Klagelieder 1: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Offene Bibel

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_In Gegenwart ihres Verfolgers <ref> Wenn man „sie“ (3. Pl.) in Vers 6c auf {{Hebr}}אילים{{Hebr ende}} bezieht, dann muss man {{Hebr}}רודף{{Hebr ende}} mit Jäger (Hirsch) oder Treiber (Widder) übersetzen. Bezieht man es jedoch auf die Anführer, dann bezeichnet {{Hebr}}רודף{{Hebr ende}} die Babylonier; Vers 6c steht dann parallel zu 5c.</ref>.</poem>
 
_In Gegenwart ihres Verfolgers <ref> Wenn man „sie“ (3. Pl.) in Vers 6c auf {{Hebr}}אילים{{Hebr ende}} bezieht, dann muss man {{Hebr}}רודף{{Hebr ende}} mit Jäger (Hirsch) oder Treiber (Widder) übersetzen. Bezieht man es jedoch auf die Anführer, dann bezeichnet {{Hebr}}רודף{{Hebr ende}} die Babylonier; Vers 6c steht dann parallel zu 5c.</ref>.</poem>
  
 
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{{S|7}} Jerusalem gedenkt
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_Der Tage ihrer notleidenden Flüchtlinge<ref> notleidenden Flüchtlinge - wörtl.: Not und Heimatlosigkeit; abstrakte Begriffe anstelle konkreter Personen (ähnlich Jes 58,7), die hier als Hendiadyoin zusammengehören. Mit den Flüchtlingen könnten die Bewohner Judas gemeint sein, die angesichts des heranrückenden babylonischen Heeres ihren Heimatort verließen und in Jerusalem Schutz suchten. Jerusalem selbst kann schwerlich als heimatlos/flüchtig bezeichnet werden.</ref>,
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_Aus uralten Tagen<ref>aus uralten Tagen - wörtl.: die aus (seit) den Tagen der Urzeit waren</ref>,</s> Als ihr Volk<ref>ihr Volk - od. ihre Bevölkerung, d.h. die Einwohner Jerusalems im eig. Sinn oder das Volk Judas, das in seiner Hauptstadt Zuflucht gesucht hat</ref> in die Hand der Feinde fiel
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_Und es keinen Helfer für sie gab:
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Ihre Feinde sahen sie, lachten
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_Über ihr Ende<ref>Ende - im Hebräischen ein Hapaxlegomenon, d.h. nur an dieser Stelle belegt. Es ist unterschiedlich übersetzt worden: LXX überliefert Exil (μετοικεσία) bzw. nach anderen Handschriften Wohnsitz (κατοικεσία); Vulgata sabbata, d.h. Sabbate. Gesenius-Donner nennt unter {{Hebr}}מִשְׁבָּת{{Hebr ende}} die Bedeutungen „Aufhören, Ende“; dieser Deutung haben sich die gängigen heutigen Übersetzungen angeschlossen.</ref>.<ref>'''Textkritik''': Während alle Verse des ersten Kapitels dreiteilig sind, ist Vers 7 sowohl im masoretischen Text als auch in den antiken Versionen vierteilig überliefert. Da sich Vers 7a nahtlos an 7c anschließt, liegt es nahe 7b als spätere Ergänzung zu tilgen. Übersetzer, die 7b halten, sind gezwungen „Tage ihrer notleidenden Flüchtlinge“ adverbial zu deuten und übersetzen: Jerusalem gedenkt während der Tage ihrer notleidenden Flüchtlinge all ihrer Kostbarkeiten …</ref></poem>
  
 
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Version vom 19. Dezember 2015, 21:11 Uhr

Syntax ungeprüft

SF in Arbeit.png
Status: Studienfassung in Arbeit – Einige Verse des Kapitels sind bereits übersetzt. Wer die biblischen Ursprachen beherrscht, ist zum Einstellen weiterer Verse eingeladen. Auf der Diskussionsseite kann die Arbeit am Urtext dokumentiert werden. Dort ist auch Platz für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Anmerkungen.
Folgt-später.png
Status: Lesefassung folgt später – Bevor eine Lesefassung erstellt werden kann, muss noch an der Studienfassung gearbeitet werden. Siehe Übersetzungskriterien und Qualitätssicherung Wir bitten um Geduld.

