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''(A) Das Haus Israel (B) ist gefallen,'' | |||
: ''(C) Es kann nicht wieder aufstehen,'' | |||
''(A') Das Mädchen Israels (B') wurde auf seinen Boden geworfen,'' | |||
: ''(C') Es gibt keinen, der sie aufrichtet.''</ref> | |||
{{S|2}} ‚Es ist gefallen,<ref>''gefallen'' - und liegt nun im Sterben, daher hier als Einleitung der (etwas voreiligen) Leichenklage.</ref> es kann nicht wieder aufstehen | |||
_Das Mädchen Israels,<ref>''Mädchen Israels'' - Ein weiteres Idiom; ebenso in [[Jeremia 18#s13 |Jer 18,13]]; [[Jeremia 31#s4 |31,4]].[[Jeremia 31#s21 |21]]. Gemeint ist nicht ganz Israel, wie die übliche Üs. „Jungfrau Israel“ nahelegt, sondern Samaria, die Hauptstadt Israels. Im ganzen Alten Orient verbreitet war nämlich das Bild von Hauptstädten als Frauen, die in besonders engem Verhältnis zu einer männlichen Gottheit standen. So bes. ausführlich z.B. in [[Jesaja 47 |Jes 47]], wo Babylon nacheinander als „Tochter“, „Mutter“ und „Witwe“ (im Gegensatz zu „Braut“, s. z.B. [[Jesaja 62#s3 |Jes 62,3f.]]) dargestellt wird. Heb. ''betulah'' ist nicht eigentlich die „Jungfrau“, s. [[Joel 1#s8 |Joel 1,8]], wo eine ''Witwe'' als ''betulah'' bezeichnet wird. ''betulah'' (von ''btl'' „trennen, absondern“) ist stattdessen wahrscheinlich das regelmäßig im Haus ihres Vaters von anderen Männern abgesonderte ''Mädchen''. I.d.R. ist es daher schon eine Jungfrau, in der Wortbedeutung liegt es aber nicht. Wird an dieser und den drei Jeremia-Stellen oben also Samaria und sonst häufig Zion (=Jerusalem) als ''betulah'' bezeichnet, soll Samaria / Jerusalem damit wahrscheinlich dargestellt werden als von Gott besonders ''behütete'' Stadt (s. zur Stelle bes. Schmitt 1991, S. 386f.), und dies hier und in [[Jeremia 18#s13 |Jer 18,13]] deshalb, weil gerade gesagt werden soll, dass dieses Behütet-Sein von Gott nun nicht mehr gilt.</ref> | |||
Es ist hingestreckt auf seinen Boden, | |||
_Es gibt keinen, der es aufrichtet (aufrichten könnte)!‘“</poem> | |||
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_Wird hundert übrigbehalten, | |||
Und die auszieht zu hundert (als Hundertschaft) | |||
_Wird zehn übrigbehalten für das Haus Israel.“</poem> | |||
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{{S|25}} Habt ihr mir vierzig Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speiseopfer dargebracht, Haus Israel? | {{S|25}} Habt ihr mir vierzig Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speiseopfer dargebracht, Haus Israel? | ||
{{S|26}} Und habt ihr den Sikkut und Kiun getragen, eure Götzenbilder, den Stern eurer Götter, die ihr euch gemacht habt? | {{S|26}} Und habt ihr den Sikkut und Kiun getragen, eure Götzenbilder, den Stern eurer Götter, die ihr euch gemacht habt? | ||
{{S|27}} So werde ich euch über Damaskus hinaus gefangen wegführen, spricht JHWH, Gott der Heerscharen ist sein Name. | {{S|27}} So werde ich euch über Damaskus hinaus gefangen wegführen, spricht JHWH, Gott der Heerscharen ist sein Name.</poem> | ||
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Version vom 2. August 2021, 16:04 Uhr
Syntax ungeprüft


Anmerkungen
Studienfassung (Amos 5)
1 „Hört dieses Wort,
Das ich〈a〉 anhebe über euch [als] Totenklage,〈b〉 Haus Israel:〈c〉
2 ‚Es ist gefallen,〈d〉 es kann nicht wieder aufstehen
Das Mädchen Israels,〈e〉
Es ist hingestreckt auf seinen Boden,
Es gibt keinen, der es aufrichtet (aufrichten könnte)!‘“
3 Denn (Fürwahr) so spricht der Herr JHWH:
„Die Stadt, die auszieht〈f〉 zu tausend (als Tausendschaft)
Wird hundert übrigbehalten,
Und die auszieht zu hundert (als Hundertschaft)
Wird zehn übrigbehalten für das Haus Israel.“
4 Denn so spricht JHWH zum Haus Israel: Sucht mich, dann werdet ihr leben.
5 Und sucht nicht Bet-El〈g〉 auf und geht nicht nach Gilgal〈h〉 und geht nicht hinüber nach Beerscheba〈i〉. Denn Gilgal〈h〉 wird ganz bestimmt gefangen wegziehen und das Haus Gottes (Bet-El)〈g〉 wird zum Haus des Betrugs.
