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{{S|3}} Zu den (über die, was ... angeht) Heiligen,<ref name="Heilige">''Heilige'' + ''die Herrlichen'' - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. [[Exodus 19#s6 |Ex 19,6]]; [[Deuteronomium 33#s3 |Dtn 33,3]]; [[Daniel 7#s21 |Dan 7,21]].25; [[Psalm 34#s10 |Ps 34,10]]. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die ''Israeliten'' JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. ''würdige und mächtige'' Menschen bezeichnet (s. [[Richter 5#s13 |Ri 5,13]]: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); [[2Chroniken 23#s20 |2 Chr 23,20]]: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; [[Psalm 136#s18 |Ps 136,18]]: „herrliche Könige“); und ''herrlich'' sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ ''qua'' „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.<br />Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an [[Palm 89#s6 |Ps 89,6-8]]; auch [[Deuteronomium 33#s2 |Dtn 33,2f.]]; [[Daniel 4#s5 |Dan 4,5f.]].10.14f.20; [[Ijob 5#s1 |Ijob 5,1]]; [[Ijob 15#s15 |15,15]]; [[Sacharja 14#s5 |Sach 14,5]], wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.<br />Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.).</ref> die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,<ref>'''tFN''': ''Diese,'' - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in [[Genesis 9#s3 |Gen 9,3]]; [[Numeri 9#s13 |Num 9,13]]; [[Numeri 35#s31 |35,31]]; [[Rut 4#s15 |Rut 4,15]]; [[Kohelet 4#s2 |Pred 4,2]]), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. [[Genesis 17#s12 |Gen 17,12]]; [[Numeri 17#s5 |Num 17,5]]; [[Deuteronomium 17#s15 |Dtn 17,15]]; [[Deuteronomium 20#s15 |20,15]]; [[1Könige 9#s20 |1 Kön 9,20]]; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass ''hemmah'' ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das ''Waw'' („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein ''Waw explicativum'' („Diese, ''d.h.'' die Herrlichen“).</ref> die (meine) Herrlichen:<ref name="Heilige" /> | {{S|3}} Zu den (über die, was ... angeht) Heiligen,<ref name="Heilige">''Heilige'' + ''die Herrlichen'' - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. [[Exodus 19#s6 |Ex 19,6]]; [[Deuteronomium 33#s3 |Dtn 33,3]]; [[Daniel 7#s21 |Dan 7,21]].25; [[Psalm 34#s10 |Ps 34,10]]. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die ''Israeliten'' JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. ''würdige und mächtige'' Menschen bezeichnet (s. [[Richter 5#s13 |Ri 5,13]]: Die „Edlen des Volkes“ (//Helden); [[2Chroniken 23#s20 |2 Chr 23,20]]: „Die Obersten und die Herrlichen und die Führenden“; [[Psalm 136#s18 |Ps 136,18]]: „herrliche Könige“); und ''herrlich'' sind sie wohl im Gegensatz zu „weltlichen Herrlichen“ ''qua'' „Heiligkeit“: Sie sind keine irdischen Würdenträger, sondern würdig durch ihr Verhältnis zu Gott: Weil JHWH sie „würdigt“.<br />Sehr verbreitet ist aber auch das Verständnis dieser „herrlichen Heiligen“ als pagane Götter; man orientiert sich dabei an [[Palm 89#s6 |Ps 89,6-8]]; auch [[Deuteronomium 33#s2 |Dtn 33,2f.]]; [[Daniel 4#s5 |Dan 4,5f.]].10.14f.20; [[Ijob 5#s1 |Ijob 5,1]]; [[Ijob 15#s15 |15,15]]; [[Sacharja 14#s5 |Sach 14,5]], wo aber meist vom himmlischen Hofstaat JHWHs die Rede ist.<br />Gut Luther: „Aber zu denen will ich mich halten, die heilig und herrlich im Geist sind, wenn auch verachtet vor der Welt un vor jenen. Zu ihnen steht mein Wille, meine Sehnsucht. [...] Heilig ist, wie wir schon früher ausgeführt haben, das, was beiseit getan, verborgen und allein vor Gottes Augen vorhanden ist. Was heutzutage an Häusern, Kleidern und Klerus von den Päpsten heilig genannt wird, ist ein Profan-heiliges, womit man die Leute betrügt. Heilig aber, d.h. durch die Salbung des heiligen Geistes geheiligt, [... ist] überhaupt kein Mensch, außer wenn er durch den Glauben Gott anhangt [...].