Persönliche Fassung
1 Der Erdling erkannte〈a〉 seine Frau Leben.
Sie empfing und gebar den Kauf〈b〉
und sie sagte: „Ich habe mir einen Mann erkauft an der Seite von GOTT.“〈c〉
2 Weiter gebar sie seinen Bruder Flüchtig.
Flüchtig wurde Kleinvieh-Hirte,
Kain aber wurde Erdboden-Diener.〈d〉
3 Als die Zeit gekommen war,
brachte Kauf GOTT von der Frucht des Erdbodens ein Opfer dar,
4 Flüchtig aber, auch er, opferte von den Erstgeborenen seines Viehs – und zwar sogar von ihren Fettstücken!〈e〉
Da achtete GOTT auf Flüchtig und sein Opfer,
5 auf Kauf aber und auf sein Opfer achtete er nicht.
Da entbrannte Kain
und sein Gesicht fiel.
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(Sebastian Walter unter Verwendung von Texten der Offenen Bibel)
| a | erkennen ist hier wie häufig Euphemismus für „Geschlechtsverkehr haben“. Es ist das selbe Verb, das auch in Gen 2-3 den Baum als „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ beschrieb. (Zurück zu Lesefassung v.1) |
| b | Kauf: Im Heb. Qajn, was wahrscheinlich eigentlich „Schmied“ bedeutet. In der dritten Zeile wird der Name aber mit einer sogenannten „Volksetymologie“ von qanah („kaufen“) abgeleitet; im Rahmen von Gen 4 „bedeutet“ der Name daher „Kauf“. (Zurück zu Lesefassung v.1) |
| c | Ich habe einen Mann erkauft an der Seite von GOTT - Raffiniert formuliert. Gemeint ist ungefähr: „Both I and JHWH have made a man!“ ( Eskenazi 2008, S. 19). Erwartet hätte man dafür aber etwas wie „Ich habe mit JHWH an meiner Seite einen Sohn geboren!“ Doch Eva ist so fixiert auf ihre Leistung, das erste Kind der Welt zur Welt gebracht zu haben, dass sie erstens „ich an der Seite von JHWH“ statt „ich mit JHWH an meiner Seite“ sagt, und zweitens keines der üblichen Worte für „hervorbringen“ verwendet, sondern mit „erkaufen“ eines, das ebenfalls ihre Leistung bei der Geburt dieses Sohnes betont. Der „Kaufpreis“ ist wahrscheinlich die ganze Zeit der Schwangerschaft, die ja insgesamt in Gen 3 als „Mühsal“ beschrieben wurde. „Mann“ statt „Kind“ schließlich soll wohl betonen, dass von nun an nicht mehr der Erdboden „Erdlinge“ hervorbringt, sondern Frauen (`iššah) Männer (`iš; gut van Wolde 1991, S. 27). (Zurück zu Lesefassung v.1) |
| d | Erdboden-Diener - Kauf tritt also in die Fußstapfen seines Vaters, indem er als Landwirt „dem Erdboden dient“. Flüchtig dagegen setzt den dritten Auftrag aus Gen 1,28 um: Nachdem seine Mutter „fruchtbar war“ und „sich vermehrt hat“, hat er sich zum „Herrscher über Tiere“ aufgeschwungen (gut Fischer 2018). (Zurück zu Lesefassung v.2) |
| e | Gleich darauf wird gesagt werden, dass Gott auf Flüchtig und sein Opfer „blickt“, auf Kauf und sein Opfer aber nicht. Man hat in der Auslegung viel darüber gerätselt, was der Grund dafür sein könnte. Schon in Heb 11,4 wird die Erzählung damit ausgeschmückt, dass Flüchtig sein Opfer gläubig und Kauf ungläubig dargebracht habe. Achtet man aber auf die Formulierung, erkennt man den Grund für Gottes Parteilichkeit sofort: Kauf bringt „von der Frucht des Erdbodens ein Opfer“ dar, Flüchtig dagegen „opferte von den Erstgeborenen seines Viehs, und zwar von deren Fettstücken“. Vergleicht man diese kurzen Passagen, kann man ganze acht Textstrategien feststellen, mit denen herausgestellt wird, dass das Opfer von Flüchtig von anderer Qualität ist als das von Kauf: (1) Bei Kauf wird das Geopferte durch die Angabe „ein Opfer“ limitiert, bei Flüchtig nicht. (2) Bei Kauf steht „die Frucht“ im Singular, bei Flüchtig stehen „die Erstgeborenen“ im Plural. (3) Bei Kauf ist die Frucht „Frucht des Erdbodens“, Flüchtigs Opfer dagegen wurden von „den Erstlingen seines Viehs“ genommen. (4+5) Das wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass „Fett“ mit „Flüchtig“ klang-spielt: „Fett“ heißt im Hebräischen ḥelb, „Flüchtig“ dagegen habl. Die beiden Wörter rahmen den ganzen Satz. (6) Die „Erstlinge seines Viehs“ sind doppelt gesteigert durch die Präzisierung „von ihren Fettstücken“ (eine häufigere Metapher für „das Beste vom Besten“, s. Gen 45,18; Num 18,12.29f.32. In Dtn 32,14; Ps 81,16; 147,14 ist daher sogar vom „das Fett des Weizens“ = von „köstlichem Weizen“ die Rede) (7) und durch die Formulierung „und zwar von den Fettstücken“, statt einfach „von den Fettstücken der Erstlinge seines Viehs“ zu schreiben. (8) Der Satz über Flüchtig wird dann dann auch noch stimmig zusätzlich durch das überflüssige „auch er“ gelängt. Es wird darüber hinaus dann auch auch nicht einmal gesagt, dass Gott das Opfer von Kauf „nicht annehmen“ würde. Diese Bedeutung hat „auf etw. blicken“ nicht (richtig Heyden 2003, S. 92). Dass Kauf verworfen würde o.Ä., steht nicht im Text, sondern: sein Opfer und er fallen Gott gar nicht erst auf. Kein Wunder, wenn man beide Opfer gegeneinander hält. (Zurück zu Lesefassung v.4) |