Hohelied 3

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Lesefassung (Hohelied 3)

(kommt später)

Studienfassung (Hohelied 3)

1 [Frau:]a „Auf meinem Lager in den Nächten (in der Nacht)b suchte ich (sehnte ich mich nach dem),c
Den meine Seele liebt (den ich liebe);d
Ich suchte ihn und (aber) fand ihn nicht.
2 [Da sagte ich mir:] ‚Ich will aufstehene und umhergehen in der Stadt,
Auf den Straßen und auf den Plätzen!
Ich will suchen, den meine Seele liebt (den ich liebe)!‘d
Ich suchte ihn und (aber) fand ihn nicht.
3 Es fanden (ergriffen)f mich die Wächter,
Die in der Stadt umhergingen (Umhergehenden)g
[Ich fragte sie:] ‚Den meine Seele liebt (den ich liebe),d habt ihr [ihn] gesehen?‘
4 [Nur] Weniges [war's], dass ich an ihnen vorbeigegangen war,h
Bis dass ich fand (ergriff), den meine Seele liebt (den ich liebe).d
Ich packte ihn und wollte ihn nicht mehr los lassen,
Bis dass ich ihn gebracht hätte ins Haus meiner Mutteri
Und in die Kammer meiner Gebärerin.
5 Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems,
Bei den Gazellen oder bei den Hirschkühen des Feldes:j
Entfacht nicht und facht nicht ank die Liebe (Stört nicht den Geschlechtsverkehr?l),
Bis es ihr gefällt (solange sie begehrt)!“


m


6 [Jerusalemerinnen:] ([Frau]):n „Wero [ist] diese, die hinaufzieht von (aus) der Wüste
Wie eine Säule (wie Säulen)p aus Rauch,
Duftender nach Myrrhe und Weihrauch (Rauch aus dem Räucherwerk von Myrrhe und Weihrauch)q
Als alle Pulver des Händlers (Duftend nach Myrrhe und Weihrauch, nach allen Pulvern des Händlers)!?r


s


7 [Jerusalemerinnen] ([Frau:])t Siehe, das Bett (die Liegesänfte?) Salomosu
Sechzig Helden (Krieger, Männer) um es
Von den Helden (Krieger, Männer) Israels:v
8 Sie alle sind schwerterfahren (halten ein Schwert),w
Geübt im Kampf.x
Jeder [hat] sein Schwert an seiner Hüfte
Gegen (wegen) nächtliche Schrecken.y

()z

9 Eine Bettstatt (?, Sänfte)aa ließ sich machen (hat sich gemacht)ab der König Salomo
Aus Holz vom Libanon.ac
10 Ihre Säulen ließ er machen (hat er gemacht)ab silbern (aus Silber),
Ihre Kopfstützead golden (aus Gold),
Ihr Vorhang (Decke, Kissen, Sitz?)ae purpurn,af
Ihr Inneres [ist] ([war]) ausgelegt mit Leder (Liebe).ag


{Von den} Töchter{n} Jerusalems,ah11 kommet heraus
Und schauet, Töchter Zionsai
Auf König Salomo,
Auf seine Krone,aj mit der ihn seine Mutter gekrönt hat
Am Tag seiner Hochzeit,
Am Tag der Freude seines Herzens!“


Anmerkungen

Vv. 1-5 schließen sich direkt an an den vorigen Abschnitt des Hld, Hld 2,8-17: Auf den Rendezvous-Antrag ihres Geliebten hat die Frau reagiert, indem sie ihn in die Berge geschickt und aufgefordert hat, erst am Abend wieder zu ihr zu kommen. Doch am Abend – oder sogar mehrere Nächte hintereinander (s. FN b) – bleibt der Geliebte aus. Da macht sich die Frau auf, um selbst nach ihm zu suchen. Zur mutmaßlichen (hellenistischen)ak Abfassungszeit von Hld war das undenkbar: Mit dem zunehmenden Einfluss der griechischen auf die israelitische Kultur hatte sich auch die Rolle der Frau gewandelt, von der immer mehr erwartet wurde, dass sie sich nicht auf öffentlichen Plätzen zeigen dürfe (vgl. Sir 42,9-14; 2 Makk 3,19; 3 Makk 1,18; 4 Makk 18,7; Ps-Phokylides 215f.; schon zuvor war das „Umherstreifen“ in der Stadt verpönt, vgl. Spr 7,7-13; Jes 23,15f.; Hos 7,9al). Besonders interessant in unserem Zusammenhang sind zwei Stellen bei Philo, obwohl sie sicher aus späterer Zeit stammen:

Philo, Flac 89: [Als die Juden ihre Häuser durchsuchen lassen mussten, trauerten sie; unter anderem, weil] die weggeschlossenen Frauen, die nicht in die Öffentlichkeit gingen, und die Jungfrauen, die im Hause blieben, weil sie sich aus züchtiger Scham vor Männeraugen selbst vor ihren Verwandten verbargen, nun nicht nur Fremden, sondern sogar Soldaten zum Anblick dargeboten wurden.
Philo, Spec Leg III 171: Daher kümmere sich eine Frau nicht um etwas, das über den Haushalt hinausgeht, sondern erstrebe das Allein-sein, damit sie nicht im Freien unterwegs unter den Augen fremder Männer betrachtet/befragt werde; es sei denn, sie muss zum Tempel gehen.

Schon als Mann sollte man nachts besser nicht sein Haus verlassen; vor allem nicht allein (s. FN y). Noch weniger eine Frau; sowieso sollte sie dann keinen Mann ansprechen und erst recht keine Soldaten. Welche Folgen ein Mädchen für solche Handlungen zu erwarten hatte, sieht man in Hld 5,6f., wo unser Abschnitt noch mal ausführlicher wiederholt wird. In Hld 3,1-5 wird diese zu erwartende Reaktion der Wächter ausgespart; muss aber wohl mitgehört werden. Auch sonst sieht man, dass hier alles andere als ein Idyll geschildert wird: Der Geliebte, auf den sie nächtelang gewartet hat, ist ausgeblieben, war aber offenbar nicht verhindert: Tatsächlich findet sie ihn bei ihrer Suche, als er sich offenbar des Nachts in der Stadt herumtreibt: es scheint so, als wolle er mit ihr gar nichts zu tun haben, obwohl sie sich doch verabredet hatten. Doch sie zieht ihn, „anscheinend gegen seinen Willen, zum Haus ihrer Mutter.“ (Sparks 2008Sparks, Kenton: The Song of Songs: Wisdom for Young Jewish Women, in: CBQ 70, 2008. S. 277-299. online unter: http://goo.gl/3HVzoL, S. 286). Und wieder folgt hier, wie schon in Hld 2,7, auf diese Schilderung der denkbar negativsten Folgen verfrühter, nämlich vorehelicher Liebe, der Refrain: Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder bei den Hirschkühen des Feldes: Entfacht nicht und facht nicht an die Liebe, bis es ihr gefällt!am

