Syntax ungeprüft


Lesefassung (Hohelied 1)
(kommt später)Studienfassung (Hohelied 1)
1 Das Lied der Lieder,〈a〉 welche [sind] (welches [ist])〈b〉 von (für, über, nach Art von) Salomon
2 [Frau:]〈c〉 „Er küsse mich mit Küssen (mit einigen von den Küssen) seines Mundes!〈d〉
Oh!, (Denn) deine〈e〉 Liebkosungen〈f〉 [müssen] besser [sein]〈g〉 als Wein!
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Anmerkungen
| a | Lied der Lieder - Eine der Weisen, im Heb. einen Superlativ zu bilden: „Das schönste Lied“. (Zurück zu v.1) |
| b | welche [sind] (welches [ist]) - der Nebensatz lässt sich entweder auf das Lied („Salomo hat dieses schönste aller Lieder geschrieben“) oder auf der Lieder beziehen („Dieses Lied ist das schönste von Salomos Liedern“). Diese zweite Auflösung ist wahrscheinlicher, da da für die erste Auflösung die Relativpartikel welche(s) unnötig wäre (s. die vielen Psalmüberschriften ohne Relativpartikel; so richtig Rudolph 1962, S. 121). (Zurück zu v.1) |
| c | Das Hohelied besteht zu einem großen Teil aus Dialogen. Das Verständnis des Textes wird sehr dadurch erschwert, dass im hebräischen Text nie angegeben ist, wer welche Textteile spricht. Schon in der LXX und VUL haben daher Schreiber sog. „Rubriken“ eingefügt, also mit roter Tinte geschriebene Angaben darüber, welchem Sprecher welche Äußerung zuzuschreiben ist (vgl. dazu Treat 1996, bes. S. 399ff.). Zur Förderung der Verständlichkeit der Üs. folgen wir diesem Beispiel; nur, wo in der Exegese größere Uneinigkeit über die Zuordnung einer Äußerung zu einem Sprecher herrscht, folgt darauf noch eine Extrafußnote zur Begründung dieser Zuordnung. (Zurück zu v.2) |
| d | Küsse seines Mundes - die Extra-nennung von „seines Mundes“ ist im Alten Israel nicht überflüssig, da im Alten Orient auch der Nasenkuss verbreitet war: das Aneinanderreiben der Nasen als Zeichen der Zuneigung, wie wir das heute noch als „Eskimokuss“ kennen. Intimer war aber der Mundkuss (vgl. Fox 1985, S. 97), und dieser wird hier ersehnt. Das mi- („mit / mit einigen von“) ist daher eher ein sog. „Min instrumenti“ („Er soll mich mit Mund-küssen küssen!“) als ein „Min partitivum“ („Einige der Küsse seines Mundes sollen auch mich treffen“). (Zurück zu v.2) |
| e | deine - Der Wechsel von der 3. zur 2. Person („Er küsse mich“ - „Deine Liebkosungen“) wird von den meisten Exegeten als P-Shift verstanden: Im Heb. kann von einer Zeile auf die nächste von einer Person zur nächsten gewechselt werden, ohne, dass dies einen Unterschied in der Bedeutung machen soll. Zu übersetzen wäre dann auch im Folgenden mit der 3. Person. Da aber auch in den nächsten Zeilen mit der 2. Person fortgefahren wird, ist der Personenwechsel besser mit Peetz 2015, S. 65f.; Zakovitch 2004, S. 110 zu erklären: Der Wechsel zur zweiten Person soll das Folgende als Phantasie erscheinen lassen: „Die Frau träumt im Wachen: Ihre Sehnsucht nach dem ‚König‘, dem Geliebten, ist so groß, dass sie sich bei ihm wähnt“ (Zakovitch 2004, S. 110). (Zurück zu v.2) |
| f | Liebkosungen - Eher nicht: „Liebe“ (so viele Üss.); dod meint md. im Hohelied recht eindeutig sexuelle Handlungen (vgl. z.B. Bloch/Bloch 1995, S. 3.137). (Zurück zu v.2) |
| g | [müssen] besser [sein] - Dass in der ersten Zeile die Küsse des Geliebten ersehnt werden, heißt wahrscheinlich, dass die Frau ihn zuvor noch nicht geküsst hat. Darauf weist auch, dass die Tatsache, dass seine Küsse besser sind als Wein, Grund für alle Mädchen ist, ihn zu lieben (sie werden es doch wohl nicht alle am eigenen Leib erfahren haben?). Der verblose Satz ist daher besser als Vermutung zu verstehen (sog. „epistemische Modalität“ wie Vermutungen, Einschätzungen etc. werden im Heb. nicht eigens markiert und muss daher aus dem Kontext erschlossen werden (vgl. z.B. Lauber 2008-2011) - anders als im Dt., wo hierfür z.B. Hilfsverben wie „müssen“, „dürfen“ etc. oder Modalpartikel wie „wahrscheinlich“, „vermutlich“ etc. dienen). (Zurück zu v.2) |