Apostelgeschichte 20

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Lesefassung (Apostelgeschichte 20)

(kommt später)

Studienfassung (Apostelgeschichte 20)

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16 Denn Paulus hatte es sich vorgenommen (entschieden), an Ephesus vorbei zu fahren, um keine Zeit in [der Provinz] Asien zu verlieren; denn er beeilte sich, um am Tag des Pfingstfestes in Jerusalem zu sein, wenn es [ihm] möglich ist.

17 Von Milet [aus] sandte er [eine Nachricht] nach Ephesusa, um die Ältesten der Kirche zu sich kommen zu lassen.

18 Als sie bei ihm angekommen warenb, sagte er ihnen: „Ihr wisst, wie von dem ersten Tag an, als ich Asien betratc, die ganze Zeit (immer) mit (bei) euch gewesen bin,

19 indem ich dem Herrn diente mit aller Demut (Bescheidenheit) und [unter] Tränen und Versuchungen (Prüfungen, Anfechtungen)d, die mir entgegentraten (begegneten) in den Anschlägen der Juden.

20 [Ihr wisst auch,] wie ich nichts von dem zurückhielt (vorenthielt, verschwieg), was für euch hilfreich iste, indem ich es nicht verkündigef. [Nein, ] ich habe euch gelehrt öffentlich und in [euren] Häusern,

21 indem ich sowohl den Juden als auch den Griechen eindrücklichg bezeugte, dass sie zu Gott umkehren und an unseren Herrn Jesus Christus glauben sollen.

22 Und nun, siehe, [weil] ich an den Geist gebunden (gefesselt) binh, gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, welche [Dinge] mir dort geschehen werden.

23 [Ich weiß] nur, dass der Heilige Geist mir in jeder Stadt sagt, dass mich Fesseln und Bedrängnis erwarteni.

24 Aber mein Leben ist nicht der Rede wert.j Wenn ich nur meinen Lauf (Wettlauf) vollenden (beenden)k könnte, den Dienst, den ich durch den Herrn Jesus bekommen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen!

25 Und nun, siehe, ich weiß (bin mir sicher), dass keiner mehr mein Angesicht sehen wird, ihr alle, unter denen ich das Königreich [Gottes] verkündet (gepredigt) habe.

26 Darum bezeuge ich an diesem Tag, dass ich rein (unschuldig) bin von dem Blut aller.l

27 Denn ich habe nicht verschwiegen, sondern euch den ganzen Willen (Absicht, Plan) Gottes verkündet.

28 Richtet euren Sinn (Gebt acht) auf euch selbst und die ganze Herde, in der euch der Heiligen Geist zu Aufseher (Bischöfe, Hirten, Pastoren)m bestellt hat, damit ihr die Gemeinde Gottesn weidet (für sie sorgt), die er erwählt hat durch sein eigenes Bluto.

29 Ich weiß, dass mit meiner Abreise [immer wieder]p gefährliche Wölfe hereinbrechen werden in eurer [Mitte]. Sie werden die Herde nicht verschonen.

30 Und aus euch selbst (aus eurer Mitte) werden Menschen auftreten, die Verdrehtes reden, um die Jünger wegzuziehen hinter ihnen herq.

31 Darum wachet; erinnert euch daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufhörte, jeden von euch unter Tränen zu ermahnen.

32 Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort (Botschaft) seiner Gnade an, dasr kräftig (fähig) ist, [euch] aufzubauen und [euch] das Erbteil (Erbe) unter allen Geheiligten zu geben.

33 Silber oder Golds oder Kleidung habe ich von niemandem verlangt (begehrt). t

34 Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die mit mir waren, diese meineu Hände gedient haben.v

35 Alles habe ich euch gezeigt, dass während man arbeitet (sich abmüht), esw notwendig ist, den Schwachen (Kranken) zu helfenx und das Wort des Herrn Jesu zu erinnern, der selbst sagte: 'Geben ist seliger (macht glücklicher)y als Nehmen.'z

36 Und als er das gesagt hatte, kniete er sich hin und betete mit ihnen allen.

37 Danach fingen alle laut (stark, viel) an zu weinen, sie fielen Paulus um den Hals und küssten ihn immer wiederaa.

38 Am meisten bekümmerte sie {das Wort}, dass er {ihnen} gesagt hatte, dass sie ihn nicht mehr persönlich sehen werden. Dann begleitetenab sie ihn zum Schiff.