6 Sucht JHWH, dann werdet ihr leben, damit er nicht das Haus Josef [wie] Feuer wirkt, das frisst und für Bet-El niemand da ist, der löscht.
7 Die Recht in Wermut verwandeln und Gerechtigkeit zu Boden werfen.
<poem>
8 Der Plejaden-und-Orion-Macher,〈j〉
Der zum-Morgen-die-Dunkelheit-Umstürzer
Und der[, der] den Tag zur Nacht verdunkelt (verdunkelte),
Der Meereswasser-Rufer,
[Der] sie [dann] ausgießt auf die Oberfläche der Erde:
JHWH ist sein Name!
9 Der über dem Starken (Mächtigen) Verwüstung (Zerstörung) aufblitzen lässt
Und Verwüstung (Zerstörung) kommt über die Festung (befestigte Stadt).
10 Sie hassen den, der im Tor Recht spricht und verabscheuen den, der aufrichtig (untadelig) redet. 11 12 13 Darum wird der Kluge (Einsichtige) zu dieser Zeit schweigen, denn diese Zeit ist böse (schlecht). 14 Sucht das Gute und nicht das Böse, damit ihr lebt! Und JHWH, der Gott der Heerscharen, wird so mit euch sein, wie er sagt. 15 Hasst das Böse und liebt das Gute und richtet das Recht auf im Tor! Vielleicht wird JHWH, der Gott der Heerscharen, dem Überrest Josefs gnädig sein! 16 17Und in allen Weinbergen ist Trauer (Wehklagen), denn ich werde durch deine Mitte schreiten, spricht JHWH. 18 Wehe denen, die den Tag JHWHs herbeiwünschen! Wozu soll denn der Tag JHWHs sein? Er wird Finsternis sein und nicht Licht. 19 20 Ist nicht der Tag JHWHs Finsternis (Dunkelheit) und nicht Licht? Dunkelheit, nicht Helligkeit (Glanz, Tageslicht) ist er.〈k〉 21 Ich hasse, ich verwerfe eure Feste, und eure Festversammlungen kann ich nicht riechen. 22 Denn wenn ihr mir Brandopfer opfert, missfallen sie mir, und an euren Speiseopfern habe ich keinen Gefallen, und das Heilsopfer von einem Mastvieh will ich nicht ansehen. 23 Halte den Lärm deiner Lieder von mir fern! Und das Spiel deiner Harfen will ich nicht hören! 24 Aber Recht ergieße sich wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein immerfließender Bach! 25 Habt ihr mir vierzig Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speiseopfer dargebracht, Haus Israel? 26 Und habt ihr den Sikkut und Kiun getragen, eure Götzenbilder, den Stern eurer Götter, die ihr euch gemacht habt? 27 So werde ich euch über Damaskus hinaus gefangen wegführen, spricht JHWH, Gott der Heerscharen ist sein Name.</poem>
Anmerkungen
| a | Ich ist wahrscheinlich JHWH, nicht Amos: Am 5,1 beginnt wie wie die beiden vorangehenden Kapitel mit „Hört dieses Wort...“. Beide Male wird dadurch ein Ausspruch JHWHs eingeleitet (Am 3,1: „Hört dieses Wort, das JHWH über euch redet...“; Am 4,1f.: „Hört dieses Wort...: Es schwört der Herr JHWH bei seiner Heiligkeit: ...“). Weil in Am 5,1 anders als dort kein Sprecher des wiedergegebenen Ausspruchs in V. 2 identifiziert wird, halten die meisten Am 5,1f. für die Rede des Amos, so dass Am 5,1f. aus dem Muster von Am 3,1 und Am 4,1 fallen würde (z.B. Fleischer 1989, S. 95: „Wäre der Sprecher von V 1 JHWH, so würde man vor dem Höraufruf eine einleitende Botenspruchformel erwarten. Daß erst V 3 mit einer solchen eingeleitet wird, kann zumindest als schwaches Indiz dafür gewertet werden, daß der Verfasser dieses Verses die VV 1-2 nicht als Gottesrede verstanden hat. Damit entsteht aber eine Spannung zwischen dem dbr des Höraufrufs in Am 3,1 und 4,1 und demjenigen in Am 5,1, der auf eine Prophetenwort hinweist.“). Nun folgt aber Am 5,1 direkt auf Am 4,13 (man bedenke hier auch, dass die Aufteilung der hebräischen Bibel in Kapitel erst im 15. Jahrhundert geschah. Ursprünglich ist die Bibel nicht in Kapitel gegliedert, sondern in Abschnitte, die mal enger mit den vorangehenden und/oder folgenden Abschnitten zusammenhängen, mal loser), wo davon die Rede war, dass Gott „dem Menschen seine Klage kündet“ (s. dort); und dies zusammen mit der üblichen Verwendung von „Hört dieses Wort“ macht doch sehr wahrscheinlich, dass hier und im Folgenden JHWH spricht. LXX ergänzt daher sogar „das Wort [des Herrn]“. (Zurück zu v.1) |