“ (Luther 1959, S. 213f.).</ref> die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,<ref>'''tFN''': ''Diese,'' - W. übersetzt lauten die einzelnen Bestandteile dieser Zeile: „Zu den Heiligen (Was die Heiligen angeht) die im Land diese und die Herrlichen, ...“. Die meisten Üss. ziehen das „diese“ mit der masoretischen Akzentuierung zum ersten Satz und teilen auf: „Die Heiligen, die im Land sind diese“ und „und die Herrlichen“. „Diese“ wäre dann ein sog. „resumptives Pronomen“ (wie in [[Genesis 9#s3 |Gen 9,3]]; [[Numeri 9#s13 |Num 9,13]]; [[Numeri 35#s31 |35,31]]; [[Rut 4#s15 |Rut 4,15]]; [[Kohelet 4#s2 |Pred 4,2]]), das im Deutschen unübersetzt bleiben könnte. An dieser Satzposition stehen solche resumptiven Pronomen aber nur in negierten Sätzen (s. [[Genesis 17#s12 |Gen 17,12]]; [[Numeri 17#s5 |Num 17,5]]; [[Deuteronomium 17#s15 |Dtn 17,15]]; [[Deuteronomium 20#s15 |20,15]]; [[1Könige 9#s20 |1 Kön 9,20]]; vgl. JM §158g). Allenfalls müsste man mit Peels 2000, S. 246 davon ausgehen, dass V. 3 bewusst als Gegen-Satz zu V. 2 formuliert ist und dies zusätzlich damit markiert werden soll, dass ''hemmah'' ungrammatisch gesetzt wird; andernfalls ist diese Auflösung nicht möglich – daher entgegen der masoret. Akzentuierung besser wie oben. Das ''Waw'' („und“) vor den „Herrlichen“ ist dann keine Konjunktion („und“), sondern ein ''Waw explicativum'' („Diese, ''d.h.'' die Herrlichen“).</ref> die (meine) Herrlichen:<ref name="Heilige" /> | ||
_Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“<ref>Man beachte, wie sowohl in der Anrede an Gott als auch in der Anrede an die Heiligen drei Worte auf den Angesprochenen verweisen: Zu ''JHWH'': „Mein ''Herr'' bist ''du'', / mein Wohlergehen ist nicht außer durch ''dich'''“; zu den ''Heiligen'': „''Diese'', die ''Herrlichen'', all mein Wohgefallen richtet sich auf ''sie''.“</ref> | _Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“<ref>Man beachte, wie sowohl in der Anrede an Gott als auch in der Anrede an die Heiligen drei Worte auf den Angesprochenen verweisen: Zu ''JHWH'': „Mein ''Herr'' bist ''du'', / mein Wohlergehen ist nicht außer durch ''dich'''“; zu den ''Heiligen'': „''Diese'', die ''Herrlichen'', all mein Wohgefallen richtet sich auf ''sie''.“</ref> | ||
{{S|4}} Es vermehren | {{S|4}} Es sollen (werden) sich vermehren die Schmerzen<ref>''Es sollen sich vermehren die Schmerzen'' - nämlich so, wie Calvin gut erklärt: „Ungläubige, die falschen Göttern Geschenke opfern, verlieren nicht nur, was sie dafür ausgegeben haben, sondern laden auch noch Leid um Leid auf sich, weil es letzten Endes schlimm und ruinös für sie ausgehen wird.“ (Calvin 1845, S. 222)</ref> (Götzenbilder) derer (es vermehren sich ihre Schmerzen die), die einem anderen (die anderen) nacheilen (?, umwerben?),<ref>''nacheilen (?, umwerben?)'' - Textkritisch schwierige Stelle, s. den [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4]. Beide häufig gewählte Alternativen sind problematisch; in die LF sollte es daher am besten unauffällig und freier übertragen werden, z.B. durch „die anderen Göttern huldigen“ (HER05), „die anderen Göttern dienen“ (ALB) o.Ä., denn dies ist hier sicher gemeint.</ref> | ||
_Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen (ihre Libationen mit [meiner] Hand),<ref>''Blutlibationen'' (zur Alternative s. den [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4]) sind im Alten Orient zwar selten, aber sicher belegt und waren nicht ''per se'' schlecht. Gemeint ist eine Opfer-„gattung“, bei der eine Flüssigkeit (häufig: vor einem oder auf einen Altar) als Opfergabe für eine Gottheit ausgegossen wurde. Für das alte Israel vgl. [[Exodus 29#s12 |Ex 29,12]]; [[Levitikus 4#s7 |Lev 4,7]].18.25.30.34; [[Deuteronomium 12#s27 |Dtn 12,27]]; auch [[Jesaja 66#s3 |Jes 66,3]] setzt voraus, dass man auch „gutes“ Blut opfern konnte (z.B. Lammblut), ebenso [[Hebräer 10#s4 |Heb 10,4.10]]. Auch die Hethiter kannten Blutopfer: „Vor dem Altar [...] libiert er das Blut [der Schafe]“ (KUB 10, 11, 5-7, ''apud'' Liess 2004, S. 149); ebenso die Babylonier, etwa im Etana-Mythos: „Etana flehte täglich zu Schamasch: ‚Du hast verspeist, o Schamasch, das Fett meines Schafs, die Erde trank das Blut meines Lamms! Die Götter habe ich geehrt, die Geister respektiert.