Lesefassung (Klagelieder 1)

(kommt später)

Studienfassung (Klagelieder 1)

1 Wie sitzt sie allein,
Die Stadt, [einst] reich an Menschen,
Wie eine Witwea ist sie geworden,
Die Reiche unter den Völkern,
Die Fürstin unter den Ländernb(Provinzen),
Ist zur Fronsklavinc geworden.d


2 Bitter weint siee bei Nacht,
Und {ihre} Tränen [sind] auf ihrer Wange;
Es gibt für sie keinen Tröster
Unter allen ihren Liebhabern,
Alle {ihre} Freunde sind ihr untreu,
Sind ihr zu Feinden geworden.f


3 Ausgewandert ist Juda aus Elend
Und vielem Frondienst,g
Sie wohnt (sitzt) unter den Heiden (Völkern),h
Hat keine Ruhe gefunden;
All ihre Verfolger haben sie eingeholt
Inmitten der Bedrängnisse.


4 Zions Wege trauern
Wegen des Ausbleibens der Festpilger,i
Alle ihre Tore [sind] entvölkert,j
Ihre Priester seufzen,
Ihre Jungfrauenk[sind] betrübt
Und sie [selbst] ist verbittertl.


5 Ihre Feinde sind obenauf,m
Ihre Widersacher sind sorglos (sicher);n
Denn JHWH hat Ziono bekümmert
Wegen der Menge ihrer Vergehen (Sünden, Frevel),
Ihre Kinder sind [in die] Gefangenschaft (Verbannung) gegangenp
in Gegenwart des Feindes.


6 Gewichen ist von der Tochter Zion q
Alle Herrlichkeit;
Ihre Anführer sind wie Widderr geworden,
[Die] keine Weide [mehr] finden s,
Sie sind in die Bedeutungslosigkeit gezogen t
In Gegenwart ihres Verfolgers u.

7 Jerusalem gedenkt
Der Tage ihrer notleidenden Flüchtlingev,
All ihrer Kostbarkeiten
Aus uralten Tagenw, Als ihr Volkx in die Hand der Feinde fiel
Und es keinen Helfer für sie gab:
Ihre Feinde sahen sie, lachten
Über ihr Endey.z