Anliegen des Textes

16-38 Paulus verabschiedet sich hier von den der Leitung der Gemeinde, die er selbst gegründet hat. Es ist die einzige Rede in der Apostelgeschichte, die an Christen gerichtet ist; aus diesem Grund hat sie starke Ähnlichkeiten mit den Briefen des Paulus. Anhand seines Vorbildes ermahnt er die Gemeinde zur Nachfolge. Lukas berichtet nur diese Abschiedsrede, obwohl sich Paulus auf der Reise nach Jerusalem sich auch mit anderen Gemeinden getroffen hat.


Anmerkungen

aSowohl Ephesus als auch Milet sind Hafenstädte. Sie sind ca. 70 km voneinander entfernt, also etwa 2–3 Tagesreisen (Schnabel 2002, 1177). Milet wird als unbedeutende Stadt dargestellt: es scheint keine Gemeinde dort zu geben, und selbst die Wolle, für die diese Handelsstadt berühmt war, wird nicht erwähnt. (Zurück zu v.17)
btFN: Zeitform hier Aor. Inhaltlich macht Vorvergangenheit mehr Sinn. (Zurück zu v.18)
cPaulus erinnert an seine Ankunft in Ephesus, die Hauptstadt der römischen Provinz Asia/Asien. Wir wissen von zwei Aufenthalten: sein erster Aufenthalt war am Ende der zweiten Missionsreise (Apg 18,19). Sein längerer Aufenthalt folgt erst in der dritten Missionsreise: in Apg 19,10 werden 2 Jahre erwähnt, nachdem er bereits 3 Monate in den Synagogen gepredigt hatte (Apg 19,8). Die Angabe drei Jahre (V. 31) könnte der inklusiven Zählung zugrunde liegen, bei der angebrochene Jahre mitgezählt werden. (Zurück zu v.18)
dDie deutsche Übersetzung kann nicht wiedergeben, dass die drei Verhaltensweisen (Demut, Tränen und Versuchungen) hier grammatikalisch gleichgeordnet sind, sie sind Charakteristika für den Dienst des Paulus. (Zurück zu v.19)
eVgl. V. 27, der fast parallel aufgebaut ist. (Zurück zu v.20)
fDie doppelte Verneinung „[es gibt] nichts, was ich euch nicht verkündigt hätte“, betont die Vollständigkeit seiner Lehre: er hat nichts verschwiegen, den ganzen Willen Gottes gepredigt, und zwar sowohl den Juden als auch den Griechen; sowohl öffentlich als auch privat, also: mit vollem Einsatz. (Zmijewski 1994, 741) (Zurück zu v.20)
gδιαμαρτυρόμαι ist stärker als „bezeugen“ (so ELB, LUT, SCHL): durch die Vorsilbe δια- hat es eine feierlichen, beschwörenden Klang (Haubeck & Siebenthal 2007, 814) (Zurück zu v.21)
htFN: Welcher Geist ist hier gemeint? Ist hier der Heilige Geist gemeint, also „gebunden durch den (Heiligen) Geist“ (dat. instrumentalis, so LUT, NGÜ, NIV)? Dann ist seltsam, dass die Qualifizierung „heilig“ hier fehlt, in V. 23 aber erwähnt wird. Allerdings wird „Geist“ und „Heiliger Geist“ in der Apostelgeschichte oft austauschbar verwendet (am deutlichsten Apg 2,4; 8,17–19). Oder handelt es sich um einen idiomatischen Superlativ der geistigen Tätigkeit des Paulus („mit fester Entschlossenheit“, so Bullinger 1898, 832)? Dafür würde sprechen, dass bereits in Apg 19,21 von dieser Entscheidung mit dem Idiom „im Geist“ gesprochen wird. In diesem Fall würde es sich hier um eine Wiederholung und Steigerung („gebunden“) handeln. Wir schließen uns der Entscheidung von Bruce (1990, 413) an, der beide Alternativen nennt und sich für die erste Variante entscheidet für beide Stellen. (Zurück zu v.22)
iErst in Apg 21,11 wird die Warnung konkreter: „fremde Nationen“ werden ihn fesseln (was in Apg 21,33 geschah) (Zurück zu v.23)
jDie grammatikalische Konstruktion ist hier schwierig zu deuten, weil zwei emphatische Ausdrücke kombiniert werden, inhaltlich aber ist klar: Paulus hält sein Leben „für absolut wertlos“ (Dupont 1966, 67f). (Zurück zu v.24)
kTextkritik: SCHL fügt hier hinzu, "mit Freuden". (textus receptus) (Zurück zu v.24)