‘“ (COS 1.131,131-134).</ref> | _Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen (ihre Libationen mit [meiner] Hand),<ref>''Blutlibationen'' (zur Alternative s. den [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4]) sind im Alten Orient zwar selten, aber sicher belegt und waren nicht ''per se'' schlecht. Gemeint ist eine Opfer-„gattung“, bei der eine Flüssigkeit (häufig: vor einem oder auf einen Altar) als Opfergabe für eine Gottheit ausgegossen wurde. Für das alte Israel vgl. [[Exodus 29#s12 |Ex 29,12]]; [[Levitikus 4#s7 |Lev 4,7]].18.25.30.34; [[Deuteronomium 12#s27 |Dtn 12,27]]; auch [[Jesaja 66#s3 |Jes 66,3]] setzt voraus, dass man auch „gutes“ Blut opfern konnte (z.B. Lammblut), ebenso [[Hebräer 10#s4 |Heb 10,4.10]]. Auch die Hethiter kannten Blutopfer: „Vor dem Altar [...] libiert er das Blut [der Schafe]“ (KUB 10, 11, 5-7, ''apud'' Liess 2004, S. 149); ebenso die Babylonier, etwa im Etana-Mythos: „Etana flehte täglich zu Schamasch: ‚Du hast verspeist, o Schamasch, das Fett meines Schafs, die Erde trank das Blut meines Lamms! Die Götter habe ich geehrt, die Geister respektiert.‘“ (COS 1.131,131-134).</ref> | ||
_Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!<ref>Also nicht einmal ihre Namen aussprechen.</ref></poem> | _Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!<ref>Also nicht einmal ihre Namen aussprechen.</ref></poem> | ||
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{{S|5}} JHWH [ist] das Teil meiner Zuteilung und meines Bechers, | {{S|5}} JHWH [ist] das Teil meiner Zuteilung und meines Bechers, | ||
_Zieher meines Lossteins (Erhalter meines Loses).<ref>''Teil, Zuteilung, Becher, Losstein'' - Vier Begriffe, von denen jeder für sich schon für das ''Schicksal'' eines Menschen stehen kann (zur Becher-metapher s. noch [[Psalm 11#s6 |Ps 11,6]]; [[Ezechiel 23#s31 |Ez 23,31-33]]; [[Habakuk 2#s16 |Hab 2,16]]; [[Markus 10#s38 |Mk 10,38]]; [[Markus 14#s36 |14,36]]; wohl auch [[Psalm 23#s5 |Ps 23,5]].). Die sehr redundante Fügung „Teil meines Anteils“ findet sich denn auch sonst nicht mehr in der Bibel. Der heb. Text ist sogar noch redundanter als der dt., weil hier einige dt. Worte nur als Suffixe realisiert sind. In Zeile 1 stehen neben „JHWH“ nur drei „schicksalhafte“ Worte: „JHWH ''Teil'' meines-''Anteils'' meines-''Bechers''“; ähnlich Zeile 2: „Zieher meines-''Lossteins''“. Drei dieser Begriffe („Teil“, „Anteil“ und „Losstein“) stehen häufig außerdem speziell für das Land, dass nach atl. Vorstellung durch das Schicksal jmds Eigen geworden ist (vgl. [[Josua 13 |Jos 13]] und [[Josua 14#s2 |Jos 14,2]]!; z.B. auch [[Richter 18#s1 |Ri 18,1]]). Dies schwingt auch hier mindestens mit, wie V. 6 deutlich macht (vgl. auch die deutliche Parallele in [[Deuteronomium 32#s9 |Dtn 32,9]]), könnte aber auch rein metaphorisch sein, wie es z.B. NGÜ versteht: „Was du mir für mein Leben geschenkt hast, ist wie ein fruchtbares Stück Land, das mich glücklich macht.