| b | Totenklage: Kultischer Volksbrauch im Alten Israel: Starb ein:e Israelit:in, stimmte man eine Totenklage auf den/die Verstorbene:n an (s. z.B. 2 Sam 1,17ff.; 3,33f. zu zwei Totenklagen Davids). Gelegentlich war diese Totenklage auch Aufgabe besonderer Spezialist:innen (s. z.B. Jer 9,16f.19f.; Ez 32,16), von denen in diesem Kapitel auch in V. 16 die Rede sein wird. S. dazu näher Totenklage (AT) (WiBiLex). (Zurück zu v.1) |
| c | Haus Israel - Biblisches Idiom. Weil Kernfamilien i.d.R. zusammen in einem Haus lebten, konnte man „Haus“ auch als Wechselbegriff für „Familie“ verwenden. Diese Verwendung von „Haus“ ließ sich auch ausweiten, so dass „Haus“ auch stehen konnte für die erweiterte Familie (die „Sippe“) und am Ende sogar für ein ganzes Volk, das sich als Nachkommenschaft eines Stammvaters wie hier Israels (=Jakobs, s. Gen 32,29) verstand. Textkritik: Der Vokativ klappt ungewöhnlich nach; normalerweise würde man ihn am Beginn der Zeile erwarten. LXX und VUL verbinden u.a. deshalb diese Worte mit dem folgenden Vers (wieder: man bedenke hier auch, dass die schriftliche Einteilung hebräischer Texte in Verse frühestens im 8. Jahrhundert geschah). Das ist grammatisch nicht möglich, da „Haus Israel“ maskulin, die folgenden Verbformen dagegen feminin sind; der sich dadurch ergebende V. 2' ist aber so klar gegliedert, dass auch deshalb leicht einsehbar ist, warum LXX und VUL den Text dennoch so aufgefasst haben: (A) Das Haus Israel (B) ist gefallen,
(A') Das Mädchen Israels (B') wurde auf seinen Boden geworfen,
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| d | gefallen - und liegt nun im Sterben, daher hier als Einleitung der (etwas voreiligen) Leichenklage. (Zurück zu v.2) |
| e | Mädchen Israels - Ein weiteres Idiom; ebenso in Jer 18,13; 31,4.21. Gemeint ist nicht ganz Israel, wie die übliche Üs. „Jungfrau Israel“ nahelegt, sondern Samaria, die Hauptstadt Israels. Im ganzen Alten Orient verbreitet war nämlich das Bild von Hauptstädten als Frauen, die in besonders engem Verhältnis zu einer männlichen Gottheit standen. So bes. ausführlich z.B. in Jes 47, wo Babylon nacheinander als „Tochter“, „Mutter“ und „Witwe“ (im Gegensatz zu „Braut“, s. z.B. Jes 62,3f.) dargestellt wird. Heb. betulah ist nicht eigentlich die „Jungfrau“, s. Joel 1,8, wo eine Witwe als betulah bezeichnet wird. betulah (von btl „trennen, absondern“) ist stattdessen wahrscheinlich das regelmäßig im Haus ihres Vaters von anderen Männern abgesonderte Mädchen. I.d.R. ist es daher schon eine Jungfrau, in der Wortbedeutung liegt es aber nicht. Wird an dieser und den drei Jeremia-Stellen oben also Samaria und sonst häufig Zion (=Jerusalem) als betulah bezeichnet, soll Samaria / Jerusalem damit wahrscheinlich dargestellt werden als von Gott besonders behütete Stadt (s. zur Stelle bes. Schmitt 1991, S. 386f.), und dies hier und in Jer 18,13 deshalb, weil gerade gesagt werden soll, dass dieses Behütet-Sein von Gott nun nicht mehr gilt. (Zurück zu v.2) |
