiel wieder: Das doppelte Rebia (bzw. hier an der Oberfläche: das doppelte Paschta) ist wieder zurückzuführen auf die zwei Akzentuierungsdurchgänge.

Beispiel 3: Jes 61,2f.:
[Gott hat mich gesandt...,] 2 um auszurufen das Jahr der Annahme JHWHs und den Tag der Rache unseres Gottes, um zu trösten alle Trauernden, 3 um aufzusetzen den Trauernden Zions, um zu geben ihnen Kopfschmuck statt Asche, [um zu geben ihnen] Freudenöl statt Trauer, [um zu geben ihnen] einen Mantel des Jubels statt einem Geist der Verzagung. Und genannt werden sollen sie „Terebinthen der Gerechtigkeit“, „Pflanzung JHWHs zur Verherrlichung“.

Dieses Beispiel ist deshalb schön, weil man hier sieht, wie sehr die Gliederung des masoretischen Textes in Verse der Gliederung desselben in Sätze zuwiderlaufen kann: V. 2 und die erste Hälfte von V. 3 besteht vollständig aus einer Reihe von Nebensätzen zu V. 1. Auf der Ebene des Verses sind dies also kein Gefüge, sondern innerhalb dieses Verses „gleichrangige“, einander beigeordnete prosodische Einheiten und können daher analysiert werden wie eine Reihe selbstständiger Sätze:

1. um auszurufen ein Jahr der Annahme |D2a
___JHWHs |D1s
___Und einen Tag der Rache |D1a
___unseres Gottes |D0b
לקרא שנת־רצון֙ ליהו֔ה ויום נק֖ם לאלה֑ינו
2. um zu trösten | D1a
___alle Trauernden, |D0a
לנח֖ם כל־אבלֽים׃
3. um aufzusetzen |D3a___
___den Trauernden Zions, |D2s___
לש֣ום׀ לאבלי צי֗ון
4. um zu geben ihnen Kopfschmuck |D3b
___statt Asche, |D2s
לתת להם פא֜ר תחת א֗פר
5. [um zu geben ihnen] Freudenöl |D2a
___statt Trauer, |D1s
שמן ששון֙ תחת א֔בל
6. [um zu geben ihnen] einen Mantel des Jubels |D1s___
___statt |D1a
___einem Geist der Verzagung |D0b
מעטה תהל֔ה ת֖חת רוח כה֑ה
7. Und genannt werden sollen sie |D2a
___„Terebinthen der Gerechtigkeit“, |D1s
___„Pflanzung JHWHs |D1a
___zur Verherrlichung.“ |D0a
וקרא להם֙ אילי הצ֔דק מטע יהו֖ה להתפאֽר׃


Die ersten beiden Akzentreihen bedürfen keiner Erläuterung: Der letzte Nebensatz des ersten Verses wird mit Silluq abgeschlossen, der vorletzte (=erste) Nebensatz mit Athnach. Daraufhin werden beide jeweils wieder mit ihren jeweiligen Vor-Akzenten in phonologische Phrasen untergliedert.
Stünde übrigens vor jom („Tag“) kein Waw („und“), wäre dies wieder ein Grenzfall; allein aus der Akzentuierung ließe sich dann nicht entscheiden, ob dies eine Apposition und deshalb nur eine Akzentreihe mit Zaqef als Vor-Akzent wäre („um auszurufen ein Jahr der Annahme JHWHs, einen Tag der Rache unseres Gottes“) oder zwei Nebensätze, in denen beim zweiten das Verb erspart wurde und wo deshalb der erste mit einer eigenen mit Zaqef schließenden Akzentreihe akzentuiert wurde („um auszurufen ein Jahr der Annahme JHWHs; [um auszurufen] einen Tag der Rache unseres Gottes.“). Die erste Variante wäre natürlich Unsinn; „Tag der Rache“ kann nicht als Apposition zu „Jahr der Annahme“ genommen werden und auf dieser Basis ließe es sich dann doch klar entscheiden.
Einen solchen Grenzfall haben wir aber wirklich in der letzten Akzent-Einheit: Steht „Pflanzung JHWHs zur Verherrlichung“ in Apposition zu „Terebinthen der Gerechtigkeit“ und dies ist also, wie hier analysiert wurde, nur eine Akzentreihe? Oder wurde ein Verb erspart und Satz und Akzentuierung wären zu deuten als „und genannt werden sollen sie ‚Terebinthen der Gerechtigkeit‘; [genannt werden sollen sie] ‚Pflanzung JHWHs zur Verherrlichung‘“? Im ersten Fall wäre Zaqef Vor-Akzent vor Tifcha-Silluq und der Satz wäre eine fast exakte akzentuatorische Parallele zur ersten Akzenteinheit in diesem Beispiel (D2a – D1s – D1a – D0). Beides wäre gleichermaßen möglich.
Akzent-Einheiten 3-6 sind wieder unstrittig: Die vorletzte mit mit Athnach beschlossen, die vor-vorletzte mit Zaqef, die vor-vor-vorletzte mit Rebia und die vor-vor-vor-vorletzte wieder mit Rebia, da Rebia der letzte „starke“ disjunktive Akzent ist und hier anders als in Beispielen 1+2 mehr als drei Worte zwischen den beiden Rebias liegen. Man beachte aber auch noch, dass auch hier in Akzenteinheit 5+6 wieder zwei Zaqefs direkt aufeinander folgen; wieder ist dies zu erklären mit den zwei Durchläufen bei der Akzentuierung: der erste ist starker disjunktiver Akzent zum Abschluss von Akzenteinheit 5, der zweite in Akzenteinheit 6 „nur“ Vor-Akzent vor Tifcha-Athnach.