“<br />''Zieher meines Lossteins'' ist w. „Halter meines Lossteins“; „der, der meinen Losstein hält“ (mit fast allen Exegeten vokalisiert als ''tomech'' statt ''tomich''). Der Losstein hat seinen Platz in der Mantik, also der Disziplin, mit diversen Hilfsmitteln das Schicksal eines Menschen oder den Willen von Göttern zu erfragen – hier also mithilfe von Steinchen. Dass JHWH das Los des Beters „hält“, meint also wohl, dass er es wirft (R-S: „Du wirfst mein Los“) – und dabei sozusagen mogelt, weil durch das Losewerfen ja ohnehin der Wille Gottes herauskommen wird –, dass er also das Geschick des Beters ''lenkt'' (ZÜR31: „Du lenkst mein Geschick“) und zugleich „erhält“, was ihm durch dieses Los beschieden wird (Houston/Waltke 2010, S. 331). Schön FENZ: | _Zieher meines Lossteins (Erhalter meines Loses).<ref>''Teil, Zuteilung, Becher, Losstein'' - Vier Begriffe, von denen jeder für sich schon für das ''Schicksal'' eines Menschen stehen kann (zur Becher-metapher s. noch [[Psalm 11#s6 |Ps 11,6]]; [[Ezechiel 23#s31 |Ez 23,31-33]]; [[Habakuk 2#s16 |Hab 2,16]]; [[Markus 10#s38 |Mk 10,38]]; [[Markus 14#s36 |14,36]]; wohl auch [[Psalm 23#s5 |Ps 23,5]].). Die sehr redundante Fügung „Teil meines Anteils“ findet sich denn auch sonst nicht mehr in der Bibel. Der heb. Text ist sogar noch redundanter als der dt., weil hier einige dt. Worte nur als Suffixe realisiert sind. In Zeile 1 stehen neben „JHWH“ nur drei „schicksalhafte“ Worte: „JHWH ''Teil'' meines-''Anteils'' meines-''Bechers''“; ähnlich Zeile 2: „Zieher meines-''Lossteins''“. Drei dieser Begriffe („Teil“, „Anteil“ und „Losstein“) stehen häufig außerdem speziell für das Land, dass nach atl. Vorstellung durch das Schicksal jmds Eigen geworden ist (vgl. [[Josua 13 |Jos 13]] und [[Josua 14#s2 |Jos 14,2]]!; z.B. auch [[Richter 18#s1 |Ri 18,1]]). Dies schwingt auch hier mindestens mit, wie V. 6 deutlich macht (vgl. auch die deutliche Parallele in [[Deuteronomium 32#s9 |Dtn 32,9]]), könnte aber auch rein metaphorisch sein, wie es z.B. NGÜ versteht: „Was du mir für mein Leben geschenkt hast, ist wie ein fruchtbares Stück Land, das mich glücklich macht.“<br />''Zieher meines Lossteins'' ist w. „Halter meines Lossteins“; „der, der meinen Losstein hält“ (mit fast allen Exegeten vokalisiert als ''tomech'' statt ''tomich''). Der Losstein hat seinen Platz in der Mantik, also der Disziplin, mit diversen Hilfsmitteln das Schicksal eines Menschen oder den Willen von Göttern zu erfragen – hier also mithilfe von Steinchen. Dass JHWH das Los des Beters „hält“, meint also wohl, dass er es wirft (R-S: „Du wirfst mein Los“) – und dabei sozusagen mogelt, weil durch das Losewerfen ja ohnehin der Wille Gottes herauskommen wird –, dass er also das Geschick des Beters ''lenkt'' (ZÜR31: „Du lenkst mein Geschick“) und zugleich „erhält“, was ihm durch dieses Los beschieden wird (Houston/Waltke 2010, S. 331). Schön FENZ: „Du hältst mein Los und wirfst es recht.“</ref> | ||
{{S|6}} Schnüre fielen mir auf Liebliches (liebliches [Land]),<ref>''Schnüre fielen mir auf Liebliches'' - Auch 16a spricht noch von der Zulosung von Land (s. die vorige FN). Die „Schnüre“ sind die „Messschnüre“; bezeichnet werden also die Grenzen seines ererbten Landes (vgl. [[Amos 7#s17 |Am 7,17): Ihm wurde in der Tat liebliches [Land] beschieden (s. ähnlich noch [[Psalm 78#s55 |Ps 78,55]]; [[Micha 2#s5 |Mi 2,5]]).</ref> | |||
{{S|6}} Schnüre fielen mir auf Liebliches (liebliches [Land]),<ref>''Schnüre fielen mir auf Liebliches'' - Auch 16a spricht noch von der Zulosung von Land (s. die vorige FN). Die „Schnüre“ sind die „Messschnüre“; bezeichnet werden also die Grenzen seines ererbten Landes (vgl. [[Amos 7#s17 |Am 7,17): Ihm wurde in der Tat liebliches [Land] beschieden (s. ähnlich noch [[Psalm 78#s55 |Ps 78,55]]; [[Micha 2#s5 |Mi 2,5]]) | |||
