Rut 3

Aus Die Offene Bibel

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Lesefassung (RutDer Name heißt: Erfrischung. 3)

(kommt später)

Studienfassung (RutDer Name heißt: Erfrischung. 3)

1 [Eines Tages] sprach NoomiDer Name heißt: lieblich., ihre Schwiegermutter, zu ihr: „Meine Tochter, will ich nichta für dich Ruhe (eine Heimstatt)b suchen, damit (wo) es dir gut geht?c2 Und weiterd: Ist nichta Boas, bei dessen Mägden du warst, unser Verwandtere (ist nicht Boas unser Verwandter, bei dessen Mägden du warst)? Siehea, dieser wird heute Nacht Gerste auf der Gerstentenne worfelnf. 3 [Daher]g wasche dich, salbe dich, wirf deine Kleider (dein Kleid)h um dich (zieh deine Kleider/dein Kleid an)i und geh zur Tenne hinabj! Lass dich [aber] nicht von dem Mann (von niemandem) erkennen, bis er mit Essen und Trinken fertig ist! 4 Und es soll sein, wenn er sich legt: (Wenn er sich legt,)k merke dir den Ort, wo er liegt (wohin er sich legt), gehe, entblöße seine Beine (seine Scham?, decke den Ort seiner Beine auf? Entblöße dich zu seinen Füßen?)l und lege dichj. Er wird dir dann erzählen, was du tun sollst (musst).“ 5 Da antwortete sie ihr: „Alles, was du ([mir])m sagst (je sagen wirst)n, will ich tun.“


6 Sie ging also hinab zur Tenne und befolgte alleso, was ihr die Schwiegermutter geboten hatte: 7 Boas aß, trank, sein Herz wurde fröhlich,p er kam, um sich am Fuß des Getreidehaufens zu legen; sie kam im Geheimen (sie schlich sich zu ihm), entblößte seine Beineq und legte sich.

8 {Und es war} um Mitternacht zitterter der Mann, tastete [um sich] (sah sich um)s und, siehe da! - eine Frau lag [an] ([bei]) seinen Beinen! 9 Er fragte: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Ich bin RutDer Name heißt: Erfrischung., deine Magdt - daher breite deinen Gewandzipfel (deine Decke, deine Flügel)u über deine Magdt, denn du bist Goel!v10 Da sagte er: „Gesegnet [seist] du von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.w, meine Tochter! Denn deine spätere Güte hast du besser getan (deine spätere gute Tat ist noch besser) als deine vorige, nicht den jungen Männern nachgelaufenx zu sein (indem du nicht den jungen Männern nachgelaufen bist) - egal, ob arm oder reich.y11 Nun denn, meine Tochter: Fürchte dich nicht - alles, was du sagst (je sagen wirst), will ich für dich tun, denn es weiß das ganze Tor meines Volkes (mein ganzes Volk)z, dass du eine fähige Frauaa bist. 12 Nun denn... - Ach, [wäre das] wahr! Ach, wenn ich doch Löser [wäre]! Jedochab es gibt (ihr habt) einen Löser, [der euch] näher [verwandt ist] als ich (es gibt einen näheren Löser als michac). 13 Bleibe diese Nacht [hier], und wenn er dich am Morgen lösen wirdad - schön! Dann soll er dich lösen! Doch wenn er [dann] keine Lust hat, dich zu lösen - dann werde ich dich lösen, [so wahr] Gott lebt!ae Liege bis zum Morgen!“ 14 Und sie lag [an] (bei) seinen Beinen ([an] seinem Beinaf) bis zum Morgen. [Doch] noch bevor ein Mann seinen Nächsten (bevor man einander, bevor einer den andern)ag erkennen konnte, stand sie auf.
Er sagte [sich]:ah „Es soll nicht bekannt sein, dass die Frau zur Tenne gekommen ist!“ 15 [Daher]ah sagte er: „Gib den (deinen) Mantel, der um dich [ist] (den du an hast), und halte ihn [gut fest]ai!“ Also hielt sie ihn [fest]ai und er maß ihr sechs der Gersteaj [hinein], lud ihn ihr aufai und kam zur Stadt (und sie kam zur Stadt)ak16 Und sie kam zur Schwiegermutter, und [diese] fragte: „Wie ist es gelaufen, meine Tochter? (Als was/Wie/Was [bist] du, meine Tochter?, Wer bist du - meine Tochter?)al Da berichtete sie ihr alles, was ihr der Mann getan hatte. 17 Und sie sagte: Diese sechs der Gersteaj hat er mir gegeben, denn er hat ([zu mir]) gesagt: „Du darfst nicht leer zur Schwiegermutter kommen!“am18 Da sagte sie: „Warte ab, meine Tochter, bis du weißt, wie die Sache ausfallen wird. Denn der Mann wird nich ruhen bis er [noch] heute die Sache beendet hat.“

Anmerkungen

RutDer Name heißt: Erfrischung. 3 schildert in Vv. 1-5, wie NoomiDer Name heißt: lieblich. einen Plan entwickelt, RutDer Name heißt: Erfrischung. erneut „unter die Haube zu bringen“ und in Vv. 6-15, wie RutDer Name heißt: Erfrischung. diesen Plan in die Tat umsetzt und wie Boas darauf reagiert.
Wie dieser Plan zu bewerten ist, wird gar nicht expliziert. Es ist aber dennoch klar, da seine Entwicklung in Vv. 1-4 im Leser gewisse Vorerwartungen weckt, indem er drei weitere Bibelstellen einspielt, vor deren Hintergrund RutDer Name heißt: Erfrischung. 3 gelesen werden muss: Gen 19,30-38 berichtet von der Angst der beiden Töchter Lots, keine Nachkommen mehr bekommen zu können, und wie sie daher ihren Vater betrunken machen, warten, bis er schläft, und dann heimlich zu ihm gehen, um ihn zu vergewaltigen. Die eine der beiden Töchter wird so zur Stammmutter der Moabiter. Auch in Num 25 wird von sexuellen Zügellosigkeit von Mobiterinnen berichtet. Und Gen 38, auf das im Rutbuch noch häufiger angespielt wird, berichtet am Ende davon, wie Tamar sich verkleidet, um ihren Schwiegervater dazu zu bringen, sie zu schwängern. Wenn hier also NoomiDer Name heißt: lieblich. der Moabiterin RutDer Name heißt: Erfrischung. aufträgt, zu warten, bis Boas eingeschlafen ist, sich dann im Schutz der Nacht zu ihm auf die Tenne (s. Hos 9,1: Die Tenne als Ort der Unzucht) zu schleichen, sich aber nicht von ihm erkennen zu lassen, und dann in V. 4 gleich mehrere Anspielungen auf den Geschlechtsakt macht, ist klar, was NoomiDer Name heißt: lieblich. vorschwebt: RutDer Name heißt: Erfrischung. soll Boas durch einen umoralischen „bed trick“ (Harold Fisch) zum Ja-Wort verführen. So unmoralisch ist der Plan, dass RutDer Name heißt: Erfrischung. nach einer alten jüdischen Überlieferung sogar überzeugt ist, getötet zu werden, wenn sie gemäß Noomis Plan handelt.

Exkurs: Zur Theologie des Rutbuches: Wegen dieser moralischen Fragwürdigkeit muss hier auf eine theologische Eigenart des Rutbuches hingewiesen werden: Das „Verschmelzen des Handelns Gottes und der Menschen(Thompson 1993Thompson, Michael E. W.: New Life Amid the Alien Corn: The Book of Ruth, in: EQ 65/3, 1993. S. 197-210. online unter: http://goo.gl/yL4QeG, S. 203):

  • In Rut 1,6 heißt es, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. Israel wieder „Brot gegeben“ habe - doch das Brot von NoomiDer Name heißt: lieblich. und RutDer Name heißt: Erfrischung. stammt von Boas.