| f | auszieht - Gemeint ist der militärische Auszug, s. Gen 4,16; Dtn 20,1; 1 Sam 8,20 u.ö. Dazu passen die Zahlen; Israels Armee war organisiert in „Tausendschaften“ und „Hundertschaften“, s. bes. 1 Sam 22,7; 2 Sam 18,1; auch 1 Sam 17,18; 18,13. Gut daher Wolff: „als Tausendschaft“ und „als Hundertschaft“; gut auch BB („Ziehen aus einer Stadt 1000 Männer in den Krieg...“); LUT („Die Stadt, aus der tausend zum Kampf ausziehen...“); ZÜR („Die Stadt, die ausrückt mit tausend...“) u.a. (Zurück zu v.3) |
| g | „Haus Gottes“. So wird das Wortspiel in diesem Vers möglich. (zu v.5) |
| h | Als wörtl. wäre hier „Stein-Kreis“ oder „umzingelt von Steinen“ möglich. (zu v.5) |
| i | Wörtl. Brunnen der Sieben (Schwüre), vgl. Gen 21,22-34. (Zurück zu v.5) |
| j | Plejaden und Orion, im Heb. w. „der Haufen“ und „der Narr“, sind zwei benachbarte Sternbilder. Besonders die Plejaden, ein sehr heller Sternhaufen (daher eben heb. kimah, „Haufen“) aus sieben Sternen, waren im Alten Israel mit dem Regen und den Gezeiten assoziiert. Nach ältester Vorstellung führten sie wohl Regen und Flut ähnlich herbei, wie in Ägypten der Stern Sirius die Nilschwemme herbeiführte, und wurden daher noch lange als Götter verehrt (s. bes. 2 Kön 23,5). In Ri 5,21 ist daher das starke Strömen des Kischon wahrscheinlich nicht etwa unabhängig vom „Kampf der Sterne“ mit Sisera in Ri 5,20, sondern gerade die Waffe der Sterne. Später wandelte sich die Vorstellung dann dahin, dass Gott sich der Sterne als Instrumenten bediente, um Einfluss auf Regen und Gezeiten zu nehmen; daher beginnt eben hier der Vers mit der Rede von den Plejaden und dem Orion und endet mit der Rede von Ebbe und Regen; ebenso steht in Ijob 38,25-35 ein kurzer Abschnitt über die Sterne zwischen zwei Abschnitten über Witterung und Gezeiten. Zu weiteren Stellen in rabbinischen Schriften s. gleich. Die Identität des „Narren“ als Orion ist leicht umstritten; Dalman in AuS I, S. 486-489 und z.B. auch Koch 1973, S. 518f. halten ihn stattdessen für den Sirius. Ihre Gründe sind gut, die Identität des „Narren“ ist aber fast sicher (vgl. dazu z.B. den entsprechenden Abschnitt in Sterne / Sternbilder / Sterndeutung (WiBiLex)). Genauer: Wann sich Sternbilder wo zeigen, hängt vom Ort der Himmelsbeobachtung und von der Jahreszeit ab; im Alten Orient dienten die Sterne daher als Zeitmesser und galten als Einflüsse auf die jahreszeitentypischen Witterungsverhältnisse. Neben dem Zeitraum, während dem ein Sternbild gar nicht zu sehen war, weil es zeitgleich mit der Sonne am Himmel stand, schenkte man v.a. in alten ägyptischen und sumerischen Texten besonders drei Zeitpunkten besondere Aufmerksamkeit: (1) Dem Zeitpunkt des „Aufgangs“ eines Sternbildes – dem Zeitpunkt also, an dem sich das Sternbild das erste Mal im Jahr wieder kurz am Morgen am Himmel zeigt, bevor die Sonne aufgeht (der sog. „heliakische Aufgang“), (2) dem Zeitpunkt, zu dem das erste Mal das Sternbild bereits mit Sonnenuntergang sichtbar ist („akronychischer Aufgang“), und schließlich (3) einem zwischen (1) und (2) liegenden Zeitpunkt, zu dem dieses Sternbild beim Sonnenuntergang „im Zenit“ steht („akronychische Kulmination“). Mit dem Heliacal Rising Simulator der Uni Nebraska lassen sich diese Daten für das heutige Israel komfortabel berechnen, wegen der Präzession der Erde muss man für die Verfassungszeit des Amosbuches aber wahrscheinlich etwa einen Monat abziehen (vgl. zum Phänomen schön verständlich Puls 1998). Danach wären die Plejaden zur Abfassungszeit des Amosbuches nur im