_ja, mein Erbbesitz (der Erbbesitz)<ref>'''tFN''': Heb. ''nachlat'', also auf den ersten Blick „der Erbbesitz“. LXX, Syr, VUL aber übersetzen „''mein'' Erbbesitz“. Wie in V. 2 [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4] also wohl defektive Schreibung von ''nachlati'' („''mein'' Erbbesitz“).</ref> dünkt mich schön!<reF>''dünkt mich schön'' - W. „ist schön auf mir“; die Präp. ''auf'' wird hier wie oft verwendet, um anzuzeigen, dass etwas von jmdm ''empfunden'' wird.</ref> {{par|Jeremia|3|19}}</poem> | _ja, mein Erbbesitz (der Erbbesitz)<ref>'''tFN''': Heb. ''nachlat'', also auf den ersten Blick „der Erbbesitz“. LXX, Syr, VUL aber übersetzen „''mein'' Erbbesitz“. Wie in V. 2 [https://offene-bibel.de/mediawiki/index.php?title=Kommentar:Psalm_16 Kommentar / Textkritik Vv. 2-4] also wohl defektive Schreibung von ''nachlati'' („''mein'' Erbbesitz“).</ref> dünkt mich schön!<reF>''dünkt mich schön'' - W. „ist schön auf mir“; die Präp. ''auf'' wird hier wie oft verwendet, um anzuzeigen, dass etwas von jmdm ''empfunden'' wird.</ref> {{par|Jeremia|3|19}}</poem> | ||
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Psalm 16 ist ein Bittpsalm eines einzelnen Beters. Doch ist er von einer solchen Erhörungsgewissheit durchdrungen, dass die eigentliche Bitte in V. 1 ganz an den Rand gedrängt wird, stattdessen ist der ganze Psalm vollständig durchdrungen von einer Grundstimmung der Hoffnung und des Vertrauens. so dass man ihn gut auch als einen „Vertrauenspsalm“ bezeichnen kann. Die einzelnen Abschnitte sind gut erkennbar:<br />'''V. 1a''' ist die ''Überschrift''. Diese Überschriften wurden nachträglich von Redaktoren hinzugefügt; über ihren Sinn weiß man immer noch nichts Genaueres und auch die Bedeutung der einzelnen Vokabeln ist hier wie meist unklar. Doch da es sich um nachträgliche Hinzufügungen handelt, wirkt sich das glücklicherweise nicht allzu nachteilig auf das Verständnis des Psalms im Ganzen aus.<br />In '''V. 1bc''' folgt die ''Bitte'', an die sich in '''Vv. 2-4''' direkt ein ''Bekenntnis'' anschließt, das Gott wohl auch zum Handeln bewegen soll: Der Beter ist ein Gottgläubiger (V. 2) und führt sein Wohlergehen ganz auf diesen zurück, und er hält sich ganz an die Anhänger dieses Gottes (V. 3). Nicht dagegen hält er sich an die Anhänger anderer Götter (V. 4a) und an diese Götter selbst erst recht nicht (V. 4bc). | |||
Aus diesem Grund kann er in den '''Vv. 5-11''' sprechen von den vergangenen, aktuellen und zukünftigen Segnungen durch diesen guten Gott: In '''Vv. 5-6''' nämlich von den Wohltaten, die er ihm schon erwiesen hat, in '''Vv. 7-8''' von seinem aktuellen segensreichen Verhältnis zu Gott und in '''Vv. 9-11''' von den Segnungen, die er von ihm noch erwarten darf.<br />'''Vv. 5f.''' werden dabei ganz durchwaltet von der Metapher der Landverlosung. Im Hintergrund steht die in [[Josua 13 |Jos 13]] berichtete Verlosung des Landes an die Israeliten, wo es das ''Schicksal'' war, das jedem Menschen den (dann je weiterzuvererbenden) Landbesitz zukommen ließ. Ebenso, sagt der Dichter, ist ''sein'' Schicksal – Gott. In einigen Kommentaren wird der Sprecher wegen dieser Verse für einen Leviten gehalten: Die Leviten waren von der in Jos 13 erzählten Landverlosung ausgenommen; ''ihr'' „Los war JHWH“ ([[Numeri 18#s20 |Num 18,20]]; [[Deuteronomium 10#s9 |Dtn 10,9]]). Dem scheint aber V. 6 zu widersprechen, wonach der Sprecher offenbar doch Land zugelost bekommen hat. Entweder ist der Dichter also Levit und spricht derart metaphorisch vom segensreichen Gott als „seinem zugelosten Land“, dass selbst V. 6 noch eine Metapher hierfür ist (dass dies möglich wäre, zeigt [[Deuteronomium 32#s9 |Dtn 32,9]]), oder er ist gerade kein Levit und V. 5 spricht mithilfe der Landlosmetapher davon, dass ihm ein segensreiches Leben beschieden wurde, weil JHWH es ihm beschieden hat, und zu diesem segensreichen Leben gehört tatsächlich, V. 6., auch liebliches Land.<br />'''Vv. 7f.''' thematisieren sein Verhältnis zu JHWH. Er will JHWH preisen, denn: Tag und nacht spricht Gott zu seinem Verstand und seinem Herzen (V. 7), und entsprechend hält auch sich unaufhörlich Gott bewusst (V. 8a). Die Folge dieses unaufhörlichen Miteinanders ist klar: Nie wird ihm Schlimmes widerfahren (V. 8b).<br />Diese beiden Verse werden in '''Vv. 9-11''' gespiegelt und in die Zukunft fortgeführt: Er kann sich freuen, denn: Nie wird ihm Schlimmes widerfahren (V. 9b-10) und er wird stets auf dem rechten – nämlich dem von Gott gelehrten – Pfad wandeln (V. 11). | |||