Mit Vv. 6-11 beginnt ein neuer, bis Hld 5,1 reichender Abschnitt im Hld, der ganz im Zeichen der Ehe steht. Wie ein Rahmen schließen sich um diesen Abschnitt die beiden in der Formulierung eng zusammenhängenden Schilderungen negativer Folgen von vorehelicher Liebe, Hld 2,8-3,5 und Hld 5,2-8.
Zum Verständnis dieser Verse ist etwas Hintergrundwissen über antike jüdische Hochzeitsbräuche vonnöten; beginnen wir daher mit einem Exkurs:

Exkurs: Griechische und jüdische Hochzeitsbräuche in der Antike
Hochzeiten liefen im Alten Israel ähnlich ab wie im Alten Griechenland. Dort begann der Hochzeitstag mit einem rituellen Bad der Braut und einem Festmahl im Haus des Brautvaters im kleineren Kreis. Daran schloss sich eine Prozession an, bei der die festlich geschmückte Braut in einem Pferdewagen unter Festgesang und dem Verbrennen von Weihrauch und Myrrhe zur Hochzeit gebracht wurde; charakteristisch für solche Hochzeitsprozessionen waren außerdem die Fackelträger. Z.B. bei Sappho 44LP findet sich eine Schilderung einer solchen Prozession:

Hektor führt im Geleit nun ein schwarzäugig Mädchen heim
aus dem heiligen Theben und Plakias Fruchtgefild,
bringt die zarte Andromache über die salzige
Meerflut. ...
Alle stimmten das heilige Lied, sie zu preisen, an,
Und so zog man (vom Strande zum heiligen) Ilion.
...
Duft von Myrrhen und Zimt und von Weihrauch vereinte sich.
Alle Frauen, die älteren, riefen ihr „Eleleu“,
alle Männer, mit Jauchzen und sehnlichem Hochzeitsruf,
riefen Paian, den treffenden Schützen, den Sangesgott,
priesen Hektor, Andromache, beide den Göttern gleich.
(Üs.: Treu)

Interessant ist dieses Hochzeitslied in unserem Zusammenhang auch deshalb, weil hier Braut und Bräutigam besungen werden, indem sie mit dem Hochzeitspaar schlechthin aus der mythischen Vorzeit, Hektor und Andromache, identifiziert werden.an Solche Vergleiche waren ein typischer Zug griechischer Hochzeitslieder; allein von Sappho ist überliefert, dass sie zu anderen Gelegenheiten Braut und Bräutigam verglichen hat mit Achilles, Ares, Helena und Hermione.ao

Braut und Bräutigam wurden dann ins Brautgemach eingeführt, das von einem thyroros bewacht wurde. Während die Hochzeitsgesellschaft ein rauschendes Fest feierte, wurde in diesem Brautgemach die Ehe in einem besonderen Brautbett vollzogen, das mit einem sogenannten pastos („Baldachin“) zu einem Himmelbett umgebaut worden war.ap Irgendwann im Verlauf der Feier fand außerdem das sogenannte anakalypterion statt: die „Entschleierung“ der Braut.
Auch eine jüdische Hochzeit begann wahrscheinlich mit einem rituellen Bad;aq danach folgte sicher ebenfalls eine Prozession, bei der die Braut in einer Sänfte vom Haus ihres Vaters zur chuppah (=entweder „Brautgemach“ oder „Brautbett“) im Haus ihres Bräutigams getragen wurde. Manchmal wurde sie dabei offenbar vom Bräutigam abgeholt.ar Vgl. 1 Makk 9,37.39; b.Sotah 12a u.ö.; bes. m.Sot ix 14: „Im letzten Krieg [=130er Jahre n.Chr.] wurde verboten, dass eine Braut in einem ´appirjon durch die Stadt ziehen dürfe. Und unsere Rabbis erlaubten der Braut, in einem ´appirjon durch die Stadt zu ziehen.
Nach t.Ket 1,4 pflegte man in Judäa, vor dieser Prozession Brautgemach, Braut und Bräutigam zu begutachten: „R. Yehudah sagte: In Judäa inspizierte man drei Tage vor der chuppah-Zeremonie die chuppah, den Bräutigam und die Braut. In Galiläa machte man das nicht.
Griechische Hochzeitskammer mit Brautbett. (c) Horine, Stephen: Interpretive Images in the Song of Songs. From Wedding Chariots to Bridal Chambers. New York u.a., 2001. S. 83.
Auch in einem jüdischen Brautgemach stand ein Himmelbett, vgl. 1 Makk 1,28; Ps 18,5 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.; Joel 2,16 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.; 3 Makk 1,19; 4,6, wo jeweils die Braut unter einen pastos verortet wird. Vgl. auch b.Sukkah 10b-11a, wo drei Arten von Himmelbetten unterschieden werden, die in einem Zelt stehen konnten: qinof (ein Himmelbett mit vier fest installierten Pfosten), naqlitim (ein Himmelbett mit zwei fest installierten Pfosten) und kilat chatnim („Hochzeits-zeltbett“). Zur Farbgebung des Brautbetts vgl. b.Sotah 49a: „Was bedeutet chuppah? – purpurne Seide bestickt mit Gold.

Auch die Rolle des thyroros findet sich noch heute bei jüdischen Hochzeiten; sie heißen dort schoschbinin („Wächter“). Über die Zahl lässt sich nichts genaues sagen: Nach Joh 3,29 war es offenbar einer; nach t.Ket 1,4 zwei – einer für die Braut, einer für den Bräutigam – und offenbar 30 schoschbinin hat (ironisch gespiegelt) Samson bei seiner Heirat mit der Philisterin (s. Ri 14,11). Ähnlich wird von der Hochzeit von Adam und Eva in b.Ber 61a berichtet, (nur) Gott sei Adams schoschbin gewesen, nach GenR 8,13 übernahmen die zwei EngelEin Bote von Gott. Michael und Gabriel die Rolle der schoschbinin und nach PRE 12 taten dies offenbar alle EngelEin Bote von Gott. des himmlischen Heeres.
Aus Gen 29,23.25 schließlich lässt sich folgern, dass bei einer antiken jüdischen Hochzeit die Braut ebenfalls verschleiert erschien und frühestens im Brautgemach entschleiert wurde.

Viele dieser Züge finden sich gebündelt in Jdt 12-13, wo der Leser sicher an eine Hochzeitsnacht erinnert werden soll: Nachdem sich Judit gewaschen, gesalbt, in Festgewänder gekleidet, ein Diadem (!) aufgesetzt und allen verfügbaren Schmuck angelegt hat (Jdt 10,3-4), zieht Judit mit einem Geleit von 100 Mann im Lager des Holofernes ein (Jdt 10,10.15-17) und wird dort direkt zu seinem Bett geführt (Jdt 10,20f.). Nach einem Bad (Jdt 12,7-9) und einem ausschweifenden Fest (Jdt 12,10-20), liegt sie, wiederum festlich geschmückt (Jdt 12,15), hinter einer von einem Vertrauten des Mannes und einer Vertrauten der Frau bewachten Tür (Jdt 13,3) mit Holofernes in besagtem Bett unter einem „Mückennetz“ aus Purpur und Gold (Jd 10,21), das über auf Bettpfosten befestigten Stäben hängt (Jdt 13,6.9).