lApg 18,6 zeigt, dass er mit dem Blut die fehlende Errettung meint, also „Ich bin unschuldig, wenn einer von euch verloren geht.“ (vgl. Zmijewski 1994, 743). Aber ist nicht jeder für seine eigene Errettung zuständig? Hier hilft ein Verweis auf Wächteramt von Hesekiel: wenn der Prophet Gottes Gerichtswarnung verschweigt, so wird das Gericht den Gottlosen treffen, die Blutschuld aber Hesekiel (Hes 3,18;33,6). (Zurück zu v.26)
mBei diesen Aufsehern (ἐπισκόποι) handelt es sich um die gleiche Personengruppe wie in V. 17: Älteste (πρεσβυτέροι). Wir denken bei Ältesten und Bischöfe zuerst an Autorität und Hierarchie; dies wäre hier anachronistisch. Zu der damaligen Zeit waren beide Begriffe wohl Umschreibungen für die gleiche Aufgabe: sich um die Gemeinde fürsorglich zu kümmern. Paulus erinnert hier an die Verantwortung ihrer Leiterrolle. (vgl. Stott 2000, 473) (Zurück zu v.28)
nTextkritik: viele Handschriften haben hier "Gemeinde des Herrn". Vgl. Metzger 1971, 425-427 (Zurück zu v.28)
od.i. durch den Blut seines eigenes [Sohnes]. Vgl. NSS; Dupont: "Paulus an die Seelsorger (1966), S. 107-109 (Zurück zu v.28)
pPräsens-Stamm, durativ-iterativ. (Zurück zu v.29)
qAlso: die Jünger aus der Herde zu entfernen. Stattdessen schließen sie sich diesen Irrlehrern an. (Zurück zu v.30)
rLUT: "der" fähig ist, also Gott. Das Relativpronomen kann sich tatsächlich auf beides beziehen, denn θεός und λόγος haben den gleichen Genus. Im Kontext der Verse 20.24.27 ist es allerdings wahrscheinlicher, dass Paulus hier die Predigt meint, dessen Inhalt die Gnade ist. (Zurück zu v.32)
sSilber oder Gold: Paraphrastisch für "Geld". Könnte in der Lesefassung als "Münzen oder Scheine" wiedergegeben werden. (Zurück zu v.33)
tAls Hintergrund für die nun folgende Ermahnung muss uns bewusst sein: Paulus hat die Jersualem-Kollekte dabei. Lukas erwähnt diese nicht explizit, aber Apg 20,4 deutet stark auf die anvisierte Delegation der Gemeinden (1Kor 16,3) hin (Böttrich 2013). Diese Kollekte ist eine freiwillige Gabe (2Kor 8,3.8; 9,7), die die Verbundenheit der überwiegende heidenchristlichen Gemeinden mit den Judenchristen in Jerusalem ausdrückt (Gal 2,10), und für die Armen in Jerusalem bestimmt ist (2Kor 9,7). (Zurück zu v.33)
uBetonung. Vielleicht auf deutsch: "meine eigenen Hände" (Zurück zu v.34)
vEr hat selbst den Unterhalt für sich und seine Begleiter erarbeitet. Dass dies nicht selbstverständlich war, wird in 1Kor 9 deutlich: natürlich haben die Leviten, und damit auch die Wanderprediger (1Kor 9,14), Recht auf Unterhalt. Er verzichtet darauf, nicht weil es von Gott so befohlen ist, sondern freiwillig, um der Verbreitung des Evangeliums in keinster Weise ein Hindernis zu sein (1Kor 9,12). Als er im Gefängnis ist, nimmt er eine Gabe von den Philippern dankend an (Phil 4,10–18). (Zurück zu v.34)
wIm Griechischen fehlt das Subjekt. Darum haben die Übersetzung hier verschiedene Formulierungen gewählt: man (soll/kann ...) (ELB, LUT, SCHL, EU, HFA), wir (NGÜ, GNB, NeÜ, NIV), ihr (NLB, KJV). (Zurück zu v.35)
xEr begründet sein Verhalten mit dem jüdischen Wohlfahrtsgedanken: wer etwas hat, soll mit dem Teilen, der nicht genug hat (5Mo 24,19; Sach 7,9f; Lk 3,11). (Zurück zu v.35)
yDas Wort μακάριος hat dabei sowohl einen horizontalen, als auch einen vertikalen Aspekt: es macht glücklicher, aber auch: es ist gesegneter (Becker 2000, 1642f). (Zurück zu v.35)
zDieses Jesus-Wort ist nicht in den Evangelien überliefert. Aber vgl. Lk 6,38 (Zurück zu v.35)
aaImpf - durativ iterativ (oder linear: sie hörten nicht auf, ihn zu küssen). Beides spricht von einem längerem Abschied. (Zurück zu v.37)
abw. sie statteten ihn zur Weiterreise aus. D.h. sie taten alles, was sie konnten, um Paulus ein letztes Mal Ehre zu erweisen. Antike Gastfreundschaft (Zurück zu v.38)