Psalm 16,8-11 wird in [[Apostelgeschichte 2#s25 |Apg 2,26-36]] und [[Apostelgeschichte 13#s32 |13,32-39]] als Prophetie über das Schicksal Jesu ausgelegt und im Erlass [http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/pcb_documents/rc_con_cfaith_doc_19330701_falsa-interpr-testi_lt.html De falsa duorum textum biblicorum interpretatione] („Über die falsche Interpretation von Bibeltexten“) von 1933 hat die päpstliche Bibelkommission „bestimmt“, dass dies in der Tat die richtige Bedeutung dieser Verse sei. Vv. 9-10 sprechen nach dieser Auslegung tatsächlich davon, dass ''Jesus'' nicht im Reich der Toten bleiben, sondern ''auferstehen'' wird. Das ist nicht die nächstliegende Bedeutung dieser Verse – der Glaube an die Auferstehung hatte sich zur Abfassungszeit des Psalms vermutlich noch gar nicht entwickelt –, ''an sich'' ist es aber nicht unmöglich, die Verse auch in diese Richtung auszulegen. ''Mindestens'' lässt sich gut mit Weiser 1973, S. 119f. sagen: „[Apg 2,26-36 und Apg 13,32-39 stehen auf demselben] Boden, der durch den ganzen Psalm hindurch als die Grundlage des starken Glaubensoptimismus beim Dichter sichtbar geworden ist: Die Lebensgemeinschaft mit Gott. Wo dieses Leben mit Gott den ganzen Menschen erfasst, verliert der Tod praktisch jenes furchtbare Gewicht, das er für den Menschen [...] besitzt. Dies ist der Weg der Überwindung des Todes, den der Psalm beschreitet: Für die Lebensmacht Gottes, an der der Dichter teilhaben darf, ist Tod und Unterwelt kein unüberschreitbares Hindernis mehr, woran jene Lebensgemeinschaft zerbrechen müsste. [...] Gewiß ist V. 10 [ursprünglich] nicht als weisagende Ankündigung der Auferstehung Jesu gemeint, aber der neutestamentliche Auferstehungsglaube und das, was den Psalmisten hier bewegt, stehen auf dem gleichen Grunde, nämlich auf dem unerschütterlichen Glauben an die Lebensmacht Gottes, die in der Auferstehung des Christus den Tod endgültig überwunden hat.“ | |||
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Version vom 29. Juni 2018, 14:25 Uhr
Syntax ungeprüft


Lesefassung (Psalm 16)
(kommt später)Studienfassung (Psalm 16)
1 miktam〈a〉 von (für, über, nach Art von ) David.
Schütze mich, Gott,
denn ich berge mich bei dir (vertraue dir)!
2 Ich sage (du sagst)〈b〉 zu (über, was ... angeht) JHWH: „Mein ({Mein}) Herr [bist] du!
Mein Wohlergehen (Glück) [ist] nicht außer durch dich (nicht über dir?)!“,〈b〉
3 Zu den (über die, was ... angeht) Heiligen,〈c〉 die im Land (auf der Erde) [sind]: „Diese,〈d〉 die (meine) Herrlichen:〈c〉
Mein ganzes Wohlgefallen [richtet sich] auf sie!“〈e〉
4 Es sollen (werden) sich vermehren die Schmerzen〈f〉 (Götzenbilder) derer (es vermehren sich ihre Schmerzen die), die einem anderen (die anderen) nacheilen (?, umwerben?),〈g〉
Nicht werde ich libieren ihre Blutlibationen (ihre Libationen mit [meiner] Hand),〈h〉
Nicht werde ich heben ihre Namen auf meine Lippen!〈i〉
5 JHWH [ist] das Teil meiner Zuteilung und meines Bechers,
Zieher meines Lossteins (Erhalter meines Loses).〈j〉
6 Schnüre fielen mir auf Liebliches (liebliches [Land]),〈k〉
ja, mein Erbbesitz (der Erbbesitz)〈l〉 dünkt mich schön!〈m〉 ℘
7 Ich will preisen JHWH, der mich berät,
ja, [selbst] in den Nächten belehren (züchtigen) mich meine Nieren.〈n〉
8
9
10 Denn du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen, du wirst deinen Frommen nicht dem Sehen der Grube (des Grabes) hingeben〈o〉.
11 Du wirst mir kundtun (mich erkennen lassen) den Weg (Pfad) des Lebens; [eine] Fülle (Sättigung) der Freuden ist vor deinem Angesicht, Annehmlichkeiten (Freuden, Liebliches) in deiner Rechten allezeit〈p〉.