  • In Rut 2,12 verwendet Boas die sog. „Lohnknecht-Metapher“an und stellt so JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. als Lohnherrn der RutDer Name heißt: Erfrischung. vor (JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. vergelte dein Tun und dein Lohn sei voll von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., dem Gott Israel) - doch auch hier: Der Lohn für die Arbeit Ruts stammt von Boas.ao
  • Zu diesem Phänomen gehört auch die Ambiguität von Rut 2,20, wo unsicher ist, ob der Relativsatz auf Boas oder JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. zu beziehen ist (s. FN ax).ap
  • Für sein Handeln in Kap. 2 wird Boas in Rut 2,20 von NoomiDer Name heißt: lieblich. auch noch gesegnet und sein Handeln durch das Schlüsselwort chesed („Güte“) charakterisiert, das in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. - und auch im Rutbuch, s. Rut 1,8 - den Wesenszug JHWHs schlechthin ausdrückt.aq.
  • Deutlich gehört dazu auch Ruts Bitte in Rut 3,9, mit der sie Boas bittet, seinen „Mantelsaum“ über sie zu breiten: In Rut 2,12 verwendet Boas die selbe Formulierung, als er davon spricht, dass RutDer Name heißt: Erfrischung. unter JHWHs „Flügeln“ Schutz suchen wolle.ar
  • Ebenso wie Boas in RutDer Name heißt: Erfrischung. 2,20 wird auch RutDer Name heißt: Erfrischung. in Rut 3,10 für ihr Handeln in Rut 1 und in unserem KapitelEin Teil von einem Buch. gesegnet und auch ihr Handeln wird durch das Wort chesed charakterisiert.
  • In Rut 3,12 kündet Boas sein zukünfiges Handeln sogar in Form eines Heilsorakels an („Fürchte dich nicht...“), mit dem sonst heilbringende Handlungen JHWHs vorausgesagt werden.as
  • In Rut 4,15 findet sich eine ganz ähnliche Ambivalenz wie in 2,20 (s. FN am)
  • Auffällig ist schließlich in Rut 4,13f., wie JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. und die beiden Eheleute bei der Zeugung Obeds zusammenwirken: „Der Nachkomme, den JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. dir durch diese junge Frau geben wird... [Boas] schlief mit ihr und JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. gab ihr Schwangerschaft.

Ganz ähnliches ist auch hier der Fall: NoomiDer Name heißt: lieblich. hat ihren Schwiegertöchtern in Rut 1,9 gewünscht, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. ihnen „Ruhe“ - d.h.: eine Heimstatt - geben möge. Doch nun ist es NoomiDer Name heißt: lieblich. selbst, die RutDer Name heißt: Erfrischung. „Ruhe“ verschaffen will, „damit es ihr gut geht“, und ihr deshalb „Gebote gibt“, „denen gemäß RutDer Name heißt: Erfrischung. handeln“ soll (s. dazu FNn c.o) - auch NoomiDer Name heißt: lieblich. wird hier mit JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. parallelisiert, und das „damit es dir gut geht“ ist hier gerade nicht die Folge von JHWHs Geboten - sondern von Noomis unmoralischem Plan.
Die Parallelisierungen in Rut 1,6 und Rut 2, in Rut 2,12 und Rut 2 und in Rut 2,20 und Rut 2 beziehen sich auf die juristisch problematische Gewährung des Nachleserechts durch Boas; die Parallelisierung in Rut 1,9 und Rut 3,1 auf Noomis moralisch fragwürdigen Plan, Boas zum Ja-Wort zu verführen und die Parallelisierung in Rut 2,20 und Rut 3,9 und die in Rut 4,12f auf Boas rechtswidrige Heirat mit RutDer Name heißt: Erfrischung. (dazu s. die Anmerkungen zu Kap. 4). Das heißt: gerade dort, wo im Rutbuch Recht gebeugt und gebrochen wird, werden diese Beugungen und Brüche durch die Parallelisierung mit JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. wieder „theologisch gerechtfertigt“.
Das Rutbuch selbst bietet derart ein „biblisches Modell für die Missachtung des biblischen Rechts(Stahlberg 2008Stahlberg, Lesleigh Cushing: Modern Day Moabites: The Bible and the Debate About Same-Sex Marriage, in: BI 16, 2008. S. 442-475. online unter: http://goo.gl/CkE31F, S. 474; vgl. ähnlich z.B. LaCocque 2004LaCocque, André: Ruth. Minneapolis, 2004., S. 28-32; Nielsen 1997Nielsen, Kirsten: Ruth. Louisville, 1997., S. 31f.): Nicht das streng vom biblischen Recht geleitete Handeln ist im Rutbuch „JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-mäßig“ und segenswert, sondern das von „Güte“ geleitete und daher bisweilen auch das biblische Recht brechende Handeln. Ein sehr ähnliches Konzept findet sich noch heute in der Orthodoxen Kirche: Man unterscheidet dort die Grundsätze der akribia und der oikonomia. „Akribia“ meint das kirchenrechtliche Prinzip der strengen Befolgung kirchlicher Gesetze, „oikonomia“ dagegen das der „Aufhebung der uneingeschränkten und strikten Durchsetzung der kanonischen und kirchlichen Ordnung aufgrund äußerster Nachgiebigkeit und Milde in christlichem Geist“ (Alivizatos 1998Alivizatos, Ham. S.: Die Oikonomia. Die Oikonomia nach dem kanonischen Recht der Orthodoxen Kirche. Frankfurt a.M., 1998., S. 44). Man könnte also sagen: Sinn des Rutbuches ist (auch) die Entwicklung eines Vorläufer-modells des oikonomia-Prinzips.

Vv. 1-4 wecken also gewisse Erwartungen im Leser. Er weiß: RutDer Name heißt: Erfrischung. ist Moabiterin. Möglicherweise hat er also deshalb sogar schon von Anfang an das Vorurteil, bei RutDer Name heißt: Erfrischung. müsse sich um eine liederliche Frau handeln. Spätestens, nachdem NoomiDer Name heißt: lieblich. RutDer Name heißt: Erfrischung. ihren „bed trick“ vorgestellt hat, hat er jedenfalls entsprechende Erwartungen von der folgenden Handlungen. In Vv. 6-11 aber wird mit diesen Vorurteilen gründlich aufgeräumt:
Zunächst werden die Vorerwartungen des Lesers gleich mehrfach bestärkt: In V. 5 durch das uneingeschränkte Gehorsamkeitsgelöbnis der RutDer Name heißt: Erfrischung., in V. 6 durch die Vorwegnahme, dass RutDer Name heißt: Erfrischung. in der Tat alles so ausführe, wie ihre Schwiegermutter es ihr aufgetragen hatte, und in V. 7 durch die Schilderung dieser Ausführung. V. 8 berichtet dann, wie Boas die Frau bemerkt, als er sich abtastet, und mit all seinen immer mehr bestärkten Vorerwartungen liest der Leser weiter und - wird enttäuscht. Denn was folgt, ist keine Szene der Verführung, sondern ein Heiratsantrag. Und nicht nur das: In V. 9 räumt Boas gleich auch noch sämtliche Vorurteile aus, die noch bestehen bleiben hätten können: Nicht nur hat RutDer Name heißt: Erfrischung. mit ihm keine Unzucht getrieben, sondern auch zuvor hat sie mit keinem Jungen - ob arm oder reich - angebandelt (V. 10). Und nicht nur dies ist ein Erweis der Rechtschaffenheit Ruts, sondern es ist sogar so, dass das gesamte Volk des Boas ohnehin schon weiß, dass es sich bei RutDer Name heißt: Erfrischung. um eine „tolle Frau“ handelt - und daher wird er ihrem Wunsch nachkommen und sie ehelichen. RutDer Name heißt: Erfrischung. 3,1-11 bringt also gleich zwei Gründe, warum Boas trotz geltendem Recht RutDer Name heißt: Erfrischung. heiraten wird: (1) Es ist das „Gute“ und damit das Richtige; (2) die Gründe, die gegen eine Heirat mit Moabiterinnen sprechen - in diesem Fall ihre Unzüchtigkeit (s. Num 25 und die dortigen Anmerkungen) treffen zumindest im Falle der RutDer Name heißt: Erfrischung. ohnehin nicht zu.