Weitere Beispiele: ...

Zwei Zwischenbemerkungen[Bearbeiten]

(1): Solche Fälle mit einander gleichrangig beigeordneten Akzent-Einheiten sind die simpelsten Akzentuierungsmuster im Alten Testament. Nun folgen mehrere etwas komplexere. Auf den ersten Blick kann die Rede von „komplexen Akzentuierungsmustern“ etwas abstrakt wirken. Das ist sie aber nicht: Was mit solchen Akzentuierungen abgebildet wird, sind lediglich prosodische Regelmäßigkeiten, die es in jeder Sprache gibt. Man spreche sich nur einmal vor:

1. Wenn ich ich mir die Akzente eingeprägt habe und die Prinzipien der Akzentuierung verstanden habe, werde ich die biblischen Texte noch besser verstehen.
2. Ich werde die biblischen Texte noch besser verstehen, wenn ich die Prinzipien der Akzentuierung verstanden habe und mir die Akzente eingeprägt habe.
3. Wenn ich die Prinzipien der Akzentuierung verstanden habe, werde ich mir die Akzente einprägen und die biblischen Texte dann noch besser verstehen.

Wer sich selbst beim Sprechen aufmerksam belauscht hat, wird festgestellt haben, dass er die längsten Sprechpausen gemacht hat zwischen den „Rändern“ der Haupt- und Nebensätze, und dass die Pause zwischen dem allein stehenden Teilsatz und den beiden koordinierten Teilsätzen in allen drei Fällen etwas länger war als die zwischen den beiden koordinierten Teilsätzen. Wegen dem Satzbau werden in der Aussprache also erstens ich habe die Prinzipien der Akzentuierung verstanden, zweitens ich habe mir die Akzente eingeprägt und drittens ich werde die biblischen Texte noch besser verstehen jeweils als „Einheiten“ ausgesprochen und zweitens die beiden jeweils koordinierten Teilsätze als „Super-Einheit“ gegenüber der allein stehenden „Aussprache-Einheit“ zusammengeschlossen. Der Unterschied zwischen dem Bibelhebräischen und dem Deutschen ist nur, dass solche prosodischen Regelmäßigkeiten im Hebräischen mithilfe von Satzzeichen auch festgehalten werden. Es sind solche Regelmäßigkeiten, die im Folgenden erläutert werden sollen.

(2): Zwei weitere prosodische Regelmäßigkeit, die sich ebenfalls m.W. in allen, mindestens aber in den meisten Sprachen feststellen lässt: Man spreche sich einmal vor:

1. Fünf Brote.
2. Fünf Brote und zwei Fische.
3. Fünf Brote und zwei Fische vermehrte Jesus.
4. Jesus vermehrte fünf Brote und zwei Fische.

