Gen 2,4-24:
Persönliche Fassung (Sebastian Walter)

Aus Die Offene Bibel

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Dies ist eine individuell verantwortete Textfassung. Sie ist Teil der Offenen Bibel, stammt aber in dieser Version nicht vom Gesamt-Team.

Persönliche Fassung

Die Vertreibung des Menschen, Teil I

4 Die Nachkommen von Himmel und Erde,a als sie erschaffen waren


Als GOTT Erde und Himmel machte,
5 war noch kein Kraut auf der Erde
und wuchs noch keine Nutzpflanze,
weil GOTT es über der Erde nicht regnen ließ
und es keinen Erdling gab, um auf dem Erdboden zu dienen,b
6 indem er Grundwasserc aus der Erde hervorholte,
um die ganze Erdoberfläche zu tränken.


7 Da formte GOTT den Erdling,
Staub vom Erdboden,d
und hauchte in seine Nase Atem des Lebens.
So wurde der Mensch zum Lebewesen.e
8 GOTT pflanzte auch im Ostenf in Lust einen Garten
und setzte dorthin den Erdling, den er geformt hatte.


9 Gott ließ außerden sprießen aus dem Erdboden jeglichen Baum,
begehrenswert anzusehen und gut zu essen.
In der Mitte des Gartens wuchsen der Baum des Lebens
und auch der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.


10 Später ging von Lust ein Fluss aus, um den Garten zu tränken,
und teilte sich von dort aus und wurde zu vier Strömen.
11 Der Name des ersten ist „Pischon“.
Das ist der, der das ganze Sandland umfließt, wo es Gold gibt.
12 Das Gold dieses Landes ist von hoher Qualität,
Dort gibt es auch Weihrauch-Körner und Edelsteine.
13 Der Name des zweiten Stromes ist „Gihon“.
Das ist der, der das ganze Land Kusch umfließt.
14 Der Name des dritten Stromes ist „Tigris“.
Das ist der, der östlich von Assur fließt.
Und der vierte Strom, das ist der Eufrat.g


15 GOTT bestimmte dem Erdling den Garten Lust zur Wohnung,
damit er darin diene und ihn bewache.h
16 Und GOTT gebot dem Erdling:
„Von jedem Baum des Gartens darfst du durchaus essen.
17 Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse allerdings, von dem iss nicht!
Denn sobald du davon isst, musst du durchaus sterben.i


18 GOTT dachte: „Es ist nicht gut, dass der Erdling allein ist.
ich will ihm einen Beistand machen als sein Gegenüber.“j
19 Also formte GOTT aus dem Erdboden
alle wilden Tiere und alle Vögel.
Er brachte sie zum Erdling,
um zu sehen, wie er sie nennen würde.
Wie immer der Erdling (als Lebewesen!) sie nennen würde,
das sollte ihr Name sein.
20 Da gab der Erdling Namen
allem Vieh, den Vögeln und allen wilden Tieren.
Aber für Erdlinge fand sich kein Beistand als Gegenüber.


21 Da ließ GOTT einen Tiefschlaf über den Erdling fallen, und dieser schlief ein.
Dann nahm jener eine seiner Seitenk
und verschloss das Fleisch darunter.
22 Dann baute GOTT die Seite, die er vom Erdling genommen hatte, zu einer Frau aus.
Er führte sie zum Erdling,
23 Und der Erdling sprach:
„Diese, diesmal!
Knochen von meinem Knochen
und Fleisch von meinem Fleisch!
Diese soll man Ischa nennen, ‚Frau‘,
denn vom Isch ist diese genommen, vom Mann!“l
24 Daher kommt's, dass ein Mann sich von seinem Vater und seiner Mutter löst,
sich an seine Frau bindet
und beide eine Einheit werden.