aWill ich nicht...? (V. 1) + Ist nicht...? (V. 2) + Siehe (V. 2) - Die beiden rhetorischen Fragen dienen hier - wie oft (vgl. bes. Moshavi 2011Moshavi, Adina: Rhetorical Question or Assertion? The Pragmatics of הֳלׂא in Biblical Hebrew, in: Janes 32, 2011. S. 91-105. online unter: http://goo.gl/jOs721, S. 99f) - zur Begründung der in Vv. 3f folgenden Aufforderung; die Argumentationsstruktur von Vv. 1-4 ist also etwa diese: 1-2a: Hintergründe der Aufforderung in V. 3 - 2b: Information über einen für die folgende Auffordung relevanten Satzverhalts (wie üblich eingeleitet durch hinneh („siehe“)) - 3-4: Die Aufforderung selbst.
Im Dt. würde man das eher etwa so formulieren: „Liebe Tochter, ich würde dir ja gerne eine Heimstatt verschaffen, und Boas - der, bei dessen Mägden du gearbeitet hast - ist ja unser Verwandter, nicht wahr? Dieser nun wird heute Nacht auf der Tenne worfeln; daher pass auf; du machst nun Folgendes:...“. Sehr gut daher ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen. 1931: „Liebe Tochter, ich muss dir doch ein Heim suchen ... (ähnlich MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.). Nun ist ja Boas ... ein Verwandter von uns (ähnlich Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. „EÜ 16“ bezeichnet die 2016 erschienene Aktualisierung dieser Üs., TEXKurz für „Textbibel“, einer deutschen Bibelübersetzung, an der Größen wie Baethgen, Bertholet, Budde, Eißfeldt, Kautzsch, Kittel, Löhr, Marti, Siegfried, Socin und Steuernagel mitarbeiteten. Sehr wörtlich und völlig zu unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten.). Siehe...“. (Zurück zu v.1 / zu v.2)
bRuhe (eine Heimstatt) - Heb. manoach, ein Synonym von menuchah in Rut 1,9 (s. dazu FN aa): NoomiDer Name heißt: lieblich. will RutDer Name heißt: Erfrischung. ein Heim verschaffen; d.h. hier: sie will sie „unter die Haube bringen“. (Zurück zu v.1)
cdamit es dir gut geht - häufige Formulierung in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott., die bes. häufig mit dem Halten von JHWHs Geboten zusammenhängt: Hält man sie, „geht es einem gut“ (s. z.B. Dtn 4,40; Dtn 12,28; Jer 7,23; Jer 38,20; Jer 42,6 u.ö.). Für sich genommen wäre das nicht besonders auffällig, aber vgl. noch FN o zu VersEin Teil in einem Kapitel. 6: NoomiDer Name heißt: lieblich. erlässt hier Gebote (s. die Anmerkungen) (Zurück zu v.1)
dUnd weiter - W.: „und nun“; doch wä`attah dient hier wohl nur zur „Markierung eines neuen Gedankens“ (Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 1030); treffender ist daher obiger Übersetzungsvorschlag. (Zurück zu v.2)
eVerwandter - Bed. unsicher (-> Hapax legomenonUns sind nicht sehr viele altgriechische und noch viel weniger althebräische Texte überliefert; häufig finden sich daher in der Bibel Begriffe, die im gesamten überlieferten altgriechischen / althebräischen Textkorpus nur ein Mal oder nur wenige Male verwendet werden. Die Bedeutung dieser Begriffe ist entsprechend unsicher. Einen Begriff, der nur einmal verwendet wird, nennt man „Hapax legomenon“; Begriffe, die nur zweimal oder dreimal verwendet werden, nennt man entsprechend „Dis legomenon“ und „Tris legomenon“.). Sehr wahrscheinlich bedeutet es ungefähr das selbe wie das ähnliche Wort „Verwandter“ in Rut 2,1 (so fast alle Exegeten). Vom Wortbildungsmuster her scheint das Wort ein Abstraktbegriff zu sein, also eher „Verwandtschaft“; wörtlicher wäre daher vermutlich etwas wie „Gehört nicht Boas zu unserer Verwandtschaft?“ (so z.B. MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.). Da aber auch dies nicht sicher ist, folgen wir in der SF der Standardübersetzung „Verwandter“. (Zurück zu v.2)
fer wird Gerste auf der Gerstentenne worfeln - W. „er wird die Gerstentenne worfeln“; die „Gerstentenne“ steht hier wohl metonymisch für die Gerste auf dieser Tenne (vgl. z.B. Gray 1967Gray, J.: Joshua, Judges and Ruth. London, 1967., S. 417; Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 135). Eine „Tenne“ ist der Ort, an dem Getreide gedroschen und geworfelt wird; „Worfeln“ bezeichnet den Arbeitsschritt der Trennung der Getreidekörner von Spreu und Spelzen mithilfe des Windes (vgl. näher Dreschen und worfeln (WiBiLex)), weshalb das Worfeln auch nachts geschehen muss: Der rechte Wind kommt in Israel oft erst gegen Abend auf. Vermutlich muss an eine Gemeinschaftstenne gedacht werden, die von mehreren Grundbesitzern gemeinsam verwendet wurde. Etwas merkwürdig ist allerdings das „Gersten-“ in „Gerstentenne“, da es wohl nicht verschiedene Tennen für verschiedene Getreidearten gab. (Zurück zu v.2)
g[Daher] - Dass die Aufforderung in Vv. 3f aus Vv. 1f abgeleitet wird, wird im Heb. nur durch die Wortform (Weqatal) markiert (eben daher auch Einsatz durch Weqatal statt Yiqtol). (Zurück zu v.3)
hdeine Kleider (dein Kleid) - In der Überlieferung des Textes finden sich beide Versionen: Ketiv und LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. haben Singular, Qere, SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. haben Plural. Da RutDer Name heißt: Erfrischung. am Ende des Kapitels eines ihrer Kleidungsstücke zum Transport der Gerste verwendet und sicher nicht nackt durch Jerusalem läuft, trägt sie sicherlich mehrere Kleidungsstücke; allein schon aus diesem Grund sollte besser mit Plural übersetzt werden. Gemeint sind wohl Ruts „gute“ Kleider (TgRut: „Prachtgewänder“; RutR: „Sabbatkleider“; VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: „elegante Kleider“; dazu passt auch SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr.: „schmücke dich mit deinen Gewändern“) - ein weiteres Indiz dafür, dass NoomiDer Name heißt: lieblich. und RutDer Name heißt: Erfrischung. so arm nicht sein können, da schon der Durchschnittsisraelit nicht mehr als zwei Gewänder besaß; die Angehörigen der armen Bevölkerungsschicht häufig nur eines. Gut schlagen de Waard/Nida 1992de Waard, Jan / Eugene A. Nida: A Translator's Handbook on the Book of Ruth. New York, 1992., S. 48 vor, zu übersetzen mit „get dressed in your best clothes“ (so viele Üss; z.B. GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., OEBOpen English Bible, T4TTranslation for Translators - eine freie Paraphrase der Bibel, die versucht, den Sinn des Bibeltextes nachzuzeichnen, um anderen Übersetzern ihre Aufgabe zu erleichtern. Unwahrscheinlich hilfreich und online einsehbar unter http://goo.gl/fu4Oxx). (Zurück zu v.3)
iwasche dich, bade dich und wirf deine Kleider um dich - Typische Hochzeitsvorbereitungen (so richtig z.B. Fischer 2001Fischer, Irmtraud: Rut. Freiburg/Basel/Wien, 2001., S. 201; Zenger 1986Zenger, Erich: Das Buch Ruth. Zürich, 1986., S. 66f). Vgl. ARN A 41: „Einmal, als Rabbi Tarfon saß und seine Schüler lehrte, zog eine Braut an ihm vorüber. Er ordnete an, dass sie in sein Haus gebracht werden solle, und sagte zu seiner Mutter und zu seiner Frau: ‚Wascht sie, salbt sie, kleidet sie ein und tanzt vor ihr her, bis sie zum Haus ihres Bräutigams gelangt!‘“ (Üs. nach Goldin 1955Goldin, Judah: The Fathers According to Rabbi Nathan. New Haven / London, 1955., S. 173). S. auch Ez 16,9-13 und Jdt 10,3-4 (zu Jdt 10-13 vgl. die Anmerkungen zu Hld 3: Auch hier wird deutlich auf eine Hochzeit angespielt). Nach m.Qid 1,1 galt eine Ehe schon durch den Geschlechtsakt als vollzogen und ähnliche Regelungen galten bereits zu biblischer Zeit (s. Ex 22,15f.; Dtn 22,28f.); mit einer erfolgreichen Verführung hätte sich RutDer Name heißt: Erfrischung. also auch gleich die Ehe ermogelt. (Zurück zu v.3)