April fast gar nicht zu sehen gewesen, weil sie zeitgleich mit der Sonne am Himmel standen. Um den 18. April zeigten sie sich das erste Mal kurz am Morgenhimmel, bevor die Sonne aufging (1), und dieser Zeitpunkt des Aufgangs der Plejaden rückte dann jeden Tag um vier Minuten nach vorne, bis sie Ende September schon mit Einbruch der Abenddämmerung sichtbar waren, dann die ganze Nacht hindurch am Himmel standen und erst nach 8 Uhr und damit nach Sonnenaufgang für das menschliche Auge unsichtbar untergingen (2). Anfang Januar standen sie außerdem zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs im Zenit (3). Beim Orion liegen diese Zeitpunkte alle etwa 1,5 Monate später; sicher schon mal nicht korrekt ist daher, was in manchen Kommentaren und Aufsätzen zu lesen ist – dass die Plejaden den Winter und der Orion den Sommer signalisieren / herbeiführen. Weil in Israel die für den Ackerbau wichtige Regenzeit gegen Ende September/Anfang Oktober und damit etwa zeitgleich mit dem akronychischen Aufgang der Plejaden einsetzte, wurden die Plejaden zum Signal für den Beginn der Regenzeit. In b.RH 11b-12a wird daher die Regenzeit vom Stand der Plejaden her bestimmt: „Rabbi Yehoschua sagte: ‚[Die Flut geschah] am siebzehnten Ijjar, einem Tag, an dem die Plejaden am Tag untergehen und die Quellen beginnen, weniger Wasser zu geben [, also in der Dürreperiode vor September].‘ Rabbi Eliezer [widersprach]: ‚Sie geschah am siebzehnten Marcheschvan, einem Tag, an dem die Plejaden am Tag aufgehen und die Quellen daher gerade aufgefüllt werden [also in der Regenperiode].‘“ Beide stimmen aber darin überein, dass Gott die Flut herbeigeführt habe, indem er Einfluss auf die Plejaden ausgeübt haben; ebenso b.Ber 59a: „Als der Heilige, gelobt sei er, die Flut über die Welt bringen wollte, nahm er zwei Sterne der Plejaden und brachte die Flut über die Welt.“ (vgl. zu diesen Stellen gut auch Robbins 1999. Wie sie auf ihre Daten auf S. 339 kommt, legt sie leider nicht offen). Vgl. schließlich JosAnt 13.8.2, wo Josephus von Regenfällen berichtet, die „[erst] mit dem Untergang der Plejaden einsetzten“, weshalb der belagerte Hyrcanus Durst leiden musste. Gemeint ist wahrscheinlich, dass dieses Jahr ein Dürrejahr war, und erst ein Frühlingsregen im April den Belagerten Erleichterung brachte – doch selbst dies wird an den Lauf der Plejaden gekoppelt. Verwandt hiermit ist, dass die akronychische Kulmination der Plejaden Anfang Januar zum Signal des Endes der Pflanzzeit und des Beginns der Zeit des Wachsens der Pflanzen wurde (zu den Aussaatzeiten der wichtigsten Feldfrüchte vgl. die Tabelle in Ackerbau (WiBiLex)). Vgl. b.BM 106b: „Bis wann [geht die Pflanz-Zeit]? Rabbi Pappa sagte: Bis der Bauer vom Feld kommt und die Plejaden [dann] über seinem Kopf scheinen [also zum Zeitpunkt ihrer akronychischen Kulmination Anfang Januar].“ Ähnlich verwandt ist wohl auch Midrasch BerR x 6: „Rabbi Simon sagte: ‚Es gibt kein einziges Kraut oder Gewürz ohne ein eigenes Sternbild, das es anreizt und ihm zu wachsen befiehlt.‘ [...] Rabbi Chanina bar Pappa und Rabbi Simon [deuteten Ijob 38,31]: ‚Die Plejaden reizen die Früchte auf[, regen also ihr Wachstum an].‘“ – was letztlich wohl naturwissenschaftlich gesehen nur heißt, dass sie ab dem Zeitpunkt der Plejaden-Kulmination im Januar und bis zu ihrem Untergang im April am schnellsten wachsen. (Zurück zu v.8) |
| k | „ist er“ ist eine Umschreibung für לוׄ, wörtlich „zu ihm“, „ihm zueigen“. (Zurück zu v.20) |