Wer sich selbst noch einmal aufmerksam belauscht haben wird, wird erstens festgestellt haben, dass die Sprechpause zwischen fünf und Brote von (1) bis (3) immer kürzer geworden ist. Er wird zweitens festgestellt haben, dass auch die Sprechpause zwischen fünf Brote und zwei Fische in (2) länger war als in (3), und drittens, dass dieselbe in (4) wieder länger war als in (3).
Es sind dies zwei gegenläufige prosodische Regelmäßigkeiten: Die End-Dehnung, die dazu führt, dass prosodische Pausen gegen Ende hin länger und deutlicher ausgesprochen werden (vgl. zu dieser Konstante z.B. Vaissière 1983, S. 60f.) und die Anfangsbeschleunigung, die recht eigentlich eine Beschleunigung des Sprechtempos bei komplexen (weil längeren) prosodischen Einheiten insgesamt ist und die mit sich bringt, dass prosodische Pausen am Anfang solcher prosodischen Einheiten wegfallen, während sie bei ensprechenden kürzeren Einheiten noch gesetzt würden (vgl. zu dieser Konstante z.B. Jun 2012, S. 1222f.).
Beide Regelmäßigkeiten gelten auch für das Hebräische, und: sie werden auch in der Akzentuierung abgebildet. Mit der End-Dehnung lässt sich z.B. das Phänomen erklären, dass als Exempel im Abschnitt zur Akzentfolge erklärt wurde. Es erklärt außerdem das Phänomen der Pausa, das nur indirekt für die Akzentuierung relevant ist: Am Ende von Intonationsphrasen – besonders bei Athnach-Wörtern und Silluq-Wörtern – werden Wörter im Heb. häufig so sehr gedehnt, dass sie anders vokalisiert und an anderen Stellen des Worts akzuentuiert werden als an anderen Stellen von Intonantionseinheiten (vgl. z.B. Dresher 1994, S. 13; Bat-El / Himmelreich uvö., S. 13f.18-26). Beim Beispiel (1) im vorigen Abschnitt z.B. bildet die Präp. „statt“ stets mit der folgenden Präpositionalergänzung (z.B. „Duft“, „Gürtel“ usw.) eine gemeinsame Konjunktivphrase – nur nicht im letzten Satz; dort wird selbst das zweisilbige Wort jopi („Schönheit“) als eigene prosodische Phrase abgegrenzt.
Noch stärker wirkt sich aber die Anfangsbeschleunigung auf die Akzentuierung aus: Besonders am Anfang von Versen werden kürzere Intonationsphrasen mit folgenden längeren Intonationsphrasen zusammengezogen; ebenso werden besonders am Anfang von Intonationsphrasen kürzere prosodische Phrasen mit den folgenden prosodischen Phrasen zu einer Konjunktivphrase zusammengezogen. Beim selben Beispielvers etwa haben wir ja den einleitenden Mini-Satz und es wird geschehen ignoriert. Dies deshalb: Im Heb. besteht dieser Satz aus nur einem Wort mit drei Silben: wehajah. „Korrekt“ wäre eigentlich auch dies eine eigene Intonationsphrase; wegen Anfangsbeschleunigung wird er aber in die folgende Intonationsphrase hineingezogen und sogar mit einem konjunktiven Akzent mit der folgenden prosodischen Phrase zu einer Konjunktivphrase kombiniert („Und es wird geschehen: K Statt K Duft |D3b wird Moder sein. |D2s.“). Oder, noch weit auffälliger: Man vergleiche im Abschnitt zu den Grundprinzipien der Akzentuierung die einzelnen Phrasen im langen Satz des ersten Beispiels: Am Anfang noch „und den Baalen und den Ascheren“ und „und den Göttern Arams und den Göttern Sidons“, ab dann aber „und den | Göttern Moabs“, „und den | Göttern der Söhne Ammons“ usw. Wir werden noch auf einige solche Beispiele stoßen, auf die ich ab hier stets hinweisen werde; dies soll daher hier als Beispiel genügen.

Hauptsatz-Nebensatz-Gefüge[Bearbeiten]

Hauptsatz-Nebensatz-Gefüge werden als eigene prosodische Einheit mit zwei (oder mehr) Untereinheiten akzentuiert. Einen komplexen Satz mit dem Muster HS – HS + NS – HS etwa wird nicht akzentuiert als HS |D2s – HS |D1s – HS |D0b – HS |D0a, sondern als [HS] |D1s – [[HS] |D1s [NS]] |D0b – [HS] |D0a.

Beispiel: Gen 18,33:
NS: Und es ging JHWH, HS: als er fertig war mit dem Sprechen mit Abraham. HS: Und Abraham kehrte zurück in seine Heimat.