Anmerkungen
Psalm 16 ist ein Bittpsalm eines einzelnen Beters. Doch ist er von einer solchen Erhörungsgewissheit durchdrungen, dass die eigentliche Bitte in V. 1 ganz an den Rand gedrängt wird, stattdessen ist der ganze Psalm vollständig durchdrungen von einer Grundstimmung der Hoffnung und des Vertrauens. so dass man ihn gut auch als einen „Vertrauenspsalm“ bezeichnen kann. Die einzelnen Abschnitte sind gut erkennbar:
V. 1a ist die Überschrift. Diese Überschriften wurden nachträglich von Redaktoren hinzugefügt; über ihren Sinn weiß man immer noch nichts Genaueres und auch die Bedeutung der einzelnen Vokabeln ist hier wie meist unklar. Doch da es sich um nachträgliche Hinzufügungen handelt, wirkt sich das glücklicherweise nicht allzu nachteilig auf das Verständnis des Psalms im Ganzen aus.
In V. 1bc folgt die Bitte, an die sich in Vv. 2-4 direkt ein Bekenntnis anschließt, das Gott wohl auch zum Handeln bewegen soll: Der Beter ist ein Gottgläubiger (V. 2) und führt sein Wohlergehen ganz auf diesen zurück, und er hält sich ganz an die Anhänger dieses Gottes (V. 3). Nicht dagegen hält er sich an die Anhänger anderer Götter (V. 4a) und an diese Götter selbst erst recht nicht (V. 4bc).
Aus diesem Grund kann er in den Vv. 5-11 sprechen von den vergangenen, aktuellen und zukünftigen Segnungen durch diesen guten Gott: In Vv. 5-6 nämlich von den Wohltaten, die er ihm schon erwiesen hat, in Vv. 7-8 von seinem aktuellen segensreichen Verhältnis zu Gott und in Vv. 9-11 von den Segnungen, die er von ihm noch erwarten darf.
Vv. 5f. werden dabei ganz durchwaltet von der Metapher der Landverlosung. Im Hintergrund steht die in Jos 13 berichtete Verlosung des Landes an die Israeliten, wo es das Schicksal war, das jedem Menschen den (dann je weiterzuvererbenden) Landbesitz zukommen ließ. Ebenso, sagt der Dichter, ist sein Schicksal – Gott. In einigen Kommentaren wird der Sprecher wegen dieser Verse für einen Leviten gehalten: Die Leviten waren von der in Jos 13 erzählten Landverlosung ausgenommen; ihr „Los war JHWH“ (Num 18,20; Dtn 10,9). Dem scheint aber V. 6 zu widersprechen, wonach der Sprecher offenbar doch Land zugelost bekommen hat. Entweder ist der Dichter also Levit und spricht derart metaphorisch vom segensreichen Gott als „seinem zugelosten Land“, dass selbst V. 6 noch eine Metapher hierfür ist (dass dies möglich wäre, zeigt Dtn 32,9), oder er ist gerade kein Levit und V. 5 spricht mithilfe der Landlosmetapher davon, dass ihm ein segensreiches Leben beschieden wurde, weil JHWH es ihm beschieden hat, und zu diesem segensreichen Leben gehört tatsächlich, V. 6., auch liebliches Land.
Vv. 7f. thematisieren sein Verhältnis zu JHWH. Er will JHWH preisen, denn: Tag und nacht spricht Gott zu seinem Verstand und seinem Herzen (V. 7), und entsprechend hält auch sich unaufhörlich Gott bewusst (V. 8a). Die Folge dieses unaufhörlichen Miteinanders ist klar: Nie wird ihm Schlimmes widerfahren (V. 8b).
Diese beiden Verse werden in Vv. 9-11 gespiegelt und in die Zukunft fortgeführt: Er kann sich freuen, denn: Nie wird ihm Schlimmes widerfahren (V. 9b-10) und er wird stets auf dem rechten – nämlich dem von Gott gelehrten – Pfad wandeln (V. 11).