In Vv. 7-11 ist die Begutachtung von Brautgemach und Brautpaar verdichtet, die t.Ket 1,4 bezeugt: V. 7 beginnt mit „Siehe“, danach wird in Vv. 7-10 das Brautbett beschrieben, das wie üblich unter einem purpurnen Baldachin steht und das man sich offenbar vorzustellen hat wie das des Holofernes oder das rechts Abgebildete. Es ist sehr luxuriös, und auch die Zahl der schoschbinin sprengt jeden Rahmen: 60 solcher „Wächter“ haben sich bereits „um das Bett herum“, nämlich außerhalb des Brautgemachs, aufgestellt. V. 11 schließt sich, eingeleitet durch ein „schauet!“, die Begutachtung des Bräutigams an. Dieser wird dabei ganz ähnlich wie in griechischen Hochzeitsliedern mit einem antiken Heros gleichgesetzt, nämlich mit Salomon. Die Braut braucht nicht beschrieben zu werden, da dies direkt anschließend Hld 4,1-7 der Bräutigam übernimmt; situationsgemäß mit einem Extra-hinweis auf den Schleier der Braut in Hld 4,1, der in der Parallelstelle Hld 1,15 noch fehlte. In diesem Kontext will dann auch der eigentlich unabhängige V. 6 verstanden werden: Im jetztigen Kontext handelt er von der Prozession, bei der die Braut durch die Wüste zum Haus ihres Ehemanns gebracht wird. Wie bei griechischen Prozessionen wird auch hier dabei Myrrhe und Weihrauch verbrannt.