jgeh hinab (V. 3) + lege dich (V. 4) - Ketiv bietet hier eine Schreibweise, die auf den ersten Blick „ich gehe hinab“ und „ich lege mich“ statt „gehe hinab“ und „lege dich“ zu bedeuten scheint. Diese Form für die 2. Person findet sich noch häufiger in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott.; entweder handelt es sich dabei um eine veraltete Form (vgl. z.B. HKLKönig, Eduard: Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache. Frankfurt a.M, 1891-1897. I §20.6; Rendsburg 2013Rendsburg, Gary A.: Style-Switching, in: EHLL III, S. 633-636. online unter: http://goo.gl/mUuHSB, S. 635) oder einen Aramäismus (vgl. z.B. Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 136). Besonders häufig findet sich diese Form übrigens in Ez 16, das auch über die Abfolge „waschen, salben und ankleiden“ (Ez 16,9f + RutDer Name heißt: Erfrischung. 3,3; s. vorige FN) und über die Rede vom „den Gewandsaum über jemanden breiten“ für die Heirat (Ez 16,8 + RutDer Name heißt: Erfrischung. 3,9) mit unserem KapitelEin Teil von einem Buch. zusammenhängt. Dass diese Form jeweils nur beim vierten Wort der Vierer-Weqatal-Ketten verwendet wird, macht es sehr wahrscheinlich, dass sie hier nur aus stilistischen Gründen verwendet wird und in der Übersetzung ohne Bedeutungsverlust ignoriert werden kann. (Zurück zu v.3 / zu v.4)
kUnd es soll sein, wenn er sich legt: (Wenn er sich legt,) - Schwierige Stelle; übersetze nach dem Alternativvorschlag.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: (1) Das Verb wihi („und es soll sein“) scheint hier ähnlich wie sonst wajähi („und es war“, s. z.B. Rut 1,1 (dazu FN c): „Und es war in den Tagen des Richtens der Richter...“) und wähaja („und es wird sein“, s. z.B. Rut 3,13: „Und es wird sein am Morgen...“) nicht zur story zu gehören, sondern nur zur Markierung einer Zeitangabe zu dienen (vgl. ähnlich Rubinsteins Deutung von HKLKönig, Eduard: Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache. Frankfurt a.M, 1891-1897. III §193b in Rubinstein 1956Rubinstein, Arie: Conditional Constructions in the Isaiah Scroll, in: VT 6, 1956. S. 69-79., S. 76; so wohl auch Holmstedt 2010Holmstedt, Robert D.: Ruth. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2010., S. 154 (?)). Eine ähnliche Verwendung von wihi findet sich sonst nur in 1 Sam 10,5; 2 Sam 5,24 = 1 Chr 14,15 (und in 1 Kön 14,5, wo aber sicher mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. wajähi zu lesen ist) und diese Deutung ist allein schon deshalb schwierig, weil die in 1 Sam 10,5 auf wihi folgenden Sätze sich nicht jussivisch verstehen lassen.
(2) Joüon 1993Joüon, Paul: Ruth. Commentaire philologique et exégétique. Rom, 1993., S. 69 will daher emendieren nach wähaja und erklärt sich unsere Stelle so, dass ein Schreiber fälschlicherweise statt den Konsonanten whjh (=wähaja, „und es wird sein“) wjhj (=wajähi, „und es war“) geschrieben habe, was die Masoreten dann zum „weniger falschen“ wihi vokalisiert hätten (so auch Lambert 1946Lambert, Mayer: Traité de grammaire hébraïque. Paris, 1946., S. 157).
(3) Und Niccacci 1995Niccacci, Alviero: Syntactic Analysis of Ruth, in: LA 45, 1995. S. 69-106. online unter: http://goo.gl/f4Ie8q, S. 92 denkt, wihi habe hier seine „normale Funktion, Finalsätze auszudrücken“ (s. z.B. Ex 10,21; Mal 3,10) und übersetzt mit „damit du, wenn er sich legt, dir den Ort merken [kannst]“. Diese „normale Funktion“ erkennt hier aber auch sonst niemand; in den entsprechenden Versen wird wihi nie wie hier und den obigen Stellen impersonal ([Es] soll sein“) verwendet, sondern als Vollverb mit Objekt (Ex 10,21: „Damit Finsternis sei“; Mal 3,10: „Damit Nahrung in meinem Haus sei“) und in 1Sam 10,5 funktioniert auch diese Deutung nicht.
Entweder gehen wir also (nur auf der Basis von unserem VersEin Teil in einem Kapitel. und 2 Sam 5,24 = 1 Chr 14,15!) davon aus, dass wihi sich in Aufforderungen in der Tat wie wajähi und wähaja zur Markierung einer Zeitangabe verwenden lässt und in 1 Sam 10,5 auch noch emendiert werden muss, oder wir folgen besser an allen Stellen dem Emendationsvorschlag von Joüon und Lambert. Auf jeden Fall ist am sinnvollsten nach der Alternativübersetzung zu übersetzen und findet sich so auch in fast allen dt. Üss. (Zurück zu v.4)
lentblöße seine Beine (seine Scham?, decke den Ort seiner Beine auf? Entblöße dich zu seinen Füßen?) - „seine Beine/Scham/zu seinen Füßen“ = seltenes Wort; sonst nur noch in Dan 10,6 verwendet, wo es sicher „Beine“ bedeutet; so wohl auch hier (s.u.). RutDer Name heißt: Erfrischung., die sich extra aufgehübscht hat, soll im Schutz der Nacht Boas Beine „aufdecken“, sich „legen“ - beide Worte werden häufiger als Euphemismen für den Geschlechtsverkehr verwendet - und sich an die entblößten Beine des Boas schmiegen. Das lässt sich sicher nicht nur als unkonventionelle (und sehr erfolglose - Boas erwacht erst gegen Mitternacht) Weckmethode verstehen; die „sexuellen Konnotationen [in diesem VersEin Teil in einem Kapitel. sind] nicht zu überhören“ (Zenger 1986Zenger, Erich: Das Buch Ruth. Zürich, 1986., S. 67).
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Seine Beine (den Ort seiner Beine) - Das Wort margelah wird meist erklärt durch die nominale Wortbildungsform mit der Vorsilbe m- - d.h., ein Nomen wird gebildet, indem die Vorsilbe m- an die Wurzel (hier rgl („Beine, gehen“)) angefügt wird. Diese Wortbildungsform hat häufig lokative Bedeutung und auch unser Wort wird daher gern lokativ gedeutet („der Ort seiner Beine“, d.h. „das Fußende [seines Nachtlagers](so gut Keita/Dyk 2006Keita, Schadrac / Janet W. Dyk: The Scene at the Threshing Floor: Suggestive Readings and Intercultural Considerations on Ruth 3, in: BT 57/1, 2006. S. 17-32., S. 20)). Doch wegen Dan 10,6 liegt das recht fern und die Vorsilbe ist eher als instumentales m- zu erklären (dazu vgl. z.B. BL §61 wε): Die margelot sind „das, womit man geht“, nämlich eben die Beine.
Seine Scham - Das mit unserem Wort verwandte regel („Bein“) ist häufiger ein Euphemismus für die menschliche Scham; einige Exegeten glauben deshalb, dass auch margelah diese Bedeutung haben könne und NoomiDer Name heißt: lieblich. also RutDer Name heißt: Erfrischung. dazu auffordert, Boas Unterleib zu entblößen. Doch ob dies so ist, wissen wir nicht und auch mit der wahrscheinlichen wörtlichen Bedeutung „Beine“ ist der Text ja verfänglich genug: „RutDer Name heißt: Erfrischung. soll sich zum liegenden Boas, nahe an seine aufgedeckten Beine, legen - keuscher ist das Hebräische nicht zu erklären“ (Fischer 2001Fischer, Irmtraud: Rut. Freiburg/Basel/Wien, 2001., S. 203).