Psalm 16,8-11 wird in Apg 2,26-36 und 13,32-39 als Prophetie über das Schicksal Jesu ausgelegt und im Erlass De falsa duorum textum biblicorum interpretatione („Über die falsche Interpretation von Bibeltexten“) von 1933 hat die päpstliche Bibelkommission „bestimmt“, dass dies in der Tat die richtige Bedeutung dieser Verse sei. Vv. 9-10 sprechen nach dieser Auslegung tatsächlich davon, dass Jesus nicht im Reich der Toten bleiben, sondern auferstehen wird. Das ist nicht die nächstliegende Bedeutung dieser Verse – der Glaube an die Auferstehung hatte sich zur Abfassungszeit des Psalms vermutlich noch gar nicht entwickelt –, an sich ist es aber nicht unmöglich, die Verse auch in diese Richtung auszulegen. Mindestens lässt sich gut mit Weiser 1973, S. 119f. sagen: „[Apg 2,26-36 und Apg 13,32-39 stehen auf demselben] Boden, der durch den ganzen Psalm hindurch als die Grundlage des starken Glaubensoptimismus beim Dichter sichtbar geworden ist: Die Lebensgemeinschaft mit Gott. Wo dieses Leben mit Gott den ganzen Menschen erfasst, verliert der Tod praktisch jenes furchtbare Gewicht, das er für den Menschen [...] besitzt. Dies ist der Weg der Überwindung des Todes, den der Psalm beschreitet: Für die Lebensmacht Gottes, an der der Dichter teilhaben darf, ist Tod und Unterwelt kein unüberschreitbares Hindernis mehr, woran jene Lebensgemeinschaft zerbrechen müsste. [...] Gewiß ist V. 10 [ursprünglich] nicht als weisagende Ankündigung der Auferstehung Jesu gemeint, aber der neutestamentliche Auferstehungsglaube und das, was den Psalmisten hier bewegt, stehen auf dem gleichen Grunde, nämlich auf dem unerschütterlichen Glauben an die Lebensmacht Gottes, die in der Auferstehung des Christus den Tod endgültig überwunden hat.“
| a | miktam - Unbekanntes Wort, das vermutlich als Überschrift die Gattung von Ps 16 und Ps 56-60 angeben soll; daher meist mit dem Platzhalterbegriff „Lied“ übersetzt oder einfach transkribiert; für die LF ist wohl ersteres zu empfehlen. Im Talmudhebräischen bedeutet das Wort „Dokument“, im Neuhebräischen „Epigramm“; LXX hält es für ein ebensolches, in Stein Gehauenes, und übersetzt mit steleographia („Inschrift“, so auch BB und viele Kommentare). In allen drei Fällen wird das Wort aber wohl eher mit miktab („Geschriebenes“) verbunden, das sich als Psalmüberschrift in Jes 38,9 findet (Pietersma 2010, S. 524f.), was man schön an Tg sieht: Dieser hält das Wort wohl für eine Mischbildung aus miktab und tam („aufrecht“) und übersetzt „aufrechte Inschrift“. Ähnlich verfahren auch Aq, Sym, VUL, Raschi und andernorts Tg, zerlegen das Wort in die Bestandteile mk und tm und übersetzen „vom demütigen und aufrechten David“. Dass das Wort unbekannt war, sieht man noch besser an Quinta und Sexta, die bloß transkribieren: machtham. Luther leitet das Wort ab von ketem („Gold“), daher die Üs. „gülden Kleinod“ in den Lutherbibeln. Das „Sühngedicht“ von B-R und Stier2 kommt von einer Ableitung von katam („bedecken“), das auch für das „Sühnen“ von Sünden stehen kann (so z.B. auch Sawyer 2011b, S. 294). (Zurück zu v.1) |
| b | Textkritik: Vv. 2-4 gehören zu den umstrittensten Versen im Psalmenbuch überhaupt. Teilweise liegt das daran, dass sich hier eine Reihe textkritischer Probleme finden; zu diesen s. den Kommentar / Textkritik Vv. 2-4. Zu Vv. 2-4: Weiterhin sehr erschwert wird das Verständnis dieser Verse durch viele (oben im Text angezeigte oder in den folgenden FNn angegebene) Ambiguitäten, die zusammengenommen dazu führen, dass der Text auf ganz verschiedene Weisen verstanden werden könnte. Hinzu kommt v.a. noch die Problematik, dass das Hebräische keine Anführungs- und Schlusszeichen kennt und daher auch V. 3 oder sogar noch V. 4 als wörtl. Rede vom „ich sage/du sagst“ in V. 2 abhängen könnten; außerdem die Tatsache, dass V. 3b auch als unmarkierter Relativsatz verstanden werden kann. Neben der obigen (z.B. auch von ALB und MEN) gewählten Auflösung hier nur noch die drei häufigsten Alternativauflösungen, die grammatisch auch möglich sind:
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| c | Heilige + die Herrlichen - Gemeint sind wohl die JHWH-Gläubigen, vgl. Ex 19,6; Dtn 33,3; Dan 7,21.25; Ps 34,10. Dass sie „im Land“ sind, ist nicht irrelevant: Im AT sind klar die Israeliten JHWHs auserwähltes Volk; auf denselben Gedanken wird auch mehrfach in Vv. 5f. angespielt. Dem Psalmisten geht es gut, weil JHWH ihm wohl tut, und er tut dies u.a. auch, weil er ganz Israelit ist, sich in aller Entschiedenheit an die „Heiligen im Land“ hält, Gottes auserwähltes Volk. Diese sind „herrlich“; ein Begriff, mit dem man im Heb. bes. würdige und mächtige Menschen bezeichnet (s. Ri 5,13: Die „Edlen des Volkes“ |