1. Und es ging JHWH, |D1s וילך יהו֔ה
2. als er fertig war |D1s
___mit dem Sprechen mit Abraham |D0b___
כאשר כל֔ה לדב֖ר אל־אברה֑ם
3. Und Abraham kehrte zurück in seine Heimat. |D0a ואברה֖ם שב למקמֽו׃


Daran, dass hier zwei Zaqefs aufeinander folgen, sieht man, dass „Und es ging JHWH“ und „als er fertig war mit dem Sprechen mit Abraham“ als zwei unterschiedliche Akzenteinheiten akzentuiert wurden; der Vers wurde also bei der betrachtet nicht als [HS] – [NS] – [HS] oder als [HS NS] – [HS], sondern als [[HS] [NS]] – [HS]. „Als er fertig war mit den Sprechen mit Abraham“ (heb.: ledabber `el-`abraham) wäre in anderen prosodischen Kontexten übrigens eine Konjunktivphrase (s.u.: Vb. + abh. Nomen); wegen End-Dehnung vor Athnach wird diese Konjunktivphrase hier aber zusätzlich durch Tifcha gesplittet.

Stützword-Relativsatz-Gefüge[Bearbeiten]

Redeeinleitung + wörtliche Rede[Bearbeiten]

Redeeinleitung: Jer 20,3

Satzpaare[Bearbeiten]

Einige weitere Akzentkomplexe[Bearbeiten]

(5.7.1): Listen mit drei oder mehr Gliedern Gen 6,7: [Und es sprach JHWH:Rebia Ich will vertilgen die Menschen, die ich geschaffen habe,Paschta vom Angesicht der Erde – ]Zaqef [vom Menschen bis zum ViehZaqef bis zum GekreuchTifcha und bis zum Gevögel des Himmels –]Athnach [denn es reut mich,Tifcha dass ich sie gemacht habe.]Silluq „Logisch“ oder „syntaktisch“ gesehen macht es „keinen Sinn“, dass die Aufzählung „vom Menschen bis zum Vieh bis zum Gekreuch und bis zum Gevögel des Himmels“ behandelt wird, habe sie den selben Status wie ein unverbundener Satz. Prosodisch dagegen ist es natürlich leicht einsehbar, warum dem so ist. Beispiele wie dieses begegnen daher immer wieder, vgl. nur folgende Beispiele aus dem selben Erzählzyklus: Gen 8,19: [Alles Lebendige,Rebia alles GekreuchPaschta und alles Gevögel,Zaqef alles, was auf der Erde kreucht –]Athnach [nach ihren ArtenZaqef gingen sie aus der Arche.]Silluq Gen 9,10: (Ich errichte meinen Bund) [mit allen Lebewesen, die bei euch waren –]Zaqef [mit dem Gevögel, mit dem Vieh,Tebir mit allem Lebendigen der ErdeTifcha bei euch –]Athnach [von allem, was gegangen ist aus der Arche,Zaqef bestimmt für alles Lebendige der Erde.]Silluq Offensichtlich ist der Grund für die folgende Gruppierung: Dtn 7,1: ...Athnach [Wenn JHWH viele Heidenvölker vor dir hinaustreibt –Pazer die Hethiter und die Girtagasiter und die AmoriterGeresch und die Knaaniter und die PerisiterRebia und die HewiterPaschta und die Jebusiter]Zaqef – sieben Nationen,Zaqef größer und stärker als du, ...Silluq oder für diese: Jes 1,6: ...Zaqef [Wunden und StriebenTifcha und frische Verletzungen]Athnach [sind nicht verbundenPaschta und nicht umwickeltZaqef und nicht behandeltTifcha mit Öl.]Silluq Selbst merkwürdigste Gruppierungen wie die Folgende kommen aber auf diese Weise zustande: Gen 7,14: [...sie und alle Arten von GetierRebia und alle Arten von ViehZaqef und alle Arten von auf Erden kriechendem Gekreuch]Athnach [und alle Arten von Vögeln,Zaqef alle Vögelchen allen Gefieders.]Silluq – Offenbar ist die Tatsache, dass auf die Gruppe der „Vögel“ anders als auf die anderen Gattungen danach noch einmal zusätzlich eingegangen wird, ausreichend, um sie aus der vorangehenden Aufzählung auszugliedern. Ähnlich hier, wo die beiden nur leicht unterschiedlichen Konstruktionen [Stadtname und ihre Tochterstädte] vs. [Bewohner von Stadtname und ihre Tochterstädte] zwei Untergruppen bilden: Ri 1,27: [Aber Manasse trieb nicht ausRebia Bet-Schean und ihre TochterstädteZarqa und Taanak und ihre Tochterstädte]Segol [– und die Bewohner von Dor und ihre TochterstädteRebia und die Bewohner von Jibleam und ihre TochterstädteZaqef und die Bewohner von Megiddo und ihre Tochterstädte –]Athnach [und die Kanaaniter wollten in diesem Land wohnen bleiben.]Silluq Oder hier, wo die Edelmetalle Gold und Silber eine (auch durch Konjunktion markierte) Gruppe und die anderen Metalle eine zweite Gruppe bilden: Num 31,22: [Nur das GoldTifcha und das Silber;]Athnach [die Bronze,Paschta das Eisen,Zaqef das ZinnTifcha und das Blei.]Silluq Ein letztes Beispiel; hier wird die Liste der Brandopfer abgegrenzt von der Rede über Schlachtopfer: 1 Chr 29,21: [Und sie schlachtopferten JHWH SchlachtopferTelischa und brandopferten BrandopferGeresch JHWH am übernächstenZarqa Tag:]Segolta [1000 Ochsen,Geresch 1000 Widder,Tebir 1000 SchafeTifcha und ihre Trankopfer]Athnach [und Schlachtopfer für die MengeTifcha ganz Israels]Silluq