aDas Hohelied besteht zu einem großen Teil aus Dialogen. Das Verständnis des Textes wird sehr dadurch erschwert, dass im hebräischen Text nie angegeben ist, wer welche Textteile spricht. Schon in der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. haben daher Schreiber sog. „Rubriken“ eingefügt, also mit roter Tinte geschriebene Angaben darüber, welchem Sprecher welche Äußerung zuzuschreiben ist (vgl. dazu Treat 1996Treat, Jay Curry: Lost Keys: Text and Interpretation in Old Greek "Song of Songs" and Its Earliest Manuscript Witnesses. 1996. Frei zugängliche Penn Dissertation; online unter: http://goo.gl/4iWlL4, bes. S. 399ff.). Zur Förderung der Verständlichkeit der Üs. folgen wir diesem Beispiel; nur dort, wo in der Exegese größere Uneinigkeit über die Zuordnung einer Äußerung zu einem Sprecher herrscht, folgt darauf noch eine Extrafußnote zur Begründung dieser Zuordnung. (Zurück zu v.1)
bin den Nächten (in der Nacht) - W. „in den Nächten“; entweder also mehrere Nächte hintereinander oder es handelt es sich um einen sog. „pluralis compositionis“ mit Sg.-Bed. (vgl. JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. §136b); dann ist nach der Alternativübersetzung zu übersetzen. Auf die Textbedeutung hat das keine Auswirkung. Viele Üss. wählen „(des) Nachts“ und lassen so beide Deutungsmöglichkeiten offen; das ist wohl die sinnvollste Übersetzungsentscheidung. (Zurück zu v.1)
csuchte ich (sehnte ich mich nach dem) - baqasch heißt meist suchen; kann aber in Einzelfällen auch die Bedeutung „sich sehnen“ annehmen (vgl. z.St. Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 118; Peetz 2015Peetz, Melanie: Emotionen im Hohelied. Eine literaturwissenschaftliche Analyse hebräischer Liebeslyrik unter Berücksichtigung geistlich-allegorischer Auslegungsversuche. Freiburg i.Br., 2015., S. 152 u.ö.). Sicher ist dies in unserem VersEin Teil in einem Kapitel. gemeint und wird daher z.B. von Bloch/Bloch 1995Bloch, Ariel / Chana Bloch: The Song of Songs. A New Translation with an Introduction and Commentary. New York, 1995. und Falk 1982Falk, Marcia: Love Lyrics from the Bible. A Translation and Literary Study of The Song of Songs. Sheffield, 1982. als Übersetzung gewählt; andererseits verschleierte aber diese Übersetzungsentscheidung hier, wie oft in Vv. 1-4 das Wort „suchen“ verwendet wird. Man sollte daher besser mit den meisten Üss. bei „suchen“ bleiben. (Zurück zu v.1)
dden meine Seele liebt (den ich liebe) - „Seele“ hier wie meist nur als Wechselbegriff für „ich“; zu übersetzen ist daher nach der Alternativübersetzung. (Zurück zu v.1 / zu v.2 / zu v.3 / zu v.4)
etFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Ich will aufstehen - Nicht: „Ich will bitte aufstehen“ (so z.B. Noegel/Rendsburg 2009Noegel, Scott B. / Gary A. Rendsburg: Solomon's Vineyard. Literary and Linguistic Studies in the Song of Songs. Atlanta, 2009.). na´ („bitte“) ist zwar meistens eine sog. Höflichkeitspartikel, aber zu offenbar bedeutungslosem na´ in Selbstaufforderungen s. noch Gen 18,21; Ex 3,3; 2 Sam 14,15; 1 Chr 22,5.
Das „Ich will doch aufstehen“ der meisten Üss. ist recht sicher falsch und darauf zurückzuführen, dass man früher häufig dachte, na´ solle größeren „Nachdruck“ auf eine Bitte legen; dagegen vgl. aber Wilt 1996Wilt, Timothy: A Sociolinguistic Analysis of na´, in: VT 46/2, 1996. S. 237-255., S. 239-241. (Zurück zu v.2)
ffanden (ergriffen) - möglicherweise eine AntanaklasisStilmittel: Wiederholung desselben Wortes in zwei unterschiedlichen Bedeutungen. In Ps 137,5 z.B. wird 2x die Wurzel schakach wiederholt; einmal in der Bedeutung „vergessen“, einmal in der Bedeutung „verdorren“: „Wenn ich dich je vergessen sollte, Jerusalem, soll meine rechte Hand verdorren“., also die mehrfache Verwendung des selben Wortes („finden/ergreifen“) in unterschiedlichen Bedeutungen (vgl. ähnlich Ceresko 1982Ceresko, Anthony R.: The Function of Antanaclasis (mṣ´) 'to find' // (mṣ´) 'to reach, overtake, grasp' in Hebrew Poetry, especially in the Book of Qoheleth, in: CBQ 44, 1982. S. 551-569., S. 564). S. die Anmerkungen. (Zurück zu v.3)
gdie Wächter, die umhergingen - Ebenso bezeichnet in Hld 5,7, wo sie zusätzlich an die Stadtmauer verortet werden. Barbiero 2011Barbiero, Gianni: Song of Songs. A Close Reading. Leiden / Boston, 2011., S. 133 und Peetz 2015Peetz, Melanie: Emotionen im Hohelied. Eine literaturwissenschaftliche Analyse hebräischer Liebeslyrik unter Berücksichtigung geistlich-allegorischer Auslegungsversuche. Freiburg i.Br., 2015., S. 155f. denken daher gut an die griechischen Peripoloi („die Umhergehenden“; zu diesen vgl. z.B. Friend 2009Friend, John L.: The Atheneian Epebeia in the Lycurgan Period: 334/3-322/1 B.C. Texas, 2009. online unter: https://goo.gl/eznj66, S. 4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste.-45) - eine Art mobilen Grenzschutz, der die zu bewachenden Grenzen abschritt (im Unterschied zu den stationären Wachposten). (Zurück zu v.3)
htFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Zur etwas komplizierten Konstruktion vgl. HKLKönig, Eduard: Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache. Frankfurt a.M, 1891-1897. III §387d. Fast stets vereinfacht zu „Kaum war ich an ihnen vorbei, als...“, was sicher die beste Üs. ist. (Zurück zu v.4)
iHaus meiner Mutter wird meist damit kommentiert, dass dieses Gebäude (?) dann verwendet würde, wenn mit der Ehe zusammenhängende Dinge erörtert werden sollten (z.B. Assis 2009Assis, Elie: Flashes of Fire. A Literary Analysis of the Song of Songs. New York/London, 2009., S. 99; Sparks 2008Sparks, Kenton: The Song of Songs: Wisdom for Young Jewish Women, in: CBQ 70, 2008. S. 277-299. online unter: http://goo.gl/3HVzoL, S. 280). Verwiesen wird dazu auf Gen 24,28; Rut 1,8, unseren VersEin Teil in einem Kapitel. und Hld 8,1f.. In Gen 24,28 ist aber von einer Heirat noch gar nicht die Rede. Zu RutDer Name heißt: Erfrischung. 1,8 s. FN x: Das „Haus der Mutter“ ist dort wohl nur der Gegensatz zum Haus der (weiblichen) Witwe NoomiDer Name heißt: lieblich.. Und in Hld 8,1f. bedauert die Liebende sogar, dass ihr Geliebter nicht ihr Bruder ist, dann nämlich könnte sie ihn ins Haus ihrer Mutter bringen - an einen Heiratskontext wird hier also gerade nicht zu denken sein, sondern an Intimität. Das ist dann wahrscheinlich auch hier der Sinn des Ausdrucks: Die weibliche Liebende bringt sich in Kontinuität zu dem Geschlechtsverkehr, der zu ihrer Empfängnis führte, und daher eben mit ihrer Mutter statt ihrem Vater: Sie würde gerne Ähnliches tun (ähnlich Assis 2009Assis, Elie: Flashes of Fire. A Literary Analysis of the Song of Songs. New York/London, 2009., S. 100). (Zurück zu v.4)