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Anmerkungen

a„Witwe“ ist hier ein Symbol für Hilflosigkeit und Einsamkeit. (Zurück zu v.1)
bDas hebräische Wort מְדִינָה (medînā) bezeichnet einen Bezirk oder ein Land, das unter der Rechtsprechung einer übergeordneten Regierung steht. Hier ist vielleicht an die Bezirke und Länder des davidischen Großreiches gedacht oder an die unter Josia zurückeroberten Bezirke Judas (vgl. Kraus S. 21). (Zurück zu v.1)
c zur Fronsklavin - wörtl. zum Frondienst; der abstrakte Begriff anstelle der konkreten Person (vgl. „die Jugend von heute“ statt „die Jugendlichen von heute“) (Zurück zu v.1)
dBeachte die chiastische Anordnung der Satzglieder in 1b und 1c: a-b||b-a. (Zurück zu v.1)
e Bitter weint sie - Manche Übersetzer (vgl. Kraus, Elberfelder Bibel) versuchen die Wiederholung von „Weinen“ im hebräischen Text nachzuahmen: „Sie weint und weint“. (Zurück zu v.2)
fDie „Liebhaber“ und „Freunde“ sind die wechselnden Völker, mit denen Juda sich gegen Babylon verbündet hat; sie alle haben sich bei der Eroberung Jerusalems auf die Seite der Babylonier geschlagen. (Zurück zu v.2)
g Es gibt zwei Deutungen zu Vers 3a: 1. Juda musste aus (oder wegen) der bedrückenden Situation in der Heimat in die noch schlimmere Situation des babylonischen Exils auswandern. 2. Teile Judas sind vor der babylonischen Bedrohung in der Heimat nach Ägypten ausgewandert. (vgl. Kraus S. 22) (Zurück zu v.3)
h Heiden bzw. Völker ist keine bloße geographische Angabe, sondern vor allem eine religiöse: Gottes Volk lebt nun unter Menschen, die JHWH nicht kennen. (Zurück zu v.3)
ioder: derer, die zur Festversammlung kommen (Zurück zu v.4)
jIm Torgebäude versammelte man sich zu Unterhaltung, Handel und Gericht. Hier ist auch an die Scharen der Pilger gedacht, die sich durch die Tore in die Stadt drängten. (Zurück zu v.4)
kMädchenchöre und -reigen waren Teil des Tempelkultus (vgl. Ps 68,25f. Ri 21,19-21) (Zurück zu v.4)
list verbittert - wörtl.: ihr ist bitter (Zurück zu v.4)
mobenauf - wörtl.: sind zu Haupt geworden (Zurück zu v.5)
nsorglos - Die Neue Zürcher Bibel übersetzt abgeschwächt „sind zufrieden“, viell. mit Anspielung auf das hebr. Verb שׁלו, das mit ‍שָׁלוֹם (Friede) verwandt ist. Kraus sieht darin eine Umkehrung der ursprünglichen Verhältnisse: Der Israel verheißene שָׁלוֹם (Wohlstand, Sorglosigkeit, Glück) ist auf die Feinde übergegangen (S. 23). (Zurück zu v.5)
oZion - wörtl. sie (Sg. f.) (Zurück zu v.5)
pin die Gefangenschaft gegangen - viele übersetzen „als Gefangene fortgegangen“ (abstrakter Begriff anstelle der konkreten Personְ, vgl. Vers 1). Vgl. jedoch Vers 18, wo derselbe Ausdruck steht, allerdings mit Präposition (בַּשֶּׁבִי). (Zurück zu v.5)
q d.h. von Jerusalem (Zurück zu v.6)
r Widder - od. Hirsche, der hebr. Konsonantentext (אילים) lässt beide Deutungen zu; während die alten Versionen (LXX und Vulgata) Widder überliefern, folgen die meisten modernen Übersetzungen der masoretischen Vokalisation אַיָּלִים (ᵓajjālîm). In Ex 15,15 2Kö 24,15 Hes 17,13; 32,21 steht „Widder“ (so wörtlich übersetzt) als Metapher für die Anführer des Volkes. (Zurück zu v.6)
s finden - Im Hebr. Perf., das hier wohl Abgeschlossenheit ausdrückt. Weide als Ort, wo der Widder herrscht, steht hier für Jerusalem, das für die Anführer durch die Deportation nun in unerreichbare Ferne gerückt ist (= nicht finden). (Zurück zu v.6)
t in die Bedeutungslosigkeit gezogen - od. in Ohnmacht (ohnmächtig) [fort]gezogen. (Zurück zu v.6)
u Wenn man „sie“ (3. Pl.) in Vers 6c auf אילים bezieht, dann muss man רודף mit Jäger (Hirsch) oder Treiber (Widder) übersetzen. Bezieht man es jedoch auf die Anführer, dann bezeichnet רודף die Babylonier; Vers 6c steht dann parallel zu 5c. (Zurück zu v.6)
v notleidenden Flüchtlinge - wörtl.: Not und Heimatlosigkeit; abstrakte Begriffe anstelle konkreter Personen (ähnlich Jes 58,7), die hier als Hendiadyoin zusammengehören. Mit den Flüchtlingen könnten die Bewohner Judas gemeint sein, die angesichts des heranrückenden babylonischen Heeres ihren Heimatort verließen und in Jerusalem Schutz suchten. Jerusalem selbst kann schwerlich als heimatlos/flüchtig bezeichnet werden. (Zurück zu v.7)
waus uralten Tagen - wörtl.: die aus (seit) den Tagen der Urzeit waren (Zurück zu v.7)
xihr Volk - od. ihre Bevölkerung, d.h. die Einwohner Jerusalems im eig. Sinn oder das Volk Judas, das in seiner Hauptstadt Zuflucht gesucht hat (Zurück zu v.7)
yEnde - im Hebräischen ein Hapaxlegomenon, d.h. nur an dieser Stelle belegt. Es ist unterschiedlich übersetzt worden: LXX überliefert Exil (μετοικεσία) bzw. nach anderen Handschriften Wohnsitz (κατοικεσία); Vulgata sabbata, d.h. Sabbate. Gesenius-Donner nennt unter מִשְׁבָּת die Bedeutungen „Aufhören, Ende“; dieser Deutung haben sich die gängigen heutigen Übersetzungen angeschlossen. (Zurück zu v.7)
zTextkritik: Während alle Verse des ersten Kapitels dreiteilig sind, ist Vers 7 sowohl im masoretischen Text als auch in den antiken Versionen vierteilig überliefert. Da sich Vers 7a nahtlos an 7c anschließt, liegt es nahe 7b als spätere Ergänzung zu tilgen. Übersetzer, die 7b halten, sind gezwungen „Tage ihrer notleidenden Flüchtlinge“ adverbial zu deuten und übersetzen: Jerusalem gedenkt während der Tage ihrer notleidenden Flüchtlinge all ihrer Kostbarkeiten … (Zurück zu v.7)