(5.7.2) ben ... uben:

Eine kleine Reihe von Beispielen jeweils mit Wiederholungen von Zaqef mag zur Veranschaulichung genügen: Gen 9,16 ... ein ewiger BundZaqef [[zwischen Gott]Zaqef [und zwischen allen Lebewesen]]Zaqef ... Gen 9,17: ... des Bundes, den ich errichtet habeZaqef [[zwischen mir]Zaqef [und zwischen allem Fleisch]]Tifcha ... Ex 9,4: Und Gott wird unterscheidenZaqef [[zwischen dem Vieh Israels]Zaqef [und zwischen dem Vieh der Ägypter.]]Athnach Ex 26,33: Und der Vorghang soll euch scheidenZaqef [[zwischen dem Heiligen]Zaqef [und dem Allerheiligsten]]Silluq Lev 26,46: ...Dies sind die Gesetze, die JHWH gegeben hatZaqef [[zwischen ihm]Zaqef [und zwischen den Kindern Israels]]Athnach Num 35,24: So soll richten die GemeindeZaqef [[zwischen dem Schläger]Zaqef [und zwischen dem Bluträcher]]Athnach Jos 18,11: Und es kam heraus das Gebiet ihres LosesZaqef [[zwischen den Kindern Judas]Zaqef [und zwischen den Kindern Josefs]]Silluq Ri 9,23: Und Gott landte einen bösen GeistZaqef [[zwischen Abimelech]Zaqef [und zwischen die Bewohner von Sichem.]]Athnach usw.


(5.7.3): Komplexe Zahlenangaben.

Das Muster ist aber offensichtlich und findet sich recht häufig. Z.B. hier: Gen 5,7-8: [Und es lebte Set, nachdem er Enosch gezeugt hatte:]Zaqef [7 JahreZaqef und 8x100 Jahre.]Athnach [Und er zeugte Söhne und Töchter.]Silluq [Und es waren alle Tage Sets:]Zaqef [2+10 JahreZaqef und 9x100 Jahre.]Athnach [Und er starb.]Silluq, Entscheidend scheint die Komplexität und Länge der Zeitangaben zu sein; dagegen vgl. nämlich im nächsten Vers: Gen 5,9: [Und es lebte EnoschTifcha 90 Jahre.]Athnach [Und er zeugte Kenan.]Silluq, doch sofort geht es weiter: Gen 5,10: [Und es lebte Enosch, nachdem er Kenan gezeugt hatte:]Zaqef [5+10 JahreZaqef und 8x100 Jahre.]Athnach [Und er zeugte Söhne und Töchter.]Silluq Allein in diesem Kapitel finden sich noch eine ganze Reihe weiterer Belege. Drei andere Beispiele: Ex 38,25: [Und das Silber der Gemusterten der GemeindeTifcha (betrug) 100 Talente]Athnach [und 1000 und 7x100Geresch und 5+70Tebir SchekelTifcha nach den Schekeln des Heiligtums]Silluq Ex 38,26: ...Athnach [[Von jedem, der übergingGeresch zu den GemustertenRebia vom Alter von 20 JahrenPaschta und darüber]Zaqef [von 600x1000Paschta und 3x1000Zaqef und 5x100Tifcha und 50.]]Silluq Num 2,32: ...Athnach [[Alle Gemusterten der LagerPaschta nach ihren Heeren (waren):]Zaqef [600x1000Paschta und 3x1000Zaqef und 5x100Tifcha und 5.]]Silluq

Grenzen prosodischer Phrasen[Bearbeiten]

...

Beispieltext: Die Akzentuierung von Rut 1[Bearbeiten]

...

Akzentfolge des tiberischen Poesie-Systems[Bearbeiten]

...

Beispieltext: ...[Bearbeiten]

...

zitierte Literatur[Bearbeiten]