aNachkommen - Eine Überschrift, die auch in Gen 6,9; 10,1; 11,10 und 11,27 und ähnlich in Gen 5,1 steht und so grob die Urgeschichte gliedert. Durch ihre Formulierung schließt die Überschrift eng an Gen 1,1 an: Am Anfang von Gottes Schöpfung von Himmel und ErdeNachkommen von Himmel und Erde, als sie erschaffen waren.
An den anderen fünf Stellen wird mit dieser Überschrift eine Aufzählung der oder Erzählung über die Nachkommen eines Menschen im Vollsinn eingeleitet. Entsprechend wird hier der Mensch schon durch die Überschrift als „Nachkomme“ von Himmel und Erde gedacht. Was genau das bedeuten soll, zeigen die folgenden Verse: Der Mensch besteht nach Gen 2 aus den irdischen und himmlischen „Anteilen“ Erde und himmlischem „Hauch“ (s. bes. auch Pred 3,21; auch Ijob 34,14; Ps 104,29; 146,4), verdankt so sein Dasein Gott und der Erde und steht damit in einem Familien-Verhältnis zu beiden. (Zurück zu Lesefassung v.4)
bWortspiel: Der Erdling, eigentlich „der Mensch“, heißt im Hebräischen `adam, der „Erdboden“ ähnlich `adamah. Schon hierin kommt zum Ausdruck, was die folgende Geschichte zeigen wird: Der Mensch ist erstens aus Erde – in der Formulierung Luthers: ist ein „Erdenkloß“ –, und er ist zweitens notwendiges Gegenüber der Erde, weil die Erde dieses „wesensmäßigen Ackerknechts“ bedarf.
Dass der Mensch Acker-Knecht ist, sagt auch das letzte Wort der Zeile. Meist übersetzt man es mit „arbeiten“, was nicht falsch ist. Zunächst heißt das Wort aber „dienen, für jemanden einen Dienst verrichten“; vom Verb abgeleitet ist das hebräische Wort für „Diener, Sklave“. Hintergrund ist eine alte Vorstellung, die man in vielen altorientalischen Schöpfungserzählungen findet: Dass Götter den Menschen deshalb erschaffen, weil er für sie Garten- oder Feldarbeit verrichten soll.
Übersetzen könnte man auch: „um dem Erdboden zu dienen“. In V. 15 ist das sogar recht sicher gemeint.
In V. 5 findet sich außerdem ein Strukturspiel: 5c begründet 5a, 5d begründet 5b. (Zurück zu Lesefassung v.5)
cEin weiteres Wortspiel: „Grundwasser“ hat im Hebräischen die Konsonanten `d, „Erdling“ die Konsonanten `dm, „Erde“ die Konsonanten `dmh. Damit „Grundwasser“ auf den „Erdboden“ kommt, braucht es also hier noch den „Menschen“ als Mittler. (Zurück zu Lesefassung v.6)
dStaub vom Erdboden ist im Hebräischen ungewöhnlich formuliert; erwartet hätte man eigentlich „Staub des Erdbodens“. Sicher soll damit V. 23 vorbereitet werden: Wie der Rohstoff für die Frau „vom Erdling“ genommen werden wird, so hier der Rohstoff für den Menschen „vom Erdboden“.
In der antiken jüdischen Auslegung wurde diese Formulierung aber Basis einer schönen Deutung: Mit „Staub vom Erdboden“ solle gesagt sein, dass Gott Erde aus allen vier Himmelsrichtungen zusammensammelte, um den Menschen zu formen, damit der Mensch bei seinem Tod auch in allen vier Himmelsrichtungen von der Erde wieder aufgenommen werde (so Midrasch Tanchuma, Pekudei 3; auch Raschi u.a.). Nach Gen 2,7 wäre der Mensch so selbst noch im Tod „Weltbürger:in“. Ähnlich übersetzt auch schon Targum Jonathan, der bei dieser Gelegenheit auch noch betont, dass bereits zu dieser Zeit der Mensch mit all seinen Hautfarben geschaffen worden sei: „Er nahm Staub vom Ort des Tempels und aus allen vier Himmelsrichtungen der Welt, außerdem ein Gemisch aus allen Wassern der Welt und schuf ihn rot (=braun), schwarz und weiß. (Zurück zu Lesefassung v.7)