Entblöße dich zu seinen Füßen - theoretisch auch möglich. glh („entkleiden“) kann ohne Objekt wohl auch „sich entkleiden“ bedeuten (s. Jes 57,8); wenn man margelot als Ortsangabe versteht („zu seinen Füßen“) , könnte man also Noomis Auforderung auch als „entblöße dich“ deuten (so bes. Nielsen 1985Nielsen, Kirsten: Le choix contre le droit dans le livre de Ruth. De l'aire de battage au tribunal, in: VT 35/2, 1985. S 201-212., S. 205-207; Nielsen 1997Nielsen, Kirsten: Ruth. Louisville, 1997., S. 68f; van Wolde 1997van Wolde, Ellen: Intertextuality: Ruth in Dialogue with Tamar, in: Athalya Brenner / Carole Fontaine: A Feminist Companion to Reading the Bible. Approaches, Methods and Strategies. Sheffield, 1997. online unter: http://goo.gl/TckesC, S. 443f.; Wénin 1998Wénin, André: La stratégie déjouée de Noémi en Rt 3, in: EB 56/2, 1998. S. 179-199. online unter: http://goo.gl/Gla3by, S. 188). Mindestens mithören kann man dies auf jeden Fall. (Zurück zu v.4)
mTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: ([mir]) - Die Überlieferung des heb. Textes bietet beide Versionen; Ketiv und viele LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.- und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.-Mss haben ohne „mir“; Qere, einige LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.- und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.-Mss, TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. und SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. mit. Eine Entscheidung ist hier nicht möglich. (Zurück zu v.5)
nsagst (je sagen wirst) - das Verb steht im Yiqtol; d.h.: RutDer Name heißt: Erfrischung. bezieht sich damit nicht (nur) auf Noomis Aufforderungen in Vv. 3f, sondern auf alles, was diese ihr je sagen wird. (Zurück zu v.5)
obefolgte alles - w. „tat gemäß allem“; wohl kein „Kaf veritatis“ („tat alles genau so“; so viele Üss), das es wohl nicht gibt (so schon GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §188x) und ohnehin nicht vor alles, sondern eher vor wie stehen würde. Der Ausdruck „etwas tun gemäß allem, was...“ findet sich besonders häufig im Zusammenhang mit dem Befolgen von Geboten (s. z.B. Num 9,3.12; Jos 1,7f; 2 Kön 22,13 = 2 Chr 34,21; Jer 42,5) und passt daher besonders gut zu dieser Stelle, wo RutDer Name heißt: Erfrischung. befolgt, was ihr NoomiDer Name heißt: lieblich. „geboten hatte“ und was auch über das „damit es dir gut geht“ mit den Geboten JHWHs parallelisiert wird (s. Anmerkungen und FN c). (Zurück zu v.6)
psein Herz wurde fröhlich - heb. Idiom, dass sowohl bedeuten kann, dass Boas (vom Weingenuß) „betrunken wurde“ (s. z.B. 1 Sam 25,36) als auch nur, dass er „gut gelaunt“ war (s. z.B. 1 Kön 8,66). Da es hier als direkte Folge des Essens und Trinkens genannt wird und wegen der Bezüge des Kapitels zu Gen 19,30-38 hätte ein hebräischer Leser zunächst sicher an ersteres gedacht, was vom Autor auch sicher so intendiert war. Doch der folgende Text zeigt dann: Selbst, wenn Boas gegen Abend etwas angeheitert gewesen sein sollte - um Mitternacht war er wieder stocknüchtern. (Zurück zu v.7)
qzu entblößte seine Beine s. FN l zu V. 4. (Zurück zu v.7)
rzitterte - Der Grund für dieses Zittern wird nicht genannt und hat daher zu einigen Spekulationen geführt. Durchaus die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass Boas ob seiner aufgedeckten Beine vor Kälte erzittert und daher aufwacht (so auch die meisten). Frevel 1992Frevel, Christian: Das Buch Rut. Stuttgart, 1992., S. 98f., Sasson 1979Sasson, Jack M.: Ruth. A New Translation with a Philological Commentary and a Formalist-Folklorist Interpretation. Baltimore, 1979., S. 75-78 und Zenger 1986Zenger, Erich: Das Buch Ruth. Zürich, 1986., S. 70f dagegen glauben aus unerfindlichen Gründen, Boas sei davon überzeugt, die Dämonin Lilith habe sich an seine Beine geschmiegt (richtig Landy 1994Landy, Francis: Ruth and the Romance of Realism, or Deconstructing History, in: JAAR 62/2, 1994. S. 285-317., S. 290f: Selbst, wenn es für diese Dämonentheorie Indizien gäbe - warum denn ausgerechnet Lilith, die in der BibelDie Bibel ist das Buch über Gott. nur einmal möglicherweise erwähnt wird?). (Zurück zu v.8)
stastete [um sich] (sah sich um) - Heb. lpt; Bed. umstritten; am wahrscheinlichsten: „sich abtasten“.
tFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Seltenes Wort (sonst nur noch in Ri 16,29 und Ijob 6,18). Abzuleiten ist es entweder vom arabischen talaffata („das Gesicht nach jemands Seite drehen“) und hat die Bedeutung „sich wenden“, „sich umblicken“ (so z.B. Gray 1967Gray, J.: Joshua, Judges and Ruth. London, 1967., S. 418; Sasson 1979Sasson, Jack M.: Ruth. A New Translation with a Philological Commentary and a Formalist-Folklorist Interpretation. Baltimore, 1979., S. 78-80; Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 141) oder vom akkadischen lapâtu ((an)fassen, greifen, schlagen“) und heißt dann hier: „sich betasten“ (so z.B. Campbell 1975Campbell, Edward F.: Ruth. A New Translation with Introduction, Notes, and Commentary. New York, 1975., S. 122; Halton 2012Halton, Charles: An Indecent Proposal: The Theological Core of the Book of Ruth, in: SJOT 26/1, 2012. S. 30-43., S. 32; Loretz 1964Loretz, Oswald: Das hebräische Verbum LPT, in: Studies presented to A. Leo Oppenheim. June 7, 1964. Chicago, 1964. online unter: http://goo.gl/iqIneX). TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. helfen wenig, da ihr „und er sah“ wohl nur eine freie Wiedergabe von „und siehe“ ist; RutR aber deutet sehr wahrscheinlich als „tasten“: „Und er jlpt d.i. Ruth umschlang ihn wie eine Hautflechte. Er fing an das Haar zu betassten. Geister, sprach er bei sich, haben keine Haare.“ (Üs. nach Wünsche 1883Wünsche, August: Bibliotheca Rabbinica 23: Der Midrasch Ruth Rabba. Das ist die haggadische Auslegung des Buches Ruth. Leipzig, 1883. online unter: http://goo.gl/7PTLTv, S. 47), daher ist dies hier etwas wahrscheinlicher, bleibt aber sehr unsicher. (Zurück zu v.8)
tdeine Magd - Heb. ´amah, ein Synonym von schipchah („Magd“) in Rut 2,13. Wie dort als Höflichkeitsstrategie verwendet (à la „Verehrter Herr: ich bin RutDer Name heißt: Erfrischung.“ und entsprechend „daher breiten Sie doch bitte Ihren Gewandzipfel über mich“; s. FN ag); hier statt diesem verwendet, da ´amah im Unterschied zu schipchah auch für Ehefrauen verwendet werden kann (vgl. z.B. Fischer 2001Fischer, Irmtraud: Rut. Freiburg/Basel/Wien, 2001., S. 210; Younger 1998Younger, K. Lawson: Two Comparative Notes on the Book of Ruth, in: JANES 26, 1998. S. 121-132. online unter: http://goo.gl/8QtDtm, S. 127). (zu v.9)
udeinen Gewandzipfel (deine Decke, deine Flügel) - zur Bed. der „Gewandzipfel“ und zur Alternative „Decke“ s. die nächste FN.
TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Flügel - Ketiv, LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. haben den Singular „Gewandzipfel“; Qere und einige Mss aber haben das selbe Wort im Dual/Plural („deine (beiden) Flügel“) - wohl nur eine nachträgliche Änderung, um „jegliche sexuelle Konnotation der Szene auszuschließen“ (Zenger 1986Zenger, Erich: Das Buch Ruth. Zürich, 1986., S. 68) oder eine nachträgliche Angleichung an Rut 2,12 (so z.B. Holmstedt 2010Holmstedt, Robert D.: Ruth. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2010., S. 162). (Zurück zu v.9)
vdaher breite deinen Gewandzipfel (deine Decke, deine Flügel) über deine Magd, denn du bist Goel! - Der zentrale Satz in RutDer Name heißt: Erfrischung. 3. Entsprechend umstritten ist seine Bedeutung. Die verbreitetste und wahrscheinlichste Deutung ist diese: „Breite deinen Gewandzipfel über deine Magd“ verweist auf den Brauch, als Symbol für die Ehe seinen Mantel über die Braut zu breiten (s. FN ae zu Rut 2,12); RutDer Name heißt: Erfrischung. macht also Boas einen Heiratsantrag. So deutet auch deutlich TgRut: „Mach, dass dein Name über deine Magd genannt werde, indem du mich zur Frau nimmst“ (Üs. nach Levine 1973Levine, Étan: The Aramaic Version of Ruth. Rom, 1973., S. 89). Als Verbtempus verwendet sie Weqatal (Daher breite“) statt Yiqtol („Breite“), um diesen Heiratsantrag logisch davon abhängig zu machen, dass sie RutDer Name heißt: Erfrischung. ist (vgl. Holmstedt 2010Holmstedt, Robert D.: Ruth. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2010., S. 161f); und warum der Heiratsantrag logisch davon abhängen kann, dass sie RutDer Name heißt: Erfrischung. ist, wird im Nachsatz erläutert: „denn du bist Goel“ - d.h. hier: „mein nächster Verwandter, der damit Goel-Rechte hat“. Vom Sinn her also: „Ich bin RutDer Name heißt: Erfrischung. - und weil das heißt, dass Sie mein Goel sind, bitte ich Sie hiermit um Ihre Hand.“ Sehr gut übersetzen daher de Waard/Nida 1992de Waard, Jan / Eugene A. Nida: A Translator's Handbook on the Book of Ruth. New York, 1992., S. 52: „‚It's Ruth, sir‘, she answered. ‚[...] You are a close relative, [...] so please marry me.‘“. Für den zweiten Satz in der LF wohl besser nach HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.: „Breite dein Gewand über mich als Zeichen dafür, dass du mich heiraten wirst.“ (ähnlich T4TTranslation for Translators - eine freie Paraphrase der Bibel, die versucht, den Sinn des Bibeltextes nachzuzeichnen, um anderen Übersetzern ihre Aufgabe zu erleichtern. Unwahrscheinlich hilfreich und online einsehbar unter http://goo.gl/fu4Oxx)
Zur Rechtsinstitution Goel s. die Anmerkungen zu Kap. 4; hier nur so viel: Eigentlich hat diese Institution nichts mit Heirat zu tun, daher ist nicht leicht verständlich, warum RutDer Name heißt: Erfrischung. erstens ihren Heiratsantrag davon abhängig machen kann, dass sie RutDer Name heißt: Erfrischung. ist, und zweitens damit begründen kann, dass Boas Goel ist. Eine Lösung dieser Schwierigkeit wird in den Anmerkungen zu KapitelEin Teil von einem Buch. 4 angeboten werden, für einen alternativen Vorschlag s. Beattie 1978Beattie, D.R.G.: Ruth III, in: JSOT 5, 1978. S. 39-48., S. 42f. (Zurück zu v.9)
wZu gesegnet [seist] du von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. vgl. FN aw zu Rut 2,20. (Zurück zu v.10)
xnachlaufen hier wohl wie das deutsche „jmdn nachsteigen“ i.S.v. „huren wollen“, s. Jer 2,25 (vgl. V. 24); Hos 2,7.15. TgRut macht das explizit: „Deine letzte gute Tat ist größer als die erste [...], indem du nicht jungen Männern hinterhergehurt hast; seien sie arm oder reich.“ (Üs. nach Levine 1973Levine, Étan: The Aramaic Version of Ruth. Rom, 1973., S. 90). (Zurück zu v.10)
ySchwieriger VersEin Teil in einem Kapitel., weil er nicht explizit zu machen scheint, worin die „spätere“ und worin die „vorige Güte“ besteht, und man daher anscheinend aus dem Text erschließen muss, worauf sie sich beziehen. Die häufigste Deutung ist diese: Die „spätere Güte“ ist Ruts Heiratsantrag, den sie trotz Boas Alter und unabhängig davon, ob er vermögend ist oder nicht, geäußert hat - sondern nur deshalb, weil sie ihn für ihren Goel hält. Und die „vorige Güte“ ist dann wahrscheinlich, dass RutDer Name heißt: Erfrischung. nicht nach Moab zurückgekehrt, sondern mit NoomiDer Name heißt: lieblich. nach Jerusalem gekommen ist - immerhin hat Boas sie dafür schon einmal gelobt (Rut 2,11; vgl. z.B. gut de Waard/Nida 1992de Waard, Jan / Eugene A. Nida: A Translator's Handbook on the Book of Ruth. New York, 1992., S. 53; Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 142).
Wahrscheinlich aber besser so: „Nicht den jungen Männern nachgestiegen zu sein“ spezifiziert nicht das „deine spätere Güte hast du besser getan“, sondern das direkt davor stehende „die vorige“: „[RutDer Name heißt: Erfrischung. hält um die Hand des Boas an] - [Diese] deine spätere gute Tat (=dass du um meine Hand angehalten hast) ist noch besser als die vorige gute Tat, [die darin besteht], dass du nicht den jungen Männern nachgestiegen bist.“ Diese Interpretation passt besser zum Text des Verses, entbindet von der Notwendigkeit, über die Referenz der „vorigen Güte“ spekulieren zu müssen und passt gut in den Kontext des gesamten Kapitels (s. Anmerkungen, Abschnitt 3). (Zurück zu v.10)
zZum Tor als Ausdruck für „Volk“, „öffentliche Ansicht“ vgl. bes. Speiser 1956Speiser, E. A.: „Coming“ and „Going“ at the „City“ Gate, in: BASOR 144, 1956. S. 20-23., S. 21). So auch die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VLKurz für „Vetus Latina“, die „altlateinische Bibel“. Sammelbezeichnung für die erhaltenen Fragmente lateinischer Bibelübersetzungen vor Hieronymus´ Vulgata aus dem 2. - 4. Jh., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. („mein Stamm“); VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. („das ganze Volk...“). Viele Üss. daher gut: „Jeder in der Stadt“. (Zurück zu v.11)
aafähige Frau - das selbe Wort wie in Rut 2,1 („mächtiger, fähiger Mann“). Der Ausdruck „fähige Frau“ findet sich sonst nur noch in Spr 12,4 und in Spr 31,10-31, wo ein Tugendkatalog der idealen Frau aufgelistet wird - ein weiteres Indiz dafür, dass „mächtiger, fähiger Man“ in RutDer Name heißt: Erfrischung. 2,1 nur soviel wie „mächtig starker Typ“ und entsprechend hier „fähige Frau“ soviel wie „tolle Frau“ bedeuten (s. FN b zu 2,1). RutDer Name heißt: Erfrischung. und Boas sind damit nicht nur jeweils „ideale Menschen“, sondern auch das „ideale Paar“ (Zenger 1986Zenger, Erich: Das Buch Ruth. Zürich, 1986., S. 73). (Zurück zu v.11)
abtFNtechnische Fußnote; der Inhalt ist nur für Erstübersetzer aus dem Hebräischen/Griechischen interessant.: Nun denn... - Ach, [wäre das] wahr! Ach, wenn ich doch Löser [wäre]! Jedoch - Meist übersetzt à la „In der Tat ist es wahr, dass ich Löser bin, aber zusätzlich...“. Aber erstens galt im Alten Israel nur der nächste Verwandte als Löser - es machte hier also keinen Sinn, wenn Boas sagte, er sei Löser, obwohl es „zusätzlich einen [weiteren] Löser“ gibt -, zweitens ist man für diese Übersetzung gezwungen, Worte aus dem Text zu streichen (s.u.)