jBei den Gazellen oder bei den Hirschkühen des Feldes - dazu vgl. bes. gut Steinmann 2013Steinmann, Andrew E.: Gazelles, Does, and Flames: DeLimiting Love in Song of Songs, in: JESOT 2/1, 2013. S. 25-39. online unter: http://goo.gl/PzDdUY. Geschworen wurde im Alten Israel stets bei höheren „Mächten“ wie Gott, Pharao, Hohepriester etc. Zu diesen gehören Gazelle und Hirschkuh nicht. Auch das „des Feldes“ ist auffällig; in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. ist dies ein Idiom für „wilde Hirschkühe“; Hirschkühe wurden aber nicht gezähmt, so dass diese nähere Ausführung überflüssig scheint. tseba´oth („Gazellen“) und ´ajelot haßadeh („Hirschkühe des Feldes“) (צבאות ... אילות השדה) wird hier also wahrscheinlich deshalb verwendet, weil es lautlich und im Schriftbild an die beiden Gottesbezeichnungen [JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.] tseba´ot (JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. der Mächte“) und ´el schaddaj (Bed. unsicher; vielleicht „Gott vom Berge“ und „Gott der Wildnis“; vgl. DDD, S. 749f) (צבאות ... אל שדי) erinnert; „ein erstes Zeichen der Tendenz, die in der talmudischen Zeit wichtig wurde, für Namen und Titel Gottes in Schwüren verschiedene, manchmal [gar] bedeutungslose Worte wie [...] ‚beim Fischnetz‘ oder [...] ‚beim Leben der Sommerfrucht‘ einzusetzen.“ (Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 110). „Gazelle“ und „Hirschkuh“ passen sogar noch recht gut zum Kontext, weil sie auch an anderen Stellen der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. mit Liebe in Zusammenhang gebracht werden (s. Spr 5,18f.; Hld 4,5; 7,3; vgl. Steinmann 2013Steinmann, Andrew E.: Gazelles, Does, and Flames: DeLimiting Love in Song of Songs, in: JESOT 2/1, 2013. S. 25-39. online unter: http://goo.gl/PzDdUY, S. 30). (Zurück zu v.5)
kEntfacht nicht und facht nicht an die Liebe - W.: „Wenn ihr entfacht und wenn ihr anfacht die Liebe...!“; unabgeschlossee Drohformel als häufige Formel für Verbote. Das selbe Verb wird in zwei verschiedenen Konjugationen verwendet: Figura etymologica, die den Ausdruck noch stärker macht. (Zurück zu v.5)
lStört nicht den Geschlechsverkehr - so einige neuere Exegeten (z.B. Falk 1982Falk, Marcia: Love Lyrics from the Bible. A Translation and Literary Study of The Song of Songs. Sheffield, 1982., S. 116; Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 109); aber das Verb kann nicht „stören“ oder „unterbrechen“ bedeuten. (Zurück zu v.5)
mDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar; wir haben daher zur Steigerung der Verständlichkeit jeweils dort ein Sternchen eingefügt, wo unserer Meinung ein neues Lied beginnt. (Zurück zu v.5)
nWer diese Verse spricht, ist umstritten. In Hld 8,5 wird V. 6 wiederholt; dort ist klar, dass die Antwort ist: „Die auf ihren Geliebten gestützte Frau“; der Sprecher kann dort also weder die Frau noch der Mann sein. Vermutlich ist daher auch unser VersEin Teil in einem Kapitel. zu den sehr wenigen zu rechnen, die weder von der Frau noch vom Mann gesprochen werden. Die einzigen anderen identifizierbaren Sprechenden im Hld sind die Jerusalemerinnen und die Brüder der Frau; am sinnvollsten ist der VersEin Teil in einem Kapitel. daher auch nach dieser Deutung den Jerusalemerinnen zuzuordnen. (Zurück zu v.6)
otFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Wer - Nicht: „was“; das Fragewort mi fragt stets nach Personen. Die mittah (das „Bett“) in V. 7 ist also nicht die Antwort auf die Frage in V. 6 (vgl. v.a. Dirksen 1989Dirksen, P. B.: Song of Songs III 6-7, in: VT 39/2, 1989. S.219 -224.; Schult 1972Schult, Hermann: Kritische Noten zum Hohen Lied, Kap. 3,6-11, in: DBAT 2, 1972. S. 1-18., S. 5; z.B. auch Peetz 2015Peetz, Melanie: Emotionen im Hohelied. Eine literaturwissenschaftliche Analyse hebräischer Liebeslyrik unter Berücksichtigung geistlich-allegorischer Auslegungsversuche. Freiburg i.Br., 2015., S. 164.166. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §137a und JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. §144b greifen hier nicht; bei den von ihnen genannten Stellen wären Personen klar auf eine andere Weise „mit im Blick“ als an unserer Stelle). (Zurück zu v.6)
pTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Säule (Säulen) - Plural in MT und 4QCanta, Singular aber in 4QCantb (vgl. Puech 2016Puech, Émile: Le Cantique des Cantiques dans les manuscrits de Qumrân: 4Q106, 4Q107, 4Q108 et 6Q6, in: RB 123/1, 2016 S. 29-53., S. 4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste..42); LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und einigen Handschriften. Schon von der Zahl der Zeugen ist die Sg.-Variante wahrscheinlicher die ursprüngliche und auch vom Sinn des Bildes – gefragt ist nach einer weiblichen Person – macht der Singular mehr Sinn. Die Plurallesart könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Schreiber die Rauch-/Staubwolke auf die mindestens 60 Personen in den nächsten Versen zurückgeführt haben. (Zurück zu v.6)
qTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Duftender nach (aus dem Räucherwerk von) - Die Primärübersetzung ist die von MT, LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., die Alternativübersetzung die von AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.. Der ursprünglich vokallose Text ließ beide Lesarten zu. Welche Variante ursprünglich gemeint war, ist schwer zu entscheiden. Etwas wahrscheinlicher ist die Alternativdeutung, da sich das betreffende Wort in diesem Stamm erst im rabbinischen Hebräisch findet; da die überwältigende Mehrheit der Üss. aber nach der Primärüs. übersetzt, folgen auch wir dem. (Zurück zu v.6)
rtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Duftender nach Myrrhe und Weihrauch als alle Pulver des Händlers (Duftend nach Myrrhe und Weihrauch, nach allen Pulvern des Händlers) - Unsere Üs. folgt Bloch/Bloch 1995Bloch, Ariel / Chana Bloch: The Song of Songs. A New Translation with an Introduction and Commentary. New York, 1995.. Nach der Alternative übersetzen fast alle anderen Üss. und Kommentare, doch das ist nicht wahrscheinlich: In der letzten Zeile steht die Partikel min. Die könnte zwar auch „von, nach“ bedeuten und angeben, woher der Wohlgeruch der Heraufkommenden rührt; da sie aber in der dritten Zeile fehlt, haben Zeile 3 und 4 wahrscheinlich einen unterschiedlichen Status und min ist hier eine Vergleichspartikel. Folgt man in der vorigen Zeile der alternativen Deutung (s. vorige FN), erübrigt sich das, da dann auch in der vorigen Zeile ein min steht, und man kann nach der Alternative übersetzen. (Zurück zu v.6)
sDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar und gelegentlich umstritten, z.B. hier. Die meisten Üss. und Exegeten sehen Vv. 6-11 als ein Lied; dagegen spricht aber: Erstens wird Hld 3,6 fast wörtlich wiederholt in Hld 8,5; ein sehr ähnlicher VersEin Teil in einem Kapitel. findet sich in Hld 6,10. Beide Male sind die Verse klar nicht mit dem Folgenden verbunden. Zweitens ist die Verbindung von Vv. 6.7-11 wegen dem „Wer“ in V. 6 nur schwer möglich; s. FN o. Als unterschiedliche Einheiten sehen V. 6 und das Folgende daher auch Assis 2009Assis, Elie: Flashes of Fire. A Literary Analysis of the Song of Songs. New York/London, 2009.; Bloch/Bloch 1995Bloch, Ariel / Chana Bloch: The Song of Songs. A New Translation with an Introduction and Commentary. New York, 1995.; Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985.; Schult 1972Schult, Hermann: Kritische Noten zum Hohen Lied, Kap. 3,6-11, in: DBAT 2, 1972. S. 1-18.; Zakovitch 2004Zakovitch, Yair: Das Hohelied. Freiburg/Basel/Wien, 2004.. (Zurück zu v.6)
tWer diese Verse spricht, ist umstritten. Assis 2009Assis, Elie: Flashes of Fire. A Literary Analysis of the Song of Songs. New York/London, 2009. z.B. ordnet sie dem Mann zu, Bloch/Bloch 1995Bloch, Ariel / Chana Bloch: The Song of Songs. A New Translation with an Introduction and Commentary. New York, 1995. der Frau und Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985. den Töchtern Jerusalems. Wenn die Erklärung des Liedes in den Anmerkungen richtig ist, ist letzteres sicher die stimmigste Alternative; der Mann ist als Sprecher ohnehin ganz unwahrscheinlich, da er als „Salomo“ dreimal Thema der folgenden Verse ist. (Zurück zu v.7)
utFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Salomos - W. „sein Bett, das dem Salomo [ist]“; eine in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. sehr umständliche Formulierung, die aber im späteren Hebräisch zur gewöhnlichen Konstruktion zum Ausdruck von Besitzangaben wurde. Üs. daher wie angegeben. (Zurück zu v.7)
vHelden von den Helden Israels - d.h. wahrscheinlich: Selbst im Vergleich mit den Helden Israels, zu denen sie gehören, sind diese 60 heldenhaft: „mit sechzig umgebenden Helden, den Tapfersten Israels“ (van EssBibelübersetzung von Leander van Eß, einem Marburger Pfarrer und Professor. 1840 das erste Mal als Vollbibel erschienen.). (Zurück zu v.7)
wtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: schwerterfahren (halten ein Schwert) - W. „halten ein Schwert“. Wegen Zeile 3 (sie „haben ihr Schwert an der Hüfte“) ist „halten“ (´achaz) hier besser entspr. dem akkadischen ahazu als „erfahren, lernen“ zu deuten (vgl. Zeile 2; vgl. im Dt.: „greifen“ => „begreifen“; „fassen“ => „erfassen“; so schon Perles 1922Perles, Felix: Analekten zur Textritik des Alten Testaments. Neue Folge. Leipzig, 1922. online unter: http://goo.gl/VCG5p1, S. 52f.; z.B. auch Exum 2005Exum, J. Cheryl: Song of Songs. A Commentary. Louisville/Kentucky, 2005., S. 139; Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 124; Zakovitch 2004Zakovitch, Yair: Das Hohelied. Freiburg/Basel/Wien, 2004., S. 175). (Zurück zu v.8)
xLautspiel in den ersten beiden Zeilen: Assonanz auf m, l und ch (vgl. gut Noegel/Rendsburg 2009Noegel, Scott B. / Gary A. Rendsburg: Solomon's Vineyard. Literary and Linguistic Studies in the Song of Songs. Atlanta, 2009., S. 83): kulám ´achuzé chéreb / milummilchamáh. (Zurück zu v.8)
ynächtliche Schrecken - W. „Schrecken in den Nächten“. Gemeint sind vermutlich Dämonen (vgl. bes. Krauss 1936Krauss, Samuel: Der richtige Sinn von „Schrecken in der Nacht“ HL. III. 8, in: Bruno Schindler: Occident and Orient. Being Studies in Semitic Philology and Literature, Jewish History and Philosophy and Folklore in the widest sense. FS M. Gaster. London, 1936. S. 323-330.; DDD, S. 854; ausführlich auch Gerhards 2010Gerhards, Meik: Das Hohelied. Studien zu seiner literarischen Gestalt und theologischen Bedeutung. Leipzig, 2010., S. 234f.). So schon TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.: „Unholde und Schattengeister“; Midrasch: „Geister“. Die Nacht ist in der jüdischen Mythologie die Zeit der Dämonen, denen man besonders dann ausgeliefert ist, wenn man allein ist. Zum Beispiel soll man nachts nicht allein in seinem Haus bleiben, da man sonst „von der Lilith gepackt wird“ (b.Shab 151b; Lilith ist eine Art Sukkubus). Andererseits soll man nachts auch nicht allein sein Haus verlassen, da zu dieser Zeit Igrath, die Tochter der Dämonenkönigin, mit 180.000 dunklen Engeln auf Erden wandelt (b.Pes 112b). Besonders interessant in unserem (Hochzeits-)Kontext (s. die Anmerkungen) ist Tob 3,17; 6,14f., wonach der Dämon Aschmodai alle Ehemänner Saras im Brautgemach umgebracht hat. Eventuell ist diese Vorstellung der ursprüngliche Hintergrund des jüdischen Brauches, das Brautgemach zu bewachen.
In der altorientalischen Mythologie lassen sich Dämonen natürlich mit Schwertern bekämpfen; selbst Götter bekriegen einander mit dem Schwert (z.B. will Balu das ganze Haus Naharus mit dem Schwert zerstören; vgl. CTA 2 iv 5). (Zurück zu v.8)
zDas Hohelied besteht aus mehreren, voneinander mehr oder weniger unabhängigen Einzelliedern. Wo jeweils ein neues Lied beginnt, ist im hebräischen Text nicht erkennbar und gelegentlich umstritten, z.B. hier: Eine neues Lied lassen zwischen V. 8 und V. 9 beginnen z.B. Gerleman 1965Gerleman, Gillis: Ruth. Das Hohelied. Neukirchen-Vluyn, 1965.; Keel 1992Keel, Othmar: Das Hohelied. Zürich, 2 1992.; Krinetzki 1964Krinetzki, Leo, OSB: Das Hohe Lied. Kommentar zu Gestalt und Kerygma eines alttestamentlichen Liebeslieds. Düsseldorf, 1964.; Schult 1972Schult, Hermann: Kritische Noten zum Hohen Lied, Kap. 3,6-11, in: DBAT 2, 1972. S. 1-18.. Grund für diese Aufteilung ist oft das umstrittene Wort ´appirjon im nächsten VersEin Teil in einem Kapitel., s. die nächste FN. (Zurück zu v.8)
aaBettstatt (?, Sänfte) - Heb. ´appirjon; schwieriges Wort, das sich in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. einzig hier findet und dessen Bedeutung daher unsicher ist. Umstritten ist erstens, was das Wort bedeutet und zweitens, wie es sich zum „Bett“ in V. 7 verhält. Im späteren Hebräisch findet es sich häufiger mit der Bedeutung „(Hochzeits-)Sänfte“. Ob es bereits zur Zeit der Abfassung von Hld diese Bedeutung hatte und ob es sich beim biblischen und beim nachbiblischen ´appirjon überhaupt um das selbe Wort handelt, ist aber unsicher (dagegen z.B. Krauss 1899Krauss, Salomon: Griechische und lateinische Lehnwörter im Talmud, Midrasch und Targum. Mit Bemerkungen von Immanuel Löw. Teil II. Berin, 1899. online unter: http://goo.gl/Q8KDOL, S. 114f.; skeptisch z.B. auch Schult 1972Schult, Hermann: Kritische Noten zum Hohen Lied, Kap. 3,6-11, in: DBAT 2, 1972. S. 1-18., S. 11; zur Problematik der üblichen Herleitung des Wortes vgl. Dobbs-Allsopp 2005, S. 67-71).
  1. Eine römische Liegesänfte. (c) Baumeister, A. (Hg.): Denkmäler des klassischen Altertums zur Erläuterung des Lebens der Griechen und Römer in Religion, Kunst und Sitte. III. Band (Rechenbrett - Zwölfgötter). München / Leipzig, 1889. S. 1538.
    LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. übersetzen entsprechend der Bedeutung, die es im späteren Hebräisch und Aramäisch hat, als „Sänfte“; dem folgen die meisten Exegeten. Weil die Abfolge der Verse das sehr nahelegt, wird diese „Sänfte“ dann i.d.R. identifiziert mit dem „Bett“ in V. 7 und beides dann als Liegesänfte wie die rechts abgebildete erklärt. Diese Deutung ist aber recht problematisch, denn bei der Sänfte rechts handelt es sich um eine sog. Lectica und solche überdachten Liegesänften sind bisher einzig für das Imperium Romanum belegt, nicht aber für den Alten Orient oder Griechenland und auch nicht für die Zeit, in der Hld vermutlich abgefasst wurde. An einen solchen Sänftentypus zu denken ist also recht gewagt.
  2. SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. denken, wohl wegen der Beschreibung in V. 10, an ein Gebäude; einige Exegeten folgen auch dem (z.B. Bloch/Bloch 1995Bloch, Ariel / Chana Bloch: The Song of Songs. A New Translation with an Introduction and Commentary. New York, 1995., S. 163; Horine 2001Horine, Steven C.: Interpretive Images in the Song of Songs From Wedding Chariots to Bridal Chambers. New York u.a., 2001., S. 112-4: ((Hochzeits-)Pavillon“).
  3. Weil einige verwandte Wörter neben der Bedeutung „Sänfte“ gleichzeitig die Bedeutung „Bett“ haben, deuten Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 125f. und Delitzsch 1875Delitzsch, Franz: Biblischer Commentar über die poetischen Bücher des Alten Testaments Vierter Band: Hoheslied und Koheleth. Mit Excursen von Consul D. Wetzstein. Leipzig, 1875. online unter: https://goo.gl/jrBuv8 als „Bett“ (ähnlich FREE, van EssBibelübersetzung von Leander van Eß, einem Marburger Pfarrer und Professor. 1840 das erste Mal als Vollbibel erschienen. („Prachtbett“); TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus. („Ruhebett“)). Wir folgen dieser Deutung, weil sich nach ihr Vv. 7-11 am besten erklären lassen (s. die Anmerkungen). (Zurück zu v.9)
abließ machen (hat gemacht) - ein Aktivverb (wie häufig) nicht für den eigentlich Handelnden, sondern für den Auftraggeber. Von Salomo so z.B. auch 1 Kön 6,31.33; 7,6f.; 10,18. (Zurück zu v.9 / zu v.10)
acHolz vom Libanon - Der Libanon war bekannt für sein Holz, bes. für seine Zedern. Gemeint ist also hier besonders kostbares Holz. (Zurück zu v.9)
adKopfstütze - Heb. repidah. Das Wort findet sich nur hier in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. und ist also etwas unsicher; abzuleiten ist es aber sicher vom Verb rapad („stützen, abstützen“). Sind mittah und ´appirjon eine Liegesänfte oder ein Bett, ist also sehr wahrscheinlich die Kopfstütze gemeint, die man auch auf der Grafik oben gut erkennen kann. So schon VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. (reclinatorium; zu diesem Wort vgl. Isidors „Etymologien“: „Das, was das Kissen stützt oder das Haupt“; Isid. Orig. 19, 26, 3). SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. denkt wohl an das auf der Kopfstütze („Decke, Kissen“); LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. offenbar an eine Sitzsänfte (oder liest rjpdh statt rpjdh) und übersetzt anaklinton („Rückenlehne“). (Zurück zu v.10)
aeTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Vorhang (Decke, Kissen, Sitz?) - Heb. merkab (geschrieben mrkb). Nach den Lexika heißt das angeblich „Sitz“, und weil es purpurn ist, übersetzen die meisten „Kissen“ oder „Polster“.
Bedeutung von merkab: Wahrscheinlich heißt das Wort aber gar nicht „Sitz“: Das Femininum von merkab (merkabah) findet sich häufig in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. und hat die Bedeutung „Wagen“. Das Maskulinum merkab findet sich außer an unserer Stelle nur noch in 1 Kön 5,6, wo Salomo davon 4000 Stück für seine Pferde hat und wo es dafür eine eigene Halle gibt, und Lev 15,9, wo es etwas ist, worauf man „fährt“ oder „reitet“ (rakab). Bei der ersten Stelle übersetzen daher fast alle Üss. mit „Wagen“ – auch an der Parallelstelle 2 Chr 9,25 steht merkabah („Wagen“) statt merkab –, bei der zweiten immerhin ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., FREE, TAFKurz für „Tafelbibel“, die Bibelübersetzung von Leonhard und Ludwig Tafel. Sehr wörtliche Übersetzung; laut eigener Auskunft hatte Tafel allein im Alten Testament 40.000 Verbesserungen veranstaltet. Interessant, da hier häufiger auch seltenere Übersetzungsweisen gefunden werden können.; der Rest übersetzt mit „Sattel“ oder „Reitzeug“, obwohl solche bereits durch das „Sitzgerät“ in Vv. 4.6 abgedeckt wären. LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. übersetzt interessanterweise mit epibasis, das sich als Übersetzung dort nur noch in Ps 104,3 (=Ps 103,3 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.) für rakub („Gefährt, Fahrzeug“) findet. Bei diesen Übersetzungsverhältnissen das Wort zuerst als „Sitz“ zu deuten und dann auch noch wegen dem Kontext auf „Kissen“ bezogen sein lassen, ist gewaltsam. Besser sollte man daher merkab / merkabah als eines jener Worte ansehen, die mit der selben Bedeutung sowohl als Maskulinum als auch als Femininum vorkommen können, und überall als „Wagen“ deuten (V. 10 in Lev 15 bezieht sich dann nicht allein auf V. 9, sondern auf das Lager in Vv. 4f., das „Sitzgerät“ in V. 6 und den „Wagen“ in V. 9: „alles, was unter einem ist“).
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.:An unserer Stelle lies dann besser mkbrw („seine Decke“) statt mrkbw; s. 2 Kön 8,15, wo Hasael seinen König ermordet, indem er ein mkbr in Wasser taucht und auf das Gesicht des Königs drückt. Möglich wäre auch mrbdw (ebenfalls „seine Decke“, s. Spr 7,16; Spr 31,22). Da in der nächsten Zeile die Rede ist vom „Inneren“ des Bettes/der Sänfte, ist diese Decke wahrscheinlich außerhalb des Bettes; gemeint wäre also der „Bettvorhang“ (s. SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.: „Vorhang“). Möglicherweise heißt sogar auch das mkbr in 2 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 8,15 „Bettvorhang“; s. Gray 1963Gray, John: I and II Kings. Westminster, 1963., S. 479; House 1995House, Paul R.: 1, 2 Kings. Nashville, 1995., S. 283. S. die Anmerkungen zu Parallelstellen mit der Erwähnung purpurner Bettvorhänge.
Der Lesefehler wird geschehen sein unter dem Einfluss der nachbiblischen Bedeutung von ´appirjon (s.o.) und der Tatsache, dass im Alten Griechenland anders als im Alten Israel Hochzeitsprozessionen nicht in einer Sänfte, sondern auf einem Pferdewagen stattfanden. (Zurück zu v.10)
afpurpurn - Purpur war in der Antike noch wertvoller als Gold, da es mühsamst aus der Purpurschnecke gewonnen werden musste (vgl. Barbiero 2011Barbiero, Gianni: Song of Songs. A Close Reading. Leiden / Boston, 2011., S. 154f.). (Zurück zu v.10)