eLebewesen - im Hebräischen napš ḥajjah, ein stehender Ausdruck für „Lebewesen“. S. V. 19, wo der selbe Ausdruck deutlich ebenfalls in diesem Sinn verwendet wird. napš allein ist aber ein vieldeutiger Begriff und steht in der Bedeutung „Gemüt“ auch für den Sitz der Empfindungen eines Menschen. Entsprechend übersetzte hier zum Beispiel die Septuaginta: „er wurde zu einer lebendigen Psyche“. Hieronymus aber übersetzte in seiner Vulgata: „Er wurde zu einer lebendigen Seele“. In der antiken christlichen Auslegung wurde der Vers deshalb als ein erster biblischer Beleg dafür genommen, dass der Mensch eine von seinem Körper zu unterscheidende Seele habe. So zum Beispiel Tertullian, Über die Seele 3.4: „Die Seele hat ihren Ursprung im Atem Gottes, nicht in der Materie. Wir folgern dies aus der klaren Aussage der göttlichen Offenbarung, in der erklärt wird: ‚Gott hauchte den Atem des Lebens ins Angesicht des Menschen, und der Mensch wurde zu einer lebendigen Seele‘.“ Zumindest hier ist das sicher noch nicht gemeint. (Zurück zu Lesefassung v.7)
fOsten“ könnte hier soviel bedeuten wie „dort, wo der Regenbogen die Erde berührt“, also ein mythisches „In der Ferne“. Aber das ist gar nicht so sicher: Die Verse 11-14 könnten nämlich bedeuten, dass der Garten am Schatt al-Arab im heutigen Irak (nahe Kuwait) liegt, von Israel aus gesehen also wirklich im Osten. Wenig entfernt ist die Insel Bahrain, die wahrscheinlich in sumerischen Mythen mit dem Paradies Dilmun gemeint ist. (Zurück zu Lesefassung v.8)
g
Vv. 10-14 nennt man die „Paradies-Geographie“. Die ersten beiden Flüsse sind nicht sicher identifizierbar, die anderen beiden gut bekannt. Da Eufrat und Tigris keine gemeinsame Quelle haben, bieten sich zwei Deutungen an: Entweder soll diese Paradies-Geographie gar nicht geographisch sinnvoll sein: Einen Ort, von dem gemeinsam Eufrat und Trigris ausgingen, gibt es nicht. Der Fluss Gihon ist eigentlich nur ein Bächlein in Jerusalem, das mit diesen beiden Strömen gar nichts zu tun hat, und auch nicht mit Kusch, also Nordägypten. Der Pischon schließlich, der ein ganzes Land umfließen soll, das von Kostbarkeiten geradezu überfließt, wäre dann wohl ein rein mythischer Fluss wie der Sabbation (ein Fluss, der nach jüdischer Überlieferung nur sechs Tage die Woche fließt und hinter dem die „verlorenen Stämme“ Israels ähnlich warten, wie in Deutschland Kaiser Rotbart im Kyffhäuser darauf harrt, der Erde Frieden bringen zu können).
Oder mit der Fluss geht aus ist nur gemeint, dass er sich vom Garten aus gesehen verzweigt. Den Gihon übersetzt der samaritanische Pentateuch mit Asqop, gemeint wäre also der Karkeh, der ins selbe Flussdelta mündet wie Eufrat und Tigris (Speiser 1967, S. 25). Das kann passen, da mehrere Quellen nahelegen, dass es in dieser Region ein zweites Kusch gegeben hat (Burrell 2020, S. 147-167). Pischon könnte dann entweder den Karun meinen, der auch in sumerischen und akkadischen Mythen häufig erwähnt wird, oder den heute ausgetrocknete „Kuwait-River“, der einst durch das Wadi Batin floss. Danach läge der Garten am irakischen Schatt al-Arab im heutigen Irak nahe Kuwait und nicht weit von der Insel Bahrain, die sehr wahrscheinlich mit dem sumerischen Paradies Dilmun gemeint ist. Warum diese Gegend zum Gottesgarten wurde, wäre auch leicht erklärlich: In diesem Flussdelta liegt ein (aktuell vom Austrocknen bedrohtes) Marschland, wie es in dieser Wüstenregion so selten ist, dass die UNESCO es 2016 zum Welterbe erklärt hat. (Zurück zu Lesefassung v.14)