(1)Besser daher: Die beiden ki sind emphatisch („Ach!“; vgl. z.B. Sasson 1978Sasson, Jack M.: The Issue of Ge´ullā in Ruth, in: JSOT 5, 1978. S. 52-64., S. 57), das omnam ist ein verbloser Wunschsatz ([wäre das] wahr!“) und das ´im hat hier die Bedeutung „wenn doch...!“ (vgl. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 70). Diese Deutung als aufgewühlter Ausruf würde dann auch die Wortfülle erklären (Campbell 1975Campbell, Edward F.: Ruth. A New Translation with Introduction, Notes, and Commentary. New York, 1975., S. 125: „Das Hebräische ist schwierig, es gibt einfach zu viele einleitende Wörter.“), die z.B. Landy 1994Landy, Francis: Ruth and the Romance of Realism, or Deconstructing History, in: JAAR 62/2, 1994. S. 285-317., S. 308f dazu gebracht hat, den Satz als das „rhetorische Äquivalent eines Räusperns“ zu deuten: „Nun ja... Ja... - das stimmt schon... Jaja, ich bin Löser...“. Das einleitende wä`attah („Nun denn“) muss dann wohl so gedeutet werden, dass Boas nun der RutDer Name heißt: Erfrischung. gemäß der Vorhersage Noomis in V. 4 mitteilen will, wie weiter vorzugehen ist, als ihm plötzlich das Hindernis einfällt: Er ist gar nicht der Löser, denn es gibt da einen, der RutDer Name heißt: Erfrischung. und NoomiDer Name heißt: lieblich. noch näher verwandt ist (Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 144: „Im Nachdenken kommen Boas Zweifel, ob er Ruts Bitte überhaupt erfüllen kann, denn nun besinnt er sich auf die rechtliche Problematik [...].)“!
(2)Ähnlich argumentieren auch Staples 1937Staples, W. E.: Notes on Ruth 2:20 and 3:12, in: AJSL 54/1/4, 1937. S. 62-65., S. 64f. und Meek 1960Meek, Theophile J.: Translating the Hebrew Bible, in: JBL 79/4, 1960. S. 328-335., S. 332-334, die stattdessen dass ´im als verneinendes ´im auffassen, was sprachlich möglich, aber nicht sehr naheliegend wäre: „[Es ist] tatsächlich wahr, dass ich nicht Löser bin, sondern...“
(3) Streicht man ´im (so z.B. Holmstedt 2010Holmstedt, Robert D.: Ruth. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2010., S. 166; so auch schon die Masoreten), könnte man auch übersetzen: „[Es ist] tatsächlich wahr, dass ich Löser bin, aber zusätzlich...“
(4) Und streicht man dann auch noch das ki (so z.B. BHQ), wäre auch möglich: „In der Tat [ist das] wahr, [doch] obwohl ich Löser bin, gibt es zusätzlich...“ (Zurück zu v.12)
acZu den Gründen gegen es gibt einen näheren Löser als mich s. die vorige FN. (Zurück zu v.12)
adwenn er dich am Morgen lösen wird - W.: „Und es wird sein am Morgen: Wenn er dich lösen wird...“: wähajah („und es wird sein“) hier wie oft nur zur Markierung einer Zeitangabe. (Zurück zu v.13)
ae[so wahr] JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. lebt - Häufige Schwurformel. Entspr. im Dt. eher „das schwöre ich bei Gott“. (Zurück zu v.13)
afTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: [an] seinem Bein - so Ketiv, doch das macht keinen Sinn und ist sicher ein Schreibfehler. (Zurück zu v.14)
agbevor ein Mann seinen Nächsten (bevor man einander, bevor einer den andern) - Begriffe wie ´isch („Mann“) und re`a („Nächster“) werden im Heb. häufig nicht in ihrem wörtl. Sinn verwendet, sondern wie unbestimmte Pronomen. „Ein Mann tut seinem Nächsten X“ ist daher eine typische heb. Konstruktion, um unbestimmte reziproke Handlungen auszudrücken: „Man tut einander X“ (vgl. bes. Bar-Asher 2014Bar-Asher, Elitzur A.: Notes on the history of reciprocal NP-strategies in Semitic languages in a typological perspective, in: Dia 31/3, S. 337-378. online unter: http://goo.gl/ZcDttB, S. 352f). Richtig daher z.B. GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen.: „bevor ein Mensch den andern erkennen konnte“; H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“.: „...man einander...“; NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.: „...einer den andern...“ (so viele Üss). (Zurück zu v.14)
ahEr sagte [sich] (V. 14) + [Daher] (V. 15) - Nicht: „[denn] er sagte sich“: Das Verb steht im Wayyiqtol und kann daher keinen unmarkierten Kausalsatz regieren. Boas´ besorgte Gedanken werden hier also offenbar nicht als Grund für das frühe Erwachen genannt, sondern als Motivation der folgenden Getreidespende. Gut Köhlmoos 2010Köhlmoos, Melanie: Ruth. Göttingen, 2010., S. 67: „Im Kontext der vorigen Sätze muss diese Gabe dazu dienen, Ruth weiterhin unerkannt zu lassen. Mit einem Sack von 4040 ist eine wichtige Zahl. Die Juden waren 40 Jahre in der Wüste. Jesus war 40 Tage in der Wüste. kg auf dem Rücken könnte ein zufällig Vorüberkommender Ruth für eine Arbeiterin (oder einen Arbeiter) halten, die abtransportiert, was Boas geworfelt hat.“ Daher auch besser Einfügung eines „daher“ zu Beginn v. V. 15. (Zurück zu v.14 / zu v.15)
aihalte ihn [gut fest] + sie hielt ihn [fest] + er lud ihn ihr auf soll wohl v.a. ausdrücklich machen, wie schwer der Mantel nach seiner Befüllung mit Gerste ist. Sehr gut daher Campbell 1975Campbell, Edward F.: Ruth. A New Translation with Introduction, Notes, and Commentary. New York, 1975., S. 116: „Get a good hold on it!“ + „She held it firmly.“ (zu v.15)
ajsechs der Gerste - hier fehlt eine Maßangabe, was bes. auffällig ist, da extra das Verb „abmessen“ verwendet wird. Durch Ausschlussverfahren (geht man beim Efa - wie in Rut 2,17, s. FN ar - vom Gewicht von 6-12 kg aus, ergäben sechs Efa 36-70 kg, was RutDer Name heißt: Erfrischung. zwar tragen, aber sicher nicht in einem Kleidungsstück transportieren können hätte. Auch das Omer scheidet aus, da „Omer“ maskulin, hier „sechs“ aber feminin ist) ist das Sea wahrscheinlich: Ein Sea entspricht dem Drittel eines Efas, also 2-4 kg - mal sechs ergäbe 12-24 kg (so auch wieder Schmidt 2014Schmidt, Peter: Biblical Measures and their Translation. Notes on Translating Biblical Units of Length, Area, Capacity, Weight, Money and Time. online unter: http://goo.gl/o1kSJI, S. 15, so schon TgRut). Übersetze daher am Besten entspr. RutDer Name heißt: Erfrischung. 2,17: „über 10 kg“. (Zurück zu v.15 / zu v.17)
akTextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: er kam zur Stadt (sie kam zur Stadt) - in der Überlieferung finden sich beide Versionen. Die besseren hebräischen Mss, die meisten LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.-Mss, TgRut und RutR haben Boas als Subjekt, einige hebräische und griechische Mss, SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. dagegen RutDer Name heißt: Erfrischung.. Die ursprüngliche Variante ist daher nicht mehr sicher zu erschließen; da zweimaliges, direkt aufeinander folgendes „sie kam“ mit dem selben Subjekt aber unnatürlich wäre, sollte man sich doch für die Boas-Variante entscheiden (vgl. z.B. Barthélemy 1982Barthelemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancien Testament, Tome 4: Psaumes. Fribourg/Göttingen, 1982., S. 133; BHQ). (Zurück zu v.15)