agausgelegt mit Leder (Liebe) - Schwierige und vieldiskutierte Stelle, deren Text man häufig zu korrigieren versucht hat. ratsuf („ausgelegt“) findet sich in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. einzig hier; seine Bed. ist also unsicher. Verwandte Worte sind das bibelhebräische retsef („Stein“) und ritspah („gepflasterter Boden“); im Mittelhebräischen und Aramäischen heißt das Wort eng aneinanderreihen, pflastern. Etwas Ähnliches wird es also wohl auch hier bedeuten. Objekt des Verbs ist ´ahabah, was sonst in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. stets „Liebe“ heißt; im Hld mehrmals speziell die geschlechtliche Liebe – was schwerlich zu diesem Verb passt.
Ein interessanter Vorschlag ist der von Keel 1992Keel, Othmar: Das Hohelied. Zürich, 2 1992., S. 122-126 und Loretz 2004Loretz, Oswald: Enjambement, versus und „salomonische“ Königstravestie im Abschnitt Canticum canticorum 3,6-11, in: Markus Witte: Gott und Mensch im Dialog. FS Otto Kaiser II. Berlin/New York. S. 805-816., S. 810 FN 36, „sein Inneres ist ausgelegt mit Liebe“ als Metapher zu verstehen für „im Innern der Sänfte sind pornographische Darstellungen abgebildet“, wie das ähnlich in b.San 39b überliefert ist („Ahab war leidenschaftslos, darum malte Jezebel Bilder zweier Huren an seinen Wagen, dass er darauf blicken und erhitzt werden möge“). Sinnvoller aber: Auf viel Zustimmung ist der Vorschlag von Driver 1950bDriver, G.R.: Hebrew Notes on „Song of Songs“ and „Lamentations“, in:Walter Baumgartner u.a.: Festschrift Alfred Bertholet zum 80. Geburtstag. Tübingen, 1950. S. 134-146., S. 135 gestoßen, ´ahabah hier abzuleiten vom arabischen ´ihab („Leder“). Das macht Sinn, vgl. b.Ket 65a; j.Ned 1,2 und b.Ned 56a: Man unterschied bei Betten zwischen mittah und dargesch. Bei ersterer war die Liegefläche mit verknoteten Stricken gefertigt („was der Ehefrau Schmerzen bereiten würde“), bei letzterem mit Leder. Ein Lederbett war einem König angemessener, vgl. b.San 47a. (Zurück zu v.10)
ahTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: {Von den} Töchter{n} Jerusalems - W. „von den Töchtern Jerusalems“ (=den Jerusalemer Frauen). Was die Jerusalemerinnen mit dem Auslegen von Salomos ´appirjon zu tun haben sollen, konnte bisher noch niemand zufriedenstellend erklären. Versucht haben es Barbiero 2002Barbiero, Gianni: Die Liebe der Töchter Jerusalems. Hld 3,10b im Kontext von 3,6-11, in: Ders.: Studien zu alttestamentlichen Texten. Stuttgart, 2002. / Barbiero 2011Barbiero, Gianni: Song of Songs. A Close Reading. Leiden / Boston, 2011. und Zakovitch 2004Zakovitch, Yair: Das Hohelied. Freiburg/Basel/Wien, 2004.: Der eine will „sein Inneres ist auslegt mit Liebe von den Töchtern Jerusalems“ verstehen als „In der Sänfte ist die Geliebte Salomos, und diese liebt Salomo stellvertretend für alle Jerusalemerinnen; mit ihrer Liebe ist also auch die Liebe aller Jerusalemerinnen in der Sänfte anwesend“; der andere als „Die Sänfte ist vollgestopft mit Gespielinnen Salomos“. Das erste ist sehr weit hergeholt, das zweite wäre sicher eine zu starke Metapher. Viele ziehen daher das m von mbnwt als (bedeutungsloses) „enklitisches Mem“ zum vorigen Wort und die beiden Wörter „Töchter Jerusalems“ zum nächsten VersEin Teil in einem Kapitel. (da die Aufteilung in Verse erst wesentlich später als die Niederschrift des Urtexts erfolgte). So z.B. Exum 2003Exum, J. Cheryl: Seeing Solomon's Palanquin (Song of Songs 3:6-11), in: BI 11/3-4. S. 301-316. online unter: http://goo.gl/1S7Wdb, S. 306 FN 8; Elliott 1989Elliott, M. Timothea, R.S.M.: The Literary Unity of the Canticle. Frankfurt a.M. u.a., 1989., S. 87; Fox 1985Fox, Michael V.: The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs. Madison, 1985., S. 21; Pope 1977Pope, Marvin H.: Song of Songs. A New Translation with Introduction and Commentary. New York u.a., 1977., S. 446; NEB; ähnlich BHK und BHSBiblica Hebraica Stuttgartensia (nicht mehr BHQ). Dem folgen auch wir. (Zurück zu v.10)
aiTöchter Zions - „Zion“ = poetischer Name für Jerusalem; „Töchter Zions“ = daher ebenfalls „Jerusalemerinnen“. (Zurück zu v.11)
ajKrone - Zum Brauch der Krönung des Brautpaares zu ihrer Hochzeit s. noch Jes 61,10; Ez 16,8.12; 3 Makk 4,8; m.Sot ix 14; b.Sot 49a. Davon, dass diese Krönung die Aufgabe der Mutter wäre, ist allerdings außerhalb des Hld nichts überliefert. (Zurück zu v.11)
akVgl. z.B. Barbiero 2011Barbiero, Gianni: Song of Songs. A Close Reading. Leiden / Boston, 2011., S. 31-36; Gerhards 2010Gerhards, Meik: Das Hohelied. Studien zu seiner literarischen Gestalt und theologischen Bedeutung. Leipzig, 2010., S. 29-48; Peetz 2015Peetz, Melanie: Emotionen im Hohelied. Eine literaturwissenschaftliche Analyse hebräischer Liebeslyrik unter Berücksichtigung geistlich-allegorischer Auslegungsversuche. Freiburg i.Br., 2015., S. 419f. (Zurück zum Text: ak)
alVgl. gut Zakovitch 2004Zakovitch, Yair: Das Hohelied. Freiburg/Basel/Wien, 2004., S. 167: „Bei der Beschreibung dessen, was sie tun will, verwendet die junge Frau also Vokabular aus dem Prostituierten-Milieu.“ (Zurück zum Text: al)
amZum Sinn des Refrains vgl. wieder gut Eschelbach 2004Eschelbach, Michael A.: Song of Songs: Increasing Appreciation of and Restraint in Matters of Love, in: AUSS 42/2, 2004. S. 305-324. online unter: http://goo.gl/FLNs36, S. 312.319. (Zurück zum Text: am)
anVgl. Contiades-Tsitsoni 1990Contiades-Tsitsoni, Eleni: Hymenaios und Epithalamion. Das Hochzeitslied in der frühgriechischen Lyrik. Stuttgart, 1990., S. 104-7. (Zurück zum Text: an)
aoVgl. Hague 1983Hague, Rebecca H.: Ancient Greek Wedding Songs. The Tradition of Praise, in: JFR 20/2-3, 1983. S. 131-143., S. 133f. (Zurück zum Text: ao)
apZum pastos vgl. Lane 1988Lane, Eugene N.: παστός, in: Glotta 66/1-2, 1988. S. 100-123.; zu den Hochzeitsbräuchen i.A. z.B. Mason 2006Mason, Casey: The Nuptial Ceremony of Ancient Greece and the Articulation of Male Control Through Ritual. 2006. online unter: http://goo.gl/Wjkja9. (Zurück zum Text: ap)
aqVgl. ARN A 41: „Einmal, als Rabbi Tarfon saß und seine Schüler lehrte, zog eine Braut an ihm vorüber. Er ordnete an, dass sie in sein Haus gebracht werden solle, und sagte zu seiner Mutter und zu seiner Frau: ‚Wascht sie, salbt sie, kleidet sie ein und tanzt vor ihr her, bis sie zum Haus ihres Bräutigams gelangt!‘“ (Üs. nach Goldin 1955Goldin, Judah: The Fathers According to Rabbi Nathan. New Haven / London, 1955., S. 173). Vgl. dann auch Ez 16,9-13, wo metaphorisch von der Ehe Gottes mit Israel die Rede ist: „Ich badete dich mit Wasser und wusch dein Blut von dir ab, ich salbte dich mit Öl, ich kleidete dich mit bunter Kleidung ...“ Vgl. auch Rut 3,1-3: „Ich will für dich eine Heimstatt suchen, damit es dir gut geht. Ist nicht Boas unser Verwandter? Siehe, dieser wird heute Nacht Gerste auf der Gerstentenne worfeln. Also wasche dich, salbe dich, wirf deine Kleider um dich und geh zur Tenne hinab!“
Bei traditionellen jüdischen Hochzeiten ist das rituelle Bad vor der Hochzeit noch heute gebräuchlich. (Zurück zum Text: aq)
arVgl. dazu Satlow 2001Satlow, Michael L.: Jewish Marriage in Antiquity. Princeton / Oxford, 2001., S. 170-173. (Zurück zum Text: ar)