hDer Vers bereitet schon Gen 3,24 vor. Eigentlich war es die Aufgabe des Menschen, den Garten zu „bewachen“. Nach den Geschehnissen in Kapitel 3 aber muss ein Engel den Garten vor ihm bewachen.
Die Aufgabe, Gärten zu bewachen, gab es im Alten Orient wirklich; s. z.B. Hld 1,6; ähnlich P.Anastasi I 24.2: „Du wirst ein kleines Mädchen finden, das den Garten bewacht.“ Beschützt werden mussten Gärten nach Hld 1,6 vor allem vor wilden Tieren, die den Garten schädigen könnten.
So deuteten unseren Vers z.B. schon Radak und Chaim ben Attar, daneben hat sich in der Antike aber eine weitere einflussreiche Deutung entwickelt: „dienen und bewachen / beachten“ wird in Dtn 13,5; Jos 22,5 und Mal 3,14 auch in der Fügung „Gott dienen und seine Gebote achten“ verwendet. Sowohl jüdische als auch christliche Ausleger hielten daher den Ausdruck hier für eine Abkürzung dieses Ausdrucks, daher schreibt z.B. Severian von Gabala in Über die Erschaffugn der Welt 5.5: „Gottes Gebote zu halten und diesen Geboten zu folgen war der Gottesdienst.“ (so auch Targum Jonathan, Targum Neofiti, Midrasch Sifre zu Dtn 41,24; PRE 12). (Zurück zu Lesefassung v.15)
iDie entscheidende Stelle in Gen 2. Und die problematischste: Offensichtlich stirbt der Mensch in Gen 3 ja nicht, obwohl er vom Baum isst. Vier Erklärungen:
(1) Gott hat es wirklich so gemeint, wie es hier klingt, in Gen 3 aber ist Gott dann spontan doch gnädig (so z.B. ibn Ezra; heute z.B. Gertz 2018; Goldingay 2020).
(2) Gemeint ist: „Ihr werdet sterblich werden“ (so z.B. Chizkuni, heute z.B. Bührer 2014, S. 218)
(3) Im antiken Judentum die verbreitetste: „von diesem Tag an seid ihr zum Tod verurteilt“ (so z.B. Targum Jonathan, Saadia, Lekach Tob, Ramban)
(4) Im antiken Christentum die verbreitetste: Gemeint ist nicht der leibliche Tod, sondern der Verlust des ewigen Lebens, das Jesus den Christen durch seinen Tod dann wiedergewonnen hat (so wahrscheinlich schon Röm 5,12; sicher z.B. Augustinus, Gottesstaat 13.12; ähnlich noch heute z.B. die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 16). (Zurück zu Lesefassung v.17)
jBeistand als Gegenüber - Gemeint ist wahrscheinlich, da Gen 2 einzig davon berichtet, wie Gott den Garten und dessen „Ackerknecht“ schafft: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist, weil er sonst seine Arbeit nicht schafft. Dafür schaffe ich ihm einen Beistand“. Vgl. die sehr nahen Parallelen Ex 18,17f.; Num 11,14-17; Dtn 1,9.12 (gut Greenstein 2002, S. 235f.; so bereits Ephräm der Syrer, Sforno u.a.). Vorausgesetzt ist dabei die Situation, dass Mann und Frau als „Werk-Gemeinschaft“ zum Beispiel gemeinsam die Feldarbeit erledigten wie in Rut 2,8f, wo bei der Ernte Männer als Schnitter und Frauen als Garbenbinderinnen tätig sind. Gen 2,18-24 erklären (nicht: bestimmen) dann zwar auch, woher es kommt, dass häufig Mann und Frau heiraten; im Grunde wird aber hauptsächlich erklärt, warum Menschen Mitmenschen brauchen: Weil „zwei besser sind als einer“ (Pred 4,9-12). (Zurück zu Lesefassung v.18)
k
Bertram von Minden: Schöpfung Evas aus einer Rippe. Tafelgemälde, 14. Jhd. CC0 via Wikimedia
Steinfiguren mit zwei Köpfen aus Tell Brak, Syrien. (c) Ziffer 2007, S. 133 nach Mallowan 1947, pl. 51.
Rufillus: Schöpfung Evas aus Adams Flanke. Buchmalerei, 12. Jhd. (c) Bibliothèque Municipale