alWie ist es gelaufen, meine Tochter? (Als was/Wie/Was [bist] du, meine Tochter?, Wer bist du - meine Tochter?) - Merkwürdige Frage: W. übersetzt scheint es heißen zu müssen: „Wer bist du, meine Tochter?“ - was keinen Sinn macht, da das „meine Tochter“ dann ja zeigt, dass NoomiDer Name heißt: lieblich. durchaus weiß, mit wem sie da redet. In der Regel wird die Schwierigkeit damit behoben, indem man (1) entweder das „Wer“ als Akkusativ des Zustands deutet (Als wer bist du, meine Tochter?“, so z.B. Rudolph 1962Rudolph, Wilhelm: Das Buch Ruth. Das Hohe Lied. Die Klagelieder. Gütersloh, 1962., S. 57), (2) dem Wort nach dem Ugaritischen die Bedeutung „Wie“ (Wie [bist] du, meine Tochter?“, so z.B. Gray 1967Gray, J.: Joshua, Judges and Ruth. London, 1967., S. 120) oder (3) die Bedeutung „Was“ zuspricht (Was bist du, meine Tochter?“, so z.B. Zakovitch 1999Zakovitch, Yair: Das Buch Rut. Ein jüdischer Kommentar. Mit einem Geleitwort von Erich Zenger. Stuttgart, 1999., S. 148). (1)-(3) soll dann jeweils bedeuten: „Wie stehen die Dinge?“
Anm. d. Üs. (S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm): Ich bin sehr skeptisch. Vgl. zunächst Gen 27,18: „Wer bist du, mein Sohn?“ - Die Frage ist klar eine nach der Identität des Befragten, da Jakob anwortet: „Ich bin Esau, dein Erstgeborener“. So ist die Frage auch an allen anderen Stellen zu verstehen (s. Jos 9,8; 1 Sam 26,14; 2 Sam 1,8; 2 Kön 10,13; Jes 51,12; Sach 4,7; Rut 3,9 (!)). Schon rein statistisch scheint es mir also unwahrscheinlich, dass sie hier eine andere als diese Bedeutung haben sollte. Dazu kommt, dass die i.d.R. angeführten Belegstellen alles andere als eindeutig sind: Zu Ri 13,17 („Wer ist dein Name“) s. Esra 5,4 und vgl. Joüon 1920Joüon, Paul: Études de morphologie hébraïque, in: Bib 1/3, 1920. S. 353-371., S. 365; IBHSWaltke, Bruce K./M. O´Connor: An Introduction to Biblical Hebrew Syntax. Winona Lake, 1990. §18.2d u.ö.: Der „Name“ steht hier - wie oft - für die Person selbst und wird daher mit „Wer“ konstruiert: „Wer ist dein Name?“ = „Wer bist du?“. Mi 1,5 fragt klar nach einem „Wem“, wie aus den antwortenden rhetorischen Fragen ersichtlich ist: „Wer ist der Frevel Jakobs? - Ist das nicht Samarien? Und wer sind die Höhen Judas? - Ist das nicht Jerusalem?“ Am 7,2.5 schließlich ist die Textüberlieferung unsicher: „Wer [d.h. - angeblich: Wie] kann Jakob bestehen - ist es doch so klein!?“ Aber dort wie hier hat keine einzige Version diese angebliche Bedeutung von mi („wer“) erkannt: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und auch einige heb. Mss setzen statt מי יקום (mi jaqum, „wer kann bestehen“) den Text מי יקים (mi jaqim, „wer könnte aufrichten“) voraus: „Wer könnte Jakob [wieder] aufrichten - ist es doch so klein!?“ (und impliziert ist natürlich: „Wer könnte Jakob aufrichten, wenn nicht du, Gott“ - worauf Gott sich jeweils Jakobs erbarmt, s. Vv. 3.6). Ähnlich ist hier die textkritische Lage: SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr. übersetzt wie üblich: „Wer bist du?“ und ergänzt sogar eine Antwort: „Ich bin RutDer Name heißt: Erfrischung.“. Einige LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.-Mss streichen einfach die Frage. Andere LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.-Mss haben ebenfalls „Wer bist du“; wieder andere und dann VLKurz für „Vetus Latina“, die „altlateinische Bibel“. Sammelbezeichnung für die erhaltenen Fragmente lateinischer Bibelübersetzungen vor Hieronymus´ Vulgata aus dem 2. - 4. Jh. haben „Was bist du“, was aber wohl weniger mit einer sonst unbelegten Bedeutung des heb. mi erklärt werden sollte, sondern mit einer alternativen Texttradition, die sich auch im Qumrantext 2Q 16,2 findet: mah attah (Was [bist] du?“) und wohin z.B. Ehrlich 1914Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Band 7: Hohes Lied, Ruth, Klagelieder, Koheleth, Esther, Daniel, Esra, Nehemia, Könige, Chronik, Nachträge und Gesamtregister. Leipzig, 1914. online unter: http://goo.gl/EPyM5D, S. 27 schon MT emendieren wollte. (Zu mah attah hier, in Ri 18,8 und im ugaritschen KRT A, i.38 vgl. Ginsberg 1946Ginsberg, H. L.: The Legend of King Keret: A Canaanite Epic of the Bronze Age. New Haven, 1946., S. 35: „Was ist mit dir?, Wie steht es mit dir?“). Wohl hiervon ausgehend VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: „Was tust du?“. Bei dieser textkritischen Lage aus Am 7,2.5 und unserer Stelle eine sonst ungebräuchliche Verwendung von mi abzuleiten, ist meines Erachtens nicht zulässig; akzeptabler als die obigen drei Erklärungen scheinen mir daher die folgenden Auflösungen zu sein: Gen 27,18: „Wer bist du? Mein Sohn?“ - worauf Jakob antwortet: „Ich bin Esau, dein Erstgeborener“, d.h.: „Ja, ich bin dein erstgeborener Sohn Esau“ (vgl. FN i zu Rut 2,2). Und hier: „Wer bist du? Meine Tochter?“ (so auch CJBComplete Jewish Bible), d.h. „Bist du noch meine Tochter [oder hatte mein Plan Erfolg und du bist nunmehr nicht mehr Machlons Frau, sondern die des Boas, und damit nicht mehr Teil meiner Familie]?“ Ähnlich schon RutR: „Kannte denn NoomiDer Name heißt: lieblich. die Ruth nicht schon? Gewiss, allein sie wollte durch ihre Frage andeuten: Bist du noch ledig oder das Weib eines Mannes?“ (Üs. nach Wünsche 1883Wünsche, August: Bibliotheca Rabbinica 23: Der Midrasch Ruth Rabba. Das ist die haggadische Auslegung des Buches Ruth. Leipzig, 1883. online unter: http://goo.gl/7PTLTv, S. 52). (Zurück zu v.16)
amDass eine derartige Aussage des Boas im Vorfeld nicht berichtet wurde, ist unproblematisch - es entspricht dem hebräischem Erzählstil, wiederzugebende Äußerungen erst bei der Wiedergabe explizit zu machen. S. nur das Jonabuch, wo erst im dritten KapitelEin Teil von einem Buch. offenbar wird, welche Prophezeiung Gott dem Jona eigentlich aufgetragen hat. (Zurück zu v.17)
anZu dieser vgl. v.a. Novick 2011Novick, Tzvi: Wages from God: The Dynamics of a Biblical Metaphor, in: CBQ 73/4, 2011. S. 708-722. online unter: http://goo.gl/UngA4m. (Zurück zum Text: an)
aoVgl. Frevel 1992Frevel, Christian: Das Buch Rut. Stuttgart, 1992., S. 79 (Zurück zum Text: ao)
apVgl. Collins 1993Collins, C. John: Ambiguity and Theology in Ruth. Ruth 1:21 and 2:20, in: Presbyterion 19/2, 1993. S. 97-102. online unter: http://goo.gl/BAjb3l, S. 100; Halton 2012Halton, Charles: An Indecent Proposal: The Theological Core of the Book of Ruth, in: SJOT 26/1, 2012. S. 30-43., S. 37; Thompson 1993Thompson, Michael E. W.: New Life Amid the Alien Corn: The Book of Ruth, in: EQ 65/3, 1993. S. 197-210. online unter: http://goo.gl/yL4QeG, S. 210 (Zurück zum Text: ap)
aqVgl. Gordis 1974Gordis, Robert: Love, Marriage, and Business in the Book of Ruth: A Chapter in Hebrew Customary Law, in: H. Bream u.a.: A Light unto My Path: Old Testament Studies in Honor of Jacob M. Myers. Philadelphia, 1974., S. 241 (Zurück zum Text: aq)
arVgl. z.B. Landy 1994Landy, Francis: Ruth and the Romance of Realism, or Deconstructing History, in: JAAR 62/2, 1994. S. 285-317., S. 297 (Zurück zum Text: ar)
asVgl. Köhlmoos 2010Köhlmoos, Melanie: Ruth. Göttingen, 2010., S. 63 (Zurück zum Text: as)