Seite - traditionell übersetzt mit „Rippe“. Das kann das hebräische ṣela´ in der Tat meinen (jedenfalls, wenn man sich an verwandten Wörtern in anderen Sprachen orientiert); meistens bezeichnet es aber eine Seite oder ein Glied einer Konstruktion, z.B. Ex 25,12: „(Gieße vier Ringe und setze) je zwei Ringe an die eine Seite und je zwei Ringe an die andere Seite“. Ins Griechische, Lateinische, Aramäische und Syrische wurde denn auch jeweils mit Wörtern übersetzt, die ebenfalls beide Bedeutungen haben können; nur das Jubiläenbuch vereindeutigt durch Übersetzung mit „Knochen“ zu „Rippe“, ebenso der Targum Jonathan mit seiner Paraphrase „die 13. Rippe/Seite auf der rechten Seite“.
Aber schon die alten Ausleger waren sich uneins. Im Midrasch ist sogar ein Streit über die Frage überliefert, ob hier „Rippe“ oder „Seite“ gemeint sei. Am Ende zogen die meisten westliche Christen die Bedeutung „Rippe“ oder, wie dies das griechische Wort auch zulässt, die Bedeutung „Flanke“ vor, die meisten jüdischen Ausleger und auch einige syrische und gnostische Christen dagegen „Seite“. Noch im Mittelalter findet man selbst im westlichen Christentum Vertreter der „Seiten“-Deutung; erst in der Neuzeit sollte die „Rippe“ sich endgültig durchsetzen – nur, um heute schon wieder umstritten zu sein; Batto 1992, S. 54 und Ebach 2009, S. 7 etwa präferieren ebenfalls wieder die „Seite“.
Diese „Seite“ erklärten sich v.a. jüdische Ausleger meist konkreter so, dass der Ur-Erdling wie der griechische Kugelmensch hälftig aus Mann und Frau bestanden habe und Gott beide dann nur noch trennen musste. Ein jüdisches Beispiel: „Es lässt sich vertreten, dass der Mensch mit zwei Gesichtern geschaffen worden war ...; insofern befähigte das zweite Gesicht Adam durch seinen Beistand dazu, sich fortzupflanzen.“ (Tur). Ein christliches: „Er brachte sie zu Adam, der sowohl eins als auch zwei war: Er war eins, insofern er Adam war, und er war zwei, insofern er männlich und weiblich geschaffen worden war.“ (Ephräm der Syrer, Genesis-Kommentar II 12).
Es ist gar nicht ausgemacht, dass in Gen 2 wirklich etwas anderes gemeint ist. Vor allem spricht dafür, dass Gott in V. 22 mit dieser ṣela´ des Erdlings ja genug Rohstoff hat, um neben dem Mann eine ganze Frau zu konstruieren, und dass die Frau laut V. 23 eben nicht nur „Knochen von meinem Knochen“, sondern auch „Fleisch von meinem Fleisch“ ist. Das hätte auch gute Parallelen; zum Beispiel sind schon aus weit vor-biblischen Zeiten aus dem Umfeld Israels Figurinen erhalten, die wirklich solche Wesen darstellen. Rechts ein Beispiel aus Syrien, für viele weitere vgl. Ziffer 2007. Wir kennen ähnliche Vorstellungen z.B. aus dem Bericht des babylonischen Priesters Berossus, der erzählt, in der Urzeit hätten Monster gelebt wie zum Beispiel „menschenähnliche Wesen, einige mit Flügeln, andere mit zwei Gesichtern und beiden Arten von Geschlechtsorganen“ (Verbrugghe / Wickersham 1998, S. 44).
Wie auch immer man sich konkret die „Entnahme“ und den „Ausbau“ Evas vorzustellen hat, jedenfalls legt die Logik der Geschichte nahe, dass die klassische jüdische Auslegung besser ist als die westliche christliche und dass im Hebräischen ursprünglich mit ṣela´ die Hälfte des Menschen gemeint war. (Zurück zu Lesefassung v.21)
lWortspiel: Mann ist im Hebräischen `iš, Frau sieht aus, als wäre es davon das Femininum `iššah. (Zurück zu Lesefassung v.23)